Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Präsident! „Dem deutschen Volke“ schreiben Sie über Ihren Antrag.
– Ja. – Familienglück wie in den 50er-Jahre-Heimatfilmen: Trauschein, deutsches Blut, ein Reihenhaus im Grünen. Willkommen im AfD-Märchenland! Aber das ist nicht die Realität der Menschen in diesem Land. Für uns als Linke ist Familie dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen,
egal ob verheiratet oder nicht, ob hetero oder – jetzt wird es ganz irre – queer, ob Patchwork oder Regenbogen. Das ist längst gelebte Praxis, ob Ihnen das gefällt oder nicht.
Und trotzdem müssen lesbische Mütter oder Transeltern vor Gericht darum kämpfen –
Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion?
– nein –, als Eltern anerkannt zu werden.
– Bin ich. – Viele Kinder wachsen in Patchworkfamilien auf oder werden von alleinerziehenden Frauen großgezogen. Die familienfeindliche AfD sagt: Ihr gehört nicht dazu; ihr seid nicht normal.
Sie reden immer von Schutz der Familie, aber meinen in Wahrheit Kontrolle über Frauen.
Und da muss ich auf Ihren Antrag schauen. Frauen tauchen dort ausschließlich als Gebärmaschinen auf, mit Babykrediten gegen das Aussterben des deutschen Volkes.
Alles klar, herzlichen Glückwunsch! Das ist das Mutterkreuz 2.0.
Ihr Antrag spaltet. Und genau da liegt der Unterschied: Während die AfD Familien in ein enges Korsett zwingen will, das für die meisten gar nicht passt, ist die gelebte Realität der Familien für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir sind wirklich für Familien da, für alle. Wer Vielfalt leugnet, wird am Ende Gegner der Freiheit!
So. Wenn das jetzt geklärt ist, muss aber noch erstritten werden, unter welchen Bedingungen Familien leben. Denn Kinderkriegen ist für uns Frauen immer noch ein Armutsrisiko, wenn Mieten unbezahlbar sind, wenn die Kinderbetreuung so eine riesige Herausforderung ist.
Unsere Forderungen sind klar: Familien vor Armut schützen.
Wir wollen eine Reform beim Unterhaltsvorschuss und auch, dass Alleinerziehende wirklich abgesichert werden. Arbeitgeber müssen verpflichtet werden, Vereinbarkeit ernst zu nehmen. Wir wollen ein Elterngeld, das automatisch mit den Lebenshaltungskosten steigt, und ein modernes Abstammungsrecht.
Kinder und Frauen müssen besser vor Gewalt geschützt werden.
Und letzter Punkt – das ist mir besonders wichtig –: Frauen sollen selbst über ihren Körper bestimmen können.
Wir stehen an der Seite aller Familien, aller, die tagtäglich füreinander da sind. Und wissen Sie was? Im Gegensatz zu Ihnen ist Familie für uns kein Nostalgieprojekt.
Frau Abgeordnete.
Familie ist kein Blut. Familie ist Beziehung, Gespräche, Vertrauen und ein sicherer Hafen.
Frau Kollegin!
Und davon gibt es in diesem Land zum Glück viel mehr als in Ihrem Familienbild von 1933.
Vielen Dank.
Für die CDU/CSU darf ich aufrufen Ralph Edelhäußer.