Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Koalition hat mal wieder etwas rausgehauen, was völlig von der Wirklichkeit entrückt und völlig abgehoben ist. Viele von Ihnen sind noch nie an einer Werkbank oder auf einem Gerüst gestanden, aber wollen den Menschen da draußen die Welt erklären. Die telefonische Krankschreibung soll weg. Wer krank ist, soll offenbar ab dem ersten Tag eine Bescheinigung vorlegen, weil es angeblich zu viele Krankmeldungen und zu viel Missbrauch gibt. Ja, Missbrauch gibt es. Natürlich gibt es ihn. Aber wegen ein paar Drückebergern stellt man doch nicht Millionen ehrliche Arbeitnehmer unter Generalverdacht.
Diese Koalition trifft nicht die Betrüger. Sie trifft die Fleißigen – Leute, die morgens aufstehen, arbeiten gehen, Steuern und Beiträge zahlen und diesen Laden noch am Laufen halten. Genau denen sagt man jetzt: Ihr seid schuld am desolaten Zustand unseres Landes. – Das ist eine Frechheit.
Wer krank ist, ist krank. Basta. Krankheit ist keine Faulheit; Krankheit ist keine Arbeitsverweigerung. Wer morgens mit Fieber, Schüttelfrost oder Magen-Darm im Bett liegt, braucht kein Misstrauen aus Berlin, sondern Ruhe. Aber da liegt doch das Problem. Viele hier leben längst in einer anderen Welt: Fahrdienst vor der Tür, abgeschirmter Alltag, privatversichert, kein Schichtplan, kein Meister, kein Chef, bei dem man morgens anrufen muss, keine Sorge, ob einem die Krankheit geglaubt wird oder nicht, keine Angst vor Ärger, wenn man mal ausfällt. Aus dieser Blase heraus wird über die Menschen hinweg entschieden, deren Alltag man nicht mehr kennt.
Man redet über Arbeitnehmer, hat aber noch nie einen Hammer in der Hand gehabt. Man redet über volle Arztpraxen von Kassenpatienten und lässt sich selbst privatversichern – privatversichert mit Beihilfe aus Steuermitteln,
finanziert von genau den Menschen, denen Sie mit Ihrem Vorstoß jetzt rotzfrech ins Gesicht spucken. Dass Sie sich nicht schämen, liebe CDU.
Heute bleibt jemand vielleicht einen Tag, vielleicht zwei zu Hause. Er kuriert sich aus, steckt niemanden an und geht dann wieder arbeiten – ganz normal. Künftig soll derselbe Mensch zum Arzt rennen oder irgendwie einen Schein besorgen. Dann sitzt er im Wartezimmer, blockiert einen Termin, steckt vielleicht andere an. Am Ende wird aus einem Tag schnell eine Krankschreibung für mehrere Tage oder die ganze Woche. Das weiß jeder, der schon einmal als Arbeitnehmer beim Arzt war. Dazu gehören wahrscheinlich wenige von Ihnen dazu.
Wenn man schon beim Arzt sitzt, sagt der Arzt selten: Gehen Sie morgen wieder arbeiten. – Nein, der schreibt eben die ganze Woche krank. Das, was Sie hier machen, ist richtig dumm, weil es nämlich nicht die Krankheitstage reduziert, sondern drastisch erhöhen wird.
Nun zu den Grünen. Ausgerechnet die Partei, die sonst alles verbieten, kontrollieren und dokumentieren will – Heizung, Auto, Essen, Sprache, Lebensstil; überall wollen Sie dem Bürger reinreden –, tut heute plötzlich so, als hätte sie die Freiheit für sich entdeckt. Geht es eigentlich noch heuchlerischer?
Klar ist: Wer betrügt, muss nicht nur hier, sondern generell immer bestraft werden – hart und klar.
Aber hören Sie endlich auf, jeden ehrlichen Arbeitnehmer mit Schnupfen wie einen Betrüger zu behandeln!
Die AfD sagt: Wer arbeitet, verdient Respekt, und wer krank ist, verdient Schutz. Wer betrügt, muss Konsequenzen spüren.
Was Sie aber hier vorhaben, ist, den kleinen Mann und die kleine Frau unter Generalverdacht zu stellen.
Und dann lege ich Ihnen von der CDU/CSU noch ans Herz: Beim nächsten Parteitag sollten Sie mal darüber nachdenken, ob Sie das Wort „christlich“ gegen das Wort „schäbig“ in Ihren Parteinamen austauschen.
Vielen Dank und schöne Sommerferien!