Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor Kurzem war ich bei einer ganz spannenden Veranstaltung: „Erlebnis deutsche Brotkultur“ vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Mit einem abwechslungsreichen Programm wurde die Vielfalt unseres Kulturguts gefeiert. Es war ein toller Abend. Was bleibt, sind – neben vielen Erinnerungen und den letzten Bissen der mitgenommenen leckeren Brote – eine Reihe von Gedanken. Es ist das Wissen um die Besonderheit dieser Branche. Da ist eine Herzlichkeit, die in den Gesprächen und Begegnungen immer mit dabei ist.
Das Handwerk zeichnet sich durch ein Maß an Zugewandtheit und Wärme aus, das guttut. Es ist mit über 130 Berufen einer der vielseitigsten Wirtschaftsbereiche in Deutschland. Die Menschen hier sind echte Anpacker. Millionenfach werden ihre Leistungen durch uns Bürger in Anspruch genommen, jeden Tag. Dieses Engagement ist beeindruckend. An all die Gebäudereiniger und Zahntechniker, all die Bäcker und Beschäftigten in der Maschinentechnik, im Bauhandwerk, im Sanitär-, im Klimahandwerk usw. möchte ich die Worte richten: Danke! Ihr übernehmt wichtige Verantwortung für unser Land. Ihr seid die Problemlöser der Nation, und ihr gebt der Jugend eine echte Perspektive.
Keine andere Branche bietet mehr Ausbildungsplätze. Im Handwerk ist Machen angesagt.
Apropos Perspektive. Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist das Handwerk der entscheidende Player. Durch die Transformation findet eine Veränderung der Berufsbilder statt, die Geschäftsfelder wegbrechen lässt und den Aufbau neuer Dienstleistungen erfordert. Und die Branche, was macht sie? Sie macht mit. Sie treibt Innovationen voran, sagt Ja zur Zukunft. Von dieser Offenheit für Neues und dem Mut für Veränderungen können, ja, müssen wir uns eine dicke Scheibe abschneiden.
Dies gilt besonders in der Frage, wie wir das Handwerk besser und vor allem zielgenauer unterstützen können. Hohe Energiekosten, Abgaben und ein immer schwerer werdender Zugang zu Bankdarlehen zum Beispiel bereiten gerade kleinen Betrieben große Kopfschmerzen. Dazu kommt natürlich auch der Bürokratiedschungel. Es ist doch nicht erklärbar, warum eine Bäckerei, die zum Beispiel Schokokuchen herstellt und diesen an Cafés liefert, zur penibel genauen Erfassung und jahrelangen Speicherung der Abnehmerdaten verpflichtet ist. Das kann doch kein Betrieb leisten.
Die Regierung greift mit der Modernisierungsagenda langjährige Forderungen des Handwerks auf und setzt damit die richtigen Akzente. Jetzt kommt es aber auch darauf an, dass Brüssel diesen Weg mitgeht. Die Verantwortung der Großbetriebe darf nicht auf unseren Mittelstand und das Handwerk abgewälzt werden. Entlastung entsteht am besten da, wo Betriebe Synergien nutzen können, wo sie, einfacher formuliert, Prozesse ganzheitlich denken und gestalten können. Wir brauchen also einen breiten und praktikablen Instrumentenkasten: Eine Senkung der Stromsteuer für alle wurde schon angesprochen – ja, das wollen wir –, befristet auf Energie sowie auf Grundnahrungsmittel.
– Wir arbeiten daran. – Zu diesem Instrumentenkasten gehört auch ein einfacherer Zugang zu Kapital.
Handwerksbetriebe sind übrigens meist Personengesellschaften. Das haben viele gar nicht im Blick. Relevant für sie ist die Einkommensteuer. Bei der Steuerreform muss deshalb natürlich besonders dafür Sorge getragen werden, dass kleine und mittlere Einkommen entlastet und die Handwerksbetriebe auch angemessen berücksichtigt werden. Unser Finanzminister wird hier ein gutes Konzept vorlegen.
Wir müssen mehr Neues wagen. Machen wir es dem Handwerk nach! Warum nicht auch für Kleinbetriebe Schutzzonen einrichten: minimale Berichtspflichten, schnellere Vergabeprozesse, die mehr Aufträge einbringen? Dieser Weg ist von der Bundesregierung und der Koalition bereits beschritten worden. Ein Antrag sollte als genehmigt gelten, wenn die Behörde zum Beispiel nach wenigen Wochen nicht reagiert; Stichwort „Genehmigungsfiktion“. Das schafft Freiräume. Dann muss der Bäckermeister weniger Zeit für lästige Büroarbeit aufwenden und kann sich der Kreation toller Brot- und Backwaren oder auch der Betreuung seiner Kunden widmen.
Ein wichtiges Stichwort ist auch: mehr Eigenverantwortung für Beschäftigte und flexiblere Regeln. Wer mehr arbeiten will, soll das auch dürfen. Das muss sich natürlich auch auf dem Gehaltszettel zeigen. Leistungstragende dürfen nicht unter die Räder geraten; das ist der wichtigste Grundsatz. Arbeit lohnt sich – immer.
Auch die Reform der Sozialversicherungssysteme wird Abhilfe schaffen.
Nicht zuletzt sagen wir Ja zur Zukunft durch ein Ja zur Digitalisierung. Sie birgt enorme Chancen. Das BMWE liefert mit dem ZIM-Programm zum Beispiel einen wichtigen Anschub. Einen Wendepunkt wird auch die Einführung der EUDI-Wallet im kommenden Jahr darstellen. Es ist die erste richtige digitale Identität, die wir bekommen. Dank ihr werden Behördengänge schneller und bürgerfreundlicher. Das nutzt auch Gewerbetreibenden.
Der Mut für Veränderung braucht aber Verlässlichkeit und Stabilität. Die Betriebe erwarten hier zu Recht unsere politische Rückendeckung. Aus meiner Zeit als Lehrkraft in der Berufsausbildung bei der Kasseler Kreishandwerkerschaft weiß ich um die Bedeutung der Förderung junger Menschen und der Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Hier leistet das Handwerk einen ganz wichtigen Beitrag für die Ausbildung unserer jungen Menschen. Ich appelliere deswegen mit Nachdruck: Bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und den Berufsbildungsstätten darf nicht gekürzt werden.
Die Finanzlage macht es erforderlich, dass wir uns jede Steuerbegünstigung noch mal anschauen. Wir sagen aber auch klar, dass alles, was wachstumsfördernd und beschäftigungssichernd ist, beibehalten werden muss. Es braucht eine sozial gerechte Ausgestaltung.
Wie keine andere Branche bringt das Handwerk Menschen zusammen, und das über Bevölkerungsgruppen hinweg. Integration, Vielfalt, Teilhabe, Ausbildung – all das schafft das Handwerk. Soziales Miteinander und die Verständigung – all das kann das Handwerk leisten, wenn man es lässt und unterstützt. Es ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.
Das Handwerk ist auch demokratiestabilisierend, zum Beispiel im Hinblick auf den morgendlichen Besuch beim Bäcker. Für mich gibt es dort die Nussecke. Es ist ein kleines Ritual, das gerade inmitten der von Disruption geprägten Zeit ein gutes Gefühl vermittelt. Sorgen wir dafür, dass diese Branche die Rahmenbedingungen vorfindet, die sie braucht, um ihrer Arbeit gut nachgehen zu können, damit es den Handwerksbäcker um die Ecke auch morgen noch gibt!
Das Handwerk braucht mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung. Das war übrigens auch die Kernmessage der Brot-Gala. Wie das geht? Indem wir mehr machen, indem wir zeigen, was geht, und weniger darüber reden, was nicht geht.