Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Wehrbeauftragter, zunächst möchte ich mich bei Ihnen, lieber Henning Otte, und bei Ihrem ganzen Team für die wertvolle Arbeit bedanken. Denn die Rolle des Wehrbeauftragten ist in diesen Zeiten wichtiger denn je.
Wir alle wissen, wie groß die Bedrohungslage ist, der wir ausgesetzt sind. Deswegen wissen wir, wie lebenswichtig eine verteidigungsfähige Bundeswehr ist. Diese verteidigungsfähige Bundeswehr, die besteht nicht nur aus Material, die besteht nicht nur aus Panzern, aus Drohnen und Fregatten, sondern für diese verteidigungsfähige Bundeswehr kommt es vor allem auf jede Soldatin und jeden Soldaten an, auf jeden Einzelnen von ihnen.
Diese Soldatinnen und Soldaten sind bereit – und das sollten wir uns hier immer wieder vor Augen führen –, ihr Leben für unser Leben zu riskieren. Wer bereit ist, im Ernstfall den höchsten Preis zu zahlen, der verdient nicht nur, hervorragend ausgebildet und ausgestattet zu sein, sondern der verdient auch unseren tiefen Respekt, unsere Wertschätzung und Dankbarkeit und unser Anpacken dafür, dass die Bedingungen gut sind.
Es ist darum überaus wichtig, dass Sie, lieber Henning Otte, sich als Sprachrohr derer verstehen, die uns im Ernstfall verteidigen. Jahr für Jahr gehen bei Ihnen Tausende Eingaben von Soldatinnen und Soldaten ein, die auf Missstände und Schwachstellen in der Bundeswehr hinweisen. Dass solche Eingaben möglich sind, dass Sie über sie berichten und wir sie hier ernsthaft aufnehmen und kritisch adressieren – auch in Richtung der Bundesregierung –, ist unser Selbstverständnis als demokratische Parlamentsarmee.
Es ist wichtig, dass Sie in Ihrem Bericht beispielsweise die lange Dauer von sogenannten Wehrdienstbeschädigungsverfahren erwähnen – ein sehr sperriger Begriff für ein verdammt ernstes Thema. Worum geht es? Aktuell ist es so, dass einsatzversehrte Soldatinnen und Soldaten teilweise jahrelang auf die Anerkennung ihrer Einsatzschädigung und der damit verbundenen Entschädigung warten müssen. Das kann nicht sein.
Denn es geht um Menschen, die schwer traumatisierende Erfahrungen gemacht haben, die stundenlang im Feuergefecht waren, die mitansehen mussten, wie ihre Kameraden in die Luft gesprengt wurden, die tote Kameraden aus brennenden Kampfhubschraubern geborgen haben – Erfahrungen, die man ein Leben lang nicht vergisst und die einen schwer aus der Bahn werfen können. Diese Soldatinnen und Soldaten brauchen die Erfahrung, dass sie nicht im Stich gelassen werden von diesem Staat, dem sie treu dienen. Sie brauchen schnell Klarheit über den Umgang mit ihrer Einsatzschädigung.
Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie Wege findet, die Verfahren zu vereinfachen, zu beschleunigen und traumasensibler zu gestalten.
Vielen Dank, lieber Henning Otte, dass Sie auch den Nationalen Veteranentag als wichtiges Zeichen der Wertschätzung für die Truppe erwähnen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte Sie bitten, einmal auf Ihr Handy zu schauen und zu prüfen, ob Sie am 15. Juni oder drumherum noch Platz im Terminkalender haben.
Wenn das so ist, dann lassen Sie uns gemeinsam den zweiten Nationalen Veteranentag als Zeichen der Dankbarkeit unserer Gesellschaft noch sichtbarer machen!
Meine ganz konkrete Bitte an Sie alle: Nutzen Sie die nächsten Wochen! Führen Sie Gespräche mit Bürgermeisterinnen, mit Landräten! Werben Sie für Veranstaltungen bei Ihnen vor Ort, für Gedenkgottesdienste, für Grillfeste im Park! Vieles ist möglich, um Danke zu sagen. Unsere Truppe hat es verdient.
Vielen Dank.