Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Aber vor allem: Liebe Soldatinnen und Soldaten! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter Otte, Ihnen und Ihrem Team herzlichen Dank für die Arbeit und für den Bericht, den Sie uns heute hier vorgelegt haben. Dieser Bericht legt erneut sehr umfassend offen, wie es um unsere Bundeswehr steht: zwischen spürbarem Fortschritt, aber nach wie vor auch strukturellen Defiziten. Deshalb ist dieser Bericht nicht nur Bestandsaufnahme, sondern auch Arbeitsauftrag für uns alle.
Die Debatte im Berichtsjahr war vor allem vom neuen Wehrdienst und den notwendigen Aufwuchspfaden sowohl für die aktive Truppe als auch für die Reserve bestimmt. Die notwendigen Grundlagen für den neuen freiwilligen Wehrdienst sind zwischenzeitlich gelegt, und jetzt kommt es ganz entscheidend darauf an, wie wir dieses Modell in der Praxis ausgestalten. Der freiwillige Wehrdienst wird dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn er attraktiv, flexibel und gesellschaftlich anschlussfähig umgesetzt wird; denn wer junge Menschen gewinnen will, muss Sinn vermitteln, Perspektiven aufzeigen und Verlässlichkeit garantieren.
Und vor allem gilt: Wer Menschen gewinnt, muss sie auch halten. Und genau hier liegt eine der großen Herausforderungen; denn auch das zeigt der Bericht: Nach wie vor verlassen Soldatinnen und Soldaten die Bundeswehr vorzeitig, weil Erwartungen und Realität auseinanderklaffen. Mangelnde Planbarkeit, Defizite bei der Infrastruktur, aber auch Fragen der Vereinbarkeit von Dienst und Familie spielen dabei eine Rolle. Wer heute dient, der erwartet eben ganz zu Recht – und dafür unternehmen wir auch alle Anstrengungen – moderne Arbeitsbedingungen, funktionierende Kasernen, digitale Prozesse, verlässliche Karrierewege und eine Führungskultur, die Leistung anerkennt und Entwicklung ermöglicht.
Ein weiterer Punkt, den der Wehrbeauftragte ganz deutlich in seinem Bericht anspricht, ist auch der Umgang mit den Bewerbungen und der Prozess vom Assessment über die Einplanung bis zur Einstellung. Hier sieht man schon erhebliche Fortschritte, vor allem im Bereich der Digitalisierung, und auch beschleunigte Verfahren. Aber es bleibt auch hier noch viel zu tun. Lange Bearbeitungszeiten, mangelnde Transparenz und unnötige Bürokratie werden von den Soldatinnen und Soldaten oft beklagt.
Ein weiteres Beispiel für eine ausbaufähige Digitalisierung ist der Bereich der Gesundheitsversorgung unserer Soldatinnen und Soldaten. Gesundheitsakten werden nach wie vor noch in Papierform geführt. Das führt oft nicht nur zu unvollständigen Unterlagen, sondern vor allem auch zu Verzögerungen. Deshalb ist es nicht nur wünschenswert, sondern wirklich überfällig, dass die vom Ministerium anvisierte Anfangsbefähigung einer digitalen Gesundheitsakte Ende 2027 dann auch tatsächlich kommt.
Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich zum Schluss den Soldatinnen und Soldaten Dank sagen, die täglich bereit sind, für unser Land, für unsere Demokratie Verantwortung zu übernehmen – im Inland sowie im Ausland. Sie leisten ihren Dienst mit großem Engagement und oft unter schwierigen Bedingungen. Dieser Einsatz verdient Respekt, und er verpflichtet uns, die Rahmenbedingungen immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, anzupassen und zu verbessern. Dazu gehört auch die gesellschaftliche Anerkennung.
Mit dem Nationalen Veteranentag, den wir im letzten Jahr am 15. Juni zum ersten Mal begehen konnten, setzen wir ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung. Wer unserem Land dient oder gedient hat, verdient Sichtbarkeit, Anerkennung und Respekt,
aber eben nicht nur an einem Tag, sondern dauerhaft. Der Veteranentag kann daher ein Ankerpunkt sein, um die Verbindung zwischen Bundeswehr und Gesellschaft zu stärken. Entscheidend ist, dass sich daraus mehr entwickelt als Symbolik. Wir brauchen konkrete Unterstützung, bessere Versorgung und einen selbstverständlichen Platz für Veteraninnen und Veteranen in unserer Mitte.
Kolleginnen und Kollegen, der Bericht zeigt: Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Und den werden wir auch konsequent weiterverfolgen: mit Entschlossenheit, Realismus und Respekt für die Menschen, die der Bundeswehr dienen.