Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen!
„In a foreign field, he lay Lonely soldier, unknown grave On his dying words, he prays Tell the world of Passchendaele“
Das ist ein Lied der britischen Band Iron Maiden über die dritte Flandernschlacht 1917 um Ypern. Die dritte Flandernschlacht, die vier Monate gedauert hat, hat 550 000 Leben gefordert, oftmals junge Menschen, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatten.
Zwei Jahre später, nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1919, hat sich dann der Volksbund gegründet. Er ist ein zivilgesellschaftlich getragenes Symbol deutscher Verantwortung aus den Verheerungen des Ersten Weltkriegs. Er steht für Frieden und Versöhnung.
Im Jahr 2025, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, muss uns immer wieder deutlich werden: Geschichte vergeht nicht von selbst. Wir haben eine Verantwortung für ein „Nie wieder!“, eine Verantwortung, die wir gemeinsam tragen müssen. Ich will deutlich machen: Auch in diesen Zeiten werden jedes Jahr immer noch Kriegstote des Ersten und Zweiten Weltkrieges geborgen, gerade in der Ukraine, wenn Schützengräben ausgehoben werden.
Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist klar: kein Relativieren, kein Schlussstrich! Wir benennen Täter, wir würdigen Trauer, und wir stärken die Bildungsarbeit des Volksbundes gegen Nationalismus, gegen Rassismus und gegen das ideologische Denken, das zu zwei verheerenden Weltkriegen auf diesem Kontinent geführt hat.
Ich will es deutlich sagen: Kriegsgräberfürsorge ist eine öffentliche Aufgabe. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erhält auch nach über 100 Jahren des Bestehens weiter den Auftrag. Aber er braucht mehr Unterstützung. Es gibt Investitionsstau, es gibt gestiegene Bau- und Pflegekosten, es gibt auch neue rechtliche und technische Anforderungen. Das Ehrenamt und auch die Spenden tragen sehr viel zur Unterstützung der Arbeit des Volksbundes bei. Aber die Spenden sind nicht mehr so hoch wie in früheren Jahren, und auch die Mitgliederzahl ist rückläufig. Darum ist es richtig und ein wichtiges Zeichen gewesen – ich will den Haushaltspolitikerinnen und Haushaltspolitikern dafür meinen ausdrücklichen Dank aussprechen –, dass es in der Bereinigungssitzung gelungen ist, die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge – wir haben es bereits gehört – weiter zu unterstützen und mehr Geld in diese wichtige Arbeit zu stecken. Vielen Dank an die Kolleginnen und Kollegen, die das möglich gemacht haben!
Der gemeinsame Antrag, den wir heute verabschieden, der ja auch auf Gesprächen der letzten Legislaturperiode fußt, sieht drei Prioritäten vor: den Abbau des Investitionsstaus, die Stabilisierung der wichtigen Bildungs- und Jugendarbeit mit Workcamps, Begegnungen und auch digitaler Vermittlung, aber letztendlich auch den Aufbau eines zentralen digitalen Kriegsgräberregisters, was die Auffindbarkeit, die Forschung, aber auch die pädagogische Nutzung verbessern soll.
Der Volksbund bleibt auch im 106. Jahr seines Bestehens unverzichtbar. Er übersetzt abstrakte Zahlen – ich habe es vorhin angesprochen: 550 000 Gefallene bei der dritten Flandernschlacht – in erfahrbare Geschichte. Die Orte, um die sich der Volksbund kümmert, sind keine Kultstätten; sie sind Lernorte, wo wir aus der Geschichte lernen und die Verantwortung dafür übernehmen, dass das nie wieder passiert. Der Volksbund, seine Arbeit und seine Lernorte sorgen für Verständigung über die Grenzen hinweg. Sie versuchen, Wunden zu schließen, wo Kriege sie geschaffen haben.
Wer heute, liebe Kolleginnen und Kollegen, in Erinnerung investiert, der verhindert morgen Relativierung bei jungen Menschen, in unserer Gesellschaft, international. Das Leitbild des Volksbundes ist aktueller denn je: „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“. Ich bitte um Zustimmung zu diesem Antrag.
Vielen Dank.
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen darf ich der Kollegin Göring-Eckardt das Wort erteilen.