Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Gesetzentwurf der AfD hat mich, ganz ehrlich gesagt, sprachlos gemacht.
Meines Erachtens bestätigt er erneut, dass eine seriöse, lösungsorientierte Politik mit der AfD schlicht unmöglich ist. Das liegt allein schon an der Sprache, die Sie hier wieder verwenden. Ich würde das mal Angstmache pur nennen, wahrscheinlich mit dem vorrangigen Ziel, Klickzahlen zu generieren.
Sie wollen – ich zitiere – „bürgerkriegsähnliche Zustände“ verhindern. Sie wollen die Transformation in eine Plan- und Staatswirtschaft verhindern. Oder Sie behaupten, dass die Energiewende zur „Zerstörung der bisherigen freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ führt.
Ganz ehrlich: Wenn etwas dazu führen würde, dann Sie und Ihre Politik.
Zum Inhalt Ihres Gesetzentwurfs: Sie wollen nicht weniger als die komplette Rückabwicklung der erneuerbaren Energien,
einen vollständigen Wiedereinstieg in das fossile Zeitalter samt Wiedereinstieg in die Kernenergie mit klassischen Reaktoren.
Mit den Gesetzesänderungen, die Sie in Ihrem Antrag hier vorschlagen, würden Sie 200 Gigawatt elektrische Leistung ins Feuer stellen.
Ganz ehrlich: Ich finde das unfassbar. Das ist nicht nur wirtschaftlicher Irrsinn, das steht auch im krassen Widerspruch zu Ihrer Aussage, dass Versorgungssicherheit für Sie oberste Priorität hat.
Und wie begründen Sie diesen radikalen Wechsel in die Frühzeit der Industrialisierung? Mit Zweifeln an der wissenschaftlichen Evidenz hinsichtlich des Klimawandels.
Dabei ist die herrschende Lehrmeinung – und ich betone: herrschende Lehrmeinung – hier unmissverständlich: Der Klimawandel ist da, und wir Menschen spielen dabei eine Rolle.
Was wir erleben, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eben kein Naturereignis. Natürlich ist es so, dass es absolute Sicherheit in der Wissenschaft nicht gibt.
Wir haben es hier mit komplexen Modellen zu tun, die letztlich Wahrscheinlichkeitsaussagen liefern. Aber selbst wenn es noch – ich betone das –Restunsicherheit gibt: Wie schlau ist es, das Problem vollständig zu ignorieren, so wie Sie das wollen? Angesichts der potenziell verheerenden Folgen des Klimawandels nicht besonders schlau, wie ich finde. Schlechtes Risikomanagement könnte man das auch nennen.
Was wir brauchen, ist keine 180-Grad-Wende zurück in die alte Welt; was wir brauchen, ist eine kluge Strategie, mit der wir für sichere, saubere und bezahlbare Energie sorgen. Und da müssen wir offen sein für alle Erzeugungsarten, die uns helfen können, diese drei Ziele zu erreichen.
Neben den erneuerbaren Energien werden wir für geraume Zeit viele andere Erzeugungsarten benötigen – das ist klar –, und natürlich werden wir auch weiterhin Energieimporte brauchen.
Ja.
Frau Präsidentin! Herr Kollege, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben das Risikomanagement und die Kernkraftwerke angesprochen. Inwiefern glauben Sie, dass es im Rahmen des Risikomanagements bei der Klimapolitik sinnvoll war, Kernkraftwerke abzuschalten zugunsten von LNG-Gas, das man dann erst teuer importieren musste aus der ganzen Welt und das gefrackt werden muss? Inwiefern halten Sie das im Rahmen des Risikomanagements für sinnvoll?
Vielen Dank für die Frage. – Ich glaube, ich habe nie einen Hehl daraus gemacht – ich war ja in der letzten Legislaturperiode Mitglied des Umweltausschusses; wir haben das Thema da intensiv begleitet –, dass es aus meiner Sicht sinnvoll gewesen wäre, die drei Kernkraftwerke, die noch am Netz waren, und die drei, die gerade erst abgeschaltet waren im Frühjahr 2022, für eine gewisse Zeit weiterlaufen zu lassen, bis wir klarer sehen.
Daraus habe ich nie einen Hehl gemacht. Allerdings habe ich auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Technologie der zweiten und dritten Generation der Reaktoren veraltet ist. Wenn überhaupt, dann müssen wir über Weiterentwicklungen hier nachdenken und nicht über das, was tatsächlich ja auch problembehaftet ist. Wir wissen um die Risiken. Es wäre also gut gewesen, diese Reaktoren weiterlaufen zu lassen. Aber die Messe ist hier gelesen. Die Kraftwerke sind zurückgebaut. Neu zu bauen, macht keinen Sinn:
viel zu teuer, dauert viel zu lange. Also müssen wir jetzt weitermachen mit dem, was wir haben.
Und da werden die Erneuerbaren natürlich eine Rolle spielen. Ihre komplette Abschaffung, die Sie fordern, wird es nicht geben.
Wunderbar, vielen Dank. – Was gilt es jetzt zu tun? Kurzfristig muss es Entlastungen beim Strompreis geben. Und auch hier liefert die Bundesregierung – wenn ich daran erinnern darf –, indem sie die Netzentgelte reduziert, die Gasspeicherumlage abgeschafft hat, die Stromsteuer für 650 000 Unternehmen bis weit in den Mittelstand hinein senkt und an einem Industriestrompreis arbeitet.
Alle diese Maßnahmen helfen; sie können aber keine Dauerlösung sein. Das würde den Staat, das heißt die Steuerzahler, finanziell überfordern. Für eine echte Lösung des Problems braucht es eine Ausweitung des Energieangebots und einen klugen strategischen Energiemix, und zwar sowohl kurzfristig als mittel- und langfristig. Um diesem Ziel näherzukommen, hat das Wirtschaftsministerium unter Führung von Katherina Reiche, die auch heute hier ist, eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Ein Stichwort ist hier das Energiemonitoring, damit endlich die ganzen Systemkosten der Erneuerbaren in den Blick genommen werden, darauf aufbauend ein Zehn-Punkte-Plan, mit dem unter anderem die Kraftwerksstrategie und die Kapazitätsmärkte vorangetrieben werden. Meines Erachtens besteht kein Zweifel: Wir brauchen mehr steuerbare Leistung. Das sagen übrigens nicht nur wir, sondern auch die Bundesnetzagentur. Das Kohlendioxidspeichergesetz, an dem sich Wirtschaftsminister Habeck die Zähne ausgebissen hat, ist seit letzter Woche Gesetz.
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich unserem Koalitionspartner für die wirklich sehr gute Zusammenarbeit in dieser Frage danken. Ich glaube, das haben die Berichterstatter hier wunderbar hinbekommen;
wir haben da ein tolles Gesetz. Das sind nur einige Beispiele in einer langen Liste von Maßnahmen, die ihre Wirkung entfalten werden; da bin ich mir absolut sicher.
Ich will an dieser Stelle aber noch einmal den Unterschied in den energiepolitischen Strategien der Parteien deutlich machen, nicht zuletzt, weil bald Wahlen in vielen Bundesländern anstehen.
Auf der einen Seite haben wir die Grünen, die seit Jahren eine Politik verfolgen, die vollständig und ausnahmslos auf erneuerbare Energien ausgerichtet ist. Alles andere ist Teufelszeug. Einer sicheren und vor allem bezahlbaren Energieversorgung hat uns diese Strategie aber kein Stück nähergebracht.
Im Gegenteil: Wir verlieren Wohlstand. Ich will es klar sagen: Diesen Weg gehen wir nicht mit.
Dann haben wir auf der anderen Seite des Spektrums die AfD. Sie leugnet den Klimawandel komplett
und lehnt die Erneuerbaren vollständig ab.
Beide Strategien weisen in die Irre.
Denn sie würden Deutschland entweder ärmer machen oder den Klimawandel beschleunigen.
Was wir stattdessen brauchen, ist eine gute Balance, eine kluge Politik der Mitte. Dafür steht diese Regierung.
Liebe Bürgerinnen und Bürger, eine pragmatische, eine erfolgsorientierte und eine zukunftssichere Strategie gibt es nur mit uns.
Wer noch Zweifel hat, ob das mit der AfD geht, der möge sich diesen Gesetzentwurf einmal zu Gemüte führen, am besten mit einem großen Glas Wein. Den Gesetzentwurf lehnen wir natürlich ab.
Vielen Dank.