Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Staatsministerin! Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute über den Zusammenhalt durch Engagement sprechen, dann sprechen wir über etwas, das unser Land im Innersten zusammenhält: unseren Kitt.
Der Bundespräsident hat mit dem Ehrentag zum Geburtstag des Grundgesetzes ein richtiges Zeichen gesetzt. Unser Grundgesetz ist nicht nur ein Verfassungstext. Es ist ein Versprechen – auf Freiheit, auf Würde, auf gleiche Rechte und auf Demokratie. Aber dieses Versprechen lebt nicht von allein. Es lebt durch die Menschen, die Verantwortung übernehmen, Verantwortung für andere, für ihre Nachbarschaft, für ihren Verein, für unsere Demokratie, für uns alle. Genau das ist Engagement.
Ehrenamt – das ist die Trainerin, die nach Feierabend noch auf den Sportplatz geht; das ist die Nachbarin, die nicht lange fragt, sondern einfach hilft, wenn jemand Unterstützung braucht. Das sind keine kleinen Gesten für unsere Gesellschaft, das ist gelebter Zusammenhalt. Und dieser Zusammenhalt entsteht nicht nur in großen Organisationen, Verbänden oder festen Strukturen, so wichtig diese Strukturen sind und so glücklich wir darüber sind, dass wir sie haben. Engagement beginnt oft viel einfacher. Da sehen Menschen ein Problem und sagen: Jetzt fangen wir an, wir langen hin – spontan, lokal, manchmal ganz ohne Vereinsregister und ohne Geschäftsordnung. Auch dieses Engagement verdient Anerkennung, und dieses Engagement braucht Unterstützung.
Wir reden über Millionen Menschen in unserem Land, die freiwillig Zeit, Kraft und Verantwortung investieren. Das ist extrem beeindruckend, aber nicht selbstverständlich. Viele Ehrenamtliche erleben, dass die Anforderungen wachsen. Sie wollen Menschen zusammenbringen, müssen sich aber erst durch Formulare kämpfen, stoßen auf viel Bürokratie, Unsicherheit und fehlende Beratung. Deshalb reicht es nicht, das Ehrenamt, das Engagement einmal im Jahr zu feiern. Anerkennung ist wichtig, aber Anerkennung ohne Entlastung bleibt zu wenig. Wer das Ehrenamt als Rückgrat unserer Gesellschaft bezeichnet, muss auch dafür sorgen, dass dieses Rückgrat nicht überlastet wird.
Das heißt: Engagement muss einfacher werden, Förderprogramme müssen verständlicher werden, Unterstützung muss vor Ort erreichbar sein. Das ist nicht nur eine Frage guter Engagementpolitik, das ist auch eine Frage unserer Demokratie. Dafür müssen wir uns einsetzen.
Eine lebendige Demokratie braucht Menschen, die helfen, aber sie braucht auch Menschen, die widersprechen, Missstände benennen und Verantwortung einfordern. Auch das gehört zum Engagement, auch das ist Demokratie. Deswegen brauchen wir dringend wichtige Programme wie „Demokratie leben!“.
Der Ehrentag des Bundespräsidenten erinnert uns daran, wie viel Stärke in unserem Land vorhanden ist. Diese Stärke liegt nicht nur in staatlichen Strukturen. Sie liegt in den Menschen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen. Unsere Aufgabe als Politik ist deshalb ganz klar: Wir müssen dieses Engagement ernst nehmen und stützen, und das nicht nur mit Dankesworten, sondern auch mit guten Rahmenbedingungen. Das Grundgesetz lebt dort, wo Menschen Freiheit, Verantwortung und Solidarität mit Leben füllen. Diese Menschen verdienen mehr als nur Applaus. Sie verdienen Vertrauen, Respekt und konkrete Unterstützung.
Danke schön.