Herzlichen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die heutige Aktuelle Stunde trägt den Titel „Kernenergiegipfel in Paris“. Wir haben bis jetzt relativ wenig zu dem gehört, was dort tatsächlich stattgefunden hat. Es haben sich dort Vertreter aus 40 Ländern getroffen, und sie haben darüber diskutiert, wie sie bis zum Jahre 2050 eine Verdreifachung der Produktion der Kernenergie hinbekommen wollen.
Warum wollen sie das? Sie haben zwei Punkte genannt, die für sie wichtig sind, warum sie sich getroffen haben. Der erste Punkt ist, erst einmal die Energiepreise zu stabilisieren.
Der zweite Punkt ist, klimafreundlichen Strom zu produzieren und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Man muss nicht dieser Meinung sein; aber ich finde das, was ich teilweise in Reden gehört habe, ehrlich gesagt abenteuerlich: Wir in Deutschland wissen, wie es geht, und alle anderen wissen es nicht.
Das waren nicht Vertreter aus 40 Dritte-Welt-Ländern, die sich da getroffen haben, sondern unsere europäischen Nachbarn und Vertreter großer Industrien.
Während wir in Deutschland jahrelang über das Ob streiten, diskutiert der Rest der Welt längst über das Wie.
In Europa sind aktuell 168 Reaktorblöcke in 17 Ländern am Netz.
Belgien hat im Mai 2025 seinen Atomausstieg rückgängig gemacht. Und selbst die EU hat entschieden: Investitionen in Atomkraft gelten als klimaneutral. – China baut Atomkraftwerke; die USA betreiben mittlerweile 54 Kernkraftwerke, die heute schon 19 Prozent des benötigten Stroms liefern. Die Investitionen in das, was wir heute den ganzen Tag schon gehört haben – Small-Modular-Reactor-Technologie –, sind mittlerweile von dreistelligen Millionenbeträgen auf Milliarden angestiegen – nicht unsere; das machen andere.
Die Welt setzt auf Kernenergie – aus gutem Grund: Es geht um sichere, verfügbare Leistung. Und da viele immer von Klimaschutz reden, würde ich sagen: Wir sollten auch danach handeln. Wenn wir uns nach dem Weltklimarat, dem IPCC, richten und uns anschauen würden, wie es bei den CO2-Emissionen aussieht, dann würden wir sehen, dass Atomkraft genauso viel CO2 verursacht wie Windkraft. Kohle liegt bei 820 Gramm je produzierter Kilowattstunde, Solar bei 41 Gramm, Wind bei 11 Gramm, Kernenergie bei 12 Gramm.
Jetzt gibt es noch einen Faktor, den ich immer sehr spannend finde; das ist der sogenannte Erntefaktor, der gerade für jemanden, der ökologisch nachhaltig denkt, besonders wichtig ist. Wie viel Energie muss ich reingeben, um Energie zurückzubekommen? Bei Wind kriege ich – je nachdem, ob onshore oder offshore – aus einer Einheit 16 bis maximal 50 Einheiten heraus. Bei Kohle liegt das Verhältnis mittlerweile nur noch bei 1 zu 30, bei Gas 1 zu 28, bei Solar 1 zu 3 und bei Kernenergie 1 zu 75. Das nenne ich persönlich nachhaltig.
Meine Damen und Herren, selbst kritische Stimmen sagen heute: Wir müssen technologieoffen sein. – Ich würde sehr gerne mit Ihrer Erlaubnis zitieren, Frau Präsidentin: Man sollte „den alten Kampf Erneuerbare gegen Atomkraft beerdigen: Hauptsache, gemeinsam decken sie schnell über 80 Prozent des europäischen Strombedarfs“. Jetzt frage ich mal in die Runde: Wer hat das gesagt?
Ein guter Kollege von Ihnen,
nämlich Patrick Graichen, und zwar am 6. März 2026.
Ich glaube, wenn der Kollege in der Lage ist, dazuzulernen, sollten wir das an der Stelle auch tun.
Der Atomausstieg hat Deutschland laut Studien rund 330 Milliarden Euro gekostet; das entspricht circa 3 900 Euro pro Bürger. Was interessant ist: Wir diskutieren nach wie vor darüber, dass wir ausgestiegen sind und auch draußen bleiben wollen. Aber die europäischen Fördermittel machen nicht halt, auch nicht vor Atomkraftwerken in Polen, die unsere Bürger tatsächlich mitfinanzieren.
Meine Damen und Herren, es ist schwierig, den Menschen zu erklären, warum unsere Strompreise so teuer sind und wir uns bei dieser Technologie etwas zurückhalten. Ich bin sehr froh, dass das Wirtschaftsministerium mittlerweile wieder ein Referat hat, das sich mit den Kompetenzen zur Kernenergie befasst. Wir brauchen in Zukunft eine sichere, billigere, flexiblere, effizientere und vor allen Dingen wetterunabhängige und nachhaltige Energieversorgung.
Meine Damen und Herren, die Zukunft der Energie ist nicht Entweder-oder; sie ist alternativ – ganz klar – und perspektivisch ganz sicher auch in Deutschland wieder nuklear.
Vielen Dank.