Herr Präsident! Meine Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Mondmission Artemis 2 war ein großartiger Moment der jüngeren Raumfahrtgeschichte. Viele von uns haben in der Nacht den Livestream der NASA verfolgt, haben mitgefiebert, während draußen der Vollmond hell am Himmel stand. Und am nächsten Morgen konnte ich meinen Kindern erzählen: Die Rakete ist gestartet. Vier Astronauten sind auf dem Weg, den Mond zu umrunden.
In den Tagen danach haben uns beeindruckende Bilder erreicht, Bilder von unserer Erde, wie wir sie sonst nicht sehen, und emotionale Geschichten von vier Menschen, die diesen Raumflug angetreten sind. Nach der erfolgreichen Mondumrundung sind sie sicher zur Erde zurückgekehrt.
Was bedeutet das nun für uns in Deutschland? Diese Mission war ein Erfolg deutscher Ingenieurskunst; denn das European Service Module, gebaut in Bremen, war das Herzstück dieser Mission. Ohne dieses Modul kein Antrieb, keine Energieversorgung, kein Sauerstoff, keine Temperaturkontrolle! 20 000 Einzelteile, 12 Kilometer Verkabelung, 33 Triebwerke, das ist Hochtechnologie made in Germany,
entwickelt unter Verantwortung der European Space Agency, umgesetzt gemeinsam mit der Industrie, insbesondere mit Airbus in Deutschland.
Daran wird etwas sehr Grundsätzliches sichtbar: Deutschland ist ein Land der Ingenieure, ein Land der Forscher, ein Land, das Probleme nicht nur beschreibt, sondern auch technisch lösen kann. Und das zeigt: Deutschland ist eine Raumfahrtnation. Wir handeln in diesem Bereich nicht alleine. Die Europäische Union investiert insgesamt über 22 Milliarden Euro in Raumfahrtprogramme. Das ist ein klares Signal: Wir setzen auf Forschung, auf Innovation und auf technologische Souveränität.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, der nächste große wissenschaftliche Durchbruch entsteht nicht nur durch spektakuläre Missionen zum Mond, er entsteht durch unsere Fähigkeit, Satelliten ins All zu bringen und dort dauerhaft zu betreiben. Denn Satelliten sind heute die Grundlage moderner Wissenschaft. Sie messen unser Klima, sie beobachten die Erde, sie liefern Daten für Forschung, Landwirtschaft, aber auch für Katastrophenschutz und unsere Sicherheit. Und sie sind unverzichtbar für moderne Kommunikation und globale Vernetzung.
Mit Copernicus betreiben wir eines der weltweit leistungsfähigsten Erdbeobachtungssysteme. Mit Galileo verfügen wir über das präziseste Navigationssystem der Welt – mit nahezu 4 Milliarden Nutzerinnen und Nutzern. Wir reden umgangssprachlich immer vom amerikanischen GPS-Signal, auf unseren Smartphones zum Beispiel. Dabei sind es hochpräzise Navigationssatelliten der Europäischen Union, die uns tagtäglich ans Ziel navigieren. Mit IRIS2 bauen wir in der EU ein eigenes, sicheres europäisches Kommunikationsnetzwerk im All auf.
Das ist kein Selbstzweck, das ist wissenschaftliche Exzellenz. Und das ist technologische Souveränität und die Grundlage für große Durchbrüche von morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Denn wenn wir mit eigenen Startmöglichkeiten, mit eigenen Satelliten und eigenen Daten vorangehen, dann können wir unabhängig forschen, Innovationen vorantreiben und im globalen Wettbewerb bestehen. Und auch hier gilt: Deutschland ist mittendrin. Raumfahrt findet statt in unseren mittelständischen Unternehmen, in unseren Forschungsinstituten, in unseren Zulieferketten. Der Ausbau des Standorts Köln, das Astronautenzentrum der ESA, all das schafft neue Wertschöpfung, neue Technologien und neue Arbeitsplätze. Dort, wo Branchen unter Technologiedruck stehen, etwa im Maschinenbau, in der Chemie oder bei Automobilzulieferern, entstehen neue Wertschöpfungsketten in Zukunftstechnologien wie der Raumfahrt.
Raumfahrt ist mehr als Forschung und Wirtschaft. Raumfahrt ist auch Sicherheit und Resilienz. Mit unserer Weltraumsicherheitsstrategie sichern wir unsere Handlungsfähigkeit im All, zivil wie militärisch. All das zeigt: Raumfahrt ist Schlüsseltechnologie. Deswegen müssen wir diesen Weg konsequent weitergehen.
Wir brauchen starke Forschungsprogramme und vor allem den Mut, schneller zu werden bei Entwicklungen, bei Anwendungen und bei neuen Geschäftsmodellen.
Denn eines ist gewiss: Wer im All vorne ist, der ist auch auf der Erde vorne. Oder, ganz einfach gesagt: Wenn wir wollen, dass unsere Kinder auch morgen stolz erzählen können, was Deutschland kann, weil sie es selbst erleben, weil sie es selbst gestalten, vielleicht sogar selbst ins All tragen, dann müssen wir heute investieren in Forschung, in Technologie und in Raumfahrt.
Herzlichen Dank.