Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Wenn Sie sich heute mit Lehrkräften unterhalten, hört man selten irgendwas über Prüfungsordnungen oder Abschlussbezeichnungen. Man hört etwas über volle Klassen, über fehlende Kolleginnen und Kollegen, man hört etwas über Unterrichtsausfall und über steigende Anforderungen im Schulalltag.
Und deswegen greift der Antrag der AfD einfach zu kurz, denn die zentrale Herausforderung lautet doch nicht: Wie heißt der Abschluss am Ende des Studiums? Die entscheidenden Fragen, die wir haben, sind doch: Wie gewinnen wir gute Lehrkräfte? Wie qualifizieren wir sie bestmöglich für ihren Beruf?
Und wie sorgen wir dafür, dass sie langfristig auch gerne im Schuldienst bleiben? Das sind doch die Hauptfragen.
Natürlich braucht es eine gute Lehrerausbildung, und sie braucht einen ordentlichen Standard. Darüber brauchen wir auch nicht groß zu diskutieren, dazu gibt es auch gar keinen Dissens. Aber die AfD tut ja gerade so, als ließe sich die Qualität allein dadurch herstellen, dass man bundesweit wieder ein verpflichtendes Staatsexamen einführt. So einfach geht es dann doch nicht.
Entscheidend ist doch, ob Studium und Ausbildung den tatsächlichen Anforderungen an Schule gerecht werden, ob mehr Praxisbezug entsteht, ob junge Lehrkräfte im Berufsalltag besser begleitet werden und ob Quereinsteiger vernünftig qualifiziert werden. Darauf sollten wir uns konzentrieren, statt sie pauschal schlechtzureden.
Wir gewinnen gute Lehrkräfte nicht mit historischen und nostalgischen Debatten über frühere Strukturen. Nein, wir gewinnen diese Lehrkräfte vielmehr mit guten Studienbedingungen, mit verlässlichen Perspektiven und Schulen, an denen die Lehrkräfte dann auch wirklich langfristig und gerne ihren Beruf ausüben.
Denn zur Wahrheit gehört natürlich auch: Viele verlassen den Beruf nicht wegen der Prüfungsordnung an der Universität. Nein, sie verlassen ihn, weil sie überfordert sind, weil es zu viel Bürokratie gibt und weil sie vielleicht auch zu wenig Unterstützung im Alltag bekommen. Und deswegen müssen wir hier auch ansetzen.
Die Bundesländer haben in den vergangenen Jahren unterschiedliche Modelle entwickelt: mit Bachelor- und Masterstrukturen, mit längeren Praxisphasen im Studium oder auch mit einer längeren Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und den Schulen. Darüber kann man auch durchaus reden und diskutieren. Aber pauschal von „Beliebigkeit“ zu sprechen, wie es in Ihrem Antrag zu lesen ist, damit wird man der Realität einfach nicht gerecht.
Die Herausforderungen an unseren Schulen haben sich verändert; das wissen wir alle. Der Unterricht hat sich verändert, die Gesellschaft hat sich verändert. Aber deshalb müssen wir selbstverständlich nicht dieses Studium in irgendeiner Form konterkarieren. Wir können es aber natürlich auch weiterentwickeln.
Die Bildungspolitik braucht keine polemischen Schlagworte, sie braucht tragfähige Lösungen, und deswegen lehnen wir auch diesen Antrag der AfD ab.
Vielen Dank.