Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Bereich der Schiene – das hatten wir heute schon mal – gibt es aktuell leider nicht viele gute Nachrichten. Anders ist es bei der „Kurve Kassel“, über die wir unter diesem Tagesordnungspunkt sprechen.
Das ist eine eingleisige elektrifizierte 5,3 Kilometer lange Neubaustrecke für 1,25 Milliarden Euro. Damit können die Knoten Hannover und Magdeburg und die Strecke dazwischen von Güterzügen aus den niederländischen und belgischen Häfen entlastet werden. Auf den ersten Blick also keine spektakuläre Sache – ich verstehe auch nicht, warum die Ampel dieses Projekt ein Dreivierteljahr hat liegen lassen oder ein Dreivierteljahr gebraucht hat, um sich da zu einigen –;
aber das Besondere und Schöne an dieser Neubaustrecke ist: Damit kann die Fahrzeit für Güterzüge um bis zu 45 Minuten verkürzt werden – gut für das Vorhaben, mehr Güter auf die Schiene zu bringen. Und die Güterzüge müssen nicht mehr in die Stadt Kassel hineinfahren – gut für die dort lebenden Menschen, die vom Durchgangsverkehr entlastet werden.
Vor allem die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung bei diesem Schienenprojekt war durchaus vorbildhaft. Ich freue mich, dass das von uns zusammen mit der SPD 2016 eingeführte Verfahren der parlamentarischen Befassung auch weiterhin erfolgreich ist; darauf wird mein hessischer Kollege Björn Simon nachher noch eingehen.
Um was geht es denn bei der „Kurve Kassel“? Bislang fahren die Güterzüge von Immenhausen aus dem Norden kommend nach Kassel hinein bis zum Hauptbahnhof im Süden der Stadt – ein Kopfbahnhof. Dort muss umgespannt werden, also die Lok ans andere Ende des Zuges gesetzt werden. Dass das unnötig Zeit, Personal und Geld verbraucht, ist offensichtlich. Und dann fährt dieser Güterzug wieder ein Stück durch die Stadt zurück, bevor er nach Osten abschwenkt Richtung Ihringshausen, um dort auf die Bestandsstrecke zu stoßen.
Zukünftig werden die Züge vor Vellmar gleich nach Südosten abschwenken, in einem Tunnel an Kassel vorbeigeführt und kommen, wie gesagt, in Ihringshausen wieder auf die Bestandsstrecke. Eine Win-win-Situation – für die Spediteure und für die Menschen in Kassel!
Abschließend möchte ich noch eine Lanze für den Schienengüterverkehr brechen, weil dieser neben dem Fern- und Nahverkehr oftmals wenig Beachtung findet. Wir brauchen mehr Güter auf der Schiene, wir brauchen auch einen Ausbau und eine bessere Infrastruktur für den Güterverkehr. Wir brauchen die politische Unterstützung für diese wichtige Branche und keine Planungsunsicherheit durch massive Kürzungen im Haushalt.
Die „Kurve Kassel“ ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Bauen Sie sie jetzt bitte auch zügig!
Vielen Dank.