Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 1886 hat Carl Benz in Deutschland das Auto erfunden. Seit 140 Jahren bauen wir dank der vielen Tüftler, Entwickler und Arbeiter in unserem Land die besten Autos der Welt.
Wir sind stolz darauf, das Auto einmal erfunden zu haben, und wir werden gemeinsam dafür sorgen, dass auch in Zukunft in Wolfsburg, Hannover, Emden, in Neckarsulm, Sindelfingen, Ingolstadt, Dingolfing und auch in Zwickau die besten Autos der Welt gebaut werden.
Aber dafür müssen sich ein paar Dinge ändern. Viele Jahre hat die deutsche Automobilindustrie von den hohen Exporten und auch den guten Erträgen aus anderen Teilen der Welt profitiert und gute Löhne zahlen können. Diese Zeiten sind vorbei, und sie werden auch nicht wiederkommen. Ein Blick zurück und zu sagen: „Schuld waren Managementfehler, oder möglicherweise waren es zu hohe Löhne“, hilft hier nicht.
Nein, das Einzige, was hilft, ist, dass wir uns neue Absatzmärkte suchen, dass wir die Energiekosten senken, die Produktivität steigern und den Regulierungsdschungel lichten. Denn nur mit einem Schulterschluss von Arbeitgebern, Gewerkschaften und der deutschen Politik werden wir auch in Zukunft die besten Autos der Welt bauen.
Um den Absatz zu stärken, müssen wir zum einen den europäischen Markt wieder in Fahrt bringen. Seit der Pandemie verkaufen wir pro Jahr 3 Millionen Fahrzeuge weniger in Europa. Das ist ein Ausfluss dessen. – Und wenn man über viele Jahre vom Fahrradfahren und von Bus und Bahn predigt, dann kann man sich heute nicht allen Ernstes hinstellen und glaubhaft machen, man setze sich für die Arbeitsplätze in der Automobilindustrie ein.
Der zweite Punkt ist: Wir leben vom Export in andere Teile der Welt. Und wir sehen eben, dass der chinesische und der US-amerikanische Markt für uns schwieriger geworden sind. Deswegen war es so wichtig, dass wir im Europaparlament endlich dafür gesorgt haben, dass das Mercosur-Abkommen in Kraft treten kann. Sie mit Ihren Freunden haben dagegen gewettert und sich dagegen eingesetzt. Dann kann man sich heute nicht hierhinstellen und allen Ernstes das Loblied auf die deutsche Automobilindustrie singen.
Daneben werden wir die Regulierung zurückfahren müssen.
Ja, in Zukunft werden die meisten Autos in Deutschland elektrisch fahren,
aber nicht, weil man das von oben herab politisch vorgibt,
sondern weil es sich für die Menschen rechnet. Daneben gibt es aber eben auch andere Modelle, wie die hocheffizienten Verbrenner oder auch Hybridfahrzeuge.
Und weil Sie, Frau Kollegin Detzer, China angesprochen haben: Schauen wir uns doch mal die Zahlen aus 2025 an! China hat 13 Millionen Verbrenner, 7 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge und 6 Millionen Hybridfahrzeuge verkauft. Wer da allen Ernstes davon spricht, dass die Zukunft rein elektrisch ist, der hat etwas nicht verstanden. Egal wo sie hingucken – ob nach China, Südkorea, Japan –: Kein einziges Land auf dieser Welt verbietet den Verbrenner. Kein einziges Land sorgt dafür, dass man seine Automobilkonzerne auch noch mit Strafzahlungen belegt. Alle sorgen dafür, dass sie mehr Elektrofahrzeuge, aber auch einen Antriebsmix aus Hybridfahrzeugen und hocheffizienten Verbrennern haben. Und deswegen werden wir die Flottenzielregulierung anfassen. Wir wollen keinen ideologischen Alleingang, sondern einen Antriebsmix für Europa.
Denn genau das sichert auch Arbeitsplätze.
Nehmen wir mal das Beispiel des VW-Konzerns. Der VW-Konzern bringt momentan sechs E-Modelle auf den Markt. Kein einziges davon macht Marge. Der ID.7, das größte und schwerste Fahrzeug, geht als Einziger mit plus/minus null raus. Gerade in diesen Zeiten brauchen wir eben auch die margenträchtigen Verbrenner, die dafür sorgen, dass wir am Ende unsere Arbeitsplätze in diesem Land erhalten können.
Deswegen ist es unsere Aufgabe als Politik, den Regulierungsdschungel zu lichten und gemeinsam dafür zu sorgen, dass neue Absatzmärkte für unsere Automobilindustrie möglich sind. Es braucht aber eben auch den Schulterschluss von Konzernen und Gewerkschaften.
Ich will Ihnen ein Beispiel aus dem Mittelstand mitgeben. Ein Unternehmer aus dem Mittelstand hat mir neulich berichtet, dass er eigentlich kurz davor war, zwei Werke in Deutschland zu schließen; fast 4 000 Beschäftigte hätten dann ihre Arbeit verloren. Er hat sich gemeinsam mit seinem Betriebsrat hingesetzt und einen Deal gemacht, dass heute bei gleichem Lohn statt 35 Stunden 38 Stunden gearbeitet wird und dass die Boni nicht mehr ausgezahlt werden, sondern erst dann wieder, wenn man aus den roten Zahlen raus ist.
Ich glaube, solche Deals schafft nicht nur der Mittelstand, sondern die können auch Großkonzerne schaffen. Und dann können wir gemeinsam dafür sorgen, dass wir auch die nächsten 140 Jahre die besten Autos der Welt bauen. Wir wollen gemeinsam darauf setzen, und darauf können sich die Arbeiter in diesem Land verlassen.