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190. Sitzung der 20. Wahlperiode

Mittwoch, 9. Oktober 2024 · Berlin

227 Reden in dieser Sitzung

227Reden45.389Wörter
666Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
7 Vermerkeca. 448 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Ganz herzlichen Dank, Frau Präsidentin, und ganz herzlichen Dank an die Abgeordneten, dass sie akzeptieren, dass ich heute ausnahmsweise mal sitzen bleibe. Bei der nächsten Befragung stehe ich selbstverständlich wieder.

Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Heute jährt sich der Mordanschlag von Halle zum fünften Mal, ein rechtsextremistischer Terroranschlag begangen aus Hass auf Jüdinnen und Juden, eine Tat, die uns eine bleibende Mahnung sein muss: Wir müssen alles tun, um jüdisches Leben in unserem Land zu schützen,

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

insbesondere mit Blick auf den 7. Oktober vor einem Jahr, als die mörderischen Angriffe der Hamas Tod und Leid über Menschen in Israel brachten, mit gravierenden Auswirkungen auch hier bei uns.

Wir sind wieder verstärkt ins Visier des islamistischen Terrors gerückt. Das haben die furchtbaren Attentate in Mannheim, Solingen oder auch vor Kurzem in München leider sehr deutlich gezeigt. Die Bundesregierung hat deshalb ein Sicherheitspaket geschnürt und hier in den Deutschen Bundestag eingebracht. Es ist ein innenpolitischer Meilenstein: mit Verbesserungen im Waffenrecht, gerade was die Bedrohung durch mit Messern bewaffnete Täter angeht,

Sie wissen, dass das Schwachsinn ist!

mit zusätzlichen Befugnissen für unsere Sicherheitsbehörden, mit der automatisierten Gesichtserkennung, mit zusätzlichen Möglichkeiten für den Verfassungsschutz, um die Finanzströme der Terroristen besser nachvollziehen zu können, mit mehr Islamismusprävention – ich erwähne hier nur die jüngst einberufene Taskforce zur Islamismusprävention, die uns mit Praktikern und Wissenschaftlern sowie Vertreterinnen und Vertretern aus zwei Ländern begleiten wird –

und nicht zuletzt mit den Änderungen im Aufenthaltsrecht.

Auch diese Herausforderung packen wir an. Wir begrenzen irreguläre Migration und nutzen alle rechtsstaatlichen Mittel, um Menschen, die kein Recht haben, in unserem Land zu bleiben, konsequent zurückzuführen.

Wenn wir Migration aber erfolgreich steuern und ordnen wollen,

Begrenzen! Beenden!

können wir das nur gemeinsam mit unseren europäischen Nachbarn schaffen. Deshalb ist unsere Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems ein so wichtiger Erfolg dieser Bundesregierung. Wir werden die notwendigen Rechtsanpassungen dem Deutschen Bundestag noch in diesem Jahr vorlegen.

Im Sinne unserer Sicherheit haben wir auch die Grenzkontrollen verlängert und erweitert.

Wo? Wo genau?

Wir haben bereits während der letzten Monate sehr erfolgreich illegale Grenzübertritte verhindert. Allein seit Oktober 2023 wurden an den Grenzen zu Polen, Tschechien, Österreich und zur Schweiz rund 30 000 Zurückweisungen vorgenommen.

Nee! Ist nicht wahr!

Können Sie mal zuhören? Meine Fresse!

Wir bekämpfen Schleusungskriminalität, wir beschleunigen und digitalisieren Asylverfahren, und wir haben die gesetzlichen Grundlagen geschaffen, um Rückführungen zu vereinfachen. All das hat bereits Wirkung gezeigt. Wir hatten im ersten Halbjahr 2024 ein Fünftel weniger Asylanträge und rund ein Fünftel mehr Rückführungen. Gleichzeitig schließen wir immer neue Migrationspartnerschaften, zuletzt mit Kenia und Usbekistan.

Beides sind wichtige Schritte, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und irreguläre Migration zu begrenzen.

All diese Beispiele zeigen: Wir steuern und ordnen Migration rechtskonform und mit unseren europäischen Partnern. Diesen Weg gehen wir weiter. Ich lade alle demokratischen Kräfte ein, sich konstruktiv daran zu beteiligen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
3 Vermerkeca. 581 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herzlichen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auf den Tag genau heute vor vier Wochen ist etwas passiert, was man in einem Land wie Deutschland bislang nicht für möglich gehalten hat: In Dresden ist eine Brücke eingestürzt. Es war eine städtische Brücke, keine des Bundes. Wir alle können zutiefst dankbar sein, dass dabei keine Menschen zu Schaden gekommen sind.

Dieses Ereignis zeigt in erschreckender Weise, wie verheerend es ist, wenn wir unsere Verkehrswege vernachlässigen, und doch ist genau das in den vergangenen Jahrzehnten passiert. Deshalb habe ich das Thema gleich nach meinem Amtsantritt zur Chefsache gemacht, mit dem Ergebnis, dass wir im März 2022 für die 4 000 wichtigsten Brücken in Bundeshand ein Modernisierungsprogramm gestartet haben, das seinesgleichen sucht. Insgesamt packen wir dabei eine Fläche von etwa 450 Fußballfeldern an. 137 davon, also etwa ein Drittel der Gesamtfläche, werden wir bis Ende dieses Jahres bereits saniert haben. Das zeigt: Die Bundesregierung liefert. Wir kommen gut voran.

Übrigens gilt das auch bei der Talbrücke Rahmede, bei der wir am Wochenende ein Jahr Spatenstich gefeiert haben. Wir liegen hier voll im Plan. Mit etwas Optimismus kann ich sagen: Vielleicht werden wir den Zeitplan, der ohnehin sehr ehrgeizig ist – eine sehr kurze Bauzeit –, sogar unterschreiten. Das wird ein Vorzeigeprojekt für ein Ingenieurbauwerk in Europa sein.

Wir packen aber nicht nur Brücken und Straßen an, sondern auch das Schienennetz, das jahrzehntelang vernachlässigt wurde. Im Juli haben wir uns die Strecke Mannheim–Frankfurt vorgeknöpft, die sogenannte Riedbahn. Sie ist der erste von 41 Korridoren, die wir nach und nach umfassend sanieren. Im Dezember soll die Riedbahn fertig sein. Normalerweise braucht man für diese Bauleistung sechs bis acht Jahre. Wir schaffen das in fünf Monaten.

Zurufvon der CDU/CSU: Abwarten!

Auch hier kann man sagen: Die Bundesregierung liefert.

Das gilt auch für das Deutschlandticket, bei dem gerade eine Studie gezeigt hat, dass es dazu beiträgt, Verkehre zu verlagern und den CO2-Ausstoß deutlich zu verringern.

Das Gleiche gilt auch für die Digitalisierung. Als wir antraten, konnte gerade mal jeder sechste Haushalt einen Glasfaseranschluss buchen, jetzt ist es jeder dritte, sprich: Wir haben die Zahl verdoppelt. Drei Viertel der Haushalte können heute Gigabit-Bandbreiten buchen. Beim Mobilfunk haben wir 97 Prozent Abdeckung mit 4 G und 93 Prozent Abdeckung mit 5 G. Wenn das TK-Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz vom Bundestag verabschiedet worden ist, haben wir ein Instrument an der Hand, mit dem das noch schneller vorangehen kann.

Überhaupt ist unser Land in vielen Bereichen digitaler und moderner geworden. Ich sage nur: BundID, Online-Kfz-Zulassung und elektronisches Arztrezept.

Vergangene Woche haben wir daneben das Mobilitätsdatengesetz im Kabinett verabschiedet. Es ist quasi der in Gesetzesform gegossene Open-Data-Ansatz. Ziel ist es, dass wir bald per App unsere gesamte Reisekette mit einem einzigen Ticket buchen können, also vom E-Scooter über die Bahnfahrt bis hin zum Leihfahrrad oder Carsharing. Auch das wird uns das Leben ein bisschen erleichtern.

Das Gleiche gilt für die künstliche Intelligenz, bei der wir ebenfalls sehr gut dabei sind. Die OECD hat zum Beispiel vor Kurzem in einem Bericht geschrieben – ich zitiere –, „dass Deutschland sich zu einem weltweit führenden Land in der KI-Forschung entwickeln konnte“.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Bei KI-Patenten für den deutschen Markt liegen wir auf Platz zwei nach den USA – vor Japan und China.

Und deshalb wiederhole ich mich gerne: Die Bundesregierung liefert, und zwar Fortschritt – Fortschritt, der messbar ist und von immer mehr Menschen wahrgenommen wird.

Ich freue mich jetzt auf Ihre Fragen und danke herzlich.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es beginnt für die CDU/CSU-Fraktion der Abgeordnete Alexander Throm.

Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
ca. 163 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Ministerin, wir wünschen Ihnen ausdrücklich gute Genesung, damit Sie die nächste Befragung wieder stehend absolvieren können.

Sie haben einleitend gesagt, dass wir jüdisches Leben in Deutschland allumfassend schützen müssen. Dazu passt meine Frage.

Ihr unmittelbarer Amtsvorgänger, Horst Seehofer, hat für die Holocaustüberlebenden, denen die Staatsbürgerschaft entzogen wurde, sowie ihren Abkömmlingen entsprechend Artikel 116 Grundgesetz zwei umfangreiche Erlassregelungen für einen Anspruch auf eine sogenannte Widergutmachungseinbürgerung in Kraft gesetzt. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Israel und auch das Judentum großen Anfeindungen ausgesetzt sind, ist, glaube ich, unsere historische Verantwortung gerade gegenüber dieser Personengruppe besonders bedeutend.

Wir hören jetzt aber, dass das Bundesverwaltungsamt im Geschäftsbereich Ihres Hauses, das dafür zuständig ist, bis zu fünf Jahre braucht, um diese Wiedergutmachungseinbürgerungen durchzuführen, dass Termine erst in fünf Jahren vergeben werden. Das halten wir für inakzeptabel, gerade bei dieser Personengruppe, wo es sich teilweise um sehr betagte Personen handelt. Halten Sie das für akzeptabel, wie momentan Ihr Haus, Ihr Bundesverwaltungsamt mit dieser Personengruppe umgeht?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 56 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Herr Throm, erst mal für die Genesungswünsche. – Wir arbeiten bereits daran, dass das beim BVA schneller geht. Das BVA ist nicht nur für die Wiedergutmachungseinbürgerungen zuständig, sondern auch für die Einbürgerung von Menschen, die aus dem Ausland kommen; das ist eine Stelle. Wir arbeiten gerade daran, sie zu verstärken, damit wir deutlich schneller werden.

Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
2 Vermerkeca. 88 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Dem entnehme ich, dass Sie das Verhalten Ihres eigenen Amtes ebenso für inakzeptabel halten. Aber fünf Jahre im Voraus ist etwas, das einer Ministerin schon früher hätte auffallen müssen. Deswegen unser Appell, hier unmittelbar tätig zu werden.

Sie haben als Ministerin mit Ihrer Regierung eine Turboeinbürgerung eingeführt, sodass jemand, der keinerlei Verbindung zu diesem Land hat, schon nach drei Jahren eingebürgert werden kann.

Das ist keine Turboeinbürgerung! Das ist Standard in Europa!

Damit sehen wir, was Ihre Schwerpunktsetzung ist. Was konkret werden Sie kurzfristig unternehmen, um hier bei den Holocaustüberlebenden und ihren Abkömmlingen für Nachbesserung zu sorgen?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun!

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
4 Vermerkeca. 154 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Also, Herr Throm, ich schätze Sie sehr, aber ich bitte doch, die Dinge auseinanderzuhalten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sie haben das BVA angesprochen, und ich habe gerade gesagt, für was es zuständig ist. Das BVA ist ausdrücklich für die Einbürgerungen, die Sie angesprochen haben, gar nicht zuständig.

Das ist richtig!

Zuständig sind ja die Einbürgerungsämter vor Ort, und dort dauern die Verfahren wahrscheinlich sogar noch viel länger als im Moment beim BVA. Insofern sollten Sie nicht Dinge miteinander vergleichen, die nicht zu vergleichen sind, und auch nicht Dinge in die Welt setzen, die nicht stimmen, zum Beispiel, dass andere Dinge dort schneller gingen; das stimmt nämlich nicht.

Habe ich gar nicht behauptet!

Ich will noch mal sagen: Mir liegt das sehr am Herzen. Wir werden alles dafür tun, das zu beschleunigen. Und ich will noch mal darauf hinweisen, dass wir als Bundesregierung auch mit dem BVA den Holocaustüberlebenden, gerade in der Ukraine, sehr umfangreich geholfen haben, und das hat auch Kapazitäten in Anspruch genommen. – Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
ca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage richtet sich an den Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Ich möchte das Deutschlandticket ansprechen, welches die Menschen in unserem Land, glaube ich, als einen großen Fortschritt, als einen Gewinn für ihre persönliche Mobilität erleben, und sie wünschen sich da die Fortsetzung; sie wollen es weiter nutzen.

Herr Minister, die Verkehrsminister der Länder haben sich jetzt auf der einen Seite darauf verständigt, den Preis zu erhöhen, auf der anderen Seite aber eben auch darauf, dass das Ticket über das Jahr 2026 hinaus bestehen soll. Und sie haben sich auch darauf verständigt, ihren Teil zur Finanzierung beitragen zu wollen. Daher frage ich jetzt nach Ihrer Position: Steht die Bundesregierung in gleicher Art und Weise zum Deutschlandticket, das Sie selbst ja bekanntlich 2023 mit ins Leben gerufen haben? Soll es also fortbestehen? Und ist die Bundesregierung dann eben auch bereit, für die Zeit ab 2026 ihren Beitrag zur Finanzierung zu leisten?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 121 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, Herr Kollege, das Deutschlandticket ist ein großer Erfolg und eine Kraftanstrengung, die Bund und Länder gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Die Ministerpräsidentenkonferenz hat einstimmig beschlossen, dass die Länder nach einem vollen Jahr – 2024 – das Deutschlandticket evaluieren wollen und dann eine Entscheidung getroffen werden soll, wie es weitergeht.

Ich befürworte sehr, dass das Deutschlandticket erhalten bleibt. Ich sehe allerdings, dass es eine Divergenz gibt zwischen dem, was die Verkehrsminister beraten, und dem, was die Ministerpräsidenten beschlossen haben. Denn die Ministerpräsidenten wollen nicht jetzt eine Entscheidung treffen, sondern sie wollen sie nach der Evaluation eines vollen Jahres treffen. Dieser Beschluss gilt, und an den Beschluss hält sich auch die Bundesregierung. Selbstverständlich steht die Bundesregierung weiter und auch in Zukunft zum Deutschlandticket.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der SPD
Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 119 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, der Bund hält sich ganz präzise an das, was vereinbart ist mit den Ländern. Sie stellen die Frage: Was spricht dafür, diese Entscheidung nicht jetzt sofort zu treffen? – Nun: der Wunsch der Länder. Die Ministerpräsidenten haben darum gebeten, dass diese Entscheidung nach einer Evaluation des Jahres 2024 erfolgt. Damit steht diese Entscheidung im kommenden Jahr an und nicht jetzt.

Wie gesagt, es ist der Wunsch der Länder; es ist eine Entscheidung der Länder gewesen, und die Bundesregierung hält sich daran. Wir haben uns bisher an jede einzelne Zusage im Zusammenhang mit dem Deutschlandticket präzise gehalten, und im Gegensatz zu den Ländern haben wir die Dinge, die wir vereinbart haben, hinterher auch nicht öffentlich diskutiert oder infrage gestellt.

Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
ca. 148 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, seit Langem ächzen Länder, Städte, Kommunen unter der Last von immer mehr Migranten. Und bei Tätern aus der Kette von Gewaltverbrechen, die von Migranten – oft unter Messereinsatz – begangen werden, hören wir immer wieder: „war bislang ein unbeschriebenes Blatt“. In Mannheim wollte ein seit zehn Jahren abgelehnter afghanischer Asylbewerber einen Islamkritiker ermorden und tötete dabei einen Polizisten. Weder die oft beschworene Abschiebung von Straftätern noch eine Einreisesperre für diese hätte bei so einem Ersttäter etwas gebracht. Dann der Attentäter von Solingen: Für die Sicherheitsbehörden war auch er ein unbeschriebenes Blatt, und hier sein hätte auch er wieder nicht dürfen. Es geht also immer wieder um Ersttäter und Asylmigranten.

Als Reaktion auf Solingen wurden Grenzkontrollen an den Grenzen Deutschlands installiert. Die ganz große Gruppe bei den eintreffenden Migranten, beim illegalen Grenzübertritt, sind nun Asylbewerber. Wie viele Asylbewerber werden durch Ihre Grenzkontrollen denn nun davon abgehalten, nach Deutschland hereinzukommen?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 54 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Curio. – Sie haben, glaube ich, aus meiner Sicht ein paar Dinge miteinander verwoben, die nicht zusammengehören. Aber ich beantworte Ihre Frage natürlich sehr gerne.

Wir haben seit den Grenzkontrollen im Oktober letzten Jahres 30 000 Menschen zurückgewiesen. Das heißt, dort haben wir die Einreise verweigert, weil es kein Recht gab, hierherzukommen.

Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
ca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Frage ging auf Asylbewerber. Also offenbar null! – Diese Migranten kommen ja schon durch mehrere EU-Länder, die sowohl Asylverfahren als auch Zuständigkeitsprüfungen durchführen können. Es kann also keinen Anspruch auf Grenzübertritt deshalb geben. Jeder Migrant an der deutschen Grenze kann in das EU-Land verwiesen werden, in dem er sich bereits befindet. Österreich etwa ist nicht weniger EU-Rechtsstaat als Deutschland.

Wieso sollen wir von dort Personen hereinlassen für Verfahren, die im momentanen Aufenthaltsland, etwa in Österreich, geführt werden können? Wieso lassen Sie, statt umfassend zurückzuweisen, unberechtigte Personen zu Hundertausenden weiter ins Land?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 106 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Curio, Sie wissen selbst auch, dass es europäisches Recht gibt und uns die Genfer Flüchtlingskonvention dazu auffordert, den Anspruch auf Asyl zu prüfen, wenn Menschen zu uns kommen und „Asyl“ an der Grenze sagen. Ansonsten habe ich Ihnen schon gesagt, dass wir zurückweisen.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Mit Dublin haben wir vor Kurzem ein effektives Zurückweisungsmodell vorgestellt, sodass wir jetzt in Grenznähe genau die Fälle, die Sie gerade angesprochen haben, in denen die Menschen nämlich einen Anspruch haben, dass das Asylverfahren in einem anderen Land durchgeführt wird, beschleunigt bearbeiten können. Das wird zu beschleunigten Asylverfahren und zu einer stärkeren Rückführung in die Länder, über die andere eingereist sind, führen.

Porträt von Sebastian Hartmann
Foto: Sebastian Hartmann
1 Vermerkca. 109 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Bundesinnenministerin, auch von unserer Fraktion natürlich gute Genesung! – Wir wollen den Blick auf autokratische Systeme wie China und Russland richten. Systematisch – das haben jüngste Berichterstattungen auch noch mal erwiesen – wird auf den deutschen Diskurs Einfluss genommen. Es wird versucht, mit Narrativen, Social Bots und Manipulationen in sozialen Netzwerken den Diskurs in Deutschland zu zersetzen. Es geht um die Manipulation von Meinungen, bis hin zur systematischen Wahlbeeinflussung im Umfeld von Landtags- und Bundestagswahlen. Wir haben das erkannt; wir benennen das offensiv.

Setzen Sie mal den Aluhut ab!

Wir wissen, was gerade geschieht.

Die Frage ist: Wie geht die Bundesregierung gegen diese Desinformationskampagnen vor? Welche Maßnahmen sind beabsichtigt? Und welche Herausforderungen sehen Sie dort?

Porträt von Sebastian Hartmann
Foto: Sebastian Hartmann
1 Vermerkca. 96 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Bundesinnenministerin, Sie haben es offensiv benannt: Diese zentrale Stelle ist eingerichtet worden. Ich finde, es ist in einem demokratischen Rechtsstaat wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger erkennen, welche Maßnahmen gerade autokratische Staaten ergreifen, um Diskurs zu zersetzen. Wir sollten das auch hier sehr deutlich machen. Es geht darum, dass diese Stelle ihre Arbeit aufnimmt. Andere europäische Staaten haben dies auch getan.

Können Sie Beispiele für Desinformationskampagnen nennen und insbesondere auch Bedarfe für diese Stelle mit Blick auf die Bundestagswahl, die im nächsten Jahr bevorsteht, beziffern, wo leider sicherlich eine Vielzahl von Manipulationen stattfinden wird?

ARD und ZDF zum Beispiel!

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Hartmann, auch für die Unterstützung dieser Stelle. – Diese zentrale Früherkennungsstelle ist wichtig, um im Netz diese Einwirkungen anderer Staaten erkennen zu können. Wir fangen jetzt mit 20 Analysten an, brauchen aber viel mehr, weil es in der Tat so ist, dass rund um Wahlen – wir haben das auch bei den Landtagswahlen gesehen – staatliche Einflussnahme von außen genommen wird und Meinungen manipuliert werden. Insofern wird sich der Bedarf gerade im Hinblick auf das nächste Jahr eher verdoppeln. – Vielen Dank.

ca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an Bundesminister Volker Wissing. Gerade läuft die erste Sanierung im Hochleistungskorridornetz der Bahn, die Riedbahn-Sanierung. Das ist eine neue Art der Sanierung, Neuland, das wir hier betreten haben. Meine Fragen an Sie: Wie ist der Fortschritt bei dieser Aktion, die ja kurz nach der Fußball-EM vor drei Monaten begonnen hat? Wie ist der Fahrplan? Und welche Erkenntnisse kann man schon jetzt aus dieser Maßnahme ziehen?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 159 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Kollege. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Riedbahn-Sanierung ist die erste Hochleistungskorridorsanierung, die wir angestoßen haben. Sie ist sehr gut vorbereitet und lief pünktlich nach der Europameisterschaft Mitte Juli an. Geplant ist, insgesamt 70 Kilometer zu erneuern. Das heißt, Schottergleisbett, Schienen, Oberleitungen, alles wird erneuert, auf den neuesten technischen Stand gebracht und gleichzeitig mit zusätzlicher Technik ausgestattet.

Die Bauarbeiten laufen voll nach Plan. Die Strecke von insgesamt 70 Kilometern ist schon mehr als zur Hälfte abgearbeitet. Es ist geplant, die Strecke am 14. Dezember 2024 wieder zu eröffnen, und wir können heute sagen: Wenn es so gut weiterläuft wie jetzt, werden wir dieses Ziel erreichen.

Das ist eine beeindruckende Leistung, weil dort innerhalb von fünf Monaten die Bauleistung erbracht wird, die sonst in sechs bis acht Jahren erbracht werden konnte. Damit schaffen wir es, schnell mehr Pünktlichkeit für die Fahrgäste bei der Bahn zu erreichen. Die Bahn arbeitet hier mit enger Steuerung des Bundes sehr pünktlich.

ca. 49 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Sie haben es ja schon angesprochen: Es ist der Auftakt – eine sehr wichtige Sanierung am Anfang – zu einer ganzen Serie von mehreren Dutzend Hochleistungskorridoren, die saniert werden. Wie sehen die Vorbereitungen zu den in den kommenden Monaten folgenden Sanierungen von Hochleistungskorridoren aus? Wie ist da der Sachstand?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die größte Herausforderung ist die Organisation von Schienenersatzverkehren. Die große Frage war: Wird das bei dem Hochleistungskorridor Riedbahn so gelingen, dass die Fahrgäste zufrieden sind? Wir können sagen: Das ist gelungen; auch das ist eine Höchstleistung, die die Bahn hier erbracht hat. Es sind rund 400 Busfahrerinnen und Busfahrer im Einsatz, die pünktlich fahren; die Ersatzverkehre sind zur hohen Zufriedenheit der Fahrgäste organisiert.

Die nächsten Schritte sind die Vorbereitung der Ersatzverkehre für die nächsten Korridore und natürlich auch die Ausschreibungen und die Vergaben.

Die erste Frage stellt aus der CDU/CSU-Fraktion Mechthilde Wittmann.

Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
1 Vermerkca. 135 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Bundesministerin, nach dem furchtbaren islamistisch motivierten Mord in Mannheim an unserem jungen Polizisten Rouven Laur durch einen Afghanen hat der Herr Bundeskanzler Scholz hier im Deutschen Bundestag angekündigt, es würde nun Abschiebungen in großem Stil geben, ganz speziell auch von schweren Straftätern nach Afghanistan und Syrien. Das ist jetzt vier Monate her. Wir wissen von einem Abschiebeflug, zufällig zwei Tage vor den Wahlen in Sachsen und Thüringen und zufällig am Morgen der Sondersitzung zu dem Anschlag in Solingen. Dort wurden sage und schreibe 28 Personen abgeschoben.

Nun würde ich gerne konkret von Ihnen wissen, wie viele Straftäter und Gefährder seit der Ankündigung des Bundeskanzlers vor mehr als vier Monaten denn tatsächlich nach Afghanistan und Syrien abgeschoben werden konnten und wie viele dieser Abschiebungen mit wie vielen Personen Sie bis Ende dieses Jahres noch planen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
3 Vermerkeca. 145 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Liebe Frau Abgeordnete Wittmann, wir hatten in der Tat eine Debatte hier im Deutschen Bundestag. Der deutsche Bundeskanzler hat dabei Rückführungen in großem Stil angekündigt, aber nicht nur, was Straftäter nach Syrien und Afghanistan betrifft, sondern insgesamt. Wir haben im Gegensatz zu allen europäischen Nachbarn es jetzt erstmals wieder geschafft, Straftäter und Gefährder nach Afghanistan abzuschieben. Das dient der inneren Sicherheit in Deutschland,

Zahlen! Zahlen!

und es ist ein gutes Signal, dass wir das gemacht haben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Sie haben einen Zusammenhang angesprochen, der nicht existiert. Solch eine Rückführung bedarf der monatelangen Vorbereitung. Wir sind an weiteren dran; wir haben die Länder gebeten, weitere Listen zusammenzustellen. Wir sind im Doing. Das heißt, es wird zeitnah weitere Abschiebungen nach Afghanistan geben, und wir werden prüfen, wie wir das auch nach Syrien fortsetzen können.

Zurufvon der AfD: „In großem Stil“!

Für mich ist wichtig, dass wir die innere Sicherheit in Deutschland dort priorisieren.

Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
ca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Bundesministerin, ich möchte in eine weitere Richtung nachfragen. Die Türkei gehört zu den drei zugangsstärksten Herkunftsländern für illegale Migration, gleichwohl die Gesamtschutzquote lediglich bei 9,6 Prozent liegt. Man muss wohl sehr stark von einer wirtschaftlich motivierten illegalen Zuwanderung ausgehen.

Nun haben wir wiederum die Ankündigung eines großen Deals durch den Bundeskanzler vernommen, mit dem er 500 türkische Staatsbürger pro Woche in die Türkei zurückschicken kann; dies sei ihm zugesagt worden. Dies hat der türkische Premierminister sofort zurückgewiesen.

Jetzt will ich gerne von Ihnen wissen, mit der Rücknahme wie vieler türkischer Staatsbürger wir aufgrund der konkreten Zusage durch die Türkei, sie zurückzunehmen, rechnen können und wie viele davon bereits wieder auf dem Weg sind.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 94 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Kollegin Wittmann, wir arbeiten gerade daran, dass die ersten Flüge in die Türkei organisiert werden.

Gab es denn da eine Einigung?

Zur Rückführung. Ich halte das für einen wichtigen Bereich. Sie haben es angesprochen: Es sind im letzten Jahr sehr viele Staatsbürger aus der Türkei gekommen, ohne Anspruch, hier einen Aufenthaltstitel zu bekommen. Sie sind über die Balkanroute eingereist, mit dem Flieger, viele nach Serbien, ohne Visa, und dann hierhergewandert.

Deswegen haben wir ein großes Interesse daran, die Rückführungen umzusetzen, und wir arbeiten daran. Und ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Wochen dort Erfolge vermelden können.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
3 Vermerkeca. 137 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege Brandner, ich will das noch mal deutlich sagen: Auch bei dieser Frage gehen Sie in einer populistischen Weise vor, die ich bei diesem Thema nicht für angemessen halte; das will ich zunächst einmal festhalten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das suggeriert den Menschen etwas, was so nicht richtig ist.

Dann erzählen Sie uns die Wahrheit!

Sie haben mich gefragt, ob es sich um Abschiebungen oder freiwillige Rückkehrer handelte. Es handelte sich um Abschiebungen im rechtlichen Sinne. Das haben wir gemeinsam mit den Ländern durchgesetzt.

Und das sogenannte Handgeld wird aus Rechtssicherheitsgründen mitgegeben, damit dort keine Verarmung eintreten kann, was zu einer Aufhebung der Abschiebung führen könnte. Das dient lediglich der Rechtssicherheit und ist in Deutschland üblich.

Zwei bis drei Jahresgehälter sind das!

Das ist schon vielfach gemacht worden, auch in gleicher Höhe. Die Auszahlung erfolgt durch die Länder – weil Sie gefragt haben –, und die Empfehlung kam von uns, damit es rechtssicher ist.

Porträt von Josef Oster
Foto: Josef Oster/ Laurence Chaperon
ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, ich komme zum Thema Türkei zurück; wir haben eben schon mal kurz darüber gesprochen. 68 Prozent derjenigen aus der Türkei, die im letzten Jahr in der EU einen Asylantrag gestellt haben, haben das in Deutschland getan. Deshalb ist das Thema „Rückführungen in die Türkei“ gerade für uns ja von so zentraler Bedeutung.

Deshalb noch mal die Nachfrage: Was gilt jetzt? War das Thema der 200 Rückführungen etwas Einmaliges? Werden in Zukunft 500 türkische Staatsbürger pro Woche abgeschoben? Was ist bei diesem Thema jetzt konkret Stand der Dinge?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 38 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Oster, ich teile Ihre Auffassung: Das ist ein ganz wichtiger Bereich. Deswegen arbeiten wir sehr eng mit der Türkei zusammen. Das Ziel ist selbstverständlich, zu der Vereinbarung des Bundeskanzlers mit dem Staatspräsidenten in der Türkei zu kommen.

Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
1 Vermerkca. 48 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, Sie haben ganz nüchtern davon gesprochen, dass Abschiebungen/Rückführungen um ein Fünftel, also um 20 Prozent, gestiegen seien. Jetzt ganz einfach die Bitte: Ich hätte dazu gerne absolute Zahlen. Das heißt folgende Frage: Wie viele Personen wurden vorher abgeschoben/zurückgeführt, und wie viele waren es jetzt?

Das hatten wir gerade im Innenausschuss!

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 52 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Zahlen kann ich Ihnen geben, Herr Abgeordneter. Wir haben eine Steigerung. Ende letzten Jahres hatten wir 10 000 Abschiebungen, jetzt sind es schon 13 000. Das heißt, wir haben dort eine Steigerung von einem Fünftel. Das Jahr ist noch nicht zu Ende, sodass dort mit einer weiteren Steigerung zu rechnen ist.

Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
ca. 66 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin Faeser, Sie haben gerade gesagt, dass man zu einem Abkommen zwischen dem Bundeskanzler und dem türkischen Präsidenten kommen will. Dem entnehme ich, dass es momentan noch kein Abkommen zwischen dem Bundeskanzler und der Türkei gibt.

Also die Frage: Gibt es aktuell ein Abkommen zwischen Deutschland und der Türkei zu umfassenden Rückführungen, und, wenn ja, was beinhaltet es? Beide Fragen haben Sie bisher nicht beantwortet.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 103 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter Throm, es gibt eine Vereinbarung zwischen dem Bundeskanzler und dem Staatspräsidenten der Türkei – das hat der Bundeskanzler ja auch öffentlich gemacht –, und dort wurde ein Richtwert ausgegeben.

Es geht dann immer um das konkrete Umsetzen: Schaffen wir das in der Praxis? Wie viele werden dort zurückgemeldet? Wie viele kommen durch die Länder? Sie wissen, dass die Abschiebungen durch die Länder organisiert werden; die Bundespolizei hilft dabei nur. Ich will das noch mal klarstellen, weil ich glaube, dass es notwendig ist, mit den Ländern darüber zu reden, wie das dann in der Praxis funktioniert. Wir haben vor, auf diesen Richtwert zu kommen.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 83 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Hess, wir haben im Bereich der Abschieberegelungen/Rückführungsregelungen extra deshalb, weil die Zahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland seit dem 7. Oktober im letzten Jahr leider so stark gestiegen ist, Gesetze verschärft, damit wir leichter abschieben können, auch gerade wegen antisemitischer Straftaten. Das wird sich auswirken, und ich glaube, das ist der richtige Weg.

Sie sollten bei der Thematisierung antisemitischer Straftaten aber dennoch nicht vergessen, dass nach wie vor eine große Anzahl dieser Taten auch von Rechtsextremisten mit deutscher Staatsangehörigkeit begangen wird.

Porträt von Hendrik Hoppenstedt
Foto: Dr. Hendrik Hoppenstedt/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Frau Ministerin, Sie haben uns hier doch gerade erklärt, dass die Vereinbarung über die 500 Abschiebungen pro Woche in die Türkei, die noch vor ganz kurzer Zeit die große Hurrameldung in den deutschen Medien war – was Sie da zusammen mit dem Bundeskanzler alles Tolles hinbekommen hätten –, jetzt nun doch noch nicht in so trockenen Tüchern ist, wie es vor ganz kurzer Zeit zu sein schien. Halten Sie es für besonders klug, eine Strategie zu verfolgen, nach der Sie sozusagen erst ankündigen und anschließend wieder feststellen, dass es so erfolgreich nun wiederum doch nicht ist?

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
2 Vermerkeca. 77 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Noch einmal: Es gibt eine Vereinbarung. Die werden wir auch umsetzen. Das müssen Sie jetzt auch nicht uminterpretieren, dass wir das zunächst als Erfolg verkauft haben und jetzt zurückholen. Das habe ich überhaupt nicht getan.

Doch, die Türkei hat das gemacht!

Ich habe darauf hingewiesen, wie komplex Abschiebungen in Deutschland sind, und erläutert, wie man ins praktische Umsetzen kommt, um die Abschiebungen durchzuführen. Daran arbeiten wir weiterhin, und wir werden damit erfolgreich sein. Ich bin sicher, dass Sie das dann auch loben werden.

Beifallbei der SPD
Lachendes Abg. Josef Oster [CDU/CSU]
2 Vermerkeca. 101 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank für Ihre Ausführungen, liebe Frau Ministerin. – Wir merken ja gerade hier im Saal, wie viel Verhetzungspotenzial das Thema Migration hat,

Lachendes Abg. Martin Reichardt [AfD]

insbesondere mit Blick auf Afghanistan. Erst jüngst hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Afghaninnen aufgrund der schweren Verfolgung von Frauen und der menschenrechtlichen Lage in Afghanistan ganz grundsätzlich nicht dorthin abgeschoben werden können.

Jetzt prüft die österreichische Regierung aber, ob es nicht doch wieder zu Einzelfallprüfungen kommen soll. Wie ordnen Sie dies ein, Frau Ministerin? Und dürfen wir sichergehen, dass die Rechte von Afghaninnen hier in unserem Land so geschützt werden, dass sie dort nicht weiterer Verfolgung ausgesetzt werden?

Beifallbei der SPD
Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 81 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke schön, Frau Abgeordnete. – Danke auch für die nochmalige Klarstellung, dass man Ressentiments aus diesem Thema möglichst raushalten sollte. Ich teile diese Auffassung; ich halte das auch für sehr, sehr wichtig.

Das ist aber überraschend!

Zu Ihrer Frage. Ja, es gibt eine Gerichtsentscheidung zu der Gefährdungslage von Afghaninnen. Wir werden Gerichtsentscheidungen in Deutschland selbstverständlich respektieren; das tun wir immer. Dennoch ist das Asylrecht in den meisten Fällen ein individuelles Recht. Das heißt, es gibt eine Prüfung. Generelle Abschiebeverbote müssen jedoch von den Ländern beantragt werden.

Gerne; sie passt nämlich tatsächlich genau dazu. – Wann rechnen Sie denn mit ersten Handlungsempfehlungen? Es gibt ja, glaube ich, ein erstes Thema, nämlich die Frage der sogenannten Turboradikalisierung im Netz. Wann erwarten Sie die ersten Handlungsempfehlungen, und wie sieht dann eigentlich der weitere Fahrplan aus? Haben Sie schon weitere Schwerpunkte?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Für mich ist wichtig, dass die Taskforce Islamismusprävention unabhängig von meinen Vorgaben arbeitet. Sie hat sich eigene Themen gesetzt, wird diese bearbeiten und uns eigene Handlungsempfehlungen vorlegen. Ich glaube, dass diese Unabhängigkeit wichtig und richtig ist; denn wir wollen ja gerade die Fachkompetenz dieser Taskforce nutzen, um uns beraten zu lassen.

Ich bin froh, dass ich noch die Gelegenheit habe, Folgendes zu sagen: Ich halte im Bereich der Islamismusprävention die Sozialarbeit und die psychosoziale Betreuung in den Erstaufnahmeeinrichtungen und in den Aufnahmeeinrichtungen vor Ort für elementar und kann nur appellieren, dass in diesen Bereichen weiter unterstützt wird.

Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
1 Vermerkca. 78 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, es ist ja sehr interessant, dass Sie Ihre Taskforce hier nun als ein ganz großes Werk preisen. Tatsächlich haben Sie den Expertenkreis Islamismus, der von der Vorgängerregierung ja bereits eingesetzt wurde, außer Kraft gesetzt

Nein, er ist ausgelaufen!

oder auslaufen lassen. Erst nachdem der Islamismus auf unseren Straßen fröhliche Urständ gefeiert hat, haben Sie diese Gefahr offensichtlich – vielleicht aus populistischen Gründen – wiedererkannt und werden jetzt hier tätig. Ich würde Sie mal bitten, zu erläutern, warum das alles so kurzfristig passiert.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, ich hätte mich gefreut, wenn Sie mir gerade zugehört hätten: Seit über zehn Jahren werden umfangreiche Extremismuspräventionsprojekte, gerade im Bereich Islamismusprävention, von dieser Bundesregierung gefördert. Dazu gehören Beratungsstellen wie das Violence Prevention Network, VPN, oder „Grüner Vogel“, gute zivilgesellschaftliche Organisationen, die unterstützt werden.

Im BAMF gibt es eine eigene Deradikalisierungsstelle, die dort schon seit Langem arbeitet. Also tun Sie bitte nicht so, als hätten wir das Thema jetzt erst entdeckt. Wir arbeiten seit Jahren kontinuierlich an einer guten Extremismusprävention.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Offensichtlich erfolglos!

1 Vermerkca. 92 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Minister Wissing, Sie persönlich haben massiv für das Zensurgesetz namens Digitale-Dienste-Gesetz und für die EU-Verordnung DSA geworben. Als Spitzel- und Meldestelle wollte Ihre Bundesregierung die Organisation Bundesverband RIAS als vertrauenswürdigen Hinweisgeber benennen. Dora Streibl, eine Mitarbeiterin dieses Bundesverbands RIAS, hat allerdings ganz offen mit dem Aussterben der Deutschen sympathisiert: Sie wollte Sachsen in ein Reservat für Deutsche umbauen und sich Gulag-Prüfungen wie im Kommunismus ausdenken.

Ist es nach diesem Gesetz zulässig, solche Organisationen, die von Kommunismus, Gulags und dem Aussterben der Deutschen sprechen, als vertrauenswürdig zu benennen?

Das will Putin wissen?

Will das Putin wissen?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 49 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, die entscheidenden Fragen sind: Wie gehen wir mit Hass und Hetze im Netz um? Wie gehen wir mit Desinformationen um? Und vor allen Dingen: Wie stellen wir sicher, dass Dinge, die offline verboten sind, auch online nicht erlaubt werden? Das ist der Regelungsgehalt, den die Bundesregierung unterstützt.

Ziemlich dünn!

1 Vermerkca. 44 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Wissing, nach Medienberichten – ganz aktuell – haben Sie sich bereits von einem vertrauenswürdigen Hinweisgeber, nämlich der Meldestelle REspect!, distanziert. Ich stelle die Frage noch mal: Können Organisationen, die aus Kommunisten bestehen und Deutsche im Gulag einsperren wollen, im Sinne der Verordnung als vertrauenswürdig gelten?

Diesmal aber! Zweite Chance!

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, die Bundesregierung kann derartige Dinge nicht unterstützen und stuft solche Dinge auch nicht als vertrauenswürdig ein.

Porträt von Johannes Schätzl
Foto: Johannes Schätzl/ Maximilian König
ca. 128 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Die Frage geht an den Herrn Bundesminister Wissing. Herr Wissing, uns standen letztes Jahr rund 3 Milliarden Euro für die Breitbandförderung zur Verfügung. Auch für dieses Jahr waren rund 3 Milliarden Euro dafür eingeplant. Ein bisschen unerwartet wurden die Mittel dann im laufenden Jahr auf 2 Milliarden Euro reduziert. Für das neue Jahr stellt der Bund rund 1 Milliarde Euro zur Verfügung.

Meine Frage ist: Wie bewerten Sie diese Summe politisch? Wie können wir sicherstellen, dass wir mit den Mitteln für das nächste Jahr den eigenwirtschaftlichen Ausbau gut unterstützen können, und was bedeutet das eigentlich für die Projekte? Im letzten Jahr gab es rund 400 Projekte aus 2 000 Kommunen. Die Frage ist: Wie wirkt sich die Mittelreduzierung auf die Anzahl der Projekte aus?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 129 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank für die Frage, Herr Kollege. – Die Breitbandförderung in Deutschland kommt sehr gut voran. Wie Sie wissen, wollen wir eine flächendeckende Versorgung mit Hochleistungsnetzen. Für die Unterstützung des Breitbandausbaus stellt der Bund aktuell rund 21 Milliarden Euro zur Verfügung. Unser Förderprogramm läuft so gut, dass wir von der EU-Kommission gerade attestiert bekommen haben, dass wir in Deutschland eine sehr schnelle Aufholjagd auf den Weg gebracht haben.

Das sollte Ihnen zu denken geben!

Selbstverständlich wollen wir den eigenwirtschaftlichen Ausbau unterstützen. Dort, wo es weiße Flecken gibt, wo Unterstützung notwendig ist, müssen Bundesmittel auch in Zukunft zur Verfügung gestellt werden, und ich setze mich dafür ein, dass es weder zu Verzögerungen kommt wegen fehlender Mittel noch dass Projekte, die eine Förderung brauchen, nicht umgesetzt werden können. Das Nadelöhr ist gegenwärtig allerdings die Kapazität im Tiefbaubereich.

Porträt von Johannes Schätzl
Foto: Johannes Schätzl/ Maximilian König
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da gebe ich Ihnen natürlich explizit recht. – Jetzt haben Sie ein sehr kluges Förderregime aufgestellt: Sie haben die Mittel aufgeteilt in die klassische Förderung, eine Fast Lane und ein Lückenschlussprogramm. Bei der zu erwartenden Summe von 1 Milliarde Euro ist meine Frage nun, wie wir zwischen diesen drei Einzelmaßnahmen im Förderregime gewichten. Gibt es eine Drittelung der Mittel? Oder wird eine Einzelmaßnahme, zum Beispiel das Lückenschlussprogramm, besonders mit finanziellen Mitteln ausgestattet?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Unser Ziel ist es, dass die Förderung möglichst präzise und flächendeckend erfolgt. Wir wollen flächendeckend vorankommen im Bereich des Lückenschlusses, und wir wollen die Fördermittel so einsetzen, dass sie eine möglichst große Wirkung entfalten. Das ist auch die Erfolgsgeschichte der Gigabitförderung der Bundesregierung, die ein echter Gamechanger ist, wenn man sich mal die Entwicklung seit Amtsantritt der Bundesregierung anschaut. Wir evaluieren natürlich die Fördermaßnahmen kontinuierlich, um diese hohe Präzision auch weiterhin zu erreichen.

Porträt von Reinhard Brandl
Foto: Reinhard Brandl/ Stefan Bösl
1 Vermerkca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Wissing, ich glaube, Sie haben die berechtigte Frage von dem Kollegen Schätzl von der SPD nicht verstanden. Was sagen Sie eigentlich konkret einem Bürgermeister, der sich große Hoffnungen gemacht hat, mit seiner Gemeinde ins Bundesförderprogramm Breitband aufgenommen zu werden, Sie jetzt aber ohne jede Ankündigung die Mittel im laufenden Jahr von 3 Milliarden Euro auf 2 Milliarden Euro gekürzt und damit vielen Gemeinden die einzige Chance genommen haben, überhaupt in absehbarer Zeit zu einem Breitbandanschluss zu kommen?

Beifallbei der CDU/CSU
Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 49 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Dem antworte ich, dass das große Nadelöhr nach wie vor die Bereitstellung der notwendigen Tiefbaukapazitäten ist. Wir haben eine ganze Reihe bewilligter Förderbescheide, die aber nicht abgearbeitet werden können. Daran sehen Sie schon, dass zusätzliche Mittel hier keine Beschleunigung bringen. Gleichwohl wollen wir unser Förderprogramm auf hohem Niveau fortführen.

ca. 80 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, Sie kennen das Problem des Überbaus im Telekommunikationsbereich, also dass sich Anbieter gegenseitig die Netze überbauen oder Kunden abwerben, statt dort zu investieren, wo noch kein anderer Anbieter ist.

Jetzt wurde ein Auftrag an die Bundesnetzagentur erteilt, genau das zu untersuchen. Es gibt Medienberichte aus der letzten Woche, wonach Ihr Haus Einfluss genommen hat auf den Bericht der Bundesnetzagentur. Deshalb frage ich Sie, ob Sie oder jemand aus Ihrem Haus auf den Inhalt dieses Berichtes Einfluss genommen hat.

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 9 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Kollegin, eine Einflussnahme durch mich ist nicht erfolgt.

Zurufvon der CDU/CSU: Das war nun ein bisschen schwach!
ca. 67 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Gelegenheit zur Nachfrage; die betrifft auch das Thema Doppelausbau. – Herr Minister, Sie haben jetzt mehrfach gesagt, dass der limitierende Faktor im Breitbandausbau vor allem die Tiefbaukapazitäten sind. Vor diesem Hintergrund ist natürlich der Doppelausbau doppelt problematisch, weil das Kapazitäten bindet.

Meine Frage an Sie ist jetzt: Welche Handlungsoptionen sehen Sie denn für die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur, um wirksam gegen strategischen Doppelausbau vorzugehen?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 93 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Kollegin Schön hat bereits die Untersuchung durch die Bundesnetzagentur erwähnt. Wir evaluieren die Ergebnisse und sind natürlich auch mit den Stakeholdern in einem engen Austausch. Der ist auch notwendig, um all die Herausforderungen – eine davon ist die Problematik des Doppelausbaus – so anzugehen, dass wir zu guten Lösungen kommen.

Am Ende müssen wir aber sehen: Es geht um einen eigenwirtschaftlichen Ausbau, den wir vorantreiben wollen. Deswegen können wir das begleiten, aber wir können die Dinge nicht alle selbst entscheiden.

Zu Recht!

Können wir uns irgendwie einigen? – Ich fange jetzt mal mit Herrn Dr. Brandl an.

Porträt von Reinhard Brandl
Foto: Reinhard Brandl/ Stefan Bösl
1 Vermerkca. 67 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, Sie haben gerade angekündigt, dass Sie die Breitbandförderung auf einem hohen Niveau fortführen wollen. Jetzt liegt der Haushaltsentwurf vor. Und da sehen wir, dass Sie statt der ursprünglich vorgesehenen 3 Milliarden Euro im Haushalt für 2024 jetzt nur noch 2 Milliarden Euro planen und im nächsten Jahr nur noch 1 Milliarde Euro. Können Sie bitte sagen, worauf Sie sich mit „auf hohem Niveau fortführen“ beziehen?

Beifallbei der CDU/CSU
Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wie Sie auch wissen, Herr Kollege, gibt es eine ganze Reihe von Bewilligungen, die bereits erteilt worden sind und die jetzt abgearbeitet werden müssen. Insgesamt stellt der Bund rund 21 Milliarden Euro zur Verfügung.

Natürlich müssen wir uns im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel bewegen. Aber die Bundesregierung tut alles, um den Ausbau auf einem hohen Niveau fortzusetzen. Die Entwicklung, die wir in diesem Bereich haben, kann man als rasant bezeichnen. Wir wollen unsere ehrgeizigen Ziele, eine Vollversorgung im Jahr 2030 zu erreichen, weiterverfolgen und sind davon überzeugt, dass dieses Ziel mit der Förderhöhe nicht infrage gestellt wird.

Porträt von Anne Janssen
Foto: Anne Janssen/Tobias Koch
1 Vermerkca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Minister, die Bundesanstalt für Verwaltungsaufgaben, kurz: die BAV, ist zentraler Dienstleister für die Bearbeitung von Förderprogrammen. Ich lade Sie herzlich ein, sich von der Arbeit der BAV vor Ort in Aurich zu überzeugen; dann können Sie sich ein Bild davon machen.

Wird die BAV weiterhin mit der Bearbeitung neuer Förderprogramme beauftragt? Und welche Planungen haben Sie zum Bestand der Abteilung der Förderprogramme sowie zu der andauernden Befristung des Personals?

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Kollegin, die Antwort auf Ihre Frage würde ich Ihnen schriftlich nachreichen.

1 Vermerkca. 46 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Es geht auch kurz. – Sie haben meine Frage nämlich nur teilweise beantwortet. Ich hatte gefragt, ob Sie oder jemand aus Ihrem Haus Einfluss genommen hat. Sie haben jetzt gesagt, dass Sie persönlich keinen Einfluss genommen haben. Wie sieht es aber mit dem Rest Ihres Hauses aus?

Das weiß er natürlich nicht!

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 39 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Mir ist eine Einflussnahme von Personen aus meinem Ressort nicht bekannt. Wenn Sie wünschen, kann ich das aber gerne in der Leitungsebene nachfragen und Ihnen die Frage noch mal ergänzend schriftlich beantworten. Stand jetzt habe ich keine Kenntnis davon.

Steht im „Tagesspiegel“!

Hat er nicht gelesen!

ca. 144 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Bundesministerin, auch ich wünsche Ihnen, dass Sie spätestens bis zum Beginn der Skisaison in meiner Allgäuer Heimat wieder auf die Beine kommen.

Ich habe Fragen zum Thema Drittstaatenabkommen. Sie hatten in Ihrem Haus mehrere Sachverständigenanhörungen durchführen lassen zur Möglichkeit, Asylverfahren in Drittstaaten durchzuführen. Die Anhörungen ergaben jedenfalls nicht von vornherein, dass es unmöglich und europarechtlich undenkbar wäre, solche Verfahren durchzuführen. Deswegen ist meine erste Frage an Sie, welche Konsequenzen Ihr Haus aus diesen Anhörungen zu ziehen gedenkt und welche Schritte geplant sind.

Zum Zweiten. Es gibt eine hohe Hürde für Drittstaatenverfahren: das sogenannte Verbindungselement nach europäischem Recht. Nun wird am morgigen Tag in Luxemburg der Rat der europäischen Innenminister tagen. Sie werden, nehme ich an, dort sein. Deswegen meine Frage an Sie, ob dieses Thema „Drittstaatsverfahren/Verbindungselement“ und die Beseitigung dieser Hürde des Verbindungselements da eine Rolle spielen werden.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 148 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Stephan Thomae, für die Frage nach den Drittstaatsverfahren. Ja, wir haben mehrere Anhörungen von Expertinnen und Experten, insbesondere auch Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftlern, in meinem Haus durchgeführt. Wir sind gerade dabei, diese schriftlich zusammenzustellen und dann auch transparent vorzustellen. Wir erarbeiten einen Rahmen, in dem wir aufzeigen, was möglich ist und was nicht.

Sie haben es zu Recht beschrieben: Es ist nicht völlig ausgeschlossen. Möglicherweise zieht es rechtliche Änderungen nach sich, wenn man sich für ein solches Drittstaatsverfahren entscheiden sollte.

Zur zweiten Frage nach dem morgen tagenden Rat der Innenminister: Dort wird es vermutlich keine Entscheidung hinsichtlich des angesprochenen Verbindungselementes geben, das Bestandteil der GEAS-Gesetzgebung ist. Es ist – was sehr ungewöhnlich ist – eine Evaluierungsklausel betreffend das Verbindungselement vereinbart worden. Das soll bis Juni nächsten Jahres entschieden werden. Wir werden in der Bundesregierung dann entscheiden, wie wir damit umgehen.

Stephan Thomae hat noch eine Nachfrage.

ca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Neben den Verfahren braucht man ja auch Drittstaaten, mit denen man so etwas vereinbaren kann; diese werden nicht ohne Weiteres zu finden sein. Nun gibt es aber den Sonderbevollmächtigten der Bundesregierung für Migrationsabkommen, Joachim Stamp, der ja auch in vielen Ländern der Welt unterwegs ist und Migrationsabkommen verhandelt. Wäre es denkbar, seinen Aufgabenbereich um die Suche nach Drittstatten zu erweitern, die bereit wären, solche Verfahren durchzuführen?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 138 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Das gibt mir noch einmal die Gelegenheit, Herrn Stamp für seinen Einsatz als Beauftragter für Migrationsabkommen zu danken. Dank seiner sehr guten Arbeit haben wir schon sechs Abkommen geschlossen. Ich kann mir vorstellen, dass Herr Stamp bei seinen vielen Reisen Ideen entwickelt, welche Länder dafür infrage kommen. Herr Thomae, Sie haben das zu Recht angesprochen; denn die am allerschwierigsten zu beantwortende Frage bei dem Komplex der Drittstaatenlösung ist, welcher Staat tatsächlich bereit ist, Asylverfahren in den entsprechenden Ländern durchzuführen und dann auch die Rückführung zu organisieren. Die Schwierigkeiten, die wir in Deutschland mit Rückführungen haben, haben auch andere Länder; das ist eine schwierige Aufgabe. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass er diesbezüglich Teilaufgaben übernimmt.

Ich bedanke mich noch mal für die netten Wünschen fürs Skifahren im Winter.

Dann kommt die nächste Hauptfragestellerin. Das ist Janine Wissler.

Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
ca. 116 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Bundesministerin Faeser, seit Inkrafttreten des Rückführungsverbesserungsgesetzes droht Asylbewerbern, die im Asylverfahren falsche oder unvollständige Angaben zu ihrer Identität machen und ihren sogenannten Mitwirkungspflichten nicht nachkommen, die Verwirkung des Asylrechts. Können Sie sagen, wie sich diese Regelung in der Praxis auswirkt, und können Sie nachvollziehen, warum einige Menschen Angst haben, ihre Identität zu offenbaren, und dass es gute Gründe dafür geben kann? Oft gelingt die Flucht aus dem Heimatland nur mit einer falschen Identität. Viele fürchten nach einer möglichen Abschiebung Repressionen, oder sie wollen ihre wahre Identität nicht offenlegen, weil sie ihre Familien im Heimatland und sich vor dem Wirken ausländischer Geheimdienste schützen wollen. Deshalb ist meine Frage: Was tun Sie, um diese Menschen zu schützen?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 113 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete Wissler, Sie haben mich gefragt, wie sehr sich das zahlenmäßig schon auswirkt. Das würde ich Ihnen nachreichen; das kann ich Ihnen auswendig nicht beantworten.

Wir finden es wichtig, dass wir wissen, welche Menschen zu uns kommen. Ich halte es für keine gute Option, wenn Menschen beispielsweise bewusst vor dem Grenzübertritt ihre Papiere wegschmeißen. Für uns als Staat ist es ein wichtiger Aspekt, die Identität zu erfahren, um Vertrauen zu haben.

Sie haben eine Fallgruppe angesprochen, für die ich sehr großes Verständnis habe. Es ist berechtigt, dass Menschen, die ihr Heimatland verlassen, keine richtigen Angaben machen, damit sie keine Repressionen ihres Heimatlandes erleiden. Solche Menschen erhalten in Deutschland nach wie vor Schutz.

Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Dass Menschen nicht unter ihrem echten Namen fliehen und auch nicht unter ihrem echten Namen im Exil leben, ist kein neues Phänomen. Denken Sie an Herbert Frahm, besser bekannt als Willy Brandt. Wie viele andere floh auch er vor den Nazis unter einem falschen Namen und wurde dann später unter diesem Namen Bundeskanzler. Ich frage Sie: Würden Sie sagen, dass Willy Brandt durch die Verschleierung seiner Identität, durch die Nutzung eines anderen Namens nach dem Wortlaut Ihres Rückführungsverbesserungsgesetzes sein Asylrecht verwirkt hätte und ebenfalls ausreisepflichtig wäre?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
2 Vermerkeca. 55 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Abgeordnete Wissler, ich habe Ihnen gerade gesagt, dass für besonders Schutzbedürftige, die politisches Asyl brauchen – diese sprechen Sie gerade an;

Zurufvon der SPD: Genau!

Willy Brandt war jemand, der damals politisches Asyl bekommen hat –, der Schutz in Deutschland nach wie vor gilt. Aber das betrifft eine sehr kleine Gruppe.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dann ist der nächste Hauptfragesteller der Abgeordnete Stefan Seidler.

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin Faeser, nach Einführung der Grenzkontrollen am 16. September fällt die erste Bilanz an unserer nördlichsten Grenze, der zu Dänemark, sehr ernüchternd aus. Nach Einschätzung der GdP haben die Grenzkontrollen kaum dazu beigetragen, die illegale Migration zu begrenzen. Auch die Bundesbeamten bei uns im Norden mögen sich nicht richtig dazu äußern, ob die Kontrollen direkt am Grenzübergang überhaupt sinnvoller sind als Kontrollen im Hinterland.

Zeitgleich lässt die Bundesregierung unter Bundeskanzler Scholz – zuletzt gestern – verlauten, dass diese Kontrollen so lange wie möglich fortgesetzt werden sollen, „sehr lange“, sagt er sogar. Frau Ministerin, wie passen die bei uns im Norden anscheinend unbegründeten und wenig zielführenden Grenzkontrollen mit einer Fortführung zusammen, und welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 150 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, zunächst gibt es zwei Gründe, dass ich diese Grenzkontrollen angeordnet haben. Der eine ist der Schutz unserer Sicherheitslage in Deutschland vor islamistischem Terrorismus. Wir haben das ja nach Solingen angeordnet.

Der zweite sind Zurückweisungen derjenigen, die unberechtigt einreisen. Sie sprechen mit Dänemark ein Land an, das selbst Grenzkontrollen wieder eingeführt hat. Aus meiner Sicht ist es wichtig, Grenzkontrollen so lange durchzuführen, bis wir eine Implementierung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems haben. Dann wird es – und das ist, glaube ich, die richtige Lösung – einen guten Außengrenzenschutz mit Verfahren direkt an der EU-Außengrenze geben, aber auch eine verpflichtende Solidaritätsklausel, die zu einer besseren Verteilung von Geflüchteten innerhalb der EU führt. Das alles gibt es im Moment nicht.

Ich weise nur noch mal darauf hin, dass wir es gemeinsam mit Polen und Tschechien mit 1,2 Millionen Geflüchteten aus der Ukraine zu tun haben, im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten.

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 80 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Faeser, Sie können sich sicher sein, dass meine Kritik in Richtung der dänischen Regierung genauso heftig ist wie die Ihnen gegenüber. Selbst der Ministerpräsident Daniel Günther hat sich da in den vergangenen Jahren nicht zurückgehalten.

Nun gehören Grenzkontrollen im Schengenraum schon mehr oder weniger zur gängigen Praxis. Jetzt, da Sie solche eingeführt haben, haben Nachbarländer ähnliche Gedanken. Wie stellen Sie sicher, dass Grenzkontrollen nicht den Fortbestand der Freizügigkeit im Schengenraum gefährden und dass auch künftig die Freizügigkeit erhalten wird?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Genau so, Herr Abgeordneter, wie ich es gerade geschildert habe. Für mich ist wichtig, dass wir europäische Lösungen erzielen. Wir haben mit neuen Verordnungen und einer Richtlinie, die jetzt umgesetzt wird, einen großen Durchbruch erreicht. Wir werden in Kürze unseren Umsetzungsplan für Deutschland dem Deutschen Bundestag vorlegen. Für mich ist wichtig, dass wir so lange, bis wir ein europäisches Asylsystem haben, die entsprechenden Kontrollen durchführen können. Ich habe übrigens noch keine Kritik des Ministerpräsidenten Daniel Günther an den jetzigen Grenzkontrollen vernommen.

ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin, das Europa der offenen Grenzen ist ein unfassbar hohes Gut. Gleichwohl, die jetzigen Grenzkontrollen dienen unser aller Sicherheit und sind deswegen auch nötig. Sie müssen aber auch gut mit den europäischen Nachbarn abgestimmt sein. Nun haben wir ja seit Längerem Kontrollen an einigen Grenzen, aber auch gerade im westlichen Bereich neue Grenzkontrollen. Können Sie uns berichten, wie die Abstimmungen mit den europäischen Partnern sowohl auf Regierungsebene als auch bei den Polizeien der jeweiligen Länder laufen? – Vielen Dank.

Porträt von Josef Oster
Foto: Josef Oster/ Laurence Chaperon
ca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Wir reden über Grenzschutz. Ich glaube, wir sind uns alle darüber einig, dass die nationalen Grenzkontrollen immer die zweitbeste Lösung sind. Wir brauchen eine bessere Kontrolle der europäischen Außengrenzen; das haben Sie schon erwähnt. Wir sind der Überzeugung, dass wir dort zu einem viel robusteren Schutz kommen müssen, als das aktuell noch der Fall ist. Deshalb meine Frage: Werden Sie es innerhalb der Europäischen Union unterstützen, dass die Europäische Union den Außengrenzstaaten dabei hilft – auch finanziell –, wenn es darum geht, einen robusten Außengrenzschutz – auch physischer Art – aufzubauen?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Für mich ist wichtig, Herr Oster, dass wir unsere Vereinbarungen, die wir über das Gemeinsame Europäische Asylsystem getroffen haben, einhalten und dass wir den Außengrenzstaaten selbstverständlich dabei helfen, die Außengrenzen zu schützen. Aus meiner Sicht ist die erste Wahl Frontex; denn dort sind sehr viele deutsche Polizeibeamtinnen und -beamte tätig, die für die Qualität stehen, dass die Rechtsstaatlichkeit eingehalten wird. Das halte ich für einen wichtigen Weg. Ich glaube, dass die Außengrenzverfahren zusätzlich dafür sorgen, dass wir einen weiteren Schutz der Außengrenzen bekommen werden.

Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
ca. 61 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, da hier gerade dieses Thema durch den Vertreter der dänischen Minderheit aufgemacht worden ist: In Dänemark tragen die Sozialdemokraten wesentliche Verantwortung. Der dortige Migrationsminister hat in Bezug auf abgelehnte Asylbewerber ganz klar gesagt: Wir wollen „klarmachen: Du bist unerwünscht. Akzeptiere, dass du in diesem Land keine Zukunft hast“. Sehen Sie in diesen Aussagen nicht auch eine Perspektive für Deutschland?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
3 Vermerkeca. 59 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, ich finde es wichtig, dass wir eine Sprache wählen, die menschenwürdig ist und die keine Ressentiments schürt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich finde es wichtig, dass wir auf der einen Seite unserer humanitären Verantwortung gerecht werden und auf der anderen Seite Migration ordnen und steuern. Das haben wir mit sehr vielen Maßnahmen gemacht. Und ich halte das für den richtigen Weg.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Stefan Seidler [fraktionslos]

Das ist uns sehr nah!

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Genau dazu wollte ich fragen. – Wie genau finden diese Grenzkontrollen statt? Stellen wir uns eine Grenzkontrollstelle vor. Da stehen Beamte der Bundespolizei und kontrollieren, ob jemand aus einem sicheren Drittstaat, beispielsweise aus Dänemark oder Österreich, kommt. Was macht jetzt der Polizeibeamte? Weist der zurück unter Hinweis auf Artikel 16a Grundgesetz oder § 18 Absatz 2 Nummer 1 Asylgesetz: „Weil du aus einem sicheren Drittstaat kommst, darfst du hier nicht rein“? Oder reicht es, wenn derjenige, der kommt, nur sagt: „Ich möchte Asyl“? Darf er dann trotzdem rein unter Bruch des § 18 Asylgesetz? Oder wie kann ich mir das konkret vorstellen?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 66 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Brandner, ich habe vorhin schon versucht, Ihrer Fraktion zu erklären, dass wir der europäischen Gesetzgebung und der Genfer Flüchtlingskonvention unterliegen.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Das sind Maßstäbe, die einklagbar sind. § 18 Asylgesetz gilt natürlich auch. Deswegen sind wir in der Lage, Zurückweisungen auszusprechen, aber nicht bei Menschen, die uns gegenüber ein Asylgesuch äußern. Das müssen wir dann im Rahmen eines Asylverfahrens prüfen. Das entspricht internationalem und insbesondere europäischem Recht.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
2 Vermerkeca. 58 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, es gibt genug Rechtswissenschaftler, die sich mit dieser Frage auseinandergesetzt haben. Aber zunächst gilt Primärrecht. Es gibt europäisches Recht, das sagt: Wenn jemand an den Grenzen „Asyl!“ sagt, dann muss ich das prüfen.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Die Genfer Menschenrechtskonvention sieht das ebenfalls vor, und das geht vor. Und ich bin eine Innenministerin, die sich an Recht und Gesetz hält.

Schön wär’s!

Porträt von Markus Reichel
Foto: Dr. Markus Reichel/ Frank Grätz
ca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, vielen Dank. – Meine Frage geht an den Herrn Minister. Herr Minister, Sie sind der Digitalminister. Leider merken die Bürger davon wenig bis gar nichts. Vor allem mit der Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen geht es ja praktisch nicht voran. Jetzt haben Sie in Ihrer Digitalstrategie versprochen, bis 2025 den Personalausweis und auch noch den Führerschein als digitale Nachweise zur Nutzung mit mobilen Endgeräten verfügbar zu machen, also kurzum: aufs Handy zu bringen. Nebenbei: Das ist in vielen EU-Ländern, zum Beispiel beim unserem Nachbarn Polen, bereits Standard.

Werden Sie es in dieser Legislaturperiode schaffen, dass, wie in Ihrer Digitalstrategie angekündigt, auch nur ein einziger Bürger den Personalausweis auf seinem Handy haben wird?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 138 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, zunächst einmal will ich entschieden zurückweisen, dass wir mit der Umsetzung unserer Digitalstrategie nicht vorankommen. Ich weiß gar nicht, wie Sie auf eine solche Idee kommen können. Wir kommen bei der Digitalisierung der Verwaltung voran. Die Verwaltungsdienstleistungen des Bundes werden sukzessive digitalisiert. Die Innenministerin arbeitet engagiert an der Einführung des digitalen Personalausweises. Ich arbeite an der Einführung eines digitalen Führerscheins. Die Kfz-Zulassung in Deutschland ist digitalisiert. Ich glaube, 90 Prozent der Zulassungsstellen sind digitalisiert.

Die Bürgerinnen und Bürger bekommen das sehr wohl mit. Offensichtlich spreche ich mit anderen Leuten als Sie. Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind beispielsweise mit der digitalen Kfz-Zulassung zu 85 Prozent zufrieden. Ich frage mich, wie Sie auf die Idee kommen können, dass die Bürgerinnen und Bürger von einer digitalen Dienstleistung, mit der sie sehr zufrieden sind, nichts mitbekommen.

Antworten Sie doch mal auf die Frage!

Porträt von Markus Reichel
Foto: Dr. Markus Reichel/ Frank Grätz
1 Vermerkca. 50 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, meine Frage war eine andere. Sie haben explizit in Ihrer Digitalstrategie versprochen, bis 2025 den Personalausweis wie auch den Führerschein digital nutzbar zu machen und auf das Handy zu bringen. Sie haben jetzt nicht geantwortet, ob Sie das schaffen werden. Geben Sie mir hier bitte eine klare Antwort.

Beifallbei der CDU/CSU
Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die klare Antwort ist, dass die Bundesregierung selbstverständlich an der fristgerechten Umsetzung ihrer eigenen Digitalstrategie arbeitet.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Ja, schaffen Sie es nun oder nicht?

Porträt von Reinhard Brandl
Foto: Reinhard Brandl/ Stefan Bösl
ca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, Sie haben gerade die Umsetzung Ihrer Digitalstrategie gelobt. Ich darf zitieren aus dem Länderbericht Deutschland zur digitalen Dekade 2024:

„Das Land muss das Tempo der Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen beschleunigen, da es unter dem EU-Durchschnitt liegt … und sogar einen leichten Rückgang der entsprechenden Indikatoren verzeichnete.“

Es gibt Kollegen, die schon vom „Ampelknick“ in der Statistik sprechen. Ist das Ihre Vorstellung, wie Sie Deutschland voranbringen wollen? Wann wollen Sie endlich Ihr Ziel erreichen, im EU-Vergleich zumindest in die Top Ten zu kommen?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
2 Vermerkeca. 91 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, das ist ein netter Versuch, der Bundesregierung hier eine Verantwortung zuzuschieben, die auf Landesebene liegt. Dort haben vor allen Dingen Sie, Ihre Partei, sehr viel Verantwortung. Die Verwaltungsdienstleistungen des Bundes sind bereits in großem Umfang digitalisiert. Bei den Ländern sieht es allerdings anders aus.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deswegen muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen: Es wäre besser, wenn Sie sich an diejenigen wenden, die Verantwortung tragen und bei denen Sie Einfluss haben, damit sie tatsächlich vorankommen. Die Länder haben hier einen großen Aufholbedarf. Der Bund unterstützt sie dabei, wo immer er kann.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Maik Außendorf [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
3 Vermerkeca. 128 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sie fragen mich?

Ja, ist ja Ihr Hebelprojekt!

Ich beantworte das gerne; aber die Frau Innenministerin kann es auch selber tun. Ich kann Ihnen sagen: Hier gibt es niemanden, der nichts tut, sondern hier gibt es nur eine Bundesregierung, die sehr engagiert an der Umsetzung der Digitalstrategie arbeitet.

Schauen Sie – der Kollege hatte eben nach dem digitalen Ticket gefragt –,

Das ist gar nicht das Thema!

es waren Ihre Landesverkehrsminister, die zu mir gesagt haben: Wir bleiben beim Papierticket. – Ich habe gesagt: Das geht nicht; denn wir haben eine Digitalstrategie, die besagt, dass wir Datenverfügbarkeit brauchen. – Und natürlich treibt die Kollegin Faeser die digitale Identität engagiert voran. Das alles ist ja unter Ihrer Regierungsverantwortung lange liegen geblieben.

Zurufevon der CDU/CSU: Oh!

Selbstverständlich müssen wir das jetzt aufarbeiten. Wir kommen bei der Umsetzung der Digitalstrategie – um das noch mal deutlich zu sagen – sehr gut voran.

1 Vermerkca. 52 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Ich musste gerade ein bisschen darüber schmunzeln, dass ausgerechnet aus der Union der Vorwurf kam, dass nichts digitalisiert wurde. Vielen Dank, dass Sie das schon mal klargestellt haben.

Ich wollte Ihnen dann noch die Möglichkeit geben, anhand der digitalen Kfz-Zulassung darzulegen, welche Verantwortung für die Umsetzung bei wem liegt.

Ich liebe diese kritischen, unbestimmten Fragen!

ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Bundesministerin, auch von mir noch gute Genesungswünsche. – Meine Frage geht in Richtung Chatkontrolle. Auch in dieser Woche wird in Brüssel wieder fleißig darüber debattiert. Die amtierende ungarische Ratspräsidentschaft hat einen neuen Vorschlag unterbreitet, der in meinen Augen weiterhin eine anlasslose Massenüberwachung und ein anlassloses Durchleuchten jeglicher privater Kommunikation bedeuten würde. Ich würde von Ihnen gerne hören, wie die Bundesregierung auf diesen Vorschlag der ungarischen Ratspräsidentschaft nun reagiert hat.

Porträt von Dirk Brandes
Foto: Dirk Brandes/Privat
1 Vermerkca. 110 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Dr. Wissing, der Einsturz der Carolabrücke nach dem der Rahmedetalbrücke zeigt die ganze Katastrophe unserer Infrastruktur auf. Laut den Kommunen haben wir jeden Tag einen Wertverlust von 13 Millionen Euro bei der kommunalen Infrastruktur, und das KfW-Kommunalpanel beziffert den kommunalen Investitionsrückstand auf 186 Milliarden Euro. Ich vermute mal, die Fahrradwege in Peru und die grünen Kühlschränke in Kamerun sind auch ein Grund dafür, dass die deutschen Städte und Gemeinden sich jetzt an die Bundesregierung wenden

Nein, sind sie nicht!

Nee! Einfach ganz falsch!

und eine Investitionsoffensive für die kommunale Infrastruktur fordern. Meine Frage ist: Wird die Bundesregierung dem nachkommen, und werden Sie solche Projekte wie den Teilwiederaufbau der Carolabrücke unterstützen?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
2 Vermerkeca. 122 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, die Carolabrücke – ich hatte das vorhin gesagt – ist eine Brücke in kommunaler Trägerschaft und damit keine Angelegenheit des Bundes. Wir haben klare Zuständigkeiten in unserem Verfassungsgefüge,

Dazu müsste man die Verfassung kennen!

und danach waren weder die Instandhaltung noch die Sanierung und auch nicht die Finanzierung dieser Brücke jemals eine Bundesangelegenheit.

Dann ist ja alles gut, ne?

Deswegen kann ich Ihnen sagen: Das ist Sache der Kommune und natürlich auch Sache des Landes. Es gibt Programme des Bundes, mit denen in Einzelfällen solche Projekte gegebenenfalls unterstützt werden können. Ob das hier der Fall ist, wird man gegebenenfalls prüfen. Aber diese Brücke ist keine Bundesangelegenheit. Sie betrifft nicht den Bundeshaushalt, und ihre Instandhaltung liegt auch nicht in der Verantwortung der Bundesregierung. Deswegen passt Ihre Frage nicht; Sie richten sie an die falsche Person.

Porträt von Dirk Brandes
Foto: Dirk Brandes/Privat
ca. 56 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Dr. Wissing, prinzipiell haben Sie da recht. Ich möchte trotzdem die Frage stellen: Wenn die Dresdner Carolabrücke und ein kommunaler Investitionsrückstand in Höhe von 186 Milliarden Euro nichts mit dem Bundeshaushalt zu tun haben, warum haben es dann Straßeninfrastrukturprojekte in Indien? Werden Sie sich beim Entwicklungsministerium dafür einsetzen, dass diese entsprechend zurückgefahren werden? – Vielen Dank.

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, Sie versuchen, hier Dinge miteinander zu verknüpfen, die schlicht und einfach nichts miteinander zu tun haben. Im Verkehrsinfrastrukturbereich gibt es Finanzverantwortung auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, je nachdem, in wessen Baulastträgerschaft sich eine Infrastruktur befindet. Der Bund hat ausreichend Infrastrukturmittel, um seine Infrastrukturen instand zu halten. Dass man das in der Vergangenheit nicht gemacht hat, ist bedauerlich. Deswegen haben wir jetzt große Sanierungsprogramme. Die laufen auch sehr gut; auch das habe ich eingangs erwähnt. Und Projekte im Entwicklungshilfebereich haben andere Begründungen und stehen nicht im Zusammenhang mit der Infrastrukturfinanzierung in Deutschland. Ich ahne, welchen Zusammenhang Sie hier herstellen wollen, aber er ist sachfremd.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
ca. 48 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Die Herausforderungen rund um die Brücken wurden angesprochen. Die A 45 haben Sie in Ihrem Eingangsstatement auch schon erwähnt. An dieser Stelle würde ich gerne nachfragen wollen: Wie beurteilen Sie denn den Fortschritt bei der A 45, und kann das auch ein Best-Practice-Modell sein?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 183 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die A 45 war ein erschreckendes Beispiel zum einen für eine vernachlässigte Infrastruktur und zum anderen auch für eine verfehlte Priorisierung bei der Infrastrukturpolitik. Man hat die Sanierung der Brücke 2017 zurückgestellt, um sie dann 2021 von einem Tag auf den anderen vom Verkehr nehmen zu müssen. Das sind Fehlentscheidungen gewesen.

Ich war wenige Tage im Amt, als diese Brücke ausfiel, und habe dann zwei Dinge verändert. Zum Ersten habe ich ein neues Priorisierungsprogramm aufgelegt. Wir orientieren uns jetzt nicht mehr an den Brückennoten, sondern am Traglastindex und an der Netzbedeutung der Brücke. Das ist neu. Damit erreichen wir eine höhere Präzision und sorgen dafür, dass sich der Fehler der Vorgänger nicht wiederholt.

Zum Zweiten habe ich ein neues Konzept auf den Weg gebracht. Diese Brücke wurde als erste funktional ausgeschrieben, und die Bauzeit hat eine wesentliche Rolle bei der Vergabe gespielt; auch das ist erstmals von mir gemacht worden bei einem so großen Brückenprojekt. Deswegen ist die Bauzeit deutlich kürzer, als sie in der Vergangenheit gewesen ist. Und dies ist ein Beispiel für Best Practice, wie wir sie auch in Zukunft anwenden.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Dorothee Martin [SPD]
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
2 Vermerkeca. 97 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke schön. – Man bemerkte ja eine klammheimliche Genugtuung bei Ihnen, dass die Carolabrücke in Dresden nicht in Ihren Geschäftsbereich fällt.

Zurufder Abg. Carina Konrad [FDP]

Vor einer Woche war den Medien zu entnehmen, dass die Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e. V. eine Analyse vorgestellt hat, nach der 43 Autobahnbrücken auf deutschen Bundesautobahnen mit mehr als 50 Metern Länge die Note „ungenügend“ verdienen. Ich kenne aus der Schule noch die Note „ungenügend“; da war immer Hopfen und Malz verloren,

Zurufder Abg. Carina Konrad [FDP]

und alles war am Ende. Welchen Einfluss haben diese 43 Brücken mit der Note sechs, die ich gerade genannt habe, auf das deutsche Autobahnnetz?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 139 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, wie ich eben gerade ausgeführt habe, sind es nicht die Brückennoten, die einen wesentlichen Einfluss auf die Priorisierung haben, sondern es ist eine viel präzisere Angabe, nämlich der Traglastindex. Das ist das, was ich an Präzision in die Priorisierung von Infrastruktursanierungen reingebracht habe. Das ist das Ergebnis des Brückengipfels, den ich Anfang 2022 auf den Weg gebracht habe. Deswegen ist diese Argumentation mit den Brückennoten nicht mehr aktuell.

Es ist eine Woche alt!

– Ja, das mag sein, dass die Brückennoten eine Woche alt sind. Aber es ist trotzdem so, dass wir nicht mehr danach arbeiten, sondern wir arbeiten nach dem Traglastindex und der Netzbedeutung. Das ist die entscheidende Größenordnung.

Ich habe schon gesagt: Wir kommen mit dem Sanierungskonzept sehr gut voran. Wir haben ein Drittel der sanierungsbedürftigen Fläche der 4 000 Autobahnbrücken bereits abgearbeitet. Das ist ein Erfolgsprojekt, an dem ich festhalte.

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
2 Vermerkeca. 99 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke, Frau Präsidentin. – Herr Minister, ich nehme zur Kenntnis, dass Sie nicht zuständig sind, sondern die Kommunen. Ich nehme auch überrascht zur Kenntnis, dass Sie sagen, die Mittel des Bundes für eigene Brücken sind nicht vorhanden für Dresden;

aber sie sind natürlich vorhanden, wenn es sich um Brücken in Kamerun oder woanders handelt. Kann ich daraus ableiten, dass Ihre Empfehlung an die Kollegen in Dresden ist, für die Instandhaltung und den Wiederaufbau der Carolabrücke einen Antrag auf Entwicklungshilfe an das BMZ zu stellen, um in den Genuss von bundeseigenen Mitteln zu kommen, um eine Brücke in Deutschland zu bauen?

Beifallbei der AfD

Das ist doch eine gute Idee!

1 Vermerkca. 125 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Ich möchte auf das Thema der Grenzkontrollen zurückkommen und den Fokus auf diejenigen richten, die diese Kontrollen für uns jeden Tag durchführen, nämlich die Bundespolizistinnen und Bundespolizisten. Ungefähr 11 000 sind im Moment im Einsatz und schützen unsere Grenzen. Sie haben nicht nur unseren Dank verdient, sondern vor allem auch die bestmöglichen Einsatzmöglichkeiten, Ausrüstung etc.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]

Es gab ja schon in Bezug auf die letzten Einsätze bei Olympia und der EM aus der Gewerkschaft teilweise die Kritik, dass es Verbesserungsmöglichkeiten und -wünsche in Bezug auf Ausrüstung und Einsatzmöglichkeiten vor Ort gibt. Können Sie darstellen, was die Bundesregierung entweder schon getan hat oder wie sie darauf reagiert und wie man die Bundespolizistinnen und Bundespolizisten noch besser einsetzen und bei den Grenzkontrollen ausrüsten kann? – Vielen Dank.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 130 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Abgeordnete Martin. – Wir haben selbstverständlich darauf reagiert, auch auf die Ausstattungswünsche bei den Grenzkontrollen, die wir im letzten Jahr eingerichtet haben. Wir haben dafür gesorgt, dass an manchen Grenzkontrollposten schon feste Einrichtungen installiert wurden, weil es nicht zumutbar ist – die Bundespolizei leistet dort einen herausragenden Job –, dass sie einfach nur ein Zelt zum Schutz vor Wind und Wetter bekommt; deshalb sind dort feste Einrichtungen installiert worden. Das werden wir auch fortsetzen. Deswegen bin ich dem Finanzminister sehr dankbar, dass die notwendige Aufstockung der Mittel im diesjährigen Haushaltsentwurf bereits enthalten ist. Ich würde mich über die Unterstützung der Abgeordneten hierbei freuen. Und lassen Sie mich zum Schluss noch einmal den Bundespolizeibeamtinnen und -beamten für diesen herausragenden Job danken, den sie Tag für Tag an den Grenzen Deutschlands absolvieren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
ca. 48 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Ich möchte noch mal auf den Einsatz der Bundespolizistinnen und Bundespolizisten zu sprechen kommen. Es gab Medienberichte, in denen gesagt wurde, es müssten jetzt die Bundespolizistinnen und -polizisten von den Bahnhöfen und Flughäfen abgezogen werden, um unsere Grenzen zu sichern. Können Sie dazu Stellung nehmen, bitte?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 33 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir werden selbstverständlich keine Sicherheitsmaßnahmen an Bahnhöfen und Flughäfen abbauen. Das hat natürlich auch für uns Priorität. Das sind häufig Schwerpunkte, wo viele Reisende unterwegs sind. Deswegen wird es dort keine Einschränkungen geben.

ca. 82 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin, ich hätte eine Frage bezüglich der nun eingesetzten Taskforce Islamismusprävention in Ihrem Haus als Teilmaßnahme des aufgesetzten Sicherheitspaketes. Stimmen Sie mit mir überein, dass es für die effiziente und zielgerichtete Arbeit dieser Taskforce unerlässlich ist, dass sie Einblicke in muslimische Lebensrealitäten haben sollte, um sich dadurch auch inhaltlich mit den verschiedenen islamistischen Milieus und deren Anknüpfungspunkten im digitalen und auch realen Leben, vor allem bei jungen Muslimen, auseinandersetzen zu können? Und wie sollte das sichergestellt werden?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 144 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Abgeordnete Bubendorfer-Licht, ja, ich stimme mit Ihnen überein, dass es wichtig ist, dass man sich in einer solchen Taskforce, in einer Extremismusprävention-Expertengruppe, Expertisen dazuholt und sich selbst Einblicke verschafft.

Ich habe aber vorhin darauf hingewiesen, dass für mich wichtig ist, dass die das aus ihrer inneren Mitte tun. Es sind sehr erfahrene Leute dabei, zum Beispiel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ich habe vorhin erwähnt, dass zwei Bundesländer beteiligt sind, wofür ich außerordentlich dankbar bin. Das sind die Länder Bayern und Niedersachsen, die sehr große polizeiliche Expertise bei Deradikalisierung im islamistischen Bereich haben. Es ist sehr hilfreich, dass auch sie Teile dieser Extremismusprävention-Taskforce sind. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es da auch Kontakte beispielsweise zur Islam Konferenz gibt, um von dort Meinungen einzubeziehen. Es gibt ja auch die Junge Islam Konferenz; und ich halte es für zielführend, diese vielfältigen Ansichten einzubeziehen.

Aber eigentlich ist Rechtsextremismus schlimmer!

ca. 27 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank, Frau Ministerin. – Könnten Sie uns in diesem Zusammenhang vielleicht auch noch daran teilhaben lassen, wie die Zusammensetzung dieser Taskforce in Ihrem Haus abgelaufen ist?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
2 Vermerkeca. 73 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wir haben eine Auswahl getroffen von Rechtswissenschaftlern aus diesem Bereich, aber auch Sozialwissenschaftlern,

… und „-innen“! Sie hat ja gar nicht gegendert!

damit die unterschiedlichen Aspekte dort berücksichtigt werden können. Dann haben wir Vertreter aus der Praxis auch für die Länder mit am Tisch – ich habe es gerade erwähnt –: die Länder Niedersachsen und Bayern. Damit ist dieser Bereich abgedeckt. Und wir haben die Zivilgesellschaft miteinbezogen – beispielsweise über Projekte wie VPN –, die sehr viel Erfahrung im Bereich der Islamismusprävention, aber auch Deradikalisierung hat.

Das klappt doch alles gar nicht!

Porträt von Josef Oster
Foto: Josef Oster/ Laurence Chaperon
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, Frau Ministerin, wir begrüßen ausdrücklich, dass Sie diese Taskforce einberufen haben. Aber die Begrifflichkeit „Taskforce“ impliziert ja, dass man eine solche Institution gründet, um schnell zu einem Ergebnis zu kommen. Die Einschätzung, dass das Problem schnell zu lösen ist, teilen wir ausdrücklich nicht. Deshalb die Frage: Bis wann wollen Sie mit der Taskforce – Sie haben es so getauft; Sie wollen da schnell zum Ergebnis kommen – welche konkreten Ergebnisse erzielt haben?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 122 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es ist mir wichtig, Herr Abgeordneter Oster – da teile ich Ihre Einschätzung; deswegen habe ich vorhin auch ein bisschen breiter darüber berichtet, welche Initiativen wir unterstützen und was das BAMF bei der Deradikalisierung im Bereich Islamismus schon macht –, dass es eine dauerhafte Einrichtung ist, dass es nicht wie der alte Expertenkreis nur auf ein Jahr festgelegt ist und dann ausläuft, sondern dass wir dort dauerhaft beraten werden. Das ist mein Ansatz. Wir haben es Taskforce getauft; es braucht immer einen Namen. Wir rechnen aber damit, dass wir zeitnah zumindest Handlungsempfehlungen bekommen, wo wir Präventionsarbeit verstärken sollten, vielleicht auch Veränderungen vornehmen sollten. Sie haben zu Recht im Nebensatz schon angesprochen, dass es eine extreme Form der Radikalisierung, beispielsweise auf Plattformen wie Tiktok, gibt.

Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
1 Vermerkca. 167 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Frau Bundesministerin Faeser, Sie geben sich ja sehr gerne sportbegeistert, posten auch regelmäßig Fotos vom Besuch von Sportgroßveranstaltungen. Nun muss ich leider feststellen, dass diese Sportbegeisterung nicht mit Ihren Erfolgen und Leistungen in Ihrer Funktion als Bundessportministerin korreliert.

Sie waren mehr als zwei Jahre lang nicht im Sportausschuss, waren dann am 5. Juni wieder bei uns und haben da eine Reihe von Ankündigungen gemacht, sehr weitreichende, auch ehrgeizige, haben ein Bundessportfördergesetz in Aussicht gestellt, eine unabhängige Agentur, einen Entwicklungsplan Sport, ein Zentrum für Safe Sport. Sie haben die Olympiabewerbung angesprochen und gehen davon aus, dass bis Ende dieses Jahres feststeht, mit welcher Stadt oder welchen Städten sich Deutschland bewerben soll.

Nun ist von all diesen Ankündigungen bisher noch überhaupt nichts in die Tat umgesetzt worden. Meine konkrete Frage ist: Wann lassen Sie Ihren vollmundigen Ankündigungen endlich Taten folgen? Ich kann mich beim besten Willen des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie insbesondere im Bereich des Sports eine reine Ankündigungsministerin sind.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
3 Vermerkeca. 204 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter Mayer, ich glaube, der Sport ist viel zu wichtig für uns alle und ist der Kitt in unserer Gesellschaft.

Beifallder Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]

Da sollten wir uns nicht solche, ich sage mal, politischen Dinge gegenseitig an den Kopf werfen.

Ich habe zur Kenntnis genommen, dass die Vorgängerregierung niemals ein Sportfördergesetz auf den Weg gebracht hat. Wir werden das im November ins Kabinett einbringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Hört! Hört!

Ich glaube, das ist etwas, was Sie sehr freuen wird. Damit wird, Herr Mayer, dann auch die Sportagentur einhergehen.

Sie wissen es besser: Wir haben gemeinsam die Ansprechstelle für Safe Sport hier in Berlin bereits eröffnet. Man ist gerade dabei, mit den Betroffenen darüber zu diskutieren, wie das Zentrum für Safe Sport ausgestaltet wird. Es geht insbesondere auch um Rechte gegenüber dem organisierten Sport. Ich hoffe da auch auf Ihre Unterstützung. Ich glaube, das ist wichtig für die Betroffenen. Auch da werden wir zeitnah zu einer Lösung kommen.

Bei der Olympiabewerbung wissen Sie es auch besser. Die Entscheidung treffen ja nicht wir. Wir haben für uns die Entscheidung getroffen; das zeigt der Letter of Intent. Aber die maßgebliche Entscheidung darüber, dass wir uns bewerben, wird im Dezember beim DOSB-Jahrestreffen getroffen. Ich hoffe, wir sehen uns dort und handeln im Sinne des Sports.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]
Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
4 Vermerkeca. 128 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Mayer, ich kann Ihnen das erklären. Ich glaube, auch dort haben wir als Koalition etwas geschafft, was keine Bundesregierung vor uns je geschafft hat: Wir haben nämlich einen Kabinettsbeschluss dazu gefasst, uns für Olympia zu bewerben.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]

Das mag vor ein paar Jahrzehnten mal der Fall gewesen sein.

Zurufdes Abg. Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU]

– Genau, zu München 1972 gab es einen Kabinettsbeschluss. Aber leider gab es den bei der Olympiabewerbung von Hamburg nicht. Damals gab es kein Einvernehmen mit dem Finanzminister.

Das war übrigens Herr Schäuble!

Ich halte das für falsch.

Ich halte den Weg, den wir gegangen sind, für richtig: dass es einen Beschluss des Kabinetts für eine Olympiabewerbung gegeben hat. Ich halte eine Olympiabewerbung deshalb für so sinnvoll, weil es den Breitensport in Deutschland in besonderer Art und Weise fördern wird. Ich glaube, da stimmen wir überein.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]
Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
ca. 67 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin, ich möchte den Themenkomplex der sportpolitischen Vorhaben noch dazu nutzen, auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zurückzukommen, das letzte Woche bekannt gegeben wurde, wonach bestimmte Dateien, insbesondere die Datei „Gewalttäter Sport“, in Teilen verfassungswidrig ist. Das ist ein Thema, das viele Fanhilfen bewegt und viele Fußballfans betrifft. Welche Konsequenzen hat dieses Urteil für diese Datei? Können Sie dazu etwas sagen?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie hat zunächst einmal Konsequenzen dahin gehend, dass wir das rechtssicher aufstellen müssen. Ich halte es für wichtig, dass wir die Gewalttäter so erfassen können, dass wir gerade im Bereich des Fußballs, wo mittlerweile sehr viel Gewalt Einzug gehalten hat – nicht nur in den Hauptligen, sondern leider auch weit darunter –, nach wie vor diese Datei zur Prävention gegen weitere üble Gewaltübergriffe nutzen können. Deswegen: Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass es eine verfassungskonforme Regelung gibt.

ca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Dann drängt sich eine Nachfrage geradezu auf. Es gibt einen Beschluss der Verkehrsminister mit dem Bekenntnis, das Deutschlandticket möglichst fortzuführen, und es ist, glaube ich, wohl so, dass der Bund, die Bundesregierung, aber vor allem der Bundestag einen Beschluss herbeiführen müssen, um eine gesetzliche Grundlage zu schaffen. Wie wir alle wissen, werden diese gesetzlichen Grundlagen regelmäßig in der Bundesregierung vorbereitet, da auch geeint, um das dann hier in den Bundestag einzubringen.

Da stellt sich jetzt die Frage: Gibt es dafür einen Zeitplan? Was spricht dagegen, das so rasch wie möglich zu machen, um – das haben Sie ja auch schon kritisiert – zu verhindern, dass das Deutschlandticket immer wieder zum Spielball zwischen Bund und Ländern wird?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 203 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank, Herr Abgeordneter Hartmann, auch für die Genesungswünsche. – Sie haben zu Recht beschrieben, dass wir seit dem furchtbaren Angriffskrieg Putins in der Ukraine hybride Bedrohungen haben, wozu die Desinformationen gehören. Das – Sie haben es zu Recht beschrieben – betrifft nicht nur unser Land, sondern auch andere Länder, wie die USA und Kanada. Es gibt massive Desinformationen, die die Meinungen in den jeweiligen Ländern stark beeinflussen.

Die Bundesregierung hat deshalb direkt nach dem Beginn des furchtbaren Angriffskriegs eine Taskforce ins Leben gerufen – über mehrere Ressorts verteilt. Deren Umgang mit Desinformationen war von Anfang an, dass man sehr schnell reagiert hat, wenn Desinformationen sichtbar wurden.

Diese Taskforce hat dazu geführt, dass wir im Juni dieses Jahres eine Früherkennungseinheit auf den Weg gebracht haben, die in meinem Haus angesiedelt ist. Diese Früherkennungseinheit stellt jetzt Analysten ein, und diese Analysten sollen auf technischem Wege feststellen, wo staatliche Einflussnahme von außen über das Internet eingespielt wird, um so sichtbar zu machen, wo Meinungen manipuliert werden, wo Desinformationen hereinkommen, ohne dass wir sagen müssen: Diese Meinung ist richtig oder falsch. – Sie stellt einfach technisch dar, dass offensichtlich ein anderer Staat dahintersteckt und von wo Informationen reinkommen. So kann sich jede Bürgerin und jeder Bürger eine eigene Meinung bilden.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 125 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön. – Frau Faeser, die Ausgangsfrage ging ja zu den 28 Afghanen, die mit großem Tamtam vor der Landtagswahl abgeschoben wurden. Jetzt gehen die Meinungen da auseinander: Wurden sie abgeschoben, sind sie freiwillig ausgereist?

Es wurden 1 000 Euro Handgeld bezahlt; diese Menschen haben also noch 1 000 Euro auf die Hand bekommen. Das muss man sich mal vorstellen: In Deutschland wird man aufgefordert, irgendwas zu tun, und dann setzt der Staat das nicht etwa durch, sondern gibt einem noch Geld dafür, damit man das, was man sowieso machen muss, umsetzt. Das ist so, als wenn der Steuerzahler Geld dafür bekommen würde, dass er Steuern bezahlt. Völlig irrsinnig!

Meine Frage geht dahin: Wer hat die Zahlung der 1 000 Euro veranlasst? Waren es freiwillige Ausreisen?

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 28 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Und wurden die Geschädigten der Straftäter darüber informiert – es waren ja Vergewaltiger darunter, die sich schadensersatzpflichtig gemacht haben –, dass sie diese 1 000 Euro eventuell hätten pfänden können?

Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
2 Vermerkeca. 56 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, nach Zahlen aus Ihrem eigenen Haus sind 88 Prozent der antisemitischen Straftaten von Januar bis Anfang Oktober dieses Jahres auf die Phänomenbereiche „religiöse Ideologie“, sprich Islamismus, und „ausländische Ideologie“ zurückzuführen. 88 Prozent!

Keine Nachfrage zu dem Thema!

Damit ist der Nachweis erbracht, dass diese widerwärtigen antisemitischen Aufmärsche auf unseren Straßen, die widerwärtigsten seit 1945, auf importierten Antisemitismus zurückzuführen sind.

Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
ca. 51 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich komme jetzt zum Thema Abschiebungen. – Wann steuern Sie dem endlich effektiv entgegen? Wann schieben Sie eine große Zahl dieser widerwärtigen islamistischen Antisemiten ab? Und wann sorgen Sie vor allem dafür, dass nicht weitere dieser islamistischen Antisemiten in unser Land kommen, indem Sie sie an unseren Grenzen großflächig bzw. breitbandig zurückweisen?

Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 81 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Frau Bundesinnenministerin, auch von mir herzliche Genesungswünsche vorab. – Ich habe eine Frage zu der Taskforce Islamismusprävention, die Sie dankenswerterweise gerade selbst angesprochen haben. Ich möchte mich dafür im Namen unserer Fraktion herzlich bedanken. Das ist genau der richtige Schritt, um dieses Thema möglichst schnell anzugehen, gemeinsam mit herausragenden Expertinnen und Experten, auf die wir aus meiner Sicht unbedingt hören müssen.

Die Handlungsempfehlungen sollen wir ja dann auch schnellstmöglich umsetzen. Dennoch habe ich in Ihrem aktuellen – –

Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 88 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Dennoch habe ich Ihren aktuellen Haushaltsplänen entnommen, dass im Bereich der sonstigen Förderung der Islamismusprävention seitens des BMI momentan Einsparungen in Höhe von fast 2 Millionen Euro vorgesehen sind. Beispielsweise erhalten Projekte zur kontinuierlichen Weiterentwicklung von Standards, zur Vernetzung oder zur Qualitätssicherung in der Deradikalisierungsarbeit etwa 1 Million Euro weniger.

Teilen Sie unsere Einschätzung, dass eine der Lehren aus Solingen und Mannheim doch sein muss, dass wir mehr Geld in die Extremismusprävention und in die Deradikalisierungsarbeit stecken müssen?

Rechtsextremismus! Ganz wichtig!

Setzen Sie sich dafür ein, diese Gelder vielleicht auch aufzustocken?

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
1 Vermerkca. 167 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Das tue ich, Frau Abgeordnete Kaddor; vielen Dank für den Hinweis. – Sie wissen, dass die Haushaltsberatungen schwierig sind. Wir mussten sehr gründlich prüfen: Wo fehlen uns Gelder, wo können wir Dinge priorisieren?

Für uns ist Folgendes sehr wichtig – das will ich hier noch mal betonen –: Wir leisten seit Jahren – das haben auch meine Vorgänger in hervorragender Art und Weise gemacht – sehr umfangreiche Unterstützung für Projekte in der Islamismusprävention.

Klappt ja wunderbar!

Wir haben eine eigene Stelle dafür im BAMF. Dort werden nicht nur Projekte gefördert, sondern es wird auch eine sehr kontinuierliche Arbeit im Bereich der Deradikalisierung geleistet.

Ich habe einen Stapel von Initiativen im Bereich der Islamismusprävention vorliegen, die unterstützt werden. Das tun wir auch weiterhin. Wir haben das Geld so verteilt, dass keines dieser wichtigen Deradikalisierungs- oder auch Präventionsprojekte, die wir als Haus unterstützen, darunter leiden muss und nicht weitergeführt werden kann.

Wir werden die Handlungsempfehlungen der Taskforce Islamismusprävention selbstverständlich berücksichtigen und Haushaltsgelder dafür gegebenenfalls umstrukturieren, weil ich die Auffassung teile: In Prävention zu investieren, ist enorm wichtig.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Abgeordnete Martin, das mache ich sehr gerne. Zum einen haben wir eine Abstimmung sogar auf Ebene des Bundeskanzlers mit seinen Kolleginnen und Kollegen der Nachbarländer. Selbstverständlich gibt es einen Austausch zwischen mir und den anderen Innenministern der an Deutschland grenzenden Länder.

Zum anderen haben wir eine sehr gute polizeiliche Zusammenarbeit mit allen Nachbarstaaten. Es gibt sogar drei herausragende Kooperationen. Wir haben eine feste deutsch-französische Polizeieinheit, die gemeinsam an der Grenze kontrolliert. Wir haben mittlerweile feste Vereinbarungen zu gemeinsamen Teams mit Polen –

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und auch mit Tschechien. Das sind wirklich gute Beispiele dafür, wie wir das in Koordination mit unseren Nachbarländern gemeinsam durchführen.

Porträt von Christian Wirth
Foto: Dr. Christian Wirth/ Hagen Schnauss
ca. 115 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Können wir uns darauf einigen, dass die UN-Menschenrechtskonvention nur bedeutet, dass man nicht in unsichere Staaten zurückschieben darf, wo Menschen verfolgt werden? Des Weiteren können wir uns sicherlich darauf einigen, dass Verträge einzuhalten sind. In Artikel 3 Absatz 2 EU-Vertrag steht, dass die Staaten offene Binnengrenzen gewähren, aber die EU im Gegenzug sichere Außengrenzen, ein sicheres Asylsystem und innere Sicherheit gewährt. Wir haben weder sichere Außengrenzen weder ein funktionierendes Asylsystem noch innere Sicherheit, wie wir auf unseren Straßen sehen.

Nun meine Frage: Es gibt im internationalen Vertragsrecht den Grundsatz „Wegfall der Geschäftsgrundlage“, Artikel 62 Wiener Übereinkommen über das Recht der Verträge. Wäre das nicht ein Grund, hier die Grenzen so lange zu schließen, –

Porträt von Michael Donth
Foto: Tobias Koch
ca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister, zum Thema „Digitalisierung in Deutschland voranbringen“. Eines Ihrer großen Digitalisierungsprojekte, für das Sie sich gefeiert haben und für das Sie fast 5 Milliarden Euro ausgeben, ist das digitale 49-Euro-Ticket. Jetzt ist dieses Ticket zwar auf dem Handy oder als Karte verfügbar; aber es ist quasi ein Papierticket, es ist nicht wirklich digital. Der bdo hat es heute in der Anhörung extra noch mal gesagt: Das Ticket ist nicht auswertbar. Man weiß nicht, wer wohin fährt; man kann daraus keine Daten ableiten.

Porträt von Michael Donth
Foto: Tobias Koch
ca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Was bringen Sie voran, damit dieses Ticket tatsächlich digital wird? Wie bringen Sie sich da ein?

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst einmal, Herr Kollege, bin ich die treibende Kraft gewesen, die das Ticket nicht als Papierticket fortführen wollte. Landesverkehrsminister – auch von Ihrer Partei – haben sehr dafür gekämpft, dass es beim Papierfahrschein bleibt. Das habe ich entschieden zurückgewiesen und gesagt: Der Bund wird sich nur beteiligen, wenn das Ticket von Anfang an digital aufgesetzt wird.

Dabei ist dann erst mal rausgekommen, dass sehr viele Verkehrsunternehmen in Deutschland überhaupt keine Möglichkeit hatten, digitale Tickets auszulesen. Das hat sich durch meine Initiative massiv verändert. Heute kann man sagen: Das ist der größte Digitalisierungsschub im ÖPNV, den die Bundesregierung angestoßen hat.

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 34 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Probleme, die Sie beschreiben, gibt es. Aber es ist die Aufgabe der Länder und der Verkehrsunternehmen, diese zu lösen.

Beifallder Abg. Sandra Bubendorfer-Licht [FDP]

Wir haben den Anstoß gegeben; die Umsetzung muss jetzt folgen. Ich fordere das ein.

ca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr gerne. – Herr Minister, dann möchte ich zu Ihrer Verantwortung zurückkommen. Sie haben nämlich in Ihrer Digitalstrategie drei Hebelprojekte definiert und erklärt, das seien die Projekte, die mit ganz besonderer Priorität vorangetrieben werden sollen. Eines dieser Projekte umfasst die vom Kollegen Reichel angesprochenen digitalen Identitäten und die Registermodernisierung. Jetzt haben wir auch die Innenministerin hier. Wenn wir uns mal den Haushalt anschauen, dann sehen wir, dass die Gelder für die Registermodernisierung massiv zusammengestrichen wurden in einem Jahr, wo eigentlich genau hier massiv investiert werden müsste. Und bei den digitalen Identitäten wird eben auch nicht das gemacht, was notwendig wäre, um den Roll-out zu beschleunigen. Die Öffentlichkeitskampagne ist gestrichen worden. Die Möglichkeit, seine PIN online zu beantragen, –

ca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– wurde von gestern auf heute eingestellt, und das weitere Verfahren ist völlig unklar. Ich frage Sie: Ist durch das Nichtstun der Kollegin Faeser –

1 Vermerkca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– Ihr Hebelprojekt gefährdet, und was tun Sie dagegen?

Beifallbei der CDU/CSU
Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 126 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Bei i-Kfz ist das schleppend angelaufen, weil man erst einmal wenig Engagement gesehen hat. Aber inzwischen kann ich sagen: Es kommt gut voran. Wir haben die Kfz-Zulassungsstellen jetzt flächendeckend so weit, dass sie mit sicherer Technik i-Kfz, also die digitale Kfz-Zulassung, nutzen. Aber etwa 10 Prozent fehlen noch. Das ist nicht gut; denn wir haben i-Kfz im September vergangenen Jahres eingeführt. Ein Jahr später haben es also 10 Prozent der Kommunalverwaltungen noch nicht eingeführt. Ich würde raten, das dringend zu ändern. Der Bund ist hier, wie gesagt, treibende Kraft. Wir können nur nicht unmittelbar auf die Kommunen einwirken; das wäre Sache der Länder. Und es ist auch Sache der Kommunen selbst, hier schneller voranzugehen. Im Übrigen ist i-Kfz auch deswegen –

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
ca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– ein großer Erfolg, weil dadurch die Gebühren für die Bürgerinnen und Bürger sinken.

Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
Nancy FaeserSPD· Bundesministerin BMI· kein MdB
ca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank, Herr Abgeordneter. – Ich kann Ihnen sagen, dass die Bundesregierung diesem Vorschlag der ungarischen Ratspräsidentschaft zur Chatkontrolle nicht folgen wird.

2 Vermerkeca. 16 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, das war angenehm klar.

– Brandes. Oh, Entschuldigung, das konnte ich hier nicht richtig lesen.

Es heißen nicht alle Brandner bei uns!

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
1 Vermerkca. 128 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, ich weiß nicht, ob man Ihrer Frage die notwendige Ernsthaftigkeit attestieren kann.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ja, danke!

Wir haben in Deutschland klare Zuständigkeiten. Wir haben die Baulastträgerschaft des Bundes: Der Bund saniert. Ich mache das durch mein Brückenprogramm. Und selbstverständlich empfehle ich auch den Ländern und Kommunen, über ein solches Programm die in ihrer Zuständigkeit liegenden Brücken frühzeitig zu sanieren. Ich kann das nur anraten.

Selbstverständlich investiert der Bund große Summen, um sein Brückensanierungsprogramm erfolgreich abzuschließen. Wir wollen die 4 000 Brücken bis 2030 komplett instand gesetzt haben. Wenn Sie sich das anschauen – die Rahmedetalbrücke ist ja schon genannt worden –, stellen Sie fest: Der Bund hat das voll im Griff. Hier sind ganz neue Methoden in Anwendung, und wir werden weltweit für unsere Baustellen – Stichwort „Riedbahn“ – bewundert. Die Schweiz sagt: Chapeau!

Volker WissingFraktionslos· Bundesminister BMDV· MdB
2 Vermerkeca. 5 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Davon kann die Schweiz lernen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der SPD

Jetzt wird es kritisch!

Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
1 Vermerkca. 88 WörterReaktionswert: ruhig
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Sehr gerne. – Ich möchte nur klarstellen, Frau Ministerin: Wenn man hier sportpolitische Themen anspricht, dann heißt das nicht, dass man sich irgendwie populistisch verhält, sondern ich glaube, es ist richtig, dass sportpolitische Themen auch adressiert werden, dass Kritik geübt wird.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Dorothee Martin [SPD]

Sie haben eben sehr viel angekündigt und bisher leider nichts oder fast nichts umgesetzt.

Was das Thema der Olympiabewerbung anbelangt: Es war die Bundesregierung, die monatelang auf sich warten lassen hat, um diesen Letter of Intent zu unterschreiben. Alle Bundesländer bzw. die Region Nordrhein-Westfalen waren bereits bereit.

Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
ca. 19 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Warum hat zum Beispiel die Unterzeichnung dieses Letter of Intent mehr als ein halbes Jahr auf sich warten lassen?

Porträt von Carsten Linnemann
Foto: Carsten Linnemann/CDU/Tobias Koch
11 Vermerkeca. 617 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt haben wir es amtlich: Auch die Bundesregierung geht davon aus, dass wir dieses Jahr in eine Rezession rutschen. Damit verzeichnen wir eine Doppelrezession, im letzten Jahr und in diesem Jahr, zweimal hintereinander. Das hat es in der Bundesrepublik Deutschland erst einmal gegeben: in den Jahren 2002 und 2003.

Es gab viele Rezessionen, aber eines hatten alle Rezessionen gemeinsam: Wir sind stärker wieder rausgekommen, als wir reingegangen sind. Dieses Mal droht genau das Gegenteil. Es droht ein Abwärtsstrudel. Es droht die Situation, dass wir auch in den nächsten Jahren in dieser schwierigen wirtschaftlichen Gemengelage bleiben.

Ich hatte heute ein Gespräch mit einem bekannten Mittelständler aus dem Südosten Deutschlands, der mir erzählte, dass der Bundeskanzler vor wenigen Wochen sein Maschinenbauunternehmen besucht hat. Dieser Ingenieur hat sich wochenlang vorbereitet. Es ging um vier Themen: um Bürokratieabbau, um Steuern, um Fachkräfte und um Energiepreise. Der Bundeskanzler hat dort gesessen, eine Stunde zugehört, und nach einer Stunde – so wurde mir berichtet – ist er aufgestanden und hat gesagt: Alles wird gut. – Meine sehr verehrten Damen und Herren, so kann ich ein Land wie Deutschland nicht führen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Völlig vorbei an der Realität!

So kann ich eine Volkswirtschaft nicht führen. In so einer Krise kommt es vor allem auf Führung an.

Was sind denn Ihre Vorschläge?

Zurufdes Abg. Sebastian Roloff [SPD]

Lieber Herr Habeck, wenn nahezu hundert Prozent der Deutschen laut Politbarometer kein Vertrauen mehr in diese Ampel haben und diese Ampel nicht noch mal wollen, wenn es also in der Wirtschaft und auch im Mittelstand kein Vertrauen gibt, dann frage ich mich immer – ich meine, Sie sind doch auch unterwegs, Sie telefonieren, Sie treffen die Mittelständler –: Was sagen Sie denen eigentlich? Spüren Sie eigentlich, was da los ist? Sehen Sie die Realität?

Die Mittelständler beklagen sich über diese Bundesregierung. Nehmen wir doch nur mal das Beispiel der Strafzölle gegen China aus der letzten Woche: Der Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland sagt Nein, die Außenministerin sagt Ja, und Sie, lieber Herr Habeck, sagen: Ich enthalte mich. – Was ist das für eine Bundesregierung, die nicht weiß, wo sie steht? Das geht nicht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Was ist denn die Position der CDU?

Die Bundesnetzagentur – Ihre Behörde – facht eine Debatte an und sagt: Die Wirtschaft muss sich gegebenenfalls auf eine flexible Stromproduktion mit unterschiedlichen Strompreisen je nach Wetterlage einstellen. – Herr Habeck, glauben Sie, dass irgendeiner der Maschinenbauer, deren Maschinen zum Teil 365 Tage im Jahr laufen, heute die Investitionsentscheidung trifft, nächstes Jahr neue Maschinen zu kaufen?

Maschinenbau hat Absatzplus!

Ein weiteres Beispiel aus dem Arbeitsmarkt: Wie kommen Sie auf die Idee, den erwerbsfähigen Arbeitslosen, die wir in Arbeit bringen wollen, eine Prämie zu geben, damit sie arbeiten? Es ist doch ihre Aufgabe als Regierung, die Menschen in Arbeit zu bringen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Was soll ich denn den Millionen Menschen in Deutschland sagen, die jeden Tag arbeiten gehen? Das verstehe ich nicht.

Ich finde, Friedrich Merz hat nicht nur einen Punkt, sondern er beschreibt es exakt richtig: Herr Habeck, Sie machen seit Jahren Mikromanagement. Sie versuchen, von oben herab zu sagen, welche Unternehmen und welche Branchen Geld bekommen, am besten noch, welche Technologie sie einsetzen sollen.

Wir haben ein ganz anderes Gesellschaftsbild, ein ganz anderes Menschenbild.

Ja, das stimmt!

Der Mensch ist befähigt für die Freiheit. Die Politik muss den Rahmen, die Grenzen setzen, aber innerhalb dessen muss die Freiheit genutzt werden. Und wenn Sie zum Teil übergriffig werden und den Menschen sagen, welche Heizung sie einzubauen haben, dann entsteht Unsicherheit und keine Planungssicherheit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Das ist Quatsch! Und das wissen Sie auch!

Und wenn Sie dann noch einen draufsetzen, lieber Herr Habeck, und sagen: „Ich wollte nur mal bei knapp 85 Millionen Menschen testen, wie man auf so eine Idee reagiert“,

Wahnsinn! Wahnsinn!

Pilotprojekt Deutschland!

dann hat das nichts mehr mit Führung zu tun, sondern das ist das Gegenteil.

Dieses Land braucht eine Wirtschaftsagenda, eine Agenda 2030, die zu Freiheit befähigt, die Eigenverantwortung stärkt, Freiräume schafft und Leistung wieder in den Vordergrund rückt.

Vielen Dank.

Porträt von Esra Limbacher
Foto: Esra Limbacher/Dominik Butzmann
27 Vermerkeca. 739 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es sind stürmische Zeiten, und wir alle spüren: Es geht um viel.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

– Dass Sie das zum Lachen finden, sagt schon einiges aus. – Wir sollten uns aber durch all die unnötige Parteipolitik, die wir gerade wieder in diesem Haus gehört haben,

Oah, ist das billig!

Das waren Fakten! Sollen wir Sie loben?

nicht davon ablenken lassen, worum es wirklich geht. Es geht um viel. Es geht um das, was unser Land stark gemacht hat, nämlich um unseren Industriestandort Deutschland.

Eines stimmt – das hat ein ehemaliger Ministerpräsident aus dem Saarland schon einmal gesagt –: Deutschland war früher mal Wald und Wiese, dann kamen Kohle und Stahl, die Automobilindustrie, und es kamen vor allen Dingen Wohlstand und sozialer Aufstieg für viele, viele Menschen in unserem Land. Liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt müssen wir aufpassen, dass wir nicht wieder Wald und Wiese werden und dahin zurückfallen.

Zurufvon der AfD: Genau das machen Sie ja!

Darum geht es. Es geht nicht um Friedrich Merz. Es geht nicht um die Ampel. Es geht um unseren Wirtschaftsstandort, um unseren Industriestandort, um nichts anderes.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Manfred Todtenhausen [FDP]

Die Wortwahl, Herr Linnemann, die Rhetorik, die in letzter Zeit auch von Ihnen verwendet wird – ich glaube, sie ist nicht zielführend.

Das war eine ganz ruhige Rede!

Das verunsichert die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land, das verunsichert Unternehmen,

Die Bürger haben Anspruch auf die Wahrheit, nicht auf Ihr Gesülze!

von denen doch eigentlich viele investieren wollen und auch können, die aber jetzt abwarten, weil sie nicht wissen, wo die Reise hingeht.

Und ja, wir stehen vor enormen industriepolitischen Herausforderungen; darüber müssen wir in diesem Haus diskutieren. Aber die Wahrheit ist doch auch – Sie haben das gerade in Ihrer Rede am Anfang der von Ihnen selbst beantragten Aktuellen Stunde noch mal bewiesen –: Die Herausforderungen sind enorm. Aber von der CDU/CSU, von Friedrich Merz hören wir zum Industriestandort selbst kein Wort,

kein Konzept, keine Ideen, wie wir diesen Industriestandort stärken wollen. Es kommt nichts von Ihnen außer Vorwürfe. Nur, das nutzt hier niemandem, schon gar nicht der deutschen Industrie.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufdes Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Es ist doch verräterisch, über welche Topthemen die CDU und Friedrich Merz in diesen Tagen wirklich reden, und das angesichts einer Lage, in der viele Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz, um ihre Jobs in diesem Land haben.

Nee, die haben Angst vor der Regierung!

In dieser Zeit redet Friedrich Merz über mehr Respekt, über mehr Fleiß. Bei Respekt bin ich hellhörig geworden; Respekt finde ich gut. Vorschläge, wie man eine gespaltene Gesellschaft einen könnte, sind doch gerade jetzt willkommen, bei uns Sozialdemokraten sowieso immer.

Aber Friedrich Merz will nicht den Respekt für alle in unserer Gesellschaft, sondern Friedrich Merz will nur den Respekt für eine bestimmte Gruppe,

Julia Klöckner [CDU/CSU]: Sie müssen doch selber lachen jetzt!

die es besonders schwer zu haben scheint in unserer Gesellschaft, nämlich die Reichsten in unserer Gesellschaft.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ja, klar! Wahlkampf!

Für die fordern Sie Respekt ein, aber nicht für diejenigen, die ihn wirklich brauchen in unserer Gesellschaft. Ich finde, das lässt tief blicken.

Friedrich Merz, der bodenständige Privatjetliebhaber, kämpft als Mittelstandsheld aufopferungsvoll darum, dass Deutschland noch mehr Millionäre und Milliardäre hat.

Wer hat Ihnen das denn aufgeschrieben?

Um es ganz offen zu sagen, Herr Merz: Ich kann Ihre Verunsicherung verstehen.

Falsche Veranstaltung hier!

Zurufdes Abg. Sepp Müller [CDU/CSU]

Aber der Grund, warum viele Menschen in unserem Land ein Störgefühl haben, wenn es um Sie als Kanzlerkandidaten geht, ist: Sie verwechseln Geld mit Fleiß. Man kann in diesem Land stinkefaul sein, aber trotzdem durch Erbschaft oder Sonstiges zu Geld kommen.

Zurufdes Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Und andere, die fleißig sind in diesem Land, die erleben Monat für Monat, dass das Geld knapp ist.

Was tun Sie denn, dass das Geld für die Menschen nicht mehr knapp ist?

Das ist doch die Realität, über die wir reden müssen, und das tun Sie nicht, lieber Friedrich Merz. Sie verwechseln Geld mit Fleiß. Das ist schlicht unanständig, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch wenn es interessant ist: Ich will nicht über Sie reden; es geht um mehr. Die deutsche Wirtschaft befindet sich aktuell in einer historischen Umbruchsphase.

Abbruchsphase!

Es ist unsere dringende Aufgabe, die Rahmenbedingungen so auf Zukunft zu stellen, dass Deutschland eine starke Industrienation bleibt, dass hier Arbeitsplätze gesichert werden und entstehen.

300 000 vernichtete Industriearbeitsplätze in drei Jahren!

Die Bundesregierung hat mit der Wachstumsinitiative eine Grundlage dafür gelegt. Aber das reicht natürlich nicht; wir müssen mehr liefern. Die SPD-Fraktion hat dafür Vorschläge gemacht: Wir wollen den Industriestrompreis, den Transformationsstrompreis. Es ist völlig egal, wie er heißt; die Energiepreise müssen runter.

Einigen Sie sich mal in der Koalition!

Wir brauchen Freiheit statt Staat!

Der Bundeskanzler hat zuletzt eigene Vorschläge in dieser Woche gemacht, was die Netzentgelte betrifft. Wir müssen handeln, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Sie haben sie doch verdoppelt!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Das ist nämlich die Einstellung, die wir brauchen. Wir haben heute keinen einzigen Vorschlag der Unionsfraktion in der von ihr beantragten Aktuellen Stunde gehört – keinen einzigen!

Sie machen aber auch keinen! Von Ihnen habe ich auch noch nichts gehört außer heiße Luft!

Wir müssen handeln. Der Bundeskanzler hat gute Vorschläge gemacht. Das ist die Einstellung, die wir in Krisenzeiten brauchen. Nicht motzen und meckern, sondern machen, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Glück auf und vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Bernd Schattner
Foto: Bernd Schattner
8 Vermerkeca. 783 WörterReaktionswert: lebhaft
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! 30 Jahre lang war ich selbst Unternehmer, bevor ich vor drei Jahren hier in den Bundestag kam. Und ich stelle immer wieder fest: Die deutsche Wirtschaft steht mittlerweile am Abgrund. Und was macht diese Ampelregierung? Sie lässt unser Land sehenden Auges in den Ruin schlittern. Während die deutsche Industrie ausblutet, der Mittelstand ums Überleben kämpft und die Bürger sich fragen, wie sie ihre Strom- und Heizkosten bezahlen sollen, lebt diese Regierung in ihrer ideologischen Blase. Wunschdenken statt Wirtschaftspolitik, das ist Ihre traurige Bilanz nach drei Jahren Ampel.

Beifallbei der AfD

Fangen wir bei der Energiepolitik an. Deutschland hat die höchsten Strompreise in ganz Europa.

Stimmt nicht! Falsch!

Im Durchschnitt zahlen private Haushalte laut Destatis 41 Cent pro Kilowattstunde, während es in Frankreich gerade mal 25 Cent sind. Der Grund: Ihre überstürzte Energiewende.

Das ist noch mal falsch!

Sie alle, von der SPD bis hinüber zur CDU/CSU, haben dafür gesorgt, dass die Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet wurden, ohne eine sichere und bezahlbare Alternative zu schaffen.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der AfD: So ist es!

Stattdessen haben Sie Milliarden in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt, ohne Rücksicht auf die Folgen. Das Ergebnis: Energieintensive Unternehmen flüchten ins Ausland. Die BASF zum Beispiel, einst eines unserer Vorzeigeunternehmen hier in Deutschland, verlagert große Teile seiner Produktion nach China und in die USA. Das bedeutet hunderttausendfacher Arbeitsverlust in Deutschland.

Und wer trägt diese Last? Die deutschen Bürger und der Mittelstand. Seit Januar 2023 sind die Energiekosten für viele Unternehmen um 80 Prozent gestiegen – 80 Prozent! Wie sollen kleine Betriebe, Handwerksfirmen und Familienunternehmen das stemmen? Sie reden von klimaneutraler Transformation, aber diese Transformation bedeutet für viele Betriebe schlicht den Ruin.

Der Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft, wird von Ihnen komplett ignoriert. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Über 70 000 Unternehmen haben im Jahr 2023 Insolvenz angemeldet. Das sind bereits 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen, die seit Jahren unter den steigenden Energiepreisen, hohen Abgaben und Ihrer völlig realitätsfernen Bürokratie leiden. Anstatt hier zu handeln, ignorieren Sie diese Entwicklung und verschärfen die Lage weiter durch unsinnige Vorschriften wie das Lieferkettengesetz oder die geplante CO2-Bepreisung.

Und jetzt sprechen wir mal über Ihre katastrophale Schuldenpolitik; der neue Haushalt muss ja jetzt irgendwann mal kommen. Im Jahr 2023 haben wir einen neuen Rekord erreicht: Die Staatsverschuldung liegt bei 2,48 Billionen Euro. Allein im nächsten Jahr planen Sie neue Schulden in Höhe von 45 Milliarden Euro. Diese Schuldenlasten werden unsere Kinder und Enkelkinder noch jahrzehntelang belasten. Aber anstatt endlich einen Kurswechsel einzuleiten, machen Sie weiter wie bisher und treiben das Land weiter in den finanziellen Ruin.

Die Realität, die Sie nicht sehen wollen: Die deutsche Wirtschaft befindet sich offiziell in der Rezession. Im Jahr 2023 ist das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent geschrumpft. Für 2024 rechnet jetzt selbst die Bundesregierung mit einem weiteren Rückgang von 0,2 Prozent. Und die OECD erwartet für 2025 ein minimales Wachstum von gerade mal 0,4 Prozent; weit unter dem europäischen Durchschnitt.

Unsere Nachbarländer wachsen, während Deutschland stagniert bzw. schrumpft. Selbst Intel konnten Sie mit 10 Milliarden Euro nicht mehr nach Deutschland locken.

Die Steuer- und Abgabelast in Deutschland ist erdrückend. Deutschland hat die höchste Steuerquote der Welt. 42 Prozent des Einkommens gehen im Durchschnitt an den Staat. Und bei den Unternehmen sieht es nicht besser aus: Mit einer effektiven Steuerlast von 29,8 Prozent liegt Deutschland weit über dem EU-Durchschnitt von 21,7 Prozent. Länder wie Irland oder Estland ziehen wirtschaftlich davon, weil sie günstigere Unternehmensteuern und geringere bürokratische Hürden haben. Und was machen Sie? Statt die Steuerlast zu senken, führen Sie noch mehr Vorschriften ein, die Unternehmen ersticken. Die Bürokratiekosten belaufen sich für die deutsche Wirtschaft jedes Jahr auf rund 55 Milliarden Euro.

Und jetzt kommt der Gipfel der Absurdität: Ihre sogenannte Migrationspolitik. Während Sie immer mehr Geld für die unkontrollierte Zuwanderung ausgeben, bleibt für die deutschen Rentner, Familien und Arbeitnehmer immer weniger übrig. Im Jahr 2023 haben Sie 36 Milliarden Euro allein für Sozialabgaben im Kontext der Migration aufgebracht. Gleichzeitig müssen deutsche Rentner Pfandflaschen sammeln, um über die Runden zu kommen. Das ist blanker Hohn. Das ist Verrat am eigenen Volk.

Beifallbei der AfD

Mein Fazit: Deutschland braucht keine utopische Transformation, die in die wirtschaftliche Katastrophe führt. Wir brauchen eine echte Wirtschaftswende. Schluss mit der ruinösen Energiewende. Schluss mit der erdrückenden Steuer- und Abgabelast. Schluss mit der ideologischen Bevormundung der Bürger und Unternehmen. Schluss mit diesem wirtschaftlichen Experiment der Ampel.

Liebe Kollegen der FDP, wenn Sie der Wirtschaft etwas Gutes tun wollen: Machen Sie Schluss mit dieser Ampel! Was Deutschland jetzt braucht, ist eine Politik, die sich an den Realitäten orientiert, eine Politik für unsere Bürger, für unsere Unternehmen und für unsere Zukunft.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

… spricht der Minister hoffentlich!

hat das Wort der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Michael Kellner.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Der Minister traut sich wohl nicht!

Porträt von Michael Kellner
Foto: Michael Kellner/ Nils Leon Brauer
Michael KellnerGrüne· Parl. Staatssekretär BMWK· MdB
14 Vermerkeca. 1.030 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Heute wurde die Herbstprognose der Bundesregierung vorgestellt. Nach einer Erholung zu Beginn des Jahres ist die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zum Stillstand gekommen,

Wegen der Ampel!

trotz deutlich sinkender Inflationsrate, trotz fallender Energiepreise, trotz steigender Kaufkraft für Verbraucherinnen und Verbraucher. Diese Punkte haben wir in den Griff bekommen; aber es reicht offensichtlich nicht aus.

Die vorgestellten Zahlen sind ein lauter Aufruf, deutliche Impulse für mehr Wachstum zu setzen. Dafür ist das Wachstumspaket der Bundesregierung entscheidend. Mit 120 Einzelmaßnahmen verbessern wir die Angebotsbedingungen für den Standort Deutschland. Dazu gehören: bessere Abschreibungsbedingungen, mehr Investitionsanreize durch gezielte Abschreibung. Wir verlängern die degressive AfA und heben den Satz von 20 auf 25 Prozent an. Angewandter Bürokratieabbau: Wir im BMWK waren Vorreiter mit den Praxischecks. Jetzt machen das alle Ressorts in der Bundesregierung, alle Ministerien. Ich finde, das ist ein wichtiges und gutes Signal; denn wir müssen schneller werden als Land.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir vereinfachen das Vergaberecht. Wir weiten das Arbeitsangebot aus und schaffen insbesondere für Ältere mehr Anreize, zu arbeiten, und wir erleichtern die Fachkräftegewinnung aus dem Ausland. Wir entlasten bei den Strompreisen durch die dauerhafte Senkung der Stromsteuer für das produzierende Gewerbe und die Verlängerung der Strompreiskompensation für energieintensive Unternehmen.

Wenn die Wachstumsinitiative umgesetzt ist, kann sie bis zu 0,5 Prozent BIP-Wachstum auslösen.

Das glaubt ihr doch selber nicht!

Die Resonanz aus Wissenschaft und Wirtschaft auf dieses Wachstumspaket ist positiv. Es wird positive Impulse setzen. Und wir sind selbstverständlich offen für Vorschläge, dieses Paket größer zu machen. Beim letzten Mal war es allerdings so, dass die Union im Bundesrat alles dafür getan hat, dass das Paket kleiner geworden ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich habe heute keine Vorschläge von Ihnen gehört. Ich mache Ihnen ein Angebot und lade Sie dazu ein: Setzen Sie mit uns gemeinsam im Bundesrat – da kommt es auch auf die unionsgeführten Länder an – diese Wachstumsinitiative um! Unser Land braucht es.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Und ja, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes ist nicht ausreichend. Viele der konjunkturellen Probleme – ich habe sie gerade benannt – wie beispielsweise Inflation oder mangelnde Kaufkraft haben wir in den Griff bekommen. Wir sehen aber auch, dass wir an den strukturellen Problemen unseres Landes arbeiten müssen. Das Land wurde in den 2010er-Jahren strukturell vernachlässigt. In gewisser Weise war es ein Jahrzehnt des Wunschdenkens, es waren Jahre des fragwürdigen Vertrauens in die Verlässlichkeit Russlands als Rohstoff- und Energielieferant, Jahre eines zu zögerlichen Infrastrukturausbaus, Jahre verpasster Digitalisierung, Jahre, in denen die Abhängigkeit gegenüber Drittstaaten gewachsen ist und der bevorstehende demografische Umbruch einfach ausgeblendet wurde.

Diese Jahre des Wunschdenkens endeten spätestens im Februar 2022 mit dem russischen Überfall auf die Ukraine. Seither geht es unter extrem herausfordernden Umständen darum, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes nachhaltig zu stärken. Schocks wie die Coronapandemie oder explodierende Energiepreise infolge des russischen Angriffskrieges und eine über Jahre vernachlässigte Standortpolitik lassen sich nicht innerhalb weniger Monate einfach auflösen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ganz entscheidend ist: Wir müssen gemeinsam mehr Wege finden, Investitionen in diesem Land zu ermöglichen. Hier geht die Bundesregierung voran. Während die investiven Ausgaben des Bundes 2021 im Soll bei rund 60 Milliarden Euro lagen, sind für das Jahr 2024 70 Milliarden Euro eingestellt, also eine große Steigerung. Das reicht aber nicht aus. Eine Reform der Schuldenbremse oder die Schaffung weiterer Sondervermögen, wie auch der BDI vorschlägt, sind notwendig, um mehr Investitionen für unser Land möglich zu machen.

Wir hatten in den letzten drei Jahren die schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten. Wir haben als Land gemeinsam in einem immensen Tempo und Kraftakt auf diese Situation reagiert. Die Preise sind wieder runtergegangen.

Die Preise sind nicht runtergegangen! Die Inflation sinkt, aber die Preise steigen immer noch!

Aber wir befinden uns mitten im Umbau eines Stromsystems; auch das ist eine strukturelle Aufgabe. Ein entscheidender Faktor für den Erhalt unseres Wohlstandes ist der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Er hat rasant Fahrt aufgenommen. Beim Solarausbau sind für 2024 bereits 11 Gigawatt der geplanten 13 Gigawatt erreicht. Der Ausbau führt natürlich zu zusätzlichen Kosten im Netzausbau. Ich werbe dafür, die Kosten so zu verteilen, dass wir Verbraucher und Wirtschaft nicht überfordern. Wir müssen Wege finden, die Netzentgelte deutlich und verlässlich zu senken.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Dann machen Sie halt mal!

Lassen Sie uns gemeinsam auf weitere Herausforderungen reagieren, zum Beispiel im Umgang mit China. Wir wollen ein Level Playing Field, aber keine Handelskriege. Deshalb sollten wir die Entscheidung der EU-Kommission zu Ausgleichszöllen auf E-Autos nutzen, um schnell zu einer Verhandlungslösung zu kommen. Endlich verhandeln die Chinesen ernsthaft. Wir sind stark, wenn wir uns als Europa nicht spalten lassen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Ihre Regierung ist doch gespalten!

Auch die Beschleunigung des Hochlaufs der Wasserstoffwirtschaft ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland von enormer Bedeutung. Dafür braucht es eine entsprechende Infrastruktur. Das Kernnetz soll rund 9 700 Kilometer umfassen. Wir werden zentrale Wasserstoffstandorte anbinden und hierbei alle Regionen Deutschlands berücksichtigen. Ein entsprechendes Beschleunigungsgesetz liegt zur Beratung im Bundestag vor.

Abschließend will ich einen Punkt ansprechen, den ich von den Unternehmen sehr häufig höre: Sie fordern Planungssicherheit und Technologieklarheit. Sie wollen mit einem verlässlichen Rahmen arbeiten, der stabil bleibt und nicht andauernd wieder infrage gestellt wird. Das sehen wir bei Wärmepumpen und E-Autos. Die Unsicherheiten, die immer wieder vonseiten der Politik ausgestrahlt werden, schaden den Märkten. Sie schaden den Unternehmen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Willkommen in der Realität! Das ist ja schon mal nicht schlecht!

Weltweit steigt die Beschäftigung im Bereich erneuerbarer Energien, grüne Jobs boomen. Deshalb müssen wir diesen Pfad weitergehen. Er ist der richtige Weg.

Und mit unserer Wirtschafts- und Energiepolitik haben wir auch strukturelle Fortschritte erzielt. Während der Anteil russischer Erdgasimporte im Jahr 2021 über 50 Prozent betrug, beziehen wir heute kein Gas mehr aus Russland. Während erneuerbare Energien 2021 rund 40 Prozent des Stromverbrauches deckten, decken sie heute rund 60 Prozent ab. Während in Deutschland im Jahr 2021 noch rund 640 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen wurden, betrugen die Emissionen im letzten Jahr rund 570 Millionen Tonnen. Und – das ist vielleicht am beeindruckendsten – wir haben von 2021 bis 2023 die genehmigten Trassenkilometer für den Stromnetzausbau vervierfacht. Wir werden sie dieses Jahr noch mal verdoppeln. Das ist eine Verachtfachung des Tempos. Das haben wir gemeinsam in der Ampel erreicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Das ist der Turbo gegen die Trägheit der Vergangenheit, die wir gemeinsam überwunden haben.

Der Standort Deutschland hat weiterhin viele Stärken: einen starken Mittelstand mit vielen Hidden Champions, eine breit aufgestellte Industrie, eine intakte soziale Marktwirtschaft, eingebettet in den europäischen Binnenmarkt, viele sehr gut ausgebildete Arbeits- und Fachkräfte. Wer Stärken hat, hat auch Kraft. Darauf setzen wir. Lassen Sie uns weiterhin an der Erneuerung unseres Wirtschaftsstandortes arbeiten.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
12 Vermerkeca. 830 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland ist in einer Rezession. Das ist so; das haben die Zahlen heute bestätigt. Und das heißt: Unserem Wirtschaftsstandort geht es richtig schlecht. – Das muss man einfach mal festhalten.

Aha! Sehr gut!

Und es ist gut, dass wir alle in diesem Haus dies als Problem erkennen. Der nächste Schritt ist, zu Lösungen zu kommen. Wir haben eine Menge Lösungen, die wir gerade anbieten. Ich bin froh und dankbar, dass die Union diese Aktuelle Stunde einberufen hat, auch weil sie sie unter den Titel „Wirtschaftswende“ stellt und damit den Begriff der FDP aus dem Frühjahr aufgreift.

Mit Leben füllt!

Das freut uns; denn Ideen von der FDP zu klauen, ist meist eine gute Idee. Die sind nämlich ziemlich super.

Beifalldes Abg. Friedhelm Boginski [FDP]

Meine Damen und Herren, wir stehen vor einer Reihe von Herausforderungen, was den Standort Deutschland anbetrifft. Es sind schon strukturelle Probleme angesprochen worden, die wir angehen müssen. Dazu gehören die Steuerbelastung, die Bürokratie, die Energiekosten, die Handelspolitik Deutschlands und der EU. Viele dieser Probleme wurden nicht von dieser Regierung verursacht. Sie sind langfristig entstanden, einige unter anderen Regierungen; an manchen waren wir beteiligt. Trotzdem können wir jetzt einiges dagegen tun. So ist es richtig, dass die Regierung im Sommer die Wachstumsinitiative beschlossen hat. Die darin aufgeführten 49 Punkte mit 118 Einzelmaßnahmen sind ein richtiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem reicht das nicht. Trotzdem muss da mehr passieren. Trotzdem müssen wir uns an vielen Stellen weiter darum kümmern, das Land voranzubringen. Der Kollege Linnemann hat eben ein paar Punkte aufgezählt. Die fand ich schon bemerkenswert.

Fangen wir mit der Handelspolitik der EU an! Sie haben gesagt, die Regierung sei sich nicht einig. Meines Wissens hat Deutschland gegen die Strafzölle gestimmt, und das war die richtige Entscheidung. Einen Handelskrieg mit China einzugehen, ist Wahnsinn. Die Franzosen erleben gerade, was Retaliation in Bezug auf Branntwein bedeutet. Das können wir nicht wollen. Das können wir auch nicht akzeptieren. Trotzdem dürfen wir nicht naiv auf China blicken.

Zum Thema Uneinigkeit würde ich übrigens mal in die eigenen Reihen schauen. Der Kollege Merz hat gesagt: „Handelszölle, Handelskriege wollen wir nicht“ und das klug erklärt. Die Kollegen im Europäischen Parlament haben das anders gesehen. Sie haben sich ganz öffentlich dafür ausgesprochen.

Aber eure Leute haben doch für das Verbrennerverbot gestimmt!

Bleiben wir kurz auf der EU-Ebene. Es gibt ja ein paar Dinge, die auf europäischer Ebene nicht richtig laufen. Wir sind zum Beispiel bei der deutlichen Haltung der EU zum Thema Verbrennerverbot sehr klar. Da ist die Union im Wahlkampf auch sehr klar gewesen. Jetzt sehen wir leider nicht mehr viel davon.

Die FDP hat dafürgestimmt!

Die deutsche Automobilindustrie leidet gerade unter der Union. Die EU trifft immer wieder Entscheidungen, die für uns ein echtes Problem sind. Das betrifft übrigens auch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Auch da war es richtig, dass wir uns klar dagegen positioniert haben. Und auch das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz – es stammt ja nicht von dieser Regierung, sondern wurde meines Wissens von einem CSU-Minister eingebracht – ist ein echtes Problem für dieses Land. Deswegen ist es richtig, dass wir dieses Thema jetzt mit der Wirtschaftswende angehen und die Unternehmen, den Mittelstand in diesem Land von dieser Bürokratie entlasten.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Meine Damen und Herren, ich glaube aber nicht, dass uns das Zurückblicken weiterbringt. Blicken wir in die Zukunft! Sprechen wir darüber, wie wir die Netzentgelte weiterentwickeln! Es überrascht mich, dass die Union sich gegen die Flexibilisierung der Netzentgelte ausspricht, dass sie dagegen ist, anzuerkennen, dass Deutschland seine Stromkosten auch im Netzbereich senken muss. Klar ist doch, dass große Unternehmen, die langfristig immer das gleiche sogenannte Lastprofil haben, die also immer gleich viel Energie verbrauchen, weiter entlastet werden müssen. Aber Deutschland – und übrigens auch der Rest Europas – muss die Realität anerkennen, dass es günstigen Strom zu unterschiedlichen Tageszeiten gibt. Darauf muss der Markt reagieren – der Markt, den Herr Linnemann und die Union eigentlich so hoch schätzen. Dass wir dessen Signale wirken lassen wollen, was dann zu günstigen Preisen führt, dürfte ich der Union eigentlich nicht erklären müssen. Das ist traurig.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist traurig, dass Sie diese neuen Konzepte nicht annehmen. Gleichzeitig hoffe ich, dass in der Regierung bei dem Konzept, den Markt wirken zu lassen, noch mehr passiert.

Ihre Strategie ist Hoffnung!

Wir führen leider zu oft Diskussionen über Detailregulierungen, über Einzeleingriffe in Märkte, darüber, dass wir Unternehmen zu viel vorschreiben. Die Frage, wie wir das Wirtschaftssystem weiterentwickeln wollen, beantworten wir als Freie Demokraten sehr klar: Lasst den Markt überall da wirken, wo er es kann! Lasst uns den Unternehmen nur Rahmenbedingungen geben, aber keine Einzelvorschriften!

Beifallbei Abgeordneten der FDP
Zurufevon der CDU/CSU

Das Gute ist: Die Bundesregierung folgt dieser Meinung; das sehen Sie, wenn Sie sich die Wachstumsinitiative anschauen. Es ist richtig, dass wir Bürokratie abbauen. Es ist richtig, dass wir die Energiekosten senken. Es ist richtig, dass wir für mehr Fachkräfte sorgen. Es ist auch wichtig, dass Leistung wieder eine Rolle in diesem Land spielen muss.

Ah, eine Rolle! Leistung muss sich lohnen!

Wir müssen dafür sorgen, dass das der wichtigste Anspruch an uns in Deutschland ist. Ich glaube, wir können – auch gemeinsam mit der Union – mehr hinkriegen. Wir werden daran arbeiten, dieses Land wieder auf Vordermann zu bringen, auch mit weiteren Maßnahmen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
17 Vermerkeca. 748 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir befinden uns in einer Phase, die historische Dimensionen für unser Land hat. Die Herbstprognose des Bundeswirtschaftsministers reiht sich nicht in die bisherigen Prognosen ein. Wir werden noch an diesen Tag denken; denn eine solche Rezession hat Auswirkungen auf den Bundeshaushalt, auf Arbeitsplätze, auf die Zukunft von Unternehmen. Sie hat Auswirkungen auf den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Und an so einem negativ historischen Tag hält es der Bundeswirtschaftsminister nicht für nötig, hier im Parlament zu reden. Er spricht lieber mit der Presse oder schaut jetzt auf sein Handy.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Ich finde, das ist eine Respektlosigkeit gegenüber all denen, die Sorge vor einem Arbeitsplatzverlust haben.

300 000 Industriearbeitsplätze sind in jüngster Zeit in Deutschland verloren gegangen. Es gab 25 Prozent mehr Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr. Investitionen in Höhe von 250 Milliarden Euro sind in den vergangenen drei Jahren aus Deutschland abgeflossen. Das verursacht strukturelle Änderungen. Da werden Ihnen Mantras wie „Wir schieben das auf die EU-Ebene“ oder „Wir beschimpfen die Opposition“ nicht helfen; denn Hoffnung ist keine Lösung. Man muss etwas tun, um diese Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und Impulse zu setzen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Da der Bundeswirtschaftsminister hier laut Rednerliste nicht reden will, will ich ihm die Ehre zukommen lassen, zu zitieren, was er zur Wirtschaft und zu seinem Tun gesagt hat – Zitat –:

„Ich glaube, wir haben im Wirtschaftsministerium so viele Gesetze, Verordnungen, europäische Verordnungen usw. umgesetzt, um das ganze Land wieder in Fahrt zu bringen … wie kein anderer Wirtschaftsminister davor.“

Das als Humor zu bezeichnen, wäre schon sehr zynisch.

Zurufdes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist eine Parallelwelt. Wir befinden uns in einer Rezession, und Sie sagen, Sie haben so viel geleistet wie kein anderer Wirtschaftsminister zuvor. Ja, Ihre „Leistung“ hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Wir hatten zehn Jahre Wirtschaftswachstum in Folge. Jetzt haben wir eine Doppelrezession.

Das stimmt überhaupt nicht!

Zurufevon der SPD

Die Wirtschaft schrumpft. Wir sind Schlusslicht bei den Industrienationen. Letztlich ist die Ampelpolitik ein Wohlstandsvernichter.

Was sind denn Ihre Gegenmaßnahmen?

Weitere Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es geht um Wohlstand, und es geht um Zukunftschancen.

Den Begriff „Parallelwelt“ will ich noch mal erläutern. Sie glauben, dass in Deutschland mit vielen Gesetzen und Verordnungen Wirtschaftspolitik gemacht wird. Dieser politische, dogmatische und vor allem auch ideologische Ansatz ist genau das Problem. Und das setzt sich fort: Gestern ging die Antwort Ihres Ministeriums auf eine Kleine Anfrage von uns im Büro ein. Wäre diese Anfrage vom März gewesen, vom Juli, selbst vom August – geschenkt. Die Beantwortung durch Ihren Staatssekretär erfolgte am 8. Oktober. Da hatten Sie schon mit der „Süddeutschen Zeitung“ über die Rezession gesprochen.

Kritisieren Sie, dass der Minister mit den Zeitungen spricht? Sie sprechen doch sonst auch mit jedem!

Irgendwie fühlen wir uns hier nicht ernst genommen. Oder Sie haben wirklich ein Problem mit dem Wirtschaftsverstand in Ihrem Ministerium. Übrigens, Herr Kellner, zum Thema Wirtschaftsverstand: Wenn die Inflation zurückgeht, werden die Preise nicht sinken. Sie werden nur langsamer steigen, nicht mehr so schnell wie vorher. Aber es wird nicht billiger. Allein diese Grundregel sollte man vor Augen haben. Die Leute wissen beim Einkaufen, was die Waren im Einkaufskorb kosten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Welche Regierung hat uns in die Abhängigkeit von russischem Erdgas geführt?

Ich zitiere mal, wie das aussieht. Auf die Frage 16 der Kleinen Anfrage sagte Ihr Staatssekretär doch allen Ernstes: Die Bundesregierung hält ihre Wirtschaftspolitik für erfolgreich.

Zurufvon der CDU/CSU: Satire!

8. Oktober – gestern Abend –: Die Bundesregierung hält diese Wirtschaftspolitik für erfolgreich. – Wir sind in einer Rezession, die Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze, Unternehmer schließen ihre Unternehmen,

Welche Regierung war das denn? Ich glaube, das war die Regierung, die Sie gestellt haben, Frau Kollegin!

wir haben ein geringeres Steueraufkommen, was sich auf unseren Sozialstaat auswirken wird – und Sie sagen, die Wirtschaftspolitik sei erfolgreich. Und auf die nächste Frage antworten Sie: Deutschland ist auf dem Weg, klimaneutral zu werden und gleichzeitig ein starkes Industrieland zu bleiben. – Das liest sich wie ein Märchen.

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

Als Antwort auf Frage 20 heißt es: Die Bundesregierung arbeitet stetig an der Stärkung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Sie haben nichts gemacht!

Zurufdes Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Auf die Frage, wie Sie das schaffen wollen – Frage 11 –, sagen Sie: Zur Stärkung der Arbeitsanreize im Bürgergeld haben wir die sogenannte Anschubfinanzierung im Kabinett beschlossen. – Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Herr Habeck.

Zurufdes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Bürger in diesem Land sind nicht verunsichert wegen Herrn Merz oder Herrn Linnemann; die sind verunsichert wegen dieser Bundesregierung. Das ist Verunsicherung made in Germany durch diese Ampelregierung.

Beifallbei der CDU/CSU

Unternehmen investieren nicht mehr, weil sie nicht wissen, was noch kommt. Sie glauben ja heute schon zu wissen, Herr Habeck, welche Technologie morgen die richtige sein wird. Sie haben dieses Land in einen kollektiven Schock versetzt.

Die Bürger halten sich zurück beim Konsum, die Unternehmen investieren im Ausland, und am Ende schaden Sie diesem Land. Sie haben einen Eid abgelegt, diesem Land zu dienen und Positives zu tun, und nicht, Ihre Ideologie durchzusetzen. Kommen Sie in der Realität an! Es ist echt ernst genug.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Sie haben überhaupt keine Ahnung!

Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
9 Vermerkeca. 655 WörterReaktionswert: lebhaft
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Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es begeistert mich jede Woche, wie sich die CDU – meistens die Gewerkschaft der ehemaligen Minister/-innen der CDU – hierhinstellt und so tut, als hätte sie bei ihrer Abwahl zehn tolle, wirtschaftlich erfolgreiche Jahre an die Ampel übergeben

Hat sie ja auch!

und die Ampel hätte dann alles aus Missfallen und eigener Inkompetenz kaputtgemacht.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Dass wir die Regierung während der Coronapandemie übernommen haben, dass es mit einem Neustart losgegangen wäre, wenn da nicht Putins Angriffskrieg gekommen wäre, dass dieser Krieg und die berechtigten Sanktionen mit Folgen für Lieferketten, Energiepreise etc. uns viel stärker trifft als andere G-7- oder OECD-Nationen, das sollte man zur Kenntnis nehmen.

Zurufvon der AfD: Warum sind wir denn Schlusslicht bei den Industrienationen?

Wer das nicht zur Kenntnis nimmt, macht hier Oppositionsmusik. Aber das gehört zur Wahrheit dazu.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Unsere Wirtschaft zeichnet sich glücklicherweise durch einen höheren Industrieanteil aus, insbesondere durch energieintensive Industrie. Deswegen haben wir eine viel höhere Nachfrage nach Öl und Gas, das wir bis vor Kurzem – Herr Kellner hat es gesagt – in viel höherem Maß als vergleichbare Staaten aus Russland bezogen haben. Außerdem hatten wir ein höheres Handelsvolumen mit Russland. Teil unseres Geschäftsmodells – das muss man sich auch vergegenwärtigen – war und ist, dass wir möglichst günstige Rohstoffe und Vorprodukte importieren und daraus handwerklich hochwertige Produkte herstellen und exportieren. Deswegen ist klar, dass sich die Verwerfungen in den globalen Lieferketten und auch die schwache Konjunktur in China überproportional auswirken. Wenn wir uns wenigstens in der Analyse schon mal einig wären, wären wir einen großen Schritt weiter; aber da fehlt nach alledem, was wir hier gehört haben, leider noch ein bisschen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Auch dieses Thema diskutieren wir regelmäßig: Wir befinden uns in der Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft, und zwar nicht aus ideologischen Gründen oder weil wir das so gerne wollen, sondern weil wir uns zusammen mit 190 Staaten beim Pariser Klimaabkommen dazu verpflichtet haben, was gut und richtig ist. Deswegen hat die Koalition eine ganze Reihe von Maßnahmen angestoßen, zum Beispiel den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze in bisher ungekanntem Ausmaß, das Wachstumschancengesetz, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das Bürokratieentlastungsgesetz IV. Und die Wachstumsinitiative vom Juli ist auf dem gesetzgeberischen Weg. Weitere Maßnahmen sind angekündigt und in der Überlegung. Allein mit dem Vergabetransformationspaket werden wir ein größeres Entlastungsvolumen für die Wirtschaft erzielen als mit dem Bürokratieentlastungsgesetz IV. Das ist alles auf dem Weg. Also reden Sie es nicht schlecht!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir brauchen darüber hinaus aber weitere Aktivitäten. Wir hegen zum Beispiel große Sympathien für ein Vorziehen der Überprüfung der Flottengrenzwerte, weil wir damit dem Problem der Planungssicherheit von Unternehmen begegnen können. Der Blick in die USA und nach China zeigt, dass uns Ihre üblichen Anträge – heute liegt keiner vor; aber wir wissen ja, was da sonst von der Union kommt, nach dem Motto „Zurück in die Vergangenheit“ – nicht weiterhelfen. Der Kampf um die Märkte der Zukunft ist bereits in vollem Gange und wird mit dem IRA und den staatlichen Vorgaben in den USA massiv unterstützt. Wenn wir hier nicht abgehängt werden wollen, brauchen wir neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze günstige Strompreise, gerade für die energieintensive Industrie. Ich bin dem Bundeskanzler sehr dankbar für seine deutliche Positionierung mit Blick auf die Netzentgelte und hoffe, dass wir da kurzfristig zur Umsetzung von Lösungen kommen. Und wir brauchen ein Maßnahmenpaket, um die Automobilindustrie beim Umstieg auf die E-Mobilität zu unterstützen. Kurzfristig wirkende Kaufprämien genauso wie Abschreibungsmöglichkeiten im Leasingbereich, ein soziales Leasingprogramm und noch mehr Geschwindigkeit beim Ausbau der Ladeinfrastruktur – so können wir die Industrie stabilisieren. Wir hätten da gerne auch mal über Ihre Vorschläge diskutiert, aber da kommt ja immer wenig, außer Anklagen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der CDU/CSU: Was machen Sie denn, außer das Land zu ruinieren?

– Ich habe gerade beschrieben, was wir machen.

Die Coronapandemie hat gezeigt, dass es möglich ist, gemeinsame Kraftanstrengungen zu unternehmen, um im großen Stil zum Beispiel Investitions- und Innovationspotenziale zu heben. Genau das brauchen wir jetzt aus Verantwortung für das Land. Da wünsche ich uns allen mehr Mut. Und ganz grundsätzlich wären vielleicht ein bisschen mehr Vorschläge und ein bisschen weniger Kettensägenrhetorik hilfreich.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Jörg Cezanne
Foto: Jörg Cezanne / Maik Brückner
8 Vermerkeca. 355 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ja, die Lage ist dramatisch. Die Wirtschaftsleistung der Unternehmen in Deutschland wird im zweiten Jahr nacheinander kleiner werden. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe sind seit Januar 2022 rückläufig, also seit fast drei Jahren, und auch die privaten Konsumausgaben und die Umsätze in den Geschäften sinken trotz höherer Lohnabschlüsse. Diese Lohnsteigerung hat ja auch nur ein Teil der Bevölkerung erhalten. Rentner/-innen, Studierende, Sozialleistungsbeziehende haben keinen oder einen völlig unzureichenden Ausgleich für gestiegene Preise für Energie und Lebensmittel erhalten.

Die Bundesregierung stand dieser Entwicklung zu abwartend gegenüber. Das Wachstumspaket war von vornherein zu klein, zu wenig und zu spät, und man hat sich damit getröstet, die Talsohle sei durchschritten.

Opposition für Anfänger, Herr Cezanne!

Das haben wir jetzt seit einem halben Jahr im Wirtschaftsausschuss gehört. Das war falsch. Handeln Sie endlich! Es ist allerhöchste Zeit;

Beifallbei der Linken

denn die wirtschaftliche Schwäche insgesamt behindert auch den erfolgreichen Umbau von Unternehmen in Richtung Klimaneutralität und damit deren Zukunftschancen. Es verschärft sich die Gefahr, dass Unternehmen zum Beispiel bei grünen Technologien Vorsprünge verloren gehen oder dass Rückstände bei wichtigen Zukunftstechnologien nicht aufgeholt werden. Es gibt also mehrere Gründe, endlich einzugreifen. Die Bundesregierung muss jetzt entschlossen handeln.

Beifallbei der Linken

Wir brauchen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, auch einen konjunkturellen Anschub. Wir brauchen jetzt mehr Geld für kleine und mittlere Einkommen, wir brauchen umfassende öffentliche Investitionen und eine klar erkennbare Industriepolitik, also:

Beifallbei der Linken

Erstens. Erhöhen Sie den Mindestlohn auf 15 Euro, wie in der EU verabredet, und stärken Sie die Tarifbindung! Und vor allen Dingen: Zahlen Sie die erhobene CO2-Abgabe in Form des Klimageldes an die Verbraucherinnen und Verbraucher zurück, wie es bei der Einführung versprochen wurde!

Beifallbei der Linken

Zweitens. Sorgen Sie endlich dafür, dass Brücken nicht zusammenbrechen, ausreichend bezahlbarer Wohnraum geschaffen und die Verwaltung endlich digital flottgemacht wird!

Beifallbei der Linken

Der Investitionsrückstand dafür wird von den Wirtschaftsinstituten des DGB und der Unternehmen auf 60 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Da gibt es viel zu tun. Auch dafür hat die CDU übrigens keine sinnvollen Vorschläge.

Und drittens. Eine wettbewerbs- und zukunftsfähige Wirtschaft wird es nicht geben ohne erhebliche Anschubfinanzierung in entscheidenden neuen Wirtschaftsbereichen. China und die USA machen es vor. Mit weniger wird es nicht gehen.

Danke schön.

Beifallbei der Linken
20 Vermerkeca. 546 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Union hat erneut das Thema Wirtschaft auf die Tagesordnung des Deutschen Bundestages gesetzt. Das ist im Prinzip richtig. Frau Klöckner, Sie haben von der historischen Dimension der wirtschaftlichen Frage gesprochen. Aber was bieten Sie uns an? Zweieinhalb Minuten mit dem Vortragen einer Kleinen Anfrage und den Antworten darauf. Das passt nicht zur historischen Dimension, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Herr Linnemann, Sie haben ja einige Dinge richtig dargestellt. Aber ich hätte mir gewünscht, dass Sie in Ihrem letzten Satz nicht sagen: Wir brauchen eine Agenda 2030. Ich hätte mir viereinhalb Minuten Vorschläge der Union zu einer Agenda 2030 gewünscht.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und ein besonderes Schmankerl: Meine Damen und Herren, ich finde es ja sehr ehrenvoll, dass der Kanzlerkandidat der Union jetzt dabeigesessen hat. Aber zu gehen, wenn der letzte Kollege aus der Fraktion noch nicht gesprochen hat,

Er hat einen Termin!

das würde bei uns, glaube ich, nicht gut ankommen. Das müssen Sie aber intern ausmachen.

Langsam wird’s ja peinlich! Wo ist denn eurer?

Wo ist denn euer Fraktionsvorsitzender?

– Ja, aber das ist nicht unsere Aktuelle Stunde. Das ist doch Ihre Aktuelle Stunde. Wir haben das Thema doch nicht eingebracht. Ich bitte Sie!

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen Ihre Aktuelle Stunde auch nicht künstlich aufwerten, indem hier unsere Spitzenleute sitzen. Sie müssen es dann mit dem wirtschaftspolitischen Sprecher aushalten.

– Von mir aus auch 2 Prozent. Entscheidend sind nicht Umfragen; entscheidend sind Wahlergebnisse, Herr Kollege.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der CDU/CSU: Es kann noch schlimmer sein!

Sie haben ja auch noch den klugen Zwischenruf gemacht: „Was machen Sie denn?“ Das habe ich so von meinem Platz aus gehört. Ich will Ihnen das sagen; denn im Gegensatz zu Ihnen machen wir etwas seit 2021 – und ich will es in einfacher Sprache vortragen, damit es auch ankommt –:

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz verabschiedet, Sie nicht.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben den schnellen Bau von LNG-Terminals ermöglicht, Sie nicht.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben Planungs- und Genehmigungsverfahren im Verkehrsbereich und im Energiebereich deutlich beschleunigt, Sie nicht.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben die kalte Progression abgeschafft, Sie nicht. Wir haben die EEG-Umlage abgeschafft und die Stromsteuer für das produzierende Gewerbe gesenkt, Sie nicht.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir haben das Freihandelsabkommen mit Kanada, CETA, ratifiziert, Sie nicht.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und wir werden in diesem Herbst ein neues Vergaberecht auf die Beine stellen und damit Kommunen und Wirtschaft deutlich entlasten. Das tun Sie auch nicht.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufvon der CDU/CSU: Nur ein Rückblick!

– Genau, ein Rückblick. Vielen Dank für den Hinweis; denn wir kommen zur Zukunft.

All diese Anstrengungen haben offensichtlich nicht gereicht, um die deutsche Wirtschaft in die Situation zu bringen, dass sie wieder erfolgreich ist und wächst.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Deswegen werden wir weitermachen und weitere Vorschläge einbringen. Denn eines ist klar: Wir werden die Abschreibungsbedingungen für Unternehmen gezielt verbessern. Wir werden die Forschungszulage erhöhen. Wir werden den Kinderfreibetrag und den Grundfreibetrag erhöhen. Wir werden ermöglichen, dass ältere Berufstätige verstärkt im Arbeitsmarkt bleiben, und wir werden die Ausweitung der Stromsteuerentlastung für Unternehmen und das produzierende Gewerbe verstetigen. Sie können es sehen: Das sind einige der Maßnahmen, die wir, verbunden mit dem Haushalt, mit unserem Wachstumschancenpaket beschließen werden.

Noch eine Bemerkung von mir. Dann wird ja gerne gesagt: Zu wenig, zu klein, zu kurz gesprungen.

Ja, volle Zustimmung!

Meine Damen und Herren, ich bin nicht der Freund des großen Wurfs.

Das wissen wir!

Wer länger Politik macht, der weiß: Wir müssen den Mühen der Ebene begegnen, wir müssen in vorsichtigen, kleinen, nachvollziehbaren Schritten die Bedingungen in der Politik verbessern,

Sie verschlechtern sie ja!

statt in Sonntagsreden tolle Forderungen zu stellen und in der Arbeitswoche dann nichts auf die Kette zu bringen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das schaffen Sie ja beides in der Ampel: Sonntagsreden zu halten und nichts auf die Kette zu bringen!

Porträt von Hansjörg Durz
Foto: Hansjörg Durz/ Hendrik Steffens
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Weil in der Debatte mehrfach angesprochen wurde, dass hier noch zu wenig konkrete Vorschläge vorgelegt worden seien:

Gar keine!

Jetzt sind wir gespannt!

Vor Monaten bereits hatten wir eine ganze Reihe von Wirtschaftsanträgen im Ausschuss vorgelegt, vor Monaten wollten wir diese Anträge im Ausschuss debattieren.

Zurufdes Abg. Reinhard Houben [FDP]

Alle blockiert!

Monatelang wurden diese Anträge blockiert, sie wurden geschoben, sie wurden von der Tagesordnung abgesetzt. Wir wollten über ganz konkrete Vorschläge diskutieren – Sie nicht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Arbeitsverweigerung der Ampel!

Am vergangenen Sonntag ist das Oktoberfest zu Ende gegangen.

Da war Wachstum!

Freude machen die Besucherzahlen auf der Theresienwiese: 6,7 Millionen waren es dieses Jahr. Die Zelte waren voll.

Zurufvon der SPD: Der Umsatz ist gestiegen!

Es wurden 7 Millionen Liter Bier getrunken und 9 Prozent mehr Speisen verkauft. Das ist kein Rekord, aber erfolgreich.

Kein Rekord? Da ist die bayerische Landesregierung schuld!

So sieht der private Konsum in unserem Land aber bei Weitem nicht überall aus, das Bild täuscht. Die Wirtschaftszahlen sprechen eine ganz andere Sprache; sie gleiten nach unten wie auf dem traditionellen Wiesenfahrgeschäft, der Münchner Rutschn.

Beifalldes Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]

Der Bundeskanzler hat lange behauptet, die Lage sei besser als die Stimmung.

Jetzt ist es andersrum!

Der Wirtschaftsminister hat in den vergangenen Jahren immer wieder erklärt, es würde jetzt aufwärtsgehen. Er hat erzählt, dass jetzt die Einkommen steigen, die Inflation zurückgeht und die Wirtschaft wächst.

Die Einkommen steigen zwar. Die Inflation ist auch zurückgegangen. Aber die Wirtschaft schrumpft. Was steigt, ist die Sparquote. Die Menschen halten ihr Geld zusammen, weil sie total verunsichert sind. Und das liegt jetzt nicht mehr an der Energiekrise oder an irgendwelchen externen Faktoren, sondern an der Wirtschaftspolitik dieser Ampelregierung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Die nicht vorhanden ist!

Die wirtschaftspolitische Verunsicherung der Menschen in unserem Land ist so groß wie nie zuvor. Und das ist auch kein Wunder: der ständige Streit in der Ampel; wenn ein Kompromiss gefunden wurde, dann dauert es nicht mal 24 Stunden, bis der wieder nicht mehr gilt;

Wir haben jetzt drei Redner der Union gehört und noch nicht einen Vorschlag! Beglücken Sie uns doch mal mit einem Vorschlag!

dieses unsägliche Heizungsgesetz, das Millionen Menschen nicht nur Sorgenfalten, sondern regelrecht Angst gemacht hat; die drei KfW-Förderprogramme für klimafreundliches Wohnen und Bauen, die über Nacht unangekündigt gestoppt wurden, wodurch jungen Familien die Finanzierung entzogen wurde; der völlig überraschende Stopp der E-Auto-Förderung, der die Abverkaufszahlen hat einbrechen lassen; und, vielleicht am absurdesten, ein Solarstromförderprogramm, das noch am Tag des Startes wieder gestoppt wurde. Das alles ist nicht nur handwerklich schlecht, dieses Hin und Her verunsichert die Menschen in unserem Land.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Diese Planlosigkeit wirkt sich aber nicht nur auf den privaten Konsum aus, fast täglich werden neue schlechte Wirtschaftsdaten vermeldet: In der Industrie sind in drei Jahren 300 000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Die deutsche Wirtschaft steckt fest in der Rezession. Heute musste der Bundeswirtschaftsminister seine Wachstumsprognose erneut nach unten korrigieren.

Schrumpfungsprognose!

Die Wirtschaftsleistung in unserem Land wird 2024 zum zweiten Mal in Folge schrumpfen. Um das noch einmal zu betonen: Das gab es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bisher nur ein einziges Mal, nämlich Anfang der 2000er-Jahre. Darauf folgte übrigens die Agenda 2010.

Wie antwortet die Ampel auf solch eine Situation? Mit ihrem Wirtschaftsinitiativchen, das noch dazu seit Monaten auf Umsetzung wartet! Das zeugt weder von Entschlossenheit, noch schafft es Zuversicht. Es zeigt vielmehr: Sie haben den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt und verunsichern die Menschen immer noch weiter.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Aber es ist ja noch viel dramatischer: Natürlich braucht es Vorschläge, um die circa 4 Millionen arbeitsfähigen Bürgergeldbezieher in Arbeit zu bringen. Aber Ihre Prämie für den Abschied vom Bürgergeld in Höhe von 1 000 Euro ist blanker Hohn für diejenigen, die jeden Morgen aufstehen, ihren Job machen und das Sozialsystem finanzieren. So gefährden Sie den sozialen Frieden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Jeden Tag wird deutlicher: Unsere Wirtschaft braucht eine Wende, unser Land braucht einen Wechsel.

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die wirtschaftliche Lage ist ernst. Wir stecken zwar nicht in einer Rezession, aber wir wachsen rückwärts – um es frei nach Robert Habeck zu formulieren.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Und das ist ja auch kein Wunder: Die Energiepolitik der Ampel bestand unter anderem darin, einen Wirtschaftskrieg gegen Deutschlands wichtigsten Gaslieferanten zu führen. Und dann hat, laut Medienberichten, auch noch ein ukrainisches Kommando die Gaspipelines in die Luft gesprengt.

Hat wieder Putin mitgeschrieben bei der Rede, was?

Zwar sind die Energiepreise niedriger als nach dem ersten Schock, aber sie sind höher als zu Beginn des Krieges. – Ich verstehe nicht, warum es hier jedes Mal laut wird, wenn man offensichtliche Wahrheiten ausspricht, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BSW

Und dann setzt die CDU eine Aktuelle Stunde auf. Aber wenn man ehrlich ist, dann weiß man, wenn man sich Ihre Vorschläge ansieht: Sie haben keinen Plan, wie wir aus dieser Lage herauskommen.

Aber Sie! Dann bin ich ja mal gespannt! Aus der sozialistischen Mottenkiste!

Ein Beispiel. Laut IW-Direktor Hüther braucht es nur für die dringendsten staatlichen Investitionen in den nächsten Jahren 400 bis 500 Milliarden Euro. Allein in den Kommunen fehlen 370 Milliarden Euro. Laut Bundesverband der Deutschen Industrie – der steht Ihnen doch nahe – braucht Deutschland bis 2030 1,4 Billionen Euro an Investitionen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Und was sagt die Union dazu? Der Staat muss dann eben die Prioritäten anders setzen! – Ich sage Ihnen was: Sie können Prioritäten setzen, bis der Arzt kommt, Sie werden kein Geld haben – wenn Sie nicht große Vermögen endlich besteuern und an die Schuldenbremse rangehen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BSW

Die Union möchte – das ist doch offensichtlich –, dass im Kern alles so weitergeht wie bisher. Ich sage Ihnen was: Die Menschen haben ein feines Gefühl dafür, wenn eine Partei keine Lösungen anbietet, aber unbedingt an die Schalthebel der Macht möchte.

Das sagt der Richtige!

Lachendes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Ohne einen echten Wechsel in der Wirtschaftspolitik hin zu Gerechtigkeit und Vernunft werden weder Ampel noch Union die wirtschaftlichen Probleme lösen.

Danke schön.

Beifallbeim BSW

Linke Politik in neuem Gewand!

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Moin, Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Unsere Wirtschaft hat Probleme, und es wäre fahrlässig, das wegzudiskutieren. Aber, Frau Klöckner, bei Ihren Annahmen – Analyse kann man es nicht nennen, weil es ja nur eine Fehlerbeschreibung war –

blenden Sie aus, dass Corona massiv in die deutsche Wirtschaft eingeschlagen ist und die Firmen die Produktion ausgedünnt haben, damit die Menschen sich nicht anstecken.

Die anderen hatten auch Corona, und die wachsen!

Sie blenden aus, dass dieses Land massiv Mittel in die Hand nehmen musste, um die größte Krise des Warenverkehrs auszugleichen; weil China die Häfen zugemacht hatte, was sich übrigens immer noch in den Lieferketten abbildet. Sie blenden aus, dass wir aus der massivsten Energiekrise kommen, die dieses Land seit dem Zweiten Weltkrieg gesehen hat; weil Putin uns das Gas abgedreht hat – und nicht, weil wir, wie das BSW es behauptet, irgendeinen komischen Krieg angefangen hätten.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie blenden aus, dass Deutschland die Exportnation der Welt ist. Gerade gestern hat China ein Konjunkturpaket angekündigt. Warum wohl? Weil auch in China die Wirtschaft lahmt. Und wissen Sie, wer Deutschlands wichtigster Handelspartner ist? Dreimal dürfen Sie raten: China. Wir sind doch nicht alleine auf der Welt!

Deswegen tun wir das, was eine Wirtschaftsmacht jetzt tun muss: Wir erneuern das Land, wir reformieren es und stellen es für den sechsten Innovationszyklus der Menschheit auf,

Sie ruinieren das Land, Herr Bergt!

nämlich künstliche Intelligenz, Clean Tech und autonome Robotik. Nach Digitalisierung, Petrochemie, Elektrifizierung und Dampfkraft ist das jetzt der richtige Weg, genau das, was es jetzt braucht. Um das Land zu renovieren, brauchen wir jetzt massive Investitionen und genau die Impulse, die wir setzen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein Sechstel des Bundeshaushalts sind Investitionen in unsere Zukunft; das ist schon ein Rekord.

Ein Gesetz zum Bürokratieabbau haben wir vor zwei Wochen beschlossen, übrigens auch mit Stimmen der Union. Es zeigt sich: Sie können auch konstruktiv sein. Das Problem ist: Meistens wollen Sie nicht. Bestes Beispiel ist das Wachstumschancengesetz. Eine Partei, die sich angeblich um die Situation unserer Wirtschaft sorgt, forderte Sofortmaßnahmen. Doch genau diese Partei ist es komischerweise, die die wichtige Unterstützung für unsere Betriebe monatelang verhindert hat und sie bis zur Unkenntlichkeit abgeschliffen hat.

Hört! Hört!

„CDU und CSU blockieren Stärkung des Wirtschaftsstandorts“, so könnte man es zusammenfassen. Das ist übrigens kein Satz von mir, sondern von der Website der FDP; mit denen flirten Sie ja regelmäßig, ganz notorisch. Und jetzt fordert die Union eine Aktuelle Stunde zum Thema „Stärkung der Wirtschaft“. Das finde ich ziemlich mutig, liebe Union, richtig mutig. An Ihrer Stelle wäre ich da wirklich ein bisschen zurückhaltender. Denn wir schieben einen massiven Investitionsrückstand aus den Merkel-Jahren vor uns her.

Wer war denn da Finanzminister?

Da war es wieder: 16 Jahre SPD!

600 Milliarden Euro müssten laut Institut der deutschen Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren investiert werden. Von den 130 000 Brücken sind mehrere Zehntausend akut sanierungsbedürftig. Eine, in Dresden, ist gerade zusammengestürzt. Das ist peinlich!

Beifallder Abg. Maja Wallstein [SPD]

Das ist peinlich für einen grünen Verkehrsdezernenten in Dresden!

Hunderte Kilometer Schienen müssen erneuert werden. Die Bahn kann den Fahrplan nur noch schätzen. Das ist peinlich! Unser Stromnetz hinkt nach dem Ausbau der Erneuerbaren hinterher, weil Sie selbst zwischen 2010 und 2020 auf 25 Prozent Erneuerbare ausgebaut haben, aber vergessen haben, dass da ja noch ein Stromnetz ist, das man vielleicht nachziehen müsste; das haben Sie nicht gemacht.

Bei uns im Norden macht man das anders, da sagt man: Nicht schnacken, sondern machen!

Beifallder Abg. Maja Wallstein [SPD]

Und diese Regierung hat bei den Erneuerbaren ernst gemacht:

Beifalldes Abg. Sebastian Roloff [SPD]

2020 lag der Anteil der Erneuerbaren beim Strom bei 42 Prozent, 2023 bei 57 Prozent, jetzt sind wir schon bei 62 Prozent – weiter steigend. Die Erneuerbaren bleiben die günstigste Energieform. Und ja, die Netzentgelte sind ein Problem. Aber da gehen wir ran. Wir haben gerade schon gehört,

im Norden werden die Netzentgelte jetzt endlich angeglichen, damit der Norden nicht immer bluten muss, weil im Süden nichts ausgebaut wird.

Die Erfolge bei den Erneuerbaren lasse ich mir nicht schlechtreden, auch wenn sie noch kein Erfolg für die Gesamtwirtschaft sind. Denn wir sind ja nicht am Ende der Energiewende, wir sind mitten in der Erneuerung des Energiesystems. Das ist wie beim Kraftsport: Das kostet Körner, aber die Muckis wachsen.

Lachendes Abg. Patrick Schnieder [CDU/CSU]

Dass Sie da – natürlich – nicht applaudieren, das werfe ich Ihnen gar nicht vor.

Zurufdes Abg. Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]

Sie lassen ja sowieso immer andere die Reformarbeit machen und stehen dann als Lautsprecher – nicht als Trainer – an der Seitenlinie, als Opa Hannes, der nach dem dritten Bier den Schiri anpöbelt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Und irgendwann heben Sie die Hand und sagen: Das haben wir aber super gemacht! – Kann man so machen, ist halt nur nicht seriös.

Als Energiepolitiker kann ich Ihnen sagen: Die Energiewende ist das wichtigste Wirtschaftsprogramm seit 100 Jahren. Eine Studie zeigt: 45 000 neue Jobs bis 2040 dank der Erneuerbaren allein in Brandenburg.

Was sagt denn Sigmar Gabriel dazu?

Allein die Offshorebranche hat in den letzten zwei Jahren 9 000 Jobs, gute Tarifjobs, geschaffen. Wir brauchen also mehr Energie aus Wind und Sonne, nicht weniger. Das hat mittlerweile die ganze Welt begriffen – nicht die ganze Welt, hier gibt es noch ein kleines gallisches Grüppchen, das andere Ideen hat.

Das heißt „Ampel“, ne?

Denn Ihr Motto ist ja: Verbrenner und Atom, dann läuft die Wirtschaft schon. – Aber so ist es nicht, Pustekuchen! Gerade die Union redet immer von verlässlichen Entscheidungen für die Wirtschaft. Und dann wollen Sie ein Verbrenner-Revival – entgegen der Aussagen aller CEOs und Finanzchefs der Automobilindustrie. Da muss man sich ja an den Kopf fassen, dass Sie das immer noch wollen!

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Klimawende schaffen oder zurück in die 80er-Jahre und den Laden richtig an die Wand fahren? Am Beispiel VW sieht man, wie teuer Unentschlossenheit sein kann.

Da sitzt Herr Weil im Aufsichtsrat! Das ist doch peinlich!

Das brauchen wir definitiv nicht. Was wir nicht brauchen, ist eine Flucht in die Vergangenheit à la Merz.

Ich rate uns allen: Lassen Sie uns den Weg in die Zukunft gehen! Das kostet manchmal Körner. Mittelfristig ist die Energiewende aber das beste Fitnessprogramm

… und der Muskel wächst!

und gibt ordentlich Muskeln für unsere Wirtschaft.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das war „heute-show“, aber ganz schlecht!

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuschauer/-innen! Ja, heute wurden neue Wirtschaftsprognosen veröffentlicht, und die negativen Wachstumszahlen geben natürlich Anlass zur Sorge. Darüber müssen wir reden. Ist es gut, dass wir heute diese Debatte haben? Ja. Besteht Anlass zur Panik und zum Schlechtreden? Nein, so ist es nicht.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Denn zur Analyse gehört auch: Die Exporte nehmen zu, vor allem die Exporte in die USA. Die Auftragseingänge der deutschen Industrie, im Dreimonatsvergleich nehmen zu, vor allem im Maschinenbau. Das ist mittelfristig ein guter Trend.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir sehen steigende Löhne. Die Inflation ist wieder nahe 2 Prozent – da, wo wir sie gerne haben wollen. Das heißt eben auch: Die Reallöhne steigen. Und das ist eine sehr gute Voraussetzung für eine steigende Binnennachfrage.

Die bleibt allerdings aus; denn für eine steigende Binnennachfrage braucht es auch eine gute Stimmung. Damit komme ich zu Ihnen, liebe Union. Da haben Sie nämlich auch eine Verantwortung. Ihr systematisches Schlechtreden

Alles ist gut!

über Monate hinweg schadet nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Demokratie; denn das treibt die Wählerinnen und Wähler in die Richtung Rechtsextremer. Dieser Verantwortung müssen Sie sich mal bewusst werden!

Sie waren es, die uns in die Abhängigkeit von russischem Gas geführt haben. Wir haben hier im Dezember 2021 leere Gasspeicher vorgefunden,

Wer hat denn Nord Stream 1 gebaut? Rot-Grün!

die Sie an Putin verkauft hatten.

Die hat Herr Gabriel verkauft!

Weiterhin haben wir wegen einer unreflektierten Globalisierung – weil Sie nicht auf resiliente Lieferketten achten – eine Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern von Komponenten. Gerade für die deutsche Automobilindustrie besteht eine Abhängigkeit vom chinesischen Absatzmarkt. Warum ist das so fatal? Bereits 2016 haben die Chinesen Quoten für Elektroautos beschlossen. Was hat Frau Merkel damals als Bundeskanzlerin gemacht? Anstatt die deutsche Industrie zu animieren, vielleicht kleine, günstige Elektroautos zu entwickeln, fährt sie nach China und versucht, die Chinesen davon abzubringen – ohne Erfolg. Das Resultat sehen wir heute: erfolgreiche chinesische Autobauer, die kleine, günstige Autos bauen, und eine deutsche Automobilindustrie, die das nicht tut.

Frau Merkel ist schuld!

– Das ist eben auch Ihre Verantwortung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Manfred Todtenhausen [FDP]

Ja, genau! Staatswirtschaft muss man immer begrüßen!

Denn was ist das Schlimmste für die Wirtschaft? Das ist eine launige, unzuverlässige Politik. Sie haben hier ein Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz mitbeschlossen – jetzt fordern Sie, es wieder zu kippen. Sie haben den Atomausstieg beschlossen – jetzt jammern Sie den Atomkraftwerken hinterher.

Das macht die Union immer gerne! Atomenergieausstieg, Bürgergeld: Erst zustimmen und dann dagegen sein!

Was sagt der Minister dazu?

Ich war selber 20 Jahre Unternehmer und weiß, was wirklich Gift für Unternehmen ist: Das ist Ihre launige, flatterhafte Politik, die heute so redet und morgen so.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Ihr Wirtschaftsminister hat das mittlerweile auch gemerkt! Was sagt denn Herr Habeck dazu? Fragen Sie ihn doch mal!

Ihre Kommissionspräsidentin, Frau von der Leyen, beschließt auf EU-Ebene ein Verbrenner-Aus – Sie agitieren hier dagegen. Das ist Gift für Investitionen in der Automobilindustrie.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ihre Politik ist Gift für diese Industrie!

Jetzt komme ich aber mal zu uns. Was hat diese Bundesregierung bereits umgesetzt? Kollege Reinhard Houben hat ja schon viele Punkte genannt. Wir haben zunächst mal mit der Abhängigkeit von russischem Gas aufgeräumt. Heute fließt kein russisches Gas mehr in unseren Netzen.

Schröders Lebenswerk!

Die Strompreise sind jetzt wieder auf dem Niveau von vor Kriegsausbruch.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Alles ein Erfolg dieser Regierung und besonders des Ministers Robert Habeck.

Steuersenkungen. Wir haben bei der Einkommensteuer Entlastungen von um die 20 Milliarden Euro erreicht. Wie hat es der Kollege gesagt? Der Abbau der kalten Progression fördert gerade den Mittelstand.

Beifallder Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Manfred Todtenhausen [FDP]

Wir haben ein Bürokratieentlastungsgesetz IV mit einer Entlastung um 900 Millionen Euro vorgelegt. Es gab Praxischecks im BMWK, die sich gezielt an die Wirtschaft richten. Wir haben Gründungen vereinfacht, Unternehmensübergänge vereinfacht, Berichtspflichten drastisch eingedampft, eine Fachkräftestrategie erarbeitet, die Einwanderung von Fachkräften erleichtert, die Einbürgerung von gut integrierten Menschen, im Berufsleben stehenden Menschen vereinfacht. Alles das wirkt dem dramatischen Fachkräftemangel entgegen. Davon sagen Sie hier nichts. Das ist aber der Erfolg dieser Bundesregierung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Manfred Todtenhausen [FDP]

Es ist aber noch mehr zu tun. Denn wenn wir den OECD-Vergleich anschauen, dann sehen wir, dass wir Primus bei der Schuldenquote sind – das ist super –, aber Schlusslicht bei Investitionen. Und wir haben heute ein negatives Wachstum hier präsentiert bekommen. Was kann man dagegen tun? Es ist relativ naheliegend: Diese Schuldenbremse ist eingerostet, sie ist eine Investitionsbremse, sie ist eine Wachstumsbremse. Deswegen müssen wir sie weiterentwickeln, um Mittel für Investitionen freizusetzen: für den Netzausbau aus Steuermitteln, um den Strompreis zu senken, für einen Deutschland-Investitionsfonds, um Mittel für Investitionen in Scale-up-Unternehmen freizusetzen, in die digitale Schiene,

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

in den Breitbandausbau, in Verwaltungsdigitalisierung. Denn das ist der Schlüssel zum Bürokratieabbau: eine bessere Verwaltungsqualität. Auch dafür brauchen wir Geld.

Wir brauchen nicht zuletzt auch die Entschuldung der Kommunen, damit die vor Ort investieren können, nämlich in kaputte Brücken, wie in Dresden, aber vor allem in Schulen. Denn das sind die Schulden, die viel schwerer wiegen. Kaputte Infrastruktur, kaputte Schulen – das geht so nicht; dem müssen wir etwas entgegensetzen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Deswegen ist es richtig, die Schuldenbremse weiterzuentwickeln, um all diese Investitionen zu ermöglichen. Denn wir brauchen ein Land, das funktioniert.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich wusste gar nicht, dass wir für Schulen zuständig sind; aber gut!

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
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Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt sehr viele Gründe, auf dieses Land und diesen Wirtschaftsstandort stolz zu sein. Letzte Woche erst hat der oberschwäbische Maschinenbauer Liebherr den größten Auftrag seiner Firmengeschichte bekommen – 470 große Baumaschinen sind bestellt worden: Muldenkipper, Planierraupen, Bagger, alle vollelektrisch, alle voll im Megatrend der Dekarbonisierung –, ein Umfang von 2,5 Milliarden Euro insgesamt. Das sind die Aufträge, die wir sehen wollen; das ist der Weg, den Unternehmen gehen wollen; denn diese Zukunftsmärkte sind es, die für Deutschland entscheidend sind. Digitalisierung und Dekarbonisierung, das ist die Zukunft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ja, dieses Land ist in einer Rezession, und die wirtschaftlichen Daten stellen uns nicht zufrieden. Das heißt aber umgekehrt auch, dass wir mittendrin sind in diesem Wandel, und das ist hart, weil sich viel von dem, was wir bislang kannten, verändert hat. China ist eben nicht mehr die Cashcow für unsere Autobauer, und das billige russische Gas kommt auch nicht wieder.

Zurufvon der AfD: Das sagen Sie!

Aber wir können diese Durststrecke durchstehen, wenn wir uns nicht mit Vergangenheitsliebe beschäftigen, sondern mit Ausdauer, Mut und Zuversicht vorangehen. Genau das tun die innovativen Unternehmen in diesem Land. Und sie verdienen Planungssicherheit; dafür machen wir grüne Wirtschaftspolitik. Das ist auch der Weg, den wir weitergehen wollen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufvon der CDU/CSU: Wann treten Sie eigentlich zurück?

Was soll es bringen, wenn man die Ampel basht und Schwarzmalerei betreibt,

Zurufvon der CDU/CSU: Dann müsste man den Kurs ändern!

wenn man dem Verbrenner-Aus hinterherweint und dessen Rückkehr herbeisehnt, wenn man Atomkraft anhimmelt und Migration verteufelt? Das bringt verlorene Jahre, nicht mehr und nicht weniger, und es bringt nichts für die Erneuerung unseres Wohlstands. Genau das müssen Sie sich ankreiden lassen, Frau Klöckner. Das ist genau das, was Sie in Ihrer Regierungszeit versäumt haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Manfred Todtenhausen [FDP]
Zurufvon der CDU/CSU: Sie regieren seit drei Jahren! Sie sind seit drei Jahren an der Regierung!

Ich will es zusammenfassen: Allein in der Zeit – Frau Klöckner, diese Zahl können Sie sich aufschreiben; dann brauchen Sie das Argument an der Stelle nicht mehr zu benutzen – zwischen 2010 und 2020 sind 400 Milliarden Euro an Zinsverbilligungen nicht genutzt worden, um in die Zukunft dieses Landes zu investieren.

Beifalldes Abg. Reinhard Houben [FDP]

Herr Linnemann, wo waren die Investitionen in Bahn und Brücken? Wo waren die Investitionen in Zukunftstechnologien und Bildung? Wo waren die Investitionen in Fachkräfte und Integration? Nichts ist passiert, nada! Daher rühren die Standortprobleme, die wir gerade haben. Diese Ampel packt sie an. Wir räumen auf, was Sie hinterlassen haben. Das ist der Unterschied zwischen Ihnen und uns.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Zurufdes Abg. Sepp Müller [CDU/CSU]

Das Gerede von „Müssen wir nicht doch was mit dem Verbrenner machen?“, „Müssen wir die Energiewende nicht doch zurückdrehen?“ verunsichert Unternehmen und Verbraucher. Unterlassen Sie das! Geben Sie mit uns klare Richtlinien! Dieses Land braucht Rahmenbedingungen in Richtung Dekarbonisierung, in Richtung Zukunft.

Diese Koalition, dieser Wirtschaftsminister hat genau das getan.

Drei Jahre Minister!

Wir haben in extrem schwierigem geopolitischem Umfeld dieses Land von russischem Gas unabhängig gemacht. Die Energiepreise sind stabil und so niedrig wie vor der Krise. Die Inflation ist niedrig wie seit Jahren nicht mehr.

Zurufdes Abg. Tilman Kuban [CDU/CSU]

Tausende von Migrantinnen und Migranten sind in Arbeit; denn wir wollen Chancen eröffnen und eben nicht Wege in Arbeit versperren. Das ist der Unterschied zwischen uns und Ihnen, und da sind Sie bis heute nicht in der Realität angekommen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Sebastian Roloff [SPD]

Die Wachstumsinitiative – die Kollegen haben es beschrieben – wird weitere Investitionsanreize setzen und den Unternehmen Planungssicherheit geben. Sorgen Sie mit uns dafür, dass sie umgesetzt wird und dass sie im Bundesrat durch die unionsgeführten Länder nicht wieder kleiner gemacht wird, als wir sie planen. Das ist die Aufgabe, die Sie jetzt haben. Da sind wir auf Ihre Unterstützung gespannt.

Auch das Paket zur Unterstützung der Automobilindustrie ist angesprochen worden. Es ist in der Mache, und selbstverständlich – das ist die gute Nachricht – sind alle Hersteller und Zulieferer schon längst auf dem Weg in die Antriebswende. Es ist überhaupt völlig klar, dass die Individualverkehre von morgen durch den Elektroantrieb geprägt sein werden. Deswegen: Geben Sie endlich Ihren Widerstand gegen das E-Auto auf! Geben Sie den Unternehmen Planungssicherheit! Wir haben den europäischen Rahmen dafür, wir haben den nationalen Rahmen dafür, und bei dem müssen wir bleiben, damit es Investitionssicherheit für Unternehmen gibt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Bengt Bergt [SPD]
Zurufevon der CDU/CSU

Ich will einen Punkt ansprechen, den wir als Grüne intensiv diskutieren – wir haben uns auch auf unserem Zukunftskongress damit beschäftigt – und der ein wichtiger ist. Dieses Land ist jahrzehntelang auf Verschleiß gefahren. Gerade beim öffentlichen Vermögen ist zu viel kaputtgegangen, zu viel nicht instand gesetzt worden. Es kann nicht sein, dass wir ein innovativer Wirtschaftsstandort sein wollen, wenn in diesem Land Brücken einbrechen und die Bahn nicht fährt.

Zurufdes Abg. Sepp Müller [CDU/CSU]

Das wird nicht funktionieren. Deswegen: Lassen Sie uns gemeinsam die Schuldenbremse reformieren! Ihre Ministerpräsidenten sind schon dafür.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
Zurufvon der CDU/CSU: Wer hat denn Dresden zu verantworten?

Hören Sie auf die Leute in Verantwortung! Dann kommen wir da weiter.

Ich komme zum Ende.

Sie sind am Ende!

6 Vermerkeca. 219 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Deutschland hat in der Tat ein riesiges Problem. Wir haben nämlich keinen Wirtschaftsminister, der überhaupt was von Wirtschaft versteht.

Märchen erzählen können Sie, zum Beispiel das vom grünen Stahl oder die von Northvolt und Intel. Der grüne Stahl stirbt jetzt. Northvolt hat einen Stellenabbau bekannt gegeben. Intels Chipfabrik – verschoben. Alle Ihre tollen Projekte werden am Ende nichts. Sie können es nicht!

Deswegen fordere ich die SPD auf, endlich eine vernünftige Person aus der Wirtschaft mit langjähriger Erfahrung in der Leitung eines Großbetriebs als Wirtschaftsminister der Bundesregierung einzusetzen, der sofort verhindert, dass dieser Abstieg in Deutschland weitergeht, weil das Ministerium nicht so geführt wird, wie es notwendig ist, um die Rahmenbedingungen für eine Sanierung unserer Wirtschaft zu schaffen.

Das muss beendet werden! Herr Scholz, als Bundeskanzler werden Sie die Verantwortung dafür zu tragen haben, wenn nicht sofort Schritte eingeleitet werden, dass das Wirtschaftsministerium von einem Wirtschaftsfachmann geleiten wird. Das ist eine Katastrophe!

Seit dem Zusammenbruch der DDR weiß ich hundertprozentig – ich habe drei Firmen, die gut laufen –,

Aha! Dann kann es ja nicht so schlecht sein!

Zurufdes Abg. Bengt Bergt [SPD]

dass Planwirtschaft nicht funktioniert,

weil sie die Freiheit der Unternehmer beschränkt.

Weil nicht jeder eine Lederjacke tragen möchte!

Läuft Ihre Firma jetzt oder nicht?

Genauso lassen wir uns nicht vorschreiben, wie wir unsere Steuerkanzlei führen. Wir handeln nach den Gesetzen, so wie jeder andere Unternehmer. Und unsere Unternehmer brauchen preiswerte Energie. Die brauchen die Rückabwicklung dieser Energiewende.

Sind die anderthalb Minuten nicht um?

ca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
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Es ist die Rückabwicklung notwendig, damit die Haushalte wieder mehr Geld haben, damit die Industrie nicht abwandern muss, damit der Standort nicht stirbt.

2 Vermerkeca. 24 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das will ich heute hier klar und deutlich sagen: Ihre Klimaideologie ist die Grundlage für den Abstieg und die Zerstörung unserer Wirtschaft.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
7 Vermerkeca. 572 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als „Schatz aus der Tiefe“ wurde Erdwärme auf einer Veranstaltung bezeichnet, auf der ich kürzlich mitdiskutieren durfte. Ich finde, das ist eine sehr passend gewählte Bezeichnung für eine Energiequelle, die CO2-frei und nahezu unerschöpflich ist und wetterunabhängig das ganze Jahr zur Verfügung steht.

In Deutschland ist dieser Schatz noch wenig ergründet. Gleichzeitig ist er aber sehr vielversprechend für den Erfolg der Energiewende und das Erreichen unserer Klimaziele. Denn ein Viertel der Wärme in Deutschland – wohlgemerkt: sehr konservativ betrachtet – könnte künftig mit geothermischen Systemen erzeugt werden. Diese Aussicht stimmt optimistisch.

Laut den Stellungnahmen von Ländern und Verbänden zum Gesetzentwurf wird dieses Gesetz, das wir heute in erster Lesung behandeln, lange ersehnt und durchweg positiv begrüßt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Deshalb freue ich mich, dass wir das parlamentarische Verfahren nun in Gang setzen und in einigen wenigen Wochen ein Gesetz gemeinsam beschließen werden, das den Weg für die Erdwärme in Deutschland freimacht. Mit diesem Gesetz geben wir der Branche ein entscheidendes Signal, für mehr Fachkräfte zu werben und eine bessere Planbarkeit von Vorhaben sicherzustellen. Wir schließen hier eine Lücke bei den erneuerbaren Energiequellen und bewegen uns damit ein entscheidendes Stück weg von den fossilen. Das sind gute Nachrichten für den Klimaschutz und gute Nachrichten für eine krisensichere, unabhängige Energieversorgung.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Andreas Mehltretter [SPD]

Was soll nun dieses Gesetz, das einen sperrigen Namen trägt, künftig genau regeln? Es räumt der Erdwärme zum Beispiel ein überragendes öffentliches Interesse ein und damit einen höheren Stellenwert bei Abwägungsentscheidungen. Das wiederum soll solche Entscheidungen beschleunigen und kann zu mehr Rechtssicherheit führen. Es verkürzt Entscheidungsfristen bei den Zulassungsverfahren, darunter auch Fristen für die Rückmeldung der beteiligten Behörden. Es räumt bergrechtlichen Betriebsplänen eine längere Laufzeit ein, verbunden mit weniger Arbeitsaufwand und mehr Planbarkeit für Unternehmen und private Haushalte.

Wir stellen mit diesem Gesetz die Weichen auf Beschleunigung und Verfahrenserleichterungen, und das ist bei Erdwärmeprojekten auch dringend nötig. Von der ersten Idee bis zum Anschluss an ein Wärmenetz können bei einem tiefengeothermischen Projekt bisher im Durchschnitt bis zu acht Jahre vergehen. Das ist eine viel zu lange Zeit, in der private Haushalte im schlimmsten Fall noch weiter fossil heizen und Unternehmen um die Wirtschaftlichkeit ihrer Projekte bangen. Genau damit machen wir jetzt Schluss.

Zwei Punkte möchte ich uns allen noch mit auf den Weg geben, an denen sich der Erfolg des Projekts „Erdwärme in Deutschland“ messen lassen wird. Beschleunigung darf nicht zu der Annahme verleiten, dass wir weniger Personal in den Behörden brauchen. Ganz im Gegenteil: Wie im Bund-Länder-Pakt des Bundeskanzlers zur Planungsbeschleunigung bereits richtig dargelegt und gemeinsam geeint, müssen unsere Planungs- und Genehmigungsbehörden ausreichende Personalressourcen haben. Das wird ganz entscheidend für den Erfolg sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Zu guter Letzt soll jetzt auch die Absicherung des Fündigkeitsrisikos für tiefe Geothermiebohrungen kommen. Vor allem Kommunen und kleinere Stadtwerke, die sich einen Investitionsausfall nach einer Fehlbohrung keinesfalls leisten können, werden sich in einem solchen Fall auf Sicherheiten verlassen können.

Beifalldes Abg. Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Bitte erlauben Sie mir noch einen Hinweis: Um Geothermie voranzubringen und ihr Potenzial zu heben, brauchen wir auch günstigen Strom. Bitte lassen Sie uns genauso, wie wir hier vereint für Geothermie stehen – das passiert im Untergrund, stört und bewegt offenbar niemanden –, auch dafür streiten, dass wir günstige Erneuerbare haben. Und die brauchen wir auch im Winter. Wir brauchen auch Windenergie. Lassen Sie uns dafür genauso ehrlich vor Ort eintreten! Dann wird es eine wirklich gelungene Energiewende im Bereich der Wärme geben können.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Andreas Mehltretter [SPD]

Ich freue mich auf eine gemeinsame weitere Behandlung des Gesetzes.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Konrad Stockmeier [FDP]
Porträt von Thomas Gebhart
Foto: Dr. Thomas Gebhart/ Laurence Chaperon
4 Vermerkeca. 455 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist doch klar: Wir brauchen alle Formen der erneuerbaren Energien. Dazu gehört sicherlich auch die Geothermie, zunächst einmal die oberflächennahe Geothermie. Das heißt, wir nutzen die Erdwärme mit Erdwärmepumpen, beispielsweise um Häuser zu beheizen. Das ist eine Technologie, die sich vielfach bewährt hat.

Auch die Tiefe Geothermie kann, vor allem bei der Wärmeversorgung, einen Beitrag leisten – unter der Voraussetzung, dass die Rahmenbedingungen richtig gesetzt sind und sie sicher genutzt wird.

Ein Blick zurück: Wir haben in Deutschland unterschiedliche Erfahrungen mit der Tiefen Geothermie gemacht, in einigen Regionen gute Erfahrungen, in anderen Regionen schlechte Erfahrungen; es gab auch Schäden und Erdbeben. Gerade vor diesem Hintergrund ist es doch erforderlich, dass wir mit diesem Thema sensibel und verantwortungsvoll umgehen. Wir wollen, dass die Geothermie sinnvoll genutzt wird, in einer Weise, die deutlich macht: Ja, wir haben aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt.

Beifallbei der CDU/CSU

Vor diesem Hintergrund haben wir hier im Deutschen Bundestag bereits vor einem Jahr 17 konkrete Vorschläge dazu vorgelegt, wie dies gelingen kann. Es sind konstruktive Vorschläge, die deutlich machen: Wofür stehen wir? Was sind unsere Alternativen zur aktuellen Politik der Ampelregierung? Und was sind unsere Konzepte? In diesem Gesetz, das die Ampel heute vorlegt, greifen Sie davon kaum etwas auf, und das ist sehr bedauerlich.

Ich blicke beispielsweise auf meine Heimatregion, die Südpfalz und insgesamt den Oberrheingraben. Es gibt dort Bohrungen, und weitere Bohrungen sind angedacht und geplant. Aber es muss doch klar sein: Wenn beispielsweise in Landau, in Herxheim, in Kandel gebohrt werden soll, dann müssen sich die Menschen darauf verlassen können, dass erstens alles dafür getan wird, dass möglichst nichts passiert, und zweitens, dass, falls doch – trotz all der Bemühungen, dass nichts passiert – Schäden entstehen sollten, die Menschen vor Ort nicht auf diesen Schäden sitzen bleiben. Es müssen doch im Vorhinein, bevor gebohrt wird, mithilfe von Versicherungen der Unternehmen klipp und klar ausreichende Entschädigungen geregelt sein. Darauf müssen sich die Menschen schlicht und ergreifend verlassen können, daran führt überhaupt kein Weg vorbei. Das muss übrigens auch für einen Insolvenzfall geregelt sein.

Meine Damen und Herren, zu diesem Punkt wie auch zu den meisten anderen Punkten unserer 17 konkreten Vorschläge sagen Sie in Ihrem Gesetzentwurf nichts. Darauf gehen Sie nicht ein; Sie blenden es aus. Aber das wäre absolut notwendig mit Blick auf die Akzeptanz vor Ort.

Beifallbei der CDU/CSU

Denn es ist doch klar: Geothermie geht nur mit den Menschen. Geothermie geht nur mit den Gemeinden und den Städten vor Ort. Das geht doch nicht gegen die Menschen. Es muss klar sein: Die Menschen vor Ort müssen davon profitieren. Das muss das Ziel sein. Darum muss es gehen. Meine Damen und Herren, wir müssen die Potenziale der Geothermie sinnvoll nutzen und gleichzeitig die Risiken minimieren.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
6 Vermerkeca. 842 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Letzte Woche war Spatenstich im Münchner Michaelibad. Bis 2033 entsteht dort die größte Geothermieanlage Kontinentaleuropas zur Wärmeerzeugung. 75 000 Haushalte wird diese Anlage in Zukunft mit nachhaltiger Wärme versorgen. München hat sehr früh auf Geothermie gesetzt. Die Anlage im Michaelibad ist die siebte Anlage dort. Geothermie ist für München ein wesentlicher Baustein für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040.

Aber Geothermie ist nicht nur für München ein wichtiger Baustein. Die aktuellen Klimaschutzprojektionsdaten des Umweltbundesamts zeigen zwar, dass wir insgesamt auf einem ganz guten Kurs sind; aber gerade bei der Versorgung von Gebäuden mit Wärme bleiben die Ziele eine große Herausforderung. Wir verbrennen einfach immer noch zu viel Öl und Gas, um unsere Wohnungen zu heizen. Wir müssen immer noch zu viel Öl und Gas aus Krisengebieten kaufen. Wir sind damit immer noch zu abhängig von Energieimporten und anfällig für Schwankungen bei Preisen und Energieangebot.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben eine nachhaltige Alternative direkt unter unseren Füßen. Die Erdkruste speichert Wärme, und diese Wärme können wir nutzen. Ein Viertel der Wärme, die wir in Deutschland benötigen, könnten wir mit der Geothermie, mit heißem Wasser aus dem Untergrund, erzeugen. Das ist eine klimaneutrale und erneuerbare Energie, die immer zur Verfügung steht.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist Energie, für die wir keine Rohstoffe brauchen und importieren müssen, und das ist Energie, die uns unabhängiger macht, weil wir sie komplett hier in Deutschland produzieren können.

Unter unseren Füßen liegt dieses Wärmepotenzial, das wir nutzen müssen – für unser Klima, für unsere Unabhängigkeit und auch für unseren Geldbeutel. Die Gestehungskosten für Wärme aus Geothermie liegen schon heute unter denen der Wärmeversorgung aus fossilen Energieträgern. Und diese Kosten werden weiter sinken, wenn die Technologie in noch größerem Maßstab genutzt wird.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Mit der Geothermie schaffen wir auch verlässliche, bezahlbare Wärmepreise, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Damit wir bei der Geothermie vorankommen, haben wir bereits wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht. Herr Dr. Gebhart, es ist ja nicht so, dass da in der letzten Zeit noch nichts passiert wäre.

Wärmenetze sind zum Beispiel eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung von Geothermie. Wir haben bei der kommunalen Wärmeplanung für diese Wärmenetze eine wichtige Rolle vorgesehen, und der Neu- und Ausbau wird über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze gefördert. Geothermieprojekte werden mit diesem Programm ebenso gut unterstützt. Auch mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude können Geothermieanlagen finanziert werden, die zum Beispiel in Quartiersnetzen eingesetzt werden. Wir sind gerade dabei, das Fündigkeitsrisiko abzusichern. Mit dem Bürokratieentlastungsgesetz IV haben wir die Genehmigungsverfahren für die oberflächennahe Geothermie erleichtert.

Das alles haben wir schon auf den Weg gebracht. Das hilft bereits jetzt.

Aber noch immer dauern die Planungs- und Genehmigungsverfahren gerade für große Geothermieprojekte einfach sehr lange. Das ändern wir mit diesem Gesetzentwurf, den wir heute in den Bundestag einbringen. Wir machen einen großen Schritt hin zu schnelleren Verfahren und verschaffen der Erdwärme einen richtigen Boost, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Bernhard Herrmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Was sieht der Gesetzentwurf konkret vor? Es sollen Höchstfristen für Genehmigungsverfahren im Bergrecht eingeführt werden. Innerhalb eines Jahres müssen die Entscheidungen getroffen sein. In den Genehmigungsentscheidungen bekommt die Geothermie, wie auch Wärmepumpen und Wärmespeicher, ein besonderes Gewicht, indem wir diese Anlagen nun explizit in das überragende öffentliche Interesse stellen. Für Klagen gegen solche Projekte sollen in Zukunft gleich die Oberlandesgerichte zuständig sein; dann werden die Rechtsverfahren deutlich kürzer.

Wichtig ist auch, zu wissen, wo Bohrungen für die Nutzung der Geothermie möglich und sinnvoll sind. Dazu wird der Boden normalerweise mittels Schallwellen untersucht. Das passiert in vollem Einklang mit dem Bundesnaturschutzgesetz. Damit es da keine zweideutigen Rechtsauffassungen mehr gibt, wollen wir das jetzt direkt so ins Gesetz schreiben. Das vereinfacht die Erhebung von Untergrunddaten und somit auch die Umsetzung von Geothermieprojekten weiter.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Beschleunigung der Verfahren ist notwendig für die Wärmewende. Sie ist möglich, weil die Geothermie sicher ist. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat den Einsatz von Geothermie untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Tiefengeothermie birgt in Deutschland keine unbeherrschbaren Risiken für die Umwelt. Schäden zum Beispiel durch von Bohrungen ausgelöste Erdbeben sind bei kontrolliertem, professionellem Vorgehen nicht zu befürchten. Dafür, dass ein solches Vorgehen trotz aller Beschleunigung immer eingehalten wird, müssen und werden die Behörden natürlich auch weiterhin sorgen.

Mit dem Gesetzentwurf werden auch Wärmepumpen adressiert, die Wasser zur Wärmegewinnung nutzen. Bei einer Wärmepumpe bekommen wir drei- bis viermal so viel Wärmeenergie raus, wie Strom reingesteckt wird, weil wir die Umgebungswärme, die überall kostenlos zur Verfügung steht, nutzen. Das ist schon grandios, weil wir viel weniger Strom erzeugen müssen, als wir dann als Wärmeenergie zur Verfügung haben. Bei der Tiefengeothermie ist es noch krasser. Da bringt eine solche Anlage rund 30-mal so viel Wärmeenergie, wie wir Strom zum Betrieb benötigen. Effizienter kann man Wärme nicht erzeugen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Geothermie ist deswegen ein wichtiger Baustein für eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Sie ist sauber, sicher und immer verfügbar. Sie ist unabhängig von importierten Rohstoffen, und die Kosten sind niedrig und planbar.

Wir wollen das Potenzial der Geothermie nutzen. Dazu braucht es schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Dafür bringen wir heute diesen Gesetzentwurf in den Bundestag ein.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Marc Bernhard
Foto: Marc Bernhard
4 Vermerkeca. 251 WörterReaktionswert: lebhaft
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Danke, Frau Präsidentin, dass Sie die Intervention zulassen. – Herr Kollege Stockmeier, Sie reden immer wieder nur von der Fündigkeitsversicherung – also, sie schützt die Investoren, sie schützt die Gewinne derjenigen, die Geothermie ausbeuten wollen –; Sie reden aber nie über die Bürger.

Das ist doch falsch!

Sie reden nie über die Menschen, die geschädigt werden.

Das ist doch Quatsch!

Sie haben nicht zugehört!

Ich habe bereits vor einem Jahr, als dieses Thema schon mal hier im Plenum war, darauf hingewiesen, dass wir einen Mindestversicherungsschutz brauchen. Im Moment werden solche Projekte typischerweise mit 5 Millionen Euro versichert. Wir haben Schäden erlebt, die zig Millionen Euro betragen,

Das ist falsch!

beispielsweise in Böblingen: 5 Millionen Euro Versicherungssumme, 60 beschädigte Häuser, 60, 70 Millionen Euro Schaden. Die Menschen haben teilweise bis heute noch keinen Cent gesehen.

Warum weigern Sie sich, Mindesthaftungssummen für solche Projekte ins Gesetz zu schreiben? Warum? Glauben Sie wirklich, dass eine Versicherungssumme von 5 Millionen Euro ausreichend ist, um mögliche Schäden abzudecken und die Bürger nicht auf den Schäden sitzen zu lassen?

Das nächste Thema ist: Warum gibt es keine Beweislastumkehr? Was müssen Sie machen? Sie sind vielleicht 70 Jahre alt. Es entsteht ein Schaden. Dann müssen Sie alles beweisen; dann müssen Sie Gutachter und Rechtsbeistände beauftragen und erst mal bezahlen, und am Ende müssen Sie die Versicherung verklagen. Nach 15, 20 Jahren bekommen Sie vielleicht etwas zugesprochen. Dann ist das Unternehmen, das gerade mal mit 5 Millionen Euro versichert ist, pleite, und dann bekommen Sie am Ende gar nichts. Warum tun Sie nichts für den Schutz der Bürger?

Ist das eine Kurzintervention oder eine zweite Rede?

Das ist die Frage. Warum keine Mindestversicherungssumme? Warum nicht?

8 Vermerkeca. 306 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Herr Kollege, Sie setzen die Serie der Desinformation fort. Erstens hören Sie mir nicht zu. Ich bin eben dort am Rednerpult auf die Risiken für die Bürgerinnen und Bürger eingegangen und habe gesagt, dass es für Unternehmen, die solche Bohrungen durchführen, selbstverständlich Betriebshaftpflichtversicherungen gibt, die sie auch abschließen müssen.

Das ist aber keine Verpflichtung!

– Jetzt hören Sie mir zu! So sind die Spielregeln hier in diesem Hause, und es steht Ihnen auch gut zu Gesicht, sich an diese zu halten.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zweitens. Sie suggerieren ja ständig, dass diese Versicherungssummen viel zu gering wären. Bei Ihnen schwingt immer so mit: Ja, da krachen halbe Häuser ein, und es entstehen wer weiß was für absurde Schäden.

Schäden, die an Gebäuden entstehen können, sind in der Tat Risse im Mauerwerk oder das eine oder andere. Und was passiert in so einem Fall? Da passiert was ganz Normales: Sie stellen als Hauseigentümer so einen Schaden fest, dann melden Sie den, und dann kommt ein Gutachter vorbei und wickelt das mit der Bohrfirma ab.

Die Realität sieht jedoch anders aus!

– Sprechen Sie einfach mal mit den Praktikern. – Solche Risse im Mauerwerk oder in der Fassade bedeuten in der Regel Schadenssummen von wenigen Tausend Euro. Sie suggerieren hier, dass ganze Häuser einstürzen und die Leute auf Schäden von Hunderttausenden Euro sitzen bleiben. Nichts davon ist wahr.

Sagen Sie das den Menschen, die seit 20 Jahren nichts bekommen haben! Sagen Sie das den Menschen in Böblingen!

Und ich erinnere Sie noch mal an Folgendes: Im Landkreis Karlsruhe gab es im Frühjahr eine tolle Gelegenheit, sich in Offenburg – wenige Kilometer von Ihnen entfernt – auf der Messe GeoTHERM mal mit allen möglichen Leuten zu unterhalten, auch mit den Versicherern. Aber da sind Sie selbstverständlich nicht hingegangen, weil Sie sich ja keinen aktuellen, keinen wahrhaftigen Sachstand draufschaufeln wollen. Sie wollen nur Desinformation betreiben und zusammen mit ihrem Kollegen Kotré die Hähne für russisches Gas wieder öffnen,

damit wir wieder in die alten Abhängigkeiten hineingeraten, weil Sie ja sowieso tolle Verbindungen nach Russland haben. Ohne uns!

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
7 Vermerkeca. 595 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Geothermie hat großes Potenzial; wir haben es schon mehrfach gehört. Nach wie vor wird das Potenzial in Deutschland leider nicht entsprechend ausgeschöpft. Bei der Geothermie ist es vor allem übrigens so: Durch diese Form der Energiegewinnung könnten wir circa ein Fünftel des gesamten Wärmebedarfs in Deutschland decken; das Fraunhofer-Institut spricht sogar von einem Potenzial von 300 Terawattstunden bei dieser Form der Energiegewinnung.

Bei der Tiefengeothermie ist es übrigens so, dass sich 80 Prozent der aktuellen Projekte in Bayern befinden. Wir wollen dieses Potenzial in Bayern natürlich weiter nutzen, aber auch in ganz Deutschland, meine Damen und Herren.

Nimmt man die oberflächennahe Geothermie dazu, dann könnten wir in ganz Deutschland insgesamt circa 40 Prozent des Wärmebedarfs durch Geothermie decken. Es ist natürlich schön, dass das langsam auch bei der Ampel ankommt und unsere Vorschläge teilweise entsprechend aufgenommen wurden.

Was habt ihr denn gemacht bisher?

Das freut uns natürlich. Wir sind in dem Fall gerne Serviceopposition. Aber es ist so, dass das viel zu wenig ist. Ihrem Strategiepapier zufolge wollen Sie lediglich 10 Terawattstunden bis 2030 erschließen. Das ist natürlich zu wenig, meine Damen und Herren.

Wir haben in unserem Antrag insgesamt 17 konkrete Vorschläge gemacht, und einige der Vorschläge fanden ja auch Eingang in Ihren Gesetzentwurf. Es war ja beim letzten Mal schon so, dass es dem einen oder anderen gar nicht so leichtfiel, den Antrag von uns abzulehnen. Uns freut es natürlich, dass auch die Geothermieprojekte zukünftig als „im überragenden öffentlichen Interesse“ eingestuft werden und hier eine gewisse Ungleichbehandlung aufgehoben wird; das haben wir entsprechend gefordert.

Aber trotzdem ist es natürlich nicht der große Wurf, den Sie hier vorstellen. Wir brauchen auch eine Absicherung der Fündigkeitsrisiken. Da kommen wir gerne ins Gespräch. Ich habe schon gehört, dass hier Vorschläge über die KfW kommen sollen, aber natürlich auch gerne in Zusammenarbeit mit den Ländern. Wir brauchen diese Absicherung der Fündigkeitsrisiken, weil nur so die Geothermie breitflächig ausgerollt werden wird. Es kann ja nicht sein, dass eine Kommune vor der Pleite stehen würde, wenn beim Bohren nichts gefunden werden würde.

Nutzen Sie also das Potenzial! Geben Sie den Kommunen Planungssicherheit! Im Übrigen brauchen die Kommunen auch Planungssicherheit, wenn es um den Bau der Fernwärmenetze geht. Das Hin und Her bei Ihrer Förderpolitik hat auch bei den Kommunen zu einer großen Verunsicherung geführt.

Nein, hat es nicht!

Schaffen Sie also Verlässlichkeit auch für die Kommunen, wenn es um den Ausbau der Fernwärme geht, meine Damen und Herren!

Beifallbei der CDU/CSU

Es braucht nach wie vor auch mehr Daten. Es gibt Ansätze dazu im Gesetzentwurf; aber auch hier braucht es entsprechend noch ein Mehr. Hier helfen wir natürlich gerne, wenn es darum geht, das Gesetz noch besser zu machen.

Letzten Endes packen wir gerne miteinander an. Es gibt nach wie vor viel zu tun, auch im Bereich der Geothermie. Wenn ich auf dieses Gesetz blicke, dann muss ich sagen, dass es beileibe schon schlechtere Gesetze der Ampel gab.

Das ist ein großes Lob!

Aber bei der Vielzahl an schlechten Gesetzen der Ampel ist es ja auch nicht so schwer, dass es mal ein besseres in dieser Reihe gibt.

Wenn es Ihnen darum geht, einmal Praxisprojekte zu besichtigen, dann lade ich Sie natürlich alle gerne in meine oberbayerische Heimat ein. Da gibt es zahlreiche Geothermieprojekte – nicht nur in München, sondern auch in anderen Regionen, beispielsweise in Erding; aber auch in Vaterstetten wird ein großes Geothermieprojekt initiiert. Auch hier brauchen die Kommunen Planungssicherheit. Darum bitte ich Sie, dass wir – in dem Fall auch gerne miteinander – ein gutes Gesetz schaffen und die Fündigkeitsrisiken, die wirklich ein großes Hindernis für die Kommunen darstellen, langfristig angehen.

Recht bald sogar!

In dem Sinne: Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
4 Vermerkeca. 266 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir dürfen uns alle glücklich schätzen, dass uns nicht nur die Sonne wärmt, sondern auch Mutter Erde in der Tiefe ein kaum erschöpfliches Potenzial an Wärme bereithält. In der Koalition wollen wir bis 2030 50 Prozent der Wärme klimaneutral erzeugen. Dabei kommt der Geothermie eine wichtige Rolle zu.

Die Große Koalition hat ihre Ausbauziele seinerzeit deutlich verfehlt, auch weil man sich von vermeintlich günstigem Gas hat blenden lassen – russischem Gas, zu dem die AfD jetzt ja in völliger Verblendung wieder zurückkehren will.

Speziell die Tiefengeothermie hat viele Vorteile: Grundlastfähigkeit, geringer Platzbedarf, sie ist sauber und weitgehend emissionsfrei, Tag und Nacht im Sommer und im Winter verfügbar. Es ist keine Frage: Ihr Ausbau muss deutlich beschleunigt werden. Es ist richtig, diesem Ausbau ein überragendes öffentliches Interesse zuzuerkennen und Verwaltungsverfahren zu kürzen und zu vereinfachen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dirk-Ulrich Mende [SPD]

Dabei muss der Schutz unseres Trinkwassers vollständig gewahrt bleiben. Bei mir zu Hause im Oberrheingraben – es ist ja schon darüber gesprochen worden – haben Projekte der Tiefengeothermie in der Vergangenheit zu seismischen Komplikationen geführt. Die Technik ist aber besser geworden, und kontinuierliches Monitoring schafft Sicherheit.

Vor diesem Hintergrund ist es sehr wichtig, die Bürger/-innen frühzeitig einzubeziehen und in Genehmigungsverfahren Luft zu lassen für sachgemäße Prüfungen und ausreichende Antragsfristen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dirk-Ulrich Mende [SPD]

Bei der Tiefengeothermie unterscheiden wir zwischen hydrothermaler Geothermie, bei der warmes Tiefenwasser genutzt wird, und petrothermaler Geothermie, bei der Wasser unter Druck in die Tiefe gepresst wird. Beide sind sicher handhabbar – zweifellos –, unterscheiden sich aber in ihrer Komplexität. Umweltverbände empfehlen, in den Antragsverfahren zwischen beiden Formen zu differenzieren. Das sollten wir im parlamentarischen Verfahren diskutieren.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Konrad Stockmeier [FDP]
6 Vermerkeca. 263 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Warum sind viele Schulen unsaniert? Weil das Geld fehlt. Warum verfallen Brücken, Schienen und Straßen? Weil das Geld fehlt. Warum zögern Kommunen beim für Geothermie notwendigen Ausbau der Fernwärme? Weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen und das Geld fehlt. Warum fristet Tiefengeothermie ein Nischendasein? Weil das finanzielle Risiko zu groß ist. Aber wann haben Stadtwerke und Firmen Wärmespeicher errichtet? Wann haben Bürgerinnen und Bürger Wärmepumpen in ihre Immobilien eingebaut? Wenn die Rahmenbedingungen stimmten und es sich rechnete.

Beifallbei der Linken

Und die Ampel? Die Ampel kümmert sich um Planungsbeschleunigung statt um sichere Rahmenbedingungen und Finanzierung; denn das kostet im aktuellen Haushalt kein Geld. Aber jede Aushöhlung von Beteiligungsrechten von Bürgerinnen und Bürgern kostet Vertrauen. Der überhastete und überflüssige Ausbau des beschleunigten LNG-Terminals in Mukran kostet Milliarden und zerstört Vertrauen – so wie jede gebrochene Zusage von Regierungen, so wie jedes kürzlich eingestellte Förderprogramm oder ständige Regeländerungen. All das zerstört die Bereitschaft zu notwendigen Veränderungen und bewirkt Angst bei Bürgerinnen und Bürgern, bei Unternehmen und Kommunen.

Die Linke will sichere Rahmenbedingungen,

Beifallbei der Linken

zuverlässige Planungsentscheidungen, aber eben auch ausreichende Förderprogramme sowohl für Tiefengeothermie als auch für Wohnungseigentümerinnen und Wohnungseigentümer für die Wärmesanierung,

Beifallbei der Linken

eine garantierte Warmmietenneutralität und ausreichend Mittel für effiziente Wärmenetze. Das ist wichtiger als die x-te Planungsbeschleunigung.

Beifallbei der Linken

Noch mal: Die Linke will Planungssicherheit und Finanzierungssicherung auch für Tiefengeothermie. Zusätzlich brauchen wir ausreichende Versicherungen zur Absicherung gegen mögliche Schäden bei der Anwendung von Tiefengeothermie.

Und ein kleiner Kommentar zur AfD: Wenn Sie die Haftungsregeln bei der von Ihnen so gefeierten Atomenergie ernst nehmen würden, dann müssten Sie diese sofort beerdigen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
5 Vermerkeca. 667 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

„Deutsche demokratische Altfraktionen“ heißt das!

Sehr geehrte Damen und Herren auf den Zuschauertribünen und vor den Bildschirmen! Ich freue mich sehr, dass ich heute hier zu dem vorliegenden Gesetzentwurf zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren von Geothermieanlagen, Wärmepumpen und Wärmespeichern sprechen darf. Ich freue mich, weil wir mit der, wie ich immer gerne sage, Zukunftskoalition tatsächlich seit 2021 auf dem Weg sind, Geothermie als das wahrzunehmen, was es ist, nämlich klimaneutral, erneuerbar und grundlastfähig, eine Energiequelle, die Zukunft hat und die uns aus der Abhängigkeit mit anderen Ländern, insbesondere aus der Abhängigkeit von der UdSSR, herausführen kann.

Lachenbei der AfD

UdSSR? Die gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr! So viel zur Zukunftskoalition!

– Aus der Abhängigkeit von Russland herausführen kann. Vielen Dank für den Hinweis. Sie kennen sich mit Russland besser aus als ich.

Sie leben in der Vergangenheit, Herr Kollege!

Ich mache seit 15 Jahren, seit 2009, Werbung für Geothermie. Ich mache das deshalb, weil ich 2009 zum Oberbürgermeister der Stadt Celle gewählt worden bin, einer Stadt, die auch Klein-Texas genannt wird, weil dort seit über 160 Jahren die Erdölindustrie zu Hause ist, und zwar die Erdölindustrie für Deutschland, Europa und die Welt; eine Stadt, in deren Landkreis, in Wietze, 1858 die erste fündige Erdölbohrung der Welt stattgefunden hat; eine Stadt, die mit großen, im globalen Wettbewerb führenden internationalen Firmen die zentralen Kenntnisse für Bohrungen in der Tiefe hat.

Die Industrie wusste damals schon lange, dass die Kenntnisse dort nicht nur für die Erschließung und Förderung von Erdöl und Erdgas relevant sind, sondern gleichermaßen für den Bereich der mitteltiefen und tiefen Geothermie. Das sind Kenntnisse und Fähigkeiten, die sich mit denen der NASA, denen der Weltraumforschung, mit denen, die man im Weltall braucht, absolut vergleichen lassen.

Vor dem Hintergrund, dass die Wirtschaft schon damals Erdöl und Erdgas als endliche Energieträger erkannt hat, gab es entsprechende Initiativen, gemeinsam mit der Stadt einen Verein zu gründen, um das Thema Geothermie, und zwar insbesondere Tiefengeothermie, neben Erdgas und Erdöl auf den Weg zu bringen. 2010 haben wir den Verein GeoEnergy Celle e.V. gegründet, und seitdem bin ich auf allen politischen Ebenen dabei, für diese Energieform, für Tiefengeothermie, Werbung zu machen.

Mit dem europaweit einmaligen Bohrsimulator und mit der Bohrmeisterschule in Celle entsteht neues Wissen, das im Bereich der Nutzung von Geothermie gleichermaßen wie bei fossilen Energieträgern aus dem Boden genutzt werden kann und genutzt wird. Unsere Ingenieure, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unsere Firmen aus Celle sind an allen großen geothermischen Projekten in Deutschland, auch in München, beteiligt.

Wir, die Fortschrittskoalition, setzen mit dem Gesetzentwurf fort, was unsere Koalition seit 2021 auszeichnet. Seitdem fördern wir effiziente Wärmenetze und Geothermieprojekte. Mit dem jetzigen Gesetzentwurf schaffen wir heute und in den kommenden Wochen die Grundlagen dafür, dass es noch mehr Möglichkeiten und vor allen Dingen – das ist entscheidend – schnellere Verfahren gibt, um geothermische Anlagen in Deutschland zu entwickeln und auf den Weg zu bringen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Konrad Stockmeier [FDP]

Und gerne noch mal zur Wiederholung einige Aspekte, die diese Verkürzung der Verfahren mit sich bringen. Die zuständigen Behörden müssen binnen eines Jahres über die Genehmigung einer Bohrung im Zuge von Tiefengeothermieprojekten entscheiden. Bei Wärmepumpen, die Geothermie nutzen, muss die bergrechtliche Genehmigung innerhalb von drei Monaten erfolgen. Es wird Bergämtern die Möglichkeit eingeräumt, auch bei größeren Projekten zur Wärmeerzeugung unter bestimmten Voraussetzungen von der Betriebsplanpflicht abzusehen. Die gerichtlichen Verfahren – auch darauf ist schon hingewiesen worden – werden verkürzt, weil gleich beim OLG entsprechend entschieden wird.

Meine Damen und Herren, Sie sehen, wir haben Vertrauen in unsere Ingenieure, wir haben Vertrauen in unsere Ingenieurskunst, in das Wissen und in die Fähigkeiten der Wirtschaft und in unsere Arbeitnehmer/-innen in Deutschland, in diejenigen, die hier vor Ort, in Celle, in Deutschland ausgebildet wurden, die hier forschen und für weltweite Projekte Verantwortung übernehmen. Wir setzen das um, woran andere in den vergangenen Jahren gescheitert sind, und wir beschreiten den Weg in eine nachhaltige Zukunft.

Ich lade Sie ein, nach Celle zu kommen, um sich anzugucken, was wir mit unserem Bohrsimulator, was wir in der Bohrmeisterschule an Ausbildung leisten. Das ist wirklich Spitzentechnologie aus Niedersachsen, aus Deutschland. Sie sind herzlich eingeladen, sich das vor Ort einmal anzugucken.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
10 Vermerkeca. 548 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Schon wieder ein Beschleunigungsgesetz! Die links-grüne Ampel will wohl schnell noch vollendete Tatsachen schaffen, bevor sie vom Wähler hinweggefegt wird. Ihre Angst davor ist berechtigt.

Und auch schon wieder ein Griff in die autokratische Trickkiste! Wieder wird ein neues Ermächtigungsgesetz auf den Weg gebracht. Jetzt sollen auch noch Wärmepumpen und Geothermie im überragenden öffentlichen Interesse sein, und sie würden der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit dienen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.

Umweltrechtliche und baurechtliche Vorschriften werden niedergewalzt. Die Risiken von verunreinigtem Grundwasser aufgrund freigesetzter Schwefelwasserstoffe oder Schwermetalle oder eben auch induzierte Erdbeben durch Beeinflussung der tektonischen Spannungen werden systematisch unterschlagen. Die Stadt Staufen im Breisgau lässt an dieser Stelle grüßen. Meine Damen und Herren, die Vermeidung von Risiken hat bei diesem Gesetz keine ausreichende Lobby mehr – leider.

Beifallbei der AfD

Keine andere Art der Raumbeheizung ist so ineffizient, teuer und energiehungrig wie Wärmepumpen. Insbesondere im Winter sinkt die Leistungsfähigkeit und steigt der Strombedarf gewaltig. Das wird nun weiter planwirtschaftlich privilegiert. Aber zum Beispiel die Sanierung von Schulen, von Kindergärten, von Brücken und von Straßen wird vernachlässigt.

Kommen Sie mal bei uns vorbei!

Das muss demgegenüber zurückstehen.

Die Infrastruktur ist marode; aber Hauptsache, die Links-Grünen befriedigen noch schnell ihre letzten drei verbliebenen Wähler. Eine Regierung, die solche Prioritäten setzt, hat jegliche Glaubwürdigkeit verloren, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Die Links-Grünen leben mit ihren subventionierten Fantastereien auf Kosten der Gesellschaft. Wir kennen das. Im Landtag Brandenburg zum Beispiel hat die grüne Fraktion über ihre Verhältnisse gelebt. Es fehlen Gelder für die Bezahlung von Mitarbeitern, und jetzt sollen die Steuerzahler für diese Misswirtschaft aufkommen.

Liebe Freunde, liebe Damen und Herren, das ist links-grüne Politik; das ist ihr Markenkern: Leben auf Kosten anderer. Hauptsache, die eigenen Fantastereien werden ausgelebt!

Aber jetzt zerplatzen diese, wie zum Beispiel die ideologische Transformation hin zur wasserstoffbasierten Planwirtschaft. Norwegen stellt das Projekt der Wasserstoffleitung nach Deutschland ein. Bei thyssenkrupp hat man endlich eingesehen, dass es ein Schildbürgerstreich ist, mit Wasserstoff Stahl herstellen zu wollen, aber eben leider erst, nachdem Milliarden Euro ausgegeben worden sind für nichts und wieder nichts.

Meine Damen und Herren, ich habe mir nie vorstellen können, wie Mao Tse-tung Ende der 50er-Jahre in China davon träumte, dass jeder Chinese seinen Hochofen hat und für die Volkswirtschaft Stahl produziert.

Heiterkeitdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Das ist so gemacht worden und war natürlich ein Riesendesaster. Damit steht er in seiner Dummheit aber nicht allein; die Ampel macht ja genau das Gleiche, entgegen den Gesetzen von Physik und Ökonomie. Sie fabulieren was von E-Mobilität, die umweltverträglich oder wettbewerbsfähig sei, von Wärmepumpen – die nicht effizient sind – oder eben von Wasserstoffturbinen, die es noch gar nicht gibt, meine Damen und Herren.

Zurufdes Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Beenden wir diesen Firlefanz! So was ist keine Aufgabe der Lenkungsfunktion eines Staates. Man kann diese Technik unter Einbeziehung und Beachtung aller Risiken natürlich nutzen,

aber bitte schön ohne einen einzigen Euro Steuergeld und ohne Privilegierung, meine Damen und Herren.

Ja! Genau so ist es!

Was uns bei der Wärme wirklich weiterbringt, sind preiswertes Öl und Gas.

Aha! Die Scheichs lassen grüßen! Lobbyist der Scheichs!

Hat Ihnen Putin aufgeschrieben, den Satz!

Wir kriegen ja immer noch russisches Gas; nur sagt das keiner. Also, seien wir an dieser Stelle doch mal ehrlich: Wir brauchen auch russisches Gas.

Also: Beendigung der schädlichen Sanktionen, Inbetriebnahme von Nord Stream 2. Dann haben wir wieder sozialverträgliche Energiepreise. Es gibt schon längst eine zivilgesellschaftliche Bewegung gegen die Sanktionen: „Stoppt die Sanktionen!“.

Ganz dringend zum Schluss!

11 Vermerkeca. 461 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Schlussworte meines Vorredners von der AfD sind bezeichnend, desavouierend – insofern möchte ich Ihnen fast dafür danken, dass Sie sie ausgesprochen haben –:

Geschenkt!

Sie wollen uns wieder in die Abhängigkeit des Energielieferanten bringen,

In der sind wir!

der uns im Sommer 2022 den Gashahn zugedreht hat, als es ihm in den Kram gepasst hat.

Das wollen Sie. Sie arbeiten gegen deutsche Interessen.

Da agieren Sie doch gegen!

Das kann in diesem Hause nicht oft genug betont werden.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Worum geht es denn hier? Ganz einfach darum: Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt, nämlich manchmal direkt im Untergrund? Ich meine eine Wärmequelle, die uns unabhängig macht und sicherer leben lässt, weil wir dann nämlich auf Lieferanten von fossiler Energie, die unsere Freiheit bekämpfen, nicht mehr angewiesen sein werden. Ich betone es noch mal: Den Winter 2022/23, in den uns üble Abhängigkeiten gebracht haben, wollen wir nicht wieder erleben.

Und wir haben es auch in der Hand, dass wir ihn nicht wieder erleben; dafür ist Geothermie eines der Mittel der Wahl.

Beifallder Abg. Carina Konrad [FDP]

Da geht mehr in Deutschland, bedeutend mehr. Und es ist auch wichtig, festzustellen: Wir betreten hier kein technologisches Neuland. Wir gewinnen Wärme auf eine Art und Weise, die vielfältig erprobt und getestet worden ist. Ja, in der Vergangenheit gab es auch technische Fehler, die die Bevölkerung vor Ort beeinträchtigt haben; aber genau daraus kann man etwas lernen. Kollege Mehltretter hat beispielsweise schon die erfolgreichen Projekte in München zur Sprache gebracht.

Kollege Kotré von der AfD, Sie reden bezeichnenderweise selbstverständlich wieder nur von Staufen und gehen nicht noch ein paar Kilometer weiter nach Süden,

Er hatte leider nur vier Minuten Redezeit! Sonst wäre da noch mehr gekommen!

wo es ein Positivbeispiel gibt, nämlich nach Basel, wo es vor einigen Jahren in der Tat schwere Pannen bei einer geothermischen Bohrung gab. Dann ist sie eingestellt worden. Man hat sie technisch verbessert und bei diesem Verbesserungsprozess die Bevölkerung vor Ort so mitgenommen, dass in Basel jetzt wieder eine breite Zustimmung der Bevölkerung vorhanden ist, diese Bohrungen sicher fortzusetzen

Ja, denen ist wahrscheinlich der ganze Schaden bezahlt worden! Passiert das in Deutschland auch?

und damit zu einer unabhängigen Energieversorgung und Wärmeversorgung dieser wunderbaren Stadt beizutragen. Es ist also möglich.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit Steuergeldern!

Was ist zu den Versicherungsrisiken rund um das Thema Geothermie zu sagen?

Da gibt es die Fündigkeitsrisiken, die wir über ein KfW-Programm so abdecken wollen, dass sich kommunale Energieversorger, die sich darauf einlassen, selbstverständlich nicht ins wirtschaftliche Unglück stürzen, sondern dass sinnvoll abgefedert wird. Was etwaige Schadensrisiken betrifft, wird ja immer so getan, als ob es nicht längstens Betriebshaftpflichtversicherungen für Unternehmen, die solche Bohrungen durchführen, gibt. Da werden wir an der ein oder anderen Stelle unter die Lupe nehmen, ob man so was noch verbessern kann, und es dann auch tun. Aber es gibt diese Betriebshaftpflichtversicherungen, und sie werden längstens auch auf dem freien Markt angeboten.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der Abg. Dirk-Ulrich Mende [SPD] und Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir wollen dieses Gesetzgebungsprojekt auch zügig vorantreiben, damit die Geothermie in den kommunalen Wärmeplanungen –

ca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
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– berücksichtigt werden kann, die längstens landauf, landab im Gange sind. Das ist deswegen auch angezeigt, weil wir – –

ca. 1 WörterReaktionswert: ruhig
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Ja?

5 Vermerkeca. 147 WörterReaktionswert: lebhaft
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Nein.

Da kommt in der Regel außer Desinformation nicht viel rüber.

– Also, das Wort „Wahrheit“ sollten Sie nicht unbedingt in den Mund nehmen.

Wenn ich jetzt an dieser Stelle auch ganz besonders die Bürgerinnen und Bürger in meinem Heimatwahlkreis Mannheim grüßen darf, dann deswegen, weil wir genau dort die Fernwärmeversorgung mit viel Engagement auch auf eine klimaneutrale geothermische Versorgung umstellen wollen. In Mannheim weht ein freier Geist; da sprechen die Menschen direkt miteinander. Da haben wir schon mehrere Veranstaltungen durchgeführt, in denen wir Sorgen und berechtigte Fragen der Menschen aufgegriffen haben. Das kann man beantworten; das kann man erklären. Und jetzt sind viele dabei, die in Mannheim an eine klimaneutrale Fernwärmeversorgung ranwollen, weil sie nämlich vom Winter 2022/23 mit den Abhängigkeiten, die Sie hier fortwährend verharmlosen und in die Sie uns zurückbringen wollen, genug haben.

Beifallder Abg. Dr. Manuela Rottmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Gemeinsam mit diesen Menschen werden wir diesen Weg beschreiten.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Daniel Baldy
Foto: Daniel Baldy/ Thomas Trutschel
9 Vermerkeca. 879 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich mit einem Zitat beginnen:

„Die aktuelle Gefährdungslage für die IT bleibt hinsichtlich des zu verzeichnenden Angriffspotenzials kritisch. Nicht nur die Anzahl schwerer Sicherheitslücken in den meistverbreiteten IT-Systemen rangierten auf sehr hohem Niveau. Auch die Werkzeuge zur Ausnutzung dieser Verwundbarkeiten stehen einer immer größer werdenden Anzahl an Angreifern zur Verfügung, die diese aus der Anonymität des globalen Cyber-Raums für ihre Zwecke einzusetzen bereit sind. Im Fadenkreuz der Angriffe stehen, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven heraus, Bürgerinnen und Bürger, staatliche Stellen, Forschungseinrichtungen, Wirtschaftsunternehmen und auch Betreiber Kritischer Infrastrukturen … in Deutschland.“

Zitat Ende.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, als dieses Zitat entstand, war Deutschland frischgebackener Fußballweltmeister, „Wetten, dass …?“ lief letztmals mit Markus Lanz, und „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer führte die deutschen Singlecharts an. Es war das Jahr 2014, und der Bundesinnenminister, der diese mahnenden Worte im Vorwort des jährlichen IT-Lageberichts des BSI formulierte, hieß Thomas de Maizière.

Zu diesem Zeitpunkt führte die Union schon neun Jahre das Innenministerium und sollte das noch weitere sieben Jahre tun. Die Lage hat sich seit diesen Worten nochmals verschärft. Und leider gilt einmal mehr festzuhalten: Wir stünden heute vor wesentlich kleineren Aufgaben in der Cybersicherheit, wenn damals nicht nur die richtigen mahnenden Worte gefunden, sondern eben auch die richtigen Entscheidungen des jeweiligen Innenministers getroffen worden wären.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie der Abg. Sabine Grützmacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die waren an die SPD gerichtet, Ihre Worte!

Aber auch nach Ihrer Regierungszeit wurde es ja leider nicht besser. Das Thema „Cybersicherheit und das BSI als zentrale Cybersicherheitsbehörde des Bundes“ haben Sie auch in dieser Legislaturperiode bisher eigentlich komplett links liegen lassen und ignoriert.

Ihnen ist schon klar, dass Sie an der Regierung sind?

Eine Ausnahme gab es: Als es um Personalfragen beim BSI ging, da waren Sie plötzlich ganz vorne mit dabei.

Die Gefährdungslage hat sich seit 2014 sogar noch verschärft, insbesondere seit 2022. Ja, einer der Hauptakteure im Bereich der hybriden Bedrohung ist, wie Sie es in Ihrem Antrag schreiben, Russland. Das zeigen Cyberangriffe auf Parteien, das zeigt die Doppelgängerkampagne, das zeigen Attentatspläne wie im Falle des Rheinmetall-Chefs und vieles mehr. Russland bedient sich aller Mittel und Wege der hybriden Bedrohung, und dazu gehören eben auch Cyberangriffe.

Aber es ist nicht nur Russland, das uns bedroht. „Russland ist der Sturm, China ist der Klimawandel“, wenn es um hybride Bedrohungen und Cyberangriffe geht, sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang zu Recht. Ja, deshalb ist die EU-Richtlinie über Maßnahmen für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau in der Union, kurz: NIS-2-Richtlinie, so wichtig. Und ja, deshalb muss und wird sie auch so schnell wie möglich kommen.

Vor diesem Hintergrund konnte ich Ihren Antrag im Juni ja noch verstehen, als es noch keinen beschlossenen Regierungsentwurf gab. Auch über die inhaltlichen Forderungen des Antrags, den Sie geschrieben hatten, bestand ja damals schon große Einigkeit. Ich erinnere mich an den Kollegen Höferlin, der ja quasi eine Checkliste geführt hat und eine Forderung nach der anderen abgehakt hat. In der Zwischenzeit liegt der Regierungsentwurf, auf den Sie im vorliegenden Antrag, über den wir heute sprechen, ja so vehement pochen, schon auf dem Tisch.

Er kam am Dienstag auf die Tagesordnung!

Um den Kollegen Höferlin zu zitieren: Punkt eins Ihres Antrags ist damit also abgehakt.

Wenn Sie sich die Mühe gemacht hätten, den Regierungsentwurf zu lesen, dann hätten Sie eigentlich auch konsequent sein und hätten den Antrag zurückziehen müssen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Sabine Grützmacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist ja mutig!

Denn das, was Sie in Ihrem Antrag formulieren und was Sie fordern, das findet sich im Gesetzentwurf der Bundesregierung, den wir ja dann am Freitag in erster Lesung beraten, eins zu eins wieder, liebe Unionsfraktion.

Dann hätten wir ja die Debatten zusammenlegen können!

Es ist vollkommen richtig, dass KRITIS-Betreiber als Mehrwert für den eigenen Meldeaufwand im Gegenzug mit Informationen über andere Cybersicherheitsvorfälle unterrichtet werden sollen. Genau deshalb wird das BSI auch eine Onlineplattform zum Informationsaustausch einrichten. Wir nehmen dabei alle Betreiber und Einrichtungen mit. Meldewege – das schreiben Sie vollkommen zu Recht – dürfen keine Einbahnstraße sein, und sie werden es eben auch nicht sein, liebe Unionsfraktion.

Das Rad wird nicht jedes Mal neu erfunden, es muss auch hier nicht neu erfunden werden. Das entlastet sowohl die Unternehmen als auch die Verwaltung. Betreiber von „besonders wichtigen Einrichtungen“, wie es das Gesetz formuliert, und ihre Branchenverbände werden nämlich die Möglichkeit haben, branchenspezifische Standards bei den Risikomanagementmaßnahmen vorzuschlagen. Das vereinfacht die Umsetzung, stärkt die Sicherheit durch Best-Practice-Nutzen und entlastet am Ende alle, Staat und Unternehmen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Weiter fordern Sie in Ihrem Antrag, dass europaweit tätige Unternehmen nur in einem Land den Meldepflichten nach NIS 2 unterliegen sollen. Die Forderung ist gut, aber eine solche Regelung steht auch schon in der NIS-2-Richtlinie selbst – Sie haben also einmal mehr abgeschrieben; das ist bei der Union nichts Neues – und ist dementsprechend auch im Regierungsentwurf zu finden.

So kann man Ihren Antrag Punkt für Punkt, Forderung für Forderung durchgehen und überall – ich zitiere noch mal den Kollegen Höferlin – einen Haken dranmachen. Ihre Forderungen sind also entweder durch die EU-Richtlinie selbst oder durch den Gesetzentwurf bereits berücksichtigt.

Danke für das Lob!

Auch wenn Sie am liebsten – das merkt man ja an Ihrem Antrag und jetzt an Ihrer Reaktion – dem Gesetzentwurf eigentlich schon am Freitag in der ersten Lesung zustimmen würden, weil alle Ihre Forderungen schon umgesetzt sind,

Zurufdes Abg. Marc Henrichmann [CDU/CSU]

gibt es doch noch Punkte, die wir im parlamentarischen Verfahren verbessern können, und die diskutieren wir dann. Da freue ich mich auf die Beratungen und auf die Debatte. Vor allen Dingen freue ich mich auf Ihre Zustimmung.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Marc Henrichmann
Foto: Marc Henrichmann/ Anja Tiwisina
6 Vermerkeca. 688 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Das ist hier schon einigermaßen der Hammer. Als wir unseren Antrag im Juni dieses Jahres eingereicht haben, gab es fünf Referentenentwürfe der Ampel, Diskussionspapiere, Werkstattgespräche. Sie kamen bei der Cyberabwehr einfach nicht zu Potte.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir haben als Opposition getrieben: Oppositionsarbeit wirkt. Jetzt so zu tun, als hätten Sie das alles hier gemacht und wir wären sozusagen hintendran gewesen, verdreht die Realitäten komplett, meine Damen und Herren.

Es ist in der Tat richtig: Uns ist damals in der ersten Lesung gesagt worden, alles, was wir eingebracht hätten, sei entweder schon erledigt oder von der Ampel berücksichtigt. Nur, der Juni ist mittlerweile vier Monate her. Und Ihre Vorlage, die Sie am Freitag übrigens nicht gemeinsam mit unserem Antrag, sondern separat beraten wollen – deswegen sind wir jetzt zweimal zu diesem Thema prominent vertreten; das ist auch gut –, haben Sie lange, lange liegen lassen und im Ausschuss kaum beraten.

Ich will Ihnen mal ein paar Punkte sagen, die uns wichtig sind:

Erstens. Sie sprechen von der Zentralstelle BSI. Wunderbar, da sind wir dabei! Aber einen Punkt will ich mal nennen – die Kritik daran kommt übrigens nicht nur von uns, sondern auch von Bitkom –: Sie kürzen die Mittel für das BSI, das Sie zur Zentralstelle aufwerten wollen, um 21 Millionen Euro. Sie wollen dem BSI neue Aufgaben aufbürden – neben der Beratung von Herstellern, Vertreibern, Anwendern, neben dem Verbraucherschutz und der Verbraucherberatung, neben der Definition, was eigentlich Stand der Technik ist, und entsprechenden Veröffentlichungen. Das bedeutet unterm Strich für das BSI: mehr Arbeit, weniger Geld. Und Sie glauben ernsthaft, dass Ihr Plan aufgeht? Der ist zum Scheitern verurteilt, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Kollege Baldy, in der ersten Lesung im Juni hatten Sie noch gesagt, Sie freuten sich auf die gemeinsamen Beratungen im Ausschuss. Das Thema haben aber wir als CDU/CSU im Ausschuss aufgerufen, die Ampel leider nicht. Sie wollten das Thema gar nicht ansprechen, weil Sie eben nicht zu Potte kamen. Auf der einen Seite beschwören Sie den Dialog mit der Opposition und fordern in Sonntagsreden immer so schön eine konstruktive Opposition. Auf der anderen Seite haben Sie an dieser Stelle die Oppositionsarbeit mit Füßen getreten. Das ist alles andere als demokratisch.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweitens. Ich will, weil Sie ja die Zentralstelle ansprechen, auch auf das Thema der Bundesländer, die Sie ja dabei brauchen, zu sprechen kommen. Wenn man mit den Bundesländern – eigentlich egal, welches – spricht, dann erfährt man, dass ihnen sauer aufstößt, dass das Erste, was Ihnen und der Bundesinnenministerin einfällt, ist, zu sagen: Wir brauchen eine Grundgesetzänderung.

Anstatt erst mal zu hören, was die Bundesländer vielleicht einzubringen haben, was sie an berechtigten Forderungen haben, sagen Sie den Ländern ernsthaft: Wir wollen Kompetenzen von euch. – Auch da dürfen Sie sich nicht beschweren, dass es nicht funktioniert; auch da liegt es an der desolaten Kommunikation der Ampel.

Beifallbei der CDU/CSU

Drittens will ich Ihnen mal als Wahlkreisabgeordneter sagen – und das wird, glaube ich, jedem genauso gehen –: Wenn Sie mit Mittelständlern sprechen, die jetzt unter den KRITIS-Begriff fallen, dann erfahren Sie zum Beispiel – das ist ein Punkt in unserem Antrag –, dass es eine Anlaufstelle für Umsetzungsfragen, für die Alltagsfragen, die diese haben, geben muss.

Die Unternehmen erzählen, dass Sie von der Ampel jetzt Folgendes machen: Sie schwächen die Standards für den öffentlichen Sektor, für den Bundesbereich, sukzessive ab, schaffen parallel aber einen Bürokratieaufwand, den Sie ja selber für den Mittelstand und die Unternehmen, die KRITIS-Betreiber, mit fast 2 Milliarden Euro beziffern. Und das Einzige, was Ihnen dazu einfällt, ist, zu sagen: Wir geben ja eine Umsetzungspause von drei Jahren, vorher wird da gar nicht so genau hingeschaut. – Nehmen Sie jetzt Cyberbedrohungen in diesem Land ernst oder nicht? Wenn Sie sagen: „Für drei Jahre schauen wir weg“, habe ich das Gefühl, Sie gucken da nicht genau hin.

Deswegen der Appell: Denken Sie mal über die Annahme unseres Antrages heute nach, weil er viel weiter geht als das, was wir am Freitag diskutieren. Und dann geben Sie sich einen Ruck und stimmen Sie zu, weil Sie damit auch zu erkennen geben, dass Sie einsehen, dass Ihr Gesetzentwurf, den wir Freitag beraten, alles ist, aber nicht genug, um Cybersicherheit in Deutschland herzustellen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
8 Vermerkeca. 735 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuhörer und Zuhörerinnen! Derzeit erreichen uns beinahe täglich Meldungen über Angriffe auf unsere kritischen Infrastrukturen, und unsere Sicherheitsbehörden warnen sich sprichwörtlich den Mund fusselig.

Nicht zuletzt die SDA-Leaks haben gezeigt, wie gezielt wir im Fokus derjenigen sind, die hybride Kriegsführung längst als Teil ihrer perfiden Strategie verstehen, unsere Demokratie anzugreifen und zu versuchen, unsere Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. In aller Klarheit: Der effektive Schutz unserer kritischen Infrastrukturen muss endlich zu einem immanenten Teil einer Sicherheitspolitik werden, die innere und äußere Bedrohungslagen zusammen denkt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Zeitenwende auch in diesem Bereich endlich umzusetzen, hat größte Bedeutung. Darum bin ich der CDU/CSU sogar ein Stück weit dankbar für die Vorlage dieses Antrags. Wir haben uns als Ampel schon auf den Weg gemacht, für ganzheitlichen KRITIS-Schutz zu sorgen. Das wird am Freitag behandelt; das haben wir gerade schon gehört. Aber so haben wir die Möglichkeit, diesem Thema auch heute die gebotene Aufmerksamkeit zu geben.

Ja, um den Schutz unserer kritischen Infrastruktur steht es zweifellos immer noch nicht so gut, wie es sollte; das stimmt. Leider wurde dieses Thema in den vergangenen Jahren – auch und vor allem von den Vorgängerregierungen – wirklich sträflich vernachlässigt. Das rächt sich heute bitter.

– Wir haben es ja gerade gehört – wie war es noch? –: „Atemlos“, glaube ich.

Gibt es jetzt eine Zeitenwende, oder nicht?

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir derzeit bei der Umsetzung der beiden maßgeblichen EU-Vorlagen noch ein Stück hinterherhinken; das stimmt. Wir Grüne tun seit Monaten alles dafür, dass diese notwendigen Schritte in der gebotenen Geschwindigkeit umgesetzt werden.

Aber Ihr Antrag hilft da nicht wirklich. Sie wiederholen exakt die Fehler, die uns eigentlich in die Misere gebracht haben. Zur Erinnerung: Es gibt zwei maßgebliche EU-Richtlinien, die es umzusetzen gilt, NIS 2 und CER. Sie erwähnen zwar beide. Aber ein ganzheitlicher Schutz unserer kritischen Infrastruktur braucht eine tiefer gehende Befassung als eine Randnotiz zu Zweiterem.

Deshalb bringen Sie am Freitag jetzt auch nur das eine ein, oder?

– Wir hatten gerade das Thema Geld. Darauf würde ich jetzt gerne eingehen. Wir sind uns in einem Punkt einig: Die Zeitenwende muss auch hier endlich umgesetzt werden. Aber zur Erinnerung: Waren nicht Sie es, die dafür gesorgt haben, dass die IT-Sicherheit aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen geflogen ist? Ich meine, ja.

Das ist ja auch nicht mehr geworden, das 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen!

Und Sie sind auch diejenigen, die sich beharrlich weigern, mit uns gemeinsam eine Grundgesetzänderung zu machen, mit der Kompetenzen bei der Abwehr von IT-Angriffen von den Ländern auf den Bund übertragen werden. Es gibt Länder, die das explizit fordern. In der Vergangenheit waren Sie eher Team Zaudern als Team Entschlossenheit. Wenn Sie konstruktiv an unserer Sicherheit mitwirken wollen, wäre das eine gute Gelegenheit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dorothee Martin [SPD] und Carina Konrad [FDP]

Aber zu NIS 2: Es ist gut, dass die NIS-2-Umsetzungsgesetzgebung endlich vorliegt. Gut, dass wir endlich Sektoren ausweiten; gut, dass wir Schwellenwerte absenken; und gut, dass wir Sicherheitsauflagen machen. Richtigerweise wird endlich auch das Management von Unternehmen in die Verantwortung für Cybersicherheit genommen; denn IT-Sicherheit ist keine Nischenbeschäftigung der IT-Abteilung, Sie gehört auch in die Führungsetage.

IT-Sicherheit fällt nicht vom Himmel. Sie braucht Entscheidungen für resiliente Technologien. Open-Source-Technologien spielen hierbei eine Schlüsselrolle, da sie durch ihre Offenheit und Anpassungsfähigkeit eine nahtlose Integration in bestehende Infrastrukturen ermöglichen.

Das betont auch die Richtlinie. Diese bestätigt – ich zitiere einmal –:

„Open-Source-Cybersicherheitswerkzeuge und -Anwendungen können zu einem höheren Maß an Offenheit beitragen und sich positiv auf die Effizienz industrieller Innovationen auswirken.“

Mich persönlich freut es, dass auch die EU die Relevanz von Open Source hier noch einmal so deutlich herausstellt.

Auch ein ganzheitlicher Ansatz wird betont; denn die NIS-2-Richtlinie betrachtet erstmalig nicht nur den Erbringer einer kritischen Dienstleistung, sondern auch – das ist besonders wichtig – seine Lieferkette. Das bestgeschützte Produktionssystem produziert ja nur dann, wenn Rohstoffe zur Verfügung stehen. Deswegen soll die Zulieferung sicherer werden; denn erst, wenn wir auch die Lieferketten absichern, können wir resilienter werden.

Genau darum geht es uns: Es geht um Resilienz, es geht um unsere Sicherheit. Wir brauchen einheitliche Mindestsicherheitsstandards. Wir brauchen die Harmonisierung der NIS-2-Umsetzung mit dem KRITIS-Dachgesetz. Das fordern nicht nur wir, das fordert auch die Zivilgesellschaft. Und wir brauchen mit Blick auf den Umstand, dass zahlreiche, vor allem neue kleine und mittlere Unternehmen unter die Gesetzgebung fallen, klare Aufsichtsstrukturen, und wir brauchen gute Beratungen.

Diese Punkte gehen wir am Freitag als Koalitionsfraktionen nach jahrelangem Stillstand entschlossen an. Das ist gut so, und wir freuen uns sehr auf konstruktive Beratungen dazu.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Steffen Janich
Foto: Steffen Janich
6 Vermerkeca. 436 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Aufgabe der Politik ist es, den Bürgern komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass die Bürger verstehen, worum es geht.

Zurufdes Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD]

Die Cybersicherheit ist eine zentrale Herausforderung unseres Jahrhunderts. Unternehmen, Betreiber kritischer Infrastrukturen, aber auch der Staat erleiden durch Cyberangriffe jährlich Schäden, die in eine dreistellige Milliardenhöhe gehen. Datendiebstahl, die Verschlüsselung von IT-Systemen oder das Wirken von Schadprogrammen können Behörden lahmlegen und Unternehmen in die Insolvenz treiben.

Die NIS-2-Richtlinie der EU sieht vor, dass die EU-Mitgliedstaaten ihren heimischen Unternehmen gesetzliche Mindestsicherheitsstandards im digitalen Raum vorschreiben sollen. Sie sollen auch verschärfte Meldepflichten bei sicherheitsrelevanten Vorfällen festlegen: 24 Stunden für einen vorläufigen Bericht, 72 Stunden für einen vollständigen Bericht, innerhalb eines Monats ein detaillierter Bericht an das BSI zum Abschluss. Diese Sicherheitsstandards sollen nun nicht mehr nur für KRITIS-Betreiber verpflichtend sein. NIS 2 weitet den Kreis der Betroffenen nun wesentlich aus, etwa auf Energie, Verkehr, Gesundheitswesen bis hin zu Kurierdiensten.

Wir als AfD begrüßen es grundsätzlich, wenn der Schutz kritischer Dienste im digitalen Bereich verbessert wird. Eine Implementierung verbesserter Sicherheitsstandards im IT-Bereich kostet unsere Unternehmen aber Zeit, Geld und Arbeit. Fehlende Sicherheitsmindeststandards treiben die Kosten für unsere Unternehmen noch weiter in die Höhe, wenn ein Cyberangriff erfolgreich verläuft. Das steht ganz außer Frage.

Der Antrag der CDU – das muss man leider feststellen – leistet keinen substanziellen Beitrag zur verbesserten Cybersicherheit. So schreibt die CDU, dass kleine und mittelständische Unternehmen mit übermäßigen Herausforderungen rechnen müssten.

Das ist doch richtig!

Klein- und Kleinstunternehmen sind aber tatsächlich vom Anwendungsbereich der NIS-2-Richtlinie grundsätzlich ausgenommen. NIS 2 greift erst bei den mittleren Unternehmen ab 50 Mitarbeitern bzw. ab 10 Millionen Euro Umsatz.

Zurufdes Abg. Marc Henrichmann [CDU/CSU]

Bitte schüren Sie, werte CDU, also keine unnötigen Ängste bei Soloselbstständigen und Kleinunternehmern! Die Leistungsträger unserer Gesellschaft haben es ohnehin schon schwer genug, auch ohne Ihre Desinformation.

Beifallbei der AfD

Viel wichtiger wäre es an dieser Stelle, eine konsequente Aufklärungsarbeit zugunsten der Wirtschaft, noch lange bevor ein derartiges Gesetz beschlossen wird, durchzuführen, um betroffene Unternehmen zu überzeugen und ihnen wichtige Installationshilfen zur Hand zu geben. Andernfalls überfordern Sie die Betroffenen vollkommen.

Ich habe zu diesem Thema die Bundesregierung befragt. Das BSI betreibt heute schon einen eigenen Stab zur Personalgewinnung. Es ist schon heute eine Herausforderung, ausreichend qualifiziertes Personal zu gewinnen. Das BSI hat nicht die Kapazitäten, zusätzlich noch jeden Tag ein Lagebild zur Cybersicherheit für Sie zu erstellen und zu veröffentlichen.

Ihnen, verehrte Kollegen von der CDU, teile ich darum mit, und zwar auf ganz analoge Art und Weise: Wir werden Ihrem Antrag jetzt leider nicht zustimmen können.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. Und ich denke, wir sehen uns am Freitag zum gleichen Thema wieder.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
10 Vermerkeca. 755 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Ich werde nicht müde, zu sagen – Sie haben es schon öfter von mir gehört; Sie werden es auch am Freitag wieder hören –: Cybersicherheit ist und bleibt die Achillesferse der modernen Informationsgesellschaft. Das gilt insbesondere für die kritischen Infrastrukturen, für die IT-Netze und die IT-Betreiber dieses Landes. Von daher freut es mich grundsätzlich immer, wenn es Gelegenheit gibt – und sei es ein Antrag der Union –, über dieses Thema zu sprechen. Sie, liebe Kollegen der Union, können sicher sein, dass dieses Thema bei uns in der Koalition mit Nachdruck vorangetrieben wird

Echt? Sechs Monate ist eine übliche Zeit?

und wir diese Probleme auch lösen. Daran arbeiten wir jeden Tag, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Sabine Grützmacher [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie haben gerade in Ihrer Rede beschrieben, Herr Henrichmann, dass wir Ihrem Antrag doch zustimmen sollten und dass wir erst am Freitag einen Gesetzentwurf vorlegen. Soll ich Ihnen sagen, was der Unterschied zwischen unserer Vorlage am Freitag und Ihrem Antrag heute ist? 207 Seiten.

Heiterkeitder Abg. Carina Konrad [FDP]

Ja, Sie haben das Ministerium! Das ist ein Gesetzentwurf!

Ihr Antrag enthält 15 Punkte, die in großen Teilen bereits umgesetzt sind,

Dann stimmen Sie doch zu!

während wir ein umfassendes Gesetz vorlegen, in dem die wesentlichen Punkte nicht nur erfüllt sind, sondern viele andere Punkte auch im weiteren parlamentarischen Verfahren behandelt werden. Das macht am Ende den Unterschied aus: wenn man Dinge ernst nimmt und umsetzt.

– Ja, die Serviceopposition; der Kollege Baldy hat es ja erwähnt. Ich freue mich, wenn ich zitiert werde. Deswegen möchte ich auch ihn erwähnen.

Wir haben viele Häkchen gemacht, und zwar an die 15 Punkte Ihres Antrags, die längst von uns angegangen werden und umgesetzt werden.

„Angegangen werden“, ja?

Das habe ich in der ersten Lesung deutlich gemacht; ich will das heute nicht wiederholen.

Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Jetzt muss er zum zweiten Mal lachen!

Ich möchte aber gerne ein paar andere Punkte aus Ihrem Antrag ansprechen. Darauf will ich gern eingehen.

Zum Beispiel sprechen Sie darüber, dass wir im Zusammenhang mit der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie Kategorien einführen. Ja, das ist richtig. Das führt zu einer Ausweitung von betroffenen Unternehmen. Das ist auch notwendig; denn diese Unternehmen sind elementarer Bestandteil eines IT-Sicherheitsnetzwerkes. Wir sehen doch heute, dass die IT-Angriffe und die Cyberangriffe, die gegen Deutschland gefahren werden, zunehmend auf Lieferketten erfolgen, dass nicht mehr das Unternehmen angegriffen wird, dem man schaden möchte, sondern dass man den Vor- oder den Vorvorlieferanten angreift. Das sind dann oft auch kleinere Unternehmen, die aber nicht minder wichtig sind. Deswegen ist es wichtig und richtig, dass bei der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie das Ganze betrachtet wird. Die digitale Welt ist längst stark vernetzt, genauso wie die Lieferketten in unserem Wirtschaftssystem. Das hat Auswirkungen. Das ist ein wichtiger Punkt, den wir angehen müssen und angehen werden.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Dr. Manuela Rottmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das bringt mich zu meinem größten Kritikpunkt zu Ihrem Antrag. Sie denken IT-Sicherheit immer noch in starken Silos. Gerade bei der Cyberresilienz geht es nicht darum, dass man Listen abhakt. Cybersicherheit ist am Ende auch kein Zustand, sondern immer ein Prozess. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz. Deswegen ist es auch wichtig, die NIS-2-Richtlinie und das KRITIS-Dachgesetz aufeinander abzustimmen. Ein integrierter Ansatz ist wichtig. Wir werden weiter daran arbeiten, dass diese beiden Gesetzesvorhaben zueinander passen, damit die Unternehmen die Vorgaben auch richtig erfüllen können.

Einen Punkt möchte ich aus Ihrem Antrag rausgreifen. Sie fordern ein Lagebild zur Cybersicherheit, das die Betreiber von KRITIS mit Informationen „als Mehrwert für den eigenen Meldeaufwand“ versorgen soll. Das BSI soll also täglich für alle ein Lagebild als Gegenwert für die Meldungen erstellen. Ich finde die Idee hervorragend, dass es keine Einbahnstraße sein soll. Leider haben Sie in Ihren zwei IT-Sicherheitsgesetzen jedes Mal Einbahnstraßen gebaut. Wir werden das nicht tun. Allerdings hilft es niemandem in der Wirtschaft, wenn nachts um 3 Uhr von IT-Spezialisten im BSI tagesaktuell ein Gesamtlagebild erzeugt wird, damit es morgens um 9 Uhr in den Unternehmen vorliegt. Das erzeugt dort Bürokratie, muss dann irgendwie verarbeitet werden

Das ist jetzt aber Wortklauberei!

und hat nur einen sehr bedingten Nutzen. Es hat nur dann einen Nutzen, wenn die Unternehmen etwas erfahren, was ihre Cybersicherheit erhöht. Deswegen ist es gut und richtig, dass wir dafür sorgen, dass bei der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie, entgegen Ihren IT-Sicherheitsgesetzen der Vergangenheit, keine Einbahnstraße entsteht und dass Lagebilder, die vom BSI oder vom Nationalen Cyber-Abwehrzentrum erzeugt werden, den betreffenden Branchen oder den entsprechend relevanten Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Das hilft weiter. Wir brauchen nicht mehr Bürokratie und mehr Informationen zum Abheften, sondern ganz qualifizierte Informationen, die den Unternehmen helfen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP

Sie werden von mir am Freitag den Teil zwei meiner Rede hören. Das ist der Vorteil, wenn wir über das Thema zweimal die Woche diskutieren.

2 Vermerkeca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich werde über ein unabhängigeres BSI und ein effektives Schwachstellenmanagement sprechen. Das sind wichtige Punkte, die in Ihrem Antrag völlig fehlen, aber nicht in unserem 210 Seiten umfassenden Gesetzentwurf.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP

Das BSI wird von Ihnen unterfinanziert!

Beifallbei der CDU/CSU
7 Vermerkeca. 450 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Weil der Kollege Höferlin gerade gesagt hat, dass Sie mit größtem Nachdruck an der Cyberresilienz in Deutschland arbeiteten,

Jeden Tag!

möchte ich mal ein paar grundsätzliche Sachen zu dem Thema sagen. Vor über zweieinhalb Jahren hat Russland sein Nachbarland, die Ukraine, überfallen. Wir hatten hier in diesem Saal wenige Tage danach eine Sondersitzung des Deutschen Bundestags. Der Bundeskanzler hat in dieser Sondersitzung eine Zeitenwende angekündigt – eine Zeitenwende bei der Bundeswehr und eine Zeitenwende bei der Sicherheitspolitik insgesamt. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern; denn es waren die Kolleginnen und Kollegen der Unionsfraktion, die sich nach den Ankündigungen des Kanzlers erhoben und ihm Beifall gespendet haben, um ihrer Unterstützung Ausdruck zu verleihen.

Was der Kretschmer dazu sagt, ist eine andere Frage, oder der Herr Voigt!

Sehr geehrter Kollege Baldy, da Sie hier immer den Mythos verbreiten, dass in der Vergangenheit Dinge liegen geblieben sind, sollten Sie sich mal fragen, warum. Die zitierte Rede von Innenminister de Maizière hat sich an die SPD gerichtet, die damals ihre Blockadehaltung noch aufrechterhalten hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich war vor zweieinhalb Jahren einer von denjenigen, die dachten, dass Sie diese Blockadehaltung jetzt endlich aufgeben und in Deutschland wirklich was bewegen, dass diese Regierung die Energie und die Einigkeit, die damals in Deutschland geherrscht hat, nutzt, um die Dinge wirklich voranzubringen in unserem Land, dass wir Deutschen einen Beitrag leisten für den Frieden in der Welt, für die Sicherheit in Europa und für die Sicherheit in unserem Land.

Wir haben dann wenige Wochen später erlebt, dass bei einem russischen Hackerangriff auf die Ukraine in Deutschland die Steuerungssysteme für die Windenergieanlagen ausgefallen sind. Ich erinnere mich auch noch gut an die Sitzung des Innenausschusses. Damals haben die Staatssekretäre – Herr Saathoff als BMI-Vertreter ist da – angekündigt, dass wir im Rahmen der Zeitenwende auch die Cyberresilienz und die Cybersicherheit in Deutschland in den Fokus nehmen und unsere kritische Infrastruktur schützen. Das ist inzwischen mehr als zwei Jahre her.

Genauso ist es!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, damals haben wir im Ausschuss noch Masken getragen, und die FDP hat damals noch von der „Fortschrittskoalition“ gesprochen.

Traut sich jetzt keiner mehr!

Wir sind schon einen Schritt weiter! Fortgeschritten!

Normalerweise hätte einem angesichts dieser Wortwahl schon auffallen müssen, dass hinter Ihren Ankündigungen schon damals kein echter politischer Wille gesteckt hat. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen. Sie haben nichts getan für die Cybersicherheit in diesem Land.

Dauernd! Jeden Tag!

Dass die Ampel durchaus in der Lage ist, etwas zu tun, wenn sie es denn will, also etwas umzusetzen, was sie angekündigt hat, haben wir auf vielen anderen Politikfeldern gesehen. Sie haben das Heizgesetz verabschiedet, das keiner wollte, und das Bürgergeld eingeführt, das denjenigen hilft, die sich eigentlich selbst helfen müssten.

Da haben Sie ja mitgestimmt!

Sie haben das Selbstbestimmungsgesetz beschlossen. Sie haben Cannabis legalisiert. Und Sie haben sich immer dann gestritten, wenn die FDP nach einer Landtagswahl aus einem Landtag geflogen ist.

1 Vermerkca. 33 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erst als wir den Antrag gestellt haben, quasi jetzt, auf den allerletzten Metern, kurz vor Ende der Umsetzungsfrist haben Sie die Umsetzung der NIS-2-Richtlinie für kommenden Freitag auf die Tagesordnung gesetzt.

Beifallbei der CDU/CSU
ca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ebenfalls versprochene KRITIS-Dachgesetz bleibt aus.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist keine Zeitenwende.

2 Vermerkeca. 10 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber – –

Das Mikrofon wird abgeschaltet
Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
4 Vermerkeca. 878 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Moin, Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Bürgerinnen und Bürger! Herr Oppelt, die Umsetzung einer Cybersicherheitsrichtlinie zu nutzen, um auf das Bürgergeld draufzuhauen, das ist AfD-Niveau; das muss ich wirklich sagen. Das muss nun wirklich nicht sein.

Aber das Anliegen der Union – mehr Cybersicherheit – ist grundsätzlich zu begrüßen. Hoffentlich sind wir uns hier alle einig: Kritische Infrastrukturen können aufgrund nahezu allumfassender IT-Vernetzung manipuliert, abgeschaltet oder gar zerstört werden. Bei der Energieinfrastruktur ist das besonders brisant; denn wenn kein Strom fließt, gehen die Lichter aus, und wenn kein Gas fließt, wird es kalt, und in der Produktion stehen die Bänder still. Von daher ist die Umsetzung der NIS-Richtlinie und weiterer Gesetze im Bereich der Cybersicherheit nicht nur für Innenpolitiker oder Digitalpolitiker relevant, sondern auch für mich als Energiepolitiker.

Und in der Wirkung für jeden Einzelnen von Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, ist es enorm wichtig; denn letztlich geht es um nichts weniger als das Funktionieren des gesellschaftlichen Lebens. Was die meisten Menschen nicht wissen: Wenn irgendwo eine Cyberattacke auf das Energienetzwerk, also auf den Strom, läuft, gibt es auch kein Wasser mehr, und ohne Wasser wird es sehr schnell sehr unangenehm im Leben.

Aber es ist natürlich schon ein peinlicher Zufall, dass genau in der Woche, in der Sie uns in Ihrem Antrag Untätigkeit vorwerfen, das Gesetz zur Umsetzung NIS-Richtlinie am Freitag behandelt wird.

Der ist schon früher eingereicht worden!

Der ist von Juni!

Aber über diesen Zufall kann man ja hinwegsehen. Sie sehen: Das Gesetzgebungsverfahren läuft. Mir ist ein gründliches Ampelgesetz allemal lieber als ein vermurkstes Unionsgesetz.

Richtig ist: Wir müssen jetzt zügig handeln; das stimmt. Lassen Sie mich anhand einiger Windenergieanlagen konkreter machen, warum Cybersicherheit so wichtig ist; gerade ist es ja schon angedeutet worden. Wir bauen ja immer mehr Windenergieanlagen. Die Windparks werden immer größer und effektiver. 2023 standen in Deutschland an Land insgesamt 28 667 Anlagen. Das heißt, Windenergie war mit einem Drittel der Produktion der wichtigste Energieträger. Jeder Dritte von Ihnen hier im Saal hatte – statistisch gesehen – sein Bier und andere Getränke durch Windstrom kühlen lassen; auch der Fernseher lief mit Windstrom.

Gleichzeitig werden die Windparks natürlich als potenzielles Angriffsziel immer attraktiver. Für Staaten oder private Hackergruppen sind sie ein lohnendes Ziel.

Warum haben Sie dann zwei Jahre nichts gemacht? Verstehe ich nicht!

Wir werden währenddessen zwar unabhängiger von einzelnen Staaten und fossilen Energieträgern, aber abhängiger von einer Technologie, die nun mal auf IT basiert und prinzipiell angreifbar ist. Das Gute aber an der dezentralen Versorgung von Energie durch Wind und Sonne ist, dass es sich um verstreute Ziele handelt, die schwieriger zu attackieren sind. Das hat sich – Sie hatten es gerade schon gesagt, Herr Oppelt – bei dem Cyberangriff 2022 auf das KA-SAT-Satellitennetzwerk gezeigt. Die Kommunikation mit den betroffenen Windenergieanlagen – es waren viele, nämlich 5 800 mit einer Gesamtleistung von 11 Gigawatt – war gestört. Wissen Sie, wie viele Anlagen ausgefallen sind? Fünf sind ausgefallen. Das heißt, eine resiliente Energieversorgung erreichen wir nur mit Dezentralität: über Wind, über Solar und über erneuerbare Energie. Und dass wir endlich mehr in diese Technologien investieren, ist ein sehr großer Fortschritt, meine lieben Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Angriffe werden immer ausgeklügelter und ausgefeilter. Einfallstore können die Kommunikationsnetze, die Steuerungselemente, also auch die Bauteile in den Turbinen, oder auch externe Serviceanbieter sein oder gar die ganzen Turbinen, wenn wir anfangen, chinesische Turbinen in Deutschland einzusetzen. Es ist deshalb richtig, dass sich unsere Sicherheitsbemühungen nicht nur auf die Bereiche Sicherheit und Digitales beschränken, vielmehr sind alle gefragt. Die Politik muss strenge und handhabbare Vorschriften machen. Die Regulierungsbehörden müssen diese dann vernünftig umsetzen und Standards durchsetzen. Und es braucht Unternehmen, die sich ihrer Verantwortung auch wirklich bewusst sind.

Dazu zählen zunächst einmal die Hersteller von Windenergieanlagen. Europäische Hersteller werden durch die NIS-Richtlinie adressiert. Klar muss sein: Jede Anlage, die gebaut wird, wird ja nicht nur bei uns in Betrieb genommen, sondern auch in anderen Ländern zugelassen. Das heißt, wir brauchen europäisch harmonisierte Standards. Die Sicherheitsstandards müssen für jede einzelne Komponente gelten. Eine Windenergieanlage besteht aus über 13 000 Teilen; sie sieht zwar nicht so aus, sondern eher wie ein Propeller mit einem Stamm. Selbst wenn wir die ganzen Schrauben und Platinen abziehen, bleiben noch eine ganze Menge Bauteile, die relevant für die Steuerung sind und damit den Betrieb stören oder verhindern können. Ich rede nicht von einer einmaligen Standardisierung, sondern von einem risikobasierten Ansatz über die gesamte Stromproduktion und die gesamte Lebensdauer. Denn wir alle wissen: Gerade im digitalen Bereich gibt es immer mehr Fortschritt, und Hacker und Gegenhack schaukeln sich gegenseitig hoch. Deswegen muss zu jedem Zeitpunkt klar sein, dass Bauteile und Updates sicher sind.

Es ist nur konsequent, dass Unternehmen Risikomanagement betreiben müssen. Es muss auch wirklich im Bewusstsein ankommen, dass nicht nur große Hersteller, sondern auch vermeintlich kleine und nicht so wichtige Betriebe Teil der kritischen Infrastruktur sind und genauso wichtig sind; denn auch ihre Dienstleistungen können ein Einfallstor sein. Da müssen wir wirklich aufpassen; das gilt zum Beispiel auch für Serviceanbieter. Am 12. April 2022 ist ein großer Servicedienstleister in Deutschland mit über 2 000 Mitarbeitern Opfer einer Cyberattacke geworden. Auch dort waren fast 8 000 Windkraftanlagen betroffen, und wiederum gab es kaum Ausfälle. Trotzdem hätte es ins Auge gehen können, wenn die Technologie selbst nicht so sicher gewesen wäre. Schauen wir mal auf die fossilen Energieerzeugungsanlagen: Wenn dort die Kommunikation attackiert wird, dann halten die nicht ohne Weiteres zwei Monate durch.

2 Vermerkeca. 40 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

An diesem Beispiel zeigt sich, wie wichtig Cybersicherheitsmaßnahmen auch auf Unternehmensebene sind. Deswegen sollten wir sie im Rahmen des Net-Zero Industry Acts vorzeitig implementieren, damit wir sichergehen können, dass wir auch sicher bleiben.

In diesem Sinne ganz herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Silke Launert
Foto: Silke Launert/ Christian Weber
8 Vermerkeca. 529 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sind verwundbar, jede und jeder Einzelne von uns, aber nicht nur wir als Individuen, sondern auch wir als Gesellschaft. Egal wie sehr wir es uns anders wünschen und meinen, mit noch so viel Sicherheitsvorkehrungen das Schlimmste verhindern zu können, wir bleiben trotzdem verwundbar. Aber genauso wenig, wie die Aussage stimmt: „Es gibt absolute Sicherheit, man muss nur genug Vorkehrungen treffen“, trifft die Aussage zu: Wir können nichts tun.

Wir müssen handeln. Wir können handeln. Unser Grundgesetz verpflichtet uns, also den Staat und damit auch Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen der Ampel, die Bürger zu schützen, die uns anvertraut sind. Und im Jahr 2024 heißt das im Besonderen: Schutz der kritischen Infrastruktur. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, was passiert, wenn die Wasserversorgung angegriffen wird und über längere Zeit kein Wasser zur Verfügung steht, Abwasser nicht abtransportiert wird, der Strom nicht funktioniert, man keine Lebensmittel einkaufen kann, vielleicht Operationen nicht mehr möglich sind. Wir müssen es uns aber vorstellen. Denn das ist nicht nur ein Horrorszenario oder Hirngespinst, nein, das ist eine reale Bedrohung im Jahr 2024, die sich seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine massiv verstärkt hat; das belegen die Zahlen ganz deutlich. Deshalb können Sie sich nicht so leicht rausreden, wie es der erste Redner getan hat – das war ja herrlich –, und bemängeln, was vor zehn Jahren nicht gemacht wurde. Sie können sich nicht rausreden. Die Situation ist eine völlig andere. Die Zeitenwende gilt nicht nur für den militärischen Schutz, sie gilt auch für den Schutz der Zivilbevölkerung. Und da haben Sie viel zu lange nichts gemacht.

Beifallbei der CDU/CSU

Die NIS-Richtlinie wurde angepasst, es gab eine Umsetzungsfrist bis zum 17. Oktober dieses Jahres. Obwohl Sie dieses Datum kannten, haben Sie lange nichts gemacht. Ich kann mich noch erinnern, wie Frau Faeser im Innenausschuss erzählt hat, dass sie dort einen Schwerpunkt setzt.

Das stimmt!

Und dann habe ich mich gewundert, wieso ich zwei Jahre nichts von ihr gehört habe.

Sie war in Hessen!

Da Sie sich jetzt hierhinstellen und so tun, als wäre das Ihr wichtigstes Anliegen überhaupt, frage ich Sie: Glauben Sie selbst, was Sie sagen? Die Leute laufen der Ampel nicht weg, weil sie nur schlechte Sachen macht. Sie laufen Ihnen weg, weil sie Ihnen nicht mehr glauben, weil sie diese Märchen nicht mehr hören können.

Beifallbei der CDU/CSU

Das muss mal gesagt werden!

Man erkennt, dass Sie zwei Jahre alles verzögert haben.

Dass Ihnen der Schutz der kritischen Infrastruktur nicht so wichtig ist, sieht man am Haushaltsplan. 400 000 Euro stehen nächstes Jahr für ein derart wichtiges Anliegen zur Verfügung. Also ehrlich: Das ist ein Witz.

Viel Geld hat die Ampel nicht mehr!

Sie ist pleite! Hat alles verjubelt!

Das zeigt Ihre Prioritätensetzung. Ich bin mir nicht sicher, woran es liegt, dass Sie so lange gebraucht haben. Liegt es daran, dass Sie nichts machen wollten?

Warum müssen wir denn alles machen? Was hat Herr Seehofer gemacht? Er hat mit seiner Modelleisenbahn gespielt! Wie Sie hier austeilen! Wie kann man sich so künstlich aufregen?

Oder liegt es daran – das ist noch viel schlimmer; ich befürchte, es trifft bei der Ampel wieder zu –, dass Sie sich wieder nicht einigen konnten und deshalb alles verzögern? Sie schieben es wieder auf andere. Sie fragen immer nur, was wir gemacht haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie kapieren es nicht. Sie regieren seit drei Jahren. Sie haben Verantwortung in dieser Krise. Sie müssen die Menschen schützen und dürfen nicht nur darauf verweisen, was vor zehn Jahren war.

Sich so künstlich aufzuspielen, ist peinlich! Meine Güte!

Porträt von Silke Launert
Foto: Silke Launert/ Christian Weber
ca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich hoffe, Sie nehmen die Kritik ernst. Schauen Sie mal, was der Bundesrechnungshof sagt; aber der hat ja auch unrecht.

Porträt von Karl Lauterbach
Foto: Karl Lauterbach/Maximilian König
Karl LauterbachSPD· Bundesminister BMG· MdB
4 Vermerkeca. 510 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Wer einen Schlaganfall oder einen schweren Unfall erleidet, benötigt schnell medizinische Hilfe. Es zählt jede Minute, oftmals geht es um Leben und Tod. Wir wissen seit vielen Jahren, dass die Notfallversorgung in Deutschland leider reformbedürftig ist. Wir haben hochqualifiziertes, engagiertes Personal; am Personal liegt es nicht. Aber die Strukturen sind – wie auch in anderen Bereichen unseres Gesundheitssystems – leider nicht stimmig.

Die Ambulanzen und Notfallaufnahmen sind überlaufen, sie sind überlastet. Es wird geschätzt, dass 30 Prozent der Patienten, die dort oft über Stunden hinweg warten, in Wirklichkeit gar nicht in einer Notfallaufnahme hätten behandelt werden müssen. Das führt zu Situationen, dass einige Menschen mittlerweile so frustriert sind, dass es zum Teil zu nicht akzeptabler Gewalt gegen das Personal kommt. Kliniken, die Notfallambulanzen unterhalten, machen damit Verluste. Somit ist dieser Bereich unbeliebt und oft finanziell nicht abgedeckt. Er arbeitet nicht mit der Qualität, mit der er arbeiten könnte. Dieses Problem kennen wir seit mindestens zehn Jahren. Daher ist die jetzt kommende Reform absolut überfällig, angefangen damit, dass wir im Zuge der Krankenhausreform die Notfallversorgung durch Vorhaltepauschalen und Zuschläge finanziell besser ausstatten werden. Aber dabei kann es nicht bleiben. Wichtig ist, dass wir endlich das seit langer Zeit geforderte Konzept der Akutleitstellen einführen. Die 116117 wird auf den Rettungsleitstellen zusammengeschaltet für alle hilfesuchenden Patientinnen und Patienten, und das kann mit der 112 verknüpft werden. Wenn diese Verknüpfung gelingt, dann können Patienten, die die 116117 anrufen und in Wirklichkeit einen Rettungseinsatz benötigen, sofort an die Rettungsstelle weitergeleitet werden. Aber es können auch Patienten der Rettungsstelle herabgestuft und an die 116117 verwiesen werden. Somit werden die Mittel viel effizienter eingesetzt.

Wenn das funktioniert, dann haben wir tatsächlich die Möglichkeit, dass der Termin vor Ort gar nicht wahrgenommen werden muss, dass es eine telemedizinische Behandlung oder Versorgung gibt, dass jemand rausfährt und den Patienten abholt, dass der Patient in einer Praxis behandelt wird oder dass er – wie jetzt – in der Notfallzentrale oder stationär aufgenommen wird. Wir haben das gesamte Spektrum. Das ist eine moderne, schnelle, gut funktionierende Leitstelle und Versorgung. Und mit dem hochqualifizierten Personal, das wir haben, können wir das machen. Wir hätten es eigentlich längst machen müssen.

Das Kernstück in materieller Hinsicht sind die Integrierten Notfallzentren. Dort werden Notdienstpraxen der Kassenärztlichen Vereinigung und Notfallaufnahmen zusammengeführt. Auch im Bereich der medizinischen Versorgung von Kindern werden wir entweder eine fachärztliche telemedizinische Kinderversorgung zu jedem Zeitpunkt ermöglichen oder sogar Integrierte Notfallzentren für Kinder einrichten. So können auch Kinder von Anfang an die bestmögliche Notfallversorgung erwarten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Diese Reform ist sehr wichtig. Sie wurde in der Vergangenheit in verschiedenen Konstellationen immer wieder angegangen. Sie muss mit einer Reform des Rettungsdienstes kombiniert werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich kann hier nur alle dazu aufrufen, an dieser wichtigen Reform, die in Fachkreisen unumstritten ist, jenseits von Parteipolitik mitzuarbeiten. Wir verlieren jeden Tag ohne Not Menschenleben, weil unsere Notfallversorgung nicht so gut ist, wie sie sein könnte. Jeden Tag sterben in Deutschland Menschen, die nicht sterben müssten, wenn wir ein besseres Rettungswesen und ein besseres Notfallsystem hätten. Packen wir das jetzt gemeinsam an!

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
8 Vermerkeca. 857 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir bringen heute in erster Lesung ein sehr wichtiges Gesetz ein. Die Notfallreform ist neben der Krankenhausreform, der Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Stärkung der Pflege ein ganz zentraler Reformbaustein, der überfällig ist, der wichtig ist und der heute mit den parlamentarischen Beratungen in die Tat umgesetzt wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das ist ein guter Tag für Patientinnen und Patienten und kein Anlass für künstliche Empörung. Es gibt auch in Anträgen der Unionsfraktion durchaus gute Anregungen, die wir sehr ernst nehmen. Ich glaube nicht, dass die Notfallversorgung ein Thema ist, das zum Streit oder für Parteipolitik taugt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Im Kern geht es darum, dass sich Menschen darauf verlassen können, dass sie die richtige Versorgung zur richtigen Zeit am richtigen Ort erhalten. Die Notfallreform ist ein zentraler Baustein zur Erreichung gleichwertiger Lebensverhältnisse und des Schutzes von Leben und Gesundheit durch den Bundesgesetzgeber.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Stellen Sie sich vor, dass eine Großmutter oder ein Großvater, dass Eltern, dass eine Lebenspartnerin oder ein Lebenspartner auf Pflege angewiesen sind. Um diese Uhrzeit an einem Freitagabend hat diese Person plötzlich ein medizinisches Problem. Vielleicht muss der Blasenkatheter, auf den sie angewiesen ist, ausgetauscht werden. Zunächst führt der Anruf in der Hausarztpraxis zum Anrufbeantworter, und man stellt fest: Niemand ist erreichbar. Nach einigem Suchen führt der nächste Anruf dann zur 116117, wo nach langer Wartezeit in der Warteschleife – in Deutschland im Schnitt 30 Minuten – irgendwann jemand das Telefon abnimmt und nach standardisierter Befragung letztlich feststellt: Hier ist Hilfe notwendig, aber leider ist eine telemedizinische Beratung nicht verfügbar. Auch ein Besuchsdienst, der zu dem Betroffenen hinfahren und das Problem möglicherweise fachgerecht durch Notfallpflege beheben könnte, steht nicht zur Verfügung. Insofern bleibt nach dieser langen Wartezeit nur die Verweisung an den Notruf 112.

Es wird also aufgelegt und erneut angerufen, diesmal die 112. Erneut wird alles abgefragt, und es wird festgestellt: Alles, was wir tun können, ist, einen gut ausgestatteten Rettungswagen mit Blaulicht und Notfallsanitätern hinzuschicken, die aber auch keinen Blasenkatheter dabeihaben, ebenso wenig ein Sonografiegerät oder andere Instrumente, um damit das notfallpflegerische Problem zu lösen. Was bleibt, ist, die arme ältere Dame bzw. den älteren Herrn einzupacken, ins Krankenhaus und dort in eine überfüllte Notaufnahme zu bringen. Nach Stunden des Wartens ist der arme alte Mensch, der eigentlich nur einen Wechsel des Blasenkatheters bräuchte, völlig verdurstet, ausgehungert, verwirrt und ängstlich: Wo bin ich hier? Was ist das hier? – Er ist delirant, wie man medizinisch sagt. Der Zustand hat sich verschlechtert. Nach allen weiteren Maßnahmen bleibt nichts anderes übrig, als den armen Menschen stationär aufzunehmen. Es folgen weitere Tage stationärer Behandlung mit weiteren Komplikationen und Verschlechterungen, und am Ende der Zeit ist ein Problem, das vor Ort mit fachgerechter Hilfe gezielt sofort hätte gelöst werden können, zu einer großen medizinischen Baustelle und einer persönlichen Tragödie geworden, verbunden mit einem großen Kostenfaktor.

Das ändern wir jetzt mit dieser Reform, indem wir zielgerichtete Hilfe zur Verfügung stellen, indem wir dafür sorgen, dass rund um die Uhr telemedizinische Beratung zur Verfügung gestellt wird, wie das auch bei unseren europäischen Nachbarn der Fall ist, indem wir dafür sorgen, dass ein Hausbesuchsdienst nicht durch das Abziehen von Ärztinnen und Ärzten aus der Praxis, sondern durch multiprofessionelle Teams, Gemeindenotfallsanitäterinnen und Gemeindenotfallsanitäter, Community Health Nurses und Notfallpflegeteams vor Ort zur Verfügung steht, um das Problem direkt zu lösen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir werden mit dieser Reform dafür sorgen, dass in Integrierten Notfallzentren sowohl für Patienten, die die hochkomplexe Notfallmedizin brauchen, als auch für die Patienten, die eine Notfallpraxis brauchen, an einem Ort die richtige Hilfe zur Verfügung steht.

Wir werden die Notrufnummern 112 und 116117 organisatorisch und technisch miteinander verbinden, sodass man im Notfall nicht mehr überlegen muss, welche Nummer man anrufen muss, sondern direkt die richtige Hilfe erhält.

Diese Reform macht für viele Menschen ganz konkret im Alltag einen erheblichen Unterschied, indem eine fachgerechte Hilfe sichergestellt wird. Dazu gehört auch – der Minister hat es schon angesprochen –, dass wir den Rettungsdienst neu aufstellen. Wir haben – das ist in der Tat so – hochausgebildete professionelle Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter – Menschen mit Elan und Enthusiasmus, die diesen Beruf ergreifen, die aber zunehmend erleben, dass sie in einem System mit fehlenden Schnittstellen, mit fehlender Abstimmung, mit fehlender Vernetzung selber zum Problem werden und überlastet sind. Patienten und Personal leiden gleichermaßen unter der Ineffizienz und der schlechten Abstimmung dieses Systems. Deshalb ist es richtig, dass wir den Rettungsdienst als eine von drei Säulen – neben der ambulanten Notfallversorgung und der Versorgung in den Notaufnahmen – auch als Teil des Sozialgesetzbuchs V vernünftig und differenziert in dieser Notfallreform regeln.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Meine Damen und Herren, dies ist nicht nur eine Reform, die Qualität und bessere Versorgung für die Menschen bringt, es ist am Ende des Tages auch eine Reform, die erheblich Geld spart. Der Sachverständigenrat, der die Bundesregierung im Gesundheitswesen berät, hat aktuell noch mal ausgewiesen: Bis zu 30 Millionen medizinisch nicht sinnvolle Krankenhaustage können eingespart werden, wenn wir mit den Ressourcen vernünftiger umgehen. Das ist keine Reform, die Geld kostet; das ist eine Reform, die eine bessere Versorgung bringt. Das ist der Auftrag an uns als Bundesgesetzgeber. Ich freue mich ausdrücklich, dass die parlamentarischen Beratungen beginnen, um die Versorgung für die Menschen in diesem Land im Notfall besser zu machen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Thomas Dietz
Foto: Thomas Dietz / Social Media Team der AfD Bundestagfraktion
11 Vermerkeca. 539 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuschauer und liebe Patienten an den Bildschirmen! Wohl jeder, der in der jüngsten Vergangenheit eine Notaufnahme aufsuchen musste, kann seine eigene Geschichte erzählen, und diese handelt fast immer von extremen Wartezeiten. Unsere Notaufnahmen sind überlastet, das haben wir heute schon mehrfach gehört. Und richtig: Wir brauchen dringend Lösungen, um die Notfallversorgung wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Beifallbei der AfD

Der akute Hausärztemangel führt dazu, dass immer mehr Menschen ohne festen Hausarzt leben. Das ist eine Katastrophe für die Gesundheitsversorgung in unserem Land. Immer häufiger suchen Patienten deshalb den vermeintlichen Ausweg durch Anmeldung in der Krankenhausnotaufnahme. Doch nicht alle, die kommen, sind wirklich akute Notfälle. Besonders in großen Städten wie Berlin ist der Zustand dramatisch: völlig überfüllte Notaufnahmen, überlastetes Personal, teils aggressive Stimmung vor Ort. Wir können es uns nicht leisten, diese Zustände zu ignorieren.

Beifallbei der AfD

Selbst die „Tagesschau“ berichtete kürzlich über ein schockierendes Beispiel: Im Klinikum Leverkusen wurden medizinische Mitarbeiter in Nahkampftechniken ausgebildet, um sich gegen gewalttätige Angreifer schützen zu können. Die Schlagzeile des Berichtes lautete: „Angst, dass es uns bald auch mal trifft“. Medizinisches Personal muss sich heute vor gewalttätigen Übergriffen schützen, während es versucht, Leben zu retten. Dass es so weit kommen musste, ist schlicht unfassbar. Das ist eine Schande für ein zivilisiertes Land.

Beifallbei der AfD

Aber was sagen nun die Fachleute zu dem vorliegenden Gesetzentwurf? Die Kassenärztliche Bundesvereinigung etwa warnt eindringlich vor den gravierenden Folgen der Überlastung der Notaufnahmen und spricht von einer Gefahr für die Patientensicherheit. Maßnahmen seien nötig, um Notfallstrukturen für jene verfügbar zu halten, die sie wirklich benötigen. Doch die KBV macht unmissverständlich klar, dass der vorliegende Entwurf kaum etwas dazu beitragen wird: Der Entwurf ist leider eine Mogelpackung. Herr Minister, haben Ihre Beamten im Ministerium schon einmal ein Praktikum in einer Notaufnahme unter echten Bedingungen gemacht?

Wissen sie, wie es dort wirklich aussieht? Es wäre an der Zeit, einen direkten Einblick zu wagen. Dies könnte den Beamten mehr verdeutlichen als jeder Bericht auf den Schreibtischen der Ministerien.

Zwar sind einige gute Ansätze in Ihrem Entwurf erkennbar, wie zum Beispiel die digitale Vernetzung der Rufnummern 112 und 116117. Aber sonst gilt, wie so oft: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

Und Sie haben eine Idee jetzt, oder was?

– Jawohl.

Da bin ich aber mal gespannt!

Gegenrufvon der AfD: Mal zuhören jetzt!

Eines muss ich Ihnen jedoch mit Nachdruck sagen: Solange es keinen Notfallfonds für die von Insolvenz bedrohten Krankenhäuser gibt, können wir die Entlastung der Notaufnahmen völlig vergessen; denn wir werden hier Lücken reißen, wenn die Krankenhäuser schließen. Deshalb fordern wir als AfD-Bundestagsfraktion die sofortige Einrichtung einer Nothilfe für bedrohte Kliniken.

Beifallbei der AfD

Vor wenigen Tagen saß ich mit Landtagsabgeordneten zu einem Krisengespräch beim Geschäftsführer des Erzgebirgsklinikums – ein Gespräch, das deutlich machte: Wenn diese Bundesregierung nicht bald handelt, stehen wir vor den Trümmern unserer einst vorbildlichen Krankenhauslandschaft. Wollen Sie als Gesundheitsminister in die Geschichte als derjenige eingehen, der das deutsche Gesundheitssystem ruiniert hat?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Das Defizit aller deutschen Krankenhäuser beträgt aktuell 12,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig verschleudert Ihr Kollege Habeck allein in diesem Jahr über 20 Milliarden Euro für die sinnlose EEG-Subventionierung der gescheiterten Energiewende,

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Heike Baehrens [SPD]

Gelder, die viel besser in die Versorgung unserer Patienten investiert wären, Frau Baehrens. Was wir zuerst brauchen, ist ein Notfallfonds für Krankenhäuser und dann eine gezielte Entlastung der Notaufnahmen durch realitätsnahe und durchdachte Lösungen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
10 Vermerkeca. 665 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Damen und Herren! Heute habe ich eine Einladung vom Virchowbund erhalten mit dem Titel „Behandeln wir die Richtigen?“ Es geht um die Steuerung der Patienten durch das Gesundheitssystem. In meinen Augen ist das eine sehr wichtige Fragestellung, und diese Fragestellung können wir auch für uns hier erweitern: Können wir uns in unserem heutigen Gesundheitssystem unkoordinierte Patientenpfade noch leisten? Wohl wissend eine rhetorische Frage, die man hier klar mit Nein beantworten muss.

Der vorliegende Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung greift ein zentrales Problem in unserem Gesundheitswesen auf: die überlasteten Notaufnahmen und Rettungsdienste und ebendiese fehlende Steuerung. Dieser Gesetzentwurf ist ein Schritt in die richtige Richtung, um eine effizientere Steuerung von Patientinnen und Patienten zu gewährleisten und die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Häufig genug auch durch unverschuldetes Nichtwissen kommen Menschen in die Notaufnahme einer Klinik – das habe ich selbst häufig genug erlebt –, und dort wird häufig genug nur entschieden, ob jemand stationär aufgenommen wird oder nicht. Häufig genug sind die Patientinnen und Patienten enttäuscht, dass sie wieder weggeschickt werden. Deshalb, meine Damen und Herren, brauchen wir eine bessere Koordination zwischen den Sektoren im Sinne einer schnelleren und zielgerichteten Versorgung für die Menschen in unserem Land.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der Gedanke, die Versorgungsbereiche von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Krankenhäusern und Rettungsdiensten besser zu verzahnen, ist absolut sinnvoll und notwendig. Durch Integrierte Notfallzentren, in denen sowohl ambulante als auch stationäre Strukturen zusammenarbeiten werden, wird es künftig einfacher sein, die Patientinnen und Patienten in die für sie richtige Versorgungsebene zu leiten. Eine wichtige Reform für die Menschen in unserem Land!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein Blick auf die Zahlen lohnt sich immer wieder. Nach Aussage des Verbandes des Rettungsdienstes sind über 80 Prozent der Rettungsdiensteinsätze nicht gerechtfertigt. Dies verdeutlicht das Ausmaß der Fehlsteuerung im System.

Allein die Kosten für den Einsatz von Rettungswagen sind enorm gestiegen, von 2012 bis 2022 um 163 Prozent, also von rund 1,5 Milliarden Euro auf rund 4 Milliarden Euro. Diese Belastung ist nicht nur für unser Gesundheitssystem, sondern auch für die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler inakzeptabel. Hier muss dringendst nachgebessert werden, um eine wirklich integrierte und effiziente Notfallversorgung mit dem Rettungsdienst zusammen sicherzustellen.

Bei aller Sinnhaftigkeit dieser Reform möchte ich hier konstruktiv einige kritische Punkte ansprechen, die wir im Auge behalten müssen und im parlamentarischen Verfahren noch angehen werden. Der Erfolg dieser Reform steht und fällt nämlich mit der Frage, wie die Umsetzung in der Praxis aussehen wird.

Erstens. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte dürfen nicht zusätzlich belastet werden. Viele Praxen arbeiten bereits jetzt am Limit. Es ist wichtig, dass diese Reform nicht zu einer Überforderung im ambulanten Bereich führt.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des Abg. Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU]

Die Reform der Versorgung darf sich deshalb nicht auf dem Rücken derjenigen abspielen, die das Rückgrat unseres Gesundheitssystems bilden. Wir werden diesen Punkt im parlamentarischen Verfahren genau prüfen.

Zweitens. die Kostenfrage. Der Entwurf sieht geschätzte Mehrausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung vor, die langfristig jedoch zu Einsparungen führen sollen. Hier werden wir wachsam bleiben. Die Einsparpotenziale, die durch eine bessere Steuerung und effizientere Notfallversorgung versprochen werden, dürfen nicht durch zusätzliche Ausgaben im Gesundheitswesen zunichtegemacht werden.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Denn unsere Aufgabe ist klar: Wir müssen sicherstellen, dass die Reform ihre Versprechen einhält und tatsächlich zu einer langfristigen Entlastung führt. Davon bin ich überzeugt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Drittens. Wir müssen die Notfallreform im Zusammenhang mit den weiteren Reformvorhaben sehen. Noch fehlt es an einer ausreichenden Abstimmung zwischen der Notfallversorgung und der ambulanten Versorgung, was gerade in ländlichen Gebieten zu Problemen führen könnte, die wir aber gemeinsam vermeiden werden.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Viertens. Die geplante Anbindung von Apotheken an die Integrierten Notfallzentren ist noch nicht zu Ende gedacht. Hier besteht die Gefahr von Doppelstrukturen, die unnötige Parallelangebote zum bestehenden Apothekennotdienst schaffen könnten. Auch hier werden wir genau hinschauen, dass die Versorgung als solche auch besser wird.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Meine Damen und Herren, wir begrüßen die angestrebte Reform. Aber wir Freien Demokraten werden darauf achten, dass sie praktisch umsetzbar ist, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht überlastet werden, dass die Versicherten nicht mit höheren Beiträgen belastet werden und die betroffenen Patientinnen und Patienten zielgerichtet medizinisch besser versorgt werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Axel Müller
Foto: Axel Müller/ Tobias Koch
4 Vermerkeca. 441 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Minister Lauterbach! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lücken in der ambulanten Versorgung, Fehlsteuerungen bei den stationären Notaufnahmen, eine nicht auskömmliche Finanzierung und eine vielfach nicht funktionierende Koordinierung mit den Rettungsdiensten, und das seit vielen Jahren, machen deutlich: Wir brauchen dringend eine Reform der Notfallversorgung.

Es ist bereits angesprochen worden, dass es im Januar 2020 einen damals im unionsgeführten Bundesgesundheitsministerium erarbeiteten Gesetzentwurf gab, der diese integrierte Notfallversorgung, wie sie auch jetzt Gegenstand des heutigen Entwurfs ist, bereits vorsah.

Ich war damals mit meinem Kollegen Thomas Gebhart – er war Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium – bei mir im Wahlkreis im Elisabethen-Krankenhaus in der Notaufnahme und habe dort den Entwurf mit den Praktikern vor Ort durchgesprochen, weil wir wissen wollten, wie sie das beurteilen, und das war durchaus positiv. Es ist vielleicht ein Erfolgsrezept, dass man die Praktiker frühzeitig miteinbezieht.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Nach wie vor besteht eine positive Haltung sowohl in der Praxis, was die Notwendigkeit der Reform anbelangt, als auch – das ist in den Reden bereits deutlich geworden – hier im Deutschen Bundestag, auch bei der Unionsfraktion. Leider ist das vorgelegte Werkstück der Bundesregierung keine wirkliche Verbesserung gegenüber dem damaligen Rohling eines Entwurfs, teilweise vielleicht sogar ein Rückschritt.

Die Vorhaben Integrierte Notfallzentren – INZ –, Akutleitstellen, ärztliche Beratung per Telefon oder Video und eine Rettungsdienstreform sind sicher alle wichtig. Doch muss ich feststellen, dass im Bundesgesundheitsministerium wieder einmal ein Retortenbaby geboren wurde, das nun von den an der Zeugung nicht beteiligten Akteuren in der praktischen Umsetzung großgezogen werden soll.

Ich würde mal ein bisschen kleinere Brötchen backen!

Zurufder Abg. Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das löst verständlicherweise eine ablehnende Haltung aus.

Fünf Kritikpunkte: Bei Krankenhausstandorten, an denen kein Integriertes Notfallzentrum erhalten werden soll, müssen dann möglicherweise die niedergelassenen Ärzte die Lücken füllen.

In Krankenhäusern werden Leistungen der zentralen Einschätzungsstelle vergütet, die der digitalen Einschätzungsverfahren jedoch nicht.

Über die INZ-Standorte – das ist auch schon angesprochen worden – sollen die Landesausschüsse entscheiden und nicht mehr die Planungsausschüsse der Länder. Die Planungshoheit der Länder bei der Krankenhausplanung wird ignoriert.

Das Gleiche gilt auch für die Reform des Rettungsdienstes, für die ebenfalls die Länder zuständig sind. Hier werden zentralistische Vorgaben gemacht. Flexible Lösungen vor Ort werden so unterbunden.

Schlussendlich: Die Finanzierung der Reform soll im Bereich der Krankenhäuser wohl über den Strukturfonds II erfolgen, wenn ich das richtig gelesen habe; er läuft aber 2024 aus. Er soll dann in den Transformationsfonds des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes übergehen. Für mich ist die Finanzierung somit unklar.

Die Sache mit den öffentlichen Apotheken hat der Kollege Ullmann von der FDP angesprochen.

Die weiteren Beratungen müssen sich darauf konzentrieren, diese und andere Steine aus dem Weg zu räumen, um die dringend notwendige Reform der Notfallversorgung am Ende dennoch erfolgreich durchs Ziel zu führen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
8 Vermerkeca. 526 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Minister! Wir stehen in der Gesundheitspolitik vor dem Herbst der wegweisenden Reformen: der Reform des Krankenhauswesens, der Reform der ambulanten medizinischen Versorgung und jetzt vor der so wichtigen Notfallreform.

Von der Notwendigkeit dieser Reform sind alle Beteiligten im Gesundheitswesen seit Langem überzeugt, und dennoch sind die Reformen in der Vergangenheit viel zu lange liegen geblieben, und das, obwohl die Reformen jede Bürgerin und jeden Bürger über die gesamte Lebensspanne betreffen. Sie betreffen die Geburt genauso wie die palliative Versorgung. Sie betreffen die einfache Bronchitis genauso wie den Herzinfarkt, sie betreffen den Gichtanfall genauso wie den Schlaganfall, sie betreffen die Sucht, die Depression, die Demenz, den schweren Unfall oder manchmal auch nur den banalen Kopfschmerz nach einer durchzechten Nacht.

In der Notfallversorgung drängt sich für viele die Frage auf: Was ist eigentlich ein Notfall oder Akutfall? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten.

Was für den Außenstehenden wie eine Bagatelle erscheint, kann sich für den Betroffenen oft lebensbedrohlich darstellen.

Wie soll denn ein Laie die Verspannung in der Brust von einem Herzinfarkt unterscheiden oder den geschwollenen Fuß bei einem Gichtanfall von einer Thrombose?

Daher ist die zentrale Herausforderung unseres Gesundheitssystems, wie wir die Patientinnen und Patienten primär so einschätzen und einordnen können, dass sie sich einerseits gut verstanden fühlen, andererseits aber in die richtige Versorgungsebene gelangen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zudem muss für alle Menschen rund um die Uhr die Möglichkeit bestehen, im Akutfall schnelle Hilfe zu erhalten. Die Notfallreform liefert dabei die Antwort, indem sie die Zuordnung von Patientinnen und Patienten in eine der Erkrankung gemäße Versorgungsstruktur regelt, damit der Herzinfarkt eben innerhalb von 60 Minuten im Herzkatheterlabor landet, der Patient mit einer schmerzhaften Gürtelrose im Brustbereich aber beim Hausarzt. Das hat zwei Vorteile: Erstens. Den erkrankten Menschen werden unnötige Wege und Prozeduren erspart. Zweitens. Die Notaufnahmen werden entlastet, und unnötige Krankenhausbehandlungen werden vermieden.

Zudem führt die Notfallreform endlich zu einer wirklich sektorenübergreifenden Versorgung, indem sie viele Aspekte eint, die vorher nur einzeln betrachtet wurden. Sie wird dazu führen, dass für die Erkrankten ein sicheres Ersteinschätzungsverfahren gewährleistet wird. Es wird eine medienbruchfreie Interaktion der Rufnummern 112 und 116117 geben. Es wird eine enge Kooperation von Krankenhaus und vertragsärztlicher Versorgung hergestellt. Es wird einen Eingriff in das Apotheken- und Arzneimittelgesetz geben. Und am Ende wird die Aufnahme des Rettungsdienstes in das Sozialgesetzbuch V stehen. Sie sehen also: Wir vernetzen hier viele unterschiedliche Akteure und Gesetze, die damit verbunden sind.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Natürlich verschließe ich mich nicht der Tatsache, dass dieses Gesetz nicht nur sehr ambitioniert ist, sondern auch diverse Konfliktpunkte enthält. Ich hoffe sehr, dass es beim Lösen dieser Kontroversen nicht zu einem Konflikt nach dem alten Muster kommt: Krankenhaus gegen vertragsärztliche Medizin, Apotheker gegen Ärzte, Verband A gegen Interessenvertretung B, Bund gegen Länder und Länder gegen Bund. Das können wir uns nicht weiter leisten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

An die Opposition sende ich den Appell, nicht nur zu polemisieren, sondern sich mit konstruktiver Kritik an der Fachdebatte zu beteiligen. Wir brauchen eine Kultur des Gelingens, um unser Gesundheitssystem nachhaltig zu stärken und die Erstversorgung für Patientinnen und Patienten zu sichern.

Ich freue mich auf die jetzt auf uns zukommenden parlamentarischen Beratungen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der Linken
7 Vermerkeca. 259 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer dachte, die vermurkste Krankenhausreform aus dem Hause Lauterbach sei nicht zu toppen, der wird mit der Notfallreform heute eines Besseren – oder auch eines Schlechteren – belehrt:

Sie bleibt nicht nur hinter den Erwartungen zurück, sie verschärft die Probleme, statt sie zu lösen.

Sie versprechen Integrierte Notfallzentren, eine zentrale Ersteinschätzung, mehr Telemedizin und weniger unnötige Klinikaufnahmen. Das klingt alles total toll. Aber wo ist die Finanzierung? Und woher kommt das zusätzliche Personal? Sie erzählen uns hier etwas von Effizienzgewinnen, aber jeder Heizungsmonteur weiß doch, dass mehr Effizienz nicht ohne Investition zu haben ist. Investieren will die Ampel aber nur in Panzer und Haubitzen, nicht in die Gesundheitsversorgung.

Diese Kosten werden wieder den Krankenkassen auferlegt, also den Familien mit kleinen und mittleren Einkommen, deren Beiträge immer weiter erhöht werden,

Wir würdet ihr das denn finanzieren?

während die FDP die Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze blockiert. Und das ist ungerecht!

Ihre geplante Krankenhausreform, Herr Lauterbach, mit der Zentralisierung wird dazu führen, dass es dann Integrierte Notfallzentren vielleicht in den Ballungsgebieten gibt, aber sicher nicht auf dem Land. Die Linke sagt: Notaufnahmen müssen da sein, wo sie gebraucht werden – nicht nur dort, wo es sich für die Klinikkonzerne rechnet.

Beifallbei der Linken

Sie reden von integrierter Versorgung, aber die Sektorengrenzen tasten Sie nicht an: Ambulant, stationär, präklinisch – alles bleibt schön getrennt und unflexibel und undurchschaubar für die Patientinnen und Patienten. Die brauchen aber eine Notfallversorgung aus einem Guss. Diese Reform bleibt weit dahinter zurück.

Statt Flickwerk fordert Die Linke eine Gesundheitsversorgung, die für alle zugänglich, solidarisch und gerecht finanziert ist – ohne Profitinteressen und mit dem Menschen im Mittelpunkt.

Beifallbei der Linken
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
4 VermerkeZwischenfrageca. 218 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Minister, wir sind uns, glaube ich, alle einig, dass die Notfallreform kommen muss.

Das habt ihr nicht hingekriegt!

Ich will im Namen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion betonen, dass wir natürlich nicht über das Ob der Reform sprechen. Wir reden eher über das Wie. Ich finde es ein bisschen schade, dass wir so lange gebraucht haben. Sie haben es angesprochen: Seit über zehn Jahren sprechen wir darüber, dass eine Notfallreform überfällig ist.

Zurufevon der SPD und der FDP

In der letzten Legislatur haben wir – damals unter dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – eine Reform auf den Weg gebracht. Diese ist dann leider versandet, teilweise weil man sich mit den Ländern nicht einigen konnte. Deshalb hätte ich mir gewünscht, dass wir in dieser Legislatur nicht anderthalb Jahre diskutieren. Seit anderthalb Jahren liegen die Entwürfe der Regierungskommission vor. Auch wir als Unionsfraktion haben schon vor anderthalb Jahren einen entsprechenden Antrag eingebracht. Wir hätten das Gesetz in diesem Hohen Hause schon viel früher beschließen können, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Was ihr zehn Jahre nicht geschafft habt, haben wir in drei Jahren geschafft!

Der Reformentwurf enthält viele gute Punkte, insbesondere in Bezug auf die Patientensteuerung. Wir sind uns alle einig, dass wir die Ressourcen viel besser nutzen müssen. Wir alle kennen die Zahlen: Zwei Drittel derjenigen, die Notaufnahmen in Anspruch nehmen, sind keine Notfälle. Deshalb geht es darum, Parallelstrukturen zusammenzuführen.

Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP] meldet sich zu einer Zwischenfrage

– Der Kollege Ullmann hat, glaube ich, Redebedarf.

1 Vermerkca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Lieber Herr Kollege Sorge, vielen Dank, dass Sie die Frage zulassen. – Sie haben ja gerade gesagt, dass wir zu lange gebraucht haben, eine Notfallreformgesetzgebung auf den Weg zu bringen. Ich erinnere mich noch relativ klar, dass Jens Spahn in der letzten Wahlperiode ein Gesetz auf den Weg bringen wollte und offensichtlich ausgebremst worden ist. Können Sie bitte erklären, warum die Union nicht den Mut hatte, eine solche Reform anzugehen?

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
11 Vermerkeca. 551 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Lieber Andrew Ullmann, ich könnte jetzt sagen: Auf rhetorische Fragen muss man nicht antworten.

Ich bin auf den Erkenntnisgewinn gespannt!

Aber dass derjenige, der – auch auf Länderebene – zu den Bremsern gehört hat, sich jetzt hierhinstellt und fragt, warum das nicht funktioniert hat, finde ich schon ein bisschen skurril. – Erster Punkt.

Zurufdes Abg. Manuel Höferlin [FDP]

Zweiter Punkt. Ich habe ganz bewusst gesagt: Wir haben damals schon einen Notfallreformentwurf auf den Weg gebracht. Wir haben damals mit den Kolleginnen und Kollegen der SPD und insbesondere mit Karl Lauterbach als federführendem Gesundheitspolitiker der letzten acht Jahre zusammengearbeitet. Es gab dann Abstimmungsbedarf mit den Ländern. Das hat nicht funktioniert. Deshalb sage ich auch ganz offen: Wir müssen bei einer solchen Reform auch diejenigen, die es betrifft, mitnehmen. Wir haben heute Morgen im Gesundheitsausschuss über die Krankenhausreform gesprochen. Für diese wurde gestern um 13 Uhr – parallel zur Obleuterunde – eine angebliche Einigung verkündet. Und dann wundert man sich, wenn alle anderen, die es betrifft, sagen: Wir sind gar nicht einbezogen worden. – Das funktioniert nicht. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen: Es ist schon ein bisschen schade, dass hier seitens der Ampel solche Schaufensterfragen gestellt werden.

Es ist richtig, im Rahmen der Reform die Patientensteuerung auf den Weg zu bringen. Es geht darum, die unterschiedlichen Systeme – also die 112 als Notfallnummer und die 116117 – zusammenzuführen. Wir sollten aber – und das ist der dringende Hinweis und der Appell an Sie, Herr Bundesgesundheitsminister – die Notfallreform nicht singulär betrachten. Wir müssen sie besser mit der Krankenhausreform verzahnen. Wir müssen auch die Rettungsdienste besser berücksichtigen. Und wir müssen vor allen Dingen darauf achten, dass wir nicht zusätzliche Bürokratie schaffen. Um das zu beherzigen, müssen Sie nicht unbedingt uns als Opposition glauben. Aber glauben Sie den Akteuren! Glauben Sie denjenigen, die sagen: Es ergibt keinen Sinn, parallel einen Notfalldienst 24/7 auf den Weg zu bringen.

Bei den Integrierten Notfallzentren muss man darauf achten, dass die Länder entscheiden können, wo ein Notfallzentrum hinkommen soll. Aber wie sollen sie das entscheiden, wenn es keine Verzahnung mit der Krankenhausreform gibt?

Zurufder Abg. Heike Baehrens [SPD]

Man weiß noch gar nicht, welches Krankenhaus erhalten bleibt, und will jetzt schon Standorte für Integrierte Notfallzentren festlegen. Das ist im Grunde der zweite Schritt vor dem ersten. Das sollten Sie noch mal überdenken, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist falsch! Eben haben Sie kritisiert, dass der erste Schritt jetzt kommt!

Es hört sich immer gut an und ist gut gemeint, eine Notfallversorgung 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche zu fordern. – Ja, das wollen wir auch. Aber es ergibt angesichts der vorhandenen Ressourcen an Pflegekräften und Medizinern überhaupt keinen Sinn, den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, die Notaufnahmen und die Rettungsdienste parallel laufen zu lassen. Deshalb: Nehmen Sie die Hinweise ernst, Notfallreform und Krankenhausreform besser miteinander zu verzahnen! Sprechen Sie vor allen Dingen auch mit den Ländern! Sprechen Sie mit den Kommunen, die ja teilweise schon viele sehr gute Notfallversorgungsmechanismen vor Ort etabliert haben. Schütten Sie nicht das Kind mit dem Bade aus, indem Sie jetzt formal etwas umsetzen, aber nicht auf die Argumente derjenigen hören, die Verbesserungsbedarf sehen.

Was ist denn das für ein Unsinn? Das ist die erste Lesung, und wir diskutieren miteinander!

– Frau Baehrens, ich gebe Ihnen doch recht.

Einfach mal zur Sache!

Natürlich, das ist die erste Lesung.

– Sie hören zu, wie ich sehe.

Wir als Opposition werden in den Beratungen hoffentlich noch viele Dinge mit Ihnen gemeinsam verbessern können. Sie sollten aber nicht – wie bei der Krankenhausreform; ich sagte es anfangs – mit dem Kopf durch die Wand gehen. Ansonsten brauchen Sie sich nicht zu wundern, dass es nicht funktioniert.

Ja, aber da muss man erst mal konstruktiv werden!

Vielen Dank, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
4 VermerkeZwischenfrageca. 222 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst mal, glaube ich, kann man festhalten – das ist ja mal was Positives –: Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir eine Notfallreform brauchen und dass wir sie schnell brauchen. Das, glaube ich, ist richtig.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Deshalb als Erstes der große Dank, dass die Notfallreform jetzt auf dem Weg ist und dass wir es anpacken, so wie wir übrigens viele große Probleme im Gesundheitswesen anpacken.

Da will ich, lieber Kollege Sorge, noch mal auf Sie zu sprechen kommen. Mit Ihrer Reihenfolge – Schritt eins und zwei – haben Sie die Leute vielleicht ein bisschen verwirrt. Also, wir sind uns völlig einig: Die Notfallreform brauchen wir. Sie haben angemerkt: Sie hätte schneller kommen können. – Sie haben aber auch angemerkt: Eigentlich muss vorher die Krankenhausreform kommen. – Richtig, deswegen machen wir die vorher! Das ist nämlich Schritt eins, und dann machen wir die Notfallreform.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Herr Kollege Sorge, Sie haben möglicherweise übersehen, dass wir jetzt in die Reform einsteigen und nicht den Abschluss machen; den Abschluss werden wir hoffentlich in Kürze bei der Krankenhausreform machen. Und dass Sie dann noch bedauern, dass die Notfallreform, die der Kollege Spahn vorher schon auf den Weg gebracht hat, nicht durchgekommen ist, finde ich auch ganz interessant; denn diese Notfallreform sah nun überhaupt keine Krankenhausreform vor. Also, da fehlte der Schritt eins irgendwie komplett.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Jetzt entschuldigt er sich!

ca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
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Ja, aber bitte; klar. – Jetzt sagt er bestimmt, er meinte nicht Schritt eins.

Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
3 Vermerkeca. 295 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank, Herr Kollege Heidenblut. Das gibt mir noch mal die Möglichkeit, ein paar Dinge klarzustellen. – Also, Sie haben jetzt hier wieder das Zerrbild erweckt, als sei die Union gegen eine Reform.

Wenn Sie vorhin zugehört hätten, hätten Sie mitbekommen, dass ich gesagt habe: Uns geht es nicht um das Ob, sondern um das Wie. Bei der Frage Krankenhausreform versus Notfallreform geht es nicht um ein Gegeneinander, sondern ich habe angemerkt, dass es sinnvoll ist, wenn man so eine Reform macht, dies miteinander zu verzahnen. Die Notfallreform hätte man also bei der Krankenhausreform – hätte man im BMG nicht so lange geschlafen – schon gleich mitstrukturieren können.

Heute Morgen hat er kritisiert, dass es zu schnell geht!

Denn – das habe ich auch gesagt – es macht ja überhaupt keinen Sinn, Integrierte Notfallzentren, die ja sinnvoll sind, im Rahmen einer Notfallreform auch mit Standorten festzulegen, wenn man in der Krankenhausreform danach ganz andere Strukturen etabliert. Das heißt, Sie bürden den Ländern jetzt auf, festzulegen, wo Integrierte Notfallzentren sein sollen, in dem Wissen, dass mangels Auswirkungsanalyse noch nicht mal feststeht, welche Kliniken, welche Häuser nach der Krankenhausreform bestehen bleiben werden. Das heißt, es ist dann möglicherweise Makulatur. – Punkt eins.

Punkt zwei – das habe ich auch noch mal gesagt –: Es geht darum, dass wir jetzt Parallelstrukturen sinnvoll zusammenführen. Wenn Sie dann aber Anmerkungen und Anregungen aller Akteure nicht ernst nehmen, wenn es zum Beispiel darum geht, die 24/7-Notfallversorgung so zu etablieren, dass zum Schluss nicht die niedergelassenen Ärzte die Leidtragenden sind, weil die natürlich als Lückenbüßer für Ihre unausgegorene Reform herhalten sollen, dann ist das, gelinde gesagt, kurzsichtig oder wie auch immer man das bezeichnen möchte.

Deshalb noch mal mein Appell an Sie: Nehmen Sie doch einfach mal die Anregungen ernst! Stellen Sie sich hier nicht so hin und tun so, als hätten Sie die Weisheit mit Löffeln gefressen!

Das sagt gerade der Richtige!

Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
ca. 27 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Denn wir erleben jetzt seit drei Jahren, dass Sie quasi alle Argumente nicht ernst nehmen und sich dann wundern, wenn alle Akteure sagen: Das geht so nicht.

13 Vermerkeca. 531 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Kollege Sorge, wahrscheinlich klappen Sie das Mikrofon schon ein, weil das gar keine Frage war, die Sie gestellt haben, sondern nur ein an mich gerichteter Appell. Ich will aber trotzdem das, was Sie darin unterstellt haben, kurz zurückweisen.

Erstens habe ich nicht das Gegenteil behauptet, sondern sogar zum Eingang erklärt, dass ich mich freue, dass wir uns alle einig sind, dass wir eine Notfallreform brauchen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

So ist es!

Wenn ich das richtig gehört habe, hat der Kollege Dahmen sehr deutlich erklärt, dass er einige Vorschläge der CDU durchaus für gut hält, dass wir sie berücksichtigen und da weitergehen müssen, woraus Sie schließen, dass wir sie gar nicht berücksichtigen werden, also voreilend bei der Einbringung. Das finde ich ja interessant. Wahrscheinlich stehen Sie selbst nicht so zu Ihren Vorschlägen.

Beifallder Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Krankenhausreform!

Aber wissen Sie, was ich die Krönung finde? Sie sagen ja zu Recht: Eine Verzahnung macht Sinn. – Aber wer hat denn da wo im Bundesministerium geschlafen? Ihr Minister hat eine Notfallreform völlig ohne Krankenhausreform vorgelegt. Da war nicht mal eine Verzahnung angedacht oder möglich.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir machen eine Krankenhausreform; wir packen das an. Und wir verzahnen und packen eine Notfallreform an. Das ist doch der richtige Weg.

Also schönen Dank, dass Sie mir die Gelegenheit gegeben haben, dies noch mal deutlich zu machen. Ich hoffe, dass ich Ihnen helfen konnte, in Ihren eigenen Überlegungen ein bisschen weiterzukommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

16 Prozent!

Jetzt aber zurück zu dem, was mir noch besonders am Herzen liegt. Der Kollege Dahmen hat einen Punkt angesprochen; er hat das Beispiel der älteren Dame genannt. Ich kann dieses Beispiel vielleicht mal ergänzen um die Menschen, die sich in einer psychischen Krisensituation befinden. Das könnte man nämlich genauso deutlich machen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP]

An der Stelle springen wir im Gesetz aus meiner persönlichen Sicht noch ein wenig zu kurz.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Zum einen könnten wir die Krisendienste, die wir schon im Koalitionsvertrag vorgesehen haben, mit andenken.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Denn eine Notfallpflege ist im Grunde der Krisendienst, den wir im Bereich der psychiatrischen Hilfen brauchen. Und zum anderen macht es durchaus Sinn, die Frage der psychischen Erkrankungen klar bei den Integrierten Notfallzentren zu verorten und dort eine fachlich klare Ausrichtung vorzusehen. Das sind durchaus viele Notfälle an der Stelle.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich will gerne noch einen weiteren Punkt ansprechen, der mir sehr am Herzen liegt. Ich finde, auch die Frage der Barrierefreiheit muss zwingend gerade im Hinblick auf die INZs deutlich und gut geklärt werden, sodass alle Menschen mit Behinderung in der Lage sind, ein INZ aufzusuchen, um dort die notwendige Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Auch da sehe ich durchaus noch ein wenig Nachschärfungsbedarf.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Lassen Sie mich zum Schluss einen großen Dank an all diejenigen richten, die unsere Notfallversorgung im Moment aufrechterhalten und sich echt krummlegen. Ich habe über Jahre selbst im Rettungsdienst gearbeitet, und ich weiß, was das für ein Aufwand und für eine Aufgabe ist. Vielen Dank an all die Rettungskräfte, die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegekräfte, die die Notfallversorgung sicherstellen!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Andrew Ullmann [FDP]

Und last, but not least – Kollege Ullmann, ich bin ganz bei Ihnen –: Den Apotheken können wir dafür danken, dass wir da ein gutes Notfallsystem haben. Das ist sicherlich nicht problematisch; das sollte gut in die Reform zu integrieren sein, die wir machen.

Das machen wir!

Das ist ein richtiger Weg.

Ich freue mich auf die weiteren Debatten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Beifallbei der CDU/CSU
ca. 348 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich kann Ihnen nur eins sagen – es ist vollkommen klar –: Die Reform der Notfallversorgung muss kommen. Abfragen der Deutschen Krankenhausgesellschaft haben gezeigt, dass 90 Prozent der Patientinnen und Patienten in der Notaufnahme eine Stunde oder länger warten müssen, nur 38 Prozent der Patientinnen und Patienten, die in der Notaufnahme ankommen, so schwer erkrankt sind, dass sie überhaupt stationär aufgenommen werden müssen, circa 50 Prozent der Patientinnen und Patienten in der Notaufnahme auch im niedergelassenen Bereich behandelt werden können, 90 Prozent aller Notaufnahmen – so wurde es angegeben – Erfahrungen mit verbaler oder sogar körperlicher Gewalt gemacht haben.

Gerade die letzte Kennzahl ist erschreckend und macht deutlich, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass unser System in seiner aktuellen Form an seine Grenzen stößt. Deshalb ist es notwendig, dass wir etwas ändern. Mit Blick auf den Reformentwurf der Ampelkoalitionäre gilt jedoch: Vieles ist gut gemeint, aber vielleicht nicht optimal gemacht. Dass jedoch eine Effizienzsteigerung des Rettungsdienstes im Rahmen der Notfallreform nicht angegangen wird, untergräbt die grundsätzlich guten Ansätze des BMG. Das monieren nicht nur die Techniker Krankenkasse oder der Verband der Ersatzkassen, sondern auch das auf Initiative der Bertelsmann-Stiftung eingerichtete Expertenpanel unter der Leitung des Kollegen Dahmen. Hier muss im weiteren parlamentarischen Verfahren nachgebessert werden, und wir als Unionsfraktion haben das im Blick.

Ein weiteres Problem, das im Gesetzesvorhaben keine Beachtung findet, ist die Verknüpfung zwischen Rettungsdiensten und Krankentransporten. Wird ein Patient beispielsweise mit einem Krankentransportwagen von einer Klinik zu einer Rehaeinrichtung gebracht, ist der Wagen entsprechend geblockt und kann nicht für die Notfallversorgung genutzt werden. Andersherum führt das auch zu Verzögerungen beim Abtransport von Patientinnen und Patienten. Für Münchner Kliniken liegt die Wartezeit mittlerweile bei vier bis sechs Stunden. Mit Blick auf die lange Verweildauer in den Notaufnahmen sollten Kliniken neben telemedizinischen Angeboten und Integrierten Notfallzentren die internen Organisationsstrukturen überdenken.

Ich habe aber auch ein gutes Beispiel zum Schluss: Patientinnen und Patienten in den München Kliniken, die stationär aufgenommen werden müssen, erhalten einen Bettplatz auf einer Station nach maximal drei Stunden. In diesem Zeitraum ist die erste notwendige Diagnostik schon abgeschlossen, –

ca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– um danach fachspezifisch weiterbehandelt zu werden.

Ich kann Ihnen nur sagen: Ich glaube, dass wir viele Lösungsoptionen haben und die gemeinsam zusammenführen werden.

16 Vermerkeca. 415 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben eine Verantwortung für Menschenrechte und Umwelt in globalen Lieferketten, und wir haben mit dem Lieferkettengesetz den richtigen Hebel, um dieser Verantwortung gerecht zu werden.

Beifalldes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der vorliegende AfD-Antrag verdreht aber mal wieder völlig die Tatsachen.

Nee, macht er eigentlich gar nicht!

Natürlich muss man zwischen Meinungen und Tatsachen unterscheiden. Und wenn Sie von der AfD der Meinung sind, dass es uns egal sein sollte, ob wir für Menschenrechtsverletzungen mitverantwortlich werden könnten, dann ist das so. Aber damit entlarven Sie vor allem sich selbst!

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Die Mehrheit der Menschen in diesem Land und in diesem Haus ist aber anderer Meinung. Wir Grünen sind dezidiert anderer Meinung.

Wer hätte das gedacht!

Zurufdes Abg. Leif-Erik Holm [AfD]

Und auch ich persönlich bin völlig anderer Meinung.

Ich habe beruflich viele Textilfabriken in Bangladesch, Indien und Pakistan und einige Minen im Kongo besucht. Wenn Textilarbeiterinnen dort nicht von ihrem Lohn leben können, wenn Fabrikunglücke aufgrund mangelnder Sicherheit vermeidbare Opfer fordern oder wenn Rohstoffförderung Konflikte anheizt, dann müssen wir ganz klar sagen: Soweit es in unserer Macht steht, müssen wir das verhindern.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist aber nicht Aufgabe der Unternehmen!

So weit zu den Meinungen. In Ihrem Antrag stellen Sie aber nun als Tatsache hin, dass das deutsche Lieferkettengesetz und die europäische Richtlinie praktisch gar nicht umsetzbar seien und dass sie dem Standort Deutschland schaden würden. Das Gegenteil ist der Fall!

Beides ist richtig!

Viele Unternehmen haben sich schon längst auf den Weg gemacht

Zurufevon der AfD: Ja, ins Ausland!

und etablieren bereits jetzt entsprechende Risikomanagementsysteme. Und sie wollen nicht auf halbem Weg wieder umkehren.

Nee, die sind bald alle weg!

Wenn dieselben Regeln wie in Deutschland nun auch in ganz Europa gelten, dann stärkt das unseren Standort sogar, weil es für ein Level Playing Field sorgt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Die größte Gefährdung für den Wirtschaftsstandort Deutschland

… sind die Grünen!

sind immer noch Sie selbst, die AfD.

Denn die menschenverachtende Politik, die Sie fordern, sorgt schon jetzt dafür, dass notwendige Fachkräfte nicht mehr hierherkommen wollen.

Die brauchen wir bald nicht mehr, wenn alle Unternehmen weg sind!

Und das schadet dem Standort Deutschland wirklich.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Alexander Bartz [SPD]
Zurufvon der AfD: So ein Schwachsinn!

Zurück zum Lieferkettengesetz. Viele kleine Unternehmen kritisieren zu Recht, dass sie zu viele unterschiedliche Dinge immer wieder aufs Neue berichten müssen. Aber das steht überhaupt nicht im Gesetz,

Das machen die völlig von sich aus! Genau! Völlig freiwillig!

und trotzdem nehmen wir das ernst. Das liegt daran, dass die größeren Unternehmen die Berichtspflichten an kleinere weiterreichen. Das steht aber so nicht im Gesetz; wir nehmen das dennoch ernst.

Wir Grünen setzen uns erstens dafür ein, dass die bürokratischen Belastungen für kleine Unternehmen so gering wie möglich sein müssen und dass es eine Vereinheitlichung und Standardisierung geben muss.

Und wir wollen zweitens, dass die europäische Richtlinie so schnell wie möglich in deutsches Recht umgesetzt wird, um den Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stefan Rouenhoff
Foto: Stefan Rouenhoff/ Tobias Koch
19 Vermerkeca. 707 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das war jetzt eine sehr interessante Rede, Herr Kretz, die Sie hier gehalten haben. Aber das macht natürlich längst noch keine gute Politik aus. Wir sehen tatsächlich in der Bundesregierung bisher nur Rumgehampel, Rumgehampel in der Ampel.

Beifallbei der CDU/CSU

Na, na, na, na!

Die Wirtschaftspolitik dieser Bundesregierung bleibt schon das dritte Jahr in Folge dilettantisch. Das beweist ja jetzt Ihre jüngst veröffentlichte eigene Wachstumsprognose für 2024: minus 0,2 Prozent.

Das liegt alles an Ihrem Lieferkettengesetz?

Deutschland befindet sich auf dem Weg in die Rezession. Und Ihr Rumgehampel zeigt sich nun auch bei Ihrem Umgang mit der Lieferkettenregulierung auf nationaler und europäischer Ebene.

Das war Ihr Lieferkettengesetz, das dafür verantwortlich ist, oder was?

– Ich komme gleich dazu. Beruhigen Sie sich!

Nee, ich frage ja nur! Ich bin ganz ruhig!

Der Druck auf die internationalen Lieferketten ist durch den russischen Angriffskrieg und andere Krisen massiv gestiegen. Das hat auch die deutsche Wirtschaft ziemlich hart getroffen. Und was hat die Ampelregierung unternommen, um die fleißigen Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland vor neuen Belastungen, vor neuen Berichtspflichten zu bewahren?

Betriebsverfassungsgesetz!

Gar nichts hat die Bundesregierung in den letzten Jahren unternommen, und das trotz Zeitenwende.

Anstatt auf die veränderte politische Lage flexibel zu reagieren, haben vor allem Sie, liebe Grüne, ein Belastungsmoratorium für die deutsche Wirtschaft rundweg abgelehnt. Wenn Sie mal auf uns und auf Ihren Koalitionspartner, die FDP, gehört hätten, dann müsste Ihr Wirtschaftsminister nicht Tag für Tag neue Hiobsbotschaften verkünden.

Liebe Ampelkollegen, Sie haben es versäumt, ein Belastungsmoratorium auf den Weg zu bringen und so das Lieferkettengesetz aufzuschieben. Und statt der deutschen Wirtschaft Luft zum Atmen zu geben, haben Sie ihr gleich noch weitere schwere Steine in den Rucksack gepackt. Sie haben in Brüssel das Gesetzgebungsverfahren zur europäischen Lieferkettenrichtlinie einfach laufen lassen,

Zurufdes Abg. Maik Außendorf [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

weil Sie sich, wie so oft in der Bundesregierung, nicht auf eine gemeinsame deutsche Position in Brüssel einigen konnten.

Das ist Ihr Lieferkettengesetz und Ihre Kommissionspräsidentin!

Und als Geschenk bekommt die deutsche Wirtschaft von Ihnen eine weitreichende europäische Lieferkettenregulierung, und zwar inklusive der zivilrechtlichen Haftung. Es ist Ihre Uneinigkeit in einer völlig zerstrittenen Bundesregierung, die genau dieses Ergebnis produziert hat, und das zulasten der größten Volkswirtschaft in der Europäischen Union.

Meine Damen und Herren, für uns als Unionsfraktion war schon vor einigen Monaten klar: Die nationale Regelung und die europäische Lieferkettenregulierung stellen eine Doppelbelastung für Unternehmen in Deutschland dar.

Deshalb haben wir im Juni – das sei mal an die AfD-Fraktion gerichtet – einen Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht, um das nationale Lieferkettengesetz aufzuheben. Was hat die Ampel gemacht? Die Ampel hat genau diesen Gesetzentwurf blockiert,

Das ist auch gut so!

um dann einen Monat später, im Juli, anzukündigen, dass es Erleichterungen bei der nationalen Regelung geben soll. Das ist schon sehr interessant. Und was ist seitdem in der Ampelregierung passiert?

Gar nichts! Gar nichts ist passiert. Sie haben mit Ihrer Wachstumsinitiative die Punkte immer noch nicht auf den Weg gebracht. Und wir alle fragen uns: Wann, liebe Ampelkollegen, fangen Sie endlich an, Wirtschaftspolitik für unser Land zu machen?

Beifallbei der CDU/CSU

Letzte Sitzungswoche im Parlament! Erste Lesung!

– Wie schön, dass Sie als Grüne sich so lautstark betätigen.

Wenn Sie bei der Wahrheit bleiben würden, würde das allen helfen!

Wir als Unionsfraktion freuen uns ja, dass Ihr Minister Robert Habeck noch vor wenigen Tagen öffentlich erklärt hat, beim Lieferkettengesetz „die Kettensäge anzuwerfen und das ganze Ding wegzubolzen“ – also richtig kraftmeierische Ausdrücke. Aber was gilt denn jetzt eigentlich in der Koalition und bei den Grünen? Gilt das, was Robert Habeck sagt, oder gilt das, was Ihre Europaabgeordnete Anna Cavazzini sagt? Sie behauptet nämlich, dass der Wirtschaftsminister nicht die Position der Grünen vertritt. Dazu würde mich tatsächlich Ihre Meinung interessieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Habeck hat sich heute dazu geäußert!

Wir jedenfalls sind sehr skeptisch – wir haben ja in den letzten Monaten immer wieder gesehen, dass es nicht so war, dass Robert Habecks Worten tatsächlich auch Taten folgen –, weil für die Grünen die Lieferkettenregulierung bis vor Kurzem nicht streng genug sein konnte. Daran möchte ich an dieser Stelle noch mal erinnern.

Wir waren da ganz auf der Linie von Gerd Müller, CSU!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die AfD fordert in ihrem Antrag die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der das nationale Lieferkettengesetz außer Kraft setzt. Ihre Forderung ist aber leider völlig überflüssig, weil wir als Unionsfraktion genau diesen Gesetzentwurf schon eingebracht haben.

Ja! Nach der ersten Lesung dieses Antrages! Abkopiert!

In den nächsten Sitzungswochen können wir hier im Plenum über genau diesen Gesetzentwurf noch mal sprechen. Wir freuen uns jetzt schon darauf, dass die Grünen, wie es der Minister gesagt hat, und die FDP, wie sie es in den letzten Monaten und Jahren schon gesagt hat, bürokratische Belastungen durch die nationale Regelung beseitigen und unserem Antrag zustimmen. Wir freuen uns auf breite Zustimmung.

Die werden Sie wohl nicht kriegen!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Bernd Rützel
Foto: Bernd Rützel / DBT/Stella von Saldern
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Menschenrechte sind universell; die sind nicht verhandelbar, die machen an keiner Grenze halt, die können nicht entzogen werden, die kann man auch nicht bekommen, die hat man automatisch. Und diese Menschenrechte unterliegen auch niemals Konjunkturschwankungen. Deswegen liegt derjenige falsch, der glaubt, dass wir die Konjunktur dadurch beleben können, dass wir bei Kinderarbeit und Zwangsarbeit nicht mehr genau hingucken. Der irrt sich. Wer global wirtschaftet, der muss auch global Verantwortung übernehmen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es geht um die Einhaltung von Menschenrechten entlang der gesamten Lieferkette; und die endet nicht am Werkstor. Es gibt ja Gott sei Dank viele Unternehmen, die das seit vielen Jahren vorbildlich tun, und die sind auch noch sehr erfolgreich. Andere wiederum fürchten diese Sorgfaltspflicht wie der Teufel das Weihwasser. Aber auch sie müssen sich nun daran halten, weil wir ein nationales, ein deutsches Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz haben. Wir haben das damals in der GroKo gemeinsam beschlossen.

Wir hatten auch eine Zeitenwende, wenn Sie sich daran erinnern!

Das stimmt!

Ihr Gerd Müller war ein Vorkämpfer, und er schaut bestimmt heute Abend am Fernseher wieder zu.

Aber man muss sich an dieses Lieferkettengesetz halten. Ich bin sehr froh, dass unser Lieferkettengesetz eine Blaupause für ein europäisches Lieferkettengesetz gewesen ist. Der Rat der Europäischen Union hat das am 24. Mai beschlossen,

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

auch ohne die Zustimmung von Deutschland. Ich bin froh, dass es beschlossen worden ist. Ich will drei ganz konkrete Punkte nennen:

Erstens. Das Lieferkettengesetz ist ein Sorgfaltspflichtengesetz. Es fordert genaues Hinsehen, nicht Wegsehen. Es gilt eine Bemühenspflicht. Es gilt keine Erfolgspflicht. Das genaue Hinschauen muss aber auch tatsächlich passieren. Es reicht nicht, wenn große Unternehmen ihre juristische Abteilung damit beschäftigen und sie anweisen, lange Ausfülllisten und Papiere an die Zulieferer weiterzugeben – der Kollege von den Grünen hat es eingangs erwähnt –, und damit die ganze Verantwortung abwälzen. Die Verantwortung bleibt immer beim großen Unternehmen. Das werden wir jetzt noch einmal deutlich machen, und das BAFA wird das auch ganz klar kommunizieren; denn diese Verantwortung kann man nicht loswerden. Das bedeutet hier, dass man hinsehen muss und nicht alles delegieren kann. Das ist wichtig.

Zweitens. Wir werden dafür sorgen, dass die deutschen Unternehmen keine unnötige Bürokratie haben. Es braucht nicht zwei Berichte – einer reicht, aber der muss gelten. Deswegen werden wir die Berichtspflichten aus der europäischen Nachhaltigkeitsrichtlinie CSRD einbeziehen.

Drittens. Die Vorreiterrolle, die wir als Deutschland eingenommen haben, die uns auch gut steht, liebe Kolleginnen und Kollegen, zahlt sich nun aus; denn unsere Unternehmen sind auf das europäisches Lieferkettengesetz gut vorbereitet. Das haben wir bei Ihrem Antrag im Juli gesehen. Damals hat sich eine Diskussion entwickelt nach dem Motto: Um Gottes Willen, hört auf! Nicht rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln! Bleibt dabei!.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die deutschen Unternehmen sind sozusagen in der Poleposition. Sie haben gleiche Bedingungen, an die sich jetzt alle halten müssen. Wir würden der deutschen Wirtschaft sehr schaden, wenn wir jetzt dieses Lieferkettengesetz einige Monate aussetzen und dann das europäische beschließen. Was die Wirtschaft braucht, ist nicht „rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“, sondern sie braucht Berechenbarkeit, sie braucht Planungssicherheit, und sie braucht Verlässlichkeit.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Carl-Julius Cronenberg [FDP]

Zusammenfassend: Sorgfaltspflichten bedeuten keine unnötige Bürokratie.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Carl-Julius Cronenberg [FDP]
Beifallbei der AfD
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe heute drei Zitate von Ludwig Erhard mitgebracht, dem Mann, der die Wirtschaftsordnung in diesem Land begründet hat, die Deutschland so wohlhabend gemacht hat.

Das erste Zitat betrifft die Beziehung zwischen Politik und Wirtschaft: „Die Volkswirtschaft ist kein Patient, den man pausenlos operieren kann.“

Das zweite Zitat betrifft die Frage der Gerechtigkeit im Markt: „Je freier die Wirtschaft ist, umso sozialer ist sie auch.“ Das ständige Herumdoktern macht unsere Wirtschaft kaputt, und dass sie auch deshalb stottert, sehen wir spätestens jetzt in den Wirtschaftsprognosen. Mit jeder neuen Regel, die beschlossen wird, schaffen wir Hunderte Jobs bei Behörden oder bei Beratungsfirmen, aber gefährden ein Vielfaches an gut bezahlten Industriearbeitsplätzen im ganzen Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Ludwig Erhard war sehr vorausschauend, und deshalb hat er sozusagen zum Lieferkettengesetz noch das dritte Zitat hinterlassen: „Wenn wir den Wohlstand geschafft haben, werden wir auch mit seinen Folgen schon fertig.“ Das ist die beste Zusammenfassung dessen, was in den ärmeren Regionen dieser Welt durch die Globalisierung passiert ist und auch noch passieren wird: Die Entwicklungsländer und die Schwellenländer schaffen Wohlstand und arbeiten dann an der Verbesserung der Menschenrechte und des Umweltschutzes, so wie auch wir es übrigens gemacht haben, nachdem unsere materiellen Bedürfnisse gedeckt und gesichert waren.

Jetzt kommen in der Situation aber wir mit unseren Ansprüchen und Vorstellungen aus unserer Lebensrealität. Wir machen unseren Handelspartnern Vorgaben; wir überhäufen unsere eigene Wirtschaft und die Unternehmen, die dort tätig sind, mit noch mehr bürokratischen Pflichten, und wir schaffen Rechtsunsicherheit im Handel mit diesen Ländern. Es gibt ein paar große Unternehmen in Europa, die sich sogar darüber freuen; denn die Markteintrittshürde für kleinere Unternehmen wird natürlich noch größer. Aber kleine und mittlere Unternehmen und vor allem alle, die wirtschaftlich in Entwicklungs- und Schwellenländern aktiv sind, werden überfordert.

Beifallbei der CDU/CSU

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind gar nicht betroffen! Es geht nur um große Unternehmen, gar nicht um kleinere und mittlere!

Ich bedauere sehr, wenn wir an dieser Stelle eine emotionale und unehrliche Debatte führen. Buzzwords und Gruselgeschichten, die wir in dieser Debatte andauernd hören, ersetzen Daten und Fakten nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich sehe diese Form der Regulierung – vor allem, wenn wir sie übertreiben – allgemein sehr kritisch, weil ich glaube, dass sie uns und die andere Seite in dieser Geschichte ärmer macht, aber es ist der Freihandel, der uns und die anderen wohlhabender macht. Wir schulden gute Wirtschaftspolitik nicht nur dem gewissenhaften Arbeiter in Untertürkheim, der seinen guten Job bei Daimler behalten möchte, sondern wir schulden sie auch den Ländern mit Aufstiegswillen, die sich das Ganze noch erarbeiten möchten.

Nur eine in weiten Teilen freie Wirtschaftsordnung und immer freierer Handel hätten in den letzten 30 Jahren ein derartiges Wunder für die Lebenssituation von Hunderten Millionen Menschen erreichen können.

Oh, ja! Das stimmt!

Deshalb ist es in der Summe einfach falsch, punktuelle Rechtsverletzungen anzuprangern, ohne gleichzeitig zu erwähnen, wie viel besser es Hunderten Millionen Menschen auf dieser Welt mittlerweile geht,

Beifallbei der CDU/CSU

und das durch internationalen Handel, der immer mehr Barrieren abgebaut hat.

Wirtschaft ist eben kein Nullsummenspiel.

Sagt ja auch keiner!

Arbeitsteilung und Spezialisierung haben in Summe den weltweiten Wohlstand für alle vergrößert und Gesellschaften in ihrer Entwicklung so gefördert wie keine Richtlinie, kein Lieferkettengesetz und keine Entwicklungshilfe es jemals könnten. Die Zahl der Menschen in extremer Armut ist seit 1990 um 1 Milliarde gefallen – wohlgemerkt: während die Bevölkerung der Erde gleichzeitig gestiegen ist.

Zurufdes Abg. Dr. Malte Kaufmann [AfD]

Auch der Welthandelsbericht der WTO zeigt den Zusammenhang auf, dass Handel das Einkommen steigert, und diese Steigerung des Einkommens wiederum hat positive Effekte auf die Menschenrechtslage, vor allem für die verletzlichsten Gruppen auf dieser Welt.

Zurufder Abg. Gabriele Katzmarek [SPD]

Konkret geht es darum, dass es seit den 90er-Jahren gelungen ist, die Armutsquote in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommensstrukturen von 40 Prozent auf 11 Prozent zu senken. Das heißt, den ganz großen Teil der Armut weltweit gibt es einfach nicht mehr. Im selben Zeitraum ist der Anteil des globalen Exportvolumens dieser Länder, über die ich gesprochen habe, von 16 Prozent auf 32 Prozent gestiegen. Oh Wunder, wer diesen Zusammenhang nicht erkennt.

Das sind klare Zahlen, das sind klare Fakten und übrigens auch gute Aussichten für die Zukunft vor allem dieser Länder. Es gibt nichts Unsozialeres, nichts Schädlicheres, als diesen Handel auszubremsen und unsere Unternehmen sowie die Unternehmen dieser Länder mit übermäßiger Bürokratie zu überfrachten.

Das ist keine Bürokratie! Das sind Menschenrechte!

„Je freier die Wirtschaft ist, umso sozialer ist sie auch.“ Und mit den Folgen des Wohlstands weltweit werden wir dann schon klarkommen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Bernd Rützel [SPD]
10 Vermerkeca. 392 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist im Interesse unserer Unternehmerinnen und Unternehmer sowie unserer Bürgerinnen und Bürger, dass die industriellen Lieferketten frei sind von Ausbeutung, von Gefährdung und von Missbrauch von Beschäftigten. Die Wahrung von Menschenrechten ist der Anspruch von verantwortungsvoll agierender Politik.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und wer ist dagegen? Richtig, die AfD. Das seit Januar 2023 gültige Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz möchte die AfD laut ihrem Antrag heute abschaffen.

Ihr zentrales Argument: Das Gesetz missachtet die Grundsätze des freien Handels. – Das ist völlig an den Haaren herbeigezogen; denn Sie argumentieren, dass das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz die Entscheidungsfreiheit verhindert und unsere Unternehmen international benachteiligt.

Genau so ist es!

Haben Sie jemals mit Unternehmern gesprochen?

An dieser Stelle frage ich Sie ernsthaft, ob Sie es nicht besser wissen oder ob Sie uns einfach täuschen wollen; denn richtig ist nämlich, dass auch andere Länder verbindliche Lieferkettengesetze anwenden: Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, die USA und andere. Diese Länder stehen mit uns im Wettbewerb, und trotzdem haben sie dort diese Gesetze. Ihre immergleiche Erzählung von deutschen Alleingängen ist und bleibt falsch, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir wollen den freien Wettbewerb in Kombination mit sozialem Fortschritt gewährleisten. Das darf nach unseren Vorstellungen eben nicht nur für Ihre „Biodeutschen“ gelten, wie Sie es immer so schön sagen.

Das sagen Sie!

Den Wohlstand in Deutschland haben wir allen Menschen zu verdanken, die mit ihren Leistungen entlang der Lieferkette dazu beitragen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit der AfD werden diese und viele andere Menschen immer an letzter Stelle stehen. Diese egoistische Denkweise ist symptomatisch für Ihre gesamte Partei. Sie ist nicht sozial, und sie zeugt von Kleingeistigkeit und Verachtung.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In meinem Wahlkreis, dem Oldenburger Münsterland, haben wir erfreulicherweise eine wirklich starke Unternehmenslandschaft mit einem starken Mittelstand. Mit vielen Unternehmerinnen und Unternehmern bin ich im ständigen Austausch. Und ja, natürlich ist auch dort die ausufernde Bürokratie eine große Sorge. Und ja, auch bei uns wird die praktische Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes kritisch gesehen; das blende ich an dieser Stelle gar nicht aus. Aber genau darum ist doch der Austausch mit den Unternehmen aktuell so wichtig: damit wir die Gesetze fortlaufend verbessern können und in einen Prozess kommen. Das ist ganz normal, und das ist politische Arbeit, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aus diesem Grund, sehr geehrte AfD: Versuchen Sie es doch beim nächsten Mal mit einem konstruktiven Beitrag, der zur Optimierung eines Gesetzes beiträgt. So kann man mit Ihrem Antrag wirklich nur eines machen: diesen ablehnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]
Beifallbeim BSW
4 Vermerkeca. 310 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Gestatten Sie mir zum Einstieg ein Zitat von Rousseau, weil es hier um den Freiheitsbegriff geht, den Sie – auch Sie von der FDP – sehr gerne angewendet haben; ich habe das durchaus verstanden. Rousseau sagte: „Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.“ Ein bemerkenswertes Zitat einer derer, die im Vorfeld der Französischen Revolution gewirkt haben.

Es ist die Freiheit, die unterdrücken kann. Welche Freiheit meint er? Es ist die Freiheit der Unternehmen, dort hinzugehen, wo es am billigsten ist, wo die schlechtesten Arbeitsbedingungen sind, wo Kinderarbeit ist, weil das für die Unternehmen natürlich ein Konkurrenzvorteil ist. Wenn wir das in einer modernen Welt nicht durch Gesetze regeln, wenn wir nicht versuchen, Einfluss zu nehmen auf das, was da passiert, dann führt eben die Freiheit nicht dazu, dass es den Menschen besser geht, sondern die Freiheit führt zu ganz schlimmen Bedingungen, wie zum Beispiel bei Rana Plaza in Bangladesch. Fahren Sie mal hin, und schauen Sie sich das an! Da ist ein Denkmal.

Ich war schon da!

Dort haben über 1 000 überwiegend junge Frauen ihr Leben verloren, weil es dort genau das nicht gegeben hat, was jetzt mit diesem Gesetz dankenswerterweise auf den Weg gebracht worden ist.

Beifallbeim BSW

Sicher: An der einen oder anderen Stelle muss man noch mal nachbessern; das ist ja gar nicht der entscheidende Punkt. Aber eins ist klar: Hätten wir das Gesetz nicht auf den Weg gebracht, dann wären heute die Arbeitsbedingungen gerade in Ländern Ostasiens noch genau so, wie sie mal waren. Dann wären aber auch die, die keine Schutzregelungen haben, durchaus verantwortlich für das, was da passiert. Es ist die Freiheit, die unterdrückt, und es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es Regelungen gibt, dass die Freiheit auch den Menschen zugutekommt, die wenig Geld haben. Das ist der Sinn dieses Gesetzes.

Beifallbeim BSW sowie bei Abgeordneten der SPD

Klaus, du hast eine gute Rede gehalten!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Eine neue Sitzungswoche, ein neuer Antrag gegen das Lieferkettengesetz. Immer wieder sind es die gleichen hysterischen und schlicht falschen Aussagen, die hier von der Opposition vorgetragen werden – in diesem Fall auch ganz egal, ob von der AfD oder der CDU/CSU –:

Das Lieferkettengesetz greife in die Souveränität fremder Staaten ein, deutsche Firmen müssten Handelsbeziehungen abbrechen und würden angeblich für Handlungen ihrer Zulieferer haften, Deutschland spiele sich als Wohltäter auf, indem es mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger von anderen Ländern Unleistbares fordere.

So ist es!

Alles falsch, alles Quatsch; denn es gibt gar keinen Widerspruch zwischen Wachstum und Sorgfalt.

Ich möchte einmal klarstellen, worum es hier geht: Es geht darum, die Risiken für schwerste Menschenrechtsverletzungen zu reduzieren und europäische Unternehmen dazu zu verpflichten, a) ihre Lieferbeziehungen überhaupt zu kennen und b) im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihnen bekannte Missstände zu adressieren – ganz einfach. Da geht es nicht um den moralischen Zeigefinger, da geht es nicht um eine vermeintliche Woke-Agenda. Da geht es um Dinge wie Kinderarbeit, da geht es um Brandschutz, da geht es um den Umgang mit giftigen Chemikalien, da geht es um Gewalt gegen Frauen am Arbeitsplatz.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Da geht es um die unmittelbare Substanz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wer das in einer emotionalen Debatte als wokes Nice-to-have wie Sie, Herr Mörseburg, oder als entbehrlich abkanzelt, der braucht sich dann auch nicht darüber zu wundern, dass Menschen aus existenziellen Gründen nach Europa fliehen müssen. Gute Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern sind die beste Prävention auch gegen Armutsmigration.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vertrauen Sie mal den Unternehmen!

Kein Zuliefererunternehmen im Globalen Süden wird durch das Lieferkettengesetz verpflichtet, etwas zu leisten, was es nicht kann, und kein deutsches Unternehmen wird dazu gezwungen, Handelsbeziehungen abzubrechen, wenn es einen Vorfall bei dem Zulieferer gab.

Und ja – das stelle ich gar nicht in Abrede –, es gibt Herausforderungen bei der Umsetzung des Lieferkettengesetzes. Ich selbst bin seit drei Jahren im Austausch mit Unternehmen und Branchenverbänden, und nur in ganz, ganz wenigen Fällen gibt es eine Grundsatzkritik an den Zielen des Lieferkettengesetzes; meistens ist die Kritik sehr präzise und oft auch klug, was die Umsetzung im Detail betrifft. Da sind wir ja offen; da ist die Bundesregierung offen. Denn niemand hat ein Interesse an ineffektiven Bürokratiemonstern.

Wir alle haben ein großes Interesse daran, dass es auch funktioniert. Das erreichen wir aber nicht durch plumpe Panikmache und Falschbehauptungen, sondern durch gewissenhafte Arbeit. Deshalb müssen wir die europäische Lieferkettenrichtlinie nun schnell in deutsches Recht überführen –

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

das ist im Übrigen die Lieferkettenrichtlinie, die auch Sie von der CDU mit Ihrer Kommissionspräsidentin zu verantworten haben –, und das nicht nur, um den Vorgaben der Richtlinie gerecht zu werden, sondern um eben auch das Feedback und die Erfahrungswerte, die wir seit der Einführung des Lieferkettengesetzes im letzten Jahr gewonnen haben, einfließen zu lassen.

Im Übrigen frage ich mich auch – das geht an die AfD –, was jetzt eigentlich Ihr konkreter Vorschlag ist. Der Trilog zur Lieferkettenrichtlinie wurde im Januar abgeschlossen. Die Lieferkettenrichtlinie ist seit Juni in Kraft. Die Bundesregierung ist verpflichtet, diese Richtlinie umzusetzen und in nationales Recht zu überführen. So funktioniert ein Rechtsstaat. Wollen Sie die Lieferkettenrichtlinie wieder abschaffen, brauchen Sie Mehrheiten in Europa. Aber wie wir ja alle wissen: Da wollen ja nicht einmal mehr Ihre rechtsradikalen Freunde mit Ihnen spielen. Also viel Erfolg dabei!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zum Ende auch noch ein Wort in Richtung der Union. Solange Sie sich weiterhin verweigern, sich der Themen „Investitionen in Infrastruktur und Industrie“ sowie „Arbeitskräfteeinwanderung“ irgendwie anzunehmen – da sind ja Ihre MPs mittlerweile stellenweise durchaus auch auf unserer Seite –, brauchen Sie hier auch keine Nebelkerzendebatten zu führen und die fundamentalen Probleme unserer Wirtschaft in Themen wie dem Lieferkettengesetz zu suchen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Arbeiten Sie doch konstruktiv mit! Es gibt genügend große Herausforderungen, die wir alle als demokratische Parteien und Fraktionen zusammen angehen müssen – das als vielleicht versöhnliches Angebot zum Ende.

In diesem Sinne bedanke ich mich und wünsche noch einen schönen Abend.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wissen Sie, was am Ende ist? Die Wirtschaft!

Porträt von Malte Kaufmann
Foto: Dr. Malte Kaufmann/Nils Rauber
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Bürger!

Es gibt auch Bürgerinnen!

Unserer Wirtschaft geht es schlecht. Mit jedem weiteren Tag links-grüner Politik wird es immer schlimmer. Herr Habeck hat heute selber in einer Pressekonferenz zugegeben, dass wir in eine Rezession hineingeschlittert sind. Das liegt, Herr Kretz, nicht an der AfD – das ist wirklich ein lächerliches Argument; wir waren noch gar nicht in Regierungsverantwortung –, sondern auch und gerade an Ihrer links-grünen Politik,

Das liegt an Ihrem Freund Putin!

an den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Sie von der Ampel hier schaffen. Sie würgen mit Ihrer Politik unsere Wirtschaft ab.

Beifallbei der AfD

Wie machen Sie das? Das machen Sie, indem Sie den Unternehmen mit Ihren immer neuen staatsdirigistischen Eingriffen jegliche Planungssicherheit nehmen und indem Sie immer noch mehr Bürokratie obendrauf packen.

Zum Thema Bürokratie: Sie inszenieren sich in der Öffentlichkeit jetzt gern als Wirtschaftsversteher, indem Sie angeblich Bürokratie abbauen wollen – wir hatten vor ein paar Wochen hier eine Debatte zum Thema Bürokratieentlastungsgesetz –, aber das Gegenteil ist der Fall. Wir haben eine Kleine Anfrage zu diesem Thema gestellt. Die hat ans Licht gebracht, dass Sie in dieser Legislatur bis heute 94 Normen mit neuer Bürokratie geschaffen haben, aber nur 19 bürokratische Normen abgeschafft haben.

Siehe da!

Mit anderen Worten: fast fünfmal mehr Bürokratie aufgebaut als abgeschafft! Das ist Ihre Minderleistung für unser Land.

Beifallbei der AfD

Kein Wunder, dass die Wirtschaft kaputtgeht.

Und Sie strangulieren die Unternehmen nicht nur ständig mit eigenen neuen Normen. Nein, Sie glauben auch noch, die ohnehin schon völlig überzogenen EU-Vorgaben übererfüllen zu müssen, das sogenannte Gold-Plating. Auch das haben wir mit unserer Anfrage herausgefunden: Das geschieht – die Bürger werden es kaum glauben – nicht nur aus den grün geführten Ministerien, sondern zu einem erheblichen Teil auch unter der Ägide von FDP-Ministern.

Das zeigt sehr deutlich: Bei Ihnen allen ist der politische Kompass verstellt. Wirtschaft funktioniert nämlich nur mit Freiheit, nicht mit links-grüner Gängelung.

Beifallbei der AfD

Unsere Unternehmen haben Besseres zu tun, als Ihrem Verbots- und Kontrollwahn zu huldigen. Die Unternehmen da draußen müssen an den Weltmärkten gegen ihre zahlreichen Wettbewerber bestehen. Das können sie nicht, wenn sie von Ihnen, von dieser unsäglichen Ampel

Wir sind die drittstärkste Volkswirtschaft auf der Welt!

– quatschen Sie doch nicht die ganze Zeit dazwischen –,

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

ständig mit Ihren bürokratischen Auflagen erstickt werden.

Dann kommen wir zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Wir fordern die Abschaffung. Das ist genauso ein Beispiel für die Bürokratie, die Sie aufgebaut haben. Wir sind froh, Herr Rouenhoff, dass sich die Union inzwischen unserem Antrag angeschlossen hat

… und zustimmen wird!

und ihm heute wahrscheinlich auch zustimmen wird.

Heiterkeitund Beifall bei der AfD

Dieses Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist ja unter Merkel ins Parlament eingebracht und verabschiedet worden.

Zurufevon der CDU/CSU

Herr Minister Habeck jammerte nun bei einem Unternehmertag, wie man in der „Welt“ lesen konnte, dass man bei diesem Gesetz – ich zitiere Herrn Habeck – „völlig falsch abgebogen“ sei. Da frage ich mich: Warum bringen Sie denn nicht einen Gesetzentwurf ein, der für die Abschaffung dieses unsäglichen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes sorgt?

Beifallbei der AfD

Die Antwort ist die: weil Sie es in Wirklichkeit gar nicht wollen. Sie wollen aus Deutschland heraus die ganze Welt mit Ihren grünen Moralvorstellungen beglücken, koste es, was es wolle. Und genau das tut es: Es kostet unseren Wohlstand.

Im Sinne unseres Landes kann man nur an die Bürger appellieren: Es ist Zeit für Freiheit, Eigenverantwortung, –

Porträt von Malte Kaufmann
Foto: Dr. Malte Kaufmann/Nils Rauber
2 Vermerkeca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
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– soziale Marktwirtschaft statt staatlichem Dirigismus. Zeit für einen echten Politikwechsel!

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
11 Vermerkeca. 592 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In ihrem Antrag zum GroKo-Lieferkettengesetz schürt die AfD Ängste vor der Deindustrialisierung Deutschlands und der unwiederbringlichen Zerstörung ganzer Geschäftsmodelle gleich mit.

Zurufvon der AfD: Ist doch so!

Das entspricht einem bekannten AfD-Muster: Angst schüren, um Frust und Pessimismus zu verbreiten. Ich will Ihnen etwas sagen: Wenn etwas der Wirtschaft nachhaltig Schaden zufügt, dann ist das Ihr permanentes Schlechtreden des Standorts Deutschland. Das schadet der Wirtschaft, und zwar gehörig.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Meckern bringt Verunsicherung statt besserer Rahmenbedingungen.

Zeitung lesen! Systempresse lesen! Reicht schon!

So kommen keine Investitionen. Mit Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung schon, mit Bürokratieentlastung auch, mit Steuerentlastungen und Abschaffung der kalten Progression erst recht. Genau das machen wir mit der Wachstumsinitiative, liebe Kolleginnen und Kollegen. Deswegen wird die Wirtschaft im nächsten Jahr auch wieder wachsen.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Globale Wertschöpfungsketten bedingen globale Verantwortung. Deutsche Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – da, wo sie Einfluss nehmen können. Deshalb sind deutsche Unternehmen in der Welt gerngesehene Geschäftspartner und Investoren. Deshalb sorgen mehr Handel und mehr Investitionen auch für mehr Einfluss auf Arbeits- und Umweltbedingungen vor Ort, aber eben nur dort, wo die Unternehmen auch tatsächlich Einfluss nehmen können.

Klar ist: Deutsche Unternehmen können nie staatliche Verantwortung ersetzen. Schon gar nicht können sie im Ausland geltendes Recht durchsetzen. Wer das einfordert, riskiert Rückzug der Unternehmen aus den Ländern, aus ganzen Regionen. Bessere Arbeits- und Lebensbedingungen kommen dann sicher nicht. Rückzug schafft keinen Wohlstand. Rückzug bedeutet weniger Jobs und weniger Einkommen in den ärmsten Ländern. Wer kann das wollen?

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Im Gegenteil: Mehr Handel und mehr Investitionen sind die besten Voraussetzungen für Entwicklung. Allein deshalb fordere ich die EU auf, die laufenden Verhandlungen über Freihandelsabkommen schnell zum Abschluss zu bringen, vorneweg Mercosur.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Kritik am Merkel-IV-Lieferkettengesetz ist ebenso unüberhörbar wie berechtigt. Deshalb hat die aktuelle Bundesregierung folgende Korrekturen beschlossen:

Erstens. Das BAFA setzt vorläufig die Sanktionen aus.

Zweitens. Es werden verbindliche Standards festgelegt, die das Abwälzen von Sorgfaltspflichten auf mittelständische Zulieferer unterbinden.

Drittens. Die Berichterstattung „Lieferkette“ entfällt ersatzlos und gilt mit der CSRD-Nachhaltigkeitsberichterstattung als erledigt.

Viertens. Heute sind 3 000 Unternehmen vom Gesetz betroffen. Mit der Umsetzung der Richtlinie werden es zunächst weniger als 1 000 Unternehmen sein. Zwei Drittel fallen weg – noch in dieser Legislatur.

Die ganze Lieferkette!

Schließlich fünftens. Die Anwendung der Haftungsregeln und die Ausweitung des Geltungsbereichs werden zum spätestmöglichen Zeitpunkt erfolgen.

All das ist gut und richtig und dem Einsatz der FDP zu verdanken. Mehr geht europarechtlich im Moment nicht. Deshalb lehnen wir den AfD-Antrag ab, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Alexander Bartz [SPD] und Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Also: Korrekturen ja, aber der Grundfehler der Lieferkettengesetze wird damit nicht geheilt. Klar ist: Bessere Arbeitsbedingungen oder die Geltung von Menschenrechten durchsetzen,

Ist das nichts?

das wollen wir alle.

Na also!

Nur, das Instrument Lieferkettengesetz halten wir für ungeeignet. Der Grundfehler liegt darin, dass man mit unilateralen Gesetzen in bilaterale, oft multilaterale Sachverhalte eingreift. Das hat fatale Folgen. Die Partner in der Welt empfinden das als übergriffig. Die Anständigen werden mit Bürokratie belastet. Die Unanständigen drücken sich mit dokumentierter Sorgfalt vor Verantwortung. Allen wird es schwerer gemacht, mit neuen Lieferketten Risiken zu reduzieren.

Peking reibt sich die Hände, wenn VW offiziell feststellt, dass in der Uiguren-Provinz Xinjiang alles in Ordnung ist. Plattformen wie Temu entziehen sich völlig legal jeder Haftung, da sie überhaupt nicht erfasst sind. Profiteure sind die Protagonisten der Klageindustrie: Berater, NGOs und Anwälte. Wertschöpfend ist das alles nicht.

Beifallbei der FDP

Besser wäre es, in Freihandelsverträgen die Verbesserung von Standards mit mehr Marktöffnung zu verknüpfen. Stattdessen wird EU-Handelspolitik konterkariert. Unilaterale Eingriffe in bilaterale Sachverhalte halten wir für falsch.

Schließlich lehnen wir Freien Demokraten eine Politik ab, die Unternehmen kriminalisiert, eine Politik, die unterstellt, Unternehmen würden nur unter Androhung von Strafe mit Ausbeutung aufhören.

2 Vermerkeca. 25 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Was ist das für eine Misstrauenskultur! Das haben unsere Unternehmen, diejenigen im Mittelstand ganz besonders, nicht verdient. Verdient haben sie mehr Freiheitsvertrauen und mehr Freiheitsoptimismus.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
10 Vermerkeca. 429 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Abgeordnete! In einer sozialen Marktwirtschaft, Herr Mörseburg, haben auch Unternehmen Verantwortung für Menschenrechte und Umweltschutz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Diese Einschätzung unterscheidet uns von den Herren da ganz rechts.

Die Große Koalition – CDU/CSU und SPD – sind mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz einen richtigen Schritt gegangen.

Dabei geht es darum, dass sehr große Unternehmen – und nicht kleine und mittlere Unternehmen – darauf achten sollen – der Kollege Rützel hat das schon gesagt –, ob es in ihrer Lieferkette Verstöße gegen Menschenrechte oder Umweltrichtlinien gibt. Und wenn sie einen Einfluss darauf haben – und nur dann –, müssen sie den Einfluss auch ausüben, nicht mehr und nicht weniger. Wir finden: Das ist nicht zu viel verlangt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir Grünen sind deswegen strikt dagegen, diese Sorgfaltspflichten auszusetzen, abzuschwächen oder gar ganz abzuschaffen. Wir sind auch dagegen, im Rahmen der nun anstehenden Umsetzung der EU-Richtlinie die Zahl der Unternehmen, die Sorgfaltspflichten haben, einzuschränken – aus inhaltlichen Gründen, aber auch, weil es rechtliche Bedenken gibt, die wir berücksichtigen müssen.

Was für uns aber wichtig ist, ist, dass die Umsetzung der EU-Richtlinie unbürokratisch erfolgt; da sind wir uns in der Koalition sehr einig.

Zurufdes Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP]

Dabei geht es insbesondere um eine Vereinfachung der Berichtspflichten. Die Regierung hat sich da schon auf den Weg gemacht; der Kollege Cronenberg hat dazu ein paar Punkte genannt. Unter anderem haben wir die Berichtspflichten bis 2024 ausgesetzt,

Hört! Hört!

und in der letzten Sitzungswoche, Herr Kollege, gab es einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsrichtlinie, wo es auch um die Berichtspflichten zum Lieferkettengesetz ging.

Darin ist geplant, dass es in Zukunft reicht, wenn Unternehmen alternativ zum Bericht zu den Lieferketten den Nachhaltigkeitsbericht abgeben können.

Das ist gut.

Allerdings müssen darin dann auch die wichtigsten Punkte der Sorgfaltspflichten abgefragt werden; sonst macht das ja keinen Sinn. Hier gibt es noch Lücken im Gesetzentwurf, die geschlossen werden müssen.

Nicht nur deswegen muss ich zu dem Gesetzentwurf von Marco Buschmann sagen, dass wir aufpassen müssen, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten.

Da ist sich die Regierung ja wieder einig! Da ist sich die Koalition ja wieder super einig!

So muss sichergestellt werden, dass das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, BAFA, mit den Berichten auch arbeiten kann, um die Umsetzung der Sorgfaltspflichten bei den Unternehmen überprüfen zu können und Hinweisen nachzugehen. Auch hier gibt es noch Nachbesserungsbedarf im parlamentarischen Verfahren.

Trotz dieser Kritik sind wir als Koalition aber auf einem guten Weg, die Berichtspflichten zu entbürokratisieren, ohne die Sorgfaltspflichten einzuschränken, und genau das ist der richtige Weg.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Die EU-Lieferkettenrichtlinie gibt auch die Möglichkeit, einen Grundfehler des deutschen Lieferkettengesetzes zu korrigieren. Es gibt nämlich die Wahl zwischen einerseits stärkeren Haftungsregelungen, die nur wenige Unternehmen – nämlich die, die sich nicht daran halten – betreffen, und starken, scharfen Berichtspflichten für alle Unternehmen, die betroffen sind.

1 Vermerkca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben sich als Große Koalition auf Druck der CDU/CSU für den letzteren Weg entschieden.

Beifallder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir setzen auf die Haftungsregelung –

2 Vermerkeca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und schwächere Berichtspflichten, und die EU-Richtlinie bietet dafür eine Möglichkeit. Deswegen: Umso schneller sie kommt, desto besser.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP