Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Herzlichen Glückwunsch, Vereinigte Staaten von Amerika, zum 250. Geburtstag!
Der 4. Juli 1776 war ein welthistorischer Wendepunkt. Sehr bewusst haben die Gründungsväter „We the People“ ganz an den Anfang der Unabhängigkeitserklärung gestellt; denn sie wollten betonen und damit zum Ausdruck bringen, dass wirklich das Volk zum Souverän gemacht wird, und das war etwas ganz Neues. Im Laufe der Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte entstand eine Großmacht, die die Welt geprägt hat wie kein anderes Land.
Die Geschichte der USA ist auch ein wichtiger Teil der deutschen Geschichte; das lässt sich nicht voneinander trennen. Eine ganze Zeit vor dem 4. Juli 1776, nämlich im Jahre 1683, sind 13 Familien vom Niederrhein, aus der deutsch-niederländischen Grenzregion, in die USA ausgewandert. Sie waren dort die ersten deutschen Siedlerfamilien und haben in der Nähe von Philadelphia Germantown gegründet. Diese Stadt besteht immer noch dort. Meine Damen und Herren, auch heute noch sind es die Amerikaner mit deutschen Wurzeln, die die größte ethnische Gruppe in den USA bilden.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, es ist auch Zeit, den Amerikanern Danke zu sagen, nämlich für die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus und auch für den unglaublichen Vertrauensvorschuss – der Marshallplan ist schon erwähnt worden – gegenüber denjenigen, die Horror, Terror, Schrecken und Millionen von Toten über die Welt gebracht haben. Sie haben uns damit Vertrauen geschenkt und auch den Grundstein für den Wiederaufbau unseres Landes gelegt.
Und ich möchte auch ganz besonders die Unterstützung der Vereinigten Staaten für die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten hervorheben. Ohne sie, ohne die Unterstützung der USA, wäre das undenkbar gewesen.
Ja, wir blicken heute auch mit Sorge auf die innere Verfasstheit Amerikas und auch auf die Verlässlichkeit als Partner. Aber ich lasse mir dadurch, verehrte Damen und Herren, nicht die Begeisterung nehmen, die Begeisterung für diesen tiefverwurzelten Freiheitswillen der Amerikaner und ihren unerschütterlichen Glauben an die Möglichkeit, die Zukunft selbst zu gestalten.
„Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ – Ralf Stegner hat es gerade auch schon angeführt – ist mehr als nur irgendein historischer Satz aus der längst vergangenen Zeit. Es ist ein Spirit, der auch heute noch zur DNA der Vereinigten Staaten gehört. Und deshalb – und damit schließe ich – ist es falsch, die USA abzuschreiben, wie man es leider immer wieder hört. Vielmehr ist es doch heute an uns, Amerika einen Vertrauensvorschuss für seine Erneuerungskraft zurückzugeben.
Herzlichen Glückwunsch, Vereinigte Staaten von Amerika!
Vielen Dank.