Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Wir haben schon einiges zum Thema Kernkraft gehört. Ich frage Sie, ich frage uns: Was verbinden wir eigentlich mit dem Thema „Kernkraft/Kernenergie“? Sind es graue Anlagen in der Landschaft? Ist es günstiger Strom? Ist es der Transport von Castorbehältern? Sind es die Demonstrationen, die wir zu diesem Thema hatten und vielleicht auch noch haben werden? Sind es politische Debatten, die wir hier im Haus führen? Jeder von uns hat, glaube ich, ein anderes Bild vor Augen. Heute diskutieren wir hier erneut: Brauchen wir Kernenergie, ja/nein? Wollen wir sie hier bei uns im Land haben? Und begleitet wird diese Diskussion natürlich vom Thema Energiesicherheit, von der Frage nach Abhängigkeit und nach Klimaneutralität.
Es wurde schon beschrieben: Deutschland hat im Jahr 2011 den Atomausstieg beschlossen. 2023 wurden die letzten AKWs – Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 – abgeschaltet. Das aus heutiger Perspektive zu beurteilen, ist natürlich unglaublich leicht. Wir können darüber streiten, ob es richtig war, ob es gut war, ob man es heute anders machen würde. Aber es ist die Realität, in der wir leben und mit der wir auch umgehen müssen.
Im Zusammenhang mit den globalen Krisen, die wir gerade erleben, und auch in Zusammenhang mit den Äußerungen von Frau von der Leyen jetzt beim Kernenergiegipfel in Paris Anfang März ist es verständlich und auch nicht überraschend, dass wir über dieses Thema noch einmal diskutieren.
Besonders im Fokus der medialen Aufmerksamkeit stand das Thema Mini-Atomkraftwerke bzw. Small Modular Reactors. Wie der Name schon sagt, sind das kleine Reaktoren, die logischerweise etwas weniger Leistung erbringen. Der Kommission zufolge wollen wir Anfang der 2030er-Jahre dafür sorgen, dass diese bei uns in Europa einsatzbereit sind. Ob das alles wirklich Hand und Fuß hat, kann bezweifelt werden. Herr Schneider hat angesprochen, dass es bis jetzt diese serielle Produktion, die geplant ist, noch nicht gibt bzw. es bisher nur in anderen Teilen der Welt derzeit Forschungsvorhaben gibt.
Ein großer Vorteil dieser Mini-AKWs soll ja sein, dass man in die Serienproduktion gehen kann. Dadurch sollen sie günstiger werden und vor allem fertig aus der Fabrik direkt zum Einsatzort gelangen. Das ist natürlich sehr attraktiv bzw. kann attraktiv wirken, wenn wir uns anschauen, wie teuer es ist, ein neues AKW zu bauen; meine Vorrednerin hatte das auch schon angesprochen. Ein prominenter Fall ist der aus Frankreich, wo über 17 Jahre lang an einem AKW gebaut worden ist. Insgesamt haben die Kosten über 23 Milliarden Euro betragen.
Wie ich schon erwähnt habe: Auch beim Thema Mini- AKWs werden die Wirtschaftlichkeit und auch die Einsatzfähigkeit hinterfragt.