Werter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Arbeit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist schlecht, sie ist stur, und sie ist schnöd. Wenn es eines Beweises dafür bedurft hätte, dann ist dieser vorliegende Antrag der Beweis. Denn Sie haben es sich tatsächlich getraut, hier zwei Seiten vorzulegen, eigentlich nur eine Seite Text, und etwas zu beantragen, von dem Sie selbst gar nicht zu definieren wissen, was Sie eigentlich beantragen wollen.
Wir können einfach nur daraus schließen, dass Sie die Achtstundentage und die Fünftagewoche zugunsten einer neuen wöchentlichen Höchstarbeitszeit abschaffen wollen.
Ansonsten beauftragen Sie die Bundesregierung, irgendwas zu tun, was sie sich ausdenken möchten, nach den Kriterien, die Sie so ein bisschen vorgegeben haben, meine Damen und Herren.
Sie sind auch stur. Denn alle Abgeordneten in der ersten Lesung, alle Abgeordneten im Ausschuss, alle Sachverständigen außer den CDUlern haben gesagt: Das ist völliger Mist. Lassen Sie die Finger davon. – Trotzdem quälen Sie uns hier in der zweiten Lesung mit diesem Antrag.
Das Schlimmste aber ist: Dieser Antrag ist schnöd. Er verachtet diejenigen, die Sie mit dem Antrag eigentlich zu fördern vorgeben. Sie fordern mehr Freiheit für Beschäftigte und Familien. Und Ihre Forderungen laufen genau auf das Gegenteil hinaus, meine Damen und Herren.
Wie kann man allen Ernstes mehr Arbeit pro Woche fordern? Wie kann man allen Ernstes eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden fordern?
Das steht nämlich in Ihrem Antrag. Sie beziehen sich in Ihrem Antrag auf die EU-Arbeitszeitrichtlinie. Sie wollen die Fünftagewoche kippen; Sie wollen den Achtstundentag kippen.
Sie wollen letztendlich, dass die Leute nicht mehr planbar arbeiten können und dass sie mehr arbeiten müssen jeden Tag,
dass der Arbeitgeber – theoretisch – in der Früh ins Büro kommen und sagen kann: Jetzt arbeitest du mal 16 Stunden. – Das wäre dann erlaubt. Und das verkaufen Sie als mehr Freiheit für die Familien?
Das ist wirklich unwürdig, meine Damen und Herren.
Und weil Sie ja immer vorgeben, konservative Wähler zu vertreten, möchte ich Ihnen jetzt einmal Ihren Antrag aus konservativer Wählersicht aufrollen, damit die mal sehen, dass Sie alles andere als konservativ und freiheitlich sind.
Zum Ersten. Ein konservativer Wähler möchte eigentlich gerne die Traditionen behalten und möchte nur dann etwas ändern, wenn es dringend geändert werden muss. In Deutschland – da sind wir uns hoffentlich einig – ist genug zu ändern, zum Beispiel Merkels Migrationspolitik oder die Energiepolitik der Ampel. Aber das Arbeitszeitgesetz gehört eigentlich nicht dazu,
eine Flexibilisierung der Arbeitszeit auch nicht; denn das Arbeitszeitgesetz funktioniert eigentlich im Großen und Ganzen.
Die Fünftagewoche und der Achtstundentag sind sogar eine wesentliche deutsche, patriotische Errungenschaft. Es waren die Gewerkschaften in den 50er- und 60er-Jahren mit der Botschaft „Samstags gehört Vati mir“, die es erreicht haben, dass wir von 48, 49 Stunden runterkamen auf nur noch 40 Stunden die Woche, die gearbeitet werden müssen. Das war eine Errungenschaft. Solche Errungenschaften wollen Sie als angeblich Konservative kippen. Das zeigt, wie Sie denken, meine Damen und Herren.
Vor allem aber will ein Konservativer die Familie schützen, will den Eltern Zeit mit den Kindern ermöglichen. Sie nehmen genau diese Zeit weg. Es kann wieder eine Sechstagewoche geben, es kann wieder 48-Stunden-Wochen geben. Es ist Ihnen völlig egal, wie es den Eltern mit ihren Kindern geht. Da zeigen Sie Ihr wahres Gesicht.
Als Sie Angela Merkel noch hatten, haben Sie die Leute wenigstens so verladen, dass es die Leute nicht gemerkt haben. Jetzt schreit Ihr Antrag ganz offen, dass Sie die Leute aufs Glatteis führen wollen, meine Damen und Herren.
Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Ein Wähler, der Traditionen und die Freiheit liebt, ein konservativer Wähler, wurde bereits unter Merkel und wird nach wie vor von der CDU/CSU ständig verladen. Wer Freiheit und Traditionen liebt, der sollte nicht die Arbeitszeit flexibilisieren, sondern seine Wählerstimme.
Haben Sie vielen Dank.