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84. Sitzung der 20. Wahlperiode

Mittwoch, 8. Februar 2023 · Berlin

160 Reden in dieser Sitzung

160Reden60.898Wörter
708Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Porträt von Olaf Scholz
Foto: SPD/ Photothek
39 Vermerkeca. 3.616 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Schockierende Bilder und Nachrichten erreichen uns seit Montagmorgen aus dem Erdbebengebiet in der Türkei und in Syrien. Ich bin der Präsidentin sehr dankbar für die Worte, die sie eben gefunden hat. Ich denke, ich spreche im Namen von uns allen, wenn ich sage: Wir sind erschüttert über die vielen Toten und Verletzten, über so viel Leid und Zerstörung.

Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, die ihre Liebsten verloren haben, bei den Tausenden von Verletzten und bei denen, die vor den Trümmern ihres Hauses, ihrer Wohnung, ihrer Existenz stehen.

Die Bundesregierung hat den türkischen Behörden unverzüglich Hilfe zugesagt. Das habe ich auch in meinem Telefonat mit Präsident Erdogan gestern bekräftigt. Such- und Rettungskräfte und technische Experten sind vor Ort oder brechen in diesen Stunden in die Region auf. Wir liefern Hilfsgüter und stehen in engem Kontakt mit den Vereinten Nationen, um humanitäre Hilfe auch in das syrische Erdbebengebiet zu bringen; denn auch dort ist die Not riesengroß. Jetzt zeigt sich wieder einmal, wie lebenswichtig dieser grenzüberschreitende Zugang ist, für den wir uns seit Jahren einsetzen.

Auch hier in Deutschland erleben wir in diesen Tagen eine Welle des Mitgefühls und der Hilfsbereitschaft. Dafür bin ich den Bürgerinnen und Bürgern sehr dankbar.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der AfD

Sie zeigen auf diese Weise auch die enge Verbundenheit unserer gesamten Gesellschaft mit den Bürgerinnen und Bürgern hier in Deutschland, die Familienangehörige oder Freunde in den betroffenen Gebieten haben.

Dankbar bin ich auch unseren Freunden und Partnern in der Region. Nicht zuletzt das jüngste Telefonat zwischen dem griechischen Ministerpräsidenten und dem türkischen Staatspräsidenten unterstreicht doch sehr deutlich: In Katastrophen wie dieser müssen wir zusammenrücken und uns gegenseitig unterstützen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der LINKEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine Katastrophe ganz anderer Art, eine menschengemachte Katastrophe, erlebt seit fast einem Jahr die Ukraine. In wenigen Tagen jährt sich Russlands Überfall auf das Land. Für die Ukrainerinnen und Ukrainer heißt das seit zwölf quälend langen Monaten tagtäglich: Furcht vor neuen russischen Angriffen, Sorge und Trauer um die Liebsten, Angst um das eigene Leben.

Tausende Männer, Frauen und Kinder sind Russlands Krieg bereits zum Opfer gefallen. Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer sind auf der Flucht vor Bomben und Zerstörung, 4 Millionen haben in der Europäischen Union Zuflucht gefunden. Das ist die größte Fluchtbewegung auf unserem Kontinent seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der angegriffenen Ukraine, ihren tapferen Bürgerinnen und Bürgern gelten unser ganzes Mitgefühl und unsere Solidarität.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN sowie des Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]

Mit über 12 Milliarden Euro hat allein Deutschland der Ukraine und ihren Bürgerinnen und Bürgern im vergangenen Jahr zur Seite gestanden. Diese große Unterstützung setzen wir auch in diesem Jahr fort. Wir helfen beim Wiederaufbau zerstörter Städte und Infrastruktur, stabilisieren den ukrainischen Staatshaushalt, greifen der Wirtschaft unter die Arme, leisten humanitäre Hilfe. Auch bei der Lieferung von Waffen und Munition liegen wir in Kontinentaleuropa weit vorne. Vom ersten Kriegstag an gilt dabei eines: Der Zusammenhalt innerhalb unseres Bündnisses und unserer Allianzen ist unser höchstes Gut. Diesen Zusammenhalt wahren und stärken wir, indem wir Entscheidungen zunächst vertraulich vorbereiten und dann erst kommunizieren, so wie Joe Biden und ich dies zum Beispiel mit Blick auf die jüngste Entscheidung getan haben, der Ukraine Kampfpanzer zu liefern.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was unserer Geschlossenheit hingegen schadet, ist ein öffentlicher Überbietungswettbewerb, nach dem Motto „Kampfpanzer, U‑Boote, Flugzeuge – wer fordert mehr?“. Was schadet, sind markige innenpolitische Statements und Kritik an Partnern und Verbündeten auf offener Bühne. Deutschland wird sich daran nicht beteiligen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Denn jede Dissonanz, jede Spekulation über mögliche Interessenunterschiede nutzen einzig und allein Putin und seiner Propaganda.

Als Bundeskanzler trage ich die Verantwortung dafür, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.

Weitere Zurufe von der AfD

Daraus folgen drei klare Prinzipien, die unser Handeln seit Kriegsbeginn bestimmen:

Erstens. Wir lassen nicht zu, dass ein Land sich mit Gewalt Teile eines anderen Landes einverleibt und damit die Grundprinzipien unserer Friedensordnung in Europa infrage stellt.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deshalb unterstützen wir die Ukraine dabei, ihre Souveränität und ihre territoriale Integrität gegen Russlands Angriffskrieg zu verteidigen – so lange wie nötig. Auch die Sanktionen gegen Russland werden wir als Europäische Union zum Jahrestag des Kriegsbeginns noch einmal verschärfen – als klares Signal an Putin, dass er keinen Erfolg hat mit seinen imperialistischen Plänen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zweitens. Wir treffen keine Entscheidungen, die die NATO zur Kriegspartei werden lassen. Nicht die NATO führt Krieg gegen Russland; Russland hat die Ukraine überfallen.

Zurufvon der AfD

Ein Großteil der Weltgemeinschaft hat das klar verurteilt. Deshalb ist es an Russland, diesen Krieg zu beenden – je eher, desto besser für die Ukraine, für Russland und für die ganze Welt.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Putin wird seine Ziele nicht erreichen, auf dem Schlachtfeld nicht und auch nicht durch einen Diktatfrieden. So viel jedenfalls steht fest nach einem Jahr Krieg.

Drittens. Alles, was wir tun, tun wir im Gleichklang mit unseren Partnern und Verbündeten. Das war bei allen wichtigen Entscheidungen so, die wir in den vergangenen zwölf Monaten getroffen haben, und dabei bleibt es. Ob es um die Lieferung von Panzerhaubitzen oder Mehrfachraketenwerfern ging, um die Ausstattung der Ukraine mit Flugabwehrwaffen oder um unseren Entschluss, Schützenpanzer und schließlich Kampfpanzer zu liefern: Vor jedem dieser Schritte haben wir uns eng und vertraulich abgestimmt mit den USA, mit Frankreich, mit Großbritannien und mit anderen.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Wir haben Logistik und Nachschub von Anfang an mitgedacht und organisiert. Wir sorgen für die Ausbildung der ukrainischen Soldaten hier in Deutschland, koordiniert mit den Verbündeten.

Bei alledem behalten wir die Umsicht und die Nervenstärke, die es braucht, um abgewogen über eine solche Situation zu entscheiden. Darauf können die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes fest vertrauen, und dafür stehe ich mit meinem Wort.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Den außerordentlichen Europäischen Rat, der morgen beginnt, werden wir nutzen, um unsere Positionen abzugleichen und den weiteren Kurs abzustecken. Charles Michel und Ursula von der Leyen werden uns von den Gesprächen berichten, die sie vergangene Woche in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten geführt haben. Dieser direkte Austausch mit Präsident Selenskyj ist uns allen sehr wichtig, und wir werden ihn intensiv fortsetzen.

Auf dem anstehenden Europäischen Rat werden wir das Versprechen bekräftigen, das der Europäische Rat den Ukrainerinnen und Ukrainern im Juni vergangenen Jahres gegeben hat: Die Ukraine gehört zu Europa, ihre Zukunft liegt in der Europäischen Union. Dieses Versprechen gilt.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zur Geschlossenheit unter Freunden und Partnern gehört auch, dass wir auf den Feldern vorankommen, die seit Jahren Spaltpotenzial innerhalb der Europäischen Union bergen. Eine geopolitische Europäische Union muss diese Uneinigkeit überwinden; dann bleibt sie auch in der multipolaren Welt des 21. Jahrhunderts eine gestaltende Kraft. Ich denke dabei vor allem an die Themen Migration und Wettbewerbsfähigkeit. Über beide Themen werden wir morgen beim Europäischen Rat intensiv beraten.

Gerade mal ein Jahr ist es her, da hat das Lukaschenko-Regime in Belarus Flüchtlinge für politische Zwecke instrumentalisiert und missbraucht, um Europa unter Druck zu setzen. Seitdem ist einiges vorangekommen in der Migrationspolitik in Deutschland und in Europa.

Zurufvon der AfD

Für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine haben wir erstmals die Richtlinie über den temporären Schutz aktiviert, schnell und einstimmig. Das hat für Rechtssicherheit gesorgt. Vor allem aber erlaubt es den ukrainischen Geflüchteten, in der EU zu arbeiten und hier ihren Lebensunterhalt zu verdienen, so wie dies 125 000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ukrainerinnen und Ukrainer hier in Deutschland bereits tun.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Viele weitere haben zunächst Teilzeitjobs gefunden, lernen Deutsch oder bilden sich anderweitig weiter.

Über 1 Million Ukrainerinnen und Ukrainer sind zu uns nach Deutschland geflohen. Für unsere Städte und Gemeinden heißt das, Unterkünfte und Willkommensklassen zu organisieren, Arbeitsplätze und Hilfsangebote zu vermitteln. Ich danke all denen, die da arbeiten. Ich denke an die unzähligen Ehrenamtlichen, die vielen Vereine, Initiativen oder Religionsgemeinschaften, die Geflüchtete willkommen heißen, die einfach anpacken und mithelfen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]

Das ist ein Zeichen großer Menschlichkeit, und dafür sage ich von ganzem Herzen Danke.

Und noch etwas will ich hinzufügen: Wir lassen sie nicht allein. Ich begrüße ganz ausdrücklich, dass die Bundesinnenministerin alle Verantwortlichen im Bund, in den Ländern und Kommunen schon bald zu einem erneuten Spitzengespräch über die anstehenden Herausforderungen zusammenbringt. Der Bund hat die Länder und Gemeinden bei der Registrierung der Flüchtlinge unterstützt, und wie schon im Vorjahr greift der Bund den Ländern und Gemeinden auch in diesem Jahr mit Milliarden unter die Arme, um die Ankommenden gut zu versorgen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Auch in anderen Ländern Europas ist die Hilfsbereitschaft groß. In diesem Geist der Gemeinsamkeit werden wir beim Europäischen Rat morgen auch die Herausforderungen thematisieren, die über die Unterstützung ukrainischer Flüchtlinge deutlich hinausgehen. Mit vielen meiner Kolleginnen und Kollegen habe ich im Vorfeld intensive Gespräche geführt. Nach Jahren des Stillstands ist Fortschritt in der europäischen Asylpolitik möglich. Das ist auch ein Verdienst der französischen, der tschechischen und der gegenwärtigen schwedischen Ratspräsidentschaft.

Mit der Einigung des Rats auf die Eurodac- und die Screening-Verordnung haben wir jahrelange Blockaden aufgelöst. Ich werbe dafür, dass wir die Verhandlungen darüber mit dem Europäischen Parlament nun mit Hochdruck vorantreiben; denn wir brauchen Klarheit, wer nach Europa kommt und warum. Das ist das A und O jeder erfolgreichen Reform unseres Asylsystems.

Das zweite Element ist eine wirksame Kontrolle unserer Außengrenzen, auch mithilfe von Frontex. Ursula von der Leyen hat dazu im Vorfeld des morgigen Rates wichtige Vorschläge gemacht, zum Beispiel bessere gemeinsame Grenzpatrouillen mit unseren Nachbarstaaten außerhalb der EU. Und es war richtig, dass wir dafür gesorgt haben, dass die Zusammenarbeit zwischen der EU und der Türkei im Flüchtlingsbereich fortgesetzt wird.

Last, but not least brauchen wir auch die EU-Mitgliedstaaten an der EU-Außengrenze selber, die noch unsere Unterstützung benötigen – materiell, finanziell, aber eben auch dadurch, dass andere Staaten freiwillig Asylsuchende übernehmen. Auch hier gehen wir mit dem freiwilligen Solidaritätsmechanismus in der EU neue Wege, indem wir die Verantwortung der Außengrenzenstaaten für die Kontrolle und Registrierung von Asylsuchenden mit der Solidarität der anderen verknüpfen. Auch das kommt voran. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass eine Reform des europäischen Asylsystems noch in der laufenden europäischen Legislaturperiode möglich ist, wenn wir das Tempo und den Pragmatismus der vergangenen zwölf Monate beibehalten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dabei kann auch ein Aspekt eine Rolle spielen, der in der Vergangenheit oft vernachlässigt wurde: Immer mehr Länder in Europa sind auf Arbeitskräftezuwanderung angewiesen – gesteuert, human und im Einklang mit dem Recht. Das gilt auch für Deutschland. Wir brauchen Fachkräfte in großer Zahl. Natürlich investieren wir zunächst in die Ausbildung und Qualifizierung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die hier sind. Wir ermöglichen Eltern, erwerbstätig zu sein, indem wir für bessere Ganztagskinderbetreuung und Ganztagsschulen sorgen, und wir erweitern die Hinzuverdienstmöglichkeiten zum Beispiel für Früh- und Erwerbsminderungsrentner. Aber wer auf die Zahl all derjenigen schaut, die in den kommenden Jahren in Rente gehen, der versteht: Nur mit diesen Maßnahmen wird sich der Fachkräftemangel nicht beheben lassen, der sich über Jahre hinweg in Deutschland aufgebaut hat.

In den vergangenen Jahren sind viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus anderen EU-Mitgliedstaaten zum Arbeiten nach Deutschland gekommen, der Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union sei Dank. Doch auch dieses Potenzial ist nicht endlos. Darum braucht unser Land qualifizierte Frauen und Männer auch von außerhalb Europas, die in unseren Unternehmen, in unseren Krankenhäusern, in der Pflege und in unseren Handwerksbetrieben mit anpacken. Gut also, dass wir in Deutschland in den nächsten Monaten nun endlich ein modernes Zuwanderungsrecht schaffen, das solche Talente hierher, nach Deutschland, einlädt!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zugleich ist ganz klar: Wer hier kein Bleiberecht erhält, der muss Deutschland auch wieder verlassen.

Deshalb haben wir die rechtlichen Hürden gesenkt, Straftäter und Gefährder auszuweisen, und die Abschiebehaft verlängert.

Das haben wir in Brokstedt gesehen!

Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass Asylverfahren schneller gehen

… und schneller eingebürgert wird!

und wir früher wissen, wer hierbleiben darf und wer nicht. Auch die Asylverfahren an unseren Verwaltungsgerichten verkürzen und vereinheitlichen wir,

Lassen Sie die Leute gar nicht erst ins Land!

damit es schnellere und eindeutigere Entscheidungen gibt.

Ja, und dann?

Wir haben die Binnengrenzkontrollen an der Grenze zu Österreich verlängert, führen Schleierfahndungen an der deutsch-tschechischen Grenze und Kontrollen gemeinsam mit der Schweiz durch. Und nicht zuletzt werden wir legale Möglichkeiten der Migration noch konsequenter verknüpfen mit der klaren Erwartung gegenüber den Herkunftsländern,

Eine Erwartung, ganz richtig! Viele Erwartungen haben!

ihre Staatsangehörigen zurückzunehmen, wenn diese hier kein Bleiberecht haben.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Letztes Jahr haben wir ein solches Migrationsabkommen mit Indien abgeschlossen. Das funktioniert schon sehr erfolgreich. Weitere dieser Abkommen werden folgen. Um sie abzustimmen, haben wir mit Joachim Stamp gerade einen Sonderbevollmächtigten für Migrationsabkommen eingesetzt. Parallel dazu wollen wir auch in der EU solche Migrationspartnerschaften voranbringen. Auch dazu hat Ursula von der Leyen Vorschläge gemacht, und dafür hat sie unsere volle Unterstützung.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

So bringen wir Ordnung in das System, und so setzen wir die richtigen Anreize. Und was vielleicht am wichtigsten ist: So erhalten wir die Akzeptanz, die es in unserem Land sowohl für die Freizügigkeit innerhalb der EU als auch für eine klug gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften gibt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das zweite große Thema, das wir uns beim Europäischen Rat vornehmen, ist die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Auch hierzu hat die Kommission vernünftige Vorschläge gemacht. Auf dieser Grundlage werden wir nun miteinander beraten, wie wir unseren Unternehmen den Wandel zur Klimaneutralität erleichtern, erst recht in diesen für viele Unternehmen fordernden Zeiten. Zugleich stimme ich nicht ein in den Chor derjenigen, die seit Monaten mit düsteren Prophezeiungen wahlweise eine tiefe Rezession, die Deindustrialisierung Europas oder die Abwanderung von Zukunftstechnologien an die Wand malen. Keines dieser Negativszenarien ist bislang eingetreten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und sie werden auch nicht eintreten, weil Deutschland und Europa die Segel richtig setzen in Sachen Energiesicherheit und Energiewende, in Sachen Zukunftstechnologien und Rohstoffverfügbarkeit, in Sachen Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsförderung.

Die Großhandelspreise für Energie liegen dank neuer Terminals, neuer Lieferanten, europäischer Solidarität und kluger Entlastungsmaßnahmen inzwischen wieder auf dem Niveau von vor dem Kriegsbeginn, zum Teil sogar darunter. Die Inflation in Europa sinkt. Die Industrieproduktion ist stabil. Das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union ist im letzten Quartal nicht geschrumpft, sondern sogar leicht gestiegen; im Gesamtjahr 2022 lag es höher als das Wachstum in China oder den USA. Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland und in der Europäischen Union liegt auf Rekordhoch.

Auch bei der Diversifizierung unserer Lieferketten und Absatzmärkte kommen wir voran. Erst vergangene Woche war ich mit einer großen Wirtschaftsdelegation in Südamerika unterwegs. Ergebnis dieser Reise sind neue Energie-, Rohstoff- und Unternehmenspartnerschaften,

30 000 Tonnen Giftmüll!

neue Mitglieder in dem von uns ins Leben gerufenen Klimaklub und zugleich das klare Signal, das EU-Freihandelsabkommen mit dem Mercosur nun endlich unter Dach und Fach zu bringen.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, zuletzt haben die USA mit ihrem Inflation Reduction Act die Diskussion um eine aktive Industrie- und Standortpolitik für Zukunftstechnologien neu entfacht. So richtig es ist, dass wir uns mit den Folgen dieser Politik für Europa beschäftigen – Kassandrarufe sind auch hier nicht angezeigt. Zum einen ist es doch begrüßenswert, dass die USA den Wandel hin zur Klimaneutralität jetzt endlich ähnlich entschlossen angehen wie wir. Und zum anderen besitzen wir in Europa durchaus die wirtschaftlichen Voraussetzungen und die Förderinstrumente, um den klimaneutralen Wandel der Industrie zu meistern.

Zurufvon der AfD

Das hat die Kommission selber vorgerechnet. Allein die Aufbau- und Resilienzfazilität, die wir während der Coronapandemie geschaffen haben, hat einen Umfang von 250 Milliarden Euro für die Dekarbonisierung der europäischen Industrie; nur ein geringer Teil davon ist bislang ausgegeben. Aus dem Plan REPowerEU können wir bald weitere 20 Milliarden Euro an Zuschüssen und einen dreistelligen Milliardenbetrag an Krediten einsetzen. Mit dem InvestEU-Programm fördern wir öffentliche und private Investitionen in Zukunftstechnologien, unterlegt mit einer Garantie des EU-Haushaltes in Höhe von 26 Milliarden Euro.

Zurufvon der AfD: Planwirtschaft!

Hinzu kommen rund 40 Milliarden Euro für Forschung und Innovationen, die den Green Deal unterstützen. Davon profitieren in erster Linie europäische Forschungseinrichtungen. Und schließlich stehen aus dem Kohäsionsfonds und aus dem europäischen Emissionshandel beträchtliche Mittel zur Verfügung. Wenn man all das neben die Förderprogramme in den USA im Umfang von 370 Milliarden Dollar legt, dann sieht man: Europa braucht sich nicht zu verstecken.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir werden uns sehr genau anschauen, ob und wo unsere Programme noch Lücken lassen und wie man diese schließen kann. Dafür braucht es zunächst eine sorgfältige Analyse, wie sie die Kommission in Aussicht gestellt hat. Ein ungehemmter Subventionswettlauf mit den USA wäre aber mit Sicherheit der falsche Weg.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP

In den vergangenen Wochen habe ich mit vielen Unternehmen gesprochen, in Davos und bei meinen Besuchen in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland. Dort im Saarland, in Ensdorf, haben ein deutsches und ein amerikanisches Unternehmen gerade den Startschuss gegeben für eines der größten Werke weltweit für Halbleiter aus Siliziumkarbid – Halbleiter, die wir für den Ausbau erneuerbarer Energien, für Elektromobilität und Kommunikationstechnologien unbedingt brauchen. Diese Investition ist nur eine von mehreren internationalen Großinvestitionen in die Halbleiterindustrie in Deutschland und in Europa; auch in Sachsen und in Sachsen-Anhalt zum Beispiel stehen Unternehmen in den Startlöchern. Und die Frage der Investoren lautet nicht nur und zuallererst: Wo ist der nächste große Fördertopf? Ihr Anliegen ist, dass wir das bestehende Beihilferecht vereinfachen, dass Förderentscheidungen schneller und berechenbarer getroffen werden, dass wir vorhandene Finanzinstrumente flexibel nutzen. Genau das schlägt die Kommission in ihrer Mitteilung für den anstehenden Europäischen Rat vor, und dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Um Europa im weltweiten Wettbewerb zu stärken, müssen wir erstens Ernst machen mit dieser angekündigten Flexibilisierung des europäischen Beihilferechts, und zwar gezielt in den Sektoren, die wir für die Transformation brauchen.

Wir werden zweitens unsere europäischen Produktionskapazitäten für fortschrittliche, saubere Technologien ausweiten, etwa im Energie-, Bau- und Verkehrsbereich. Nur so werden wir die absehbar stark steigende Nachfrage danach bedienen können. Darum hat sich die Bundesregierung schon im vergangenen Herbst für eine Clean-Tech-Initiative eingesetzt, mit der solche Transformationstechnologien befristet gefördert werden können. Es ist gut, dass die Kommission diese Idee inzwischen zu einem ihrer zentralen Ziele erklärt hat.

Wir setzen drittens weiter auf freien und fairen Handel. Denn unter den Bedingungen einer Deglobalisierung kann die weltweit nötige Transformation hin zur Klimaneutralität nicht gelingen. Dafür braucht es fairen Wettbewerb, Innovationen, offene Märkte und globalen Handel, der hohe Sozial- und Umweltstandards voranbringt. Das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten habe ich bereits erwähnt. Darüber hinaus ist es mir ein großes Anliegen, dass den wegweisenden Abkommen mit Kanada, Korea, Japan, Vietnam und Singapur bald weitere ambitionierte, moderne Freihandelsabkommen folgen.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb sollen die ausverhandelten Abkommen mit Neuseeland und Chile nun zügig in Kraft gesetzt und die Verhandlungen mit Australien, Indien und Indonesien rasch vorangebracht werden.

Auch die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA wollen wir weiter vertiefen. Unsere laufenden Gespräche über den Inflation Reduction Act sind dafür eine gute Ausgangsbasis, jedenfalls dann, wenn die USA auf Regeln verzichten, die europäische Unternehmen zum Beispiel gegenüber Unternehmen aus Kanada oder Mexiko benachteiligen. Darüber beraten wir mit unseren amerikanischen Freunden – partnerschaftlich, gelassen und vertrauensvoll.

Damit schließt sich der Kreis zu dem, was ich eingangs darüber gesagt habe, wie wir uns mit unseren Partnern abstimmen. Die Erfahrung der vergangenen zwölf Monate zeigt: Nicht die schnelle, laute Forderung setzt sich durch, sondern die durchdachte, ordentlich abgestimmte und daher tragfähige Idee.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Darauf hinzuwirken, darin liegt für mich übrigens auch Deutschlands Rolle in Europa. Dabei geht es ums Führen durch Zusammenführen, indem wir nämlich Lösungen zusammen mit anderen erarbeiten. Das ist und bleibt der Kompass dieser Bundesregierung in der Außen- und Europapolitik. Und dieser Kompass begleitet mich auch morgen zum Europäischen Rat nach Brüssel.

Schönen Dank.

Anhaltender Beifallbei der SPD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP
Porträt von Friedrich Merz
Foto: Friedrich Merz/Tobias Koch
40 Vermerkeca. 2.654 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Lassen Sie mich namens der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zunächst ein Wort des Dankes sagen für Ihre anteilnehmenden Worte für unseren verstorbenen Kollegen Gero Storjohann, die Sie zu Beginn unserer heutigen Sitzung gesprochen haben. Ich möchte in diesen Dank den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion einschließen. Herr Kollege Mützenich, Sie haben im Namen Ihrer Fraktion der Familie unseres verstorbenen Kollegen und uns einen sehr persönlichen Brief geschrieben und Ihr Mitgefühl ausgedrückt. Das ist ein guter parlamentarischer Umgang. Ich danke Ihnen und auch denjenigen aus anderen Fraktionen, die uns gegenüber dieses Mitgefühl zum Ausdruck gebracht haben, auch persönlich dafür herzlich. Herzlichen Dank dafür!

Beifallim ganzen Hause

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere heutige Aussprache über die Regierungserklärung des Bundeskanzlers steht ganz im Schatten der Nachrichten und der Bilder von den schweren Erdbeben in der Türkei und in Syrien. Betroffen ist eine große Region mit rund 25 Millionen Einwohnern, in der bereits über 8 000 Menschen ihr Leben verloren haben. Unsere Gedanken sind bei den Familien, auch bei vielen Familien, die in Deutschland und hier in Berlin leben, die um ihre Angehörigen trauern, und bei den Familien, die nun selbst bei Schnee und eisiger Kälte in den betroffenen Regionen um ihr Leben kämpfen.

Herr Bundeskanzler, wir teilen das Mitgefühl, das Sie im Namen der Bundesregierung ausgesprochen haben, und wir bieten Ihnen ausdrücklich an, dass wir jede Unterstützung geben, wenn es etwa darum geht, jetzt schnell weitere Hilfen zu ermöglichen, und wenn zum Beispiel Haushaltsmittel für die betroffenen Regionen und für die betroffenen Menschen bereitgestellt werden sollen.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Bilder aus der Türkei und aus Syrien erreichen uns zu einem Zeitpunkt, zu dem die russischen Angriffe in der Ukraine wieder zunehmen, und zu einem Zeitpunkt, zu dem mit einer großangelegten Offensive der russischen Armee um den ersten Jahrestag des Kriegsbeginns herum gerechnet werden muss. Es gibt unverändert in diesem Haus einen großen, wenn auch leider nicht uneingeschränkten Konsens darüber, dass dieser Krieg ein russischer Angriffskrieg ist, der durch nichts, aber auch durch gar nichts zu rechtfertigen ist,

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

ein Krieg, der – im Gegenteil – das bleibt, was er von Anfang an war, nämlich ein verbrecherischer Angriffskrieg gegen ein Land, von dem keinerlei Bedrohung ausging und das allein deshalb angegriffen wird und wurde, weil es sich der Unterwerfung unter einen imperialen russischen Herrschaftsanspruch nicht beugen will.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich betone das hier noch einmal so deutlich, liebe Kolleginnen und Kollegen, weil wir uns außerhalb der Ukraine und eben auch hier in Deutschland nicht daran gewöhnen dürfen, dass dieser Krieg nun schon fast ein Jahr stattfindet und möglicherweise noch sehr viel länger dauert.

Herr Bundeskanzler, Sie haben es in Ihrer Regierungserklärung am 27. Februar letzten Jahres – seitdem mehrfach und heute wieder – immer wieder richtig gesagt: Wir müssen dem Land weiter helfen – humanitär, finanziell und eben auch militärisch. – Ich möchte mit Ihnen allen zusammen, meine Damen und Herren, heute nur hoffen, dass wir nicht eines Tages in der Rückschau sagen müssen: Das war zu wenig, und das war zu spät.

Beifallbei der CDU/CSU

Hoffen wir, dass wir dies nicht sagen müssen!

Ich will es hier sehr offen ansprechen; denn eines ist doch in diesem Zusammenhang nicht zu übersehen: Große Teile der sogenannten Zeitenwende, die Sie am 27. Februar letzten Jahres von dieser Stelle aus beschrieben haben, finden bisher in Deutschland weitgehend auf dem Papier statt. Richtig ist, dass Deutschland moderne Luftabwehrsysteme und moderne Artillerie geliefert hat. Richtig ist aber auch, dass Deutschland bis zum Schluss gebremst und gezögert hat, bis vor zwei Wochen nun endgültig die Entscheidung getroffen wurde, der Ukraine auch moderne Kampfpanzer und Schützenpanzer zu liefern. Und jetzt? Die Auslieferung wird erneut einige Wochen, wenn nicht Monate dauern, und mit der Ausbildung der Soldaten aus der Ukraine und mit der Instandsetzung der Fahrzeuge wird erst jetzt, in diesen Tagen, begonnen, wohlgemerkt, einige Tage bevor wir mit der nächsten Offensive der russischen Streitkräfte rechnen müssen.

Herr Bundeskanzler, in hohem Maße verstörend sind in diesem Zusammenhang dann Äußerungen Ihrer Außenministerin, als sie vor zwei Wochen vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarates in Straßburg wörtlich den Satz sprach – auf Englisch, wie sie meinte sprechen zu müssen –: „... we are fighting a war against Russia ...“

Das ist nicht das ganze Zitat! „... and not against each other“!

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Das waren Ihre Worte, Frau Baerbock. Sie dürfen sich nicht wundern, wenn ein solcher Satz in den russischen Medien rasende Verbreitung findet und damit Teil der russischen Propaganda wird.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]

Sie dürfen sich darüber nicht wundern, wenn Sie solche unbedachten Äußerungen machen.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen! Ich sage nur „Sozialtourismus“, Herr Merz!

Es bleibt absolut inakzeptabel, Herr Bundeskanzler, dass die Bundesregierung aus dem hier gemeinsam beschlossenen sogenannten Sondervermögen bisher praktisch keine Bestellung aufgegeben und keine Ausschreibung veröffentlicht hat; das gilt vor allem auch für die Bestellung von Munition. Erinnern Sie sich daran, wie Sie uns hier unter Zeitdruck gesetzt haben, wie schnell das mit der Änderung des Grundgesetzes gehen musste? Nur um mal eine Zahl zu nennen: Die Ukraine braucht an einem Tag so viel Munition, wie in Deutschland in sechs Monaten hergestellt werden könnte. Die Firmen, die Fahrzeuge liefern könnten, die Firmen, die Munition produzieren könnten, melden sich mittlerweile reihenweise bei uns und unseren Wahlkreisabgeordneten und beklagen sich darüber, dass sie keine Aufträge bekommen, dass die Zahlungsziele nicht eingehalten werden

Zurufdes Abg. Tino Chrupalla [AfD]

und damit keine Planungssicherheit seitens der Bundesregierung besteht. Herr Bundeskanzler, so kann man auch mit den Bündnisverpflichtungen nicht umgehen. Das geht nicht, was Sie hier machen

Beifallbei der CDU/CSU

Auch wenn der Bundesverteidigungsminister heute nicht da sein kann, so will ich es trotzdem an seine Adresse sagen: Wir trauen ihm deutlich mehr zu als seiner Amtsvorgängerin.

Zurufvon der AfD: Das ist ja nicht schwer!

Aber er muss jetzt auch schnell das gesamte Beschaffungswesen in seinem Verantwortungsbereich ändern,

Zurufder Abg. Katja Mast [SPD]

damit diese Missstände abgestellt werden und wir schnell bestellen können, meine Damen und Herren. Anders wird es nicht gehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Erdbeben in der Türkei und in Syrien und der Krieg in der Ukraine dürften in den nächsten Wochen noch einmal zu einer erheblich größeren Zahl von Flüchtlingen und Asylbewerbern in Europa und damit auch in Deutschland führen. Meine Damen und Herren, damit das klar ist: Wir können und wir wollen auch in den nächsten Monaten so vielen in Not geratenen Menschen wie möglich helfen. Aber zusätzlich zu den über 1 Million Flüchtlingen aus der Ukraine, die wir in Deutschland schon aufgenommen haben, kommen seit dem Herbst des letzten Jahres vermehrt Flüchtlinge und Asylbewerber aus Syrien, aus dem Irak, aus Afghanistan und aus weiteren Ländern des Mittleren und Nahen Ostens. In vielen Landkreisen, Städten und Gemeinden unseres Landes sind die Aufnahmekapazitäten aber mittlerweile erschöpft.

Zurufvon der AfD

Wenn selbst Bürgermeister aus Gemeinden, Städten und Landkreisen, die der Grünenpartei angehören, jetzt lautstark um Hilfe rufen, dann können Sie, Herr Bundeskanzler, nicht darauf verweisen, dass die Bundesinnenministerin jetzt ein zweites Mal einen Flüchtlingsgipfel einberuft. Der erste war schon nicht erfolgreich. Sie, Frau Faeser, sind im Kopf offensichtlich schon mehr in Wiesbaden als in Berlin unterwegs.

– Ja, das mögen Sie nicht gerne hören, aber es ist so.

Herr Bundeskanzler, das ist jetzt eine Aufgabe für Sie persönlich: Sie müssen jetzt zu einem Flüchtlingsgipfel unter Ihrer Führung mit konkreten Maßnahmen einladen, damit insbesondere den Städten und Gemeinden in Deutschland wirksam geholfen wird und nicht wieder ein solcher Flüchtlingsgipfel wie im letzten Jahr im Oktober ohne jede Ergebnisse verbracht wird.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Michael Schrodi [SPD]

Nun beschreiben Sie in Ihrer Regierungserklärung sehr wortreich eine gemeinsame europäische Asylpolitik und einen besseren Schutz der EU-Außengrenzen. Meine Damen und Herren, das ist schon seit Langem unsere Meinung.

Aber warum erwähnen Sie in Ihrer Regierungserklärung mit keinem Wort die Vorschläge der schwedischen Ratspräsidentschaft zu einer zukünftigen Asylpolitik der Europäischen Union? Sie loben dankenswerterweise die Kommissionspräsidentin.

Aber zur europäischen Ratspräsidentschaft sagen Sie hier gar nichts, insbesondere zu den fünf Vorschlägen, die die europäische Ratspräsidentschaft sehr konkret gemacht hat, unter anderem: alle Instrumente voll auszuschöpfen – in der Entwicklungshilfe, in der Visavergabe, im Handel und in den diplomatischen Beziehungen. Das wird seitens Ihrer Innenministerin mit einer Handbewegung vom Tisch gewischt und noch nicht einmal zur Diskussion gestellt, weil Sie es nicht wollen, Herr Bundeskanzler. Europäische Asylpolitik wird nicht gelingen, wenn Sie so weitermachen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie können dabei nicht allein auf die Europäische Union verweisen. Asylpolitik findet auch in den Mitgliedstaaten statt, findet auch hier statt, findet übrigens auch in der Stadt Berlin statt. Der von Ihrer Partei geführte Berliner Senat hat vor Monaten durch Beschluss aufgehört, irgendwelche Rückführungen und Abschiebungen aus Berlin vorzunehmen. Das Abschiebeterminal am Berliner Flughafen ist geschlossen worden.

Zurufeder Abg. Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Beatrix von Storch [AfD]

Sie machen keine Rückführungen, Ausweisungen und Abschiebungen mehr aus Berlin. Selbst diejenigen, die Straftaten begangen haben, müssen, wenn sie erst mal in Berlin sind, nicht befürchten, noch abgeschoben zu werden.

Habt ihr doch eingeführt!

Das ist bei der CDU doch genauso! 16 Jahre!

Sie können das nicht alles in Brüssel abladen. Das sind Entscheidungen, die Sie hier in Deutschland treffen müssen und die insbesondere in der Stadt Berlin getroffen werden müssen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie verbinden die Asylpolitik mit der Notwendigkeit einer neuen Einwanderungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Meine Damen und Herren, wir werden das Thema hier noch sehr viel ausführlicher diskutieren, als es uns heute möglich ist. Vielleicht nur so viel: Wir haben schon heute eine große Zahl von Flüchtlingen und Einwanderern in der Bundesrepublik Deutschland, und Sie wollen jetzt noch einmal mehrere Hunderttausend zusätzlich in das Land einladen, um hier zu arbeiten und zu leben.

Unterstes Niveau!

Meine Damen und Herren, wir brauchen für weitere Einwanderung in Deutschland aber Kitas, wir brauchen Schulen, wir brauchen Krankenhäuser, wir brauchen vor allen Dingen Wohnungen. Dieses Land ist auf eine zusätzliche Einwanderung in der Größenordnung, wie Sie sie planen, Herr Bundeskanzler, in der gesamten Infrastruktur nicht vorbereitet.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich mache Ihnen einen anderen Vorschlag: Schöpfen Sie doch zunächst einmal die Potenziale aus, die wir selber auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland haben! Ich gebe Ihnen dazu eine Zahl, die ich, als ich sie nachgeschaut habe, selbst nicht glauben wollte.

Zurufevom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der FDP

– Jetzt hören Sie einen Augenblick zu, bevor Sie sich hier so künstlich erregen! -Im Jahr 2021 – Zahlen vom Jahr 2022 haben wir noch nicht – sind 440 000 ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland in den Vorruhestand gegangen; das ist rund die Hälfte der Rentnerinnen und Rentner, die in diesem Jahr in den Ruhestand gegangen sind.

Das habt ihr doch mit beschlossen!

Über ein Drittel davon sind abschlagsfrei in die Rente gegangen. Sie haben mal angekündigt, dass Sie daran etwas ändern wollen.

Nein, hat er nicht angekündigt! Wer 45 Jahre gearbeitet hat, hat ein Recht auf Ruhestand, Herr Merz! Keine Maloche bis zum Tode!

Sie haben daran nichts geändert. Es bleibt dabei, dass in Ihrer Fraktion und in Ihrer Partei davon geträumt wird, dass die Vorruhestandsregelungen weiter fortgesetzt werden können. Mit dieser Art der Rentenpolitik werden Sie das Problem nicht lösen, das wir in unserem Arbeitsmarkt haben und das Sie auch zu einem erheblichen Teil bis zum heutigen Tag mitverantworten.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist sehr schlecht, was Sie da vorschlagen!

Ich will abschließend einige Bemerkungen zur Handelspolitik und zur Wettbewerbsfähigkeit machen. Ja, wir sind auf Ihrer Seite, wenn es darum geht, die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union zu verbessern. Nur, wenn aus Deutschland zu diesem Inflation Reduction Act der amerikanischen Regierung Wochen und Monate Sprachlosigkeit in der Europäischen Union herrscht, wenn sich der Ständige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland, also der Botschafter bei der EU, öffentlich darüber beklagt, dass er in den Gremien der Europäischen Union nicht sprechfähig ist, weil es keine gemeinsame Position der deutschen Regierung gibt, wenn er alleine ist mit dem Vertreter aus Malta und dem aus Zypern, wenn diese drei Staaten nicht sprechfähig sind in der Europäischen Union, wenn es um eine Antwort auf diesen IRA geht, dann ist die Wettbewerbsfähigkeit nicht durch Brüsseler Politik beschädigt und infrage gestellt, sondern durch die Uneinigkeit und die wochenlangen Streitereien in Ihrer Koalition, Herr Bundeskanzler, insbesondere zwischen dem Bundesfinanzminister und dem Bundeswirtschaftsminister.

Beifallbei der CDU/CSU

Gott sei Dank ist das in der Großen Koalition nie vorgekommen!

Dann sprechen Sie über neue Freihandelsabkommen. Dabei sind wir auf Ihrer Seite. Aber ich darf daran erinnern: CETA hat sieben quälende Jahre gebraucht, bis Grüne und Sozialdemokraten mal bereit waren, dem Abkommen zuzustimmen. Sie waren in Südamerika und verhandelten dort über Mercosur. Dieses Abkommen wird seit 15 Jahren verhandelt und ist bis jetzt am Widerstand der Sozialdemokraten und der Grünen im Deutschen Bundestag und im Europäischen Parlament gescheitert.

Beifallbei der CDU/CSU

Das lag nicht an uns, dass es zu diesem Freihandelsabkommen nicht gekommen ist.

Herr Bundeskanzler, über TTIP und ein mögliches Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika sprechen Sie schon gar nicht mehr. Ich weiß nicht, ob Sie sich daran erinnern: Dieses Abkommen war so gut wie ausverhandelt und fertig. Es ist an dem Widerstand der gesamten deutschen Linken und einiger Nichtregierungsorganisationen gescheitert,

Nein, das war Donald Trump!

Das war Trump!

weil sie mit einem imaginären Chlorhühnchen Politik gemacht haben gegen eine vernünftige Handelspolitik gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika.

Beifallbei der CDU/CSU

Stellen Sie sich mal einen kurzen Augenblick vor, wir hätten heute TTIP!

Die USA haben TTIP aufgegeben!

Zurufder Abg. Amira Mohamed Ali [DIE LINKE]

– Es ist interessant, zu beobachten, dass Sie genauso dazwischenrufen wie die AfD.

Zurufdes Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]

Da scheinen Sie sich bei diesem Thema mit der AfD ja sehr einig zu sein, was die Handelsbeziehungen zwischen Europa und Amerika betrifft.

Beifallbei der CDU/CSU

Stellen Sie sich mal einen kurzen Augenblick vor, wir hätten heute TTIP, wir hätten dieses Abkommen! Wir würden in Amerika genauso behandelt wie die Kanadier und die Mexikaner, hätten wahrscheinlich freien Zugang zum amerikanischen Markt, und der Bundeswirtschaftsminister müsste nicht eine Bittstellerreise nach Washington machen,

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

sondern könnte sich auf ein Abkommen stützen, mit dem wir eine vernünftige Handelspolitik mit den Vereinigten Staaten von Amerika hätten.

Beifallbei der CDU/CSU

Träumen Sie weiter!

Meine Schlussfolgerung daraus ist ganz einfach: Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und viel Glück bei den schwierigen und wichtigen Verhandlungen in Brüssel morgen und übermorgen. Aber die wesentlichen Hausaufgaben in der Asylpolitik, in der Einwanderungspolitik, auch in der Wirtschaftspolitik und in der Handelspolitik, die müssen Sie hier in Berlin machen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Die werden umso schwieriger, je zerstrittener diese Regierung auch im Jahr 2023 bleibt.

Herzlichen Dank.

Anhaltender Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Katharina Dröge
Foto: Katharina Dröge/ Dominik Butzmann
29 Vermerkeca. 1.483 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gestern, während unserer Fraktionssitzung, hat mich die SMS von einer guten Freundin erreicht.

Zurufvon der AfD: Das ist aber schön!
Weitere Zurufe von der AfD

Sie schrieb mir erleichtert: Die Familie meines Cousins ist gerettet. – Die Tochter, der Schwiegersohn und die drei kleinen Enkelkinder waren unter den Trümmern des fünfstöckigen Hauses verschüttet worden, in dem sie lebten. Viele Stunden hatte die Familie bei eisiger Kälte ausgehalten, bis sie gestern geborgen werden konnte. Leider erreichte uns einige Stunden später die traurige Nachricht, dass das kleinste Kind im Krankenhaus gestorben ist. Es wurde vier Jahre alt.

Es ist die Geschichte einer Familie in dieser unfassbaren Katastrophe. Ich erzähle sie, weil die unvorstellbare Zahl der jetzt schon mehr als 11 000 Toten, die das Erdbeben in Syrien und in der Türkei gekostet hat, für viele Menschen in unserem Land eben keine Zahl ist. Für viele unserer Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen sind es die Leben ihrer Familienangehörigen und Freunde, um die sie gerade bangen oder trauern. Ich kann nur sagen: Wir hoffen und wir bangen und wir trauern gemeinsam.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Und wir bemühen uns, zu helfen, wo wir können.

Deswegen bin ich der Bundesregierung, bin ich der Außenministerin und der Innenministerin so dankbar dafür, dass sie so schnell gehandelt haben, dass sie wirklich jede Hilfe angeboten haben, die Deutschland an dieser Stelle bieten konnte:

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Zelte, Decken, Stromaggregate und Teams, die bei der Suche und Bergung von Vermissten helfen. Danke an das THW, danke an die Malteser und die vielen, vielen anderen, die jetzt gerade im Einsatz sind!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der FDP und der LINKEN

Es ist wichtig, dass die Hilfe überall ankommt, auch in den entlegensten Dörfern in der Türkei, auch in Nordsyrien, wo der bislang einzige offene Grenzübergang zerstört ist. Es müssen hier dringend alle Grenzübergänge geöffnet werden, damit Hilfe ankommt; das ist jetzt wirklich notwendig und zeitkritisch.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Hilfe kommt aktuell aus vielen Ländern dieser Welt, unter anderem auch aus der Ukraine. Das ist ein starkes Zeichen der Solidarität eines Landes, das sich ja gerade selbst in der Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg befindet, eines Landes, das gerade selbst mit einer humanitären Katastrophe fertigwerden muss, weil Russland gezielt Wohnhäuser angreift, zivile Infrastruktur, die Strom- und Wasserversorgung, die Krankenhäuser und Schulen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Ukraine nicht nur mit der Lieferung schwerer Waffen unterstützen, sondern auch mit humanitärer Hilfe.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die Lieferung von Panzern ist wichtig, damit sich die Ukraine schützen und verteidigen kann. Deshalb bin ich so erleichtert, dass sich Deutschland gemeinsam mit einigen anderen Ländern dazu entschieden hat, moderne Kampfpanzer zu liefern. Das wird Leben retten.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

An dieser Stelle möchte ich aber auch auf Sie eingehen, Herr Merz. Wenn man bei Karnevalsreden so empfindlich ist, wenn es die eigene Person betrifft,

dann sollte man seine Worte gut wägen, wenn man über andere spricht. Weil Sie gerade auf die Rede der Außenministerin eingegangen sind, möchte ich einen Kollegen von Ihnen zitieren, der den Ton etwas besser getroffen hat. Herr Kiesewetter hat gesagt: Wir gehen gemeinsam gegen den brutalen völkerrechtlichen Angriffskrieg vor. Nicht anders war die Intention der Außenministerin in dieser Versammlung,

Dann muss man es auch sagen!

Dann muss man es auch sagen! Genau!

und nicht anders ist sie zu verstehen.

Sie hat es selber noch nicht mal korrigiert bis heute!

Er hat hinzugefügt: Wer ihr etwas anderes unterstellt, der bedient russische Narrative, und am Ende nützt das nur der russischen Desinformationskampagne.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Deswegen sollten Sie auf Ihren Kollegen hören und Ihre eigenen Worte besser wägen.

So eine schwache Leistung!

Wir blicken jetzt auf den Europäischen Rat, der sich natürlich mit der Ukraine beschäftigt, aber auch mit einem anderen Thema, bei dem es um Hilfe und Unterstützung geht. Auch wenn die Debatten von vielen und manchmal auch von Ihnen, Herr Merz, am liebsten nur über Abschiebung geführt werden, sollte es bei der Frage von Flucht und Migration in der Europäischen Union primär erst einmal um Hilfe und Unterstützung gehen, nicht um die Finanzierung von Zäunen an den EU-Außengrenzen, wie es einige leider vorschlagen, sondern um unsere gemeinsame Verantwortung.

Ja, sprechen Sie mal mit den anderen Regierungen!

Kein Mensch flieht ohne Grund. Niemand verlässt leichtfertig sein vertrautes Umfeld. Das ist der Kern von Flucht und Migration. Deswegen ist es im Kern auch unsere Aufgabe, bei einer gemeinsamen europäischen Flüchtlingspolitik um bessere Schutzstandards zu ringen,

Suchen Sie mal einen Partner!

um gemeinsame Verantwortung bei der Aufnahme. Es ist gut, dass Deutschland erklärt hat, dass es bereit ist, im freiwilligen Mechanismus voranzugehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Millionen von Menschen in der Sahara!

Schaut man sich die Menschen an und die Gründe, warum sie – neben Krieg und Terror – fliehen, dann kann man feststellen, dass sie oft auch aus Not fliehen. Deswegen müssen wir das Thema „Bekämpfung von Fluchtursachen“ genauso in den Blick nehmen. Hierzu gehören Entwicklungszusammenarbeit und zivile Krisenprävention. Das ist kein Nice-to-have; das ist elementare Politik, die wir an dieser Stelle machen müssen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufevon der CDU/CSU

In diesem Parlament ist zu recht intensiv um die Frage der Finanzierung der Bundeswehr, unserer Verteidigungsausgaben gerungen worden. Denjenigen, die das so intensiv getan haben, und uns allen wünsche ich, dass wir mit der gleichen Intensität auch darum ringen, wie wir eine entsprechende Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe in diesem Haushalt abbilden können, eins zu eins, genau so, wie es unser Koalitionsvertrag vorsieht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie haben die Entwicklungshilfe doch gekürzt!

Das zweite große Thema, das auf dem Europäischen Rat verhandelt wird, ist der amerikanische Inflation Reduction Act. Die USA haben hier ein Zeichen gesetzt, das Zeichen, dass man voll auf Klimaschutz setzt.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Und das ist gut so. Ein Stück weit ist es aber auch eine Ansage an den Rest der Welt: Wer jetzt noch meint, klimaneutrale Technologien ausbremsen zu müssen oder zu können, der gefährdet am Ende den Wirtschaftsstandort Europa.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Lachenbei Abgeordneten der AfD

Ich sage ganz klar in Richtung derjenigen, die in diesem Land immer wieder aufs Zögern, aufs Zaudern und aufs Bremsen gesetzt haben: Eine vernünftige Energieversorgung ist erneuerbar.

Zurufvon der AfD: Wie in Frankreich!

Die Industrie der Zukunft setzt auf grünen Wasserstoff, und der Antrieb von Autos ist elektrisch. So einfach ist das.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

Um nichts anderes geht es hier gerade.

Widerspruchbei der CDU/CSU

Wer diese Politik nicht verinnerlicht, wer immer noch glaubt, am Alten festhalten zu können, den frage ich: Wo wollen Sie wirtschaftspolitisch eigentlich gerade hin? Wo ist der Mut in der CDU geblieben? Wo ist eigentlich die Innovationskraft, von der Sie immer erzählen, die Sie vor sich hertragen? Wie glauben Sie ein Land wirtschaftspolitisch aufstellen zu können, wenn Sie jeden Zukunftstrend immer weiter blockieren und an den Technologien der Vergangenheit festhalten?

Das ist am Ende keine vernünftige Wirtschaftspolitik. Das schadet nicht nur dem Klima; das schadet auch der Wirtschaft in Europa.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Herr Merz, uns ist aufgefallen: Sie haben den Namen der Kommissionspräsidentin noch nie in einer Ihrer Reden erwähnt.

Doch! Gerade eben!

Sie heißt Ursula von der Leyen

Gerade eben!

und gehört der CDU an. Die hat zum Glück eine sehr klare Antwort auf diese Frage gefunden.

Sie haben Ihre Rede aufgeschrieben, bevor Sie mir zugehört haben!

Sie hat ein Paket vorgeschlagen, das Europa grün machen wird, das in Zukunftstechnologien investiert. Sie verantwortet mit dem „Fit for 55“-Paket jetzt ein modernes Paket für Klimaschutz in der Europäischen Union. Ich würde mir wünschen, die Union wäre stolz auf diese Kommissionpräsidentin, statt einfach nur über diese Politik zu schweigen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Vielen Dank, Frau Kollegin Dröge. – Nächste Rednerin ist die Kollegin Dr. Alice Weidel, AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Alice Weidel
Foto: Dr. Alice Weidel/Hagen Schnauss
32 Vermerkeca. 1.633 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Scholz, können Sie morgens eigentlich noch ruhig in den Spiegel schauen beim Gedanken an die geballte Inkompetenz und Kaskade an Fehlleistungen, für welche die von Ihnen geführte Bundesregierung steht?

Helau! Helau!

Sie leisten sich eine Außenministerin, die in ihrem Dilettantismus auf dem internationalen Parkett mal eben eine Kriegserklärung an Russland verkündet, die im Rest der Welt Häme und Entsetzen auslöst, was mühsam wieder eingefangen werden muss, eine Außenministerin, die sich nicht nur für die ganze Welt zuständig fühlt, sondern auch für Länder, die – ich zitiere – „Hunderttausende Kilometer entfernt liegen“, also irgendwo da draußen im Sonnensystem. Unglaublich!

Beifallbei der AfD

Wirtschaftsminister Habeck hausiert derzeit weltweit in Sachen Klimaschutz, verkündet hochtrabende Lieferabkommen, die gleich wieder zerplatzen, und träumt ganz offen davon, Deutschland in einem von Brüssel regierten EU-Bundesstaat aufgehen zu lassen.

Zurufvon der AfD: Genau!

– Sie sagen: „Genau!“ Genau, es ist das, was Sie wollen.

Reden wir gar nicht erst über Ihre demnächst nur noch Teilzeit-Innenministerin, die ihr Amt im nächsten Dreivierteljahr als Wahlkampfplattform und Sicherheitsgurt für ihre Karrierepläne zu missbrauchen gedenkt. Ihre eigentliche Aufgabe, die Sicherheit der Bürger, hat sie über ihre Besessenheit beim Kampf gegen rechts, bei der Öffnung der letzten Migrationsschleusen im Zuge des unsäglichen Einbürgerungsgesetzes schon länger sträflich vernachlässigt.

Beifallbei der AfD

Oder Ihr längst zur tragikomischen Karikatur gewordener Gesundheitsminister Lauterbach, der offenkundig nur noch damit beschäftigt ist, anderen die Schuld für seine Coronablindflüge und sein Versagen bei allen anderen Aufgaben zuzuschieben.

Solch ein Kabinett kann niemand ernst nehmen.

Beifallbei der AfD

Unter Ihrer Regierung wird Deutschland vollends zum Gespött der Welt

Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der SPD: Wovon reden Sie?

und wird in den Augen neutraler Beobachter einem Entwicklungsland immer ähnlicher.

Widerspruchbei der SPD

In dieser Hinsicht sind Sie tatsächlich der würdige Nachfolger von Angela Merkel.

Beifallbei der AfD

Die außenpolitischen Schuhe früherer Bundeskanzler – wir denken an Konrad Adenauer oder Helmut Schmidt – sind Ihnen ohnehin zu groß. Ein ums andere Mal lassen Sie sich in Fragen, die für die Zukunft unseres Landes von entscheidender Bedeutung sind, wie ein Schuljunge vorführen.

Sie standen stumm daneben, als der Präsident der Vereinigten Staaten vor der Weltpresse auftrumpfte, die USA hätten die Mittel, um die Inbetriebnahme der Ostsee-Erdgasleitung Nord Stream 2 zu verhindern. Rund ein halbes Jahr nach der Sprengung der beiden Leitungen schweigen Sie immer noch zu den Verantwortlichen für diesen offenkundig staatsterroristischen Akt.

Beifallbei der AfD

Der Jubel der US-Vizeaußenministerin Victoria Nuland darüber, dass eine für die Energieversorgung Deutschlands vitale Infrastruktur nur noch – ich zitiere – „ein Stück Metall auf dem Meeresgrund“ sei, mag vielleicht eine Antwort sein. Aber die Bürger dieses Landes erwarten von Ihnen Aufklärung, wer diesen Anschlag auf eine Lebensader der deutschen Industrie verübt hat. Und sie wollen von Ihnen hören, was Sie konkret unternehmen, um die Belieferung Deutschlands mit günstigen und verfügbaren Energieträgern, auch aus Russland, wieder zu ermöglichen.

Beifallbei der AfD

Flüssiggas aus den USA zu überteuerten Kosten ist keine Lösung.

Die explodierenden Preise für Energieimporte sind zusammen mit der von der EZB ausgelösten hohen Inflation der Grund, die Ursache für den Kaufkraftverlust, real, bezogen auf die Nettolöhne der Bundesbürger, in Höhe von 4 Prozent im letzten Jahr. Ein solcher Wohlstandsverlust ist beispiellos in der Geschichte Deutschlands. Beispiellos!

Beifallbei der AfD

Er treibt die Mittelschicht in die Verarmung und das produktive Gewerbe aus dem Land und in die Arme der amerikanischen Anwerber, die mit niedrigen Steuern und niedrigen Energiekosten es umwerben bei gleichzeitigem Protektionismus der eigenen amerikanischen Industrie. Das muss man sich mal vorstellen! Und Sie leisten dieser Deindustrialisierung auch noch Vorschub!

Die Windräder, mit denen Ihre Regierung dieses Land noch weiter vollstellen will, sind ebenfalls keine Lösung. Sie sind Subventionsgräber und Geldvernichtungsmaschinen, die unser Energieproblem noch verschärfen werden.

Beifallbei der AfD

Wenn kein Wind weht, liefern 50 000 oder 100 000 Windräder genauso wenig Strom wie die derzeitigen 30 000, die unsere Landschaft bereits verschandeln.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Die sogenannten erneuerbaren Energiequellen tragen derzeit weniger zur Stromversorgung Deutschlands bei als die letzten drei verbliebenen Kernkraftwerke.

Lachendes Abg. Achim Post [Minden] [SPD]

Sie abzuschalten, wäre ökonomischer Suizid.

Beifallbei der AfD

– Da lachen Sie von der SPD. Das können wir uns vorstellen.

Zurufdes Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]

Da können Sie noch so oft den Bürgen und der Wirtschaft in den Rücken fallen und die Abschaltdebatte für beendet erklären: Deutschland braucht den Wiedereinstieg in die Kernkraft.

Beifallbei der AfD

Ja, natürlich brauchen wir das. Fragen Sie morgen in Brüssel die anderen Regierungschefs, Herr Bundeskanzler! Niemand findet den deutschen Antikernkraftwahn gut, niemand will Ihnen auf diesem Weg folgen. Jetzt bekommen Sie auch noch von den europäischen Partnern Druck aufgrund Ihrer unverantwortlichen Asyl- und Einbürgerungspolitik. Wir freuen uns auf den Gipfel.

Gehen Sie voran, Herr Scholz, wie Sie das ja immer tun, genauso wie bei der fatalen Entscheidung für die Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine! Ihr anfängliches Zögern ehrt Sie. Am Ende haben Sie sich aber doch von den Kriegstreibern in Ihren eigenen Reihen und jenseits des Atlantiks dazu nötigen lassen,

Mann! Mann! Mann!

diesen Schritt zu gehen und Deutschland – jetzt will ich Ihnen mal etwas sagen – de facto zur Kriegspartei zu machen in einem Krieg, der nicht der unsrige ist. Darum geht es doch.

Und siehe da: Ihre tollen Partner haben es gar nicht mehr so eilig mit der Lieferung eigener Panzer.

Die haben es gar nicht mehr so eilig. Die USA wollen ihre Panzer erst in einem Jahr liefern, auch noch abgespeckt. Sie aber haben dem neuen Verteidigungsminister, den Sie als letztes Aufgebot irgendwie mobilisiert haben, als einen der ersten Termine nach Amtsantritt zugemutet, einer der wenigen funktionierenden Panzerkompanien der Bundeswehr zu erklären, dass sie ihre modernen und einsatzbereiten Kampfpanzer abgeben müssen.

Und dass es überhaupt noch moderne und einsatzbereite Kampfpanzer in der Bundeswehr gibt nach 16 Jahren Merkel, ist ja sowieso schon verwunderlich. Das muss man ja mal sagen.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Also, Herr Merz, anstatt immer alles auf andere zu schieben: Sie waren ja 16 Jahre an der Regierung und haben das alles in Grund und Boden gewirtschaftet.

Und wenn Sie über das Sondervermögen Bundeswehr sprechen, das hier durchgegangen ist: Das war dazu bestimmt, die Bundeswehr zu ertüchtigen und nicht irgendwelche Kampfpanzer an die Ukraine zu verschenken, so wie wir das gerade machen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Johannes Huber [fraktionslos]

Sie nehmen die Bundeswehr aus und unterminieren unsere Verteidigungsfähigkeit, um den Krieg in der Ukraine zu verlängern und Deutschland zur Zielscheibe zu machen.

Deswegen stecken wir auch 100 Milliarden in die Bundeswehr! Sie wissen gar nicht, wovon Sie reden!

Sie machen Deutschland zur Zielscheibe, während die US-Rüstungsindustrie in sicherer Entfernung sehr gute Geschäfte macht.

Die Begeisterung für Waffenlieferungen an die Ukraine und für Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die Deutschland und Europa wohlgemerkt mehr schaden als Moskau, bleibt auf die USA und ihre europäische Gefolgschaft beschränkt. Im Rest der Welt verfolgt man eigene Interessen. Das hat Ihnen zuletzt Ihr Sozialistengenosse Lula vor Augen geführt, als er Sie auf Ihrer Brasilienreise ein weiteres Mal vor aller Welt vorführte.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Brasilien hat kein Interesse an einer Klimapolitik nach deutschen Vorstellungen, die geradewegs in Deindustrialisierung und Wohlstandsverlust führt. Brasilien hat auch kein Interesse an grünem Ideologiespielzeug wie dem weltfremden Bürokratiemonster Lieferkettengesetz, das den Freihandel behindert. Brasilien will nicht durch Waffenlieferungen zur Kriegspartei werden, sondern sein Gewicht in die Waagschale werfen, genau wie Indien und China auch, ein Friedensabkommen für die Ukraine zu vermitteln.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Eine solche Initiative hätte von Ihnen, Herr Bundeskanzler, kommen können, und sie hätte längst von Deutschland kommen müssen.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Fragen Sie einmal nicht die ungedienten Sofastrategen aus den Koalitionsfraktionen und der Union, fragen Sie erfahrene Militärs: Weder die Ukraine noch Russland werden in diesem Krieg ihre Maximalziele erreichen können.

Zurufdes Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]

Um ihn zu beenden, werden sie früher oder später einen Kompromiss aushandeln müssen. Die Frage ist, wie viele Menschen bis dahin noch sterben müssen, wie viel Zerstörung und Leid bis dahin noch angerichtet wird.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber Sie können eine Atommacht nicht in die totale Niederlage zwingen, ohne zu riskieren, die Welt in die Luft zu jagen. Die von Ihnen belächelte Sorge vor einer Eskalation des Krieges zum Atomkrieg, die viele Bürger umtreibt, ist nicht irrational.

Kommen Sie zum Schluss bitte.

Rednerwechsel

Sie ist real.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Und der große SPD-Außenpolitiker Egon Bahr – Sie hatten mal große Außenpolitiker –

Frau Kollegin, kommen Sie bitte zum Schluss.

Rednerwechsel

– ich komme zum Ende, Herr Präsident – hat oft betont, was auch Otto von Bismarck schon wusste, den Ihr Koalitionspartner bekanntlich canceln will: Staaten haben keine Freunde, sondern Staaten haben Interessen.

Wir wären bis heute nicht wiedervereinigt, wenn das gälte!

Vertreten Sie also die Interessen der Bundesrepublik Deutschland, Herr Bundeskanzler! Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]

Nächster Redner ist der Kollege Johannes Vogel, FDP-Fraktion.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
21 Vermerkeca. 1.304 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach dieser Rede der fünften Kolonne Moskaus

Widerspruchbei der AfD

und weil es die letzte Sitzungswoche ist, bevor sich der völkerrechtswidrige Überfall Putins und der Beginn der russischen Kriegsverbrechen am tapferen ukrainischen Volk zum ersten Mal jähren, will ich klar sagen: Der einzige Weg, dass wir zu Frieden kommen, ist, dass die Ukraine den Kampf um ihr Territorium gewinnt.

Lachenbei Abgeordneten der AfD
Zurufvon der AfD: Und wie?

Deshalb bin ich der Bundesregierung im Namen meiner Fraktion sehr dankbar – auch vor dem Europäischen Rat –, dass wir die Ukraine noch stärker unterstützen, und danke auch dem Verteidigungsminister für seinen kurzfristigen Besuch in Kiew in den letzten Tagen. Denn dass wir jetzt auch mit mehr Kampf- und Schützenpanzern dafür sorgen, dass die Ukraine für die kommende Frühjahrsoffensive gut ausgerüstet ist, ist erstens unsere moralische Verantwortung. Und zweitens: Umso schneller die Ukraine gewinnt, umso schneller wird es Frieden geben. Vielen Dank dafür!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will aber aus tagesaktuellem Anlass, liebe Frau Wehrbeauftragte, ganz kurz sagen: Eine Debatte, die wir nach unserer Überzeugung nicht führen sollten, ist die über die Wiedereinführung der Wehrpflicht.

Beifallbei der FDP

Ich sage auch klar: Das wird es mit den Freien Demokraten nicht geben. Denn wir sollten nicht darüber diskutieren, wie viel Zwang wir brauchen. Wir brauchen gar keinen Zwang. Eine Wehrpflicht wäre erstens eine Frechheit gegenüber der jungen Generation und ihrem exorbitanten Beitrag auch in der Coronakrise, und vor allem würde sie uns aufhalten auf dem Weg zu einer gut ausgestatteten Profi-Bundeswehr, die wir brauchen.

Ich will klar sagen: Ja, wir haben ein Problem mit Nachwuchsgewinnung bei der Bundeswehr. Aber was wir tun können, um das anzugehen, ist, dass wir den Soldatinnen und Soldaten den Respekt verschaffen, den sie verdienen.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Solange wir zum Beispiel über Jugendoffiziere an Schulen politisch diskutieren und solange zum Beispiel Soldatinnen und Soldaten in Uniform in diesem Land angefeindet werden, wird es uns nicht gelingen, ausreichend Nachwuchs zu finden. Das sind Probleme, die wir angehen müssen, dann klappt es auch mit der Nachwuchsgewinnung bei der Bundeswehr, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Am heutigen Tag müssen wir uns aber natürlich auch über die angemessene europäische Reaktion auf den Inflation Reduction Act unterhalten; das ist richtig. Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, ich bin sehr dankbar für Ihre klaren Aussagen: erstens das Aufzählen, wie viele Mittel wir in Europa bereits einsetzen – also ist ein Mangel an Mitteln offenbar nicht das Problem –, und zweitens die klare Aussage, dass ein Subventionswettlauf nicht die Antwort sein darf. Das ist absolut richtig.

Und ja, verehrter Herr Merz, es ist richtig, dass wir natürlich gar nicht erst in dieser schwierigen Lage wären – da müssen wir auch Klartext reden –, wenn wir schon ein Freihandelsabkommen mit den USA hätten. Das ist richtig.

Weiterer Zurufdes Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

Kanada und andere sind ausgenommen. Nur, lieber Herr Merz, so von Freihändler zu Freihändler: Sie haben es ja in jahrelanger Regierungsbeteiligung nicht einmal geschafft, dass der Deutsche Bundestag CETA ratifiziert.

Ja! Woran lag das denn?

Da müssen Sie da rüber gucken!

Wir haben jetzt in dieser Koalition unter Beteiligung der Freien Demokraten CETA ratifiziert und uns schwarz auf weiß per Beschluss des Deutschen Bundestages dazu bekannt, dass wir bei den anderen Freihandelsabkommen – mit Chile, Mexiko, Mercosur – vorankommen wollen.

Zurufevon der CDU/CSU

Und wir haben uns sogar schwarz auf weiß zu einem neuen Anlauf für ein Freihandelsabkommen mit den USA bekannt. Was war denn da die Bilanz der Union, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen?

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das, was wir machen, kann sich eindeutig sehen lassen.

Richtig ist aber auch, dass das natürlich nicht kurzfristig gelingen wird. Deshalb muss Europa gemeinsam mit Japan und Südkorea jetzt daran arbeiten, dass bereits das Bekenntnis zum transatlantischen Freihandel, dass bereits die Abkommen, die wir haben, und Zwischenschritte dahin dafür sorgen, dass der Inflation Reduction Act nicht zur transatlantischen Hürde wird.

Darüber hinaus sollten wir uns Gedanken machen, was wir eigentlich tun können, um hierzulande Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit durch gute Rahmenbedingungen zu verbessern; das muss doch die politische Aufgabe sein. Und dazu gehört natürlich, dass wir den Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel angehen.

Lieber Herr Merz, an dieser Stelle noch ein Wort zu dem, was Sie eben zur Migration gesagt haben: Die Union war ja eben in der Rede sehr gut bei der Problemanalyse.

Er hat Vorschläge gemacht!

Das Gemeinsame Europäische Asylsystem muss reformiert werden. Aber was ist denn da die Bilanz der letzten Jahrzehnte gewesen, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union?

Ach Mensch! Irgendwann wird es doch langweilig! Sagen Sie doch mal was Neues!

Wer ist denn heute in der Regierung?

Und eins will ich auch ganz klar sagen – ich weiß, dass Sie das nicht mehr hören können, weil es so wehtut –: Ja, wir müssen besser werden bei der Ordnung der Migration. Die irreguläre Migration muss reduziert werden, und deshalb muss zum Beispiel auch die Rückführungsoffensive aus unserem Koalitionsvertrag durch diese Bundesregierung jetzt schnell mit Leben gefüllt werden;

das ist richtig. Aber das gegen Migration auf den Arbeitsmarkt auszuspielen, lieber Herr Merz – das haben Sie eben gemacht,

Gerade nicht!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU: Nein!

indem Sie gesagt haben: wir könnten jetzt insgesamt nicht mehr Einwanderung vertragen –, ist genau der falsche Weg. Reguläre Migration muss vielmehr hoch; denn Einwanderung ist es, was uns starkmacht. Und der Fachkräftemangel ist zu einer der größten Wachstumshürden geworden, liebe Kolleginnen und Kollegen, und das müssen wir ändern.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich will aber einen letzten Gedanken dazu, was uns als Standort starkmacht und was die richtige Antwort in der Wettbewerbspolitik ist, ausführen. Einwanderung, Offenheit für neue Technologien, Marktwirtschaft und Unternehmertum – das hat uns zum Beispiel in der Coronakrise den Impfstoff gebracht. Dass aber, wie wir gerade hören mussten, ein Zukunftsunternehmen wie BioNTech Teile seiner Krebsforschung nach Großbritannien verlagert, muss uns in der Tat wachrütteln.

Zurufdes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

Herr Kollege, kommen Sie zum Schluss, bitte.

Rednerwechsel

Wir müssen besser werden bei Rahmenbedingungen für Unternehmertum, bei Offenheit für neue Technologien, und wir brauchen weniger Bräsigkeit und Bürokratie; das ist richtig.

Unter welcher Regierung findet das statt?

Deshalb müssen wir auch schneller werden bei allen Projekten, die wir in diesem Land so angehen, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen.

Herr Kollege, Sie müssen zum Schluss kommen.

Rednerwechsel

Es ist der letzte Satz, lieber Herr Präsident.

Der Herr Kollege Mierscheid würde nicht so überziehen!

Ein Tempolimit für Infrastrukturprojekte können wir uns in keinem Bereich leisten, sondern wir müssen bei Schienen, Stromtrassen, Windrädern, auch bei Straßen und beim Neubau von Autobahnen schneller werden. Wir gehen diese Woche einen ersten Schritt; aber weitere müssen folgen; denn so legen wir den Hebel um für mehr Tempo und Wachstum in diesem Land, und das ist notwendig.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank, Herr Kollege Vogel. – Herr Kollege Lambsdorff, Sie können sich schon mal darauf einrichten, dass Sie eine Minute weniger reden dürfen. Das hätte der Kollege Mierscheid auch so zu Protokoll gegeben.

Der wird aber nächstes Mal Alterspräsident!

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nächste Rednerin ist die Kollegin Amira Mohamed Ali, Fraktion Die Linke.

Beifallbei der LINKEN
16 Vermerkeca. 901 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Auch ich möchte zum Anfang mein aufrichtiges Beileid all den Familien und Freunden der Opfer des schrecklichen Erdbebens in der Türkei und in Syrien aussprechen. Ich danke von Herzen allen, die jetzt helfen. In der Tat, wir müssen alle gemeinsam alles Menschenmögliche tun, um allen Betroffenen möglichst schnell helfen zu können.

Beifallbei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Alexander Graf Lambsdorff [FDP]

Seit fast einem Jahr tobt in der Ukraine Putins schrecklicher Angriffskrieg. Es muss das oberste Ziel sein, dass dieser Krieg möglichst schnell endet. Die Waffen müssen endlich schweigen.

Beifallbei der LINKEN

Stattdessen werden Sie, Herr Scholz, im Europäischen Rat aber wieder über Sanktionen und Waffenlieferungen beraten. Mittlerweile sind Sie beim zehnten Sanktionspaket angelangt. Bereits bei den ersten wurde angekündigt, dass das Russland wirtschaftlich ruinieren würde; das ist aber nicht passiert. Sie haben auch behauptet, die Sanktionen werden Russlands Fähigkeit, Krieg zu führen, erheblich beeinträchtigen; auch das ist nicht passiert.

Fakt ist allerdings: Ihre Sanktionspolitik hat verheerende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Stabilität in Deutschland, in Europa und in den Ländern des Globalen Südens.

Beifallbei der LINKEN

Laut einer aktuellen Umfrage der Verbraucherzentralen musste in den letzten drei Monaten jeder siebte Mensch in Deutschland sein Konto ins Minus ziehen, um über den Monat zu kommen. Millionen Menschen leben sogar dauerhaft in den Miesen. Gründe sind die Inflation, insbesondere die gestiegenen Energiepreise.

In einer Umfrage der Schufa gaben drei von vier Befragten an, bei Lebensmitteln jetzt sparen zu müssen. Wissen Sie, was das für ärmere Familien bedeutet, Herr Scholz? Die Eltern sparen am eigenen Essen, um ihren Kindern überhaupt noch etwas zu essen auf den Tisch bringen zu können. Armutsrentner verzweifeln.

Darum: Hören Sie endlich auf, die Lage zu beschönigen! Das haben Sie heute auch wieder getan. Öffnen Sie die Augen und handeln Sie! Es ist dringend Zeit dafür.

Beifallbei der LINKEN

Während Wirtschaftsminister Habeck sich für die vollen Gasspeicher und für neue LNG-Terminals feiern lässt, fallen Industriebetriebe teilweise einfach weiter hinten runter, besonders in Ostdeutschland: zum Beispiel die wichtige Raffinerie PCK Schwedt. Der Brandenburger Ministerpräsident hat jetzt sogar zum Krisengipfel eingeladen, weil all Ihre schönen Versprechungen nicht gehalten werden, Herr Habeck. Das geht so nicht.

Außerdem steht fest, dass durch Ihre Energiepolitik in den Ländern des Globalen Südens erhebliche Versorgungslücken entstehen; denn Deutschland kauft das Gas zu jedem noch so hohen Preis auf dem Weltmarkt. Für die betroffenen Länder heißt das: Stromausfälle, steigende Armut, Störung der Wasserversorgung. Das gefährdet Menschenleben. Das ist einfach unverantwortlich; ich muss es so sagen.

Beifallbei der LINKEN

Außerdem müssen diese Länder jetzt wieder stärker auf Erdöl und Kohle zurückgreifen. Das ist schlecht fürs Klima, Herr Habeck.

Aber auch das scheint nicht mehr zu stören, auch die Grünen nicht. Schließlich gilt es, einen Krieg zu gewinnen. Sagt auch Frau Baerbock. Frau Baerbock, die beim Karneval Scherze über Leopard-Panzer macht. Ich muss sagen: Das ist Ihrer Position als Chefdiplomatin unseres Landes einfach unwürdig.

Insgesamt finde ich, dass dieser von Teilen der Grünen und der FDP geführte Wettkampf um den besten Leopardenwitz einfach absolut unverantwortlich ist. Was für eine entsetzliche Verniedlichung des Krieges!

Beifallbei der LINKEN

Genauso übrigens wie das Ringen um das beste Selfie aus dem Kriegsgebiet. Ein Krieg darf keine Bühne für Selbstdarsteller sein, meine Damen und Herren.

Beifallbei der LINKEN

Entgegen jeder Vernunft halten Sie aber daran fest, dass Russland mit militärischen Mitteln besiegt werden soll.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Herr Pistorius verkündet stolz: 178 Kampfpanzer sollen geliefert werden. Wo soll das enden?

Wo sind eure Lösungen?

Viele Experten, zum Beispiel die Rand Corporation aus den USA, kommen zum Ergebnis, dass der Krieg militärisch nicht zu gewinnen ist. Das ist ein konservativer Think Tank. Sind das jetzt auch Putin-Versteher?

Konservativ ist gut!

Sie riskieren immer mehr, dass Deutschland zur Kriegspartei wird. Die Mehrheit der Bevölkerung fürchtet das, und ich muss Ihnen sagen: Die Leute haben leider recht.

Hört doch mal auf mit dieser russischen Propaganda!

Was wir brauchen, ist eine diplomatische Offensive, wie sie zum Beispiel Präsident Lula aus Brasilien fordert.

Beifallbei der LINKEN

Er weigert sich auch, Ihnen Munition für die Panzer zu verkaufen, und fordert Sie stattdessen auf, Herr Scholz, ihn dabei zu unterstützen, ein Format für Friedensverhandlungen aufzubauen. Das ist der richtige Weg. Lula, der vor Kurzem noch zu Recht für seinen Sieg gegen den Faschisten Bolsonaro gefeiert wurde, wird hierzulande für diesen Ruf nach Diplomatie teilweise als Friedensschwurbler diffamiert. Ich finde, das zeigt ziemlich deutlich, wie absurd diese Debatte geworden ist. Das ist wirklich hochgefährlich.

Beifallbei der LINKEN

Wir wissen, dass Diplomatie auch in diesem Krieg wirken kann. Denken wir an das Getreideabkommen, denken wir an den laufenden Gefangenenaustausch.

Mein Gott! Sie sind zu intelligent für das, was Sie da erzählen!

Der ehemalige israelische Premier Naftali Bennett sagte sogar, dass ein Waffenstillstand bereits im letzten Frühjahr fast fertig ausgehandelt war, nur die US- und die britische Regierung seien damals dagegen gewesen. Warum wohl, Herr Scholz?

Darum: Korrigieren Sie Ihren Kurs! Wir brauchen endlich ernsthafte Bemühungen für einen Frieden.

Danke schön.

Beifallbei der LINKEN
10 Vermerkeca. 805 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Partnerstadt meiner Heimatstadt Bochum ist Donezk, und ich habe den Deutschen Bundestag bei der Wahl während der Orangen Revolution in der Ukraine vertreten. Deshalb möchte ich hier mit Ihrer Erlaubnis, Herr Präsident, mit einem Zitat beginnen: Ich möchte dem Bundeskanzler danken für sein Leadership und sein standhaftes Engagement in unseren gemeinsamen Anstrengungen zur Unterstützung der Ukraine. Deutschland hat richtig aufgestockt. Der Kanzler ist eine starke Stimme für einheitliche und enge Freundschaft. – Joe Biden, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Genau so ist es, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD

Es gibt ein Zweites, das genauso wichtig ist: Wir haben in diesem Jahr des schrecklichen Krieges den gesellschaftlichen Zusammenhalt hinbekommen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt zeigt sich darin, dass aus einer Bevölkerung, bei der es in der Frage, ob man Waffen liefern soll oder nicht, fifty-fifty steht, dann, als wir erstmals vor diese Frage gestellt worden sind und gehandelt haben, eben nicht Hunderttausende auf die Straße gegangen und „Kriegstreiberei“ oder Ähnliches geschrien haben, sondern es in ihr mehrheitlich Zustimmung für die Politik dieses Bundeskanzlers gibt; und das ist auch gut so.

Beifallbei der SPD

Aber ich weiß, dass es auch Kritik gibt. Deshalb habe ich auch ein weiteres Zitat mitgebracht und trage es wieder mit Genehmigung des Präsidenten vor:

Kanzler Scholz gefährdet den Frieden auch für unser Land …

Seine

Feigheit … vor Ideologen und Zynikern wie Mützenich in der SPD hat bereits viele Tausende Menschen das Leben gekostet. Und droht den Krieg nach Deutschland zu bringen.

Michael Brand, CDU/CSU-Bundestagsfraktion, „Fuldaer Zeitung“ vom 25. Januar. Das war derselbe Tag, als Joe Biden seine oben zitierte Erklärung abgegeben hat.

Zurufvon der SPD: Pfui!

Dazu kam von Ihnen öffentlich kein Widerspruch, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU/CSU, und das ist völlig unakzeptabel in diesem Haus.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der SPD: So ist es!

Aber für einen Bundeskanzler gibt es in schwierigen Situationen manchmal einen geschichtlichen Trost. Ich bin sehr lange dabei und erinnere mich daran, dass Willy Brandt wegen seiner Entspannungspolitik von der Union beschimpft worden ist mit Worten wie „Verräter“. Ich erinnere mich an Wahlkämpfe in den 80er-Jahren gegen Helmut Schmidt: „Freiheit statt Sozialismus“. Ich weiß auch noch sehr genau, wie die Ablehnung des Irakkrieges durch Kanzler Gerhard Schröder in Amerika intoniert wurde: Dieser Kanzler spricht nicht für Deutschland. – In all diesen Fällen – bei Willy Brandt, bei Helmut Schmidt, bei Gerhard Schröder und jetzt bei Olaf Scholz – hat sich die Union geirrt. Das muss man in Bezug auf die Geschichte und aktuell sagen: Die Union lag falsch, und die Union wird wieder falschliegen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD

Das ist eine Geschichtsklitterung!

Es gibt ein anderes europäisches Problem, das ansteht und das hier konsequent verschwiegen wird, nämlich die teilweise Ausgrenzung Ihrer Parteienfamilie nach rechts und rechts außen. Manfred Weber, Präsident der EVP, CSU-Mitglied, versucht gerade, die postfaschistische Partei Italiens von Frau Meloni christdemokratisch zu vereinnahmen.

Wer sagt das denn?

Ich finde, nachdem wir in Schweden eine Regierung haben, bei der es eine Entgrenzung nach rechts gegeben hat, wir auch in Italien eine Entgrenzung nach rechts erlebt haben und nachdem eine christdemokratische Partei wie die Fidesz nach rechts außen gewandert ist, kann das hier im Deutschen Bundestag nicht unwidersprochen einfach hingenommen werden.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Das ist eine Politik, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, bei der wir Widerspruch und keine Gemeinsamkeit mit solchen politischen Kräften erwarten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, morgen steht die Erweiterung, die Vertiefung der Europäischen Union auf der Tagesordnung. Es war gut und richtig, dass auch von diesem Bundeskanzler neue Initiativen gekommen sind, sowohl was den Westbalkan anbelangt als auch vor allem die Ukraine und Nordmazedonien. Aber ich sage Ihnen auch ganz persönlich: Die Kopenhagener Kriterien gelten. Aber es wird nicht das Ende der Geschichte sein. Wir werden auch für den Westbalkan und auch für die Ukraine eine Beschleunigung brauchen. Es wird nicht mehr so lange dauern können wie bisher. Ich weiß, welche außergewöhnlichen Anstrengungen das erfordert, auch in der Veränderung dieses kriegsgeplagten Landes intern. Aber es wird so kommen müssen, und das ist auch richtig in diesem gemeinsamen Europa: für unsere Arbeit, für den Frieden. Dafür stehen wir hier.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Vielen Dank, Herr Kollege Schäfer. – Als nächster Redner erhält das Wort der Kollege Alexander Dobrindt, CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
7 Vermerkeca. 559 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Bundeskanzler, Sie haben uns am Schluss Ihrer Rede mitgeteilt, Führen heißt für Sie zusammenführen, Lösungen gemeinsam erarbeiten. Die Realität in Europa schaut aber doch so aus, dass zunehmend die Länder ohne Deutschland eine gemeinsame Linie finden. Das ist das, was passiert.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist Ihre Fata Morgana!

Frankreich und Spanien beispielsweise planen als Antwort auf den amerikanischen Inflation Reduction Act einen neuen Schuldenklub in Brüssel, eine neue Schuldenvergemeinschaftung. Das ist Ihnen mitgeteilt worden. Herr Bundeskanzler, ich hätte erwartet, dass Sie uns heute eine klare Botschaft liefern, wie Sie dazu stehen. Wollen Sie diesem Schuldenklub beitreten? Werden Sie diesen Versuchen widerstehen? Unsere Erwartung ist an der Stelle ganz klar: Schließen Sie sich in Brüssel nicht einem Schuldenpakt an, sondern führen Sie in Europa einen Stabilitätspakt an.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben uns heute in Ihrer Rede bei dem Thema Verteidigung Ihre Erfolge der Vergangenheit mitgeteilt, sich Ihrer Erfolge gerühmt. Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, seit Ihrer Zeitenwende-Rede vom letzten Jahr unterstütze ich in diesem Bereich, was Sie sagen. Ich bin nur enttäuscht von dem, was Sie machen. Ich unterstütze das 2‑Prozent-Ziel. Ich bin enttäuscht, dass Sie es nicht einlösen. Ich unterstütze die 100 Milliarden Euro. Ich bin enttäuscht, dass Sie sie nicht ausgeben. Sie waren letzte Woche in Brasilien. Sie haben nicht nur um Klimaschutz, sondern vor allem auch um Munition gebeten. Herr Bundeskanzler, ich sage Ihnen: Hören Sie auf, um Munition zu bitten, fangen Sie an, Munition zu bestellen. Das ist der sinnvolle Weg.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben heute beim Thema Migration davon gesprochen, dass Sie Solidarität gegenüber den Mitgliedstaaten an der EU-Außengrenze walten lassen wollen. Ja, die Solidarität allerdings, die unsere Partnerländer von Deutschland einfordern, ist, dass Sie aufhören, in Deutschland Anreize für illegale Zuwanderung zu erhöhen. Sie vermischen Asyl mit Fachkräftezuwanderung. Sie vermischen Asyl mit Staatsbürgerschaftsrecht.

Sagt die CDU/CSU! Du lieber Gott!

Und Sie machen aus Ausreisepflicht ein Aufenthaltsrecht. Acht Länder haben sich in dieser Woche bereits zusammengeschlossen und wollen die schnellstmögliche Begrenzung der irregulären Zuwanderung in Europa erreichen. Herr Bundeskanzler, zeigen Sie Solidarität, unterstützen Sie diese Initiative, und geben Sie morgen in Brüssel die klare Zusage, keine weiteren Anreize für irreguläre Migration in Deutschland zu schaffen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sehr geehrte Frau Kollegin Dröge, Sie haben in Ihrer Rede davon gesprochen, dass Sie die Maßnahmen zur Begrenzung der irregulären Migration, die in Europa zurzeit diskutiert werden, nicht teilen, nicht unterstützen und auch nicht umsetzen wollen. So war das zumindest zu verstehen. Ich will Ihnen ein Zitat aus einem aktuellen Interview mitgeben. Dort heißt es, wörtlich zitiert:

… wir müssen die Zuwanderung begrenzen. Wir haben unsere Leistungsgrenzen erreicht, wir können das nicht mehr verantworten.

Das sind keine Worte von Alexander Dobrindt. Das sind die Worte von Jens Marco Scherf, dem grünen Landrat von Miltenberg. Nehmen Sie die Stimmen aus Ihrer eigenen Partei wahr, und leisten Sie einen Beitrag, dass wir die irreguläre Migration nach Europa begrenzen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank, Herr Kollege Dobrindt. – Nächster Redner ist der Kollege Dr. Anton Hofreiter, Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Alexander Graf Lambsdorff [FDP]
Porträt von Anton Hofreiter
Foto: Anton Hofreiter/ Deutscher Bundestag
12 Vermerkeca. 708 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auf dem Europäischen Rat werden eine ganze Reihe zentraler Themen besprochen. Es geht um die weitere Unterstützung der Ukraine. Es geht darum, wie wir klug auf den Inflation Reduction Act antworten und wie wir wenigstens in Ansätzen zu einer gemeinsamen Migrationspolitik kommen.

Ja, in allen Bereichen ist in Deutschland einiges zu tun. Es ist absolut gut und richtig, dass wir uns knapp ein Jahr nach Kriegsbeginn entschieden haben, auch Kampfpanzer in die Ukraine zu liefern. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, dass wir so schnell wie möglich mit der Ausbildung beginnen und so schnell wie möglich dafür sorgen, dass es ausreichend Ersatzteile für dieses Material gibt; denn die russische Frühlingsoffensive steht kurz bevor. Deshalb: Besser jetzt schnell handeln als zu lange warten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Liebe Vertreterinnen und Vertreter von der Union, Sie tun ja gerne so, als wenn Sie besonders fleißig aufseiten der Ukraine stehen würden.

Sie aber auch!

Aber das Ganze wird dann unglaubwürdig, wenn man aus einem Versprecher der Außenministerin ganz bewusst russische Narrative aufnimmt und deshalb nicht die Ukraine unterstützt, sondern russische Kriegspropaganda unterstützt.

Das haben Sie schon selber gemacht!

Das ist einfach ein Riesenproblem, Herr Merz, und damit schaden Sie dem Zusammenhalt bei uns im Land und schaden der europäischen Solidarität im Kampf gegen den russischen Angriffskrieg.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Dass die Frage des Umgangs mit der Migration überhaupt nicht trivial ist, darin, glaube ich, sind wir uns einig. Und ich hoffe, wir sind uns auch einig, dass wir endlich dafür sorgen müssen, dass eine der tödlichsten Grenzen der Welt, nämlich die Südgrenze der Europäischen Union, weniger tödlich wird. Aber wissen Sie: Wenn Sie so über Migration sprechen, wie Sie hier sprechen, tragen Sie nicht zur Lösung der Probleme bei, sondern treiben nur insbesondere Wähler der Union von der Union weg zur AfD. Das ist das Einzige, was Sie mit dieser Art von Sprechen erreichen, und das nutzt überhaupt niemandem. Wir sollten uns als Demokraten einig sein, alles dafür tun zu wollen, dass die Rechtsradikalen zukünftig nicht mehr in den Parlamenten vertreten sind.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Ihre weiteren Zuwanderungsanreize schaffen genau diesen Effekt!

Beim Inflation Reduction Act – ich glaube, das ist schon angesprochen worden – ist der erste Punkt: Wir sollten uns einfach richtig darüber freuen, dass die USA jetzt endlich was für den Klimaschutz tun. Die Klimakrise als mittel- und langfristig gefährlichste Krise für uns Menschen auf diesem Planeten kriegen wir nämlich nur durch intensive internationale Kooperation und dadurch, dass alle Länder auf der Welt was dagegen tun, in den Griff.

Tun sie aber nicht!

Es ist erst mal ein guter Schritt, dass die USA da jetzt richtig viel tun wollen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Es kommt jetzt darauf an, dass wir einen Wettbewerb entfachen: Wer tut sozusagen am meisten? Wer baut am schnellsten erneuerbare Energien aus? Wer schafft am schnellsten belastbare Wasserstoffnetze?

Wer sorgt am schnellsten dafür, dass die Mobilität emissionsfrei wird?

Wer sorgt am schnellsten dafür, dass moderne Chemieindustrie ohne fossile Rohstoffe auskommt?

Das ist die Aufgabe, die wir haben.

Und da kommt es halt auch darauf an, dass wir in Deutschland keine Germany-First-Politik machen und nur Subventionen erleichtern, sondern auch dafür sorgen, dass Länder, die weniger Geld zur Verfügung haben, innerhalb der Europäischen Union investieren können. Eine der besten Errungenschaften der Europäischen Union ist der Binnenmarkt, und die Antwort auf den Inflation Reduction Act muss so ausschauen, dass wir den Binnenmarkt nicht zersplittern, sondern allen Ländern innerhalb der Europäischen Union helfen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Vielen Dank, Herr Kollege Hofreiter. – Das Wort hat nunmehr der Kollege Alexander Graf Lambsdorff, FDP-Fraktion.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
7 Vermerkeca. 856 WörterReaktionswert: lebhaft
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Vielen Dank. – Herr Präsident! Das wird ein Europäischer Rat der gigantischen Themen: die Reaktion auf die völkerrechtswidrige Invasion Russlands in die Ukraine, die Reaktion auf protektionistische Maßnahmen – man kann es leider nicht anders nennen – eines wichtigen Partners und der Umgang mit der Migrationskrise. Bei allen drei Themen sind die Debatten lebhaft.

Ich würde aber gerne zu Beginn einmal in Erinnerung rufen, dass wir jetzt knapp ein Jahr Krieg in Europa haben. Die größte Frage, die wir uns zu Beginn gestellt haben, war: Wird der Westen es schaffen, zusammenzustehen und zusammenzubleiben? Wir können nach einem Jahr feststellen: Ja, der Westen steht zusammen, und er bleibt zusammen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Joe Biden hat gestern in seiner State-of-the-Union-Rede gesagt: Wir werden die Ukraine unterstützen, „as long as it takes“. Auch der Europäische Rat wird am Freitag ein Signal der Unterstützung senden: So lange wie nötig wird unterstützt.

Wir haben hier in Deutschland viele richtige Entscheidungen getroffen. Wir haben sie gemeinsam mit unseren europäischen Partnern getroffen. Ich fand es hervorragend, dass der neue Verteidigungsminister sofort nach Kiew gefahren ist – mit guten und wichtigen Entscheidungen im Gepäck. Ich fand es auch hervorragend, dass die Europäische Kommission zu einem großen Gipfel in Kiew war. Wir müssen die Ukraine weiter militärisch, finanziell und politisch unterstützen, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In dem Zusammenhang – das will ich auch sagen – wird ein zehntes Sanktionspaket verabschiedet. Es ärgert mich manchmal, dass ich in der deutschen Presse Schlagzeilen lese wie: „Sanktionen wirken nicht, Krieg geht weiter“ oder: „Die russische Wirtschaft ist erstaunlich stark, obwohl wir doch die Sanktionen haben“. Dann liest man im Fließtext, wenn man genau hinguckt, dass die russische Wirtschaft um 3 Prozent geschrumpft ist, dass die Importe Russlands um 9 Prozent gesunken sind, dass die russische Fluglinie Aeroflot mit viel längeren Lieferzeiten rechnen muss, viel höhere Preise für ihre Ersatzteile bezahlen muss, dass sie dabei ist, bis zu 30 Prozent ihrer Flugzeuge auszuschlachten, um Ersatzteile zu bekommen. Meine Damen und Herren, Sanktionen sind keine Lichtschalter, mit denen man Krieg an- und ausknipst. Sanktionen sind ein Mittel, mit dem wir den Preis für den Krieg in die Höhe treiben. Diese geduldige Anwendung der Sanktionen werden wir weiter verfolgen, weil es die richtige Politik ist und die Kosten für Russland in die Höhe treibt.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Zum Inflation Reduction Act ist Folgendes zu sagen – der Kollege Hofreiter hat es gerade gesagt –: Es ist ja gut, wenn die USA Klimaschutz ernst nehmen und etwas tun. Aber „kooperativ“ geht anders, meine Damen und Herren. Die Beihilfepakete im Inflation Reduction Act sind so stark an nationale Produktion gekoppelt, dass das Gesetz einen protektionistischen Charakter bekommen hat.

Es ist hier gesagt worden – ich will es wiederholen –: Hätten wir ein Freihandelsabkommen mit den USA, dann hätten wir viele dieser Probleme, die wir jetzt haben, nicht.

Ich gebe Ihnen mal ein ganz konkretes Beispiel: Batteriehersteller müssen mindestens 40 Prozent der Batterie aus in den USA gefertigten Materialien herstellen, sonst sind sie nicht antragsberechtigt für Beihilfen unter diesem Gesetz. Das gilt aber nicht für Länder, die ein Freihandelsabkommen mit den USA haben. Das hat die Europäische Union nicht. Ich würde mir deswegen wünschen, dass wir beim Freihandel demnächst bitte etwas konstruktiver und produktiver und weniger auf Fake News basierend diskutieren, insbesondere wenn es um ein Abkommen mit den USA geht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mein letzter Punkt, meine Damen und Herren, ist die Migration. Der Rat fordert die Kommission auf, die operativen Maßnahmen zu beschleunigen. Der Rat fordert Rückübernahmeabkommen. Ja, auch Grenzzäune sollen gebaut werden. Das soll dann auch aus europäischen Mitteln finanziert werden. Die Registrierung von ankommenden Migranten soll gesichert werden. Die Visumspolitik soll gestrafft werden. Hebel sollen eingesetzt werden, um Druck auszuüben. Man kann das alles diskutieren. Das ist alles vielleicht geeignet, um dem Zustrom an den Außengrenzen zu begegnen. Aber, meine Damen und Herren, wenn man mal genau hinguckt: Alle diese Maßnahmen sollen streng national erfolgen. Es gibt in der Asyl-, in der Migrationspolitik und im Grenzschutz keine europäische Zuständigkeit.

Wenn man sich genau anschaut, was der Rat noch tut, sieht man: Er ermutigt die Mitgliedstaaten, die Unterstützung der Europäischen Union und ihrer Agenturen anzufordern. Das tun die Mitgliedstaaten nämlich teilweise gar nicht. Wenn man sich die Situation in Griechenland anschaut: Frontex könnte helfen, wird aber von der griechischen Regierung nicht darum gebeten. Deswegen, meine Damen und Herren, ist es ganz klar: Wir müssen raus aus der Kleinstaaterei, und ohne einen großen Sprung nach vorne wird das nicht gehen. Wir brauchen echte europäische Gemeinsamkeit. Das bedeutet auch eine echte europäische Zuständigkeit auf einem Gebiet, das für viele Bürgerinnen und Bürger so wichtig ist.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielen Dank, Herr Kollege. – Nächster Redner ist der Kollege Gunther Krichbaum, CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Gunther Krichbaum
Foto: Gunther Krichbaum/ Tobias Koch
5 Vermerkeca. 497 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist richtig, Graf Lambsdorff: Es ist in der Tat positiv erstaunlich, dass die Europäische Union nach einem Jahr Ukrainekrieg gerade bei dem sensiblen Thema der Sanktionen zusammengeblieben ist. Das ist aber nicht das Problem. Das Problem ist tatsächlich, dass hier ein Bundeskanzler sitzt, der durch Zögern, durch Zaudern und durch Zaghaftigkeit in Erscheinung getreten ist,

Widerspruchbei Abgeordneten der SPD

und wir vieles von dem versäumt haben, was eigentlich normal hätte sein müssen, nämlich dass wir die Ukraine von der ersten Minute an konsequent unterstützen. Es ist ja die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Frau Strack-Zimmermann, die Ihrer Koalition angehört, die sinngemäß sagt, dass dieser Kanzler im Kanzleramt eine Fehlbesetzung ist.

Das sagt sie nicht!

Dieses Zögern und Zaudern kostet Menschenleben. Jeden Tag sterben Hunderte von Soldaten auf ukrainischer Seite – jeden Tag in diesem Krieg. Deswegen ist es so wichtig, dass wir die Ukraine konsequent mit Waffen und mit Munition ausstatten, damit sie sich verteidigen kann, damit sie das Ziel erreichen kann, diesen Krieg auch zu gewinnen.

Dieses Zögern und Zaudern schlägt sich aber auch noch auf anderer Ebene nieder, vor allem – das wurde heute schon wiederholt angesprochen – in Brüssel. Da ist der Brandbrief von Botschafter Michael Clauß, der als Leiter der Ständigen Vertretung in Brüssel die Interessen der Bundesrepublik Deutschland vertreten möchte. Allein, er kann es nicht, weil die Ampelkoalition keinerlei abgestimmte Positionen findet. Das ist das große Problem.

Was in der Großen Koalition natürlich nie der Fall war!

Dieses Zögern und diese Zaghaftigkeit führen dazu – und Graf Lambsdorff weiß das als Europäer gut genug –, dass wir hier nicht mit abgestimmten Positionen in die Verhandlungen gehen können, dass wir einer Europäischen Kommission nicht sagen können, was die Position Deutschlands ist, und deswegen auch Gesetzgebungsprozesse nicht beeinflussen können. Das schadet deutschen Interessen nachhaltig. Deswegen ist es wichtig, hier eigene Positionen zu finden, die dann Orientierungsmarke für andere Länder sind, die sich natürlich sehr oft auch an Deutschland ausrichten.

Ich möchte Herrn Habeck lobend erwähnen, der jetzt gemeinsam mit Bruno Le Maire nach Washington gereist ist. Der Bundeskanzler hat wohl vergessen, es in seiner Rede zu erwähnen. Aber es ist wichtig, diese deutsch-französischen Signale zu setzen und so etwas – am besten mit zwischen Deutschland und Frankreich abgestimmten Positionen – auf internationaler Bühne zu vertreten. Denn es wird sich hier in Europa nichts nach vorne bewegen, wenn Deutschland und Frankreich hier quer zueinander im Stall stehen und keine abgestimmten Positionen finden.

Ich würde mir – letzter Satz – auch wünschen, dass das auch bei der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Zukunft der Fall ist; denn hier brauchen wir ein Modell, das es gerade Staaten wie der Ukraine in Zukunft erlaubt, assoziierte Mitglieder zu sein, bevor sie endgültig Mitglieder werden können. Das wird Jahre dauern, auch für die Balkanstaaten.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank, Herr Kollege Krichbaum. – Nächste Rednerin ist die Kollegin Lena Werner, SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD
5 Vermerkeca. 712 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit der russischen Invasion der Ukraine vor fast einem Jahr befinden wir uns in Europa und der Welt in einer Ausnahmesituation. Diese Zeitenwende hat uns alle vor Herausforderungen gestellt. In dieser Zeit war und ist es unerlässlich, dass wir zusammen mit unseren europäischen Partnern handeln, uns den Herausforderungen gemeinsam stellen und die Transformation der Wirtschaft gemeinsam weiter vorantreiben.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Anton Hofreiter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der russische Angriffskrieg hat tiefgreifende Auswirkungen auf unser Wirtschaftssystem und die Energiesicherheit Europas und der Welt. Man kann sich unsere Wirtschaft wie ein Haus vorstellen. Dieses Haus steht auf einem soliden Fundament; aber wir haben es in den letzten Jahren immer weiter mit günstigem russischem Gas als Bausubstanz nach oben ausgebaut. Diese Bausubstanz ist jetzt marode geworden und muss erneuert werden.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Deswegen waren die EU, die Bundesregierung und wir als Parlament gefragt, zu sanieren und eine neue Bausubstanz zu schaffen, um unser Haus, also die deutsche und europäische Wirtschaft, zu stabilisieren.

Die neue Substanz besteht zu einem großen Teil aus den Entlastungen, die die Bundesregierung für Privatpersonen, KMUs und die Industrie geschaffen hat, nämlich über die Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds, die Energiepreisbremsen, Härtefallfonds und Einmalzahlungen. Auch die EU wird mit der europäischen Industriestrategie zur Stabilisierung dieser Substanz beitragen. Daher begrüßen wir, dass die nicht abgerufenen Gelder aus dem „Next Generation EU“-Fonds umgewidmet und zur Förderung einer wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Industrie investiert werden. Gleichzeitig brauchen wir aber auch ein Update des europäischen Beihilferechts, Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungsverfahren.

Die Krisen unserer Zeit zeigen deutlich, dass wir nur gemeinsam stark sind. Daher sind Handels- und Rohstoffpartnerschaften auf Augenhöhe heute wichtiger denn je. Wir müssen uns im Handel unabhängiger von Autokratien machen, aber gleichzeitig auf einen freien und fairen Handel setzen. Wie der Bundeskanzler vorhin schon richtig gesagt hat, brauchen wir keinen Subventionswettlauf oder nationale Alleingänge. Wir brauchen eine enge Zusammenarbeit der Volkswirtschaften, um gegen die größte Bedrohung der Menschheit zu kämpfen: die sich immer weiter verschärfende Klimakatastrophe.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Andreas Audretsch [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir brauchen ein geeintes globales Handeln. Deswegen begrüßen wir grundsätzlich, dass die USA mit dem Inflation Reduction Act nun endlich den Weg zur Klimaneutralität und zur Verringerung des CO2-Ausstoßes eingeschlagen haben. Allerdings müssen wir beim Inflation Reduction Act genau hinschauen – das haben wir heute schon öfter gehört – und dafür sorgen, dass europäische Unternehmen durch diesen nicht benachteiligt werden.

Gleichzeitig dürfen wir an dieser Stelle aber nicht vergessen, dass die Europäische Union bereits jetzt ein Wegweiser hin zu einer nachhaltigen Transformation der Industrie ist. Wir haben eine Vorreiterrolle und investieren bereits seit einigen Jahren in diese Transformation. Wir waren und sind trotz hoher Energiepreise weiterhin konkurrenzfähig. Und vor allem: Unsere Gesellschaft ist in großen Teilen darauf eingestellt und hat ein Bewusstsein für die nachhaltige Entwicklung unseres Landes und der EU. All diese Maßnahmen in Summe bilden ein starkes Fundament und das Gerüst für das Haus unserer Wirtschaft, das mit dem Handeln der EU und der Bundesregierung jetzt saniert und modernisiert werden muss.

Blicken wir nun vor diesem Hintergrund auf die USA, so wirkt der Inflation Reduction Act wie ein Gebäude auf einem sandigen Boden. Denn der IRA ist im Vergleich zur EU der erste wirkliche Ansatz für eine nachhaltige Transformation der US-amerikanischen Wirtschaft. Der Wandel kann nicht übers Knie gebrochen werden. Wir haben unsere Transformation auf ein starkes Fundament gestellt, wie bei einem professionellen Hausbau üblich; denn das Fundament ist essenziell. Die USA hingegen fangen direkt mit dem mittleren Stockwerk an.

Klar ist: Wir sind eine starke Volkswirtschaft und müssen uns nicht durch den Inflation Reduction Act ängstigen lassen oder vor ihm verstecken. Was wir uns allerdings von den USA abgucken können, ist deren Pragmatismus. Und dass wir diesen in uns haben, haben wir in den Krisen eindeutig gezeigt. Jetzt müssen wir uns nur noch trauen, ihn regelmäßig weiter einzusetzen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Vielen Dank, Frau Kollegin. – Als Nächster hat das Wort der Kollege Robin Wagener, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Robin Wagener
Foto: Robin Wagener/ Dominik Butzmann
5 Vermerkeca. 548 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Herr Präsident. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als sich Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer gegen die Abwendung von Europa, Willkürherrschaft und Korruption stellten, kam es vor neun Jahren zur Revolution der Würde. Diesen Freiheitsdrang konnten weder die damalige ukrainische Regierung mit Spezialkräften noch Putins Soldaten mit Gewalt brechen. Für diese beeindruckende Entschlossenheit zahlt die Ukraine seit 2014 bis heute einen sehr hohen Preis.

Bis heute hofft Putin auf eine Schwächung der Unterstützung durch unser Bündnis; aber Diktator Putin hat sich in ideologischer Verblendung geirrt. Wir stehen fest an der Seite der Ukraine, und das nicht nur als einzelne Staaten. Auch die Europäische Union als ein Zusammenschluss freier Demokratien in Vielfalt, die Stärke durch Reduzierung individueller Macht erreicht, steht fest an der Seite der Ukraine – ein Konzept, das Putin nie verstanden hat, dessen Strahlkraft aber heute durch den mutigen Kampf der Ukrainer noch deutlicher hervortritt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die Bilder vom EU-Ukraine-Gipfel letzte Woche mit Präsident Selenskyj, Kommissionspräsidentin von der Leyen, der gesamten ukrainischen Regierung und 15 Kommissarinnen und Kommissaren senden ein eindrucksvolles Signal der Solidarität. Inmitten des Krieges strebt die Ukraine entschlossen in die EU. Vergangene Woche sagte unsere Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt in Kiew so passend: „Die Ukraine gehört zur europäischen Familie … Es geht jetzt nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie“ des EU-Beitritts.

Dennoch bleibt einiges zu tun. Reformen sind in Zeiten des Krieges besonders schwierig, aber dennoch unerlässlich. Gerade Dezentralisierung, eine starke Zivilgesellschaft, ein selbstbewusstes und gestaltendes Parlament sind jetzt wichtig für den Weg in die EU. Die Bedingungen sind klar benannt, und natürlich dauert der Weg. Aber um ihn so schnell wie möglich zu gehen, verdienen die Menschen in der Ukraine all unsere Unterstützung, diesen Weg mit voller Kraft zu gehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Auch wenn es hier um die Erklärung der Bundesregierung geht: Ich finde, auch wir als Parlament können unseren Beitrag dazu leisten. Deswegen werbe ich auch dafür, dass wir neben den Aktivitäten, die die Parlamentariergruppe zeigt, auf allen Ebenen, auch auf Ebene der Ausschüsse, die interparlamentarische Zusammenarbeit mit der Ukraine immer weiter stärken. Denn wir können gut voneinander lernen und dabei die Ukraine auf dem schnellen Weg in die Europäische Union unterstützen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Mit Blick auf den traurigen Jahrestag des Angriffskrieges müssen wir auch die Planungen zum Wiederaufbau beschleunigen. Wir müssen Mechanismen schaffen, damit Russland und seine Führung für die ungeheuren Kriegsverbrechen zur Verantwortung gezogen werden. Gleichzeitig müssen wir die Kosten dieses Krieges für Russland weiter erhöhen. Das heißt, neben dem Schließen von Sanktionslücken ist es auch an der Zeit, endlich den Uranexport und Rosatom zu sanktionieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, skandierten die mutigen Studierenden bereits 2013: „Ukraina – ze Ewropa!“ – Die Ukraine, das ist Europa! Neun Jahre später gilt das mehr denn je.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Vielen Dank, Herr Kollege Wagener. – Als nächster Redner erhält das Wort der fraktionslose Abgeordnete Robert Farle.

5 Vermerkeca. 388 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Kriegsziele in ihrem Stellvertreterkrieg in der Ukraine im Wesentlichen erreicht. Sie hat mit der Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines erreicht, dass unsere energetische Basis in Deutschland weitgehend ruiniert ist und wir Wettbewerbsnachteile gegenüber den USA haben, sodass die USA jetzt Teile unserer Wirtschaft mit der Verlockung von preiswerter Energie in den USA abwerben kann. Sie haben ihr Ziel erreicht, dass die US-Rüstungsindustrie nunmehr für viele Jahre boomen wird. BlackRock ist bereits in das Geschäft mit dem Wiederaufbau der Ukraine eingestiegen; wobei dafür die 300 Milliarden Dollar gestohlener Devisenreserven aus Russland eingesetzt werden sollen. Den Zugriff auf die wichtigsten Agrarflächen und Rohstoffvorkommen haben sich US-Investoren bereits gesichert.

Es gab schon im April einen Vorschlag für einen Waffenstillstand. Dann hätte es diesen ganzen Krieg nie gegeben.

Beifallder Abg. Dr. Christina Baum [AfD]

Diesen Waffenstillstand und ein entsprechendes Abkommen hat Johnson im Auftrag der NATO verhindert. Darum gibt es diesen Krieg!

Schwachsinn!

Jetzt ist die USA aber zu einem Friedensvorschlag bereit. Der Vorschlag ist von der Rand Corporation gekommen. Der Inhalt lautet: Die russischen Sicherheitsinteressen sollen jetzt berücksichtigt werden. Die Ukraine soll aufgeteilt werden und circa 20 Prozent ihres ehemaligen Staatsgebiets gegen Sicherheitsgarantieren aufgeben, die man vereinbaren soll. Eine NATO-Mitgliedschaft soll es nicht geben.

Und was tut Selenskyj jetzt? Er lehnt weiter Verhandlungen ab. Er fordert Atomwaffen für die Ukraine als Sicherheit für sich. Er will nach wie vor die Krim erobern, und er will den Donbass erobern. Alle Militärspezialisten wissen, dass das gegen eine Atommacht unmöglich ist.

Zurufevon der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir alle nicht wollen, dass wir in einen nuklearen Untergang reingezogen werden, dann muss Selenskyj gestoppt werden. Ich fordere: Kein Geld für die Ukraine, solange die Ukraine keine Friedensverhandlungen durchführt! Keine Waffenlieferungen in die Ukraine, solange es keine Waffenstillstandsverhandlungen und Friedensverhandlungen gibt.

Lula ist viel schlauer als viele in diesem Haus. Der weiß, dass ein Friedensklub etwas bringt; das andere bringt nichts.

Vielen Dank.

Beifallder Abg. Dr. Christina Baum [AfD]
Zurufdes Abg. Gunther Krichbaum [CDU/CSU]
Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Marcus Faber [FDP]
13 Vermerkeca. 849 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir kommen von den Absurditäten und Verschwörungserzählungen wieder zurück zu dem wirklich ernsthaften Thema des Europäischen Rates;

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

denn der hat morgen schwierige Fragen zu klären bei unterschiedlichen Positionen der Mitgliedstaaten. Doch bei allen politischen, inhaltlichen und zum Teil auch ganz grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten in anderen Politikfeldern gilt: Die Europäische Union steht geschlossen und entschlossen an der Seite der Ukraine. Das haben wir in den letzten Monaten nicht nur mit großen Sprüchen gemacht, sondern in die Tat umgesetzt: mit großer militärischer und auch humanitärer Unterstützung der Ukraine, mit dem Schmieden von Koalitionen, insbesondere unter der Führung der Bundesrepublik Deutschland,

Lachendes Abg. Martin Reichardt [AfD]

und auch mit einem Fahrplan für eine glaubhafte europäische Perspektive der Ukraine.

Zurufdes Abg. Dr. Harald Weyel [AfD]

Der zweite große Punkt auf der Agenda ist die Zukunftsfähigkeit unserer europäischen Wirtschaft und die europäische Antwort auf den IRA; dazu haben wir heute bereits einiges gehört. Ich möchte ganz klar sagen, insbesondere zu dem, was aus der rechten Ecke kommt:

Wo ist denn hier eine Ecke?

Dieser Antiamerikanismus und der Kniefall vor Russland werden uns nicht helfen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Kommission hat Vorschläge gemacht, und die sind gut. Jetzt geht es darum, sie so zu definieren, dass wir die europäische Wirtschaft stärken und in ihrer grünen Transformation weiter zukunftsfähig machen. Dann werden wir langfristig auch noch einmal über die Frage der Finanzierung der Europäischen Union reden müssen; das ist völlig klar.

Die dritte Säule des Ratsgipfels ist die europäische Migrationspolitik; ein Thema, bei dem, wenn wir ehrlich sind, es in den letzten Jahren keine wirklichen Fortschritte gab und bei dem auch keine großen Ad-hoc-Lösungen absehbar sind. Die Konstellation im Rat dazu ist nicht einfach. Die einen würden gerne Tausende Kilometer Grenzzäune errichten, die anderen verweisen fortwährend auf die Umsetzung von Dublin II; währenddessen bleibt es im Mittelmeer beim grausamen Status quo. Ich bin deshalb dankbar, dass der Bundeskanzler trotz dieser schwierigen Umstände das Thema nicht aufgibt und darauf besteht, gemeinsame Lösungen zu finden. Denn was passiert eigentlich, wenn wir die Frage der Einwanderungspolitik immer weiter verschleppen? Was passiert, wenn Europa sich weiterhin auf Jahre von nationalistischen Kräften lähmen lässt?

Wir haben heute viel über die europäische Wirtschaft diskutiert, wie wir sie zukunftsfest gestalten, so gestalten, dass die Zeitenwende auch vor unserer Industrie nicht haltmacht. Die Wahrheit ist doch: Die europäische Industrie befindet sich bereits seit einiger Zeit mitten in einem Umbruch, dem Umbruch der Altersstruktur unserer Gesellschaft. Der Bundeskanzler wird nicht müde, es zu betonen: Alleine in Deutschland brauchen wir in den nächsten Jahren Zuwanderung von Millionen von Menschen, um unseren Wohlstand zu halten, um offene Stellen zu füllen,

Die kommen doch!

um unsere Sozialsysteme und Steuereinnahmen stabil zu halten und um weiterhin ein attraktiver Standort für Spitzenforschung, Investition und Zukunftstechnologien zu sein.

Beifallbei der SPD

In anderen europäischen Ländern sieht das nicht anders aus. Die Wahrheit ist: Die Blockade einer kohärenten und humanen europäischen Migrationspolitik ist langfristig schädlicher für den Wohlstand in Deutschland und in Europa, als es jede Energiekrise oder Pandemie je sein könnten. Und dass Sie, liebe Union, im Vorfeld jeder Wahl in der Hoffnung auf ein paar Wählerstimmen wieder die Ressentiments gegen Migrantinnen und Migranten aus der Mottenkiste holen,

Das ist doch Unsinn!

Unverschämtheit!

dass Sie zwischen guter und schlechter Migration unterscheiden und jetzt sogar auf europäischer Ebene Rechtsaußenparteien umgarnen in dem Versuch, Ihre Chancen für den Wahlsieg bei der Europawahl zu erhöhen, zeigt doch, dass Sie in diesen Fragen absolut nichts verstanden haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und der Abg. Amira Mohamed Ali [DIE LINKE]

Migration ist ein Fakt. Sie passiert, ob Sie es wollen oder nicht. Migration stellt uns natürlich vor Herausforderungen. Allerdings stärkt sie uns auch – kulturell, wirtschaftlich und auch als ganze Gesellschaft.

Sie haben doch keine Ahnung!

Wir haben eine humanitäre Verantwortung, Migration menschenwürdig und legal, aber eben auch geordnet zu ermöglichen; egal, ob auf dem Mittelmeer, an der Grenze zu Belarus oder an der Grenze zur Türkei.

Zurufdes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

Deshalb ist es gut, dass der Kanzler und auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser trotz der eher dürftigen politischen Ausgangslage den europäischen Migrationspakt nicht aufgeben und darauf bestehen, die Dossiers weiter zu verhandeln. Deshalb ist es richtig, dass der Bundeskanzler beim Rat klar Stellung bezieht, dass wir neben vielen anderen Dingen auch die Schaffung legaler Migrationswege brauchen und diese zwangsläufig Teil einer europäischen Lösung sein müssen. Man kann ihm dabei nur gutes Gelingen wünschen.

Vielen lieben Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Nina Scheer
Foto: Nina Scheer
7 Vermerkeca. 787 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte kurz das aufgreifen, womit mein Vorredner geschlossen hat: die Migrationsfragen, die einen großen Teil der anstehenden Verhandlungen beim Europäischen Rat ausmachen werden. Ich finde es zutiefst irritierend, Herr Merz, wie Sie und auch die anderen Redner aus Ihren Reihen sich über den Versuch, sich auf europäischer Ebene beim Thema Migration zu verständigen, geäußert haben. Bundeskanzler Olaf Scholz hat es ausgeführt: Wir haben die größte Fluchtbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie wollen dies hier in einer Weise debattieren, wodurch wiederum Ängste geschürt werden, vermeintliche Ungeordnetheit von Migration in den Raum gestellt wird und es so wirkt, als sei dies etwas nicht gut Gehändeltes, etwas der Politik Entgleitendes.

Zurufvon der AfD: Das ist Realität!

Damit machen Sie den Menschen Angst, und damit bedienen Sie genau die Ressentiments, die auch immer vom rechten Rand kommen. Das hätte ich mir aus Ihren Reihen wirklich anders gewünscht.

Es ist zudem auch wirtschaftspolitisch höchst fragwürdig. Sie haben wörtlich gerade ausgeführt, dass man erst mal den heimischen Arbeitsmarkt ausschöpfen solle; dabei ist längst bekannt, dass wir auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu wenige Arbeitskräfte haben.

Angesichts der großen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, auch um die Klimakatastrophe abzuwenden, um die Transformation hinzubekommen, ist es unabwendbar, als Einwanderungsland ein klares Bekenntnis abzugeben und dann natürlich die Integrationsaufgaben zu leisten. Das ist unsere Aufgabe; aber doch nicht eine Fokussierung auf Deutschstämmige auf dem Arbeitsmarkt!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das hat niemand gesagt!

Das ist wirklich nicht das richtige Thema; da haben Sie das Thema verfehlt. Und ganz by the way: Ich finde – um wieder auf die Aufgaben zurückzukommen, die vom Europäischen Rat zu leisten sein werden –, dass die Vorzeichen von Humanität und Menschenrechten hier auch außer Acht gelassen werden.

Das zweite große Kapitel, was jetzt ebenfalls ansteht, ist in der Tat, dass wir einen Umgang mit dem Inflation Reduction Act finden. Es ist auch hier richtig, einmal voranzustellen, dass es ein Riesenfortschritt ist, dass die Vereinigten Staaten es geschafft haben, diese Klippe zu überspringen, die sie lange nicht übersprungen haben – mit Trump war das ja undenkbar –, dass sie erkannt haben: Wir müssen weltweit alle Kräfte mobilisieren, um den Klimawandel zu stoppen und tatsächlich auch die Energiewende finanziert zu bekommen. – Das ist ja erst mal der Impuls, der hinter dem Inflation Reduction Act steht. Insofern muss man sagen: Das ist richtig.

Zum anderen müssen wir aber natürlich auch sehen, dass sich dies auf den Wettbewerb auswirkt, dass dies gerade in Zeiten eines Fachkräftemangels in Europa und insbesondere auch in Deutschland Folgewirkungen und Folgeaufgaben nach sich zieht, denen wir uns stellen müssen. Wir hatten hier in Deutschland leider 16 Jahre, 17 Jahre – in der Endphase der letzten Großen Koalition gab es schon einen leichten Wandel zum Besseren – eine restriktive Politik der Energiewende. Da stand Ihre CDU/CSU-Fraktion, Herr Merz, an den entscheidenden Stellen immer auf der Bremse.

Deswegen gibt es so viel Ausbau von Windenergie!

Das ist jetzt zum Glück überwunden, aber das hat uns natürlich kostbare Jahre gekostet.

10 000 Windräder bis 2030 bedeutet jeden Tag 4 neue Windräder! Da bin ich gespannt!

Zunächst befand sich Deutschland auf einem Aufwuchspfad, wenn es darum ging, die Energiewende anzugehen. Das war etwas weltweit Nachgefragtes geworden. Die Unternehmen sind dann leider abgewandert. Deswegen haben wir in Deutschland bei der Solarindustrie heute eine Importabhängigkeit von 90 Prozent. Das hätte anders laufen müssen. Wir sind jetzt dabei, wieder auf diesen Pfad zurückzukehren, hier wieder die Vorreiterschaft zu übernehmen und Deutschland und Europa wirklich zum Bollwerk des Transformationsprozesses zu machen, um die Energiewende hier in der gebotenen Zeit tatsächlich hinzubekommen.

Dafür brauchen wir natürlich eine europäische Verständigung darauf, wie wir beihilferechtliche Vorgaben so anpassen können, dass dieser Kraftakt zu leisten ist, dass Garantien abgegeben werden können, dass auch die Aufbau- und Resilienzfazilität von Europa so genutzt werden kann, dass sie uns im Transformationsprozess hilft, dass wir etwa die Notfallverordnung jetzt schnell umgesetzt bekommen – wir sind gerade unter Hochdruck dabei, das hinzubekommen –, weil sie nur 18 Monate gilt.

All diese Dinge brauchen wir mit Blick auf den Inflation Reduction Act. Dann ist der Transformationsprozess gut zu leisten.

In diesem Sinne: Packen wir es an!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
1 Vermerkca. 320 WörterReaktionswert: ruhig
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Liebe Mitbürger! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Mit Ihrer Genehmigung ein Zitat zu Beginn:

Das Hauptinteresse der US-Außenpolitik während des letzten Jahrhunderts, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg, waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Vereint sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann.

Wer sagte das? George Friedman, der Gründer der privaten Schatten-CIA Stratfor.

Spätestens seit dem Angriffskrieg von Putin gegen den geostrategischen Pufferstaat Ukraine ist aber auch klar, dass Putins Interessen nicht mit den deutschen Sicherheitsinteressen und mit den Sicherheitsinteressen eines souveränen Polen und auch einer souveränen Ukraine vereinbar sind. Im deutschen Interesse stehen vielmehr Frieden und Vermittlung. Die Ablehnung des amerikanischen Friedensvorschlages – 20 Prozent Land gegen Frieden – seitens der Ukraine und Putin degradiert den Westen jetzt aber zugunsten der verbliebenen Vermittler BRICS, Türkei und Ungarn.

Die Ablehnung zeigt insbesondere auch, dass sich die Lage seit dem ersten Ramstein-Treffen um 180 Grad gedreht hat. War es seitdem vor allem die Strategie der USA und Großbritanniens, den Krieg zu verlängern, um Russland maximal zu schwächen, so ist es jetzt leider vor allem Putins Ziel, den Krieg weiter zu verlängern und den Westen weiter zu schwächen. Wenn Deutschland diesen zweiten Kalten Krieg, muss man leider sagen, der dank der deutschen Außenministerin jederzeit zum dritten Weltkrieg werden kann, also nicht verlieren will, dann müssen wir mit einer schnellstmöglichen Aufrüstung der Bundeswehr sicherheitspolitisch unabhängig werden, eigenes Gas fördern und das grundlastfähige Stromangebot nicht weiter verknappen, sondern vergrößern. Und dann muss die Industrie in Sachen Rohstoffe unabhängiger von einzelnen Lieferanten werden, die Bevölkerung muss bei Lebensmitteln und Medikamenten autark werden, und die europäischen Banken müssen vor der kommenden Schuldenkrise, die sich abzeichnet, ihr Eigenkapital erhöhen.

Das wären zumindest die ersten Schritte zu einer stärkeren Position Deutschlands und Europas.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Johannes Schraps
Foto: Photothek Media Lab
8 Vermerkeca. 808 WörterReaktionswert: lebhaft
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Verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zum Glück gab es heute – anders als die Worte meines Vorredners – sehr viele Redebeiträge, die der Tragweite und der Themen, die wir heute diskutieren, zumindest überwiegend gerecht wurden.

Das können Sie doch gar nicht beurteilen!

Zum Ende der Debatte können wir, denke ich, eines ganz klar feststellen: An drängenden Themen mangelt es uns hier im Haus und auch den Regierungschefinnen und Regierungschefs morgen beim Europäischen Rat in Brüssel definitiv nicht: die notwendige Unterstützung der Ukraine, die Modernisierung und Stärkung des europäischen Binnenmarktes, Fortschritte bei der europäischen Migrationspolitik. Und leider – das ist zu Beginn der Debatte genannt worden – ist mit Blick auf das verheerende Erdbeben in der Türkei und die notwendigen schnellen Hilfsmaßnahmen noch ein weiteres Thema hinzugekommen. Eine lange Agenda und viele Themen!

Persönlich würde ich mir wünschen, dass bei all dem auch die Situation im Iran nicht ganz aus dem Blick gerät und es zumindest am Rande der offiziellen Agenda Gespräche gibt, wie die Menschen, die sich für eine demokratische Zukunft des Iran einsetzen, noch besser in ihrem Freiheitskampf unterstützt werden können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn der Iran ist ein Schlüsselstaat, dessen demokratische Entwicklung großen Einfluss auf zahlreiche andere Konfliktherde in der Region hätte.

Bei den vielen Themen sind insbesondere mit Blick auf die Ukraine die Entschlossenheit und die Geschlossenheit der Europäischen Union und unserer transatlantischen Partner ganz sicher entscheidende Faktoren. Olaf Scholz hat die drei Grundprinzipien, die unser Handeln bei der Unterstützung der Ukraine prägen, heute dankenswerterweise noch mal deutlich genannt.

Wenn ich hier Aussagen höre wie, der Kanzler müsse Vertrauen bei den EU-Partnern zurückgewinnen, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Ich bin als Mitglied des Europaausschusses und im Auswärtigen Ausschuss sehr viel mit unseren Partnerinnen und Partnern im Gespräch, und deren Vertrauen ist groß, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Von Delegationen aus den Partnerländern, die hier nach Berlin kommen, ebenso wie bei unseren Besuchen bei anderen befreundeten Partnerinnen und Partnern wird immer wieder der Wunsch nach Führungsstärke in Richtung der Bundesregierung geäußert, und zwar vollkommen zu Recht, weil man das von einem in vielerlei Hinsicht starken Land wie dem unsrigen, das in der Mitte Europas liegt, eben auch erwarten kann. Genauso häufig wird aber darauf hingewiesen, dass die Partner mitgenommen werden wollen und wie wichtig es ist, weitsichtig und wohl abgewogen zu handeln und Dinge gemeinsam zu tun. Das ist eben der Balanceakt zwischen „Verantwortung und Führung übernehmen und vorangehen“ und gleichzeitig „Die Partner mitnehmen und nicht durch ein eventuell übereiltes und unbedachtes Vorpreschen überfahren“.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb ist es für unsere Partnerinnen und Partner sicherlich immer wieder wichtig und beruhigend, dass sie bei Olaf Scholz eine klare und konsistente Haltung erkennen und dass er sagt: Ich wäge weiter ab, und ich werde mich auch in Zukunft eng mit unseren Partnern abstimmen. – Richtig so, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dieses ständige Gerede von Zögern und Zaudern wird auch durch mehrfache Wiederholung von Kolleginnen und Kollegen aus CDU und CSU wirklich nicht richtiger; denn egal, wie oft die Herren Merz, Dobrindt und leider eben auch Krichbaum versuchen, ein falsches Bild zu zeichnen: Es ist doch anders.

Das sehen aber auch die Grünen und die FDP so! Die eigenen Koalitionspartner sehen das so!

Das erfolgreiche Werben des Kanzlers für Allianzen hat vielmehr gezeigt, dass die Europäische Union auch in schwierigen, komplexen Situationen letztlich zu gemeinsamem Handeln fähig ist, und das ist wichtig.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Abschließend möchte ich noch ein Wort zu dem verheerenden Erdbeben in der Türkei loswerden; denn wir leiden in der Tat mit, wenn wir uns die schrecklichen Bilder der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und in Syrien anschauen müssen. Man kann nur mitleiden, wenn man diese Bilder sieht. Wir müssen sie aber nur am Fernseher oder über andere Medienkanäle verfolgen. Viele von denen, die glücklicherweise nicht verschüttet worden sind, müssen in eisiger Kälte ausharren. Deshalb ist es wichtig, dass Olaf Scholz den Betroffenen im Namen unseres Landes schnelle Hilfe zugesagt hat und dass wir auch sehr schnell Hilfe losgeschickt haben und auch weiter unterstützen, so gut es geht, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Ich habe zu Beginn kurz genannt, wie viele drängende Themen auf der Agenda des Gipfels stehen. Es ist gut, dass heute in der Regierungserklärung die Leitplanken noch mal benannt wurden. In diesem Sinne hoffe ich auf einen erfolgreichen und produktiven EU-Gipfel und bedanke mich herzlich für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
4 Vermerkeca. 582 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Krieg und Krisen bestimmen in diesen Tagen ganz häufig unser Denken, unser Fühlen – ich danke noch einmal für die eindringlichen Worte – und natürlich auch unser Handeln. Sie relativieren sicherlich viele Debatten, die wir sonst mit großem Engagement führen und die wir auch jetzt gleich in dieser anderthalbstündigen Regierungsbefragung führen werden.

Ich möchte deshalb meine einleitenden Worte mit ein paar grundsätzlichen Anmerkungen beginnen, warum es wichtig ist, dass wir diesen Bereich in seinem Prinzip verstehen. Die Wichtigkeit leitet sich daraus her, dass Deutschland in der Lage sein muss, zu helfen, zu unterstützen, humanitäre Kraft aufzubringen und da, wo es gefordert ist, als starke wirtschaftliche und – verbunden damit – starke demokratische Nation auch eine Führungsrolle wahrzunehmen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dass das möglich ist, liegt an einem Prinzip, das mit der Gründung der Republik eingeführt wurde. Es ist die Marktwirtschaft in einer besonderen Formation. Wichtig ist, dass wir aus der Geschichte gelernt haben, dass marktwirtschaftliche Systeme die innovativsten wirtschaftlichen Systeme sind, die wir kennen. Sie bringen neue Erkenntnisse, neue Entwicklungen, neue Kreativität nach vorne.

Zweitens müssen wir allerdings sehen und anerkennen, dass Märkte nicht automatisch gesellschaftlichem Wohlstand oder gesellschaftlichen Zielen dienen, sondern dafür jeweils neu justierte Regeln brauchen, die politisch vereinbart werden müssen.

So gesehen, ist beispielsweise die Klimakrise auch ein großes marktwirtschaftliches Versagen. Denn wer könnte wollen, dass die Klimakrise existiert? Sie schadet der Menschheit, und sie entsteht durch marktwirtschaftliche Prozesse, durch die Verbrennung fossiler Energien. Insofern ist das, was wir bei der Gründung der sozialen Marktwirtschaft gelernt haben, ist, ihre Prinzipien jetzt zu übertragen auf die ökologischen Fragen unserer Zeit – die Verwandlung der sozialen Marktwirtschaft zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft.

Ich will deswegen mit Erlaubnis der Präsidentin, ohne die Zeit überzustrapazieren, einmal vorlesen, was darunter zu verstehen ist. Es war Alfred Müller-Armack, früherer Leiter der Grundsatzabteilung im Bundeswirtschaftsministerium, der geschrieben hat, dass die Marktwirtschaft „eben keine sich selbst überlassene, liberale Marktwirtschaft, sondern eine bewusst gesteuerte, und zwar sozial gesteuerte“ – ich würde jetzt hinzufügen: sozial-ökologisch gesteuerte – „Marktwirtschaft sein soll“.

Geschichtenerzähler!

Die Aufgabe unserer Zeit ist also, einen ordnungsrechtlichen Rahmen und eine aktive Wettbewerbspolitik entlang dieser Prinzipien zu schaffen. Das gilt für den globalen Wettbewerb – Wettbewerb! – und dessen Ausrichtung, ein Wettbewerb, der der Gesellschaft dienen soll. Es ist gut, dass heute – das kann ich gleich hinzufügen – vom Europäischen Rat die Ausweitung des Emissionshandels und der Klimasozialfonds genau in dieser Absicht beschlossen wurden.

Es bedeutet zweitens, Investitionen in diese Richtung zu lenken. Wir haben einen massiven Investitionsbedarf. Wir müssen im globalen Wettbewerb die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sie getätigt werden, und zwar hier in Deutschland bzw. in Europa.

Drittens ist es wichtig, dass wir zu schnelleren Verfahren kommen, dass wir nicht der Verwechslung unterliegen, die Verfahrensdauer stehe für eine gute Entscheidung, sondern die politische Entscheidung selbst muss wieder eigene Wertschätzung erlangen.

Sehr geehrte Damen und Herren, Marktwirtschaft ist Innovation und ist Disruption. Deswegen wird Politik nie fertig sein, darüber zu diskutieren. Immer wird es etwas zu bereden geben, und das ist doch eine erfreuliche Botschaft zu Beginn dieser Fragestunde.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Unbekannt
2 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 724 WörterReaktionswert: niedrig
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Rednerwechsel

Frau Präsidentin, ganz herzlichen Dank. – Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich freue mich auch, an dieser Premiere teilhaben zu können. Ich bin ja in der Tat für die besonderen Aufgaben zuständig und damit nicht mit einem eigenen Portfolio wie der Kollege Habeck ausgestattet. Deswegen würde ich auch versuchen, mich ein bisschen auf die übergeordneten Fragen dieser Regierung zu konzentrieren.

Wir haben es seit Regierungsbeginn, in den ersten zwölf Monaten, in denen wir agiert haben, im Wesentlichen mit drei akuten Krisen zu tun gehabt: Die erste – manche haben es ja schon fast vergessen – war die Pandemie und die Coronakrise. Dann kam natürlich nach dem 24. Februar 2022 der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hinzu. Als dritte große Krise folgte die Energiekrise, die sich einerseits darstellte als Thematik der Energiesicherheit, andererseits dann natürlich auch als Frage, wie wir die Energiepreise in den Griff kriegen, damit die Bürgerinnen und Bürger, damit die Unternehmen hier auch weiterhin ruhig schlafen können. Natürlich bin ich beeinflusst und ein bisschen befangen; aber ich würde sagen: Wir haben diese drei akuten Krisen doch ganz gut in den Griff gekriegt.

Das war streng objektiv!

Ich möchte mich an dieser Stelle auch ganz herzlich bei Ihnen, bei diesem Hohen Hause, bedanken, weil das natürlich häufig mit sehr knappen Fristsetzungen verbunden war, mit einem gewissen Tempo – manche nennen es „Deutschlandtempo“ – auch hier im Parlament. Ich weiß, dass das dazu geführt hat, dass die eine oder andere Ausschussberatung oder Anhörung sehr knapp ausfiel, was die Fristen anbelangt. Ich glaube trotzdem, dass es notwendig war, um auf diese akuten Krisen, so wie wir es getan haben, reagieren zu können, und dafür ein ganz herzliches Dankeschön.

Jeder von uns kennt das: Wenn man abends erfreut den Outlook-Posteingang abgearbeitet hat, hat man so ein befriedigendes Gefühl. Aber es wäre grundfalsch, nur so vorzugehen. Es geht auch darum, die lang- und mittelfristigen Fragen in den Blick zu nehmen. Ich glaube, auch da haben wir als Regierung jetzt die richtigen Weichen gestellt.

Sie haben alle mitgekriegt: Drei ganz verschiedene Partner, drei unterschiedliche Parteien sind das erste Mal zusammen in einer Regierung. Aber wir haben ein Ziel, das uns eint, und das ist der Fortschritt. Deswegen haben wir unseren Koalitionsvertrag auch überschrieben mit „Mehr Fortschritt wagen“. Das sind die Aufgaben, die jetzt vor uns liegen.

Der Kollege Habeck hat darauf hingewiesen: Es geht darum, bis 2045 klimaneutral zu wirtschaften. Das ist ein gigantischer Umbau, der verlangt, dass wir es hinkriegen, die Planungsprozesse, die Genehmigungsverfahren und das Bauen so zu beschleunigen, wie uns das bei den Flüssiggasterminals an der Nordseeküste gelungen ist.

Das zweite große Thema, das damit im Zusammenhang steht, ist natürlich das Erfordernis, dass wir als Gesellschaft insgesamt schneller werden müssen. Das hat etwas mit der Digitalisierung auch bei uns in der Verwaltung zu tun. Ich habe neulich mit Freude ein Beispiel aus meiner Heimatstadt gehört, wo der CIO gesagt hat, dass sie es durch die Digitalisierung geschafft haben, die Bearbeitungszeit der Ummeldung von zwölf Minuten auf eine Minute zu verkürzen. – Jetzt rechnen Sie mal hoch, wie viele Fachkräfte aus der Verwaltung dadurch freigesetzt werden, die sich dann um Baugenehmigungen und Beschleunigung kümmern können.

Das dritte Thema ist natürlich – das ist heute in der Regierungserklärung des Kanzlers schon angesprochen worden – der ganze Komplex der Sicherung von Arbeitskräften. Dazu sind wir jetzt mitten in den Abstimmungen; manches haben wir schon geschafft. Da geht es einerseits um die Weiterbildung und Qualifizierung derjenigen, die hier bei uns sind, also unserer Arbeitskräfte. Aber natürlich geht es auch darum, dass wir qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland gewinnen.

Insofern freue ich mich jetzt auf den Austausch mit Ihnen in den nächsten 90 Minuten.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
ca. 153 WörterReaktionswert: ruhig
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Ich bedanke mich, Frau Bundestagspräsidentin. Der Bundesminister steht auch schon auf; meine Frage richtet sich auch an ihn.

Vorab: Deutschland ist spitze, aber leider bei den Energiekosten, bei den Arbeits- und Lohnkosten, bei den Bürokratiekosten, bei den Steuern. Allein die Bürokratiekosten sind seit dieser Legislaturperiode laut Normenkontrollrat um 60 Prozent gestiegen.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist besorgniserregend. Der deutsche Wirtschaftsstandort verliert massiv an Wettbewerbsfähigkeit, und deutsche Forschungsunternehmen investieren vermehrt im Ausland. Das macht uns als Union Sorge.

Sie, Herr Bundesminister, haben im vergangenen Monat auf dem „Handelsblatt“-Energie-Gipfel gesagt: Wir brauchen einen europäischen Industriestrompreis. – Dem stimmen wir zu; das ist eine langjährige Forderung der Unionsfraktion. Aber nun konkret die Frage an Sie: Bei wie viel Cent soll dieser von Ihnen geforderte Industriestrompreis genau liegen? Was haben Sie konkret dazu auf europäischer Ebene eingeleitet und getan, mit wem haben Sie auf EU-Ebene dazu gesprochen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 204 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Frau Abgeordnete. – Erst einmal möchte ich Ihnen bezüglich der Schilderung der wirtschaftlichen Lage widersprechen. Ich will nicht leugnen, dass wir vor großen Herausforderungen stehen. Eine hat der Kollege Wolfgang Schmidt eben gerade genannt: ein grassierender Mangel an Fachkräften. Ich frage mich: Wie konnte man das eigentlich die letzten 16 Jahre übersehen?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Denn das ist ja nun mal keine akute Krise, sondern sie ist auf das Land zugekommen, ohne dass entsprechende Maßnahmen eingeleitet wurden,

Das sollten Sie die Kollegen von der SPD fragen!

wie andere Punkte, beispielsweise mangelnde Planungsbeschleunigung, ebenfalls. – Also, ich stimme der politisch intonierten Schwarzmalerei ausdrücklich nicht zu. Das Land hat gezeigt, dass es stark ist.

Der Industriestrompreis soll sich meiner Vorstellung nach aus erneuerbaren Energien zusammensetzen, die dann Zugänge der Industrien besonders schaffen. Es wird zu klären sein, ob das unter das Beihilferegime fällt. Unter den Vorschlägen von Frau von der Leyen ist das bisher nicht aufgetaucht. Wir arbeiten mit den Kollegen daran – auch Richtung Rat –, das weiter zu konkretisieren.

Vielen Dank.

Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 113 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön. – Ich muss auch nachfragen, weil er auf meine Frage nicht geantwortet hat. Ich habe nach einem ganz konkreten Industriestrompreis gefragt, nach den Cent. Ihr Haus kann der „FAZ“ die Auskunft geben. Da haben wir gelesen: zwischen 7 und 12 Cent. Ich würde aber gerne wissen: Bleiben Sie bei dieser Spanne zwischen 7 und 12 Cent, oder sind Sie beim Bundeskanzler, der von 4 Cent spricht? Da gibt es also einen Dissens.

Kurz zur Erinnerung: Wir haben in der vergangenen Legislaturperiode das Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf den Weg gebracht. Sie müssen es halt nur mit Leben füllen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
4 Vermerkeca. 175 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Ich halte das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das Sie auf den Weg gebracht haben, für bei Weitem nicht ausreichend. Aber die Debatte führen wir sicherlich an anderer Stelle.

Zweitens. Wie ich eben ausführte, soll sich der Industriestrompreis vor allem durch Zugänge der erneuerbaren Energien realisieren. Sie wissen, dass die erneuerbaren Energien schwankende Strompreise produzieren, sodass er in einigen Phasen deutlich günstiger sein kann und in anderen Phasen sicherlich dann durch andere Erzeugungen abgefedert werden muss.

Zurufdes Abg. Bernhard Loos [CDU/CSU]

Insgesamt muss er wettbewerbsfähig sein. Das setzt eben auch voraus – ich habe versucht, in meinem Eingangsstatement darauf hinzuweisen –, dass die Innovationsfähigkeit bei schwankenden Energien die Nutzung dieser Stromquellen auch umsetzt.

Also keine 4 Cent!

Insofern gehen Innovation und Industriestrompreis Hand in Hand.

Konkret! Nicht beantwortet, die Frage!

Meine Frage nach dem Industriestrompreis ist nicht beantwortet!

Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Ich stelle eine Frage an Wolfgang Schmidt, Bundesminister für besondere Aufgaben. Sehr geehrter Herr Minister, zurzeit befindet sich gerade ein Referentenentwurf zur Änderung des OZG in der Länder- und Verbändebeteiligung. Welchen Beitrag soll und kann das sogenannte OZG 2.0 für die Verwaltungsdigitalisierung leisten, insbesondere im Hinblick auf dringend notwendige Standardisierung? Warum wird bei diesem Entwurf anders als in dem alten OZG keine Umsetzungsfrist vorgesehen, und wird er trotzdem die erforderliche Verbindlichkeit bewirken?

Unbekannt
1 VermerkZwischenfrageWortwechselca. 192 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig
Rednerwechsel

Frau Abgeordnete, haben Sie herzlichen Dank. – Bei dem Onlinezugangsgesetz geht es darum, dass wir Verwaltungsleistungen digitalisieren. Das ist in einem föderalen Staat ein bisschen komplizierter, weil dafür nicht alleine der Bund zuständig ist, sondern häufig die Schnittstelle zur Bürgerin und zum Bürger in den Kommunen und in den Ländern ist. Deswegen ist mit dem alten Onlinezugangsgesetz ein Rechtsanspruch geschaffen worden und auch eine Umsetzungsfrist bis zum 31. Dezember 2022 verbunden gewesen. Deswegen gilt jetzt auch, was in dem alten Gesetz festgelegt worden ist. Deswegen brauchen wir jetzt im neuen Gesetz keine neue Frist, sondern es gilt weiterhin das im alten Gesetz Festgelegte.

Die ist aber abgelaufen!

Ich glaube, jetzt kommt es vor allem darauf an, dass wir sehr konkret in die Umsetzung gehen. Dazu haben wir jetzt mit den Ländern im IT-Planungsrat und auch mit den Bundesressorts, die quasi als Patinnen und Paten für die einzelnen Vorhaben aus diesem Onlinezugangsgesetz zuständig sind, ein sehr präzises Monitoring vereinbart, damit wir endlich diese Vorhaben, die eigentlich schon lange fällig sind, auch hinkriegen.

Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
ca. 52 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Ich möchte mit dem Blick auf die notwendigen Abstimmungen mit den Ländern und Kommunen noch mal nachfragen: Welchen Beitrag kann insbesondere das Bundeskanzleramt dazu leisten, dass das neue OZG tatsächlich auch noch etwas ambitionierter ausfällt, damit wir bei der dringlichen Verwaltungsdigitalisierung endlich einen größeren Schritt vorankommen? -Danke.

Unbekannt
1 VermerkZwischenfrageWortwechselca. 120 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig
Rednerwechsel

Herzlichen Dank. – Wir haben die Zuständigkeiten für die verschiedenen Elemente der Digitalpolitik zu Beginn der Legislaturperiode neu sortiert und haben auch operativ Aufgaben aus dem Kanzleramt abgegeben, einerseits an das für Digitalisierung zuständige Bundesministerium für Digitales und Verkehr und andererseits an das Innenministerium, das auch für das Onlinezugangsgesetz zuständig ist. Deswegen ist die Rolle des Kanzleramtes auch in diesem Prozess eine der Koordinierung und eine des Zusammenführens und natürlich im Hinblick auf die Länder auch des Ermöglichens und Unterstützens. Das werden wir auch beim Onlinezugangsgesetz unter Beachtung der Ressortzuständigkeit des Innenministeriums machen.

Porträt von Karsten Hilse
Foto: Karsten Hilse/ Hagen Schnauss
ca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Habeck, ich stelle meine Frage an Sie. Wir sind im gleichen Ausschuss.

Wie wir alle wissen und wie auch Sie wissen, erfolgte im September des letzten Jahres ein terroristischer Akt auf eine Infrastruktur, auf Nord Stream 2, unter anderem also auf deutsche Infrastruktur. Sehr schnell wurde klar, dass es sich nicht um einen Unfall handelte, sondern offensichtlich um einen Anschlag. Absurderweise wurde zum Anfang durch die Leitmedien kolportiert, dass unter Umständen Russland das selbst gesprengt hat. In der Zwischenzeit hat der Generalbundesanwalt dem vor vier Tagen widersprochen.

Nun ist es so, dass mich sehr viele Leute danach fragen und sagen: Wir sehen keinerlei zumindest sichtbare Aktionen, um diesen Terrorakt aufzuklären. Ich frage daher: Ist es jetzt so, dass Sie keine neuen Informationen haben, oder haben Sie Informationen, die Sie uns nicht mitteilen? Oder haben Sie einfach keine Informationen, wem dieser Terrorakt anzulasten sein könnte?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 VermerkZwischenfrageWortwechselca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Die Aufklärung erfolgt, da der Anschlag ja auf dem Staatsgebiet der beiden skandinavischen Staaten Dänemark und Schweden stattfand, in deren Gremien und in internationaler Kooperation. Die Ermittlungen sind, wie Sie schon richtig vermutet haben, geheimdienstlich eingestuft und Teil einer geheimdienstlichen Aufklärung. Insofern ist das kein Thema für diese Fragestunde.

Rednerwechsel

Okay.

Wolfgang Schmidt, Bundesminister: Herr Abgeordneter, wenn ich vielleicht darf? Weil die Bundesregierung gefragt wurde!

– Wenn der andere Minister für Aufklärung sorgen kann.

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 90 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Herzlichen Dank. – Herr Abgeordneter, ich würde gerne die Antwort des Kollegen Habeck noch ergänzen, weil ich ja auch der Beauftragte für die Nachrichtendienste des Bundes bin. Ich kann Sie informieren, dass der Generalbundesanwalt in der Tat ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet hat und diese Ermittlungen laufen. Sie wissen, dass solche Ermittlungen der strengsten Geheimhaltung unterliegen und dass Sie diese Fragen immer an den Generalbundesanwalt richten müssen. Die Bundesregierung kann keine Auskunft geben.

Porträt von Karsten Hilse
Foto: Karsten Hilse/ Hagen Schnauss
1 Vermerkca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Dann würde die Nachfrage wahrscheinlich an den anderen Minister gehen, Herr Habeck. – Vielen Dank.

Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP

Nur wenn Sie den Namen kennen!

Es gab ja mehrere Abgeordnete, unter anderem aus der AfD und auch von den Linken, die die Bundesregierung dazu schon befragt haben. Die Antwort war, dass die Preisgabe der Erkenntnisse, die man schon habe, das Staatswohl gefährden würde. Offensichtlich gibt es ja dann Erkenntnisse, die Sie nur nicht preisgeben wollen. Sehe ich das richtig?

Unbekannt
2 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 118 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig
Rednerwechsel

Es ist ja bei solchen Fragen immer so wie beim Topfschlagen: Manchmal wird durch das Rumschlagen versucht, eine Antwort in der Sache zu erhalten.

Er fühlt sich als Topf!

Sie verstehen sicherlich, dass tatsächlich aus Gründen des Staatswohls und manchmal auch schon aus dem Grund, dass da ein Ermittlungsverfahren läuft, nichts gesagt werden kann, und dann gibt es eben diese standardmäßigen und vom Bundesverfassungsgericht auch positiv beurteilten Antworten – wie auch in diesem Fall: Die Ermittlungen laufen; der Generalbundesanwalt ist dran.

Da sind wir mal gespannt!

Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
2 Vermerkeca. 186 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Meine Frage richtet sich an Herrn Minister Habeck. – Sehr geehrter Herr Minister Habeck, zuerst mal wollte ich mich als Fränkin und Bayerin ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Seit dem 1. Februar dieses Jahres ist das Wind-an-Land-Gesetz in Kraft. Für uns in Bayern war das wirklich der Ausweg aus der selbstverschuldeten bzw. von der Staatsregierung verschuldeten Unmündigkeit. Ich bin sehr froh, dass Bayern sein Flächenpotenzial für Erneuerbare jetzt voll nutzen kann. Herzlichen Dank dafür!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Jetzt ist er in die Enge getrieben!

Das gesagt, ist mir natürlich bewusst, dass sich die bayerische, die deutsche Energiewende im europäischen Kontext abspielt. Sie haben auf den Emissionshandel hingewiesen und darauf, dass wir gerade nach einer Antwort auf die USA suchen, auf die Frage, wie wir grüne Leitmärkte in Europa noch stärker entwickeln können. Daher wäre meine Frage: Wie bewerten Sie den Vorschlag der EU-Kommission, der in diese Richtung gemacht wurde?

Ich glaube, er findet den super! Aber ich will nicht vorgreifen!

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 208 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich danke für die Frage. – Es ist ja ein Vorschlag, der vorbereitet wurde; insofern finden wir viele von unseren Vorschlägen in diesem Vorschlag von Ursula von der Leyen wieder.

Knallhartes Frageformat!

In der Tat zeigt er den richtigen Weg auf. Er sorgt dafür oder kann dafür sorgen, dass die Beihilfeverfahren schneller durchgeführt werden. Das hat erst mal gar nichts mit dem Inflation Reduction Act zu tun; es geht dabei um unsere eigenen Hausaufgaben, die wir machen müssen. Er kann den Weg öffnen, wie der Bundeskanzler in seiner Regierungserklärung ausgeführt hat, auch das Ansiedeln von sicherheitsrelevanter Industrie in Europa zu erleichtern; auch das begrüßen wir sehr. Die klare Fokussierung auf den internationalen Wettbewerb, der über die grüne Zukunftsindustrie stattfinden wird, ist ebenfalls richtig.

Das sind allerdings erst einmal allgemeine Vorschläge. Beim genaueren Hingucken gibt es doch viele Punkte, die noch mal nachgearbeitet, konkretisiert und aufbereitet werden müssen. Meiner Vorstellung nach wird das zwischen diesem Gipfel und dem Märzgipfel geschehen. Viel Zeit haben wir nicht, um es nicht nur bei Vorschlägen und Strategien zu belassen, sondern diese konkret ins Werk zu setzen.

Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Sie haben gesagt, es geht nicht nur um eine Antwort auf die USA, sondern auch um die Hausaufgaben, die wir ohnehin haben. Davon ausgehend vielleicht noch mal die Frage, da die Konkurrenz zu den USA ja sehr stark im Vordergrund steht: Was sind eigentlich die Potenziale einer transatlantischen Klimapartnerschaft, die wir noch gar nicht so ausschöpfen, wie es möglich wäre?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 127 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Der Grundunterschied zwischen dem Inflation Reduction Act und unserem Förderregime ist erst einmal, dass die Amerikaner Tax Credits geben; das heißt, die Steuergesetzgebung wird geändert. Und dann ist es nach oben hin offen, ein sehr schnelles, aber am Ende nicht zu limitierendes Verfahren. In Europa ist die Haushaltsgesetzgebung deutlich schärfer. Deswegen geben wir in der Regel Zuschüsse zu Investitionen. Das ist der strukturelle Unterschied.

Der Gewinn, der dadurch zu erzielen ist, ist, dass man tatsächlich genau fokussieren kann, und das müssen wir auch tun. Ich glaube, diese genaue Fokussierung kann über einen Abgleich der verschiedenen Förderhöhen zu einem gemeinsamen Markt für Technologiepartnerschaften führen.

ca. 113 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Meine Frage geht an Herrn Habeck. – Herr Habeck, wir haben im Ausschuss für Klimaschutz und Energie öfter über die Energieversorgung für Schwedt gesprochen. Jetzt gibt es Meldungen, dass die Russen zwar das Leitungsnetz über die Druschba-Pipeline nutzen würden, dass aber gleichzeitig Polen, das ja nun Öl liefern sollte, einem Schiff verweigert hat, die Ladung zu löschen, dass das Schiff nach Danzig fahren musste und dort eine Löschung stattfinden sollte. Wie bewerten Sie diesen Umstand, insbesondere vor dem Hintergrund der Erklärungen, die Sie und Ihre Staatssekretäre im Ausschuss gegeben haben, dass eigentlich mit Polen geklärt ist, dass Öl von Polen, von Danzig, nach Schwedt geliefert wird?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 172 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Erst einmal muss man feststellen, dass die Versorgung für die Region und der Betrieb der Raffinerie gesichert ist und dass wir jetzt, jedenfalls was das angeht, keine Preisdifferenzen feststellen können. Es gibt natürlich Preisdifferenzen in Deutschland, aber sie lassen sich nicht auf die nicht mehr stattfindende Versorgung von Schwedt mit russischem Öl zurückführen.

Mit Polen verhält es sich so, dass es allgemeine Vereinbarungen gibt. Es ist ein Schiff gelöscht worden. Das Öl müsste – ich war ja zwei Tage in den USA – inzwischen in Schwedt angekommen sein. Es gibt keine konkreten Staffelungen, sondern jeweils Einzelvereinbarungen. Polen weiß allerdings sehr genau, dass die Raffinerie auch den westpolnischen Markt versorgt. Das heißt, Polen hat selber ein hohes Interesse daran, dass dort die Funktionsfähigkeit aufrechterhalten wird. Deswegen bin ich mir sicher, dass man trotz einer gewissen Zögerlichkeit, die vielleicht innenpolitisch begründet sein mag, laufende Lieferungen über Danzig auch nach Schwedt sehen wird.

ca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Aber das widerspricht ja den Aussagen, die im Ausschuss gemacht wurden, nämlich dass die Versorgung über Danzig gesichert ist. Erstens.

Zweitens. Wie bewerten Sie den Umstand – Polen hat immer darauf gedrungen, dass wir unsere Öllieferungen nicht mehr aus Russland beziehen –, dass Polen selbst 10 Prozent seines Öls von Russland bezieht? Wie wollen Sie diesen Widerspruch auflösen? Und vor allen Dingen: Wie wollen Sie erklären, dass Ihre Aussagen im Ausschuss diametral den jetzigen Fakten widersprechen? Denn von der Innenpolitik in Polen können wir ja wohl nicht die Ölversorgung in Schwedt abhängig machen.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 130 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Mit Verlaub, Herr Ernst: Ich widerspreche Ihnen, dass diese Aussagen den Fakten widersprechen. Ich habe die Zahlen referiert. Wenn Sie wollen und die Zeit ausreicht, kann ich es an dieser Stelle noch mal tun. Natürlich kommen Öllieferungen über Danzig auch in Schwedt an, und sie werden weiter ankommen; es gibt eine gemeinsame Erklärung, die das zum Ziel hat.

Polen selbst hat noch einen Vertrag über den Kauf von russischem Öl. Es ist richtig, wie Sie es dargestellt haben. Sie fragen mich – jetzt bin ich nicht derjenige, der das entscheidet –, wie man da rauskommen könnte. Nun, nach polnischer Lesart durch ein Embargo auf russisches Pipeline-Öl.

ca. 77 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Auch ich möchte meine Frage an Minister Robert Habeck stellen. – Sehr geehrter Herr Minister, Sie waren zuletzt ebenso wie der Bundeskanzler in Südamerika und haben sich dort auch über die Chancen eines baldigen Abschlusses des Freihandelsabkommens der EU mit den Mercosur-Staaten ausgetauscht. Brasiliens Präsident Lula hat angekündigt, er wolle den entsprechenden Vertrag Mitte des Jahres abschließen. Bis wann dürfen wir nach Ihrer Einschätzung mit einer entsprechenden Ratifizierung und einem Abschluss dieses Vertrages rechnen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 194 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Nur damit es sich nicht falsch einprägt: Ich war in Nordamerika. Aber ich plane, demnächst Brasilien zu besuchen, weil dort eine große Konferenz, die deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage, stattfindet, und das wird dann sicherlich auch ausgeweitet werden.

Zu Mercosur möchte ich in der knappen Zeit, die bleibt, inhaltlich ausführen, dass wir, finde ich, im letzten Jahr gesehen haben, wie es gehen kann. Die Abkommen, die schon weitgehend vorverhandelt waren, wurden noch präzisiert; die Verhandlungen über neue Abkommen wurden eingeleitet. Das kann die Blaupause auch für Mercosur sein. Ich denke, es müsste hier in diesem Haus Übereinstimmung darüber geben, dass ein Abkommen, das beispielsweise einer weiteren Rodung oder Vernichtung des Regenwaldes Vorschub leistet, nicht im Interesse von Deutschland sein kann. Insofern gibt es klare Maßgaben, unter denen diese Verhandlungen geführt werden müssen. Sie können aber auch sehr erfolgreich und sehr schnell geführt werden. Ich denke tatsächlich, dass in diesem Jahr das Fenster offen steht. Deswegen gibt es keinen Grund, zu zögern, die Verhandlungen schnell und entschieden zu einem vorläufigen Ende zu führen.

ca. 72 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie waren – Sie haben es selbst erwähnt – bis gestern in den USA. In seiner State-of-the-Union-Ansprache kündigte Präsident Biden Verschärfungen beim protektionistischen Inflation Reduction Act an und erwähnte die Handelspolitik mit keinem Wort. Zeigt diese protektionistische Spirale nicht umso mehr, dass wir ein gemeinsames Freihandelsabkommen mit den USA benötigen und nicht nur eine Art Green TTIP, um auch zukünftig Handelskonflikte mit unserem wichtigsten Partner zu verhindern?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 141 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Houben, für die Frage. – In den Gesprächen, die ich dort geführt habe, gab es keine Sehnsucht nach einem Comprehensive Agreement. Die amerikanische Seite strebt meiner Kenntnis nach kein Abkommen an, das Landwirtschaft, Dienstleistungen, Wasserzugänge usw. adressiert.

Was allerdings erstrebenswert ist – und darüber wurde viel im Konkreten geredet –, ist ein Abkommen über die grünen Industriegüter, was sowohl die Standards und die Normierung als auch den gegenseitigen Marktzugang angeht. Ich würde raten, dass wir uns darauf konzentrieren und die Debatte über Landwirtschaft außen vor lassen. Dann kommen wir sicherlich pragmatisch und gut voran.

Porträt von Thomas Gebhart
Foto: Dr. Thomas Gebhart/ Laurence Chaperon
ca. 75 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister Habeck, Sie wissen: Die Bundesregierung verstößt aktuell gegen die Vorgaben des Klimaschutzgesetzes. In den Bereichen Gebäude und Verkehr liegen die CO2-Emissionen über dem, was gesetzlich zulässig ist. Sie hätten längst ein Klimaschutzsofortprogramm beschließen müssen. Das ist eine gesetzliche Pflicht, der Sie im Moment nicht nachkommen.

Meine Frage ist: Wie rechtfertigen Sie, wie rechtfertigt die Bundesregierung, dass Sie dieser Verpflichtung nicht nachkommen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Ich gebe Ihnen vollständig recht. Zu rechtfertigen ist das im Grunde nicht; es ist nur zu erklären: Das Kabinett muss das Klimaschutzsofortprogramm verabschieden, und da gab es bisher noch keine Übereinstimmung. Sie wissen aus eigener Regierungserfahrung, dass ein Kabinett immer einstimmig beschließt; es gibt dort also keine Mehrheitsentscheidungen oder Kampfabstimmungen. Wir sollten sehen, dass wir die Lücke dort schnell schließen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Thomas Gebhart
Foto: Dr. Thomas Gebhart/ Laurence Chaperon
1 Vermerkca. 125 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich würde gerne eine Nachfrage stellen. – Sie sind ja nicht nur Minister, sondern Sie sind auch Vizekanzler. Ich denke, die Menschen erwarten zu Recht, dass nicht wie in den vergangenen Wochen die Verantwortung innerhalb der Bundesregierung einfach hin- und hergeschoben wird, sondern dass die Regierung als Ganzes Lösungen präsentiert.

Daher würde ich die Frage gerne auch an den Kanzleramtsminister Schmidt stellen: Wie rechtfertigen Sie denn, dass die Bundesregierung dieser gesetzlichen Pflicht nicht nachkommt, und wann werden Sie das erforderliche Sofortprogramm beschließen?

Widerspruchbei Abgeordneten der CDU/CSU
Unbekannt
2 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Wir freuen uns über jede Nachfrage zu unserer Politik. – Es dauert so lange, wie es dauert; aber alle sind mit Hochdruck dran.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Es kommt ja vor allem darauf an, dass es am Ende ein gutes Ergebnis gibt. Auch daran arbeiten die zuständigen Ministerinnen und Minister, und das Kanzleramt begleitet das liebevoll, wie so häufig.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wir freuen uns über die liebevolle Begleitung!

ca. 67 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an Minister Habeck. Sehr geehrter Herr Minister, vieles in unserem Land muss schneller gehen und werden, unter anderem der Ausbau der Erneuerbaren und der Ausbau des Stromnetzes. In den kommenden Tagen wollen wir ja ein Gesetz beschließen, das zu einer Beschleunigung führt, indem umwelt- und artenschutzrechtliche Regelungen ausgesetzt werden. Welche Beschleunigungen erhoffen Sie sich ganz konkret davon?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 167 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Ich nehme an, Sie sprechen die Notfallverordnung an. Die sogenannte Notfallverordnung reduziert die Artenschutzstandards meiner festen Überzeugung nach nicht. Ganz im Gegenteil: Sie sorgt dafür, dass Maßnahmen auf Grundlage der Daten, die man hat, erlassen werden, und sie reduziert die Dauer des Genehmigungsverfahrens. Das ist nicht automatisch gleichbedeutend.

In der Tat hoffen und erwarten wir, dass dann bei den genehmigenden Stellen – das sind nicht die Stellen der Bundesregierung, sondern die der Länder oder der Regierungsbezirke – auch entschieden wird. Die Beschleunigung sollte sehr deutlich sichtbar sein. Damit wird aber auch die Ausrede genommen, nicht entscheiden zu können. Es ist dann also völlig klar, wo Verantwortung wahrgenommen werden muss. Wir brauchen dringend eine Beschleunigung beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Alle unsere Ziele, auch unsere industriepolitischen Ziele – ich wurde gerade nach dem Industriestrompreis gefragt –, hängen daran, also: nicht kleckern, sondern klotzen!

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
ca. 57 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Stimmen Sie mir denn auch zu, dass wir dann, wenn diese Maßnahmen zum Erfolg führen, Planungs- und Genehmigungsverfahren also schneller werden, was wir ja noch sehen werden, über eine dauerhafte Entbürokratisierung dieser Verfahren nachdenken und auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise bei den Verfahren zur Transformation der Industrie, für Beschleunigung sorgen sollten?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 178 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Wer könnte da nicht prinzipiell zustimmen? Ich weise aber darauf hin, dass die Notfallverordnung „Notfallverordnung“ heißt, weil sie für eine befristete Zeit und mit der Begründung einer Energiekrise in Europa gilt. Nur unter diesem Notfallregime war es möglich, diese Maßnahme zu ergreifen. Sie gilt auch nach Lesart der Europäischen Union nicht für die Maßnahmen, die man insgesamt ergreifen will. Wir müssen also einen anderen Zugang wählen.

In diesem Bereich, Ausbau der Erneuerbaren, ist das Stichwort „Go-to Areas“. Das lässt sich natürlich auch auf andere Bereiche übertragen, und zwar – das will ich nicht verhehlen – auch auf die Bereiche des Umwelt- und Naturschutzes. Denn neben der Klimakrise ist die Biodiversitätskrise, der drastische Verlust von Arten, die zweite große ökologische Krise unserer Zeit. Ich würde mich also freuen, wenn da ebenfalls schnellere Entscheidungen für eine grüne Infrastruktur getroffen werden würden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Malte Kaufmann
Foto: Dr. Malte Kaufmann/Nils Rauber
1 Vermerkca. 166 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Auch meine Frage geht an Herrn Minister Habeck, und zwar geht es um die Sicherung unserer Energieversorgung. Wir haben mal den Stromverbrauch am 24. Januar 2023 um 21.00 Uhr herausgesucht. Um diese Zeit betrug der Stromverbrauch in Deutschland etwas über 58 Gigawatt. Von diesen 58 Gigawatt wurden durch Solarenergie 0,0 – es war ja nachts – und durch Windkraft 1,3 Gigawatt erzeugt. Das heißt: Die 30 000 vorhandenen Windindustrieanlagen schafften zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 1,3 von 58 Gigawatt. Kohle und Kernkraft hingegen lieferten satte 32 Gigawatt. Jetzt wollen Sie bis 2030 von diesen 32 Gigawatt stabiler Stromerzeugung ja fast die Hälfte vom Netz nehmen und dazu 10 000 neue Windräder bauen lassen.

Jetzt kommt die Frage: Wenn 15 Gigawatt wegfallen und 30 000 bestehende Windräder nur 1,3 Gigawatt Strom erzeugen, wie sollen dann die zusätzlichen 10 000 Windräder die wegfallenden 15 Gigawatt ersetzen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 221 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Ich will nicht beckmesserisch erscheinen, aber man unterscheidet zwischen installierter Leistung oder Kapazität und Arbeit. Wir messen den Stromverbrauch also immer in Kilowatt- oder in diesem Fall in Terawattstunden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber die Frage zielt ja auf den Inhalt, auf die inhaltliche Substanz. Und zur inhaltlichen Substanz ist so zu antworten: Der Plan ist ja, wie Sie wissen, dass wir 2030 80 Prozent des benötigten Stroms aus erneuerbaren Energien bereitstellen. Deswegen ist logischerweise auch immer mitgedacht, dass 20 Prozent nicht aus erneuerbaren Energien während des Verbrauchs kommen können.

Was ist die Antwort darauf? Wir werden viele Kapazitäten brauchen, Kraftwerke, die viel Leistung haben, die aber nicht dauerhaft laufen, sondern genau in Phasen von Dunkelflauten – da reden wir nicht von Minuten oder Stunden, sondern von Tagen – diese Leistung zur Verfügung stellen, vorübergehend mit Gas und möglichst schnell mit Wasserstoff.

Diese Ausschreibungen haben teilweise schon begonnen; wir werden in diesem Jahr einen richtigen Hochlauf erleben. Das ist die Antwort auf Ihre Frage: Wir werden diese 30 Gigawatt aus verschiedenen Scheiben von Kraftwerkssparten zusammensetzen und 2030 hoffentlich am Netz haben.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Lars Lindemann [FDP]
Porträt von Malte Kaufmann
Foto: Dr. Malte Kaufmann/Nils Rauber
ca. 47 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie können ja so viele Windräder aufstellen, wie Sie wollen, aber wenn kein Wind weht, werden Sie diese Lücke nicht schließen können. Die Frage ist auch: Warum setzen Sie nicht, wie zum Beispiel die EU-Kommission, auf sichere, saubere und bezahlbare Kernkraft?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 188 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Jedes Land entscheidet über seinen eigenen Energiemix. Wie ein Blick auf das Land im Westen neben uns, das vor allem auf Kernkraft setzt, zeigt, ist das nicht ein Beleg für die Sicherheit der Energieversorgung, ganz im Gegenteil.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Mit einem Teil der Kapazitäten, die wir haben, und zwar Kohlekapazitäten, substituieren wir auch Ausfälle im französischen Kraftwerksbereich. Die Dinger werden ja nicht jünger, je länger sie laufen.

Die Frage meinte ich aber eben beantwortet zu haben. Sie zielt ja auf einen richtigen Kern. Wir brauchen gesicherte Kapazitäten für diese Momente des Jahres. Und diese Momente des Jahres sind eben nicht nur kurze Augenblicke, sondern tatsächlich Tage oder meinetwegen auch einige Wochen. Dafür brauchen wir Kapazitäten – ich wiederhole mich –, die möglichst klimaneutral und ab 2035 – so unser Plan – komplett klimaneutral laufen. – Danke.

Das war eine lange Antwort!

Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
ca. 156 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich möchte eine Frage an den Kanzleramtsminister Schmidt stellen, damit ihm nicht allzu langweilig wird, und zwar als Bundesbeauftragter für die Nachrichtendienste. Unsere Nachrichtendienste stehen ja mit Blick auf die Sicherheitslage gerade im Licht der Aufmerksamkeit, besonders verschärft durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Zudem stellen Reichsbürger und Rechtsextremisten eine erhebliche Gefahr für unsere Demokratie dar. Es muss daher unser Ziel sein, die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit unserer Nachrichtendienste zu gewährleisten. Dazu gehören auch Fragen der Legitimität und der Transparenz. Dazu gehört auch, die Kontrolle weiter auszubauen, zumal es ja ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts gibt, nach dem das bis Ende des Jahres umgesetzt werden muss. Das betrifft unter anderem den Einsatz von V-Personen, aber auch Übermittlungsvorschriften. Meine Frage an Sie, Herr Schmidt: Welche Eckpunkte und Anforderungen sehen Sie hier als zentral für den weiteren Gesetzgebungsprozess auf dem Weg zur Reform des Nachrichtendienstrechts?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 210 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Haben Sie ganz herzlichen Dank, Herr Abgeordneter, auch für Ihre Besorgnis, dass mir langweilig werden könnte. Ich kann Ihnen versichern: Das ist meistens nicht der Fall.

Was die Frage zu den Nachrichtendiensten anbelangt, so haben wir in der Tat eine Umsetzungsfrist durch das Bundesverfassungsgericht vorgegeben bekommen, und zwar bis Ende des Jahres. Wir sind jetzt mit dem Innenministerium, dem Justizministerium und dem Verteidigungsministerium für das BAMAD und mit dem Kanzleramt für den BND intensiv dabei, zu gucken, wie wir den Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts für die verschiedenen Dienste gerecht werden. Natürlich beinhaltet das auch Gespräche mit den politischen Freundeskreisen.

Ich glaube, dass es insgesamt wichtig ist – darauf haben Sie angespielt –, dass in einer Demokratie die naturgemäß ein bisschen im Dunkeln arbeitenden Dienste demokratisch kontrolliert werden, dass wir da optimal aufgestellt sind. Dafür haben wir das PKGr, das Parlamentarische Kontrollgremium, die G-10-Kommission und jetzt neu auch den Unabhängigen Kontrollrat. Wir werden jetzt gemeinsam gucken müssen, wie wir diese Institutionen jeweils so aufstellen, dass die demokratische Kontrolle der notwendigen Arbeit der Geheimdienste immer gewährleistet ist, dass aber die Dienste, die immer wichtiger werden – Sie haben das angesprochen –, ihre wichtige Arbeit auch vernünftig ausführen können.

Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Schmidt. – Ich möchte hier noch mal nachfragen, weil ja die Debatte rund um das Parlamentarische Kontrollgremium gerade sehr virulent ist. Es ist natürlich für mich, für uns als Parlamentarier/-innen ein sehr zentrales Mittel der Kontrolle der Nachrichtendienste. Deswegen meine Nachfrage: Was sagen Sie gesondert zum Stellenwert des Parlamentarischen Kontrollgremiums heute, aber auch in der Zukunft?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Ich habe versucht, das anzudeuten. Das Parlamentarische Kontrollgremium ist aus meiner Sicht unverzichtbarer Bestandteil der Architektur, die wir für die Sicherheitsdienste haben und in diesem Fall natürlich vor allem für die parlamentarische Kontrolle der Arbeit der Sicherheitsdienste. Ich mache das jetzt ein Jahr und habe den Eindruck, dass die Zusammenarbeit sehr gut ist und dass auch die Kolleginnen und Kollegen dieses Hohen Hauses, die für Sie die Kontrolle der Dienste übernehmen, zu Recht den Eindruck haben, dass die Regierung und die Dienste Ihnen all die Informationen zur Verfügung stellen, die sie brauchen, um diese Kontrolle wirksam ausüben zu können.

Porträt von Pascal Meiser
Foto: Die Linke, Berlin
ca. 139 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Frage richtet sich ebenfalls an Minister Habeck. Das Statistische Bundesamt hat diese Woche festgestellt, dass im vergangenen Jahr die Reallöhne um 4,1 Prozent gesunken sind. Damit sind in Deutschland die Reallöhne das dritte Jahr in Folge gesunken. Das ist natürlich nicht nur für die soziale Lage, für die soziale Spaltung in diesem Land ein Problem, sondern auch, ausweislich des Jahreswirtschaftsberichts, für die wirtschaftliche Entwicklung. Im Jahreswirtschaftsbericht heißt es ja, dass der private Konsum, die Zurückhaltung bei der privaten Nachfrage mit Blick auf das, was auf uns wirtschaftlich zukommt, ein bisschen die Achillesferse ist. Meine Frage an Sie, Herr Habeck, ist: Was gedenkt die Bundesregierung, was gedenken Sie zu tun, um da gegenzusteuern, damit es nicht zu einem weiteren Reallohnverlust kommt und die Wirtschaft nicht auf diese Art und Weise weiter abgewürgt wird?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 176 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben die beiden grundsätzlichen Aspekte angesprochen; sie sind aber nicht deckungsgleich. Ein Rückgang der Reallöhne bedeutet ja insgesamt einen Kaufkraftverlust. Davon abgesetzt wäre die Frage zu beantworten, wie die soziale Schieflage verhindert wird; denn die Betroffenheit ist ja sehr unterschiedlich. Also, wenn man einen fünfstelligen Betrag verdient und weniger Reallohn hat, dann hat man ein anderes Problem, als wenn man um jeden Euro kämpfen muss.

Die Bundesregierung hat mit den Hilfspaketen, die wir im letzten Jahr geschnürt haben, versucht, diese Probleme zu adressieren, und zwar gleichermaßen. Sie wissen, dass die drei Hilfspakete, die wir geschnürt haben, insgesamt ein Volumen von 95 Milliarden Euro hatten. Hinzu kommen die Gas- und Strompreisbremsen. Es wurde immer versucht, sie so auszurichten, dass sie sozial wirken. Beispielsweise ist die nachträgliche Besteuerung von pauschalen Zuschlägen ein Beitrag dazu. Ich denke, wir werden die Wirkung dieser Pakete und der Gas- und Strompreisbremsen vor allem im Jahr 2023 sehen. Insofern sind die Maßnahmen eingeleitet.

Porträt von Pascal Meiser
Foto: Die Linke, Berlin
ca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Verstehe ich Sie richtig, Herr Habeck, dass Sie jetzt keine weiter gehenden Maßnahmen für notwendig erachten, um diesen Reallohnverlusten entgegenzuwirken? Denn die Maßnahmen, die Sie benannt haben und die wir durchaus zu würdigen wissen, sind ja in den Zahlen, die ich genannt habe, schon eingepreist. Sowohl beim vom Statistischen Bundesamt genannten Reallohnrückgang im letzten Jahr wurden die Maßnahmen, die Sie im letzten Jahr vorgenommen haben, eingepreist, als auch bei der von Ihnen prognostizierten Inflation für dieses Jahr – 6 Prozent – sind Ihre Maßnahmen eingepreist. Halten Sie das für ausreichend und keine weiteren Maßnahmen für notwendig?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 123 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die wichtigste Maßnahme ist, dass wir die Inflation und die Energiepreise runterbringen – mit den Energiepreisen sind ja auch die Lebensmittelpreise ganz maßgeblich verbunden –, sodass gerade für die Bezieher unterer Einkommen der Verlust von Kaufkraft durch niedrigere Energiepreise bzw. niedrigere Konsumpreise insgesamt abgefedert wird. Ich denke, da haben wir den größten Spielraum, auch weil er in dem Sinne nichts kostet. Natürlich sind die Gas- und die Strompreisbremse teuer. Aber die infrastrukturellen Maßnahmen, die ordnungspolitischen Maßnahmen, der Aufbau von alternativen Energieangeboten sind ja nicht aus dem Haushalt zu bezahlen, sondern am Ende Ergebnis wirtschaftlicher Tätigkeit. Darauf konzentrieren wir uns.

ca. 107 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich stelle meine Frage an Bundesminister Habeck. Herr Bundesminister, die Bundesregierung entwickelt zurzeit erfreulicherweise eine Carbon-Management-Strategie. Bevor wir CO2 in Deutschland speichern können, müssen hierzulande noch einige Hürden beseitigt werden. Wir sind dafür, dass auch das möglichst schnell geschieht. Bis dahin besteht die Option, CO2 ins Ausland zu verbringen, beispielsweise nach Norwegen, um es dann dort zu verpressen und später vielleicht einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Damit das möglich ist, muss die Bundesregierung noch die Ratifizierung des London-Protokolls auf den Weg bringen. Meine Frage ist: Wird das noch dieses Jahr passieren? Wie sieht da der exakte Zeitplan aus?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 115 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Der erste Schritt war, dass wir einen Review, einen Bericht geschrieben haben, wie sich die Technik entwickelt hat. Das ist die Vorstufe für Gesetzesnovellen. In diesem Bericht, der vom Kabinett angenommen wurde – ich wies darauf schon hin –, steht, dass wir das London-Protokoll ratifizieren werden. Insofern wird das jetzt schnell angeschoben. Ich bin der festen Überzeugung – da haben Sie recht –, dass das europäisch gedacht werden muss, gedacht werden sollte, so wie andere Infrastrukturprojekte auch, zum Beispiel Wasserstoffnetze und Stromnetze insgesamt. Deswegen sollte dieser Weg schnell beschritten werden, in diesem Jahr natürlich.

ca. 54 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Sie haben das Stichwort „Infrastruktur“ schon genannt. Damit wir diese Technologie nutzen können, bedarf es infrastruktureller Maßnahmen. Wie schätzen Sie es vor diesem Hintergrund ein, dass solche infrastrukturellen Maßnahmen auch in das Planungsbeschleunigungsgesetz aufgenommen werden? Nicht, dass wir das Zeug am Ende womöglich noch auf der Straße transportieren müssen.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 224 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich würde in meiner Antwort gerne zwei Aspekte benennen:

Erstens. Es ist unklar, welche Infrastruktur gebraucht wird. Alle denken immer an Pipelines; aber CO2 kann auch anders transportiert werden, in mobilen Einheiten, in Zügen beispielsweise. Wir werden schauen, was für die Industrie am sinnvollsten ist.

Zweitens. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass wir beschleunigt planen und genehmigen sollten. Das heißt aber nicht, wie ich versuchte mit Blick auf die Notfallverordnung auszuführen, dass wir andere Schutzgüter automatisch schwächen, beginnend beim Datenschutz, endend beim Umweltschutz; alles dazwischen ist mitgemeint. Wir sollten uns eingestehen, dass die Verfahrenslänge allein für die Güte der Entscheidung nicht ausschlaggebend ist. Dieses Spannungsverhältnis kann nur überwunden werden, indem man bereit ist, politisch Verantwortung auf sich zu nehmen, sie nicht an juristische Verfahren zu delegieren, sondern eine politische Entscheidung zu treffen, die natürlich entlang der Schutzgüter ausgewogen sein muss. Das gilt meiner Ansicht nach für alle Infrastrukturprojekte.

ca. 63 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe eine Frage an Bundesminister Schmidt. Wir verzeichnen derzeit einen starken Anstieg an Cyberangriffen. Gerade gibt es einen groß angelegten, globalen Angriff, der auch ganz viele Server in Deutschland erreicht hat. Meine Frage an Sie: Halten Sie die Cybersicherheitsarchitektur in unserem Land über die föderalen Ebenen hinweg für geeignet, mit solchen Cyberangriffen umzugehen?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Herzlichen Dank für die Frage. – Grundsätzlich ist die Cybersicherheitsarchitektur eine gute; aber natürlich muss sie, wie alles Gute, verbessert werden. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und den damit verbundenen Auswirkungen auf uns gilt es natürlich, sich die staatliche Architektur anzugucken. Das, was alle Unternehmen im Moment machen, gilt auch für die staatliche Architektur. Weil es jetzt real wird, muss man gucken, was noch verbessert werden kann. Das tun wir auch in der Bundesregierung. Dafür ist natürlich vordringlich das Innenressort zuständig; aber wir haben das auch in der wöchentlichen Lage der Nachrichtendienste im Bundeskanzleramt immer wieder als Thema.

ca. 116 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das war reichlich unkonkret. In der Tat ist unser IT-Sicherheitsgesetz 2.0 aus der letzten Legislaturperiode eine gute Grundlage; damit haben wir sehr vieles verbessert. Aber die Bedrohungssituation hat sich seit Februar letzten Jahres vergrößert. Nancy Faeser hat bereits im Sommer letzten Jahres angekündigt, dass sie die Cybersicherheitsarchitektur auch im föderalen Gefüge auf neue Füße stellen will. Sie hat gesagt, dass sie eine Cyberabwehr einführen will. Meine Frage an Sie ist – Sie sagten eben, Sie begleiteten das alles liebevoll –: Was tun Sie konkret, damit wir hier vorankommen? Wann wird es konkrete Ergebnisse geben? Und sind Sie sich innerhalb der Regierung einig, dass es eine aktive Cyberabwehr in diesem Land braucht?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 141 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Wie immer sind die Details noch auszuverhandeln, auch zwischen den Ressorts. Aber klar ist, dass es die Notwendigkeit gibt, möglich zu machen, dass wir als Gesamtstaat reagieren. Im Moment ist es so – das wissen Sie –, dass im Rahmen der Gefahrenabwehr vor allem die Länder die Möglichkeit haben, zu agieren. Einige sind dazu in der Lage, andere eher nicht. Da kann der Bund vielleicht behilflich sein. Das besprechen wir im Moment innerhalb der Bundesregierung. Sie haben angesprochen, dass die Innenministerin angekündigt hat, dass es das geben wird. Wir sind gleichzeitig dabei, uns auch die übrige kritische Infrastruktur noch mal genau anzuschauen. Auch dazu haben wir Eckpunkte vorgelegt.

Porträt von Sanae Abdi
Foto: Sanae Abdi/SPD-Fraktion
ca. 141 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, ich würde meine Frage gerne an Bundesminister Schmidt richten.

Sehr geehrter Herr Bundesminister, die Welt entwickelt sich zu einer zunehmend multipolaren. Die Herausforderungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, lassen sich auch nur multilateral, nämlich unter Einbeziehung der Entwicklungs- und Schwellenländer, lösen. Daher begrüßen wir ausdrücklich die gerade stattgefundene Reise des Bundeskanzlers nach Lateinamerika. Besonders der Klimawandel zeigt uns, dass globale Probleme nur in Kooperation und auf Augenhöhe gelöst werden können. Der Bundeskanzler hat hierauf bereits reagiert, indem er auf dem G‑7- und dem G-20-Gipfel die Perspektiven der Entwicklungs- und Schwellenländer aufgegriffen hat. Daher würde ich Sie gerne fragen, wie Sie die Einladung dieser Länder im Nachhinein bewerten und ob sich die Bundesregierung auch in Zukunft dafür einsetzen wird, Entwicklungs- und Schwellenländer an internationalen Foren zu beteiligen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.

Unbekannt
1 VermerkZwischenfrageWortwechselca. 271 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Der Kollege Habeck ist versucht, die Frage zu beantworten. Er sagt, das sei ja mal eine schöne Frage.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

In der Tat wird es Sie nicht wundern, dass die Bundesregierung Ihre Einschätzung teilt, dass es sich als sehr richtig erwiesen hat, die Schwellen- und Entwicklungsländer einzubeziehen. Der Bundeskanzler hat, als Deutschland den G‑7-Vorsitz innehatte – die Gruppe der sieben wichtigsten Industrieländer –, entschieden, nicht nur die üblichen Verdächtigen, so sage ich es mal, also Demokratien aus dem Kreis der Industrieländer einzuladen, sondern ganz bewusst auch Schwellen- und Entwicklungsländer, also Argentinien als Vorsitz der CEPAL – das ist die lateinamerikanische und karibische Staatenvereinigung –, Senegal als Vorsitz der Afrikanischen Union sowie Südafrika, Indien und Indonesien als G‑20-Staaten. Das, glaube ich, hat sich als sehr kluge Investition herausgestellt, wenn man so möchte. Die Staats- und Regierungschefs, die auf Schloss Elmau waren, haben hinterher alle berichtet, dass es richtig war, dass sie einen ganzen Tag mit Vertretern der G 7 geredet und verhandelt haben und auf Augenhöhe wahrgenommen wurden.

Nun sollte man das nicht zu sehr ausdehnen. Aber dass beim Treffen der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer in Bali eine 19 : 1-Entscheidung zustande gekommen ist, dass mit 19 : 1 der Krieg verurteilt wurde und der Krieg auch „Krieg“ genannt worden ist, ist auch ein Ergebnis dieser Zusammenkunft. Da sollten wir weitermachen.

Rednerwechsel

Keine Nachfrage. Danke.

Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
1 Vermerkca. 165 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister Habeck, Ihre Politik der Energieverknappung führt ja zur Energiepreissteigerung und auch zur beginnenden Deindustrialisierung. Jetzt liegt der Bericht der Bundesnetzagentur, die von einem Verbraucherschützer geführt wird, vor. Das ist eher ein Bericht der Versorgungsunsicherheit denn der Versorgungssicherheit. Quintessenz dieses Berichts ist: Wir können die Versorgungssicherheit nur noch durch Importe und Stromabschaltungen gewährleisten. Importe und Stromabschaltungen! Wie kommt es, dass Deutschland, ein industrialisiertes Land, plötzlich seine Energieversorgung so verknappt, dass wir nur noch gerade so über die Runden kommen und das eigentlich verlässliche System verlassen? Gaskraftwerke sollen gebaut werden. Niemand investiert mehr, ohne dass andere Quellen durch Besteuern entsprechend verteuert werden.

Wir haben in diesem Bericht stehen, dass die Ziele nur erreicht werden können, wenn wir ehrgeizig sind. Wir haben an anderer Stelle Ziele, die gar nicht zu erreichen sind.

Rednerwechsel

Wie erklären Sie sich diesen Zusammenhang?

Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
4 Vermerkeca. 258 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin, ich bin nicht in der Lage, die Frage zu beantworten, weil alle Unterstellungen falsch waren.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD und des Abg. Christian Görke [DIE LINKE]

Wenn Sie mögen, versuche ich, das in der verbleibenden Zeit aufzudröseln.

Erst einmal: Es ist nicht die Verknappung der Energie durch die Bundesregierung, sondern die Einstellung der Gaslieferungen durch Wladimir Putin, die im letzten Jahr zu der Hochpreisphase geführt hat. Es gibt keine Sanktionen beim Gas.

Also würden Sie russisches Gas noch nehmen?

Sie verdrehen immer wieder Ursache und Wirkung. Es ist allerdings Deutschland und Europa gelungen, diese Gasknappheit zu beheben und damit Putins Spiel zu durchkreuzen. Das ist ein großer politischer Erfolg. Die Preise gehen runter, die Speicher sind voll, und es gab keine Mangellage in diesem Winter.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Zweitens. Der Bericht der Bundesnetzagentur besagt exakt das Gegenteil von dem, was Sie daraus gemacht haben. Ich weiß nicht, ob Sie ihn nicht gelesen oder nicht verstanden haben. Er besagt: Die deutsche Stromversorgung ist sicher. – Bis zum Jahr 2030 wird im Bericht geschaut. Es wird auch das Szenario überprüft, dass die Kohlekraftwerke früher vom Netz gehen. Selbst dann wäre die deutsche Energieversorgung sicher. Insofern geht die Frage „Wie kommt das?“ am Thema vorbei.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und der FDP
Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
1 Vermerkca. 142 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Minister Habeck, das stimmt doch einfach nicht. Sie haben gesagt, dass Sie kein russisches Gas mehr haben wollen. Daraufhin hat Russland dann nicht mehr geliefert.

Lachenbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ach ja! Das war der Grund!

Also: Die Bundesregierung hat den Gashahn abgedreht – erstens.

Zweitens. Im Bericht steht als Bedingung: nur wenn wir alle Ausbauziele erreichen. Sie wollen eine Verdreifachung der Windmühlen bei uns im Land. Wie wollen Sie das denn erreichen? Im Umkehrschluss: Wenn das nicht erreicht wird, dann haben wir auch keine Versorgungssicherheit mehr. Das steht im Prinzip wortwörtlich so im Bericht. Es steht auch drin, dass der Importbedarf von Jahr zu Jahr steigt. Was ist denn das für eine Energiepolitik, dass man die eigenen Ressourcen so herunterfährt, dass man vom Ausland abhängig wird?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 195 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, wenn es so einfach wäre, dann würde ich Putin gerne auffordern, die Kriegshandlungen einzustellen, das Morden sein zu lassen und das Land Ukraine zu verlassen. Ich nehme nicht an, dass er auf mich hört. Insofern bitte ich, zur Kenntnis zu nehmen, dass die Entscheidungen des Kremls gegen Deutschland, gegen Europa, gegen den Frieden und gegen die Menschenrechte getroffen werden, und zwar in großer Konsequenz.

Zweitens. Noch einmal: Der Bericht besagt, dass die Energieversorgung sicher ist. Natürlich liegen dem Annahmen zugrunde. Die Annahmen sind die beschlossenen Regeln und Gesetze der Bundesregierung in der Kontinuität der letzten und dieser Legislaturperiode. Selbstverständlich ist es so, dass die Energieversorgungssicherheit immer Priorität hat. Das heißt: Sollten wir nicht in der Lage sein, die Annahmen umzusetzen, müssten wir länger bei fossilen Energien bleiben, bei Gaskraftwerken oder Kohlekraftwerken. Ich glaube, es ist im Sinne aller, diese Phase möglichst schnell zu beenden. Deswegen: schnell entscheiden, schnell handeln, nicht zögern, nicht zaudern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, meine Frage geht an Herrn Bundesminister Schmidt.

Herr Bundesminister, inwieweit hat der sogenannte Flüchtlingsgipfel im Bundeskanzleramt Ende des letzten Jahres dazu beigetragen, den Bedarf an dringend benötigter Munition in der Größenordnung von mindestens 30 Milliarden Euro zeitnah zu decken, und zwar über die veranschlagten Mittel im Haushalt 2023 in Höhe von 1,12 Milliarden Euro und die niedrigen Verpflichtungsermächtigungen für 2024 und 2025 hinaus?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 188 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Herr Abgeordneter, haben Sie herzlichen Dank. – Ich glaube, das war ein Freud’scher Versprecher: Sie meinten den Munitionsgipfel und nicht den Flüchtlingsgipfel, oder? Sie sagten „Flüchtlingsgipfel“.

Was den als „Munitionsgipfel“ titulierten Termin anbelangt, war das ja ein auch auf Bitten des Bundesverteidigungsministeriums zustande gekommenes Zusammentreffen der verschiedenen zuständigen Ressorts mit den Unternehmen der Rüstungsindustrie. Da ging es darum, zu klären, was aus Sicht der Industrie notwendig ist, um auch die industrielle Produktion von Rüstungsgütern zu ermöglichen. Sie wissen alle, dass in den vergangenen Jahren erkennbar nicht ausreichend in die Munitionsbeschaffung investiert werden konnte und investiert wurde und wir das jetzt gemeinsam auflösen müssen. Da geht es einerseits um die Frage, die Sie ansprechen, also die Frage, wie das finanziell aussieht, und andererseits natürlich vor allem um die Frage, wie es mit den Kapazitäten der entsprechenden Industrie aussieht. Das ist ja häufig mehr eine Industrie im Namen, aber nicht in der Praxis. Da geht es jetzt darum, diese Kapazitäten sehr freundschaftlich miteinander so auszuweiten, dass es wirklich eine industrielle Produktion werden kann.

ca. 46 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Ist die Bundesregierung denn bereit, mit der Industrie Rahmenverträge abzuschließen, um Munition zu beschaffen, und zwar planungssicher, mit verbindlichen Laufzeiten, mit verbindlichen Abnahmequoten, um damit einen strategischen Ansatz für die Gewährleistung der Versorgung der Bundeswehr mit Munition zu initiieren?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 110 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Der Parlamentarische Staatssekretär aus dem zuständigen Fachressort raunte mir gerade zu: „Machen wir schon.“ Ich glaube, es geht ja vor allem darum, dass wir der Industrie einen verlässlichen Pfad aufzeigen. Das Problem in der Vergangenheit war ja, dass es keine Planungssicherheit gab und deswegen auch nicht die entsprechenden Kapazitäten in Erwartung einer kontinuierlichen Auftragslage geschaffen worden sind. Das wird jetzt angegangen. Ob das Mittel dann Rahmenverträge sind, ob das Mittel Vorauszahlungen, Vorschüsse sind, ob das andere Mittel sind, wird jetzt im gemeinsamen Gespräch eruiert.

Porträt von Leon Eckert
Foto: Leon Eckert / Stefan Kaminski
ca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Meine Frage geht auch an Herrn Bundesminister Schmidt. Zur Coronakrisenbewältigung gab es im Bundeskanzleramt den großen Coronakrisenstab; dieser wurde von einem Bundeswehrgeneral geführt. Meine Frage: Was sind die Learnings im Kanzleramt, wie wir unsere Zivil- und Katastrophenschutzbehörden so ertüchtigt bekommen, dass bei der nächsten Katastrophe nationalen Ausmaßes der Krisenstab durch zivile Kräfte geführt werden kann und nicht mehr durch die Bundeswehr geführt werden muss? Die Dualität ist ja deswegen wichtig, weil es sein kann, dass die Bundeswehr woanders gebraucht wird und nicht zur Bewältigung nationaler Krisen zur Verfügung steht.

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 164 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Haben Sie herzlichen Dank für die Frage. – Zunächst mal ist es so, dass die Bundeswehr über die Landeskommandos ja sehr intensiv an der Bewältigung verschiedener Krisen mitwirkt – Sie haben Corona angesprochen; alle kennen auch die Waldbrände und die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 – und da unglaubliche Dienste leistet. Es ist ein territoriales Führungskommando geschaffen worden, um diese Dinge im BMVg vernünftig zu bündeln. Dabei geht es auch um die Frage, ob ein solcher Krisenstab dort angesiedelt ist und, wenn ja, wie er – General Breuer nennt das immer „ausklappbar“ – aussieht. Gleichzeitig gibt es ja auch sehr viele Krisenstrukturen im Geschäftsbereich des Innenministeriums.

Wir haben in der Tat Lessons Learned für Corona, und zwar sowohl durch intensive Befragung der 16 Länder als auch durch eine Evaluierung des Expertenrats der Bundesregierung zu Corona, und sind jetzt dabei, die Dinge im Zusammenspiel mit den entsprechenden Sicherheitsressorts, aber auch mit dem Bundesgesundheitsministerium umzusetzen.

Porträt von Leon Eckert
Foto: Leon Eckert / Stefan Kaminski
ca. 63 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Auf dem Papier ist ja der ständig vorgehaltene Krisenstab des BBK auch eine Möglichkeit, auf die das Kanzleramt zugreifen kann. Gehe ich recht in der Annahme, dass beim nächsten Katastrophenfall oder Bevölkerungsschutzszenario das Kanzleramt dann auf den ständigen Krisenstab des BBK zurückgreift oder ihn jetzt so ertüchtigt, dass es das in Zukunft tun wird?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Die Schwierigkeit bei solchen Krisen ist ja, dass sie so wenig vorhersehbar sind und dass jede Krise ihre eigene Natur hat. Jetzt eine Vorhersage zu treffen, mit welcher Struktur wir an eine solche Krise herangehen, wäre deshalb, glaube ich, etwas vermessen. Wir haben ja gleichzeitig zum Beispiel noch den Krisenstab im Auswärtigen Amt, der für Krisen im Ausland zuständig ist. Im Fall des Überfalls Russlands auf die Ukraine haben wir all die verschiedenen Krisenstäbe, weil es eben so viele Herausforderungen gab, in Arbeit gebracht und mit allen gut zusammengearbeitet.

Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
ca. 110 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen herzlichen Dank. – Meine Frage richtet sich an Herrn Schmidt. Wohnen ist ja nach allgemeiner Übereinkunft die soziale Frage unserer Zeit. Seit über einem Jahr warten Tausende von Mieterinnen und Mietern, aber auch sehr viele Kommunen auf die Wiederherstellung des kommunalen Vorkaufsrechtes gegen Spekulationen. Von der Bauministerin wurde mehrfach angekündigt, dass dies wiederhergestellt wird. Das Thema wurde mehrfach für die Kabinettssitzung angekündigt. Es ist offenbar mehrfach verschoben oder abgesetzt worden, und auch heute gab es keinen Beschluss dazu. Deswegen meine Frage an Sie: Was sind die Gründe dafür? Wann ist mit einem Gesetzentwurf zur Wiederherstellung des Vorkaufsrechtes zu rechnen? Und wie soll es ausgestaltet werden?

Unbekannt
2 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 176 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig
Rednerwechsel

Haben Sie herzlichen Dank für die Frage. – Die Bundesregierung arbeitet, wie so häufig, mit Hochdruck daran, dass genau diese Regelungen jetzt kommen.

Lachenbei Abgeordneten der LINKEN

Dafür sind – das wissen Sie – einzelne Ressorts fachlich zuständig, in diesem Fall insbesondere natürlich das Bauministerium und auch das Justizministerium. Es gibt bei solchen Gesetzgebungsvorhaben ja hin und wieder Unterschiede in der Beurteilung. Die müssen dann gemeinsam ausgeräumt werden.

Mir ist aber wichtig, deutlich zu machen, dass das Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wie Sie wissen, eines der großen Anliegen dieser Koalition ist. Wir haben das Ziel, 400 000 neue Wohnungen möglich zu machen, davon 100 000 sozial geförderte.

Das ist schon mal gescheitert!

Gucken Sie zum Beispiel nach Hamburg – die Wirkungsstätte des jetzigen Bundeskanzlers, als er dort Erster Bürgermeister war –, wo das Ziel, sehr viele Wohnungen zu bauen, um damit auch den Anstieg der Mietpreise deutlich zu begrenzen, erreicht worden ist. Da könnte Hamburg als Vorbild gelten.

Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
ca. 108 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

In Hamburg sind innerhalb von zwei Jahren die Mieten um 7 Prozent gestiegen; das war noch vor der Inflation. Also, das ist, glaube ich, kein Vorbild für unser Agieren.

Beim Mietrecht: das gleiche Bild. Klara Geywitz und die grüne Bundestagsfraktion sagen: Der Justizminister muss endlich die Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag umsetzen. Der Justizminister twittert allerdings die Bauministerin an, sie sei zuständig für den Neubau von Wohnungen und damit für die Senkung der Mieten. Wann ist also mit einer Gesetzesnovelle im Mietrecht zu rechnen? Wäre es nicht endlich an der Zeit, dass das Kanzleramt hier im Interesse der Mieterinnen und Mieter ein Machtwort spricht?

Unbekannt
1 VermerkZwischenfrageWortwechselca. 118 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig
Rednerwechsel

Ich bin immer ein bisschen skeptisch, was die Sache mit den Machtworten anbelangt. Meistens ist es ja so: Wenn man mit der Faust auf den Tisch haut, tut es der Faust weh und nicht dem Tisch. Insofern pflegen wir in dieser Regierungskonstellation und ‑koalition einen etwas anderen Umgang und lösen die Dinge freundschaftlich und einvernehmlich. Dafür spricht dann das Ergebnis. Ich glaube, das wird auch in diesem Fall so sein.

Das war ja mehr als nichts, oder?

Das war nicht das, was Sie erwartet haben!

ca. 167 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Es juckt mich natürlich als Hamburger, jetzt dem Kollegen Wolfgang Schmidt eine Nachfrage zu stellen. Aber ich entscheide mich trotzdem für den Bundesminister Habeck, dessen einführenden Worten ich sehr genau gelauscht habe.

Ich selbst habe Volkswirtschaftslehre studiert und meistens sogar aufgepasst. Als guter Liberaler habe ich mich natürlich vor allem mit dem Marktversagen auseinandergesetzt. Ich habe mich über Ihre Einführung etwas gewundert; denn Verbrennungsprozesse der Marktwirtschaft zuzuschreiben, das halte ich für nicht ganz richtig.

Ich glaube, wir alle wissen: Die größten CO2-Emittenten in der Welt sind gar keine Marktwirtschaften, China allen voran. Aber auch bei den Pro-Kopf-Verbräuchen weisen die Gesellschaften, die eben nicht auf Marktwirtschaft setzen, besonders schlechte Bilanzen auf. Kurzum: Ist es nicht die Aufgabe der Marktwirtschaft bzw. trägt die Marktwirtschaft nicht gerade dazu bei, die Probleme, die wir beim Klimaschutz haben, durch Effizienzsteigerung, durch permanenten Innovationsdruck zu lösen? Und stünde es nicht auch einem Wirtschaftsminister gut an, die Marktwirtschaft an dieser Stelle entsprechend zu stärken?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 247 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke. – Um das Letzte zu beantworten: Ja. Ich freue mich schon darauf, wenn wir uns beim Gesetz zur Wettbewerbsdurchsetzung in der Koalition bald einig sind; dann würden wir den Wettbewerb wirklich stärken –

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

in den vermachteten Strukturen, in denen wir sie noch nicht auflösen können.

Ansonsten, sehr geehrter Herr Abgeordneter, würde ich widersprechen. Ich halte China durchaus für eine Marktwirtschaft, und zwar für eine sehr erfolgreiche – quasi blühender Kapitalismus. Wir müssen wohl zur Kenntnis nehmen: Das ist keine Demokratie. Genau darum geht es.

Wir müssen meiner Überzeugung nach zur Kenntnis nehmen, dass es wohl möglich ist, erfolgreich marktwirtschaftliche, geradezu kapitalistische Systeme zu haben, ohne eine Demokratie zu sein. Umgekehrt allerdings – das ist meine feste Überzeugung – ist das nicht möglich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass liberale Demokratien keine funktionierenden Marktwirtschaften haben.

Insofern denke ich: Lassen Sie uns bei der Sache darauf achten, dass wir das, was bilanziell und betriebswirtschaftlich möglicherweise für einen Vorteil sorgen kann, nicht zu einem volkswirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Nachteil führt! Ich glaube, wir in dieser Koalition sind ganz gut dabei, das über die Rejustierung, die neue Regelsetzung, in der Marktwirtschaft zu beherzigen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, einen schönen guten Nachmittag von meiner Seite, auch an die Besucherinnen und Besucher auf den Tribünen!

Der Kollege Kruse hat noch eine Nachfrage.

1 Vermerkca. 128 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank. – Ich glaube, im Ziel sind wir hier vereint. Trotzdem wundert es mich jetzt, dass Sie ausgerechnet China als Marktwirtschaft deklarieren.

Beifallder Abg. Julia Klöckner [CDU/CSU]

Denn die grundsätzliche Basis für eine Marktwirtschaft sind ja Demokratie und Rechtsstaat und die darin inhärent festgesetzten Freiheiten: Kapitalfreiheit, Warenverkehrsfreiheit, auch die Freiheit einzelner Personen, individuell zu entscheiden. Genau diese Freiheiten sind in China nicht vorhanden; es handelt sich ja beispielsweise um staatlich gelenkte Investitionstätigkeit. Deswegen wundert es mich, dass Sie das als Marktwirtschaft einstufen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mit uns –

Bitte kommen Sie zum Schluss und zur Frage.

Rednerwechsel

– den Weg weitergehen, eine Stärkung im Westbündnis vorzunehmen und damit die Stärkung in den Bündnissen, die mit ihrer Marktwirtschaft tatsächlich Demokratien sind.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das war der Sinn meiner Ausführungen. Genau darauf will ich hinaus: dass wir unsere Prinzipien in den gesellschaftlichen Normen, die wir haben, verankern und diese gesellschaftlichen Normen zum Ziel von wirtschaftlicher Tätigkeit machen, so wie es meistens in diesem Fall die Gründungsväter der sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik ersonnen haben; dies auch als Unterscheidung des ökonomischen Systems Europas, das das ja übernommen hat, mit Blick auf andere ökonomische Systeme, etwa in China oder in den USA, wo die wirtschaftliche Prosperität eben nicht automatisch der Stärkung der Gesellschaft dient, sondern manchmal anderen Interessen. Insofern stimmen wir da überein.

Dann kommen wir zum nächsten Fragesteller. Das ist für die CDU/CSU Ulrich Lange.

Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
ca. 115 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Herr Bundesminister Schmidt, ich darf eine Frage an Sie richten. Die Ampelkoalition hat in ihrem Koalitionsvertrag sehr prominent die Planungsbeschleunigung adressiert und wollte ja im ersten Jahr schon alle notwendigen Schritte eingeleitet und Gesetzesvorhaben verabschiedet haben. Das erste Jahr ist vorbei; die Planungsbeschleunigung ruht noch sanft.

Sie blockieren sich mit FDP und Grünen gegenseitig, insbesondere im Verkehrsbereich. Laut Medienberichten soll der nächste Koalitionsausschuss im März hier eine Lösung bringen. Jetzt habe ich gerade gelernt: Sie wollen das Machtwort nicht. Dann sage ich: Wann nimmt der Kanzler seine liebevolle Richtlinienkompetenz wahr und spricht die Worte: –

Kommen Sie bitte zur Fragestellung.

Rednerwechsel

– „Ja, Planungsbeschleunigung bei Straßenneubau“?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 205 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Haben Sie herzlichen Dank für die Frage. – Ich widerspreche natürlich ungern, aber doch in der Sache. Wir haben als Regierung in der Tat die Planungsbeschleunigung richtig vorangebracht. Sie werden sich erinnern, dass wir im letzten Jahr mit dem Osterpaket und dann mit dem Sommerpaket zwei große Gesetzespakete gemacht haben, die Planung und Genehmigung sehr beschleunigt haben.

Wir werden international – ich nehme an, das wird dem Kollegen Habeck genauso gehen – sehr beeindruckt für das angeguckt, was wir hingekriegt haben. Wenn Sie sich überlegen, dass wir innerhalb von zehn Monaten – das hat es, glaube ich, weltweit noch nicht gegeben – Flüssiggasterminals aufgestellt haben, dann ist das etwas, was ohne eine Planungsbeschleunigung nicht möglich gewesen wäre.

Jetzt geht es darum, das, was wir uns ursprünglich mal als Herbstpaket vorgenommen hatten, noch als Winterpaket zu machen, und das ist die von Ihnen angesprochene Beschleunigung im Verkehrsbereich. Sie wissen, dass das im Moment noch in der Schlussrunde ist, dass die Abstimmungen zwischen den Ressorts laufen. Ich bin aber ganz optimistisch, dass wir, so wie wir die Planungsbeschleunigung mit dem Osterpaket und mit dem Sommerpaket hingekriegt haben, die weiteren Schritte auch gemeinsam gehen werden und Sie dann auch zufrieden sind.

Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
ca. 72 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Dann darf ich an der Stelle nachfragen, nachdem der erste Teil Ihrer Antwort ja gänzlich an der Frage vorbeiging. Es ging ausdrücklich um die Planungsbeschleunigung beim Verkehr. Ich hatte die Frage gestellt, ob in diesem Planungsbeschleunigungspaket die Straße enthalten ist. Und wenn Sie sich für die Straße aussprechen, dann frage ich ausdrücklich nach der A 100 und danach, ob Sie den 17. Bauabschnitt auch entsprechend beschleunigen möchten.

Unbekannt
1 VermerkZwischenfrageWortwechselca. 107 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig
Rednerwechsel

Es gehört zur Natur der Beratungen der Bundesregierung, dass sie im vertrauten Kreise stattfinden. Deswegen bitte ich um Verständnis, dass ich insbesondere zu einzelnen Straßenverkehrsprojekten, bei denen es aufgrund des Wahlkreises vielleicht ein besonderes Interesse gibt, keine Auskunft geben kann. Daher muss ich Sie um ein bisschen Geduld bitten.

Der ist nicht in unserem Wahlkreis; das kann ich sagen!

Ich bin kein Berliner!

– Sie könnten ja auch Nutzer sein.

Vielen Dank. – Dann kommen wir zum nächsten Fragesteller. Das ist der Kollege Markus Töns aus der SPD-Fraktion.

Porträt von Markus Töns
Foto: Markus Töns/ Benno Kraehahn
ca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Die Frage geht an den Bundesminister Robert Habeck. Es geht um das Temporary Crisis Framework. Sehr geehrter Minister, in den Verhandlungen zur Energiepreisbremse mit der EU-Kommission haben wir gerade festgestellt, dass uns das Beihilferecht durchaus einige Probleme bereitet. Wir können mittlerweile wohl davon ausgehen, dass davon einige Unternehmen sehr wahrscheinlich nicht profitieren können.

Jetzt hat die EU-Kommission die Mitgliedstaaten aufgefordert, bis Ende Januar Vorschläge für Anpassungen für ein modernes Beihilferecht zu machen. Welche Vorschläge haben Sie gemacht, und welche Antworten haben Sie bisher aus der EU-Kommission dazu erhalten?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 199 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Bei den Verhandlungen in der letzten Runde zum sogenannten Temporary Crisis Framework haben wir nicht alles bekommen, was wir haben wollten – das war ja quasi der Vorschlag der Gaspreiskommission –, aber doch einiges.

Drei Dinge fallen mir dazu ein, beispielsweise dass man Ausfälle oder höhere Preise rückwirkend bis zum Februar 2022 kompensieren kann. Die Bezugsgröße wurde auf 80 Prozent des Energieverbrauchs angehoben und die Beihilfegrenze auf insgesamt 150 Millionen Euro. Das war nicht nichts.

Aber das, was Sie gesagt haben, ist natürlich richtig: Die ganz großen Unternehmen sind davon nicht erfasst worden. Die industriellen Schwergewichte müssten an dieser Stelle sozusagen in das aufwendige Verfahren der Einzelfallnotifizierung gehen. Entsprechend versuchen wir im Moment in den laufenden Verhandlungen, die Obergrenze noch einmal anzuheben bzw. das Kriterium, Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Verlustvortrag, noch einmal zu verändern. Das ist der eine Komplex.

Der andere Komplex ist, sich insgesamt darauf zu konzentrieren, dass die Beihilfeverfahren in der EU schneller durchgeführt werden. Ich bin eben kurz darauf eingegangen. Jetzt läuft mir die Zeit weg, deswegen kann ich das nicht weiter ausführen.

Dazu vielleicht noch die Nachfrage?

Porträt von Markus Töns
Foto: Markus Töns/ Benno Kraehahn
ca. 59 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. Ja, vielleicht auf die Nachfrage. – Wie Sie ja wissen: Wir brauchen dazu in der Europäischen Union auch Partner, die mit uns unseren Weg gehen. Vielleicht können Sie kurz beschreiben, wie Sie die Partner in der Europäischen Union finden, um unsere Ideen und unseren Weg voranzubringen, und welche konkreten Vorschläge Sie mit den Partnern erörtern.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 263 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Zur Wahrheit gehört, dass die Partner nicht automatisch da sind, weil viele Länder die finanziellen Möglichkeiten, die Deutschland immer wieder aufbringt, bei sich aufgrund der europäischen Verschuldungsregeln nicht sehen. Das heißt, sie gucken eher skeptisch auf eine Subventionierung, die dann letztlich in verschiedenen Maßnahmen in den Ländern erfolgt, in denen sie noch stattfinden kann. Insofern ist das tatsächlich mühevolle Kleinarbeit.

Das Hauptargument ist, dass die deutsche Wirtschaft erhalten bleiben muss, und zwar auch die deutsche industrielle Grundsubstanz, damit Europa prosperieren kann. Das hat jetzt mit dem französischen Kollegen ganz gut funktioniert. Ich denke auch, dass in dem näheren Umfeld, in den Nachbarstaaten, dafür Wohlwollen zu finden ist; aber wir müssen mit den anderen Ländern permanent reden. Am Ende wird eine Lösung nur dann möglich sein, wenn alle Länder irgendeine Chance sehen, ihre jeweilige Wirtschaft ebenfalls zu unterstützen.

Ich möchte noch mal darauf hinweisen: Wenn es oben rot leuchtet, dann heißt das: Man ist schon über die Zeit. Wenn es gelb leuchtet, ist man noch in der Zeit. Ich bitte alle Fragesteller und Antwortenden, darauf zu achten.

Der nächste Fragesteller ist für die AfD-Fraktion Dr. Christian Wirth. – Ist er nicht da?

Der hat sich gar nicht gemeldet! Ich habe mich gemeldet!

– Nein, auf meinen Zettel steht: Dr. Christian Wirth.

Das hat sich aber überholt!

– Das steht aber trotzdem noch hier. Wenn es sich überholt hat, dann kann auch gerne Herr Dr. Kraft eine Frage stellen, wenn er sich gemeldet hatte.

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
ca. 180 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister Habeck, an Sie eine Frage. „Der Spiegel“ zitiert den Chef der Bundesnetzagentur:

Wenn weiter sehr viele neue Wärmepumpen und Ladestationen installiert werden, dann sind Überlastungsprobleme und lokale Stromausfälle im Verteilnetz zu befürchten.

Nun ist es erklärte Politik der Bundesregierung, sowohl Elektromobilität als auch Wärmepumpen zu fördern. Es wird dafür sehr viel Geld in die Hand genommen, mehrere Tausend Euro pro Elektrofahrzeug und meines Wissens bis zu 40 Prozent der Anschaffungskosten bei Wärmepumpen. Das Ganze erweckt jetzt also den Eindruck, dass die linke Hand gegen die rechte arbeitet und dass sehr hohe Friktionsverluste für den Steuerzahler entstehen, zum Beispiel die ganzen Subventionsgelder, die hier auftauchen.

Der Bürger erlebt jetzt den Fall, dass einige Sachen von der Regierung gefordert und gefördert werden, während auf der anderen Seite eine Bundesbehörde sagt: Der Betrieb von Gütern wie Wärmepumpen und E-Fahrzeugen kann gar nicht garantiert werden.

Meine Frage: Kann oder muss man nicht eigentlich so eine Energiepolitik, bei der die linke Hand gegen die rechte arbeitet, als die „dümmste Energiepolitik der Welt“ bezeichnen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich würde behaupten, dass man das keinesfalls muss, außer man folgt seiner eigenen politischen Ideologie. Die Antwort darauf ist nämlich die Gestaltung, das heißt, die Verteilnetze auszubauen und die Energiesysteme zu digitalisieren. Beides ist eingeleitet worden. Insofern arbeiten wir an der Zukunft und am Fortschritt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Eine Nachfrage.

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
ca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, sehr gerne. – Herr Minister, der erste Entwurf Ihrer Digitalisierungsinitiative im Strommarkt steht übermorgen hier im Parlament auf der Tagesordnung. Diese sieht ja vor, dass den Leuten nahegelegt wird, ihre Produkte oder ihre elektrischen Geräte dann zu verwenden, wenn genügend Strom vorhanden ist.

Ich bin mir sicher, dass die Besitzer von Wärmepumpen, die im Winter verzweifelt darauf hoffen, dass ihnen genug Strom zum Heizen zur Verfügung gestellt wird, sehr zufrieden sind, wenn sie im August genug PV-Strom haben, um ihre Wärmepumpen zu betreiben. Halten Sie so eine Digitalisierung für sinnvoll?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin geneigt, Ähnliches zu tun wie bei der Antwort auf die Frage von Herrn Kotré, nämlich erst mal die Frage zu sortieren. Aber ja, ich halte eine Digitalisierung des Energienetzes für dringend erforderlich, für sinnvoll. Es ist das, was Europa macht. Es ist schwer, zu erklären – ähnlich wie bei der Demografie –, warum Deutschland wieder erst zehn Jahre später dabei ist; darüber wundert man sich manchmal, wenn man die Aktenlage sieht und dann einige Debatten hier in diesem Hohen Haus verfolgt. Da ist dann auch sehr viel selbstreferenzielle Vergesslichkeit am Werk. – Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der nächste Fragesteller ist für Die Linke Herr Görke.

Porträt von Christian Görke
Foto: DiG/ Thomas Kläber
ca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe eine Frage an den Bundesminister Dr. Robert Habeck. Herr Bundesminister, ein für die grüne Transformation der PCK notwendiger Neubau einer Pipeline ist ja nach der Entscheidung in Ihrem Haus obsolet. Deshalb wird jetzt favorisiert, dass mit Bundesgeld eine private Pipeline der PCK-Raffinerie ertüchtigt werden soll. Presseberichten zufolge gibt es in Ihrem Haus Gutachten, die eine erhebliche beihilferechtliche Relevanz erkennen lassen.

Deshalb meine Frage: Ist das so? Und wenn ja, welche Argumente können Sie dem Haus hier nennen, um diese beihilferechtlichen Fragen auszuräumen? – Vielen Dank.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 115 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Pipeline, die im Moment von Schwedt nach Rostock führt, kann ungefähr 60 Prozent – wenn wir die Fließbeschleuniger einsetzen, vielleicht bis zu 65 Prozent – der Energieversorgung für Schwedt sicherstellen. Wir würden alleine durch die Pipeline nach Rostock gerne auf 75 Prozent kommen. Die Alternativen „Neubau“ oder „Modernisierung bzw. Ertüchtigung“ wurden sorgfältig abgewogen, und wir haben uns für die Ertüchtigung entschieden. Sie ist schneller durchführbar und kostengünstiger. Aber in der Tat ist das staatliches Geld. Die Argumentation wäre, dass wir damit die Infrastruktur aufrechterhalten und der Staat im Zweifelsfall dann Anteile am Betrieb der Pipeline bekommt.

Sie haben die Möglichkeit der Nachfrage.

Porträt von Christian Görke
Foto: DiG/ Thomas Kläber
ca. 27 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die erste Erhellung. – Ich hätte eine Nachfrage: Wann wird denn nun die Realisierung oder der Bau dieses Pipelinekonstruktes beginnen?

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
ca. 108 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an Bundesminister Robert Habeck. Sie bezieht sich auf die grüne Transformation. Sie hatten eingangs der Fragestunde beschrieben, dass wir zum Glück die tiefe Rezession, die zu befürchten war, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung vermeiden konnten. Trotzdem ist momentan klar, dass noch eine erhebliche Transformationsanstrengung vor uns liegt. Dazu hat das Haus, das BMWK, das Instrument der Carbon Contracts entwickelt, CCfD.

Die Frage ist: Wann wird dieses Instrument einzusetzen sein? Welches Verhältnis soll es zu den grünen Märkten haben, die insbesondere der Sachverständigenrat des BMWK in dem heute vorliegenden Gutachten angemahnt hat?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

In den Aussagen des Sachverständigenrates wird selber darauf hingewiesen, dass eine Schaffung von Leitmärkten, also durch ordnungspolitische Maßnahmen, bei noch höheren CO2-Preisen erstens alleine nicht reichen und zweitens länger dauern wird. Insofern sind es keine Gegensätze, meine ich. Wir müssen jetzt schnell ins Handeln kommen. Die Carbon Contracts for Difference sind jetzt abgestimmt, sollen dann möglichst schnell als Richtlinie veröffentlicht werden. So hoffen wir, dass wir erste Verträge noch im ersten Halbjahr dieses Jahres schließen können.

Eine Nachfrage.

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
ca. 72 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie waren in den letzten Tagen in den USA, um mit den USA zu verhandeln, wie die Umsetzung des IRA gestaltet werden kann, damit es eine Industriepartnerschaft mit den USA geben kann, die wir noch weiter vertiefen wollen. Inwiefern kann der IRA jetzt eine Chance für die Industriepolitik in Deutschland sein, in Europa, um voranzukommen und diese grünen Märkte zu entwickeln?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 157 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Ich möchte einmal darauf hinweisen, weil das wichtig ist, dass die Verhandlung von der Europäischen Kommission geführt wird. Die Reise, die Bruno Le Maire und ich gemacht haben, war eine unterstützende Reise, bei der wir mit den amerikanischen Partnern noch einmal konkrete Beispiele erörtert haben. Aber es ist wichtig, auch für die Geschlossenheit Europas, dass klar ist, dass die Europäische Kommission diese Verhandlung führt.

Ich sehe vor allem drei Felder, wo wir zusammenkommen können. Über eines haben wir kurz gesprochen: TTC, also eine Normierung – eigentlich ein dröges Thema –, ein Ausweiten zu einer echten Industriepartnerschaft bis zu einem gemeinsamen Markt; zweitens gemeinsame Rohstoffbeschaffung und Kriterien für die Diversifizierung dieser Rohstoffe; und drittens Transparenz, also Verlässlichkeit in die Subvention, sodass man abgleichen kann, welches Land wie fördert.

Vielen Dank. – Der nächste Fragesteller ist für die CDU/CSU-Fraktion Carsten Müller.

Porträt von Carsten Müller
Foto: Carsten Müller/ Tobias Koch
ca. 58 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Bundesminister Schmidt, teilen Sie unsere Auffassung, der sich zwischenzeitlich auch die Bundesinnenministerin und der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion angeschlossen haben, dass die Speicherung von IP‑Adressen zur erfolgreichen Verfolgung und Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder und von Terrorismus dringend erforderlich ist?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 178 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Herzlichen Dank für die Frage. – Ich beantworte sie mit der Technik, die Herr Scholz auch nutzt und sage: Das ist ein wichtiges Thema. Auch dieses Thema wird im Moment in der Bundesregierung besprochen, wie Sie den Zeitungsberichten entnehmen können. Es gibt einen rechtlichen Rahmen, der vorgegeben ist. Der betrifft insbesondere die Frage, welche Daten wie gespeichert werden können. Dazu gehören die IP‑Adressen. Es ist ein Thema, ob andere Verbindungsdaten auch dazugehören.

Ich glaube, dass das Ziel alle eint. Es geht darum, Kriminelle, insbesondere natürlich solche, die sich des Internets als Tatmittel bedienen, zu identifizieren und dann der Strafverfolgung und der gerechten Strafe zuzuführen. Wie Sie wissen, gibt es über die Ausgestaltung, wie das am besten zu geschehen hat, noch unterschiedliche Auffassungen. Ich bitte ein bisschen um Verständnis, dass ich als Chef des Bundeskanzleramtes jetzt ungern Schiedsrichter sein und Kopfnoten für die jeweils beteiligten Kolleginnen und Kollegen verteilen möchte. Aber ich bin sicher, dass wir auch da zu einer guten Lösung kommen werden.

Eine Nachfrage, bitte.

Porträt von Carsten Müller
Foto: Carsten Müller/ Tobias Koch
ca. 139 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Bundesminister Schmidt. – Sie haben ja gesagt, Sie bedienen sich der Technik des Bundeskanzlers. Dabei ist regelmäßig zu sehen, dass er Fragen nicht beantwortet.

Jetzt will ich es etwas konkreter machen. Das Thema ist ohne Zweifel wichtig. Ich hatte Ihnen gesagt, dass sich selbst in Ihrer eigenen Partei einige unserer Auffassung angeschlossen haben. Wir haben erheblichen Handlungsdruck. Der Europäische Gerichtshof hat die Möglichkeiten vor genau vier Monaten definiert; Sie haben darauf eben abgehoben. Wie lange wird es noch dauern, –

Stellen Sie bitte Ihre Frage.

– bis die Bundesregierung – Sie sehen sich nicht als Schiedsrichter; ich weiß jetzt nicht genau, welche sonstige Aufgabe Sie als Kanzleramtsminister haben – diesen Handlungsspielraum ausnutzt und gesetzgeberisch umsetzt? Ich würde Sie bitten, hier heute etwas konkreter zu werden.

Unbekannt
1 VermerkZwischenfrageWortwechselca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Das wird sehr zeitnah geschehen.

Heiterkeitbei der SPD

Vielen Dank. – Dann haben wir die nächste Fragestellerin: für die SPD-Fraktion die Kollegin Abdi.

Porträt von Sanae Abdi
Foto: Sanae Abdi/SPD-Fraktion
ca. 77 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich richte meine Frage an Herrn Bundesminister Schmidt. Die Industrieländer verpflichten sich, bis 2025 jährlich 100 Milliarden US-Dollar in die Klimafinanzierung zu investieren. Auch Deutschland plant, seinen Betrag aus öffentlichen Quellen bis 2025 auf 6 Milliarden Euro pro Jahr aufzustocken.

Ich möchte gerne wissen: Wie kann der von Bundeskanzler Olaf Scholz ins Leben gerufene Klimaklub helfen, dass die gesteckten Ziele der Industrieländer im Bereich der internationalen Klimafinanzierung erreicht werden?

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 277 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Herzlichen Dank für die Frage. – Der Klimaklub hat drei Säulen. Das ist eine Idee, die der jetzige Bundeskanzler schon in seiner vorigen Funktion als Finanzminister entwickelt hat und dafür im Kreise der G‑7-Finanzministerinnen und ‑Finanzminister und dann auch im Kreise der G‑20-Finanzministerinnen und ‑Finanzminister viel Zustimmung erfahren hat. Beim letzten G‑7-Gipfel und in der Folge bis zum Ende des Jahres haben wir es hingekriegt, dass jetzt auch die G‑7-Staats- und -Regierungschefs dabei sind.

Die erste Säule ist, glaube ich, die wichtigste. Da geht es um die Vergleichbarkeit verschiedener Maßnahmen, um den CO2-Ausstoß zu minimieren. Wir haben uns in Europa und auch in Deutschland für einen CO2-Preis entschieden. Andere, wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten von Amerika, gehen einen anderen Weg. Es ist zu befürchten, dass es dann, wenn diese Elemente aufeinanderprallen und wir einen Grenzausgleichsmechanismus, also einen Carbon Border Adjustment Mechanism, einführen, zu einer Handelsauseinandersetzung kommt, die wir im Moment, glaube ich, nicht brauchen.

Das zweite Element sind Industriestandards. Da wird es auch darum gehen, gemeinsam Standards zu setzen, zum Beispiel für die Zementindustrie oder für die Stahlindustrie.

Und das dritte Element sind tatsächlich Partnerschaften mit Schwellen- und Entwicklungsländern. Da geht es darum, dass wir diese Länder bei der Dekarbonisierung unterstützen. Dazu laufen jetzt die ersten Verhandlungen.

Kommen Sie bitte zum Schluss.

Rednerwechsel

Ich bin ganz optimistisch, dass wir da bald konkrete Ergebnisse sehen und dass wir dann auch mit den Partnerländern zu einer CO2-Reduktion kommen werden.

Sie haben die Möglichkeit der Nachfrage.

Porträt von Sanae Abdi
Foto: Sanae Abdi/SPD-Fraktion
ca. 34 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Eine kurze Nachfrage: Wodurch kann die Zielsetzung, bis 2025 die 100 Milliarden US-Dollar für die Klimafinanzierung bereitzustellen, durch den Klimaklub unterstützt werden? Also, das ist mir noch nicht ganz klar.

Unbekannt
ZwischenfrageWortwechselca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig
Rednerwechsel

Ich hatte versucht, die drei Elemente des Klimaklubs zu erläutern. Da geht es natürlich auch in der zweiten Säule um die Mobilisierung von privater Finanzierung, und die dritte Säule zahlt im Prinzip auf dieses 100-Milliarden-Dollar-Ziel ein, ist aber nur ein Mittel, wie die dann generierten 100 Milliarden Dollar zum Zwecke der CO2-Reduzierung ausgegeben werden. Wir ermöglichen es dann den Entwicklungs- und Schwellenländern ganz konkret, dieses Geld einzusetzen, um die CO2-Reduktion zu erreichen.

Vielen Dank. – Der nächste Fragesteller ist Herr Brandner.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
1 Vermerkca. 174 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ja, danke schön. – Es geht in Fragestunden oft um Zitate. Wir haben uns heute schon einige angehört. Ich habe noch ein Zitat von Herrn Habeck, was der Aufklärung bedarf.

Lieber Herr Habeck, Sie werden zitiert oder haben mal geäußert, Sie hätten Vaterlandsliebe „stets zum Kotzen“ gefunden. Sie hätten mit Deutschland „noch nie etwas anzufangen“ gewusst und wüssten es auch heute noch nicht.

Zugegebenermaßen ist das jetzt schon einige Monate her. Nach dieser Aussage – Vaterlandsliebe „zum Kotzen“ und Sie könnten mit Deutschland nichts anfangen – haben Sie Ihren Amtseid hier im Deutschen Bundestag abgelegt und geschworen, Ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen und seinen Nutzen mehren zu wollen.

Meine Frage ist: Wie passt das zusammen? Auf der einen Seite diese Deutschlandverneinung, dieser Vaterlandshass, auf der anderen Seite dann hier – wodurch auch immer angetrieben – das Ablegen des Amtseides mit dem Inhalt, dem deutschen Volke dienen und seinen Nutzen mehren zu wollen.

Das ist doch billig, was du da fragst!

– Das sind Tatsachen.

Herr Minister, Sie können antworten.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 218 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Das Zitat, das Sie erwähnen, stammt aus einem Buch, das ich geschrieben habe, als ich noch hauptberuflich Bücher geschrieben habe. Das Buch heißt „Patriotismus: Ein linkes Plädoyer“.

Zurufdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Ups! Patriotismus, ein linkes Plädoyer? Ich nehme an, Sie nehmen nur Zitate – wahrscheinlich Tweets oder Kacheln bei Twitter oder Instagram – wahr, haben aber das Buch nicht gelesen. Hätten Sie das Buch gelesen, würden Sie darauf aufmerksam werden, dass ein Grüner in den Nullerjahren ein 250 Seiten starkes Loblied auf den Patriotismus geschrieben hat.

Das wird nicht in Ihrem Sinne sein; denn ich gehe sehr stark vom gesellschaftlichen Zusammenspiel und nicht von Polemiken und Spaltungstendenzen aus. Gleichwohl ist die Argumentation exakt gegen das Zitat gerichtet, nämlich indem gesagt wird: Wir müssen uns um unsere Gesellschaft, um unser Land kümmern, in die politische Verantwortung gehen und für diese politische Verantwortung geradestehen. – Insofern passt das sehr gut zusammen. Es würde noch besser zusammenpassen, wenn Sie nicht nur Schnipsel lesen würden, sondern auch mal ganze Bücher.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Das ist eine intellektuelle Überforderung!

Sie haben die Möglichkeit der Nachfrage.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
4 Vermerkeca. 187 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Es ist ja schön, dass Sie in diesem Falle die Authentizität des Zitates bestätigen. Das war ja vorhin auch schon mal anders.

Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Plärren Sie nicht dazwischen, Frau Haßelmann!

Also, wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist es ein Ausdruck von links-grüner – wie haben Sie gesagt? – Vaterlandsliebe, zu sagen, mit Vaterlandsliebe hätten Sie noch nie was anfangen können, Sie hätten es zum Kotzen gefunden und eigentlich hätten Sie das Gegenteil gemeint. Haben Sie sich inzwischen weiterentwickelt und meinen, Vaterlandsliebe ist was Gutes,

Das bezog sich auf Sie!

und wissen Sie inzwischen mit Deutschland was anzufangen? Und, wenn ja, was wissen Sie inzwischen mit Deutschland anzufangen?

Bei Ihnen ist, glaube ich, alle Weiterentwicklung zu Ende!

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 148 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Exakt das ist die Herleitung in dem Buch. Das wäre ungefähr so, als würde man sagen: Früher war ich in der AfD. Heute stelle ich fest: Ich bin verblendet einer falschen Ideologie nachgelaufen.

Damit sind wir am Ende der Befragung der Bundesregierung angekommen.

Wir kommen auch gleich zum nächsten Tagesordnungspunkt. Es wäre schön, wenn wir die gegenseitigen Schreiereien einstellen würden, sodass wir zügig fortfahren können.

Porträt von Jan-Marco Luczak
Foto: Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch
13 Vermerkeca. 1.095 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das Bedürfnis von Menschen, ein Dach über dem Kopf zu haben, einen persönlichen Rückzugsraum und ein Stück Heimat zu haben, das ist etwas ganz Elementares und von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Deswegen ist es auch absolut richtig, dass die Ampel sich in ihrem Koalitionsvertrag das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, jedes Jahr 400 000 neue Wohnungen zu bauen.

Ein eigenes Bauministerium hat man dazu geschaffen. Dieses neue Haus wurde mit Klara Geywitz besetzt, mit einer engen Vertrauten von Olaf Scholz. Man hat dann ein Bündnis für bezahlbaren Wohnraum ins Leben gerufen, viele Tausend Stunden hat man verhandelt. Olaf Scholz hat es sich als Kanzler nicht nehmen lassen, die Ergebnisse des Bündnisses mit zu präsentieren, hat sich in diesem Zusammenhang selber als Kanzler für bezahlbaren Wohnraum bezeichnet, hat also dieses Thema zur Chefsache gemacht.

14 Monate ist diese Bundesregierung nun im Amt, und da kann man schon mal fragen: Wie ist eigentlich die Situation heute? Da muss man schon feststellen – das kann man mit einem Wort sagen –: Die Situation ist verheerend. Anspruch und Wirklichkeit dieser sogenannten Fortschrittskoalition klaffen meilenweit auseinander. Statt der 400 000 Wohnungen werden es im Jahr 2022 wahrscheinlich 250 000 sein. In diesem Jahr, 2023, werden es nur 200 000 sein.

Die „FAZ“ hat im Dezember getitelt: „Deutschland vor dem Baustopp“. Heute, meine Damen und Herren, sind wir schon einen Schritt weiter: Wir sind nicht vor dem Baustopp; wir haben einen Baustopp. Deutschlands größter Vermieter, die Vonovia, hat angekündigt, im Jahr 2023 keines von den geplanten Neubauprojekten mehr umsetzen zu können, weil die Bedingungen sich so verschlechtert haben.

Widerspruchbei Abgeordneten der SPD

Der GdW geht davon aus, dass ein Drittel aller für die kommenden Jahre geplanten Wohnungen nicht gebaut werden kann. Deswegen ist das, was Sie sich als Ampel vorgenommen haben – 1,6 Millionen Wohnungen in dieser Legislaturperiode zu bauen –, absolut nur noch Makulatur. Es wird vermutlich nicht einmal die Hälfte sein. Ich finde, das ist ein wirkliches Armutszeugnis, was Sie sich hier ausstellen.

Beifallbei der CDU/CSU

Eigentlich ist die Situation auch noch viel dramatischer, weil – darauf hat die Bauministerin erst vor wenigen Wochen zu Recht hingewiesen – der Bedarf eigentlich noch viel höher ist als diese 400 000 Wohnungen: Wir brauchen nicht nur 400 000 Wohnungen, sondern sogar 600 000 Wohnungen.

Dass wir das nicht schaffen, so wie ich das skizziert habe, das ist vor allen Dingen für diejenigen Menschen so dramatisch, die jetzt in den Schlangen bei den Wohnungsbesichtigungen stehen, wobei die Schlangen immer länger werden und sie am Ende keine Wohnung finden werden – Zehntausende, die am Ende keine Wohnung bekommen werden. Die wenigen Glücklichen, die eine Wohnung bekommen, die sind dann mit steigenden Mieten konfrontiert, weil das Angebot zu knapp und die Nachfrage dafür riesengroß ist. Diese Menschen lassen Sie im Stich, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Ampel.

Beifallbei der CDU/CSU

Was sind nun die Ursachen? Ich will gar nicht verhehlen, dass es natürlich externe Faktoren gibt. Die Situation des Angriffskrieges gegen die Ukraine hat natürlich dazu geführt, dass Zinsen gestiegen sind, dass die Materialpreise gestiegen sind, dass es auch Fachkräftemangel gibt. Das ist ein wirklicher perfekter Sturm, und das will ich der Bundesregierung und auch der Ministerin überhaupt nicht vorwerfen.

Haben Sie doch gerade!

Aber es gibt eben auch hausgemachte Probleme.

Es sollte Ihnen schon zu denken geben, dass die maßgeblichen Verbände, die Unternehmen der Immobilienwirtschaft Ihnen vorwerfen, Sie gießen mit Ihrer Politik Öl ins Feuer, weil Sie ein beispielloses Förderchaos verursacht haben, das die Investitionssicherheit genommen hat, das Vertrauen der Investoren genommen hat. Sie werfen Ihnen vor, dass Sie die Förderung zusammengestrichen haben, dass Sie trotzdem immer noch strengere Baustandards auf den Weg bringen, was das Bauen teuer und am Ende das Wohnen eben unbezahlbar macht. Das ist Ihre Politik, die auch dazu führt, dass diese Ziele, von Ihnen selbst gesteckt, nicht erreicht werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann kommt eben noch hinzu, dass in Ländern wie Berlin über Enteignungen diskutiert wird. Da muss man sich ja schon ein bisschen wundern: Der Kanzler hat gerade in den letzten Tagen offensichtlich versucht, hier ein Machtwort zu sprechen. Er hat gesagt, Enteignungen finde er unverantwortlich, weil dadurch am Ende nicht eine einzige neue Wohnung am Markt entstehe.

Zurufder Abg. Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]

– Ja, da hat er absolut recht.

Darum geht es doch gar nicht!

Ich frage mich nur so ein bisschen, ob sich da einmal wieder das offensichtlich sehr stark ausgeprägte Kurzzeitgedächtnis des Kanzlers zeigt – nicht nur bei Cum-ex, sondern auch an dieser Stelle –; denn er hat offensichtlich vergessen, dass die SPD Berlin, also seine Genossen hier, vor gar nicht allzu langer Zeit genau das Gegenteil beschlossen haben: Sie haben sich auf dem Landesparteitag für Enteignungen ausgesprochen,

Beifallbei Abgeordneten der SPD

unter einer Landesvorsitzenden Franziska Giffey, die ganz offensichtlich ihren Laden nicht im Griff hat. Nicht anders ist es doch zu erklären, dass Franziska Giffey vor nicht mal einem Jahr gesagt hat: Enteignungen, das sei für sie eine rote Linie, die werde sie nicht überschreiten. Wenige Monate später sagt ihr eigener Landesverband genau das Gegenteil. Sie hat jegliche Glaubwürdigkeit an dieser Stelle verspielt. Gut, dass am Sonntag Wahlen sind und man sie abwählen kann, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Kommen Sie bitte zum Schluss.

Frau Geywitz, Sie haben gleich das Wort. Sie haben sich selbst als „das Gesicht zur Baukrise“ bezeichnet. Das ist keine böse Zuspitzung eines Oppositionspolitikers; das sind Ihre Worte. Ich wünsche mir, dass Sie dieses Haus zu einem Schwergewicht machen. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch, wie wir es schaffen, dass in diesem Land endlich der notwendige bezahlbare Wohnraum geschaffen wird.

Zurufvon der LINKEN: Ja, wie denn?

Ich wünsche mir, dass Sie das, was die „FAZ“ vor wenigen Tagen gesagt hat –

Kommen Sie bitte zum Schluss.

– dieses Haus brauche niemand –, umdrehen, dass wir sagen: Dieses Haus ist eines der wichtigsten Ressorts für unser Land, für die Menschen in unserem Land. Da haben Sie aber noch viele Aufgaben vor sich. Nehmen Sie unsere Vorschläge, die wir gemacht haben, an und ernst,

Welche denn? War ja gar keiner dabei in der Rede!

und dann klappt es auch mit den 400 000 Wohnungen.

Beifallbei der CDU/CSU

Für die Bundesregierung hat das Wort die Bundesministerin Klara Geywitz.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Unbekannt
12 Vermerkeca. 1.578 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich danke der Union ganz ausdrücklich für diese Aktuelle Stunde: eine gute Gelegenheit zum Austausch, welche Medizin es für die Krise am Wohnungsmarkt braucht, und auch eine gute Alternative zu langen Debatten über Insekten im Essen.

Ja, da haben Sie recht!

Heiterkeitund Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Krise am Wohnungsmarkt: Welche Medizin hilft da? Ich bin sehr überzeugt davon: Geld alleine ist nicht die richtige Medizin.

Schauen wir zurück: Im Jahr 2021 wurden weniger als 300 000 Wohnungen fertiggestellt. 2021, das war die Zeit, als wir niedrigste Zinsen hatten, als wir eine milliardenschwere Bundesförderung für effiziente Gebäude hatten, als wir noch keinen furchtbaren Krieg Putins in der Ukraine hatten und Hunderttausende Bauprojekte genehmigt waren und in der Warteschlange standen.

Also, das ist ganz klar: Viel Geld hilft nicht viel. Das ist ein Punkt, der uns zum Nachdenken bringen muss. Denn es gibt sogar Preiseffekte: Wenn ich in einen begrenzten Markt mit einer begrenzten Kapazität Milliardenförderung reingieße, dann führt das dazu, dass die Preisspirale für alle, die bauen wollen, angetrieben wird. In jedem Fall gilt aber: Geld alleine baut keine Häuser. Vielmehr gibt es auch tiefer liegende Gründe, warum in Deutschland nicht schneller mehr Wohnungen gebaut werden. Über 800 000 Wohnungen fertig geplant im Bauüberhang, das ist doch nicht von alleine gekommen, und das ist auch nicht erst seit gestern da.

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag bescheinigt der Baubranche eine verhältnismäßig niedrige Produktivitätsentwicklung und eine geringe Innovationstätigkeit. Dort heißt es:

Die Art und Weise, wie Bauwerke errichtet werden, ist in den letzten Jahrzehnten im Wesentlichen gleichgeblieben. Mauerwerk und Beton bilden nach wie vor die hauptsächlichen Baustoffe.

Und:

Auch an der auf den Baustellen eingesetzten Maschinentechnik hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren kaum Grundlegendes geändert.

Ich frage Sie: Fällt Ihnen noch eine andere Branche ein, wo es so ist, dass sich in den letzten 15 Jahren die Produktionstechnik nicht verändert hat? Nein!

In der Baubranche verharrte die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigenstunde in den Jahren von 2000 bis 2017 bei circa 25 Euro. In der Gesamtindustrie hingegen stieg die Arbeitseffizienz bis 2017 jährlich um durchschnittlich 1 Prozent auf schließlich 42,50 Euro – 65 Prozent über dem Wert der Baubranche. Wir haben ein massives Produktivitätsproblem.

Natürlich ist der Bausektor etwas ganz Besonderes, den man nicht so einfach eins zu eins mit jedem anderen Wirtschaftszweig vergleichen kann.

Ich bin sehr viel in der Branche in Deutschland unterwegs – das wissen Sie –, und ich weiß, wie gut und hart die Menschen dort arbeiten, insbesondere diejenigen auf den Baustellen. Sie verdienen unseren größten Respekt.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Deshalb bedauere ich, dass die vielen Milliarden der letzten Jahre in Gießkannenförderung und eben nicht in die Innovationsförderung gegangen sind. Wir brauchen mehr Bauforschung, zum Beispiel für neue Ideen und Lösungsansätze, etwa 3-D-Druck. Dies ist der Schlüssel zur Zukunft in jeder Branche. Ich bin sehr froh, dass das aktuelle Bildungs- und Forschungsministerium da sehr offen auf unsere Wünsche reagiert und sagt: Wir sehen ebenfalls die Notwendigkeit, den eklatant niedrigen Anteil der Bauforschung zu erhöhen.

Wir stärken serielle bzw. modulare Verfahren, um beim Bauen und Sanieren effizienter und schneller zu werden; denn so, wie wir es jetzt machen – manuell –, werden wir auch die notwendige Sanierungsrate bei Weitem nicht erreichen können. Wir brauchen Typengenehmigungen, und wir setzen natürlich auf nachwachsende Baustoffe wie Holz mit der großen Holzbauinitiative, die ich zusammen mit dem Landwirtschaftsministerium vorbereite.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir werden auch im Baubereich die Planungs- und Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigen. Das betrifft zum einen den Ausbau von Dachgeschossen. Hierdurch ist es möglich, flächensparend neue Wohnungen entstehen zu lassen, übrigens auch durch seriellen Ständerbau auf dem Dach.

Auch die FDP hat sich ja gestern mit der Frage beschäftigt: Was kann man noch machen? Viele Grüße auch an Herrn Föst; er ist heute leider erkrankt. Aber er ist ein großer Experte, und er weiß – der Digitalisierungindex des Bundeswirtschaftsministeriums hat es uns deutlich ins Hausaufgabenheft geschrieben –: Wir müssen in der Baubranche mehr digitalisieren. Das ist eine Priorität, die wir nach ganz oben setzen. Sie wissen: Diese Bundesregierung hat sich den OZG-Katalog angeguckt und ihn vom Kopf auf die Füße gestellt. Die Verwaltungsleistungen, die häufig gebraucht werden, nämlich der Wohngeldantrag und der Bauantrag, werden zuerst digitalisiert und manch Abseitiges dann erst zum Schluss.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Das ist einer der Punkte, wo ich Ihnen zusagen kann: Der Bund nimmt sehr viel Geld in die Hand, um das Land Mecklenburg-Vorpommern dabei zu unterstützen, noch dieses Jahr die EfA-Lösung, die „Einer für Alle“-Anträge möglich zu machen, damit alle Bundesländer in der Lage sind, dann digitale Bauanträge entgegenzunehmen.

Ein Punkt, der heute im Bauausschuss diskutiert wurde – ich finde es toll, dass das jetzt öffentlich passiert, dass jeder zugucken kann –, ist die Frage der Wohngeldreform; denn es sind noch mal Milliarden des Bundes in bezahlbares Wohnen für bis zu 4,5 Millionen Menschen geflossen. Und was mussten wir uns alles anhören! Natürlich, die Vorbereitungszeit war kurz; aber das haben wir nicht aus Jux und Tollerei gemacht, sondern weil die Menschen das Geld brauchen, weil die Krise jetzt da ist. Die Wohngeldreform läuft, und ich danke noch mal ganz ausdrücklich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den örtlichen Wohngeldstellen. Die hatten in der Tat einen Riesenberg zu wuppen; aber allen Unkenrufen zum Trotz ist es gut angelaufen, und die Gelder fließen.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ein Punkt, der von Anfang an wichtig war, ist, dass wir dem sozialen Wohnungsbau, der über Jahrzehnte die Neubauförderung der Republik geprägt hat, wieder diesen Stellenwert geben, und zwar mit 14,5 Milliarden Euro; dieses Jahr sind es allein mehr als 2 Milliarden Euro. Und weil Ulrich Lange sich immer freut, wenn ich Eduard Oswald zitiere: Als Eduard Oswald Bauminister war, haben Bund und Länder zusammen nicht so viel Geld ausgegeben wie jetzt der Bund alleine. Das führt natürlich zu Folgereaktionen in den Ländern. Damit man mir nicht vorwirft, SPD-Wahlkampf in den Tagen vor der Berlin-Wahl zu machen, nehme ich mal Hessen; das ist unverdächtig.

Ganz unverdächtig, Hessen!

Heiterkeitbei der CDU/CSU

Hessen hat jetzt angekündigt, die eigenen Investitionen in den sozialen Wohnungsmarkt deutlich zu erhöhen, auf 2,7 Milliarden Euro. Andere Länder, etwa Schleswig-Holstein und Sachsen, sind ebenfalls dabei, ihre Förderung deutlich anzupassen, weil der Bund die Mittel in der sozialen Wohnungsbauförderung angehoben hat – eine historische Höhe.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir müssen endlich dafür sorgen, dass nicht mehr und mehr Sozialwohnungen aus der Bindung fallen, sondern neue entstehen. Wir werden unsere steuerliche Unterstützung anpacken; das haben Sie teilweise schon mitbeschlossen.

Wir stellen im März unser Konzept für die neue Wohngemeinnützigkeit vor, das aus zwei Komponenten besteht: zum einen aus der steuerlichen Förderung der Wohngemeinnützigkeit und zum anderen aus einer Investitionszulage. Ich freue mich jetzt schon auf die Debatte im Bau- und im Haushaltsausschuss.

Wir haben ein Förderprogramm für Wohngenossenschaften aufgelegt, das bereits sehr gut angenommen wird, und zum 1. Januar ist die lineare AfA von 2 auf 3 Prozent angehoben worden. Vieles Weitere passiert, zum Beispiel der klimagerechte Neubau, der über die BEG gefördert wird.

Jetzt gibt es ja einige, die sagen: Die Medizin ist nicht nur „mehr Milliarden in die Grundförderung für Neubauten“, sondern „weniger ökologische Standards“. Ich sage Ihnen: Wer versucht, die eine Krise, die Krise am Bau, durch eine andere Krise, nämlich die ökologische Krise, zu bekämpfen, der macht einen Schildbürgerstreich.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Denn die Baukosten, die ich heute, im Jahr 2023, spare, werden sich natürlich in den Nebenkosten der nächsten 40 oder 50 Jahre niederschlagen; die sind dann höher, wenn ich heute mit niedrigen ökologischen Standards vorangehe. Etwas anderes ist natürlich auch ganz klar: Häuser baut man nicht für fünf Jahre, Häuser baut man nicht für zehn Jahre. Wenn es unser Ziel sein soll, dass Europa ein klimafreundlicher, CO2-neutraler Kontinent wird, dann können wir heute doch nicht mit Steuermitteln ökologische Niedrigstandards im Neubaubereich fördern. Das geht nicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ein Punkt, den wir stärker als bis jetzt in den Blick nehmen müssen, ist der Leerstand, zum einen von Bürogebäuden, zum anderen aber natürlich auch von Wohngebäuden in vielen Gegenden in Deutschland. Hier schafft Homeoffice die Möglichkeit, dass Menschen auch dorthinziehen, wo jetzt Leerstand herrscht, weil sie nicht mehr jeden Tag zum Arbeiten in die großen Städte müssen.

Und wir werden – erstmalig für eine Bundesregierung – dieses Jahr ganz intensiv die Menschen in den Blick nehmen, die keine Wohnung haben, die Menschen, die obdachlos sind, die wohnungslos sind. Wir werden mit allen Ressorts, mit den Kommunen und den Ländern einen nationalen Aktionsplan zur Überwindung der Wohnungs- und Obdachlosigkeit erstellen. Das ist eine soziale, eine auf Innovation und ökologische Verträglichkeit ausgerichtete Baupolitik.

Ich danke für die Gelegenheit zur Debatte.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Für die AfD-Fraktion hat das Wort der Abgeordnete Beckamp.

Beifallbei der AfD
22 Vermerkeca. 1.094 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wohnraum wird knapper, die Mietpreise steigen, und das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben. Dafür gibt es Gründe.

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn nicht die Kostenexplosion beim Bauen einen bezahlbaren Mietwohnungsbau kaum mehr möglich machte. Die Baukosten werden bald sogar rund 150 Prozent der Kosten von 2020 betragen – ein Ergebnis der Politik dieser Regierung.

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn der Bau von Sozialwohnungen im Jahr 2022 nicht so fundamental gescheitert wäre. Es wurden lediglich rund 20 000 neue Sozialwohnungen gebaut, deutlich weniger, als aus der Sozialbindung gefallen sind.

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn nicht gut die Hälfte aller Sozialwohnungen fehlbelegt wären, also Leute darin wohnten, die gar nicht mehr in solchen Wohnungen leben dürften. Die Politik kümmert es nicht.

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn wir nicht eine Ministerin Geywitz hätten, die geradezu irrlichternd immer noch von 400 000 neuen Wohnungen im Jahr spricht, die sicher bald kommen.

Hier irrlichtert nur einer!

Hier kommt offenbar das alte Brutto-netto-Dilemma der SPD zum Vorschein.

Beifallbei der AfD

Sie, Frau Ministerin, haben sicher keine dankbare Aufgabe, wenig Durchsetzungsvermögen und in Ihrem Haus nur wenig finanzielle Mittel. Aber das führt dann eben dazu, dass Ihnen nur die Rolle eines Wohnungsbau-Maskottchens bleibt, wie es die „Frankfurter Allgemeine“ kürzlich geschrieben hat.

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn nicht nur noch für zahlungskräftige Mieter modernisiert würde und nicht nur dort die Nebenkosten sinken würden, während bei allen anderen die Warmmiete unaufhörlich steigt. Die Schere zwischen Arm und Reich auf dem Wohnungsmarkt wird noch weiter auseinanderklaffen. Das nennt man: Wohnkosten-Klima-Dilemma.

Das ist Ihre Politik.

Beifallbei der AfD

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn nicht die Mehrheit der Wohnungssuchenden die Miethöhe, die angesichts der Kostensteigerungen für die Wirtschaftlichkeit eines Projektes notwendig wäre, einfach nicht mehr zahlen könnte und wenn nicht auch Bestandsmieter einem immer größeren Kostendruck ausgesetzt wären wegen irrsinniger Sanierungsauflagen und akut hoher Mietnebenkosten. Die neue Grundsteuer kündigt sich im Übrigen auch schon an.

Für eine Familienwohnung muss man derzeit rund 650 Euro mehr an Energiekosten im Jahr aufbringen, und die Spitze ist damit immer noch nicht erreicht.

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn nicht der öffentliche Rundfunk, namentlich der WDR, Vermieter als „Ratten“ bezeichnete und das auch noch witzig fände.

Zurufevom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oah!

Pfui! Böhmermann-Niveau!

– Können Sie in den sozialen Medien gern nachlesen. Das sind Ihre Freunde vom Staatsfunk.

Das hat jetzt drei Minuten gedauert, Herr Beckamp! Wie ging denn das?

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn nicht eine bisher noch nie erlebte Migrantenwelle Deutschland überschwemmen würde –

1,25 Millionen Menschen allein im vergangenen Jahr.

Wir hatten Sie gar nicht erkannt!

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Michael Kruse [FDP]

Die Kommunen wissen nicht mehr, wohin. Proteste in ganz Deutschland: von Rheinland-Pfalz über Böhlen in Sachsen bis nach Upahl und zu Hunderten weiterer Orte, die ihr Gesicht verlieren und wo Heimat verschwindet.

Lachendes Abg. Kassem Taher Saleh [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Sie lachen darüber und freuen sich auch noch. Ihre Freunde in Sachsen wird es ganz besonders freuen, Herr Saleh, ganz sicher.

Ja, ja, klar!

Zurufdes Abg. Michael Kruse [FDP]

Derzeit leben 84,3 Millionen Menschen in Deutschland. Letztes Jahr ist deren Zahl um deutlich über 1 Million gestiegen; vor drei Jahren waren es noch 82 Millionen. Die Nettozuwanderung liegt auf Rekordniveau.

Zurufdes Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn nicht diese migrantensüchtige Regierung

Lachender Abg. Caren Lay [DIE LINKE]

und ihresgleichen in den Städten still und unverdrossen Wohnungen nur für Migranten baute, die sie unablässig weiter einlädt.

Sie argumentieren komplett an der Realität vorbei!

Ein Beispiel von vielen ist die Quedlinburger Straße in Berlin-Charlottenburg. Hier sollen bald 570 Ihrer neuen Gäste einziehen. Dieser Neubau biete – Zitat – „rund 500 Neu-Berliner*innen“ nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern denke – Zitat – „die Bedürfnisse der Anwohner*innen mit“,

Lachendes Abg. Stephan Brandner [AfD]

malte der grüne Bezirksstadtrat kürzlich ein positives Bild.

Schön gegendert, Herr Beckamp!

– Das waren Zitate, nicht meine Worte.

Sie lernen dazu, wie ich sehe!

Ein Desaster für die Anwohner und Nachbarn, wie die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ in ihrer jüngsten Ausgabe die Situation etwas anders beschreibt und eine wirkliche Anwohnerin zu Wort kommen lässt. Zitat:

Ach, wissen Sie, ich bin schon 78 Jahre alt und froh, nicht mehr allzu lange zu leben. Es wird doch alles schlechter.

Lachendes Abg. Bernhard Daldrup [SPD]

Ich will das Viertel in zehn Jahren nicht mehr sehen, dann ist das nicht mehr meine Heimat. Mir tut es nur um die Kinder leid. Mein Sohn sucht seit zwei Jahren hier eine Wohnung, da ist nichts zu machen.

Und Sie freuen sich darüber. Herzlichen Glückwunsch!

Ganz übel!

Nee, ich freue mich nicht darüber, nur über Ihre Rede!

Es gäbe keine Krise auf dem Wohnungsmarkt, wenn Sie hier alle endlich auf die Leute hörten, die wissen, wie es wirklich ist.

Aber Sie gehören nicht dazu!

Reinhard Sager von der CDU weiß es. Hier hört keiner darauf.

Und es gäbe keine Krise, wenn wir in die Türkei schauten – wo derzeit hoffentlich viele nach dem schrecklichen Beben gerettet werden –, wo es zum Beispiel eine Obergrenze für den Zuzug von Ausländern in bestimmte Bezirke gibt, oder wenn wir nach Dänemark schauten, wo eine sozialdemokratische Regierung Politik für ihr Land macht und den Zuzug von Ausländern auf wenige Tausend im Jahr begrenzt.

Zurufdes Abg. Michael Kruse [FDP]

Kommen Sie bitte zum Schluss.

Rednerwechsel

Wohnraum wird noch knapper; Mietpreise werden weiter steigen. Die Krise auf dem Wohnungsmarkt geht weiter. Es geht darum, Prioritäten zu setzen. Das nennt man „Politik“, und bei uns heißt das: Einheimische zuerst!

Beifallbei der AfD

Wenn Sie aus Berlin wegziehen, haben wir schon mal ein Problem weniger!

Für Bündnis 90/Die Grünen hat das Wort die Kollegin Hanna Steinmüller.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Hanna Steinmüller
Foto: Hanna Steinmüller/ Julia Bornkessel
15 Vermerkeca. 982 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Ja, wir haben eine Krise auf dem Wohnungsmarkt. Aber die Debatte heute erinnert mich mal wieder ein bisschen an Kaa, die Schlange aus dem Dschungelbuch, auf die alle ganz starr fokussieren. Hier ist es der Neubau. Aber letztlich ist das ein Ablenkungsmanöver. Ja, wir haben eine Krise auf dem Wohnungsmarkt; aber die große Krise gibt es vor allen Dingen bei der Frage nach bezahlbarem Wohnraum.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ja, das hängt ja miteinander zusammen!

Das bedeutet, dass Menschen mit einem niedrigen Einkommen mittlerweile 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Wohnung ausgeben müssen, dass Familien weiterhin in unsanierten Wohnungen leben müssen und unter den hohen Energiekosten leiden. Und es ist eine Krise für Menschen, die gar keine Wohnung haben, die sich Nacht für Nacht eine neue Unterkunft suchen müssen oder auf der Straße leben. Es stimmt: Wir haben eine Krise auf dem Wohnungsmarkt. Aber sie ist vor allen Dingen eine soziale Krise.

Und woran liegt das? Es liegt erstens zum Beispiel daran, dass die Union vor 30 Jahren die Wohngemeinnützigkeit abgeschafft hat. 3 Millionen zuvor preisgebundene Wohnungen sind damals auf den freien Markt gekommen und sind heute deutlich teurer.

Das Zweite ist: Maßgeblich die Union hat in den letzten Jahren den sozialen Wohnungsbau ausgebremst. Es ist vorhin schon gesagt worden: Wir haben mittlerweile nur noch halb so viele Sozialwohnungen wie vor 15 Jahren.

Es sind immer die anderen schuld!

Gegenrufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Nee, schuld sind Sie!

Die Union hat drittens auch die Wärmewende ausgebremst. Bis vor Kurzem haben Sie noch gefordert, dass wir hauptsächlich Gasetagenheizungen einbauen und Energieeffizienzstandards blockieren.

Die Frage ist ja schon, warum Sie hinter Ihren Ankündigungen zurückbleiben!

Die Rechnung dafür zahlen jetzt Mieterinnen und Mieter.

Und viertens wollen bis heute Teile von Ihnen nicht anerkennen, dass wir ein Einwanderungsland sind. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Und ja, das ist gut so! – Das geht auch an die AfD.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Zurufdes Abg. Marc Bernhard [AfD]

Statt also Wohnungen für Geflüchtete zu bauen, haben Sie in den letzten Jahren viel zu oft die Energie einfach für den Bau von Abschiebezentren verschwendet.

Genau, wir haben sie gefordert, und Sie haben sie geschlossen!

Und diese Folgen spüren wir bis heute.

Zum letzten Punkt. Die Union beschäftigt sich bis heute am liebsten mit der Förderung von teuren Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern. Glauben Sie eigentlich nicht, dass auch wohnungslose Menschen den Traum vom Eigenheim oder von den eigenen vier Wänden haben, wie Sie es neulich in einem Antrag formuliert haben, zu dem es auch eine Anhörung gab? Seien wir ehrlich: Ich wundere mich überhaupt nicht über die Situation. Sie ist zu großen Teilen hausgemacht.

Gerade in Berlin!

Dabei ist klar: Uns fehlt bezahlbarer Wohnraum. Ich habe heute Morgen an einem Wahlkampfstand im Wedding gestanden.

Hört! Hört!

Die Bürgerinnen und Bürger können sehr klar benennen, was momentan Phase ist. Die Hütte brennt beim Thema Wohnen, und deswegen müssen wir uns auf zwei Dinge konzentrieren:

Zum Ersten. Wir müssen wieder mehr bezahlbare Wohnungen schaffen.

Okay! Wie?

Deswegen haben wir in diesem Jahr 2,5 Milliarden Euro für die soziale Wohnraumförderung bereitgestellt. Und deswegen werden wir auch in diesem Jahr die neue Wohngemeinnützigkeit auf den Weg bringen, damit wir die Grundlage für dauerhaft bezahlbare Wohnungen in Deutschland schaffen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Zweitens – da kommen wir jetzt wieder zu der Schlange Kaa und dem Fokus auf den Neubau –: Wir müssen dafür sorgen, dass die Wohnungen, die bezahlbar sind, auch bezahlbar bleiben. 99 Prozent der Wohnungen in Deutschland sind bereits gebaut. Wir fokussieren uns immer auf ein paar Zehntausend Wohnungen, die neu gebaut werden sollen.

Die gebauten Wohnungen reichen halt nicht! Das ist das Problem!

Aber die Musik spielt im Bestand. Deswegen müssen wir in diesem Jahr das Mietrecht stärken. Wir haben uns im Koalitionsvertrag klar verpflichtet: Wir wollen die Kappungsgrenzen absenken, qualifizierte Mietspiegel stärken und die Mietpreisbremse verlängern.

Was hilft das den Menschen, die in der Schlange stehen? Überhaupt nichts!

Klar ist aber auch: Der Koalitionsvertrag ist vor über einem Jahr geschrieben worden. Die Situation hat sich verändert. Von daher brauchen wir auch Lösungen für die Indexmieten, die eine weitere Erhöhung für die Mieterinnen und Mieter bedeuten. Wir müssen über Schonfristzahlungen sprechen. Und ja, auch das Vorkaufsrecht – dazu habe ich hier schon ein paarmal geredet – muss endlich angegangen werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Wenn wir bei den 99 Prozent, bei dem Bestand, bleiben, müssen wir aber auch sehen: Wir müssen in die energetische Sanierung investieren. Und das tun wir. 13 Milliarden Euro stehen bereit, um Mieterinnen und Mieter und um Vermieter bei einer klimaneutralen Sanierung zu unterstützen.

Ich muss sagen: Da lohnt sich auch wieder mal der Blick nach Berlin. Bettina Jarasch hat vorgeschlagen, 2 Milliarden Euro für eine ökosoziale Wärmewende bereitzustellen. Damit helfen wir einerseits Mieterinnen und Mietern, die die hohen Energiekosten nicht tragen können. Wir unterstützen Vermieter. Das ist grün und gerecht, und davon brauchen wir deutlich mehr.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie sehen also: Wir arbeiten daran, die Fehler der Vergangenheit auszubessern. Denn wir wissen: Wohnen ist die soziale Frage. Gemeinsam mit allen Ebenen wollen wir sie lösen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Christoph Meyer [FDP]

Für die Fraktion Die Linke hat das Wort Caren Lay.

Beifallbei der LINKEN
Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir diskutieren ein wichtiges, ein ernstes Thema – die Wohnungskrise. Aber ich musste dann doch herzlich lachen, als ich gelesen habe, wer diese Aktuelle Stunde beantragt hat: die Union – ausgerechnet!

Ja, haben Sie denn schon vergessen, wer uns in diese Wohnungskrise geführt hat?

Beifallbei der LINKEN

Jaja, „16 Jahre“, genau!

Ich werde Ihrem Kurzzeitgedächtnis gerne auf die Sprünge helfen. Während der Regierungszeit von Angela Merkel sind 1 Million Sozialwohnungen weggefallen. An jedem Tag unter der CDU-geführten Regierung sind 170 Sozialwohnungen aus der Bindung gefallen.

Worüber Sie überhaupt nicht sprechen, bezeichnenderweise: Diese Wohnungskrise ist auch und vor allen Dingen eine Mietenkrise.

Und die Mieten explodierten zu Ihrer Regierungszeit wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik: in München in 15 Jahren ein Plus von 82 Prozent, in Stuttgart ein Plus von 74 Prozent und in Hamburg ein Plus von 66 Prozent. Ja, wer soll das denn bezahlen, meine Damen und Herren?

Beifallbei der LINKEN
Zurufdes Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]

Die Mietenkrise ist ein bundesweites Problem, und 16 Jahre Mieten- und Wohnungspolitik der CDU-geführten Regierung waren ein einziges Fiasko.

Beifallbei der LINKEN
Zurufdes Abg. Michael Kruse [FDP]

Ich will auch sagen, dass jede noch so kleine Verbesserung für die Mieterinnen und Mieter von der Union hartnäckig bekämpft wurde, auch von Ihnen, Herr Luczak, ganz persönlich. Das ist die Wahrheit.

Leider – das muss ich schon sagen – läuft es unter der Ampel nicht so viel besser.

Hört! Hört!

Die Wiederherstellung des Vorkaufsrechtes – eine wichtige Forderung der Kommunen und der Mieter/-innen im Kampf gegen Spekulation – lässt 14 Monate auf sich warten. Immer wieder auf der Tagesordnung des Kabinetts, immer wieder abgesetzt. Jetzt haben Sie, Frau Geywitz, der FDP ihren Wunsch nach einer neuen Eigentumsförderung erfüllt.

Genau! Richtig!

Das ist ja ein schlechter Witz, diese Eigentumsförderung!

Aber im Umkehrschluss blockiert diese weiterhin das Vorkaufsrecht.

Was haben Sie denn da verhandelt? Das muss ich Sie fragen.

Zurufdes Abg. Maximilian Mordhorst [FDP]

Oder nehmen wir das Mietrecht. Ich meine, da ist der Koalitionsvertrag wirklich eine einzige Enttäuschung. Aber selbst dieses kleine Minireförmchen lässt auf sich warten. Die Bauministerin fordert den Justizminister zum Handeln auf; dieser koffert auf Twitter zurück. Die Grünen machen am Wochenende eine Medienkampagne gegen Indexmieten. Gut, Problem erkannt. Auch wir fordern ja das Verbot von Indexmieten. Das Problem ist nur: Pressestatements bezahlen noch keine Mieten. Wir brauchen endlich ein Gesetz.

Beifallbei der LINKEN
Zurufdes Abg. Lars Lindemann [FDP]

Insgesamt ist das ein unwürdiges Schauspiel, was Sie auf dem Rücken der Mieterinnen und Mieter liefern.

Bei den Sozialwohnungen ist es nicht viel besser. Sie haben 100 000 neue Sozialwohnungen im Jahr versprochen und haben faktisch ein Minus von 27 000 Sozialwohnungen.

Zurufdes Abg. Lars Lindemann [FDP]

Das wollen Sie nicht hören. Aber das sind die Fakten; die müssen Sie zur Kenntnis nehmen.

Beifallbei der LINKEN

Da wäre es doch mal an der Zeit, dass der Bundeskanzler hier endlich ein Machtwort spricht. Aber nein, der selbsternannte Kanzler für bezahlbares Wohnen ist abgetaucht, wenn es um die Rechte der Mieterinnen und Mieter geht.

Genau! Richtig!

Ein Sondervermögen für Rüstung hat er hier an dieser Stelle par ordre du mufti eingeführt. Wie wäre es jetzt mit einem Sondervermögen für bezahlbares Wohnen?

Widerspruchbei der FDP

Das fordert der Mieterbund; das fordern die Gewerkschaften, und das fordern auch wir als Linke.

Beifallbei der LINKEN

Das ist ja merkwürdig, dass ihr mittlerweile für Sondervermögen seid!

Das Beste wäre aus meiner Sicht auch ein gesetzlicher Mietenstopp und ein Verbot von Indexmietverträgen.

Die Enteignung haben Sie vergessen!

Das wäre das schnellste und wirkungsvollste Mittel im Kampf gegen Mietenanstieg; das ist doch völlig logisch.

Beifallbei der LINKEN

Fordern Sie doch wenigstens richtige Enteignung!

Zu guter Letzt: Ihr Mitleid, dass Ihre Freunde von Vonovia keine neuen Wohnungen bauen. Also, ganz ehrlich: Mein Mitleid hält sich da in Grenzen.

Mein Mitleid gilt nicht Vonovia, sondern den Mieterinnen und Mietern, die keine Wohnungen bekommen!

Zurufder Abg. Carina Konrad [FDP]

Denn die wenigen verbleibenden Grundstücke, die es in den Großstädten noch gibt, brauchen wir für den Neubau durch Kommunen und für den Neubau durch Genossenschaften. Das wäre die richtige Richtung.

Beifallbei der LINKEN
Zurufdes Abg. Lars Lindemann [FDP]

Und, wissen Sie: Die SPD in Berlin ist doch nicht dafür zu kritisieren, dass sich die SPD-Basis für die Vergesellschaftung ausgesprochen hat. Ich würde sie dafür kritisieren – sorry –, dass Giffey und Geisel die Umsetzung dieses Volksbegehrens bis heute blockieren.

Sehnsucht nach der DDR!

Das ist falsch.

Das Beste wäre tatsächlich, wenn das umgesetzt würde, was 60 Prozent der Berliner/-innen in einer demokratischen Entscheidung gefordert haben:

Widerspruchbei der CDU/CSU

Deutsche Wohnen & Co müssen vergesellschaftet werden. Das Wohnopoly muss beendet werden.

Beifallbei der LINKEN

Schön die Werbung fürs eigene Buch noch gemacht am Ende! Das musste ja wieder sein!

Für die FDP-Fraktion hat das Wort der Kollege Christoph Meyer.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
20 Vermerkeca. 1.027 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, wir sind uns in der Analyse recht schnell einig: Bauen in Deutschland – teuer, langsam, bürokratisch. Das Ergebnis ist, dass zu wenig neuer Wohnraum geschaffen wird. Und wenn wie im letzten und in diesem Jahr Preissteigerungen, Fachkräftemangel, Zinsumfeld dazukommen, dann schaffen wir es natürlich nicht, die gesetzten Ziele im Neubaubereich zu erfüllen. Ich glaube, das ist selbstverständlich, und da muss man sich ehrlich machen.

Aber das, was die Union hier treibt, ist natürlich schon schwierig. Die Vorrednerinnen und Vorredner haben es gesagt: 16 Jahre CDU-Verantwortung. Horst Seehofer hat in seinen vier Jahren als Bauminister 300 000 Wohnungen zu wenig gebaut. Das ist die Erblast der Großen Koalition; an der arbeiten wir jetzt als Ampel gemeinsam.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Anja Liebert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn man sich anguckt, was Sie ansonsten auf den Weg gebracht haben, dann ist das, was Ministerin Geywitz gesagt hat, natürlich richtig. Wir müssen die gesamte Produktionskette, die gesamte Wertschöpfungskette im Baubereich modernisieren; „Digitalisierung“ ist da das Schlagwort. Ich glaube, hier gehen wir als Ampel genau den richtigen Weg.

Und, Herr Luczak, das muss man schon bringen: eine Aktuelle Stunde hier zu beantragen, aber keinen einzigen eigenen Vorschlag zu machen, wie es schneller, wie es besser, wie es günstiger geht.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Vorschläge liegen schriftlich auf dem Tisch!

Wenn das die Oppositionsarbeit von Ihnen ist, dann muss man sich wirklich fragen, wie lange Sie dieses Spiel eigentlich weiter treiben wollen und ab wann die Bürgerinnen und Bürger draußen merken, dass Sie hier ein sehr unredliches Spiel spielen.

Zurufdes Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Genauso ist es aber auch, wenn ich mir anhöre, was SPD, Grüne und Linke hier in den letzten Tagen formuliert haben: Angriffe auf Justizminister Buschmann. Herr Buschmann hat korrekterweise vor allem auf ein Problem hingewiesen, um das wir hier die ganze Zeit kreisen: Es wird zu wenig gebaut.

Beifallbei der FDP

Das, was wir als Ampel machen müssen, was wir als Bundespolitik machen müssen, ist, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und Rahmenbedingungen für mehr Bautätigkeit zu schaffen.

So ist das!

Und vor allem müssen Länder und Kommunen endlich ihre Hausaufgaben machen: Beschleunigung bei Planungs- und Genehmigungsverfahren und vor allem Ausweisen von deutlich mehr Bauland.

Der durchschnittliche Baulandkaufwert bei Städten mit über 500 000 Einwohnern ist in den letzten 15 Jahren um 400 Prozent gestiegen. Das ist der Kostentreiber Nummer eins; das verhindert vor allem entsprechend günstige Mieten. Da müssen wir uns ehrlich machen. Da sind Länder und Kommunen beteiligt, und das gilt vor allem für Länder, in denen – auch das gehört zur Wahrheit dazu – SPD und Grüne in der Gestaltungsverantwortung sind.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Deregulieren, digitalisieren, vereinfachen und im Ergebnis die Gestehungskosten senken – damit wird Frau Geywitz dann auch 400 000 Wohnungen im Jahr ermöglichen. Die Ministerin war in ihrer Rede auf dem richtigen Weg.

Beifallbei Abgeordneten der FDP
Zurufdes Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Wer günstig und viel baut, sorgt für niedrige Mieten und niedrige Kaufpreise. Das muss gleichzeitig eine Absage an den Vollkaskostaat sein. Schluss mit Staatsgläubigkeit! Privates Kapital, private Bauträger, Kleinvermieter aktivieren und Wohnungsbaukonzerne und mehr Wohneigentum nicht als Problem, wie wir es heute auch wieder gehört haben, sondern als Teil der Lösung akzeptieren!

Beifallbei der FDP

Das ist das Gebot der Stunde.

Dass hier zwei meiner Vorrednerinnen auf Berlin hingewiesen haben, ist natürlich ein Treppenwitz. Berlin ist das Sinnbild für gescheiterte linke Baupolitik:

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU
Zurufevon der FDP und der CDU/CSU: Bravo!

einseitig auf den Staat gesetzt, die Verfassung mit Füßen getreten, Mietendeckel, Enteignungsspinnereien, keine einzige neue Wohnung geschaffen,

Beifallbei der FDP

Sie haben nur Angst, dass Sie nicht reinkommen!

Weigerung, alle Stellschrauben zu nutzen, Brachflächen zu erschließen oder konsequent nachzuverdichten.

Die Ampel lebt!

Vor allem haben in den letzten Jahren auf Landesebene, auf Bezirksebene hier in Berlin linke und grüne Stadträte Tausende von Wohnungen sabotiert, weil es nicht von staatlicher Seite initiiert war, sondern von Privaten, die planen wollten, hier aber nicht zum Zuge kamen.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU

Der neueste grüne Wahnwitz – das klang ja hier auch schon ein wenig an –

Vermieterführerschein!

der Faire-Vermieter-Führerschein. Wir wollen 250 000 Wohnungen in dieser Stadt ermöglichen. Wer soll die eigentlich bauen? Wer soll sich das in dieser Stadt eigentlich antun, wenn das alles ist, was SPD, Linke und Grüne hier in der Stadt zuwege bringen?

Zurufdes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

Das Ergebnis ist eine asoziale Politik, weil sie immer auf Kosten der Schwächsten in unserer Gesellschaft ausgeführt werden wird.

Beifallbei der FDP

Deswegen wäre es schön, wenn Sie in sich gehen und wenn am 12. Februar ein Politikwechsel in der Stadt erfolgt.

Aber die Berliner CDU, die hier eben geklatscht hat – das kann ich euch nicht ersparen –, ist nicht besser. Mietenkataster, Verbot von Indexmieten, Wohnberechtigungsschein bis 4 500 Euro netto im Monat, –

Kommen Sie bitte zum Schluss, Herr Kollege.

Rednerwechsel

– Prüfauftrag für Zwangstausch von Wohnungen, gravierende Kündigungsbeschränkungen

Ist auch gut jetzt!

und jetzt Vonovia mit einem Baugebot belegen wollen – das ist nicht die Linkspartei; das ist die Berliner CDU. Und so geht es halt auch nicht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Sehr selektiv wahrgenommen!

Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.

Rednerwechsel

Die CDU wird am Sonntag die Wahl vielleicht gewinnen. Aber um wirklich einen Politikwechsel zu ermöglichen, braucht ihr eine starke FDP an eurer Seite,

Lachenbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

sonst wird es schnell skurril und abwegig.

Herr Kollege,

Es ist jetzt gut!

Sie haben die Zeit weit überschritten.

Rednerwechsel

Na ja, so weit noch nicht. Aber ich – –

Heiterkeitund Beifall bei der FDP
Porträt von Anne König
Foto: Anne König/Anja Tiwisina
2 Vermerkeca. 737 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Eines der drängendsten Probleme unseres Landes ist der Wohnungsmangel. Er ist längst nicht mehr nur ein Problem unserer Großstädte. Verschiedene Ursachen, und dazu gehören auch Rekordzahlen an zugewanderten Flüchtlingen im letzten Jahr, haben in Stadt und Land vielerorts die Wohnungen knapp werden lassen. Nun hätte man glauben können, die Bundesregierung hat sich auf diese Entwicklung zumindest einigermaßen vorbereitet; denn – wir erinnern uns – der Bau von mehr Wohnungen war ja eines der zentralen Wahlversprechen der SPD. Und im Koalitionsvertrag heißt es, dass Sie 400 000 Wohnungen bauen wollen, und zwar jährlich. So hat auch der Bundeskanzler noch vor Kurzem gesagt – O‑Ton des Bundeskanzlers –: Das alles ist kein Hexenwerk. Wir müssen es einfach nur wollen. – Wenn wir den Kanzler beim Wort nehmen, gibt es also nur eine Schlussfolgerung: Der Ampel fehlt offenbar der politische Wille, mehr Wohnungen zu bauen. Das ist Ihr gutes Recht; aber dann behaupten Sie auch nicht ständig das Gegenteil.

Die Menschen in unserem Land haben schon längst gemerkt, dass die Ampelregierung es schlichtweg nicht kann. Sie ist – allen voran Frau Geywitz, die es in Teilen ja auch schon selbst eingeräumt hat – katastrophal gescheitert. Viele Maßnahmen wurden von der Ampelregierung im letzten Jahr angekündigt; doch statt Wohnungen zu bauen, haben sich seit November die beiden größten Wohnungsunternehmen Deutschlands komplett aus dem Neubau verabschiedet. Statt Wohnungen zu bauen, werden reihenweise Projekte auf Eis gelegt und Baugrundstücke zurückgegeben. Statt Wohnungsbau herrscht zunehmend Stillstand.

Bezahlbares Wohnen ist aber eine der zentralen sozialen Fragen. Nichts treibt den Mietpreis so wie die Wohnungsknappheit. Aktuell fehlen schon mindestens 700 000 Wohnungen. Das hat eine Fülle direkter und indirekter Auswirkungen. Was glauben Sie zum Beispiel, wie viele begehrte Fachkräfte zu uns kommen wollen, wenn sie keinen Wohnraum finden, wenn sie sich nicht sicher sein können, hier ein Zuhause zu finden? Darum kann man es aufgrund der Jahreszeit eigentlich nur als einen üblen Karnevalsscherz verstehen, dass die Teilzeitbundesinnenministerin die Bundesbauministerin zu ihrem Migrationsgipfel einlädt.

Einer der Gründe, warum so wenig gebaut wird, ist doch der von der Ampel geschaffene Förderdschungel. Er ist nicht nur undurchdringlich, weil die Anforderungen einfach zu hoch sind; er hat vor allem denjenigen, die durch ihn durchkommen, kaum etwas zu bieten. Klimafreundlichkeit wird zum Beispiel nur noch mit 1 Milliarde Euro und nur noch bei Gebäuden mit EH40-Standard gefördert. Der EH40-Standard verursacht im Vergleich zum EH55-Standard etwa 25 000 Euro Mehrkosten. Wenn diesen dann nur ein magerer zinsgünstiger Kredit gegenübergestellt wird, dann motiviert das niemanden mehr zum Bauen.

Auch die zukünftige Neubauförderung für Familien – Sie haben richtig gehört; aktuell gibt es sie ja immer noch nicht – setzt EH40 als Standard voraus. Das Haushaltseinkommen darf für eine Förderung nach diesem Programm aber nur maximal 60 000 Euro plus 10 000 Euro je Kind betragen. Das sind fast schon zynische Vorgaben. Wie soll sich denn eine Familie mit kleinem Einkommen so etwas leisten können? Das werden viele einfach nicht machen. Vermutlich glaubt die Ampel auch selbst nicht daran. Andernfalls wäre das Fördervolumen wohl viel größer ausgefallen. Für dieses KfW-Programm stehen lediglich 350 Millionen Euro im Jahr bereit. Noch dazu wird die Förderung frühestens am 1. Juni 2023 in Kraft treten. Bis dahin haben die galoppierenden Preise alle Zinsvorteile aufgefressen.

So darf es nicht weitergehen. In dieser Situation müssen die bekannten und offensichtlichen Probleme – hohe Preise, hohe Zinsen und Fachkräftemangel – mit einer klaren und umsetzbaren Strategie angegangen werden. Wir brauchen deshalb eine Offensive für den Wohnungsbau ohne ideologische Scheuklappen. Wir schlagen Ihnen daher heute nochmals eine einfache Formel vor: Wer fordert, muss auch fördern. Wir müssen erstens zurück zu machbaren Anforderungen, zweitens zu auskömmlichen Zuschüssen und drittens zu einem höheren Fördervolumen insgesamt.

Die Dekarbonisierung muss ja gerade im Wohnungsbau erfolgreich sein. Fast 40 Prozent unserer Klimagase entstehen genau hier. Dem Klimaschutzziel wird die Ampelregierung mit ihrer Förderung aber in keiner Weise gerecht. Wenn Sie es ernst meinen, dann müssen Planungs-, Produktions- und Installationskapazitäten für Energiesparmaßnahmen stärker gefördert werden, damit es eben nicht zu Engpässen im Angebot und damit zu weiteren Preissteigerungen kommt.

Den Familien, den Bauherren, aber letztlich auch den Klimazielen im Bau läuft die Zeit weg. Tun Sie etwas, und tun Sie es jetzt; denn – noch einmal –: Wer fordert, muss auch fördern.

Beifallbei der CDU/CSU

Nächster Redner ist für die SPD-Fraktion Bernhard Daldrup.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Christoph Meyer [FDP]
17 Vermerkeca. 1.080 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jan-Marco Luczak ist berechenbar. Ich wusste genau, dass die Platte kommt: Vonovia stellt alles ein! – Von den anderen habe ich auch nichts anders erwartet.

Das Rednerpult geht immer weiter runter; das sollte jetzt aufhören.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Ein Vorbote des Niveaus, das gleich kommt!

– Ich werde mich auf Ihrer Ebene bewegen,

Heiterkeitbei der SPD

mit einem Unterschied allerdings. Wissen Sie, was ich gemacht habe? Ich habe gestern einfach mal bei Rolf Buch angerufen und gefragt: Wie sieht es bei euch aus? Macht ihr jetzt plötzlich einen totalen Stopp oder so? – Da hat er gesagt: Nein, das stimmt überhaupt nicht. – Dann habe ich gesagt: Gut, dann sag mal, was Sache ist. – Deswegen kann ich jetzt den Freunden der Untergangsstimmung mitteilen: Projektfertigstellungen bei Vonovia in 2023: 634 Einheiten; mehr machen die gar nicht. Projektfertigstellungen in 2024: 1 572 Einheiten. Inklusive der Projektfertigstellungen in 2024 werden 2024 3 458 Einheiten in Bau sein.

In Berlin!

– In Berlin. Wir reden nur von Berlin, wohlgemerkt, nicht von Deutschland oder so.

Das, was gegenwärtig überlegt wird, also geplante Einheiten nicht mehr zu realisieren, bezieht sich auf die Jahre 2025 folgende und umfasst eine Größenordnung von 7 000 Einheiten.

Ich gebe zu – ich will das überhaupt nicht kleinreden; im Gegenteil –, dass wir ein Problem auf dem Wohnungsmarkt haben; aber eure Lust am Untergang teile ich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht, und sie wird immer wieder am Beispiel dieser Stadt realisiert. Ich komme aus dem Münsterland. Mir geht es wahrscheinlich wie Friedrich Merz: Wenn ich nach Berlin komme, dann komme ich in eine spannende, in eine wirklich moderne, in eine weltoffene Metropole.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Und bald auch eine gut regierte Metropole!

Das ist richtig toll hier. Diese Stadt hat mit dem düsteren Bild, das Sie immer von dieser Stadt zeichnen, wenig zu tun. Berlin steht seit vielen Jahren unter sozialdemokratischer Führung. Von wegen, Giffey hat es nicht im Griff: Sie haben keinen Einblick in die Dinge; von daher kommt die unterschiedliche Wahrnehmung.

Beifallbei der SPD

Wenn man mit dem Fahrrad durch diese Stadt fährt – ich weiß nicht, ob Sie, Herr Luczak, und andere das mal machen –,

Zurufdes Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

dann sieht man: Es wird viel gebaut. Es wird, gemessen an der Bevölkerungszahl, nicht weniger, sondern genauso viel gebaut wie in anderen großen Städten – nur Hamburg, Frau Präsidentin, liegt noch davor.

Zurufdes Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

– Unter Weltmeister machst du es nicht, ne? Ist schon klar. – Ich kann da übrigens mal einen kleinen Tipp als Wahlkämpfer geben: Pessimisten werden nicht gewählt. Warum auch?

Also, auch Horst Seehofer hatte das Problem beim Wohnungsbau schon erkannt. Aber unter Horst Seehofer hat sich eine Abteilung damit beschäftigt. Wir haben als erste Maßnahme daraus ein Ministerium gemacht – übrigens maßgeblich der Kanzler, Caren Lay –, und dieses Ministerium hat eine ausgesprochen engagierte Ministerin,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

deren Arbeit sich nicht in der Formel „mehr Geld“ erschöpft. Mehr Geld hilft zwar auch – so ist es nicht –, nur alleine eben nicht; dahinter müssen Konzepte stehen.

Zweitens: sozialer Wohnungsbau. Das Fördervolumen wurde auf 14,5 Milliarden Euro verdreifacht. Der soziale Wohnungsbau ist eines der Kernprobleme. Mit dieser Förderung und den Mitteln der Länder kann man die 100 000 neuen Wohnungen im sozialen Wohnungsbau tatsächlich erreichen. Das werden Sie sehen.

Drittens. Bauen alleine reicht nicht. Die Welt hat sich verändert.

Zurufder Abg. Caren Lay [DIE LINKE]

Wir sind von den Gedanken her manchmal eben näher bei den Menschen als bei den Immobilienunternehmen. Deswegen haben wir uns das Wohngeld angeguckt. Jetzt erhalten 3 Millionen Haushalte Wohngeld. Das hat eine Menge Geld gekostet; aber es war richtig, das zu machen.

Viertens haben wir die Eigentumsförderung verändert.

Faktisch abgeschafft!

Bei steigenden Zinsen setzen wir auf Zinssenkung. Wir haben die Abschreibungsmöglichkeiten der Wirtschaft deutlich verbessert, inklusive einer Sonder-AfA. Dafür habe ich mich selber eingesetzt; ich weiß schon, was da Sache ist.

Fünftens. Gemeinsam sind wir stark. Deshalb gibt es das Bündnis für bezahlbares Wohnen. Kollege Meyer, Sie haben Mietenpolitik in Berlin und die Bodenpreise angesprochen – alles in Ordnung. Dann lasst uns das mit dem Vorkaufsrecht aber schnell regeln! Dann haben wir da eine Regelung gefunden. Das wäre gut.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Christoph Meyer [FDP]

Sechstens. Neue Formen des Bauens und Wohnens werden vielfältig angesprochen, von der Förderung des Genossenschaftsbaus über „Jung kauft Alt“, über beispielsweise altersgerechten Umbau, mehr Effizienz, digitales Bauen bis hin zu modularem und seriellem Bauen. Das alles ist auf dem Weg.

Wir haben uns das in Berlin angeguckt. Wir waren bei dem Unternehmen, das den Luisenblock gebaut hat, und haben gesehen, wie die in kurzer Zeit, in wenigen Wochen, Kitas und Schulen in Berlin bauen. Berlin ist übrigens die Stadt, in der wie in keiner anderen Holzbau betrieben und unterstützt wird. Alles das muss man wahrnehmen.

Letzter Punkt: Mietrecht.

Tief durchatmen!

Wenn Sie jetzt die soziale Seite entdecken – ich weiß, wie die Bremser beim letzten Mal hießen –, empfehle ich Ihnen: Stellen Sie die Anträge zur Stärkung der Mietpreisbremse, zur Senkung der Kappungsgrenze, zur Stärkung des Vorkaufsrechts! Machen Sie von der Union das doch alles, und verbieten Sie die Indexmieten, wie Kai Wegner, mein Kollege aus der letzten Legislaturperiode, es will!

Letzte Bemerkung. – Ich sehe, es blinkt.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Kevin Kühnert [SPD] und Carina Konrad [FDP]

– Das ist ein Wink der Präsidentin, von daher keine Kommentare. – Wenn Sie über Städte reden, denken Sie daran: Es geht bei der Städtebauförderung auch um die Lebensumwelt – und das ist ein wichtiger Gesichtspunkt-, beispielsweise um beitragsfreie Kitas; denn es geht um die Zukunft, und die Zukunft unserer Gesellschaft geht jeden Morgen durch die Türen unserer Kitas. Daran sollten Sie denken.

Danke schön.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Es ist schon ein gewaltiger Vorteil, wenn man das Blinken auch wahrnimmt.

Wir haben es von hier aus gesehen!

Dann noch die Umsetzung, und alles ist super. – Jetzt kommt für Bündnis 90/Die Grünen Kassem Taher Saleh.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Kassem Taher Saleh
Foto: Kassem Taher Saleh/ Stefan Kaminski
13 Vermerkeca. 727 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir haben in den letzten Minuten bereits einige Lösungsvorschläge gehört, wie man diese Krise auf dem Wohnungsmarkt vermeintlich angehen kann: Die AfD zeigt sich wie gewohnt rassistisch. Die Union erkennt nicht, dass sie das Problem mitverursacht hat. – Damit kommen wir nicht zum Ziel.

Wir müssen zunächst einmal festhalten – das gilt auch für Sie, Herr Meyer; nur weil Sie und die FDP Angst haben, am Sonntag nicht in das Abgeordnetenhaus wiedergewählt zu werden,

Zu Recht! Zu Recht!

müssen Sie die Debatte hier im Deutschen Bundestag nicht ausnutzen und dazu verwenden, um daraus eine Wahlkampfveranstaltung zu machen –:

Neubau führt nicht automatisch zu mehr bezahlbarem Wohnraum; bestes Beispiel sind Frankfurt oder München. Die Mietpreise sind in den letzten Jahren explodiert, und gleichzeitig haben wir einen nie dagewesenen Neubauboom erlebt. Nach der Logik der Wohnungswirtschaft hätte sich hier ein Effekt hin zu mehr bezahlbarem Wohnraum einstellen müssen. Das Gegenteil war der Fall.

Deshalb braucht es, wie auch von meiner Kollegin Hanna Steinmüller angekündigt, jetzt kurzfristig Mietregulierungen; gleichzeitig aber brauchen wir langfristig eine Umbauoffensive, um den Weg aus der Wohnungskrise heraus zu finden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Stephan Thomae [FDP]

Zur Überbrückung sollten wir uns auf das serielle Bauen konzentrieren, wie die Frau Bauministerin ebenfalls bei ihrer Eingangsrede angedeutet hat, auf den modernen Plattenbau. Das schlechte Image der Platte wird ihr nämlich nicht gerecht. Der Plattenbau – das will ich noch mal betonen – hat damals in Ostdeutschland für schnell verfügbaren Wohnraum gesorgt. Klar, mit einigen Macken, ohne Frage. Aber mittlerweile haben wir dazugelernt. Die Platte von heute ist ästhetisch, ökologisch und rückbaubar.

Unglaublich!

Doch selbst der Neubau einer Platte 2.0 ist nur dann die richtige Option, wenn Baulücken gefüllt werden müssen oder jegliches Potential für Bestandsentwicklung ausgeschöpft ist. Und an diesem Punkt sind unsere Städte noch lange nicht.

Zurufdes Abg. Enak Ferlemann [CDU/CSU]

– Hören Sie zu! – Alleine durch Umnutzung und Aufstockung können im Bestand rund 2,5 Millionen Wohnungen mobilisiert werden

Das werden ja immer mehr!

oder, besser gesagt bzw. verständlicher für Sie, liebe Union, sechs Jahre lang 400 000 neue Wohnungen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Bernhard Daldrup [SPD]

Diese Umbaupotenziale zu nutzen, ist eine riesige Aufgabe; also müssen wir sie auch zügig anpacken. Denn Umbau schützt das Klima, vermeidet Abfall und schont wertvolle Ressourcen. Wie kann es denn sein, dass in Deutschland noch immer jedes Jahr mehrere Tausend Gebäude abgerissen werden, obwohl man in den allermeisten Fällen super umbauen könnte?

Wir müssen mehr Anreize beim Bauen im Bestand schaffen, gleichzeitig aber den sinnlosen Abriss von Gebäuden einschränken.

Dann machen Sie es doch!

Bei der Gebäudeförderung ist der erste Schritt dafür schon getan: Der Großteil der Fördergelder fließt dieses Jahr in den Bestand. Um weitere Anreize zu schaffen, liegt ein großer Hebel bei den Ländern. Dazu brauchen wir zum Beispiel verpflichtende Abrissgenehmigungen und eine Differenzierung zwischen Bestand und Neubau in den Landesbauordnungen.

Liebe Union – Herr Friedrich Merz, schön dass Sie auch zur Debatte gekommen sind –,

Zurufdes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

ein Drittel der Länder werden von Schwarz regiert; sie haben schwarz geführte Bauministerien, unter anderem das Vorsitzland der Bauminister/-innenkonferenz, Baden-Württemberg.

Zurufdes Abg. Enak Ferlemann [CDU/CSU]

Jetzt haben Sie die Möglichkeit, die seit 16 Jahren verfehlte Bau- und Wohnungspolitik ein Stück weit wiedergutzumachen. Nutzen Sie sie!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD]

Meine Damen und Herren, uns bleibt nichts anderes übrig, als die aktuellen Krisen zusammenzudenken. Der Blick auf die Nebenkostenabrechnungen zeigt uns die Verbindung zwischen der Wohnungs- und der Klimakrise eindeutig auf. Wenn wir nicht wollen, dass weiter junge Familien, Seniorinnen und Senioren, Menschen mit niedrigen Einkommen nach jahrzehntelangem Aufenthalt aus ihren Stadtteilen verdrängt werden, dann brauchen wir jetzt Mietregulierung und eine Umbauoffensive.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Manfred Todtenhausen [FDP]

Nächste Rednerin ist für die FDP-Fraktion Carina Konrad.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
10 Vermerkeca. 895 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das ist ja eine emotionale Debatte, und es geht hier auch um was. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch über das Thema reden, wie wir ausreichend Wohnraum für 84 Millionen Menschen in Deutschland bereitstellen können und wie mehr Menschen ihren Traum vom eigenen Haus oder von der eigenen Wohnung wahr machen können. Darum geht es doch hier.

Die Herausforderungen sind enorm – das wurde ja gesagt –: Die Baukosten explodieren, es gibt Engpässe beim Material, es fehlen Arbeitskräfte, und die Zinssteigerungen machen gerade jungen Leuten die Umsetzung des Traums vom eigenen Haus, von der eigenen Wohnung schwer.

Aktuell werden Bauprojekte storniert, und Sie, Herr Luczak, haben ja zu Recht auf das Problem hingewiesen, dass Vonovia angekündigt hat, in diesem Jahr keine einzige Wohnung mehr hier zu bauen und fertigzustellen.

Aber das stimmt doch gar nicht! Herr Daldrup hat das doch widerlegt!

Das stimmt gar nicht!

Das ist ein überdeutliches Alarmsignal, wenn man gleichzeitig weiß, dass gerade hier in der Hauptstadt die Leerstandsquote bei nur 0,8 Prozent liegt. Da muss man handeln; und die Antwort auf die Frage, wie wir mehr Wohnraum schaffen, die lautet, meine Damen und Herren: bauen, bauen, bauen.

Beifallbei der FDP

Erklären Sie das mal Ihren Koalitionspartnern!

Dass jetzt ausgerechnet der Generalsekretär der CDU hier in Berlin überlegt, Vonovia im Zweifel zu zwingen, zur Not mit rechtlichen Mitteln, neue Bauprojekte anzugehen, überrascht mich dann aber schon. Wenn das die Lösung der Union sein soll, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern, dann braucht es die Linken in Zukunft nicht mehr. So viel ist klar.

Beifallbei der FDP
Zurufder Abg. Andrea Lindholz [CDU/CSU]

Da frage ich mich: Welchen Beitrag soll denn dieser Vorstoß, sollen diese Ideen denn leisten, um wirklich mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zur Verfügung zu stellen? Denn Zwang zum Bau senkt nicht die Baukosten und schafft deshalb auch nicht mehr bezahlbaren Wohnraum. Die Bauministerin hat eben zu Recht auf die historischen Fehler hingewiesen, die in der Vergangenheit passiert sind.

Als wären die aktuellen Herausforderungen nicht schon immens genug: Bauen war tatsächlich schon in der Vergangenheit sehr teuer, und der Staat war zu Unionszeiten der Baukostentreiber schlechthin. Die Anforderungen wurden immer weiter verschärft, und die Subventionen, die Sie auch heute noch hier pauschal propagieren, haben Mitnahmeeffekte erzeugt, die die Kosten noch weiter getrieben haben. Bauen wurde teurer und teurer, und die einzige Antwort darauf, die Sie heute hier genannt haben, waren neue Subventionen. Das kann es ja wohl wirklich nicht sein.

Beifallbei der FDP
Zurufder Abg. Andrea Lindholz [CDU/CSU]

Die Eigentumsförderung ist zentrales Element, um Altersarmut und Vermögensungleichheit zu verhindern, und auch, um die sozialen Gefüge insgesamt zu stärken. Deshalb stärken wir auch den Neubau. Dazu haben wir mit zinsverbilligten Krediten im Rahmen des BEG die Voraussetzungen geschaffen. Aber es ist auch wichtig, in die Zukunft zu schauen und zu gucken, dass gerade junge Menschen den Weg ins Eigenheim finden und ihnen auf dem Weg dahin nicht die Puste ausgeht.

Zurufder Abg. Andrea Lindholz [CDU/CSU]

Frau Geywitz, deshalb bin ich froh, dass Sie die Vorschläge, die wir gemacht haben, hier eben auch in Ihrer Rede erwähnt haben.

Wir brauchen einen wirklichen Baubooster für unser Land. Wir müssen mehr bauen, wir müssen schneller bauen, und wir müssen vor allen Dingen günstiger bauen. Deshalb müssen wir uns schon die Frage stellen, ob jede Verordnung, jede Vorschrift wirklich noch zeitgemäß ist.

Beifallbei der FDP

Etwas, was die Baukosten erhöht, darf jetzt nicht mehr kommen. Wir brauchen ein Moratorium für die Baukosten.

Wir schlagen außerdem vor, eine grundlegende Reform auch des Gebäudeenergiegesetzes zu machen. Wir müssen mal an die Frage ran, wie wir Emissionseffizienz erreichen.

Energieeffizienz meinen Sie, oder?

Die Antwort darauf sind Technologieoffenheit und Wirtschaftlichkeit, meine Damen und Herren.

Wir haben außerdem auch konkrete Vorschläge dafür gemacht, das Bauplanungsrecht zukunftsfähig aufzustellen; das hat mein Kollege Christoph Meyer hier eben richtig erwähnt. Wir müssen schneller neue Projekte zulassen, innovative Stadtentwicklungen und auch flexible Umnutzungen von Gebäuden ermöglichen. Nur wenn mehr gebaut wird und wenn wir insgesamt schneller werden, können wir den Menschen auch günstigeres Wohnen ermöglichen.

Planungsbeschleunigung beim Bau – das will ich hier noch sagen – ist dafür zentral. Dafür brauchen wir eine BauGB-Novelle, und zwar flott. Die Lage drängt. Wir müssen hier mehr machen. Frau Geywitz, lassen Sie uns dazu ins Machen kommen. Wir brauchen mehr Raum für Innovation; das ist ein Anliegen von uns Freien Demokraten. Wir schlagen vor, eine Gebäudeklasse E vorzuhalten – „E“ wie experimentieren –, damit unter Einhaltung von Mindestanforderungen und einer Qualitätssicherung auch mal normenreduziert geplant und gebaut werden kann,

Beifallbei der FDP

mit einer Fast Lane für klimaschützende Technologien und Baustoffe. Hier sind auch mal die Länder gefragt, ein bisschen mehr Fortschritt zu wagen.

Ich bin nicht pessimistisch. Ich bin optimistisch, dass man diese Herausforderungen meistern kann, dass man einen Booster im Bau hervorrufen kann, wenn man sich den Anforderungen stellt, die diese Zeitenwende für uns bringt. Dann ist schnelles Bauen auch für mehr Menschen möglich, und das führt zu bezahlbarem Wohnraum für mehr Menschen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Bernhard Daldrup [SPD]

Nächster Redner ist für die CDU/CSU-Fraktion Ulrich Lange.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
21 Vermerkeca. 851 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, wir haben uns gefreut, dass Sie, Frau Geywitz, Edi Oswald nachfolgen konnten. Damit war die Freude aber auch zu Ende. Wir haben damals festgestellt, dass es Ausbesserungsarbeiten beim Bauministerium geben muss. Ihnen fehlt weiter die Kompetenz, die 400 000 Wohnungen als Ziel zu erreichen. Fachkräftemangel und die Baustoffkrise waren damals schon gegeben. Keine Konzepte und dann noch die dauernde Uneinigkeit mit Ihrem Kollegen Habeck – so konnte es nichts werden.

Zurufdes Abg. Kassem Taher Saleh [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vom Ausbesserungsfall ist das Bauministerium inzwischen zum Sanierungsfall geworden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben es verhaut statt gebaut. 1,6 Millionen Wohnungen wollten Sie in dieser Periode bauen, jetzt schon 20 Prozent weniger beim sozialen Wohnungsbau als ursprünglich in den letzten zwei Jahren geplant.

Wie viele hat Markus Söder gebaut in Bayern?

Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Förderung des sozialen Wohnungsbaus ist nach einer Grundgesetzänderung erst in der letzten Wahlperiode in die Verantwortung des Bundes zurückgekehrt – für alle die, liebe Kollegin Lay, die hier anderes erzählen wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Rot-Rot hat in Berlin die Sozialwohnungen verkauft.

Sie haben zugestimmt!

Sie waren es; Sie haben Sozialdumping betrieben

Zurufeder Abg. Caren Lay [DIE LINKE] und Jörg Nürnberger [SPD]

und wollen sich jetzt zum Rächer der Enterbten machen. Das kann nicht funktionieren.

Beifallbei der CDU/CSU

300 000 Wohnungen sind in der letzten Periode unter Horst Seehofer gebaut worden.

Zurufder Abg. Marianne Schieder [SPD]

Liebe Ministerin Geywitz, Sie wären froh, wenn Sie 300 000 Wohnungen schaffen würden.

Auf Eigentumsförderung und Baukindergeld setzen wir, da Eigentum Sozial- und Familienpolitik ist, setzen wir auch weiter. Hier haben Sie sich der Förderung verweigert statt sie gesteigert. Das wäre richtig gewesen. Über 300 000 Familien mit einem Haushaltseinkommen von 45 000 Euro haben Eigentum erworben. Eigentum ist ein Wert, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es macht auch keinen Sinn, liebe Kollegin Steinmüller, Dinge auszuspielen. Es gibt am Ende auch eine Obergrenze bei Energieeffizienz. Irgendwann stehen die Kosten nicht mehr im Verhältnis zu dem, was Sie ökologisch stemmen wollen. So kommt es nicht zu bezahlbarem Wohnraum.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Folgen sind: Tausende geben ihre Kredite zurück, geben die Bauplätze auf, auf die sie jahrelang gewartet haben,

Genau so ist es!

Frust bei den jungen Familien, und die Baubranche schreit schon jetzt nach Hilfe. Was war das nur für ein klägliches Bündnis, Frau Ministerin, bei dem nichts rausgekommen ist? Und dann erdreisten Sie sich heute noch,

Zurufder Abg. Carina Konrad [FDP]

auf die Bauwirtschaft und die Bauindustrie zu schimpfen und bei dieser ihre Klage abzuladen, dass nicht gebaut würde. Frau Ministerin, das ist unredlich.

Beifallbei der CDU/CSU

Absolut! Schuld sind immer die anderen!

Es sind unsere Baufirmen, die sehr wohl innovativ, mit Vorfertigung, mit Systembau, mit neuer Technik, mit neuen Baustoffen, mit BIM junge Menschen motivieren, in die Baubranche zu kommen. Die brauchen aber Planungssicherheit. Glauben Sie, ein junger Mensch geht in die Bauindustrie, wenn er das Chaos dieser Regierung hier sieht? Ich glaube, nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Frau Ministerin, Sie haben sich selber als das Gesicht der Baukrise bezeichnet. Sie haben heute hier eindrucksvoll unterstrichen, dass Sie das Gesicht dieser Krise sind;

Zurufevon der FDP

denn die Menschen werden weiter um bezahlbaren Wohnraum Schlange stehen. Die Situation wird sich verschärfen. Liebe Kollegin Steinmüller, wenn Sie sagen, es braucht keine neue Wohnungen,

Das habe ich nicht gesagt, Herr Lange!

dann steht das diametral zu dem, was die Kollegin Geywitz gesagt hat, die 600 000 neue Wohnungen für erforderlich hält, und 200 000, 250 000 werden gebaut. Was ist denn mit dem Rest? Sollen die in Zelten schlafen oder in der guten alten Platte, oder wie stellen Sie sich das in Berlin vor?

Beifallbei der CDU/CSU

Unredlich! Unwahrheit!

Ja, Baupolitik muss Chefsache werden, liebe Kolleginnen und Kollegen; denn wir wollen dieses Haus. Wir wollen nicht, dass es heißt, dieses Haus braucht niemand. Unsere Ideen: klare Förderprogramme, liebe Kolleginnen und Kollegen der FDP; denn ohne Förderung wird es nicht funktionieren,

13 Milliarden!

Baukindergeld II, realistische Energieeffizienzstandards und dann eine Bauministerin mit Kompetenzen. Sie bleiben weiterhin eine Königin ohne Land. Das muss sich ändern; nur so wird Deutschland bauen.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Lange, am besten informieren Sie sich vorher, bevor Sie hier zur Debatte sprechen! Faktenlos!

Nächste Rednerin ist für die SPD-Fraktion Dr. Zanda Martens.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
9 Vermerkeca. 909 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Parteien! Das Thema dieser Aktuellen Stunde ist die Krise auf dem Wohnungsmarkt, und wir sprechen fast ausschließlich über den Neubau von Wohnungen. Beim Thema Wohnen nur über Bauen, Bauen, Bauen zu sprechen, ist aber eine unberechtigte Verengung der politischen Debatte.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN

Denn Tatsache ist, dass dieses „Hauptsache bauen“ nur ein kleiner Teil der Lösung für die schwierige Situation auf dem Wohnungsmarkt ist. Ich möchte uns als Gesetzgeber gerne dafür sensibilisieren, dass wir mit einem effektiven und sozialen Mietrecht viel zur Lösung des Wohnproblems beitragen können. Unterschätzen wir das Mietrecht nicht, es wirkt unmittelbar auf den Wohnungsmarkt.

Wir haben im Koalitionsvertrag einige wichtige Maßnahmen zur Stärkung des sozialen Mietrechts vereinbart, und ich freue mich schon sehr auf einen umfassenden Gesetzentwurf, mit dem wir sie umsetzen können. Ihre Bilanz, liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, besteht hingegen nur aus juristischen Angriffen auf mutige Initiativen wie den Berliner Mietendeckel

Verfassungswidrige Initiativen! Das spottet ja wirklich Hohn!

oder auch verbalen Attacken, bei denen Sie jeden mietpreisdämpfenden Vorschlag als Regulierungswut verhöhnen. Vorkaufsrecht: kontraproduktiv und kostspielig. Umwandlungsverbot von Miet- in Eigentumswohnungen: unnötig und bürokratisch. Verschärftes Vorgehen gegen Mietwucher: angebliche Kriminalisierung von Kleinvermietern.

Und dann das Argument, soziales Mietrecht schaffe keine einzige neue Wohnung: Stimmt. Aber unsoziales Mietrecht tut es auch nicht. Natürlich brauchen wir viel mehr, vor allem sozialen Wohnungsbau. Aber wir dürfen nicht abwarten, bis so viele Wohnungen gebaut sind, dass die Mieten nach Marktlogik wieder sinken. Wenn wir sehen, dass die Marktgesetze so viele Mieter/-innen ins Verderben zu stürzen drohen, dann müssen wir mit unseren Gesetzen in diesen Markt eingreifen. Dann müssen wir eben auch bei knappem Angebot den Mietmarkt so regeln, dass jeder Mensch in diesem Land ein Zuhause hat, das er oder sie sich leisten kann.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ja, das funktioniert aber nicht! Man kann noch so viel regulieren, wenn es zu wenige Wohnungen gibt!

Nun, man könnte fast schon meinen, wir hätten die Union dabei auf unserer Seite, wenn man ein Positionspapier der Berliner CDU vom letzten Jahr liest, in dem wesentliche Forderungen von SPD, Grünen und sogar der Linken übernommen wurden. Das Positionspapier enthält nämlich ein klares Bekenntnis zum Verbot von Indexmieten.

Als aber Die Linke im November letzten Jahres genau das in einem Antrag hier gefordert hat, haben Sie ihn nicht nur abgelehnt, sondern wieder einmal und wenig originell das Gespenst des Sozialismus aus der Mottenkiste geholt.

Zurufdes Abg. Bernhard Daldrup [SPD]

Bestürzend ist die wahlkampftaktische Offensichtlichkeit, die Sie auch zur Einberufung dieser Aktuellen Stunde getrieben hat. Halten Sie die Millionen Mieterinnen und Mieter in diesem Land für so dumm? Glauben Sie wirklich, die Wählerinnen und Wähler in Berlin durchschauen ein derart billiges Manöver nicht?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Wie Ihre Enteignungsdebatte!

Dabei müssen wir in der Tat bei Indexmieten nicht nur dringend, sondern auch kurzfristig handeln; denn eine Miete, die heute erhöht wird, bleibt hoch und wird nicht wieder gesenkt. Mit jedem Tag steigt also die Anzahl der Mieter/-innen, denen die Indexmiete das finanzielle Genick bricht, so wie sie jetzt geregelt ist und mit der Inflation steigt.

Dieser brachiale Ausdruck – Mietsteigerung als „Genickbruch“ – stammt nicht von mir. Ich habe vor Kurzem in Düsseldorf in meinem Wahlkreis einen kleinen, nicht repräsentativen Aufruf gestartet und Betroffene nach ihren Erfahrungen mit Indexmieten befragt. Ich erhielt in kürzester Zeit viele Rückmeldungen. Ganze Wohnkomplexe sind betroffen. Auch der preisgedämpfte, also günstigere Wohnraum ist von Indexmieten betroffen. Betroffen sind viele: von C4-Professoren bis zur alleinerziehenden Verkäuferin. Ein Betroffener war Ruben, der kurz vor Weihnachten eine Mieterhöhung von 15 Prozent geschenkt bekam und jetzt für seine 44-Quadratmeter-Wohnung 600 Euro Miete zahlt. Er war bereit, mit seinem Namen und Gesicht auch in der medialen Öffentlichkeit zu erscheinen, und hat damit gezeigt: Es sind reale Menschen mit ihren realen Schicksalen und keine Hirngespinste.

Der Deutsche Mieterbund hat hier natürlich eine viel seriösere Datenlage zu bieten und hat vor Kurzem auch objektiv belegt, wie stark die Indexmieten durchschnittlich steigen und wie beliebt sie unter Vermieterinnen und Vermietern gerade bei neu abgeschlossenen Mietverträgen sind. Ich hoffe, dass der Bundesjustizminister solch eine akute Problemsituation mit Indexmieten angehen wird, nachdem sein Ministerium doch gerade diese aktuellen Zahlen eingeholt hat.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, insbesondere der Berliner CDU, ich freue mich darüber, dass Sie zumindest auf dem Papier erkannt haben, dass ein verängstigtes Festklammern am Mantra „Bauen, Bauen, Bauen“ nicht ausreichend ist. Wenn Ihnen wirklich das Wohl der Mieter/-innen am Herzen liegt, überzeugen Sie doch auch den Rest Ihrer Fraktion davon, und nutzen Sie diese Einsicht, um mit uns konstruktiv an einer Verbesserung des sozialen Mietrechts zu arbeiten. Bis zum kommenden Wahlsonntag wird es sicherlich nicht klappen, und die vielen Mieter/-innen in Berlin werden schon erkennen, wer wirklich an ihrer Seite steht. Aber lassen Sie sich davon nicht entmutigen, bleiben Sie dran!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN

Zum Abschluss dieser Debatte erhält Kevin Kühnert das Wort für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
7 Vermerkeca. 1.032 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es ist ja eigentlich sehr erfrischend, dass in solchen Debatten auch mal eine zuständige Ministerin ans Pult geht, die das Ganze mit einer ehrlichen und offenen Zwischenbilanz eröffnet. Das hatten wir hier im Deutschen Bundestag ja viele Jahre lang nicht. Viele in Deutschland wissen das gar nicht: Der vorherige Bauminister – der Name ist heute etwas verschämt gefallen – ist Herr Seehofer gewesen. Das hat er neben seinen vielfältigen anderen Aufgaben sozusagen noch als Nebenjob mit erledigt,

So wie Frau Faeser sozusagen!

oder zumindest stand an seiner Tür irgendwo so etwas mit dran.

Herr Seehofer hatte kein wirkliches Interesse an dem ganzen Thema und hat am Ende sogar heldenhaft Baugenehmigungen in seine große Wohnungsbilanz miteinberechnet. Ich weiß nicht, ob in Bayern Leute in eine Baugenehmigung einziehen. Zumindest bei uns in Berlin funktioniert das meistens nicht. Da ist es doch deutlich besser, dass sich jemand hinstellt und den Leuten selbst in einem schwierigen Umfeld, in dem man durchaus Gefahr läuft, politisch schwierige Zahlen präsentieren zu müssen, reinen Wein einschenkt und sagt, welche Kennziffern wir brauchen, und sich auch nicht davon verabschiedet. Frau Ministerin, wir sind Ihnen dankbar dafür, dass Sie der deutschen Öffentlichkeit diese Zahlen jedes Mal wieder deutlich mitteilen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir wissen in dieser Koalition sehr genau, was im Bereich der Baupolitik unser Job ist. Deswegen haben wir im ersten Jahr mit dem Wohnungsbündnis die entsprechende Instanz dafür auf den Weg gebracht, haben ein riesiges Bündel an Maßnahmen vereinbart. Es gibt eine Geschäftsstelle im Ministerium, die die Umsetzung permanent nachhält. Und da steht alles drin, was unsere ureigenste Aufgabe in der Bundespolitik ist: Aufgaben entschlacken, zusammen mit den Ländern die Bauordnungen angleichen, die sich übrigens mit Unterschrift dazu verpflichtet haben, serielles Bauen fördern, Typengenehmigungen im großen Umfang ermöglichen, Bauland mobilisieren, ein sicheres Förderumfeld schaffen – ja, da ist im letzten Jahr Vertrauen verloren gegangen; das bestreitet hier niemand –, die Wohngemeinnützigkeit mit einer anständigen finanziellen Ausstattung auf den Weg bringen und, ja, auch das Mietrecht zu einem besseren Mietrecht in Deutschland machen. Das alles sind unsere Aufgaben. Das ist unser Anteil.

Aber die Bundesbauministerin – auch wenn sie so heißt – baut am Ende gar nicht selber, so wie Herr Seehofer die 300 000 Wohnungen, die in manchen seiner Amtsjahre gebaut wurden, auch nicht selber gebaut hat. Sein Anteil daran ist ja herzlich gering gewesen. Wenn Sie nicht glauben, dass die Aufgabe eigentlich bei ganz anderen zu suchen ist, dann möchte Ihnen gern ein Zitat Ihres ehemaligen baupolitischen Sprechers aus der vergangenen Wahlperiode von vor etwa zwei Jahren vorlesen. Herr Wegner – manche werden den Namen in den letzten Wochen hier draußen an Straßenlaternen mal gelesen haben – hat vor zwei Jahren an diesem Pult Folgendes gesagt: „Der Bundesminister“, damals noch Herr Seehofer, „ist nicht dafür zuständig, Wohnungen zu bauen, und die Koalition auch nicht – die Länder müssen endlich hier vorangehen und den Missstand abbauen.“ Dann nehmen Sie doch Ihren so hochgelobten Herrn Seehofer mal beim Wort! Fangen Sie vielleicht bei ihm zu Hause im Freistaat Bayern damit an, bei Herrn Söder mal nachzufragen, warum die von ihm als großer Wahlkampfshowakt eingerichtete BayernHeimGmbH, die er vor der letzten Landtagswahl in Bayern eröffnet hat, heute nicht mal 5 Prozent ihrer Wohnungsbau- und Ankaufsziele erfüllt hat! Herr Lange, selbst wenn die bis Ende nächsten Jahres alles schaffen, was sie sich vorgenommen haben, sind sie bei 7 Prozent. Da lachen ja die Hühner! Wenn das alle so machen würden wie Bayern, dann stünden wir in Deutschland noch viel schlechter da.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Kein Appell von Ihrer Seite heute an irgendeines dieser Länder! Und Sie wissen auch ganz genau, warum Sie nicht appelliert haben.

Stattdessen hier lauter Bewerbungsreden für die Pressesprecherstelle bei Vonovia; das haben wir letztes Jahr auch schon erlebt. Kaum stellt sich Herr Buch irgendwohin und sagt: „Ah, die Inflation ist so hoch, jetzt müssen auch die Mieten jedes Mal in den nächsten Jahren entsprechend steigen“, stehen Leute hier und sagen: „Alarm!“ Jetzt sagt Herr Buch – mein Kollege Daldrup hat es eben widerlegt –: „Wir können gar keine Wohnungen mehr bauen“, und schon schreien sofort alle Zeter und Mordio. Wo ist eigentlich an einem Tag wie diesem mal irgendwo in dieser Debatte der Appell gewesen, dass Unternehmen, die mit dem Gemeinwohlgut des Daches über dem Kopf von anderen Menschen wirtschaften und jahrelang gute Erträge damit erzielt haben – das ist in den Bilanzen alles nachzulesen; manche sitzen hier, die selber in Form von Dividendenausschüttungen gut davon profitiert haben –,

Widerspruchbei der CDU/CSU

sich nicht sofort in die Büsche schlagen, wenn das Bauzinsumfeld mal nicht bei unter 1 Prozent liegt, sondern höher? Nein, Sie stehen dann auf der Seite dieser Unternehmen, von denen Sie auch fürstlich – siehe beispielsweise Herr Gröner mit seiner Spende von 800 000 Euro an die Berliner CDU im letzten Wahlkampf – profitiert haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wes Brot ich ess – wer meine Plakate bezahlt –, des Lied ich sing. So läuft es auch heute hier wieder in dieser Debatte.

Nein, meine Damen und Herren, bitte fallen Sie nicht darauf rein! Wir brauchen beides: den bezahlbaren Neubau in großem Umfang und den Mieterinnen- und Mieterschutz. Fallen Sie nicht auf diejenigen rein, die mit Klagen in Karlsruhe und mit ihrem politischen Gewicht in diesem Parlament alles verhindert haben und die jetzt das Verbot von Indexmieten und ganz viele andere Sachen, Schlichtungsstellen und anderes, aufrufen.

Zurufvon der CDU/CSU: Verfassungswidrige Gesetze sind verfassungswidrige Gesetze!

Zu denjenigen in der Berliner CDU, die hier am Sonntag gerne für Mieterschutz und bezahlbares Wohnen gewählt werden wollen, kann man wirklich nur sagen: Nepper, Schlepper, Bauernfänger! Diesmal warnt nicht die Kriminalpolizei, aber sehr wohl der gesunde Menschenverstand von Mieterinnen und Mietern, meine Damen und Herren.

Die Aktuelle Stunde ist beendet.

Porträt von Henning Rehbaum
Foto: Henning Rehbaum/ Tobias Koch
11 Vermerkeca. 540 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu Beginn dieser Verkehrsdebatte möchte ich Sie einladen, kurz innezuhalten und unseres lieben Kollegen Gero Storjohann von der CDU/CSU zu gedenken, der vorletzte Woche verstorben ist. Gero Storjohann war nicht nur ein außerordentlich beliebter Kollege, sondern wohl auch der bekannteste Fahrradpolitiker Deutschlands. Seine politische Pionierarbeit und seine Begeisterung für das Radfahren werden noch lange in unseren Herzen bleiben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Zufälle gibt es, das glauben Sie nicht. Über ein Jahr hat die Ampelregierung nichts, aber auch gar nichts in Sachen Radpolitik geliefert: keine Initiative, kein Gesetz, keinen Impuls. Was für eine Enttäuschung für jeden Fahrradbegeisterten. Die „Süddeutsche Zeitung“ titelte am Montag: „Fahrradpolitik im Schneckentempo“. Recht hat sie.

Deswegen haben wir als CDU/CSU unseren Fahrradantrag Ende Januar auf die Tagesordnung gesetzt, und zack, nur wenige Tage später, kommt das Verkehrsministerium mit einer Pressemitteilung um die Ecke: BMDV fördert Projekte zum Radverkehr. – Was für ein Zufall.

So schnell ist es!

Da fragt man sich: Wie lange hätte es wohl gedauert, wenn die Union den Antrag zum Radverkehr nicht gestellt hätte?

Genauso lange!

Noch ein ganzes Jahr?

Beifallbei der CDU/CSU

Da sage noch mal einer: Die Opposition meckert nur. Im Gegenteil: Durch unseren Antrag ist im Ministerium Hektik ausgebrochen – Union wirkt. Guckt man dann ins Kleingedruckte, merkt man allerdings, wie hastig der Verkehrsminister ein Programm zusammengeschustert hat. Ausgeschrieben sind 15 Millionen Euro auf fünf Jahre verteilt. Das sind also gerade einmal 3 Millionen Euro pro Jahr für Forschungsvorhaben, Kommunikationskampagnen und Wettbewerbe. Wow! Guter Radverkehr braucht aber keine Mittel für neue Stuhlkreise, sondern Geld für Radwege und Fahrradparkhäuser.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Krönung aber ist: Bei Minister Wissing liegt ein Masterplan auf dem Tisch, fix und fertig, nämlich der Nationale Radverkehrsplan.

Den haben die Regierung Merkel, Länder, Kommunen, Verbände und Bürger 2021 gemeinsam entwickelt. Der Minister müsste diesen Masterplan nur nehmen und umsetzen. Das wäre ein echter Wumms für Radverkehr und Klimaschutz.

Beifallbei der CDU/CSU

Eines will ich noch sagen, was mich ärgert: Für das Jahr 2023 hat die Ampel die Mittel für den Radverkehr um rund 200 Millionen Euro gekürzt; die Ampel hat beim Radverkehr gekürzt. Herr Wissing – heute nicht da –, wie haben Sie dafür eigentlich die Zustimmung bei den Grünen gekriegt?

Dass es anders geht, sehen wir in meinem Heimatland NRW. Bei uns hat der damalige CDU-Verkehrsminister Wüst 2017 die Schultern breit gemacht und Geld beim Finanzminister besorgt, Planer eingestellt und in fünf Jahren 850 Kilometer neue Radwege gebaut:

Beifallder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

durch Behörden, Kommunen und Bürgerradwegevereine. So geht gute Fahrradpolitik.

Beifallbei der CDU/CSU

On top hat er die Umweltverträglichkeitsprüfung für Radwege unter 6 Kilometern abgeschafft. Das bräuchten wir in ganz Deutschland. Radwege brauchen keine Umweltverträglichkeitsprüfung, Radwege sind gelebter Umweltschutz.

Beifallbei der CDU/CSU

Minister Wissing, liebe Ampelfraktionen, Staatssekretär Theurer, tun Sie endlich etwas für den Radverkehr; denn Reden ist Silber und Bauen ist Gold.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Nächster Redner ist Mathias Stein für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
7 Vermerkeca. 637 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Beim Lesen Ihres Antrags gewinnt man den Eindruck, dass die CDU/CSU die Radfahrpartei schlechthin ist.

– Na ja. – Ihrem ambitionierten Fahrradpolitiker Gero Storjohann, der leider verstorben ist, haben wir, glaube ich, auch mit zu verdanken, dass in der letzten Wahlperiode SPD und CDU/CSU gemeinsam das Fahrrad aus der Nische herausgeholt haben und den Kollegen Scheuer dazu motiviert haben, deutlich sichtbar etwas für das Fahrrad zu tun.

Das Fahrrad ist nun selbstbewusstes Verkehrsmittel auch in der Bundespolitik geworden. Wir haben unter anderem den Nationalen Radverkehrsplan umgesetzt. Er ist angesprochen worden, er ist aufgestellt worden. Wir haben das Programm „Stadt und Land“ initiiert. Der Nationale Radverkehrsplan hat klare Zielvorstellungen, und das ist ein Erfolg.

Den Ball haben wir als Ampelkoalition aufgenommen und versucht, ihn an dieser Stelle noch etwas schneller zu machen. Das merkt man. Wir haben „Stadt und Land“ bis 2027 abgesichert und haben auch das abgesichert, was wir als besonders wichtig erachtet haben für die Kommunen, die wenig Geld haben: die hohen Fördersätze von über 90 Prozent. Denn viele Kommunen sind leider nicht in der Lage, finanziell alles alleine zu stemmen. Ich freue mich schon heute, dass ich dann auch in meiner Heimatstadt Kiel künftig viele Fahrradwege befahren kann. Es gibt viele schöne Fahrradwege, die wir dort schon jetzt befahren können. Ich glaube, wir werden dort noch mehr sehen.

Aber das, was wir tatsächlich brauchen – da wird es dann halt kippelig mit der Union, und da ist Ihr Antrag nicht ganz ehrlich –, ist, dass wir wegkommen müssen von einer rein autozentrierten Gesetzgebung. Hier spreche ich die Reform des Straßenverkehrsgesetzes an. Das steht auch in Ihrem Antrag. Und da ist ein gewisses Störgefühl bei mir, weil Sie in der letzten Wahlperiode eher auf der Bremse anstatt auf dem Gaspedal waren.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hört! Hört!

Insofern freue ich mich, dass wir mit der Ampel jetzt etwas mehr Gas geben beim Thema Straßenverkehrsgesetz,

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

dass Kommunen mehr Rechte haben, selber entscheiden zu können, was die Sicherheit des Radverkehrs ausmacht. Und ich freue mich, dass die Union uns da anscheinend noch ein bisschen Dampf machen wird, damit unser Verkehrsminister Volker Wissing noch schneller werden kann bei dieser Verkehrswende.

Zurufvon der LINKEN: Noch schneller?

– Ja, noch schneller! Ich glaube, das wird er auch schaffen. Ich bin mir sicher, dass wir dieses Jahr auch eine Novelle des Straßenverkehrsgesetzes an dieser Stelle verabschieden können.

Aber ich mache mir wirklich ein bisschen Sorgen, wenn ich auf den Berliner Wahlkampf gucke, mit dem Ihre Kolleginnen und Kollegen in Berlin unterwegs sind. Denn ich muss ehrlicherweise sagen: Ich habe das Fahrradplakat der Union leider noch nicht entdecken können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Also diese Woche waren die Radwege nicht vom Schnee geräumt!

– Na ja, das mit dem Schneeräumen lernt jede Kommune, glaube ich, für sich. Kiel hat da schon einen Lernfortschritt gemacht. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen in NRW geht. Da gibt es aber sicher auch die eine oder andere Kommune, die noch Verbesserungspotenzial hat.

Einige Ihrer Unionskollegen haben durchaus den Kulturkampf gegen das Fahrrad ausgerufen. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, wäre es, glaube ich, besser gewesen, bei diesen Kollegen dafür zu werben, etwas mehr Fahrrad zu fahren. Wir als Ampel radeln voran. Ich freue mich schon auf eine der nächsten Radtouren, wo auch Unionspolitiker fleißig mit dabei sind. Herr Scheuer ist herzlich eingeladen, und ich glaube, auch Herr Merz kann gut Fahrrad fahren.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Als Nächstes erhält das Wort Dirk Brandes für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Dirk Brandes
Foto: Dirk Brandes/Privat
13 Vermerkeca. 572 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die gesamte Verkehrsinfrastruktur einschließlich der Radwege weist in Städten und Gemeinden neben den Schulen regelmäßig den höchsten Investitionsrückstand auf. Laut dem Deutschen Institut für Urbanistik hat sich dieser Investitionsstau in den Kommunen in den letzten zehn Jahren von 25 auf 39 Milliarden Euro erhöht; Tendenz steigend. Sinnbildlich für das Ganze verfällt unsere Infrastruktur schneller, als nachgebaut oder saniert wird.

Der Ausbau der Radwege, der vornehmlich eine kommunale Aufgabe ist, stockt. Und das liegt daran – das mögen Sie nicht gerne hören –, dass die Kommunen in unserem Land maßlos überlastet sind und ihnen immer mehr Aufgaben übertragen werden, für die sie durch Bund und Länder nicht ausreichend entschädigt werden.

Beifallbei der AfD

Statt Verkehrswege zu ertüchtigen, wenden viele Kommunen derzeit alle Ressourcen auf, um Wohnraum für Migranten bereitzustellen.

Zurufevon der SPD: Oh!

– Ja, ich weiß, Sie haben Probleme mit Logik und Kausalitäten.

Ja, mit Ihrer Logik kann man auch Probleme haben!

– Ja, natürlich. – Sie wollen den Ausbau von Radwegen stärken? Dann nehmen Sie doch jetzt mal den Hilferuf der Bürgermeister und Landräte ernst, und stoppen Sie endlich die ungezügelte Masseneinwanderung in unser Land.

Machen Sie unsere Kommunen wieder handlungsfähig, dann können vielleicht auch Radwege gebaut werden.

Beifallbei der AfD

Sie sind handlungsfähig wegen der Einwanderer!

Der durchgegenderte Radverkehrsplan der Union aus der Merkel-Ära ist ein Offenbarungseid. Sie sehen Deutschlands Zukunft nicht mehr in der automobilen Spitzentechnologie, sondern anscheinend – ich habe Ihnen zugehört – im Lastenrad.

Keine Rede ohne Lastenrad!

Vielleicht ist es für Sie ein besonderes Prädikat, Applaus von den grünen Autohassern zu bekommen? Bei der Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans wollen Sie den Turbo einlegen. Es geht um blindwütige Ausweisung von Radwegen an Land- und Bundesstraßen und um jede Menge Maßnahmen, die helfen werden, den Autoverkehr unattraktiv zu machen. Sie sprechen von einer Neuverteilung der Fläche, zu erwarten haben wir Straßensperrungen für Autofahrer und willkürliche Tempo-30-Zonen, die den innerstädtischen Straßenverkehr vermutlich weiter lahmlegen sollen.

Beifallbei der AfD

Der Knaller aber: In Ihrem vergrünten Gender-Radverkehrsplan

Gendern hat noch gefehlt! Flüchtlinge hatten wir schon!

ist die Rede von an Hochschulen ausgebildeten sogenannten „Radverkehrsplaner/-innen“.

Ja, es gibt auch Frauen, die Verkehrsplanung machen!

Fahrradfahren soll zu einer wissenschaftlichen Fachrichtung und zu einem akademischen Lehrberuf aufgewertet werden. Wir werden also demnächst in vielen MdB-„Politiker/-innen“-Biografien nicht nur abgebrochene Politologie-„Student/-innen“ finden, sondern auch zahlreiche abgebrochene „Velotolog/-innen“.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, der Radverkehrsplan 3.0 in seiner derzeitigen Fassung gehört nicht schneller um-, sondern abgesetzt.

Beifallbei der AfD

Er beinhaltet wenig positive Ansätze, aber viel Fiktionen, viele Phrasen und überzogene Forderungen. Radfahrer werden gegen das Automobil und die Verkehrsteilnehmer aus dem Land gegen die aus der Stadt ausgespielt. Für Berufspendler und Eltern auf dem Land gibt es keine Alternative zum Auto.

Meine Damen und Herren, ich fahre selber gerne Fahrrad; aber Ihre ideologische Privilegierung des Radverkehrs in der Form lehnen wir ab.

Danke.

Beifallbei der AfD

Als Nächstes erhält das Wort Swantje Henrike Michaelsen für Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Swantje Henrike Michaelsen
Foto: Swantje Michaelsen / Stefan Kaminski
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Am Anfang des NRVP steht eine Vision: Das Fahrrad soll Alltagsverkehrsmittel für alle werden – mit einer Infrastruktur, die alle Menschen zum Radfahren einlädt. Und ja, der Weg dahin ist noch weit. Das Potenzial des Fahrrads wird überall noch heillos unterschätzt. Dabei – und auch das steht im Nationalen Radverkehrsplan – hilft uns die Förderung des Fahrrads bei der Lösung sehr vieler Probleme.

Es ist günstig – für die Kommunen und die Gesellschaft und für jede einzelne Person. Es ist gesund. Wer Rad fährt, beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor und produziert weder Feinstaub noch Stickoxide. Radfahren schont Klima und Umwelt, produziert kein CO2 und kein Mikroplastik und führt zu weniger Flächenversiegelung. Und nicht zuletzt: Radfahren macht Spaß und den Kopf frei.

Beifallder Abg. Dr. Ingrid Nestle [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Radfahren geht übrigens auch im ländlichen Raum, wo die Hälfte der Wege kürzer als 5 Kilometer ist; in den Städten sind es 60 Prozent, also gar nicht so viel mehr. Die Fahrradwirtschaft hat zudem für vieles eine Lösung: Lastenräder für den Kindertransport, Dreiräder für Menschen mit Einschränkungen, Pedelecs für weite Strecken, Berge oder Gegenwind.

Es gibt bereits 81 Millionen Fahrräder in Deutschland, und fast alle Menschen in Deutschland können Rad fahren – jedenfalls können viel mehr Menschen Rad fahren als Auto fahren. Wir denken immer, das Auto sei barrierefrei, dabei ist das Gegenteil der Fall. Auto fahren ist in Deutschland eigentlich verboten, und nur wer eine Sondererlaubnis erwirbt, die wir Führerschein nennen, darf in Deutschland Auto fahren.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

Das ist ja eine ganz tolle Sicht der Dinge!

Es haben aber fast 27 Millionen Menschen in Deutschland gar keinen Führerschein: 14 Millionen Kinder und Jugendliche und 13 Millionen Erwachsene. Insgesamt ein Drittel der Bevölkerung ist vom Auto als selbstständige Mobilitätsform ausgeschlossen.

Das müssen wir ändern!

Das sind Mitfahrer!

Die meisten von ihnen können allerdings Rad fahren, wenn die Infrastruktur stimmt.

Da kommen wir zum Kern. Wenn wir Deutschland zum Fahrradland machen wollen, müssen wir sichere Radwegenetze und gute Abstellanlagen bauen. Hierfür müssen alle Ebenen – Bund, Länder und Kommunen – zusammenarbeiten, und zwar mit dem Bund im Lead.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Valentin Abel [FDP]

Und auch wenn da in den letzten Jahren einiges passiert ist, bleibt noch sehr viel zu tun. Erst 44 Prozent der Bundesstraßen verfügen über einen Radweg. An Landesstraßen sieht es noch viel schlechter aus. Und in vielen Kommunen steht das Thema noch überhaupt nicht auf der Agenda. Es ist gut und richtig, dass der Bund seit einigen Jahren mit dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ die Kommunen beim Ausbau ihrer Radinfrastruktur unterstützt. Und es ist auch gut, dass wir dieses Programm bis 2028 verstetigt haben.

Allein die Mittelhöhe ist in der bisherigen Planung noch ganz und gar nicht ausreichend; da muss mehr kommen. Das haben wir übrigens auch im Koalitionsvertrag vereinbart; denn der sagt: Wir setzen den Nationalen Radverkehrsplan um. – Und der wiederum sagt: Die finanzielle Förderung soll sich perspektivisch an 30 Euro pro Person und Jahr orientieren. – Wenn der Bund als stärkster Partner ein Drittel davon übernimmt, macht das rund 800 Millionen Euro pro Jahr. Hier ist der Minister gefordert, die entsprechenden Mittel im Haushalt bereitzustellen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Klar ist aber auch: Geld allein wird es nicht richten. Denn das heutige Straßenverkehrsrecht bremst den Ausbau von Wegen fürs Rad und verhindert die Entstehung von attraktiven und sicheren Radwegenetzen. Wir müssen – und auch hier ist der Koalitionsvertrag sehr klar – das Straßenverkehrsrecht reformieren. Neue Ziele – nämlich Klima- und Umweltschutz, städtebauliche Entwicklung und Gesundheit – müssen so im StVG verankert werden, dass die Kommunen mehr Handlungsspielraum bekommen und die vielen Begründunghürden endlich entfallen. Das wird die Planung und Umsetzung von Radwegenetzen in den Kommunen stark beschleunigen. Dann können die Kommunen gute Radwege ausweisen, den öffentlichen Raum neu gestalten und Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität in den Städten und Gemeinden endlich erhöhen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Valentin Abel [FDP]

Beschlüsse für mehr Radwege und sichere Verkehrswege gibt es schon jetzt in vielen Kommunen. Aber sie können nicht umgesetzt werden, weil das Bundesgesetz so restriktiv ist. Eine Reform, die die kommunalen Beschlüsse umsetzbar macht, stärkt daher auch das Vertrauen in die Demokratie. Denn niemand versteht, warum der Ortsrat einen Radweg beschließt, der dann nicht kommt. Das sagt übrigens nicht nur der Koalitionsvertrag, sondern das fordern auch die kommunalen Spitzenverbände und die Länder. Und auch der Deutsche Verkehrsgerichtstag hat eine Empfehlung zur Reform des Straßenverkehrsrechts ausgesprochen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Valentin Abel [FDP]

Mit den Kollegen von SPD und FDP bin ich intensiv im Austausch, und wir haben bereits erste Gespräche mit dem Ministerium geführt. Das Ministerium ist jetzt gefordert, den Koalitionsvertrag umzusetzen und zügig einen Gesetzentwurf vorzulegen.

Ja, wir müssen jetzt die Umsetzung des Fahrradlands Deutschland vorantreiben, und daran arbeiten wir auch. Denn dass das Fahrrad heute in weiten Teilen ein Verkehrsmittel ohne eigene Infrastruktur ist, haben wir vor allem der autofokussierten Verkehrspolitik der Union zu verdanken.

Es reicht eben nicht, nur Geld bereitzustellen, aber in Sachen Verkehrsrecht und Verkehrssicherheit am Status quo festzuhalten.

Steht alles im Antrag!

Dass Sie jetzt das Wort für die Radverkehrsförderung ergreifen, freut mich einerseits. Andererseits ermüdet es mich, wenn Sie für mehr Radverkehr vor allem Umweltstandards schleifen wollen, wenn Sie sich gleichzeitig im Berliner Wahlkampf allein als Partei der Autofahrer/-innen geben und wenn Sie in den kommunalen Parlamenten allzu oft Maßnahmen für mehr Radverkehr blockieren, weil Ihnen Parkplätze letzten Endes doch wichtiger sind als sichere Schulwege für unsere Kinder.

Das ist doch totaler Unsinn! Kommen Sie mal nach Nordrhein-Westfalen!

Beides gilt!

Im Übrigen könnten Sie bereits jetzt überall dort, wo Sie Verantwortung tragen, an unserer Seite für mehr Fahrradparkhäuser und Radwege kämpfen. Die Programme gibt es ja schon. Werden Sie konkret! Packen Sie es an,

Sie regieren jetzt!

und sparen Sie sich und uns die Zeit mit Showanträgen! Wir machen uns derweil an die Arbeit.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Als Nächstes erhält Thomas Lutze für Die Linke das Wort.

Beifallbei der LINKEN
3 Vermerkeca. 422 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist nicht ganz einfach, zur Tagesordnung überzugehen, wenn man im Hinterkopf hat, dass ein anerkannter und langjähriger Kollege unseres Verkehrsausschusses im Alter von 64 Jahren verstorben ist. Meine Fraktion und auch ich persönlich möchten hier nochmals unsere aufrichtige Anteilnahme zum Ausdruck bringen anlässlich des Todes von Gero Storjohann.

Gestatten Sie mir dennoch zwei spezielle Anmerkungen zum Tagesordnungspunkt Radverkehr:

Erstens. Im innerstädtischen Verkehr müssen wir ernsthaft über eine Neuverteilung des Verkehrsraums reden, wenn man den Radverkehr effektiv fördern will. Fest steht: Der vorhandene Verkehrsraum ist begrenzt; es sei denn, man wollte rechts und links die Häuser abreißen, um Platz zu schaffen. Das hatten wir bereits in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, und das ist zum Glück Geschichte. Wenn wir also den innerstädtischen Radverkehr fördern wollen, brauchen wir Platz. Diesen Platz muss man dann eben anderen Verkehrsmitteln wegnehmen – und schon macht man sich unbeliebt. Zum Beispiel wurde auf einer Straße, die früher mal drei Fahrbahnen hatte, irgendwann in den 90er-Jahren eine Busspur angelegt – und schon waren es nur noch zwei Fahrspuren. Wollte man jetzt auch noch einen echten Radverkehrsstreifen einrichten, bliebe nur noch eine Fahrspur für Autos und die Lkws übrig; denn kombinierte Rad- und Fußwege sind ebenso unpraktisch wie die Mitbenutzung der Busspuren durch Fahrräder oder durch die E-Scooter.

Bleiben also nur noch die zwei Spuren am Rand der Fahrbahn, auf denen Autos abgestellt werden. Ja, wenn wir allen Verkehrsmitteln – angefangen vom Fußverkehr über den Radverkehr bis hin auch zum motorisierten Verkehr – für ihre Mobilität den notwendigen Raum belassen wollen, dann müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, ob private Fahrzeuge im öffentlichen Verkehrsraum wie selbstverständlich abgestellt werden können und dürfen. Das ist schlichtweg eine Platzfrage.

Ein zweiter Aspekt betrifft ein ganz anderes Thema: Radwege gehören nicht auf ehemalige Bahnstrecken. Ich sage hier ganz klar und deutlich: Dass immer wieder stillgelegte Bahnstrecken zu Radwegen umgebaut werden, ist genauso eine falsche Fahrradförderung. Gerade im ländlichen Raum brauchen wir die Reaktivierung dieser Bahnstrecken als attraktive ÖPNV-Angebote und auch für touristische Museumsbahnen.

Beifallbei der LINKEN

Erst letztes Jahr wurde bei mir zu Hause die ehemalige Bahnstrecke Türkismühle–Hermeskeil zugeteert. Das ist keine Förderung des Fahrradverkehrs, sondern eine fatale Fehlentwicklung, die unterbunden werden muss. Ich sage Ja zu neuen Radwegen auch im ländlichen Raum, aber nicht auf ehemaligen Bahnstrecken – die gehören reaktiviert.

Vielen Dank.

Beifallbei der LINKEN

Für die FDP-Fraktion erhält das Wort Valentin Abel.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
8 Vermerkeca. 897 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Radfahren wird immer beliebter, und das zu Recht. Das Rad ist zentraler Baustein auf einem Weg hin zu nachhaltigerer Mobilität. Dass wir deshalb unter anderem mehr für den Ausbau des Radwegenetzes tun müssen, das ist uns klar. Und das tut diese Koalition bereits, zum Beispiel durch die Verstetigung der Mittel für den Ausbau von Radwegen. Wie wichtig dieser Schritt ist, haben mir Kommunen und Verbände in zahlreichen Gesprächen bestätigt; denn in der Vergangenheit war das Hauptproblem in der Radpolitik, dass immer neue Strohfeuer an finanziellen Mitteln gar nicht die Planungssicherheit gegeben haben, die notwendig wäre, um das Rad wirklich als eine feste Alternative im Mobilitätsmix zu etablieren.

Ich selbst aber kenne – und das widerspricht der landläufigen Meinung – nur sehr wenige Leute, die sich als überzeugte Radfahrer outen oder als überzeugte Autofahrer oder Bahnfahrer. Nein, die meisten Menschen, die ich kenne, sehen das Ganze deutlich unideologischer, pragmatischer. Sie schauen sich an, welche Mobilitätsanforderungen sie in einer bestimmten Situation haben, und danach entscheiden sie. Wir brauchen diese Wahlfreiheit im urbanen wie im ländlichen Raum, und wir müssen attestieren, dass sie gerade beim Radverkehr tatsächlich noch nicht so ermöglicht ist, wie es sein sollte.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die politische Aufgabe, die daraus entsteht, besteht darin, gerade für den Radverkehr gute Angebote zu ermöglichen und diese dann clever auf andere Verkehrsmittel abzustimmen. Wie das geht, sehen wir ganz aktuell – leider nicht in Deutschland – am Hauptbahnhof von Amsterdam: Dort ist eines der modernsten Fahrradparkhäuser der Welt mit 7 000 Plätzen in Betrieb gegangen. Solche Projekte brauchen wir auch. Aber, so sehr ich solche Projekte schätze, ein „Fahrradland Deutschland“, wie es hier in dem Antrag genannt wird, entsteht nicht durch solche Parkhäuser, sondern durch innovative Konzepte wie Leihsysteme an Park-and-Ride-Stationen, an Bahnhöfen, durch die Verbreitung von Jobrädern und vor allem durch sinnvolle Stadtplanung. Und das ist ein Aspekt, der mir in der Debatte viel zu kurz kommt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Wie wollen wir die Städte der Zukunft bauen? Wie wollen wir sie anlegen, damit Radfahren bequemer, praxisnäher und sicherer wird, gerade auch im Hinblick auf die Vision Zero? Das Sonderprogramm „Stadt und Land“ hat da eine solide Basis gelegt; aber auch hier sehen wir massive Unterschiede in dem Engagement der Länder, wie diese Mittel abgerufen werden. Hier sind Licht und Schatten nahe beisammen.

Mit dem Stichwort „Licht und Schatten“ komme ich zum Antrag der Unionsfraktion. Er beginnt erst mit einem Lobpreis auf die eigene Regierungszeit, dann kommen ein paar blumige Worte zu den Erfolgen der Großen Koalition, ganz am Ende dann der Vorwurf, die Ampel würde nix tun. Und dann kommen tatsächlich ein paar Punkte, die untermauern sollen, was die Union besser machen will.

Zurufvon der CDU/CSU: Haben Sie den Antrag richtig gelesen?

Und es sind tatsächlich diese Punkte, die aktuell schon in der Arbeit sind. Nach dem Studium dieses Antrags komme ich eigentlich nur zu einer Erkenntnis: Für einen Antrag mit der hochtrabenden Überschrift „Fahrradland Deutschland“ ist da erstaunlich wenig Fleisch am Knochen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der CDU/CSU: Oah!

Kaum ein Wort darüber, dass Kommunen mehr Spielraum brauchen bei der Gestaltung des öffentlichen Raums, weil die Menschen vor Ort eben am besten wissen, welche Verkehrsträger für welches Quartier am besten funktionieren. Unerwähnt bleibt, wie die Union städtebauliche Stellschrauben anpacken will, damit wir hier nicht nur in der Verkehrspolitik, sondern auch in der Anlage unserer Städte Fortschritte machen. Auch bleiben Sie Antworten schuldig, wie zum Beispiel Leihsysteme besser auf andere Verkehrsträger abgestimmt werden können, wie wir den Trend hin zu E-Bikes begleiten oder die Verbreitung von Jobrädern flankieren können. All das gehört für ein Fahrradland meiner Meinung nach dazu. Und wenn ich mir den Antragstitel anschaue, denke ich: Da wollen wir offensichtlich in der Champions League der Radpolitik mitspielen; mit Dänemark, mit den Niederlanden. Wenn ich mir dann aber die Realität hier anschaue, stelle ich fest: Das ist eine andere. Sie wollen die Regierung auf dem Rennrad vor sich hertreiben und kommen auf dem Hollandrad gerade so hinterher. Das ist nicht das Tempo, das wir brauchen.

Heiterkeitund Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ja, wir brauchen mehr Fahrradparkhäuser an zentralen Orten; aber das Zauberwort heißt hier „Intermodalität“. Moderne Mobilität sieht eben so aus, dass ich mit meinem Rad zum Bahnhof fahre, den Zug benutze, mir am Zielstandort ein Leihfahrrad oder einen E-Scooter hole. Und da bringt mir auch das schönste Fahrradparkhaus am Bahnhof nichts, wenn der Weg dorthin städtebaulich und verkehrlich ein reinster Hindernisparcours ist.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das Rad mag nie für alle Menschen oder für jede Situation die ideale Lösung sein – ich erinnere mich an die letzte parlamentarische Radtour, wo es geschüttet hat wie blöd –, aber dort, wo Menschen sich aktiv für das Rad entscheiden – und das wollen wir ermöglichen –, müssen wir dafür sorgen, dass es eine realistische, sichere und praktische Option ist. Ich freue mich, dieses Ziel in der Ampel weiterzuverfolgen.

Danke schön.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Nächster Redner ist Björn Simon für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Björn Simon
Foto: Björn Simon/ Patrick Liste
3 Vermerkeca. 524 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mit einem Zitat beginnen:

Ich freue mich sehr über den neu aufgelegten Nationalen Radverkehrsplan. Er schreibt eine hervorragende Strategie für einen lückenlosen und sicheren Radverkehr.

Das Zitat stammt von unserem leider verstorbenen ehemaligen verkehrspolitischen Sprecher der Unionsfraktion Gero Storjohann bei der Vorstellung des Nationalen Radverkehrsplans 3.0 nach dem Kabinettsbeschluss im April 2021.

Nun, Radfahren ist gesund und gut fürs Klima; das wissen wir alle. Wir, die Unionsfraktion, wollen deshalb schon seit Langem mehr, besseren und sichereren Radverkehr in den Städten und auf dem Land. Und, Kollege Abel, mit dem Nationalen Radverkehrsplan 3.0 hat die unionsgeführte Bundesregierung bereits vor zwei Jahren die Leitlinien genau dafür gesetzt.

Beifallbei der CDU/CSU

Nur leider ohne Umsetzung!

Die selbst gesteckten Ziele waren – das ist uns auch klar – auch damals schon ambitioniert. Man sollte eigentlich meinen, dass die aktuelle Bundesregierung diese Ambitionen aufnimmt und die Interessen der Nutzerinnen und Nutzer von sage und schreibe 80 Millionen Fahrrädern in Deutschland ernst nimmt – aber weit gefehlt. Die verbesserten Rahmenbedingungen, die sich die Ampel gerne auf die Fahnen schreiben möchte, gründen eben noch auf den Rekordinvestitionen der Vorgängerregierung unter Unionsführung. Diese haben wir damals gemeinsam mit den Ländern, mit den Kommunen, den Verbänden und der beteiligten Öffentlichkeit als Strategiepapier zur Förderung des Radverkehrs beschlossen.

Es ist schon verwunderlich, dass die Ampel und die Bundesregierung trotz des bestellten Feldes schlicht und ergreifend untätig bleiben und den Radverkehr schleifen lassen. Seit Beginn dieser Legislaturperiode hat es keinen einzigen Legislativvorschlag gegeben, um die gesetzten Ziele des Radverkehrsplans umzusetzen.

Es wurde schon angesprochen: Vor wenigen Wochen hat der Bundesverkehrsminister relativ hektisch ein Förderprogramm zur Umsetzung des Radverkehrsplans vorgestellt: sage und schreibe 15 Millionen Euro auf fünf Jahre verteilt, also 3 Millionen Euro im Jahr. Das kann aber doch nicht Ihr Ernst sein, wenn es um etwas so Wichtiges wie den Radverkehr geht!

Vielleicht sollte die Ampel den Blick über den Tellerrand wagen, in meine Heimat, nach Hessen: Zwischen 2014 und 2020 wurden unter Führung von Ministerpräsident Volker Bouffier über 53 Millionen Euro für Radwege im Zuge von Bundesstraßen und über 28 Millionen Euro für Radwege im Zuge von Landesstraßen investiert, und bis 2023 sprechen die Planungen der Landesregierung unter Ministerpräsident Boris Rhein von weiteren 70 Millionen Euro. Über 200 Radwegprojekte stehen in Hessen im Fokus, befinden sich teilweise bereits in der Umsetzung. Die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen wurde gegründet. Die Taskforce Radwege bei Hessen Mobil wurde eingesetzt, um nicht nur die Finanzierung – die hier gerade moniert wurde – für den Bau von Radwegprojekten sicherzustellen, sondern auch die notwendigen strukturellen und personellen Voraussetzungen.

Es ist an Ihnen, das jetzt auch so zu tun. Liebe Kolleginnen und Kollegen der Ampel – der Bundesverkehrsminister ist ja nicht da –, ich stelle gerne den Kontakt nach Wiesbaden her; dort findet Fortschrittspolitik zum Anfassen statt. Dann geht es mit dem Radverkehr in Deutschland auch ganz sicher vorwärts.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Wort erhält Anja Troff-Schaffarzyk für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Valentin Abel [FDP]
Porträt von Anja Troff-Schaffarzyk
Foto: Anja Troff-Schaffarzyk/ Anna Voelske
8 Vermerkeca. 626 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Antrag der CDU/CSU zeigt wieder einmal eines: Sie fremdeln immer noch mit der Oppositionsrolle.

Legen Sie sich einmal einen neuen Textbaustein zurecht!

Sie wollen mit diesem Antrag offensichtlich nachweisen, dass zu wenig getan wird für Radfahrerinnen und Radfahrer in unserem Land. Sie fordern Programme für Fahrradparkhäuser und Änderungen am Straßenverkehrsgesetz und an der Straßenverkehrs-Ordnung. – Die Union als Anwältin des Fahrrads.

Zurufevon der CDU/CSU: Ja!

Ihren Berliner Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfern werden da hoffentlich die Ohren klingeln. Meine Kolleginnen und Kollegen haben vielfach darauf hingewiesen, dass Sie hier in Berlin gerade einen polemischen Wahlkampf gegen das Rad fahren. Das macht Ihren Antrag noch weniger glaubwürdig.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Akzeptieren Sie, dass alle Menschen sicher und störungsfrei vorankommen wollen, egal mit welchem Verkehrsmittel! Dafür brauchen wir gerechte Lösungen und keine Spaltung.

Zu Ihrem Antrag. Sie fordern für den Radverkehrsplan von Andreas Scheuer aus dem Jahr 2021 jetzt unterstützende legislative Maßnahmen, sprich: Gesetze. Ich finde es kurios, dass Sie so wenig Vertrauen in den Plan Ihres eigenen Ministers haben. Aber auch da sind wir Ihnen voraus, liebe Kolleginnen und Kollegen: Der Plan ist gut; deswegen unterstützen wir als Ampelkoalition auch weiterhin die dort vorgeschlagenen Ziele, und zwar sowohl inhaltlich als auch finanziell und organisatorisch.

Dann können Sie ja zustimmen!

Fünf Minuten Internetrecherche reichen allerdings aus, um zu zeigen, dass Ihr Antrag unnötig ist. Sie weisen auf Fahrradparkhäuser hin – eine gute Idee, die es den Menschen ermöglicht, ihre eigene Mobilität flexibler zu gestalten und Strecken komfortabel mit unterschiedlichen klimafreundlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Und ja, wir brauchen mehr davon; denn Studien zeigen, dass Menschen zum Umstieg aufs Rad bereit sind, wenn sie es an den Knotenpunkten sicher abstellen können. Sie fordern ein „bundesweites Programm“ dafür. Dazu kann ich Ihnen nur sagen: Das gibt es doch schon längst! Gehen Sie einfach auf https://radparken.info, und Sie werden Ihren Augen nicht trauen. Die Bahn hat im Auftrag des Ministeriums längst eine eigene Infostelle Fahrradparken am Bahnhof eingerichtet. Dort können sich zum Beispiel Kommunen von Fachleuten beraten lassen. Die Infostelle veranstaltet Konferenzen und Herstellermessen; die nächste findet übrigens Ende dieses Monats statt. Und der Bund unterstützt den Bau von Fahrradparkhäusern mit mehreren Förderprogrammen; auch das können Sie auf der Webseite nachlesen. Ein Blick in den aktuellen Bundeshaushalt tut es aber auch: 12,5 Millionen Euro gibt es vom Bund für Mobilitätsstationen in kleinen und mittleren Kommunen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Der TÜV-Verband nennt das Fahrrad in seiner Mobilitätsstudie 2022 den heimlichen Champion der Mobilität. Mehr als die Hälfte der Befragten dieser Studie möchte flexibel und unabhängig unterwegs sein. In Metropolen sowieso, aber schon in Orten ab 20 000 Einwohnern aufwärts nutzt gut ein Drittel der Menschen das Rad für Wege an einem gewöhnlichen Werktag. Es ist also ein hochgeschätztes Verkehrsmittel, in der Stadt und auf dem Land – und das jetzt schon.

So viel Ehrlichkeit muss sein: In derselben Studie sagten die Befragten, dass sie sich mit keinem Verkehrsmittel unsicherer fühlen als mit dem Rad. Hier gibt es klare Aufträge an die Politik. Was wir da vorhaben, Stichwort „Straßenverkehrsgesetz“, hat der Kollege Stein vorhin berichtet.

Auf die Frage „Warum hört der Fahrradweg eigentlich hier auf?“, muss man in den meisten Fällen antworten: weil die Union ihn 16 Jahre lang nicht weitergebaut hat.

So ein Unsinn!

Wir kümmern uns darum, auch ohne freundliche Erinnerung.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Acht Jahre SPD-Blockade!

Nächste Rednerin ist für die Unionsfraktion Martina Englhardt-Kopf.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Martina Englhardt-Kopf
Foto: Martina Englhardt-Kopf/ Tobias Koch
4 Vermerkeca. 510 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Im Laufe des letzten Jahres ist sehr deutlich geworden, dass Einigkeit in Sachen Verkehrspolitik nicht zu den Stärken dieser Koalition gehört: Wir hatten den Streit um die Maut, den Streit um die Planungsbeschleunigung bei Autobahnen, den Streit um die weitere Verwendung von Biokraftstoffen und vieles mehr.

Beim Radverkehr sollten wir eigentlich alle einig sein. Jedenfalls steht in Ihrem Koalitionsvertrag: Der Nationale Radverkehrsplan muss umgesetzt werden. Doch auch ein Konsens in dieser Regierung scheint nicht zwingend zu Handlungen zu führen; denn bis jetzt ist noch kein einziges Gesetz für den Radverkehr von der Ampel beschlossen worden. Das ist einfach Fakt seit 2021. Deshalb heute hier unser Antrag, um dem Ganzen auch Nachdruck zu verleihen.

Es wurde häufig das Sonderprogramm „Stadt und Land“ diskutiert, die Programme wurden angesprochen als vorbildliche Handlungen. Das kommt aber – diesen Vorwurf müssen Sie sich heute gefallen lassen – alles aus der unionsgeführten Regierungszeit, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Geld allein reicht eben nicht!

Die Vorarbeit ist erledigt. Den Nationalen Radverkehrsplan hat die ehemalige Regierung gemacht, zusammen mit den Ländern, mit den Gemeinden, mit den Verbänden, mit den Bürgerinnen und Bürgern. Es liegt alles in der Schublade. Es geht jetzt nur um die Umsetzung, damit wir auch das Fahrrad als Verkehrsträger weiter stärken.

Beifallbei der CDU/CSU

Natürlich freuen wir uns über die letzten Ankündigungen, die 15 Millionen Euro, die Sie bis 2027 für Modellvorhaben ausgeben möchten. Ein Blick in die Verhältnisse zur Zeit der Vorgängerregierung zeigt aber, dass für die Jahre 2020 bis 2023 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung standen – ein völlig anderes Niveau! Was wir jetzt brauchen, sind nicht mehr schöne Worte, wie wir sie heute gehört haben – und wir sind fast am Ende der Debatte –, nein, wir brauchen eine konkrete Umsetzung, wir brauchen Zielvorgaben, und wir brauchen auch die Mittelhinterlegung, damit wir endlich weiterkommen.

Und natürlich brauchen wir den Radverkehr auch in den ländlichen Räumen, also Radwege entlang von Landstraßen. Der Radtourismus hat viele Chancen in der Stadt, aber auch auf dem Land. Hierin steckt viel Potenzial. Das Rad ist umweltfreundlich.

Wir brauchen auch ein Denken an kombinierten Verkehr; ich denke hier an die Verbindung von Fahrrad und Bahn. Es geht – das wurde heute schon angesprochen – auch um die Vernetzung.

Deshalb wünschen wir uns nicht das „Schneckentempo“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ in dieser Woche getitelt hat, sondern wir brauchen den von Ihnen vielbeschworenen Turbo, ein Deutschlandtempo, um hier schnell und tatkräftig vorwärtszukommen – für Millionen Bürgerinnen und Bürger, die gerne das Fahrrad nutzen, nicht nur, weil es gesundheitlich gut ist, sondern, weil sie damit gut vorwärtskommen können, weil sie sich dadurch viele Möglichkeiten erschließen. Dafür braucht es keine Wahlplakate wie vorher angesprochen oder schöne Worte. Lassen Sie der heutigen Debatte Taten folgen!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Letzter Redner in dieser Debatte ist Jan Plobner für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
7 Vermerkeca. 520 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Liebe Union, ich gebe Ihnen in einem Punkt völlig recht: Der Radverkehrsplan ist eine ambitionierte Strategie, um den Radverkehr zu stärken, ein wichtiger, dringend notwendiger Baustein für eine nachhaltige Mobilitätswende.

Wir in der SPD-Fraktion sind nur etwas verwundert über die plötzliche Leidenschaft der CDU für Radfahrer/-innen in diesem Land – die gleiche CDU, die in ganz Berlin plakatiert: „Berlin, lass dir das Auto nicht verbieten.“ Ein bisschen scheinheilig ist das dann doch, oder?

Nicht zuletzt haben wir als Ampel im letzten Jahr ein Sonderprogramm „Stadt und Land“ auf den Weg gebracht – es wurde heute schon oft gelobt –, um den Fuß- und Radverkehr zu stärken, und wir sind es, die gerade auch all die anderen Förderprogramme fürs Rad verstetigen. Wir haben uns sehr klar positioniert.

Dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen, um einen Aspekt in der Debatte noch mal besonders hervorzuheben. Mehr, besserer, sicherer Radverkehr – das ist die Vision, der wir uns annehmen wollen. Der Plan bekennt sich also ausdrücklich zu dem Ziel, den Radverkehr sicherer zu machen, indem wir eine Infrastruktur schaffen, die gerade schutzbedürftige Verkehrsteilnehmerinnen mitdenkt.

Für mich bedeutet das, Mobilität und Verkehr inklusiv und feministisch zu denken. Gender und Mobilität: Ich weiß, das ist das Letzte, was Sie mit Ihrem Antrag bewirken wollten. Dennoch möchte ich Ihnen erklären, was ich mit einer feministischen Verkehrspolitik meine.

Christoph de Vries [CDU/CSU]: Da muss er selber lachen!

Feministische Verkehrspolitik bedeutet, Mobilität und Transportmöglichkeiten an verschiedene Lebensrealitäten und Alltagsszenarien anzupassen. Es gibt eben nicht nur die Person, die vollzeitbeschäftigt, erwachsen, männlich sozialisiert, weiß, ohne Behinderung oder Beeinträchtigung ist,

Vor allem weiß!

die sich einen Pkw oder andere Mobilitätsformen leisten kann. Das Problem ist aber doch, dass wir unsere Verkehrspolitik allzu oft auf genau diese Person ausrichten. Deshalb ist es gut, dass der Plan auch den Verkehr mit Lastenrädern und Fahrradanhängern fördert. Deshalb ist es gut, dass der Plan den Standard von neuen Radnetzen in Breite, Geschwindigkeit und Fahrdynamik an Spezialräder anpasst, damit wir auch für die Person ein Mobilitätsangebot schaffen, die von der Arbeit kommt, das Kind von der Kita abholt und zwischendurch im Supermarkt das Abendessen besorgt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Für mich bedeutet feministische Verkehrspolitik Schutz vor Gewalt, vor sexuellen, rassistischen, diskriminierenden Übergriffen,

Verkehrspolitik! Was für eine Art Verkehr meinen Sie?

zum Beispiel durch eine geschlossene Infrastruktur, gute Beleuchtungen, Fahrbegleitungen oder Hilfsangebote an Mobilitätsstationen.

Das ist eine ernsthafte Veranstaltung!

Hören Sie auf, zu pöbeln!

Eine inklusive Verkehrspolitik – und auch eine inklusive Radpolitik – ist eine Frage der Teilhabe.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Insofern: Ja, es ist wichtig, dass wir uns jetzt schnell an die Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplanes machen. Es ist aber mindestens genauso wichtig, dass wir endlich anfangen, Mobilität ganzheitlich, inklusiv und feministisch zu denken.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
7 Vermerkeca. 740 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren! Lange war die Gewährung der Staatsbürgerschaft für Zuwanderer eine Ermessensentscheidung im individuellen Einzelfall. Rahmenvoraussetzung war nicht ein Interesse des Antragstellers, sondern das des aufnehmenden Staats. Erst danach kam die Anspruchseinbürgerung, zunächst nach einer Frist von 15 Jahren, dann nach 6 bis 8 Jahren. Jetzt sollen es 3 bis 5 Jahre werden. Dann kam die Staatsbürgerschaft statt nach Abstammung schlicht nach Geburtsort, was Identifikation mit dem Land überhaupt nicht gewährleistet.

Die Voraussetzungen werden immer weiter aufgeweicht, und so soll es weitergehen. Diese Entwicklung ist dem Gedeihen und Zusammenhalt unseres Staatswesens abträglich, förderlich hingegen ist die Rückkehr zu stärkerer Selbstübereinstimmung des Staatsvolkes.

Beifallbei der AfD

Denn die fortschreitende Ausweitung entspricht gerade nicht der Idee des Grundgesetzes vom Staatsvolk. Wo alle Macht vom Volke ausgeht, wird dieses als Ursprung und Träger des Staats verstanden, als die politisch willensbildende Gruppe, im Gegensatz etwa zur bloßen Bevölkerung.

Das Grundgesetz intendiert nicht, alle staatsbürgerlichen Rechte – auch das Wahlrecht – den gerade hier lebenden Bevölkerungsmitgliedern zugänglich zu machen. Wer die Widmung „Dem deutschen Volke“ hier am Reichstag umdefinieren will in ein „Der Bevölkerung“, der will die öffentliche Meinung fehlleiten. Dass die Wendung „Dem deutschen Volke“, dem die Regierung doch eigentlich verantwortlich ist, zunehmend begrifflich verpönt ist, soll auch die fortschreitende Vernutzung dieses Volks als Arbeits- und Steuersklaven für alle möglichen ideologischen Projekte mit ganz anderen Nutznießern – illegal zugewanderte, von uns dauerversorgte Ausländer, andere, wirtschaftlich marode EU-Staaten, globalistische Ideologien, Klima- und Coronafonds, einzelne NATO-Mitglieder mit ihren Interessen – verschleiern.

Alles beginnt damit, dass Verantwortung für alles Mögliche suggeriert wird durch völlige Entleerung der Vorstellung von einem dem eigenen Volk, diesem Volk, diesem deutschen Staatsvolk, Zukommendem und Zustehendem. Dieser aufgezwungenen nationalen Amnesie ist entgegenzuwirken, und dies beginnt mit einer Selbstdefinition – definieren meint Abgrenzen und Unterscheiden – von wieder ursprünglicher Sorgfalt.

Beifallbei der AfD

Um diese Entmündigung der Deutschen durch die Kräfte der globalistischen Deutschlandabschaffer perfekt zu machen, wird gegenwärtig die radikale Ausweitung der Staatsbürgerschaftsvergabe im Turbotempo forciert. Mit diesem Staatsstreich am Wahlvolk will man den Deutschen ihr eigenes Land unter den Füßen wegziehen. Dabei setzt doch Mitglied zu sein in dieser Verantwortungsgemeinschaft für den Staat als Staatsbürger eine wirkliche Identifikation voraus, die den Staat als ureigene Angelegenheit betrachtet, mit dessen Schicksal man – neben Religions- und Kulturzugehörigkeit – verknüpft ist. Solche Identifikation ist aber mit einer zunehmenden Aufweichung der Anforderungen immer weniger gegeben.

Die fortschreitende Fristverkürzung zur Einbürgerung gibt das einzige Druckmittel betreffs Integrationsleistungen aus der Hand. Nicht Ansprüche sind hier zu vergeben, vielmehr ist das nationale Interesse zu berücksichtigen bei der Auswahl nach Ermessen von Einzubürgernden, die nicht illegal ins Staatsgebiet eindringen, nicht einen Verfolgtenstatus vortäuschen, nicht zur wirtschaftlichen Abzocke kommen, sondern die einen kompatiblen Kulturwillen und Wertekompass haben.

Beifallbei der AfD

Auch eine massenhafte doppelte Staatsbürgerschaft steht für das glatte Gegenteil von Identifikation, steht für vorprogrammierte Loyalitätskonflikte, fünfte Kolonnen, die das Land in alle Richtungen zerreißen. Bei den Parallelgesellschaften in ihren innerstädtischen Brutstätten wird sich deren Charakter als Gegengesellschaft verstärken, wenn sich diese per Wahlrecht als zur Umsteuerung des Staats ermächtigte Kräfte verstehen. Erdogans demografischer Kampfruf „Macht nicht drei Kinder, sondern fünf; denn ihr seid die Zukunft Europas“ gibt einen Vorgeschmack, die Dreistigkeit des Silvesterterrors einen anderen.

Sagen Sie doch was zu Ihrem Antrag!

Damit eine derartige feindliche Übernahme überhaupt bei Tageslicht betrieben werden kann, beruft man sogenannte Beauftragte – de facto zur deutschen Beschuldigung installiert –, etwaigen Widerstand durch Einschüchterung zu ersticken, per Rassismusbehauptungen und Quotenregelungen als Opferbonus zu lancieren. So soll mit Einbürgerung als Mehrheitszünglein an der Waage die Steuerung dieses Landes übernommen werden, dem von lang her bestehenden Deutschland entgegen. Wir wollen das nicht, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Tobias B. Bacherle [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das Staatsvolk als Träger des Staats wurde durch all diese Aufweichungen bei der Einbürgerung gefährlich geschwächt. Gestärkt wird die Identifikation mit dem Gemeinwesen durch jahrzehntelang bewährte Rückbindung der Staatsbürgerschaft an die Abstammung, was Identifikation gewährleistet, durch Ermessenseinbürgerung im Einzelfall und Vermeidung von Doppelstaatlichkeit. Solche Rückkehr zur jahrzehntelang gültigen Rechtslage ist einer bekannten Fehlmeinung entgegen gerade verfassungskonform, ja, bestärkt die letzte politische Grundlage unseres Staats.

Staatsbürgerschaft braucht Identifikation. Deutschland braucht Deutsche.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der AfD

Nächster Redner ist Hakan Demir für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Hakan Demir
Foto: Hakan Demir/ Christian Spies
12 Vermerkeca. 806 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir haben in den letzten Wochen und Monaten einige Diskussionen zu diesem Thema geführt, und ich hatte das Gefühl, dass die CDU/CSU-Fraktion die Debatten von vor 20 Jahren führt. Die AfD setzt jetzt noch einen drauf, und wir sollen jetzt die Debatten von vor 30 und 40 Jahren führen.

Zurufvon der SPD: Eher von vor 80 Jahren!

Das ist auf jeden Fall inakzeptabel, und so gehen wir auch nicht weiter voran.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Für uns, die Sozialdemokratie, ist wichtig: Wir haben etwa 6 Millionen Menschen, die seit über zehn Jahren hier in diesem Land leben, die hier ihre Kinder haben, die hier arbeiten. Das Problem ist: Sie leben zwar hier, dürfen aber nicht abstimmen, dürfen nicht gewählt werden. Unsere Meinung dazu ist natürlich: Eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn die Wohnbevölkerung und die Wahlbevölkerung eine Einheit bilden. Deshalb ist das entsprechende Gesetz auch so wichtig für uns Sozialdemokraten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Einige Lügen – das muss ich zugestehen – bleiben hier und da auch hängen. Es wurde behauptet, dass dieser Pass „verramscht“ wird. Da will ich auch noch einmal ganz klarmachen: Die Bedingungen, die wir im Staatsangehörigkeitsgesetz haben, bleiben. Eine Person muss den Lebensunterhalt gesichert haben. Eine Person muss die deutsche Sprache auf B1-Niveau können. Eine Person muss sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekannt haben.

Was heißt denn das?

Plus – was einige vielleicht nicht wissen –: Wir schicken die Daten der Personen, die sich einbürgern lassen wollen, auch den Verfassungsschutzämtern; auch die kontrollieren diese Person noch.

Ich frage hier ganz offen: Was muss denn ein Mensch noch machen, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen?

Zurufvon der SPD: Blonde Haare haben!

Steuern zahlen! Sich vielleicht engagieren!

– Das machen sie ja. Ich habe Ihnen die Bedingungen aufgezählt. Den Lebensunterhalt müssen sie sichern können; das habe ich ganz klar gemacht. Ich weiß gar nicht, wenn Sie sich jetzt neu einbürgern lassen würden, ob Sie alle es überhaupt schaffen würden; das will ich hier auch einmal ganz offen sagen.

Ich habe über die Bedingungen gesprochen. Wir wollen aber auch große Härten vermeiden, und da meine ich die erste Generation. Menschen sind hier vor 40, 50 Jahren in dieses Land gekommen und haben mit ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen dieses Land mit aufgebaut. Das ist auch die Geschichte dieses Landes. Wollen wir diesen Menschen sagen: „Ihr müsst jetzt einen Einbürgerungstest machen; ihr müsst jetzt auf B1-Niveau Deutsch sprechen, obwohl es in dieser Zeit gar keine Integrationsleistungen gegeben hat“? Wollen wir das diesen Menschen sagen, die schon längst bewiesen haben, dass sie ein Teil dieses Landes sind, seit 30, 40 Jahren? Da sagen wir ganz klar: Wir holen diese Anerkennung nach; es ist eine nachholende Anerkennung. Auch diesen Menschen ermöglichen wir die schnelle Einbürgerung, liebe Genossinnen und Genossen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Reden Sie doch mal von Parallel- und Gegengesellschaften!

Eine Sache: Aus Hamburg hat mich eine Mutter besucht, die ihr Kind pflegt und deshalb gerade keinen anderen Job annehmen und den Lebensunterhalt nicht sichern kann. Sie, die schon seit zehn Jahren hier in diesem Land mit ihrem Kind lebt, kam mit Tränen in den Augen auf mich zu und fragte: Warum werde ich nicht eingebürgert?

Das ist ein Einzelfall!

Leider nicht! Ich kann von Tausenden „Einzelfällen“ erzählen!

Ich muss hier ganz offen sagen: Natürlich bewegt das einen. Ich glaube, wir müssen in der Reform klarmachen, dass wir auch bei diesen Menschen Härten vermeiden wollen, dass ich dieser Mutter bis Sommer dieses Jahres sagen kann: Auch Sie können natürlich ein Teil dieser Gesellschaft werden, auch Ihr Kind kann natürlich ein Teil dieser Gesellschaft sein; Sie leben seit zehn Jahren hier.

Ja, alle können Teil dieser Gesellschaft werden, die ganze Welt!

Ich will nicht in einem Land leben, wo wir sagen: Wir bürgern die einen ein und die anderen nicht. Das sollte auf jeden Fall nicht der Fall sein.

Wir bürgern alle ein!

Wir bürgern die ganze Welt ein! Kommen Sie alle hierher!

Deshalb gehen wir mit diesem Gesetz voran, und ich danke allen, die daran mitwirken.

Danke schön.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das Wort erhält Dr. Stefan Heck für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
16 Vermerkeca. 748 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben jetzt von beiden Seiten des Hauses viel zum Staatsangehörigkeitsrecht gehört. Sie haben aber im Wesentlichen über die Pläne der Ampelkoalition gesprochen. Das gilt für Sie hier, aber auch für Sie dort. Ich glaube, wir sollten schon die Gelegenheit nutzen, über den Gesetzentwurf zu sprechen, der uns heute vorliegt.

Lieber nicht!

Das hatte ich eigentlich von Ihnen, Herr Dr. Curio, erwartet. Ich will Ihnen sagen: Ich kann es Ihnen leider nicht ersparen, dass wir mal über das sprechen, was Sie da aufgeschrieben haben.

Der Vorschlag, den Sie heute gemacht haben, hat mit einem modernen Staatsangehörigkeitsrecht im demokratischen Rechtsstaat nicht mehr viel gemein.

Das nennen Sie „modern“?

Sie wollen nicht nur die Uhren über 30 Jahre zurückdrehen

Vielleicht war es da besser!

Damals war es kein Rechtsstaat, oder wie?

– und das sagen Sie ja ganz offen –; Sie wollen den Systemwechsel.

Während bisher gut integrierte Menschen, die sich an Recht und Gesetz halten, die hier Arbeit gefunden haben, unsere Sprache sprechen, sich zum Grundgesetz bekennen, unsere Werte verinnerlicht haben,

Dagegen hat keiner was!

einen Anspruch auf Einbürgerung haben, wollen Sie dies zu einer einfachen Ermessensentscheidung machen.

Wie es früher war!

Ich sage Ihnen: Das wäre ein ganz fataler Irrweg.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP

Ich will Ihnen drei Gründe dafür nennen.

Der erste Grund. Man kann sich ja, wenn man einen solchen Gesetzentwurf vorlegt, mal umschauen: Wer macht es eigentlich noch so wie wir, oder sind wir möglicherweise die Ersten, die auf die Idee kommen? Ein solches Einbürgerungsrecht, wie Sie es heute vorschlagen, hat jedenfalls kein einziger Mitgliedstaat in der Europäischen Union.

Hatten wir selbst! Es ist unfassbar!

Im Gegenteil, mit diesem Vorschlag stellen Sie sich in eine Reihe mit China, Bahrain oder Katar.

Wir hatten das 30 Jahre lang!

Zweitens. Nicht umsonst kennt das Migrationsrecht nur an ganz wenigen Stellen Ermessensentscheidungen, sondern im Wesentlichen sogenannte gebundene Entscheidungen.

Das war deutsches Verfassungsrecht!

40 Jahre lang!

Die Rechtsfolge ist also unmittelbar an das Vorliegen von Tatbestandsvoraussetzungen geknüpft, und das hat auch einen guten Grund. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist das Wertvollste, was der freiheitlich-demokratische Rechtsstaat vergeben kann. Dem Bewerber muss klar ersichtlich sein, unter welchen Voraussetzungen er mit einer Einbürgerung rechnen kann. Und vielleicht noch wichtiger: Diese Voraussetzungen legen wir als Gesetzgeber in einem formellen Gesetz fest und wälzen es nicht ab auf die einzelnen Sachbearbeiter in den Einbürgerungsbehörden. Es ist doch Aufgabe des Deutschen Bundestages, darüber zu entscheiden, wer unter welchen Voraussetzungen deutscher Staatsbürger werden kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber wer stellt denn fest, ob die Werte verinnerlicht sind?

Drittens. Was passiert denn, wenn diese wichtige Entscheidung nur noch eine Ermessensentscheidung durch die ausführenden Landesbehörden ist? Wir werden eine Rechtszersplitterung erleben,

Das erleben wir ja sonst überhaupt nicht in diesem Staat!

die dazu führt, dass in einem Teil unseres Landes besonders viele Menschen besonders schnell Deutsche werden können und in anderen Teilen des Landes möglicherweise gar nicht mehr eingebürgert wird.

Meine Damen und Herren, die deutsche Staatsbürgerschaft ist mehr als ein einfacher Behördenbescheid. Sie ist auch zu wichtig, um sie zum politischen Spielball in insgesamt 16 Koalitionsverträgen auf Landesebene zu machen. Diese Entscheidung gehört hier in den Deutschen Bundestag.

Weiterhin sieht Ihr Gesetzentwurf vor, dass in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit künftig gar nicht mehr erhalten.

Nicht automatisch!

So wie es früher war, genau!

Was für ein Irrweg! Es ist doch gerade diese zweite Generation, um die wir uns ganz besonders bemühen müssen. Das sind häufig Menschen, die das Land ihrer Eltern nie gesehen haben und hier in Deutschland ihre Heimat haben. Wir sollten alles dafür tun, dass sich diese jungen Menschen sehr bewusst für die deutsche Staatsangehörigkeit entscheiden,

und zwar nur für die deutsche Staatsangehörigkeit.

Da bin ich nicht dabei!

Das können wir ja machen! Da hat keiner was dagegen!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Nächste Rednerin ist für Bündnis 90/Die Grünen Filiz Polat.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Filiz Polat
Foto: Filiz Polat/ Annette Koroll
10 Vermerkeca. 579 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Deutschland ist schon lange ein Einwanderungsland,

Und wann hat der Bundestag den Beschluss gefasst, dass es so ist?

ein Land, dessen offene Gesellschaft seine Einheit, liebe Union, gerade in Vielfalt entfaltet. Deshalb handelt diese Fortschrittskoalition und bringt nach jahrelangem Stillstand und auch einigen Rückschlägen endlich das modernste Einbürgerungsrecht,

Was soll denn daran modern sein?

so wie unsere Innenministerin Nancy Faeser es gesagt hat, auf den Weg, und da freuen wir uns alle gemeinsam richtig drauf.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Während wir vorangehen, den Menschen ein Angebot zu machen, spalten einige in diesem Hause und verklären graue wilhelminische Vorzeiten.

– Oh, Sie fühlen sich angesprochen. – In dem Gesetzentwurf wird, wie üblich, im trüben Völkischen gefischt, pseudowissenschaftliches Gewäsch verbreitet. Tenor: Nur in wessen Adern deutsches Blut fließt, aus dem kann ein guter, dem Gemeinwesen verpflichteter Deutscher werden.

Haben wir niemals gesagt! Das ist doch Blödsinn! Kein Mensch meint das!

Ausgerechnet das von einer Partei, die wie Sie das Ausgrenzen, die Verhöhnung und Relativierung zu ihrem Markenkern macht!

Wir, die Koalition, halten dem entgegen: Menschen, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben, haben einen Anspruch auf Teilhabe, darauf, mitzubestimmen und auch zu wählen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Das ist ein Beitrag, meine Damen und Herren, zur Behebung eines wachsenden Demokratiedefizits, auch in unseren Kommunen.

Einen Punkt möchte ich herausgreifen, der uns auch in den Koalitionsverhandlungen sehr wichtig war. Wir werden die Lebensleistung der sogenannten Gastarbeiter/-innen-Generation dadurch würdigen, dass wir ihre Einbürgerung endlich erleichtern, meine Damen und Herren. Und wir werden mehr als 20 Jahre nach der unsäglichen Doppelpasskampagne endlich die Einbürgerung für alle unter Hinnahme der Mehrstaatlichkeit möglich machen. Das wird ein riesengroßes Fest.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Dies sind Meilensteine in der Einbürgerungspolitik, die endlich der Lebensrealität vieler Menschen in unserem Land gerecht wird. Tatsächlich ist es ja so – das wissen wir Kolleginnen und Kollegen in der Migrationsarbeit –, dass schon jetzt 70 Prozent der Einbürgerungen unter Hinnahme der Mehrstaatlichkeit stattfinden. Also warum nicht auch den anderen diese Möglichkeit geben?

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch ein Wort an Sie von der Union: Anstatt diese überfällige Reform durch unverantwortliche Parolen wie jene vom Verramschen zu diskreditieren, sollten Sie sich endlich den Realitäten in unserem Land wirklich stellen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Parallelgesellschaften!

Es gibt ja vernünftige, nach vorne gerichtete Stimmen in Ihrer Fraktion. Mehrere Kolleginnen und Kollegen von Ihnen haben sich in den vergangenen Wochen hier wohltuend differenziert zu Wort gemeldet. Hören Sie auf diese Stimmen! Verzichten Sie auf Stimmungsmache! Sie ist gefährlich; sie spaltet und ist der Union wirklich nicht würdig.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer das Staatsangehörigkeitsrecht endlich ins Jetzt heben will, wer das Versprechen einer pluralen Demokratie einlösen möchte, sollte sich dem Kurs der Fortschrittskoalition anschließen statt den Ewiggestrigen. Lassen Sie uns gemeinsam die Staatsangehörigkeit zu einem dauerhaften Band rechtlicher Gleichheit, Teilhabe und Zugehörigkeit machen.

Vielen Dank für Ihre und Eure Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Nächste Rednerin ist Gökay Akbulut für Die Linke.

Beifallbei der LINKEN

Das Klatschen von zwei Linken!

Porträt von Gökay Akbulut
Foto: Gökay Akbulut/Thommy Mardo
14 VermerkeZwischenfrageca. 522 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD möchte mit ihrem Gesetzentwurf zurück in die Vergangenheit und die Reformen der letzten 30 Jahre rückgängig machen. Den Rechtsanspruch auf Einbürgerung will die AfD am liebsten komplett abschaffen. Einbürgerungen soll es laut der AfD nur noch als Gnadenakt des Staates geben. Das Abstammungsprinzip, das sogenannte Recht des Blutes, soll das zentrale Kriterium bei Einbürgerungen werden,

Davon ist nicht die Rede!

und das wollen wir nicht. Deshalb werden wir auch diesem Gesetzentwurf der AfD nicht zustimmen.

Beifallbei der LINKEN

Wir leben im Jahr 2023 und fordern ein modernes Einbürgerungsrecht, das den gesellschaftlichen Realitäten und Anforderungen auch gerecht wird.

Das ist doch eine Hülse!

Als Linksfraktion setzen wir uns seit Jahren für die Erleichterung von Einbürgerungen ein. Wir fordern auch die Abschaffung der Optionspflicht. Immer mehr Menschen leben zwischen verschiedenen Kulturen und Ländern.

Warum müssen die hier leben? Wir haben Wohnungsnot! Warum sollen da immer mehr Menschen herkommen? Warum?

Daher müssen Doppel- und Mehrstaatlichkeiten auch ermöglicht werden.

Beifallbei der LINKEN

Außerdem fordern wir bundesweite Einbürgerungskampagnen und unterstützen auch Migrantenselbstorganisationen,

Noch mehr Leute hier!

die seit Jahren diese Forderungen aufstellen.

Für uns ist die Staatsangehörigkeit der Weg zur Teilhabe an Staat und Gesellschaft. Aber für Millionen von Menschen, die seit Jahren in Deutschland leben, sind die Hürden für die Einbürgerung viel zu hoch. Viele scheitern an den Spracherfordernissen,

Ja, zu Recht!

an Einkommensgrenzen oder weil die doppelte Staatsbürgerschaft nicht akzeptiert wird.

Es ist vollkommen selbstverständlich, dass man die Sprache spricht, wenn man hier leben will!

Finanzielle Gründe sollten aber nicht darüber entscheiden, ob jemand eingebürgert wird oder nicht. Deutschwerden sollte nicht vom Geldbeutel abhängen.

Wovon denn?

Meine Damen und Herren, es führt auch zu einem Demokratiedefizit, wenn Wahlvolk und Bevölkerung immer weiter auseinanderfallen.

Beifallbei der LINKEN

Wenn sie nicht mal die Sprache verstehen, wie sollen sie denn da wählen?

Knapp 12 Millionen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Im Schnitt leben sie seit 15 Jahren hier und wollen auch hier bleiben. Diesen Menschen wollen und müssen wir eine Teilhabe ermöglichen.

Die AfD dagegen will ihre Integration verhindern. Auch im zehnten Jahr ihres Bestehens ist sie nicht in der Lage,

Das ist schon das elfte! Wir sind schon im elften Jahr!

irgendeinen sinnvollen Vorschlag zu machen, um die Herausforderungen unserer Gesellschaft zu bewältigen. Sie ist und bleibt die Partei der gesellschaftlichen Spaltung, der Hass- und Hetzreden. Damit werden wir uns nicht abfinden, heute nicht und auch nicht in den nächsten zehn Jahren. Deswegen sagen wir auch alle zusammen Nein zur Parallelgesellschaft der Rechten.

Doppelte Wähler wie Sie!

Vielen Dank.

Beifallbei der LINKEN
Zurufvon der AfD: Parallelgesellschaften des islamischen Milieus!

Erlauben Sie eine Zwischenfrage von Frau von Storch?

Rednerwechsel

Nein.

Nächster Redner ist für die FDP-Fraktion Stephan Thomae.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
17 Vermerkeca. 944 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wenn man sich den Gesetzentwurf der AfD zu Gemüte führt, dann gewinnt man unweigerlich den Eindruck, dass der Gestaltungsanspruch der AfD sich darin erschöpft, zur Welt von gestern und von vorgestern zurückzukehren.

Vielleicht war die gar nicht schlecht in dem Zusammenhang!

Der Gesetzentwurf zielt darauf ab, den Rechtszustand von vor 1992 wiederherzustellen und auf die Fragen von heute die Antworten von gestern zu geben. Das kann nicht funktionieren, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Es war doch die alte Lebenslüge der Bundesrepublik Deutschland, zu sagen: Deutschland ist kein Einwanderungsland. Man hat bis in die 80er-Jahre hinein immer gesagt: Na ja, das sind Gastarbeiter, die irgendwann in ihre Heimatländer zurückkehren werden, und deswegen braucht es gar keine Integration.

Aber diese Lebenslüge ist der Ursprung vieler Probleme, die wir heute noch haben. Deswegen muss die Lösung doch sein, genau anders vorzugehen und echte Integrationsangebote zu unterbreiten

Die müssen auch angenommen werden!

und nicht höhere Hürden zu schaffen oder wiederherzustellen.

Richtig ist schon, dass Integration keine Einbahnstraße sein kann und dass Angebote zur Integration auch angenommen werden müssen. Das ist eine wichtige Voraussetzung.

Wie kontrollieren Sie das denn?

Aber wenn die AfD die Lösung in der Vergangenheit sucht, dann kann man nur sagen:

Da gab es noch nicht die Parallelgesellschaft!

Wer rückwärts in der Zeit schreitet, der kommt irgendwann beim Nullpunkt an, und die AfD ist noch nicht mal in der heutigen Wirklichkeit angekommen.

Die ist ja schlimm genug!

Unser Ziel kann doch nicht sein, so eine Art sortenreines Staatsvolk zu schaffen oder zu bewahren, sondern unser Ziel muss doch sein, Menschen, die einen Beitrag leisten wollen und einen Beitrag leisten zum Gelingen unserer Gesellschaft,

Dagegen hat ja niemand etwas!

zu Vollbürgern zu machen und sie in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Zurufvon der AfD: Sagen Sie mal was zu Parallelgesellschaften!

Das betrifft genauso die Generation der Gastarbeiter, die seit Jahrzehnten hier an unserem Wohlstand mitwirken, aber auch Menschen, die neu hier ankommen, aber sich eben schnell und sehr gut und vorbildlich integrieren.

Für mich ist dabei die Zeit nicht das einzig Ausschlaggebende. Wichtig ist, dass wir gründlich prüfen, ob die persönlichen Voraussetzungen gegeben sind. Wir werden doch nicht die Staatsangehörigkeit wie Faschingskamellen unters Volk streuen.

Das möchte ich sehen!

Aber es ist auch nicht der Heilige Gral, an dem nur die Ritter der Tafelrunde teilnehmen können. Wenn jemand nach fünf Jahren so weit ist, voll integriert zu sein, ist das doch eine schöne und eine gute Botschaft, die wir haben.

Das ist es oft nicht! Gucken Sie doch in die Stadtteile!

Deswegen sage ich: Natürlich kann Einbürgerung nicht am Anfang einer Integrationsgeschichte stehen. Aber es ist auch nicht erst eine Belohnung ganz am Ende, nach langer, langer Zeit.

Natürlich, genau das ist es!

Ja, es ist eine Station mitten in einer Integrationsgeschichte, und die staatsbürgerliche Integration geht doch noch weiter, wenn jemand eingebürgert worden ist.

Deswegen sehe ich auch – anders, als Sie es dargestellt haben – Mehrstaatigkeit nicht als das Riesenproblem an. Es wird immer gesagt, da entstünden Loyalitätskonflikte.

Welchem Land wollen sie dienen? In welchen Krieg müssen sie gehen?

Aber schon jetzt ist es doch so, dass de facto fast 70 Prozent aller Einbürgerungen zur Mehrstaatigkeit führen. Das hat oft rechtliche oder auch manchmal politische Gründe. Aber dass aus der Mehrstaatigkeit als solcher besondere Problemlagen entstünden, kann man anhand der Statistik nicht nachweisen.

Das sieht man, wenn Erdogan nach Köln kommt!

Es kann eine ganze Reihe guter Gründe geben, weshalb jemand die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen will, ohne gleich die hergebrachte abzulegen. Das können rechtliche Gründe sein, erbrechtliche Gründe oder der Umstand, dass jemand noch Grundbesitz in der Heimat seiner Vorfahren hat.

Oder Loyalitätsgründe!

Das kann familiäre Gründe haben. Das kann auch wirtschaftliche Gründe haben, wenn jemand ein Unternehmen betreibt, das zwischen beiden Ländern Handel treibt.

Für mich ist nur die Frage: Will man das unbegrenzt weiter vererben? Es ist, wie ich gesagt habe, eine Station mitten in einer Integrationsgeschichte. Aber irgendwann muss sie auch mal beendet sein. Deswegen muss man sich überlegen, ob das nicht auch einmal enden soll.

Jedenfalls brauchen wir zeitgemäße Lösungen. Wir wollen nicht eine dauerhaft zweigeteilte Bevölkerung bei uns haben. Wir wollen Integrationsanreize setzen, Integrationsangebote machen. Aber wir haben auch die Erwartung, dass diese Angebote angenommen werden.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Es gibt auch gewisse Integrationspflichten, wenn man Staatsbürger bei uns werden will. Das sind wirtschaftliche Aspekte – das ist schon gesagt worden –: Natürlich muss jemand für seine Familie selber sorgen können. Das sind rechtliche Aspekte: Es kann nicht sein, dass jemand im Dauerkonflikt mit unserem Strafrecht liegt, dass jemand unsere Grundsätze von Meinungsfreiheit, von Gleichberechtigung, von religiöser Toleranz nicht verinnerlicht hat. Es gibt auch kulturelle Aspekte, es gibt auch ungeschriebene Regeln, ohne die unsere Gesellschaft nicht auskommen kann, und natürlich muss die Sprache gesprochen werden; ohne dies kann Integration nicht gelingen.

Wenn also jemand – damit komme ich zum Schluss, Frau Präsidentin – Deutscher werden will und die Voraussetzungen erfüllt, dann ist das eine gute und eine schöne Botschaft. Es ist genau das Gegenteil dessen geboten, was die AfD uns hier sagen will.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Als Nächster erhält das Wort Dr. Volker Ullrich für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
9 Vermerkeca. 458 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Im demokratischen Verfassungsstaat ist die Frage nach dem Erwerb der Staatsbürgerschaft eine zentrale, vor allen Dingen deswegen, weil das Staatsvolk die Staatsgewalt konstituiert, wie es Artikel 20 GG explizit vorsieht.

Über das Staatsbürgerschaftsrecht sind intensive Debatten in unserem Land geführt worden. Ich will aber den Eindruck, dass unser Land ein altmodisches Staatsbürgerschaftsrecht hätte, so nicht stehen lassen. Wir haben ein modernes Staatsbürgerschaftsrecht.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit dem Wegfall der Optionspflicht vor neun Jahren – das war auch umstritten in unserer politischen Gruppierung – ist die Pflicht, sich zu entscheiden, entfallen, wenn man acht Jahre rechtmäßig als Kind in Deutschland aufgewachsen ist. Das ist auch ein wichtiges Signal an all die Familien mit Zuwanderungsgeschichte in unserem Land. Wir können die Verfassungsrealität nur so beschreiben, wie sie ist, und nicht so darstellen, wie sie vielleicht niemals war, meine Damen und Herren.

Beifallder Abg. Petra Nicolaisen [CDU/CSU]

Entscheidend ist, dass wir uns beim Staatsbürgerschaftsrecht nicht hinter die Entscheidungen zurückbewegen, die getroffen worden sind, und völlig ausblenden, dass es mittlerweile auch eine Unionsbürgerschaft gibt, die ergänzend zur Staatsbürgerschaft dazukommt. Erst die Einbindung in die Europäische Union eröffnet eine entsprechende Perspektive und kann im Staatsbürgerschaftsrecht nicht mehr weggedacht werden.

Ich will aber davor warnen, dass man beim Staatsbürgerschaftsrecht – auch aus gutgemeinten Gründen – ein Stück weit über das Ziel hinausschießt. Wenn es um Arbeitsmigration geht, dann ist doch der entscheidende Punkt, dass Menschen hierherkommen können, hier eine Stelle finden, vielleicht auch weniger Steuern bezahlen, von Bürokratie befreit sind, wenn sie selbstständig tätig sind. Die Staatsbürgerschaft ist kein Anreiz zur Arbeitsmigration, sondern es muss umgekehrt sein: Nach gelungener Integration kann die Staatsbürgerschaft stehen.

Ja! Sehr gut!

Aber Arbeitsmigration selbst sollte nicht mit dem Erwerb der Staatsbürgerschaft beantwortet werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich finde, dass es, wenn es um den Erwerb der Staatsbürgerschaft auch für Menschen geht, die länger hier leben, nicht unzumutbar ist, zumindest Grundkenntnisse der deutschen Sprache vorweisen zu müssen.

Fließend! Fließend müssen sie sie können!

Das B1-Level ist etwas, was man von jedem erwarten können sollte, der sich seit Jahrzehnten in Deutschland aufhält.

Beifallbei der CDU/CSU

Wird ja auch nicht geändert!

Das ist auch eine Frage der Identifikation mit unserem Land.

Insgesamt aber lehnen wir den Gesetzentwurf der AfD selbstverständlich ab.

Das wundert uns aber!

Ich fordere aber auch ein, dass wir über die Fragen des Staatsbürgerschaftsrechts mit der gebotenen Sorgfalt diskutieren.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Die nächste Rednerin ist Gülistan Yüksel für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
18 VermerkeZwischenfrageca. 949 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf den Tribünen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich mit meiner eigentlichen Rede beginne, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich hier herzlich zu bedanken. Ich selbst bin in Adana geboren, in einer Stadt, die, wie weite Teile der Türkei und Syriens, vom Erdbeben betroffen ist. Ich bin mit vielen Menschen aus der Region in Kontakt, die mir direkt von der schrecklichen Katastrophe berichten. Der Schmerz, den dieses Erdbeben bei all jenen hinterlässt, die ihre Liebsten verloren haben, ist nicht in Worte zu fassen. Mit großer Dankbarkeit erfüllen mich die Anteilnahme und die Hilfe aus Deutschland. Deshalb auch im Namen meiner Bekannten, Freunde und Familie vor Ort vielen herzlichen Dank!

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und der Abg. Ina Latendorf [DIE LINKE]

Auch wenn es mir jetzt schwerfällt, komme ich zum Tagesordnungspunkt zurück. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, Deutschland ist ein Einwanderungsland. Mehr als jeder vierte Mensch in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte. In der jungen Generation sind es sogar deutlich mehr. Warum ist es so wichtig, das hier zu betonen? Weil der SPD-Gründervater Ferdinand Lassalle recht hatte, als er sinngemäß sagte: Alle großen politischen Aktionen beginnen damit, auszusprechen, was ist. Alle politische Kleingeisterei besteht im Verschweigen der Realität.

Der vorliegende AfD-Gesetzentwurf ist ein gutes Beispiel für diese Kleingeisterei.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ina Latendorf [DIE LINKE]

Die AfD verschweigt nämlich die Lebenswirklichkeit in Deutschland und will mit dem Staatsangehörigkeitsrecht zurück in die Vergangenheit.

Und Sie verschweigen die Clangesellschaften und die Parallelgesellschaften! Das verschweigen Sie!

Einbürgerungen will die AfD nur noch im Einzelfall und nach Ermessen, wenn – ich zitiere – „das Gemeinwesen durch Hinzufügung eines loyalen Neubürgers im politischen Sinne gestärkt wird“.

Das ist völlig verkehrt!

Unklar bleibt, was die Rechtsradikalen und Ewiggestrigen mit „Loyalität“ meinen könnten.

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Es ist gut, dass der Verfassungsschutz die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall führt und ihr Verständnis von Loyalität im Blick hat.

Liebe Demokratinnen und Demokraten, als Fortschrittskoalition sagen wir aber nicht nur, was ist; wir gehen weitere nötige Schritte. Wir sorgen nun endlich für einen Paradigmenwechsel in der Migrationspolitik. Mit dem Chancen-Aufenthaltsrecht haben wir schon im vergangenen Jahr einen wichtigen Meilenstein gelegt. Und ja, wir modernisieren endlich auch das veraltete Staatsangehörigkeitsrecht.

Gegen den Willen des Volkes!

Menschen, die schon längst selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft sind, können die deutsche Staatsbürgerschaft schnell erhalten. So stärken wir unsere Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Zurufdes Abg. René Bochmann [AfD]

Dabei bleiben zentrale Einbürgerungskriterien natürlich weiterhin erhalten. Das Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung wollen wir als Einbürgerungsbedingung sogar konkretisieren.

So stellen wir auch gesetzlich klar: Rassistisch und menschenverachtend motivierte Handlungen sind mit dem Grundgesetz und der Einbürgerung unvereinbar. Aber die AfD muss sich nicht sorgen: Wer in einer rechtspopulistischen oder reichsbürgerlichen Parallelgesellschaft lebt, bekommt die deutsche Staatsbürgerschaft nicht aberkannt.

Vielmehr bemühen wir uns in unserem Kampf gegen rechts weiterhin auch um Ihre Integration.

Hätten Sie mal Angebote gemacht! Dann hätte es uns nicht gegeben!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein weiterer wichtiger Punkt unserer Reform ist die Mehrstaatigkeit. Auch hier möchte ich dem anfangs zitierten Lassalle folgen und aussprechen, was ist: Schon heute ist die Mehrstaatigkeit gängige Praxis. Die zahlreichen Ausnahmeregelungen sorgten zuletzt dafür, dass 69 Prozent aller Einbürgerungen – mein Kollege ist eben schon darauf eingegangen – unter Beibehaltung der bisherigen Staatsangehörigkeit erfolgen.

Schlimm genug!

Wir wollen die Mehrstaatigkeit nun grundsätzlich zulassen

Wir nicht! Wir wollen das nicht!

Ja, das haben wir verstanden!

und machen keine Unterschiede mehr nach Herkunftsländern.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wir wollen gleiche Pflichten und gleiche Rechte für alle. So sorgen wir übrigens auch dafür, dass Deutsche nach Erwerb einer weiteren Staatsangehörigkeit im Ausland ihre deutsche Staatsangehörigkeit nicht mehr verlieren.

Ein weiterer Punkt, der mir besonders am Herzen liegt, ist, dass wir die Hürden für die Einbürgerung der Gastarbeitergeneration senken. Ihre Lebensleistung wollen wir wertschätzen und anerkennen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Tina Winklmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, um sagen zu können, was ist, müssen wir den Menschen zuhören und im Dialog bleiben.

Ja, dann machen Sie das mal!

Dazu hat die SPD-Bundestagsfraktion vor wenigen Tagen hier im Reichstag zu einer Migrationskonferenz eingeladen.

Zu der wievielten?

Abg. René Bochmann [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Frau Kollegin, erlauben Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion?

Nein. – Unzählige Engagierte und Fachleute sind unserer Einladung gefolgt. Ich bin dankbar für ihre wertvolle Arbeit. Dankbar bin ich auch für den guten Austausch, der zeigt: Unsere Reformen sind längst überfällig.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen wir also die Kleingeisterei hinter uns, sehen wir gemeinsam, was ist, und haben wir den Mut, das auszusprechen und auch umzusetzen!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Wort erhält Mechthilde Wittmann für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
7 Vermerkeca. 589 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Frau Yüksel, nachdem Sie so freundlich begonnen haben, darf ich Sie bitten – ich glaube, namens fast aller Kolleginnen und Kolleginnen des Hauses –, an die Betroffenen in Ihrer Heimat, wenn ich es so sagen darf, zu kommunizieren, wie sehr wir mit ihnen fühlen und wie sehr wir wünschen, dass in diesem wahnsinnigen Unglück noch möglichst viel Gutes geleistet werden kann.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD

Vielleicht ist die Debatte heute deswegen auch ein Stück weit zurückgenommen, weil wir alle mitfühlen.

Aber lassen Sie auch mich jetzt zum Thema zurückkehren. Sie, die Kolleginnen und Kollegen von SPD und Grünen, haben sehr häufig von einer Teilhabe an unserer Gesellschaft gesprochen. Die Teilhabe an unserer Gesellschaft macht sich nicht am Pass fest. Die Teilhabe macht sich am täglichen Miteinander fest, und sie macht sich daran fest, dass wir miteinander einen Umgang pflegen, wie ihn dieser Rechtsstaat in seiner rechtsstaatlichen Kultur geprägt hat, und dass es wechselseitigen Respekt gibt. Dafür braucht es keine Anerkennungsleistung. Der Pass ist keine Anerkennung. Der Pass ist das Dokument, mit dem jemandem bescheinigt wird, dass er sich in unsere Rechtsstaatlichkeit eingefügt hat, dass er sich zu der Rechtegemeinschaft zugehörig fühlt, die wir durch unser Grundgesetz sind, und dass er dieses auch gut kennt.

Wertegemeinschaft!

– Meine Rede halte ich immer noch selber, Frau von Storch.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich wollte das nur ergänzen! Da fehlte was!

Dazu gehören natürlich nicht nur gute Kenntnisse; dazu gehört auch die Verständigung. Und dazu gehört es nicht, sich im Schnellverfahren einfach mal in unseren Staat einbürgern zu lassen,

Zurufder Abg. Gülistan Yüksel [SPD]

sich aus einem anderen Staat nicht ausbürgern lassen zu wollen und dadurch in erster Linie die Rechte all dieser Staatlichkeiten in Anspruch zu nehmen.

Was mir in dieser Debatte auf der linken Seite vollkommen gefehlt hat, ist die Feststellung, dass es auch Pflichten gibt. Dieser Staat besteht aus einer Gemeinschaft, die von Rechten und Pflichten geprägt ist und in die man sich einfügen muss. Am Ende dieses Einfügungsprozesses mit der tiefen eigenen Überzeugung, diesem Rechtsstaat angehören und seine rechtsstaatliche Kultur leben zu wollen, steht die Einbürgerung, nicht vorher.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn Sie uns sagen, dass mehr als 5,9 Millionen Menschen schon seit über zehn Jahren hier sind, dann erkennen Sie, dass sie die Möglichkeit, eingebürgert zu werden, schon seit Langem haben, wenn es für sie ein wichtiger Akt ist. Zu behaupten, wir hätten eine Debatte von vor 20 oder 30 Jahren geführt, ist einfach Unfug. Wenn Sie das behaupten, haben Sie sich offenkundig nicht die Zeit genommen, sich mit unseren Gesetzgebungstätigkeiten zu beschäftigen. Wir haben in den letzten 16 Jahren nachjustiert – im Übrigen gemeinsam mit Ihnen – und haben das Staatsbürgerschaftsrecht so modernisiert, dass es jetzt Bestand haben kann. Mehrstaatlichkeit mit der Loyalität immer zu dem Staat, dem man sich gerade zugeneigt fühlt, kann nicht Bestand haben. Es bedarf einer Entscheidung.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich musste mich nicht entscheiden!

Letzter Redner in dieser Debatte ist Marcel Emmerich für Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
9 Vermerkeca. 584 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Als ich den Gesetzentwurf der AfD gelesen habe, habe ich mich gefragt, aus welchem historischen Museum er geklaut wurde. Er ist dermaßen ewiggestrig. Und es ist vollkommen unangebracht, die Gesellschaft über diese Frage dermaßen zu spalten. Es ist unwürdig, Menschen bei dieser Frage in Menschen erster und zweiter Klasse zu unterteilen.

Macht die Deutsche Bahn jeden Tag!

Manche von uns wissen vielleicht, wie es ist, wenn zwei Herzen in einer Brust schlagen. Bei vielen ist es der Fußballverein. Bei der AfD könnte es auch sein, dass es die Parteimitgliedschaft ist. Denn wenn man in Ihre Bundessatzung schaut, sieht man, dass in § 2 Absatz 3 zur Frage der Doppelmitgliedschaft in der AfD und einer anderen Partei steht: „Ausnahmen kann der Bundesvorstand beschließen.“

Hört! Hört!

Bei der Loyalitätsfrage und dem Konkurrenzverhältnis nehmen Sie es in Ihrer eigenen Partei also nicht so ernst.

Doppelmitgliedschaft in der NPD wahrscheinlich!

Es gibt aber keinen Anspruch auf Doppelmitgliedschaft!

Bei manchen Leuten ist es halt so, dass zwei Herzen in einer Brust schlagen, wenn es um die zentralen Fragen geht: „Wo komme ich her? Wo gehöre ich hin? Wer bin ich?“, weil die Eltern aus einem anderen Land stammen und man selbst hier oder in einem anderen Land aufgewachsen ist oder weil man später zum Studieren oder zum Arbeiten woanders hingegangen ist und nun dort lebt. Zu einem modernen Einwanderungsland gehört es, dass wir diesen Menschen die Möglichkeit geben, fester Teil unserer Gesellschaft zu sein.

Die Möglichkeit ist doch heute schon da!

Ein Nein zur Mehrstaatlichkeit geht an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei. Ein Ja zur Mehrstaatlichkeit ist ein Beitrag zur demokratischen Teilhabe und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Das betrifft vor allem Menschen in diesem Land, die zum Wohlstand dieses Landes beitragen. Das haben viele auch erkannt. Das Institut der deutschen Wirtschaft zum Beispiel sagt ganz klar, dass die doppelte Staatsbürgerschaft und erleichterte Mindestanforderungen für die wirtschaftliche, ja, sogar für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung von Bedeutung sind. Und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft begrüßt die Pläne der Ampelkoalition, weil er darin eine Chance sieht, Pflegekräfte und Ingenieure anzuwerben.

Hört! Hört!

Billige Arbeitskräfte!

Er spricht sogar von einem „Standortvorteil“ – hört, hört! –, nix mit „Verramschen“ oder „Black Friday“.

Aber auch nichts mit Staatsbürgerschaft! Davon reden die doch gar nicht!

Es geht hier im Kern um die Entbürokratisierung dieses Landes. Es geht darum, die integrative Kraft dieses Landes zu beweisen.

Die Fachkräfte von anderen Nationen klauen! Das ist der Hintergrund!

Gegenrufder Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Und es geht auch ganz klar darum, die Zukunftsfähigkeit und den Standort Deutschland, den Wohlstand hier zu erhalten. Wir alle kennen die Situation mit Fachkräften in unseren Wahlkreisen. Bei jedem Termin liegen uns Betriebe und Institutionen vollkommen zu Recht im Ohr. Deswegen tun wir da was. Mit aller Vehemenz arbeiten wir an einem zeitgemäßen Rahmen für ein modernes Einwanderungsland.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP