Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrte Kameraden der Bundeswehr! Der Veteranentag erinnert uns an eine Wahrheit, die in Zeiten des Friedens leicht aus dem Blick gerät: Die Freiheit unseres Landes, die Sicherheit unseres Volkes und die Handlungsfähigkeit unseres Staates beruhen nicht allein auf Gesetzen, Institutionen und politischen Entscheidungen. Sie beruhen vor allem auf Männern und Frauen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Entbehrungen und Härten zu ertragen und ihrem Land zu dienen. Veteranenpolitik ist mehr als Symbolik. Sie zeigt, wie ein Staat auf seine Krieger blickt.
Die Bundeswehr und ihre Veteranen verdienen deshalb nicht nur Dank; sie verdienen die sichtbare Anerkennung einer Nation, deren Freiheit und Sicherheit sie schützen.
Gerade in Deutschland sprechen wir ja oftmals über Ausrüstung, Strukturen und Haushaltsmittel. Wesentlich seltener sprechen wir über das Wesen des Soldatenberufes. Er gehört zu jenen wenigen Männern und Frauen, denen der demokratische Rechtsstaat die Anwendung von Gewalt ausdrücklich aufträgt. Kein Staat auf dieser Welt kann seine Bürger schützen, wenn er nicht bereit ist, seine Ordnung notfalls auch zu verteidigen.
Wer Streitkräfte unterhält, muss auch den Mut besitzen, auszusprechen, wozu Streitkräfte existieren. Sie existieren, damit Deutschland verteidigungsfähig ist. Sie existieren, um mögliche Feinde abzuschrecken. Und sie existieren für den Fall, dass Abschreckung versagt. In diesem Fall geht es dann nicht mehr um theoretische Debatten hier im Deutschen Bundestag. Dann geht es darum, den Auftrag zu erfüllen und den Kampf zu gewinnen. Das ist der Kern des soldatischen Auftrags.
Selbstverständlich tragen wir, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die Verantwortung für Verwundete, für diejenigen, die körperliche oder seelische Folgen ihres Dienstes tragen, und für diejenigen, die aus dem Einsatz nicht zurückkehren. Denn wir treffen die Entscheidungen, die die Soldaten letztendlich in die Einsätze führen. Wir verlangen von ihnen die Bereitschaft, Risiken auf sich zu nehmen und im äußersten Fall das eigene Leben für Deutschland einzusetzen. Es gibt keinen Dienst am Staat und Volk, der mit einer größeren persönlichen Verpflichtung verbunden ist, meine Damen und Herren.
Der Soldat erfüllt seinen Auftrag in dem Wissen, dass dieser Verwundung, dauerhafte Folgen oder sogar den Tod bedeuten kann. Gerade die Bereitschaft, dieses Risiko bewusst auf sich zu nehmen und den Auftrag dennoch zu erfüllen, verleiht seinem Dienst seine besondere Ehre. Nicht das Opfer selbst begründet den Respekt, den wir unseren Veteranen schulden, sondern die Bereitschaft, es für das eigene Land in Kauf zu nehmen. Genau deshalb darf Veteranenkultur keine Opferkultur sein. Es braucht eine selbstbewusste Nation, die die Realität des Soldatenberufs weder verdrängt noch beschönigt. Frieden wird nicht allein durch gute Absichten bewahrt. Frieden wird bewahrt, wenn eine Nation die Fähigkeit besitzt, ihn auch zu verteidigen.
Wir wünschen allen Kameraden am 15. Juni einen würdevollen Veteranentag. Doch nicht nur an diesem Tag könnt ihr stolz auf euch sein. Ihr und eure Familien, die Politik und unser Volk können jeden Tag stolz auf euch sein – vor allem aber jene Kameraden, die Schulter an Schulter mit euch gekämpft haben und gefallen sind. Denn niemand kennt euren Mut, eure Entbehrungen und eure Leistungen besser als sie. Sie mögen nicht mehr unter uns sein, doch ihr Geist bleibt mit uns. Und wenn Stolz die Sprache der Gefallenen wäre, dann würden ihre Stimmen heute am lautesten erklingen.
Vielen Dank.