Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kommen wir einfach zurück zu seriöser Geschichtspolitik. Ich möchte mit einem Moment der Stille beginnen, einem Moment, den ich persönlich nie vergessen werde. Ich stand mit einer Schülergruppe auf einem deutschen Soldatenfriedhof in Frankreich. Die Jugendlichen waren, wie es Teenager nun mal sind, zunächst sehr laut und unruhig. Doch als sie die Grabreihen sahen, Tausende Kreuze, jedes für ein Leben, wurde es still. Ein Schüler flüsterte: Das sind alles Menschen, nicht Zahlen. – Und genau darum, meine sehr verehrten Damen und Herren, geht es heute.
Als ehemaliger Geschichtslehrer habe ich viele solcher Besuche begleitet. Meine Erfahrung: Hier, inmitten der Gräber der Soldaten, lässt sich der Schrecken des Krieges eindrücklich vermitteln. Jeder Friedhof erzählt Geschichten: von jungen Männern, die nie zurückkehrten, von Familien, die nie erfuhren, wo ihr Sohn geblieben ist, aber auch von Versöhnung, die erst Jahrzehnte später begann. Kriegsgräber sind keine Statistiken. Sie sind menschliche Schicksale – in Stein gemeißelt.
Diese Orte wären nicht das, was sie sind, ohne die Menschen, die sie pflegen. Ich spreche von den Ehrenamtlichen, die mit Hingabe und Würde dafür sorgen, dass kein Grab vergessen wird. Sie arbeiten oft im Verborgenen, doch ihre Wirkung ist sichtbar. Sie sind die stillen Botschafter unserer Erinnerungskultur.
Der Antrag, den wir Ihnen heute zur Abstimmung stellen, ist ein klares Bekenntnis, ein Bekenntnis zur historischen Verantwortung, ein Bekenntnis zur aktiven Friedensarbeit. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge leistet seit über 100 Jahren eine Arbeit, die Generationen verbindet und Verständigung ermöglicht, über alle Grenzen hinweg. Deswegen ist es ein starkes Zeichen, dass wir für dieses Jahr zusätzliche 2 Millionen und für das kommende Jahr weitere 2,5 Millionen Euro im Bundeshaushalt für die Kriegsgräberfürsorge vorgesehen haben.
Mit diesem Geld ermöglichen wir dem Volksbund, neue digitale Bildungsformate zu entwickeln, Investitionsstaus abzubauen und die UNESCO-Welterbestätten zu erhalten – ganz im Sinne unseres Antrags.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, Albert Schweitzer sagte einmal: „Soldatengräber sind die Prediger des Friedens.“ Dieser Satz ist Mahnung und Auftrag zugleich. Ich bitte Sie daher: Stimmen Sie diesem Antrag zu – aus historischer Verantwortung und aus menschlicher Überzeugung!
Vielen herzlichen Dank.
Für die AfD-Fraktion darf ich Herrn Dr. Frömming das Wort erteilen.