Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Frau Höchst, Sie haben hier am Pult von, ich glaube, 70 000 gefälschten Publikationen gesprochen. Man muss natürlich die Gesamtzahl an Publikationen dazu in Relation setzen.
Weltweit sind es etwa 6 Millionen Publikationen pro Jahr – die Zahl variiert natürlich etwas –, die veröffentlicht werden.
70 000 davon sind 1,17 Prozent. Aber diese 1,17 Prozent sind die Basis dessen, auf der die Politik entscheidet?
Wegen 1,17 Prozent die gesamte Wissenschaft und Politik zu verhetzen, das kann nur die AfD, meine Damen und Herren.
Ich möchte vorausschicken: Ja, Paper Mills sind ein Problem für den Wissenschaftsbetrieb. Und weil das so ist, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch schon angefangen, die eigenen Regeln zu verbessern, die im Wissenschaftsbetrieb herrschen, um die Qualität von Publikationen zu gewährleisten; wir haben es gehört.
Falsch wäre es, so wie die AfD es hier vorschlägt, eine staatlich definierte Kontrollinstanz vorzuschreiben. Denn hier geht es um den Kern der Wissenschaftsfreiheit. Die ist im Grundgesetz festgeschrieben und besagt nicht nur, dass Forscherinnen und Forscher frei sind in dem, was sie tun, sondern es geht auch darum, dass wir Forschung und Wissenschaft gegen politischen Zugriff schützen. Gegen politischen Zugriff schützen! Das, was die AfD hier vorschlägt, wäre nichts anderes als ein politischer Zugriff auf Wissenschaft. Sie sagen das hier offen im Antrag, Sie sagen das in Sachsen-Anhalt. Sie wollen die Wissenschaftsfreiheit politisch zersetzen. Das lassen wir nicht zu, meine Damen und Herren.
Das Wissenschaftssystem befasst sich mit den Auswirkungen von Paper Mills. Lösungsvorschläge werden diskutiert, zum Beispiel bessere Regeln, die Betrug erschweren, strengere Autorenprüfungen, verpflichtende Rohdatennachweise. Verlage setzen Detektionssoftware ein. Im Herbst wurde die Stockholm-Deklaration verfasst, ein Aufruf zahlreicher internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, in der sie eine grundlegende Reform des wissenschaftlichen Publizierens einfordern und die Diskussion quasi in die Wissenschaft einbringen.
Und da liegt des Pudels Kern: Der Publikationsdruck im Wissenschaftssystem ist zu hoch. Diese Vielzahl an Publikationen überfordert Forschende, die sich in ein Themengebiet einlesen wollen. Sie überfordert das Peer-Review-Verfahren und die Herausgeber von Fachzeitschriften. Und es würde im Übrigen auch eine staatliche Kontrollinstanz komplett überfordern, mit 6 Millionen Publikationen pro Jahr irgendwie zurechtzukommen. Das heißt, der Vorschlag der AfD ist auch unsinnig, weil das gar nicht funktionieren würde.
Es braucht einen Zusammenschluss der großen Wissenschaftsorganisationen. Forschungsinstitutionen und Fördergeber müssen ihre Bewertungssysteme so anpassen, dass weniger Druck entsteht, schnell zu veröffentlichen und im Zweifelsfall auf den Kauf von billigen Produkten zurückzugreifen.
Meine Damen und Herren, wir sind davon überzeugt, dass das Wissenschaftssystem selbst zu entsprechenden Qualitätsregeln findet. Das allermeiste in der Wissenschaft ist verlässlich. Das habe ich Ihnen deutlich gemacht.
Vielen herzlichen Dank.