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20. Sitzung der 21. Wahlperiode

Mittwoch, 10. September 2025 · Berlin

183 Reden in dieser Sitzung

183Reden45.059Wörter
467Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
2 Vermerkeca. 533 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Die sicherheitspolitische Lage in Europa und auf der Welt zeigt deutlich – und erst recht noch mal in den letzten Tagen und Stunden –: Wir dürfen keine Zeit verlieren, wenn es um die Stärkung unserer Verteidigungsfähigkeit geht. Glaubwürdige Abschreckung, robuste Einsatzbereitschaft und die verlässliche Unterstützung unserer Partner, das sind die Maßstäbe, an denen wir uns messen lassen müssen.

Vor zwei Wochen hat das Kabinett im Verteidigungsministerium getagt, das erste Mal seit 19 Jahren. Die Bundesregierung macht nicht nur damit sehr deutlich: Die sicherheitspolitischen Herausforderungen sind ernst, und wir nehmen sie ernst. Mit insgesamt drei zentralen Beschlüssen stärken wir unsere Sicherheit nachhaltig.

Erstens. Mit dem Entwurf eines Gesetzes für den Neuen Wehrdienst haben wir die Grundlage für eine weitere Stärkung der Reserve und der aktiven Truppe gelegt und damit für eine Bundeswehr, die personell besser, breiter aufgestellt sein wird.

Zweitens. Mit dem Artikelgesetz Militärische Sicherheit schützen wir unsere Truppe, unsere Kasernen und digitalen Netze besser vor Spionage, Sabotage und Cyberangriffen.

Drittens. Mit dem Planungs- und Beschaffungsbeschleunigungsgesetz bringen wir benötigtes Material schneller als sonst in die Truppe. Und wir sorgen dafür, dass auch kleinere innovative Unternehmen einen besseren Zugang zu unseren Aufträgen erhalten. Das ist besonders für innovative und technisch moderne Ausrüstung bedeutsam.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir stellen entscheidende politische Weichen, und wir kommen gleichzeitig sichtbar und sehr konkret voran. In Litauen ist die Panzerbrigade 45 zum Schutz der NATO-Ostflanke in Dienst gestellt. Die Führungseinrichtung ist inzwischen voll einsatzbereit. Rund 400 Soldatinnen und Soldaten sind vor Ort. Der Ausbau der militärischen Infrastruktur in Rūdninkai läuft weiterhin mit Hochdruck.

Parallel bauen wir auch im Inland auf. Mit dem Bundeswehr-Bauprogramm Unterkünfte haben wir den Startschuss für 76 neue Gebäude mit über 7 000 modernen Stuben bis 2031 gegeben.

Auch bei der Unterstützung der Ukraine lassen wir nicht nach, im Gegenteil. In den kommenden Wochen liefern wir weitere Systemanteile für Patriot-Batterien, um die ukrainische Luftverteidigung zu stärken. Auch die Ausbildung setzen wir fort. Über 21 000 ukrainische Soldatinnen und Soldaten wurden bislang in Deutschland trainiert.

Der Bundeshaushalt 2025 spricht ebenso eine klare Sprache. Mit rund 62,4 Milliarden Euro im Einzelplan 14 und zusätzlichen 24,1 Milliarden aus dem Sondervermögen verfügt die Bundeswehr über so viel Mittel wie nie zuvor. Das gibt uns Planungssicherheit und ist vor allem die Grundlage dafür, die Bundeswehr so auszustatten, wie es ihr Kernauftrag der Landes- und Bündnisverteidigung erfordert.

Die Anpassungen im zweiten Regierungsentwurf verschaffen uns die Möglichkeit, wichtige Verträge noch in diesem Jahr zu schließen: von der Tranche 5 des Eurofighters über den neuen Radpanzer für die Mittleren Kräfte bis hin zu zusätzlicher Bekleidung und Ausrüstung für mehr Personal.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit bei diesem Haushalt, aber auch bei so vielen anderen Vorhaben, die unser Land verteidigungsfähig machen. Vielen Dank dafür, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 535 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Ausführungen von Herrn Kollegen Pistorius haben es uns vor Augen geführt: Im Krisenfall erwarten unsere Bürgerinnen und Bürger, dass der Staat Schutz bietet, und das zu Recht.

Das gilt auch im Falle einer individuellen Gesundheitskrise. Tagtäglich benötigen Menschen medizinische oder pflegerische Hilfe. Wenn wir mit Bürgerinnen und Bürgern sprechen, fragen immer mehr, ob unsere Gesundheitsversorgung uns in Zukunft noch so trägt, wie sie es heute tut. Sie zahlen höhere Beiträge als in den Jahren zuvor, warten aber dennoch oft länger auf einen Facharzttermin.

Wir haben uns deshalb vom ersten Tag an an die Arbeit und an Strukturreformen gemacht. Unser Ziel ist es, das Vertrauen der Menschen zu stärken, das Vertrauen in die Sicherheit und Qualität der Gesundheitsversorgung jetzt und in Zukunft. Deshalb arbeiten wir an Vorhaben wie dem Krankenhausreformanpassungsgesetz, welches wir baldmöglichst im Kabinett verabschieden wollen.

Ich komme aus einem ländlichen Wahlkreis und sehe dort, wie wichtig es den Menschen ist, im Krisenfall schnell Hilfe zu bekommen. Wir wollen die begonnene Krankenhausreform deshalb jetzt alltagstauglich machen. Dabei gilt weiterhin: Spezialisierung und bessere Arbeitsteilung zugunsten hoher Qualität sind richtig. Wir wollen die Reform aber im Dialog mit den Ländern besser umsetzbar machen; denn ebenso wichtig ist eine erreichbare Grund- und Regelversorgung. Sie gibt etwa älteren Menschen, die nicht mehr so mobil sind, die nötige Sicherheit. Das gilt ebenso für den Notfall- und Rettungsdienst, den wir neu aufstellen werden, mit besserer Patientensteuerung und digital vernetzt. Einen Entwurf dazu werden wir vorlegen.

Außerdem hat sich diese Regierung das Ziel gesetzt, Einnahmen und Ausgaben wieder in eine Balance zu bringen. Ich habe für die Pflegeversicherung eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einberufen. Für die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung steht die Einsetzung einer Kommission unmittelbar bevor. Wir erwarten konkrete Vorschläge – zügig und ohne Denkverbote –, die wir dann umsetzen können.

Das stabilste Gesundheitswesen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist nichts wert ohne die Beschäftigten, die darin arbeiten. Ein Kernanliegen ist es, für sie gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie für Patientinnen und Patienten da sein können und wollen. Der Fachkräftebedarf steigt, je mehr Babyboomer sich aus dem aktiven Arbeitsleben verabschieden. Deshalb debattieren wir morgen in erster Lesung hier im Deutschen Bundestag das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege. Damit sollen Pflegefachkräfte ihre beruflichen Fähigkeiten besser zur Geltung bringen können und von Bürokratielasten befreit werden. Jede Minute, die sich eine Pflegekraft nicht mit Formularen beschäftigt, ist eine gewonnene Minute für die Patienten.

Ebenfalls morgen bringen wir den Gesetzentwurf zur Einführung einer bundeseinheitlichen Ausbildung zur Pflegefachassistenz in den Bundestag ein. Diese Ausbildung löst 27 landesrechtliche Regelungen ab. Wer in einem anderen Bundesland arbeiten wollte, stand vor der Hürde, dass der Abschluss nicht in jedem Land anerkannt wurde. Damit machen wir jetzt Schluss.

Gleichzeitig arbeiten wir an einem Gesetz zur Beschleunigung von Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen, insbesondere im ärztlichen, zahnärztlichen und apothekerlichen Bereich. Wir senden damit das deutliche Signal: Jede helfende Hand im Gesundheitsbereich ist willkommen.

Es gibt viel zu tun, damit das Vertrauen in unsere Versorgung bleibt. Tagtäglich sind Hunderttausende Menschen im Alltag von unseren Regelungen betroffen. Das ist mein Ansporn, und das sollte unser aller Ansporn sein.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Rüdiger Lucassen
Foto: Deutscher Bundestag
ca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an den Bundesminister der Verteidigung. Herr Minister Pistorius, die SPD ist ja die Partei der Gleichberechtigung. Sie als Minister haben immer wieder betont, dass Männer und Frauen in der Bundeswehr absolut gleichberechtigt sind. Ihre Kollegin Frau Esdar beispielsweise forderte erst vorgestern das Ende des Ehegattensplittings. Ihre Begründung: ein veraltetes Rollenbild. Der Gesetzentwurf der Koalition zur Modernisierung des Wehrdienstes unterscheidet hingegen zwischen Männern und Frauen. Männer müssen zukünftig den Fragebogen zur Wehrerfassung verpflichtend ausfüllen, Frauen nicht. Warum ist das so?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abgeordneter, das ist relativ leicht zu beantworten. Die Pflicht der jungen Männer, den Fragebogen auszufüllen, ergibt sich aus der im Grundgesetz festgelegten Wehrpflicht für Männer. Aus dieser Formulierung ergibt sich schon: Es gibt keine Wehrpflicht für Frauen. Also kann ich auch keine einfachgesetzliche Pflicht für Frauen ableiten aus einer grundgesetzlichen Pflicht, die nicht da ist.

Porträt von Rüdiger Lucassen
Foto: Deutscher Bundestag
1 Vermerkca. 88 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke, Frau Präsidentin. – Der Stand des Grundgesetzes ist mir natürlich bekannt, Herr Minister.

Das ist ja was Neues!

Aber Sie hatten bei der Verschuldungsorgie kein Problem, das Grundgesetz zu ändern und sogar die Linken mit ins Boot zu holen. Das geht also. Warum kommt von Ihnen wie aus der gesamten SPD kein Ton zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern, wenn es um den Wehrdienst geht? Also noch mal: Warum sind Frauen und Männer in Ihrem Gesetzentwurf nicht gleichgestellt?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
2 Vermerkeca. 122 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich kann nur wiederholen, dass es keine Pflicht für Frauen im Grundgesetz gibt. Die Frage nach einer Grundgesetzänderung lässt sich durch zwei Antworten beantworten. Die eine ist: Eine Grundgesetzänderung hätte zu viel Zeit gekostet, die wir nicht haben, um den Wehrdienst in der neuen Form in Kraft zu setzen.

Bei der Schuldenbremse ging es doch auch! Innerhalb von wenigen Tagen!

Die zweite ist: Ich sehe derzeit keine Zweidrittelmehrheit in diesem Haus und im Bundesrat für eine Änderung des Grundgesetzes in diese Richtung.

Sie wenden sich an die Falschen!

Porträt von Simone Borchardt
Foto: Simone Borchardt
ca. 88 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, herzlichen Dank für Ihre Ausführungen. – Sie haben zu Recht die Arbeit der Pflegekräfte gewürdigt. Dem können wir uns als Fraktion nur anschließen. Ich möchte hier noch mal in aller Deutlichkeit sagen: Gerade in der Pflege stehen wir vor großen Herausforderungen. Wir benötigen Personal. Wir brauchen auch in Zukunft kompetente und gute Pflegekräfte. Auch angesichts der demografischen Entwicklung möchte ich Sie gerne fragen: Was planen Sie, um die Attraktivität der Pflegeberufe zu erhöhen und auch die Kompetenzen der dort tätigen Menschen? – Danke.

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 169 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Kollegin, vielen Dank für die Frage. – Ein wichtiger Bestandteil werden die beiden Pflegegesetze sein, die wir morgen hier in erster Lesung beraten werden. Wichtig ist es, den Beruf attraktiver zu gestalten. Ich glaube, beim Thema „Vergütung der Pflegekräfte“ sind wir in den vergangenen Jahren schon viele Schritte weitergekommen. Aber wenn man vor Ort ist, hört man eben immer wieder, dass die Bürokratie den Pflegekräften sehr zu schaffen macht. Sie haben ihren Beruf ja ursprünglich gewählt, um am Menschen Dienst zu verrichten, um ihre Tätigkeit für die Patientinnen und Patienten auszuüben. Und dafür bleibt oft zu wenig Zeit. Deswegen stärken wir sie, indem wir ihre Kompetenzen besser nutzen. Sie dürfen künftig in klar definierten Bereichen, wie zum Beispiel Wundversorgung und Diabetesmanagement, Dinge selbstständig tun, ohne die Rückkopplung mit dem Arzt. Das sorgt für schnellere Abläufe und spart Zeit. Wir werden auch bei den Dokumentationen dafür sorgen, dass die Zettelwirtschaft zurückgedrängt wird; auch dadurch bleibt mehr Zeit.

Porträt von Simone Borchardt
Foto: Simone Borchardt
1 Vermerkca. 40 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, in Ihrer Einführung haben Sie das Pflegeassistenzgesetz erwähnt. Vielleicht können Sie noch mal genauer darauf eingehen, welche Veränderungen das in Zukunft für uns bringen wird. – Vielen Dank.

Knallharte Fragen hier!

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 125 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Momentan gibt es tatsächlich 27 landesrechtliche Regelungen für junge Menschen, die diese Ausbildung beginnen wollen. Das hat dazu geführt, dass, wenn man das Bundesland gewechselt hat, Abschlüsse nicht anerkannt worden sind. Wir schaffen das jetzt ab. Wir sorgen auch für eine einheitliche Ausbildungszeit von 18 Monaten. Da gab es eine Diskussion: Sind zwei Jahre oder ist ein Jahr besser? Jetzt haben wir uns auf 18 Monate geeinigt. Und wir sorgen dafür, dass der Übergang in eine weitere qualifizierende Ausbildung dann auch leichter möglich ist für die jungen Menschen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Agnieszka Brugger
Foto: Agnieszka Brugger/Anne Hufnagl
ca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an Minister Pistorius. Wir sehen ja in der Ukraine nicht nur diesen brutalen russischen Krieg, der an Skrupellosigkeit immer weiter zunimmt, sondern wir erleben auch immer wieder, wie NATO-Luftraum verletzt wird und das quantitativ und qualitativ zunimmt, besonders in der letzten Nacht, als über NATO-Bündnisgebiet, unserem Partner Polen, mehrere Drohnen flogen, die teilweise abgeschossen worden sind. Das würde ja auch ins Bild einer ständigen Provokation passen, des ständigen russischen Austestens, wie die NATO reagiert. Was ist Ihre Bewertung der gestrigen Nacht, und was sollte die Reaktion der Bundesregierung und des Bündnisses darauf sein?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 194 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Kollegin, nach den Aussagen und den Mitteilungen des polnischen Ministerpräsidenten reden wir über 19 Drohnen, Shahed oder baugleich, die offensichtlich von belarussischem Gebiet aus auf ihren Weg geschickt worden sind. Es gibt definitiv keine Anlässe, zu vermuten, dass es sich hier um Kurskorrektur, Fehler oder dergleichen handelt. Diese Drohnen sind ganz offenkundig gezielt auf diesen Kurs gebracht worden. Um in die Ukraine zu fliegen, hätten sie diesen Weg nicht fliegen müssen. Sie waren offenkundig – so die Ansagen aus Polen – auch entsprechend munitioniert. Es hätte also jederzeit etwas passieren können.

Was uns das lehrt, ist das, worüber wir seit mindestens zwei Jahren regelmäßig reden: dass wir eine ständige Bedrohung haben durch Provokationen russischer Streitkräfte im baltischen Luftraum, in der Ostsee, im Wasser, unter See, aber eben auch in Mitteleuropa, durch hybride Angriffe oder eben durch solche Flüge. Wir stellen uns darauf ein. Wir kooperieren mit den Polen bei der Konsultierung nach Artikel 4. Wir unterstützen dieses Vorgehen, weil wir es für richtig halten.

Rednerwechsel

Hier müssen Signale gesetzt werden.

Porträt von Agnieszka Brugger
Foto: Agnieszka Brugger/Anne Hufnagl
1 Vermerkca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, mit diesem technischen Begriff „hybride Bedrohungen“ sind ja Sachen gemeint wie das Durchtrennen unserer Datenkabel in der Ostsee, Drohnenüberflüge über Bundeswehrkasernen, ein Hackerangriff auf den Bundestag, ein Auftragsmord im Tiergarten von russischer Seite; die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Das sind eigentlich feindliche Attacken gegen unsere Gesellschaft und unser Land.

Sind Sie der Auffassung, dass die Bundesregierung genug tut, um Moskau klarzumachen – in Worten und in Taten –, dass wir das nicht weiter akzeptieren, damit das dann dort nicht als ein immer weiter gehendes Austesten unserer Grenzen verstanden wird?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 142 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Kollegin, ja, ich bin dieser Auffassung. Die alte Bundesregierung hat schon viel auf den Weg gebracht. Diese setzt den Weg fort, nicht zuletzt durch die Verabredung der NATO von Defence Pledges von 3,5 bzw. 5 Prozent in den nächsten Jahren. Der Aufwuchs unseres jetzigen Haushaltes bildet das ab, die Beschleunigung der Beschaffung bildet das ab, der personelle Aufwuchs bildet das ab. Also: Ja.

Gleichzeitig geht es um die zu steigernde Resilienz der deutschen Gesellschaft und der deutschen Industrie insgesamt, um sich besser dagegen zu wappnen, damit solche Angriffe keinen Schaden anrichten. Und es geht um das Gefährdungsbewusstsein, das leider eben auch gestärkt werden muss.

Porträt von Falko Droßmann
Foto: Falko Droßmann / Maurice Weiss
1 Vermerkca. 142 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Meine Frage richtet sich an den Bundesminister der Verteidigung. Herr Bundesminister Pistorius, seit dreieinhalb Jahren verteidigt sich die Ukraine gegen andauernde Angriffe der Russischen Föderation. Mein Dank und auch der Dank meiner Fraktion gehen auch ganz persönlich an Sie, weil Sie nie einen Zweifel daran gelassen haben, dass wir die Ukraine unterstützen müssen. Sie waren damit auch ein Vorbild in ganz Europa. Wir haben in der letzten Nacht gesehen, wie wichtig es war, dass Sie da gestanden haben. Vielen Dank dafür!

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Nichtsdestotrotz gerät die Ukraine militärisch zunehmend unter Druck, wenn wir den Berichten glauben dürfen. Deshalb meine Frage: Wie wird die weitere militärische Unterstützung Deutschlands für die Ukraine aussehen? Welchen Beitrag leistet Deutschland, um europäische und internationale Unterstützung für die Ukraine weiter zu organisieren und weiter stabil zu halten?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 189 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege, in der Tat ist Deutschland inzwischen der größte Unterstützer der Ukraine; der Zusatz „nach den USA“ kann inzwischen wegfallen. Wir sind der größte Unterstützer. Wir werden im nächsten Jahr bei 9 Milliarden Euro liegen – dieses Jahr liegen wir knapp drunter –, haben aus Funding-Mitteln und EPF-Mitteln weitere 900 Millionen Euro auftreiben können, um aus dem ersten PURL-Paket mit 435 Millionen Euro ein Paket finanzieren zu können.

Viel wichtiger als das, was nach wie vor Bedeutung hat, gerade wenn es um Luftverteidigung in der Ukraine geht, sind die Joint Ventures zwischen der deutschen bzw. der europäischen und der ukrainischen Rüstungsindustrie mit Blick auf eine gemeinsame Produktion sowohl in der Ukraine als auch in Deutschland und Europa. Darum wird es in erster Linie gehen, weil die Kapazitäten der ukrainischen Rüstungsindustrie nicht ausgelastet werden können mit den Mitteln, die dort vorhanden sind. Das auszugleichen, wird die erste Aufgabe sein nach der weiteren Stärkung der Luftverteidigung. Ich füge das weitere Werben um Unterstützung bei unseren alliierten Partnern und Freunden hinzu.

Porträt von Falko Droßmann
Foto: Falko Droßmann / Maurice Weiss
ca. 55 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Antwort. – Sie haben es angesprochen: Im Rahmen der militärischen Hilfen wurde und wird auch Material der deutschen Streitkräfte an die Ukraine abgegeben. Herr Minister, handelt es sich dabei um Material, das für die deutsche Verteidigungsfähigkeit entscheidend ist? Und wie werden denn die entstehenden Lücken innerhalb unserer Streitkräfte geschlossen?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 104 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege, das ist relativ einfach: Das Material, das aus unseren Beständen an die Ukraine herausgegeben wird, nimmt im Umfang immer weiter ab. Gleichzeitig beschleunigen wir die Wiederbeschaffung dessen, was bereits ausgeliefert worden ist; das bleibt der Fokus. Deswegen gab es im letzten Jahr 97 25-Millionen-Euro-Vorlagen im Ausschuss und weitere hohe Zahlen in diesem Jahr, um genau das zu bewerkstelligen und den weiteren Materialaufwuchs sicherzustellen.

Porträt von Donata Vogtschmidt
Foto: Donata Vogtschmidt/ Heidi Scherm
ca. 200 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage richtet sich ebenfalls an Herrn Pistorius. Der Krieg in der Ukraine hat sich ja zu einem gigantischen Labor für datengetriebene Kriegsführung entwickelt. Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 wurden durch Drohnen und Sensorik Gefechtsvideos gesammelt, die KI-Systeme trainieren sollen. Insgesamt sind mittlerweile etwa 2 Millionen Stunden, also 228 Jahre Material zusammengekommen. Diese gewaltigen Datensätze werden sogar als strategisches Druckmittel im Rahmen internationaler Kooperationen eingesetzt. Zudem wird auch offen geäußert, dass die US-Datenanalysefirma Palantir aktiv in der Ukraine eingebunden ist, etwa zur Analyse russischer Angriffe, Zielauflösung und auch zur Infrastrukturplanung. Die Technologie dient aber nicht nur militärischen, sondern auch humanitären Zwecken, etwa mit Blick auf den Bau unterirdischer Schutzräume.

Damit stellt sich die Frage, wie Deutschland mit diesem hochsensiblen Feld umgeht, insbesondere weil die Gefahr besteht, dass ausländische Datenströme ungefiltert in militärische Beschaffungs- und auch Forschungsprojekte einfließen und so eine neue Eskalationsdynamik in Richtung autonome Kriegsführung befeuern. Meine Frage ist deshalb: Welche Haltung vertritt die Bundesregierung zur Nutzung großer Gefechts- und Sensordatensätze aus aktuellen Kriegen –

– wie zum Beispiel diese 2 Millionen Stunden, auch durch private Tech-Unternehmen wie Palantir?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 107 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Kollegin, wir nutzen diese privat zur Verfügung gestellte Software meines Wissens nicht. Ich habe auch ein ambivalentes Verhältnis zu Palantir im Besonderen. Aber davon abgesehen machen wir uns natürlich zunutze, was auf dem Gefechtsfeld in der Ukraine jeden Tag geschieht. Natürlich lernen wir von den Erfahrungen der ukrainischen Streitkräfte, natürlich lernen wir von dem Kriegsverlauf, den es dort gibt, und das ist auch gut und notwendig. Das betrifft nicht nur digitale Daten, sondern auch alles andere, was physisch stattfindet. Natürlich werden wir gemeinsam mit unseren Partnern auswerten, was wir auswerten können.

Porträt von Donata Vogtschmidt
Foto: Donata Vogtschmidt/ Heidi Scherm
ca. 46 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Genau, eine Nachfrage noch. – Welche politischen oder auch rechtlichen Leitlinien existieren denn bereits oder planen Sie, um zu verhindern, dass Deutschland dadurch in eine faktische Abhängigkeit von Kriegsdaten gerät oder unbeachtet den Weg hin zu einer KI-gesteuerten, autonomen Kriegsführung ebnet?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kollegin, wir haben uns immer dazu committet, keine vollautonome KI-gestützte Technologie zu benutzen, und dabei bleibt es.

Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
ca. 115 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Frage geht an die Gesundheitsministerin. Frau Warken, momentan werden Bürgergeldempfänger von der gesetzlichen Krankenversicherung mit 10 Milliarden Euro im Jahr finanziert. Das heißt, pro Beitragszahler gehen 172 Euro jedes Jahr für Bürgergeldempfänger drauf. Sie haben im Mai und Juni mehrfach versprochen – ich zitiere Sie –: „Die Behandlungskosten für Bürgergeldempfänger sollten über den Bundeshaushalt [...] komplett abgedeckt werden.“ Das waren Ihre Worte. Im nun vorliegenden Haushaltsentwurf ist davon jedoch nichts zu finden. Sie haben uns im Gesundheitsausschuss sogar gesagt, dass für den Haushalt 2026 ebenfalls nicht geplant ist, dass diese Beiträge der Bürgergeldempfänger übernommen werden. Warum versprechen Sie den Menschen großspurig Entlastungen, wenn Sie sie dann nicht einhalten? Wollen Sie vorsätzlich die Demokratie schädigen?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 169 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es ist Ihnen und den Kolleginnen und Kollegen ja bekannt, Herr Kollege, vor welchen Herausforderungen wir hinsichtlich der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung stehen. Das System ist in tiefroten Zahlen; das habe ich immer gesagt. Ich habe auch gesagt, dass ein Punkt, über den man natürlich eine ehrliche Debatte führen muss, das Thema „versicherungsfremde Leistungen“ bzw. das Thema „Bürgergeldempfänger“ ist. Das nehmen wir in den Blick, dazu gibt es Gespräche. Natürlich muss jede Reformkommission, die Vorschläge macht, mit ihren Vorschlägen erst mal über diese Klippe drüber, die Kosten auszugleichen, die durch solche Leistungen entstehen.

Gleichfalls haben wir aber auch im Haushalt – auch das ist jedem bekannt – eine schwierige Situation: Nicht jeder Wunsch, der besteht, kann erfüllt werden. Deswegen suchen wir jetzt gemeinsam nach Lösungen, die die Kassenbeiträge stabilisieren und die Situation der GKV verbessern. Es ist sicherlich ein Mix aus Maßnahmen, die wir da angehen – kurzfristig, mittel- und langfristig –, und da sind wir in einem guten Austausch.

Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
ca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie sind jetzt deutlich über hundert Tage in Regierungsverantwortung. Sie haben bisher noch nichts konkret unternommen, um die Kassenbeiträge zu stabilisieren. Die Zeit drängt; das sieht jeder Bürger beim Blick auf seine Krankenkassenkosten.

Sie haben gerade eine Kommission angesprochen; die hatten Sie ja auch schon im Koalitionsvertrag versprochen. Bisher ist von dieser Kommission nichts zu sehen. Ab welchem Datum startet denn diese Kommission, und aus welchen Experten soll diese Kommission bestehen? Und steht wenigstens schon fest, wann konkret Ergebnisse zu erwarten sind?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben uns, Herr Kollege, im Koalitionsvertrag darauf verständigt, dass diese Kommission eingesetzt wird und Ergebnisse eigentlich erst im Sommer 2027 vorlegen soll. Die Kommission muss natürlich sehr viel früher Ergebnisse vorlegen, und deswegen wird die Kommission den Auftrag bekommen, schon im Frühjahr nächsten Jahres erste Ergebnisse zu präsentieren. Deshalb beginnt sie auch sehr zeitnah mit ihrer Arbeit. Wir haben die Abstimmungen dazu in der Regierung jetzt beendet, und in den nächsten Tagen können wir dann auch die Mitglieder der Kommission und den Arbeitsauftrag bekannt geben.

Porträt von Linda Heitmann
Foto: Linda Heitmann / Oliver Hadji
ca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank. – Das große Defizit, das in der GKV Ende dieses Jahres zu erwarten ist, und auch die immer noch nicht eingesetzte, von Ihnen vielfach angekündigte Kommission sind zwei Punkte, die auch uns als Bündnis 90/Die Grünen große Sorgen machen. Ich weiß auch aus den Befragungen von Ihnen im Ausschuss, dass Sie sich immer gern dahinter verstecken, zu sagen, Sie warten die Ergebnisse dieser Kommission ab.

Nichtsdestotrotz möchte ich Sie fragen, ob Sie jetzt schon Vorstellungen davon haben, wie man die Einnahmenseite auch in der GKV in Zukunft konkret verbessern kann.

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 138 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Bei der GKV, Frau Kollegin, geht es, glaube ich, nicht nur um die Einnahmen-, sondern auch um die Ausgabenseite, und uns geht es insgesamt darum, auch eine bessere Steuerung ins System zu bekommen. Deswegen haben wir uns auf Maßnahmen geeinigt, die jetzt auch in der Erarbeitung bzw. Umsetzung sind, zum Beispiel das Primärarztsystem oder die Notfall- und Rettungsdienstreform, die auch schon vorbereitet ist, aber an vielen Stellen jetzt noch nachbereitet werden muss und in Kürze mit dem Referentenentwurf starten kann.

Rednerwechsel

Ich kann Ihnen die Sorge nehmen: Die Kommission wird bald ihre Arbeit aufnehmen.

Porträt von Kay-Uwe Ziegler
Foto: Kay-Uwe Ziegler/ Nikolaus Becker
ca. 75 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin Warken, eigentlich nur mal eine Frage zu der Kommission – es wird immer gesagt, die wird jetzt eingesetzt –: Sind Ihnen die Mitglieder persönlich bzw. namentlich schon bekannt, und können Sie ausschließen, dass Mitglieder der Kommission für das, was die Krankenkassen im Moment an Defiziten haben, früher politisch verantwortlich waren, sodass wir nicht Leute sehen, die genau diese Zustände herbeigeführt haben, die wir jetzt überall erleben?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, die Kommission wird mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besetzt sein, die in ihrem Fachbereich jeweils eine unbestrittene Expertise aufweisen können. Da wird es Experten zum Thema der ökonomischen Betrachtungsweise, der Versorgung, der Prävention geben – verschiedene Blickwinkel also –, und auch das Sozialrecht wird in den Blick genommen. Also, wir haben eine, glaube ich, sehr gut austariert besetzte Kommission, die dann sicherlich auch gute Ergebnisse liefern wird.

Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
ca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Möglichkeit einer Nachfrage. – Frau Ministerin, Sie schließen Denkverbote nicht aus. Ein Denkverbot, das Sie nicht ausschließen – das ist heute wieder zu lesen –, sind Leistungskürzungen bei den Menschen, die versorgt werden müssen. Sie erwecken den Anschein einer gewissen Denkverweigerung, was Ideen wie die Anhebung von Beitragsbemessungsgrenzen oder die Einbeziehung anderer Einnahmemöglichkeiten, zum Beispiel durch Miete oder Rendite, angeht. Schließen Sie das auch nicht aus, oder wird das von der Kommission nicht behandelt und eher die Seite der Leistungskürzungen betrachtet?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 133 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also, Herr Kollege, ich persönlich habe heute keine Vorschläge für Leistungskürzungen gemacht, und auch mein Haus arbeitet an den Vorschlägen, auf die Sie, glaube ich, Bezug nehmen, im Moment nicht. Es geht darum, wenn man die Kassen und die Beiträge für Januar in den Blick nimmt, jetzt kurzfristig darüber zu sprechen, ob eine Unterstützung aus dem Haushalt möglich ist bzw. welche Maßnahmen dafür kurzfristig zu ergreifen sind. Das ist das eine.

Und dann gibt es die Kommission, die mittel- und langfristige Vorschläge machen und strukturelle Veränderungen vorschlagen muss, und da gibt es, wie ich es immer gesagt habe, auch keine Denkverbote.

Porträt von Thomas Erndl
Foto: CSU-Landesleitung / Christian Kaufmann
ca. 139 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich richte meine Frage an den Herrn Bundesminister der Verteidigung. – Herr Minister, Sie beschreiben regelmäßig eindrücklich die Bedrohungslage und haben das dankenswerterweise auch bei den einleitenden Worten heute gemacht. Dieses Parlament hat auf die Bedrohungslage mit der Bereichsausnahme für Verteidigungsausgaben bei der Schuldenbremse bereits richtig reagiert und den Weg für einen grundsätzlichen Aufbau und Ausbau unserer Verteidigungsfähigkeiten freigemacht.

Im Entwurf zum neuen Wehrdienstgesetz wollen Sie die Möglichkeit einer verpflichtenden Heranziehung mit der Voraussetzung verknüpfen, dass die verteidigungspolitische Lage dies erfordert. Halten Sie die jetzige Bedrohungslage für ausreichend?

Und wenn wir als Parlament diese Bedrohungslage für die Bereichsausnahme schon anerkannt haben: Was muss tatsächlich noch passieren, damit auch die Voraussetzungen für die verpflichtende Heranziehung geschaffen werden, wenn Freiwilligkeit nicht ausreicht? Und sollten wir diese Debatte nicht jetzt abschließend führen?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 194 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege Erndl, Sie haben mit den letzten beiden Sätzen die Antwort auf die Frage selbst gegeben. Es geht um zwei Faktoren: Es geht um die Frage der Sicherheitslage und um die Frage des Aufwuchses und das Maß, in dem es uns gelingt. Wir setzen darauf, auch nach den Erfahrungen aus Schweden und nach dem, was wir in diesem Jahr und im letzten Jahr gesehen haben, dass die Freiwilligenzahlen reichen werden, um bis zum Jahre 2029/2030 aufsteigend von diesem Jahr 15 000, 20 000, 23 000, 28 000 und dann 33 000 Wehrpflichtige, insgesamt die Zahl der Wehrdienstleistenden dann im Durchlauf gehabt zu haben, die als Reservisten zur Verfügung stehen, und damit den Aufwuchs für die Reserve zu gewährleisten. Das ist der Plan.

Wenn sich diese Freiwilligenzahlen nicht bestätigen, wenn sie nicht eintreten, dann gilt es, den entsprechenden Mechanismus auszulösen. Dann werden wir einen Kabinettsbeschluss unter dem Vorbehalt des Parlaments herbeiführen – übrigens etwas, was auch jetzt notwendig wäre, um die Wehrpflicht zu reaktivieren, da sie seinerzeit, vor 14 Jahren, eben auch durch Parlamentsbeschluss außer Kraft gesetzt wurde.

Porträt von Thomas Erndl
Foto: CSU-Landesleitung / Christian Kaufmann
ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister, wir müssen ja ein Zeichen der Stärke aussenden, Stärke ausstrahlen. Dafür braucht es auch Verbindlichkeit. Ja, wir setzen zunächst auf Freiwilligkeit; das haben wir so vereinbart. Trotzdem müssen wir auch Verlässlichkeit gegenüber unseren NATO-Partnern zeigen. Wie stellen wir sicher, dass diese Verbindlichkeit auch gewährleistet ist, unabhängig von zukünftigen politischen Debatten?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 131 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter, diese politischen Debatten werden Sie nie vermeiden können.

Das ist eine der großen Fragen unserer Zeit: Wehrdienst bzw. Wehrpflicht. Wir müssen diese Diskussion ehrlich führen. Wir können sie jetzt führen, oder wir führen sie, wenn es so weit ist. In jedem Fall wird sie wahrscheinlich sogar zweimal geführt werden müssen, und das ist notwendig und richtig.

Die Verlässlichkeit gegenüber den Verbündeten ergibt sich aus unserem Gesamtmaßnahmenpaket – aus unseren NATO-Zielen, die wir schneller erreichen als andere, bis hin zur Beschleunigung des Infrastrukturausbaus bei der Bundeswehr und zu einem klaren Aufwuchspfad für den Wehrdienst.

Porträt von Leon Eckert
Foto: Leon Eckert / Stefan Kaminski
ca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundesminister, wenn die CDU/CSU-Fraktion jetzt schon der Meinung ist, dass die Freiwilligkeit nicht ausreichen wird und man die Pflicht bräuchte: Denken Sie nicht, dass die Bundesregierung es irgendwie nicht schafft, diese Bedrohungslage richtig zu kommunizieren und auf die Menschen zuzugehen und zu erklären, wieso Menschen sich für dieses Land einsetzen sollen, und deswegen diese Freiwilligkeit nicht gegeben ist?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 110 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter, die Frage impliziert, es gebe diese Bereitschaft nicht. Das ist falsch. Wir haben in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der militärischen Einstellungen um fast 30 Prozent und liegen damit höher als in den letzten sechs Jahren. Der Aufwuchspfad sieht nächstes Jahr 20 000 Einstellungen, dann 23 000, dann 28 000 vor; ich habe es gesagt. Bislang gibt es überhaupt keine Anzeichen, dass die Freiwilligenzahlen nicht reichen werden.

Wir machen Werbung dafür. Wir erhöhen die Attraktivität in vielen Bereichen, bis hin zu den Inhalten der Ausbildung. Das ist bereits in der Umsetzung, weil es genau darum geht.

Porträt von Diana Herbstreuth
Foto: Diana Herbstreuth/ Foto Opitz
ca. 65 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Werter Herr Minister, warum nennen Sie keine klaren Zwischenziele bei dem Aufwuchspfad, dem Weg bis 2029 für die einsatzbereiten Streitkräfte sowohl im Bereich der Reserve als auch der aktiven Truppe? Dadurch schaffen wir keine Planungssicherheit für die Industrie und für die Bundeswehr. Wie sollen sich also die Industrie und die Bundeswehr darauf einstellen, wenn Sie uns keine klaren Ziele vorgeben?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 183 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Abgeordnete, um ehrlich zu sein: Ich verstehe Ihre Frage nicht. – Ich habe gerade mehrmals sehr deutlich gesagt, wie der Aufwuchspfad für die Reserve in den nächsten Jahren aussieht; das steht in den Begründungen, steht in allen Papieren. Wir haben ein Konzept für den Aufwuchs der stehenden Streitkräfte. Wir haben ein Planungs- und Beschaffungsbeschleunigungsgesetz, das dafür Sorge tragen wird – auch schon in seiner Ankündigung –, dass die Industrie weiß, worauf sie sich verlassen kann. Wir haben dank der Zustimmung dieses Hohen Hauses noch in der alten Wahlperiode zusammen mit den Grünen die Weichen dafür gestellt, dass Geld zur Verfügung steht, um langfristige Verträge abzuschließen. Wenn Sie heute mit der Rüstungsindustrie sprechen, –

Rednerwechsel

– werden Sie niemanden hören, der Klage über zu wenig Planungssicherheit führt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, die Streitkräfte brauchen natürlich eine gute Moral. Der Aufwuchs der Streitkräfte nach dem bisherigen Wehrpflichtmodell, aus dem man sich schon damals, als es noch bestand, quasi per Postkarte verabschieden konnte, ist ja weiterhin gegeben. Planen Sie als Minister zum Beispiel einen Aufruf der Bundesregierung an die regierungstragenden Parteien und vielleicht auch die Grünen, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihre eigenen Kinder und Familienangehörigen aufzufordern, Wehrdienst zu leisten und für Deutschland Dienst zu tun?

Porträt von Desiree Becker
Foto: Desiree Becker/ Maurice Jelinski
ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke für die Möglichkeit der Nachfrage. – Ich hätte tatsächlich auch noch mal eine Frage zu dem neuen Gesetzentwurf zum Wehrdienst. Wann gedenken Sie denn, junge Menschen in diese Diskussion miteinzubinden? Sie haben jetzt schon öfters Beschwerden darüber bekommen, dass über die Köpfe von Tausenden jungen Menschen hinweg entschieden wird. Und es ist ja auch, wie wir jetzt wissen, nicht nur ein rein auf Freiwilligkeit basierender Gesetzentwurf, sondern er hat auch verpflichtende Elemente. Das würde mich tatsächlich mal interessieren.

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 168 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Kollegin, ich wundere mich ein bisschen; denn all diese Pflichten stehen im Grundgesetz, sie sind nur ausgesetzt. Wir setzen ab 2027 die Musterung wieder ein, und die Wehrerfassung wird durch einen Fragebogen, der ausgefüllt werden muss, gewährleistet. Das sind die Minimalvoraussetzungen für das, was es zu erfüllen gilt.

Eine Diskussion findet bereits im öffentlichen Raum statt. Ich führe sie mit Schulklassen, ich führe sie mit Verbänden. Auch der parlamentarische Raum ist in einer repräsentativen Demokratie der Raum, in dem so was zu diskutieren ist. Diese Diskussion wird stattfinden; ich habe es gesagt. Aber noch reden wir ausschließlich über freiwilligen Wehrdienst.

Rednerwechsel

Und ich sehe keine Anhaltspunkte dafür, dass wir davon werden abweichen müssen.

Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
ca. 75 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich würde meine Frage gerne an Ministerin Warken stellen wollen. Frau Ministerin, der Sudhof-Bericht aus Ihrem Haus hat im Zusammenhang mit dem beispiellosen Skandal bei der Maskenbeschaffung die milliardenschweren Fehler für den Steuerzahler belegt, in Teilen aufgeschlüsselt und umfangreiche Pflichtverletzungen im Rahmen der Beschaffung im Bundesgesundheitsministerium dokumentiert. Haben Sie disziplinarrechtliche Konsequenzen aus diesem Bericht geprüft, und, wenn ja, welche?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 49 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir sind nach wie vor dabei, diesen Bericht auszuwerten und aufzuarbeiten. Er bietet leider nur in begrenztem Umfang Anknüpfungspunkte für konkrete Maßnahmen; aber wir haben im Blick, ob Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Aber nein, bislang nicht.

Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
ca. 41 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich würde gerne eine Nachfrage stellen. – Ist Ihnen bekannt, ob Ihr Amtsvorgänger und die vorige Hausleitung disziplinarrechtliche Maßnahmen aus der Maskenbeschaffung geprüft haben, und, wenn ja, wie waren die Ergebnisse?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 39 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Dazu kann ich Ihnen an dieser Stelle keine Auskunft geben.

Porträt von Armin Grau
Foto: BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN RLP/ Alexander Sell
ca. 107 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin Warken, ich bleibe bei den Milliardenausgaben aus Ihrem Haus. Im Haushaltsbegleitgesetz sind sogenannte Sofort-Transformationskosten in Höhe von 4 Milliarden Euro vorgesehen, die mittels Rechnungszuschlägen an die Kliniken per Gießkanne ausgezahlt werden sollen. Damit geht ein starker Fehlanreiz zu weiteren Fallzahlsteigerungen und kurzfristiger Mengenausweitung einher. Davon profitieren dann vor allem die Häuser, die kurzfristig Fallzahlen steigern können. Wieso werden diese Mittel – immerhin 4 Milliarden Euro –

Rednerwechsel

– nicht gezielt an bedarfsnotwendige Häuser, zum Beispiel in Form von Sicherstellungszuschlägen und Notfallzuschlägen, gezahlt?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Herr Kollege, wir haben den Auszahlmechanismus so gewählt, weil wir glauben, dass das eine schnelle und bürokratiearme Lösung ist, um den Kliniken vor Ort, die sich im Transformationsprozess befinden, Hilfe zukommen zu lassen und diesen Transformationsprozess zu unterstützen. Das Thema der möglichen Mengenausweitung in missbräuchlicher Weise, wie Sie es beschrieben haben, oder diesen Fehlanreiz sehen wir so nicht. Es gibt auch Personalbemessungsuntergrenzen.

Rednerwechsel

Wir haben das in den Blick genommen und uns für diese Lösung entschieden.

Porträt von Kay-Uwe Ziegler
Foto: Kay-Uwe Ziegler/ Nikolaus Becker
ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Noch mal zum Sudhof-Bericht; denn das war gerade eigentlich die Hauptfrage. In der offiziellen Stellungnahme von Frau Sudhof wurde erwähnt, dass aktuell pro Woche 100 Lkw-Ladungen FFP2-Masken vernichtet werden müssen. Können Sie das hier bitte noch mal bestätigen und sagen, welche Kosten das Ganze pro Woche in etwa verursacht? – Danke.

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 101 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, wir haben dazu ja bereits öfter berichtet, sowohl im Haushaltsausschuss als auch im Gesundheitsausschuss. Es ist kein Geheimnis, dass noch Schutzausrüstung in größerem Umfang besteht, die vernichtet werden muss. Das wird immer in bestimmten Zyklen, wenn die Haltbarkeitsdaten ablaufen, auch getan.

Ich kann Ihnen gerne die konkreten Zahlen nachliefern; aber auf die Woche runtergebrochen kann ich das an dieser Stelle jetzt nicht sagen.

Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin Warken, vielen Dank für die Möglichkeit einer Nachfrage. – Sie haben gerade gesagt, der Bericht von Frau Sudhof sei in den Möglichkeiten für Sie, daraus Konsequenzen zu ziehen, begrenzt. Planen Sie, auch wenn die Möglichkeiten begrenzt sind – aber es geht immer noch um einen Streitwert von 2,3 Milliarden Euro –, selbst nachzubohren und nachzuhaken, um die Grenzen ein wenig aufzuweichen und neue Erkenntnisse zu ziehen, oder belassen Sie es bei dem Sudhof-Bericht, dessen Anknüpfungspunkte Sie selbst für begrenzt halten?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 137 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, wir werden uns die Vorgänge rund um die Beschaffung anschauen. Vor allem begleiten wir die laufenden Gerichtsverfahren, wo es darum geht, ob noch Vergleiche abzuschließen sind oder nicht.

Wie kann man die Belastung für den Steuerzahler an der Stelle möglichst begrenzen? Welche Lehren können wir daraus ziehen, wie man den Beschaffungsvorgang damals gestaltet hat, und wie muss man ihn in Zukunft, im erneuten Fall einer Krise, gestalten? Das alles haben wir im Blick; seien Sie versichert. Wir haben auch eine neue Arbeitseinheit im Haus geschaffen, die den Bericht auswertet.

Rednerwechsel

Wir kümmern uns um die Dinge.

Porträt von Christos Pantazis
Foto: Maximilian König
1 Vermerkca. 109 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Meine Frage richtet sich an Frau Ministerin Warken. – Frau Ministerin Warken, es wird berichtet, dass im Koalitionsausschuss Einigkeit herrscht, dass es zu keinen weiteren Beitragssteigerungen kommen soll. Schließlich sind ja die Beitragszahlerinnen und -zahler bis dato auch schon in Vorleistung getreten. Allerdings ist die Situation in der GKV wie auch in der SPV schwierig, und die Herausforderungen sind ziemlich groß. Der Schätzerkreis tagt ja auch bald, nämlich im Oktober.

Vor diesem Hintergrund habe ich die Frage: Wie schaut eigentlich der Plan aus? Was sehen Sie vor, um die Beitragssätze für 2026 stabil halten zu können?

Berechtigte Frage!

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, Sie haben natürlich recht: Man kann mit solchen Maßnahmen nicht ewig zuwarten, weil auch Sicherheit bestehen muss. Die Krankenkassen brauchen Planungsspielraum. Momentan – das ist auch kein Geheimnis – besteht noch eine Finanzierungslücke von 4 Milliarden Euro in der GKV. Wir haben auch schon Maßnahmen eingeleitet und sind jetzt dabei, zu schauen, ob wir kurzfristig zusätzliche Mittel im Haushalt einstellen oder andere kurzfristige Maßnahmen ergreifen müssen. Wir sind da in einem engen Austausch. Mit Blick auf die Notwendigkeit einer zügigen Entscheidung werden wir in angemessener Zeit, noch im Herbst, etwas auf den Weg bringen bzw. vorstellen.

Porträt von Christos Pantazis
Foto: Maximilian König
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wenn wir über GKV-Finanzen diskutieren, dann diskutieren wir natürlich auch über Modernisierung und vor allem über Strukturreformen, weil diese nicht nur qualitativer Natur sind, sondern auch monetäre Effizienzreserven heben. Nun gibt es aktuell Kritik an der sogenannten Weiterentwicklung der Krankenhausreform im KHAG. Wie stehen Sie dazu, dass gerade die Kritik geäußert wird, wir respektive Sie würden mit dem Entwurf die Reform verwässern und nicht weiterentwickeln?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 134 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, wir haben mit der Reform das gemeinsame Ziel, die Qualität zu erhöhen und die Leistungen und den Personaleinsatz zu bündeln, verbunden mit der Auswirkung, dass künftig nicht mehr jede Behandlung überall stattfinden kann, sondern bestimmte spezielle Behandlungen in speziellen Häusern stattfinden sollen. Dieses Ziel wird mit der Reform nach wie vor verfolgt. Die Reform wird natürlich Effekte haben; sie ist aber keine Sparmaßnahme, zumindest nicht kurzfristig.

Mit den jetzt vorgenommenen Anpassungen, zum Beispiel einer Fristverschiebung, damit die Länder mehr Zeit für die Planung –

Rednerwechsel

– und die Möglichkeit haben, Kooperationen einzugehen, verwässern wir die Reform nicht.

Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, zur Stabilisierung der Beiträge für die Krankenkassen hat Ihr Staatssekretär Tino Sorge heute einen Beitrag öffentlich gemacht, in dem er sagt, er möchte Beitrags- und Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung in Form eines Basistarifs. Jetzt haben Sie vorhin selbst gesagt: Nein, ich sehe es nicht so, dass man Leistungen kürzen sollte. – Das wirkt so, als wäre das mit Ihnen nicht abgesprochen. Ist das jetzt unabgesprochen rausgegangen von Tino Sorge, oder stehen Sie auch dafür, dass gegebenenfalls Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung im Rahmen eines Basistarifs gekürzt werden sollten?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 177 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, da haben Sie mich falsch verstanden. Ich habe nicht gesagt, dass ich nicht für Leistungskürzungen bin. Ich habe gesagt, ich bin für Maßnahmen wie zum Beispiel eine bessere Steuerung, eine Effizienzhebung im System, gegebenenfalls eben auch Leistungskürzungen.

Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die SPD gewandt: Oh, oh, oh! Liebe SPD, hört gut zu! Hört gut zu!

Zu dem konkreten Vorschlag habe ich mich dahin gehend geäußert, dass es nicht mein Vorschlag ist und dass der Vorschlag momentan nicht im Haus erarbeitet wird, sondern sicherlich auch in der Kommission besprochen werden kann, so wie alle Themen, auch Leistungskürzungen, Einnahmenseite/Ausgabenseite, in der Kommission besprochen werden.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 109 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Vielen Dank, Frau Ministerin. Jetzt ist es so, dass die Krankenkassenbeiträge die ganze Zeit ansteigen. Über 20 Kassen haben dieses Jahr ihre Zusatzbeiträge unterjährig erhöhen müssen. Wir haben gerade am Freitag die neuen Ausgabenzahlen erhalten: noch einmal ein starker Anstieg auf der Ausgabenseite. Und Sie schließen hier heute Leistungskürzungen auch nicht mehr aus.

Ich frage Sie: Wann legen Sie dem Parlament wirksame Strukturreformen, wie eine Notfallreform und ein Primärarztsystem, zur Beschlussfassung vor, damit Geld gespart wird, wenn doch die Ausgaben das große Problem der Krankenkassen sind?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, ja, die Beitragssatzsteigerungen gab es nicht nur in diesem Jahr; es gibt sie seit vielen Jahren. Es ist schon ein gewisser Automatismus, dass in jedem Januar die Beiträge steigen. Wir sind uns in der Bundesregierung einig, dass wir den durchbrechen und für eine Stabilisierung sorgen wollen. Dafür werden jetzt Maßnahmen ergriffen, kurz-, mittel- und langfristig. Das habe ich schon gesagt.

Ein Primärarztsystem – das wissen Sie selbst – kann man nicht von heute auf morgen einführen. In den nächsten Wochen beginnen die Gespräche mit den Stakeholdern dazu, welche Regelungen zu treffen sind.

Rednerwechsel

Und die Notfall- und Rettungsdienstreform werden wir auch im Herbst mit einem Referentenentwurf behandeln können.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Simone Fischer
Foto: Fraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 122 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin Warken, die Pflegepersonaluntergrenzen gehören zu den wenigen Instrumenten, die bislang Mindeststandards in der Versorgung sichern, sowohl für eine verlässliche Patientensicherheit als auch zum Schutz der Pflegenden vor Überlastung. Im aktuellen Referentenentwurf zum Krankenhausreformanpassungsgesetz sollen sie als Qualitätskriterium für die Leistungsgruppen nicht berücksichtigt werden. Damit entfällt ein wesentliches Element der Qualitätssicherung für Patientinnen und Patienten.

Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um sicherzustellen, dass die Pflege verbindlich in den Qualitätsvorgaben –

– der Leistungsgruppen abgebildet wird?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 131 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Frau Kollegin, ich bin dankbar für die Frage, weil immer wieder gesagt wird, diese Pflegepersonaluntergrenze würde fallen. Das ist nicht richtig. Wir streichen sie in diesem Referentenentwurf, weil wir schlicht der Meinung sind, dass sie bereits in der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung geregelt ist und deswegen nicht noch zusätzlich in den Qualitätsvorgaben für die Leistungsgruppen in diesem Gesetz geregelt werden muss. Wir sind an der Stelle dafür, Doppelregelungen zu vermeiden, aber dennoch die hohen Qualitätsstandards einzuhalten.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Funktioniert ja bei Ihnen nicht! Auf dem Rücken der Pflegekräfte werden sie eingehalten!

Porträt von Julia-Christina Stange
Foto: Julia-Christina Stange/ Foto Rimbach, Mainz
ca. 173 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht auch an Ministerin Warken. Die aktuellen Debatten um Fehlzeiten und unbezahlte Karenztage zeigen uns eins: Wer krank ist, wird benachteiligt. Das trifft vor allem chronisch Kranke, laut RKI immerhin etwa 50 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, darunter sehr viele Frauen, und die liegen Ihnen ja besonders am Herzen.

Ein Beispiel möchte ich nennen: Frauen mit Endometriose. Wir haben hier ja einen hohen Männeranteil. Deswegen will ich mal ganz kurz umreißen, was Endometriose bedeutet: Frauen sind tagelang ausgeknockt – Krämpfe, Erbrechen, das Gefühl, zu verbluten, Durchfall, Ohnmacht –, und das jeden Monat. Das ist die Realität jeder zehnten Frau in Deutschland. Viele Betroffene quälen sich heute unter Schmerzen zur Arbeit, haben Angst, ihren Job zu verlieren. Diese Frauen brauchen politische Rahmenbedingungen und Ihre Verantwortung als Ministerin.

Daher frage ich Sie: Was sind Ihre Vorschläge, um Frauen mit chronischen Erkrankungen wie Endometriose den Arbeitsalltag zu erleichtern –

– und krankheitsbedingte Existenzängste konkret abzubauen?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 167 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Frau Kollegin, ich bin froh, dass Sie mit dieser Frage dazu beitragen, dass wir auch über solche Themen sprechen. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir Krankheiten wie die Endometriose, aber auch die Menopause viel mehr aus der Tabuzone herausholen und darüber sprechen. Diese haben auch Auswirkungen auf den Arbeitsalltag von Frauen.

Deswegen ist es wichtig, glaube ich, dass wir ein Selbstverständnis dafür bekommen und Arbeitgeber und Arbeitnehmerin die Dinge gemeinsam in den Blick nehmen und so regeln, dass dies nicht dazu führt, dass Frauen sagen: Dann gehe ich lieber nicht arbeiten oder reduziere ich, weil ich Sorge davor habe, mich dann auch am Arbeitsplatz mit dem Thema zu outen.

Das alles sind Regelungsbereiche, die nicht allein in meinem Zuständigkeitsbereich liegen. Aber ich bin im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Ich glaube, es ist ein wichtiges Anliegen, dass wir da vorankommen und Rahmenbedingungen schaffen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Julia-Christina Stange
Foto: Julia-Christina Stange/ Foto Rimbach, Mainz
ca. 51 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Genau, eine Nachfrage. – Möchten Sie sich auch politisch dafür einsetzen? Blicken wir zum Beispiel nach Spanien! Dort haben die Frauen Gelegenheit, sich drei Tage freizunehmen – bezahlt, unabhängig von den AU-Tagen. Könnten wir dieses System nicht auch hierzulande einführen? Das würde schnell Abhilfe leisten.

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Kollegin, diese Vorschläge werden natürlich immer diskutiert. Das würde einerseits zur Entlastung der Frauen führen, zöge andererseits aber natürlich finanzielle Folgen für das System nach sich und würde auch Herausforderungen für den Arbeitgeber darstellen. Deswegen müssen wir diese Dinge sorgfältig abwägen. Das kann ich nicht allein entscheiden.

Wir müssen die Dinge immer in der Gesamtheit in den Blick nehmen. Wir haben gerade eben lange über die Kostensituation gesprochen. Ich glaube, auch die müssen wir in den Blick nehmen. So wünschenswert viele Dinge sind, so schwierig sind sie manchmal eben umzusetzen.

Rednerwechsel

Ich bin aber dafür, dass wir uns dieses Themas annehmen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank, Frau Präsidentin, für das Zulassen der Nachfrage. – Sehr geehrte Frau Ministerin, die Stichworte „Frauengesundheit“, „Endometriose“ und „Menopause“ haben wir gehört. Nun wissen wir ja, dass es beim Zugang zum medizinisch sicheren Schwangerschaftsabbruch erhebliche Versorgungslücken in Deutschland gibt; das hat jetzt gerade die ELSA-Studie aus Ihrem Hause, eine sehr umfangreiche, sehr wissenschaftlich valide Studie, ergeben. Welche Maßnahmen planen Sie in Zukunft vorzunehmen, damit diese Wege für Frauen, die sowieso schon in Not sind, nicht noch zusätzlich erschwert werden?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 202 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Kollegin, vielen Dank. – Auch in diesem Bereich gilt: Ja, die Versorgungslage hat Luft nach oben. Bundesweit ist das unterschiedlich. Es gibt Regionen, wo Beratungen und Behandlungen besser erreichbar sind als in anderen. Das Ganze ist auch nicht ausschließlich in unserer Zuständigkeit zu sehen. Aber wir nehmen den Auftrag aus dem Koalitionsvertrag ernst, die Versorgungslage zu verbessern, und sind auch mit den Ländern im Austausch, Beratungsangebote auszuweiten und bei der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten darauf zu achten, dass entsprechende Ausbildungsinhalte vermittelt werden.

Sie wissen, das ist ein schwieriges Thema. Das ist auch ein Thema, bei dem im Bereich der Ärzte eine gewisse Freiwilligkeit gegeben sein muss. Man kann also nicht den Schalter umlegen, um die Versorgungslage zu verbessern. Aber gerade beim Thema „Abgabe von Verhütungsmitteln“ haben wir uns auch vorgenommen, –

Frau Ministerin.

Rednerwechsel

– Dinge zu verbessern. Deswegen ist es ein Paket von Maßnahmen.

Vielen Dank für die Antwort. – Ein herzliches Hallo von mir! Wir haben hier gewechselt.

Ich sehe im Moment zu diesem Thema keine weitere Nachfrage und würde dann mit der nächsten Hauptrunde starten. Da käme als Erstes Stephan Brandner von der AfD-Fraktion dran.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 127 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ein fröhliches Hallo auch von mir! – Je später man in einer Fragestunde drankommt, desto mehr Themen sind abgegrast. Aber eine Frage habe ich noch an Frau Warken. Diese betrifft den meteorologisch zu Ende gegangenen Höllensommer 2025; kalendarisch läuft er noch ungefähr zehn Tage. Temperaturen: über 20 Grad. Wir hatten Tage mit Niederschlag. Also wirklich abartige Zustände in Deutschland!

Im Juni 2025, Frau Warken, hat Ihr Ministerium Musterhitzeschutzpläne für Veranstaltungen und Breitensport, Apotheken und ambulante psychotherapeutische Praxen vorgelegt mit dem Inhalt, man sollte weniger Bier trinken und das Grillen unterlassen – also nicht in den Apotheken, sondern bei den öffentlichen Veranstaltungen. In Apotheken sollten Hitzeschutzbeauftragte ernannt werden und Schulungen durchgeführt werden. Was war denn der Erfolg dieser Musterhitzeschutzpläne, die Sie uns im Juni 2025 präsentiert haben?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
3 Vermerkeca. 152 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, ich weiß nicht, ob Ihr Wortbeitrag hilfreich ist,

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

da es, glaube ich, unsere Aufgabe ist, die Bürgerinnen und Bürger zu sensibilisieren und das Thema ernst zu nehmen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Auch wenn dieser Sommer vielleicht nicht alle Rekorde gebrochen hat, ist das ein tatsächlich ernstzunehmendes Thema. Wir müssen die Bevölkerung dafür sensibilisieren, selbst Vorsorge zu treffen. Und ich kann Ihre Frage auch nicht ganz einordnen, nachdem mich Ihr Kollege kürzlich darauf angesprochen hat, dass ich doch für mehr Hitzeschutz in den Krankenhäusern und Pflegeheimen sorgen soll. Entweder ist es ein Problem, oder es ist kein Problem. Da müssen Sie sich schon entscheiden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nachfrage?

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 101 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Rekordverdächtig in diesem Sommer war für mich eigentlich eher die Durchschnittlichkeit des Sommers. Das war ein ganz normaler Sommer. Ich weiß nicht, wo Sie da Rekorde sehen.

Ich nehme das durchaus ernst – sonst würde ich das hier nicht in der Primetime im Plenarsaal fragen – und habe doch ganz klar gefragt: Hitzeschutzpläne für Apotheken, für ambulante psychotherapeutische Praxen und für Sportveranstaltungen: Was hat das damit auf sich? Was hat uns das gebracht? Das muss doch auch Sie interessieren. Deshalb noch mal eine Nachfrage: Wie viele Menschen in Ihrem Hause beschäftigen sich zu welchen Kosten mit der Erstellung von Hitzeschutzplänen?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 168 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir sind zuständig für die Kontrolle und Durchführung von Hitzeschutzmaßnahmen. Wir haben eine Abteilung, die sich mit dem Thema „Öffentliche Gesundheit“ befasst. In dem konkreten Fall, auf den Sie abzielen, war es eine gemeinsame Aktion mit dem DOSB, der es auch als seine Aufgabe sieht, Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren und zu warnen, wenn man Sport treibt, Vorsorge zu treffen, genug zu trinken, sich einzucremen, Sonnenschutz zu verwenden. Ich nutze die Gelegenheit hier gerne noch mal, um darüber zu sprechen.

Beifallder Abg. Emmi Zeulner [CDU/CSU]

Ich glaube, es ist unsere Aufgabe, dass wir auch immer wieder darauf hinweisen, diese Maßnahmen zu ergreifen.

Jeder weiß natürlich am Ende des Tages, dass es da keine messbaren Erfolge gibt. Aber es bleibt eine Daueraufgabe, die Leute auf diese Dinge hinzuweisen und dafür zu sensibilisieren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dazu gibt es eine weitere Nachfrage aus der AfD-Fraktion: Kay-Uwe Ziegler.

Porträt von Kay-Uwe Ziegler
Foto: Kay-Uwe Ziegler/ Nikolaus Becker
ca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe dazu noch eine Frage, weil ich diesen Hitzeschutzplan damals durchgearbeitet habe. Ich habe darin ein Wort gesucht, und ich habe es nicht gefunden. Aber vielleicht gibt es von Ihnen eine Erklärung, warum das Wort „Klimaanlage“ im Hitzeschutzplan nicht vorkommt. Hat das ideologische Gründe? Oder warum werden Klimaanlagen, die in Südeuropa und im südlichen Mitteleuropa Standard sind, bei uns in dem Hitzeschutzplan nicht erwähnt?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 74 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, ich weiß nicht genau, welchen Hitzeschutzplan Sie meinen. Es gab die Aktion des DOSB mit konkreten Handlungsempfehlungen. Da dieser sich vor allem auf Sportveranstaltungen im Freien bezog, gehe ich mal davon aus, dass Klimaanlagen dort keinen Nutzen bringen würden.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Eine weitere Nachfrage aus der AfD-Fraktion von Martin Sichert.

Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
1 Vermerkca. 51 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Ministerin, wenn Sie jetzt schon einen Hitzeschutzplan aufgelegt haben, meine Frage an Sie. Wir wissen, dass in jedem Wintermonat Zehntausende Menschen mehr als in jedem Sommermonat sterben. Konkret: Ist denn dann auch ein Kälteschutzplan im Winter geplant?

Es gibt einen für wohnungslose Menschen!

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 178 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich glaube, die Frage beantwortet sich von selbst. Dort, wo man auf Dinge hinweisen kann, wo man die Bevölkerung sensibilisieren kann, tun wir dies und weisen auf die Gefahren hin.

Morgen ist auch der bundesweite Warntag. Daran darf sich jeder gerne beteiligen. Uns allen ist es ein gemeinsames Anliegen – sowohl in der Bundesregierung, aber auch in meinem Haus –, bei den Menschen für eine gewisse Sensibilisierung zu sorgen, dass wir selbst Vorsorge treffen können, dass wir resilient sind, dass wir zu Hause im Fall einer Krise die nötigen Dinge haben. Gestern hatten wir hier in Berlin wieder einen Stromausfall. Auf all diese Dinge müssen wir uns einstellen.

Das war ein Terroranschlag von links und kein Stromausfall!

Da wollen wir uns aufstellen. Da wollen wir auch die Bürgerinnen und Bürger mit vielen Informationen, die wir geben, gut vorbereiten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich würde noch eine weitere Nachfrage aus der AfD-Fraktion von Dr. Christina Baum zulassen. Dann kommen wir zum nächsten Hauptfragenden.

Porträt von Christina Baum
Foto: Dr. Christina Baum/Fotodienst Bundestag
ca. 70 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Warken, viele Ihrer Vorschläge im Hitzeschutzplan, wie eine Kopfbedeckung zu tragen, sich einzucremen oder viel zu trinken im Sommer, wenn es warm ist, kommen mir wie Empfehlungen für Kleinkinder vor. Das ist normalerweise Allgemeinwissen. Was hat das in einem Hitzeschutzplan einer Bundesregierung zu suchen? Ich verstehe das nicht. Oder sind die Menschen inzwischen so degeneriert, dass sie diese Empfehlungen von Ihnen brauchen?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 177 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Kollegin, es ist in der Tat ein schmaler Grat: Wenn man solche Vorschläge macht, erntet man auch gewisse Reaktionen. Das ist mir, das ist uns bewusst. Aber meine tagtägliche Erfahrung zeigt, dass man nicht genug vor solchen Dingen warnen kann.

Ich war über den Sommer auf genügend Sportveranstaltungen bei mir zu Hause im Wahlkreis. Da finden Sie immer wieder gerade Kinder und Jugendliche, die keine Vorsorge getroffen haben, die keine Kopfbedeckung tragen, die keine Getränke dabeihaben, denen es dann schlecht geht.

Wenn man in unsere Nachbarländer schaut, sieht man: Die gehen mit diesen Dingen sehr viel unaufgeregter um und warnen ihre Bevölkerung mit einfachen Beispielen und Hinweisen, die man vielleicht auch lächerlich oder für Kinder geeignet halten kann. Aber ich glaube: Je einfacher man die Dinge rüberbringt und je öfter man sie sagt, desto besser bleiben sie dann auch im Gedächtnis.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Dann kommen wir zu dem nächsten Hauptfragenden: Dr. Stephan Pilsinger für die CDU/CSU-Fraktion.

Porträt von Stephan Pilsinger
Foto: Stephan Pilsinger/ Christian Kaufmann
ca. 46 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe eine Frage an die Bundesministerin Nina Warken. Frau Warken, heute wurde im Bundeskabinett leider noch nicht das neue Gesetz zur Krankenhausreform beschlossen. Könnten Sie bitte noch mal kurz darstellen, warum diese Veränderung der Krankenhausreform sehr sinnvoll wäre?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 142 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, uns einen ja einerseits die Ziele der Reform an sich und andererseits sehen wir, dass es Anpassungen geben muss; darauf hat man sich im Koalitionsvertrag verständigt. Wichtig ist, denke ich, dass die Länder noch ein Jahr mehr Zeit bekommen, die Ziele der Reform umzusetzen. Und wichtig war auch, dass wir zum Beispiel erweiterte Kooperationsmöglichkeiten geschaffen haben, dass wir Ausnahmen vorgesehen haben und damit die Planungen der Länder erleichtern.

Klar ist: Das Ziel der Krankenhausreform bleibt, die Qualität zu verbessern, Leistungen zu bündeln und mehr Steuerung zu bekommen. Aber es war eben wichtig, Anpassungen vorzunehmen, um die Reform umsetzbar zu machen, um keine Versorgungslücken dort entstehen zu lassen, wo man vielleicht gewisse Kriterien noch nicht einhält, aber nach einer gewissen Zeit doch einhalten kann, um die Versorgung vor Ort aufrechtzuerhalten.

Ihre Nachfrage, bitte.

Porträt von Stephan Pilsinger
Foto: Stephan Pilsinger/ Christian Kaufmann
ca. 35 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Nachfrage: Im Haushaltsbegleitgesetz 2025 sind 4 Milliarden Euro Sofort-Transformationskosten für die Krankenhäuser vorgesehen. Wie wird gewährleistet, dass diese Hilfen schnell und unbürokratisch bei den Krankenhäusern ankommen?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ZwischenfrageWortwechselca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, es war uns wichtig, dieses Geld wirklich schnell auszahlen zu können. Man kann sich da verschiedene Wege vorstellen; die Kollegin hatte vorhin auch schon danach gefragt. Wir werden jetzt ab November mit der Auszahlung beginnen können. Die Krankenhäuser erhalten einen Rechnungszuschlag auf ihre Abrechnung mit der GKV über zwölf Monate hinweg in Höhe von 3,45 Prozent. Und wir glauben, dass das ein guter Weg ist, dieses Geld schnell auszubezahlen.

Frau Ministerin, wie wird – –

Sie können leider keine weitere Nachfrage stellen. Aber dafür hat der Kollege aus der Unionsfraktion jetzt die Chance, noch weiter nachzufragen.

Porträt von Axel Müller
Foto: Axel Müller/ Tobias Koch
ca. 46 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Frau Ministerin, ich habe tatsächlich eine weitere Nachfrage, und zwar: Wie wird im Rahmen der angedachten Reform der Krankenhäuser die finanzielle Unterstützung in den kommenden Jahren aussehen? Und mit welcher Dauer der Konvergenz rechnen Sie?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 147 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Viele Kliniken sind ja bereits im Transformationsprozess. Wenn man im Land unterwegs ist, dann sieht man sehr gut, dass diese Schritte schon gegangen werden. Wir in der Bundesregierung haben uns darauf verständigt, dass wir die Transformation der Krankenhäuser mithilfe des Sondervermögens unterstützen.

Es gibt den Krankenhaustransformationsfonds, der aus dem Sondervermögen gespeist wird. Der Bund zahlt hier die eine Hälfte und die Länder die andere Hälfte. Und damit wird auf zehn Jahre Unterstützung geleistet – bundesseits eben 25 Milliarden Euro plus bis zu 4 Milliarden Euro, die wir von den Ländern übernehmen. So können wir jetzt zu festen Kriterien zehnmal 2,5 Milliarden Euro auszahlen, die dann vor Ort in Strukturmaßnahmen investiert werden sollen.

Mir liegt hierzu keine weitere Nachfrage vor.

Das heißt, wir kommen jetzt zu dem Abgeordneten Niklas Wagener, der für Bündnis 90/Die Grünen die nächste Frage stellt.

Porträt von Niklas Wagener
Foto: Stefan Kaminski
ca. 126 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Bundesminister Pistorius, die Digitalisierung Landbasierter Operationen, kurz: D-LBO, ist von erheblicher Bedeutung für die Einsatzbereitschaft unserer Landstreitkräfte. Und wir arbeiten ja schon sehr lange daran. Kurz gesagt geht es darum, dass wir die alten Funkgeräte, mit denen es kaum möglich ist, mit den modernen Funkgeräten unserer NATO-Partner zu kommunizieren, durch ebenfalls moderne Funkgeräte ersetzen. Für dieses Projekt werden erhebliche Mittel auch aus dem Sondervermögen eingesetzt.

Nun ist aber mein Eindruck, dass die sogenannte Muster- und Serienintegration dieser neuen Funkgeräte in die verschiedenen Fahrzeuge des Heeres nicht planmäßig verläuft. Könnten Sie mir an dieser Stelle Auskunft darüber geben, ob die entsprechende Muster- und Serienintegration bei D-LBO planmäßig verläuft?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter, ja, das kann ich. Die Serienintegration beginnt in Kürze. Die Musterintegration ist so gut wie abgeschlossen. Mein letzter Stand – ich glaube, von vor zwei Wochen – nach Rücksprache im Haus ist, dass wir im Zeitplan liegen. Es ist nach wie vor alles sehr ambitioniert, weil es eben um weit mehr geht als nur um die Integration von Funkgeräten. Es geht um digitale Kommunikation weit über den Sprechfunkverkehr hinaus, um NATO-Interoperabilität. All das ist aber – Stand jetzt – im Plan.

Ihre Nachfrage, bitte.

Porträt von Niklas Wagener
Foto: Stefan Kaminski
ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Den Medien ist zu entnehmen, dass es ungefähr 200 verschiedene Muster braucht, die in die jeweiligen Fahrzeuge der Landstreitkräfte integriert werden müssen. Es gibt aber entsprechende Informationen, wonach aus der Industrie bisher nur 30 Muster geliefert worden sind. Und da stellt sich die Frage – es ist ja von besonderer Bedeutung, dass gesamte Verbände gleichzeitig umgerüstet werden, damit diese auch noch intern miteinander kommunizieren und sprechen können –: Ist die verbandsweise Umrüstung aus Ihrer Sicht planmäßig möglich?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege, aus meiner Sicht ist die Umrüstung nach wie vor möglich, und auch die – so meine Auskünfte – ist im Plan. Wir haken in den sogenannten Tischgesprächen mit den Fachleuten regelmäßig nach. Ich lasse mir regelmäßig berichten. Letzter Stand ist: Wir sind im Plan.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich habe eine Nachfrage von Herrn Pilsinger zu dem Thema.

Porträt von Stephan Pilsinger
Foto: Stephan Pilsinger/ Christian Kaufmann
ca. 121 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das Thema Waffen war angesprochen worden. Ich hätte eine Frage zu den Waffenlieferungen nach Israel: Welche Waffen können zukünftig noch von Deutschland nach Israel geliefert werden, wenn ausgeschlossen sein muss, dass diese beim Einsatz in Gaza genutzt werden? Und kann durch diese Maßnahme – –

Herr Pilsinger, es tut mir wirklich leid, aber das ist jetzt doch sehr weit weg von dem ursprünglichen Themenkomplex. Vielleicht können Sie innerhalb Ihrer Fraktion klären, dass Sie noch mal eine Frage stellen können. Aber diese Frage würde ich an der Stelle nicht zulassen. – Dann habe ich keine weitere Nachfrage zu dem Thema vorliegen.

Und damit hätte als Nächstes Serdar Yüksel für die SPD-Fraktion die Möglichkeit, eine Frage zu stellen.

Porträt von Serdar Yüksel
Foto: Landtag NRW
ca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, meine Frage richtet sich an die Bundesministerin der Gesundheit, Frau Warken. – Frau Warken, die Anzahl der Pflegebedürftigen hat sich von 1999 bis zum letzten Jahr verdreifacht – auch durch die Veränderung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017. In der Projektion ist bis 2055 eine Steigerung von 37 Prozent zu erwarten.

Wahrlich stehen wir da vor einer historischen Aufgabe. Unsere Überzeugung ist, dass deren Bewältigung nur mit mehr Solidarität geht. Mich und die Fraktion würde interessieren, wie Ihre Haltung zur Frage nach einem überfälligen Risikoausgleich zwischen der privaten und der gesetzlichen Pflegeversicherung ist.

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Herr Kollege, vielen Dank für die Frage, die ja darauf abzielt, dass es möglicherweise je nach Versicherungsart – also private oder gesetzliche Pflegeversicherung – ein unterschiedlich großes Risiko gibt, pflegebedürftig zu werden.

Ich kenne den angesprochenen Vorschlag schon eine Weile. Es wird derzeit ja auch in unserer Bund-Länder-Arbeitsgruppe über solche Strukturveränderungen beraten. Und ich bin offen für alles, was dort vorgelegt wird, und gespannt, ob das dort als eine sinnvolle Maßnahme erachtet wird.

Jetzt gibt es noch eine Nachfrage von der AfD-Fraktion.

Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
1 Vermerkca. 84 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Bei der Finanzierung der Pflege gibt es ja massive Ungerechtigkeiten. Eine davon wurde gerade genannt. Eine weitere ist, dass wir in Deutschland tatsächlich eine Zweiklassenfinanzierung haben. Ich sage mal: Wenn der Deutsche ins Pflegeheim geht, dann werden gegebenenfalls auch die Nachkommen für die Finanzierung massiv herangezogen.

Wir haben aber inzwischen auch eine ganze Reihe Ausländer, die bei uns im Pflegeheim sitzen, für die alles vom Staat finanziert wird. Gedenken Sie, auch diese Ungerechtigkeiten anzugehen?

Zurufder Abg. Violetta Bock [Die Linke]
Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, ich glaube, mit solchen Äußerungen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die in unser Land gekommen sind, löst man nicht die Probleme, die wir in der GKV und der SPV haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Herausforderungen dort sind gleichwohl groß. Es stellt natürlich auch eine Belastung für Kommunen dar, die Sozialleistungen tragen und übernehmen müssen. Mein Haus nimmt aber die soziale Pflegeversicherung in den Blick und schlägt in dem Bereich Strukturmaßnahmen vor.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Dahmen aus der Grünenfraktion hat jetzt noch die Möglichkeit einer Nachfrage.

Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
ca. 151 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, das große Defizit in der Pflegeversicherung ist angesprochen worden; das sorgt die Menschen im Land sehr. Pflege wird zunehmend zum Armutsrisiko für die Menschen. Einer der zentralen Punkte, warum das Defizit so groß ist, ist, dass der Bund die pandemiebedingten Kosten der Pflegeversicherung nicht ausgeglichen hat, dass der Bund auch für andere versicherungsfremde Leistungen wie die beitragsfreie Mitversicherung pflegender Angehöriger bisher nicht aufkommt, obwohl es eine öffentliche, eine staatliche Leistung ist, die nur von den Versicherten getragen wird.

Jetzt haben Sie nur Darlehen durchsetzen können. Das ist ja ein Jo-Jo-Effekt, der die Beitragssteigerungen in die Zukunft verlagert, –

Kommen Sie zu Ihrer Frage.

– die dann doppelt brutal wiederkommen. Was tun Sie konkret, um diese staatlichen Aufgaben, diese öffentlichen Aufgaben, über Steuermittel auszugleichen?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 139 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, es ist natürlich so, wie Sie es sagen: Die coronabedingten Mehrausgaben sind nicht ausgeglichen. Wir haben auch in diesem Bereich versicherungsfremde Leistungen. Und natürlich wäre es wünschenswert, wir würden dafür eine Lösung finden – nicht nur eine einmalige, sondern eine dauerhafte. Auch darüber sind wir im Gespräch. Da gilt das, was ich auch vorhin gesagt habe: Nicht alles, was man sich wünscht, ist momentan im Haushalt möglich.

Deswegen werden wir das weiter beraten und darüber sprechen, was noch an Zuschuss möglich ist und wo dann die Maßnahmen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die ja bald Zwischenergebnisse und dann Ende des Jahres Endergebnisse vorlegen soll, greifen können.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Dann hat als Nächstes die Möglichkeit, eine Frage zu stellen, für die Fraktion Die Linke Ulrich Thoden.

Porträt von Ulrich Thoden
Foto: Ulrich Thoden/ Jennifer Kölker
ca. 122 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an den Bundesminister der Verteidigung. Herr Minister, am 15. August überflogen zwei Eurofighter mit einer Geschwindigkeit von circa 800 Stundenkilometern das Elztal im Schwarzwald, und zwar – das ist das Entscheidende – in einer Flughöhe von nur 150 Metern. Entsprechend groß war das Entsetzen bei der Bevölkerung dort.

Ein örtlicher Journalist von der „Badischen Zeitung“, dem ich ausdrücklich danken möchte, hat Ihr Ministerium angeschrieben und zur Antwort bekommen, dass mit einer Weisung vom 4. Juli die Flughöhe auf ebendiese 150 Meter reduziert worden ist.

Meine Frage jetzt: Warum muss die Öffentlichkeit das über eine Zeitungsrecherche erfahren, und warum haben Sie nicht die Öffentlichkeit und vor allem auch die zuständigen Abgeordneten darüber informiert?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 127 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter, das kann ich Ihnen nicht sagen. Das ist eine Anordnung, ich vermute, von der Luftwaffe, die in Abstimmung mit den anderen Einheiten des Hauses getroffen worden ist. Ich halte es für notwendig, dass wir auch in anderen Höhen üben, als das in der Vergangenheit nötig war. Leider ist das so.

Die Kommunikation kann man sicher verbessern. Aber ob die Mitteilung über diesen oder jenen Kanal gelaufen wäre, hätte wahrscheinlich den Unmut oder das Erschrecken nicht gelindert, weil viele dann trotzdem nichts davon erfahren hätten. Aber ich werde dem nachgehen und klären, was wie kommuniziert worden ist.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie haben die Möglichkeit für eine Nachfrage.

Porträt von Ulrich Thoden
Foto: Ulrich Thoden/ Jennifer Kölker
ca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Ich würde gerne eine Nachfrage stellen, und zwar wüsste ich gerne, ob auch Sie jetzt diese neue Mindestflughöhe für sachgerecht halten – angesichts der dadurch deutlich steigenden Lärm- und Umweltbelastungen.

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, das tue ich, Herr Abgeordneter, weil wir andere Übungsnotwendigkeiten haben als noch vor fünf oder zehn Jahren. Wir können nicht alle unsere Übungstätigkeiten in Regionen der Welt wie Alaska oder Texas verlagern, wo es niemanden stört. Wir müssen auch in dem Gelände üben, in dem am Ende unser Land verteidigt werden muss.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Eine weitere Nachfrage zu dem Thema vom Kollegen Gebhard aus der CDU/CSU-Fraktion.

Porträt von Wilhelm Gebhard
Foto: Wilhelm Gebhard / Tobias Koch
1 Vermerkca. 90 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Minister Pistorius, ich habe dazu eigentlich nur die Frage: Wie finden Sie denn diese Frage von den Linken, wo wir gestern aus den Medien erfahren mussten, dass in Polen Drohnen aus Russland abgeschossen werden mussten?

Ich finde diese Frage eigentlich schon fast abenteuerlich. Dass Die Linke hier solche Fragen stellt, ist doch – –

Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]

Sie haben die Möglichkeit, eine Frage zu stellen, weil sonst – –

Ja, habe ich gestellt: Wie findet der Minister diese Frage?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
3 Vermerkeca. 145 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege, jeder kann in diesem Haus Fragen stellen, wie er will.

Zurufe: Mikro!

– Das Mikrofon geht immer wieder aus. Wahrscheinlich haben wir gerade Stromausfall. Das kommt ja in Berlin vor, wie ich gehört habe.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD

Also, die Frage lässt sich relativ leicht beantworten: Jeder kann ja jede Frage in diesem Hohen Haus stellen. Und die Frage ist für mich vor allen Dingen Ausdruck dessen, dass in Teilen der Gesellschaft das Mindset noch nicht da ist, wo es sein muss, nämlich dass wir nicht mehr in sicheren, friedvollen Zeiten leben, sondern dass wir eben auch in Deutschland wieder üben müssen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Dann würde ich dem Kollegen von der AfD-Fraktion zu der Frage noch mal die Möglichkeit einer Nachfrage geben.

Porträt von Rüdiger Lucassen
Foto: Deutscher Bundestag
ca. 72 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön, Frau Präsidentin. – Herr Minister, da wir gerade das Thema Flugabwehr angesprochen haben: Sie haben vorhin in Ihrer Eingangsrede von den Patriot-Systemanteilen gesprochen, die an die Ukraine abgegeben werden. Damit sind Systeme, die die Bundeswehr für die Einsatzfähigkeit braucht, nicht mehr einsatzfähig und die Verteidigungsbereitschaft geschwächt. Wann rechnen Sie, um diese Lücke zu schließen, mit den Nachbeschaffungen, die Sie avisiert haben, die aus den USA kommen sollen?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter, es ist mit unseren amerikanischen Partnern vorher besprochen worden, dass wir innerhalb weniger Monate die Ersatzteile bekommen, die wir brauchen, um vorhandene Systeme, die nicht einsatzbereit waren, einsatzbereit zu machen. Und wir tragen dafür Sorge, dass wir in der Bestellerliste weiter nach vorne rutschen, soweit das im Rahmen der Möglichkeiten geht, sodass wir bis 2026/27 wieder ein deutliches Stück vorangekommen sind.

Eine weitere Nachfrage von Herrn Rainer Kraft aus der AfD-Fraktion.

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
ca. 128 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Herr Bundesminister, bezüglich der Frage nach den Grenzüberschreitungen von Drohnen – offensichtlich aus Russland –: Ich habe festgestellt, dass eine Drohne laut den Medien bereits westlich der Linie Krakau–Warschau war. Das ist bereits mehr als die Hälfte der Entfernung von der Ukraine nach Deutschland und nur noch 350 Kilometer von Bautzen entfernt.

Ich will Sie gar nicht fragen, ob Sie auf eine Luftraumverletzung in Deutschland robust antworten würden – das müssen Sie mir auch gar nicht beantworten; vielleicht würden Sie es auch nicht tun –; aber ich würde gerne erfahren, ob Sie jetzt schon wissen, was Sie denn dann tun werden, wenn eine Verletzung des deutschen Luftraums vorliegt, oder ob Sie dann ganz überrascht tun und sagen werden: „Das konnte man ja nicht wissen“?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 77 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter, die Streitkräfte, die Luftwaffe, die Luftverteidigung, unsere Verbände, unsere Soldatinnen und Soldaten wissen sehr genau, was sie in einem solchen Moment zu tun haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Damit starten wir jetzt noch mal eine neue Runde. Als Erstes hat das Wort für die AfD-Fraktion Andreas Paul.

Porträt von Andreas Paul
Foto: Andreas Paul/ Mohssen Assanimoghaddam
ca. 169 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an den Bundesminister der Verteidigung. Sehr geehrter Herr Minister, stellen Sie sich bitte Folgendes vor: Ein Soldat erscheint morgens nicht zum Dienst. Dann hat das in der Regel zwei Gründe: a) Er hat verschlafen, oder b) auf dem Weg zur Dienststelle ist ihm etwas passiert. Sie haben ja den Spieß in der Einheit, der diesen Mann anrufen will. Doch der hat jetzt ein Problem: das Bundesdatenschutzgesetz. Denn wenn er ihn auf seiner privaten Nummer anrufen will, müsste er nach dem Gesetz vorher eine zweiseitige freiwillige Einverständniserklärung einholen, damit er ihn überhaupt anrufen darf. Da sehen wir: Das Bundesdatenschutzgesetz ist wenig realitätsnah und wenig truppennah.

Sie reden ja von Entbürokratisierung und davon, dass hier was passieren muss. Und deshalb ganz konkret meine Frage: Werden wir von der Bundesregierung in den nächsten zwei Jahren eine Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes erleben, welche die Streitkräfte von solchen unsinnigen Regelungen ausnimmt, so wie es auch das europäische Recht durchaus zulässt und andere Nationen bereits handhaben?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 66 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter, abgesehen davon, dass das Bundesministerium der Verteidigung nicht zuständig ist für das Bundesdatenschutzgesetz, sind mir solche Regelungen, wie Sie sie gerade beschrieben haben, völlig fremd. Sollte es sie geben, werden wir dem nachgehen. Es würde mich sehr wundern.

Gucken Sie nach!

Sie haben die Möglichkeit für eine Nachfrage.

Porträt von Andreas Paul
Foto: Andreas Paul/ Mohssen Assanimoghaddam
1 Vermerkca. 67 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke, das nutze ich gerne. – Meine Frage basiert natürlich auf meiner Erfahrung als Mitglied des deutsch-niederländischen Korps, wo wir mit den Niederländern zusammengearbeitet haben, und auch als Datenschutzbeauftragter der 1. Panzerdivision. Fehlt Ihnen der Kontakt zur Truppe, dass Sie solch banale Themen irgendwie nicht wahrnehmen?

Zurufevon der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Och!

Ich hörte das tagtäglich.

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 72 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter, es freut mich sehr, dass Sie das täglich hören. Und nein, ich habe kein Problem mit dem Kontakt zur Truppe.

Heiterkeitund Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielen Dank. – Hier gibt es keine weiteren Nachfragen. Wir kommen zur nächsten Hauptfrage. Für die CDU/CSU-Fraktion die Abgeordnete Kerstin Vieregge.

Porträt von Kerstin Vieregge
Foto: Kerstin Vieregge/ Sören Düning
ca. 125 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Auch meine Frage geht an den Herrn Bundesminister der Verteidigung. – Herr Minister, das Aufwachsen der Bundeswehr erfordert eine umfassende Anpassung der militärischen Infrastruktur und dessen Dislozierung innerhalb der Bundesrepublik. Viele Bürgermeister und Landräte plädieren mit Nachdruck für die Reaktivierung stillgelegter Standorte in ihrer Region. Wir wissen, dass das BMVg drauf und dran ist, alle infrage kommenden Liegenschaften im Bundesbesitz zu prüfen, und wir begrüßen diesen Schritt ausdrücklich.

Dennoch verstehen wir das besondere Informationsbedürfnis der Behörden vor Ort, die sich mehr Transparenz zum Ablauf und den Kriterien des entsprechenden Prüfverfahrens wünschen. Aus diesem Grund würde ich Ihnen gerne hier und jetzt die Möglichkeit geben, noch mehr zu dieser andauernden Prüfung von den entsprechenden Liegenschaften auszuführen. Vielleicht möchten Sie die Gelegenheit nutzen.

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 190 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Kollegin, vielen Dank für die Frage. In der Tat ist das eine unserer großen Herausforderungen. Wir haben seit dem Ende des Kalten Krieges round about 130 Kasernen und mindestens 200 weitere Standorte in Deutschland für andere Zwecke aufgegeben. Diese lassen sich nicht ohne Weiteres reaktivieren. Einige sind längst in Gewerbegebiete, Wohngebiete oder anderes umgewandelt. Ich kenne viele Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte, die händeringend auf eine Entscheidung warten: Wird ihre Kaserne nun wieder reaktiviert, oder wird sie doch für die geplanten Konversionspläne zur Verfügung gestellt?

Unser Prozess der Überprüfung des gesamten Portfolios an Liegenschaften, die noch in unserem oder im Eigentum der BImA sind, wird voraussichtlich Ende dieses Jahres bzw. Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein. Die Kriterien sind relativ klar: Zustand, Größe, Lage – und gerade bei Lage mit Blick auf die Frage der Rekrutierungsfähigkeit. All das spielt in die Entscheidung mit rein.

Wir werden, sobald die Ergebnisse vorliegen, sehr kurzfristig auf die betroffenen Kommunen und Länder zugehen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Catarina dos Santos-Wintz [CDU/CSU]

Sie haben die Möglichkeit einer Nachfrage.

Porträt von Kerstin Vieregge
Foto: Kerstin Vieregge/ Sören Düning
ca. 32 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön. – Inwiefern werden auch zivile Gelände für die Konversion in militärische Liegenschaften in Erwägung gezogen, und welche besonderen Herausforderungen würden sich bei einer solchen Konversion ergeben?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir schließen keine Verwendung ziviler Liegenschaften aus. Aber wir fokussieren uns im ersten Schritt auf die noch vorhandenen – im Konversions- oder kurz vor Eintritt in den Konversionsprozess befindlichen – militärischen Liegenschaften, weil wir auf diese einen leichteren Zugriff haben. Zivile Liegenschaften müssten wir erwerben, und wir müssten Planungsrecht schaffen. Das fällt bei vorhandenen militärischen Liegenschaften weg.

Es gibt eine weitere Frage von Marlon Bröhr.

Porträt von Marlon Bröhr
Foto: Marlon Bröhr / Jaqueline Felix
ca. 110 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Minister, einige von uns haben es sicher schon erlebt: Man besucht eine Kaserne vor Ort. Eine frisch sanierte Einrichtung steht mitten auf der Liegenschaft, aber sie kann leider nicht genutzt werden, weil rotes Flatterband die Tür verdeckt. In der freien Wirtschaft ist dies sicher unvorstellbar. Ich als ehemaliger Landrat kenne so etwas aber auch bei öffentlichen Bauvorhaben nicht. Ich habe manchmal den Eindruck: Den Verantwortlichen vor Ort fehlt vielleicht der Mut.

Meine Bitte an Sie: Könnten Sie das noch mal prüfen? Ich glaube, Sie hätten die Autorität und die Durchsetzungskraft, solche Liegenschaften in Wehr zu setzen.

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abgeordneter, in der Tat: Ich kenne solche Fälle auch. Erst neulich habe ich wieder ein Sanitätsgebäude gesehen, das seit zwei Jahren fertiggestellt ist und nicht genutzt wird, weil die Bauabnahme aus Gründen, die wir aufklären, fehlt.

Ich bin genauso wie Sie der Auffassung, dass wir uns solche Verzögerungen nicht erlauben können. Aber auch das gehört mit zu den Maßnahmen, die wir im Infrastrukturbeschleunigungsgesetz abbilden wollen, das im Herbst kommt.

Von dem Abgeordneten Lucassen gibt es dazu auch noch eine Nachfrage.

Porträt von Rüdiger Lucassen
Foto: Deutscher Bundestag
ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister, die BImA ist angesprochen worden. Wie Sie wissen, ist sie in einem Umfeld gegründet worden – auch die Bundeswehr hat ihre Liegenschaften der BImA zur Verwaltung übergeben –, in dem wir von langwährendem Frieden ausgegangen sind. Das ist ja nun offensichtlich nicht mehr der Fall.

Denken Sie daran, die Liegenschaften wieder in die alleinige Zuständigkeit und in das Management der Bundeswehr zu übernehmen, um hier flexibler reagieren zu können auf die offensichtlichen Bedarfe, die Sie haben?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 90 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter, wir überlegen gerade in allen Bereichen, welche vorhandenen Strukturen mit Blick auf Landes- und Bündnisverteidigung verändert werden müssen; auch dieser Bereich gehört dazu.

Ich kann mich aber gleichzeitig in keiner Weise über die Zusammenarbeit mit der BImA beklagen. Aber da, wo es Beschleunigungs- und Vereinfachungsbedarf gibt, werden wir auch diese Fragen angehen.

Vielen Dank. – Dann sehe ich hierzu keine weitere Nachfrage.

Wir kommen zur nächsten Frage, und die stellt Dr. Kirsten Kappert-Gonther von Bündnis 90/Die Grünen.

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an die Bundesgesundheitsministerin. Frau Ministerin, Sie kennen die Kritik am aktuellen Hebammenhilfevertrag. Dieser neue Hebammenhilfevertrag tritt ja in weniger als zwei Monaten in Kraft. Die Beleghebammen – ganze Teams – haben jetzt angekündigt, zu kündigen, oder ziehen das zumindest in Erwägung. Durch die Kündigung zahlreicher Beleghebammen wäre in Zukunft die geburtshilfliche Versorgung in ganzen Landesteilen wirklich problematisch und ungesichert.

Ich möchte Sie gerne fragen: Liegen Ihnen Zahlen vor, wie viele geburtshilfliche Stationen davon betroffen sein könnten, und wie lauten diese Zahlen?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 188 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Frau Kollegin, das ist in der Tat ein Thema, das uns alle hier seit Wochen umtreibt. Wir werden in den Wahlkreisen darauf angesprochen. Es sind auch viele Kolleginnen und Kollegen auf mich zugekommen.

Ich habe mit beiden Seiten gesprochen. Wie Sie wissen, handelt es sich um einen Bereich der Selbstverwaltung. Es ist gut, hier die Selbstverwaltung ihre Dinge selbst regeln zu lassen, genauso wie in vielen anderen Bereichen unseres Gesundheitssystems.

Gleichwohl habe ich mit beiden Seiten gesprochen und auch darum gebeten, darauf hinzuwirken, im Gespräch zu bleiben und noch mal gemeinsam einen neuen Weg zu suchen. Es war zuletzt schwierig. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass beide Seiten noch mal daran arbeiten, eine Änderung hinzubekommen. Wir sind mit dem GKV-SV dazu im Austausch, ob es schon entsprechende Entwicklungen gibt, ob Hebammen schon gekündigt haben, ob es schon Rückgänge gibt. Dazu haben wir keine signifikanten Meldungen bekommen. Es ist noch nicht zu spüren. Wie es sich tatsächlich auswirken wird, kann ich an dieser Stelle nicht sagen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie haben noch eine Nachfrage.

Porträt von Kirsten Kappert-Gonther
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Landesverband Bremen/ Caspar Sessler
1 Vermerkca. 109 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Frau Ministerin, vielen Dank für Ihre Ausführungen. Ja, diese Vereinbarung fällt in den Bereich der Selbstverwaltung, aber auch diese erfolgt natürlich im Kontext politischer Entscheidungen. Das Bundesgesundheitsministerium, aber auch wir hier als Bundestag tragen natürlich Verantwortung für die Sicherstellung der Geburtshilfe in diesem Land.

Darum möchte ich noch mal konkret nachfragen: Was werden Ihre nächsten Schritte sein, um hier zu einer Lösung zu kommen, die dann dazu führt, dass die Geburtshilfe weiterhin sichergestellt ist und vielleicht sogar noch besser wird in diesem Land?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Kollegin, ich kann und will an der Stelle jetzt keinen Druck ausüben. Ich möchte auch dieses Verfahren, das ja unabhängig von meinem Haus geführt wird, nicht kommentieren oder bewerten. Ich glaube, das wäre nicht gut. Wir können nur das Unsrige tun. Ich weiß, dass auch im parlamentarischen Raum versucht wird, eine Lösung zu unterstützen. Das tut mein Haus auch, nicht nur auf meiner Ebene. Aber wir können keinen Druck ausüben.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Die Abgeordnete Dr. Lina Seitzl hat noch eine Nachfrage.

Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
ca. 58 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, Sie haben es gerade angesprochen: Es gibt sehr große regionale Unterschiede. Gerade in Bayern ist der Anteil der Kreißsäle, die durch Beleghebammen geführt werden, sehr hoch, genauso wie in anderen Teilen Deutschlands; wir beide kommen aus Baden-Württemberg. Sehen Sie denn in bestimmten Regionen die geburtshilfliche Versorgung tatsächlich gefährdet?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
ca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Kollegin, wir haben uns natürlich, wie gesagt, beim GKV-SV erkundigt, ob es schon Auswirkungen durch den neuen Hebammenhilfevertrag gibt; denn wir hören jeden Tag von angekündigten Kündigungen. Es ist uns bislang nicht bekannt und auch noch nicht gemeldet worden, dass die Zahl der Hebammen, die an der geburtshilflichen Versorgung nicht mehr teilnehmen, signifikant gestiegen ist. Aber wir müssen das in den Blick nehmen, weil es mir natürlich schon insgesamt Sorge bereitet, welche Auswirkungen es haben kann. Deswegen ist es umso wichtiger, mit den Vertragsparteien im Gespräch zu bleiben. Aber es gibt derzeit noch keine konkreten Zahlen oder Alarmmeldungen, die bei uns eingegangen sind.

Der Abgeordnete Dr. Dahmen hat noch eine Nachfrage zu dem Thema.

Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
ca. 151 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Frau Ministerin, ich bin schon etwas davon überrascht, dass Sie sagen, Sie wollten das in den Blick nehmen und im Gespräch bleiben. Es ist ja von elementarer Bedeutung, die geburtshilfliche Versorgung in Deutschland funktionsfähig zu halten, und das treibt die Leute wirklich um. Insofern kann ich die Sorge dort genauso verstehen wie an den Stellen, wo Sie etwa Leistungsgruppen für die spezielle Kinderheilkunde, für die spezielle Kinderchirurgie und für die spezielle Notfallmedizin oder für die Infektiologie abschaffen wollen.

Kommen Sie zu Ihrer Frage!

Es kann doch nicht sein, dass Sie auf die Sorgen der Menschen reagieren, indem Sie einfach Qualitätsstandards senken.

Ihre Frage, bitte, Herr Kollege.

Wie wollen Sie damit weiter umgehen?

Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 205 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, Sie wissen genau, dass ich im Bereich der Selbstverwaltung keine Maßnahmen ergreifen kann. Deswegen sollte man hier auch nicht den Eindruck erwecken, dass dazu eine Möglichkeit bestehen würde.

Aus unserer Sicht ist es nicht erforderlich – darüber haben wir uns schön öfter ausgetauscht –, die Leistungsgruppen, die Sie in den Blick genommen haben, extra auszuweisen. Vielmehr kann die Versorgung durch andere Leistungsgruppen abgedeckt werden. Man sollte den Bürgerinnen und Bürgern keine Angst machen und nicht permanent sagen: Wenn es diese oder jene Leistungsgruppe nicht gibt, kann eine Versorgung in dem Bereich nicht stattfinden. – Sie waren ja auch beteiligt an der Erstellung der Reform in der letzten Legislaturperiode, –

Kommen Sie bitte zum Ende.

Rednerwechsel

– und da ist auch schon ausführlich darüber gesprochen worden. Leistungsgruppen sind ja nie ein Endprodukt. Es handelt sich um ein laufendes Verfahren, das immer wieder neu bewertet wird, und darauf zählen wir schon lange.

Frau Ministerin!

Rednerwechsel

Aber Sorgen hervorrufen sollten wir bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank. – Ich werde jetzt noch eine Hauptfrage zulassen. Für die SPD-Fraktion fragt Marja-Liisa Völlers.

Porträt von Marja-Liisa Völlers
Foto: Marja-Liisa Völlers / Photothek
ca. 56 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, herzlichen Dank, dass Sie diese Frage noch zulassen. Sie richtet sich an unseren Bundesverteidigungsminister. – Sehr geehrter Herr Minister, ich würde den Fokus gerne noch mal auf die Ukraine lenken. Das Treffen der Ukraine Defence Contact Group fand gerade statt. Könnten Sie uns allen noch mal die wesentlichen Ergebnisse präsentieren?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Verehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Kollegin, das würde ich sehr gerne tun, aber diese Sitzung findet geheim statt, unter Ausschluss von Mobiltelefonen und weiteren Vertretern. Von daher wäre mein Mandat, darüber jetzt hier öffentlich zu berichten, außerordentlich beschränkt. Da ich nicht unhöflich sein möchte, sage ich nur so viel, dass die Unterstützer der Ukraine, soweit sie gestern anwesend waren – physisch, aber auch zugeschaltet –, nach wie vor zur Unterstützung der Ukraine stehen.

Sie haben die Möglichkeit für eine Nachfrage.

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 105 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Kollegin, in der Tat, nachdem die Amerikaner sich darauf verlagert haben, ihr Material im Rahmen des Programms PURL zu verkaufen, damit wir es der Ukraine zur Verfügung stellen können, ist Deutschland jetzt mit den Beträgen, die wir im Haushalt abgebildet haben, der größte Unterstützer mit ungefähr 9 Milliarden Euro. Die Herausforderung wird jetzt sein, wie ich es vorhin gesagt habe, die Ukraine zu stärken in ihrer Industrie sowie in der Luftverteidigung und zudem für die Unterstützung der Ukraine alle an Bord zu behalten.

Die Abgeordnete Nanni hat noch eine Nachfrage.

Porträt von Sara Nanni
Foto: Sara Nanni/ Nina Runge
ca. 64 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben in diesem Sommer ein Schauspiel möglicher Verhandlungen erlebt, die stattgefunden haben oder auch nicht; alle waren involviert und sind nach Washington gefahren. Ein Konsens bleibt: Es braucht mehr Druck auf Putin, damit er überhaupt ernsthaft daran denkt, Gespräche fortzuführen. Was ist Ihr Vorschlag als Verteidigungsminister, wie der Druck auf Putin erhöht werden kann?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 127 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Abgeordnete, Sie werden jetzt hoffentlich nicht von mir erwarten, dass ich sage: militärischer Druck. Denn wir sind nicht in einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Russland. Was ich aber sagen kann, ist – und davon bin ich schon seit Längerem überzeugt –: Wir müssen den Sanktionsdruck gegen Russland deutlich erhöhen. Wir müssen außerdem mehr Parteien an Bord bekommen, damit diese Sanktionen auch wirklich dauerhaft die Wirkung entfalten, die wir dringend brauchen; denn immer noch spült der Verkauf fossiler Brennstoffe viel zu viele Milliarden in die Kriegskasse von Wladimir Putin. Und dem ein Ende zu setzen, sollte das Ziel der internationalen Staatengemeinschaft sein.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Der Abgeordnete Reichardt hat auch noch eine Nachfrage.

Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Herr Minister, unser Bundeskanzler ist ja mit seinen Vorschlägen in Washington von Herrn Trump einigermaßen abgewatscht worden. Ich frage Sie: Haben Sie ihn vorher nicht dahin gehend beraten, dass er mit Streitkräften im Hintergrund, die mehrere Jahre und die Plünderung zahlreicher Großverbände brauchen, um in Litauen eine Brigade aufzustellen, international vielleicht etwas weniger laute Töne anschlagen sollte?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
1 Vermerkca. 75 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich berate den Bundeskanzler, wann immer er danach verlangt, und wir beraten uns regelmäßig gegenseitig. In Ihrer Frage steckt, wie üblich, eine falsche Hypothese, nämlich dass wir für die Brigade Litauen irgendwelche Verbände ausplündern. Deswegen geht die darüber hinausgehende Frage logischerweise auch ins Leere.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Der Abgeordnete Lucassen hat eine weitere Nachfrage.

Porträt von Rüdiger Lucassen
Foto: Deutscher Bundestag
ca. 101 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, Sie sprachen die Unterstützung Ihrer Regierung materieller und finanzieller Art für die Ukraine an. Nun wissen wir aber auch, dass das Material das eine ist. Es muss aber auch von entsprechendem Personal bedient werden, und das fehlt ganz offensichtlich der Ukraine. Ihr Koalitionspartner, insbesondere Herr Söder, hat nun den Vorschlag gemacht, dass die wehrfähigen Männer der Ukraine, die sich in Europa aufhalten – es sind ungefähr 650 000 – in die Ukraine gehen müssen, um dort im Krieg zu unterstützen. Von anderer Seite haben wir schon gehört, dass sie das Recht auf Kriegsdienstverweigerung wahrnehmen. Wo stehen Sie da?

Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
ca. 66 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abgeordneter, es ist nicht meine Aufgabe als Bundesminister, die Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten zu kommentieren. Ich kann nur so viel sagen: Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung gilt in Deutschland genauso wie in anderen Ländern, und es gilt auch für die ukrainischen Männer, die hier in Deutschland sind. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Porträt von Gottfried Curio
Foto: Dr. Gottfried Curio/ Hagen Schnauss
13 Vermerkeca. 897 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren! Man stelle sich vor: Irgendwo in Deutschland bürgerkriegsähnliche Zustände, Menschen versuchen, auszuweichen nach Dänemark, Österreich, Frankreich, in heimatnahe Regionen. Okay. Zögen sie stattdessen aber nach Kasachstan, in den Sudan, in den Iran und sagten dort: „Wir sind auf der Flucht, wir müssen hierherkommen“, wäre das komplett lächerlich. Da geht es dann nicht um das Verlassen eines Fluchtlands, sondern um Vorteilsnahme im Zielland. Diese Absurdität mit Afghanen und Syrern, die nach Deutschland „fliehen“, wird uns von Union und SPD seit zehn Jahren aufgetischt. Das soll die Bürger moralisch erpressen, diesen Unsinn zu tolerieren. Wir sagen: zehn Jahre sind genug, mehr als genug!

Beifallbei der AfD

Vor zehn Jahren setzte die Union mit der Dublin-Verordnung geltendes Recht außer Kraft, ließ die Grenzen für inzwischen Millionen illegaler Eindringlinge öffnen und gab das Land de facto zur Sozialplünderung frei. Wir sagen: Die Menschen haben endlich genug von diesem kontrafaktischen Irrsinn. Wir haben genug Stadtteile, in denen Deutsch zur Fremdsprache geworden ist, in denen man sich als Fremder im eigenen Land fühlt, direkt vor der Haustür. Sie wollen Deutschland als Siedlungsgebiet. Wir wollen Deutschland als Heimat.

Beifallbei der AfD

Von den Millionen aus Syrien und Afghanistan wandern die meisten in die Sozialsysteme ein, von denen sie überhaupt erst angelockt wurden. Jedes Jahr kostet der Spaß Bund und Länder 50 Milliarden Euro. Die Kriminalitätsstatistik weist Ausländer weit überproportional als Täter aus. Die Haushalte bersten unter der Last der Migration, die Unterbringung längst nicht mehr gut möglich, der Wohnungsmarkt erodiert, in den Klassen zunehmend kein Unterricht mehr, sondern nur mehr Chaosverwaltung, die Bildungsnation Deutschland rutscht immer weiter in den PISA-Orkus.

Zurufvon der Linken: Stimmt doch gar nicht!

Und was haben wir seitdem geschafft? Frauen können sich nicht mehr frei und ohne Angst im öffentlichen Raum bewegen,

Wegen Männern wie Ihnen!

Gewalttätigkeiten im Schwimmbad, auf dem Schulhof, im dunklen Park. Überall ist bei integrationsunwilligen jungen Männern das Messer zur Hand aufgrund einer kruden Vorstellung von Ehre durch Gewalt.

Das nennt man Pauschalisierung!

Deutschland hat gar nichts geschafft, als dass deutsche Leistungsträger auswandern: Hunderttausende pro Jahr. Deutschland hat gar nichts geschafft, als dass das Land ärmer geworden ist, unsicherer geworden ist.

Zurufvon der Linken: Wegen Ihnen!

Der Mord eines abgelehnten Asylbewerbers an Liana K. in Friedland wurde tagelang vertuscht.

Das stimmt überhaupt nicht! Das ist nicht wahr!

Hören Sie auf, zu lügen!

Die Wahrheit ist für die Regierung in diesem Land längst zur Gefahr geworden. Deshalb verordnet man Denkverbote. In Köln einigen sich die Altparteien, nur noch positiv über Migration zu sprechen – unterschrieben von der CDU. Was für ein Armutszeugnis, meine Damen und Herren!

Beifallbei der AfD

Wie war es noch vor den Wahlen? Man hatte Umsteuern versprochen, AfD-Forderungen kopiert. Da die sich mit der SPD natürlich nicht umsetzen lassen, will man jetzt die Bürger betrügen. Grenzkontrollen, die 98 Prozent der Asylbewerber nicht erfassen, nennt man „hochwirksam“. Die Regierung, die Aufnahmeprogramme zu beenden gelobte, fliegt schon wieder Tausende Afghanen ein – natürlich keine Ortskräfte. Man versprach, null Asylbewerber ins Land zu lassen. Jetzt rechnet man mit über 100 000 und wagt es, das auch noch als Erfolg zu verkaufen. Wir bräuchten Abschiebungen, Rückführungen. Da kommt gar nichts – wird auch nie mit dieser SPD, die nur möglichst schnell Ausländern das Wahlrecht erteilen will. Der ganze Wagen hat nicht gedreht, er fährt weiter, und die Richtung soll durch Anspruch auf baldige Einbürgerung unumkehrbar gemacht werden – alles von der Union bereits mit abgesegnet, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Der Wähler merkt das alles. So plant man den kalten Staatsstreich. In einzelnen Städten wollen die Konkurrenzparteien Oppositionspolitikern mal eben das Wahlrecht entziehen. Aber wer glaubt, so den Siegeslauf der AfD aufzuhalten, der irrt sich gewaltig. Die Bevölkerung durchschaut das. Diese Unrechtsentscheidungen öffnen den Menschen im Lande erst die Augen. Der Ökonom Raffelhüschen sagt: Zuwanderung rechnet sich nicht mit Sozialfällen, sondern nur, wenn junge Menschen kommen, die gleich arbeiten, oder Hochqualifizierte.

Und da sagt Merz: Bürgergeld, Krankenkasse, Rente – alles nicht mehr finanzierbar. Aber nicht die Strukturen sind falsch, sondern der überdehnte Kreis der Empfänger. Nicht mehr finanzierbar? Kein Wunder, wenn man das Vermögen des eigenen Landes in der ganzen Welt verteilt, anderen Ländern die Kriege finanziert, abstruse Klimagesetze erlässt, Millionen von Migranten alimentiert.

Diese Bundesregierung, das ist Realitätsverweigerung im Endstadium. Das Einzige, worauf sich diese Chaoskoalition noch einigen kann, ist zusammen nach Kiew zu fahren und in der größten Wirtschaftskrise Deutschlands dort deutsche Milliarden zu verschenken.

Beifallbei der AfD

Wenn Merz sagt, wir leben über unsere Verhältnisse, wir können uns das nicht mehr leisten, wenn das das Fazit bei 1 000 Milliarden Euro Steuereinnahmen und 900 Milliarden Euro Schulden für seine Legislaturperiode ist, dann können wir uns diese Regierung nicht mehr leisten.

Beifallbei der AfD

Die Wende aber ist mit Linken nicht umzusetzen. Nur ein Notbündnis der Solidarität für Deutschland kann das noch schaffen. Die SPD wird Reformen immer verhindern. Machen Sie ein Ende! Und ein kleiner Tipp: Tun Sie es, solange Sie Ihre Partei noch auf Augenhöhe in die Waagschale werfen können!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Das Wort hat nun für die CDU/CSU-Fraktion die Abgeordnete Dr. Cornell-Anette Babendererde. – Sie haben das Wort.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Cornell-Anette Babendererde
Foto: Dr. Cornell Babendererde/ Alexander Barwich
18 Vermerkeca. 964 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Danke schön. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herz und Verstand machen eine kluge Migrationspolitik aus.

Zurufvon der AfD

Menschen, die aufgrund von Verfolgung, Krieg oder Gewalt gezwungen sind, aus ihrem Land zu fliehen, sollen bei uns in der EU auf der Grundlage eines fairen Verteilschlüssels ein neues Zuhause finden. Denjenigen, die keinen Fluchtgrund haben, die sich vielmehr aufgrund der bisher von Deutschland ausgegebenen Pullfaktoren zu uns auf den Weg machen, wollen wir diese Motivation endlich wieder nehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Kolleginnen und Kollegen, die Ereignisse des Sommers 2015 haben die deutsche Gesellschaft und die Migrations- und Flüchtlingspolitik in unserem Land nachhaltig geprägt.

Aber eher negativ, oder?

Jeder von uns hat dazu eine Meinung, eine eigene Wertung und bestimmte Erinnerungen. Deutschland hat damals, wie Angela Merkel es einst formulierte, ein „freundliches Gesicht“ gezeigt, und ich bin auch heute noch überzeugt, dass das in diesem Moment und in dieser Situation die richtige Entscheidung war.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Dann sind Sie hier fehl am Platze! Drei Applaudierende in der CDU/CSU! Das ist inzwischen fast allen peinlich!

Denn wie sah es denn damals aus? Allein in der ersten Jahreshälfte 2015 suchten rund 400 000 Menschen internationalen Schutz in der Europäischen Union, darunter viele Kinder.

Junge Männer vor allem!

Auslöser für die Flüchtlingsströme waren vor allem der Terror des IS und die Instabilität in Krisenregionen wie Afghanistan und dem Irak. Vor allem aber kamen die Menschen aus dem kriegsgebeutelten Syrien. Diese Menschen waren auf der Flucht vor einem mörderischen totalitären Regime. Wie mörderisch und grausam es war, wurde Ende letzten Jahres nach dem Sturz Assads nochmals deutlich,

Deshalb gehen die jetzt auch alle glücklich zurück!

als sich der Welt die Türen des berüchtigten Sednaja-Gefängnisses öffneten. Und diese Menschen trafen nun auf eine Europäische Union, die rechtlich und administrativ gänzlich unvorbereitet war.

Groß war allerdings die Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal all jenen Danke sagen, die den Flüchtlingen beim Ankommen geholfen haben:

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Zwei Drittel davon wählen inzwischen die AfD!

den Mitarbeitern in den Kommunen und den vielen Zigtausend Ehrenamtlichen. Das war wahrlich ein hartes Stück Arbeit, und die Hilfe kam aus reinstem Herzen. Mich hat es damals nachhaltig beeindruckt, wie die Menschen begannen, Kleiderspenden zu sammeln, behelfsmäßigen Deutschunterricht zu geben oder Asylbewerber auf Behördengänge zu begleiten.

Hat sich alles ausgezahlt!

Ihr Engagement war und ist beispielhaft, und es hat dazu beigetragen, ein starkes Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, wie wir es nur in ganz wenigen Momenten erleben. Herr Curio, diese Menschen sind nicht so dumm, wie Sie es gerne hätten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die sind schlau! Die wissen, wo sie genug Geld kriegen! Die wissen, wie sie das System missbrauchen!

Später jedoch – das ist der andere Teil der Wahrheit – vermischten sich diese Flüchtlinge mit denen, die aus rein wirtschaftlicher Not in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland kamen.

Und darüber hinaus müssen wir heute realisieren: Jemandem ein Dach über dem Kopf zu besorgen, ist das eine. Das andere ist, dass wir feststellen müssen: Integration ist ein wahrer Kraftakt, der viel Zeit in Anspruch nimmt, Ressourcen fordert und der vor allen Dingen beide Seiten fordert. Dazu hat Bundespräsident Joachim Gauck schon vor zehn Jahren treffend festgestellt: „Unser Herz ist weit. […] unsere Möglichkeiten […] endlich.“

Genau hier haben wir es als Politik versäumt, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Wir haben zu lange gezögert, und das müssen auch wir von der Union uns vorwerfen lassen.

Heute komme ich zu dem Schluss: Ja, wir schaffen das – mit einer geordneten Migrationspolitik, die Herz und Verstand vereint und die auch unsere eigenen, berechtigten Interessen nicht außer Acht lässt.

Um Gottes willen! Da fällt mir nicht einmal mehr ein Zwischenruf ein!

Vertreter der AfD: Hass und Hetze gehören nicht dazu.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufevon der AfD

Die Menschen wollen die Migrationswende, und wir setzen sie in der Koalition um. Der Koalitionsvertrag gibt den Kurs vor, und diesen verfolgen wir unbeirrt.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Maßnahme für Maßnahme, Schritt für Schritt. In Ihren Reihen hingegen, Vertreter der AfD, konnten wir es wieder mal hören – –

Sie haben Deutschland ruiniert! Gehen Sie mal darauf ein! Das ist ja unglaublich!

– Auch Ihr Dazwischengepöbel hilft Ihnen nicht und macht Ihre Beiträge wahrlich nicht intelligenter.

Das nennt sich Zwischenruf und gehört zum parlamentarischen Betrieb! Das können Sie nicht als „Gepöbel“ abqualifizieren, Frau Kollegin!

Ich muss sagen, es ist ein zweifelhafter Genuss, den ich hier wiederholt mit Ihnen erleben darf. – Ja, in Ihren Reihen ist für eine vernünftige Migrationspolitik, die auch unser Land nach vorne bringt, kein Platz.

Beifallbei der CDU/CSU

Ja, dann machen Sie mal!

Mit dieser würden Sie sich ja auch selber das Wasser abgraben.

Wir von der Koalition aus CDU, CSU und SPD arbeiten weiter konsequent an der Umsetzung der Migrationswende. Versprochen!

Es gab einige Zwischenrufe, die ich hier nicht verstehen konnte. Deswegen, Herr Reichardt, werde ich mir noch mal die Zwischenrufe im Protokoll anschauen.

Die waren alle in Ordnung!

Als Nächste hat das Wort für Bündnis 90/Die Grünen die Abgeordnete Lamya Kaddor.

Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
16 Vermerkeca. 914 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer auf den Tribünen! Die AfD-Fraktion hat uns mit dieser Aktuellen Stunde unfreiwillig eine Chance eröffnet.

Dann nutzen Sie die mal!

– Mache ich, keine Sorge!

Wir sind gespannt!

– Nun hören Sie mal zu! Über die Erfolgsgeschichten der Menschen zu sprechen – –

Fangen Sie mal mit der Lohberger Brigade an und Ihren Schülern, die Sie da schon so auf Kurs gebracht hatten! Das finde ich immer besonders spannend, dass Sie sich nicht dazu äußern! Lohberger Brigade, erzählen Sie mal!

– Sie sind etwa auf dem gleichen Niveau meiner ehemaligen Schüler einzuordnen. Es tut mir sehr leid, aber das ist leider so.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken und der Abg. Dr. Cornell-Anette Babendererde [CDU/CSU]
Zurufdes Abg. Martin Hess [AfD]

– Ja, damit müssen Sie jetzt leben. Stecken Sie’s ein!

Also, ich möchte gern über die Erfolgsgeschichten sprechen, über Menschen, die 2015 nach Deutschland gekommen sind. Die neuesten Zahlen aus der Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sprechen eine klare Sprache: Die Menschen, die 2015 hierher geflüchtet sind, halten unser Land aktiv mit am Laufen.

Dann nennen Sie doch mal fünf!

Sie arbeiten überdurchschnittlich oft in systemrelevanten Engpassberufen:

Zwei Drittel im Bürgergeld!

in der Pflege, im Gesundheitswesen, im Verkehr, in der Logistik, im Lebensmittelbereich und im Gastgewerbe.

In Atomwissenschaften!

Das waren sogar schon sechs, falls Sie zählen können.

In Messerkunde!

Die Beschäftigungsquote liegt neun Jahre nach ihrer Ankunft bei 64 Prozent im Vergleich zu 70 Prozent in der Gesamtbevölkerung.

Das ist doch Blödsinn!

Das ist Quatsch! Unseriöser geht eine Studie ja gar nicht mehr!

Das bedeutet übrigens auch: Die Menschen zahlen Steuern, sie stützen unsere überlasteten Renten- und Sozialsysteme. Viele der ehemals Schutzsuchenden sind nun Eingebürgerte und damit längst Teil unserer Gesellschaft.

Schlimm genug!

Habibi, Falafel, Hummus – all diese Worte sind Teil unserer deutschen Esskultur geworden. Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich, gerade auch in der Flüchtlingshilfe.

Diese Erfahrung, dass Integration dann gelingt, wenn sie aktiv gestaltet wird, bestätigt sich, wenn wir die verschiedenen Phasen unserer Einwanderungsgeschichte betrachten. In den 50er- und 60er-Jahren, während der Anwerbung von sogenannten Gastarbeitern, gab es praktisch keine Integrationspolitik. Schon damals war Deutschland ein Einwanderungsland. Doch ein Bekenntnis dazu sollte auf politischer Ebene erst viele Jahrzehnte später erfolgen. Sprachkurse: Fehlanzeige. Integrationskurse: nichts. Stattdessen: Ghettoisierung und Unkenntnis über die neuen Lebensrealitäten. Ich erinnere die 80er-Jahre. Damals fand ich mich als Schülerin in der Grundschule selbst im sogenannten „muttersprachlichen Ergänzungsunterricht“ in türkischer Sprache wieder. Dabei sprach ich weder Türkisch, noch habe ich türkische Eltern oder Großeltern.

Erst Anfang der 2000er-Jahre fing auch die Union langsam an, Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen: Sprach- und Integrationskurse, Berufsvorbereitung, zivilgesellschaftliches Engagement. Auch dafür steht der Satz „Wir schaffen das!“. Das zeigen die Zahlen, aber auch unzählige individuelle Geschichten, und eine erzähle ich Ihnen, und zwar von Ramzi Awat Nabi.

Ramzi kam 2018 als Jugendlicher – –

Die von Liana!

– Ja, dass Sie damit nichts anfangen können, ist klar.

Fangen Sie mal mit der Geschichte von Liana an!

– Ja, ja. – Ramzi kam 2018 als Jugendlicher aus dem Irak, lernte Deutsch, machte ein Einser-Abitur in Stuttgart, studierte Gebäude- und Energietechnik. Er engagierte sich. Was dann geschah, ist allerdings exemplarisch für die Entwicklung der deutschen Migrationspolitik der letzten Jahre und jetzt sowieso: Am 4. August 2025 wurde Ramzi mitten in der Nacht aus seinem Studentenwohnheim geholt und nach Bagdad abgeschoben. Ein hochmotivierter junger Mensch, in dessen Ausbildung der deutsche Staat investiert hatte und den wir als künftige Fachkraft dringend brauchen, wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus unserem Land entfernt.

Meine Damen und Herren, wir schieben die Falschen ab.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Statt Einwanderung proaktiv zu gestalten und ihr Potenzial zu sehen, setzt die Bundesregierung auf Abschreckung und Abschiebung. Statt Integration und Beheimatung von Zugezogenen zu fördern, wird ein Klima des Verdachts und der Bedrohung erzeugt. Und dann wundert man sich, warum Deutschland im Wettbewerb um internationale Fachkräfte nicht attraktiv ist, warum viele mühsam angeworbene Fachkräfte laut einer Studie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unser Land oft nach wenigen Monaten wieder verlassen.

Was wir brauchen, ist das Gegenteil dieses Regierungskurses. Dieser ist nicht nur rückwärtsgewandt, er schadet unserem Land. Sie wollen illegale Migration bekämpfen, aber schaffen überhaupt keine legalen Wege zur Migration. Stattdessen schaffen Sie eine zum Teil illegale Abschiebepraxis und sind völlig planlos, wenn es um Integration geht.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum diese Grüne hier vorne nicht einmal über die Probleme von Migration spricht.

Nein, das fragen wir uns nicht! Die Frage stellen wir uns nicht!

Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht, weil ich sie nicht sehe oder gar verschweigen möchte, nein, nicht deshalb, sondern allein wegen Ihnen auf der rechten Seite muss hier vorne im Hohen Haus jemand stehen, der eine andere Geschichte erzählt; denn Sie tun es ja leider nicht. Sie fokussieren sich immer nur auf das halbleere Glas.

Vielen Dank.

Zurufevon der AfD

Das Wort hat nun für die SPD-Fraktion die Abgeordnete Rasha Nasr.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Rasha Nasr
Foto: Photothek Media Lab
15 Vermerkeca. 757 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Vor zehn Jahren sagte Angela Merkel: „Wir schaffen das!“ Und die AfD sagt bis heute: Wir schaffen Panik – und das leider ziemlich zuverlässig. Die Wahrheit ist: Zwei Drittel der Menschen, die 2015 zu uns kamen, sind heute in Arbeit. Sie stehen morgens auf, gehen zur Schicht, zahlen Steuern, stützen unser Sozialsystem. Also kurz: Sie machen genau das, was Sie von der AfD immer nur behaupten, aber selten selbst hinbekommen: Sie arbeiten.

Für mich hat „Wir schaffen das!“ auch eine ganz persönliche Ebene. Mein Cousin kam 2015 aus Syrien nach Deutschland. Heute ist er deutscher Staatsbürger, er ist Architekt, hat sich ein eigenes Leben aufgebaut. Das ist Integration: kein Drama, keine Panik, kein Untergang, einfach nur ein Mensch, der dazugehört.

Aber wenn wir schon bei Drama sind: Na ja, dann schauen wir doch einfach mal in die Reihen der AfD; es lohnt sich. Sebastian Münzenmaier ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender und verurteilt wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung. Björn Höcke ist AfD-Landesvorsitzender in Thüringen und gleich zweimal verurteilt, weil er eine SA-Parole gegrölt hat. Geschichte wiederholt sich bei der AfD offenbar als Farce. Matthias Helferich ist Bundestagsabgeordneter für die AfD und nennt sich selbst „das freundliche Gesicht des NS“, also des Nationalsozialismus. Man könnte lachen, wenn es nicht so bitter wäre. Oder Maximilian Krah: Gegen seinen ehemaligen Mitarbeiter im Europaparlament läuft derzeit in Dresden das Gerichtsverfahren wegen Verdachts auf Spionage für China.

Zurufevon der AfD

Krah selbst ist tief im russischen Netz unterwegs. Und was macht die AfD? Nichts. Kein Problem. Egal wie hässlich und grässlich das Verhalten der Abgeordneten ist: Für die AfD reicht’s.

Zurufvon der SPD: Kriminelle Vereinigung!

Und dann kommen wir doch mal zur Mitarbeiterebene, die bei der AfD wirklich Slapstick ist.

Das Thema der Aktuellen Stunde haben Sie schon auf dem Schirm, oder?

Philipp R. zum Beispiel marschiert 2022 mit einer Schreckschusspistole zum nächsten Asylbewerberheim, bedroht dort die Bewohner, gibt dann auch einen Schuss ab, fährt dann mit dem Auto davon, natürlich alkoholisiert; im Auto hat er Pfefferspray, einen Schlagstock, einen Schlagring.

Zurufvon der Linken: Pfui!

Dafür wird er von der Polizei festgenommen und später auch verurteilt.

Zurufvon der AfD: Zur Sache!

Und was macht die AfD? Sie macht ihn zum Koordinator für Sicherheit, meine Damen und Herren! Zum Koordinator für Sicherheit!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Wenn das Ihre Definition von Sicherheit ist, dann sollte man sich besser gut anschnallen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Das ist, als wenn man den größten Brandstifter zum neuen Feuerwehrchef erklärt.

Zurufevon der AfD

Meine Damen und Herren, das ist die ganze Heuchelei dieser Partei: Nach außen auf Geflüchtete zeigen, aber im Inneren ein Sammelbecken aus Hetze, Skandalen und Verfassungsfeinden sein. Wenn man die Polizeimeldungen der letzten Jahre liest, könnte man meinen, die AfD schreibt das Drehbuch selbst – und das in Dauerschleife.

Und genau deswegen ist mir an dieser Stelle das Folgende so ungemein wichtig: Es ist höchste Zeit, ein AfD-Verbotsverfahren einzuleiten.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Von was reden Sie eigentlich? Sie haben doch von Polizeimeldungen keine Ahnung!

Dieses Parlament, aus der Herzkammer der Demokratie heraus, darf nicht länger dulden, dass die Feinde von Einigkeit und Recht und Freiheit

Haben Sie das auswendig gesagt?

dieses Haus und dieses Land von innen heraus missbrauchen. Wir müssen uns endlich wehren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Martin Hess [AfD

– Herr Hess, vielleicht kommen Sie mal ein bisschen runter. Also meine Tochter ist 14 Monate alt, sie kann noch nicht richtig reden, und trotzdem ist das, was sie von sich gibt, viel, viel fundierter als das, was ich die ganze Zeit von Ihnen höre. Also bitte: Ruhe!

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Linken
Zurufvon der AfD

„Wir schaffen das!“ bedeutete 2015: Wir schaffen Integration. Heute bedeutet es: Wir schaffen es, unsere Demokratie zu verteidigen: gegen Hetzer, gegen Extremisten und vor allem gegen die AfD.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das Wort hat nun für die Fraktion Die Linke die Abgeordnete Clara Bünger.

Beifallbei der Linken
Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
22 Vermerkeca. 981 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD lebt von Hetze und Lügen. Sie redet von Ausländerkriminalität, während rechte Straftaten seit Jahren ein Rekordhoch nach dem anderen erreichen.

Zurufevon der AfD

Sie redet von Sicherheit, während fast 600 per Haftbefehl gesuchte Neonazis untergetaucht sind. Die Wahrheit ist: Die größte Gefahr für Menschen in Deutschland geht nicht von Geflüchteten aus,

Von links! Das geht von Ihnen aus!

sondern von Rechtsextremisten.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist doch ein Fiebertraum von Ihnen!

Während die AfD – hören Sie gut zu, Herr Brandner, dann lernen Sie noch was – seit zehn Jahren Angst und Hass verbreitet, sah die Realität 2015 noch ganz anders aus: Millionen Menschen wurden aktiv,

Und bereuen das jetzt alle!

Tausende standen an Bahnhöfen, brachten Essen, Kleidung, gaben Sprachkurse, begleiteten zu Behörden. Sie organisierten sich. Zivile Seenotorganisationen, die bis heute Hunderttausende Menschen vor dem Ertrinken retteten, stachen erstmals in See.

Schleuser!

Stachen in See, heute stechen sie woanders hin!

Hilfskonvois brachen auf und solidarische Küchen entstanden auf den Fluchtrouten. Es war gelebte Solidarität. Es zeigte: Wir sind stärker, wenn wir zusammenstehen.

Beifallbei der Linken

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Menschen in diesem Land, die damals und bis heute für Menschen in Not einstehen.

Tatsächlich gab es nämlich seit 2015 viele Erfolge:

Erstens. Wir haben in einem Jahr 1,1 Millionen Menschen in Deutschland aufgenommen und ihnen damit das Leben gerettet.

Zurufvon der AfD: So ein Quatsch!

Zweitens. Die Kriminalität liegt heute niedriger als 2015.

Drittens. 64 Prozent der Geflüchteten aus den damaligen Jahren arbeiten, bei Männern sind es 76 Prozent – mehr als im Bundesdurchschnitt –, Tendenz steigend.

Das ist doch Unsinn! Das sind Selbstauskünfte!

– Hören Sie lieber gut zu da am rechten Rand oder halten Sie den rechten Rand!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Viertens. Fast 300 000 Menschen wurden allein letztes Jahr eingebürgert. Die meisten von ihnen kamen aus Syrien.

Erfolge, über die viel zu wenig gesprochen wird,

Wo soll da ein Erfolg sein? Ich sehe keinen wirtschaftlichen Erfolg!

weil es keine Story ist, wenn etwas funktioniert, vor allen Dingen nicht für die AfD; denn sie will nicht, dass Dinge funktionieren in diesem Land.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Und die Wahrheit ist: Viele dieser Erfolge haben die Menschen nicht wegen, sondern trotz der Politik in Deutschland erreicht, trotz des Rassismus, trotz der Angriffe, trotz der Ablehnung, trotz der Tatsache, dass die Union jahrzehntelang Integration blockiert hat.

Statt die Arbeit der Zivilgesellschaft zu unterstützen, übernahm die Union in Teilen – in Teilen – den rechten Mythos von der angeblichen Grenzöffnung. Sie schürte die Rede von der „Herrschaft des Unrechts“, sie trug mit ihren Kampagnen erst dazu bei, dass die AfD groß wurde. Die Wahrheit ist: Es gab keine Grenzöffnung, und es gab auch kein Unrecht.

Es gibt auch keine Messerstecher!

Deutschland hat geltendes Recht angewandt und mit dem Selbsteintritt nach Artikel 17 der Dublin-III-Verordnung sogar eine Option genutzt, die ausdrücklich vorgesehen war.

Zurufevon der AfD

Das mag Ihnen politisch nicht gepasst haben, es war aber kein Rechtsbruch, sondern ein Akt der Verantwortung.

Beifallbei Abgeordneten der Linken und der Abg. Rasha Nasr [SPD]
Lachenbei der AfD

Und Rechtsbrüche, die erleben wir heute. Die Bundesregierung kassiert vor Gericht eine Klatsche nach der nächsten, weil ihre Abschottungspolitik gegen europäisches Recht verstößt.

Nennen sie fünf Klatschen! Ein, zwei, drei, vier, fünf!

Wenn es in den letzten zehn Jahren einen Grund gab, von der „Herrschaft des Unrechts“ zu sprechen, dann in den letzten Monaten bei der Arbeit von Alexander Dobrindt.

Doch seine Politik steht im Zusammenhang mit einer längeren Entwicklung. Denn wenn wir auf die letzten zehn Jahre zurückschauen, müssen wir auch über den Rechtsruck sprechen. Die AfD missbraucht seit ihrer Gründung Probleme in unserer Gesellschaft, um gegen Menschen Politik zu machen, und die Union hat ihnen dafür den Boden bereitet. Statt nämlich diese Lügen der AfD zu bekämpfen, haben alle Regierungen seit 2015, egal ob GroKo oder Ampel, die Forderung der Rechten am Ende durchgesetzt und umgesetzt.

Sagt die große Menschenfreundepartei SED!

Das Ergebnis waren die größten Asylrechtsverschärfungen seit 1993.

Gebracht hat das den Menschen in diesem Land nichts; das muss man sagen. Die Kommunen haben nicht mehr Geld, die Mieten sind weiterhin am Explodieren, es gibt keine Lösungen für kaputte Schulen und sichere Löhne. Sehr geehrte Damen und Herren, was für eine Überraschung: Politik, die nach unten tritt, schadet allen Menschen in Deutschland.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es wird Zeit für eine echte Migrationswende, eine Migrationswende, die sich an der Solidarität von 2015 orientiert. Es wird Zeit, dass Berufsabschlüsse endlich einfacher anerkannt werden, kostenfreie Sprachkurse mit Kinderbetreuung für alle stattfinden,

Ja, kostenfreie Sprachzertifikate! Super!

Schulen vernünftig ausgestattet werden, sodass die Vielfalt nicht nur gepredigt wird, sondern auch gelebt werden kann. Es braucht Investitionen in Wohnungen, Kitas, Kommunen, damit Teilhabe nicht am Mangel scheitert.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Das wäre eine Migrationswende, die den Namen auch verdient, –

Kommen Sie bitte zum Ende, Frau Kollegin.

Rednerwechsel

– weg von einer Politik der Angst hin zu einer Politik der Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Solidarität.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Rasha Nasr [SPD]

Herzlichen Dank. – Die nächste Rede hält die Kollegin Caroline Bosbach für die Unionsfraktion. Es ist ihre erste Rede.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Lukas Benner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Caroline Bosbach
Foto: Caroline Bosbach/ Felix Mayr
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Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! „Wir schaffen das!“ – ohne diesen Satz wäre ich nie in die Politik gekommen und würde wahrscheinlich auch heute nicht vor Ihnen stehen.

Ich auch nicht!

Er ist für mich Sinnbild einer Politik geworden, die – ja – Herausforderungen unterschätzt und handlungsleitende Grenzen ausgeblendet hat und von der wir uns folglich auch verabschieden sollten; denn die Türen waren offen, aber das Haus war nicht gebaut.

Heute wissen wir, was mit „das“ gemeint gewesen sein sollte, nämlich die Aufnahme und Integration von Millionen Flüchtlingen in dieses Land. Und wer mit „wir“ gemeint war, das wissen wir auch, nämlich offensichtlich die Bevölkerung – nicht nur die Politik, sondern vor allem auch die Gesellschaft.

Was die Altkanzlerin damals nicht gesagt hat – das zieht sich im Übrigen durch bis zum heutigen Tag, noch zehn Jahre später –, ist, wie das Ganze hätte geschafft werden sollen, also die Aufnahme der mehr als 2 Millionen Schutzsuchenden in zwei Jahren, die Überwindung der Überforderung der Kommunen und Behörden in großen Teilen des Landes und natürlich auch die Beseitigung der kulturellen Konfrontation.

„Kulturelle Konfrontation“?

Ich selber komme aus einem noch vergleichsweise beschaulichen Städtchen, Bergisch Gladbach. Ich hatte nach der Schule das Bedürfnis, da mal rauszukommen, bin hierher nach Berlin gezogen und habe mich im Berliner Osten an der HTW eingeschrieben. Ich habe nebenbei immer gearbeitet, unter anderem von 2015 bis 2017 in Tempelhof. Wer erinnert sich noch? Dort war damals eine der größten Flüchtlingsaufnahmestationen Deutschlands mit 5 000 Menschen, vorwiegend jungen Männern.

Glauben Sie mir: Wenn man als Kind eines Berufspolitikers aufwächst, dann will man alles werden, aber niemals Politiker. Deswegen habe ich mich auch lange und erfolgreich großräumig aus diesem Geschäft rausgehalten. Aber die Berliner Jahre haben mich doch massiv politisiert. Ich habe einen Staat gesehen, der absolut improvisieren musste, und jeden Tag habe ich einen harten Clash zwischen Wunsch und Wirklichkeit in diesen Unterkünften gesehen. Vor allem aber waren es Bilder, die ich abends in den Nachrichten gesehen habe und die etwas anderes zeigten als das, was ich selber tagsüber in den Einrichtungen erlebt habe.

Das ist so im Politikbetrieb!

Es war ein CDU-Sozialsenator!

Heute haben wir eine Integrationsbilanz, die geteilt ist. In Anbetracht der hinreichend bekannten Realitäten kann jetzt wirklich keiner behaupten,

Was hat das mit Bergisch Gladbach zu tun?

dass wir es mit einer, sagen wir mal: durchweg positiven und vorbildhaften Erfolgsgeschichte zu tun haben. Aber der Satz „Wir haben es nicht geschafft“ ist der letzte, den Sie von mir hören werden. Denn er würde nicht denen gerecht, die Tag und Nacht geackert haben, Feldlager aufgebaut haben, Trost gespendet und Menschen medizinisch versorgt haben. Er wird auch nicht all denen gerecht, die keinen einzigen Euro genommen haben, sondern die nur im Ehrenamt Freizeit und Kraft geopfert haben, Familien betreut und Behördengänge organisiert haben.

Ein solcher Satz wird am Ende des Tages auch nicht all denen gerecht, die hier angekommen sind und sich ganz vorbildlich integriert haben, die sich Mühe gegeben und von Anfang an gesagt haben: Ich möchte nicht vom Sozialstaat leben, und ich werde diesem Staat nicht auf der Tasche liegen. – Er stimmt auch nicht vor dem Hintergrund, dass das Institut der deutschen Wirtschaft jüngst vorgerechnet hat, dass natürlich auch viele Menschen ohne deutschen Pass allein im letzten Jahr rund 500 Milliarden Euro zur Wertschöpfung beigetragen haben.

Also: Längst nicht alle – das ist auch richtig –, aber viele von ihnen haben unsere Werte angenommen. Das ist, finde ich persönlich, das Wichtigste. Und ich finde auch, dass diese gemeinsamen Werte wieder viel klarer definiert und herausgestellt werden sollten. Es bringt nämlich wenig, tagsüber zu arbeiten und Sozialabgaben zu zahlen und abends am Stammtisch dann antisemitische Parolen zu rufen. Integration hat nämlich nicht nur etwas mit Hirn zu tun, sondern vor allem mit Haltung.

Beifallbei der CDU/CSU

Die einen sagen, sie haben die damalige Entscheidung gerne unterstützt. Andere sagen, sie haben sie ausbaden müssen. Aber alleine schon aus Respekt all denen gegenüber, die das getan haben, was sie getan haben, sollten wir, müssen wir – das ist unsere Pflicht – das anerkennen und selbstverständlich aufzeigen, was alles geschafft worden ist.

„Wir schaffen das!“ – dieser Satz ist so legendär geworden, dass wir heute sogar in einer Aktuellen Stunde darüber sprechen. Dieser Satz wurde gehört, und ich hätte mir gewünscht, dass nicht nur die Stimmen, die zum damaligen vermeintlichen Zeitgeist passten und die medial gut gewirkt haben, eine so große Beachtung gefunden hätten. Viele, die die Dinge schon damals anders gesehen haben, sind in Ecken geschoben worden, in die sie nicht reingehört haben. Wäre das nicht passiert, dann, glaube ich, wäre uns das ein oder andere durchaus erspart geblieben.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist ja albern!

Aber gerade heute herrscht immer noch große Uneinigkeit in der Frage, wie deutlich wir Probleme eigentlich benennen dürfen, wie klar wir sie ansprechen dürfen. Ich plädiere dafür, zu sagen: Je klarer, desto besser. Das wird der Sache am Ende helfen.

Beifalldes Abg. Hans Koller [CDU/CSU]

Die neue Bundesregierung tut das. Sie hat wichtige innenpolitische Kurskorrekturen vorgenommen und neue Pfade eingeschlagen, mit dem entsprechenden Erfolg, den entsprechenden Ergebnissen und Zahlen, gleichzeitig aber auch mit dem Wissen – das gehört selbstverständlich dazu –, dass wir noch viel vor uns haben. Das sind wir uns schuldig, das sind wir aber auch den Menschen hier in Deutschland schuldig, die jeden Tag ihren kleinen oder großen Beitrag dazu leisten, dass dieses Land in der Zukunft wieder richtig blühen kann.

Danke fürs Zuhören. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Frau Bosbach, das war Ihre erste Rede im Hohen Hause. Ich gratuliere Ihnen dazu ganz herzlich.

Die nächste Rede hält Martin Hess für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Dass Links-Grün-Rote bei Migration in ihrer eigenen Traumwelt leben,

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

ich meine, das kennt man; das ist nichts Besonderes. Aber, Kollegin Babendererde, wenn Sie von der CDU heute hier hinstehen und diese fatale Fehlentscheidung der CDU-Kanzlerin Merkel von 2015 angesichts der fatalen Lage, in der sich unser Land befindet, verteidigen, dann schlägt das dem Fass den Boden aus. Das will ich ganz klar sagen.

Beifallbei der AfD

Für wie dumm halten Sie eigentlich die Bürger? Die wissen: Sie sind und bleiben hauptverantwortlich für die historische Krise, in der sich unser Land befindet. Sie haben damals mit Ihrem nahezu blinden Kadavergehorsam

„Kadavergehorsam“?

bezüglich der Entscheidung Merkel uns erst in diese Lage geführt.

Beifallbei der AfD

Diese Entscheidung wird für immer der größte Schandfleck in Ihrer Parteigeschichte bleiben.

Zurufdes Abg. Peter Beyer [CDU/CSU]

Und eines können Sie sich sicher sein: Die Bürger werden Ihnen das nicht vergessen. Wenn Sie Anstand und Rückgrat hätten, dann wären Sie, Kollegen von der CDU, heute hier hingestanden und hätten eines getan: sich bei den Bürgern für dieses katastrophale Versagen der CDU entschuldigt.

Beifallbei der AfD

Aber das können Sie nicht, und das wollen Sie auch gar nicht, weil Sie nämlich opportunistisch sind und sich schon seit Jahren von Grünen, Linken und von der SPD am Nasenring durch die politische Arena ziehen lassen.

Wenn Sie Anstand hätten, würden Sie so nicht sprechen!

Zurufevon der Linken

Die Wahrheit ist doch: Sie verkaufen jede konservative Position, wenn es Ihnen dazu dient, an die Macht zu kommen oder an der Macht zu bleiben. Deshalb darf man Leuten wie Ihnen auch nicht mehr die Zukunft unseres Landes überlassen.

Beifallbei der AfD

Denn Ihre Politik – und da meine ich Sie jetzt ausdrücklich mit – hat zu einer Erosion der inneren Sicherheit in unserem Land geführt, wie man sie bisher noch nicht gesehen hat. Allein Afghanen haben seit 2015 100 000 Gewalttaten in unserem Land begangen.

Hören Sie auf, zu lügen!

Die Tatverdächtigenbelastungsziffer von Syrern, von Afghanen, von Irakern und von Menschen aus einigen nordafrikanischen Staaten beträgt bei Gewaltdelikten das Zehn- bis Elffache der Deutschen, und sogar – jetzt hören Sie genau zu! – afghanische, syrische und irakische Frauen haben bei der Gewaltkriminalität – ich wiederhole: bei der Gewaltkriminalität – eine höhere Kriminalitätsbelastung als deutsche Männer. Damit ist das links-grün-rote Märchen, die explodierende Gewalt in unserem Land habe nichts mit der Migration zu tun und sei männlich, eindeutig widerlegt.

Die Wahrheit ist: Die explodierende Gewalt in unserem Land hat ganz entscheidend mit Ihrer Migrationspolitik zu tun. Und Sie alle in diesem Haus, von der CDU/CSU bis ganz nach links,

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

tragen politische Mitverantwortung für jede einzelne Gewalttat, die von diesen Zuwanderern in unserem Land begangen worden ist.

Beifallbei der AfD

Trotz dieser glasklaren Belege, dass eine verfehlte illegale Massenmigration direkt zu einer Verschlechterung der Sicherheitslage in unserem Land führt, leugnen insbesondere Grüne, Linke und SPD auch diesen für jeden auf der Hand liegenden Zusammenhang. Man muss es mal deutlich sagen: Das Ausmaß an Realitätsverweigerung,

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

das Sie hier an den Tag legen, grenzt ans Pathologische.

Zurufdes Abg. Dr. Fabian Fahl [Die Linke]

Wachen Sie endlich auf! Unser Land kann keine illegale Migration mehr verkraften.

Beifallbei der AfD

Hören Sie auch auf, die Intelligenz unserer Bürger zu beleidigen,

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

indem Sie irgendwelche Pseudoexperten das Märchen erzählen lassen,

Zurufder Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

dass man trotz eines historischen Höchststandes der Gewaltdelikte – alle zwei Minuten wird in Deutschland eine Gewalttat durchgeführt –, einer explodierenden Messerkriminalität – alle 18 Minuten erfolgt in unserem Land ein Messerangriff –, einer exorbitant gestiegenen Sexualkriminalität – pro Tag allein zwei Gruppenvergewaltigungen in Deutschland –

Wie viele Femizide gibt’s denn noch mal in Deutschland jeden Tag? Wie werten Sie Femizide aus? Sagen Sie doch mal kurz!

und einer massiv erhöhten islamistischen Terrorgefahr im Land doch eigentlich in Deutschland sicher leben könne und das individuelle Unsicherheitsgefühl der Bürger völlig falsch wäre.

Ja, ja! Ihre eigene Wahrheit glauben Sie doch selber nicht mal!

Ihre links-grüne Propaganda zerschellt an der Realität. Also lassen Sie endlich diesen Unsinn!

Beifallbei der AfD

Nehmen Sie zur Kenntnis: Vor 2015 wurden unsere Bürger weder auf unseren Weihnachtsmärkten von islamistischen Terroristen totgefahren noch auf Volksfesten durch diese Barbaren mit dem Messer ermordet.

Zurufder Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vor 2015 haben in bestimmten Großstädten unseres Landes zu Halloween und Silvester auch keine bürgerkriegsähnlichen Szenen stattgefunden, bei denen Pyrotechnik als Waffe eingesetzt wird. Vor 2015 wurden in unserem Land auch keine Menschen von sogenannten Schutzsuchenden vor einfahrende Züge geworfen oder zweijährige Kinder beim Kitaausflug mit Messern niedergemetzelt.

Da war alles besser in diesem Land, Herr Hess!

Zurufdes Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]

Vor 2015 brauchten wir auch keinen Sicherheitsdienst in Freibädern, Jobcentern, Schulen oder Krankenhäusern.

Alles super! Frauen waren sicher!

Kurzum: Vor 2015 war Deutschland wesentlich sicherer, und unsere Bürger wollen zu Recht unser sicheres Deutschland zurück.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

Aber diese Regierung tut ja genau das Gegenteil. Sie fliegt mehr Afghanen ein, als sie abschiebt. Sie hält auch nur 2 Prozent der Asylbewerber an der Grenze auf. Deshalb gilt: Wer eine wirkliche Migrationswende will, der muss sich für die AfD entscheiden.

Zurufder Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Denn nur für uns gilt glasklar: Illegale Migration ist nicht nur zu begrenzen.

Kommen Sie bitte zum Ende, Herr Kollege.

Rednerwechsel

Sie ist konsequent und endgültig zu stoppen, und zwar ohne Wenn und Aber.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Dr. Lars Castellucci für die SPD.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]
Porträt von Lars Castellucci
Foto: DBT/Stella von Saldern
11 Vermerkeca. 833 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das, was wir eben gehört haben,

… war die Wahrheit!

war Propaganda. Deutschland ist heute ein sichereres Land als vor 20 oder 30 Jahren.

Wer die Fakten anschaut und keine Propaganda betreiben will, der kann das auch anerkennen.

Beifallbei der SPD und der Linken

Realitätsverweigerung!

Ich spreche heute hier als Abgeordneter, der – als Einziger in dieser Debatte – schon damals dabei war.

Für mich war diese Entscheidung der ehemaligen Bundeskanzlerin in erster Linie eine mutige Entscheidung, um eine humanitäre Katastrophe mitten in Europa abzuwenden. Und wenn ich heute die Nachrichten verfolge, dann wünsche ich mir eher mehr mutige Entscheidungen, um humanitäre Katastrophen abzuwenden, als weniger.

Beifallbei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Die ersten Bilder, die ich vor Augen habe, sind die von Menschen, die, obwohl sie nicht danach gefragt und auch nicht dazu aufgefordert wurden, mit Decken und Thermoskannen in die Bahnhöfe gegangen sind und geschaut haben, dass die ankommenden Menschen irgendwie versorgt sind. Das hat mich berührt. Ich war zu diesem Zeitpunkt stolz auf mein Heimatland Deutschland.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich will diesen Menschen, die mit angepackt haben, zurufen: Viele von denen, die zu uns gekommen sind, sind inzwischen unsere Freunde, unsere Nachbarinnen und Nachbarn, unsere Kolleginnen und Kollegen geworden. Wir haben Menschen, deren Heimat in Schutt und Asche liegt, hier ein Ankommen, ein neues Leben ermöglicht. Über 1 Million arbeiten sozialversicherungspflichtig in diesem Land mit. Wir haben ohne Zweifel eine Menge geschafft. Jeder, der in der Verwaltung daran mitgearbeitet hat, dass eine Wohnung gefunden wurde, oder jeder, der jemanden zu irgendeinem Amt begleitet hat, um irgendeinen Antrag auszufüllen, hat mit dazu beigetragen, dass wir eine Menge geschafft haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der erste Besuch, den ich damals gemacht habe, war bei einer Erstaufnahmeeinrichtung, die in der Mitte meines Wahlkreises liegt. Dort war es so, dass die Busse in der Nacht angekommen sind, die Menschen in die Unterkünfte geführt wurden und ihnen jeweils eine Unterkunft mit einem Bett und einem Schrank zugewiesen wurde. Als man am nächsten Morgen hingekommen ist, war die Hälfte der Menschen, die in die Unterkunft eingewiesen worden waren, wieder weg. Und so wussten wir schon damals: Es läuft nicht so, wie es laufen soll; wir haben nicht die komplette Kontrolle über das, was da läuft. Es sind Versäumnisse entstanden. Ich stehe heute hier als ein Abgeordneter, der damals dabei war. Für diese Versäumnisse, die wir damals verursacht haben und die wir zum Teil bis heute nicht haben heilen können, tragen wir selbstverständlich auch die Verantwortung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Versäumnisse der Vergangenheit kann man nicht immer heilen. Aber wir können uns neue Dinge vornehmen. Wir haben ja damals – 2014, 2015, 2016 – gesehen, welche Kraft darin steckt, wenn die Menschen das Gefühl haben: Da ist eine Situation, in der ich gebraucht werde, da ist ein Ziel, da müssen wir mit anpacken. – Das ist etwas, was man ehrlicherweise jeden Tag auch bei der freiwilligen Feuerwehr oder immer dann, wenn es Überschwemmungen gibt und die Menschen anreisen und mithelfen, sehen kann. Von dieser Kraft brauchen wir mehr, um neue Ziele in diesem Land zu verfolgen.

Warum – und das ist eine Frage, die ich an die Demokratinnen und Demokraten in diesem Raum richte, aber durchaus auch an meine Kolleginnen und Kollegen von der Koalition, um es deutlicher zu machen – nehmen wir uns nicht vor, kraftvoll zu sagen: „Wir wollen wirtschaftlich wieder an die Spitze kommen, und wir laden dazu ein, dabei mitzuhelfen“? Warum nehmen wir uns nicht vor, dafür zu sorgen, dass wir bei der Energieversorgung nicht mehr vom Goodwill des einen oder anderen abhängig sind, dass die Fiebersäfte für Kinder unsere Familien erreichen oder dass wir in Deutschland und in Europa wieder souveräner und resilienter sind? Das sind Aufgaben, für die wir die Bevölkerung begeistern und bei denen wir sie mitnehmen können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Oder schauen wir auf das Soziale: Arbeiten wir doch gemeinsam daran, dass wir ein Land werden, in dem die Menschen gerne alt werden wollen, weil sie wissen, dass sie versorgt und in Beziehungen eingebunden sind. Für solche Aufgaben, für solche Vorhaben können wir die Menschen gewinnen. Und es ist doch klar: Wenn so viele wie möglich gemeinsam mit anpacken, dann schaffen wir das.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vielen Dank Ihnen. – Die nächste Rede hält Sandra Stein für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Sandra Stein
Foto: Milena Radatz
20 Vermerkeca. 1.049 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir entscheiden hier im Plenum, aber auch als Gesellschaft, wie wir über Flucht und Migration reden und wie wir darauf blicken. Wir können es so machen wie die Kolleginnen und Kollegen der AfD, also Hass und Hetze verbreiten, Ängste schüren und immer nur auf die Probleme gucken, oder aber – und das wäre, wofür ich plädiere – darauf gucken, welche Chancen in Flucht und Migration liegen und welche Erfolgsgeschichten wir erzählen können. Ich bin ehrlicherweise sehr dankbar, dass meine Kolleginnen Frau Kaddor und Frau Nasr hervorgehoben haben, dass wir hier große Erfolgsgeschichten zu erzählen haben.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Rasha Nasr [SPD]

Ich sage das auch als Wirtschaftspolitikerin.

Angela Merkel hat vor zehn Jahren gesagt: „Wir schaffen das.“ Und ja, tatsächlich: Wir haben unglaublich viel geschafft. Zwei Drittel der Menschen, die 2015 zu uns gekommen sind, arbeiten heute.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Und 90 Prozent dieser Menschen, die arbeiten, gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach.

Die stocken auf!

– Nein.

Das heißt, sie liegen dem Sozialstaat nicht auf der Tasche,

Wie viele davon stocken auf?

sondern leisten, im Gegenteil, einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Sozialversicherungssysteme.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Klar, ich will nicht verhehlen, dass die letzten zehn Jahre auch eine große Herausforderung waren – in erster Linie für die Menschen, die zu uns gekommen sind. Das sind Menschen, die ihre Heimat verloren haben,

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

die eine neue Sprache erlernen mussten und eine neue Kultur kennenlernen mussten – das müssten Sie vielleicht auch mal tun; das würde Ihnen von der AfD auch guttun –,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Rasha Nasr [SPD]

die sich möglicherweise mit einem Trauma durch ihr Leben navigieren mussten.

Es war auch für die Kommunen eine Belastung. Ich spreche ganz viel mit den Bürgermeistern bei mir im Sauerland. Klar, das war eine große Aufgabe – bei der Unterbringung, bei der Versorgung, auch bei der Integration. Es war auch eine enorme Leistung der Ehrenamtlichen, die sich in der Flüchtlingshilfe eingebracht haben. Und es war eine riesige Leistung der Unternehmen, die sich eingebracht haben, um die Menschen in Arbeit zu bringen, die Sprachkurse organisiert haben und die dafür gesorgt haben, dass die Menschen eine Ausbildung machen können.

Es ist uns gelungen, dass diese Menschen – Kinder, Frauen und Männer – Teil unserer Gesellschaft geworden sind, dass sie sich in den Vereinen einbringen, dass sie sich integrieren, dass sie am Arbeitsmarkt einen Platz gefunden haben. Das stärkt am Ende den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, und diese Vielfalt macht unsere Gesellschaft auch stärker.

Wer also wie die Kolleginnen und Kollegen von der AfD behauptet, dass Geflüchtete einseitig den Staat belasten, der hat einfach nicht recht, der liegt komplett falsch.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufvon der AfD: Lieber Gott!

Denn heute tragen Geflüchtete ganz wesentlich zu unserer Gemeinschaft bei.

Zurufdes Abg. Dr. Gottfried Curio [AfD]

Sie tragen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts und zur Sicherung unserer Sozialsysteme bei.

Zurufdes Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]

Sie werfen uns Realitätsverweigerung vor. Ganz ehrlich: Sie könnten sich auch mal an die Fakten halten. Aber das tun Sie nicht; Sie erzählen hier Lügen.

Um noch mal auf die Wirtschaft zurückzukommen: In einer Zeit, in der eine ganze Generation von Babyboomern in Rente geht und in der wir ganz dringend Arbeitskräfte suchen, da sind auch Geflüchtete ein ganz wesentlicher Baustein, um unsere Wirtschaft zu stärken.

Unsere Wirtschaft geht den Bach runter!

Ich bin überzeugt: Ein ganz wesentliches Mittel, um Integration zu verbessern und Akzeptanz zu schaffen, ist, Menschen, die geflohen sind, möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Wie denn, wenn sie keine Ausbildung haben?

Aber zur Realität gehört auch, dass wir es den Menschen immer noch unnötig schwermachen. Das heißt, wir haben viel zu lange Asylverfahren; die Menschen hängen in der Schwebe.

Und wir haben auch eine Unsicherheit bei den Unternehmen: Kann der Auszubildende tatsächlich bei mir bleiben? Muss der Student, der Ingenieur wird, unser Land bald wieder verlassen? Kann derjenige, der die Ausbildung schon abgeschlossen hat, in ein reguläres Arbeitsverhältnis übernommen werden, oder muss er wieder gehen? – Das müssen wir ändern. Hier müssen wir als Staat deutlich besser werden.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen die Verfahren beschleunigen. Und wir müssen vor allem den Menschen, die gut integriert sind, eine klare Bleibeperspektive bieten.

Dann will ich noch auf einen weiteren Punkt eingehen. Wir haben jetzt erst über Geflüchtete gesprochen. Aber natürlich brauchen wir zusätzlich eine gezielte Arbeits- und Fachkräftezuwanderung.

Zurufvon der AfD: Das ist ein anderes Thema!

Die AfD stellt sich immer gerne als Botschafterin für Mittelstand und Handwerk dar. Dann fragen Sie doch mal die ganzen Betriebe! 200 000 Stellen sind laut Zentralverband des Deutschen Handwerks in den Betrieben nicht besetzt, und es werden Fach- und Arbeitskräfte ganz dringend gebraucht.

Ja, weil das mit den Flüchtlingen nicht funktioniert!

Weitere Zurufe von der AfD

Und wer sagt: „Wir schaffen das ohne Migration“, der hat nicht recht, sondern der gefährdet den Wohlstand unseres Landes.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Migrationspolitik ist nämlich auch Wirtschaftspolitik.

Ganz ehrlich: Wie wir über Geflüchtete und über Menschen mit Migrationshintergrund sprechen, das hat einen wesentlichen Anteil daran, ob Menschen sich hier willkommen fühlen und als Arbeits- oder Fachkräfte hierhinkommen wollen. Da darf sich auch die Union nicht von der hetzerischen Politik der AfD treiben lassen, sondern wir brauchen hier eine ganz klare Willkommenskultur.

Kommen Sie bitte zum Schluss.

Rednerwechsel

Denn das stärkt auch unsere Wirtschaft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jan Köstering [Die Linke]

Die große Wirtschaftspolitikerin!

Herzlichen Dank, Frau Kollegin Stein. – Klaus Mack spricht als Nächster für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Klaus Mack
Foto: Klaus Mack/ Steffen Kugler
21 Vermerkeca. 1.017 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir alle wissen: Die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 hat Deutschland vor eine historische Zerreißprobe gestellt. Wir müssen heute selbstkritisch sagen, dass es ein Fehler war, so zu tun, als könne man es perfekt hinbekommen. Deshalb ist der Schluss daraus heute klar: Wir müssen illegale Migration wirksam bekämpfen. Das ist unsere Pflicht als verantwortungsvolle Politiker, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen.

Es klatscht aber keiner! Scheint keine Mehrheitsmeinung zu sein!

Aber der Unterschied zur AfD ist offensichtlich: Wir tun das mit Recht und Gesetz, mit Verhandlungen und Lösungen. Die AfD hingegen kennt nur Parolen, Stigmatisierungen und Hetze.

Ihr habt alle Forderungen eins zu eins übernommen!

Einer muss ja mal die Wahrheit aussprechen! Sie trauen sich ja nicht!

Wer so redet wie Sie hier in dieser Debatte, der will keine Ordnung schaffen, der will Chaos, aus dem er politisches Kapital schlagen kann. Aber nicht mit uns, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen!

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Helmut Kleebank [SPD]

Auf eines will ich in dieser Debatte auch noch einmal hinweisen: Es waren ja nicht irgendwelche Ministerien, die diese Krise bewältigt haben. Es waren unsere Kommunen, Bürgermeister, Landräte, Tausende Ehrenamtliche. Sie haben Unterkünfte geschaffen, Betreuung organisiert, Integration ermöglicht, oft bis an die Grenzen des Machbaren, manchmal auch an die Grenze des Zumutbaren. Dafür sage ich an dieser Stelle einfach einmal Danke, meine Damen und Herren!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich sage das auch aus persönlicher Erfahrung. Ich war 2015 Bürgermeister in Bad Wildbad. Wir mussten innerhalb weniger Tage Unterbringungsmöglichkeiten schaffen, mit Bürgern oftmals hitzig diskutieren, manchmal kurzfristig über Nacht mit dem Landkreis Lösungen suchen. Das war Verantwortung pur. Und es war nicht immer leicht, die Stimmung im Ort zusammenzuhalten.

Weil Sie das Falsche gemacht haben! Deshalb war das nicht leicht!

Aber wir haben das geschafft – nicht weil es einfach war, sondern weil die Kommunen Verantwortung übernommen haben.

Es ist nicht Verantwortung, wenn man das Falsche umsetzt!

Man hat die Kommunen ausbluten lassen, finanziell und personell!

Deshalb sage ich auch: Was damals gelungen ist, war ein Kraftakt. Aber es darf kein Dauerzustand sein, meine Damen und Herren.

Ist es aber!

Wir dürfen nicht vergessen: Wer damals Verantwortung trug,

Wir vergessen das nicht!

stand nicht nur unter Rechtfertigungsdruck. Es gab Hass, es gab Hetze, es gab Gewalt; der Mord an Walter Lübcke mahnt uns bis heute. Dennoch haben die Kommunen und viele Ehrenamtliche durchgehalten und gezeigt: Sie sind das Rückgrat unseres Staates.

Zurufvon der AfD: Und jetzt pleite!

Unabhängig von den Problemen, die wir heute haben, redet die AfD hier alles schlecht. Aber die Kommunen und viele Ehrenamtliche haben gehandelt.

Aber in die falsche Richtung!

Und darauf können wir auch mal stolz sein, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen ist doch offensichtlich: Die AfD will mit dieser Aktuellen Stunde nicht aufarbeiten. Sie wollen spalten. Sie treten die Leistung der Kommunen und der Ehrenamtlich mit Füßen, nur um jetzt wieder billig Wahlkampf zu machen.

Das sind doch hohle Phrasen! Herr Kollege, ich bitte Sie!

Während andere Verantwortung übernommen haben, tragen Sie nur Parolen vor sich her; das haben wir eben gehört.

Ich frage Sie, meine Damen und Herren von der AfD: Wo waren Sie eigentlich 2015?

Wir haben dagegen demonstriert!

Als Sie am Bahnhof standen, war ich sicher nicht dort!

Während wir vor Ort Unterkünfte organisiert haben, während Vereine Suppenküchen organisiert haben, während Ehrenamtliche Deutschkurse hielten,

hatten Sie nur eine Parole: An allem sind die Flüchtlinge schuld!

Nein! Die Politik, nicht die Flüchtlinge! Sie waren schuld!

Konstruktives? Fehlanzeige! Die AfD lebt von Problemen, aber sie hat noch nie eines wirksam gelöst, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Das wird sich ändern, wenn wir in Regierungsverantwortung sind!

Noch eines gehört zur Wahrheit dazu – bevor Sie hier wieder Geschichtsklitterung betreiben –: Die unionsgeführte Bundesregierung hat nach 2015 die Zahlen mit klaren Maßnahmen reduziert, mit den Asylgesetzen, mit den Asylpaketen I und II, mit strengeren Regeln für den Familiennachzug, mit Sachleistungen statt Geld, mit einer konsequenten Rückführungspolitik.

Sie haben Millionen Illegale durchgeschleust und durchgefüttert, Hunderte Milliarden Steuergeld verbrannt

und Tausende Tote!

Und mit dem EU-Türkei-Abkommen wurde eine europäische Lösung geschaffen. Unser Kompass war immer: Humanität und Ordnung, Hilfe für Schutzbedürftige, aber auch klare Grenzen gegen Missbrauch.

Das hat gewirkt. Die Zahlen gingen zurück, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen. Leider hat die Ampel davon wieder einiges eingerissen. Auf Drängen der Grünen zum Beispiel hat jeder, der in Abschiebehaft sitzt, automatisch einen kostenlosen Pflichtanwalt bekommen. Das war in Wahrheit eine Verzögerungsschleife. Zum Glück haben wir als neue Bundesregierung jetzt vereinbart: Diese Regelung wird abgeschafft.

Jetzt machen wir, was notwendig ist: Wir stellen Rückführungen konsequent sicher. Wir stärken die europäischen Außengrenzen. Wir schließen Abkommen mit Herkunftsstaaten. Und wir senden ein klares Signal: Irreguläre Migration wird begrenzt. – Ich danke unserem Innenminister Alexander Dobrindt für sein beherztes Vorgehen in dieser Sache.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb sage ich zum Schluss an die Adresse der AfD: Sie instrumentalisieren das Leid von Flüchtlingen.

Sie haben das Leid geschaffen!

Sie haben die Probleme doch erst produziert, Herr Kollege! Etwas mehr Demut!

Sie diffamieren die Leistungen unserer Kommunen. Und Sie tragen nichts, aber auch gar nichts zur Lösung bei. Sie sind keine Alternative für dieses Land; Sie sind ein Risiko für den Zusammenhalt unseres Landes.

Haben Sie herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Dr. Christian Wirth für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Christian Wirth
Foto: Dr. Christian Wirth/ Hagen Schnauss
11 Vermerkeca. 687 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Werte Kollegen! Vor zehn Jahren sprach Merkel: „Wir schaffen das.“ – Sie öffnete die Grenzen unseres Landes ohne Mandat,

Sie waren nie geschlossen!

ohne Abstimmung mit den europäischen Nachbarn und ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz.

Heute, zehn Jahre später, ziehen wir Bilanz, und diese Bilanz ist nicht weniger als dramatisch. Wir erleben auf deutschen Straßen bei Demonstrationen, wie Menschen mit Hamasfahnen marschieren, wie Parolen für die Vernichtung Israels skandiert werden und wie Terrororganisationen offen gefeiert werden. Jüdische Mitbürger trauen sich nicht mehr, ihre Symbole wie Kippa und Davidstern offen zu tragen. Viele meiden bestimmte Stadtviertel, weil sie dort nicht mehr sicher sind. Wir erleben auch eine deutliche Zunahme der Gewalt gegen Homosexuelle. Statt der von Ihnen gepredigten Vielfalt und Toleranz haben Sie Deutschland mit Ihrer verheerenden Politik Furcht und Bedrohung gebracht.

Beifallbei der AfD

Die Liste der Folgen ließe sich fast endlos fortsetzen. In Freibädern kommt es regelmäßig zu sexuellen Belästigungen und Übergriffen. Gruppenvergewaltigungen – bis 2015 ein fast unbekanntes Phänomen – finden täglich statt. Frauen und Mädchen werden aus öffentlichen Räumen verdrängt, und die angeblich feministischen Parteien schauen weg. Messerattacken gehören fast täglich zu den Polizeimeldungen. Kriminelle Clans kontrollieren ganze Straßenzüge und Viertel, bedrohen Anwohner und lachen über die Schwächen des Staates.

An unseren Schulen zeigt sich ein besonders bedrückendes Bild. In vielen Klassen sind deutsche Kinder längst in der Minderheit. Sie werden ausgegrenzt, verspottet und als „Kartoffeln“ beschimpft. Sie müssen Schutzgelder bezahlen oder gleich zwangskonvertieren. Das ist Rassismus gegen Deutsche. Doch hierzu vernimmt man meist nur breites Schweigen.

Beifallbei der AfD

Währenddessen explodieren die Kosten. Milliarden fließen in Sozialleistungen, Integrationsprogramme, Sprachkurse, Wohnraum, Polizei und Justiz. Arbeitnehmer und Familien müssen steigende Beträge schultern, während die Versprechen der Politik immer leerer klingen.

Wir sehen Vielehen, die stillschweigend hingenommen werden. Wir sehen Mädchen, die Opfer von Genitalverstümmelung werden – mitten in Deutschland. Wir sehen islamistische Hassprediger, die ungestört wirken und neue Anhänger gewinnen. Und wir müssen Terroranschläge erleben, begangen von Tätern, die nur durch Merkels Grenzöffnung 2015 überhaupt ins Land gekommen sind.

Die waren nie zu! Die Grenzen waren nie zu!

Meine Damen und Herren, das alles ist kein Zufall, sondern die direkte Folge einer Entscheidung, die 2015 gegen den Rat aller Sicherheitsbehörden und gegen den Willen großer Teile der Bevölkerung getroffen wurde. „Wir schaffen das“ war kein Aufbruch, sondern eine Kapitulation – eine Kapitulation vor illegaler Masseneinwanderung, eine Kapitulation vor der eigenen Verantwortung, eine Kapitulation vor dem Schutzauftrag gegenüber unseren Bürgern.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Rasha Nasr [SPD]

Und während die Probleme Jahr für Jahr größer werden, feiern dieselben Parteien diesen Irrweg bis heute als angebliche humanitäre Großtat. Man spricht von Bereicherung, während Frauen abends nicht mehr unbeschwert unterwegs sein können,

Das Problem nennt sich Mann und nicht Ausländer!

Sie haben ja nicht mal Frauen in Ihren eigenen Reihen!

während Eltern Angst haben, ihre Kinder auf den Spielplatz zu schicken, während Polizisten in bestimmten Vierteln kaum noch durchgreifen können, während Sicherheitskräfte und Rettungskräfte ohne Konsequenzen angegriffen werden.

Das deutsche Volk hat in diesen zehn Jahren einen hohen Preis gezahlt:

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

den Preis der Unsicherheit und der Angst, den Preis des schwindenden Vertrauens in den Rechtsstaat, den Preis einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung.

Beifallbei der AfD

Sie betreiben eine Verdachtskultur! Das tun Sie!

Darum sagen wir klar und deutlich: Deutschland hat es nicht geschafft. Zehn Jahre „Wir schaffen das“ haben unseren inneren Frieden massiv beschädigt und das Vertrauen der Menschen in die Politik zerstört.

Nee, das haben Sie getan! Sie waren das!

Die AfD-Fraktion fordert deshalb die konsequente Schließung der Grenzen für illegale Migration, die Abschiebung aller ausreisepflichtigen Ausländer, die Zerschlagung der Clanstrukturen und den entschlossenen Schutz unserer Kinder und Familien. Sehr geehrte Damen und Herren, „Wir schaffen das“ war ein Irrweg. Die Alternative lautet: Wir beenden das.

Vielen Dank und Glück auf!

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Ich erteile Siegfried Walch für die letzte Rede in dieser Debatte das Wort.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Siegfried Walch
Foto: Siegfried Walch/ Christoph Leonhardt
14 Vermerkeca. 915 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als ehemaliger Landrat möchte ich zu Beginn ein Wort des Dankes sagen: Danke an alle, die mitgeholfen haben in diesen schwierigen Zeiten, die in Krisenzeiten zusammengestanden haben und es nach wie vor tun und sich engagieren für Menschen, die zu uns kommen, aber auch für die eigene Bevölkerung, die mithelfen, dass Dinge eben doch gelingen können. Vielen Dank an alle, die sich im Asylbereich, im Sozialbereich, im Jugendhilfebereich hauptamtlich oder ehrenamtlich, in unseren Behörden – vor allem in unseren Sicherheitsbehörden – engagiert haben und dafür sorgen, dass unsere Ortsgemeinschaften zusammen helfen. Vielen Dank für eure Arbeit!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Dieses Engagement war beeindruckend. Aber trotz dieses Engagements müssen wir heute konstatieren, dass vieles eben nicht geschafft wurde. Ich habe das Motto damals für falsch gehalten, und ich halte es nach wie vor für falsch, weil aus meiner Sicht damals wie heute ein falsches Signal von diesem Motto ausging. „Wir schaffen das“ haben nämlich viele so verstanden, als sei jeder willkommen. Nein, es ist nicht jeder willkommen und auch nicht unbegrenzt, meine Damen und Herren.

In Bezug auf Asyl bin ich zutiefst überzeugt: Ich möchte, dass wir als Industrienation Menschen helfen, die auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung sind – speziell, wenn Krisen in unserer direkten Nachbarschaft stattfinden. Können wir das unbegrenzt und alleine tun? Oder braucht es dafür auch gerechte europäische Verteilmechanismen? Ich glaube, ja. Unbegrenzt funktioniert auch das nicht, meine Damen und Herren. Denn es gibt Leistungsgrenzen: Leistungsgrenzen bei Kommunen, Leistungsgrenzen bei Sozialsystemen, Leistungsgrenzen in der Gesellschaft und, ja, auch Leistungsgrenzen für die Menschen in unserem Land.

Nachdem ich elf Jahre als Landrat mit hauptverantwortlich war für die Organisation dessen, was dort beschlossen wurde, kann ich Ihnen berichten: Allein die Menge hat die Kommunen überfordert – uns als Gemeinschaften, uns als Landkreise, Städte und Märkte, uns als Gesellschaft. Allein die Menge hat auch Integration erschwert und bisweilen unmöglich gemacht. Wir müssen eben feststellen: Integration kann niemals in einem luftleeren Raum stattfinden. Wir setzen uns ja nicht zusammen und gestalten mal unser Wertefundament neu. Integration muss immer in ein bestehendes System der Rechtsordnung und der Werteordnung erfolgen.

Beifallbei Abgeordneten der AfD –. Mahmut Özdemir [Duisburg] [SPD]: Genau! Mit Arbeitsverboten!

Deswegen ist es so wichtig, dass wir von jedem, der zu uns kommt, als Grundlage für Integration erwarten können, die Werte unseres Landes anzuerkennen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich bin sehr dankbar, dass die Bundesregierung mit dem neuen Kurs, mit dem Politikwechsel auch bei der Migration und mit der konsequenten Umsetzung der Migrationswende durch den Bundeskanzler und den Bundesinnenminister Alexander Dobrindt dieses Signal klar nach außen sendet. Denn unsere Aufgabe ist, jetzt die Dinge in Ordnung zu bringen, bei denen wir es noch nicht geschafft haben. Wir müssen jetzt die Grenzen sichern, wir müssen Zugänge begrenzen, wir müssen Ausreisen verstärken und wir müssen Abschiebungen forcieren.

Wo kommen dann die Fachkräfte her?

Natürlich ist es ganz wichtig, dass wir auch das Thema Sicherheit niemals anzweifeln lassen. Die Menschen in unserem Land müssen immer wissen – darauf muss sich jeder verlassen können –, dass niemand, der unsere Sicherheit gefährdet, in diesem Land bleiben darf oder überhaupt in dieses Land einwandert. Auch deswegen sind die Grenzkontrollen des Innenministers richtig, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU und der AfD

Wir erleben aber leider Gottes eine unglaublich überhitzte Debatte. Die einen hier drin erklären, der Weltuntergang stehe bevor, und die anderen erklären, Zuwanderung sei per se immer gut. Natürlich ist beides Unfug.

Beifallbei der CDU/CSU

Es gibt nicht schwarz und weiß, nicht Gut und Böse; sondern es richtet sich nach der Frage, wie wir es organisieren, meine Damen und Herren. Deswegen möchte ich klipp und klar sagen: Ich wünsche mir, dass wir ein Land sind, das denjenigen Heimat bietet, die engagiert sein wollen – dafür gibt es übrigens unzählige Beispiele aus den letzten Jahrzehnten in diesem Land –, denjenigen, die unsere Rechtsordnung anerkennen, unser Wertesystem, unsere demokratische Ordnung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Zurufder Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wer das aber nicht tut, wer in unsere Sozialsysteme einwandert, wer zum Straftäter wird, wer die Demokratie infrage stellt, den Rechtsstaat missachtet und unsere Werte nicht akzeptiert,

Das ist ja AfD-Programm!

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

der muss dieses Land auch wieder verlassen.

Beifallbei der CDU/CSU und der AfD

Und eines weiß ich sicher, meine Damen und Herren.

Kommen Sie bitte zum Ende.

Ich würde das zu Ende führen. Ich bin in fünf Sekunden fertig.

Die sind jetzt vorbei!

Achten Sie mal drauf, wer bei Ihnen klatscht!

In drei.

Eines weiß ich sicher: Polarisierung bringt uns nicht weiter.

Lachender Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn wir die nächsten zehn Jahre schaffen wollen, dann brauchen wir Ordnung und Kontrolle und keine Ressentiments.

Das sind jetzt zehn Sekunden!

Das waren jetzt acht Sekunden.

Wir brauchen weltoffenen Patriotismus, ohne jemanden auszugrenzen. Wir brauchen Zusammenhalt und keine Spaltung von links und von rechts.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Herzlichen Dank, dass Sie zum Ende gekommen sind. – Es gibt keine weiteren Wortmeldungen. Damit ist die Aktuelle Stunde beendet.

Mit Erfolg!

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 729 WörterReaktionswert: ruhig
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! März 2025, Juba, Südsudan: Nach Jahren eines zerbrechlichen Friedens steht das ostafrikanische Land erneut am Rande eines Bürgerkriegs. Die Übergangsregierung droht zu scheitern. Die Lager von Präsident und Vizepräsident stehen sich erneut bewaffnet gegenüber. Die Zahl der Gewalttaten gegen Zivilisten erreicht einen Fünfjahreshöchststand. 300 000 Menschen sind auf der Flucht. Wir hören von Hunger, von sexualisierter Gewalt, von Brandbomben, von Luftangriffen auf Zivilisten. Der Krisenstab der Bundesregierung beruft die deutschen Diplomatinnen und Diplomaten vorübergehend zurück. Seitdem hat sich die Sicherheitslage zumindest in Juba zum Glück leicht verbessert; die Kolleginnen und Kollegen des Auswärtigen Amtes sind wieder vor Ort.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, der Südsudan ist das jüngste Land der Welt. Seit seiner Staatsgründung hat er zwei Phasen des Bürgerkriegs durchlitten. Und in seinem Nachbarland, dem Sudan, spielt sich zurzeit die schlimmste Hunger- und Vertreibungskrise unserer Zeit ab. Von dort suchen mehr als 1 Million Menschen Schutz im Südsudan, in einem Land, das sich selbst in einer humanitären Krise befindet und mit einem andauernden Konflikt zu kämpfen hat.

Fakt ist also: Fast 15 Jahre nach der Unabhängigkeit bleibt Südsudan einer der ärmsten und auch einer der fragilsten Staaten der Welt, und dies trotz der dort vorhandenen Ressourcen. Nicht nur aus ethischen, aus menschlichen Gründen können wir unsere Augen vor dem Leid im Südsudan und in der Region nicht verschließen. Mit unserer Hilfe zeigen wir den Zivilistinnen und Zivilisten in ihrer oft verzweifelten Lage, dass die Weltgemeinschaft sie nicht vergisst – ein Akt der Verantwortung und der Barmherzigkeit.

Aber es gibt auch realpolitische Gründe, warum wir uns um Krisen wie im Südsudan kümmern müssen. Ich bin überzeugt: Krisen und Konflikte, die wir ignorieren, von denen wir uns einbilden, sie würden uns nicht betreffen, kommen früher oder später zu uns. Was wir also tun, das tun wir auch im wohlverstandenen Eigeninteresse.

Wir sehen jetzt schon Fluchtbewegungen aus dem Sudan, aus dem Südsudan in Richtung der Nachbarländer, nach Ägypten, in den Tschad. Instabilität, liebe Kolleginnen und Kollegen, nimmt keine Rücksicht auf Grenzen; sie breitet sich aus. Deswegen ist Deutschland im Südsudan einer der größten humanitären Geber, mit über 30 Millionen Euro allein in diesem Jahr und zusätzlich über 200 Millionen Euro in der regierungsfernen Entwicklungszusammenarbeit.

Und wir beteiligen uns mit Bundeswehrsoldaten an der Blauhelmtruppe von UNMISS im Land. Sie leisten einen unerlässlichen Beitrag: Sie schützen Tag für Tag Menschenleben, sie dokumentieren Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht, sie helfen in Gestalt des militärischen Stabspersonals der Bundeswehr, ein aktuelles Lagebild zu erstellen, und ganz konkret helfen sie dabei, dass humanitäre Mittel da ankommen, wo sie am meisten gebraucht werden. Denn häufig führen besonders schwierige Sicherheitslagen und Zugangsbeschränkungen durch die Konfliktparteien dazu, dass humanitären Helfern der Weg verstellt ist.

Zur Wahrheit gehört: Ja, das deutsche UNMISS-Kontingent an Soldaten und Polizisten ist vergleichsweise klein und liegt von der Größe her unter dem anderer Truppen- und Polizeisteller. Aber deutsche Soldaten und Polizisten sind an ganz zentralen Stellen in der Mission eingesetzt: in Stäben, als Militärbeobachter oder in der Polizeikomponente. Mit der Position des Police Commissioners stellt Deutschland seit August dieses Jahres wieder den ranghöchsten Polizisten der Mission. Weltweit gibt es bei den Vereinten Nationen nur vier Personen auf dieser Führungsebene. Auch dadurch wird das deutsche Engagement von den anderen internationalen Partnern stark wertgeschätzt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Bundesregierung beantragt die Fortsetzung des Einsatzes der Bundeswehr bei UNMISS, weil die gegenwärtige Lage im Südsudan so ist, wie sie ist, weil nur eine Stabilisierung vor Ort Fluchtursachen bekämpfen kann, weil die Fortführung unseres Engagements im Südsudan nicht nur eine materielle Entscheidung, sondern vielmehr ein sichtbares internationales Zeichen unserer Verantwortung für Frieden, Sicherheit und internationale Stabilität ist, und das auch in einem Kontext, in dem wir uns aktuell auf der Weltbühne darum bewerben, im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Verantwortung übernehmen zu dürfen.

Lassen Sie uns mit dieser Verlängerung ein klares Signal senden dafür, dass uns die Krisen, Konflikte und humanitären Notlagen in anderen Gegenden der Welt etwas angehen, dafür, dass Deutschland sich weiter für die Menschen im Südsudan, aber auch für die Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen einsetzt!

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielen Dank, Herr Minister. – Die nächste Rede hält Gerold Otten für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Gerold Otten
Foto: Gerold Otten/ Studio Loske
2 Vermerkeca. 574 WörterReaktionswert: ruhig
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Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es ist gerade mal sieben Monate her, dass der Deutsche Bundestag einer weiteren Verlängerung des UNMISS-Mandats bis Oktober dieses Jahres zugestimmt hat. Auch meine Fraktion hat die Mandatsverlängerung unterstützt. Groß waren die Hoffnungen auf eine positive Entwicklung dabei allerdings nicht.

Wenn sich nun der Deutsche Bundestag ein weiteres Mal mit diesem Mandat beschäftigt, dürfte erneut deutliche Ernüchterung das bestimmende Gefühl sein; denn das Hauptproblem ist – anders als beim Klimawandel – eindeutig zu 100 Prozent menschengemacht. Das Problem ist eine Regierung, die ihrer Pflicht gegenüber ihrem Volk nicht nachkommt, die weder für Sicherheit und Stabilität im Innern sorgt noch die wesentlichen Dinge zur Daseinsvorsorge organisiert und sicherstellt. Die jüngste UN-Resolution sowie das vorliegende Mandat kommen daher auch nicht umhin, dies deutlich anzumerken.

Doch anders als bei anderen Mandaten fußt der Auftrag von UNMISS nicht auf Fantastereien; denn die vier Kernaufträge des Mandats sind dabei klar umrissen: erstens Schutz von Zivilisten, zweitens Sicherstellung des Zugangs zu humanitärer Hilfe, drittens Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen und viertens Unterstützung des Friedens- und Versöhnungsprozesses im Land.

Zur Erfüllung dieses Auftrags steht UNMISS eine derzeitige Präsenzstärke von rund 14 000 UN-Soldaten und 1 600 Polizisten zur Verfügung. Es handelt sich dabei um internationale Kontingente, darunter, wie gerade gehört, auch das deutsche.

Die Bundeswehr beteiligt sich derzeit mit nur wenigen Soldaten und Polizisten an UNMISS. Diese sind innerhalb der Mission in Stabs- und Beobachtungsaufgaben eingesetzt. Auch wenn ihre Anzahl nur verschwindend gering ist und ihre Möglichkeiten begrenzt erscheinen: Ihre Bedeutung für die Koordination der Auftragserfüllung von UNMISS ist allseits unbestritten. Groß sind die Aufgaben in einem Land, das fast doppelt so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland.

Mit Blick auf die Zunahme der blutigen Auseinandersetzungen war UNMISS in den vergangenen Monaten sehr gefordert. So wurde die Patrouillentätigkeit deutlich erhöht und das Netz von lokalen Stützpunkten stark erweitert. Das alles dient dazu, Sicherheit und Zugang zu humanitärer Hilfe überhaupt erst zu ermöglichen. Was diesen Teil des Auftrags betrifft, ist UNMISS unverzichtbar.

Was allerdings die Unterstützung des sogenannten Revitalisierungsprozesses angeht, sind die Entwicklungen seit 2018 mehr als ernüchternd. Unübersehbar sind die vielen Aufrufe des südafrikanischen UN-Bevollmächtigten Nicholas Haysom an die Machthaber aus den rivalisierenden Bevölkerungsgruppen, mit UNMISS enger zusammenzuarbeiten, den Friedensprozess ernsthaft in Angriff zu nehmen und die Waffen endlich schweigen zu lassen, und nach wie vor sind diese Appelle absolut erfolglos. UNMISS kann also die menschengemachten Probleme des Südsudan nicht lösen, und dessen sind sich alle Beteiligten auch bewusst.

Die UN-Soldaten und Polizisten tragen aber dazu bei, die Gewalt zumindest einzudämmen, Hilfslieferungen auch und vor allem an die Binnenvertriebenen zu ermöglichen und ein Mindestmaß an Sicherheit für die Menschen vor Ort zu schaffen.

Wohin der Südsudan aber politisch driften wird, ist heute nicht absehbar. Er ist aber ein warnendes Beispiel für alle, die Diversität in einer Gesellschaft als so wichtig erachten: Wo es keine verbindende Identität bei den verschiedenen Bevölkerungsgruppen gibt, gibt es auch keinen Gemeinsinn, sondern nur Partikularinteressen, und wer diese Gruppen am erfolgreichsten spaltet, der hat die Macht.

Die Beteiligung deutscher Soldaten trägt, wie aufgezeigt, dazu bei, UNMISS in die Lage zu versetzen, ihren militärischen Auftrag im Südsudan zu erfüllen. Ich werde meiner Fraktion, wie bisher auch, die Zustimmung zum Mandat empfehlen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank Ihnen. – Ich erteile als Nächstes das Wort für die Bundesregierung dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, Dr. Nils Schmid.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Nils Schmid
Foto: SPD/Susie Knoll
3 Vermerkeca. 399 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit der Unabhängigkeit im Jahr 2011 leben die Menschen im Südsudan in einem Umfeld, das von Gewalt, Korruption, politischen Spannungen, Umweltkatastrophen und einer dramatischen humanitären Notlage geprägt ist. Heute leiden etwa drei Viertel der Bevölkerung, rund 9 Millionen Menschen, darunter.

Die Umsetzung des erneuerten Friedensabkommens verläuft weiterhin schleppend. Die ersten freien Wahlen in der Geschichte des Südsudans wurden im September letzten Jahres erneut verschoben, auf Dezember 2026. Die Menschenrechtslage ist kritisch, der Raum für die Zivilgesellschaft ist stark eingeschränkt, und sexualisierte Gewalt wird systematisch als Waffe eingesetzt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in dieser Situation darf Südsudan jetzt nicht alleingelassen werden. Das Land und vor allem die Menschen brauchen weiter internationale Unterstützung, und zentraler Teil davon ist die Mission UNMISS der Vereinten Nationen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie schützt Zivilistinnen und Zivilisten, schafft Zugänge für humanitäre Hilfe und unterstützt die Umsetzung des Friedensabkommens. Das Mandat des UN- Sicherheitsrates vom 8. Mai dieses Jahres stellt klar, worauf unser aller Fokus liegen muss. Es geht um die Prävention von Gewalt wo möglich, um Stabilität und um eine Perspektive für das Land und die Menschen.

Deutschland beteiligt sich seit 2011 an dieser Mission. Derzeit leisten 14 deutsche Soldatinnen und Soldaten in Führungsstäben und als Militärbeobachterinnen und -beobachter einen wichtigen Beitrag: hoch qualifiziert, sichtbar im Land und in engem Kontakt mit den Menschen vor Ort. Sie tragen dazu bei, Menschenrechtsverletzungen zu verhindern und Vertrauen zwischen UNMISS und der Zivilgesellschaft aufzubauen.

Unser militärisches Engagement ist eingebettet in den integrierten Ansatz der Bundesregierung. Dazu gehören auch humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und die Entsendung von Polizistinnen und Polizisten. Mit der Fortsetzung unserer Beteiligung an UNMISS leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung in einer hochsensiblen Region. Und wir stärken das deutsche Profil im Peacekeeping der Vereinten Nationen, wohlgemerkt in einer Zeit, in der Multilateralismus immer mehr unter Druck steht.

Die Bundesregierung beantragt deshalb, das Mandat bei einer unveränderten Obergrenze von bis zu 50 Soldatinnen und Soldaten bis zum 31. Oktober 2026 zu verlängern. Ich bitte um Zustimmung.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank, Herr Staatssekretär. – Ich erteile das Wort für die nächste Rede Luise Amtsberg für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Luise Amtsberg
Foto: Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
3 Vermerkeca. 583 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Wehrbeauftragter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor rund zweieinhalb Jahren war ich im Südsudan, einem Land, das zweifelsohne zu den großen vergessenen Krisengebieten unserer Zeit gehört. Auch Jahre nach Ende des Bürgerkrieges ist das Land geprägt von Gewalt, Armut, politischer Instabilität. Klimabedingte Überschwemmungen, Dürren, Hunger, Vertreibung haben das Land in eine schwere humanitäre Krise geführt.

Während meines Besuches in einem durch von Überschwemmungen von der Außenwelt abgeschnittenen Flüchtlingslager im Norden des Landes, in Bentiu, erreichte mich dann die Nachricht von gewaltsamen Ausschreitungen und Kämpfen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Heute, zweieinhalb Jahre später, sind weit über eine halbe Million Menschen aus dem Sudan in den Südsudan geflohen. Auch sie leben unter schwierigsten humanitären Bedingungen. Gleichzeitig baut Präsident Kiir seinen Sicherheitsapparat um, besetzt politische Schlüsselposten nach seinem Gusto – zuletzt mit seiner Tochter –, spaltet gezielt die Opposition und hat mit dem Hausarrest seines Vizepräsidenten im März das Friedensabkommen de facto beendet. Gefechte zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Oppositionskräften sind leider immer noch Alltag. Humanitäre Helferinnen und Helfer werden gezielt Opfer von Gewalt – von Entführungen über Brandstiftung bis hin zu Plünderungen von Krankenhäusern.

Meine Damen und Herren, all das im Hinterkopf behaltend, ist klar, dass es bei dieser Debatte heute nicht nur um abstrakte Mandatszahlen geht. Es geht um viel mehr, nämlich um das Leben von Millionen von Menschen, insbesondere von Frauen und Kindern. Und es geht um eine politische Perspektive; denn das Friedensabkommen sowie die vereinbarten politischen Reformen sind in weite Ferne gerückt.

Das Mandat der UNMISS übernimmt hier zentrale Aufgaben. Die Mission schützt Zivilistinnen und Zivilisten, sorgt für Wasser, Infrastruktur, für den Zugang zu humanitärer Hilfe über die UN-Organisationen und internationale Organisationen, begleitet lokale Friedensprozesse, dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und versucht, politische Räume offenzuhalten.

Aber, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich bin fest davon überzeugt: Die Verlängerung des Mandats darf keine Routine sein. Vielmehr muss sie Aufforderung sein und auch Versprechen, die Menschen im Südsudan nicht zu vergessen, zu zeigen, dass die internationale Gemeinschaft nicht wegschaut.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ziel der Mission ist der Schutz der Bevölkerung, die Unterstützung politischer Prozesse und die Umsetzung des Friedensabkommens. Aber all das kann nur erreicht werden, wenn sich die internationale Gemeinschaft, und vor allen Dingen Länder wie die Bundesrepublik Deutschland als eine der größten Geberinnen im Südsudan, darüber hinaus einbringt.

Der Schutz der Bevölkerung, der Zugang zu humanitärer Hilfe und die Unterstützung lokaler Friedensinitiativen müssen im Mittelpunkt stehen. Die Regierung in Juba muss in die Pflicht genommen werden. Wer Menschenrechte missachtet, Friedensabkommen bricht, Reformen verschleppt und die Zivilgesellschaft unterdrückt, der muss auch mit internationalem Druck rechnen.

Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, Sicherheit bedeutet mehr, als nur mandatierte Einsätze der Bundeswehr zu unterstützen. Sicherheit bedeutet auch, dass man eine resiliente lokale Zivilgesellschaft hat, dass man Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen vorantreibt, um Konflikte zu verhindern, dass man Bildung und vor allen Dingen die Lehrkräfte stärkt, die seit Monaten im Südsudan nicht mehr bezahlt werden.

Sie können sich vorstellen, dass all das ein Riesenvolumen und natürlich ein großer Auftrag auch an die Bundesrepublik ist. Und Sie können sich vorstellen, dass meine Fraktion vor dem Hintergrund der Auflösung von USAID und der massiven Kürzungen im Bundeshaushalt die große Sorge hat, dass Länder wie der Südsudan vergessen werden. Deshalb zum Schluss meiner Rede der ausdrückliche Appell: Lassen Sie das nicht zu!

Herzlichen Dank.

Vielen Dank. – Ich erteile Vinzenz Glaser für Die Linke das Wort.

Beifallbei der Linken
Porträt von Vinzenz Glaser
Foto: Vinzenz Glaser/ Gökhan Önol
3 Vermerkeca. 416 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir auf die Lage im Südsudan blicken, sehen wir ein Land, das trotz über zehn Jahren internationaler Unterstützung und eines Friedensabkommens von 2018 erneut an der Schwelle zum Bürgerkrieg steht.

Die politische Lage im Südsudan spitzt sich dramatisch zu. Die Spannungen zwischen rivalisierenden Eliten wachsen weiter. Erste Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen haben bereits begonnen. Der Befehlshaber der UNMISS bezeichnete die Lage im Südsudan bereits als Krieg.

Zur gleichen Zeit zerstört der Klimawandel weiter Lebensgrundlagen. Schwere Überschwemmungen haben Felder, Häuser, Dörfer vernichtet. Hunderttausende Menschen stehen vor dem Nichts.

Hinzu kommt der Krieg im Nachbarland Sudan. Seit April 2023 sind fast 900 000 Geflüchtete in den Südsudan geflohen, also in ein Land, das selbst kaum noch in der Lage ist, die eigene Bevölkerung zu versorgen.

Gleichzeitig bricht der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes, der Ölexport, fast vollständig zusammen. Diese extreme Abhängigkeit vom Öl verschärft die Machtkämpfe zusätzlich.

Trotz dieser Lage soll das Mandat der UN-Mission UNMISS erneut verlängert werden. Dabei fehlt mir eine ehrliche und selbstkritische Bilanz. Denn Jahr für Jahr beschließt Deutschland diese Verlängerung, betont die Bedeutung von Stabilität, spricht von Friedenssicherung. Doch was hat sich in den letzten Jahren wirklich verändert? Die Bilanz ist relativ ernüchternd: Die Gewalt nimmt jetzt wieder zu. Die Wahlen wurden auf 2026 verschoben, obwohl sie längst hätten stattfinden sollen. Der Vizepräsident steht unter Hausarrest. Und von Aussöhnung oder echter politischer Teilhabe kann leider keine Rede sein.

Das Ergebnis ist ein massiver Vertrauensverlust – sowohl zwischen den politischen Lagern als auch in der Bevölkerung. Hinzu kommt der Widerspruch, der nicht länger hinnehmbar ist. Denn während die UN-Mission den Frieden fördern und humanitäre Hilfe ermöglichen soll, hat die Bundesregierung als zweitgrößter Geber ihre Mittel für humanitäre Hilfe im Vergleich zum Vorjahr um über 50 Prozent gekürzt. Jede dieser Kürzungen ist eine politische Entscheidung gegen die Schwächsten, gegen die Menschen im Südsudan, wo fast 70 Prozent auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.

Beifallbei der Linken

Diese Politik, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ist nicht nur kurzsichtig, sondern sie auch ist brandgefährlich. Denn jeder gestrichene Euro entzieht dem Friedensprozess den Boden und trägt dazu bei, die Spannungen weiter zu verschärfen.

Wer glaubwürdig für Frieden einstehen will, muss dafür nicht nur die richtigen Voraussetzungen schaffen, sondern auch die nötigen Mittel bereitstellen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Zurufvon der CDU/CSU: Stimmen Sie jetzt zu?

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Stephan Mayer für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich bin der Bundesregierung, sehr geehrter Herr Bundesminister Wadephul, sehr dankbar, dass sie diesen Antrag auf Verlängerung des Mandates zur Entsendung von bis zu 50 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten bis zum 31. Oktober 2026 in den Südsudan eingebracht hat.

Der Südsudan ist das jüngste Land auf der Welt, aber es ist auch nach wie vor eines der fragilsten und der ärmsten Länder auf dieser Welt. Die Menschenrechtssituation im Südsudan ist prekär. Der Südsudan ist nach wie vor von dem barbarischen und schrecklichen Bürgerkrieg zwischen 2013 und 2018 mit 400 000 Toten gezeichnet. Es gab eine Choleraepidemie, die bis zum Februar dieses Jahres 49 000 Menschenleben gefordert hat. Der Südsudan ist gezeichnet von vielen Überschwemmungen, von Dürrekatastrophen in den letzten Monaten und Jahren.

All das hat dem Südsudan in den letzten Jahren massiv zugesetzt. Und dies wird begleitet von einer politischen Krise, die darin mündete, dass am 26. März dieses Jahres der Staatspräsident Kiir seinen Vizepräsidenten Machar unter Hausarrest gesetzt hat. Die politische Situation eskaliert seitdem zusehends im Südsudan.

9,3 Millionen Menschen im Südsudan könnten keinen Tag ohne humanitäre Hilfe überleben. 69 Prozent der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. 1,8 Millionen Südsudanesen sind Binnenvertriebene. 2,3 Millionen Menschen aus dem Südsudan sind Vertriebene ins Ausland.

Vor diesem Hintergrund gibt es nur eine Botschaft: Wir dürfen den Südsudan nicht alleinlassen. Deutschland steht an der Seite der Menschen im Südsudan.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Mehr humanitäre Hilfe heißt das!

Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, deswegen ist es richtig, dass diese Mission verlängert wird. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am 8. Mai dieses Jahres mit der UN-Resolution 2779 entschieden, dass die Mandatsfortführung beabsichtigt ist, mit bis zu 17 000 Soldatinnen und Soldaten sowie 2 101 Polizistinnen und Polizisten. Der Beitrag Deutschlands dazu ist relativ klein. Wie gesagt, wir haben bisher bis zu 50 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten gestellt und sind bereit, auch bis zu 20 Polizistinnen und Polizisten zu stellen, die vor allem als Beobachter, als Unterstützer und als Berater tätig sind und gerade in Stäben wichtige Funktionen einnehmen.

Herr Mayer, erlauben Sie eine Zwischenfrage vom Kollegen Mijatović?

Sehr gerne.

Bitte schön, Herr Mijatović.

Vielen Dank, Herr Kollege Mayer, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben gerade aufgezählt, wie wichtig die humanitäre Hilfe in einem Land wie Südsudan ist: Es gehört zu den am wenigsten entwickelten Staaten der Welt und steckt in einer schwierigen Situation. Die hohe Zahl der Malariaerkrankungen mit einer Todesrate von 33 Prozent käme noch hinzu.

Nun werden wir in den nächsten Wochen den Haushalt beraten, mit Kürzungen – das wurde schon angesprochen – von über 50 Prozent. Sie sagen: Wir stehen an der Seite der Menschen im Südsudan. Ich begrüße das sehr. Aber trotzdem muss ich die Frage stellen: Welche Projekte werden wir denn jetzt im Südsudan konkret einstellen, in dieser prekären Lage?

Bitte schön, Herr Mayer.

Sehr geehrter Kollege Mijatović, ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, dass Sie diese Frage stellen, weil mir dies noch einmal ermöglicht, deutlich zu machen, dass Deutschland auch schon in der Vergangenheit eng an der Seite des Südsudans gestanden hat. In diesem Jahr werden wir immerhin 32 Millionen Euro allein an humanitärer Hilfe im Südsudan leisten. Damit ist und bleibt – das betone ich ausdrücklich gerade angesichts Ihrer Frage nach dem Haushalt und der damit insinuierten Kritik – Deutschland einer der wichtigsten bilateralen Geber im Bereich der humanitären Hilfe. Ich glaube, das ist etwas, das wir mit einem gewissen Selbstbewusstsein und Stolz zum Ausdruck bringen können. Im Vergleich zu diesen 32 Millionen Euro an humanitärer Hilfe liegen nämlich – das ist ganz interessant – die Kosten, die für die Mandatsverlängerung anfallen, gerade mal bei 1 Million Euro. Der militärische Teil, also die Unterstützung des Südsudans mit Militärbeobachtern, Beratern und Unterstützern, ist also verschwindend gering im Vergleich zur humanitären Hilfe, die wir als Deutschland bereit sind zu leisten. Insgesamt leistet Deutschland im Südsudan an Entwicklungshilfe sage und schreibe 277 Millionen Euro. Und ich glaube, Herr Kollege Mijatović, das ist etwas, das sich wirklich sehen lassen kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Herzlichen Dank. – Ich bitte um Fortsetzung.

Ich kann anknüpfen an die Ausführungen zur Frage des Kollegen Mijatović. Aus meiner Sicht ist es wichtig, eng an der Seite des Südsudans zu bleiben, insbesondere in Form der Verlängerung der UNMISS. Wie gesagt, wir sind da nicht alleine; derzeit sind über 14 000 Soldatinnen und Soldaten dort im Einsatz. Es geht natürlich darum, jetzt den Friedensprozess, der erheblich ins Stocken geraten ist – gerade durch die Eskalation, die Ende März dieses Jahres stattgefunden hat, als der Vizepräsident unter Hausarrest gestellt wurde –, fortzusetzen. Dafür wird sich auch die Bundesregierung einsetzen, und ich bin ihr dafür sehr dankbar.

Ich kann der Bundesregierung eines ganz klar signalisieren: Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird der Verlängerung des Mandats sehr, sehr offen gegenüberstehen und all die Bemühungen der Bundesregierung zur Verbesserung der Situation im Südsudan, zur Stabilisierung der inneren Sicherheit und zur Verbesserung der Menschenrechtssituation im Südsudan unterstützend begleiten. Das kann ich im Namen der Unionsfraktion nachdrücklich betonen und auch versprechen.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort für die nächste Rede dem Abgeordneten Heinrich Koch von der AfD. Das ist seine erste Rede im Hohen Haus.

Beifallbei der AfD
Porträt von Heinrich Koch
Foto: Heinrich Koch/ Hauser
3 Vermerkeca. 322 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen! Meine Herren! Liebe Bürger! Seit 2011 ist die Bundeswehr im Südsudan im Einsatz; das heißt, unsere Soldaten sind seit 14 Jahren Teil der UN-Mission UNMISS. Offiziell geht es um den Schutz von Zivilisten, den Zugang zu humanitärer Hilfe und darum, ein Mindestmaß an Sicherheit zu schaffen. Vor Ort sind derzeit nur 14 deutsche Soldaten im Einsatz – ein kleines Kontingent, aber in wichtiger Funktion: Sie koordinieren, beobachten, sichern den Überblick. Ohne diesen Einsatz wäre humanitäre Hilfe gar nicht möglich. – Das ist der positive Teil, und deswegen sagen wir: Ja, diese Mission macht Sinn.

Beifallbei der AfD

Doch die andere Seite ist ebenso klar: Die Bundesregierung macht es sich viel zu leicht: jedes Jahr die gleichen Floskeln, dieselben Verlängerungen, aber keine klare Exitstrategie, keine messbaren Ziele. Das ist nicht ehrlich gegenüber dem Parlament und schon gar nicht ehrlich gegenüber unseren Soldaten, die täglich ihr Leben einsetzen. Die Realität ist: Das Friedensabkommen von 2018 wird verschleppt. Die versprochenen Wahlen sind wieder verschoben, jetzt auf 2026. Präsident Kiir baut seine Macht aus. Korruption frisst die Staatseinnahmen.

Das löst kein deutscher Soldat; das weiß auch die Bundesregierung. Darum sagen wir Ja, aber nur unter glasklaren Bedingungen: Erstens. Klares Ziel: Schutz der Menschen und humanitärer Zugang. – Zweitens. Druck auf die Regierung in Juba, endlich Verantwortung zu übernehmen. – Drittens. Kein Aufwuchs durch die Hintertür und kein neues Abenteuer für die Bundeswehr. – Viertens. Regelmäßige Berichte ins Parlament, damit die Bürger erfahren, was wirklich erreicht wird.

Meine Damen und Herren, unsere Soldaten leisten ihren Dienst mit Mut und Pflichtbewusstsein. Sie haben es verdient, dass die Bundesregierung endlich Verantwortung übernimmt, ehrlich ist und für klare Vorgaben sorgt.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Herr Kollege Koch, das war Ihre erste Rede im Hohen Hause. Ich gratuliere Ihnen dazu.

Die nächste und diese Debatte schließende Rede hält Jürgen Coße für die Sozialdemokraten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Jürgen Coße
Foto: Jürgen Coße/ Maximilian König
6 Vermerkeca. 494 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man als Letzter in einer Debatte redet, dann hat man natürlich folgendes Problem: Alles ist gesagt, nur noch nicht von jedem. Das, was aber noch nicht gesagt worden ist – –

Wir hören Ihnen trotzdem zu!

– Fangen Sie jetzt schon an, dazwischenzuplappern?

Ich habe nur gesagt: Wir hören Ihnen zu!

– Das ist schon mal viel wert, obwohl ich da meine Zweifel habe.

Immer diese Grundskepsis!

Das Erste, was man in einer Debatte sagen sollte, wenn es darum geht, Bundeswehrsoldaten ins Ausland zu schicken, ist wahrscheinlich, den Männern und Frauen zu danken, die diese Arbeit erledigen. Ich finde, das tun sie gut, und sie haben unsere Dankbarkeit verdient.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD

Lieber Bundesverteidigungsminister, lieber Boris Pistorius, geben Sie diesen Dank des Parlamentes auch gerne weiter!

Das führt mich zu einer zweiten Bemerkung, die nicht direkt mit dem Mandat zu tun hat, das unsere Soldaten betrifft. Es geht vielmehr um die Frage: Warum diskutieren wir dieses Mandat hier im Deutschen Bundestag? Weil unsere Lehre nach dem Zweiten Weltkrieg war, dass niemals wieder eine einzelne Person deutsche Soldaten in einen Einsatz ins Ausland schicken sollte. Deswegen gibt es die Parlamentsarmee. Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben dieses Parlament, also uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, verantwortlich gemacht, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich finde, das ist eine kluge Entscheidung, die aber auch bedeutet, dass wir fürsorglich mit diesem Instrument umgehen sollen.

Mein Dank geht deswegen an erster Stelle an die Soldatinnen und Soldaten. Und an zweiter Stelle füge ich hinzu: Es ist wichtig, dass klar ist, dass wir hier im Sinne einer regelbasierten Ordnung, mit einem Beschluss der UNO, über das Mandat entscheiden. Und es ist ganz gut, dass wir als Deutsche auch da Verantwortung übernehmen. Als ich im Südsudan war, hatte ich das Gefühl, dass wir als Deutsche hohes Ansehen genießen, dass die Bundeswehr hohes Ansehen genießt. Ich finde es auch in Zukunft wichtig, dass wir uns innerhalb der UNO für die regelbasierte Ordnung starkmachen und nicht nur rhetorisch über Unterstützung reden, sondern diese Unterstützung auch ganz konkret leisten, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Letzte Bemerkung. Das Bild hier bestätigt, was ich gerade gesagt habe: Der Verteidigungsminister sitzt da, und auch der Herr Außenminister sitzt da. Alle Argumente, die vorgetragen sind von meinen Kolleginnen und Kollegen, kann man wie folgt zusammenfassen: Nichtstun wäre konfliktverschärfend. Deswegen werden wir als SPD-Fraktion die Diskussion positiv begleiten. Wir werden versuchen, unserer Fürsorgepflicht gegenüber den Soldatinnen und Soldaten auch bei der Ausstattung gerecht zu werden; denn das haben die Männer und Frauen in Uniform verdient. Deswegen freue ich mich auf die Diskussion im Ausschuss und danke Ihnen und euch für das Zuhören.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Enrico Komning
Foto: Enrico Komning
9 Vermerkeca. 555 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Kollegen! Deutschland war einmal ein Land der Ingenieure, der Arbeiter, der Erfinder. Und heute? Arbeitslosigkeit auf einem Zehnjahreshoch, Industrie in der Krise, Millionen Menschen ohne Perspektive. Und warum? Nicht Putin oder Trump sind schuld. Nein, es ist so, weil Ihre grüne Ideologie dieses Land in eine Rezession geführt hat, weil Sie, meine Damen und Herren von der Union, sich weiter von Links-Grün am Nasenring durch die politische Manege führen lassen, anstatt das Richtige zu tun.

Beifallbei der AfD

Wieder Quatsch!

Sie nennen es Transformation. In Wahrheit ist es ein Kahlschlag. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, mit dem Klima- und Transformationsfonds, mit Milliarden für eine sinnlose Energiewende zwingen Sie Bürger und Unternehmer in die Knie. Ich sage Ihnen: Dieses EEG muss weg, dieser Klima- und Transformationsfonds muss gestrichen werden.

Beifallbei der AfD

Wir sagen: Schluss mit dieser Geldvernichtungsmaschinerie.

Bundeskanzler Merz hatte all dies doch im Wahlkampf versprochen. Sie erinnern sich: Es sollte Schluss sein mit links-grüner Politik. Die traurige Realität ist: Die Union kapituliert vor der SPD nach dem Motto „Was geht mich mein Geschwätz von gestern an?“.

Es herrscht weiter links-grüne Willkür unter Hilfestellung der Union.

Die Automobilindustrie, das Herzstück unseres Wohlstandes, erlebt gerade die schwerste Krise seit dem Krieg: VW streicht 35 000 Stellen, Mercedes will Milliarden bei den Beschäftigten sparen, große und kleine Zulieferer machen dicht – nicht wegen fehlender Nachfrage und auch nicht wegen mangelnder Innovation, sondern weil Sie, meine Damen und Herren von Union und SPD, mit absurden Klimavorgaben, Rekordstrompreisen und Steuerwahnsinn die Werke abwürgen. Deutschland war einmal ein Autoland, und Sie machen uns zur Werkstattruine Europas.

Beifallbei der AfD
Widerspruchbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, die AfD hat Lösungen. Schauen Sie sich unseren Antrag an: Die Stromsteuer muss auf das EU-Minimum runter. Der Soli muss sofort weg. Bürger und Unternehmen brauchen Luft zum Atmen, keine Steuerpeitsche. Und: Weg mit dem Lieferkettengesetz, weg mit der Nachhaltigkeitsberichterstattungsrichtlinie, weg mit dem Energieeffizienzgesetz! Jeder dieser Bürokratiemonsterjobs kostet Arbeitsplätze. Sie schaffen keinen Wohlstand, Sie ersticken ihn.

Beifallbei der AfD

Und dann die Energiekosten: 40 Cent pro Kilowattstunde – Höchstpreise in ganz Europa. Damit ruinieren Sie Handwerker, Bäcker, Familienbetriebe. Jeder Betrieb in diesem Land spürt Ihre verfehlte Politik. Die Bäckerei in Mecklenburg-Vorpommern, die Fabrikhalle im Ruhrgebiet, der Mittelständler in Bayern – sie alle bluten aus. Das ist keine Politik für die Menschen; das ist ein Raubzug gegen die Menschen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Wir von der AfD sagen es unmissverständlich: Diese Bundesregierung ist ein Wohlstandsvernichter. Was Deutschland jetzt endlich braucht, ist eine radikale Wirtschaftswende. Schluss mit der Klimadiktatur! Zurück zur sozialen Marktwirtschaft, dem Erfolgsmodell, das dieses Land einmal groß gemacht hat!

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, noch hat Deutschland ja die Kraft, sich aus dieser Sackgasse zu befreien, aber nur, wenn wir diesen ideologischen Wahnsinn jetzt, und zwar sofort, beenden. Die versprochene Wirtschaftswende, liebe Union, ist überfällig, und sie kann nur mit uns gelingen. Wachen Sie endlich auf, für unsere Unternehmen, für unsere Arbeitnehmer und für unser Deutschland!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Dr. Andreas Lenz für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Andreas Lenz
Foto: Dr. Andreas Lenz/ András Dobi
12 Vermerkeca. 705 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Für dieses Jahr gehen die Wirtschaftsforschungsinstitute von einem Wachstum von 0,2 Prozent aus, für das nächste Jahr, 2026, von 1,3 Prozent und für 2027 von 1,6 Prozent. Das ist mehr als in den letzten Jahren, kann uns aber natürlich nicht zufriedenstellen. Wir brauchen Wachstum im Land, nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel für Wohlstand, Chancen, Arbeitsplätze und soziale Sicherung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Deindustrialisierung ist leider Realität. Produktion wird verlagert; mit ihr wandern Arbeitsplätze ins Ausland ab. Die Industrieproduktion ist in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen. Genau hier setzen wir als Koalition an. Wir fördern Investitionen, entlasten Unternehmen durch die Erhöhung der Abschreibungsmöglichkeiten, durch die Senkung von Unternehmensteuern und mit einer Senkung der Energie- und Stromkosten. Im nächsten Jahr werden wir die Energiekosten um 10 Milliarden Euro pro Jahr senken. Das ist eine gute Nachricht für die Verbraucher, aber auch für die Unternehmen im Land, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber das reicht nicht. Leistung und Arbeit müssen sich wieder mehr lohnen. Wir erhöhen die Pendlerpauschale, wir werden die Aktivrente einführen, und, ja, wir haben vereinbart, dass wir das Bürgergeld abschaffen und zu einer Grundsicherung umbauen. Das, was der Einzelne zumutbar leisten kann, muss er eben auch leisten, sonst hat er keinen Anspruch auf die Solidarität der anderen. Wir werden hier vom Ziel her denken. Wir wollen aktivieren und nicht alimentieren. Wir wollen die Menschen in den Arbeitsmarkt bringen und aus den Sozialkassen rausführen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Roloff [SPD]

Wir werden auch weitere Strukturreformen brauchen. Wir müssen unsere sozialen Sicherungssysteme zukunftsfähig machen. Deshalb brauchen wir den Mut zu Reformen, die für uns alle auch Zumutungen sein können.

Na ja! Für die einen mehr, für die anderen weniger!

Es muss alle treffen. Es muss gerecht zugehen. Dann werden wir auch die Akzeptanz finden, um Deutschland weiter gemeinsam voranzubringen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Automobilindustrie ist nach wie vor eine Schlüsselindustrie in Deutschland; 5 Prozent der Bruttowertschöpfung hängen von ihr ab. Für uns ist klar, und zwar ohne Wenn und Aber: Deutschland muss Automobilland bleiben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Verbrennerautomobilland!

Wir dürfen weder den Verbrenner verteufeln noch die E-Mobilität schlechtreden. Das heißt auch, dass wir keine Verbote wollen, sondern Technologieoffenheit.

Sehr gut!

Eines will ich an der Stelle auch ganz klar sagen: Die deutschen E-Autos sind mittlerweile weltweit mit die besten, der Verbrenner sowieso. Welche Faszination das Automobil ausübt, das sehen wir übrigens gerade auf der IAA in München. Es geht nur mit dem Auto und nicht ohne. Damit wir Automobilstandort bleiben, müssen wir natürlich die Wettbewerbsfähigkeit insgesamt weiter stärken. Darum geht es, und dafür stehen wir, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Ja, wir haben Standortprobleme. Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ins Zentrum des politischen Handelns stellen. Eines der größten Standortrisiken ist allerdings die AfD.

Das sage übrigens nicht ich; das sagt das Institut der deutschen Wirtschaft, das sagt der BDI, und das sagen viele Unternehmerinnen und Unternehmer. 2,5 Millionen Arbeitslose mehr und 5 Prozent weniger Wachstum, das wären bei Umsetzung des AfD-Wahlprogramms die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft,

Ja, dann machen Sie mit der SPD weiter! Machen Sie weiter mit der SPD!

Weiterer Zurufvon der AfD: Haben Sie das überhaupt gelesen?

laut IW Köln. Das dürfen Sie nicht vergessen, wenn Sie zukünftig Ihre Anträge schreiben.

In dem Sinne: Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort für die nächste Rede Dr. Sandra Detzer für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
14 Vermerkeca. 771 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr verehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Dr. Lenz, genau an der Stelle sind wir uns einig.

Ja, das war klar!

Ich glaube, dieser Antrag, den wir wieder von der AfD vorgelegt bekommen haben, beweist vor allen Dingen eines: Die Unternehmen und ihre Beschäftigten haben zu Recht Angst davor, dass die AfD mehr Macht in diesem Land bekommt. Das werden wir unterbinden.

Und das ist auch das Einzige, was ich zu Ihren schlechten Vorschlägen sagen werde.

Wesentlich interessanter finde ich an dieser Stelle zum Beispiel das, was der Bundeskanzler auf dem Parteitag der niedersächsischen CDU in Osnabrück gesagt hat. Er hat dort festgestellt – ich zitiere sinngemäß –, dass Deutschland wirklich in einer schweren strukturellen Wachstumskrise ist.

Zurufevon der AfD: Ach!

Das ist absolut korrekt. Und ich bin froh, dass der Bundeskanzler jetzt – vielleicht ein bisschen spät – die Analyse sauber beisammenhat; denn von dieser Analyse ausgehend kann man überlegen, was die Konsequenzen sein müssen.

Wir brauchen mehr Afghanen!

Wir sind uns einig, dass die Lage ernst ist, dass wir handeln wollen, und wir erkennen auch an, dass diese Koalition erst 150 Tage im Amt ist. Wir wollen von grüner Seite gerne konstruktiv sein und Vorschläge machen. Wir fänden es zum Beispiel ganz exzellent, wenn die Energieministerin jetzt endlich die Kraftwerkstrategie auf den Weg bringt und auch den Bau von Wasserstoff-ready-Gaskraftwerken ausschreibt.

Kernkraftwerke wieder instand setzen! Genau!

Dies brauchen wir dringend; denn wir brauchen Planungssicherheit für die Akteure der Wasserstoffwirtschaft. Das ist ein wunderbarer Energiezweig, der viel Wertschöpfung in Deutschland hervorbringen kann. Diese Unternehmen und die Beschäftigten dort brauchen Planungssicherheit.

Tolle Schwätzerei!

Wir brauchen in der Innovationspolitik keinen Zuständigkeitsstreit zwischen Frau Bär und Frau Reiche. Wir wollen endlich wissen, wer für die Start-up-Strategie zuständig ist, die von Robert Habeck auf den Weg gebracht wurde und die so erfolgreich ist. Deutschland ist Start-up-Land. Wir haben in der letzten Legislatur mit der WIN-Initiative schon viel angeschoben, um die Finanzierungslücken beim Venturecapital zu schließen. Ich frage mich: Was tut der Investitionsgipfel des Bundeskanzlers jetzt konkret für Start-ups? Das wollen wir gerne von Ihnen wissen. Klären Sie das! Helfen Sie uns, das zu verstehen!

Wir haben unsere nationalen Hausaufgaben; es ist wichtig, dass wir uns darum kümmern. Aber seit 2022 ist eine komplett veränderte geopolitische Situation entstanden. Herzlichen Glückwunsch, dass einige in der Union jetzt klar benennen, dass für den Rückgang der Exportwirtschaft nicht Robert Habeck,

Aber schon auch!

sondern die veränderte geopolitische Situation eine Rolle spielte. Ich sage an dieser Stelle mit aller Ernsthaftigkeit: Wir brauchen in Verhandlungen, zum Beispiel mit dem amerikanischen Präsidenten, Einigkeit in der Europäischen Union. Es darf nicht sein, dass der Bundeskanzler in Brüssel der Präsidentin der Europäischen Kommission in den Rücken fällt und ihre Verhandlungsposition schwächt.

Es war ein Fehler, auf Schnelligkeit zu drängen beim Trump-Deal. Wir merken jetzt, dass er nicht verlässlich ist in den Zusagen. Deswegen möchte ich dringend darum bitten, dass wir demnächst Frau von der Leyen mit allem unterstützen, was wir in diesem Land politisch in die Waagschale werfen können.

Es gibt natürlich ein paar Dinge, bei denen wir Sie nicht aus der Verantwortung lassen werden; das ist klar. Wir wollen sehen, dass Sie die Stromsteuer für alle Unternehmen senken. Wir finden: Auch das Handwerk hat die Stromsteuersenkung verdient.

Sie haben doch die Atomkraftwerke abgeschaltet!

Machen Sie das möglich im Haushalt. Wir haben sichergestellt, dass Sie dafür finanzielle Spielräume haben. Und selbstverständlich wollen wir auch, dass Häuslebauer – ich bin aus Baden-Württemberg, Wahlkreis Ludwigsburg – weiter PV-Anlagen zubauen. Die Leute haben Spaß an ihren PV-Anlagen; aber sie brauchen Planungssicherheit. Machen Sie auch das möglich!

Aus unserer Sicht wurden bisher zu viele teure Wahlgeschenke, wie der Agrardiesel, beschlossen.

Frau Kollegin, Sie müssen bitte zum Ende kommen.

Rednerwechsel

Investieren Sie jetzt in dieses Land mit den zusätzlichen Mitteln, die wir Ihnen verschafft haben!

Die Steuerzahler! Nicht Sie!

Noch ist es keine Wirtschaftswende. Bitte machen Sie eine draus.

Herzlichen Dank.

Vielen Dank. – Sebastian Roloff spricht als Nächstes für die Sozialdemokraten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
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Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schon gesagt worden: Wir haben erstmals seit Längerem mehr als 3 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Das ist nicht nur eine symbolische Schwelle; denn anders als früher betrifft das nicht nur die Niedriglohnjobs, sondern vor allem Fachkräfte. Ausgerechnet bei einem der Prunkstücke der deutschen Wirtschaft sieht es gerade alles andere als rosig aus. Wir haben die Situation der deutschen Autoindustrie hier schon mehrmals diskutiert, und wir wissen auch, dass seit vielen Monaten gerade in der Zulieferindustrie der Baum vielerorts brennt – um es ganz deutlich zu sagen.

Umso lauter werden zurzeit wieder Stimmen aus allen Ecken, die die Abkehr vom fossilen Verbrenner infrage stellen. Ich finde, man muss fragen: Warum ist die deutsche Autoindustrie in der Krise? Ist der Grund, dass sie nicht lange genug am Verbrenner festgehalten hat? Oder liegt es vielleicht daran, dass andere Unternehmen und Staaten früher erkannt haben, welches Potenzial in der E-Mobilität liegt. Die Hersteller sind längst auf den Zug aufgesprungen: Wenn Sie in diesen Tagen die IAA besuchen, werden Sie feststellen, dass alle deutschen Marken tolle neue E-Auto-Modelle auf den Markt bringen.

Die werden sie nur nicht los auf dem deutschen Markt!

Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die auch gekauft werden.

Da muss der Staat dafür sorgen, dass die Menschen Autos kaufen! Das ist klar!

Und dafür braucht es Planungssicherheit – für die Unternehmen genauso wie für die Menschen in diesem Land. Wir müssen die Autoindustrie beim Wandel unterstützen, anstatt sie mit politischem Hin und Her, wie heute mit diesem Antrag, zu verunsichern.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zur Wahrheit gehört auch, dass der bayerische Ministerpräsident bei diesem Thema leider wieder nicht wahnsinnig hilfreich war.

Es hat so gut angefangen, Sebastian!

Sowohl inhaltlich als auch im Stil – das muss man sagen – hat er dem Automobilstandort Deutschland, übrigens gerade auch dem bayerischen, dieser Tage keinen Gefallen getan.

Mir ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir, CDU, CSU und SPD, uns im Koalitionsvertrag ausdrücklich darauf geeinigt haben, E-Autos finanziell attraktiver zu machen: mit Kaufanreizen, mit verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten für Dienstwagen und Social Leasing für Menschen mit geringerem Einkommen. Andere europäische Länder machen es vor: Mit den richtigen Anreizen steigen die Menschen heute schon freiwillig und gerne auf Elektromobilität um.

Ja! Sehr, sehr gerne!

Diese Signale müssen wir gemeinsam senden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Gerade in einer Zeit, in der die deutschen Hersteller – endlich, darf ich hinzufügen – neue, preiswerte E-Autos auf den Markt bringen, braucht es diese Signale. Wichtig ist, dass diese Entlastungen jetzt schnell auf den Weg gebracht werden. Der angekündigte Automobildialog im Kanzleramt muss einen klaren gemeinsamen Weg von Politik und Branche liefern, wie wir Standorte und Arbeitsplätze bei uns sichern. Eine wochen- oder monatelange Diskussion, die, wie gesagt, auch leider gerne mal unsachlich geführt wird, hilft uns da nicht. Das führt eher zu mehr Kaufzurückhaltung und zu weniger Planungssicherheit für die Unternehmen.

Klar ist aber auch: Selbst wenn die beschlossenen Maßnahmen sich positiv auswirken – da müssen wir alle zusammen helfen –, werden wir allein damit den Industriestandort Deutschland nicht erhalten. Der Ernst der Lage ist uns durchaus bewusst, und, ja, wir müssen zugeben: Die wirtschaftlich schwierige Situation hat auch mit politischen Versäumnissen zu tun. Fakt ist – das ist mittlerweile unbestritten –, dass wir jahrelang zu wenig investiert haben. Das ändern wir jetzt: Mit dem Sondervermögen senden wir endlich die notwendigen Investitionssignale an den Bau, den Mittelstand, das Handwerk. Das wird zu Neueinstellungen und zum Beispiel zur Anschaffung von neuen Maschinen führen. Selbst eher liberale Wirtschaftsinstitute sagen voraus, dass diese neue Finanzpolitik, diese Kehrtwende in der Finanzpolitik, die deutsche Wirtschaft aus der Krise hieven und wieder für Wachstum sorgen kann. Das ist der richtige Weg, den wir hier eingeschlagen haben.

Neben dem Staat müssen aber auch Unternehmen endlich wieder mehr investieren. Und damit das passiert, haben wir die Abschreibungsbedingungen für Investitionen verbessert. Was heißt das konkret? Unternehmen, die sich in den nächsten drei Jahren neue Maschinen oder Anlagen kaufen, können einen deutlich höheren Teil der Anschaffungssumme von der Steuer absetzen. Das wird auch dazu beitragen, den Investitionsstau der letzten Jahre aufzulösen. Und wir haben bereits ein neues Vergaberecht auf den Weg gebracht, das die öffentliche Beschaffung modernisieren und dazu führen wird, dass diese Mittel noch schneller und mit weniger Bürokratie und zielgerichteter abgerufen werden können. Das alles sind große Schritte in die richtige Richtung.

Neben den hausgemachten Problemen, die ich gerade skizziert habe, gehört aber auch zur Wahrheit, dass die deutsche Wirtschaft international so stark unter Druck steht wie noch nie zuvor. Was die Kolleginnen und Kollegen der AfD in ihrer immer sehr liebevoll vorgetragenen Hingabe zu Donald Trump gerne vergessen: Seine Zölle machen das Leben nicht nur für die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner teuer, sie gefährden auch Zehntausende Industriearbeitsplätze in Deutschland. Diese wahnwitzige Zollpolitik trifft zuerst alle Industriebranchen. Die direkten Belastungen sind der eine Faktor. Der andere Faktor ist, dass zum Beispiel chinesische Waren und Produkte, sei es im Automobilbereich oder im Maschinen- oder Stahlbereich, auf den deutschen und europäischen Markt gedrängt werden, was die Unternehmen zusätzlich unter Druck setzt. Und auch wenn das Zollabkommen der EU mit den USA eine weitere Eskalation jetzt erst einmal verhindert hat,

ist es trotzdem alles andere als optimal. Ich bin sehr dankbar, dass das Europäische Parlament nachverhandeln möchte. Und ich hoffe, dass wir schnell zu einer noch besseren Vereinbarung kommen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Die Energiepreise sind weiterhin ein großes Problem. Ich bin – Kollege Lenz hat es angesprochen – sehr dankbar, dass wir die Senkung der Stromsteuer und den Zuschuss zu den Netzentgelten schnell auf den Weg gebracht haben.

Sie sollten unbedingt Gundremmingen sprengen!

Das entlastet 600 000 Unternehmen. Da müssen wir weitermachen und noch mehr entlasten. Die Senkung der Energiepreise wird ein wichtiges Thema bleiben und darf kein Strohfeuer sein. Den Weg hin zu wettbewerbsfähigen Energiepreisen müssen wir zusammen weitergehen. Dann kommen wir aus dieser Situation auch wieder heraus.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Als Nächste spricht Janine Wissler für die Fraktion Die Linke.

Beifallbei der Linken
Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
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Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der Kanzler hat den „Herbst der Reformen“ angekündigt und einen „Epochenbruch“. Die Wirtschaftsministerin Frau Reiche fordert, die Menschen müssten länger arbeiten, und sie will das Renteneintrittsalter erhöhen, sprich: die Renten kürzen.

Bei Ihnen müssten sie gar nicht arbeiten!

Arbeitsministerin Bas kündigt eine Nullrunde beim Bürgergeld an.

Wir erleben aktuell eine beispiellose Stimmungsmache gegen Menschen, die Bürgergeld beziehen, und das ist einfach nur schäbig.

Beifallbei der Linken

Das sind doch gar keine Bürger!

Betrachten wir die Fakten. Über 800 000 Menschen arbeiten und beziehen trotzdem Bürgergeld, weil sie so wenig verdienen. Ja, was tun Sie denn dagegen? Sie reden von angeblich arbeitsunwilligen Bürgergeldbeziehern. Aber wie groß ist die Gruppe? Es geht um 0,5 Prozent der Bürgergeldbeziehenden. Und deshalb soll man ein ganzes System ändern und Sanktionen verschärfen? Das ist doch absurd.

Die Erwerbslosenzahlen steigen in der Tat. Und was macht die Bundesregierung? Sie kürzt die Mittel für die Arbeitsmarktintegration, und zwar deutlich. So wollen Sie dann Menschen in Arbeit bringen.

Ich sage Ihnen, Bürgergeld ist kein Luxus, sondern Existenzminimum. Eine Nullrunde beim Bürgergeld bedeutet: Wer ohnehin jeden Euro umdreht, hat inflationsbedingt weniger. Das, meine Damen und Herren, ist „Bullshit“ – um es mal mit den Worten der zuständigen Ministerin zu sagen.

Beifallbei der Linken

Ist der Sozialstaat wirklich explodiert? Nein, ist er nicht. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sind die Sozialausgaben nicht höher als vor zehn Jahren. Kürzungen bei Sozialleistungen sind ein Angriff auf alle, nicht nur auf die Erwerbslosen, auf den Sozialstaat, auf die Beschäftigten. Denn: Wenn Erwerbslose gezwungen werden, jede Arbeit anzunehmen, weil sie sonst sanktioniert werden, warum soll dann ein Arbeitgeber noch Tariflohn zahlen? Es geht um die Rechte der Beschäftigten, die hier angegriffen werden. Es geht darum, dass der Achtstundentag abgeschafft werden soll. Das ist keine Flexibilisierung, das ist Ausbeutung, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Der Kanzler sagt, wir müssen mehr arbeiten und wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt. Wer ist denn dieses ominöse „Wir“? Wer hat denn in diesem Land über seine Verhältnisse gelebt? Der Paketbote, der sich den Rücken kaputt schleppt, die Reinigungskraft, die morgens um fünf schon unterwegs ist, die Beschäftigten, die 1,3 Milliarden Überstunden pro Jahr machen, davon die meisten übrigens unbezahlt? Nein, die wahren Profiteure sind doch die, die leistungslos Milliardenvermögen erben, ein paar Hundert Familien, die mehr besitzen als Millionen Beschäftigte zusammen. Wo sind denn die Zumutungen für die, von denen Sie gerade sprechen, meine Damen und Herren?

Beifallbei der Linken

Daneben werden Unternehmen durch die Senkung der Körperschaftsteuer noch Milliarden in den Rachen geworfen. Wer hat, dem wird gegeben! Das ist weder sozial, noch ist das christlich.

Beifallbei der Linken

Schluss damit! Hören Sie auf, Beschäftigte und Erwerbslose gegeneinander auszuspielen. Kein Geringverdiener profitiert davon, wenn das Bürgergeld gekürzt wird. Die Union spielt sich immer als Anwalt der Beschäftigten, der hart arbeitenden Menschen auf, wenn es darum geht, das Bürgergeld zu kürzen. Wenn es um die Erhöhung des Mindestlohns geht, was den Leuten wirklich helfen würde, dann ist Ihnen das vollkommen schnuppe. Da ist Schluss mit Solidarität mit den hart arbeitenden Menschen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Kommen Sie bitte zum Ende, Frau Kollegin.

Rednerwechsel

Vielen Dank, Herr Präsident. – Wir brauchen einen Herbst der Reformen, aber keine Grausamkeiten gegen Arme. Wir brauchen Maßnahmen für gute Löhne, für einen starken Sozialstaat und für gerechte Steuern.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Vielen Dank. – Dr. Klaus Wiener spricht als Nächster für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Jetzt wird es wieder sachlich!
Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
12 Vermerkeca. 963 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Etwas gewundert habe ich mich schon über den Titel des Antrags: Anstieg der Arbeitslosigkeit ernst nehmen. Meine Damen und Herren Antragsteller von der AfD, um das einmal ganz deutlich zu sagen: Wer den Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht ernst nimmt, der hat hier im Bundestag nichts zu suchen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Richtig ist, dass die Arbeitslosigkeit zum ersten Mal seit zehn Jahren die Marke von 3 Millionen überstiegen hat. Das allein ist schon schlimm genug. Noch mehr Sorge muss aber bereiten, dass die guten Arbeitsplätze in der Industrie und im verarbeitenden Gewerbe verloren gehen. Diesen Trend gilt es zu stoppen. Genau deshalb haben wir uns mit unserem Koalitionspartner im Bereich Industrie auf weitreichende Schritte verständigt, mit denen wir dafür sorgen werden, dass Deutschland wieder dynamischer wächst. Wie nötig das ist, zeigt übrigens nicht nur der Blick auf den Arbeitsmarkt; die 3 Millionen wurden angesprochen. Auch die Wachstumszahlen sind ernüchternd: Die deutsche Wirtschaft ist preisbereinigt seit zehn Quartalen nicht mehr gewachsen. Meines Wissens hat es das noch nie gegeben.

Um es ganz deutlich zu sagen: Wir haben es hier nicht mit einer konjunkturellen Schwächephase zu tun,

Auch das ist richtig!

die schnell wieder vorbei sein wird – leider. Wir sind mitten in einer strukturellen Wachstumskrise, deren Überwindung uns einiges abverlangen wird. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Der Freihandel ist unter Druck, und das nicht erst, seitdem die USA massiv Zölle verhängen. China drängt voll in unsere Wertschöpfungsketten hinein. Die Automobilindustrie ist nur ein Beispiel von vielen. Der demografische Wandel schlägt inzwischen voll zu.

Zurufdes Abg. Enrico Komning [AfD]

Die Energiepreise sind nach wie vor zu hoch. Hier rächt sich, dass das grün geführte Wirtschaftsministerium zwar für LNG-Gas gesorgt hat – dafür gebührt auch einmal Dank an dieser Stelle –, aber die Energiewende insgesamt viel zu wenig technologieoffen gestaltet wurde, was sich heute in den hohen Preisen widerspiegelt.

Zu all dem kommen dann noch die hohen Bürokratiekosten und die hohen Lohnnebenkosten, also hausgemachte Faktoren, die es auch zu korrigieren gilt. Genau das macht die Bundesregierung jetzt unter Bundeskanzler Friedrich Merz.

Wann denn?

– Sie fragen: „Wann denn?“ Bereits vor der Sommerpause wurde das Investitionssofortprogramm auf den Weg gebracht, die erste echte Steuersenkung für Unternehmen seit vielen Jahren. Im Herbst wird es weitergehen: Im Bereich der Energie werden die Stromsteuersenkungen für das verarbeitende Gewerbe – davon profitieren übrigens 600 000 Unternehmen –, die Kürzung der Netzentgelte und der Wegfall der Gasspeicherumlage kurzfristig für Entlastung sorgen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist ja mal ein guter Ansatz!

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht reicht das aber nicht. Viel wichtiger ist, dass das Energieangebot steigt. Das ist der Schlüssel zum Erfolg, der Schlüssel zu sicherer, sauberer und vor allem bezahlbarer Energie.

Anlass zur Sorge gibt in diesem Zusammenhang der jüngste Bericht der Bundesnetzagentur zur Versorgungssicherheit. Auf 22 bis 36 Gigawatt beziffert die Bundesnetzagentur die Lücke an steuerbarer Energie. Umso wichtiger ist, dass wir jetzt pragmatisch tatsächlich alle Optionen nutzen. Natürlich – einige haben hier ja Angst – werden wir auch die erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Da, wo das möglich ist, werden wir auch weiter Flexibilitäten nutzen. Aber, und das will ich hier ganz deutlich sagen: Ohne Gaskraftwerke oder Biomasse wird es auch nicht gehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wer etwas anderes behauptet, der verkennt die Lage oder ist ganz einfach nicht bereit, zu erkennen, dass weitere Arbeitsplätze verloren gehen. Wir als CDU/CSU-Fraktion – ich glaube, ich spreche auch für unseren Koalitionspartner – machen das jedenfalls nicht mit.

Zweitens. Wir müssen überall da tätig werden, wo wir die Geschicke selbst in der Hand halten. Das heißt konkret: entbürokratisieren. Und wir müssen auch die Lohnnebenkosten in den Griff bekommen. Mit dem Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge auf 42 Prozent wurde tatsächlich eine Grenze überschritten. 40 Prozent war das Ziel. Ich meine, dabei muss es im Interesse der hart arbeitenden Bevölkerung auch bleiben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Deshalb ist es nur fair, wenn wir neben allen anderen Dingen, die ja hier auch angesprochen wurden, auch die Sozialausgaben in den Blick nehmen. Frau Wissler, ich will das für Sie noch mal in den historischen Kontext stellen: 1960 lag die Sozialleistungsquote bei knapp 20 Prozent, nach der Wiedervereinigung war sie bei 25 Prozent, und jetzt liegt sie bei 31 Prozent, gemessen am BIP. Das sind 1 300 Milliarden Euro jährlich. Wie Sie davon sprechen können, dass da kein Anstieg zu verzeichnen ist, das erschließt sich wohl nur Ihrer Mathematik.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Natürlich wird es keinen Kahlschlag geben, wie hier einige befürchten oder Die Linke immer wieder frech behauptet. Darum geht es doch gar nicht. Aber auch diese Ausgaben müssen wir in den Blick nehmen. Das muss schon gestattet sein. Wir müssen uns fragen: Wo können wir Verschwendung vermeiden, wo Missbrauch? Wo können wir dafür sorgen, dass das Arbeitsangebot steigt? Und nicht zuletzt: Wo müssen wir auch wieder die Eigenverantwortung im System etwas stärken?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich bin mir sicher, dass die Sozialstaatskommission, die ihre Arbeit bereits aufgenommen hat, bis zum Jahresende vernünftige Vorschläge in dieser Richtung unterbreiten wird.

Sie sehen, meine Damen und Herren Antragsteller: Wir haben die Probleme fest im Blick und werden sie gemeinsam mit der SPD anpacken,

Das wird nichts, Herr Wiener! Das verspreche ich Ihnen!

damit die Hiobsbotschaften vom Arbeitsmarkt bald der Vergangenheit angehören. Ihren Antrag lehnen wir natürlich ab.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Zum Abschluss dieser Debatte erteile ich das Wort Adam Balten für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Adam Balten
Foto: Adam Balten / Tobias Ebenberger
11 Vermerkeca. 435 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe den Eindruck, dass die Ampel noch da ist. Nur das gelbe Licht ist irgendwie kaputtgegangen und schwarz geworden, und so eine kaputte Ampel ist unberechenbar und gefährlich.

Beifallbei der AfD

Diese Chaosregierung ruiniert unseren Wohlstand. Die deutsche Wettbewerbsfähigkeit ist im steilen Abwärtstrend, laut Statista. Dazu haben wir einen konstanten Nettoabfluss an Direktinvestitionen, sagt die Deutsche Bank. Die Arbeitslosenzahlen steigen: Aktuell über 3 Millionen Arbeitslose! Die Industrie, könnte man sagen, ist auf Coronakrisenniveau. Nur dieses Mal sind Sie der Auslöser dafür.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Man könnte sagen: Die Regierung sieht echt nicht gut aus, außer Frau Reiche – sie ist nicht da –, sie allerdings schon. Schließlich hat sie auch schlappe 19 000 Euro an Steuerzahlergeld für Styling und Schminke ausgegeben, in einer Rezession.

Schallplatte!

Haben Sie das vor dem Spiegel geübt?

Kosmetische Politik, könnte man sagen.

Beifallbei der AfD

Je schlechter das Produkt, desto besser muss eben die Werbung sein.

Zurufevon der CDU/CSU

Die ungeschminkte Wahrheit ist aber: Sie haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so dermaßen vergiftet, alleine mit Ihrem Lieferkettengesetz, mit Ihrer CO2-Steuer, mit Ihrem EEG-Gesetz, und obendrein zerstören Sie verlässliche Energieträger. So verteuern Sie den Strom für unsere Bürger.

Beifallbei der AfD

Kommen jetzt noch Flüchtlinge?

Die Bürger werden übrigens am 25.10. um Punkt 12 Uhr live mit ansehen können, wie ein Kernkraftwerk in Bayern gesprengt wird, ein klimafreundlicher Energieerzeuger. – Bumm! Weg.

Wir von der AfD haben es geahnt, und wir wollten das alles verhindern. Hinter Ihrer peinlichen Brandmauer wollten Sie es aber nicht hören. Also sperren Sie jetzt mal die Ohren auf – auch Sie da; spielen Sie besser nicht am Handy, sondern hören Sie mal zu –: Hören Sie auf mit dieser Politik!

Beifallbei der AfD

Hören Sie endlich auf, bevor die Rezession zu einer Depression wird. Denn eins sage ich Ihnen: Wenn Sie weiterhin so gefährliche Politik betreiben, wird den Massen an arbeitslosen Menschen nichts anderes übrig bleiben, als die AfD zu wählen. Bei so einer kaputten Ampel ist eben rechts vor links sicherer.

Beifallbei der AfD

Und wenn wir endlich dort sitzen, wo Sie jetzt gerade sitzen, liebe CDU, dann können Sie höchstens als Juniorpartner mit ansehen,

Zurufvon der SPD

wie wir die ganzen wirtschaftsfeindlichen Gesetze abschaffen – das werden wir –

Beifallbei der AfD

wie die Arbeitslosenzahlen dank der AfD sinken. Je schneller diese nötige Wirtschaftswende kommt, desto besser ist es für Deutschland.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Boris Pistorius
Foto: Boris Pistorius/ Stefan Hobmaier
5 Vermerkeca. 499 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Die Bundesregierung hat schon viel auf den Weg gebracht für eine leistungsfähige Bundeswehr, die unser Land und unsere Partner zuverlässig schützt. Das ist geboten, und das ist ein deutliches Signal an die internationale Gemeinschaft: Deutschland ist da als starker und verlässlicher Partner. Wir übernehmen Verantwortung und wir handeln entschlossen – für unser Land, für Europa, für unsere Sicherheit und Freiheit genauso wie für die internationale regelbasierte Ordnung.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Dieses Engagement, meine Damen und Herren, zeigen wir auch außerhalb Europas mit unserer Beteiligung an der EU-Operation EUNAVFOR Aspides. Seit Februar 2024 befinden sich deutsche Soldatinnen und Soldaten im Roten Meer in einem herausfordernden Einsatz. Ihnen gebührt große Anerkennung und unser Dank.

Die Bundeswehr sichert im Rahmen von Aspides den Schiffsverkehr im Roten Meer vor Angriffen der radikalislamistischen Huthi-Miliz. Sie leistet damit einen Beitrag zur Freiheit und Sicherheit der Seewege. Der freie und sichere Seehandel – das wissen wir als Exportnation – ist wirtschaftliche Lebensader und Grundlage für Wohlstand, eben ganz besonders für uns in Deutschland.

Und ja, dass wir nicht mehr mit einer Fregatte beteiligt sind, liegt auch daran, dass in den letzten 20 Jahren die Modernisierung unserer Marine sträflich versäumt worden ist. Wir holen das jetzt nach und haben dafür die notwendigen Weichen gestellt. Wir stellen unsere Marine so auf, dass sie ihre Aufgaben in Zukunft erfüllen kann.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, die Angriffe der Huthi-Miliz stellen unverändert eine massive Bedrohung für die maritime Sicherheit in der Region dar. Es liegt also im deutschen sicherheitspolitischen Interesse, unsere Beteiligung an EUNAVFOR Aspides fortzusetzen, bis zum 31. Oktober 2026 und unter Anpassung der Mandatsobergrenze von 700 auf 350 Soldatinnen und Soldaten.

Diese Obergrenze ermöglicht uns weiter eine Beteiligung, die einen Unterschied macht. Unsere Soldatinnen und Soldaten werden mit der Multisensorplattform weiterhin – als Einzige übrigens – die luftgestützte Seeraumüberwachung durchführen. Dieser Beitrag ist wichtig für die Operation und wird von unseren Partnern außerordentlich geschätzt. Zudem werden wir mit Stabspersonal im Operationshauptquartier auf dem Flaggschiff des Einsatzverbandes präsent sein. Diese neue Obergrenze ermöglicht uns aber auch anlassbezogen die Beteiligung mit einer Einheit unserer Marine.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, unser Beitrag zu EUNAVFOR Aspides ist ein wichtiges Zeichen für die Verteidigung der regelbasierten internationalen Ordnung in einer geostrategisch sehr bedeutenden Region. Ich freue mich, dass der Wehrbeauftragte ebenfalls dabei ist, weil mir der Dank an die Soldatinnen und Soldaten, die gerade in dieser schwierigen Anfangsphase dieses Mandats einen herausragenden Job gemacht haben, besonders am Herzen liegt.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Deswegen bitte ich heute um Ihre Zustimmung zur Verlängerung dieses Mandats. Lassen Sie uns gemeinsam zeigen: Deutschland trägt Verantwortung, auf Deutschland ist Verlass.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank, Herr Minister. – Die nächste Rede hält Stefan Keuter für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stefan Keuter
Foto: DBT/ Inga Haar
3 Vermerkeca. 601 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir beraten heute über die Verlängerung des deutschen Beitrages zur EU-Mission EUNAVFOR Aspides. Auf den ersten Blick scheint das Ziel unstrittig: die Sicherheit der internationalen Handelsschifffahrt im Roten Meer. Die Mission ist bisher ein voller Erfolg: hundertfacher Schutz für die kommerzielle Schifffahrt, 20 Huthi-Angriffe wurden abgefangen.

Aber es gibt auch ein Problem; der Minister hat es gerade eben angesprochen: Man will die Obergrenze auf 350 senken. Wir fragen uns: Warum? 700 Soldaten sollen bisher maximal im Einsatz sein. Nur weil wir das Kontingent im Moment nicht vollkriegen und eventuell abziehen, wollen wir es ändern. Das ist aus unserer Sicht der falsche Schritt. Da ist noch Luft nach oben!

Beifallbei der AfD

Mehr als 10 Prozent des Welthandels gehen durch das Rote Meer. Viele Schiffe haben Rotterdam oder Hamburg als Ziel; Waren für Deutschland. Das darf nicht gefährdet sein. Es ist im ureigensten deutschen Interesse, diese Handelsrouten offenzuhalten, ebenso das Schützen unserer Schiffe, insbesondere der Schiffe unter deutscher Flagge.

Was passiert, wenn kein Schutz von Schiffen angefordert wird, haben wir bei den Schiffen „Magic Seas“ und „Eternity C“ mit Toten und Verschollenen gesehen. Beide Schiffe wurden von den Huthis versenkt.

Das Offenhalten dieser Routen ist für uns elementar, weil sonst die Reeder um Afrika herumfahren müssen. Das verlängert die Containerlaufzeiten, das erhöht die Kosten, und das ist nicht im Interesse unserer Verbraucher und der deutschen Wirtschaft.

Doch die entscheidende Frage ist: Bewegen wir uns völkerrechtlich hier auf sicherem Boden? Zunächst: Staaten haben nach Artikel 51 der UN-Charta das Recht auf Selbstverteidigung. Schiffe unter deutscher Flagge gelten völkerrechtlich als deutsches Hoheitsgebiet. Wird ein solches Schiff angegriffen, darf Deutschland es schützen. Auch das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen garantiert die Freiheit der Schifffahrt in internationalen Gewässern – so weit, so klar.

Aber genau an diesem Punkt beginnt die Grauzone; denn Aspides unterscheidet sich von früheren Missionen. Sie verfügt über kein Mandat des UN-Sicherheitsrates. Anders als bei der erfolgreichen Pirateriebekämpfung vor Somalia fehlt hier die ausdrückliche völkerrechtliche Legitimierung durch die Vereinten Nationen.

Noch problematischer ist die Einbettung in den Konflikt im Jemen. Die Angriffe der Huthi-Rebellen sind Teil eines Bürgerkrieges. Jede militärische Reaktion von außen birgt das Risiko, dass die EU und damit auch Deutschland zur Konfliktpartei wird – und das ohne ausdrückliche Zustimmung der jemenitischen Regierung. Operationen in deren Hoheitsgewässern wären völkerrechtswidrig. Die EU erklärt zwar, ausschließlich in internationalen Gewässern zu operieren, doch die Grenze ist nicht immer trennscharf.

Das Selbstverteidigungsrecht nach Artikel 51 ist nicht grenzenlos. Es gilt nur, wenn ein unmittelbarer Angriff bevorsteht, und die Maßnahmen müssen dann erforderlich und angemessen sein. Ob dies bei jedem Waffeneinsatz gegen die Huthis noch gegeben ist, ist juristisch umstritten.

Wir stehen damit vor einer heiklen Lage. Formal können wir unsere Schiffe schützen, faktisch agieren wir aber ohne UN-Mandat in einem Bürgerkriegsgebiet mit der Gefahr einer Eskalation. Deshalb, meine Damen und Herren, sollten wir uns gut überlegen, ob wir diesen Einsatz in seiner jetzigen Form fortsetzen. Es geht nicht nur um unsere wirtschaftlichen Interessen im Welthandel, sondern auch um die Glaubwürdigkeit des Völkerrechts. Wer an anderer Stelle die Bedeutung der UN-Charta betont, darf hier nicht großzügig über deren Grenzen hinwegsehen.

Wir haben in der Vergangenheit dem Mandat zugestimmt und verschließen uns auch diesmal nicht der Verlängerung, würden uns aber wünschen, dass das Mandat völkerrechtlich auf sichere Füße gestellt wird. Wir freuen uns auf die weiteren Beratungen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank Ihnen. – Der nächste Redner ist der Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen Gunther Krichbaum.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Gunther Krichbaum
Foto: Gunther Krichbaum/ Tobias Koch
3 Vermerkeca. 497 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Bundesminister Pistorius hat vorhin in der Regierungsbefragung den Ton gesetzt, als er sagte: „Die sicherheitspolitischen Herausforderungen sind ernst, und wir nehmen sie ernst.“ Ganz genau deswegen bringen wir heute die Verlängerung des Mandats EUNAVFOR Aspides ein. Unsere Marine beteiligt sich daran bereits erfolgreich, und es geht um den Schutz unserer Handelsinteressen und unserer sicherheitspolitischen Interessen – und das im Zuge eines kompletten EU-Mandats.

Worum geht es? Im November 2023 wurden zivile Schiffe von Huthi-Rebellen angegriffen. Vitale Interessen Europas standen auf dem Spiel. Deswegen konnte man sich auch relativ schnell auf diese Mission einigen. Und sie hat Erfolg. Hunderte von Schiffen konnten sicher eskortiert werden. Wir dürfen nicht vergessen: Das ist die kürzeste Verbindung zwischen dem Mittelmeer über das Rote Meer und den Golf von Aden hinein in das Arabische Meer und den Pazifischen Ozean. Jeder, der die Weltkarte vor Augen hat, weiß ganz genau, was es heißen würde, entsprechende Umwege zu fahren. Deswegen ist es richtig, auch dieses Mandat fortzusetzen. Ja, die Truppenstärke wurde von ursprünglich 700 auf 350 Soldatinnen und Soldaten reduziert. Der Hintergrund der bisherigen Mandatsobergrenze war aber, dass die zunächst beabsichtigte Bereitstellung eines Verbandes beim Indo-Pacific Deployment im Jahr 2024 vorgesehen war. Noch einmal: Es ist wichtig, dass wir diese Halsschlagader unseres Handels schützen.

In dem Zusammenhang möchte ich auch den Dank, der hier bereits ausgesprochen wurde, an unsere Soldatinnen und Soldaten erneuern und unterstreichen; denn hier wird im wahrsten Wortsinn in rauem Fahrwasser eine wirklich gefährliche Mission erfüllt. Wer sich einmal vor Augen führt, was es heißt, Dienst auf einem Schiff, auf einer Fregatte zu tun – wo auch immer –, der weiß genau, in welchen beengten Verhältnissen Soldatinnen und Soldaten hier ihren Job machen. Auch deswegen bitte ich unseren Wehrbeauftragten, Henning Otte, den Dank an die Soldatinnen und Soldaten weiterzugeben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vorhin hat Außenminister Wadephul schon zu Recht von der Verantwortung gesprochen, die wir hier wahrnehmen. Ja, unsere Bundeswehr ist damit beauftragt, ein Lagebild für diese Mission, die nicht isoliert ist, zu fertigen. Aufgrund dieses Lagebildes, aufgrund des engen Austauschs auch mit den übrigen europäischen Partnern gelingt es, das Risikopotenzial zu verringern. Erwähnen möchte ich an der Stelle auch die USA; denn die USA tragen mit der Operation Prosperity Guardian dazu bei, dass die Handelsschiffe in diesem Einsatzgebiet sicher fahren können. Das Einsatzgebiet – das sollte man sich auch vor Augen halten – umfasst die doppelte Fläche der Europäischen Union. Das ist nicht ohne.

Es geht darum, das Ganze fortzusetzen. Das war damals richtig und notwendig, und das gilt erst recht heute. Deswegen darf ich schon heute um Ihre Zustimmung bitten.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort für die nächste Rede Lamya Kaddor für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Lamya Kaddor
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/ Stefan Kaminski
4 Vermerkeca. 548 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister Pistorius! Sehr geehrter Herr Bundesminister Wadephul! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher auf der Tribüne! Als die Ampelregierung vergangenes Jahr die EUNAVFOR-Aspides-Mission ins Leben gerufen hat, tat sie das unter dem Eindruck der massiven Huthi-Angriffe auf die internationale Schifffahrt im Roten Meer nach der Terrorattacke der Hamas am 7. Oktober. An dieser Bedrohungslage hat sich bis heute nichts geändert. Nach wie vor feuern die Huthis ununterbrochen Raketen in Richtung Israel ab. Deshalb gilt insbesondere der Dank meiner Fraktion all den Soldatinnen und Soldaten, die vor Ort dieser schwierigen Lage ausgesetzt sind und ihr tapfer die Stirn bieten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Aber diese Bedrohungslage fordert uns heraus. Sie fordert uns auf, darüber nachzudenken, wie wir dieser Bedrohung gerecht werden können. Neben den immer noch stattfindenden Angriffen auf Schiffe und Unterseekabel im Roten Meer müssen wir mittlerweile befürchten, dass die Huthi-Gebiete im Jemen zur neuen Speerspitze der sogenannten Achse des Widerstandes und der iranischen Einflussversuche in der Region werden, wenn sie es nicht schon längst geworden sind. Israel wird mit neuesten Hyperschallwaffen iranischer Bauart aus dem Jemen angegriffen. Es gibt Berichte über Waffenlieferungen aus Russland an die Huthis und jemenitische Söldner in der Ukraine. Bestätigt ist inzwischen, dass sich die Captagon-Produktion des gestürzten Assad-Regimes in die Huthi-Gebiete verlagert hat. Übrigens wird mit dieser ehemaligen IS-Droge genau dieses Geschäft weiterbetrieben: Waffen produzieren und die Region – so kann man es sehen – weiter destabilisieren.

All das muss uns besorgt stimmen, und das erfordert unser Engagement und unsere Aufmerksamkeit. Deutschland sowie Europa wollen und müssen im Nahen Osten eine größere Rolle spielen und positiven Einfluss geltend machen, gerade angesichts der irrlichternden Trump-Administration. Das gilt für eine Lösung im Nahostkonflikt, für die Zusammenarbeit mit den Golfstaaten, den Wiederaufbau in Syrien, die Atomverhandlungen mit dem Iran und eben auch für den Jemen. Der Jemen ist de facto ein geteiltes Land, dessen jahrelanger und bis heute ungelöster Konflikt, der durch eine verheerende humanitäre Situation mit einer großen Anzahl an Binnenvertriebenen gekennzeichnet ist, viel zu lange zu wenig Aufmerksamkeit erfahren hat.

Die EUNAVFOR-Aspides-Mission hat unseren Blick für diese Probleme geschärft. Mandate der Bundeswehr im Rahmen der EU oder UN können ein wichtiger Teil eines vertieften Engagements im Nahen Osten und überdies auch Ausdruck einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU sein. Die Einsätze im Libanon, im Irak, im Mittelmeer zeigen genau dies. Gleichzeitig, und das ist mir schon auch wichtig zu betonen, sind uns allen die Schwierigkeiten, mit denen die EUNAVFOR-Aspides-Mission konfrontiert ist, bewusst. Es braucht daher eine ehrliche und offene Debatte über die Zielsetzung und Ausgestaltung des Mandats und der Zukunft unseres Engagements im Roten Meer und im Jemen, meine Damen und Herren.

Die Bundesregierung ist aufgefordert, eine umfassende Nahoststrategie zu entwerfen, die die Region zusammen mit der EU ganzheitlich und prioritär in den Blick nimmt. Ob die Mission in dieser Form die richtige Antwort ist, sollten wir tatsächlich noch einmal überdenken.

Vielen Dank.

Ich darf für die Fraktion Die Linke die Abgeordnete Özdemir aufrufen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Cansu Özdemir
Foto: Die Linke Hamburg/ Reno Mezger
3 Vermerkeca. 481 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ja, die freie Schifffahrt muss geschützt werden. Sie ist ein hohes Gut. Auch die Sicherheit der Seeleute und die Geiselnahmen, die wir in der Vergangenheit erlebt haben, sind wichtige Themen. Darüber muss man sprechen. Aber man muss halt ganz konkret über diese Mission sprechen, die hier meiner Auffassung nach nicht sinnvoll ansetzt.

Sie ist für die beteiligten Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in dieser Region wirklich brandgefährlich, und sie ist für die Steuerzahler/-innen eben auch sehr teuer. Auf der einen Seite ist der Einsatz sehr teuer, auf der anderen Seite sehen wir, dass dieser Weg von internationalen Handelsflotten ganz oft bewusst vermieden wird, weil die effektive Sicherheit eben nicht gewährleistet werden kann, auch nicht durch mehr Schiffe. Die Ursachen werden mit dieser Mission nicht bekämpft und bleiben unberührt; dort wird nicht angesetzt. Das ist ein Punkt, der uns beschäftigt und über den wir sprechen müssen.

Im Jemen herrscht seit zehn Jahren ein wirklich sehr brutaler Krieg. Wir haben es hier mit einer sehr, sehr bitteren Armut zu tun, mit einer der schwersten humanitären Krisen auf der Welt. 20 Millionen Menschen sind hier auf humanitäre Hilfe angewiesen. Wir sehen Hunger, Cholera, fehlende medizinische Versorgung. Wir sehen sexualisierte Gewalt, die von der antisemitischen und islamistischen Huthi-Miliz auch als Kriegswaffe eingesetzt wird. Große Teile der Infrastruktur, wie Krankenhäuser, Schulen und Wohngebiete, liegen in Schutt und Asche. Das sind die Grundprobleme, die wir im Jemen sehen.

Die Situation im Nahen Osten eskaliert immer weiter, und eine Schwächung der Huthis – das ist ja auch ein Hauptpunkt in dieser Debatte – war mit militärischen Mitteln bis jetzt einfach nicht möglich. Die Operation war nicht erfolgreich und wird wahrscheinlich auch in Zukunft nicht erfolgreich sein.

Ein weiterer Akteur in dieser Situation ist Saudi-Arabien. Es wird nicht so sein, dass Saudi-Arabien übermorgen zu einer lupenreinen Demokratie wird und dann plötzlich eine deeskalierende Rolle im Mittleren und Nahen Osten übernehmen wird. Diverse Menschenrechtsorganisationen, wie Amnesty International, aber auch UN-Berichte kritisieren Saudi-Arabien in diesem Konflikt wegen gezielter Angriffe auf zivile Ziele und Verletzungen des humanitären Völkerrechts ganz deutlich, und es ist richtig, dass das auch dokumentiert wird.

Meine Damen und Herren, ich muss dazu auch ganz deutlich sagen: Ich finde es schon sehr zynisch, dass europäische und deutsche Rüstungskonzerne zuvor kräftig daran verdient haben, diesen Krieg überhaupt anzuheizen, dass deutsche Waffen immer noch in Saudi-Arabien und in den Emiraten landen und dass die Bundeswehr die Folgen des Krieges mit diesem Einsatz dann plötzlich militärisch bewältigen soll.

Beifallbei der Linken

Frau Kollegin.

Rednerwechsel

Meine Damen und Herren, das ist einfach nur absurd und führt wirklich nicht zum Ziel einer Deeskalation in dieser Region.

Beifallbei der Linken

Ich darf das Wort erteilen der SPD Abgeordneten Frau Türk-Nachbauer.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Derya Türk-Nachbaur
Foto: Derya Türk-Nachbaur/ Photothek Media Lab
6 Vermerkeca. 482 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Wehrbeauftragter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Wichtigste zuerst: Danke! Danke an unsere Soldatinnen und Soldaten, die unter herausfordernden Bedingungen ihren Dienst leisten. Sie schützen Menschenleben, sichern mit ihrem Einsatz bei diesem Mandat die freie Schifffahrt und stehen damit für sichere Handelsrouten und damit auch für unseren Wohlstand.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Das verdient unsere Anerkennung und unsere volle Unterstützung. Und weil wir Verantwortung für diese Frauen und Männer tragen, ist es gut, dass wir hier im Bundestag über diese Einsätze debattieren und abstimmen. Deshalb auch mein Dank an unseren Verteidigungsminister Pistorius, der hier klare Worte findet und den Umfang des Mandats auch ziemlich klar erklärt hat.

Wir sprechen heute über die Fortführung der Beteiligung an der EU-geführten Operation EUNAVFOR Aspides. Das Mandat wird bis Ende Oktober 2026 verlängert – bei einer personellen Reduzierung auf maximal 350 Soldatinnen und Soldaten. Das Mandat wird angepasst; wir haben es gehört. Ich finde es gut, wenn wir evaluieren und unsere Mandate gegebenenfalls auch jährlich anpassen und nicht blind durchwinken. Klar ist aber: Dieser Bedarf bleibt weiterhin bestehen. Die Angriffe der Huthi-Miliz auf Handelsschiffe im Roten Meer gefährden nicht nur Besatzungen, sie gefährden auch den internationalen Handel und die Stabilität einer ohnehin sehr, sehr fragilen Region.

Aspides zeigt, worum es geht: um die Freiheit der Meere und um das Seevölkerrecht als wichtiges Element einer regelbasierten Ordnung. Das Rote Meer ist keine ferne Wasserstraße, die nichts mit uns zu tun hat. Wir sprechen über eine – wir haben es vorhin gehört – wichtige Lebensader für viele und auch für uns. Über 15 Prozent des weltweiten maritimen Handelsvolumens liefen vor Beginn der Angriffe über diese Route. Das hat sich geändert, und genau deshalb ist Aspides richtig und wichtig – defensiv, verhältnismäßig, völkerrechtskonform und vor allem, was ich großartig finde, europäisch.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Die Operation beweist, dass Europa gemeinsam handeln kann und dass Europa gemeinsam handeln muss – als klares Signal an jene, die Ordnung und Stabilität in Europa infrage stellen. Aber wir wissen natürlich auch, dass Sicherheit und Stabilität nicht allein durch eine Mandatsverlängerung erreicht werden können. Die Ursachen liegen an Land: in Konflikten, in Machtkämpfen und im Einfluss externer Akteure. Wir müssen Sicherheit vernetzt denken. Sicherheit auf See und Perspektiven an Land gehören zusammen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Daher ist es wichtig, in solch fragilen Kontexten in der Gesamtregion auch weiterhin –

Frau Kollegin.

– letzter Satz, Herr Präsident – mit diplomatischen Bemühungen, mit humanitärer Hilfe, mit Entwicklungszusammenarbeit in Abstimmung mit unseren internationalen Partnern –

Komma und Punkt.

Langer Satz!

– präsent zu sein. Punkt!

Heiterkeitund Beifall bei der SPD sowie bei der CDU/CSU

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Ich darf das Wort erteilen: für die AfD dem Abgeordneten Gnauck.

Beifallbei der AfD
Porträt von Hannes Gnauck
Foto: Hannes Gnauck
4 Vermerkeca. 489 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! In den letzten Wochen haben unsere Streitkräfte unter der Führung der deutschen Marine bei der Übung „Quadriga 2025“ eindrucksvoll ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt – rund 8 000 Soldaten aus 14 Nationen, unterstützt von etwa 40 Schiffen. Mehr als 1 800 Fahrzeuge und rund 30 Luftfahrzeuge waren beteiligt. Es war die größte Übung dieser Art in diesem Jahr, und sie hat gezeigt, dass militärische Zusammenarbeit im Rahmen der NATO funktioniert. Vor allem aber hat sie deutlich gemacht, über welche Professionalität, Einsatzbereitschaft und auch Verbundfähigkeit unsere Marine verfügt. Wir können sehr stolz sein auf jeden einzelnen Mann und auf jede einzelne Frau in Uniform, die diesen Dienst für unser Land leisten, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Dr. Marlon Bröhr [CDU/CSU]

Der Eindruck dieser Übung prägt meinen ganz persönlichen Blick auf dieses heutige Mandat. Wir als AfD-Bundestagsfraktion stehen Auslandseinsätzen der Bundeswehr eher kritisch gegenüber. Jeder Einsatz braucht einen klaren Auftrag, er muss im völkerrechtlichen Rahmen stehen, und er muss deutsche Interessen schützen.

Seit Ende 2023 greifen Huthi-Rebellen Handelsschiffe im Roten Meer an, und sie konnten sogar mehrere Schiffe schwer beschädigen oder auch gar versenken. Bei diesen Angriffen wurden einige Menschen getötet. Über diese Routen läuft ein großer Teil des internationalen Handels, von dem auch Deutschland direkt abhängt. Wenn dieser Verkehr unterbrochen wird, hat das unmittelbare Folgen für die Versorgung, Preise und Stabilität auch hier in Deutschland.

Derzeit beteiligt sich die Bundesrepublik mit bis zu 350 Soldaten. Sie schützen Handelsschiffe und erstellen ein verlässliches Lagebild. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit auf hoher See.

Im vergangenen Jahr – es wurde schon angesprochen – hat die Bundesregierung die Obergrenze von 700 auf 350 Soldaten reduziert, weil sie gleichzeitig Kräfte für das Indo-Pacific Deployment gebunden hat. Nun bleibt diese reduzierte Obergrenze bestehen. Dabei ist gerade im Roten Meer unser unmittelbares Interesse betroffen. Die Bundesregierung muss erklären, warum sie an dieser Begrenzung festhält, anstatt die Marine dort zu stärken, wo sie dringend gebraucht wird, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Seit Beginn der Mission Aspides haben wir diesem Mandat zugestimmt, weil es deutschen Interessen dient und weil es die Sicherheit unserer Wirtschaft schützt. Aber wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie die richtigen Prioritäten setzt und die Verantwortung gegenüber den Soldaten ernst nimmt.

Zum Schluss möchte ich noch mal betonen, was ich bei „Quadriga 2025“ gesehen habe: die Professionalität, die Einsatzbereitschaft und die Verlässlichkeit der deutschen Marine. Diese Männer und Frauen leisten einen Dienst, der Respekt und Anerkennung verdient. Sie tragen unter sehr schwierigen Bedingungen dazu bei, dass unser Land sicher bleibt und dass unsere Handelswege offen bleiben. Dafür danken wir ihnen ausdrücklich. Unsere Soldaten verdienen nicht nur unseren Respekt, sie verdienen auch die bestmögliche politische Rückendeckung.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich aufrufen den Abgeordneten Ernst.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Bastian Ernst
Foto: Bastian Ernst/ Tobias Koch
3 Vermerkeca. 456 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch wenn die internationalen Kriseneinsätze nicht mehr so sehr im Fokus stehen, so bleiben sie doch weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands. Wir sind und bleiben ein verantwortungsvoller Teamplayer in der Völkergemeinschaft. Deswegen beteiligen wir uns auch weiterhin an Missionen der Vereinten Nationen, der NATO und der Europäischen Union.

Die EU-Mission Aspides basiert auf Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und wird von der EU und ihren Mitgliedstaaten durchgeführt. Es geht dabei um den Schutz eines globalen öffentlichen Guts, nämlich der Freiheit der Seeschifffahrt. Diese Freiheit ist für die ganze Welt wichtig, aber insbesondere Deutschland als eine Außenhandelsnation profitiert in hohem Maße davon. Daher liegt es auch in unserem nationalen Interesse, uns für die Sicherheit des Seeverkehrs und damit für die Sicherheit des internationalen Handels einzusetzen. – Diese Aussage war übrigens vor 15 Jahren richtig, als Bundespräsident Horst Köhler damit angeeckt ist, und sie bleibt auch heute noch richtig und wichtig, meine Damen und Herren.

Neben dieser globalen Dimension gibt es auch eine regionale sicherheitspolitische Dimension. Die Huthi-Miliz begründet ihre Angriffe auf Schiffe im Roten Meer mit dem Kampf gegen Israel. Dieser Kampf gegen Israel ist ein essenzieller Bestandteil der Ideologie der Huthi-Miliz, und damit stehen die Huthis nicht alleine da, sondern sie sind eingebettet in ein irantreues Netzwerk mit der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen. Unser Einsatz gegen die Huthis ist somit auch ein Beitrag für die Sicherheit Israels,

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Siemtje Möller [SPD]

und die Sicherheit Israels ist deutsche Staatsräson.

Die EU-Mission Aspides ist zumindest teilweise ein Erfolg; denn der Schiffsverkehr durchs Rote Meer ist wieder angestiegen. Aber er ist immer noch weit davon entfernt, das Niveau vor diesem maritimen Terrorismus durch die Huthis zu haben. Erst im Juli dieses Jahres hat die Huthi-Miliz die Frachter „Magic Seas“ und „Eternity C“ von griechischen Reedereien versenkt und das damit begründet, dass diese Schiffe auch Häfen in Israel anlaufen. Mindestens vier Seeleute kamen dabei ums Leben, zehn weitere gelten weiterhin als vermisst. Meine Damen und Herren, unsere Gedanken sind bei diesen Seeleuten und ihren Angehörigen, denen die Huthi-Miliz mit ihrem Terror solches Leid zugefügt hat.

Auch das zeigt, dass unser Engagement in der EU-Mission Aspides weiterhin wichtig ist. Lassen Sie uns deshalb bitte all unseren Soldatinnen und Soldaten danken, die sich im Rahmen von Aspides für die Freiheit der Seeschifffahrt und für die Sicherheit Israels einsetzen!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Als letzte Worterteilung zu diesem Tagesordnungspunkt darf ich für die CDU/CSU-Fraktion den Abgeordneten Winkler aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Tobias Winkler
Foto: Klaus Gruber / www.dolphinphotography.de/Klaus Gruber
4 VermerkeZwischenfrageca. 442 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Lassen Sie mich am Ende der Debatte noch auf zwei Aspekte eingehen, die für mich zentral sind, wenn es um die Verlängerung von EUNAVOR Aspides geht – einmal wirtschaftlich und einmal politisch.

Das Rote Meer und die Meerenge von Bab Al-Mandab zwischen Dschibuti und Jemen passierten pro Jahr circa 20 000 Schiffe. Das Transportvolumen umfasst 40 Prozent des Handels zwischen Europa und Asien, und über die Unterseedatenkabel im Roten Meer fließen etwa 17 Prozent des weltweiten internationalen Datenverkehrs. Als 2021 die „Ever Given“ den Suezkanal blockierte, kam der Welthandel für mehrere Tage ins Stocken, mit einem errechneten Schaden von 400 Millionen US-Dollar – pro Stunde.

Es handelt sich um eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt, und diese Handelsroute wird tagtäglich bedroht durch Angriffe der radikalislamistischen Huthi-Milizen. Es ist deshalb wichtig und richtig, das öffentliche Gut freier See- und Handelswege zu verteidigen. Und es ist ebenfalls wichtig und richtig, wenn die Bundeswehr dazu einen wesentlichen Beitrag leistet.

Beifallbei der CDU/CSU

Werter Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage beantworten?

Ich glaube, das tut nichts mehr zur Sache. Danke.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Montag bei der Eröffnung der Botschafterkonferenz noch einmal unmissverständlich klargemacht: Die deutsche Außenpolitik muss sich an den Interessen unseres Landes orientieren. Wir müssen auch sicherheitspolitisch Verantwortung übernehmen, wenn Frieden, Freiheit und Wohlstand bedroht sind.

Die anhaltenden Angriffe der Huthis haben nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eben auch eine politische Dimension. Schiffe, die in irgendeiner Beziehung zu Israel stehen, werden gezielt attackiert: mit Antischiffsdrohnen, Speedbooten, Piraterie, Entführungen von Seeleuten. Die Huthi-Milizen handeln auch aus Solidarität mit der Hamas und sind eine der Terrororganisationen, deren Ideologie darauf abzielt, Israel von der Landkarte zu tilgen. Unterstützt durch den Iran sind die Huthis eine ständige Bedrohung für den israelischen Staat.

Die Verlängerung des Mandats ist deshalb weit mehr als ein technischer Beschluss. Sie ist auch ein politisches Signal, ein Signal an die Huthis, dass wir uns dem Terror und den Angriffen auf unsere freie Welt niemals beugen werden. Es ist aber auch ein Signal an Israel und an unsere internationalen Partner, dass sie sich auf Deutschland verlassen können.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Unsere Marine steht stellvertretend für unser Land und macht Deutschlands Verantwortung sichtbar. Unseren Soldatinnen und Soldaten gebühren dafür unser Respekt und unser ausdrücklicher Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Siemtje Möller [SPD]

Die CDU/CSU-Fraktion wird der Verlängerung dieses Mandats zustimmen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Jörg Cezanne
Foto: Jörg Cezanne / Maik Brückner
5 Vermerkeca. 395 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Seit 2021 zahlen die Menschen in Deutschland eine sogenannte CO2-Abgabe auf Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel. Diese wird jährlich erhöht und lässt die Energiepreise zusätzlich steigen. Bei der Einführung hatte die Regierung angekündigt, diese Einnahmen gleichmäßig an die Verbraucherinnen und Verbraucher zurückzuzahlen. Tatsächlich ist das nie geschehen. Wir fordern, dass die Regierung dieses Versprechen endlich einlöst und echte Entlastungen der Verbraucherinnen und Verbraucher einleitet.

Beifallbei der Linken

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung bietet einen Rechner für ihre ganz persönliche CO2-Bepreisung an. Eine Durchschnittsfamilie – zwei Erwachsene, zwei Kinder, Einfamilienhaus mit Ölheizung und zwei Autos für die Fahrt zur Arbeit – zahlt in diesem Jahr 700 Euro zusätzlich. So kann das nicht bleiben.

Beifallbei der Linken

Zusätzlich zu den ohnehin gestiegenen Energiekosten brauchen wir jetzt Entlastungen für die Menschen in Deutschland, auch weil die Vorstellung, die steigenden Preise würden dazu führen, dass mehr Menschen auf klimaneutrale Technologien umsteigen, für viele gar nicht funktionieren kann. Mieterinnen und Mieter können nicht entscheiden, statt einer alten Ölheizung eine Wärmepumpe einzubauen. Die haben darauf schlicht keinen Einfluss, zahlen aber die erhöhten Energiepreise. Pendlerinnen und Pendler finden im öffentlichen Verkehr nur unzureichend oder gar keine Alternativen zum eigenen Pkw. Und E-Autos sind zwar im Verbrauch längst günstiger als Verbrenner, kosten aber in der Anschaffung immer noch sehr viel mehr.

Eine Familie mit höherem Einkommen kann das eigene Haus sanieren oder eine Wärmepumpe anschaffen. Solche Investitionskosten betragen aber schnell mehrere Zehntausend Euro, was für viele Familien nicht zu stemmen ist. So wie die CO2-Abgabe jetzt wirkt – ohne sozialen Ausgleich –, trifft sie niedrige und mittlere Einkommen am härtesten. Das müssen wir ändern.

Beifallbei der Linken

Wir brauchen dringend einen Ausgleich in Form eines sozial gerechten Klimageldes. Das gilt besonders für Familien mit geringen und mittleren Einkommen. Die Linke fordert deshalb, rückwirkend ab diesem Jahr ein solches Klimageld in Höhe von 320 Euro pro Person als Direktauszahlung einzuführen. So erhalten nicht diejenigen, die am meisten verbrauchen, die höchste Erstattung, sondern jene, die es am nötigsten haben: Eltern mit Kindern, Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen. Und die Höhe dieses Klimageldes ist an die jährlich steigenden Einnahmen anzupassen.

Herr Abgeordneter.

Rednerwechsel

Herzlichen Dank.

Beifallbei der Linken

Ich darf für die CDU/CSU-Fraktion den Abgeordneten Helfrich aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Mark Helfrich
Foto: Mark Helfrich/ Steven Vangermain
10 Vermerkeca. 606 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Fast alle hier im Hohen Haus haben ein gemeinsames Ziel: Wir wollen die Erderwärmung begrenzen und unseren Kindern und Kindeskindern eine lebenswerte Welt hinterlassen. Dafür haben wir uns international, europäisch und national ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Zahlreiche Maßnahmen und Instrumente sind auf den Weg gebracht. Neben dem EU-Emissionshandel setzen wir in Deutschland auf die CO2-Bepreisung bei Wärme und Verkehr.

Eines ist klar, meine Damen und Herren: Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif.

Beifallder Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Alles andere wäre eine Lüge. Doch wenn wir nicht handeln, wird uns der Klimawandel unendlich teurer zu stehen kommen. Und das, meine Damen und Herren, gilt es zu verhindern.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für uns als Union war immer klar: Wenn wir die Menschen durch die CO2-Bepreisung belasten, müssen wir sie auch wieder entlasten. Andernfalls verlieren wir die Akzeptanz für den Klimaschutz, und das darf nicht passieren.

Natürlich gibt es verschiedene Wege der Entlastung. Ein Klimageld, so wie Sie es fordern, ist für uns jetzt nicht der richtige Weg. Ihr Vorschlag würde bedeuten, dass die gesamten Einnahmen aus dem EU-Emissionshandel und der nationalen CO2-Bepreisung ausschließlich für die Auszahlung des Klimageldes verbraucht würden.

Das würde bedeuten: keine Förderung für moderne Heizungen, kein Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, keine Investitionen in klimafreundlichen Verkehr.

Das sind Zukunftsinvestitionen, die von der Schuldenbremse auszunehmen sind!

Wir setzen vielmehr auf einen Instrumentenmix aus Steuerung und Entlastung. Wir entlasten die Bürger beim Umstieg auf CO2-arme Technologie, zum Beispiel beim Heizungstausch oder bei der Haussanierung. Das kommt vielen Hausbesitzern zugute, aber eben auch Mieterinnen und Mietern. Wir setzen aber auch auf die Senkung der gestiegenen Energiekosten. Wir bleiben bei der abgesenkten Stromsteuer für die produzierenden Unternehmen. Davon profitieren bald schon 600 000 Unternehmen, auch viele Mittelständler und Handwerker.

Das ist Umverteilung von unten nach oben!

Und das war nur ein erster, aber wichtiger Schritt – vor allem zur Sicherung von Arbeitsplätzen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Als Klimapolitiker mache ich keinen Hehl daraus: Ich hätte mir mehr Entlastung, auch direkt für die Bürgerinnen und Bürger, gewünscht, auch deshalb, weil niedrige Stromkosten dazu führen, dass klimafreundliche Anschaffungen getätigt werden und sich rechnen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich erwarte daher von uns, dass auch diese so bald wie möglich von der Stromsteuer entlastet werden. Weitere Entlastungsschritte für Bürger und Unternehmen müssen und werden folgen.

Ich will aber nicht vergessen, zu erwähnen, dass wir Verbraucherinnen und Verbraucher ab 2026 von den Kosten der Gasspeicherumlage befreien, und wir entlasten sie auch bei den Netzentgelten um 6,5 Milliarden Euro mit Mitteln aus dem KTF. Dabei ist mir erstens besonders wichtig, dass das Geld bei den Bürgerinnen und Bürgern wirklich ankommt, und zweitens, dass wir kein Stadt-Land-Gefälle haben, das den ländlichen Raum bei der Entlastung benachteiligt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Zusätzlich stehen ab dem kommenden Jahr bis 2032 insgesamt rund 7,1 Milliarden Euro aus dem EU-Klima-Sozialfonds für Entlastungen zur Verfügung.

Wir arbeiten derzeit gemeinsam mit der Regierung und den Koalitionsfraktionen an der Ausgestaltung der Programme. Diese werden die CO2-Kosten für Bürgerinnen und Bürger, Verkehrsteilnehmer und Kleinstunternehmen abfedern. Dies wird der nächste wichtige Baustein für die Bezahlbarkeit und die Akzeptanz des Klimaschutzes.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion darf ich den Abgeordneten Brandes aufrufen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Dirk Brandes
Foto: Dirk Brandes/Privat
10 Vermerkeca. 492 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Helfrich, ich bin bei Ihnen: Ich wünsche mir auch mehr Entlastung. – Wir haben doch viel gemeinsam. Aber warum schaffen wir die CO2-Bepreisung nicht einfach ab? Dann brauchen wir nichts wieder zurückumzuverteilen.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Mark Helfrich [CDU/CSU]

Zu dem Antrag der Linken. Die Linke spielt wieder den Retter der kleinen Leute.

Das sind wir!

In Wahrheit ist sie jedoch eine würdige Erbin der DDR-Planwirtschaft.

Langweilig!

Das sogenannte Klimageld ist nichts anderes als Teil eines teuren Umverteilungsprojekts – schädlich und gegen die meisten Bürger in unserem Land gerichtet.

Das Prinzip ist simpel und perfide: Erst nimmt der Staat den Menschen durch die CO2-Abgabe Milliarden aus der Tasche,

Das war ja nicht unsere Idee!

durch Heizen, Tanken, Strom, dann gibt es ein paar Euro zurück.

Alles zurück!

Das ist aber keine seriöse Politik, sondern ein billiger Taschenspielertrick.

Beifallbei der AfD

Und machen wir uns nichts vor: Das ist heute allgemeine Regierungslinie aller. SPD, Grüne und Union: Alle halten an der CO2-Bepreisung fest. – Die Union redet von Entlastung, betreibt aber genauso diese Umverteilung weiter. Mal heißt es „Klimageld“, so wie heute, mal „Klimabonus“; aber immer wird abkassiert, und dann schmeißt man den Bürgern ein paar Brotkrumen zurück und erwartet auch noch Dankbarkeit.

Die Linke treibt das Ganze nun auf die Spitze. Frau Reichinnek schwärmt ja wieder vom demokratischen Sozialismus. Aber Sozialismus, meine lieben Damen und Herren, war nie demokratisch. Sozialismus heißt immer Zwang, Sozialismus heißt immer Enteignung, und Sozialismus heißt Mangel und Unfreiheit.

Demokratischer Sozialismus ist so glaubwürdig wie eine funktionierende Wirtschaft in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, genannt DDR.

Was Die Linke wirklich will, ist ein DDR-Revival: Mangelwirtschaft, Bevormundung, Abhängigkeit des Bürgers vom Staat. Und die CDU? Auch sie trägt hier Verantwortung. Zusammen mit der SPD hat sie diese CO2-Abgabe überhaupt erst eingeführt. Und heute spielt sie den Kümmerer, verteilt mal ein paar Stromrabatte oder mal ein paar Subventionen. Aber den Grundfehler beseitigen, so wie ich eben schon sagte – weg mit der CO2-Bepreisung! –: Natürlich Fehlanzeige!

Damit ist klar, dass alle alten Parteien hier für Umverteilung statt Entlastung stehen. Die AfD setzt hier als einzige Fraktion ein klares Gegengewicht. Wir fordern die Abschaffung der CO2-Abgabe, und das sofort, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Wir stehen nicht für Ihre Kosmetik, sondern für echte Entlastungen – für Familien, Mittelstand, Wirtschaft, Pendler.

Meine Damen und Herren, Demokratie braucht mehr Markt, Demokratie braucht eins nicht: mehr Umverteilungssozialismus.

Beifallbei der AfD

Die Linke ist kein Anwalt der kleinen Leute. Ihre Politik ist weiter ein Angriff auf Freiheit, Eigentum und Wohlstand. Und darum lehnen wir diesen Antrag mit aller Schärfe ab.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD
Porträt von Daniel Rinkert
Foto: Daniel Rinkert/ Photothek Media Lab
13 Vermerkeca. 763 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eines vorweg: Die SPD steht klar und unverrückbar zum Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2045. Und wir stehen ebenso zu den diskutierten europäischen Klimazielen bis ins Jahr 2040. Denn eine Abkehr von diesem Pfad hätte gravierende Folgen für Menschen, für Umwelt, für unsere wirtschaftliche Zukunft.

Wir sehen doch gerade wieder ganz aktuell – wenn ich bei mir im Rheinischen Revier nur vor die Haustür schaue –, welche Wassermassen in den letzten 48 Stunden runtergekommen sind: überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, Schäden an Wohnhäusern und in Gewerbebetrieben. Kommunen stehen erneut unter Wasser und unter Druck.

Ist das die Dürre?

Verantwortungsvolle Politik darf hier nicht wegsehen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ja, Klimaschutz verlangt natürlich tiefgreifende Veränderungen: in der Energieversorgung, beim Wohnen, in der Mobilität, in der Landwirtschaft, in Wirtschaft und Arbeit. Aber diese Veränderungen sind keine Bedrohungen. Nein, sie sind eine Chance für ein modernes, nachhaltiges Deutschland, für gute neue Arbeitsplätze, für Innovationen, die unser Land voranbringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es gibt diese Zukunftsarbeitsplätze auch schon. Ich war in der vergangenen Woche zusammen mit Vizekanzler Lars Klingbeil und dem Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach bei einem Unternehmen vor Ort; einem Unternehmen, das Transformatoren für die Energiewirtschaft baut. Dieses Unternehmen hat volle Auftragsbücher. Es erweitert den Standort. Es schafft neue, tarifgebundene, mitbestimmte Arbeit.

Wir sehen: Klimaschutz schafft Arbeit, Klimaschutz schafft gute Arbeit, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität in Höhe von 500 Milliarden Euro haben wir die finanzielle Grundlage geschaffen, um diese tiefgreifenden Veränderungen entschlossen anzugehen. Und jetzt arbeiten wir gemeinsam an der Umsetzung.

Klimaschutz ist aber nicht nur eine ökologische und eine ökonomische Herausforderung; er ist vor allem eine soziale Frage.

Wie viel Geld nehme ich dem Bürger weg?

Denn die Belastungen sind ungleich verteilt. Menschen mit niedrigem Einkommen, Alleinerziehende, Rentnerinnen und Rentner, Familien in unsanierten Wohnungen, Menschen in strukturschwachen Regionen, sie alle sind von den Folgen des Klimawandels ebenso wie von den CO2-Kosten überdurchschnittlich betroffen.

Kein Geld mehr im Portemonnaie!

Deshalb sagen wir als SPD ganz klar: Klimaschutz muss sozial gerecht gestaltet werden. Er darf nicht zu neuen Ungleichheiten führen, sondern muss Teil einer solidarischen Gesellschaftspolitik sein.

Ein zentrales Beispiel dafür ist das sogenannte Klimageld. Es wird diskutiert, dass es in der aktuellen Form zu bürokratisch, zu pauschal oder sozial nicht treffsicher genug ist. Und im Antrag der Linken heißt es: Jeder, vom Paketboten bis zum Spitzenverdiener, soll pauschal 320 Euro erhalten. – Ich frage Sie: Ist das gerecht?

Zurufvon der Linken: Ja!

Ich meine, nicht. Denn mein Vater – er arbeitet als Postbote – braucht mehr finanzielle Unterstützung als jemand wie ich, der sehr gut verdient.

Der hat ja auch vorher weniger bezahlt!

Sehr traurig, wenn Sie das wirklich nicht verstanden haben!

Wir brauchen konkrete Unterstützung der Menschen: zielgerichtet, unbürokratisch, gerecht: Nicht jeder bekommt gleich viel, sondern jeder bekommt das, was er oder sie tatsächlich braucht, liebe Kolleginnen und Kollegen. Dafür haben wir zwei konkrete Vorschläge, die ich gern an dieser Stelle benennen möchte:

Erstens brauchen wir sozial gestaffelte Förderprogramme.

Da gehen wir mit!

Genau das macht das Klimageld!

Alle Förderungen, ob vom Bund, vom Land oder von den Kommunen, müssen künftig einheitlich nach Einkommen gestaffelt werden. So stellen wir sicher, dass Fördermittel dort ankommen, wo wir sie am dringendsten brauchen.

Zweitens. Soziale Infrastruktur muss klimafit gemacht werden. Denn Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kitas, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen – das sind über 100 000 Einrichtungen in diesem Land mit 2,5 Millionen Beschäftigten – sind das Rückgrat unseres Sozialstaates und müssen bei der Klimaanpassung gezielt unterstützt werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Dafür brauchen wir höhere Förderquoten für gemeinnützige Träger, klare Anreize und eine verbindlich sozial gerechte Ausgestaltung aller Programme.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Klimaschutz funktioniert nur mit sozialem Ausgleich. Denn ohne soziale Gerechtigkeit fehlt die Akzeptanz, und ohne Akzeptanz werden wir unsere Klimaziele nicht erreichen. Die SPD steht für eine Klimapolitik, die niemanden zurücklässt.

…, die auch niemand versteht!

Ein klimaneutrales Deutschland ist nur möglich, wenn es sozial gerecht und wirtschaftlich tragfähig ist. Das ist unsere Aufgabe und unser Versprechen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich den Abgeordneten Wagner aufrufen.

Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
6 VermerkeZwischenfrageca. 592 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Regierung schützt Superreiche; anders lässt es sich nicht sagen. Sie schützt Superreiche, indem sie große Vermögen nicht besteuert, aber quasi täglich neue Debatten vom Zaun bricht, wie man Bürgergeldempfängern das Geld zum Leben streichen kann. Sie schützt Superreiche, indem sie Lobbyinteressen durchsetzt und diejenigen, die keine Lobby haben, den Preis dafür zahlen lässt. Und sie schützt Superreiche, indem sie das Sondervermögen zum Stopfen von Haushaltslöchern benutzt, anstatt die Milliarden, wie versprochen, in unsere Zukunft zu investieren.

Was diese Regierung jedoch nicht schützt, ist das Klima. Ganz im Gegenteil: Sie legt es geradezu darauf an, dem Klima zu schaden. Gasministerin Reiche will neue Gaskraftwerke bauen, das Gebäudeenergiegesetz zurückdrehen und die Wärmewende ausbremsen. Vizekanzler Klingbeil finanziert klimaschädliche Subventionen über das Sondervermögen und nennt das auch noch „Klimamilliarden“. Und Autokanzler Merz übt gerade in München den Schulterschluss mit den Autobossen, indem er das europäische Verbrenner-Aus torpediert.

Diese beiden Dinge – Politik für Superreiche und gegen das Klima – gehören zusammen. Denn es sind die Reichsten in unserer Gesellschaft, die das Klima am meisten belasten. Und es sind alle anderen, die das im wahrsten Sinne des Wortes ausbaden müssen: Es ist der Landwirt, der sich nicht gegen Extremwetterereignisse versichern kann. Es ist die 80-Jährige, die im Sommer in ihrer aufgeheizten Wohnung sitzt und eben keine Klimaanlage und keinen kühlenden Garten hat.

Darf sie ja nicht! Das wollen die Grünen ja nicht!

Und es ist das Kind, an dessen Kinderzimmer Auto um Auto vorbeifährt und das dadurch die volle Breitseite der Merz’schen Autopolitik abbekommt: Autolärm, Abgase und Atemwegserkrankungen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Klimaschutz ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, und das Klimageld ist darauf die richtige Antwort.

Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion zulassen?

Das dient der Debatte nicht. Vielen Dank, nein. – Das Klimageld ist die richtige Antwort. Es bedeutet: Alle bekommen Geld aus einem Topf, in den vor allem Reiche einzahlen, weil die mehr CO2 verbrauchen. Das ist einfach, gerecht und wirksam.

Genau! So ist es!

Genau deshalb hatten wir Grüne dieses Instrument in den Koalitionsvertrag der Ampel gebracht. Wir haben dafür gekämpft, dass Klimaschutz nicht nur ökologisch funktioniert, sondern eben auch sozial. Dass das mit der FDP nicht zu machen war, ist kein Geheimnis. Deshalb unterstützen wir den Antrag, das Klimageld endlich einzuführen.

Aber wir Grüne gehen noch weiter. Wir haben den Herbst des Klimawiderstandes im Bundestag ausgerufen. Denn wenn Sie als Regierung schon nicht für den Klimaschutz und auch nicht für soziale Gerechtigkeit stehen, dann müssen wir das eben tun. Wir bringen allein in dieser Woche drei Anträge ein, die dafür stehen: für ein dauerhaftes Deutschlandticket, für das Festhalten am Verbrenner-Aus 2035 und für ein Ende aller Gasbohrungen in Deutschland.

Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie diese Regierung Lobbypolitik für Reiche und gegen das Klima macht. Und wir werden ganz sicher nicht dabei zusehen, wie sie Bürgergeldempfänger fertigmacht, damit Superreiche weiter CO2 in die Luft blasen können. Wir halten dagegen: mit dem Klimageld, mit dem Deutschlandticket, mit dem Verbrenner-Aus und mit einer klaren Botschaft an diese Regierung: Wer Klimaschutz blockiert, wird Widerstand bekommen – im Parlament und draußen im Land.

Vielen Dank.

Ich darf für eine Kurzintervention dem AfD-Abgeordneten Balten das Wort erteilen.

Porträt von Adam Balten
Foto: Adam Balten / Tobias Ebenberger
1 Vermerkca. 148 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Als Erstes vielen lieben Dank für die ganzen emotionalen Ausführungen, die wir hier schon wieder erleben konnten! Es wird sehr viel geredet. Man versucht natürlich, die Leute mit so einem populistischen Gequatsche emotional mitzunehmen. Da wir aber die Fraktion sind, die auf empirische Zahlen, Daten und Fakten setzt,

also auf messbare Zahlen, würden wir ganz gern wissen: Wo fängt bei Ihnen denn „superreich“ an?

Ich möchte es, wenn Sie jetzt quasi einen Kulturkampf „Arm gegen Reich“ anstoßen, einfach nur verstehen, damit ich ein bisschen Planungssicherheit habe und auch die Leute hier oben auf den Tribünen wissen, wer denn genau als „superreich“ gilt. Ab welcher Zahl ist man reich, und ab wo wird man dann von Ihnen geknechtet?

Vielen Dank.

Porträt von Johannes Wagner
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen/ Stephan Kaminski
4 Vermerkeca. 126 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, es gibt Analysen, die besagen, dass die reichsten 5 Prozent der Welt für rund 70 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich sind.

Die leben ja gar nicht alle in Deutschland!

Diese reichsten 5 Prozent sind Menschen, die teilweise Jahreseinkommen in sechsstelliger Größenordnung haben.

Zurufvon der AfD: Sie verdienen doch sechsstellig!

Ich glaube, dass wir dort genau hingucken müssen. Es kann nicht sein, dass jeder normal verdienende Mensch in Deutschland darunter leidet, wenn andere mit ihren Jachten und ihren Privatjets das Klima verpesten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Donata Vogtschmidt [Die Linke]

Ich darf für die CDU/CSU-Fraktion den Abgeordneten Koller aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Hans Koller
Foto: Hans Koller/ Verena S. Mautner
15 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 772 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mein Vorredner hat es wieder deutlich gemacht: Wie gut ist es für Deutschland, dass die Grünen nicht mehr an der Regierung sind!

Oijoijoi!

Wir erleben permanent von der einen Seite – ich wiederhole mich; ich habe das an der Stelle schon öfter gesagt –

Das ist leider wahr!

die Rede vom Weltuntergang bis hin zu Dingen, die es gar nicht gibt. Das gilt für mehrere Themen. Wir können froh sein, eine Regierung der Mitte zu haben, die mit Augenmaß, aber auch mit einer gewissen Verantwortung die Klima- und Nachhaltigkeitspolitik mitgestaltet, statt die Augen zu verschließen und nur Ideologien zu bedienen, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Wir beraten heute einen Antrag der Linken zum Klimageld: 320 Euro soll es pauschal pro Person rückwirkend geben. Sie schreiben dazu: „Sofort und sozial gerecht“.

Meine Damen und Herren, das ist weder „gerecht“, noch kommt es „sofort“. Es wird eine große Bürokratie nach sich ziehen, um Geld mit der Gießkanne zu verteilen. Ich glaube, das ist nicht der richtige Weg. Wir sollten hier einmal genauer hinsehen.

Zurufdes Abg. Jörg Cezanne [Die Linke]

Es hat keinerlei Wirkung im Sinne der Klimapolitik. Es hat keine Auswirkung auf den CO2-Ausstoß.

Zurufvon der Linken: Falsch!

Und es bietet auch keinerlei Anregung für eine notwendige Transformation. Es ist nur die großflächige Verteilung von Steuergeld ohne jeglichen Lenkungseffekt, wie wir es vom Sozialismus her gewöhnt sind.

Zurufder Abg. Janine Wissler [Die Linke]

Natürlich ist dieses System gescheitert.

Meine Damen und Herren, machen Sie doch einmal die Rechnung!

Zurufvon der Linken: Haben wir!

Wenn ich 84 Millionen Einwohner mal 320 Euro nehme, dann sind das überschlagen 27 Milliarden Euro – Geld, das an anderer Stelle weitaus sinnvoller eingesetzt werden kann. Mit Blick auf Ihre Forderungen: Geld kann man nicht beliebig oft ausgeben. Das ist vielleicht ein Stück weit als Nachhilfe dessen zu verstehen,

was soziale Marktwirtschaft beinhaltet.

Wir haben mit der bisherigen CO2-Bepreisung Investitionen angestoßen. Wir haben Mittel für den öffentlichen Nahverkehr eingeplant.

Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage von Bündnis 90/Die Grünen gestatten?

Rednerwechsel

Ja.

Herr Kollege Koller, vielen Dank, dass Sie meine Frage gestatten. – Ich bin Mitglied im Haushaltsausschuss, und da benutzen wir manchmal Taschenrechner. Wenn ich 320 mit 84 Millionen multipliziere, komme ich auf 2,7 Milliarden. Teilen Sie diese Rechnung?

Rednerwechsel

Entschuldigung, das war ein Sprachfehler.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ist ja nur ein kleines Detail!

Es wird aber nichts an der Systematik verändern,

dass es trotzdem Geld ist, das man mit der Gießkanne ausgibt, und man so notwendige Investitionen in eine nachhaltige, zukunftsgerichtete Politik verhindert. Sie verfehlen das Ziel der Gerechtigkeit, weil jeder den gleichen Betrag bekommt.

Sie geben niemandem irgendwas!

Es ist weder zielgerichtet, noch ist es gerecht. Und die Bürokratie dahinter bindet Mittel.

Die CDU/CSU hat im Wahlprogramm angekündigt: Die vollständige Rückgabe der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung soll über die Reduzierung der Stromsteuer auf das europäische Minimum und über eine Halbierung der Netzentgelte erfolgen. Das ist gerecht, das ist einfach und hat eine echte Wirkung, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Zurufdes Abg. Georg Schroeter [AfD]

Wir sind eingestiegen in die Senkung der Netzentgelte: 6,5 Milliarden Euro aus dem KTF sind ab 2026 hierfür vorgesehen. Das schafft eine unmittelbare Entlastung der Bürger. Sie erfolgt unbürokratisch, an der richtigen Stelle. Und von ihr profitieren auch die Unternehmen, die mit Investitionen in die Zukunft die Transformation mitgestalten. Es werden die Wirtschaft und die Bürger gefördert. Wir bleiben hier dran: Wir wollen bis 2027 auch die Senkung der Stromsteuer realisieren.

Wir brauchen, meine Damen und Herren, keine symbolischen Geldgeschenke. Wir müssen eine echte und nachhaltige Politik gestalten, die den Namen auch verdient, nämlich im Sinne dessen, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ auf sozialen, ökologischen und ökonomischen Grundlagen fußt. Das sollten Sie noch lernen. Deshalb werden wir Ihren Antrag ablehnen.

Herr Kollege Koller.

Rednerwechsel

Letzter Satz, Herr Präsident. – Ich weiß auch nicht, warum wir den Antrag noch in einen Ausschuss überweisen sollten und nicht hier gleich abstimmen können.

Herr Kollege Koller.

Rednerwechsel

Er ist nicht zustimmungsfähig.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich darf zum Abschluss der Debatte dem AfD-Abgeordneten Schmidt das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Jan Wenzel Schmidt
Foto: Jan Wenzel Schmidt
10 Vermerkeca. 435 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Die Linke hat wieder einmal eine Chance für die Umverteilungsmaschine entdeckt. Diesmal nennt sie es Klimageld:

Widerspruchdes Abg. Jörg Cezanne [Die Linke]

320 Euro pro Nase jedes Jahr direkt aufs Konto. Klingt ja fast wie ein Netflix-Abo für schlechtes Gewissen! Bezahlen tun die Bürger mit ihren Heizkosten, ihren Spritrechnungen. Zurück gibt es dann ein Bonbon vom Staat – natürlich erst, nachdem die Bürokratie sich sattgefressen hat.

Meine Damen und Herren, das ist kein Klimaschutz; das ist ein Taschenspielertrick. Erst wird den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen mit einer CO2-Abgabe, die den Mittelstand, Handwerker und Pendler massiv belastet. Und dann stellt man sich hierhin und verkauft die Rückgabe eines Bruchteils dieser Beute als soziale Wohltat.

Zurufevon der Linken

Das ist ungefähr so, als würde man jemandem das Auto klauen und dann stolz den Rückspiegel zurückgeben.

Beifallbei der AfD

Die Linke redet von „sozial gerecht“; aber gerecht ist hier gar nichts. Denn wer arbeitet, wer Steuern zahlt, wer sein Auto braucht, um morgens zur Arbeit zu kommen, der wird weiter geschröpft. Die Großstadtpolitiker, die mit Chauffeur und Fahrdienst von Sitzung zu Sitzung kutschiert werden, belehren die Menschen auf dem Land, sie sollten gefälligst mit Wollpullover und kalten Füßen durch den Winter kommen. So klingt Klimaideologie, wenn man selbst im Warmen sitzt.

Beifallbei der AfD

Und dann soll dieses Klimageld auch noch einkommensabhängig gestaffelt werden. Mit anderen Worten: Wer hart arbeitet und mehr verdient, der kriegt weniger zurück oder gar nichts.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Aber die, die ohnehin schon von Transferleistungen leben, dürfen sich freuen. Das ist nicht Klimaschutz. Das ist Umverteilungssozialismus im links-grünen Gewand.

Beifallbei der AfD

Wir als AfD sagen: Hören Sie endlich auf, den Bürgern mit Ihrer Klimaideologie das Leben immer teurer zu machen!

Wir geben Geld zurück!

Wir brauchen keine neue Subventions- und Auszahlungsbürokratie. Wir brauchen die Abschaffung der CO2-Abgabe.

Beifallbei der AfD

Das wäre wirklich sozial gerecht, weil dann alle entlastet werden: vom Familienvater auf dem Land bis zur Rentnerin in der Stadt.

Meine Damen und Herren, Sie von den Linken verkaufen uns hier eine Mogelpackung. Sie nennen es Klimageld; wir nennen es Klimaklau.

Beifallbei der AfD

Der Staat nimmt, verteilt um, verschwendet, und am Ende bleibt für die Bürger weniger in der Tasche. Deshalb lehnen wir diesen Antrag entschieden ab. Was Deutschland braucht, ist keine neue Almosenpolitik, sondern Freiheit, weniger Steuern, weniger Abgaben und vor allem weniger linker Quatsch.

Beifallbei der AfD
Porträt von Hans Koller
Foto: Hans Koller/ Verena S. Mautner
1 VermerkZwischenfrageca. 118 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident – –

Entschuldigung, Herr Koller, ich vermute, dass Sie den Redner meinen.

Rednerwechsel

Nein, ich meinte den Zwischenfrager bei meiner Rede.

Jetzt wird es ganz interessant.

Rednerwechsel

Ja, es ist interessant.

Herr Kollege Koller.

Rednerwechsel

Er hat mich erwischt.

Herr Kollege Koller.

Rednerwechsel

Ich hatte keinen Rechenfehler, sondern es sind tatsächlich 26,7 Milliarden Euro. Sie haben mich nur erwischt, sodass ich dachte, ich hätte mich verrechnet. Das wollte ich klarstellen: Es sind gut 26 Milliarden Euro. Beim Rechnen fehlt es dann doch nicht bei uns, sondern eher bei den Grünen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU