Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kein Kind sollte wegen des eigenen Geldbeutels hungrig in der Schule sitzen. Die Regierung scheint daran leider wenig ändern zu wollen, wenn wir uns die Debatten der letzten Wochen anschauen.
Wissen Sie, was für CDU und CSU anscheinend das größte Problem bei der Kinderernährung in den deutschen Schulen ist? Es ist die Tofuwurst, und das ist kein Witz. Ich wünschte, es wäre einer. Ich erkläre es Ihnen.
Erst vor wenigen Tagen haben alle deutschen Abgeordneten von CDU und CSU im Europaparlament für eine Positionierung gestimmt, in der steht, man müsse Kinder vor pflanzlichen Alternativprodukten wie der Tofuwurst oder auch der Hafermilch schützen.
Die Argumentation, es ginge um Kindergesundheit. Kein einziges Wort in dieser Positionierung zu Pommes, Chicken McNuggets, verarbeitetem Fleisch, Softdrinks. Das scheint für Kinder völlig okay zu sein.
Das ist natürlich absolut hanebüchen, weil es wieder mal nur darum geht, zu bashen, einzuschlagen
mit Ideologie
im Interesse der Fleischwirtschaft, dass Kinder doch von veganen Produkten ferngehalten werden sollten.
Das wollen wir nicht. Das muss man auch in dieser Debatte noch mal benennen.
Die ganze Sache wird ja noch heuchlerischer, wenn man sich mal anschaut, was CDU und CSU sonst so für die gesunde Kinderernährung geplant haben: nämlich gar nichts.
Gesundes, leckeres Schulmittagessen beitragsfrei für alle? Nein. Diskussionen darüber,
welchen Müll man an achtjährige Kinder auf Tiktok vermarkten darf? Nein, auch nicht.
Und Ernährungsbildung? Nein, hier ebenfalls kein Konzept. Das wäre doch super, damit Kinder erkennen können, dass gerade in EU-Positionen auch viele Dinge stehen, die vielleicht nicht ganz so wissenschaftlich sind, wie sie sein sollten. Was Kinder in Deutschland essen, ist für die Union offenbar Wurst, solange in der Wurst ganz sicher ein totes Tier ist.
Kommen wir mal zu einer anderen Kategorie von Wurst, nämlich der beleidigten Leberwurst.
Friedrich Merz, unser Bundeskanzler, der Kanzler, der es ja bekanntlich so schwer hat wie kaum ein Kanzler jemals zuvor, hat sich neulich beim Katholikentag in Würzburg gefragt,
wieso es ihm anscheinend nicht so richtig gelingt, die Menschen von seiner eigenen Politik zu überzeugen. Ich glaube, die Antwort liegt eigentlich für alle auf der Hand, außer für Friedrich Merz selber.
Der Punkt ist nämlich, dass er mit der Lebensrealität von so vielen Menschen in Deutschland überhaupt nichts anfangen kann. Das wurde schon klar, als er sich 2018 trotz jährlichem Millioneneinkommen einfach mal zur deutschen Mittelschicht gezählt hat. Es ist aber nicht besser geworden.
Schauen wir uns mal an, worüber Friedrich Merz redet, wenn es um die Zukunft von Kindern geht. Da geht es um ETFs, da geht es um Aktiendepots, tolles Thema. Aber worüber er nie redet, ist, dass einige Familien abends am Küchentisch sitzen und sich nicht fragen, welches Kinderdepot die beste Rendite abwirft. Diese Menschen fragen sich, wie man mit fossiler Inflation, mit steigenden Mietpreisen
und den explodierenden Lebensmittelpreisen eigentlich noch ein Schulmittagessen für die Kinder am Ende der Woche bezahlen kann.
Darüber redet dieser Kanzler nicht. Darüber sollte er aber reden.
Eine ähnliche Distanz sehen wir auch dann, wenn Friedrich Merz kritisiert, dass die Deutschen ein bisschen zu oft zum Arzt gehen. Ich kenne überhaupt niemanden, der in seiner Freizeit freiwillig eine Stunde im Wartezimmer sitzt, um sich dann eine Darmspiegelung zu gönnen. Ich mache das nicht. Ich kenne wirklich niemanden, der das macht.
Die Frage, die wir uns doch stellen müssen, ist nicht, warum Menschen so oft zum Arzt gehen, sondern wieso sie so oft krank werden.
Und da kommen wir zurück zur Ernährungspolitik. Ja, bei Kindern, gerade bei Kindern aus Familien mit wenig Geld, steigt die Adipositasrate massiv, steigen die ernährungsbedingten Krankheiten. Dieser Kanzler sollte endlich mal Empathie lernen für die Lebensrealität, die nicht seiner Lebensrealität entspricht, und sich damit auseinandersetzen, wie man Menschen vor Armut schützt, vor den Folgen und vor Krankheit. Das wäre eines Kanzlers würdig.
Damit bedanke ich mich in dieser Debatte.