Es ist einmal mehr deutlich geworden: Wir müssen in der Tat darüber reden, dass es im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt – Herr Reichardt, da haben Sie schon recht – vor allen Dingen darum geht: Wie steht man zur Schulpflicht in Deutschland? Das ist etwas, das sich – Sie bezeichnen sich ja angeblich als konservative Partei – über 100 Jahre bewährt hat. Und das wollen Sie jetzt schleifen?
Ich sage: Liebe Wählerinnen und Wähler, schauen Sie ganz genau hin! Sie und vor allen Dingen unsere Kinder müssen am Ende diese miserable Bildungspolitik dann ausbaden.
Das dürfen wir nicht zulassen; denn das Wertvollste in diesem Land, meine sehr verehrten Damen und Herren, sind unsere Kinder und unsere Jugend, und die dürfen nicht unter Ihre Regierungsfittiche geraten.
Das ist, glaube ich, gerade noch mal deutlich geworden.
Wenn Sie dann mal hier im Deutschen Bundestag über Bildungspolitik reden, dann sagen Sie ja – das ist heute schon wieder passiert –: Es bewegt sich nichts in der deutschen Bildungspolitik. Deswegen auch hier noch mal ein kleiner Realitätscheck, liebe Kollegen: Die Realität ist, dass sich sehr viel bewegt, aber eben im Rahmen des Grundgesetzes, das Ihnen ja so wichtig ist, und im Rahmen unserer Kompetenzordnung.
Was bewegt sich konkret? Wir haben eine Qualitätsoffensive Lehrerbildung, die gerade neu aufgelegt wird, und genau für diese Qualitätsoffensive hat die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz im Dezember 2023 Vorschläge gemacht. Jetzt dürfen Sie mal raten, welcher Vorschlag sich da nicht findet – genau, die Abschaffung von Bachelor und Master; denn dieser Vorschlag bringt überhaupt nichts. Im Gegenteil: In den Vorschlägen wird sogar empfohlen, dass es einen zweiten qualifizierten Weg ins Lehramt gibt. Das kann ich aus meiner Praxiserfahrung nur unterstützen.
Ich habe es gesagt: Ich bin ehemaliger Schulleiter. Ich habe Lehrkräfte ausgebildet. Ich habe Lehrkräfte gesehen, die ein Staatsexamen oder einen Master hatten. Beide sind rechtlich gleichgestellt, beide haben das Referendariat durchlaufen, beide haben staatliche Prüfungen abgelegt, und niemand von diesen Lehrkräften ist besser oder schlechter qualifiziert. Es geht hier lediglich um unterschiedliche Etiketten für denselben Inhalt.
Die eigentliche Frage, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist doch: Was hilft gegen den Lehrermangel vor Ort? Ihr Antrag ist es jedenfalls nicht; denn Ihr Antrag bringt nicht einen Lehrer mehr ins Klassenzimmer. Deswegen werden wir Ihren Antrag auch ablehnen, meine sehr verehrten Damen und Herren.
Was gegen den Lehrermangel hilft, sind bessere Übergänge von Studium zu Praxis, Programme für Quereinsteiger, bürokratische Entlastung der Lehrkräfte und bessere Bedingungen vor Ort, und genau das machen Bund und Länder gerade gemeinsam – mit der Roadmap für bessere Bildung, mit dem Startchancen-Programm und mit dem Digitalpakt 2.0.
Deswegen hat diese Debatte, meine sehr verehrten Damen und Herren, am Ende wieder eines deutlich gezeigt: Schlechte Politik klopft an die falschen Türen; gute Politik öffnet die richtigen Türen.
Vielen herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.