Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Volksbund gab sich die Verpflichtung, das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt zu wahren, den Frieden unter den Völkern zu erhalten und die Würde des Menschen zu achten. Denn so wie die Würde des Menschen nicht erst mit der Geburt beginnt, so endet sie nicht mit dem Tod.
Man sagt, die Kultur eines Volkes erkenne man daran, wie es mit seinen Toten umgeht. Ob und wie man den Menschen die letzte Ehre erweist, ist ein Gradmesser der Zivilisation. Das gilt insbesondere für die Opfer von Kriegen. Heinrich Heine sagte einst: „Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte.“ Dort liegt ein Mensch mit all seiner Vergangenheit, mit seiner Kindheit, seiner Jugend, seiner ersten Liebe, ein Mensch mit all seinen Hoffnungen und Träumen, mit all seinen Sorgen und Ängsten. Grausam, dass so viele Geschichten auf immer ungeschrieben bleiben. Denn es geht nicht nur um das, was war, sondern auch um das, was hätte sein können. So viele Menschen, die einen gewaltsamen frühen Tod fanden, jeder einzelne um seine Zukunft gebracht, Welten voller Möglichkeiten ausgelöscht!
Der Volksbund hat die Aufgabe, den Angehörigen einen Ort für ihre Trauer zu geben, einen Raum jenseits von Schuldzuweisungen, und den Trost, dass der Verstorbene eine angemessene Ruhestätte gefunden hat. Dies ist umso wichtiger, wenn in Kriegen menschliche Schicksale zu einer bloßen Zahl in einer Statistik werden.
Es geht aber um mehr als nur um die Aufarbeitung der Vergangenheit. Die mahnende Stimme der Kriegsgräber verliert nie an Aktualität. In einer Zeit, in der in Deutschland die Kriegstauglichkeit gefordert wird, erinnern uns gerade die Kriegsgräber mit ihren zahllosen Toten an die immense Verantwortung, die ein Staat, eine Regierung für das Leben der ihr anvertrauten Soldaten trägt. Menschenleben dürfen niemals leichtfertig in vermeidbaren kriegerischen Abenteuern sinnlos verschwendet werden.
Da die Würde des Menschen nicht mit dem Tod endet, geht auch die Verantwortung eines Staates für seine Soldaten über den Tod hinaus. Den Volksbund in seiner wichtigen Arbeit des respektvollen Gedenkens zu unterstützen, muss uns deshalb ein gemeinsames Anliegen sein, ebenso wie das Streben nach einer Zukunft, in der keine weiteren Kriegsgräber benötigt werden.
Vielen Dank.