Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, das Ergebnis der Wahl ist enttäuschend und bedauerlich; aber wir sollten keine falschen und vor allem keine voreiligen Schlüsse ziehen, wie es auch in dieser Debatte heute hier wieder getan wird. Der Bewerbungsprozess wurde von insgesamt drei sehr unterschiedlichen Bundesregierungen begleitet, und hier sollten wir auch schauen: Was waren die jeweiligen Punkte, die in dieser Zeit vielleicht nicht ordentlich gelaufen sind?
Liebe Agnieszka, ich kann es dir jetzt nicht ersparen: Während dieser drei Regierungen war die längste Zeit nun mal eine Grüne Außenministerin. Und deshalb: Sich hinzustellen, auf die anderen zu zeigen und zu sagen: „Ihr wart doof“,
finde ich, ehrlich gesagt, an der Stelle unpassend. Wir sollten ehrlich analysieren.
Wir alle kennen die Aussagen gerade von afrikanischen Politikerinnen und Politikern zu Annalena Baerbock.
– Agnieszka, ich will nur, dass wir das ehrlich analysieren.
Und dann gehört auch eure Rolle mit dazu.
Was aber noch viel wichtiger ist als die Frage „Wer war es denn, wer hat es denn verbockt?“, ist die Frage: Was lernen wir daraus?
Bei der Frage, wer es war, können wir ohnehin nur spekulieren; denn es war eine geheime Wahl. Mögliche Gründe sind hier schon viele genannt worden. Auch in den internationalen Kommentierungen unseres Wahlergebnisses wird weniger ein grundsätzlicher Bedeutungsverlust Deutschlands attestiert, sondern es werden viele Punkte, die wir heute auch schon gehört haben, als Gründe genannt.
Daraus müssen wir lernen und auch daraus, dass insbesondere Länder des Globalen Südens mit einem anderen Selbstbewusstsein auftreten und nicht mehr automatisch westlichen, nicht mehr automatisch deutschen Positionen folgen. Das ist eine Realität, die wir in unserer Außenpolitik erkennen müssen.
So richtig es ist, dass wir hier im Parlament über diese Wahl und die Ergebnisse reden, so bemerkenswert ist es in der Tat, wer diese Aktuelle Stunde beantragt hat. Ausgerechnet die AfD beklagt lauthals einen angeblichen Verlust deutschen Einflusses. Dabei vertritt sie eine Außenpolitik, die zu noch weniger Einfluss führen würde.
Führende Vertreter der AfD diffamieren regelmäßig internationale Organisationen als Teil einer angeblichen globalen Elite. Wenn es um die Frage von Beteiligung von Bundeswehr an UN-Missionen geht, gibt es von der AfD maximal dann eine Zustimmung, wenn sie sich davon eine Reduzierung von Migration verspricht.
Wir haben in dieser Woche lernen müssen, dass wir Westdeutsche eigentlich nur deutschsprechende Amerikaner sind. Vielleicht gibt uns das ja einige Optionen, um künftig wieder mehr Einfluss zu haben.
Vielleicht ist es aber auch ein weiteres Mosaikstück, das uns erklärt, warum Ihre Partei selbst Ihren internationalen rechtspopulistischen Partnern einfach nur peinlich ist.
Das ist der Kern für uns Parteien der Mitte: Deutschland gewinnt internationales Gewicht nicht durch Isolation. Deutschland gewinnt Einfluss durch Bündnisse, Partnerschaften und aktive Mitarbeit in internationalen Organisationen. Wer die Vereinten Nationen schwächt, schwächt auch Deutschlands Möglichkeiten, internationale Entwicklungen mitzugestalten. Wer sich von multinationaler Zusammenarbeit abwendet, wird nicht souveräner, sondern bedeutungsloser.
Meine Damen und Herren, die Konsequenz aus dieser Wahl kann nicht sein, sich zurückzuziehen. Die Konsequenz muss sein, besser zu werden. Deutschland muss seine Beziehungen zum Globalen Süden, insbesondere zum afrikanischen Kontinent, vertiefen, Deutschland muss früher und strategischer multilaterale Mehrheiten organisieren, und Deutschland muss seine Interessen weiter klar vertreten und gleichzeitig als verlässlicher Partner wahrgenommen werden.
Genau daran arbeiten wir gemeinsam mit der neuen Bundesregierung. Außenminister Wadephul hat bereits im ersten Jahr seiner Amtszeit intensive Gespräche geführt und deutlich gemacht, dass Deutschland auch künftig Verantwortung in den Vereinten Nationen übernehmen wird.
Dieses Wahlergebnis ist kein Urteil über Deutschlands globales Engagement. Es ist ein Auftrag an unsere Diplomatie, an unsere Parteien hier in der demokratischen Mitte, gemeinsam strategisch und wirksam zu arbeiten.
Ich möchte das in einen Zusammenhang mit einer weiteren außenpolitischen Entscheidung dieser Woche bringen, die auf den ersten Blick auch eine Enttäuschung ist: Die Entscheidung zum FCAS, also dass es bei der Bereitstellung eines Kampfflugzeuges keine deutsch-französische Zusammenarbeit mehr geben wird, ist ein Rückschlag.
Aber wir haben jetzt eine Chance. Wir haben gemeinsam eine Chance, aus diesem Wahlergebnis in New York, aus dieser Entwicklung mit FCAS zu lernen, hier noch stärker gemeinsame europäische Schritte einzuleiten. Wir haben die Chance, mit unseren europäischen Partnern endlich das zu tun und zu schaffen, wovon wir die ganze Zeit reden: eine wirklich gemeinsam organisierte europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Dass wir dann auch in Europa und auf der globalen Ebene wieder mehr Einfluss gewinnen, halte ich für logisch.
Und wenn wir daran arbeiten, können wir das auch erreichen. Dazu lade ich alle ein, insbesondere die Parteien, die heute in der Debatte gezeigt haben, dass sie an einer Lösung interessiert sind. Von ganz rechts und von ganz links kam leider, wie zu erwarten, kein positiver Input.
Herzlichen Dank.