Herr Präsident! Anwesende Damen und Herren! „Vergesst niemals Hatun!“: Das war das Motto einer Konferenz in Köln am Internationalen Frauentag 2006. Es war das Motto einer Kampagne gegen Ehrenmorde. Hatun Sürücü wurde Opfer eines Ehrenmordes, der Deutschland erschütterte und eine gesellschaftliche Debatte auslöste. Davon geblieben ist ein Gedenkstein hier in Berlin. Hatun aber wurde vergessen.
Alle Opfer von Ehrenmorden werden heute unter dem Begriff „Femizid“ subsumiert. Ehrenmorde sind aber keine gewöhnlichen Morde an Frauen. Nein, diese Frauen werden ermordet, weil sie gegen eine archaische Familienehre verstoßen, die unserer Kultur fremd ist.
Aber statt Probleme beim Namen zu nennen und sie entschlossen zu bekämpfen, werden sie totgeschwiegen.
„Es gibt keinen ‚Ehrenmord‘!“, das behauptete 2019 die Grüne Renate Künast mehrfach in einem Zwischenruf in einer Debatte in diesem Hause.
Das ist Realitätsverweigerung pur und einfach nur widerlich.
Es gibt sie. Und wer das leugnet, schützt die Täter.
Wissenschaftler, die sich mit den Hintergründen von Ehrenmorden befassen, betonen, dass diese Bluttaten einen Öffentlichkeitsanspruch haben. Auch deswegen werden sie zum Teil auf offener Straße durchgeführt. Diese öffentlichen Morde bleiben in der Kriminalstatistik unsichtbar. Das wollen wir mit unserem Antrag ändern.
Im Jahr 2006 wurden zuletzt Zahlen zu Ehrenmorden veröffentlicht. Diese besagen: Es gab 55 versuchte und vollendete Ehrenmorde innerhalb von zehn Jahren.