Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die deutsche Wirtschaft stand in den vergangenen Jahren vor enormen Krisen und Herausforderungen. Unternehmen ächzen unter den hohen Energiepreisen und einer überbordenden Bürokratie; besonders betroffen sind dabei die kleinen und mittleren Unternehmen, die den Herausforderungen nicht mehr gerecht werden können – nur einige Gründe dafür, wieso Deutschland sich im dritten Jahr in Folge in der Rezession befindet, ein Zustand, den es so seit über 20 Jahren nicht mehr gab.
Doch trotz dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage ist Deutschland immer noch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, und auch die Wettbewerbsfähigkeit bleibt noch auf einem hohen Niveau. Um dieses aber auch weiterhin halten zu können, müssen wir uns stetig weiterentwickeln und Anpassungen vornehmen.
Die Arbeitszeit zu flexibilisieren, ist ein nötiger Schritt, und wir stehen hier vor allen Dingen an einem Wendepunkt in der Arbeitswelt.
Die traditionellen Arbeitszeitmodelle, geprägt vom starren und veralteten Achtstundentag, entsprechen leider nicht mehr den Anforderungen an eine moderne und anpassbare Gesellschaft. Es ist an der Zeit, dass wir die Arbeitszeit unseren heutigen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, der Digitalisierung und der Globalisierung anpassen.
Lassen Sie mich dabei einen Punkt aus meiner handwerklichen Erfahrung als Fleischermeisterin bringen: Vor manchen Fest- und Feiertagen würden wir an einem Achtstundentag zwar vielleicht die Hälfte aller Aufgaben schaffen, aber keinen der Aufträge pünktlich an den Kunden bekommen. Und bevor Die Linke jetzt gleich wieder das Bild des kapitalistischen und ausbeuterischen Unternehmers zeichnet: Gerade die Unternehmer – und vor allen Dingen nicht nur im Handwerk – stehen an der Seite ihres Personals, mit ihm in einer Reihe und machen nicht eher Feierabend.
Viele Beschäftigte wollen sogar länger arbeiten, als sie dürfen, um dann einen Tag weniger auf die Arbeit kommen zu können. Beruf und Familie können durch neue Arbeitszeitmodelle besser mit individuellen und flexiblen Bedürfnissen in Einklang gebracht werden.
Und sie wissen im Umkehrschluss auch, dass sie, wenn sie an herausfordernden Tagen länger arbeiten, in ruhigen Zeiten einen Ausgleich wie ein verlängertes Wochenende erhalten.
Liebe Linke, so entsteht eine Viertagewoche im Übrigen von ganz allein. Das steigert die Zufriedenheit und Produktivität – vor allem bei Beschäftigten mit kleinen Kindern oder zu pflegenden Angehörigen.
Die europäische Arbeitszeitrichtlinie schafft die rechtliche Grundlage zur Vereinbarung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Österreich, Dänemark, Irland, Tschechien und Slowenien beispielsweise nutzen bereits diese Möglichkeit. Unternehmen profitieren von zufriedenen und dadurch gesünderen Mitarbeitern – egal ob im handwerklichen Betrieb, in der Industrie oder im Dienstleistungsgewerbe –, was sich langfristig übrigens positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland auswirkt.
Und ganz nebenbei bietet eine flexible Arbeitszeitgestaltung auch Chancen für mehr ehrenamtliches Engagement und eine stärkere Beteiligung am gesellschaftlichen Leben. Selbstverständlich sollen dabei unsere hohen Arbeitsschutzstandards beibehalten werden.
Aber fest steht auch: Kein Beschäftigter wird gegen seinen Willen zu höheren Arbeitszeiten gezwungen werden. Jeder oder jede entscheidet von sich aus, ob er oder sie die Möglichkeit nutzt, eine wöchentliche statt einer werktäglichen Höchstarbeitszeit zu vereinbaren. Die Politik setzt hier lediglich einen Rahmen.
Keiner möchte die hart arbeitenden Menschen in diesem Land ausbeuten, wie es Die Linke in ihrem emotionalen und leicht panikschürenden Antrag darzustellen versucht. Wir wollen den Menschen die Flexibilität geben, die sie benötigen und auch selbst einfordern. Wir brauchen eine an unsere wirtschaftliche Situation angepasste Work-Life-Balance, die ein erhöhtes Gesamtarbeitsvolumen abbildet, vor allem mit dem Blick auf unsere Demografie.
Das, was Sie wollen, ist eine von Fantasie geprägte Life-Life-Balance ohne jeglichen Bezug zur Realität, und genau solche unsachlichen Anträge wie der der Linken schaden dem Wirtschaftsstandort Deutschland, dem Wohlstand und damit den Kerninteressen unseres Landes,
aber – und das ist mir für die Handwerker in diesem Land ganz besonders wichtig – vor allem und in erster Linie dem Ansehen unserer Unternehmer und Unternehmerinnen. Dagegen wird diese Regierung entschieden vorgehen.
Die Einführung einer flexiblen Wochenarbeitszeit ist daher nicht nur notwendig, sondern ein längst überfälliger Schritt in die Zukunft. Es ist an der Zeit, das Arbeitszeitrecht zu reformieren und den Weg für eine moderne Arbeitswelt zu ebnen.
Ich danke Ihnen.
Für die AfD-Fraktion hat nun ebenfalls zu seiner ersten Rede der Abgeordnete Hans-Jürgen Goßner das Wort.