Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Wir erinnern uns: Über 100 000 Menschen sind dem blutigen Bosnien-Krieg innerhalb von nur dreieinhalb Jahren zum Opfer gefallen, über 2 Millionen Menschen flohen oder wurden vertrieben. Das war geschehen. – Mit dem Friedensabkommen von Dayton 1995 ist dem Leid 1995 ein Ende gesetzt worden. Seitdem ist kein größerer bewaffneter Konflikt vergleichbarer Art ausgebrochen. Das liegt an der kontinuierlichen Präsenz der internationalen Gemeinschaft.
Das ist zusammenhängend, liebe Kolleginnen und Kollegen, und das muss deutlich herausgestellt werden.
Ursprünglich durch die NATO-geführten Missionen IFOR und SFOR im Auftrag der Vereinten Nationen gewährleistet, wird dies nun seit 2004 von EUFOR Althea übernommen. Damit tragen wir seit über zwei Jahrzehnten mit den Soldatinnen und Soldaten zu einem stabilen und sicheren Umfeld bei. Das ist eine sicherheitsrelevante Entwicklung, die wir in Bosnien und Herzegowina erreicht haben und die von den lokalen Sicherheitsbehörden sehr wertgeschätzt wird. Derzeit beteiligen sich 25 Staaten, nicht nur Deutschland allein, an dieser Operation mit über 1 200 Soldaten. Es gibt 20 Verbindungs- und Beobachtungsteams im ganzen Land, regelmäßige Patrouillen, und damit tragen wir zur Sicherheitslage vor Ort bei. Dennoch untergraben sezessionistische Tendenzen und Rhetorik, insbesondere in der Republik Srpska, nach wie vor die Integrität des bosnisch-herzegowinischen Staates und erhöhen die Anfälligkeit für externe Einflüsse; diese sind heute schon an anderer Stelle formuliert worden. Das müssen wir sehen. Das birgt das Risiko einer kurzfristigen Destabilisierung; die nach wie vor droht.
Die Stärkung der demokratischen Institutionen und die Annäherung an das euroatlantische Bündnis sind in unserem eigenen Interesse, liebe Kolleginnen und Kollegen. Unser nationales Engagement beruht aber nicht nur auf der nationalen Sicht der Dinge, sondern immer auch auf einem integrierten Ansatz, auch bei der Beteiligung bewaffneter deutscher Kräfte. Dies ist einzuordnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, und auch so deutlich zu benennen.
Wir beabsichtigen, diesen Einsatz mit bis zu 50 Soldatinnen und Soldaten fortzuführen. Rund 35 Soldatinnen und Soldaten sind im Einsatz. Man sollte diesen Auftrag nicht kleinreden; denn diese Präsenz wirkt international im Verbund.
Dank an alle Soldatinnen und Soldaten, die in der Vergangenheit diesen Dienst in unserem Interesse, aber auch im Interesse von Bosnien und Herzegowina getan haben. Dank an diejenigen, die in den Einsatz gehen, auf dass sie immer wohlbehalten zurückkehren.
Meine Damen und Herren, wir setzen auf die Beratungen hier im Deutschen Bundestag und dem folgend auf Ihre Zustimmung. Wir leisten entlang des Grundsatzes „Hilfe zur Selbsthilfe“ einen entscheidenden Beitrag zur Stabilität.