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13. Sitzung der 21. Wahlperiode

Mittwoch, 25. Juni 2025 · Berlin

172 Reden in dieser Sitzung

172Reden46.007Wörter
549Vermerke
2 namentliche Abstimmungen in dieser SitzungAnzeigen

„Angenommen“ oder „Abgelehnt“ leitet OpenPlenum aus den Ja- und Nein-Stimmen ab. Bei Abstimmungen, die eine qualifizierte Mehrheit verlangen, kann die amtliche Feststellung des Bundestages abweichen.

Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
1 Vermerkca. 540 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich freue mich, dass ich Ihnen heute einen ersten Überblick geben kann über das wirtschaftspolitische Grundgerüst der Bundesregierung.

Derzeit gleicht Deutschland einem Schiff auf hoher See. Stürmisch ist die See. Externe Schocks wie die Unterbrechung von Lieferketten, die Nachwirkungen von Corona, der Ukrainekrieg, Exportbeschränkungen von Rohstoffen aus China, der Handelskonflikt mit den USA: All das schüttelt unsere Wirtschaft durch.

Doch der Sturm, der uns mit am meisten schadet, ist hausgemacht. Seit 2022 stagniert unsere Volkswirtschaft. Deutschland bleibt unter seinen Möglichkeiten. Unsere Wachstumsschwäche ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von strukturellen Schwächen, die lange zurückliegen und sich aufgebaut haben: nicht mehr wettbewerbsfähige Steuern, hohe Lohnnebenkosten, lähmende Bürokratie, teilweise veraltete Infrastruktur, mangelnde Digitalisierung und nicht zuletzt hohe Energiekosten.

Stillstand bedeutet heutzutage im globalen Wettbewerb Rückschritt und damit den schleichenden Verlust von gut bezahlten Arbeitsplätzen, die wir brauchen und erhalten wollen.

Wir haben begonnen, die Segel neu zu setzen. Die Bundesregierung ist mit dem Versprechen angetreten, die Ärmel hochzukrempeln und unser Land wieder auf Kurs zu bringen. Das geht nur mit einer starken Wirtschaft, mit mehr Produktivität, mit guten Arbeitsplätzen, mit Leistungsbereitschaft. Nur damit werden wir unser hohes Maß an sozialer Sicherung wahren und das Wohlstandsversprechen an zukünftige Generationen halten können.

Wir rücken die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft wieder ins Zentrum. Wir wollen weniger reglementieren, weil wir den Unternehmen vertrauen, weil wir den Arbeitnehmern vertrauen. Wir werden Mut belohnen und Anreize für Arbeitende und Unternehmertum stärken. Das ist unser Kompass.

Wir haben unverzüglich mit der Arbeit begonnen. Der erste Schritt: Wir bauen verlorengegangenes Vertrauen wieder auf. Wir haben ein Sofortprogramm aufgestellt und einen Haushalt präsentiert; dieser wurde gestern im Kabinett beschlossen. Wir entlasten die Bürgerinnen und Bürger bei den Energiekosten, etwa durch die Abschaffung der Gasspeicherumlage oder die Senkung von Bestandteilen der Netzentgelte.

Wir wollen das Planungs- und Genehmigungsrecht vereinfachen, damit wir unsere Infrastruktur schneller auf Vordermann bringen können. Wir haben mit einem Investitionsbooster ein Angebot an die Unternehmen gemacht, zu investieren. Es muss sich lohnen, in Deutschland zu investieren.

Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen zuletzt leicht angehoben. Ja, wir spüren ein bisschen Wind unter den Flügeln. Aber noch erscheint mir der Aufschwung zu fragil. Das heißt, wir müssen die Strukturreformen anpacken. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.

Manches werden wir schnell tun, zum Beispiel Reformen im Vergaberecht, um öffentliche Investitionen zu beschleunigen, und das mittelstandsfreundlich. Wir werden schnell an die Energiepreise gehen. Ich erwähnte die Gasspeicherumlage und das Absenken der Netzentgelte. Wir bauen die erneuerbaren Energien weiter aus. Wir sorgen für Versorgungssicherheit, für mehr Effizienz und Wettbewerb.

Wir bauen Bürokratie ab, Stichwort „Berichtspflichten“. Wir wollen auf Gold-Plating verzichten, Experimentierklauseln nutzen und Ermessensspielräume erweitern. Und wir wollen das Arbeitsplatzangebot ausweiten, indem wir bessere Arbeit schaffen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und die Arbeitszeit flexibilisieren.

Meine Damen und Herren, ich bin überzeugt, dass es diese Maßnahmen braucht, um langfristig wettbewerbsfähig zu werden. Wir brauchen diese Wachstumsstrategie, damit Deutschland auch Europa wieder nach oben ziehen kann.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Das Wort für den zweiten einleitenden Bericht hat nun der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Herr Alois Rainer. Sie haben das Wort.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 531 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Bundesregierung will für die Menschen in unserem Land spürbare Veränderungen zum Besseren schaffen. Wir wollen durch gute Arbeit das Vertrauen der Menschen in uns rechtfertigen. Wir wollen für unsere landwirtschaftlichen Betriebe gute Perspektiven schaffen, gerade für die kommende Generation und auch für die nächsten Generationen.

Wir wollen sie finanziell entlasten. Deshalb steht auch die vollständige Wiedereinführung der Agrardieselsteuerrückvergütung ganz oben auf unserer To-do-Liste. Wir wollen die tierhaltenden Betriebe in Deutschland stärken, ihnen Planungssicherheit und auch Verlässlichkeit geben. Und wir wollen Freiräume schaffen, indem wir Bürokratie abbauen.

Angefangen haben wir gestern mit dem im Kabinett beschlossenen Ende der Stoffstrombilanzverordnung. Wir haben geliefert. Wir geben ein klares Signal. Wir wissen, dass wir den Menschen vertrauen können und nicht alles bis ins Detail regeln müssen. Dies gilt für die Arbeit auf unseren Höfen und in unseren Wäldern. Das gilt ebenso für das Handwerk und für die Unternehmen der Ernährungswirtschaft.

Unsere Land- und Ernährungswirtschaft ist eine einzigartige und wichtige Branche, die uns alle versorgt und gleichzeitig wichtige Beiträge für den Schutz von Klima, Umwelt und Biodiversität leistet. Das wollen wir wertschätzen und gleichzeitig Wertschöpfung ermöglichen.

Veränderungen gestalten bedeutet gerade in der Agrarpolitik, über Ländergrenzen hinweg zusammenzuarbeiten; denn vieles, was die Arbeit auf unseren Höfen betrifft, wird von der europäischen Ebene beeinflusst und auch dort entschieden. Bei meinem Treffen mit den europäischen Partnern – sei es beim Agrarrat in Brüssel oder bei meinem Antrittsbesuch bei meiner Amtskollegin in Paris – wurde eines immer wieder klar: Uns eint die Position, dass wir eine eigenständige Gemeinsame Agrarpolitik mit ganz klaren Rahmenbedingungen brauchen. Landwirtinnen und Landwirte verdienen eine GAP, die sich an der Realität der Höfe orientiert: unbürokratisch, wettbewerbsfähig und planungssicher.

Eine starke Landwirtschaft bedeutet, starke ländliche Regionen zu ermöglichen. Das ist für mich das Kriterium, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu fördern. Wir haben im ländlichen Raum andere Gegebenheiten als im urbanen Raum; denken wir an Infrastruktur, Daseinsvorsorge oder Ehrenamt. Wir packen dies im Sinne des Koalitionsvertrages auch an. Die Menschen auf dem Land sind Leistungsträger im Handwerk, in der nachhaltigen Lebensmittelproduktion, bei der Energiewende und beim Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Und das, meine Damen und Herren, soll auch so bleiben.

Wir werden durch unsere Arbeit unseren Teil dazu beitragen, damit die Heimat der Menschen lebendig und zukunftsfähig ist und bleibt – mit einer erfolgreichen Land- und Ernährungswirtschaft in ihrer ganzen Vielfalt und gemeinsam mit den Menschen in ländlichen Räumen und Städten, die sich für unsere Heimat engagieren und so das Rückgrat unserer Demokratie sind. Im Begriff „Heimat“ steckt viel Positives. Das müssen wir vermitteln, das müssen wir gemeinsam im Alltag der Menschen immer wieder deutlich machen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank, Herr Minister.

Wir treten jetzt in den Frageteil ein. Zu den Fragen will ich kurz erwähnen, damit ich das von hier oben gut im Blick behalte und das Pingpongspiel vernünftig leiten kann: eine Minute pro Hauptfrage, eine Minute pro Antwort; 30 Sekunden pro Nachfrage, 30 Sekunden pro Antwort.

Ich darf das Wort zur ersten Frage Herrn Abgeordneten Leif-Erik Holm erteilen.

Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
1 Vermerkca. 180 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, Sie haben gerade von den hohen Energiekosten gesprochen. Angesichts der hohen Kosten verstehen wir es schon nicht, dass die Stromsteuer nun nicht für alle gesenkt werden soll. Da kann man auch hier nur sagen: Versprochen, gebrochen. Wegen der hohen Energiekosten gehen viele Arbeitsplätze verloren, Steuergeld wird durch hohe Subventionen verbrannt, grüne Luftschlösser zerplatzen – Stichwort: grüner Stahl; Arcelor hat aufgegeben. Die wettbewerbsfähige Batteriezellproduktion – Northvolt – wird es ebenfalls nicht geben.

Für Northvolt musste der Steuerzahler wegen Herrn Habeck ins Risiko gehen: 1 Milliarde Euro steht hier im Feuer, und das auf sehr wackeliger Grundlage eines Gutachtens, das ja lange unter Verschluss geblieben war, das Sie uns jetzt dankenswerterweise aber zur Verfügung gestellt haben. Zum Gutachten sagt der Bundesrechnungshof laut Presseberichten, dass das Wirtschaftsministerium weitgehend „nach dem Prinzip Hoffnung“ agiert hätte. Das ist eine sehr harte Kritik, die vom Rechnungshof kommt. Teilen Sie diese Kritik, und schließen Sie sich den Forderungen aus unserer und aus Ihrer Partei an, dass es jetzt dringend einen Untersuchungsausschuss Habeck braucht?

1 Vermerkca. 181 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, zunächst schaffen wir Transparenz bei dem von Ihnen benannten Fall. Die Investitionsentscheidung damals wurde sicherlich in guter Absicht getroffen. Diese Investitionsentscheidung, die Unterstützung, hat sich als fehlerhaft erwiesen. Bevor wir zu weiter gehenden Maßnahmen greifen, wollen wir erst mal Klarheit in die Fakten bringen, und vor allem geht es für uns darum, Steuergeld zu sichern, was die Aufgabe meines Ministeriums ist.

Zu den von Ihnen angesprochenen hohen Strompreisen, überhaupt zu den Energiepreisen. Sie haben recht: Die Energiepreise sind hoch, sie belasten Unternehmen. Wir werden den Strompreisanteil senken, indem wir die Stromsteuer für Unternehmen senken – das macht immerhin über 3 Milliarden Euro aus –, wir senken die Netzentgelte – das sind 6 Milliarden Euro –, und wir schaffen die Gasspeicherumlage ab. Die letzten beiden sind übrigens Maßnahmen, die auch für die privaten Haushalte wichtig sind und nicht nur für die Unternehmen; sie entlasten beide. Uns geht es um die Bürgerinnen und Bürger ganz zuvörderst.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es gibt die Gelegenheit zu einer Nachfrage.

Porträt von Leif-Erik Holm
Foto: Leif-Erik Holm
ca. 60 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Vielleicht könnten die Bürger ihre Stromsteuer auch gut und gerne bezahlen, wenn sie nicht für solche Milliardenrisiken haften müssten wie bei Northvolt mit 1 Milliarde Euro insgesamt. Das ist eine Menge Geld, die dort im Feuer steht. Deshalb möchte ich nachfragen: Mit wie vielen Hundert Millionen Euro Schaden rechnen Sie jetzt am Ende?

1 Vermerkca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst gibt es hier zwei getrennte Verfahren: das Insolvenzverfahren in Schweden und den deutschen Teil, bei dem noch keine Insolvenz angemeldet ist. Noch einmal: Wir nehmen das Gutachten des Bundesrechnungshofes nicht nur ernst, sondern es ist auch eine Mahnung, dass der Staat selten der bessere Unternehmer ist.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]

Vielen Dank. – Damit wandert das Fragerecht an die SPD-Fraktion. Herr Abgeordneter Sebastian Roloff.

Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
ca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin Reiche, ich darf noch mal auf die Energiekosten zurückkommen. Wir begrüßen das Strompreispaket sehr, das die Bundesregierung gestern auf den Weg gebracht hat. In der Analyse ist es natürlich so, dass es entlastet. Bei den energieintensiveren Branchen und Unternehmen fällt die Entlastung wahrscheinlich aber aufgrund anderer Maßnahmen, die da schon wirken, verhältnismäßig geringer aus. Wir haben, wie ich zu wissen glaube, den Konsens, dass zum Beispiel die Stahl- und Chemieindustrie große Unterstützung braucht; sie sind wichtige Branchen für Deutschland. Dementsprechend wäre die Frage, welche Maßnahmen die Bundesregierung jenseits des gestern auf den Weg gebrachten und, wie gesagt, von uns sehr begrüßten Paketes plant, um der Energiepreise Herr zu werden.

1 Vermerkca. 191 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, es ist gut, dass wir private Haushalte wie Unternehmen in den Blick nehmen. Die von Ihnen angesprochene Stahlbranche ist eine, die wirklich im Feuer steht – ja, durch Energiepreise, vor allem aber auch durch unfaire Produktions- und Handelspraktiken, und das nicht erst seit drei Jahren, sondern tatsächlich schon länger. Die Produktion von Stahl in Deutschland ist durch verschiedene Faktoren teurer geworden. Staaten wie China fördern Stahl hinsichtlich der Produktionskosten und der Arbeitskosten und machen es somit deutschen bzw. europäischen Unternehmen schwer, hier wettbewerbsfähig zu werden. Wichtig ist, dass wir den Beihilferahmen mit der Kommission schnell verhandelt bekommen, um energieintensive Unternehmen zu unterstützen. Wichtig ist auch, dass sie neben bestehenden Maßnahmen, die es gibt – es geht ja über die Strompreiskompensation hinaus; das sind Netzentgelte, das ist das Super-Cap –, auch individuelle Förderung erhalten können.

Frau Ministerin.

Punkt! Ich werde in Zukunft weniger die Kollegen angucken als vielmehr die rote Uhr.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn ich als Roter auf die rote Lampe hinweisen darf.

Herr Abgeordneter.

Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
ca. 72 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Antwort. – Sie haben den Beihilferahmen und die Diskussionen mit Brüssel erwähnt. Wir freuen uns sehr, dass es da meiner privaten Meinung nach überraschend schnell zu guten Signalen kommt, wie temporär befristete Maßnahmen beim Beihilferahmen zur Ermöglichung zum Beispiel eines Industriestrompreises oder andere Entlastungsmaßnahmen. Da wir da jetzt optimistisch sein können: Wann kann die Bundesregierung ein Konzept für einen Industriestrompreis konkret vorlegen? Wovon gehen Sie aus?

1 Vermerkca. 123 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wir sind ja mit den Verhandlungen noch nicht durch. Wir haben eine erste positive Antwort erhalten. Es gibt aber weitere Bestandteile, zum Beispiel die Länge des Rahmens, der bislang bis 2030 reicht, oder auch Auflagen für Unternehmen, dass man binnen 48 Monaten 50 Prozent der Kompensation in Effizienzmaßnahmen umsetzen muss, um den Strompreis zu reduzieren, was ein bisschen widersprüchlich ist: Wir wollen ja einerseits Elektrifizierung erreichen, auf der anderen Seite müssen die Mittel gut verwendet werden. Da sind wir noch nicht durch. Wir wissen aber, dass der Gesamtrahmen fertig sein muss, bevor wir an die Ausschreibung von neuen Gaskraftwerken gehen. Also bis zum Ende des Jahres.

Vielen Dank!

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
1 Vermerkca. 158 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Guten Nachmittag, Herr Minister Rainer! Sie haben heute Vormittag im Ausschuss noch mal betont, dass Sie der Ansicht sind, dass alle Menschen in Deutschland essen können sollen, was sie wollen, und auch arbeiten können sollen, wie sie wollen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass wir im Bereich der Gentechnik bei einer Kennzeichnungspflicht bleiben; denn sonst können sich die Menschen nicht mehr gegen Gentechnik in ihrem Essen entscheiden, und die Unternehmen, die ohne Gentechnik arbeiten wollen, müssen dann sehr hohe Kosten tragen.

Genau deswegen sind zum Beispiel auch die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber oder der sächsische Landwirtschaftsminister von Breitenbuch, der das letzte Woche auf den Feldtagen in Canitz noch mal gesagt hat, für eine Kennzeichnungspflicht und eine Rückverfolgbarkeit entlang der Lebensmittelkette. Ich frage Sie jetzt ganz direkt: Sind Sie für eine Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln, die gentechnisch verändert wurden? Ja oder nein?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
2 Vermerkeca. 177 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Kollege Bär, vielen herzlichen Dank für die Frage. – Gerade die Gentechnik ist ja gesellschaftspolitisch sehr hoch angesiedelt, und ich gehe davon aus, dass Sie auf die neuen genomischen Techniken anspielen; denn eine Gentechnikkennzeichnung bzw. eine Kennzeichnung von gentechnisch nicht veränderten Lebensmitteln haben wir schon.

Die neuen genomischen Techniken sind auf EU-Ebene aktuell in der Diskussion; es findet das Trilogverfahren statt. Auch wir beteiligen uns daran. Im Koalitionsvertrag steht, dass wir offen und wirtschaftsbasiert mit diesen Dingen umgehen wollen. Auf der anderen Seite kenne ich aber die Diskussion, gerade wenn es um den Biolandbau und um Verunreinigungen durch neue genomische Techniken im Vergleich zur bisherigen Gentechnik geht.

Das war nicht die Frage!

Ich kann jetzt noch nicht sagen, wie der Ausgang ist, weil wir uns mitten in den Verhandlungen befinden.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben noch nicht geantwortet!

Sie haben die Gelegenheit zur Nachfrage.

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
1 Vermerkca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Nachfrage liegt ja auf der Hand; Sie haben eine Minute lang um die Frage herumgeredet.

Wir haben eine Regelung im Bereich „Kennzeichnung von Gentechnik“, die nach höchstrichterlichem Urteil von 2019 eindeutig auch für diese neuen genomischen Techniken gilt. Sind Sie der Ansicht, dass die beibehalten werden soll, oder sind Sie der Ansicht, dass die abgeschafft werden soll? Denn das ist das, was im Trilog, der gerade läuft, zur Debatte steht.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
4 Vermerkeca. 189 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen herzlichen Dank für die Nachfrage. Genau, das steht zur Debatte.

Aber es gab noch keine Entscheidung in der Europäischen Union. Und warum sollen wir, wenn es in der Europäischen Union noch keine Entscheidung gibt, mit nationalen Entscheidungen schon vorgreifen?

Aber Sie stimmen doch da ab!

Das wäre unredlich, und das wäre dementsprechend auch nicht gut. Wir stehen zu wissenschaftlichen Aussagen, und an diesen wissenschaftlichen Aussagen werden wir uns am Ende des Tages auch orientieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber Sie müssen doch Ja oder Nein sagen!

Das Fragerecht wandert zur CDU/CSU-Fraktion. Der Abgeordnete Dr. Andreas Lenz.

Jetzt kritisch nachhaken!

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
1 Vermerkca. 141 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Herr Präsident. – Danke, Frau Ministerin. Danke auch an Sie, Herr Minister. Meine Frage geht an die Frau Wirtschaftsministerin.

Danke für die grundsätzlichen Ausführungen. Sie haben es ausgeführt: Es wird ein hohes Tempo vorgelegt. Die wirtschaftlichen Indikatoren zeigen endlich wieder nach oben: Dreimal in Folge stieg der ifo-Geschäftsklimaindex; die Prognosen werden insgesamt nach oben korrigiert, nachdem sie über Jahre immer nach unten korrigiert wurden. Es wird deutlich: Die ersten Maßnahmen zeigen Wirkung.

Es ist uns allen aber klar, dass noch mehr gemacht werden muss, um den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Meine Frage: Was wollen Sie wirtschaftspolitisch insgesamt machen? Was sind Ihre ersten Maßnahmen? Was sind Ihre grundsätzlichen Maßnahmen, um möglichst das gesamte Potenzial der deutschen Wirtschaft zu entfalten? – Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Roloff [SPD]
1 Vermerkca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter. – Zunächst mal nehmen wir die positiven Indikatoren der Wirtschaftsforschungsinstitute zur Kenntnis. Wir freuen uns darüber, wissen aber auch, dass die Erholung und der Optimismus auf dem Markt nicht ausreichen: Es müssen Reformen folgen. Zu den Energiemaßnahmen hatte ich eben schon etwas ausgeführt; das spare ich mir an dieser Stelle.

Wir müssen beim Vergaberecht – da sind wir jetzt bei der Novelle – besser und schneller werden und werden es so ausgestalten, dass wir nicht nur schnell investieren, sondern auch mittelstandsfreundlich. Wir unterstützen das Bundesverteidigungsministerium ebenfalls bei einer beschleunigten Vergabe.

Wir werden Bürokratie abbauen. Die Berichtspflichten im deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz werden abgeschafft. Wir beschleunigen aber auch Investitionen in erneuerbare Energien, Geothermie, Wasserstoff. Das sind Maßnahmen, die dazu beitragen, Klimaschutz und Wirtschaftswachstum zu vereinbaren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie haben die Gelegenheit zu einer Nachfrage.

Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
ca. 51 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Ausführungen. – In Deutschland wird ja gerade der Mittelstand immer wieder als Rückgrat der wirtschaftlichen Entwicklung genannt. Welchen Schwerpunkt wollen Sie denn aus wirtschaftspolitischer Sicht gerade für die kleinen und mittleren Unternehmen setzen, um hier besondere Anreize und Entlastungen zu schaffen?

1 Vermerkca. 103 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst halten wir unsere Förderprogramme hoch: das Programm ZIM, das ERP-Sondervermögen, das der regionalen Wirtschaft hilft, und wir stärken INNO-KOM. Wir unterstützen Unternehmen bei Exporten. Wir unterstützen neue Technologien wie KI. Wir stärken Reallabore als Experimentierfelder vor Ort. All das kann ein guter Strauß sein, um die Wirtschaft und gerade den Mittelstand wieder nach oben zu bringen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dirk Wiese [SPD]

Vielen Dank. – Damit kommen wir zur letzten Frage. Es hat das Fragerecht Herr Abgeordneter Mirze Edis von der Fraktion Die Linke.

Porträt von Mirze Edis
Foto: Mirze Edis
ca. 188 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin, zum einen sprechen Sie die ganze Zeit schon davon, dass Sie die Industriearbeitsplätze in Deutschland retten möchten. Wir haben aber momentan die Situation, dass 100 000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie, in der Chemieindustrie und in der Stahlindustrie wegfallen werden. Es kommt nicht heraus, wie Sie schnellstmöglich die Arbeitsplätze, die jetzt in Gefahr sind, schützen und retten wollen.

Zum anderen sprechen Sie die ganze Zeit von Wasserstofftechnologie. Wir haben drei große Konzerne – Salzgitter, thyssenkrupp und Saarstahl –, die mit Wasserstoff Stahl produzieren wollen, die aber nicht wissen, woher und zu welchem Preis sie in zwei oder drei Jahren Wasserstoff bekommen. Und wir haben mit den Hüttenwerken Krupp Mannesmann – das ist der zweitgrößte Stahlhersteller in Deutschland – ein Unternehmen, das jetzt kurz vor einer Standortschließung steht. Was möchten Sie in der Hinsicht tun?

Weiter möchte ich Ihnen die Frage stellen, –

Herr Abgeordneter.

Rednerwechsel

– weil der Ex-Bundeskanzler gesagt hat, dass man die Stahlindustrie verstaatlichen könnte: –

Herr Abgeordneter.

Rednerwechsel

– Ist es vielleicht auch eine Idee für Sie, sie zu verstaatlichen? – Danke sehr.

1 Vermerkca. 146 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die letzte Frage, Herr Abgeordneter, kann ich mit einem klaren Nein beantworten. Wir bedauern die Entscheidung von ArcelorMittal, das Projekt aufzugeben; ich weiß aber auch, dass die Situation der verschiedenen Projekte und übrigens auch der Hersteller – Saarstahl, Salzgitter-Stahl und thyssenkrupp – sehr unterschiedlich ist, mit unterschiedlichen Herausforderungen hinsichtlich des Unternehmensportfolios.

Wichtig ist – und das ist eine bedeutsame Aussage –, dass wir Arbeitsplätze in energieintensiven Unternehmen erhalten wollen. Wir wissen gleichzeitig, dass die Transformation gestemmt werden muss. Ja, dabei braucht es Unterstützung, vor allem aber durch vernünftige Wettbewerbsbedingungen und nicht durch Einzelfallförderung. Wir brauchen Unterstützung beim Transfer von neuen Technologien. Ja, Wasserstoff ist eine neue Technologie; aber hätte man früher angefangen, über Gas und blauen Wasserstoff zu gehen, wären wir jetzt in Deutschland schon weiter.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dirk Wiese [SPD]
Porträt von Mirze Edis
Foto: Mirze Edis
ca. 46 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe noch eine Nachfrage, weil Sie gesagt haben, Ihre Antwort sei ein klares Nein, Sie möchten nicht verstaatlichen. Wieso wollen Sie sich im Rüstungsbereich beteiligen, unter anderem bei TKMS, aber nicht in der Stahlindustrie? Finden Sie die Stahlindustrie nicht systemrelevant?

2 Vermerkeca. 105 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich müsste jetzt einen Vortrag halten über den Unterschied zwischen einer strategischen Beteiligung und einer Verstaatlichung. Der dürfte eigentlich auf der Hand liegen:

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Verstaatlichung, so wie Sie sie verstehen, ist die komplette Übernahme eines Unternehmens in staatliche Obhut. Da hatten wir viele Beispiele, die gezeigt haben, dass das falsch ist. Wir sind dafür verantwortlich, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu ermöglichen und unfairen Wettbewerb in Richtung China zu verhindern. Das sind die beiden Aufgaben, mit denen wir uns beschäftigen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Stephan Protschka
Foto: DBT/Haar
ca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön, Herr Präsident. – Sehr geehrter Herr Landwirtschaftsminister Rainer, Sie haben von einer zukunftssicheren Landwirtschaft gesprochen, unterstützen aber gleichzeitig uneingeschränkt das Mercosur-Abkommen. Also: Freihandel ist richtig und wichtig. Aber wie erklären Sie den Landwirten und den Verbrauchern, deren Minister Sie ja auch sind, dass Billigprodukte, also Produkte – vor allem Rindfleisch – nach viel niedrigeren Standards, was Umweltschutz, Tierschutz und Arbeitnehmerschutz angeht, ins Land importiert werden, während die Landwirte in Deutschland und Mitteleuropa sehr hohen Standards unterliegen, was die angesprochenen Themen Umweltschutz, Tierschutz, Arbeitnehmerschutz, Sozialschutz usw. betrifft? Das ist eine Wettbewerbsverzerrung und sorgt dafür, dass die deutschen Landwirte über kurz oder lang aufgeben müssen.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 151 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Protschka, vielen Dank für die Nachfrage. – Mercosur – das weiß ich – ist ein hochemotionales Thema, gerade in der Landwirtschaft. Auf der anderen Seite dürfen wir aber nicht vergessen: Wir brauchen Handelsabkommen für unser Land. Das ist in den verschiedensten Bereichen notwendig. Wir befinden uns auch hier noch in der Diskussion; es ist noch nicht abgeschlossen. Ich weiß um die Thematik, ich weiß um die Situation und kenne auch die Diskussion. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass Mercosur keine Einbahnstraße ist. Es gibt durchaus rege Handelsbeziehungen der deutschen Landwirtschaft mit Mercosur-Staaten. Für mich ist es wichtig – das habe ich immer gesagt –, es der deutschen Landwirtschaft mit der Stärkung einer Exportstrategie zu ermöglichen, ihre Produkte nach unseren hohen Standards in diese Länder zu verkaufen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Herr Protschka.

Porträt von Stephan Protschka
Foto: DBT/Haar
ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Herr Präsident. – Sie haben ja angesprochen, dass die Landwirtschaft dadurch gewisse Nachteile haben kann. Können Sie sich vorstellen, dass Sie sich den Regierungen von Rom und Paris anschließen, die ja Klauseln für Importwaren fordern, was Umweltschutz- und Sozialstandards betrifft, und gleichzeitig sagen, dass im angesprochenem Mercosur-Abkommen die europäische Landwirtschaft und die Ernährungssouveränität niedergeschrieben und gesichert sein müssen?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Kollege, vielen Dank für die Nachfrage. – Ich sagte ja schon: Das Ganze ist immer noch in der Diskussion. Eine abschließende Bewertung dazu liegt mir persönlich noch nicht vor. Ich bin aber deutscher Landwirtschaftsminister. Deshalb werde ich, so gut es geht, für die Interessen unserer Landwirtschaft kämpfen, was aber bitte noch keine abschließende Bewertung darstellen soll.

Es gibt eine weitere Nachfrage aus dem Haus, und zwar vom Kollegen Stegemann von der CDU/CSU.

Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
ca. 72 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich habe eine Nachfrage. Gerade haben wir über Handelsabkommen gesprochen. Das Thema Exportstrategie haben Sie richtigerweise angesprochen. Wir sind sehr auf Exporte angewiesen. Etwa 35 Prozent der Umsätze, die in der Landwirtschaft generiert werden, generieren wir durch den Export. Ich freue mich, zu hören, dass Sie eine Exportstrategie haben. Wie soll sie aussehen, und wie unterscheidet sie sich von der Exportstrategie Ihres Vorgängers?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Lieber Herr Kollege Stegemann, vielen herzlichen Dank für die Frage. – Ich bitte um Verständnis, dass ich die komplette Ausgestaltung der Exportstrategie jetzt noch nicht darstellen kann. Wenn ich richtig gerechnet habe, bin ich heute 50 Tage im Amt, wie meine Kolleginnen und Kollegen auch. Es wird aber auf alle Fälle eine Stärkung des Messeprogramms geben. Wir wollen mit unseren Produkten wieder stärker im Ausland präsent sein. Wir werden versuchen, unsere landwirtschaftlichen Produkte dementsprechend auch zu vermarkten.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank. – Das Fragerecht geht an die SPD zu Franziska Kersten.

Porträt von Franziska Kersten
Foto: SPD Sachsen-Anhalt
ca. 38 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Ministerin! Herr Minister Rainer, ich würde Ihnen gerne eine Frage stellen: Welche Punkte aus dem ambitionierten Koalitionsvertrag werden Sie prioritär umsetzen, und wie sehen Sie da den Zeitrahmen?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 135 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Liebe Frau Kollegin Dr. Kersten, vielen herzlichen Dank für die Frage. – Ich will auf zwei Punkte aus dem Koalitionsvertrag eingehen, die explizit genannt worden sind. Das ist einmal die Abschaffung der Stoffstrombilanzverordnung, die gestern im Kabinett zur Kenntnis genommen wurde. Somit ist diese bürokratische Belastung für die Landwirte jetzt Geschichte. Ein weiteres Thema, das explizit im Koalitionsvertrag genannt wurde, ist das Thema „Steuerrückerstattung bei Agrardiesel“. Hier wurde in Absprache mit dem Bundesfinanzminister zugesagt, dass dies noch in diesem Jahr passieren wird. Die Landwirte können also damit rechnen, dass das ab 01.01.2026 wieder geschieht. Des Weiteren ist neben der Exportstrategie, die wir vorlegen, der Bürokratieabbau ein Thema, das uns die ganze Legislaturperiode begleiten wird.

Es gibt die Möglichkeit einer Nachfrage.

Porträt von Franziska Kersten
Foto: SPD Sachsen-Anhalt
ca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Wo sehen Sie über die Vereinbarung im Koalitionsvertrag hinaus Handlungsbedarf im Bereich der Landwirtschaft?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 82 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für diese absolut spannende Nachfrage. – Ich denke, es gibt eine ganze Menge an Handlungsbedarf, gerade was das Thema Tierwohlställe anbelangt. Hier werden und müssen wir zusammen mit den Fraktionen an Lösungen arbeiten, die praktikabel und sinnvoll sind, aber auch in Abstimmung mit den Bundesländern stattfinden können.

Die Zahl der Wortmeldungen nimmt enorm zu. – Ich darf jetzt Leon Eckert von Bündnis 90/Die Grünen das Wort erteilen.

Porträt von Leon Eckert
Foto: Leon Eckert / Stefan Kaminski
2 Vermerkeca. 114 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen lieben Dank. – Ich habe eine allgemeine Frage zum Koalitionsvertrag. Sie sind ja jetzt auch Heimatminister. Der bayerische Ministerpräsident, Ihr Parteivorsitzender, hat letztes Wochenende gesagt, er sei der Meinung, dass in jedem bayerischen Dorf mehr Sachverstand besteht als im gesamten Berliner Regierungsviertel.

Er hat nur die Grünenfraktion gemeint!

Wir kommen ja beide aus bayerischen Dörfern. Meine Frage: Schließen Sie sich der Meinung des Ministerpräsidenten an, –

Achtung, die Zeit!

Rednerwechsel

– dass im Kabinett und in Ihrem Ministerium keinerlei Sachverstand vorhanden ist?

Das war keine Nachfrage zum Thema, oder?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 78 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Lieber Herr Kollege, ich habe die Aussage unseres Ministerpräsidenten auch vernommen. Das hat er aber auch schon vor der Wahl so kommuniziert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das für die jetzige Bundesregierung auch noch gilt.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU

Deshalb, denke ich, hat sich das erledigt.

Es gibt eine weitere Frage von Frau Kollegin Irene Mihalic, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Irene Mihalic
Foto: Irene Mihalic/ Annette Koroll
1 Vermerkca. 159 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Bundesminister, ich habe eine Nachfrage zur Stoffstrombilanzverordnung; darüber ist ja eben gesprochen worden. Es geht bei dieser Verordnung um weniger Nitrat im Wasser. Ich hatte Ihnen dazu als Erste Parlamentarische Geschäftsführerin meiner Fraktion einen Brief geschrieben und Sie aufgefordert, das Parlament bei der Aufhebung dieser Verordnung angemessen zu beteiligen, so wie es auch vorgesehen ist. Jetzt haben Sie die Verordnung eigenmächtig aufgehoben, ohne das Parlament zu beteiligen. Wir sehen darin einen schwerwiegenden Verstoß. Sie haben mir allerdings auf meinen Brief noch nicht geantwortet. Deswegen würde ich Sie jetzt hier bitten, –

Frau Kollegin!

Rednerwechsel

– vor dem Parlament auszuführen, warum Sie die Verordnung aufgehoben haben, ohne das Parlament zu beteiligen, –

Ihre Fragezeit ist um.

Rednerwechsel

– wie es vorgesehen wäre.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
2 Vermerkeca. 120 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Kollegin, für die Frage und dass Sie mir Gelegenheit geben, dazu Stellung zu nehmen. – Die Stoffstrombilanzverordnung ist eine Ministerverordnung und kann durch den Minister aufgehoben werden.

Das ist falsch!

Ich habe das aber dem Kabinett vorgelegt. Es ist abgestimmt mit den Verfassungsministerien, mit dem Justizministerium und dem Innenministerium. Inhaltlich ist es abgestimmt mit dem Umweltministerium. Somit habe ich nichts getan, was ich nicht hätte tun dürfen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist rechtswidrig!

Eine weitere Nachfrage aus dem Hohen Haus kommt von Frau Kollegin Janine Wissler, Die Linke.

Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
1 Vermerkca. 129 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, der Bauernverband hat gerade gefordert, den Mindestlohn für Saisonkräfte in der Landwirtschaft auf 80 Prozent abzusenken. Jetzt haben Sie gesagt, Ihr Ministerium werde das rechtlich prüfen, Sie seien offen für die Forderung. Abgesehen davon, dass ich es gegenüber Menschen, die körperlich hart arbeiten, unverschämt finde, dass sie nur 80 Prozent des Mindestlohns bekommen sollen, und das natürlich ein Türöffner für weitere Ausnahmen beim Mindestlohn wäre, möchte ich Sie fragen: Ist diese Position in der Koalition abgestimmt? Und sind Sie nicht eher der Meinung, dass ein Minister –

Frau Kollegin, auch bei Ihnen ist die Fragezeit abgelaufen.

Rednerwechsel

– auf die Einhaltung von Gesetzen, also die Einhaltung des Mindestlohns hinwirken müsste und nicht auf dessen Absenkung?

Beifallbei Abgeordneten der Linken
Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
3 Vermerkeca. 147 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen herzlichen Dank, Frau Wissler, für die Nachfrage. – Erstens muss man klarstellen: Ich bin für die Einhaltung von Gesetzen, und ich bin für die Einhaltung des Mindestlohns – und der neue Mindestlohn liegt noch nicht bei 15 Euro –; das will ich klarstellen, nicht dass Sie mir in den Mund legen, ich würde ein Gesetz abschaffen.

Aber eine Verordnung!

Das kann ein Minister definitiv nicht. Das ist das eine.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweitens gilt festzuhalten – und es stimmt, was ich gesagt habe –: Wir prüfen in unserem Haus – und das muss ich in der Koalition nicht abstimmen –, ob es rechtliche Möglichkeiten gibt, als Ausnahme 80 Prozent vom Mindestlohn, wie vom Bauernverband gefordert wird, umzusetzen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es gibt eine Nachfrage des Abgeordneten Stephan Protschka.

Porträt von Stephan Protschka
Foto: DBT/Haar
ca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Herr Präsident. – Kommen wir wieder zu der eigentlichen Antwort zurück, was Sie tun wollen. Sie haben angesprochen, dass die Agrardieselrückvergütung ab 01.01.2026 wieder eingeführt wird. Jetzt ist meine Frage: Was passiert mit den Jahren 2024 und 2025, in denen die Landwirte weniger Agrardieselrückvergütung bekommen haben? Ist das dann der Verlust für die Landwirte, oder können sie im Nachhinein mit einer Erstattung rechnen?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Protschka, vielen Dank, dass ich das klarstellen kann: Das gilt ab 01.01.2026. Wir können nicht alles, was die vorherige Bundesregierung gemacht hat, rückwirkend ändern. Darüber hinaus besteht hier auch ein Finanzierungsvorbehalt. Man darf nicht vergessen: Es sind circa 430 Millionen Euro, die wieder an die Landwirte zurückfließen. Das geht auch aus Haushaltsgründen nicht früher.

Und in diesem Step jetzt noch eine Nachfrage des Abgeordneten Bernd Schuhmann, AfD.

Porträt von Bernd Schuhmann
Foto: Bernd Schuhmann/ Anand Anders
ca. 43 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Sehr geehrter Minister, Sie wissen sehr wohl, dass der Mindestlohn für die Schaffung einer eigenen Lohngruppe für osteuropäische Erntehelfer existenziell wichtig ist, und zwar für ganze Berufsstände. Versprechen Sie uns den äußersten Einsatz Ihres Ministeriums für diese Berufsstände?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe eingangs schon gesagt: Ich bin Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, und deshalb kämpfe ich auch für die landwirtschaftlichen Betriebe. Es gilt aber auch, den Koalitionsvertrag einzuhalten. Deswegen sind hier entsprechende Diskussionen notwendig. Vor allem muss ich den rechtlichen Rahmen einhalten.

Dann gibt es eine Frage von Herrn Abgeordneten Armin Grau, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
1 Vermerkca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Herr Minister, es ist ganz klar: Wir alle erwarten von Ihnen, dass Sie Recht und Gesetz einhalten, selbstverständlich. Aber ich möchte doch noch mal nachhaken bei dem Punkt „Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte“. Sind Sie denn persönlich der Meinung, dass es angemessen sein könnte, den Saisonarbeitskräften nicht den vollen Mindestlohn auszuzahlen, und, wenn ja, warum soll das angemessen und richtig sein? – Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
2 Vermerkeca. 205 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, auch Ihnen vielen Dank für die Nachfrage. – Man darf eines nicht vergessen – ich sage das immer wieder –: Ich will die bäuerliche Landwirtschaft in unserem Land halten. Wenn der Mindestlohn zu schnell steigt, steigt auch die Gefahr, dass gerade Sonderkulturen, die vom Mindestlohn massiv betroffen sind, in andere Länder abwandern. Dort hat das Lohngefüge eine ganz andere Dimension. Vor allem die Standards befinden sich in diesen Ländern auf einem ganz anderen Niveau als in unserem Land. Also, ich hätte die Produktion gerne in unserem Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie merken, das ist für mich eine Premiere – deswegen ein paar Hinweise. Wenn ich jetzt dem Kollegen Johannes Steiniger von der Union eine Nachfrage ermöglichen würde, bedeutete das nach den Regeln, die früher hier praktiziert worden sind, dass Sie von der – –

Ich möchte die Frage zurückziehen!

– Ich wollte es nur erläutern, damit Sie verstehen: Ich taste mich im Moment an das geschriebene und das ungeschriebene Regelwerk heran.

Damit würde ich diesen Komplex jetzt abschließen – danke, Herr Steiniger – und für die nächste Frage Michael Kellner von Bündnis 90/Die Grünen das Fragerecht geben.

Porträt von Michael Kellner
Foto: Michael Kellner/ Nils Leon Brauer
1 Vermerkca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank. – Ich will meine Kollegen links und rechts von mir daran erinnern, dass es in Ihrem Koalitionsvertrag heißt: Als Sofortmaßnahme werden wir für alle die Stromsteuer im Land auf das europäische Mindestmaß senken. – Meine Frage an Katherina Reiche: Gestern haben Sie beim Tag der Industrie eingeräumt, dass diese Stromsteuersenkung – obwohl sie im Koalitionsvertrag angekündigt war, obwohl sich die Regierung mehrfach für diese Entlastung von Privathaushalten und Handwerk gefeiert hat – nicht kommt. Und ich frage Sie: Wünschen Sie sich, dass die Kolleginnen und Kollegen hier im Haus den Haushaltsentwurf korrigieren, damit das Versprechen der Koalition, die Menschen zu entlasten, umgesetzt wird?

2 Vermerkeca. 164 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst einmal: Es ist dem Parlament unbenommen, im Haushaltsausschuss und in anderen Ausschüssen Korrekturen anzubringen, und zwar bei jedem Gesetz. Das ist das alte Struck’sche Gesetz.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweitens. Wir haben im Koalitionsvertrag die Zusage gegeben, den Strompreis auf 5 Cent/kWh abzusenken und nehmen dafür sehr viel Geld in die Hand. Ich erinnere an die EEG-Umlage im Haushalt – das haben nicht wir gemacht, das haben Sie gemacht –, und wir setzen das fort mit 15 Milliarden Euro.

Der Finanzminister, der für die Steuergesetzgebung zuständig ist, hat in einem ersten Entwurf unter Abwägung der haushalterischen Gegebenheiten entschieden. Gleichwohl flankieren wir hier zu einem ganz wesentlichen Teil – und wir flankieren nicht nur, sondern wir senken. Ich habe es eben schon angesprochen: die Absenkung der Netzentgelte – 6 Milliarden Euro; die Gasspeicherumlage – 3,4 Milliarden Euro. Das sind wesentliche Maßnahmen, um die privaten Haushalte zu entlasten.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Michael Kellner
Foto: Michael Kellner/ Nils Leon Brauer
1 Vermerkca. 72 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie senken also die Kosten für fossiles Gas, Sie senken die Kosten für Wärmepumpen, für E-Autos. Sie senken aber die Kosten bei der Stromrechnung für Privathaushalte nicht und lassen damit die Leute im Regen stehen, obwohl es anders angekündigt war. Wieso diese Priorität auf fossilem Gas und nicht auf Senkung der Stromsteuer, wie es versprochen war?

1 Vermerkca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, die Aussage ist nicht richtig. Wir senken die Stromsteuer für Industrie, produzierendes Gewerbe und Landwirtschaft und schreiben diese Senkung in der Mittelfristplanung fort. Das sind bedeutende Beträge.

Wir fördern auch kein fossiles Gas. Wir nutzen Gas, wir brauchen Gas als Übergangstechnologie, um den Ausstieg aus der Kohle abfedern zu können. Das ist geboten im Sinne der Versorgungssicherheit dieses Landes.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank, Kollege Kellner. – Ich darf jetzt die Kollegin Sandra Stein von Bündnis 90/Die Grünen aufrufen.

Porträt von Sandra Stein
Foto: Milena Radatz
1 Vermerkca. 101 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Herr Präsident. – Frau Reiche, ich knüpfe an das an, was mein Kollege Kellner gesagt hat. Die Absenkung der Stromsteuer war ein wesentliches Versprechen, um die Wirtschaft in Gänze zu entlasten. Herr Kellner hat bereits erwähnt, dass wesentliche Teile der Wirtschaft jetzt nicht davon profitieren: ein großer Teil des Mittelstandes, Dienstleistung und Handel, aber auch sehr viele Teile des Handwerks, darunter auch energieintensives Handwerk. Wie rechtfertigen Sie diese Ungleichbehandlung, und werden Sie sich dafür starkmachen, dass Mittelstand und Handwerk bei der Stromsteuer in Gänze entlastet werden?

2 Vermerkeca. 123 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich möchte zunächst daran erinnern, Frau Abgeordnete, dass die getroffene Auswahl durch Robert Habeck und die Ampel vorgenommen wurde.

Aber Sie regieren doch jetzt!

Sie haben aber etwas anderes versprochen!

Die schreiben wir fort. Wir ergänzen das mit anderen Entlastungsbestandteilen für die Wirtschaft. Die Strompreiskompensation wurde genannt. Wir planen gerade eine Reform der Netzentgelte. Wir tun im Haushalt, was wir können, um die Energiekosten zu senken. Wir schaffen vor allem ein neues Angebot an Versorgungssicherheit. Das haben Sie versäumt.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann gibt es eine Nachfrage von Frau Kollegin Lisa Badum, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
1 Vermerkca. 126 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Ministerin Reiche, ich fasse noch einmal zusammen, was wir in den letzten Wochen von Ihnen gehört haben: Erstens. Sie wollen unsere Abhängigkeit von teurem Flüssiggas weltweit verstärken mit doppelt so vielen Gaskraftwerken im ganzen Land, wie eigentlich geplant waren, mit mehr Gasheizungen. Zweitens. Sie wollen die Gasumlage – fossil – aus dem Klimatopf bezahlen. Das ist keine Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher; damit entziehen Sie den Menschen Mittel für Klimainvestitionen. Und drittens. Sie wollen die Stromsteuer für die Menschen in diesem Land ausdrücklich nicht senken. – Frau Reiche, ich frage Sie: Warum haben Sie es sich zur Aufgabe gemacht, Energie für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zu verteuern?

1 Vermerkca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erstens. Die Gaskraftwerke dienen nicht dem Heizen; die Gaskraftwerke dienen der Stromproduktion und damit der Versorgungssicherheit dieses Landes. Zweitens senken wir die Energiekosten für die Bürgerinnen und Bürger, und zwar durch die Senkung der Gasspeicherumlage und durch die Entlastung bei den Übertragungsnetzentgelten. Und wir holen Reformen nach, die auf der Strecke geblieben sind. Das ist dringend notwendig. Dazu fehlte der Ampel zuletzt die Kraft.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich darf das Fragerecht an den Kollegen Andreas Audretsch, Bündnis 90/Die Grünen, weitergeben.

Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
1 Vermerkca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich möchte da gerne anschließen, Frau Ministerin. Sie fördern teures Gas. Sie machen Strom nicht günstig. Zum Dritten liegt jetzt der Vorschlag auf dem Tisch, was in Ihrer Fraktion offensichtlich für Unmut sorgt, die Förderung von Wärmepumpen zu verringern oder tiefer anzusetzen. Finden Sie es eine gute Idee, den Menschen in einem nächsten Schritt die Förderung von Wärmepumpen, den Umstieg auf günstiges, erneuerbares Heizen zu nehmen?

ca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Woher Sie diese Information haben, Herr Abgeordneter, kann ich tatsächlich nicht nachvollziehen, weil der Haushaltstitel im KTF konstant bleibt. Wir haben für die Wärmepumpen Mittelbindungen in Milliardenhöhe. An die sind wir gebunden. Wir haben da keine Absenkung in diesem Haushalt geplant. Insofern ist die von Ihnen getroffene Aussage nicht korrekt.

Zu einer weiteren Frage erteile ich das Wort Herrn Dr. Klaus Wiener, CDU/CSU.

Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
2 Vermerkeca. 95 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Wir reden hier viel über die Energiepreise. Aber im Grunde wissen wir alle, dass die Energiepreise vor allem vom Energieangebot abhängen, weniger von anderen Dingen.

Von den Steuern schon auch!

– Vor allem vom Energieangebot. – Die Vorgängerregierung hat es versäumt, dafür zu sorgen, dass wir ein ordentliches Energieangebot haben, hat sogar dafür gesorgt, dass in Deutschland Energie knapper wird. Was macht die aktuelle Regierung, damit das Energieangebot in Deutschland perspektivisch wieder steigt? – Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
1 Vermerkca. 107 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Wiener. – In der Tat ist das Angebot an gesicherter Leistung verknappt worden. Das Angebot an volatiler Energie ist deutlich gestiegen. Wir müssen dafür sorgen, dass zu jedem Zeitpunkt, zu jeder Sekunde dieses Land mit Strom versorgt werden kann. Deshalb machen wir die Ausschreibung für die Gaskraftwerke. Wir müssen zu jedem Zeitpunkt versorgungssicher Strom liefern können. Wir haben einen integrierten europäischen Energiemarkt, aber wir müssen auch in der Lage sein, uns selbst zu versorgen.

Beifallbei der CDU/CSU

Zu einer Nachfrage darf ich das Wort Herrn Pascal Meiser, Die Linke, erteilen.

Porträt von Pascal Meiser
Foto: Die Linke, Berlin
ca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, Sie haben gesagt, die Maßnahmen, die Sie planen, würden zu einer maßgeblichen Entlastung auch bei den Haushalten führen. Können Sie denn beziffern, was die entsprechenden Maßnahmen, die Sie jetzt planen, für eine Durchschnittsfamilie an Entlastung bedeuten? Die Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß würde nach Expertenberechnungen etwas mehr als 300 Euro pro Jahr an Entlastung für einen Durchschnittshaushalt bedeuten. Das wäre für viele Menschen in diesem Land eine extrem wichtige Entlastung. Deswegen die Frage: Kommt das, was Sie machen, an die Entlastung durch die Stromsteuer, die Sie eigentlich versprochen haben und die jetzt nicht kommen soll, –

Herr Abgeordneter!

Rednerwechsel

– heran oder nicht?

1 Vermerkca. 72 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die stromsteuerseitigen Entlastungen für private Haushalte beliefen sich auf um die 2 Milliarden Euro. Wir haben ein 6-Milliarden-Euro-Entlastungsvolumen bei den Übertragungsnetzentgelten. Insofern sehen Sie, dass die Aussage, wir würden Bürgerinnen und Bürger nicht entlasten, nicht trägt.

Beifallbei der CDU/CSU

Zu einer weiteren Nachfrage darf ich das Wort erteilen an Herrn Dr. Paul Schmidt, AfD-Fraktion.

Porträt von Paul Schmidt
Foto: Dr. Paul Schmidt/ Samuel Degen
2 Vermerkeca. 105 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, nach diesen kritischen Fragen vonseiten der Grünen und der Linken und angesichts der Problematik, dass die Strompreise zu hoch sind und dass es sehr schwierig ist, diese entsprechend abzusenken, sodass eine wirkliche Entlastung der Bürger stattfinden kann: Halten Sie es nicht auch für sinnvoll, zu überdenken, ob wir wirklich weiter aus der Kernenergie aussteigen wollen? Wäre es nicht sinnvoller,

Das ist vorbei!

Ihre ursprüngliche Forderung als CDU wieder aufzugreifen und ein Rückbaumoratorium, also einen Stopp des Rückbaus der Kernkraftwerke, –

Herr Abgeordneter!

Rednerwechsel

– anzugehen? – Danke.

Beifallbei der AfD
2 Vermerkeca. 108 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, die Entscheidung ist bereits getroffen, und der Rückbau ist im Gange. Die Bundesregierung hat nicht vor, Kernkraftwerke wieder zu errichten. Insofern können wir das gar nicht. Wir müssten vielmehr Unternehmen finden, die investieren. Das sehe ich nicht. Wir haben auch keinen gesetzlichen Rahmen, der dies ermöglicht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich darf zu einer weiteren Nachfrage das Wort erteilen dem Abgeordneten Sepp Müller, CDU/CSU.

Er spricht sich jetzt für die Stromsteuersenkung aus! Das weiß ich!

Porträt von Sepp Müller
Foto: Sepp Müller/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, vielen Dank für Ihre Ausführungen. – Das Thema war „Entlastung der Bürgerinnen und Bürger“. Sie haben einen Regierungsentwurf vorgelegt, in dem unter anderem die Absenkung der Gasspeicherumlage zum 01.01.2026 vorgesehen ist sowie die Absenkung der Netzentgelte. Können Sie beziffern, wie viel Geld mehr in der Tasche eines privaten Verbrauchers, einer privaten Verbraucherin am Ende des Jahres bleibt, wenn die hier vorgeschlagenen Entlastungsmaßnahmen durchgeführt werden und die Gasspeicherumlage, die durch Bündnis 90/Die Grünen, Robert Habeck, eingeführt wurde, abgeschafft wird?

Beifallbei der CDU/CSU
1 Vermerkca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter Müller, ich muss Ihnen die Antwort schuldig bleiben. Ich kann Ihnen die Gesamtsumme nennen, habe das aber nicht in die einzelnen Preisbestandteile für die Bürgerinnen und Bürger umgerechnet. Das tut mir leid. Die Antwort kann ich Ihnen nur nachreichen.

Aber ich nenne noch einmal die Volumina an Entlastungen, um die es geht: Gasspeicherumlage derzeit über 3 Milliarden Euro, Übertragungsnetzentgelte 6,5 Milliarden Euro und – dafür muss man sich wirklich nicht verstecken – Stromsteuer für Unternehmen, produzierendes Gewerbe und Landwirtschaft in Höhe von rund 3 Milliarden Euro. Das ist viel.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich darf zu einer weiteren Nachfrage der Kollegin Sandra Detzer, Bündnis 90/Die Grünen, das Wort erteilen.

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
ca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Herr Präsident. – Auch meine Frage geht an die Bundesministerin. Sie hatten sich – aus unserer Sicht zu Recht – auch in Brüssel für einen Industriestrompreis eingesetzt. Das ist eine Idee, für die sich Robert Habeck und auch die Ampelkoalition früher schon starkgemacht hatten. Nun höre ich aber gleichzeitig, wie stark Sie betonen, dass Sie das neue ordnungspolitische Gewissen dieser Koalition sind. Ich würde sagen, dass Ordnungspolitik und Resilienzbestrebungen immer gut zusammen gehen, würde Sie aber jetzt fragen: –

Frau Kollegin!

Rednerwechsel

– Finden Sie, dass ein Industriestrompreis ein Instrumentarium der Ordnungspolitik ist?

ca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, es ist wichtig, die energieintensive Industrie in Deutschland zu halten. Die Situation, in der wir uns jetzt befinden, ist eine Kombination aus vielen Bestandteilen: die Energiepolitik, die Jahrzehnte zurückliegt, plus Turbulenzen am Energiemarkt, die auch nicht aufhören werden. Und die Rückkehr zu russischem Gas ist ausgeschlossen. Insofern brauchen wir LNG. Das macht den Strompreis hoch. – Ich bin froh, dass wir mit den Verhandlungen weit fortgeschritten sind und einen Rahmen haben werden, der übrigens nicht nur der Industrie, sondern vor allem auch den erneuerbaren Energien eine sichere Grundlage ermöglicht.

Es gibt eine weitere Nachfrage von Herrn Abgeordneten Rainer Kraft, AfD-Fraktion.

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, Sie haben auf die Frage vom Kollegen Schmidt gesagt, für ein Atomkraftwerk würde man gar keine Investoren finden. Deswegen die Frage: Welche Investoren sollen es denn sein, die diese neuen Gaskraftwerke bauen? Sie haben gerade selber gesagt, dass Gas in der Anschaffung sehr teuer ist, dass diese Gaskraftwerke gar nicht genug Betriebsstunden haben werden, um wirtschaftlich laufen zu können; denn bereits jetzt sind die Gaskraftwerke in Deutschland hoch defizitär. Also wer soll denn bitte diese Gaskraftwerke aus marktwirtschaftlichen Gründen bauen in Deutschland?

1 Vermerkca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

In Abstimmung mit der EU-Kommission werden wir einen Ausschreibungsmechanismus haben, in dessen Rahmen sich Betreiber von Gaskraftwerken bewerben können. Nicht nur Vorgängerregierungen, sondern auch die Energiewirtschaft hat seit Langem gefordert, dass wir einen Kapazitätsmechanismus brauchen. Es braucht gesicherte Leistung. Der Aufbau eines Kapazitätsmechanismus schließt sich an die ersten Ausschreibungen an, um einen gesicherten Investitionsrahmen für Betreiber von Kraftwerken zu haben, nicht nur groß, sondern auch dezentral.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann rufe ich als Nächstes für die Frage der CDU/CSU-Fraktion Johannes Steiniger auf.

Porträt von Johannes Steiniger
Foto: Johannes Steiniger/Tobias Koch
1 Vermerkca. 158 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, herzlichen Dank. – Herr Minister, ich wollte mich zunächst bei Ihnen sehr dafür bedanken, dass Ihr Haus die Ausnahme beim Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte prüft. Viele im Bereich der Sonderkulturen – Gemüse, Obst, Weinbau – brauchen diese Ausnahme für Saisonarbeitskräfte. Lieber Herr Professor Grau, weil Sie vorhin gefragt haben, warum: Gehen Sie mal in Ihrem Wahlkreis – das ist ja mein Nachbarwahlkreis – zu den großen Gemüsebetrieben! Die können Ihnen ziemlich genau sagen, warum man eine Ausnahme für Saisonarbeitskräfte braucht. Ansonsten werden nämlich diese Gemüsebetriebe, diese Obstbaubetriebe und auch diese Weinbaubetriebe in Deutschland schlichtweg nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Also erst mal dafür herzlichen Dank, Herr Minister!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Apropos Sonderkulturen. Welche weiteren Maßnahmen planen Sie als Minister, um diese Betriebe zu unterstützen? Ich nenne mal ein Stichwort: Bürokratieabbau. Das ist auch etwas, was diesen Betrieben massiv helfen würde. Insofern würde ich mich sehr freuen, wenn Sie uns die Pläne des Ministeriums darlegen würden.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Lieber Herr Kollege Steiniger, vielen herzlichen Dank für die Frage. – Der Sonderkulturanbau in Deutschland ist sehr wichtig. Wir planen hier genauso wie bei anderen Betrieben, dass wir – ich habe es, denke ich, vorhin auch schon gesagt – weiter Bürokratieabbau betreiben. Das wird nicht von heute auf morgen gehen. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Legislatur. Übrigens profitieren diese Betriebe am Ende des Tages auch von der Steuerrückerstattung beim Agrardiesel. Also: Wir werden weiter dranbleiben, dass diese Betriebe wie die gesamte bäuerliche Landwirtschaft bei uns in Deutschland ein gutes und wirtschaftliches Auskommen haben.

Sie haben noch eine Nachfrage.

Porträt von Johannes Steiniger
Foto: Johannes Steiniger/Tobias Koch
ca. 51 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja. – Herr Minister, Sie haben das wichtige Thema Bürokratieabbau gerade noch einmal dargelegt. Sie haben in Ihrem Ministerium extra eine Stabsstelle für Bürokratierückbau eingerichtet, was ich für ein sehr, sehr gutes Zeichen halte. Vielleicht können Sie uns noch mal sagen, wie diese Stabsstelle jetzt konkret arbeitet.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Stabsstelle arbeitet konkret an den 194 Vorschlägen der Länder, die schon in der letzten Legislatur eingereicht worden sind. Diese werden neu überprüft. Die Überprüfung liegt mir seit heute vor. Ich habe sie noch nicht in Gänze durcharbeiten können. Aber das ist nicht das Ende. Wir arbeiten weiter daran, bürokratische Hemmnisse abzubauen. Vor allem aber: Die Stabsstelle ist auf der Ebene des Staatssekretärs angesiedelt. Mir wird regelmäßig berichtet, was an Bürokratieabbau möglich ist, gerade im Bereich der Landwirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU

Zu einer Nachfrage hat nun das Wort die Abgeordnete Stumpp von der CDU/CSU-Fraktion.

Porträt von Christina Stumpp
Foto: Christina Stumpp / CDU / Steffen Boettcher
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Meine Frage geht an den Bundesminister Alois Rainer. – Ich möchte gern erfahren, wie für Sie die ersten Termine auf europäischer Ebene verlaufen sind, bei welchen Themen Sie Fortschritte erzielen konnten und wie die nächsten Schritte für die Zusammenarbeit mit unseren europäischen Nachbarn aussehen. Besonders interessiert mich, wie Sie das Thema Bürokratieabbau auf europäischer Ebene angesprochen haben und dies zukünftig weiter angehen werden, weil die meiste Bürokratie natürlich aus der EU kommt.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 150 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Kollegin, das Thema Bürokratieabbau interessiert selbstverständlich auch die Kolleginnen und Kollegen in Europa. Ich habe das persönliche Gespräch mit EU-Kommissar Hansen gesucht. Er hat mir zugesichert, dass wir weiterhin daran arbeiten werden, Bürokratie abzubauen. Gerade im Bereich der GAP wollen wir das eine oder andere tun.

Ein weiteres großes Schwerpunktthema für mich ist die EUDR, die sogenannte Entwaldungsverordnung. Hier habe ich selbst einen großen Vorstoß gemacht. Aber es kommen auch aus anderen Ländern große Vorstöße, etwa von Luxemburg und 16 weiteren. Die EUDR ist schlichtweg bei uns in Deutschland und auch in anderen Ländern in dieser Form nicht notwendig. Also: Wir sind uns in vielen Bereichen auch auf europäischer Ebene einig, Bürokratie abzubauen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die nächste Nachfrage kommt vom Kollegen Bär von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
1 Vermerkca. 105 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Rainer, es ist für den Pflanzenbauer – ob Obst, Gemüse oder Wein – wichtig, faire Wettbewerbsbedingungen zu haben. Ich verbinde jetzt die beiden Fragen der Kollegen von der CDU. Auf europäischer Ebene haben Ihre Kollegen aus Spanien und Frankreich vorgeschlagen, die Verordnung über Rückstandshöchstgehalte für Pestizide in Lebens- und Futtermitteln so zu ändern, dass es nicht mehr möglich sein soll, dass importierte Ware höhere Rückstände an Pestiziden, auch verbotenen Pestiziden, haben darf als die, die hier angebaut wird. Sind Sie der Meinung dieser Kollegen aus Frankreich und Spanien, ja oder nein?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 75 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Kollege Bär, vielen Dank für die Frage. Aber ich bitte um Verständnis, dass ich sie jetzt nicht explizit beantworten kann. Sie bekommen aber zeitnah eine schriftliche Antwort darauf.

– Ich könnte mich auch winden. Das mache ich aber nicht.

Eine weitere Nachfrage zu diesem Thema hat der Kollege Rainer Kraft aus der AfD-Fraktion.

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister, weil die Erntehelfer angesprochen worden sind und vor allem die für sie anfallenden Personalkosten: Eine Branche, die dringend Unterstützung braucht, sind die Hopfenbauern in Deutschland. Sie pflügen bereits Felder unter. Das liegt nicht am Klimawandel, wie vor einigen Wochen hier behauptet worden ist, sondern das liegt am massiven Preisverfall des Hopfens auf dem Weltmarkt. Deswegen die gezielte Frage: Was plant die Bundesregierung, was plant Ihr Haus, um die Zukunft der Hopfenbauern in Deutschland zu sichern?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 125 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Kollege. – Die Hopfenbauern sind ja bei mir ganz in der Nähe. Sie können versichert sein, dass ich mit ihnen in einem guten und ständigen Austausch stehe. Man darf aber eines auch nicht vergessen, nämlich dass der Bierkonsum geringer geworden ist. Deshalb hat wahrscheinlich auch die Nachfrage nach Hopfen ein Stück weit abgenommen. Die Bäuerinnen und Bauern vor Ort werden sich dementsprechend umstellen. Wenn die Nachfrage nicht mehr so groß ist, wird es ein Stück weit anders sein. Aber seien Sie versichert: Ich bin mit ihnen in gutem Kontakt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Eine weitere Nachfrage hat die Kollegin Dr. Zoe Mayer von Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Zoe Mayer
Foto: Zoe Mayer/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 166 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Bundesminister Rainer, auch ich hätte eine Nachfrage zum Thema „Bürokratieabbau und Behördenentlastung“. – Wir wissen ja, dass es vor allen Dingen in den Tierhaltungsbetrieben in Deutschland riesige Defizite bei den Kontrollen gibt, gerade in Bayern. Die letzte Zahl: Nur alle 48 Jahre wird ein Tierhaltungsbetrieb in Bayern kontrolliert. Wir haben enorme Missstände; es gibt immer wieder Skandale, gerade auch in Tierhaltungsbetrieben in Bayern.

Wäre es möglich, dass wir die VTN-Betriebe, die Tierkörperbeseitigungsanlagen, besser überwachen, um gezielter zu schauen, wo die schwarzen Schafe sind? Dann könnten die Kontrollen genau da stattfinden, wo sie wirklich gebraucht werden. Das wäre ein Win-win für alle: Die Betriebe, die gut wirtschaften und mit ihren Tieren gut umgehen, –

Kommen Sie bitte zum Ende.

Rednerwechsel

– werden weniger kontrolliert, und die schwarzen Schafe werden wirklich gefunden. Was halten Sie davon? Planen Sie das?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 131 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Kollegin Mayer, Sie haben es gerade richtig gesagt: Es ist die Aufgabe der Länder, diese Kontrollen durchzuführen. Das ist nicht Aufgabe des Bundes. Wir befinden uns in einer Zeit, in der wir nicht mehr Personal aufbauen wollen, sondern eher Personal abbauen wollen. Wenn wir hier von Bundesseite noch mehr Personal aufbauen, wäre das der falsche Weg. Ich gehe gern in die Diskussion mit den Ländern. Aber das liegt in der Hoheit der Länder, und das ist auch in Ordnung so.

Die rechtliche Grundlage müssen wir hier schaffen, damit die das überprüfen!

Zu einer weiteren Nachfrage hat nun das Wort der Kollege Stephan Protschka aus der AfD-Fraktion.

Porträt von Stephan Protschka
Foto: DBT/Haar
ca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Minister, es geht um die 80 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns für Saisonarbeitskräfte, was Sie unterstützen. Ich würde es begrüßen und meine Fraktion natürlich auch, wenn Sie das umsetzen könnten. Meine Frage dazu: In der letzten Legislatur hatten wir als AfD-Fraktion das bereits gefordert. Da hat es Ihre Fraktion leider noch abgelehnt aus rechtlichen Gründen. Es hieß, menschenverachtend wären wir als AfD. Woher kommt der Sinneswandel? Ist das jetzt nicht mehr menschenverachtend, oder ist es jetzt rechtlich etwas anderes, wenn Sie das fordern? Könnten Sie mir das bitte schön kurz erklären? – Danke schön.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 110 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Protschka, es ist eine völlig andere Situation. Wir stehen nach wie vor zum Mindestlohn. Wir stehen aber auch zur Mindestlohnkommission, die paritätisch besetzt ist. Sie hat in den letzten Jahren immer wieder den Mindestlohn angehoben. Jetzt geht es um den starken Anstieg des jetzigen Mindestlohns auf dann 15 Euro. Dass er irgendwann aufgrund von Beschlüssen der Mindestlohnkommission kommen wird, das ist klar. Jetzt geht es nur um die Geschwindigkeit, also darum, wie schnell man auf die Höhe kommt.

Vielen Dank. – Ebenfalls aus der AfD-Fraktion hat Manfred Schiller eine Nachfrage zu dem Thema.

Porträt von Manfred Schiller
Foto: Manfred Schiller/ privat
1 Vermerkca. 89 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich hätte eigentlich eher eine Nachfrage an Frau Reiche, wenn das möglich ist.

Das geht nicht. Wir sind gerade bei der Hauptfrage von Herrn Steiniger. Unsere Regelung hier ist, dass man dazu Nachfragen stellen kann. Sie können, wenn die Ministerin noch mal angesprochen wird, vielleicht die Gelegenheit nutzen, Ihre Frage zu stellen. Aber an dieser Stelle kann ich das nicht zulassen.

Okay! Danke!

Als Nächstes hat sich zu einer Nachfrage zu diesem Thema der Kollege Armin Grau von Bündnis 90/Die Grünen gemeldet.

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
1 Vermerkca. 91 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Minister Rainer, wie der Kollege Steiniger gerade schon gesagt hat, liegt in meinem Wahlkreis nicht nur eine große Chemieindustriestadt, sondern auch der Gemüsegarten Vorderpfalz. Die Wettbewerbsfähigkeit des Gemüseanbaus in Deutschland ist mir ein großes Anliegen.

Ich möchte Sie vor dem Hintergrund fragen: Ist es richtig, die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland, etwa im Bereich der Spezialkulturen, zulasten der Schwächsten der Schwachen, der Saisonarbeitskräfte, aufrechtzuerhalten? Ist das der richtige Weg, um diese Problematik anzugehen?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
2 Vermerkeca. 133 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wenn Sie die Sonderkulturanbauer in unserem Land stärken wollen, dann müssen Sie unserem Vorschlag zustimmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das eine darf man nicht vergessen: Diejenigen, die harte Arbeit leisten und uns hier unterstützen, kommen in der Regel aus Ländern, in denen es keinen Mindestlohn gibt. Sie leisten bei uns zwei bis drei Monate harte Arbeit und gehen dann sehr glücklich nach Hause – schon mit dem jetzigen Mindestlohn.

Die gehen alle „sehr glücklich nach Hause“! Natürlich! Keine Krankenversicherung! Werden um den Lohn geprellt!

Dann kommt gar keiner mehr! Ausbeutung!

Dann hat zu einer weiteren Nachfrage ebenfalls zu diesem Thema Christoph Frauenpreiß aus der CDU/CSU-Fraktion das Wort.

Porträt von Christoph Frauenpreiß
Foto: Christoph Frauenpreiß/ Nina Duderstadt
ca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister Rainer, erst einmal vielen Dank. Wir haben uns als Koalition ja dafür ausgesprochen, dass wir die Landwirtschaft im Bereich des Tierwohls unterstützen wollen, auch weil das immer wieder von den Verbrauchern gefordert wird.

Mich würde interessieren: Welche Maßnahmen streben Sie an, um die Landwirte in dem Bereich des Tierwohls zu begleiten? Besonders interessiert mich auch: Welche unbürokratischen Maßnahmen werden Sie treffen, um den Stallumbau, der dafür notwendig ist, voranzutreiben? – Vielen Dank.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 107 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Kollege, für die Frage. – Leider Gottes reicht die Zeit nicht, um alles anzusprechen. Ich kann nur sagen: Wir setzen das Bundesprogramm zur Förderung von Tierwohlställen fort. Die Mittel werden sogar ein Stück weit erhöht. Wir wollen weiterhin daran arbeiten, dass wir hierfür über die GAK Mittel bereitstellen können, die dann über die Länder für den Ausbau von Tierwohlställen bereitgestellt werden.

Wir haben jetzt noch drei Nachfragen zu diesem Thema. Danach würden wir zur nächsten Frage kommen.

Als Nächstes hat Pascal Meiser von der Fraktion Die Linke das Wort zur Nachfrage.

Porträt von Pascal Meiser
Foto: Die Linke, Berlin
1 Vermerkca. 135 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, Sie haben von den Saisonarbeitskräften gesprochen, die „glücklich nach Hause“ gehen. Wir alle wissen: Die deutsche Wirtschaft, insbesondere die Landwirtschaft, ist auf die Saisonarbeitskräfte, die aus anderen Ländern kommen, dringend angewiesen. Wir können dankbar sein, dass sie hier so schwere Arbeit leisten.

Viele gehen aber mit der Erfahrung nach Hause, dass die Unterbringung eine Katastrophe war. Viele gehen mit der Erfahrung nach Hause, dass es Verstöße gegen den schon jetzt geltenden Mindestlohn gab. Und viele gehen mit der Erfahrung nach Hause, dass sie keinen vollständigen Krankenversicherungsschutz hatten und im Krankheitsfall auch Probleme hatten, versorgt zu werden. Deswegen meine Frage: Halten Sie das auch für ein Problem? Und was wollen Sie als Landwirtschaftsminister tun, um dagegen vorzugehen?

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Meiser, ich lasse mir jetzt einmal vorlegen, welche Verstöße es da eventuell geben könnte. Ich kann das jetzt persönlich nicht verifizieren.

Ich gebe Ihnen recht: Hier wird wertvolle Arbeit geleistet. Ich bitte bloß, auch zu verstehen: Wir brauchen weiterhin die Sonderkulturenanbauer in Deutschland. Ich will deutsche Produkte für uns haben. Wir brauchen auch Produkte aus anderen Ländern. Das ist notwendig – überhaupt keine Frage! Aber wenn die Sonderkulturenanbauer sich aus Deutschland verabschieden, dann haben wir alle miteinander nichts gewonnen.

Beifallbei der CDU/CSU

Auch aus der Fraktion Die Linke hat Cem Ince das Wort zu einer Nachfrage.

Porträt von Cem Ince
Foto: Cem Ince/ Marc Schumann
ca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister Rainer, ich komme noch mal zurück zum Thema Mindestlohn. Der Mindestlohn ist dafür da, um eine Lohnuntergrenze flächendeckend, also für alle Bereiche, durchzusetzen. Jetzt hat die AfD-Fraktion gerade gefragt, warum man den Mindestlohn bei den Saisonarbeitern nicht umgehen könne. Frau Bärbel Bas, die Ministerin, sagt, dass es diskriminierend wäre, wenn der Mindestlohn in der Branche nicht eingehalten werden müsste. Wie stehen Sie denn dazu?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Kollege, ich denke, ich habe mich schon sehr oft zum Mindestlohn geäußert und gesagt, wie ich dazu stehe. Mir ist es wichtig, dass die landwirtschaftliche Produktion von Sonderkulturen in Deutschland aufrechterhalten wird. Und es besteht, wenn der Mindestlohn zu schnell auf 15 Euro angehoben wird, die Gefahr, dass sich die Sonderkulturenproduktion aus Deutschland verabschiedet. Das will ich in dieser Form nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Die letzte Nachfrage zu dem Thema hat Christian Reck aus der AfD-Fraktion.

Porträt von Christian Reck
Foto: Christian Reck
ca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister, ein Thema, das Landwirten viel Kopfzerbrechen bereitet – Stichwort „Bürokratieabbau“ –, ist die Umsetzung der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft. Sie wissen: Unter Ihrem Vorgänger wurde sie so geändert, dass bei einer vollständigen Umsetzung, einer buchstabengetreuen Auslegung der Technischen Anleitung bestehende, funktionstüchtige bauliche Anlagen im Prinzip im nächsten Jahr abgerissen werden müssen. Setzen Sie sich diesbezüglich zeitnah für eine Abänderung der TA Luft ein, damit die bäuerlichen Betriebe wieder etwas Planungssicherheit bekommen und bei ihnen wieder etwas Ruhe einkehrt?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 120 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Kollege, ich setze mich dauerhaft für Planungssicherheit ein. Das ist wichtig.

Zu der Frage, ob wir jetzt bei der TA Luft Veränderungen hinbringen: Ich bin im dauerhaften Austausch mit der Kollegin Bauministerin, um hier Planungssicherheit und Planungsvereinfachung zu erreichen. Das geht zurzeit nur leider nicht auf die Schnelle. Es wurde ein Baubooster eingeführt; da war die Kollegin massiv gefordert.

Planungssicherheit ist in der Landwirtschaft – etwa beim Stallbau, bei den Tierwohlställen – ein hohes Gut. Darauf müssen wir setzen, und es steht auch so im Koalitionsvertrag.

Vielen Dank. – Dann würden wir zur nächsten Hauptfrage kommen, und die stellt Ina Latendorf aus der Fraktion Die Linke.

Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
ca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Rainer, auch meine Frage geht an Sie, zum Thema „Tierschutz und Tiertransporte“. Wir haben am 14.06. den Internationalen Tag gegen Tiertransporte gehabt. Wir alle kennen die vielen Berichterstattungen über Tierschutzrechtsverstöße, gerade im Bereich Tiertransporte. Wir alle haben die Rinder vor Augen, die an der bulgarisch-türkischen Grenze verendet sind.

Meine Frage ist: Wie wollen Sie sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene das Thema angehen? Wird sich die Bundesregierung weiterhin auf EU-Ebene für eine Reform des Tiertransportrechts starkmachen, so wie Ihr Amtsvorgänger es angestoßen hat?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 126 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Latendorf, vielen Dank für die Frage. – Auch ich habe die Bilder gesehen, und Sie dürfen versichert sein, dass sie auch mir nicht gefallen. Das geht gar nicht, so mit Nutztieren umzugehen. Wir sind hierzu in der Diskussion, gerade auf europäischer Ebene, und da gibt es durchaus die verschiedensten Meinungen. Viele Länder sind bei dem Thema anderer Meinung als wir, und wir müssen hier meines Erachtens zu einem guten Ergebnis kommen. Tiertransporte sind nach wie vor notwendig. Wir brauchen bloß die entsprechenden Regelungen, dass man die Tiere auch ordentlich transportieren kann. Dafür arbeiten wir auf europäischer Ebene, und wir befinden uns noch in der Diskussion.

Für eine Nachfrage, Frau Latendorf.

Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Antwort. – Sie haben ja selbst gesagt: Auf europäischer Ebene wird das unterschiedlich gesehen. – Wir haben in der letzten Wahlperiode immer wieder angeregt, das auf nationaler Ebene zu regeln und Transporte in Drittstaaten zu unterbinden, basierend auf nationalen Regelungen. Dazu gibt es viele Gutachten, die aussagen, dass es rechtlich möglich ist. Werden Sie diese Möglichkeit für Deutschland in Betracht ziehen, wenn es auf EU-Ebene keine einheitliche Regelung dazu gibt?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Kollegin, es ist schwierig, wenn es auf EU-Ebene keine einheitliche Regelung gibt. Tiere werden über Landesgrenzen transportiert, sie müssen auch über Landesgrenzen transportiert werden. Hier unterschiedliche Regelungen zu haben, ist schwierig.

Wir müssen schauen, dass wir auf europäischer Ebene zu vernünftigen Lösungen kommen. Nationale Lösungen können vielleicht irgendwo Insellösungen sein, aber sobald wir über Grenzen fahren – und leider Gottes müssen Tiere auch über Grenzen transportiert werden –, brauchen wir internationale Regeln.

Zu einer Nachfrage hat Dr. Zoe Mayer das Wort.

Porträt von Zoe Mayer
Foto: Zoe Mayer/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 146 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Bundesminister Rainer, eine besonders grauenvolle Praxis im Bereich der Tiertransporte sind die Exporte in Drittstaaten. Sie haben gerade gesagt, dass Sie die Bilder aus der Türkei kennen.

Nun ist es tatsächlich so, dass die Debatte um die nationale Regelung in der letzten Legislaturperiode sehr eindringlich geführt wurde. Einer der Kernpunkte ist der ganze Bereich der Umgehungstatbestände. Am Ende der letzten Legislatur wurde noch mal ein Eckpunktepapier an die EU eingereicht, um zu prüfen, inwiefern ein schlagkräftiges nationales Verbot auch rechtssicher umgesetzt werden kann.

Kennen Sie dieses Eckpunktepapier? Und werden Sie sich dafür einsetzen, dass wir es dann auch umsetzen, wenn es möglich ist und durch die EU abgesegnet wurde, damit wir hier auch wirklich eine strahlkräftige Vorbildfunktion für den Tierschutz übernehmen?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
1 Vermerkca. 132 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Rainer, es geht in den hohen Norden, an die Küste. Sie sind auch für den Küstenschutz zuständig.

Nach der schweren Sturmflut im Herbst 2023 hat Ihre Fraktion am Ende der 20. Wahlperiode einen Küstenschutz-Antrag eingebracht. Das ist eine wichtige Sache, die es weiterzuverfolgen gilt. Leider hat sich der im Unionsantrag geforderte „langfristige und systematische“ Mittelaufwuchs für den Küstenschutz nicht im Haushalt Ihres Hauses niedergeschlagen. Das ist schade; denn mit Blick auf den Klimawandel müssen wir hier langfristig mehr Investitionen zusammen mit den Ländern und den lokalen Verbänden stemmen.

Können Sie uns erläutern, warum die politischen Ziele Ihrer Fraktion bisher vom BMLEH im zweiten Regierungsentwurf nicht umgesetzt wurden? Und wird sich das für den Haushalt 2026 ändern?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 166 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Seidler, vielen Dank für die Frage und überhaupt vielen Dank für Ihren dauerhaften und ständigen Einsatz für die Küstenregion. – Ich kann Ihnen zumindest etwas Positives mitteilen: Für die GAK werden wie im letzten Haushaltsjahr 907 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, und sie wird auch mindestens in dieser Höhe fortgeschrieben. Die Mittel für den Küstenschutz sind darin integriert.

Sie wissen selbst bestens, dass der normale Fördersatz in der GAK bei 60 Prozent liegt und im Bereich Küstenschutz bei 70 Prozent. Wir werden das auch weiterhin so aufrechterhalten. Denn aktiver Küstenschutz ist Schutz von Leib und Leben und auch von Landschaften, die durchaus zerstört werden können. Also seien Sie versichert: Ich werde weiterhin dafür kämpfen, dass die GAK zumindest in dieser Höhe bleibt. Vielleicht schaffen wir es auch, dass der Mittelansatz ein Stück weit erhöht wird.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Für eine Nachfrage noch mal der fraktionslose Kollege Seidler.

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 77 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist sehr erfreulich. – Herr Minister, Sie haben es eben selbst gesagt: Der Bund trägt mit erheblichen Mitteln zur GAK bei. Gleichzeitig wissen wir hier im Bundestag aber praktisch gar nichts darüber, wofür die Investitionen des Bundes benötigt werden. Ich finde das ein bisschen problematisch.

Herr Minister, deshalb frage ich Sie: Würde ein regelmäßiger Küstenschutzbericht, der den Zustand unserer Küstenschutzeinrichtungen dokumentiert, Vergleichbarkeit schafft, bundesweite Nachholbedarfe offenlegt, Ihre Unterstützung bzw. die Unterstützung Ihres Hauses bekommen?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 101 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, ich kann mir vorstellen, dass es immer interessant ist, zu wissen, für was die Mittel verwendet werden. Wir müssen mal schauen, wie man so etwas dann umsetzen kann. Es soll keine große wissenschaftliche Auswertung werden, die sich dann über Jahre hinzieht. Da müssen wir mit den Ländervertretern vor Ort sprechen, ob es da nicht vielleicht schon eventuell etwas gibt.

Dann starten wir eine neue Fragerunde. – In dieser dritten Runde hat als Erstes nun der Kollege Dario Seifert von der AfD das Wort zu einer Frage.

Porträt von Dario Seifert
Foto: AfD Fraktion im Deutschen Bundestag/ Nikolaus Becker
1 Vermerkca. 156 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an Frau Ministerin Reiche. Es geht in meinen Wahlkreis an die Ostsee. Dort und auch darüber hinaus leben viele Menschen direkt oder indirekt vom Tourismus. Die Gastronomie ist dort ein, wenn nicht das Rückgrat der regionalen Wirtschaft und kämpft immer noch mit zu hohen Steuerlasten.

Dass nun ab 2026 endlich wieder der reduzierte Mehrwertsteuersatz auf Speisen gelten soll, das begrüßen wir als AfD natürlich außerordentlich. Und wir bedanken uns auch an dieser Stelle für die Umsetzung zumindest eines Teils unserer Forderungen.

Aber: Warum bleibt es bei der vollen Mehrwertsteuer auf Getränke? Genau hier liegt ja in vielen Betrieben der eigentliche Ertrag; denn die Speisen decken oft kaum die vollen Kosten. Meine Frage an Sie: Warum sperrt sich die Bundesregierung noch immer gegen eine echte Entlastung an dieser Stelle? Und wie passt das mit der immer wieder betonten Bedeutung des Tourismusstandortes Deutschlands zusammen?

Beifallbei der AfD
ca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, ich bin jetzt leider kein Experte für Gastronomie; das muss ich an der Stelle leider sagen. Aber es gilt, was bei uns im Koalitionsvertrag steht: Entlastungen für Gastronomie und für Wirtschaft.

Vielleicht beruhigt es Sie oder hilft ein bisschen über meine inhaltliche Lücke an diesem Punkt hinweg, dass ich Ihnen zumindest versichern kann, dass wir die Deutsche Zentrale für Tourismus vernünftig finanzieren und die Finanzierung auf 40 Millionen Euro anheben, um hier ein wichtiges Zeichen für den deutschen Tourismus zu setzen. Die andere Antwort müsste ich Ihnen nachreichen.

Ihre Nachfrage, Herr Seifert.

Porträt von Dario Seifert
Foto: AfD Fraktion im Deutschen Bundestag/ Nikolaus Becker
ca. 49 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Antwort an dieser Stelle. Das beantwortet meine Frage natürlich nicht, muss ich sagen. Nichtsdestotrotz nehme ich jetzt aber mit, dass Sie sich für Entlastungen einsetzen werden.

Können wir damit rechnen, dass dieses wichtige Thema dann auch Gegenstand der kommenden Haushaltsberatungen sein wird?

ca. 67 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Was der Deutsche Bundestag und seine Fraktionen beraten, ist ihnen vollkommen unbenommen.

Noch mal: Entlastungen waren garantiert und auch in den Koalitionsverhandlungen konsentiert. Insofern gehe ich davon aus, dass der Tourismus, die Gastronomie am Ende mit einer vernünftigen Regelung wird rechnen können.

Dann hat jetzt für die SPD-Fraktion der Kollege Mahmut Özdemir das Wort.

Porträt von Mahmut Özdemir
Foto: Mahmut Özdemir/Maximilian König
ca. 162 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage richtet sich an die Frau Ministerin. Ich möchte das tatsächliche Bild der Stahlindustrie in unserem Land zeichnen. Denn unser heimischer Stahl ist in Not, und davon sind insgesamt 3,7 Millionen Arbeitsplätze betroffen. Die Verunsicherung bei meinen Kolleginnen und Kollegen bei thyssenkrupp, wo 15 000 Arbeitsplätze wegfallen könnten, aber auch bei der Salzgitter AG, bei Saarstahl und nach jüngsten Verlautbarungen auch bei Arcelor, wo insgesamt bis zu 90 000 Arbeitsplätze direkt betroffen sind, ist groß. Die Unsicherheit von Wertschöpfungsketten in der Bauwirtschaft, Automobilindustrie, Nachhaltigkeitswirtschaft bis hin zur Rüstungsproduktion gefährdet aus meiner Sicht die Unabhängigkeit unseres Landes.

Vor dem Hintergrund möchte ich Sie fragen, Frau Ministerin – auch im Namen der Kolleginnen und Kollegen, die schon seit Hunderten Tagen bei der Mahnwache verbringen –: Wann wird die Politik die Maßnahmen, die wir als Koalition mit Blick auf die Senkung der Energiepreise und die Etablierung grüner Leitmärkte gemeinsam vereinbart haben, auf den Weg bringen?

ca. 159 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, soweit ich das von hier überblicken kann, sind Sie ja Bestandteil der Koalition und wissen um unseren Zeitplan. Wir werden die Entlastungen für den Energieteil noch vor dem Sommer konsentieren. Wir verhandeln zurzeit den Industriestrompreis in Brüssel. Ich habe gerade positiv zur Kenntnis genommen, dass die SPD-Bundestagsfraktion den Industriestrompreis und den Durchbruch hier positiv begleitet; dafür meinen herzlichen Dank.

Ich möchte Ihnen auch sagen, dass die Förderbescheide für die Salzgitter Flachstahl GmbH, die thyssenkrupp Steel Europe AG und die Stahl-Holding-Saar über insgesamt 5,6 Milliarden Euro nach wie vor im KTF veranschlagt sind. Diese Projekte gehen ja weiter. Insofern weiß ich, dass der Druck da ist.

Aber noch mal: Es gibt Sachverhalte, die können wir gemeinsam in der Koalition hier lösen; und dann braucht es in Europa eine klare Antwort auf Billigprodukte und WTO-Verstöße von internationaler Seite.

Ihre Nachfrage, Herr Özedmir.

Porträt von Mahmut Özdemir
Foto: Mahmut Özdemir/Maximilian König
ca. 52 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Frau Ministerin, können Sie bitte auch noch mal zu Gesprächen mit der EU-Kommission ausführen, insbesondere im Hinblick auf den Schutz unseres Marktes in Deutschland und in Europa vor Überkapazitäten im internationalen Wettbewerb, wo die Gefahr für unser Land insbesondere vom chinesischen Stahl ausgeht?

ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Absolut! Vielen Dank für diese Frage. – Wir haben im letzten EU-Wettbewerbsrat darüber debattiert, und unter den europäischen Mitgliedstaaten besteht hier Einigkeit. Es muss auch Bestandteil von G7-Verhandlungen sein, die Stahlproduktion vor unfairem Wettbewerb zu schützen. Die EU-Kommission wird sich dieses Themas noch mal gesondert annehmen. Auch was das Thema „grüne Leitmärkte“ betrifft, sind wir in Diskussion mit der EU-Kommission, entsprechende Rahmenbedingungen hierfür zu verhandeln. Dafür kann ich Ihnen aber noch keinen Zeitplan nennen.

Herr Kellner hat das Wort zur ersten Nachfrage.

Porträt von Michael Kellner
Foto: Michael Kellner/ Nils Leon Brauer
ca. 58 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Eine Frage zu den grünen Leitmärkten: Werden Sie sich in der Bundesregierung dafür einsetzen, dass bei den vielen Milliarden, die jetzt in die Sanierung unserer Brücken und in den Ausbau des Schienennetzes investiert werden, CO2-armer Stahl und CO2-armer Beton zum Einsatz kommen, um diese grünen Leitmärkte voranzubringen?

ca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Bei der Ausgestaltung von Leitmärkten, Herr Kellner, sind wir erst in der Ausprägung; aber Sie nennen einen wichtigen Punkt. Die öffentliche Beschaffung kann Standards setzen, und über öffentliche Beschaffungen kann ein dauerhafter Bedarf an nachhaltigen Produkten erzeugt werden. Wie wir das genau organisieren, erarbeiten wir derzeit.

Die nächste Nachfrage kommt von Steffen Kotré aus der AfD-Fraktion.

Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
ca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, vor zwei Jahren haben vor allem die Links-Grünen ins Gesetz geschrieben, dass Windindustrieanlagen und alle möglichen anderen Anlagen der Energiewende jetzt „im überragenden öffentlichen Interesse“ stehen und der öffentlichen Sicherheit dienen würden. Die Energiewende führt völlig in die Irre. Sie ist verantwortlich dafür, dass wir mit die höchsten Energiepreise haben. Wir haben eine immer unsicherer werdende Energieversorgung.

Deswegen die Frage: Sehen Sie und sieht Ihre Koalition es genauso, –

Kommen Sie bitte zum Ende.

Rednerwechsel

– dass einzelne Technologien jetzt im überragenden öffentlichen Interesse stehen würden?

ca. 157 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das überragende öffentliche Interesse dient der Beschleunigung von Vorhaben. Auch diese Koalition wird den Ausbau von erneuerbaren Energien, aber auch den Ausbau von Straßen und Brücken oder von Wasserstoffinfrastruktur voranbringen. Die Beschleunigung von Vorhaben, die Beschleunigung von Infrastrukturmaßnahmen, ist etwas, woran sich schon viele Regierungen versucht haben. Die Vorgängerregierung hat erste Maßnahmen durchgeführt; die weiten wir jetzt aus.

Wir brauchen generell ein anderes Verhältnis zu Investitionen in die Infrastruktur. Man möchte nachhaltiger werden; aber es ist nicht zielführend, dass es vor Ort gleich eine Bürgerinitiative gibt, wenn man sagt, dass man eine Brücke haben möchte, und sie dann kommen soll. Nichts gegen Beteiligung vor Ort, die brauchen wir; wir brauchen aber auch Geschwindigkeit beim Ausbau. Und das überragende öffentliche Interesse gibt uns Gelegenheit, diese Geschwindigkeit in Projekte zu bringen.

Zu einer weiteren Nachfrage zu diesem Thema der Kollege Mirze Edis von der Fraktion Die Linke.

Porträt von Mirze Edis
Foto: Mirze Edis
ca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie sprachen eben von Fördergeldern, natürlich auch für die Stahlindustrie. Am Beispiel von thyssenkrupp Steel haben wir gesehen, dass das Unternehmen ungefähr 1,3 Milliarden Euro von der Bundesregierung und knapp 700 Millionen Euro von der Landesregierung gekriegt hat und drei Tage später ankündigte, dass es 11 000 Arbeitsplätze abbauen will. Wenn Sie in Zukunft noch mal Gelder freigeben, werden Sie das dann daran knüpfen, dass gesagt wird, dass keine Standortschließungen und kein Arbeitsplatzabbau folgen werden?

ca. 126 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, eine solche Verknüpfung ist schwierig. Sie ist deshalb schwierig, weil sich an eine Innnovation und an eine Transformation nicht der Eins-zu-eins-Erhalt von Arbeitsplätzen anschließen kann. Wichtig ist, dass wir so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten und die grüne Transformation überhaupt erst mal möglich machen. Wir dürfen diese nicht verkomplizieren.

Die von Ihnen geforderte Verknüpfung würde dazu führen, dass Investitionen durch das Management im Zweifel überhaupt nicht getätigt werden, und das kann nicht in unserem Interesse sein. Es kommt vielmehr darauf an, Arbeitsplätze in neue Technologien zu überführen, und darin sehe ich eher meine Aufgabe.

Von Bündnis 90/Die Grünen hat nun zu einer weiteren Nachfrage Sandra Detzer das Wort.

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank. – Frau Ministerin, Sie hatten mit Bezug auf den grünen Stahl die Betonung auf den fairen Wettbewerb und auf die absolute Notwendigkeit, unfairen Wettbewerb auch auf europäischer Ebene zu unterbinden, gelegt. Nun haben ja jüngst die Maschinenbauer des VDMA geäußert, dass die Wettbewerbsverzerrung durch China ein Riesenproblem für den Maschinenbau in Deutschland ist. Welche konkreten Schritte wollen Sie unternehmen, um die EU-Kommission dabei zu unterstützen, Wettbewerbsverzerrungen zu unterbinden?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
ca. 165 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wettbewerbsverzerrungen zu unterbinden, hat zwei Komponenten: zum einen, in Europa selbst zu wettbewerbsfähiger Produktion zu kommen, und zum Zweiten, die WTO-Maßnahmen scharfzustellen, um unfairen Wettbewerb zu unterbinden – ich nenne hier CBAM als eine Möglichkeit.

CBAM braucht eine Korrektur; auch das ist richtig. Aber mit CBAM gibt es zumindest mal ein Framework, das wir jetzt verbessern müssen, um Importprodukte, die unter schlechteren Umweltbedingungen hergestellt worden sind, hiesige Märkte nicht verzerren zu lassen. CBAM hat einen Nachteil: Dadurch, dass ein Produkt oft mehrere Schleifen nimmt, ist die Präzision dessen, was wir jetzt haben, noch nicht optimal. Aber zumindest ist es ein Grenzmechanismus, eine Möglichkeit, schlechtere Umweltstandards in den Produktionsländern hier nicht noch zum Vorteil werden zu lassen.

Vielen Dank. – Ich möchte noch mal an die Zeit erinnern, damit wir noch eine weitere Hauptfrage hinbekommen.

Jetzt gibt es noch zwei Nachfragen zu diesem Thema aus der AfD-Fraktion, und es beginnt der Kollege Rainer Kraft.

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
ca. 75 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, der Kollege hat thyssenkrupp angesprochen, eines der mehreren bereits gescheiterten grünen Stahlprojekte; es wird nicht das Letzte gewesen sein. thyssenkrupp hat Fördergelder bekommen unter der Maßgabe, grünen Stahl herzustellen, mit der Vorgabe, sie zurückzuzahlen, wenn von dem Projekt Abstand genommen wird. Nun wurde das Projekt nicht realisiert.

Deswegen die Frage: Wie viel dieser Fördergelder hat thyssenkrupp bereits zurückgezahlt, und wie viel muss thyssenkrupp noch zurückzahlen?

ca. 30 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Thyssenkrupp hat keine endgültige Entscheidung getroffen, soweit ich das weiß.

Nun noch Dirk Brandes zu einer weiteren Nachfrage.

Porträt von Dirk Brandes
Foto: Dirk Brandes/Privat
1 Vermerkca. 92 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, Sie sehen, hier geht ein Riss durchs Haus. Die einen fabulieren von der grünen Energiewende, wir möchten gerne eine saubere und sichere Stahlproduktion in Deutschland weiter sicherstellen. Es ist ja so: Sie haben sich eben noch mal gegen die Reaktivierung der Kernkraft ausgesprochen.

Zurufdes Abg. Karl Bär [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn Sie abwägen müssten, ob Sie sich für Tausende von Arbeitsplätzen aussprechen oder die Kernenergie noch mal neu aufrollen wollen: Für was entscheiden Sie sich, für die Kernenergie oder für Arbeitsplätze?

ca. 137 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wenn es so einfach wäre, säßen wir alle nicht hier. Es gibt kein Entweder-oder. Es gibt die klare Aussage – nicht nur im Koalitionsvertrag, sondern auch darüber hinaus –, dass es in Deutschland keine Rückkehr zur Kernenergie, so wie wir sie kennen, gibt. Wir sollten anerkennen, dass andere Länder es anders handhaben; wir können gegenseitig voneinander profitieren. Das eine gegen das andere auszuspielen, davon halte ich nichts. Was wir jetzt tun, ist, mehr Erzeugungskapazität in den Markt zu bekommen – durch die beschriebenen Gaskraftwerke, aber auch durch andere Flexibilitätsoptionen wie Batterie, Biomasse, Wasserkraft und anderes.

Nun würde ich noch eine Hauptfrage zulassen, aber keine weiteren Nachfragen, weil wir zeitlich fast am Ende angelangt sind. – Jetzt hat das Wort der Kollege Alaa Alhamwi von Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Alaa Alhamwi
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, Klimaneutralität bis 2045 ist im Grundgesetz verankert, das heißt, dass bis 2045 die Treibhausgase auf null gesetzt werden sollen. Dabei hilft nicht der Ausbau der fossilen Infrastrukturen.

Da Sie von vielen Hausaufgaben gesprochen haben, ist die Frage: Was konkret wollen Sie machen? Eine dieser Hausaufgaben ist aus meiner Sicht natürlich das Erreichen der Klimaneutralität. Was wollen Sie konkret machen, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen?

Das wäre erst einmal meine Frage. – Danke.

1 Vermerkca. 166 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Abgeordneter. – Das gibt mir die Gelegenheit, auf eine gesetzliche Maßnahme, die gerade in die Vorabstimmung gegangen ist, hinzuweisen, nämlich CCS. Wenn wir in Gas investieren müssen und wissend, dass es CO2-Emissionen gibt, die technisch nicht vermeidbar sind – in der Zementproduktion beispielsweise –, dann braucht es das Abscheiden und den Transport von CO2. Hier werden wir in Kombination mit der Anpassung des London-Protokolls ein Gesetz vorlegen, um CO2 nicht nur abzuscheiden, sondern auch dessen Transport zu ermöglichen. Wir haben für die entsprechende Infrastruktur im Haushalt Kapazitäten in Form eines Leertitels angelegt.

CCS ist eine Möglichkeit, um nicht nur einen guten Übergang zu schaffen, sondern auch in Richtung CO2-Neutralität zu kommen und dennoch Produktionsstätten, die CO2-intensiv sind, in Deutschland zu halten.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Alhamwi kann gerne eine Nachfrage stellen; aber ich habe ja schon angekündigt, dass ich aufgrund der Zeit keine weiteren Nachfragen dazu zulassen kann.

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Vielen Dank auch für die Antwort. Ich glaube, CCS ist nicht die einzige Antwort. Sie haben im Ausschuss gesagt, dass Sie für das Ziel das Gesetz einhalten wollen; gestern haben Sie was anderes gesagt. Was gilt tatsächlich, und wann wird in Ihrem Ministerium endlich mal das gesamte System ganzheitlich optimiert betrachtet und nicht nur einzelne Maßnahmen? Und bitte nicht mit „Robert Habeck …“ antworten! – Danke.

2 Vermerkeca. 118 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Den Gesamtüberblick hat es bisher eher vermissen lassen, weil entweder nur auf den Ausbau von Erneuerbaren oder auf separate Technologien geschaut wurde. Wir müssen den Systemblick haben. Systemblick heißt, die Kombination aus Versorgungssicherheit, Infrastruktur, Zubau, der teuer ist, momentan erfolgter Abregelung von Energieflexibilität im System und Versorgungssicherheit in Kombination mit Klimaschutz zusammenzudenken. Das machen wir mit unserem Monitoring übrigens erstmals in dieser Form,

Zurufder Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und wir werden dem Deutschen Bundestag nach der Sommerpause die Ergebnisse präsentieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Damit kommen wir zum Ende der Regierungsbefragung. Ich bedanke mich bei der Ministerin und bei dem Minister.

Porträt von Ines Schwerdtner
Foto: Olaf Kostritz
12 Vermerkeca. 901 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Spahn ist leider nicht hier. Wir haben gerade die Befragung im Haushaltsausschuss unterbrochen. Wir haben zunächst die Gesundheitsministerin, Frau Warken, befragt. Das hat sich sehr lange hingezogen. Jetzt kam Herr Spahn dran. Wir haben die Sitzung des Haushaltsausschusses eben für die Befragung unterbrochen, und trotzdem ist er nicht hier vor Ort. Ich finde, es ist eine Missachtung des Parlaments und auch eine Missachtung der Öffentlichkeit, dass er jetzt nicht hier ist.

Beifallbei der Linken
Widerspruchder Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

Er könnte hierherkommen. Wir haben extra den Ausschuss unterbrochen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber die Menschen da draußen fragen sich zu Recht: Was läuft hier eigentlich? Während wir in der Pandemie Masken genäht, Angehörige gepflegt und auf Hilfen gewartet haben, haben Sie, Herr Spahn, vor allem sich selbst versorgt: mit Kontakten, mit Deals, mit Milliarden aus unserem Steuergeld. Und jetzt, ein paar Jahre später, tun Sie so, als wären Sie das Opfer. Nicht die Menschen, die jeden Cent umdrehen mussten, nicht die Steuerzahler, die Ihren Schaden tragen, nein, ausgerechnet Jens Spahn soll der Geschädigte sein. Sie sprechen davon, dass die Debatte „ehrabschneidend“ ist. Ihre Ehre ist mir, ehrlich gesagt, herzlich egal. Sie sprachen auch davon, dass wir uns in der Pandemie sehr viel verzeihen werden müssen. Vielleicht meinten Sie ja vor allem sich selbst.

Es geht hier nicht um ein Versehen. Es geht um politische Verantwortung, um Gerechtigkeit und den Umgang mit öffentlichem Geld, mit unserem Geld.

Beifallbei der Linken

Durch Ihre Maskendeals ist ein Schaden von rund 3,5 Milliarden Euro entstanden, weitere könnten folgen. Und was machen Sie? Statt die Vorfälle aufzuklären, waschen Sie Ihre Hände in Unschuld. Sie geben Interviews, Sie spielen die Opferrolle, während Millionen von uns noch die wirtschaftlichen Folgen dieser Krise spüren.

Wir mussten verzichten, Sie haben verteilt vor allem an Parteifreunde – ohne Ausschreibung, ohne Rat von anderen Ministerien-, zum Beispiel an die Schweizer Firma Emix, vermittelt – wie könnte es anders sein? – über eine CSU-Connection mit besten Kontakten ins Ministerium. 48 Millionen Euro Provision gingen an Andrea Tandler, Tochter des früheren CSU-Generalsekretärs und bayerischen Finanzministers Gerold Tandler.

Zurufvon der Linken: Unfassbar!

Das reiht sich ein in eine ganze Serie von Skandalen in der Union. Philipp Amthor zum Beispiel, der auch nicht hier ist, hat für einen amerikanischen Lobbykonzern Politik gemacht und sich Aktienoptionen zuschustern lassen.

Jetzt gehen Sie aber ganz weit zurück!

Heute sitzt er wieder im Bundestag und ist Staatssekretär, als wäre nie etwas gewesen.

Das hat aber mit den Masken nicht wirklich was zu tun!

Georg Nüßlein, früher CSU-Bundestagsabgeordneter, hat über eine Beraterfirma rund 660 000 Euro kassiert – für das Vermitteln von Maskendeals. Das sind keine Einzelfälle, das hat System. Und dieses System schützt sich selbst.

Im Januar kam dann der Bericht der Sonderermittlerin Sudhof heraus, 170 Seiten zur Aufarbeitung der Maskendeals unter Ihrer Verantwortung. Und was bekommt der Haushaltsausschuss zur Einsicht? Ein Dokument, seitenweise geschwärzt – viele Seiten komplett –, und in einer Qualität, als wäre das mit einer Kartoffel gescannt worden. Entschuldigen Sie, sind Sie ein Ministerium oder eine Universität? So sieht Transparenz nach CDU-Standards aus! Sie wollen nicht, dass wir diesen Bericht lesen. Sie wollen auch nicht, dass der Fall aufgeklärt wird; sonst wären Sie heute hier. Und das sagt alles über Ihr Politikverständnis. Das ist der gezielte Versuch, das Parlament und uns alle hier für dumm zu verkaufen.

Menschen, die Bürgergeld beziehen, müssen ein Geldgeschenk von 50 Euro beim Jobcenter angeben.

Ja, das ist richtig! Die könnten arbeiten gehen!

Währenddessen laufen im Gesundheitsministerium Millionenprovisionen ganz ohne Kontrolle. Je weniger man hat, desto schärfer wird man kontrolliert. Während die meisten Menschen bei kleinsten Fehlern sofort gemaßregelt werden, steigen Sie weiter auf, Posten für Posten. Sie schaffen es sogar zum Fraktionsvorsitzenden. Wissen Sie, was mich daran am meisten stört? Genau diese Doppelmoral. Sie schimpfen auf Bürgergeldempfänger, fordern die härtesten Sanktionen, und Sie selbst waschen sich hier rein.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und dann wundern Sie sich, warum die Menschen Vertrauen in die Politik verlieren. Ihre Deals sind der Beweis, dass das Gespür der Menschen richtig ist, dass sie das Vertrauen in Politik und auch in die Regierung, in Minister wie Sie verlieren.

Wir Linke gehen an Hunderttausende Haustüren, damit die berechtigte Wut der Menschen sie eben nicht in die Arme der Rattenfänger führt. Sie scheint das nicht zu stören. Im Gegenteil: Sie wollen die AfD ja auch behandeln wie jede andere Partei, und notfalls machen Sie auch gemeinsame Sache.

Geht es noch tiefer eigentlich?

Ich mache Ihnen einen anderen Vorschlag: Machen Sie mal eine Politikpause! Kein Mikrofon, kein Mandat, keine PR-Show, sondern Rückzug bis zur vollständigen Aufklärung dieses Falles und des gesamten CDU-Netzwerks, weil man Verantwortung nicht nur fordert, sondern auch übernehmen muss.

Beifallbei der Linken

Wer in der Krise kassiert, wer Vertuschung organisiert, der hat in der Politik nichts zu suchen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Ganz schwach!

Als Nächstes hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion die Abgeordnete Simone Borchardt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Lina Seitzl [SPD]
Porträt von Simone Borchardt
Foto: Simone Borchardt
20 Vermerkeca. 1.071 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Jetzt kommen wir mal wieder zur Sache und vor allen Dingen zur Fachlichkeit und hören mit dem populistischen Kram auf.

Beifallbei der CDU/CSU

Ihr Fraktionsvorsitzender ist nicht da!

Wir haben damals eine der dramatischsten Krisen in Deutschland erlebt. Vielleicht haben Sie Erinnerungsschwund. Aber ich erinnere mich genau; ich war nämlich Geschäftsführerin einer Pflegeeinrichtung. Im Frühjahr 2020 gab es keine Masken, keine klaren Antworten, Dutzende Menschen haben auf Schutz und Hilfe vertraut, Pflegekräfte haben improvisiert, haben Masken genäht und alles Mögliche getan.

Das rechtfertigt nicht, Aufträge per Whatsapp zu verteilen!

Genähte Masken! Die waren super!

Der Preis für die Masken war enorm. Sprechen Sie mal mit Ihren Pflegeeinrichtungen! Und ich war dankbar, als dann die Masken vom BMG kamen, nämlich kistenweise; ich war wirklich dankbar. Ein Zaudern wäre in dieser Situation fehl am Platz gewesen.

Beifallbei der CDU/CSU

Millionen waren das!

Was wir nun in den Medien vernehmen, ist kein Bericht. Es ist ein politisches Manöver: ein vermeintliches Gutachten ohne klare Methodik, ohne nachvollziehbare Quellen, ohne rechtliche Substanz.

Widerspruchdes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist ein Sonderbericht!

Das Papier wurde nie offiziell beauftragt, nie korrekt übergeben und basiert auf Gesprächen mit nur 20 Personen, die namentlich nicht mal genannt werden. Ein solches Papier ist keine wirkliche Grundlage für die Verurteilung der damaligen Entscheidungen.

Wer ein faires und wirklich vernünftiges Gutachten möchte, spricht wenigstens mal mit dem damaligen Gesundheitsminister und mit den anderen Akteuren.

Beifallbei der CDU/CSU

Es wird an Ihnen kleben bleiben, an Jens Spahn erst recht, wenn Sie sich der Aufklärung verweigern!

Gerade deswegen ist die heutige Einsetzung der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Coronapandemie umso entscheidender, damit wir öffentlich und schonungslos gemeinsam mit Experten und Vertretern aus der Praxis die Pandemie wissenschaftlich und fachlich aufarbeiten und hier keine Hexenjagd betreiben. Das ist für mich der absolut richtige Weg.

Aber lassen Sie uns mal fünf Jahre zurückgehen. Die Vorwürfe, alles sei viel zu teuer und es sei zu viel und zu chaotisch beschafft worden, entbehren einer wirklich fairen Bewertung der damaligen Situation, des damaligen Ausnahmezustandes.

Lassen Sie uns das doch mal klären in einem Untersuchungsausschuss!

Das Zollbeschaffungsamt selbst hatte den Maskenpreis auf 6 Euro festgelegt, gezahlt wurden 4,50 Euro. Das war keine Verschwendung; das war Marktrealität. Und dass mangelhafte Ware nicht angenommen wird, ist kein Skandal, sondern Ausdruck gesunden Menschenverstands.

Ja, es gab Fehler, und wer das Gegenteil behauptet, verkennt die Dimension dieser Krise. Alle wussten, dass diese Pandemie eine ganz neue Dimension hatte, und alle waren involviert,

Nee, wir nicht! Hallo! Da muss ich widersprechen! Die AfD nicht!

auch Sie, liebe Kollegen der Linken, aber auch Sie, liebe Kollegen der Grünen; am kommenden Freitag werden wir das gleiche Thema noch einmal im Rahmen einer Aktuellen Stunde behandeln. Ich möchte Sie von den Grünen zitieren. Es gab ein Autorenpapier von Ihnen vom 31. März 2020,

in dem es heißt:

„Überall auf der Welt braucht es deutlich mehr Coronaviren- und Antikörper-Tests, überall müssen jetzt die Krankenhäuser besser ausgestattet werden,“

So ist es! Aber das rechtfertigt keine Whatsapp-Vergaben!

„überall braucht es viele Monate, vielleicht bis Mitte oder Ende nächsten Jahres, ein Hundertfaches […] an […]masken und Schutzkleidung.“

Ganz viele Masken sind nie angekommen! Weil sie schlechte Qualität hatten! Weil sie nicht geschützt haben! Weil sie verbrannt werden mussten!

Siehe da: Sie wussten damals selber nicht, wie lange die Pandemie anhalten wird und wie viele Masken wir damals gebraucht haben.

Der Schutz des Personals in den Einrichtungen hatte höchste Priorität. Deshalb wurden die Entscheidungen so getroffen, wie sie getroffen wurden,

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Rechtfertigen Sie das doch nicht!

und das ist gut so. Ich sage ganz deutlich: Wir brauchen keine Skandalisierung im Nachhinein. Wir brauchen keinen stumpfen Populismus, der betrieben wird, um einer einzelnen Person zu schaden, und erst recht kein Fingerzeigen auf Politiker, die mutige Entscheidungen in Krisensituationen treffen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wovor haben Sie denn Angst bei der Aufklärung?

Wer bewusst diese Situation verdreht, leistet dem Politikverdruss in diesem Land Vorschub, und das kann es nicht sein.

Transparenz, Aufklärung und Verantwortungsübernahme, das braucht es!

Die damaligen Entscheidungen wurden auf Grundlage von Empfehlungen der Bundesregierung, der Ministerpräsidentenkonferenz, der Gesundheitsministerkonferenz und des Bundeswehrbeschaffungsstabes getroffen,

Den Staat zur Beute haben Sie sich gemacht!

Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]

und das wurde auch vom Finanzminister bestätigt. Also: Das staatliche Handeln wird hier nicht durch eine selbstkritische Fehleranalyse untergraben; es wird durch Ihr parteipolitisches Zerrbild beschädigt.

40 Unionsabgeordnete haben Kontakt zu Maskenbeschaffern gehabt! 40 Unionsabgeordnete!

Ihr populistisches Getöse ist in diesem Falle völlig unangebracht.

Beifallbei der CDU/CSU

Also, lassen wir die Finger davon, immer den Eindruck zu erwecken, der Staat würde in Zukunft lieber nicht handeln – wir könnten ja falsche Entscheidungen treffen –,

Wovor haben Sie denn Angst, Frau Borchardt? Dass Ihr Fraktionsvorsitzender Schaden nimmt?

Machtmissbrauch im Amt, darum geht’s! Machtmissbrauch im Amt!

aus Angst, hinterher verklagt zu werden. Denn wir brauchen mutige Politiker für die anstehenden Herausforderungen, und die haben wir mit Ihnen nicht. Ein Staat, der nicht in der Lage ist, seine Aufgaben zu erfüllen und seine Bürger zu schützen, ist kein Staat, sondern eine leere Hülle. Genau das ist das gefährlichste Signal überhaupt. Das wird es mit uns nicht geben.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Das Wort hat nun für die AfD-Fraktion die Abgeordnete Claudia Weiss.

Beifallbei der AfD
Porträt von Claudia Weiss
Foto: Claudia Weiss/ Nils Rauber
9 Vermerkeca. 515 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Wir sprechen heute über ein politisches Totalversagen, über ein Lehrstück in Missmanagement, in Verschwendung und fehlender Verantwortung. Die Rede ist von der Maskenbeschaffung der Bundesregierung während der Coronapandemie. Wenn es dafür einen Preis gäbe, hätte die damalige Regierung ihn sich redlich verdient: den Preis für eine der teuersten Fehlentscheidungen auf Kosten der Steuerzahler.

Was offenbart der Sudhof-Bericht? Er offenbart Milliarden für Masken, die keiner brauchte. Er offenbart Regierungshandeln ohne Bedarfsanalyse, ohne belastbare Daten, ohne Transparenz, und er offenbart eine erschütternde Gleichgültigkeit gegenüber dem sorgsamen Umgang mit dem Geld der Bürger.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, die AfD-Fraktion hat von Anfang an betont: In Krisenzeiten herrscht Unsicherheit. Aber Unsicherheit ist kein Freifahrtschein für Maßlosigkeit. Auch unter hohem Druck darf der Staat nicht blind Milliarden verausgaben, ohne Maß, ohne Kontrolle, ohne Rückversicherung.

Beifallbei der AfD

Niemand verlangt rückblickend eine perfekte Planung. Aber die Pflicht zur Verhältnismäßigkeit und zur Sorgfalt gilt immer – gerade dann, wenn es um Steuergelder geht.

Was fehlt, ist Rechenschaft; was fehlt, ist Konsequenz. Nicht einmal der Versuch wurde unternommen, verantwortliche Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen – keine effektiven Regressmaßnahmen, kein Schadensersatz, kein politischer Wille zur Aufarbeitung, stattdessen Geheimhaltung durch Verschlusssachen, statt Offenheit Mauern und Vertuschen. Das widerspricht jedem Verständnis von Bürgernähe und Transparenz.

Beifallbei der AfD

Es ist ein Affront gegenüber dem deutschen Souverän.

Wir sagen ganz klar: So geht es nicht. Wenn Bürgerinnen und Bürger mit jedem Cent haushalten müssen, wenn der Mittelstand unter der Steuerlast ächzt, wenn unsere Kommunen um jeden Euro kämpfen müssen, dann darf es nicht sein, dass die Regierung Milliarden aus dem Fenster wirft und niemand haftet.

Beifallbei der AfD

Wir fordern eine umfassende öffentliche Aufarbeitung der Maskenbeschaffung – nicht als PR-Maßnahme, sondern als ehrliche, tiefgehende Enquete-Kommission mit echten Konsequenzen –, eine nationale Strategie zur Eigenproduktion medizinischer Güter – wir brauchen endlich Souveränität statt Abhängigkeit von instabilen Lieferketten –, verbindliche Regeln für Krisenbeschaffung – damit künftig wirtschaftliche Vernunft vor parteipolitischer Symbolik steht –,

Beifallbei der AfD

klare Verantwortlichkeiten: Wer entscheidet, muss auch haften, mit Rücktritt, mit Regress, notfalls mit strafrechtlicher Verfolgung.

Meine Damen und Herren, die Coronakrise war ein Stresstest für unser Gesundheitssystem, für unser Miteinander, aber auch für die Qualität unseres Regierungshandelns, und dieser Test wurde auf erschreckende Weise nicht bestanden.

Was bleibt, ist ein Milliardenloch im Haushalt, das unsere Kinder und Enkel bezahlen müssen.

Die Lesestunde ist bald zu Ende!

Was bleibt, ist das Gefühl vieler Bürger, betrogen worden zu sein, und was bleiben muss, ist die Konsequenz, dass so etwas nie wieder passiert.

Die AfD-Fraktion wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass Verschwendung, Intransparenz und Verantwortungslosigkeit nicht länger die Handschrift der Bundesregierung sind.

Beifallbei der AfD

Wir stehen für eine Politik der klaren Regeln, der wirtschaftlichen Vernunft und der Verantwortung gegenüber dem Bürger. Alles andere kann und darf kein Maßstab mehr sein.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Das Wort hat nun für die SPD-Fraktion der Abgeordnete Dr. Christos Pantazis.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Christos Pantazis
Foto: Maximilian König
10 Vermerkeca. 767 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Coronapandemie konfrontierte unser Land mit einer historischen Ausnahmesituation. Von 2019 bis 2023 hat sie alle Bereiche des Lebens tiefgreifend verändert: den Alltag der Familien, die Arbeit der Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte, unsere Bildungseinrichtungen, die Wirtschaft und nicht zuletzt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in unseren Staat. Die Herausforderungen waren beispiellos. Besonders zu Beginn der Pandemie fehlte es an vielem. Vor allem medizinische Schutzausrüstung, Masken, Schutzkittel und Handschuhe waren auf den überhitzten Weltmärkten kaum zu bekommen, und es gab keinen Impfstoff, keine Blaupause, keine Erfahrungswerte. Der Druck, unter dem staatliches Handeln damals stand, war enorm. In dieser frühen Phase galt – und das ist nachvollziehbar – der Grundsatz: Leben schützen, auch wenn dies mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden ist.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Diese Abwägung war in vielen Fällen richtig, aber sie entbindet uns nicht von der Pflicht zur rückblickenden Aufarbeitung.

Der Sudhof-Bericht geht auf eine klare Initiative des damaligen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach zurück, mit dem ausdrücklichen Ziel, die Maskenbeschaffung unabhängig und transparent prüfen zu lassen.

Hört! Hört!

Es ging ihm darum, Vertrauen zurückzugewinnen und aus möglichen Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Dafür gebührt ihm noch heute Respekt und Anerkennung.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dieser Anspruch muss uns auch heute leiten; denn es steht außer Frage, dass bei der Maskenbeschaffung teils gravierende Fehler gemacht worden sind. Verträge mit Milliardenvolumen wurden abgeschlossen, viele Masken mussten später ungenutzt vernichtet werden. Es stehen noch immer Klagen in Milliardenhöhe im Raum. Das belastet den Bundeshaushalt bis heute.

Gleichzeitig – und das will ich betonen – erleben wir derzeit eine Debatte, in der versucht wird, den Sudhof-Bericht, der für uns die Grundlage der Aufarbeitung darstellt, parteipolitisch zu diskreditieren.

Genau so ist es!

Dem widerspreche ich hier mit aller Deutlichkeit.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]

Erstens. Der Bericht wurde parteiunabhängig von Frau Ministerialdirektorin Sudhof erstellt, einer hochverdienten und über Parteigrenzen hinaus anerkannten Spitzenbeamtin im Rang einer Staatssekretärin. Wer sie angreift, greift den Beamtenapparat unseres Staates an, und das weise ich entschieden zurück.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Zweitens. Es gab keine Steuerung im Wahlkampf. Der Bericht wurde nicht vor der Wahl veröffentlicht, obwohl es für alle Parteien, auch für uns, verlockend gewesen wäre. Das belegt doch gerade, dass es hier nicht um Parteitaktik, sondern um sachliche, vertrauensbildende Aufarbeitung geht.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]

Und damit zum Wesentlichen: Ihrer hier im Rahmen der Aktuellen Stunde geäußerten Forderung nach voller Transparenz und Aufklärung ist die Bundesregierung gefolgt und hat den Bericht dem Haushaltsausschuss sowie dem Gesundheitsausschuss inzwischen übermittelt, was ich für meine Fraktion außerordentlich begrüße.

Zurufdes Abg. Pascal Meiser [Die Linke]

Denn eines ist klar: Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht vollständige Transparenz. Sie wollen wissen, was mit ihrem Steuergeld passiert ist. Und sie wollen sicher sein, dass sich Fehlentscheidungen nicht wiederholen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass „die da oben“ unter sich waren, zumal ja bekannt ist, dass einzelne Fälle strafrechtlich verfolgt werden. Unsere Aufgabe als Parlament ist es deshalb, das Geschehene differenziert, aber kompromisslos aufzuarbeiten, um Vertrauen in demokratisches und staatliches Handeln zu sichern.

Das gilt auch für die Pandemie an sich. Die von den Regierungsfraktionen nun geplante Enquete-Kommission wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Sie soll die pandemische Lage umfassend analysieren. Ein besonderer Fokus wird dabei zu Recht auf die Beschaffung und Vergabe kritischer medizinischer Güter liegen. Denn wir müssen klären, wie Ressourcen bei knapper Verfügbarkeit in Zukunft effizient, transparent und krisensicher beschafft werden können und wie Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen im Ernstfall klar geregelt sind.

Ich komme zum Schluss. Die Pandemie war eine historische Krise von seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gekannter Tragweite – mit vielen Belastungen, viel Unsicherheit und in Teilen auch mit Fehlentscheidungen. Die selbstkritische Aufarbeitung solcher Fehlentscheidungen macht gerade die Stärke demokratischer Staaten aus. Dafür benötigen wir Transparenz; denn Transparenz schafft Vertrauen. Dafür steht der Sudhof-Bericht, der für uns Grundlage ist. Dafür steht unsere Initiative zur Enquete-Kommission. Und dafür stehen auch wir als SPD-Bundestagsfraktion.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das Wort hat für Bündnis 90/Die Grünen der Abgeordnete Andreas Audretsch.

Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
16 Vermerkeca. 950 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es geht um viel heute in dieser Aktuellen Stunde. Es geht zum einen um eine sehr hohe Summe, um bis zu 11 Milliarden Euro, die dem Steuerzahler bzw. der Steuerzahlerin als Schaden entstanden sind. Und wenn man sich anschaut, wie Sie von der Union die Menschen beim Bürgergeld drangsalieren, wenn es um 2 oder 3 Euro geht, dann ist es schon bigott, zu sehen, wie wenig Sie bei 11 Milliarden Euro an Aufklärung interessiert sind.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Zum anderen geht es um eine noch viel größere Frage, nämlich um die Frage, ob in einer der schwersten Krisen nach 1945 ein Minister versucht hat, die Situation zum persönlichen Vorteil auszunutzen. Wollen Sie in einem Land leben, in dem sich Minister den Staat in einer schweren Krise zur Beute machen? Genau um diese Frage geht es.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Und das zeigt, dass es bei der Pflicht zur Aufklärung nicht nur um die Summe, sondern dass es grundsätzlich um die Frage geht, ob Menschen in Krisen Vertrauen in diesen Staat haben können.

Seit gestern liegt uns der geschwärzte Bericht der Sonderberichterstatterin Sudhof vor: 170 Seiten, 70 davon sind geschwärzt, 40 davon flächendeckend geschwärzt.

Zurufder Abg. Simone Borchardt [CDU/CSU]

Und was war Ihre Reaktion? Die Reaktion war nicht etwa, dass Sie sich damit befasst hätten. Die Reaktion war, dass Sie gegen die Berichterstatterin vorgegangen sind. Frau Warken, Herr Spahn, Sie müssen sich die Frage stellen lassen, ob Sie wirklich glauben, so wieder Vertrauen herzustellen. Ich sage Ihnen: Es wird nicht funktionieren. Nutzen Sie die Kraft, um aufzuklären!

Auch nach der Veröffentlichung des Sudhof-Berichts sind jede Menge Fragen völlig ungeklärt. Gehen wir zu Juni und Juli 2020 zurück. Das sogenannte Open-House-Verfahren war wegen eines Überangebots an Masken abgebrochen worden. Dennoch hat Jens Spahn in dieser Zeit immer mehr, immer weitere Verträge abgeschlossen, und das hemdsärmelig. Da wurden Whatsapp-Nachrichten geschickt, Absprachen wurden am Telefon oder per SMS getroffen, es wurde nichts mehr veraktet, und am Ende mündete all das in Millionendeals.

Wir müssen wissen – genau diese Fragen haben Sie geschwärzt –: Wer waren diese Leute? Wer hat davon profitiert? Wer sind die Bekannten von Jens Spahn, das Umfeld von Jens Spahn, die CDU-Leute, die davon profitiert haben?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

All das ist ungeklärt, und all das muss geklärt werden. Wir wissen noch nicht mal, ob der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Deutschen Bundestag aufgrund der Deals aus dieser Zeit heute noch erpressbar ist.

Das ist die grundsätzliche Frage?

Wir können das nicht sagen. Das ist ein Problem für dieses Land. Deswegen braucht dieses Land Klarheit und Deutlichkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Aber schon das, was in dem Bericht zu lesen ist, das, was transparent ist, das, was man sehen kann, ist ein zentrales Problem. Das größte ist wahrscheinlich die Frage: Warum hat Jens Spahn einen 1,5-Milliarden-Euro-Auftrag offensichtlich direkt an das Unternehmen Fiege in seinem Nachbarwahlkreis gegeben? Und warum hat Jens Spahn im nächsten Schritt, als die Möglichkeit dazu bestand, keinen Schadensersatz für die ganzen Schäden, die passiert sind, verlangt? Warum hat er das nicht getan?

Offensichtlich lag ein ausformulierter Klageentwurf längst bei ihm auf dem Tisch. Er hat die Unterschrift nicht geleistet, und der Brief ist nicht abgeschickt worden.

Das ist so niederträchtig! Unfassbar!

Verzicht auf Schadensersatz aus Angst vor Transparenz! Der Schutz von Jens Spahn stand höher als die Milliarden Euro Steuergeld, die jetzt die Menschen zahlen müssen. Der Schutz von Jens Spahn – das ist das, was Margaretha Sudhof das „Team Ich“ genannt hat – stand höher als Aufklärung. Jens Spahn war offensichtlich von Beginn an „Team Ich“ und an keiner Stelle „Team Staat“.

Gott sei Dank regieren die Grünen nicht mehr!

Das hat System bei Ihnen in der Union. 40 Abgeordnete der Bundestagsfraktion haben in der Krise Kontakt zum Gesundheitsministerium gesucht, um Maskendeals anzubahnen, viele davon nachweislich zum eigenen Nutzen. Das System bei Ihnen ist das Problem, und das muss aufgeklärt werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Der Staat als Beute!

Während diese ganzen Fragen völlig offen sind, zündeln Sie und machen einen Vorschlag, der offensichtlich eine Nebelkerze sein soll und von der eigentlichen Aufklärung ablenken soll. Ihr Versuch, mit einer Enquete-Kommission durchzukommen, ist durchschaubar. Sie wissen es genauso gut wie wir: Eine Enquete-Kommission hat nicht die Instrumente, das aufzuklären.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Zurufdes Abg. Sascha van Beek [CDU/CSU]

Eine Enquete-Kommission kann sehr sinnvoll sein, aber sie kann einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss nicht ersetzen.

Wir schauen nach vorne und machen gute Politik!

Hören Sie auf, zu vertuschen! Wir sind es den Bürgerinnen und Bürgern schuldig, dass jeder Anschein ausgeräumt wird, dass in einer so schweren Krise in Deutschland Vetternwirtschaft betrieben wurde und dass es im Zweifel auch zu Korruption kam. Das muss aufgeklärt werden; der Vorwurf muss ausgeräumt werden.

Deswegen: Machen Sie den Weg frei für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss hier im Deutschen Bundestag zum Wohle des Landes und zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger, die verdient haben, dass Klarheit geschaffen wird!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Das Wort hat nun für die CDU/CSU-Fraktion der Abgeordnete Dr. Hans Theiss.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Hans Theiss
Foto: Prof Dr. Hans Theiss/ Wilfried Wulff
22 Vermerkeca. 876 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Jetzt wollen wir doch mal wieder etwas sachlicher werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Im Jahr 2020 überrollte Corona ganz Europa und letztlich die ganze Welt. Die Bilder aus Bergamo von Militärlasterkonvois mit Leichen, die Bilder von Massengräbern in New York ließen fast niemanden kalt. Ich kann mich gut erinnern, wie wir in unserer Klinik wie in vielen anderen Kliniken auch Kapazitäten auf den Intensivstationen schufen und auf die erste Welle von Coronapatienten warteten.

Die Kapazitäten waren doch teilweise gar nicht da, die wurden nur bezahlt!

Ich kann mich gut erinnern, wie dann die ersten Covid-positiven Infarktpatienten in unsere Notaufnahme kamen, wie wir uns in Schutzkleidung warfen, dankbar FFP2-Masken aufzogen und diese Patienten im OP behandelten – immer in Sorge, uns selbst und dann unsere Familien anzustecken. Ich kann mich gut erinnern, wie ich in der Zeit meine Eltern besucht habe, am langen Esszimmertisch sitzend, immer mit Maske.

Habe ich nie gemacht!

Denn schließlich waren die Ärzte und Pflegekräfte an vorderster Front natürlich stark infektionsgefährdet. Es gab zu Beginn der Pandemie eben keine Impfmöglichkeit, und ich wollte meine Eltern einem möglichst geringen Risiko aussetzen.

In dieser Phase waren Schutzmasken ein rares Gut. Sie waren weltweit umkämpft – so umkämpft, dass auf Flughäfen sogar befreundete Nationen mit großen Bargeldsummen Lieferungen umbogen. Schutzmasken waren damals das Gold der Covid-Pandemie.

Zurufevon der AfD

Unser Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat damals nicht gezögert und nicht gezaudert. Er ist mutig vorangeschritten, er hat gehandelt und letztlich vielen Menschen das Leben gerettet.

Er hat sich eine Villa gekauft!

Dafür ist ihm die Union, dafür ist ihm unser Land sehr dankbar, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Leitlinie der Bundesregierung und von Jens Spahn war, das Beste in dieser Krise ungeahnten und unabsehbaren Ausmaßes

Zurufvon der Linken: … für ihn!

für die Bevölkerung zu erreichen. Deshalb würde ich die Überparteilichkeit des teils sehr polemischen Sudhof-Berichts an dieser Stelle massiv anzweifeln, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ging schlicht darum, möglichst schnell möglichst viele Masken, die niemand in dieser Menge auf Vorrat hatte, zu beschaffen,

Aber doch nicht per Whatsapp gegen alle Empfehlungen der Fachabteilungen! Persönlich als Minister! Über Whatsapp!

nicht nur für Pflegepersonal und Ärzte, sondern natürlich für alle Bürgerinnen und Bürger. Ein guter, verantwortungsvoller Bundesminister musste in dieser Situation führen. Er musste zwischen verschiedenen Varianten entscheiden,

Hat er nicht!

Zurufdes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

ohne vorher zu wissen, welche die beste und welche die zweitbeste Variante sein wird. Nicht zu handeln, aus Entscheidungsangst zu zögern, das wäre aber mit Sicherheit die schlechteste Variante gewesen und hätte viele Menschen das Leben gekostet, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es geht um Machtmissbrauch!

Dass die drei Oppositionsparteien das nicht verstehen, wundert mich allerdings nicht.

Ich frage mich, was Sie eigentlich bewegt, nicht aufklären zu wollen!

Die Linkspartei ist per se strukturell regierungs- und verantwortungsunfähig. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es unserem Land ergangen wäre, wenn Sie in Regierungsverantwortung gewesen wären.

Sie können nur lamentieren, jammern und herumkritisieren. Ihre Angriffe heute sind schäbig und der damaligen Herausforderung nicht angemessen.

Keine Ahnung!

Die Grünen agieren gewohnt scheinheilig und heucheln jetzt akute Empörung. Das ist doch verlogen, was Sie hier abziehen.

Zurufdes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie greifen derzeit nach jedem einzelnen Strohhalm, um von Ihren eigenen Fehlern abzulenken, wie zum Beispiel der Northvolt-Pleite und der Verantwortung von Bundesminister Habeck dafür.

Die AfD bekommt schon beim Stichwort „Corona“ Schweißausbrüche, Pusteln und eine Blutdruckkrise.

Wir haben ein absolut reines Gewissen!

Es wundert mich wirklich, dass niemand von Ihnen heute einen Aluhut aufhat. Von Ihnen kann man in einer solchen Debatte, wie in anderen Debatten auch, nichts wirklich Sinnvolles erwarten.

Zurufeder Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die AfD ist in der Coronazeit zu einer Selbsthilfegruppe für Schwurbler, Verschwörungstheoretiker, Faktenleugner und paranoide Angsthasen geworden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Deutschland hat die Coronapandemie besser überstanden als die allermeisten anderen Länder. Dafür sollten wir Jens Spahn dankbar sein, anstatt mutige Entscheidungsträger wie ihn zu diskreditieren.

Nein! Wir möchten das aufklären! Warum sträuben Sie sich dagegen, aufzuklären?

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Die nächste Rednerin in der Debatte ist für die AfD-Fraktion Frau Dr. Baum.

Beifallbei der AfD
Porträt von Christina Baum
Foto: Dr. Christina Baum/Fotodienst Bundestag
10 Vermerkeca. 677 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Wahrheit kommt irgendwann immer ans Licht, so auch im Fall der Maskenbeschaffung. Der Sudhof-Bericht, der gestern von t-online veröffentlicht wurde und aus dem ich zitieren werde, zeigt ein schockierendes Bild von Chaos, Misswirtschaft und möglicher Vetternwirtschaft unter dem ehemaligen Gesundheitsminister.

Wo ist Herr Spahn eigentlich? Der traut sich wohl nicht hier in die Debatte rein, oder?

Jens Spahn trägt somit die Verantwortung für die Verschwendung von Milliarden an Steuergeldern.

In dem Bericht heißt es – Zitat –:

„Die Fachebene des BMG […] versuchte durchaus, den Bundesminister davon zu überzeugen, dass mangels Expertise und Personal die Beschaffung nicht ins Haus geholt, sondern bei den Beschaffungsbehörden verbleiben sollte. Dies jedoch vergeblich. Der damalige Bundesminister intervenierte immer wieder persönlich und nutzte seine Kontakte.“

Weiter heißt es:

„Auch die Logistikauswahl führte zu Problemen, die teils bis heute andauern. […] Gleichwohl setzte der Minister auf sein Umfeld und beauftragte höchstselbst den ihm bekannten Logistiker […]“

– geschwärzt –

Da stehen viele! Da bin ich ganz sicher!

„zunächst auf mündlicher Basis. Im Nachgang versuchte das BMG, die förmliche Beauftragung der […]“

– geschwärzt –

„an die Beschaffungsbehörden zu delegieren, die das aber ablehnten. […] Indes waren die Risiken und die hohen Schadens-Eintrittswahrscheinlichkeiten durchaus bekannt und die, wie es der SPIEGEL bezeichnete, ‚Interessenverquickungen‘ sind unbestritten.“

Zitat Ende.

Betrachten wir chronologisch die Fakten, wird eine ganz andere Vermutung als die des persönlichen politischen Ehrgeizes offensichtlich. Am Anfang stand tatsächlich die Wissenschaft. Das Robert-Koch-Institut erklärte zunächst wiederholt: Masken für die Allgemeinheit? Sinnlos, keine Evidenz. – Doch plötzlich drehte sich der Wind beim RKI. Am 14. April 2020 kam die Neubewertung für den Gebrauch von Masken in der Öffentlichkeit, obwohl der Nutzen weiterhin jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrte. Das RKI wurde somit zur Marionette der Politik, zum rückgratlosen, willfährigen Vollzieher politischer Entscheidungen.

Beifallbei der AfD

„Nur FFP2-Masken retten uns“ war nun das mit Unterstützung der Medien verbreitete Narrativ.

Jetzt war die Stunde von Jens Spahn gekommen. Ohne Ausschreibung vergab er zum Beispiel Verträge an die Firma Fiege aus seiner Heimatregion, geführt von einem CDU-Wirtschaftsrat. Und die kassierten richtig ab für Masken, die später zu Milliarden vernichtet werden mussten. Die gigantische Steuergeldverschwendung stellt einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden dar.

Das Schlimmste aber kommt jetzt: die Auswirkung der Maskenpflicht auf die Menschen.

Sie haben Leben gerettet! Sie sind doch Ärztin, oder?

Ohne wissenschaftliche Grundlage zwang man uns alle unter Masken. Wer sich widersetzte, wurde ausgegrenzt, an den Pranger gestellt, aus dem Leben verbannt.

Warum haben denn die ganzen Zahnärzte in Deutschland immer Masken auf?

Das allergrößte Leid erfuhren unsere Kinder. Stundenlang waren sie gezwungen, in der Schule Masken zu tragen, selbst beim Sport und in den Pausen an der frischen Luft. Kopfschmerzen, Atemnot, Ohnmacht und Angstzustände, ein Anstieg psychischer Erkrankungen und der Selbstmordrate waren die unmittelbaren Folgen. Kinder mit Maskenbefreiung wurden im Winter ans offene Fenster gesetzt, bei eiskalten Temperaturen – und das alles, obwohl klar war, dass Kinder keine Virentreiber waren und von ihnen kein erhöhtes Infektionsrisiko ausging.

Was für ein Quatsch! Was für ein Unfug!

Die dafür verantwortlichen Politiker haben unsere Kinder gequält und ihnen ihr Lachen gestohlen. Sie haben uns unserer Freiheit beraubt und unser Geld verschwendet.

Beifallbei der AfD

Wenn man die zeitliche Abfolge von der anfänglichen Aussage „Masken nutzen nichts“ bis hin zur Maskenpflicht betrachtet, drängt sich unweigerlich der Verdacht auf: Wurde die Maskenpflicht überhaupt nur deshalb eingeführt, damit Politiker wie Herr Spahn solche Geschäfte machen konnten?

Unsere demokratische AfD-Fraktion wird jedenfalls nicht eher ruhen, bis jeder Verantwortliche, der sich an dem Gesellschafts- und Menschenexperiment beteiligt hat, zur Rechenschaft gezogen wird, Herr Spahn inbegriffen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Die nächste Rednerin in der Debatte ist Frau Dr. Seitzl für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
15 Vermerkeca. 895 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Ich glaube, die Debatte heute zeigt einmal mehr, wie herausfordernd es ist, darüber auch hier im Bundestag zu debattieren und in der Gesellschaft zu debattieren, was wir eigentlich aus der Coronapandemie lernen. Denn auf der einen Seite hören wir wilde Verschwörungsmythen und Debattenbeiträge komplett jenseits von Fakten und Wahrheit, und auf der anderen Seite ist es richtig, dass wir uns als Bundestag vornehmen, genau darüber zu sprechen, welche Lehren wir eigentlich aus der Pandemie ziehen wollen.

Wir reden – darüber müssen wir uns auch noch mal im Klaren sein – über eine Zeit großer Unsicherheit, eine Zeit, in der schnelle Entscheidungen notwendig waren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ministerien, in den nachgeordneten Dienststellen, aber auch in den Landes- und Kommunalverwaltungen haben über persönliche Grenzen hinweg Unvorstellbares geleistet.

Zurufdes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Auch wenn hier rückblickend manches anders hätte gestaltet werden können, möchte ich doch eines betonen: Dieser Einsatz darf gerade bei der Aufarbeitung einer Ausnahmesituation nicht vergessen werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Allerdings zeigt diese Debatte einmal mehr: Der Umgang mit öffentlichen Geldern, insbesondere in Zeiten akuter Krisen, verlangt maximale Transparenz, er verlangt Verantwortungsbewusstsein und Aufklärung. Die Pandemie war eine Ausnahmesituation und verursachte einen unvorstellbaren Druck auf alle, die Verantwortung trugen. Doch gerade in solchen Krisenzeiten, wenn der Druck am größten ist, brauchen wir einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln und Ressourcen. Die Öffentlichkeit muss darauf vertrauen können, dass die Politik auch unter massivem Druck Entscheidungen trifft, die nachvollziehbar und gerechtfertigt sind, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

So ist es! Und deshalb müssen wir das auch aufklären!

Ja, die Maskenbeschaffung und die damit verbundenen Entscheidungen werfen Fragen auf, die beantwortet werden müssen. Deswegen liegt ja der Bericht der Sachverständigen Beraterin Dr. Margaretha Sudhof vor,

Na ja, die ist in allererster Linie SPD-Mitglied!

Hören Sie auf, die Frau zu diskreditieren!

die im Übrigen eine geschätzte Spitzenbeamtin ist. Auch das ist heute schon mehrfach betont worden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Bundesgesundheitsministerium – ich bin Ihnen dankbar, dass Sie heute da sind, Frau Warken –, aber auch wir als Deutscher Bundestag haben nun die Chance, aber auch die Verantwortung,

die damaligen Entscheidungen transparent aufzuarbeiten. Auch deswegen werden wir die Enquete-Kommission einsetzen, die die damaligen staatlichen Maßnahmen überprüfen und daraus konkrete Empfehlungen für zukünftige Krisen ableiten wird.

Ich kann Ihnen versichern: Uns in der SPD-Bundestagsfraktion ist es besonders wichtig, dass wir die Beschaffungs- und Vergabepraxis medizinischer Schutzausrüstungen und anderer kritischer Güter auch zum Gegenstand der Kommission machen und kritisch analysieren.

Keine Befugnisse! Keine Befugnisse!

Aber auch das Bundesgesundheitsministerium ist aufgefordert, eigene Vorgänge kritisch zu evaluieren und gegebenenfalls zu verbessern.

Ich muss Ihnen sagen: Ich freue mich, dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken das zugesagt hat.

Zurufdes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Als Parlament werden wir sie ganz sicher dabei unterstützen und begleiten.

Frau Kollegin, würden Sie einen kurzen Moment warten. – Können Sie bitte die Zwischenrufe einstellen in der Lautstärke, dass man hier nichts mehr versteht. Das geht nicht. Wer reden möchte, der mag sich Redezeit geben lassen, aber dieses permanente Dazwischenrufen – Schreien, sage ich jetzt mal – ist auch für die Rednerin wirklich unangenehm.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es gibt in der Geschäftsordnung keine Grundlage dafür!

Ich gebe Ihnen die Redezeit dazu, eine Minute mehr; das war mein Fehler.

Das ist eine Parlamentsdebatte! Es gibt in der Geschäftsordnung keine Grundlage dafür!

Rednerwechsel

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Es darf keine politische Einfärbung bei der Aufarbeitung dieser Geschehnisse geben. Unabhängig davon, wer während der Pandemie die Verantwortung getragen hat, sind wir als Parlament verpflichtet, genau hinzusehen

Parlament heißt, auch mal dazwischenzurufen! Das steht in keiner Geschäftsordnung!

und unsere parlamentarische Kontrollfunktion wahrzunehmen. Dafür sind wir gewählt. Nur so können wir Vertrauen in Demokratie stärken.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es geht heute nicht nur darum, in die Vergangenheit zu schauen, sondern auch um die Lehren, die wir für die Zukunft ziehen müssen. Die Pandemie hat uns als Gesellschaft und als Staat in vielerlei Hinsicht auf die Probe gestellt. Wir müssen aus dieser Krise lernen, um besser vorbereitet zu sein, wenn sich eine solche Situation wiederholt. Wie werden in Zukunft Beschaffungen unter Krisenbedingungen organisiert? Wie können wir verhindern, dass politischer Einfluss oder politische Nähe den Eindruck von Vorteilsnahme wecken? Ich freue mich, dass wir uns diesen zukunftsweisenden Fragen im Rahmen der Enquete-Kommission, aber sehr wahrscheinlich auch darüber hinaus immer wieder hier im Parlament,

Im Untersuchungsausschuss zum Beispiel!

widmen werden. Diese Rolle haben wir. Darauf freue ich mich.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Einfach nur Nebelkerzen!

Die nächste Rednerin in der Debatte ist für Bündnis 90/Die Grünen Frau Dr. Piechotta.

Porträt von Paula Piechotta
Foto: Paula Piechotta/ Philip Knoll
10 Vermerkeca. 939 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Und vor allem auch lieber ärztlicher und auch Abgeordnetenkollege Herr Theiss! Wir hören das ja immer wieder aus den Reihen der Union, dass wir uns alle ja nur nicht erinnern würden an 2020. Aber wir waren ja alle dabei. Wenn wir jetzt hier die verschiedenen Fraktionen durchgehen – von Frau Merendino in der Linksfraktion über Herrn Pantazis in der SPD-Fraktion, Herr Dahmen und ich zum Beispiel, auch bei der Grünenfraktion und auch Herr Wagner und bei Ihnen ja Sie auch –: Wir waren doch alle dabei. Wir haben auch alle Kolleginnen und Kollegen, die damals in der Klinik gedient haben. Wir haben alle gesehen, wie es am Anfang in der Pandemie war, als die Schutzmasken aus den Kliniken heraus geklaut wurden. Wir standen teilweise da, an einem Tag hatten wir Masken und am anderen nicht. Dann hatten wir Security, weil alles so unsicher war. Wir hatten alle Schiss. Wir alle haben in dieser Zeit Menschen verloren. Wir alle haben alle Beerdigungen verpasst und gesehen, wie Hochzeiten verschoben wurden. Und wir alle haben diese wahnsinnig krassen Ausgangsbeschränkungen über uns erdulden lassen. Ja, das ist alles Thema für eine Enquete-Kommission. Aber tun Sie bitte nicht so, als ob nur die CDU dabei gewesen wäre! Wir waren alle dabei, und wir wissen alle, wie schwierig die Situation war.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Es geht in dieser Debatte nicht an erster Stelle um Jens Spahn. Vielleicht wundert es Sie, dass ausgerechnet ich das sage.

Ja, ein bisschen schon, aber wir hören interessiert zu!

Es geht in dieser Debatte an allererster Stelle um das Gerechtigkeitsempfinden von Menschen in diesem Land. Denn wir haben auch gerade, fünf Jahre nach Corona, auch eine Welle von Rückforderungen an Coronasoforthilfen. Und da sitzen Bürgerinnen und Bürger in diesem Land wie – ein wild gegriffenes Beispiel – in Großröhrsdorf. Dort macht gerade in diesen Tagen die Buchhandlung von Sandra Kretzschmar zu. Auch sie hat vor fünf Jahren große Probleme gehabt. Es kamen keine Leute mehr in den Buchladen, sie konnte nur noch Pakete verteilen. Sie hat alle Belege eingereicht. Sie hat sich an alle Regeln gehalten, und trotzdem: Heute, fünf Jahre später, wird auf einmal die Auslegung geändert, und sie soll 9 000 Euro zurückzahlen. Das führt dazu, dass sie die Buchhandlung jetzt schließen muss. Sie hat das Gefühl, dass sie alles richtig gemacht hat, und sie steht trotzdem vor dem Aus. Und sie sieht, was hier in Berlin passiert. Da ist ein Jens Spahn, der hat Masken beschafft, ja, aber da ist offensichtlich sehr viel falsch gelaufen. Es geht um Milliarden und Milliarden, und der Bund wird noch verklagt. Wir müssen in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlich noch mal 2,3 Milliarden Euro zahlen. Steuergeld, das auch sie mit eingezahlt hat. Und sie bekommt das Gefühl, die Menschen in diesem Land bekommen das Gefühl: Die Kleinen hängt man, und die Großen lässt man laufen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Auch wenn Sie die Koalition sein wollen – Sie klopfen sich ja immer selber dafür auf die Schultern, dass Sie vielleicht die letzte Chance der Demokratie sind, Sie wollen jetzt das Vertrauen in die Demokratie wieder zurückgewinnen –, dann machen Sie gerade mit den größten Schaden. Denn es wirft niemand Jens Spahn vor – nicht mal die „Bild“-Zeitung übrigens spannenderweise –, dass diese ganzen Mauscheleien bei den Maskengeschäften eins zu eins dazu geführt haben, dass er plötzlich eine Villa in Berlin gekauft hat, nur drei Monate später.

Zurufdes Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]

Aber was er eben nicht macht, ist, für volle Transparenz zu sorgen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Das, was er jedes Mal macht, ist – fünf verschiedene Strategien, wie Jens Spahn auf Kritik reagiert –: sehr lange und ausführlich darüber reden, wie 2020 in Italien die Lage war, die Kritikerinnen und Kritiker diskreditieren, statt die Argumente zu widerlegen, Unwahrheiten in den Raum stellen.

Was er auch macht, ist, immer wieder zu versuchen, Debatten abzulenken. Und – was wir in diesen Tagen auch von der Union sehen – Salamitaktik: immer nur so viel zugeben, wie nur irgendwie möglich ist.

So, und jetzt komme ich gerade aus dem Haushaltsausschuss, und wir hatten Frau Warken da. Frau Warken, liebe Union, hat gesagt, sie empfindet Frau Sudhof nicht als parteipolitisch motiviert. Vielleicht müssen Sie Ihre Sprechzettel noch mal miteinander abgleichen.

Tatsächlich hat der Bericht von Frau Sudhof dazu geführt, dass die Prozessstrategie des Bundesgesundheitsministeriums vor Gericht verbessert wurde. Wir gewinnen jetzt Verfahren dank Frau Sudhof. Das ist das, was Frau Sudhof für uns tatsächlich geleistet hat, und dafür können wir dankbar sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dagmar Schmidt [Wetzlar] [SPD]

Wenn diese Frau so parteipolitisch motiviert wäre, hätte das Bundesgesundheitsministerium ja wohl kaum seine Prozessstrategie angepasst.

Jetzt gehe ich zurück in den Haushaltsausschuss und befrage Jens Spahn. Heute entscheidet sich, ob die Menschen in diesem Land sich darauf verlassen können, dass Jens Spahn jetzt endlich die Wahrheit sagt. Die Menschen in diesem Land fragen sich, in der Krise, wenn es hart auf hart kommt: Ist Jens Spahn einer, der die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertritt oder verrät? Und das müssen wir in den nächsten Tagen klären.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Der nächste Redner in der Debatte ist für die Fraktion Die Linke Herr Ates Gürpinar.

Beifallbei der Linken
Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
11 Vermerkeca. 901 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es geht um mindestens 3,5 Milliarden Euro, die der Staat aufgrund eines groben Fehlverhaltens des heutigen Unionsfraktionsvorsitzenden und damaligen Gesundheitsministers Jens Spahn verloren hat. Und es geht um einen Untersuchungsbericht, der darüber angefertigt wurde. Nun geht es um einen Bericht über den Bericht, angefertigt vom nun CDU-geführten Gesundheitsministerium, und um ein Argumentationspapier aus den Reihen der Union, um in diesem ganzen Skandal Jens Spahn zu decken. Denn anstatt endlich Konsequenzen zu ziehen, versucht die Union, in Papieren und mit Verteidigung perfidester Art Frau Dr. Sudhof in den Dreck zu ziehen, und schreckt dabei auch vor neuen Unwahrheiten und Verschleierungen nicht zurück. Lassen Sie mich darauf ein bisschen genauer eingehen, um anschließend meine Forderungen an die demokratischen Fraktionen in diesem Bundestag deutlich zu machen.

Erstens, noch fast eine Kleinigkeit. Sie werfen der Berichterstatterin Frau Dr. Sudhof vor, nur vereinzelt mit Quellen zu arbeiten, schwärzen in diesem Bericht aber die Quellen, mit denen die Kollegin gearbeitet hat, und machen dies für die Abgeordneten damit nicht überprüfbar.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das zumindest ist schon mal ein bisschen absurd.

Zweitens. Sie behaupten, dass die Berichterstatterin sich in ihrem Bericht nicht an die Aufgabenstellung gehalten hätte. Sie werfen ihr quasi vor, zu viel gemacht zu haben, um Spahn zu beschädigen, sich auch mit Handlungen des damaligen Ministers befasst zu haben, was gar nicht ihre Aufgabe gewesen sei. Um die vermeintlich kleinere Aufgabenstellung zu belegen, zitieren Sie selbst aus einer Antwort auf Ihre Kleine Anfrage zum Sudhof-Auftrag vom letzten Jahr – übrigens auch ohne Quellenangabe –, aber das tun Sie auch noch unvollständig. Wenn man sich nämlich die gesamte Antwort anschaut, erkennt man, dass Sie einen relevanten Teil auslassen. Dort ist zu lesen, dass Frau Dr. Sudhof „die Vorgänge und Verträge sowie die Prozessführung zu dem im Jahr 2020 durchgeführten Open-House-Verfahren zur Deckung des Bedarfs an medizinischer Schutzausrüstung überprüfen“ soll. Sie geben die Aufgabenstellung an die Berichterstatterin bewusst verkürzt wieder

und behaupten dann, dass sie über das Ziel hinausgeschossen sei. Wie absurd ist das denn!

Beifallbei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Drittens – einen habe ich noch –: Sie behaupten nun in Ihrem tollen Argumentationspapier, dass die Ampel in der eben schon benannten Antwort auf Ihre Kleine Anfrage behauptete, dass Steuermittel und die Beschaffung von Schutzmasken in der Pandemie verantwortungsvoll eingesetzt worden wären. Nur, das steht da gar nicht drin. Dort wird sich explizit nur auf den damaligen Finanzminister Olaf Scholz und nicht auf die Maskenbeschaffung unter Spahn bezogen. Noch einmal: Wie absurd ist das denn!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie schwärzen, Sie verkürzen, Sie verschleiern, um davon abzulenken, dass Ihr Fraktionsvorsitzender – es ist irgendwie passend, dass sein Stuhl leer ist, aber ich glaube, er hört ein bisschen zu – den Staat um Milliarden Steuergelder erleichtert hat.

Aber in einem haben Sie in Ihrem Bericht vollkommen recht: Sie beschweren sich, dass Frau Dr. Sudhof Jens Spahn nie befragt habe. Ich mache Ihnen ein Angebot: Lassen Sie uns diesen Fehler wiedergutmachen!

Lassen Sie uns in einem von den demokratischen Kräften des Hauses eingesetzten Untersuchungsausschuss

Beifallbei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Jens Spahn rauf und runter befragen! Wenn die Union moniert, dass Spahn nicht befragt wurde, kann der Fraktionsvorsitzende der Union ja sicher für Zustimmung in seiner Fraktion sorgen. Ich gehe davon aus, dass die Kolleginnen und Kollegen der SPD ein Interesse an Aufklärung haben dürften, insbesondere da die Verfasserin des Berichts eine ehemalige Staatssekretärin der SPD ist, die durch das Gesundheitsministerium offensichtlich demontiert werden soll.

3,5 Milliarden Euro, verprasst von einem Menschen, der jedem Erwerbslosen den letzten Rest Würde nehmen möchte,

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

wenn er einen Termin beim Jobcenter verpasst. Sie könnten ihr mehr als 320 000 Jahre das Bürgergeld finanzieren, errechnete eine Kollegin. Sie könnten die Finanzierung des Deutschlandtickets für über ein Jahr garantieren – vollständig! Sie könnten, Sie könnten, Sie könnten.

Herr Spahn könnte sich vielleicht mal einen Moment vorstellen, er wäre ein von der Kürzung Betroffener, er wäre jemand, der sich die Miete nicht mehr leisten kann, weil das Geld nicht mehr reicht aufgrund seiner Politik. Er wäre einer derjenigen, für die bei der Pandemie nur ein Klatschen übrig war. Stellen Sie sich das doch einen Moment vor – und fühlen Sie dann die Debatte!

Und jetzt, abschließend für Sie und vor allem für den hoffentlich zuhörenden Herrn Spahn, hören Sie einmal auf Friedrich Schiller!

Lachender Abg. Dr. Christina Baum [AfD]

Friedrich Schiller schrieb über Charakter:

„Strenge gegen sich selbst, mit Weichheit gegen andre verbunden, macht den wahrhaft vortrefflichen Charakter aus. Aber meistens wird der gegen andere weiche Mensch es auch gegen sich selbst, und der gegen sich selbst strenge es auch gegen andere sein; weich gegen sich und streng gegen andre ist der verächtlichste Charakter.“

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ordnen Sie sich ein, Herr Spahn! Ordnen Sie sich ein und prüfen Sie, ob solche Charaktere Leitungsfunktionen in diesem Staat erfüllen sollten!

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der nächste Redner in der Debatte ist für die Unionsfraktion Sascha van Beek.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sascha van Beek
Foto: Sascha van Beek / Niclas Brosthaus (Tonic
23 Vermerkeca. 1.086 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sind jetzt in einer aufgeheizten Debatte. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und für einen Moment die Pflegeprofession hier ansprechen: Kinderkrankenschwester, Altenpflegerin, Gesundheits- und Krankenpfleger. Ich glaube, in diesem Moment sollte man unsere Profession auch einmal erwähnen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Jetzt steige ich aber in die Rede ein. Wir haben jetzt schon viel darüber gehört, wer die Pandemie wie erlebt hat. Ich glaube, bei mir war es nicht anders, doch es war im Wesentlichen dadurch anders, dass ich in der Coronapandemie als jemand, der aus dem Katastrophenmanagement kommt und Führungskraft ist, im Krankenhaus auch in den Krisenstab einsteigen durfte. Ich habe die Coronapandemie nicht nur als Bürger, nicht nur als Familienvater erlebt,

Es geht nicht um Sie! Es geht um Jens Spahn!

sondern habe eben auch in zwei Krisenstäben mitgewirkt: einmal beim Roten Kreuz und einmal im Krankenhaus. Was ich da erlebt habe, deckt sich mit den Beschreibungen meiner Vorrednerkollegen aus dem medizinischen Bereich. Wir wussten, was passiert, wenn das letzte Beatmungsgerät vergeben ist, wenn die richtigen Masken fehlen.

Aber der Unterschied ist: Ich habe im Krisenstab gearbeitet und weiß, was im Hintergrund gemacht wurde auf gleicher Ebene, um an diese Masken heranzukommen. Da wurden auch Whatsapps geschrieben. Da wurden auch Leute mit Geldkoffern losgeschickt. Wer das negiert, verkennt die Realität. Das war die Realität in der Pandemie.

Ich will noch etwas zu dem sagen, was in der Woche passierte – das stand nicht in dem Papier, das Sie gerade angesprochen haben, sondern das lässt sich einfach finden auf der Webseite des RKI –: Das RKI warnte noch in der Woche selbst, als die Maskeninitiative im BMG gestartet wurde, vor der privaten Nutzung, weil die Masken im Gesundheitswesen gebraucht wurden. Das war der Druck. Das RKI hat in einem Rundschreiben dazu aufgerufen: Bitte die Masken nicht privat nutzen!

Das rechtfertigt doch nicht Vergabe per Whatsapp!

Heute sitzen wir hier und reden über einen Sudhof-Bericht. Wir unterhalten uns darüber, warum da manches geschwärzt ist. Ja, weil es Verschlusssache ist. Wer stuft Verschlusssachen ein? Das haben wir heute Morgen gehört.

Verschlusssache ist er trotzdem!

– Ja, aber die Verfasserin hat den Bericht als Verschlusssache eingestuft.

Und liegt er schon in der Geheimschutzstelle?

Deswegen muss man mit den Daten so umgehen wie dafür erforderlich. Also, wir hätten den gern auch ungeschwärzt gehabt.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber das war die Entscheidung der Verfasserin.

Ich muss sagen: Der Erkenntnisgewinn ist sehr gering. Denn wir gehen auch nur auf die Masken ein. Mich würde interessieren, warum wir nichts zu der Impfstoffhortung hören, die es im April 2020 gab. Warum steht da nichts drin zum Einkaufsrausch beim Impfstoff, den keiner brauchte, nichts zur teuren Impfkampagne „Ich schütze mich“, nichts zum antiviralen Medikament Paxlovid? Es gibt ganz viele Bereiche, die man sicherlich hier aufgreifen müsste.

Ich will damit nur sagen: Es werden Fehler in Krisen gemacht.

Es geht um Fehler, aber auch um Machtmissbrauch!

Die gibt es in jeder Krise. Masken beschaffen war kein Fehler, war kein Skandal; das war die Pflicht. Am Ende – das muss ich machen – zitiere ich Karl-Josef Laumann: „Wer … nach der Krise nicht den Landesrechnungshof am Arsch hat, der hat alles verkehrt gemacht.“

Zurufder Abg. Isabelle Vandre [Die Linke

So ist das eben. Lieber handeln, lieber machen!

Beifallbei der CDU/CSU

Was wir heute sehen, ist einfach nur ein Tribunal – ein Tribunal gegen Verantwortung, gegen Entscheidungen.

Wir ziehen ihn zur Verantwortung!

Wenn wir das zur Norm machen, wenn das tatsächlich die Norm unserer Politik ist, wenn wir insbesondere dem Krisenmanagement, das wir immer häufiger brauchen, nicht den Rücken stärken, sondern einfach nur darauf aus sind, Leute zu diskreditieren, dann wird demnächst keiner mehr in der Krise entscheiden. Dann entscheidet auch kein Bürgermeister mehr, ob er ein Schützenfest macht oder ob er einen Karnevalsumzug laufen lässt,

Das ist doch lächerlich!

weil er sich dieser Mentalität stellen müsste. Und das ist Schwachsinn.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Nebelkerzen!

Vielleicht können wir mal hier aus dem Bundestag ein Signal senden: Macht, Leute! Übernehmt Verantwortung!

Übernehmen Sie Verantwortung!

Fehler? Ja. Wenn Sie ehrlich sind, dürfen Fehler passieren. Wenn sich keiner bereichert – und dafür ist überhaupt kein Ansatz zu sehen, dass dem so ist –, wenn keiner lügt – und auch dieser Ansatz ist nicht zu sehen –,

Aber sehr viel Ansatz!

dann gehört das zum politischen Handeln dazu. Dann ist das Krisenmanagement und kein Skandal.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das mit dem Bericht ist kein Aufarbeiten; das ist Nachtreten.

Ich sage: Wir wollen aufarbeiten. Wir wollen richtig aufarbeiten. Das geht mit einer Enquete-Kommission, mit einem klaren Blick nach vorn. Das ist verantwortliche Politik:

Zurufder Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

nach vorn zu gucken.

Zurufdes Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Denn die nächste Pandemie kommt; die Frage ist nicht, ob, sondern, wann. Wir stehen heute nicht besser da als 2020. Und warum? Weil die Ampel sich leider nicht gekümmert hat,

Jetzt wird es aber ganz heikel!

sich nicht einigen konnte, ob Untersuchungsausschuss oder Enquete-Kommission. Wir machen jetzt eine Enquete. Wir gehen nach vorn, und das für die Sicherheit unserer Menschen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Deswegen sage ich heute: Vielen Dank an Jens Spahn für Mut, für Klarheit und für Haltung! Ich danke auch allen im Ministerium, die da mitgezogen haben, die nicht gewartet haben. In der Krisenvorsorge braucht es weniger Richter. Wir brauchen mehr Architekten – Architekten für ein neues Krisenmanagement für die nächste Pandemie, Architekten für ein internationales Pandemieabkommen, Architekten für eine andere politische Kultur, die Mut belohnt statt aburteilt.

Danke schön.

Der nächste Redner in der Debatte ist Herr Dr. Christoph Birghan für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Christoph Birghan
Foto: Dr. Christoph Birghan/ Hagen Schnauß
9 Vermerkeca. 734 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Erinnern Sie sich noch an die Razzien auf Spielplätzen, an Polizeieinsätze in öffentlichen Parks, nicht etwa um Drogendealer aufzuspüren, sondern um unbescholtene Bürger auf ihre Maskenpflicht hinzuweisen? Erinnern Sie sich an all die verbalen Ausfälle hochrangiger Politiker, an all die direkten und indirekten Aufrufe zur Denunziation, das politisch geförderte Misstrauen im engsten Familienkreis und in der Nachbarschaft? Natürlich erinnern Sie sich. Und gerade deshalb stemmen Sie sich so sehr dagegen, Ihr politisches Versagen anzuerkennen und Vertrauen zurückzugewinnen.

Beifallbei der AfD

„Wer die Menschen verwirrt“, sagte Franz Josef Strauß einmal, „wer sie ohne Grund in Unsicherheit, Aufregung und Furcht versetzt, betreibt das Werk des Teufels.“ Sie werden sagen: Es gab doch einen Grund. Es habe eine Notlage vorgelegen. Das trifft aber so pauschal und gerade in Bezug auf die Maskenbeschaffung nicht zu. Der Sudhof-Bericht hebt explizit hervor, dass es sich eben nicht um eine unglückliche Verkettung gehandelt habe. Und mehr noch: Das Gesundheitsministerium unter Jens Spahn habe Verantwortung delegiert.

Zu dieser Herrschaftspraxis passt auch die Gutsherrenart, mit der der damalige Gesundheitsminister Spahn an geordneten Verfahren vorbei und entgegen den Empfehlungen seiner eigenen Mitarbeiter Aufträge und am Ende Milliarden verteilte. Jens Spahn agierte, wie wir nun lesen können, nicht im Sinne staatspolitischer Verantwortung, sondern „als Team ‚Ich‘“. Jens Spahn war damals keinesfalls der Einzige, der im Team „Ich“ spielte. In Bayern zum Beispiel hatten wir Frau Andrea Tandler, die Tochter des früheren CSU-Generalsekretärs, die für einen Deal zur Maskenbeschaffung eine Provision zwischen 34 bis 51 Millionen Euro erhalten hat. Weitere Namen aus dem Team „Ich“ sind uns auch geläufig: Georg Nüßlein und Alfred Sauter in Bayern und viele, viele andere aus dem gesamten Bundesgebiet.

Wenn wir all die Erkenntnisse und Entwicklungen während und nach der Coronakrise zusammennehmen, den Willen zur Bereicherung und zur Vertuschung und den Unwillen zur Verantwortung, dann gewinnt man schon den Eindruck, dass hier tatsächlich ein Werk des Teufels betrieben wurde. Mit Angst wurden die Bürger gefügig gemacht. Mit Angst konnten demokratische Grundrechte suspendiert werden. Mit Angst konnten politische Verfahren außer Kraft gesetzt werden. Und mit Angst konnten alle diese Ich-Teams schön aufspielen. Somit war die Coronakrise vor allem auch eine Pandemie der niederen Instinkte.

Dabei möchte ich nicht in Abrede stellen, dass wir es damals mit einer besonderen Situation zu tun hatten.

Natürlich gibt es unter derartigen Bedingungen Fehleinschätzungen, und es geschehen Dinge, die man später im Lichte neuer Erkenntnisse nicht mehr rückgängig machen kann. In der Krise zeigt sich jedoch erst, ob jemand Verantwortung in der Politik ernst nimmt; denn mit Phrasendreschen kommt man nicht mehr weiter.

Zurufdes Abg. Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dann zeigt sich, ob ein Politiker den Mut zur Entscheidung hat und vor allem, ob er über einen moralischen Kompass verfügt, der tatsächliche Fehler eingesteht und Verantwortung auch tatsächlich übernimmt.

Die AfD fordert seit Langem eine neue Kultur der Verantwortung und Aufrichtigkeit. Politisches Versagen soll nicht einfach zerredet werden und in Geheimberichten verschwinden. Die Bürger, der Souverän, der damals in Angst und Schrecken versetzt und gegängelt wurde, hat ein Recht auf all diese Informationen.

Beifallbei der AfD

Er hat ein Recht darauf, dass öffentlich wird, wie sehr damals ein Kartell der Angst Gestalt annahm und sich staatliche Entscheidungsträger Sonderrechte anmaßten.

Von den linken Parteien, also eigentlich allen außer der AfD, hätte man da eigentlich mehr Skepsis erwartet.

Zurufder Abg. Ines Schwerdtner [Die Linke]

Aber sosehr Franz Josef Strauß der Vergangenheit angehört, gehört eben auch eine linkskritische Haltung der Vergangenheit an. Und wir können Sie einladen. Wenn Sie wirklich so kritisch sind und aufarbeiten wollen: Wir haben nachher einen Antrag zur Einsetzung eines Corona-Untersuchungsausschusses. Ich habe heute gehört, alle wollen da eigentlich mitmachen. Wir werden das sehen.

Beifallbei der AfD

Da wollen wir nicht mitmachen! Das haben Sie falsch verstanden! Da wollen wir nicht mitmachen!

Ja, solche Phrasen brauchen wir nicht. Der Bürger weiß ganz genau, welche Werke des Teufels die Coronakrise hervorgebracht hat.

Das stimmt!

Die AfD steht für das Gegenteil dessen: für eine verantwortungsvolle und für eine gerechte Politik. Die AfD steht aufseiten des Bürgers gegen einen übergriffigen Staat.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD

Und den Schluss in der Debatte macht für die Unionsfraktion Dr. Stephan Pilsinger.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stephan Pilsinger
Foto: Stephan Pilsinger/ Christian Kaufmann
26 Vermerkeca. 1.107 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn ich mich an den Beginn der Coronakrise zurückerinnere, dann ist mir in Erinnerung geblieben, dass wir alle, die damals schon dem Deutschen Bundestag angehört haben und in der Gesundheitspolitik aktiv waren, in langen Krisensitzungen des Gesundheitsausschusses gesessen haben und uns überlegt haben, wie wir diese Krise am Ende lösen könnten – und das unter dem Eindruck der Bilder, die wir aus Bergamo in Italien gesehen haben: lange Schlangen von Krankenwagen vor der Notaufnahme, weil keine Aufnahme mehr erfolgen konnte,

Die Lüge glauben Sie immer noch, oder!?

die militärischen Einsätze zur Einäscherung der Verstorbenen, weil die Krematorien überlastet waren.

Warum bilden Sie sich nicht fort?

Diese Tausenden von Toten, der Blick auf die dramatischen Ereignisse in Südeuropa zeigte doch, warum diese Krise solch eine Gefahr für Deutschland dargestellt hat. Und wir hatten einen Gesundheitsminister, der in dieser Situation realistisch gehandelt hat. Er war mutig und hat Entscheidungen getroffen.

Zurufeder Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und wir haben damals Entscheidungen gebraucht. Deswegen möchte ich an dieser Stelle Jens Spahn für sein entschlossenes Handeln danken.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Durch seinen Einsatz wurden Tausende Menschen vor dem Tod bewahrt, und dafür gebührt ihm unser voller Respekt.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Meine Damen und Herren, es stellt sich doch die Frage: Was erleben wir heute in dieser Parlamentsdebatte? Ich muss hier wirklich sagen: Manchmal erinnert mich das ein bisschen an eine Maskeninquisition.

Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich denke mir, Aufklärung ist eine richtige Sache. Aber was in dem Sudhof-Bericht steht, überrascht uns doch jetzt nicht wirklich.

Zurufeder Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Ates Gürpinar [Die Linke]

Der Sudhof-Bericht ist deswegen auf 11 von 170 Seiten geschwärzt, weil Persönlichkeitsrechte, die nun einmal von Gerichten juristisch festgelegt worden sind, einfach beachtet werden müssen.

Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und Persönlichkeitsrechte gelten auch in solchen Fragen. Hier also so zu tun, als würde etwas vertuscht werden, nur weil man Persönlichkeitsrechte achtet, ist doch wirklich ein Skandal.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Das ist einer Debatte im deutschen Parlament völlig unwürdig.

Beifallbei der CDU/CSU

Und die AfD sagt ja, die Kosten werden unsere Enkel bezahlen müssen. Ich muss Ihnen etwas sagen: Sie erinnern sich vielleicht daran, dass die Fließbänder in den großen Automobilwerken stillgestanden haben, was zu Steuerausfällen führte.

Weil Sie sie stillgelegt haben!

Der Einsatz von Masken und die Einführung von Abstandsregeln haben dazu geführt, dass unsere Industrie weiter produzieren und das gesellschaftliche Leben weitergehen konnte.

Das hat dazu geführt, dass unsere Kinder traumatisiert wurden! Dazu hat das geführt!

Deswegen: Durch den Einsatz von Masken, die wir damals gebraucht haben, konnte viel Geld gespart werden. Dass das auch Geld gekostet hat, ja, das ist so. Aber in der Bilanz war der Einsatz der Mittel richtig und wichtig.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und, meine Damen und Herren, viele Dinge, die heute hier indirekt in den Raum gestellt werden, sind wirklich infam,

Lassen Sie uns doch einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss machen!

etwa, dass gesagt wird, Jens Spahn hätte sich vielleicht indirekt persönlich bereichert. In dem Sudhof-Bericht gibt es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Jens Spahn irgendwie davon profitiert hat.

Zurufevom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der Linken

Wer allein in Deutschland profitiert hat, war die deutsche Bevölkerung, und zwar dadurch, dass wir Masken bekommen haben, die wir dringend gebraucht haben.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufedes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Meine Damen und Herren, was Sie heute zum Beispiel von Herrn Audretsch gehört haben, finde ich wirklich infam. Man sollte lieber mal vor seiner eigenen Türe kehren. Wenn Sie wirklich so aufgeschlossen wären, was Aufklärung betrifft, dann können Sie doch selber einen Untersuchungsausschuss beantragen, und zwar für den Habeck. Das wäre doch viel angebrachter.

Beifallbei der CDU/CSU

Das wird Ihnen nicht helfen!

Frau Schwerdtner, ich muss Ihnen sagen: Bevor Sie über Personenbezogenes reden, sollten Sie juristisch mal prüfen, worüber Sie überhaupt reden. Ich habe heute keinerlei Fakten von Ihnen gehört, sondern nur irgendwelche Behauptungen, Maskendeals wären da vonstattengegangen.

Lachenbei Abgeordneten der Linken
Zurufedes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Frau Schwerdtner, wir reden hier nicht über Maskendeals. Wir reden darüber, ob die Mehrkosten gerechtfertigt gewesen sind.

Und eines muss ich Ihnen sagen: In der damaligen Zeit gab es keine Masken. Ich habe selber probiert, Masken für meine persönlichen Anliegen zu kaufen. Wie viele habe ich bekommen?

Zurufevon der Linken sowie des Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich konnte keine Masken kaufen. Ich habe darauf hoffen müssen, dass meine Nachbarin damals Masken genäht hat. Also wenn gesagt wird, es wurde ungerechtfertigt viel Geld ausgegeben, kann ich nur rufen: Moment mal!

Zurufdes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn wir günstiger Masken hätten kaufen können, dann hätten wir es doch gemacht. Hätten Sie doch damals einen Vorschlag gemacht, wie wir es hätten machen können!

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufeder Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Ates Gürpinar [Die Linke]

All diese Schlaumeierei und jetzt im Nachhinein Jens Spahn zu diskreditieren, ist doch wirklich lächerlich. Ich muss sagen „lächerlich“, weil damals die Grünen diejenigen waren, die gesagt haben, wir brauchen eine Kriegswirtschaft, um diese Krise zu beheben.

Aber jetzt kommen Sie mit solchen Vorschlägen und solchen Vorwürfen!

Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich würde sagen: Wer damals schon alles besser gewusst hat, hätte es doch damals sagen können.

Wir hätten es besser gemacht!

Jetzt im Rückblick zu sagen, was alles falsch gelaufen ist, ist lächerlich.

Wer klagt hier eigentlich wen an?

Deswegen: Wir als Unionsfraktion sind zur Aufklärung durch eine Enquete-Kommission bereit. Wir haben nichts zu verbergen.

Ich glaube, dass wir daran arbeiten müssen, was wir bei Pandemien zukünftig besser machen können. Wir sollten aber nicht immer nur mit Dreck auf andere werfen, die damals nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Das wird Ihnen nicht helfen! Und Jens Spahn auch nicht!

Porträt von Hendrik Hoppenstedt
Foto: Dr. Hendrik Hoppenstedt/ Tobias Koch
10 Vermerkeca. 751 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Liebe Damen und Herren! Die Coronakrise war eine Jahrhundertkrise und eine Krise, auf die Deutschland offenkundig nicht ausreichend vorbereitet war.

Die größte Krise der Erdgeschichte!

Das darf uns nicht noch einmal passieren; darauf haben die Menschen in unserem Land ein Anrecht. Und deswegen muss es eine parlamentarische Aufarbeitung durch den Deutschen Bundestag geben, und zwar möglichst gründlich und möglichst rasch. Nachdem die Ampel die Kraft dazu nicht hatte, sich darauf zu einigen, müssen wir jetzt damit beginnen.

Die Coronapandemie hatte Deutschland und die Welt seit Anfang 2020 für drei Jahre lang fest im Griff. Sie hat unser Leben verändert, das Leben in den Städten und auf dem Land, bei Jungen und Alten, bei Frauen und Männern. Wir trauern um viele Tote, die ohne Corona noch leben würden. Sie starben zum Teil wegen der pandemiebedingten Einschränkungen ohne Begleitung ihrer Angehörigen. Wir fühlen mit allen, die von der Krankheit bleibend geschädigt sind. Wir freuen uns über alle, die nach schwerer Krankheit wieder genesen sind. Wir sind dankbar, dass das Virus so schnell entschlüsselt und der Impfstoff so schnell entwickelt wurde.

Es gab während der Pandemie viel krisenbedingte Aufregung, auch Durcheinander, das zeitweise entstand. Der öffentliche Streit über den Umgang mit der Pandemie wurde zunehmend laut, heftig, schrill und auch verletzend. In dieser Situation mussten viele wichtige und auch weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Dabei wurden auch Entscheidungen getroffen, die wir heute im Rückblick anders bewerten – heute und im Rückblick, mit dem Wissen, was wir in den Folgejahren sammeln konnten und was uns damals nicht zur Verfügung stand.

Aber, meine Damen und Herren, das gehört zur Wahrheit dazu: Wir haben auch viel richtig gemacht. Deutschland ist im Vergleich zu vielen anderen Ländern verhältnismäßig gut durch diese Krise gekommen. Das ist in allererster Linie den Millionen von Menschen zu verdanken, die mitgemacht haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Lina Seitzl [SPD]

Es ist aber auch den damals handelnden Amtsträgern zu verdanken. Ich nenne stellvertretend Angela Merkel, Helge Braun und, meine Damen und Herren, insbesondere auch Jens Spahn.

Jens Spahn hat in dieser schweren Zeit Verantwortung übernommen und dafür gesorgt, dass wir schnell Schutzausrüstung und Impfstoff bekommen haben. Das, meine Damen und Herren, gehört nämlich zur Wahrheit auch dazu.

Inzwischen ist Covid-19 viel weniger gefährlich. Die unterschiedlichen Standpunkte sind noch präsent, doch wir haben Abstand gewonnen zu den harten Debatten um Kontakteinschränkungen und auch Impfungen. Das ist eine Voraussetzung für eine sachliche und konstruktive Aufarbeitung.

Das richtige Instrument für diese Aufarbeitung im Parlament ist die Enquete-Kommission; denn sie setzt sich nicht nur aus Abgeordneten zusammen, sondern auch aus Sachverständigen; und sie alle können auch Betroffene anhören. Wir brauchen deren Perspektive, deren Wissen. Die Kommission soll aufzeigen, wie Deutschland krisenfest werden kann. Die Kommission nimmt Fehler aus der Vergangenheit in den Blick, um aus ihnen für die Zukunft zu lernen. Sie wird dabei nichts auslassen, aber konsequent nach Lösungen für die Zukunft suchen.

Beifallbei der CDU/CSU

Vor den Mitgliedern dieser Kommission liegt viel Sacharbeit zu höchst unterschiedlichen Fragen. Sie sind alle in unserem Antrag aufgelistet.

Ein Untersuchungsausschuss wäre der falsche Weg.

Was wir jetzt brauchen, ist eine sachliche und besonnene Bewertung der getroffenen Maßnahmen, die kein politisches Tribunal ist.

Ach so! Ein Untersuchungsausschuss ist ein politisches Tribunal! Das merken wir uns!

Ein Untersuchungsausschuss ist doch kein Tribunal!

Und genau in diese Kategorie fällt auch der Bericht von Frau Sudhof. Eine solche Form der Untersuchung wird der Pandemie nicht gerecht und hilft erst recht nicht dabei, Fehler für die Zukunft zu vermeiden, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir reichen allen die Hand,

Die wollen wir gar nicht!

die diesen Prozess konstruktiv mitgestalten wollen. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen: sachorientiert und zum Wohle unseres Landes, damit wir auf die nächste Pandemie besser vorbereitet sind. Denn das, meine Damen und Herren, sind wir den Menschen in unserem Land schuldig.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Der nächste Redner in der Debatte: für die AfD-Fraktion Stephan Brandner.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
19 Vermerkeca. 949 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! AfD wirkt mal wieder, wenn auch nur ein ganz kleines bisschen hier. Ohne uns würde das Thema totgeschwiegen; es wäre überhaupt gar kein Thema. Jetzt kommen Sie mit so einem lauwarmen Antrag auf Einsetzung einer Enquete-Kommission daher. Das reicht natürlich nicht ansatzweise. Aber gleichwohl: Es wird hier zumindest thematisiert.

Wir wollen – und das braucht es, meine Damen und Herren – eine gründliche, schonungslose und auch strafrechtliche Behandlung der grundgesetz- und menschenfeindlichen Maßnahmen der Coronazeit. Das braucht es hier und jetzt,

Beifallbei der AfD

damit sich das, was in den Jahren 2020 bis 2023 an bis dahin undenkbaren Zwangsmaßnahmen eines außer Rand und Band geratenen Staates geschehen ist, nie wiederholt. „Nie wieder!“ ist jetzt sozusagen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Über 80 Millionen Betroffene in Deutschland. Die gesamte Bevölkerung wurde Geisel und Opfer einer politischen Kaste, die man nicht mehr „Kartellparteien“ nennen darf.

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

Millionen Betroffene, psychisch, wirtschaftlich, sozial und gesundheitlich, verursacht durch Ihre Lockdowns, Schulschließungen, Geschäftsschließungen, Berufsverbote, Ausgehverbote, Ihren Impfdruck und Impfzwang bei Gesundheitsberufen und bei der Bundeswehr. Hunderttausende, die gesundheitliche Schäden bis zum Tode dadurch erlitten, dass sie dem Impfdruck und Impfzwang nachgaben und sich von manipulierten und manipulierenden Politikern der Altparteien, sogenannten Experten und Medien einlullen und hereinlegen ließen.

Zurufvon der SPD: Lüge
Zurufdes Abg. Luigi Pantisano [Die Linke]

Menschen, die in Pflegeheimen alleine ohne ihre Angehörigen sterben mussten; denn die Pflegeheime glichen Hochsicherheitsanstalten. Impfgeschädigte, die bis heute vergeblich auf Hilfe und Anerkennung für ihre schweren Leiden warten. Das ist nur ein Teil des Grauens, das Sie von den Altparteien in den Jahren 2020 bis 2023 verursacht haben.

Sie haben Deutschland wirtschaftlich und gesellschaftlich in Grund und Boden, in Schutt und Asche regiert.

Blödsinn! Das hättet ihr gern!

Und das muss aufgearbeitet werden. Beschimpfungen wie „Covidiot“, wie „Schwurbler“, wie „Coronaleugner“ mussten Millionen unbescholtener Bürger über sich ergehen lassen. Deshalb von dieser Stelle noch mal: Herzlichen Dank an diejenigen – vielleicht sind welche da –, die diesen massiven Druck eines Staates, der nicht mehr zu kontrollieren war, mit der AfD durchgestanden haben.

Lachendes Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD]

Am Ende war der Kampf erfolgreich.

Beifallbei der AfD

Wir erinnern uns: Merkel und die Ministerpräsidenten regierten an der Verfassung vorbei, eine Art Seuchenpolitbüro.

Quatsch! Das sieht das Verfassungsgericht anders!

Staatsfunk und Medien verteidigten das kritiklos.

Im Gegenteil!

Jede diktatorisch anmutende Maßnahme wurde verteidigt und gutgeheißen.

Im Gegenteil!

Für uns steht fest, dass das jahrelange vollständige Versagen auch des Parlaments – und hier meine ich wieder die Altparteienseite – nur durch das scharfe Schwert eines Untersuchungsausschusses aufgeklärt werden kann und muss. Und ich sehe die Grünen an unserer Seite, wenn ich Herrn Audretsch gerade richtig verstanden habe.

Nein! Auf keinen Fall! Mit Ihnen machen wir gar nichts!

Weiterer Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Im Leben nicht!

Ich freue mich auf diese punktuelle Zusammenarbeit mit Ihrer Fraktion, Frau Haßelmann.

Beifallbei der AfD

Mit der AfD gibt es keinerlei Zusammenarbeit!

Damit verbunden ist bei uns aber auch die Hoffnung, dass die Staatsanwaltschaften und Gerichte endlich mal aus dem Knick kommen. Denn mit einem „Wir müssen uns einander verzeihen und uns versöhnen“ ist es nicht getan. Die Staatsanwaltschaften müssen ermitteln, die Gerichte müssen, wenn die Gegebenheiten da sind, verurteilen. Täter und Millionenprofiteure wie – die Namen wurden schon genannt; meistens CDU/CSU – Löbel, Sauter, Nüßlein, Hauptmann, Spahn, aber auch Lauterbach war dabei, ließ und lässt man unbehelligt. Hunderttausende draußen wurden kriminalisiert und sanktioniert, weil sie zum Beispiel ein Buch auf der Parkbank gelesen haben, meine Damen und Herren.

Jetzt frage ich mich – jetzt schreien Sie wieder herum, Herr Fechner: „Das darf doch alles nicht sein“; Herr Hoppenstedt hat als Teil der damaligen Regierung auch Angst vor einem Untersuchungsausschuss; Sie waren ja auch dabei –: Warum haben Sie Angst vor unserem Rechtsstaat? Sie haben Angst vor unserem, vor Ihrem Rechtsstaat?

Wir sind völlig entspannt!

Jeder Bürger müsste und muss sich Ermittlungsmaßnahmen und Gerichtsverfahren stellen. Aber Sie haben schon Schiss vor einem simplen Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag?

Überhaupt nicht!

Wo kommt diese Angst her? Die kommt doch nur daher, dass Sie tatsächlich irgendwas zu verbergen haben, oder? Sonst wären Sie doch ganz vorne mit dabei.

Beifallbei der AfD

Also Ihr Motto „Wir machen jetzt irgendwas mit Enquete-Kommission“ wird nicht funktionieren. Es wird auch nicht funktionieren, dass Sie weiterhin alles unter den Teppich kehren und –

Herr Brandner, Sie müssten zum Schluss kommen.

Rednerwechsel

– mit Ihrem kerzenbekränzten Stuhlkreis möglicherweise irgendwelche Pläne schmieden.

Kommen Sie bitte zum Schluss.

Rednerwechsel

Ich bin schon fast am Ende, Frau Präsidentin.

Nein, Sie sind jetzt am Ende; denn Ihre Redezeit ist schon längere Zeit abgelaufen.

Rednerwechsel

Würden Sie mir nicht ins Wort fallen, hätte ich schon aufgehört. – Deshalb stimmen Sie für unseren Antrag –

Kommen Sie jetzt bitte zum Schluss!

Rednerwechsel

– auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses.

Das Mikrofon wird abgeschaltet
Beifallbei der AfD

Das ist meine Entscheidung, und ich entscheide hier bei allen gleich. Ihre Redezeit war längst rum.

Das waren 16 Sekunden! Dann war das Mikro aus! Ich lasse meine Stoppuhr mal laufen jetzt!

Wir führen hier auch ein Protokoll, in dem Sie das beruhigt nachschauen können.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Als nächste Rednerin in der Debatte: für die SPD-Fraktion Frau Dagmar Schmidt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Die Uhr läuft! Stoppen wir mal mit!

Porträt von Dagmar Schmidt
Foto: Photothek
6 Vermerkeca. 685 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Für viele Menschen – und das ist der Ernst in dieser Debatte – war die Pandemie die größte Belastungsprobe ihres Lebens. Gerade diejenigen, die es vorher schon nicht leicht hatten, haben in der Pandemie besonders stark gelitten, die hat es besonders hart getroffen. Wir haben gesehen, wie schnell vermeintliche Sicherheiten bröckeln können, wie belastbar – oder an manchen Stellen eben auch nicht – unsere sozialen Sicherungssysteme, unsere Verwaltungen und auch unsere Solidarität sind, wenn es dann mal ernst wird.

Ich denke heute ganz besonders an die Eltern, die über Nacht ihre Erwerbsarbeit und die Betreuung ihrer Kinder unter einen Hut bringen mussten, an Alleinerziehende, die an den Rand ihrer Kräfte kamen – und manchmal auch darüber hinaus –, an die Kinder und Jugendlichen, die auf so viel, auf zu viel, verzichten mussten: auf Freunde, auf Schule, auf Erlebnisse, auf Erfahrungen und auf Unbeschwertheit.

Ich denke an die alten Menschen, die in Pflegeeinrichtungen wochenlang isoliert waren, und ihre Angehörigen, die sie nicht besuchen konnten.

Ich denke an Menschen mit Behinderung, an Obdachlose, an psychisch Erkrankte. Ich denke an chronisch kranke Menschen, die Angst um ihr Leben hatten.

Ich denke genauso an die Soloselbstständigen, an Kulturschaffende, an die kleinen Läden und Kneipen, die nicht wussten, ob sie je wieder öffnen können.

Ich denke an die Pflegekräfte, an die Ärztinnen und Ärzte und an das gesamte medizinische Personal, das bis zur Erschöpfung gekämpft hat, um Leben zu retten in einem System, das an seine Grenzen kam.

Ich denke aber auch an all diejenigen, die spontan geholfen haben, die für die Nachbarn einkaufen waren, die an Fenstern Spielzeug verteilt oder mit viel Fantasie und Einsatz das Beste aus der Lage herausgeholt haben.

All das dürfen wir nicht vergessen; und wir dürfen diese schweren Zeiten nicht verdrängen. Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen hatten unterschiedliche Sorgen, Nöte und Erwartungen. Die Pandemie hat uns als Gesellschaft damit auf eine harte Probe gestellt, und sie hat offengelegt, wo wir strukturelle Schwächen haben: in der föderalen Koordination, in der Datenlage, in der Krisenkommunikation, in der Bildung, in der digitalen Infrastruktur, in der Pflege und im Gesundheitswesen. Und vieles haben wir auch schon angepackt, um es zu verbessern und zu ändern.

Wir sollten bei aller notwendigen Kritik auch anerkennen, was gut funktioniert hat. Unser Sozialstaat hat in dieser Krise seine Schutzwirkung entfaltet. Beispielhaft steht dafür das Kurzarbeitergeld als ein zentrales Instrument, um damals Millionen von Arbeitsplätzen zu erhalten.

Wir schulden den Menschen eine ehrliche, sachliche, aber auch empathische Aufarbeitung, eine, die sich nicht in politischen Schuldzuweisungen verliert, sondern die nach vorne schaut. Und ja, dazu gehört auch, über Fehler zu sprechen, über verlorengegangenes Vertrauen. Denn für die kommenden Krisen wird entscheidend sein, wie gut wir vorbereitet sind. Die Resilienz, die Stärke unserer Gesellschaft bemisst sich dabei allerdings nicht allein an der Infrastruktur,

Jetzt sind drei Minuten um!

sondern an ihrem Zusammenhalt, –

Kommen Sie bitte zum Schluss, Frau Kollegin.

Rednerwechsel

– an der Fähigkeit unserer Gesellschaft zur Solidarität.

Kommen Sie bitte zum Schluss!

Rednerwechsel

Deshalb ist diese Enquete-Kommission kein technokratisches Projekt. Sie ist Ausdruck unseres Willens – –

Das Mikrofon wird abgeschaltet
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Frau Kollegin, Sie müssen zum Schluss kommen. Das geht so nicht.

Was ist denn das für eine Art hier?

Ach, nee! Komm!

Ich höre mir Ihre Zwischenbemerkung gleich im Nachhinein noch mal an, Frau Kollegin; das geht nicht.

Sie haben Herrn Brandner den Saft nicht abgestellt!

Ich hier vorne habe alle gleichbehandelt. Und wenn ich sage, Sie müssen zum Schluss kommen, ist die Zeit schon überschritten. Da kann man nicht einfach weiterreden. Das ist meine Entscheidung hier vorne.

Ja! Über die werden wir auch im Ältestenrat noch mal sprechen müssen!

Zurufder Abg. Dagmar Schmidt [Wetzlar] [SPD]

Der nächste Redner in der Debatte ist für Bündnis 90/Die Grünen Johannes Wagner.

Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
16 Vermerkeca. 741 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Union! Ich weiß, Sie wollen jetzt nicht weiter über die Maskendeals reden, sondern über die Enquete-Kommission, die wir auch sehr begrüßen. Und dazu komme ich auch gleich.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Aber man muss aufzeigen dürfen, wie absurd es ist, dass Sie, liebe Union, rein zufällig gerade heute mit diesem Vorschlag um die Ecke kommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]

Heute, wo Ihrem Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn das Wasser bis zum Hals steht. Genau da kann es Ihnen, Herr Spahn, plötzlich nicht schnell genug gehen. Da ist ein Ablenkungsmanöver in vollem Gange.

Diese Kommission ist ein reiner Deckmantel, um ihre Amigo-Geschäfte unter den Teppich zu kehren.

Klar, in der Sache ist die Einrichtung einer Enquete-Kommission richtig, und natürlich unterstützen auch wir eine parlamentarische Aufarbeitung der Pandemiejahre.

Damals mussten unter hohem Druck schwere Entscheidungen getroffen werden. Einige Maßnahmen haben geholfen, andere waren – mit dem Wissen von heute – Fehler in guter Absicht. Eine Enquete-Kommission kann sinnvoll sein, um aus dieser Krise Lehren für zukünftige Pandemien zu ziehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]

Ich habe während der Coronapandemie in einem Krankenhaus gearbeitet und mich im ersten Winter freiwillig für die Coronastation gemeldet. Da habe ich hautnah die ganz schweren Fälle miterlebt: wie wir Menschen, die scheinbar völlig fit waren, vor den Coronafolgen nicht mehr retten konnten. Am Ende sind in Deutschland über 180 000 Menschen an Corona gestorben. Und gleichzeitig haben viele Millionen Menschen auch still gelitten, allen voran Kinder, aber natürlich auch andere Gruppen wie Soloselbstständige – sie wurden schon genannt – und auch Frauen, die zum Beispiel vermehrt Gewalt in Beziehungen zu Hause ausgesetzt waren.

Ja, aus all diesem kann man gute Lehren ziehen; aber ich will auch ein für alle Mal mit einer Legende aufräumen. Die Union will uns hier weismachen, dass Aufklärung und Transparenz möglich werden, indem diese Kommission eingesetzt wird. Dabei hat eine Enquete-Kommission viel weniger Kompetenzen als zum Beispiel ein Untersuchungsausschuss

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

und kann da, wo wissentlich böse Fehler gemacht worden sind, gar nichts untersuchen. Gar nichts!

Wenn es Ihnen um Transparenz geht, wieso verweigert dann Ihre Ministerin, den bereits fertigen Untersuchungsbericht zu den Maskendeals öffentlich zu machen?

Hier könnten Sie wirklich mal Licht ins Dunkel bringen. Aber entscheidende Inhalte dieses Berichts wurden von Ihnen geschwärzt. Ich denke, man kann da ruhig mal zwei Seiten hochhalten und für die Kamera zeigen.

Man darf nichts hochhalten! Gibt einen Ordnungsruf!

Nicht zulässig!

Denn das Einzige, das man hier lesen kann, ist „VS – Nur für den Dienstgebrauch“. Das ist mehr als scheinheilig. Sie suggerieren hier Aufklärung und verweigern diese an anderer Stelle.

Eigentlich bräuchte es zusätzlich zur Enquete-Kommission einen Untersuchungsausschuss,

Genau! Sehr gut! Beantragen wir den doch!

der die Maskendeals und die Machenschaften von Jens Spahn lückenlos aufklärt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD und der Linken

Denn hier sind 3,5 Milliarden Euro Steuergelder verbrannt worden,

Widerspruchdes Abg. Albert Stegemann [CDU/CSU]

Aufträge in persönliche Netzwerke vergeben worden und Empfehlungen und Warnungen aus den eigenen Ministerien ignoriert worden.

Liebe Union und auch Sie, liebe Kolleginnen von der SPD, machen Sie keine hohlen Ankündigungen von ernsthafter Transparenz und Aufklärung in der Enquete-Kommission! Lieber Jens Spahn, stellen Sie sich Ihrer Verantwortung als echter Staatsmann!

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und liebe Ministerin Warken, machen Sie den Bericht zu den Maskenbeschaffungen öffentlich, sodass die Wähler/-innen erfahren können, was mit ihrem Steuergeld passiert ist! Die Bürger/-innen haben ein Recht darauf.

Vielen Dank.

Herr Wagner, ich habe davon abgesehen, während der Rede etwas zu sagen. Ich will es nur noch mal allen sagen: Wir halten keine irgendwie gearteten Zettel oder sonst irgendwas hoch; das geht nicht. Wie gesagt, ich habe Sie jetzt bei Ihrer Rede nicht unterbrochen. Ich bitte allerdings die Kolleginnen und Kollegen, das einfach zu lassen, sonst muss ich unterbrechen.

Der nächste Redner in der Debatte ist für die Fraktion Die Linke Ates Gürpinar.

Beifallbei der Linken
Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
5 Vermerkeca. 529 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist gut, dass wir uns nun in einer Enquete-Kommission mit der Aufarbeitung der Pandemie beschäftigen wollen. Wir als Die Linke hatten einen Antrag zur Einsetzung einer solchen Kommission noch im Oktober 2024 vorgelegt. Dann kamen Neuwahlen. Umso besser, dass die Koalition diesen Gedanken in ihrem Koalitionspapier festhielt und nun selbst eine solche Kommission vorschlägt.

Die Pandemie wurde und wird zu Recht als eine Ausnahmesituation beschrieben. Die Ausnahmesituation hat bereits bestehende Unterschiede und Ungerechtigkeiten in dieser Gesellschaft noch deutlicher gemacht und vertieft. Benachteiligte Personengruppen hat es in dieser Situation besonders hart getroffen. Sie wurden oft kränker, starben häufiger, wurden in mehr Kontakte gezwungen und waren von den Einschränkungen härter betroffen. Dabei wurden sie von den damaligen Regierungen weitgehend alleingelassen.

Die Regierungen hatten für diejenigen, die den Laden am Laufen hielten, nur ein Klatschen übrig. Das war ein Hohn angesichts der Arbeit und der Gefahren, die die Gesundheitsarbeiter/-innen, die Erzieher/-innen und die Menschen im Einzelhandel tagein, tagaus zu bestehen hatten.

Beifallbei der Linken

Die Vereinzelung hat enorm zugenommen. Bis heute sind die Folgen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen spürbar. Gleichzeitig nutzten andere selbst in dieser Zeit legale und illegale Möglichkeiten, um weiter Gewinne zu machen. Auch daher – da schließe ich mich Herrn Wagner an – sei an dieser Stelle noch mal einzuwenden: Eine Enquete-Kommission ersetzt nicht die Aufarbeitung von offensichtlichem Fehlverhalten, zum Beispiel vom ehemaligen Gesundheitsminister Jens Spahn. So etwas muss in einem Untersuchungsausschuss passieren, sehr geehrte Damen und Herren.

Beifallbei der Linken und der AfD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vieles ist mir im Kopf geblieben: Eine mir sehr nahestehende Ärztin, die fast in Tränen ausbrach, als zum x-ten Mal nach einem langen Tag in der Corona-Intensivstation um 9 Uhr abends kräftig auf dem Balkon geklatscht wurde. Sie meinte, das klinge wie Hohn in ihren Ohren, weil sie in der Realität völlig im Stich gelassen würden. Oder eine Videokonferenz, als wir in der Partei von Schulschließungen sprachen. Eine sehr kluge Genossin meinte: Wenn Schulen geschlossen werden, gibt es manche, die keine Probleme haben, die lernen zu Hause, und es gibt welche, um die sich nicht gekümmert wird, die keinen Laptop, keinen Raum, keine Hilfe haben. Das sind die Menschen, um die wir uns kümmern müssen, weil sich sonst niemand um sie kümmert.

Beifallbei der Linken

Die Linke wird sich auch in der Enquete-Kommission vor allem darum bemühen, dass diejenigen berücksichtigt werden, die von den anderen Parteien nicht gesehen wurden: die Armen, die Alten, die Schwachen, jene, die in der Pandemie noch schwächer geworden sind.

Abschließend: Vieles ist angedacht in diesem Antrag, anderes vermisse ich. So werden die Folgen für die Erkrankten und die notwendigen Konsequenzen auch aufgrund der speziellen Art der Krankheit außen vor gelassen: ME/CFS und Post Covid werden auch von der jetzigen Regierung in diesem Antrag nicht berücksichtigt. Lassen Sie uns auch diejenigen mitnehmen, die jetzt noch unter den Folgen leiden.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Und der nächste Redner in der Debatte ist für die Unionsfraktion Albert Stegemann.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
14 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.079 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Einiges hat sich ja hier permanent wiederholt; aber ich will auch noch mal an die Bilder erinnern. Ich glaube, es gibt kaum Bilder, die sich so in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben wie die Bilder vom 18. März 2020. Ich erinnere an den Konvoi, der durch Bergamo fuhr – das hat uns alle tief betroffen gemacht.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich damals gefühlt habe.

Gefühle sind da ein bisschen fehl am Platz! Das sind Fake News!

Wir waren übermannt vom Gefühl der Trauer. Wir haben uns alle gefragt und hatten die große Sorge: Was wird aus dieser Katastrophe? Ist dort etwas außer Kontrolle geraten? Ist diese Pandemie überhaupt aufhaltbar? Und: Ist unser Land darauf vorbereitet? Ich will diese Zeit noch mal in Erinnerung rufen. Genau die letzte Frage: „Ist unser Land darauf vorbereitet?“ hat uns gemeinsam angetrieben, diesen Antrag zu schreiben. Ich will mich an dieser Stelle bei Dagmar Schmidt – das haben wir zusammen ausgearbeitet – ganz herzlich für die kollegiale Zusammenarbeit bedanken.

Ich will auch gerne ein paar inhaltliche Punkte ansprechen – worum geht es? –; denn darüber haben wir bisher kaum gesprochen. Wir haben uns hier ja fast ausschließlich mit dem tribunalen Charakter der Diskussion auseinandergesetzt. Im Wesentlichen geht es darum, dass wir uns Folgendes ganz genau anschauen wollen: Wie aktuell sind überhaupt unsere Pandemiepläne? Welche Früherkennungssysteme haben wir? Wie ist es insgesamt um das Thema „Krisenvorsorge, Krisenmanagement“ bestellt? Wie sind die rechtlichen Rahmenbedingungen einzuordnen?

Ich erinnere nur daran, dass damals relativ unklar war, wie Kompetenzen verteilt waren: Für welche Themen war der Bund zuständig, welche Themen waren für die Länder relevant, welche Themen hatten die Kommunen zu bearbeiten? Es geht um die Angemessenheit der gesundheitlichen Maßnahmen, aber auch um solche Fragen: Was macht das mit unserer Wirtschaft? Und: Was macht das eben auch mit unseren Kindern? Das ist ein kleiner Querschnitt wichtiger Punkte und Fragen, die wir genauer beleuchten wollen. Das wird die Kommission auch tun, und deswegen ist heute ein guter Tag, dass wir diese Kommission einsetzen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Herr Kollege, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der Fraktion Die Linke zu?

Der hat doch gerade geredet!

Gerne.

Rednerwechsel

Sehr geehrter Herr Kollege, vielen Dank, dass Sie die Frage zulassen. – Sie haben jetzt sozusagen die Aufgaben umrissen, die die Enquete-Kommission bearbeiten soll. Dabei habe ich den Teil vermisst, den die SPD im vorherigen Tagesordnungspunkt angemahnt hat und der zum Beispiel im Sudhof-Bericht angemerkt war, und zwar die Aufarbeitung der Maskengeschäfte, vor allem des ehemaligen Gesundheitsministers Jens Spahn.

Antrag liegt vor! Von uns!

Ich habe dieses Thema in Ihrem Antrag zur Enquete-Kommission ehrlicherweise auch vermisst. Ich bin sozusagen bislang auf Ihrer Seite. Jetzt möchte ich Sie als Koalitionspartner der SPD, die das bislang anders sieht, fragen: Wird in der Enquete-Kommission auch über den Sudhof-Bericht geredet, und findet eine Auseinandersetzung rund um die Maskengeschäfte, insbesondere mit der Firma Fiege, aber auch rund um die vielen anderen Maskengeschäfte statt, oder wird das in der Enquete-Kommission nicht gemacht? Und wenn das nicht gemacht wird – eine zweite Frage –, wären Sie dann dafür, dieses Thema in einem Untersuchungsausschuss zu bearbeiten, der das gut aufklären könnte?

Beifallbei der Linken

Also, im Antrag ist klar formuliert, dass wir uns die Vergabeverfahren natürlich genau anschauen werden.

Wieso? Sie haben doch gar keinen Zugriff auf die Unterlagen!

Und wir sind von der Rechtmäßigkeit dessen, was passiert ist, felsenfest überzeugt. Das ist genau so beschrieben, wie ich es formuliert habe. Daher kann ich Ihre Frage wie folgt beantworten: Das ist in der Enquete-Kommission berücksichtigt.

Das gibt mir die gute Gelegenheit, an dieser Stelle noch mal darzulegen, wofür diese Kommission nicht da ist und wofür diese Kommission auch nicht dienlich sein sollte. Wir sollten mit dieser Enquete-Kommission zwar auch zurückschauen. Es hat Fehler gegeben. Überall waren Menschen am Werk. Aber zu mindestens 80 Prozent sollten wir nach vorne schauen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir sollten aus den Fehlern, die gemacht wurden, lernen.

Ich will an dieser Stelle auch auf den Sudhof-Bericht und auf dieses Bild, das immer wieder gezeichnet wird, eingehen. Ich stelle die Überparteilichkeit und auch das Schwärzen nicht infrage. Ich sage an dieser Stelle ganz klar: Wir reden hier über 11 Seiten von 177 Seiten.

Komplett schwarz!

Dieser Versuch, dieses Vorgehen zu kriminalisieren, ist einfach nicht statthaft. Es handelt sich einfach nur um das Umsetzen einer Datenschutzrichtlinie.

Woher wissen Sie das denn? Sie wissen doch gar nicht, was da drinsteht!

Und hier sind uns und auch der Ministerin die Hände gebunden. Die Schwärzungen sind ja von Frau Sudhof selbst vorgenommen worden. Diese ständige Kriminalisierung ist überhaupt nicht angebracht.

Beifallbei der CDU/CSU

Ganz im Gegenteil: Ich bin froh, dass wir zu der Zeit – ich habe gerade noch einmal die Situation beschrieben – einen Minister hatten, der wirklich angepackt hat. Wir brauchten einen Macher und keinen Erbsenzähler. Das Haus hat lichterloh gebrannt. Es ist jetzt wirklich einfach, im Nachhinein die Feuerwehr für ihre Fehler zu kritisieren. Das ist überhaupt nicht angebracht. Wir sind sehr gut durch die Krise gekommen. Ich will mich von dieser Stelle aus noch mal ganz herzlich bei Jens Spahn bedanken,

Wofür? Dafür, dass er permanent Aufträge verteilt hat?

dass er das gemacht hat, was Herr Hoppenstedt schon gesagt hat. Die Bundeskanzlerin, aber vor allem der damalige Gesundheitsminister haben uns gut durch die Krise geleitet.

Herr Stegemann. Sie sollten zum Schluss kommen.

Wir sollten jetzt wirklich mit Klugscheißerei im Nachhinein aufhören.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU

Ich bedanke mich fürs Zuhören. Vielen Dank.

Die Debatte wird hier im Plenum geführt, nicht zwischen den Fraktionen. Wenn Sie zwischen den Fraktionen Debatten führen wollen, führen Sie sie draußen. Wir führen hier die Debatte miteinander.

Und der nächste Redner in der Debatte ist jetzt für die AfD-Fraktion Martin Sichert.

Beifallbei der AfD
Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
7 Vermerkeca. 450 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sie fordern Lehren für künftige Pandemien. In der Coronazeit verbreiteten sich mehrere Krankheiten pandemisch unter Politikern: Größenwahn, Kontrollwahn und hypochondrischer Wahn.

Beifallbei der AfD

Und in diesem Wahnzustand schien jedes Mittel recht. Eltern wurden vom Gesundheitsamt aufgefordert, wochenlang jeden körperlichen Kontakt den eigenen zweijährigen Kindern vorzuenthalten, nur weil irgendwer in der Kita einen positiven Test hatte. Gesunde Menschen wurden für symptomlos krank erklärt. Kindergeburtstage waren verboten, Kinder saßen mitten im Winter frierend in Zugluft bei geöffneten Fenstern im Klassenzimmer. Man redete den Kindern ein, sie würden ihre Großeltern umbringen. Millionen Kinder und Jugendliche wurden durch staatliche Maßnahmen psychisch krank.

Die Regierung schrieb vor, wen man an Weihnachten und Ostern noch treffen darf. Wer ohne Maske Ski fuhr, dem rannte die Polizei hinterher. Heute redet man von Hitzeschutzplänen. Zur Coronazeit wurden Bauarbeiter gezwungen, Maske zu tragen, wenn sie mit heißesten Stoffen in Gluthitze arbeiteten. Spazieren gehen: verboten. Auf Parkbänken sitzen: verboten. Umarmen: verboten. Die Einhaltung des Abstands wurde streng kontrolliert. Der Staat schloss Restaurants und Läden. Der Mittelstand wurde gezielt plattgemacht. Großeltern bekamen hohe Bußgelder, wenn sie nachts ihre Enkel nach Hause brachten. Es gab Lockdowns und Ausgangssperren.

In Internaten, Pflegeheimen und Krankenhäusern wurde der Besuch von Angehörigen verboten. 300 000 Menschen starben deswegen völlig einsam in den Krankenhäusern. Mit massiven finanziellen Anreizen wurden in Krankenhäusern systematisch Tausende zu Tode beatmet. Für Masken, Testzentren und Impfungen wurden Abermilliarden verschleudert.

So ein Quatsch!

Lobbyisten und Amigos verdienten Milliarden auf Kosten der Freiheit aller Menschen.

Beifallbei der AfD

Die Regierung hetzte mit massiven Kampagnen die Geimpften gegen die Ungeimpften auf.

Die Coronapolitik traf jeden bis ins Privateste. Schon Anfang 2022 sagte die WHO, dass es allein im Jahr 2021 mehr Nebenwirkungen durch die Coronaimpfung gab als durch die Impfungen gegen Mumps, Röteln, Masern, Pocken, Tetanus, Hepatitis, Polio, Meningokokken, Pneumokokken und Grippeimpfung in den Jahren seit 1968 zusammen. Zweieinhalb Millionen Impfnebenwirkungen diagnostizierten Ärzte 2021 in Deutschland. Trotzdem wurde munter weitergespritzt – mit einem offensichtlich hochgefährlichen Stoff. Es war eine Zeit, in der die Würde der Menschen mit Füßen getreten wurde, eine Zeit voller Unmenschlichkeit

Beifallbei der AfD

und Grundrechtseinschränkungen, wie es sie in Deutschland seit 1945 nicht mehr gegeben hat.

Aber bis heute fehlt den Verantwortlichen das Unrechtsbewusstsein. Deswegen brauchen wir keinen Stuhlkreis, sondern einen Untersuchungsausschuss.

Beifallbei der AfD

An Linke und Grüne: Wenn Sie einen Untersuchungsausschuss zu den Masken oder zu Corona einrichten wollen, machen Sie das! Unsere Stimmen kriegen Sie. Wir richten ihn gemeinsam mit Ihnen ein; denn wir vergessen nicht. Corona muss aufgearbeitet werden.

Beifallbei der AfD

Der nächste Redner in der Debatte: für die SPD-Fraktion Dr. Johannes Fechner.

Beifallbei der SPD
Porträt von Johannes Fechner
Foto: Photothek
5 Vermerkeca. 540 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Die Coronapandemie hat uns in der Tat vor enorme Herausforderungen gestellt, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland nicht mehr zu bewältigen hatten. Gerade weil so viele staatliche Maßnahmen – die Schulschließungen, die Ausgangssperren – in Grundrechte eingegriffen haben, gerade weil das harte Eingriffe in die Freiheitsrechte der Bürger waren, müssen wir jetzt aufklären. Wir müssen beraten, welche dieser Maßnahmen wirksam waren, und wir müssen ganz selbstkritisch sagen, wo wir überzogen haben. Genau diesem Thema stellen wir uns jetzt. Deswegen ist es überfällig und richtig, dass wir diese Enquete-Kommission einrichten, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir sind in Deutschland gerade im Vergleich mit anderen Ländern gut durch die Pandemie gekommen. Das haben wir vor allem Millionen Menschen, die ehrenamtlich, aber auch hauptberuflich in den Krankenhäusern, in den sozialen Diensten tätig waren, zu verdanken. Ein ganz großer Dank an dieser Stelle!

Aber die Ausgangssperren oder auch die Schulschließungen waren Maßnahmen, die wir aufgrund ihrer Wirkungen kritisch hinterfragen müssen. Wir müssen uns auch die Frage stellen: Hat die Digitalisierung uns Vorteile gebracht, oder hätten wir da nicht schon viel weiter sein können? Auch was die Öffentlichen Gesundheitsdienste betrifft, sollten wir uns kritisch fragen, ob wir da nicht noch mehr tun und verbessern können, liebe Kolleginnen und Kollegen. Insbesondere mit dem Infektionsschutzgesetz werden wir uns in der Enquete-Kommission zu beschäftigen haben. Die Koalition hat sich das schon im Koalitionsvertrag vorgenommen.

Ich erinnere mich noch gut an die ersten Ideen aus der Bundesregierung damals, als man wirklich alleine entscheiden und das Parlament nicht beteiligen wollte, als es kaum Mitwirkungsrechte für die Länder gab und auch rechtsstaatliche Grundsätze wie der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz infrage gestellt waren. Das haben wir hier im Parlament gestoppt. Wir haben das Infektionsschutzgesetz grundlegend und rechtsstaatlich überarbeitet. Das sage ich allen, die behaupten, dass die Beteiligungsrechte des Bundestages ausgeschaltet worden wären. Nein, wir waren ein starkes Parlament in der Coronazeit. Und weil wir ein starkes Parlament sind, gehen wir jetzt auch mit der nötigen Selbstkritik daran, die Maßnahmen aufzuarbeiten. Auch dafür brauchen wir die Enquete-Kommission, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ganz wichtig ist uns dabei, dass wir nicht nur unter uns Abgeordneten diskutieren, sondern dass die Kommission zur Hälfte aus Abgeordneten und zur Hälfte aus Expertinnen und Experten bestehen wird, aus Praktikern aus dem Medizinbereich, aus Kommunalpolitikern und Ländervertretern. Das ist uns sehr wichtig, und da machen wir eine klare Vorgabe. Wir geben auch ein Versprechen, indem wir sagen: Der Abschlussbericht muss zur Mitte der Wahlperiode vorliegen. – Ich sehe es als Versprechen, dass wir die Ergebnisse da, wo wir gesetzlichen Änderungsbedarf sehen, noch in dieser Wahlperiode umsetzen werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Zum Schluss sage ich nochmals: Die Enquete-Kommission ist überfällig, und es ist wichtig, dass wir sie einsetzen, gerade weil manche Coronamaßnahmen ganz erhebliche Grundrechtseingriffe dargestellt haben. Das sollten wir schnell angehen und aufarbeiten.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Den Schluss in dieser Debatte macht Frau Mechthilde Wittmann für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
6 Vermerkeca. 549 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Den Willen, diese Pandemie aufzuklären, haben die Koalitionsfraktionen schon in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten. Denn uns ist eines wichtig: Wir wollen nie wieder unvorbereitet in eine Krise stolpern, von der wir vorher nicht einmal etwas geahnt haben. Deswegen möchten wir in größtmöglichem Umfang Vorsorge treffen können, und zwar mit dem Wissen von heute, aber ohne den Druck von damals.

Wir haben deswegen schon die zweite Sitzungswoche genutzt, um eine Enquete-Kommission einzuführen; denn wir wollen uns den Verlauf dieser Pandemie noch einmal zurück ins Gedächtnis holen. Wir wollen die wichtigen Lessons learned aus ihr betrachten können. Vor allen Dingen möchten wir nachvollziehen können, unter welchem Druck die Entscheidungsverantwortlichen in diesen sehr schweren, auch für sie belastenden Tagen damals standen und was wir brauchen, um Abwendung und Vorsorge für mögliche zukünftige Ereignisse treffen zu können, die wir heute vielleicht noch nicht einmal ahnen können.

Im Jahr 2019 hat niemand von uns das Wort „Pandemie“ in seinem Wortschatz gehabt. Die letzten Pandemien schienen uns antiquiert: die Pest, die Spanische Grippe, die Asiatische Grippe. Wir haben damals die Toten gezählt und festgestellt, dass die Pandemie gesundheitliche Auswirkungen hatte. In der Ex-ante-Betrachtung – nicht durch die unglaublich gescheite Betrachtung hinterher und die Verweise darauf, was man alles hätte besser machen können – haben wir gelernt, dass es jeden Tag aufs Neue Entscheidungen gab, von denen wir vorher gar nichts geahnt hatten.

Auf einmal haben wir gesehen, dass Bürger und Zivilgesellschaft nicht nur – und dieses „nur“ bitte ich wirklich richtig zu verstehen – von der Krankheit betroffen waren. Damit einher ging die Einschränkung der sozialen Kontakte, der Verlust von alltagsstrukturierenden Gewohnheiten, die Schließung von Bildungseinrichtungen und der Wegfall von Prozessen. Wir haben gesehen, dass die vulnerablen Gruppen und die Familien in ganz besonderer Weise betroffen waren. Betroffen waren aber auch unsere ärztlichen Strukturen und Kapazitäten aufgrund der Anforderungen an all diejenigen, die einmal geschworen hatten, jedes Leben, wenn es nur irgendwie geht, retten zu wollen. Wir wussten nicht, wie wir das wirtschaftliche Leben weiterführen können und was danach noch übrig bleibt. Kurz: Es ging um die gesamte große Verantwortung. Über die Bergamo-Bilder hat mein Kollege schon gesprochen.

Unter diesem Druck mussten unsere Verantwortlichen handeln, und es war zermürbend. Sie waren häufig allein in ihrer Entscheidung. Ministerien waren keine Logistikunternehmen. Sie waren keine Beschaffungseinheiten und mussten schneller beschaffen, als sie überhaupt gucken konnten, wann was wirklich notwendig war.

Die Grünen haben nach Kriegswirtschaft gerufen, und Jens Spahn hat sich hingestellt und hat Maske für Maske beschafft.

Zurufdes Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Er wurde beschimpft, dass es immer noch zu wenig seien, und er hat sich um alles und um jeden Einzelnen gekümmert.

Das Innenministerium hat gewarnt!

Die Krankenhäuser haben darauf gewartet, und er hat geliefert.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine sehr verehrten Damen und Herren, umso wichtiger ist es, dass wir heute objektiv aufarbeiten. Dafür ist eine Enquete-Kommission ein gutes Mittel.

Das stimmt nicht! Ein Untersuchungsausschuss muss her!

Denn wir können auch die Betroffenen dabei mitnehmen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Michael Kellner
Foto: Michael Kellner/ Nils Leon Brauer
5 Vermerkeca. 286 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Als wir vor ziemlich genau fünf Wochen hier diesen Antrag eingebracht haben, da haben Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von Union und SPD, ziemlich rumgeeiert, wie Sie sich dazu verhalten sollen. Dann war Ende Mai Präsident Selenskyj in Berlin. Er hat sich mit Friedrich Merz getroffen, und danach hat Friedrich Merz klargestellt, er sehe keine Zukunft für Nord Stream 2. Und ich war ihm dankbar für diese klare Aussage. Ich hätte sie mir schon früher von Olaf Scholz oder Angela Merkel gewünscht.

Jetzt hat die Europäische Union einen Vorschlag vorgelegt, wie Europa aus russischem Gas und Öl aussteigen kann. Damit dieser Vorschlag eine Mehrheit gewinnt, muss sich die Bundesregierung mit aller Kraft in Brüssel dafür einsetzen, dass dieser Zombiepipeline endlich das Gas abgedreht wird.

Zurufder Abg. Dr. Christina Baum [AfD]

Dafür können Sie, meine Damen und Herren von Union und SPD, noch heute einen echten Beitrag leisten. Sie können nämlich für den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen stimmen, um der Bundesregierung ein klares Signal nach Brüssel mitzugeben: Stoppen Sie Nord Stream 2!

Zurufdes Abg. Markus Frohnmaier [AfD]

Das, meine Damen und Herren von Union und SPD, wäre auch die richtige Konsequenz aus den Fehlern der Vergangenheit im Zusammenhang mit Nord Stream. Ziehen Sie Konsequenzen! Unterstützen Sie uns, lassen Sie uns das zu einer Stunde des Parlaments machen, und lassen Sie uns Nord Stream 2 beerdigen!

Herzlichen Dank fürs Zuhören.

Der nächste Redner in der Debatte: für die Unionsfraktion Dr. Klaus Wiener.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
2 Vermerkeca. 692 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Kellner, Sie haben es selbst gesagt – und wir können Sie da, glaube ich, beruhigen –: Nord Stream 2 hat keine Zukunft. Herr Merz hat es ja auch sehr deutlich gemacht.

Ich möchte eingehen auf die russischen Vermögen. Klar ist, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine zu unsäglichem menschlichem Leid geführt hat. Er hat auch Vermögenswerte in erheblichem Ausmaß zerstört. Straßen, Gebäude, Schulen, Krankenhäuser, Kraftwerke: Große Teile der zivilen Infrastruktur wurden und werden leider immer noch ganz gezielt zerstört. Es geht schlicht darum, die Menschen vor Ort mürbe zu machen.

Das barbarische Töten, die Vergewaltigungen, auch die Verschleppung von Kindern – für all das wird es niemals eine Wiedergutmachung geben können. Das kann kein Geld der Welt wieder aufwiegen. Für die zugefügten materiellen Schäden allerdings steht der Ukraine durchaus eine finanzielle Entschädigung zu, und es wird Aufgabe der internationalen Staatengemeinschaft sein, dafür zu sorgen, dass dies spätestens nach Ende des Krieges geschieht. Positiv ist, dass bereits heute Mittel aus eingefrorenen russischen Vermögen zur Verfügung gestellt werden. So fließen seit Juli letzten Jahres Erträge aus russischen Zentralbankanlagen in ein EU-Programm zur militärischen Unterstützung und zum Wiederaufbau der Ukraine. Immerhin 1,5 Milliarden Euro konnten da zuletzt ausgezahlt werden. Im Oktober 2024 – ich erinnere daran – stimmte das EU-Parlament einem Darlehen von bis zu 35 Milliarden Euro für die Ukraine zu, das durch zukünftige Einnahmen aus diesen eingefrorenen Anlagen zurückgezahlt werden soll.

Bei diesem Programm werden allerdings nur die Erträge aus den Vermögen zur Verfügung gestellt. Sehr viel schwieriger ist ein Zugriff auf das Kapital selbst. Das liegt – das wissen Sie auch – an völkerrechtlichen Hürden. Russische Zentralbankreserven sind durch internationalen Schutz abgesichert. Nicht weniger bedeutsam ist – das will ich hier auch noch mal in Erinnerung rufen –, dass mit einem deutschen Alleingang Gefahren für den Finanzplatz Deutschland verbunden wären. Würde zum Beispiel Euroclear – da liegt ja das Gros der Gelder, 210 Milliarden Euro – damit beginnen, Gelder aus diesem Vermögen auszuzahlen, könnte dies das Vertrauen in die Rechtssicherheit am Finanzplatz Europa gefährden.

Heißt das umgekehrt, dass wir zur Untätigkeit verdammt sind? Ich meine: Ganz sicher nicht. Klar ist, dass Russland den Krieg nicht gewinnen darf. Das haben wir als Union auch immer wieder gesagt an dieser Stelle. Und für die entstandenen Schäden muss natürlich Russland aufkommen. Ideal wäre, wenn es dazu ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs geben würde. Bis das allerdings so weit ist, könnte man russisches Vermögen zum Beispiel in höher rentierliche Anlagen transferieren. Das hätte zwei Vorteile: Das Geld würde hier in Europa produktiven Zwecken zugeführt und könnte zum Beispiel bei der Finanzierung von Start-ups helfen. Wir hätten auch eine höhere wirtschaftliche Dynamik in Deutschland, und das würde letztlich auch unserer Verteidigungsfähigkeit dienen.

Zudem wären mit Investitionen in Vermögenswerte wie Aktien, Venture Capital oder Private Equity höhere Auszahlungen an die Ukraine möglich, ohne dass das Kapital angetastet wird. Ich will nur mal ein Gefühl für die Größenordnung geben, über die wir hier reden: Aus den von mir genannten Anlagen sind im langjährigen Mittel rund 8 Prozent Rendite möglich. Bezogen auf das eingefrorene Vermögen – wir reden hier über 210 Milliarden Euro –, wären das 17 Milliarden Euro pro Jahr, also ein stattlicher Betrag, statt 2 bis 3 Milliarden Euro aktuell. Der Unterschied – das brauche ich nicht zu betonen – ist markant. Wenn es dann zu Anlagenverlusten käme – aus historischer Perspektive betrachtet, ist das extrem unwahrscheinlich –, könnte man dem entgegenhalten: Wenn es so wäre, dann müsste Russland halt damit leben.

Unter dem Strich will ich gerne sagen, dass ich durchaus Sympathie für den Antrag der Grünen hege, bezogen auf das russische Vermögen. Und ich sage auch deutlich noch einmal: Russland muss für die Schäden bezahlen. Ich sehe aber große Hürden, wenn es darum geht, russische Vermögenswerte einfach auszuzahlen. Wir brauchen hier Rechtssicherheit, und zwar nicht nur „bestenfalls“, wie das in Ihrem Antrag steht, sondern in jedem Fall. Diese Rechtssicherheit liegt bislang leider nicht vor, und deshalb lehnen wir diesen Antrag auch heute ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Johannes Schraps [SPD]

Der nächste Redner in der Debatte: für die AfD-Fraktion Markus Frohnmaier.

Beifallbei der AfD
Porträt von Markus Frohnmaier
Foto: Jana Schneider
16 Vermerkeca. 642 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Grünen beantragen heute ganz offen, eingefrorenes russisches Staatsvermögen, insgesamt 260 Milliarden Euro, an die Regierung Selenskyj zu übergeben. Ich wiederhole: 260 Milliarden Euro russisches Staatsvermögen sollen nicht etwa an Deutschland gehen; Bündnis 90/Die Grünen wollen diese 260 Milliarden Euro der Ukraine einfach schenken.

Werte Kollegen von den Grünen, Sie verwechseln den Deutschen Bundestag offenbar mit der ukrainischen Rada.

Und Sie verwechseln den Bundestag mit der Duma!

Sie vertreten hier keine deutschen Interessen, Sie sind die Partei der ukrainischen Interessen.

Beifallbei der AfD

Während in Deutschland Brücken saniert werden müssen, unsere Bundeswehr ertüchtigt werden muss und immer noch viel zu viele Rentner Flaschen sammeln, sehen Sie einen Haufen Geld, der Ihnen gar nicht gehört, und wollen dieses Geld einem ausländischen Staat geben.

Sie helfen Putin, die Brücken zu zerstören!

Eine moralische Pflicht nennen Sie das sogar in Ihrem Antrag. Werte Kollegen der Grünen, die moralische Pflicht eines deutschen Volksvertreters ist es, sich um das deutsche Volk zu kümmern und nicht um das ukrainische.

Beifallbei der AfD

Dieser moralischen Pflicht kommen Sie schon lange nicht mehr nach – im Gegenteil: Sie wollen jetzt sogar rechtsstaatliche Prinzipien über Bord werfen und russische Staatsvermögen einfach so in einer Nacht-und-Nebel-Aktion enteignen, völlig willkürlich, wie man sagen muss. Man stellt sich ja auch die Frage, warum Sie jetzt erst diesen Antrag bringen, und ich glaube, ich kenne die Antwort: Sie wollen damit die von Präsident Trump forcierte Friedensinitiative torpedieren.

Lachendes Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das ist Ihre grüne Politik. Wollen Sie, dass noch mehr junge ukrainische und russische Männer sterben? Wollen Sie, dass die 260 Milliarden Euro dafür eingesetzt werden, dass das Schlachten in Osteuropa weitergeht? Ist das Ihre grüne Moral?

Zurufdes Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich sage Ihnen mal was: Die 260 Milliarden Euro, die gehören nicht uns, die gehören nicht Ihnen. Es wäre Diebstahl, sie einfach einem anderen souveränen Staat wegzunehmen, mit dem wir – und das muss man Ihnen hier im Haus gegenüber immer wieder mal betonen – gar nicht im Krieg sind.

Beifallbei der AfD

Die Alternative für Deutschland ist gegen Diebstahl. Wir sind gegen Diebstahl, auch wenn er grün angestrichen ist. Aber nehmen wir einen Moment mal an, dass es kein Diebstahl wäre. Was würden wir mit den 260 Milliarden Euro machen? Ich sage Ihnen, was wir als AfD damit machen würden: Wir würden dieses Geld nehmen und Nord Stream reparieren,

Beifallbei der AfD

damit Deutschland und unsere Wirtschaft wieder günstige Energie bekommen kann, damit wir uns nicht einseitig in Abhängigkeit von einigen wenigen Flüssiggasproduzenten begeben.

Sie verraten unser Land!

Und nicht zuletzt – das ist für einen souveränen Staat vielleicht am wichtigsten; jetzt müssen die Grünen mal zuhören, damit sie das auch verstehen –:

Sie verraten unser Land!

Wir würden dieses Geld nehmen, wenn wir frei darüber verfügen könnten, und Nord Stream damit wieder aufbauen

Aber Sie haben doch gesagt, das gehört den Russen!

– nicht mal zuhören können Sie von den Grünen –,

Widerspruchbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich bin nicht von den Grünen!

weil – das will ich Ihnen deutlich sagen – es für einen Staat wie Deutschland wichtig ist, dass dieser Akt des Terrorismus gegen unsere eigene Infrastruktur aufgeklärt wird,

Die gehört Gazprom, die Infrastruktur! Sie haben noch nicht mal Ahnung, wem sie gehört!

nicht geduldet wird und dass wir Nord Stream wieder in Betrieb nehmen.

Beifallbei der AfD

Unfassbar schäbig!

Der nächste Redner in der Debatte ist für die SPD-Fraktion Dr. Stegner.

Beifallbei der SPD
Porträt von Ralf Stegner
Foto: Photothek Media Lab.
5 Vermerkeca. 565 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wem Sie verpflichtet sind, dann war es die Rede, die wir gerade eben gehört haben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]
Zurufevon der AfD: Oh!

Das ist so. Ansonsten lohnt sich zu Nord Stream kein Satz. Nord Stream ist tot.

Waren Sie wieder in Baku? Wie geht es den Freunden in Aserbaidschan?

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Ich würde aber gerne zu dem Antrag der Grünen reden, nach dem die eingefrorenen russischen Staatsvermögen für den Wiederaufbau der Ukraine zur Verfügung gestellt werden sollten. Der Antrag geht in die richtige Richtung. Ich war im August 2024 in der Ukraine,

in der bombardierten Kinderklinik in Kyjiw, in Jahidne, in der Rehaklinik in Lwiw, wo ukrainische Soldaten ohne Arme, Beine oder Augenlicht um ihr Leben kämpfen. Wer solche Kriegsverbrechen begeht, muss damit rechnen, dass sein Vermögen beschlagnahmt wird.

Der Volksmund sagt: Beim Geld hört die Moral auf. – Es ist doch eine unerträgliche Doppelmoral, wenn wir weltweit militärisch aufrüsten, Milliarden für Rüstung ausgeben und dann Milliarden brauchen, um Aleppo, Gaza oder die Ukraine wieder aufzubauen – Milliarden, die wir so nötig hätten für Entwicklungszusammenarbeit, für humanitäre Hilfe, für den Kampf gegen Armut, Bürgerkriege oder Umweltzerstörung. Und dann fragt man sich: Was ist eigentlich mit den 210 Milliarden Euro eingefrorenen russischen Vermögens? „Finger weg!“, rufen die Bedenkenträger. „Höchstens Kapitalerträge nehmen! Das andere schadet dem Finanzplatz Europa und ist schlecht für die Bankbilanzen.“

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sicherheit in Europa erreichen wir langfristig durch die kluge Verbindung von Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit, von Rüstungskontrolle und diplomatischen Anstrengungen. Wir müssen und werden die Ukraine weiter unterstützen. Gleichzeitig aber müssen wir alle Wege nutzen, um das Sterben zu beenden. Dazu gehört für mich auch, dass der Aggressor unmittelbar finanziell für das haftet, was er anrichtet. Vielleicht fehlen dann ein paar zahlungskräftige Gäste in München, Baden-Baden oder Saint-Tropez. Aber das trifft doch die reichen Unterstützer Putins. Und trifft es damit nicht genau die Richtigen?

Noch mal: Wenn die künftige Regelung lauten würde: „Wer in Europa einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg beginnt und Kriegsverbrechen begeht, der verliert sein Geld“, dann kann man das doch eigentlich nur gutheißen. Der Finanzplatz Europa wird das aushalten, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Liebe Grüne, Sie wissen selber – Sie haben bis vor Kurzem der Bundesregierung angehört und die Außenministerin gestellt –: Mit einem Regierungsantrag ist das nicht so einfach. Wir werden Ihren Antrag überweisen. Aber ich finde, wenn von dieser Debatte das Signal ausgehen könnte, dass die Politik in Deutschland der Beschlagnahme russischer Vermögen offen gegenübersteht, wenn das vom Bundeskanzler und von Außenminister Wadephul nach Brüssel und Washington mitgenommen würde, dann wäre das gut. Denn die Ukraine braucht diese Mittel dringend. Die Weltbank schätzt die Kriegsschäden auf über 500 Milliarden Euro. Das ist das Dreifache des Volumens des Marshallplans.

Die hasenfüßige Politik muss ein Ende haben. Russlands Vermögen muss der Ukraine beim Wiederaufbau helfen. Russland muss für seine Verbrechen haften. Das ist nicht nur rechtlich vertretbar, das ist moralisch geboten. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir sollten solche Wege finden.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Der nächste Redner in der Debatte: für die Fraktion Die Linke Jörg Cezanne.

Beifallbei der Linken
Porträt von Jörg Cezanne
Foto: Jörg Cezanne / Maik Brückner
5 Vermerkeca. 452 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nur um es noch mal sehr grundsätzlich zu sagen: Die entscheidende Aufgabe in der derzeit stattfindenden Energiewende bleibt es, den Ausbau der Erneuerbaren konsequent fortzusetzen, Solaranlagen, Windräder und Batteriespeicher auszubauen. Das ist die Lehre aus der Vergangenheit.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Da haben Sie recht!

Deutschland hätte bereits zu Zeiten der Entscheidung für den Bau von Nord Stream oder – noch etwas früher – für die Übertragung der Gasspeicher an die deutsche Gazprom-Tochter in einer besseren Situation, nämlich weniger abhängig, sein können, wenn konsequent auf den Ausbau der Erneuerbaren gesetzt worden wäre. Deshalb: Nord Stream 2 braucht niemand mehr.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und das lohnt sich auch: Der planmäßige Ausbau der Erneuerbaren wird den Börsenstrompreis bis 2030 um bis zu 23 Prozent senken, so eine aktuelle Studie. Die Bündelung des Netzausbaus in einem öffentlichen Unternehmen würde zu einer deutlichen Preissenkung führen. Die derzeitigen Übertragungsnetzbetreiber sind noch nicht mal natürlich entstandene, sondern politisch geschaffene Monopolisten. Sie erhalten für den Netzausbau in Absprache mit der Bundesnetzagentur Renditen für ihre Investitionen garantiert, und diese liegen um mindestens das Doppelte über den Zinsen, die ein staatliches Unternehmen aufwenden müsste. Sinnloser kann man Verbrauchergeld nicht verschleudern. Das müssen wir ändern.

Beifallbei der Linken

Die Senkung der Stromsteuer und auch die Streichung der Mehrwertsteuer für Heiz- und Kraftstoffe würden zu einer erheblichen Entlastung für alle Menschen führen. So könnte der Strompreis für alle, für Privathaushalte, den Handel, Dienstleistungen und das Handwerk, gesenkt werden.

Meine Damen und Herren, für den Umgang mit dem in der EU eingefrorenen Staatsvermögen Russlands wurden verschiedene Optionen diskutiert. Sie sollten etwa für fünf Jahre eingefroren bleiben, wobei eine jährliche Überprüfung stattfindet. Sie könnten dann freigegeben werden, wenn festgelegte Kriterien wie das Ende des Krieges oder vereinbarte Entschädigungszahlungen erfüllt wären. Auch wurde vorgeschlagen – und so wird jetzt verfahren –, die Zentralbankreserven der russischen Zentralbank selbst unangetastet zu lassen. Stattdessen könnten aber die daraus erwirtschafteten Zinsen an die Ukraine weitergegeben werden. – So weit, so gut.

Es ist offensichtlich, dass Russland für den durch seinen Angriffskrieg in der Ukraine verursachten Schaden zur Rechenschaft gezogen werden muss. Im Hinblick auf solche Entschädigungsleistungen nach Angriffskriegen gibt es historische Vorbilder und Erfahrungen, die mit dem Völkerrecht vereinbar sind. Eine solche Regelung sollte aber nicht einseitig von Deutschland, der EU oder den G7 verhängt werden. Sie sollte Bestandteil eines international anerkannten Friedensvertrages sein oder auf Grundlage einer Rechtsprechung, zum Beispiel des Internationalen Gerichtshofes, getroffen werden.

Beifallbei der Linken

Der nächste Redner in der Debatte ist Lars Rohwer für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Lars Rohwer
Foto: Lars Rohwer/ BLEND3/Frank Grätz
7 Vermerkeca. 646 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Ukraine kämpft um ihre Freiheit, sie kämpft aber auch für unsere Sicherheit, und sie benötigt dabei unsere Unterstützung – politisch, militärisch, wirtschaftlich. An dieser Stelle wird viel getan, auch weil wir wissen, was ein Sieg Putins für Europa bedeuten würde. Die Sicherstellung der Verteidigungsfähigkeit unseres Landes und der Ukraine sind keine Option, sondern eine Pflicht. Und dafür gilt: Was nötig ist, wird getan.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber diese Unterstützung braucht Standfestigkeit, und die lassen Sie, liebe Grüne, in Ihrem Antrag vermissen. Sie fordern nun die vollständige Abschöpfung des eingefrorenen russischen Staatsvermögens. Vor wenigen Monaten haben Sie selbst völkerrechtliche Bedenken geltend gemacht. Ich zitiere: „Die Russische Föderation genießt, […] Immunität nach Maßgabe des Völkergewohnheitsrechts, […]“,

Zurufvon der CDU/CSU: Aha!

hieß es noch im September 2024 in einer Antwort auf unsere Kleine Anfrage aus Ihrer Regierungszeit in dieser Causa. Und heute? Gibt es davon keine Spur mehr. Stattdessen: ein Antrag, der die Grenzen und Fragen des Völkerrechts nicht klärt, sondern schlicht ignoriert. Das ist nicht verantwortungsvolle Außenpolitik, das ist innenpolitischer Aktionismus auf Kosten internationaler Verlässlichkeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit Ihrem Antrag lenken Sie von der Tatsache ab, dass es längst Gespräche zur Nutzung eingefrorener Vermögen gibt. Wir verschließen uns der Idee nicht, sondern prüfen sie mit der notwendigen Sorgfalt. Die Übertragung des eingefrorenen russischen Vermögens an die Ukraine ist denkbar, wenn sie mit dem Völkerrecht vereinbar ist und die Risiken tragbar sind. So haben wir es angekündigt, und so setzen wir es um.

Es geht also um Verlässlichkeit, die Sie mit Ihrer inhaltlichen Kehrtwende vermissen lassen. Aber nur mit Vertrauen in unseren Rechtsstaat, unsere Währung und unsere Bündnisse sind wir handlungsfähig. Nur im Zusammenspiel mit unseren Partnern können wir die Ukraine geschlossen stärken; die notwendigen Schritte hierfür sind längst eingeleitet. Dafür feilen wir an Sanktionspaketen. Auch die Slowakei äußert sich mittlerweile unterstützend zu einem 18. EU-Sanktionspaket. Diesen Schritt begrüßen wir ausdrücklich.

Darüber hinaus reduzieren wir sukzessive die Abhängigkeit von russischen Energieimporten, sanktionieren die russische Schattenflotte und helfen unseren ukrainischen Partnern hinsichtlich deren Verteidigungsfähigkeit.

Sie sprechen in dem zur namentlichen Abstimmung gestellten Antrag von Energiesouveränität, vom Ende russischer Abhängigkeiten – gut so. Aber auch hier entscheidet nicht der Alarmton, sondern der Anschluss an das Machbare. Wir halten uns an den REPower-EU-Fahrplan, wir beenden russische Öl- und Gasimporte bis spätestens 2027 – nicht mit Schlagzeilen, sondern mit Speicherstrategien, Netzausbau und marktdienlicher Planung.

Denn was ein nicht abgestimmter Zubau anrichten kann, zeigt ein Blick auf den Strommarkt. Im Mai dieses Jahres lag der Strompreis in fast jeder fünften Stunde im negativen Bereich. Das ist, als würde in jeder fünften Stunde eine Autowerkstatt das fertigmontierte Auto in die Schrottpresse rollen.

Nein! Reparieren!

Lassen Sie mich zusammenfassen. Von der Nichteinmischung in seine Eigentumsrechte darf nur profitieren, wer sich an das Völkerrecht hält. Mit seinem seit 1 217 Tagen andauernden Angriffskrieg bricht Wladimir Putins Regime Tag für Tag dieses Völkerrecht. Rechtssicher und in Abstimmung mit unseren Partnern müssen wir dem unermesslichen Leid in der Ukraine ein Ende bereiten.

Die Bemühungen unserer Bundesregierung zum Herstellen eines Friedens in Menschenwürde in der Ukraine sind offensichtlich. Friedrich Merz mit seiner Regierung ist hier jeden Tag unterwegs. In der Verteidigung vor Ort und auch am Verhandlungstisch braucht es dafür schnell eine starke Position, aus der heraus die Ukraine verhandeln kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Auch wir als ihr Partner benötigen eine Position der Stärke. Die russischen Vermögenswerte, eine stabile Währung, eine solide Finanzlage sind Trümpfe, die wir in der Hand halten sollten. Um ernsthaft und nachhaltig zu helfen, müssen wir geschlossen handeln. Zum Scheitern verurteilte Einzelvorstöße sind dabei nicht hilfreich. Ihre Anträge können wir deswegen nicht unterstützen.

Slava Ukraini und Glück auf!

Beifallbei der CDU/CSU

Der nächste Redner in der Debatte: für die AfD-Fraktion Marc Bernhard.

Beifallbei der AfD
Porträt von Marc Bernhard
Foto: Marc Bernhard
10 Vermerkeca. 497 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sie wollen bis zu 40 neue Gaskraftwerke bauen, 20 Gigawatt Leistung, genug Strom für 30 Millionen Menschen. Dafür werden enorme Mengen Gas benötigt, ohne dass Sie überhaupt wissen, wo Sie das Gas herbekommen sollen.

Gleichzeitig verlassen Unternehmen und damit Arbeitsplätze massenhaft unser Land, weil wir die höchsten Energiepreise der Welt haben. Und viele Menschen trauen sich im Winter nicht mehr, die Heizung aufzudrehen, weil sie sich die Heizkosten nicht mehr leisten können. All das ist das Ergebnis Ihrer weltdümmsten Energiepolitik.

Beifallbei der AfD

Und in so einer Situation, in der Gas ohnehin knapp und für viele Menschen unbezahlbar ist, wollen Sie Nord Stream 2 für immer schließen.

Wollen Sie uns wieder abhängig machen von Russland? Von Putin abhängig machen?

Ernsthaft? Was für ein Wahnsinn!

Woher soll denn das ganze Gas kommen? Und vor allem: Wer soll dieses Gas denn noch bezahlen können? Das Einzige, was ich von Ihnen allen hier bisher gehört habe, ist dreckiges Fracking-Gas aus den USA,

Zurufdes Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

das zigmal teurer ist als Pipelinegas und mit unzähligen schmutzigen Schweröltankern 7 000 Kilometer über den Atlantik transportiert werden muss. Das ist weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]

Das Konzept Ihrer Energiewende war und ist, alle Kern- und Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke zu ersetzen

und im Übrigen Deutschland von Zufallsenergien wie Wind und Sonne abhängig zu machen.

In so einer Situation, in der Sie unser Land völlig abhängig gemacht haben von Gaslieferungen, völlig alternativlos, lassen Sie sich einen der wichtigsten Bausteine der deutschen Energieversorgung durch einen staatsterroristischen Anschlag einfach vor der Nase wegsprengen und haben in den drei Jahren – vor allem Sie von den Grünen – wirklich keine, keine einzige Anstrengung unternommen, um diesen Terroranschlag auch nur ansatzweise aufzuklären und die Schuldigen zu finden.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der Treppenwitz dieses ganzen Desasters ist, dass nun womöglich ausgerechnet amerikanische Unternehmen Nord Stream 2 wieder in Betrieb nehmen wollen, während die Bundesregierung die Pipeline für immer unbrauchbar machen will. Damit gefährden Sie unsere Energiesicherheit und treiben die Energiepreise immer weiter in die Höhe.

Beifallbei der AfD

Sie sorgen also aktiv dafür, dass die Inflation weiter steigt und sich immer mehr Menschen die steigenden Energiepreise nicht mehr leisten können, sich Fahren, Heizen, Kochen vom Mund absparen müssen und immer mehr Unternehmen Deutschland verlassen, um überhaupt überleben zu können. Schluss mit diesem Wahnsinn!

Beifallbei der AfD

Eine AfD-Regierung wird Nord Stream 2 sofort wieder in Betrieb nehmen, die Deindustrialisierung stoppen und die Bürger in Deutschland im Gegensatz zu Ihnen massiv entlasten.

Beifallbei der AfD

Wovon träumen Sie nachts?

Der nächste Redner in der Debatte: für die SPD-Fraktion Johannes Schraps.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Johannes Schraps
Foto: Photothek Media Lab
3 Vermerkeca. 544 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Verehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bringt weiter unermessliches Leid über das Land und über seine Menschen. Zerstörte Städte, getötete Zivilistinnen und Zivilisten, traumatisierte Kinder – dieses Leid ist eigentlich kaum wiedergutzumachen, und es lässt sich, ehrlich gesagt, auch nur ganz schwer in Zahlen fassen.

Deshalb will ich zum Ende dieser Debatte, die manchmal ein bisschen aufgeladen war, noch mal ganz klar festhalten: Russland muss als Aggressor für seinen Angriffskrieg zur Verantwortung gezogen werden, und zwar politisch, völkerstrafrechtlich und finanziell, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Die Kriegsverbrechen des russischen Regimes werden irgendwann vor Gericht kommen, und ein zentraler Bestandteil eines rechtlichen Aufarbeitungsprozesses wird dann auch die Frage einer finanziellen Wiedergutmachung sein.

Ralf Stegner hat gerade den Bedarf von über 500 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau benannt, den die Weltbank gerade in ihrem neuen Gutachten beziffert hat. Das ist eine gewaltige Summe, die wir uns auch bei unseren Finanzpaketen ja kaum vorstellen können, und die knapp 300 Milliarden US-Dollar an eingefrorenen russischen Zentralbankreserven wären natürlich an dieser Stelle hilfreich.

Während das Einfrieren dieser Vermögenswerte nach dem Einmarsch im Februar 2022 politisch relativ schnell umgesetzt wurde, gab es zu der Frage ihrer weiteren Verwendung seither aber viele verschiedene rechtliche und ökonomische Bedenken, mit denen wir uns, finde ich, auch auseinandersetzen müssen. So ist der Beschluss für die Nutzung der sogenannten Windfallprofits, die gerade angesprochen wurden, ja auch erst im vergangenen Jahr zustande gekommen, und die Erträge daraus sind mit jährlich knapp 3 Milliarden US-Dollar tatsächlich im Vergleich relativ gering.

Deshalb habe ich in der letzten Regierungsbefragung – das haben Sie sicherlich auch mitverfolgt – unseren neuen Außenminister auch danach befragt, ob er sich eine weiter gehende Nutzung dieser Vermögenswerte vorstellen kann. Da werden Sie auch in seiner Antwort wahrgenommen haben, dass er keinesfalls eine ablehnende Haltung transportiert, sondern ganz klar gesagt hat, dass die Bundesregierung prüft, welche weiter gehenden Optionen es gibt. Insofern finde ich es sehr zu begrüßen, dass unser neuer Außenminister diese Thematik ganz klar auf dem Schirm hat, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Doch es ist auch klar: Das macht keine deutsche Bundesregierung allein. Wir können das nur abgestimmt mit EU- und G7-Partnern machen; denn – das ist eben vom Kollegen Rohwer genannt worden – das Völkergewohnheitsrecht garantiert staatliche Immunität, und es schützt eben auch staatlich genutztes hoheitliches Vermögen vor dem Zugriff anderer Staaten. Wir müssen sehr darauf achten, dass wir etwaige Präzedenzfälle an dieser Stelle vermeiden, die möglicherweise an anderer Stelle auch auf uns zurückfallen könnten.

Deshalb muss die Nutzung solcher Vermögenswerte rechtlich einwandfrei umgesetzt werden, damit wir eben nicht selbst zur weiteren Erosion unserer regelbasierten Ordnung beitragen.

Diese Klärung, finde ich, muss aber schnell gehen. Deshalb ist der Mehrwert dieses Antrags, dass wir uns mit dieser Thematik beschäftigen, sie hier diskutieren und, so hoffe ich, auch die Thematik vorantreiben; denn die Debatte über weiter gehende Maßnahmen ist absolut legitim, und sie ist notwendig. Die Ukraine verdient unsere Solidarität, verehrte Kolleginnen und Kollegen, und sie verdient gleichermaßen rechtlich tragfähige, verlässliche und langfristige Lösungen.

Vielen Dank fürs Zuhören.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Den Schluss in der Debatte macht für Bündnis 90/Die Grünen Robin Wagener.

Porträt von Robin Wagener
Foto: Robin Wagener/ Dominik Butzmann
5 Vermerkeca. 433 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Make Russia pay! Das meine ich überhaupt nicht im übertragenen Sinne, sondern ganz wörtlich: Russland muss bezahlen. Jeden Tag führt Russland seinen völkerrechtswidrigen Vernichtungskrieg mit Angriffen auf zivile Infrastruktur, auf Krankenhäuser, auf Schulen, auf Energieversorgung, auf Wasserversorgung. Putin zerstört, und andere müssen zahlen. Das ist nicht hinzunehmen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Der Kreml finanziert seine Kriege übrigens auch aus Mitteln – das betrifft auch Geld, das hier liegt – aus der früheren deutschen Gasabhängigkeit, in die die schwarz-rote Energiepolitik der Vergangenheit uns gebracht hat und aus der uns Robert Habeck in der letzten Wahlperiode mit viel Anstrengung herausgebracht hat. Vielen Dank noch mal dafür.

Ich erinnere an Herrn Trittin!

Und was machen wir in Bezug auf dieses Geld, mit dem Russland mordet? Wir frieren das bei uns liegende russische Staatsvermögen einfach nur ein, um es bei „zurück zur Normalität“ vielleicht wieder freizugeben und auszuschütten? Und wofür? Für den nächsten Krieg, für die nächste Zerstörung? Wir alle kennen ja die russischen Vorstellungen, wir kennen die wörtlichen Zitate von Wladimir Putin.

Make Russia pay! Das darf kein leerer Spruch bleiben. Es ist jetzt Zeit, das eingefrorene russische Vermögen völkerrechtskonform vollständig für die Ukraine zu nutzen.

Und ja, wir alle wollen Frieden, Freiheit und Sicherheit, und das eint uns, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union. Aber wer das will, der muss auch handeln und darf nicht nur markige Sprüche klopfen. Ich habe eine ganze Liste von Sprüchen – von Friedrich Merz, von Jens Spahn, von Jürgen Hardt, von Thorsten Frei, von Norbert Röttgen; ich könnte die Liste fortsetzen –, und nicht aus der fernen Vergangenheit, aus Oppositionszeiten, sondern aus Mai, die Frozen Assets vollständig zu nutzen. Was ist passiert? Nichts.

Wenn Sie, Herr Kollege Rohwer, jetzt darauf verweisen, dass unser Antrag –

Herr Kollege, Sie müssen zum Schluss kommen.

Rednerwechsel

– ja, ich komme zum Schluss – gefährliche Außenpolitik ist – ich schicke Ihnen die Zitate mal zu –, dann ist das eine seltsame Aussage über den Kanzler aus Ihren Reihen und erklärt vielleicht die fehlenden Stimmen.

Das war ja die Antwort Ihrer eigenen Regierung! Waren Sie Teil dieser Regierung?

Nein, jetzt ist die Stunde, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt muss gehandelt werden; denn jetzt stehen die Entscheidungen beim Europäischen Rat an. Das wissen Sie ganz genau.

Vielen Dank.

Porträt von Ellen Demuth
Foto: Ellen Demuth / Hanna Witte
5 Vermerkeca. 474 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir beraten heute in zweiter und dritter Lesung über die erneute Verlängerung des Bundeswehreinsatzes im Rahmen der EU-Mission EUFOR Althea in Bosnien und Herzegowina. Bevor ich inhaltlich einsteige, möchte ich Ihnen zurufen: Ich werbe nachdrücklich für diese Verlängerung; denn dieser Einsatz ist nicht nur sinnvoll, er ist auch sicherheitspolitisch geboten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine Damen und Herren, Bosnien und Herzegowina steht trotz jahrelanger internationaler Unterstützung weiterhin auf wackeligen Beinen. Die Region ist politisch instabil, nationalistische Rhetorik nimmt zu, und die Abspaltungsbestrebungen der Republik Srpska unter Dodik gefährden den inneren Frieden des Landes.

Besonders alarmierend ist jedoch die zunehmende Einflussnahme Russlands. Russland unterstützt gezielt separatistische Kräfte, und zwar politisch, propagandistisch und strategisch. Das Ziel Russlands ist klar: Destabilisierung, die Spaltung Europas und die Blockade westlicher Integration.

Meine Damen und Herren, machen wir uns nichts vor: Russische Desinformationskampagnen, Einfluss auf lokale Eliten und gezielte Destabilisierungsversuche sind Realität – auch in Bosnien und Herzegowina. Der Kreml testet systematisch die Stabilität Europas, nicht nur an der Ostflanke, sondern auch im Südosten. Unsere Antwort darauf muss klar sein: Europa steht zusammen, und Europa übernimmt Verantwortung füreinander.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Genau das leistet EUFOR Althea – ein sichtbares Zeichen für Frieden, für Stabilität und eine europäische Perspektive des Balkans. Die Mission zur Unterstützung des Dayton-Abkommens sendet ein klares Signal: Wir überlassen diese Region eben nicht autoritären Mächten oder nationalistischer Zersetzung. Für uns als CDU/CSU ist klar: Der Westbalkan ist europäischer Kernraum. Die Menschen dort brauchen eine klare europäische Perspektive. Und wir stehen zu unserer Verantwortung im Rahmen der europäischen Sicherheitsarchitektur.

Unser Beitrag mit bis zu 50 Soldatinnen und Soldaten ist klein in Zahlen, aber groß in Bedeutung. Deshalb, meine Damen und Herren, möchte ich an dieser Stelle für die CDU/CSU auch ganz bewusst sagen: Unser Dank gilt den Soldatinnen und Soldaten, die sich, oft fern ihrer Familien, seit vielen Jahren mit Professionalität und Engagement im Einsatz für Frieden und Stabilität in Bosnien und Herzegowina einsetzen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, ich fasse zusammen: Die Verlängerung dieses Mandats ist ein klarer Beitrag gegen Destabilisierung und Desinformation, ein Beitrag zur Sicherheit Europas und Ausdruck unseres europäischen Zusammenhalts. Ich bitte daher um Ihre Zustimmung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich darf die Kolleginnen und Kollegen in den hinteren Reihen bitten, sich entweder zu setzen oder den Sitzungssaal zu verlassen und die Gespräche draußen fortzusetzen.

Damit kommen wir zum nächsten Redner in der Debatte. Für die AfD-Fraktion ist das Dr. Daniel Zerbin. Für ihn ist es die erste Rede.

Beifallbei der AfD
Porträt von Daniel Zerbin
Foto: Dr. Daniel Zerbin/ Christian Grimmelt
6 Vermerkeca. 502 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Bürger! Stellen Sie sich vor: Es ist Krieg, Bürgerkrieg. Sie suchen mit Ihrer Familie Zuflucht in einem Lager, das von UN-Soldaten beschützt wird. Der Schutz ist aber nicht wirksam, weil niemand den Mut hat, sich für Sie einzusetzen und Sie zu verteidigen. Die Männer und ihre halberwachsenen Söhne werden daher von der restlichen Familie getrennt und gehen in den sicheren Tod. Ihre geschändeten Leichen werden anschließend in Massengräbern achtlos verscharrt. – Eine Fiktion aus düsterer Zeit? Leider nein, sondern grausame Wirklichkeit in den 1990er-Jahren, ein Völkermord vor laufenden Kameras der Weltöffentlichkeit.

Der Völkermord von Srebrenica in Bosnien-Herzegowina im Juli 1995 ist jetzt genau 30 Jahre her, und es war richtig, mit militärischen Missionen wie SFOR und EUFOR auf dem Balkan zu intervenieren. Was ist aber daraus gelernt worden? Was hat sich in all den Jahren positiv verändert? Leider nichts. Aufbau von nachhaltigen staatlichen Strukturen? Fehlanzeige! Der Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt, wird von allen Seiten kritisiert und eher wie eine traurige Gestalt gesehen. Serben, Kroaten und Bosniaken stehen sich weiter hasserfüllt gegenüber; der Balkan bleibt weiter Pulverfass Europas.

In Bosnien wie auf dem gesamten Balkan herrschen seit Jahrhunderten Gewalt und Hass, verursacht durch Vermischung unterschiedlicher Ethnien mit unterschiedlichen Religionen. Die selbsternannten Demokraten hier, die seit Jahrzehnten die Verantwortung für unser Land tragen, eifern diesem Beispiel sogar noch nach und balkanisieren Deutschland, unsere Heimat, und das ist schändlich.

Beifallbei der AfD

Seit zehn Jahren öffnen Sie alle Scheunentore und fluten unsere Heimat mit gewaltbereiten Kulturen.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Was erzählen Sie denn da?

Doch zurück zum Antrag der Bundesregierung. Jetzt soll in dieses Bosnien-Fass ohne Boden für ein weiteres Jahr Mensch und Material fließen: weiterhin Gefahr für 50 unserer deutschen Soldaten und mehr als 11 Millionen Euro Kosten. Das ist sinnlos, und das sage ich Ihnen als einsatzerfahrener Offizier. Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und Zahlmeister für Europa soll es wieder richten,

Totaler Blödsinn! Völlig an der Realität vorbei!

obwohl Italiener und Franzosen mehr persönliches Vermögen haben als Deutsche. Dolce Vita am Mittelmeer statt Flaschensammeln in Wanne-Eickel – das ist die Realität, meine Damen und Herren. Und an dieser Stelle sage ich Ihnen in aller Deutlichkeit: Auch wir Deutschen haben ein Recht auf Sicherheit. Auch wir Deutschen haben ein Recht auf Wohlstand. Und, ja, wir Deutschen haben auch ein Recht auf Identität.

Beifallbei der AfD

Fassen wir zusammen – nüchterne Bilanz nach drei Jahrzehnten Auslandseinsatz auf dem Balkan –: Wir haben mit unseren Möglichkeiten nahezu nichts erreicht, viel Geld ausgegeben und Soldatenleben gefährdet. Das ist bitter angesichts des Dramas von Srebrenica; aber es ist die Wahrheit, und das muss auch so klar gesagt werden. Eine Fortsetzung des Einsatzes ist daher sinnlos. Deswegen müssen wir damit Schluss machen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Als Nächstes hat das Wort für die SPD-Fraktion der Abgeordnete Macit Karaahmetoğlu.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Macit Karaahmetoğlu
Foto: Macit Karaahmetoglu / Lennart Knab
4 Vermerkeca. 429 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat unser Sicherheitsgefühl massiv verändert. Das, was seit mehr als drei Jahren in der Ukraine stattfindet, ist ein einzigartiger Vorgang in der europäischen Nachkriegsgeschichte.

Was wir aber angesichts dieser historischen Bedrohung oft vergessen: Frieden in Europa war auch in der Nachkriegszeit nicht immer gegeben und ist heute kein Selbstläufer. In den 1990ern hatten wir nach dem Zerfall Jugoslawiens schreckliche Kriege, in denen über 200 000 Menschen getötet, Millionen verletzt und vertrieben wurden. Einer der verheerendsten Konflikte damals, der Bosnienkrieg, endete mit dem Daytoner Friedensabkommen von 1995. Die EU-Mission EUFOR Althea, an der sich auch die Bundeswehr beteiligt, sichert bis heute dort den Frieden.

Was den Krieg von vor über 30 Jahren in Jugoslawien und den Krieg Russlands gegen die Ukraine verbindet, ist die Grausamkeit von Kriegstreibern, die ihre Wahnvorstellung von Expansions- und Gebietsansprüchen ethnisch und historisch begründen, skrupellose Kriegsverbrecher, die das Leben von Hunderttausenden von Menschen ihren Wahnvorstellungen opfern.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

In diesem Kontext sind zwei Feststellungen von Bedeutung.

Erstens. Verbrechen darf sich nicht lohnen. Die Haupttäter von Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien, Slobodan Milošević und Radovan Karadžić, mussten sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag verantworten. Die entscheidende Botschaft damals war: Zwischen den Völkern gilt nicht das Gesetz des Dschungels, sondern das Recht der zivilisierten Welt, in der Mörder für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für alle Konflikte unserer Welt gilt: Nur wenn wir es schaffen, das Recht der zivilisierten Welt auch zwischen Völkern durchzusetzen, und zwar unabhängig davon, welcher Nation Kriegsverbrecher angehören, nur dann werden wir dauerhaft Frieden in Europa und in der Welt erreichen. Wer versucht, Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben, um sich ihr Gebiet anzueignen, wer Kinder, Frauen, Zivilisten tötet, um diese Ziele zu erreichen, muss als das genannt und auch behandelt werden, was er ist, nämlich ein Mörder und Verbrecher.

Und zweitens. Europa steht für Frieden und Stabilität, womit ich noch einmal beim vorliegenden Antrag wäre. Würde man dieses Mandat beenden, käme es dem Ende der Stabilität in Bosnien und Herzegowina gleich. Neue Kämpfe und Verbrechen könnten in Windeseile wieder aufflammen. Deshalb werbe ich für Ihrer aller Zustimmung.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht nun der Abgeordnete Boris Mijatović.

Porträt von Boris Mijatović
Foto: Boris Mijatović/ Rafael Michel
6 Vermerkeca. 665 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter Otte! Sehr geehrter Herr Botschafter, lieber Damir Arnaut! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am 11. Juli jährt sich der Völkermord von Srebrenica zum 30. Mal. Innerhalb weniger Tage fielen 1995 mindestens 8 000 muslimische Bosniaken dem Massaker zum Opfer. Mindestens 8 000 Menschen, überwiegend Jungen und Männer, wurden gezielt und grausam ermordet, die Leichen in Massengräbern verscharrt, um die Spuren dieses grausamen Verbrechens zu verdecken. Es gilt, dieses Völkermords zu gedenken und den Angehörigen und Opfern unser tiefstes Mitgefühl auszudrücken.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Aussöhnung beginnt mit dem Feststellen von Ereignissen, setzt auf juristische Verfahren zur Bewertung, auch um Hass und Vorurteile zu durchbrechen, um für nächste Generationen den Boden eines gedeihlichen Miteinanders zu bereiten. Vor allem braucht Aussöhnung die gesellschaftliche Aufarbeitung und eine aktive Erinnerungspolitik. Deswegen, meine Damen und Herren, ist es wichtig, dass wir diesen Jahrestag gemeinsam begehen, in Gedenken an Srebrenica und die Ereignisse von 1995.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ellen Demuth [CDU/CSU] und Macit Karaahmetoğlu [SPD]

Unser Auftrag im Rahmen dieses Mandats ist es, den Frieden in Bosnien und Herzegowina zu sichern, und dafür, meine Damen und Herren, ist der Einsatz unabdingbar. Wenn Sie sich die extremen Beiträge einzelner politischer Akteure anschauen, können Sie erahnen, wie viel Hass immer noch vorhanden ist und wie viel gesellschaftliche Aussöhnung offenbleibt.

Ich begrüße zunächst im Namen meiner Fraktion den Einsatz selbst. Dass wir uns dort seit 2022 wieder beteiligen, ist ein wichtiges Signal und für den Friedenserhalt von unglaublich großer Bedeutung. Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei allen Soldatinnen und Soldaten bedanken, die im Einsatz sind. Das ist Großes, was Sie dort für unser Land leisten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD

Meine Damen und Herren, dieser Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn Sie sich anschauen, dass verurteilte Kriegsverbrecher dieser Tage aus der Haft entlassen werden und in Bosnien und Herzegowina frei öffentlich auftreten, ja sogar politische Ämter anstreben, dann ist das ein Problem. Sie leugnen nicht, sie bereuen nicht; sie machen es zum Gegenstand des Alltags. Auch in der Republika Srpska treibt Milorad Dodik die Spaltung des Landes voran, schürt Hass, nimmt Positionen ein, die extrem sind. Das kann die Bevölkerung im Augenblick an Perspektive überhaupt nicht gebrauchen. Deswegen, meine Damen und Herren, ist es so wichtig, dass wir mit dem Einsatz vor Ort zeigen: Wir interessieren uns dafür, was im Land passiert, und wir verurteilen extremistische Positionen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ellen Demuth [CDU/CSU]

Meine Damen und Herren, dass die Potočari-Gedenkstätte in Srebrenica in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen werden musste, muss uns alle mahnen, dass dieser Einsatz eben nicht leichtfertig erfolgt, sondern dass unsere Beteiligung für den Frieden im Land bedeutsam ist.

Lassen Sie mich zum Schluss noch zwei Sätze sagen, die sehr, sehr wichtig sind. Es geht nicht darum, Serben, Kroaten oder Bosniaken, einzelne Volksgruppen pauschal zu verurteilen. Es geht immer um das individuelle Verbrechen einzelner Menschen; Ratko Mladić genauso wie Herr Karadžić sind angesprochen worden. Wir haben letztes Jahr erlebt, dass bei der UN die Einrichtung eines Gedenktages zum Völkermord in Srebrenica zu einem Schauspiel verkommen ist. Herr Vučić hat dort eine Art serbische Inszenierung vorgeführt. Glücklicherweise ist die Mehrheit der Mitgliedstaaten diesem Vortrag nicht gefolgt. Aber es ist wichtig, in dieser Region auch die Nachbarstaaten im Blick zu behalten. Gerade an der Südostflanke der NATO, glaube ich, trägt dies wesentlich dazu bei, dass wir den Frieden in Europa erhalten. Deswegen bitte ich um Ihre Zustimmung.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Bevor ich die nächste Rednerin aufrufe, möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Zeit für die namentliche Abstimmung gleich vorbei ist.

Jetzt spricht für die Fraktion Die Linke die Abgeordnete Gökay Akbulut.

Beifallbei der Linken
Porträt von Gökay Akbulut
Foto: Gökay Akbulut/Thommy Mardo
5 Vermerkeca. 419 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die EU-Mission EUFOR Althea wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, Bosnien und Herzegowina zu stabilisieren. Doch heute müssen wir uns fragen: Welches politische System sichern wir dort eigentlich ab? Es ist ein System, das politisch unzumutbare Zustände geschaffen hat und für große Teile der Bevölkerung vor Ort keine Zukunftsperspektiven bietet.

Seit dem Ende des Bosnien-Krieges 1995 leben die Menschen in einem Land, das durch das Dayton-Abkommen zwar befriedet, aber nicht geheilt wurde. Was damals als große Lösung angesehen wurde, erweist sich heute als Problem. Der Staatsapparat ist in erster Linie dafür da, die verschiedenen politischen Eliten der ehemaligen Bürgerkriegsgegner mit staatlichen Posten zu versorgen. Zwei Drittel des staatlichen Budgets dienen einzig und allein dazu, administrative Jobs zu schaffen. Das ist kein Staat, der den Menschen vor Ort dient. Das ist ein System der Postenschacherei.

Beifallbei der Linken

Ein besonderes Problem ist die Rolle des Hohen Repräsentanten. Der Hohe Repräsentant ist faktisch ein aus dem Ausland eingesetzter Gouverneur mit umfassenden Vollmachten. Er kann Bürgermeister oder Beamte absetzen. Er kann Sanktionen gegen Politiker verhängen. Und er kann Gesetze erlassen oder ändern, auch ohne die Zustimmung der zuständigen Institutionen.

Der derzeitige Amtsinhaber ist Christian Schmidt von der CSU. In seiner aktuellen Funktion wird Schmidt immer wieder von verschiedenen Seiten wegen seiner Parteilichkeit kritisiert. Er hat keine Berührungsängste, wenn es darum geht, mit kroatischen Rechtsextremisten zusammenzuarbeiten. Bei den Wahlen im Oktober 2022 änderte Schmidt – das muss man sich mal vorstellen! – am Wahlabend rückwirkend das Wahlgesetz, offenbar im Interesse des Nachbarstaats Kroatien.

Meine Damen und Herren, so fördern wir nicht die Demokratie, so verhindern wir Selbstbestimmung und stabile politische Strukturen.

Das Ergebnis dieser fatalen Politik sehen wir heute deutlich: Bosnien und Herzegowina ist eines der sechs ärmsten Länder des europäischen Kontinents. Rund 38 Prozent der Bevölkerung leben im Ausland. Ganze Generationen haben ihre Heimat verlassen wegen wirtschaftlicher und politischer Perspektivlosigkeit.

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns ehrlich bilanzieren: EUFOR Althea verfolgt keine sinnvollen Ziele. Diese Mission stabilisiert nicht; sie konserviert unhaltbare Zustände. Bosnien und Herzegowina braucht keine weitere militärische Präsenz, sondern politische und wirtschaftliche Lösungen, die Perspektiven für junge Menschen schaffen.

Wie soll das denn gehen, werte Kollegin? Traumtänzerei!

Die Mission sollte deshalb beendet und die Truppen sollten abgezogen werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Porträt von Marlon Bröhr
Foto: Marlon Bröhr / Jaqueline Felix
5 Vermerkeca. 482 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich bin mir sicher, dass jeder hier im Saal den Menschen in Bosnien und Herzegowina aufrichtig einen nachhaltigen Frieden und ein funktionierendes Staatswesen wünscht. Die Tatsache, dass wir 30 Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton mit EUFOR Althea immer noch über ein relativ robustes Mandat reden, an dem circa 1 500 Soldatinnen und Soldaten aus rund 18 EU-Mitgliedstaaten beteiligt sind, zeigt aber auch, wie schwierig und fragil sich die innenpolitische Lage immer noch darstellt und wie weit Bosnien-Herzegowina von einer dauerhaften Aussöhnung noch entfernt ist.

In diesem Kontext seien nur die permanenten und immer aggressiver ausgetragenen Autonomiebestrebungen der Entität Republika Srpska genannt, die die funktionale Integrität des Gesamtstaates auszuhöhlen suchen und damit den gerade formulierten Wunsch nach dauerhaftem Frieden konterkarieren. Daraus aber den Schluss zu ziehen, sich ganz aus der Mission zurückzuziehen, wie es AfD und Linke regelmäßig tun, wäre eine glatte Fehlentscheidung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Macit Karaahmetoğlu [SPD] und Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Gerade wenn die politischen Rahmenbedingungen herausfordernd sind – und wie könnten sie es anders sein nach dreieinhalb Jahren Krieg und rund 100 000 Toten! –, muss doch das Signal der internationalen Gemeinschaft an die Separatisten und Scharfmacher lauten: Wir werden die friedliebenden Menschen in Bosnien und Herzegowina nicht im Stich lassen!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Macit Karaahmetoğlu [SPD]

Und wir haben einen langen Atem, notfalls einen sehr langen Atem, wenn es darum geht, den Frieden auf dem Westbalkan zu schützen. Und mit „wir“ meine ich nicht nur uns Parlamentarier, sondern auch die UN, die NATO und die Europäische Union. Die Hauptaufgabe von EUFOR Althea besteht schließlich seit 2004 darin, für ein sicheres und stabiles Umfeld zu sorgen. Und das tun die Soldatinnen und Soldaten zuverlässig. So war es auch bereits bei den vorangegangenen NATO-Missionen SFOR und IFOR. Aus all den genannten Gründen unterstützt die CDU/CSU das vorgelegte Mandat voller Überzeugung. Denn die Chance auf wirkliche Aussöhnung in Bosnien und Herzegowina erfordert auch weiterhin den Einsatz unserer Bundeswehr.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich wünsche allen besonnenen Politikern in diesem schönen Land, die es selbstverständlich in beiden Entitäten gibt, viel Erfolg bei dem Bemühen, geeignete Wege zu finden, die eine dauerhafte Aussöhnung in Bosnien und Herzegowina möglich machen und es in eine gute Zukunft führen. Und natürlich wünsche ich auch dem Hohen Repräsentanten, Herrn Christian Schmidt, der auf der Tribüne sitzt, für seine schwierige Aufgabe stets viel Erfolg und eine glückliche Hand.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ausdrücklich möchte ich allen Soldatinnen und Soldaten, die bei den genannten Missionen bereits im Einsatz waren und sind, meinen herzlichen Dank aussprechen.

In diesem Sinne!

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Claudia Moll [SPD]
Porträt von Udo Theodor Hemmelgarn
Foto: Udo Hemmelgarn
3 Vermerkeca. 455 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen heute vor der Entscheidung, ob wir wieder einmal den Einsatz der Bundeswehr in Bosnien-Herzegowina im Rahmen der EUFOR-Mission Althea verlängern. Ich spreche mich im Namen meiner Fraktion klar gegen diesen weiteren Einsatz aus. Seit nunmehr 30 Jahren, seit dem Ende des Bosnienkrieges im Jahr 1995, ist die internationale Gemeinschaft mit militärischen Mitteln auf dem Balkan präsent. Die Bundeswehr war fast immer und ist Teil dieser Präsenz. Nach mehr als einem Vierteljahrhundert müssen wir uns deshalb ernsthaft die Frage stellen: Was haben wir wirklich erreicht? Und vor allem: Ist ein militärischer Einsatz immer noch das richtige Mittel zur Stabilisierung?

Bosnien-Herzegowina stand und steht unverändert vor tiefgreifenden politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Das Dayton-Abkommen hat zwar den Krieg beendet, aber es hat auch ein fragiles politisches System geschaffen, das ethnische Trennung festschreibt, statt sie zu überwinden. Die politische Blockade zwischen den Landesteilen insbesondere durch die nationalistischen Kräfte lähmt das Land. Militärische Präsenz ändert nichts daran. Sie konserviert vielmehr einen Zustand der Abhängigkeit und verhindert eine echte Eigenverantwortung.

Das erkannte schon der einstmalige Hohe Repräsentant der internationalen Gemeinschaft Christian Schwarz-Schilling. Er plädierte zu seinem Amtsantritt 2006 für die Abschaffung seines eigenen Postens. Schwarz-Schilling forderte vor allem die Abschaffung der sogenannten Bonn Powers. Dieses machtvolle Herrschaftsinstrument ermöglicht dem Hohen Repräsentanten, bosnische Politiker abzusetzen und ihnen jegliche politische Tätigkeit zu untersagen, so wie es Schwarz-Schillings Vorgänger, der Brite Paddy Ashdown, praktizierte, indem er über 60 Vertreter nationalistischer Parteien absetzte, da sie nach seiner Meinung gegen das Friedensabkommen von Dayton verstoßen hätten. Mit solchen postkolonialen Attitüden schafft man keine Verständigung zwischen den Volksgruppen. Ein dauerhafter Friede entsteht nicht durch fremde Soldaten auf den Straßen, sondern durch Dialog, Ausgleich und soziale sowie wirtschaftliche Entwicklung. Genau hier muss unser Fokus liegen: zivile Aufbauhilfe, ja; Rechtsstaatlichkeit, Bildung, wirtschaftliche Perspektiven – das alles ist durch 50 Bundeswehrsoldaten vor Ort nicht zu erreichen.

Zudem ist es auch eine Frage der außenpolitischen Glaubwürdigkeit. Wir können nicht glaubhaft für eine friedliche europäische Zukunft werben, während wir gleichzeitig Militärmissionen in Ländern verlängern, in denen der Konflikt längst politisch hätte gelöst werden müssen.

Beifallbei der AfD

Jede Bundesregierung hat den Einsatz von Jahr zu Jahr fast routinemäßig durch dieses Haus verlängern lassen, allerdings ohne klare Strategie, ohne ehrliche Evaluation, ohne Ausstiegsperspektive.

Schließlich dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass jeder Auslandseinsatz eine Verantwortung gegenüber unseren Soldaten bedeutet. Wenn wir sie entsenden, dann nur mit klarem Ziel, mit absehbarem Erfolg und mit voller politischer Rückendeckung. Diese Voraussetzungen sind hier nicht gegeben.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion spricht nun die Abgeordnete Claudia Moll.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Claudia Moll
Foto: Claudia Moll / Maurice Weiss
3 Vermerkeca. 307 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Soldatinnen und Soldaten! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Wir beraten heute über die Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der durch die Europäische Union geführten Operation EUFOR Althea in Bosnien und Herzegowina. Bosnien und Herzegowina ist Teil Europas, geografisch, historisch und politisch. Der Frieden dort ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen mühsamen Prozesses nach den schweren Konflikten in den 90er-Jahren. Dieser Frieden ist kostbar, aber er ist auch fragil.

Die Mission EUFOR Althea trägt entscheidend zur Stabilität in der Region bei. Ihr Ziel ist es, ein sicheres Umfeld zu gewährleisten. Deutschland leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Unsere Soldatinnen und Soldaten sind Teil eines multinationalen Einsatzes unter EU-Führung. Sie sorgen durch Präsenz, Aufklärung und Zusammenarbeit mit lokalen Sicherheitskräften für Sicherheit und Stabilität. Sie zeigen Verlässlichkeit und Professionalität, und sie vertreten unser Land mit großer Integrität. Und doch habe ich manchmal den Eindruck, dass unsere Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz von der Gesellschaft und, ja, auch von der Politik zu oft vergessen und nicht gesehen werden. Das darf nicht sein.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wer unser Land unter schwierigen Bedingungen im Ausland vertritt, wer seinen Dienst für Frieden und Sicherheit leistet, verdient unsere volle politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit, und das nicht nur am Veteranentag oder bei einer Mandatsverlängerung, sondern immer.

EUFOR Althea ist ein Beispiel dafür, wie europäische Sicherheitspolitik funktionieren kann, gemeinsam, vorausschauend und verantwortungsvoll. Ich danke unseren Soldatinnen und Soldaten, die diesen Auftrag täglich mit großer Hingabe erfüllen. Ihr seid große Klasse!

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Lassen Sie uns ihnen und damit unserer Bundeswehr den Rücken stärken mit einer breiten Zustimmung zu diesem Mandat.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Tobias Winkler
Foto: Klaus Gruber / www.dolphinphotography.de/Klaus Gruber
4 Vermerkeca. 536 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Wehrbeauftragter! Herr Botschafter! Herr Hoher Repräsentant! Bosnien und Herzegowina ist ein Land, in dem sich die teils unversöhnlich erscheinende ethnische und religiöse Komplexität des Westbalkans wie in einem Brennglas verengt. Unvergessen ist das große Leid der blutigen Auseinandersetzungen in den 1990er-Jahren und das im zivilisierten Europa in seiner Grausamkeit für unmöglich gehaltene Massaker an der Zivilbevölkerung in Srebrenica. Aber ebenso unvergessen ist das klare Versprechen, das wir nach dem Friedensschluss von Dayton gegeben haben: Wir lassen Bosnien und Herzegowina nicht allein.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit der EU-geführten Mission EUFOR Althea leisten wir seit nunmehr zwei Jahrzehnten einen zentralen Beitrag für Frieden, Stabilität und die europäische Perspektive des Landes. Den vielen Soldatinnen und Soldaten, die in dieser langen Zeit die Mission getragen haben, gilt unser aufrichtiger Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist gut und es ist richtig, dass die Bundeswehr mit Ausbildung, Beratung, Beobachtung und Unterstützung zum Erfolg von EUFOR Althea beiträgt.

Kann man die Mission als Erfolg bezeichnen? Wir alle würden uns die schnelle Lösung der politischen Krise wünschen, aber wir müssen auch dankbar sein, dass es nur eine politische und keine sicherheitspolitische oder militärische Krise ist. Die Bezeichnung des Balkans als Pulverfass ist nicht neu – die explosive Instabilität gab es bereits zu Zeiten des Zerfalls des Osmanischen Reichs vor über 100 Jahren – und auch heute noch richtig. Auch durch unsere militärische Präsenz und die Unterstützung der bosnisch-herzegowinischen Streitkräfte ist es bis heute gelungen, eine größere Eskalation der Sicherheitslage oder gar einen weiteren Krieg zu verhindern.

Wir sprechen heute über die Verlängerung unserer militärischen Verantwortung. Ich möchte an dieser Stelle aber darauf hinweisen, dass wir auch politische Verantwortung übernehmen. Die Bundesregierung ist seit vielen Jahren engagiert, nicht zuletzt durch den Berliner Prozess, den Westbalkan an die Europäische Union heranzuführen. Aber auch die Entsendung des ehemaligen Bundesministers Christian Schmidt zeigt unsere Verpflichtung. Als Hoher Repräsentant der internationalen Gemeinschaft für Bosnien und Herzegowina mit exekutiven Kompetenzen zur Umsetzung des Dayton-Friedensabkommens ist er der zivile Counterpart des Befehlshabers von EUFOR Althea. Diese Aufgabe ist notwendig, diese Aufgabe ist nicht ungefährlich, und ja, AfD und Linke, damit macht man sich nicht beliebt.

Aber, lieber Christian, es freut mich, dass du mit deiner lieben Gattin die Debatte von der Ehrentribüne verfolgst. Wir wünschen dir für deine Aufgabe für die Menschen in Bosnien und Herzegowina, für die Freiheit weiterhin viel Erfolg und Gottes Segen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Dein Ziel bleibt es, das Land auf dem Weg in die Europäische Union zu unterstützen. Doch Voraussetzung dafür ist es, den Frieden auch politisch dauerhaft abzusichern.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Er ist tägliche Arbeit. Mit der Fortsetzung unseres Beitrages zu EUFOR Althea, mit unserer politischen Unterstützung für den Hohen Repräsentanten und mit unserer klaren europäischen Haltung geben wir Bosnien und Herzegowina das, was es braucht: Stabilität, Verlässlichkeit und eine Perspektive.

Die Union steht zu dieser Verantwortung. Wir stimmen dem Mandat zu. Wir lassen Bosnien und Herzegowina nicht allein.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Carolin Bachmann
Foto: Carolin Bachmann /Schnauss
13 Vermerkeca. 597 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Kein klar denkender Mensch würde neben Grundschulen, Kindergärten und in Kleingartenanlagen Flüchtlingsunterkünfte bauen. Doch mit dem Sonderbaurecht für Flüchtlinge geschieht bis heute genau das. Es ist unfair, es benachteiligt und gefährdet unsere Bürger, und es ist daher Zeit, das Sonderbaurecht für Flüchtlinge endlich zu streichen.

Beifallbei der AfD

Aufgrund Ihrer Migrations- und Ansiedlungspolitik sind Millionen Migranten eingewandert. Deutschland ist kaum wiederzuerkennen. Im öffentlichen Raum fühlt man sich zunehmend fremd im eigenen Land. Wo früher Nachbarschaften waren, breiten sich heute Parallelgesellschaften und No-go-Areas aus.

Beifallbei der AfD

Wer jetzt noch an Zufall glaubt, der muss dringend aufwachen. Diese Landnahme, die 2015 mit der Grenzöffnung durch Merkel begann, wurde von langer Hand geplant. Bereits ein Jahr vor Grenzöffnung, im November 2014, schuf die damalige Große Koalition aus Union und SPD – genau wie heute – mit § 246 BauGB ein Sonderbaurecht für Flüchtlinge. Damit wurden die Belange der Flüchtlinge im Städtebau privilegiert und die Interessen der Deutschen an der Gestaltung unseres Lebensraumes gezielt weggewischt. Beispiele für dieses Zweiklassenrecht gibt es viele.

Bei mir in Freiberg zwang die Landesdirektion die Stadt ohne Vorwarnung, eine Turnhalle in eine Flüchtlingsunterkunft umzuwandeln. Als die Kosten explodierten, klagte die Stadt – wie viele andere Städte auch – und verlor; denn der Bund hatte bereits vorgesorgt. Mit Absatz 14 wurde die kommunale Selbstverwaltung ausgehebelt, und die Unterbringung von Flüchtlingen gehört seitdem zum „Wohl der Allgemeinheit“. Seitdem wird auch in Außenbereichen, in Gewerbegebieten und direkt neben Kindergärten hemmungslos für Flüchtlinge gebaut.

Das sind Menschen!

Dort, wo Bauen und Wohnen für Deutsche bisher fast undenkbar war und sich die Menschen von der Arbeit erholen, siedeln Sie Flüchtlinge an,

Das sind auch Menschen!

wie aktuell im Kleingartenverein in Berlin. Denken Sie alle überhaupt einmal an die Menschen,

Genau! „An die Menschen“!

die ihren Schrebergarten lieben – es ist deren Ein und Alles –, die sich im Schrebergarten erholen und die dort ihren Jahresurlaub verbringen? Eiskalt greifen Sie immer wieder in die Privatsphäre und den Lebensraum der Bürger ein.

Beifallbei der AfD

Was Sie hier betreiben, ist kein Flüchtlingsschutz. Es ist staatlich gelenkte Kolonisierung.

Lachenbei Abgeordneten der SPD

Dieses Sonderrecht für Flüchtlinge gehört schon lange gestrichen. Stattdessen wurde es aber immer wieder verlängert. Und Sie, liebe Kollegen von der CDU, wollten vor zwei Jahren sogar ein spezielles Sonderbaurecht für Schulen und Kitas nur für Flüchtlinge schaffen. Nur für Flüchtlinge! Merken Sie selbst, oder?

Beifallbei der AfD

Und was Sie im Bauturbo mit der Ausweitung von Sonderregeln als Erfolg verkaufen wollen, ist eigentlich Verschleierung. Sie holen erst Millionen Flüchtlinge ins Land. Das führte zu Wohnungsnot, steigenden Mieten und zu einer allgemeinen Unzufriedenheit in den Städten. Überdruck entsteht. Um sich Platz für Ihre Goldstücke zu schaffen, opfern Sie den Freiraum unserer Bürger. Das ist perfide und an den Interessen des deutschen Volkes vorbei.

Beifallbei der AfD

Sehr geehrte Abgeordnete, Deutschland ist kein Niemandsland, in dem sich Millionen von Migranten einfach niederlassen können.

Zurufvon der Linken: Doch!

Deutschland ist das Land der Deutschen.

Beifallbei der AfD

Oijoijoi!

Und wir entscheiden, wer hier lebt und wer nicht.

Kommen Sie bitte zum Ende Ihrer Rede.

Rednerwechsel

Deshalb fordern wir in diesem Antrag, der sehr nötig ist, die ersatzlose Streichung aller Sonderrechte für Flüchtlingsunterkünfte in § 246 BauGB.

Beifallbei der AfD

Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun zu seiner ersten Rede der Kollege Wilhelm Gebhard das Wort.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Wilhelm Gebhard
Foto: Wilhelm Gebhard / Tobias Koch
15 VermerkeZwischenfrageca. 910 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Erlauben Sie mir zunächst einmal eine Vorbemerkung: Ich bin froh, dass ich der politischen Mitte angehöre; denn das, was hier von links und rechts kommt, ist nicht unbedingt das, was ich mir unter einer politischen Streitkultur vorstelle. Und ich bin auch dankbar, heute zu diesem Tagesordnungspunkt sprechen zu können.

Als langjähriger Bürgermeister einer kleinen, idyllischen Fachwerkstadt im Nordosten des Bundeslandes Hessen, im Herzen Deutschlands gelegen, halte ich somit heute meine erste Rede hier im Deutschen Bundestag. Das tue ich mit großer Demut und mit Dankbarkeit gegenüber den Wählerinnen und Wählern, die mir das Vertrauen geschenkt haben.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Als ehemaliger Bürgermeister mache ich keinen Hehl daraus, dass mein Herz für die Kommunen schlägt und ich immer für Maßnahmen und Gesetze bin, die die kleinste Ebene unseres demokratischen Staatsaufbaus fördern und entlasten. Ich bin meiner Fraktion im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen dankbar,

Guter Ausschuss!

dass ich Berichterstatter für die Kommunen sein darf. Folgerichtig spreche ich heute auch zu dem AfD-Antrag, der ja erhebliche Auswirkungen für unsere Kommunen hätte, würde er so mit Mehrheit beschlossen werden.

Zugegeben, es hat in der Migrations- und Flüchtlingspolitik in den vergangenen zehn Jahren Fehler gegeben. Darin sind sich viele Menschen in unserem Land sicherlich einig. Die Koalition aus CDU, CSU und SPD lernt aus diesen Fehlern und ist angetreten, um sie zu korrigieren. Migration steuern und begrenzen ist das Ziel. Der Bundeskanzler, der Außen- und der Innenminister haben bereits wenige Tage nach Amtsantritt bewiesen, dass es die Koalition ernst meint mit einer Veränderung in Europa und in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das alles wird dazu beitragen, dass sich die Zahl der Geflüchteten und die Zahl der Asylanträge weiter reduzieren, wie wir das schon seit Jahresanfang beobachten können. Aber die Kommunen haben auch dann die Aufgabe, geflüchtete Menschen unterzubringen, wenn der Zustrom gering ist oder geringer wird. Die Unterbringung ist kein Zwang, sondern ein Gebot der Menschlichkeit,

Beifallbei der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

und zwar sowohl den betroffenen Asylbewerbern und Flüchtlingen gegenüber als auch gegenüber der eigenen Bevölkerung. Was wäre denn, wenn die Kommunen keine Unterbringung vornehmen? Sollen Flüchtlinge unter Brücken oder in Bahnhöfen hausen? Was macht das dann mit der einheimischen Bevölkerung?

Ihr Antrag, verehrte Kolleginnen und Kollegen der AfD-Fraktion, ist in unseren Augen ein Antrag und eine Politik gegen die Kommunen. Diese Aussage will ich Ihnen auch gern begründen.

Für die Bevölkerung!

– Hören Sie doch erst mal zu, Frau Bachmann! Ich habe Ihnen auch zugehört.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Unterbringung von Geflüchteten ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hier müssen der Bund, die Länder und die Kommunen Hand in Hand arbeiten. Wer aus einer kleinen Landkommune kommt wie ich, weiß, dass gerade kleine Kommunen mit kleinen Verwaltungen praktikable und einfache Lösungen brauchen, um Geflüchtete und Asylsuchende schnell und unkompliziert unterbringen zu können.

Die Sonderregelungen in § 246 Baugesetzbuch sind ein Bekenntnis des Gesetzgebers, dass die Flüchtlingsunterbringung für die Kommunen eine enorme Herausforderung darstellt. Einem Bürgermeister, einer Bürgermeisterin ist es doch lieber, man kann die Sonderregelungen in § 246 Baugesetzbuch für den erleichterten Bau von Unterkünften zur Unterbringung von Geflüchteten und Asylsuchenden anwenden, ehe man weitere Schulsporthallen, Veranstaltungsräume oder Hotels nutzt, die dann der Allgemeinheit entzogen werden.

Mal die Grenzen schließen!

Das würde zu einer weiteren Spaltung in unserem Land führen. Und das kann nicht unser Ziel sein in diesen Zeiten; das Gegenteil ist unser Ziel.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die bestehenden Sonderregelungen ermöglichen die schnelle Schaffung von Wohnraum für Menschen mit Fluchthintergrund und tragen damit dazu bei, den Mietwohnungsmarkt zu entlasten. Wäre der einheimischen Bevölkerung mehr geholfen, wenn statt des Baus einer Flüchtlingsunterkunft in einem Gewerbegebiet die Kommune

Zurufdes Abg. Steffen Janich [AfD]

jede verfügbare Mietwohnung anmieten würde? Damit würden der einheimischen Bevölkerung noch mehr Chancen genommen, eine bezahlbare Wohnung in einer Stadt der Wahl zu bekommen.

Ich erkenne eine offenkundige Unlogik in Ihrer Argumentation: Einerseits wird behauptet, dass die aktuelle Unterbringungsnotlage auf die Migrationspolitik seit 2015 zurückzuführen ist.

– Hören Sie mir zu! Hören Sie mir genau zu! – Andererseits wird beklagt, dass die Sonderregelungen im Baugesetzbuch 2014 eingeführt wurden,

zu einem Zeitpunkt also, als nach Auffassung der AfD migrations- und flüchtlingstechnisch noch alles in Butter war.

Das stimmt doch gar nicht!

Herr Kollege, Sie sind zwar fast am Ende Ihrer Redezeit angelangt. Aber es gibt noch eine Zwischenfrage.

Nein, ich führe jetzt fort.

Okay. Dann muss ich Sie leider bitten, zum Ende zu kommen.

Okay. – Dann komme ich jetzt tatsächlich zum Ende. Schade! Ich hätte noch viel zu sagen gehabt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das eine tun, das andere nicht lassen: Sonderregelungen in § 246 Baugesetzbuch zulassen, gleichzeitig aber Migration verstärkt begrenzen und steuern! Unsere Position ist: Alles, was die Arbeit der Kommunen bei der Flüchtlingsunterbringung erleichtert, findet unsere Unterstützung. Wir lehnen Ihren Antrag aus den genannten Gründen ab – auch deshalb, weil betroffene Kommunen für die Sonderregelungen dankbar sind.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat das Wort Karoline Otte.

Porträt von Karoline Otte
Foto: Karoline Otte/Stefan Kaminski
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Unser Grundgesetz ist viel mehr als ein juristisches Dokument. Es ist ein Versprechen, dass die Würde eines jeden Menschen geachtet und geschützt wird, unabhängig von Herkunft, Religion oder Aufenthaltsstatus. Wer in Deutschland Schutz sucht, flieht vor Krieg, politischer Verfolgung, vor Folter, vor Hunger. Und genau deshalb haben wir in unserem Land – gestützt durch das Grundgesetz und internationale Abkommen – die Pflicht, Flüchtenden Obdach und Sicherheit zu bieten.

Und genau deshalb brauchen wir flexible, menschenwürdige und schnelle Unterbringungslösungen in unseren Kommunen. – Vielen Dank, Herr Gebhard, für Ihre Ausführungen dazu!

Erfolgreiche Unterbringung findet vor Ort statt, dort, wo Städte, Gemeinden und Landkreise gemeinsam kreativ planen, rechtlich flexibel handeln können und finanziell – das ist ganz wichtig – unterstützt werden. Unsere Kommunen leisten bereits wichtige Arbeit bei der Versorgung von Geflüchteten. 320 Städte und Gemeinden heißen Geflüchtete sogar als „Städte Sicherer Häfen“ willkommen und sorgen mit besonderem Einsatz für ein gutes Ankommen in unseren Kommunen.

Viele Städte und Gemeinden machen es also vor. Sie nutzen die Möglichkeiten. Die Stadt Erwitte baut Minihäuser, damit Familien Privatsphäre erhalten und nicht in Turnhallen wohnen müssen. Leverkusen setzt auf Privatwohnungen. Für Freiburg hat die dezentrale Unterbringung Vorrang. Die Stadt verzichtet weitgehend auf große Sammelunterkünfte. Wohnungsähnliche Unterkünfte mit Küche, Bad und Familienräumen, das ist der Standard. Die Realität vor Ort verlangt nach pragmatischen und menschlichen Lösungen.

Von rechts außen hört man derweil aber nur Menschenfeindlichkeit. Der Antrag zeigt es. Er möchte Menschen zusammenpferchen in Notunterkünften und Turnhallen. Er ist ein weiterer Bulletpoint auf der Menschenfeindlichkeitsagenda der AfD, die nicht nur Geflüchtete und die solidarische Gesellschaft insgesamt angreift, sondern auch den Kommunen die Handlungsspielräume nehmen will.

Unterbringung ist auch eine Frage der Integration. Wer Menschen eine gute und sichere Unterkunft bietet, legt den Grundstein für soziale Teilhabe, für Bildung, für Arbeit, für die Zukunft – auch für die Zukunft unseres Landes.

Integration beginnt nicht erst in Sprachkursen, sondern dort, wo Menschen ankommen und sich sicher fühlen. Wer Integration ernst meint, muss auch menschenwürdige Unterkünfte fördern.

Klar ist: Statt Kommunen Hürden in den Weg zu legen, müssen wir ihnen den Rücken stärken.

Kommunen brauchen Planungssicherheit. Sie brauchen eine verlässliche Finanzierung von Unterbringung bis Integrationskurs. Und sie brauchen gesetzliche Spielräume, um humanitär reagieren zu können.

Was sie nicht brauchen, ist eine politische Rhetorik, die Geflüchtete stigmatisiert, entmenschlicht und angreift. Sie brauchen kein „race to the bottom“ gegen die Menschenwürde. Das ist ein Angriff auf unsere solidarische Gesellschaft. Dem stellen wir uns mit aller Kraft entgegen.

Ich will noch einmal darauf hinweisen, dass die Zeit für die namentliche Abstimmung in wenigen Minuten endet.

Damit gebe ich als Nächstes das Wort für die SPD-Fraktion dem Abgeordneten Dr. Philipp Rottwilm.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Philipp Rottwilm
Foto: Dr. Philipp Rottwilm/ Barbara Schneider
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Was uns die AfD heute vorlegt, ist mal wieder kein Beitrag zur Migrationspolitik. Es ist auch kein Beitrag zum Baurecht. Es ist erneut reiner Populismus.

Nee, ist es nicht!

Sie beantragen, die planungsrechtlichen Ausnahmen für Flüchtlingsunterkünfte zu streichen. Wie immer unterstellen Sie dabei, wir, die Parteien der demokratischen Mitte, würden Flüchtlinge bevorzugen, während Sie allein für die deutsche Bevölkerung kämpfen.

Das ist doch ein Sonderbaurecht für Flüchtlinge!

Sie tun auch dieses Mal wieder so, als würden Sie mit Ihrem Antrag für Gerechtigkeit im Land sorgen. Angebliche Sonderrechte für Flüchtlinge würden abgeschafft.

Der Paragraf heißt so!

Lassen Sie uns mal einen Realitätscheck machen. Was passiert, wenn wir diese Ausnahmen tatsächlich streichen? Als ehemaliger Bürgermeister – übrigens einer von dreien aus der Koalition, die heute gegen Ihren Antrag sprechen; darüber würde ich mir mal Gedanken machen –,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

kann ich Ihnen sehr genau sagen, was passiert: Flüchtlinge werden den Kommunen so oder so zugewiesen, wenn auch sehr viel weniger als in der Vergangenheit, und zwar unabhängig davon, was Sie gern im Baugesetzbuch hätten. Menschen kommen also in den Kommunen an, und wir müssen sie vor Ort unterbringen. Heute kann ich in so einem Fall als OB, als Landrat, als Bürgermeister zügig handeln. Ich kann eine Unterkunft im Eilverfahren bauen – funktional, sicher, menschenwürdig.

Wenn Sie mir das mit Ihrem Antrag unmöglich machen, was passiert dann? Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als die Menschen irgendwo anders unterzubringen: in Turnhallen, in Jugendherbergen oder in teuer angemieteten Wohnungen, die auf dem freien Markt verfügbar sind. Das ist nicht nur teuer. Genau diese Einrichtungen fehlen dann den Menschen in unseren Städten und Gemeinden: die Turnhalle für den Schulsport – Sie haben es eben selbst gesagt –, die Jugendherberge für die Klassenfahrt und die Wohnung für die junge Familie. Was Sie fordern, trifft also nicht nur die Geflüchteten – das ist eben ausgeführt worden –, sondern belastet auch die Menschen vor Ort. Dies führt nicht dazu, dass es den Menschen besser geht, sondern sie leiden unter Ihren Vorschlägen. Das ist nicht sozial, das ist zynisch, meine Damen und Herren!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Eines finde ich bei Ihrem Antrag wieder besonders absurd. Gerade Sie von der AfD rufen ja bei jeder Gelegenheit nach Bürokratieabbau. Aber hier wollen Sie plötzlich mehr Vorschriften, mehr Hürden, mehr Formalismus. Es kann Ihnen gar nicht bürokratisch genug sein. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Da zeigt sich wieder Ihr wahres Gesicht: Sie wollen unseren Staat nicht verbessern, Sie wollen ihn spalten.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir dagegen bringen gerade den Bauturbo auf den Weg und schaffen damit Planungserleichterungen auch für den allgemeinen Wohnungsbau. Die AfD will mehr Bürokratie für unsere Gemeinden und Bauämter. Wir dagegen entlasten sie, damit schneller, einfacher und im großen Stil neuer Wohnraum entstehen kann. Und die aktuell geltenden Sonderregeln im Baugesetzbuch sind keine Einladung zur Massenzuwanderung, wie Sie sagen, sondern ein pragmatisches Werkzeug für unsere Kommunalpolitik – wir haben das eben gehört –, ein Werkzeug, das unseren Städten und Gemeinden erlaubt, in besonderen Lagen schnell und unbürokratisch zu handeln. Das fordern unsere Kommunen übrigens zu Recht immer wieder ein. Und was Sie in Ihrem Antrag verschweigen: Diese Regeln laufen 2027 sowieso automatisch aus.

Sie verlängern die doch sowieso!

Es braucht also gar keinen Beschluss zur Abschaffung. Den gibt es schon.

Lieber heute als morgen!

Ihr Antrag ist also, wie so oft, im doppelten Sinne überflüssig.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Realität ist – das haben wir hier eben schon kurz angerissen – längst eine andere. Die Zahl der Asylanträge ist deutlich gesunken, und sie sinkt weiter. Im Mai dieses Jahres waren es bundesweit nur noch rund 8 000 Erstanträge. Das ist, auf das Jahr hochgerechnet, der Stand von vor 2013, meine Damen und Herren. 2013! Damit haben wir das mal richtig eingeordnet. – Ich weiß, Sie haben daran nicht allzu großes Interesse.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Macht Sie das traurig?

Das heißt also: Unsere Politik wirkt. Die Lage hat sich beruhigt,

Lachenbei Abgeordneten der AfD

und zwar schon seit Herbst 2023 – das war übrigens eine andere Koalition, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf.

Aber wir sind immer dabei gewesen!

Seitdem melden viele Kommunen: Die Belastung in den Erstunterkünften nimmt stark ab. Aktuell geht es darum, die Menschen zu integrieren: in unser Bildungssystem, in unseren Arbeitsmarkt, in unsere Gesellschaft.

Was Sie von der AfD also vorschlagen, ist nichts als billige Hetze.

Stimmt nicht! Stimmt nicht! Für Deutsche!

Und diese Hetze richtet sich nicht nur gegen Flüchtlinge, sie richtet sich gegen alle in unserem Land, gegen alle, die verstanden haben, dass unser Zusammenleben nur miteinander funktioniert und nicht gegeneinander.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir sagen klar – das wird Sie jetzt nicht überraschen –: Nein zu Ihrem Antrag, nein zu mehr Bürokratie und

Nein zur SPD!

nein zu Ihrer Stimmungsmache.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Katalin Gennburg
Foto: Die Linke, LV Berlin / Andreas Domma
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Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Wir reden hier über ein sehr komplexes Thema, und ich möchte dem Kollegen der SPD doch entschieden widersprechen: Der AfD-Antrag ist kein Populismus, das ist rechte Hetze. Das ist rechte Stimmungsmache, und die trifft die ärmsten und notleidenden Menschen in diesem Land.

Ich will mal ganz kurz sagen: Wir wissen ja inzwischen eigentlich alle, dass alle wohnen müssen. Das sagen sogar, glaube ich, alle Fraktionen in diesem Parlament. Und wir stellen fest: Fast 2 Millionen Wohnungen stehen bundesweit leer. Die stehen leer!

Zurufvon der AfD: Wo stehen die denn?

Und wir reden hier ernsthaft über das Sonderbaurecht? Ich kann es nicht fassen!

Beifallbei der Linken

Wir haben bundesweit 550 000 Ferienwohnungen. Das sind über eine halbe Million, meine Damen und Herren. – Da könnten wir längst alle Menschen gut mit Wohnraum versorgen.

Wollen Sie Enteignung?

Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Es ist einfach eine Klassenfrage, die darüber entscheidet, wer Zugang zu Wohnraum hat und wer nicht.

Wollen Sie alle enteignen?

Deswegen darf man sich dieser rechten Hetze überhaupt nicht ausliefern. Man muss sich ihr entschieden entgegenstellen.

Beifallbei der Linken

Wir reden hier momentan über den Bauturbo – und das geht jetzt wirklich auch mal an die Koalitionsfraktionen –: Sie reden hier gerade über die weitgehende Liberalisierung des Bauplanungsrechts.

Das ist doch Quatsch!

Ich möchte Ihnen da gerne mal reinen Wein einschenken: Nach 1945 war die Stadtplanung in Deutschland Teil der Demokratiefrage, der demokratischen Erneuerung dieser Republik.

Und die Teilhabe in Raumplanungsfragen war ein Grundsatz, genauso übrigens wie die Bodenfrage. Deswegen ist es total schändlich, dass Sie dieses Planungsrecht immer weiter liberalisieren, immer weiter beschneiden,

Das ist doch Unsinn! Quatsch! Wo denn? Die Gemeinde hat das letzte Wort!

und das natürlich immer zulasten der Ärmsten, also der Geflüchteten und natürlich der Menschen in Wohnungsnot.

Das ist völliger Unsinn!

Lesen Sie das Gesetz!

Und das lehnen wir ab.

Beifallbei der Linken

Ich kann Ihnen das gerne noch mal erklären. Also, seit 2014 schließt sich hier wirklich der Zyklus. Die erste Sonderregelung zur Erleichterung der Unterbringung wurde 2014 erlassen. 2015 wurde dann ein umfassendes Sonderbaurecht festgeschrieben. Das legen Sie uns jetzt als Bauturbo vor. Das ist die Prekarisierung des Wohnens, die Sie über das Baurecht hier festschreiben.

Das ist doch Quatsch!

Wir sorgen dafür, dass die Menschen ein Dach über dem Kopf haben! Erzählen Sie nicht so einen Unsinn!

Da muss man ganz klar sagen: So geht es nicht; denn alle sollen gut wohnen. Herr Luczak, dass wir da unterschiedlicher Auffassung sind, ist bekannt.

Beifallbei der Linken

Das ist auch gut so!

Das Bauplanungsrecht ist, auch wenn das jetzt total kompliziert klingt, am Ende eine Klassenfrage. Es ist die Frage, ob wir dem Mantra „Licht, Luft, Sonne“ wirklich für alle Raum geben oder sagen: Nein, nur die Villenbesitzer sollen Licht, Luft, Sonne haben. Da sagen wir als Linke – das wird Sie nicht wundern – ganz klar: Das findet mit uns nicht statt.

Das ist wirklich Populismus, was Sie machen! Und Fake News obendrein!

Die weitere Deregulierung, die Sie mit dem Bauturbo auf den Weg bringen, ist falsch. Deswegen ist auch dieses Sonderbaurecht wirklich ein großes Problem. Aber es ist wichtig, noch einmal klarzustellen, dass dieses Sonderbaurecht eben vor allem zulasten der Geflüchteten geht

Das ist Unsinn! Das ist Quatsch!

und deswegen ein Problem ist und dass nicht die Geflüchteten das Problem sind. Und deswegen ist das, was Sie betreiben, einfach rechte Hetze.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Nun hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion der Abgeordnete Michael Kießling.

Beifallbei der CDU/CSU

Noch ein Bürgermeister!

Porträt von Michael Kießling
Foto: DBT/ Stella von Saldern
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Jetzt weiß ich nicht, auf welchen Blödsinn ich zuerst antworten muss.

Leider ist das wahr!

Ihre Ausführungen, Frau Gennburg, sind völlig absurd, weil wir die Planungshoheit der Kommunen auch beim Bauturbo berücksichtigen. Es ist eine demokratische Entscheidung, die vor Ort getroffen wird. Also, so viel Blödsinn in so kurzer Zeit zu reden, das muss man erst einmal hinkriegen. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU], an die Abg. Katalin Gennburg [Die Linke] gewandt: Man müsste das halt auch mal lesen, Frau Kollegin!

Liebe AfD, zu Ihrem Antrag. Bei Ihnen sehen wir das bekannte Muster – das machen Sie immer –: lautstarke Forderungen, schwacher Inhalt. Und gleichzeitig frönen Sie dabei Ihrer Lieblingsbeschäftigung: Flüchtlinge zum Sündenbock für alles zu machen, was Sie an unserem Rechtsstaat stört.

Das ist die Liebe zu unserem eigenen Volk!

Meine Damen und Herren, das darf nicht sein.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie stellen im Antrag Behauptungen auf, für die es keine Beweise gibt – das ist typisch für Sie –, frei nach dem Motto: Eine laute Behauptung ist allemal besser als ein schwacher Beweis.

Schauen wir uns doch die Tatsachen mal an. Unsere Kommunen stehen auf verschiedene Weise unter Druck: bei der Schaffung von kostengünstigem Wohnraum, bei der Schaffung von Wohnraum für die wachsende Bevölkerung und auch bei der Unterbringung von Asylbewerbern und Geflüchteten.

Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Und in Ihrem Antrag heißt es allen Ernstes, die Sonderregelungen nach § 246 BauGB wirken als Pullfaktor für die Migration. Welch ein Blödsinn! Wir schaffen die Lösung dafür, dass die Geflüchteten und Asylbewerber entsprechend untergebracht – das haben wir gehört –, Turnhallen und andere Einrichtungen weiter genutzt werden können und wir auch im Bereich der Integration weiterkommen.

Diese Sonderregelungen decken die Realität ab, und zwar die Realität der Flucht und der Migration, die die Kommunen bewältigen müssen. Es ist die Aufgabe der Kommunen, Wohnraum zu schaffen. Das schaffen wir mit diesem Paragrafen. Das ist ein Paragraf für die Kommunen und für die Unterbringung der Geflüchteten. Ihr Antrag liefert keinen Lösungsansatz. Es ist einfach Ausdruck eklatanter Verantwortungslosigkeit, was Sie da vom Stapel lassen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir die bestehenden Probleme bewältigen wollen, dann brauchen wir rechtssichere, flexible Instrumente wie die Sonderregelungen im Baugesetzbuch. Sie ermöglichen temporäre Nutzungen – den städtebaulichen Missstand, den Sie anführen, können wir beheben, weil letztendlich auch zurückgebaut werden kann –, beschleunigte Verfahren und die Flexibilisierung der Flächennutzung, und vor allem schaffen wir Handlungsspielraum für die Kommunen.

Zurufvon der AfD: Wer hat es zugelassen?

Sie haben es zugelassen!

Wenn wir die bestehenden Sonderregelungen streichen, dann löst das keine Probleme, sondern es verschärft letztendlich die Probleme vor Ort, und wir lassen die Kommunen dabei im Stich. Meine Damen und Herren, wenn wir wirklich Lösungen schaffen wollen, dann müssen wir bauen, bauen, bauen, bauen, und das haben wir uns als Koalition vorgenommen – schneller, flexibler und unbürokratischer.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir müssen den bedauerlichen Trend der zurückgehenden Zahl an Baugenehmigungen für Neubauten, den wir in den vergangenen Jahren hatten, umkehren, sodass wieder mehr gebaut wird. Dafür haben wir jetzt, denke ich, mit dem Bauturbo einen guten Aufschlag in petto, der auch im Bauausschuss diskutiert wird. Beim Bauturbo geht es darum, schneller und einfacher zu bauen und konkrete Hilfe vor Ort zu liefern.

Wir brauchen natürlich die Investitionen in den sozialen Wohnungsbau – Milliarden –; aber das allein wird uns nicht helfen. Wir brauchen auch private Investitionen und private Investoren. Deshalb müssen wir als Regierung Vertrauen wieder zurückgewinnen, und deswegen ist klar: Wir brauchen klare Verfahren und Rahmenbedingungen, die auch für private Investoren langfristig verlässlich und kalkulierbar sind, und keine Scheindebatten, die Sie von der AfD vom Zaun brechen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir brauchen mutige Lösungen, die die Realität ins Auge fassen, und zwar gemeinsam mit den Kommunen, mit den Ländern, mit dem Bund und auch mit den Investoren. Und was wir vor allem brauchen, ist der Wille, wieder zu bauen; das hat die Bundesbauministerin ganz deutlich gesagt. Wir müssen bauen, damit wir mehr Wohnraum haben, damit wir Entspannung haben und damit wir bezahlbares Wohnen wieder ermöglichen können. Dafür stehen wir als Koalition.

Die Abschaffung des Sonderbaurechts, die Sie fordern, ist ein Thema, das unsere Gesellschaft weiter spalten würde, weil das Problem bei den Kommunen einfach abgeladen würde.

Die Gesellschaft ist gespalten!

Wer hat denn das Problem geschaffen, Herr Kießling?

Deswegen lehnen wir Ihren Antrag natürlich ab.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Zu seiner ersten Rede hat nun das Wort der Abgeordnete Volker Scheurell von der AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Volker Scheurell
Foto: Volker Scheurell/ Christin Jänicke
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Gäste! Stellen Sie sich vor, Sie wollen dem Trubel der Großstadt ein bisschen entkommen. Sie kaufen sich mit Ihrer Familie nichtsahnend einen Kleingarten in einer kleinen Kolonie, freuen sich des Lebens – bis zu jenem Tag, an dem Ihnen ein dreistöckiger Flüchtlingscontainer vor die Nase gesetzt wird.

Zurufvon der Linken

Neben dem immensen Wertverlust, den Sie hinnehmen müssen, schauen nun tagaus, tagein junge Männer aus aller Welt Ihren Töchtern beim Poolbaden zu und sorgen mit ihrem Talahon-Verhalten dafür, dass Sie den Kleingarten nie wieder losbekommen.

Ui! Meine Güte!

Klingt verrückt? Nein, genau das passiert gerade mitten in Berlin.

Auch in meinem Wahlkreis, in Wittenberg, ist die Migrationskrise mittlerweile sehr akut geworden. Die Städte und Gemeinden geben für die Errichtung und den Unterhalt neuer Flüchtlingsheime bald mehr Geld aus als für Schulen und Altenheime zusammen. Die Bürger fühlen sich zu Recht von der etablierten Politik verraten,

Beifallbei der AfD

So ein Blödsinn!

wenn sie gegenüber zugereisten Ausländern als Bürger zweiter Klasse bevorzugt werden.

Wie jetzt? Bevorzugt oder benachteiligt?

– Bevorzugt natürlich.

Die Deutschen werden bevorzugt?

– Nein, die Deutschen werden nicht bevorzugt.

Stefan Keuter [AfD], an den Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD] gewandt: Man ruft bei einer ersten Rede nicht dazwischen! Haben Sie mal Anstand, Herr Kollege!

Währenddessen wird die Gegenseite immer weiter und weiter in Milliardenhöhe alimentiert.

Wir als AfD legen daher heute einen sehr guten Antrag vor, der dem Ganzen ein Ende setzen soll. Es ist nämlich so, dass die Bauvorschriften, mit denen jeder Kleinsparer und Häuslebauer drangsaliert wird, bei der Einrichtung eines Flüchtlingsheims nur noch grob überflogen, wenn nicht gar umgangen werden. Während auf der einen Seite bei einem Einfamilienhaus eines mittelständischen Arbeitnehmers eine Dachbegrünungsvorschrift, eine Fahrrad- und Mülltonnenstellplatzvorschrift, eine separate Abnahme der Doppelgarage, eine baurechtliche Verfügung eines Gartenhäuschens und andere Schikanen einsetzen, die nur den Zweck haben, fleißigen Bürgern den Wohlstand mieszumachen, kann auf der anderen Seite jederzeit ein Asylheim in Fertigbauweise eröffnen – Bauzeit: wenige Wochen.

Noch ein Beispiel aus meinem Wahlkreis: Ein Großinvestor möchte ein kleines Wohngebiet bauen, unter allen neuen ökologischen Vorgaben, also autofrei, mit Fahrrädern – alles wunderbar. 2014 hat er die Grundstücke erworben, mit Offenlegung, Bürgerbeteiligung und unserer deutschen Bürokratie. Was ist passiert? Bis heute kein Spatenstich und mehrere Tausend Euro Kosten! Aber Asylunterkünfte werden ruckzuck gebaut.

Kommen Sie bitte zum Ende.

Rednerwechsel

Die gleiche Untergrabung der Genehmigungsverfahren soll es nun bei dem neuen Bauturbo geben, aber zeitlich begrenzt; denn dann haut die Bürokratie wieder zu. Ich frage mich: Machen Sie den Bauturbo für unsere Bürger oder für unsere Neubürger?

Herr Abgeordneter, kommen Sie bitte zum Ende Ihrer Rede.

Rednerwechsel

Es gibt kein Menschenrecht, in Deutschland zu leben.

Danke.