Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Millionen von Fahrgästen bangen täglich um die Pünktlichkeit ihrer Züge auf dem Weg zur Ausbildungsstätte, in die Schule oder zum Arbeitsplatz. Und was macht die AfD? Sie zwingt uns hier eine Debatte über die Regenbogenfarben auf einem ICE auf, auf einem Zug von 16 000 Zügen, die jeden Tag in Deutschland unterwegs sind.
Das machen Sie hier zum Thema, das machen Sie hier zum Problem.
Ich sage Ihnen mal, was das Problem in Deutschland mit der Bahn ist: Wir haben eine Pünktlichkeitsquote von nur noch 60 Prozent im Fernverkehr. Wir haben über 100 Mittelzentren in Deutschland, die gar keinen Bahnanschluss haben. Wir haben rund ein Dutzend Großstädte, die keine Fernverkehrsanbindungen haben. – Doch an Mobilität, daran, wie die Menschen in die Schule, zur Ausbildungsstätte oder zur Arbeit kommen
und ob sie pünktlich dort ankommen, an all diesen alltäglichen Problemen der Menschen
haben Sie als AfD null, absolut null Interesse. Das interessiert Sie rein gar nicht.
Wir wollen, dass genau das besser wird. Dafür brauchen wir eine funktionierende Deutsche Bahn. Wir brauchen funktionierende weitere Verkehrsunternehmen, Planungsunternehmen. Wir brauchen Baufirmen. Alleine bei der Deutschen Bahn arbeiten Menschen aus mehr als 120 Ländern. Viele davon sind queer. Manche bekennen sich, manche nicht.
Das ist doch alles völlig okay. Es sind jüngere Menschen, es sind ältere Menschen. Das Ganze kann nur dann funktionieren, wenn es ein Gemeinsam gibt, wenn sie gemeinsam an einem Strang ziehen, gemeinsam ein Ziel verfolgen. Da gehören alle dazu. Da darf niemand diskriminiert werden, so wie Sie das hier tun.
Es geht immer zusammen oder gar nicht. Etwas anderes gibt es nämlich nicht.
Die Deutsche Bahn kommt ihrer Verantwortung nach, ihrer Verantwortung für die eigenen Beschäftigten, ihrer Verantwortung für die Reisenden in den Zügen und an den Bahnhöfen. Sie kommt aber auch ihrer historischen Verantwortung nach. Ich erinnere mal daran, dass im Dritten Reich Züge queere Menschen, homosexuelle Menschen in die Vernichtung transportiert haben. Auch dieser Verantwortung muss die Deutsche Bahn nachkommen.
Und sie kommt dieser Verantwortung nach. Die Deutsche Bahn zeigt Haltung, und dafür hat sie unsere volle Unterstützung.
Für die schlechte Qualität im Bahnverkehr ist kein Regenbogen verantwortlich, sondern dafür ist die Politik verantwortlich, die nicht genug in die Infrastruktur investiert,
die die Infrastruktur verlottern lässt, die nicht ausreichend investiert trotz eines Sondervermögens von 400 Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen. Deswegen appelliere ich an die Koalitionsfraktionen: Finanzieren Sie die Infrastruktur auskömmlich und zuverlässig! Sorgen Sie für die notwendigen Kapazitäten im Netz, damit die Züge endlich wieder pünktlicher fahren können, ob sie einen Regenbogen haben oder nicht. Aber die Menschen wollen und müssen mobil sein. Und treffen Sie die notwendigen Entscheidungen für Aus- und Neubauprojekte!
Es geht nicht um Leistung statt Regenbogenflagge, es geht um Leistung und Regenbogen. Unternehmen wie die Deutsche Bahn können nur erfolgreich sein, wenn alle, die mitmachen wollen, auch mitmachen können, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts, welchen Alters, ob queer oder nicht queer. Die Deutsche Bahn – wie alle anderen Unternehmen auch – braucht alle, die sich mit dem jeweiligen Unternehmensziel identifizieren können. Deswegen ist es die Aufgabe von Unternehmen wie der Deutschen Bahn, dafür zu sorgen, dass es keine Diskriminierung gibt und dass alle entsprechend mitziehen und ihr Leben leben können.