Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt Menschen in unserem Land, die bereit waren, alles hinter sich zu lassen, wann immer der Auftrag kam: ihre Familie, ihren Alltag, ja, auch ihre Sicherheit – Menschen, die in Einsätze gegangen sind, von denen sie nicht wussten, ob oder wie sie zurückkommen würden. Und viele von ihnen haben danach einfach weitergemacht, ohne großes Aufheben, ohne Erwartung auf Applaus. Aber eines dürfen wir als Gesellschaft niemals tun: diesen Dienst als selbstverständlich betrachten.
Hinter den Begriffen „Veteranin“ oder „Veteran“ stehen Menschen, die Verantwortung übernommen haben – für unser Land, für unsere Gesellschaft, für unsere Bündnispartner, ja, für Frieden und Freiheit. Und genau deshalb ist der Veteranentag so wichtig – nicht als großes Symbol, sondern weil Anerkennung nicht selbstverständlich ist.
In Deutschland wird über Veteraninnen und Veteranen kaum gesprochen. Viele hatten eher das Gefühl, erklären zu müssen, was sie eigentlich getan haben, statt dass einfach anerkannt worden ist, dass sie in unserer Bundeswehr gedient haben. Als stellvertretender Präsident des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr erlebe ich das immer wieder. Unsere 10 Millionen Veteranen erwarten keine großen Aktionen; aber sie erwarten zu Recht Respekt für ihren erbrachten Dienst. Und sie wünschen sich, dass dieser Dienst nicht vergessen wird.
Allein rund 500 000 Soldatinnen und Soldaten waren seit Gründung der deutschen Bundeswehr in Auslandseinsätzen eingesetzt. Viele von ihnen waren in Afghanistan, in Mali, auf dem Balkan oder auch im Irak gefordert. Dort haben sie ihren Auftrag erfüllt – unter schwierigen Bedingungen, fernab von der Familie, fernab von ihrer Heimat. Und natürlich nimmt jeder aus solchen Einsätzen etwas mit zurück – an Erfahrungen, an Erinnerungen, aber auch an Belastungen. Die Einsätze dauern einige Monate; aber das, was man dort erlebt, begleitet viele das ganze Leben lang. Gerade deshalb ist es so wichtig und auch richtig, dass unser Land das mit dem Veteranentag sichtbar macht und einfach mal Danke sagt.
Denn wer bereit ist, für unser Land im In- und Ausland zu dienen, Verantwortung zu übernehmen und im Zweifel auch persönliche Risiken auf sich zu nehmen, der verdient einfach Anerkennung, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt.
Gerade die Reservistinnen und Reservisten leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Sie stehen mitten im Leben. Sie arbeiten in Unternehmen, engagieren sich in Vereinen und Verbänden, sind in Gemeinderäten aktiv und auch sonst ehrenamtlich engagiert. Und gleichzeitig bringen sie ihre Erfahrung und ihre Bereitschaft ein, Verantwortung für unser Land zu übernehmen. Dieses Band zwischen der Bundeswehr und der Gesellschaft ist enorm wichtig – ich finde, heute mehr denn je.
Ich finde deshalb auch den Gedanken hinter dem Veteranentag so wichtig: Begegnung statt Distanz, Gespräche statt Wegschauen, Sichtbarkeit statt Schweigen, mit Veranstaltungen in Städten und Gemeinden, mit offenen Kasernen – wie beim Tag der Bundeswehr –, mit Begegnungen zwischen Soldatinnen, Soldaten, Ehemaligen, Bürgerinnen und Bürgern. Denn alle Veteraninnen und Veteranen gehören in die Mitte unserer Gesellschaft.
Anerkennung darf nicht nur aus Worten bestehen. Dazu gehören auch – wir haben es schon ein paarmal gehört – gute Betreuung, Unterstützung bei Einsatzfolgen und Verlässlichkeit gegenüber denjenigen, die unserem Land gedient haben, egal wo und wie lang. Der Veteranentag sendet genau dieses Signal: Wir sehen euren Dienst, wir respektieren euren Einsatz, und wir sagen Danke.
Vielen Dank.