Im GEG gab es zwei Sachen miteinander zu verbinden, und das musste geschafft werden. Das eine ist: Wir brauchen natürlich ein behagliches Wohnklima in neuen Gebäuden, keine Frage. Und wir brauchen weder für Mieter noch für Selbstnutzer die Überforderung bei Nebenkosten. So weit, so richtig. Und wir müssen uns darum kümmern, dass wir das Klima retten. Diese beiden Sachen waren zu kombinieren; das ist nicht gerade gut gelungen. Warum nicht? Weil wir darauf achten müssen, dass wir niedrige Baukosten haben. Wir wollen ja niedrige Mieten in Deutschland; das haben Sie sich ja vorgenommen.
Damit Sie mich nicht missverstehen: Ich will anders als die Truppe da drüben keine zugigen Bretterbuden bauen, indem ich alles abschaffe. Wir brauchen Standards; keine Frage, das sollte so sein. Ich bin auch dafür, dass man Gesetze zusammenlegt, wenn dadurch entbürokratisiert wird. Das hat aber nicht funktioniert. Warum Sie sich aber so auf den Primärenergiebedarf stürzen und dabei Sachen völlig außer Acht lassen, verstehe ich nicht. Wenn CO2-Einsparung das Maß aller Dinge ist: Gebäudesektor rein in den CO2-Zertifikatehandel, jedes Jahr CO2-Zertifikate rausnehmen, und die CO2-Neutralität ist 2050 geschafft wie gewünscht.
Sache erledigt! Sie selber nehmen sich doch vor: Wasserstoffinitiative, viele andere Sachen, vielleicht zu Energieträgern zu kommen, die CO2-neutral sind. Warum schreiben Sie also an dieser Stelle den Leuten vor, wie viel Energie sie brauchen?
Ich sage Ihnen etwas: Wenn die Bürger in diesem Land losgehen und sagen: „Ich habe da so einen Schmerz im Bauch; das ist so ein Bauchgefühl: Warum muss ich eigentlich statt 10 Zentimeter 20 Zentimeter dämmen? Warum muss ich eine Lüftungsanlage einbauen?“, dann sind das keine Klimaleugner, sondern sie sagen: Das verbraucht doch alles CO2. Die Dämmung muss produziert werden; die ist aus Polystyrol. Da ist Rohöl drin, und bei der Produktion entsteht Methan. Die Leute von der Baufirma kommen mit einem Diesellaster an. Ich muss einen langen Plastedübel reinbohren; das hält aber nur 10 bis 15 Jahre. Spare ich in dieser Zeit überhaupt so viel CO2 ein oder nicht? – Die Beantwortung dieser Frage bleibt das Gesetz nämlich schuldig.
Deshalb ist es Schwachsinn, sich auf die Primärenergie zu stürzen; das ist nämlich das Ziel.
Wenn die Zielgröße Klimaschutz ist, dann kann die Antwort darauf nur CO2-Minimierung sein.
Dieses Vorschreiben von zu verbrauchender Energie, wissen Sie, woran mich das immer erinnert? Das erinnert mich daran: Ich kaufe mir ein Auto, und der Hersteller sagt mir, wie viel Sprit ich verbrauche. Das hat noch nie funktioniert,
bei mir zumindest nicht. Denn es gibt keinen Standardbürger in einem Standardhaus, der sein Standardzimmer auf eine Standardtemperatur heizt; das funktioniert nicht.
Ich komme vom Bau; ich habe eine Baufirma. Ich war bei genug Neubautenwartungen und Umbauten dabei. Es gibt Millionen falsch eingestellter Heizungen. Die können noch so gut geplant und gebaut worden sein – wir haben nicht genug Wartungsingenieure, die die Heizungen warten; da haben wir ein riesengroßes Problem. Die Heizungen blasen nämlich – anders als Ihre Rechnung am Schreibtisch – ein Vielfaches an CO2 heraus, denn wir legen dem nicht Realwerte zugrunde, sondern rein rechnerische Werte; das ist doch Mist.
Warum eigentlich eine Mindestanlagengröße? Das wäre genau so, als wenn Sie mir eine Mindestmützengröße für den Winter vorschreiben würden.
„Schwachsinn!“, sage ich dazu.
Ich würde mich freuen, wenn es nicht nur im Anschluss an dieses Gesetz und viele andere Gesetze, sondern auch nach Ihrer Regierungszeit noch ein Land gibt, in dem wir gut und gerne leben. Dem sind wir zumindest mit diesem Gesetz nicht ein Stück näher gekommen; es tut mir leid.