Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland ist ein Land der Tüftlerinnen und Tüftler, der Macherinnen und Macher, ein Land, das in Werkstätten, auf Baustellen und in Backstuben geprägt wird. Das Handwerk hat dieses Land aufgebaut, und es hält unser Land bis heute zusammen.
Denn Handwerk ist viel mehr als Arbeit. Es ist der junge Geselle auf der Walz. Es ist das Richtfest nach harter Arbeit. Es ist die Bäckerin, die nachts aufsteht, wenn der Rest des Dorfes noch schläft. Und es ist die Friseurin, die Familien seit dem ersten Haarschnitt kennt.
Genau deshalb gehören die 5,6 Millionen Beschäftigten im Handwerk und ihre Betriebe auch ins Zentrum der Wirtschaftspolitik unseres Landes.
Doch was erleben die Betriebe aktuell? Eine Bundesregierung, die Erwartungen weckt und sie anschließend enttäuscht. Ich möchte nur ein paar Beispiele nennen.
Sie können es nicht mehr hören, und ich will es, ehrlich gesagt, auch nicht mehr fragen, aber wann kommt endlich die versprochene Stromsteuersenkung für alle Betriebe?
Textilreinigungen, Friseursalons oder Kfz-Betriebe brauchen keine neuen Überschriften; sie brauchen endlich niedrige Stromkosten.
Aber statt wirksame Maßnahmen zu finden, kommen Sie nachts schon mal auf die Idee, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten doch einfach 1 000 Euro steuerfrei auszahlen sollen. Das Einzige, was dieser Vorschlag beweist, ist: Sie haben keine Ahnung, was in den Betrieben dieses Landes abgeht.
Und Selbstständige haben Sie komplett vergessen. Deshalb bleibt festzuhalten: Für Sie war dieser Vorschlag peinlich, und für alle anderen war es wohl ein Glück, dass der Bundesrat ihn gleich einkassiert hat.
Und während Sie mit dem Sondervermögen eigentlich die Chance hätten, einen echten Aufschwung im Bau- und Ausbauhandwerk auszulösen, finanzieren Sie damit lieber Markus Söders Wahlgeschenke.
Aber das größte Problem ist ein anderes: Sie unterschätzen das Potenzial des Handwerks. Handwerksbetriebe sind nicht nur Arbeitgeber und wichtiger wirtschaftlicher Anker von der Stadt bis ins Dorf. Sie sind Bildungsorte, Integrationsorte, Zukunftsorte. Hier lernen junge Menschen Verantwortung. Hier entstehen Aufstiegschancen. In Handwerksbetrieben funktioniert Integration nicht auf dem Papier, sondern im echten Leben. Deshalb sagen wir: Wer ständig vom Fachkräftemangel spricht, darf den Nachwuchs nicht im Regen stehen lassen.
Deshalb wollen wir mehr Wohnheimplätze für Auszubildende schaffen. Wir wollen modernere Ausbildungsstätten. Wir wollen ein Mobilitätsbudget für Azubis, egal ob für das Dienstrad, das Jobticket oder den Führerschein. Und wir wollen endlich die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.
Denn ein Meisterbrief ist keine Bildung zweiter Klasse, er ist gelebter Aufstieg durch Leistung.
Nicht zuletzt zeigt das Handwerk jeden Tag, wie Integration gelingt. Diese Bundesregierung zeigt leider immer öfter, wie man sie ausbremst. Während Betriebe händeringend Arbeits- und Fachkräfte suchen, kürzt die Bundesregierung Sprach- und Integrationskurse und schiebt Menschen, die einen Ausbildungsplatz haben, ab. Damit schaden Sie den Betroffenen, die sich in Deutschland eine Zukunft aufgebaut haben. Sie schaden aber auch den Betrieben, die dringend Personal brauchen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Handwerk ist vielseitig. Es ist modern und innovativ. Es verbindet Zukunft und Tradition. Ohne das Handwerk gäbe es keine Wärmepumpen im Keller, es gäbe keine handgemachten frischen Brötchen am Sonntagmorgen, es gäbe keine neuen Fenster im Altbau und keine starke regionale Wirtschaft. Wer den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken will, muss Politik für das Handwerk machen.
Danke schön.