Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Soldatinnen und Soldaten! Zunächst möchte auch ich dem Wehrbeauftragten Henning Otte und seinem ganzen Haus ausdrücklich danken.
Sein Bericht ist weit mehr als eine reine Bestandsaufnahme. Er ist ein unverzichtbares Instrument parlamentarischer Kontrolle und vor allem ein klarer Arbeitsauftrag für uns alle. Es geht dabei nicht um einen Fingerzeig, sondern darum, unsere Bundeswehr so zu unterstützen, wie sie es braucht und wie sie es verdient.
Denn eines ist klar: Die sicherheitspolitische Lage hat sich grundlegend verändert. Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Deutschland steht mehr denn je in Verantwortung – militärisch, politisch und strategisch. Wir brauchen einen klaren Plan für unsere militärische Verteidigungsfähigkeit. Dieser Plan muss zwingend Personal, Einsatzfähigkeit und Struktur gleichermaßen beinhalten.
Ich komme zum Personal. Der Bericht macht deutlich: Wir brauchen weiterhin einen Aufwuchs. Zugleich müssen wir die Soldatinnen und Soldaten stärken, die bereits täglich pflichtbewusst ihren Dienst leisten. Das neue Wehrdienstmodell ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn sich erst noch zeigen muss, ob das wirklich ausreichend ist. Klar ist aber: Mehr Personal allein genügt nicht. Entscheidend sind ebenso gute Unterkünfte, verlässliche Ausbildung, echte Aufstiegschancen und funktionierende Betreuung – egal ob im Inland oder im Ausland.
Wir müssen unsere Potenziale aber auch konsequent ausschöpfen, und darum geht mein Blick noch mal auf die Frauen in der Bundeswehr. Noch immer wird das enorme Potenzial unserer Soldatinnen nicht ausreichend genutzt. Obwohl sie überall dort, wo sie eingesetzt sind, hervorragende Arbeit leisten, liegt ihr Anteil insgesamt unter 14 Prozent in der Bundeswehr, in der kämpfenden Truppe bei rund 10 Prozent und bei den Berufssoldatinnen außerhalb des Sanitätsdienstes sogar nur bei 7 Prozent. Das können wir besser! Deshalb braucht es gezielte Förderung, faire Beurteilungssysteme und echte Chancengleichheit für alle.
Ein weiterer Punkt ist die Einsatzfähigkeit. Sie entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern täglich in der Truppe. Trotz erster Fortschritte müssen wir Verfahren konsequent vereinfachen, beschleunigen und bürokratische Hürden abbauen, ohne dabei Innovationen auszubremsen: parlamentarische Kontrolle ja, aber kein Stoppschild für Fortschritt.
Fortschritte bei unbemannten Systemen sind zu begrüßen, doch insbesondere bei der Abwehr besteht weiterhin enormer Handlungsbedarf.
Klar ist: Die Bundeswehr muss umfassend ausgestattet sein – mit moderner Ausrüstung, Digitalisierung und leistungsfähigen Fähigkeiten in allen Dimensionen. Dennoch muss klar sein, dass Karte/Kompass weiterhin auch funktionieren müssen.
Unser Anspruch bleibt: Was gebraucht wird, muss rechtzeitig, zuverlässig und in ausreichender Menge verfügbar sein. Dabei darf auch Infrastruktur kein Randthema sein. Der Zustand vieler Kasernen zeigt deutlich: Hier wurde zu wenig getan. Das gehen wir jetzt an: mit mehr Investitionen, schnelleren Verfahren und klaren Prioritäten in enger Abstimmung mit den Ländern. Denn Infrastruktur ist keine Nebensache, sondern Grundlage für Einsatzfähigkeit und Ausdruck von Wertschätzung.
Wertschätzung verdienen ebenso unsere Veteranen. Viele haben ihre Gesundheit für unsere Sicherheit eingesetzt, doch die Anerkennung von Wehrdienstbeschädigungen dauert oft viel zu lange. Robin, danke, dass du das ausgeführt hast an dieser Stelle. Ich bin sehr dankbar, dass ich an diesem Punkt mit meinen Kollegen Claudia Moll und Robin Wagener parteiübergreifend arbeiten darf.
Ich möchte an dieser Stelle einen Werbeblock einlegen: Der erste Nationale Veteranentag im letzten Jahr war ein starkes Signal.
Wir freuen uns sehr, dass er auch in diesem Jahr hier am Bundestag stattfinden darf. Der Tag ist der 15. Juni, die Feier findet hier allerdings am 21. Juni 2026 statt. Genauso wichtig sind aber auch die vielen kleinen Veranstaltungen in der Fläche. Und deswegen geht mein Dank auch an Sie alle, an diejenigen, die diesen Tag zu etwas ganz Besonderem machen. Danke schön!
Zum Ende möchte ich ein Thema ansprechen, das uns diese Woche schon mehrfach begegnet ist und viele Facetten hat: das Thema „sexualisierte Gewalt“. Eines ist völlig klar: Dafür gibt es keinen Platz in der Bundeswehr und auch nicht in unserer Gesellschaft. Die große Mehrheit unserer Soldatinnen und Soldaten steht fest auf dem Boden von Recht und Gesetz. Doch wer dagegen verstößt, hat keinen Platz in der Bundeswehr.
Die beauftragte Dunkelfeldstudie, die dieses Thema behandelt, ist ein wichtiger Schritt, um das Ausmaß besser zu erfassen und gezielt handeln zu können. Gleichzeitig gilt: Verantwortung beginnt nicht im Trupp, sondern in der übergeordneten Führung. Fälle wie Zweibrücken zeigen, dass es weiterhin Handlungsbedarf gibt, der konsequent angegangen werden muss. Sexualisierte Gewalt verletzt, erniedrigt und zerstört Vertrauen. Deshalb gilt egal wo: null Toleranz, kein Wegsehen, keine Relativierung und keine falsch verstandene Kameradschaft, die Täter schützt.
Wir haben einen klaren Auftrag.
Ich danke unseren Soldatinnen und Soldaten, die jeden Tag ihren Dienst leisten. Danke dafür!