Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich immer, wenn wir hier im Haus über Rohstoffe und die Rohstoffstrategie sprechen. Denn Rohstoffe – ich bin mir nicht sicher, ob das allen immer klar ist – stehen am Beginn jeder Wertschöpfungskette, und nur wenn wir eine sichere Versorgung hinbekommen, können wir überhaupt anfangen, über strategische Ansiedlungen, zum Beispiel einer Chipfertigung, einer eigenen Batteriezellfertigung oder einer Produktion von Permanentmagneten, zu sprechen.
Deswegen passt es übrigens ganz wunderbar, dass wir beim nächsten Tagesordnungspunkt die Einsetzung einer Kommission diskutieren, die die wirtschaftliche Abhängigkeit von China ein bisschen konkreter unter die Lupe nehmen und analysieren soll – übrigens insbesondere im Bereich Rohstoffe – und vor allem konkrete Vorschläge vorlegen soll. Wir dürfen aber nicht warten, bis die Kommission ein Ergebnis erarbeitet hat. Wir müssen jetzt handeln.
Wir handeln eigentlich auch schon die ganze Zeit, und zwar mit einem umfassenderen Ansatz. Auf europäischer Ebene haben wir den Critical Raw Materials Act. Da gibt es erste Projekte, und da ist ein guter Rahmen gesetzt. Wir werden sehr genau gucken, ob das hilft und ob wir konkret nachsteuern müssen; in einigen Bereichen deutet sich das ja an.
Auf nationaler Ebene haben wir in der Ampel den Rohstofffonds eingesetzt, der jetzt endlich – konkret: in diesen Tagen – faktisch an die Arbeit geht. Gott sei Dank sind die Themen geklärt. Wir werden da aber noch eine Schippe drauflegen müssen, würde ich sagen. Wir haben aber glücklicherweise im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD eine Aufstockung der Mittel vereinbart. Wir werden im Prozess prüfen, ob der Fonds richtig konzipiert ist.
Die Fördersumme von mindestens 50 Millionen Euro pro Projekt erscheint mir persönlich zum Beispiel zu hoch. Warum prüft man nicht, ob man nicht auch zehn kleine Projekte à 5 Millionen Euro fördern kann? Das Ergebnis könnte ja auch sein: Lieber drei oder fünf gelungene kleine Projekte als am Ende ein großes gescheitertes Projekt. Ich glaube auch, dass die Förderung früher einsetzen muss, insbesondere dann, wenn das Risiko für die Unternehmen noch größer ist. Wir können es uns rohstoffpolitisch nicht leisten, dass Projekte nicht weiterverfolgt werden, weil Banken das Risiko scheuen.
Aus dem gleichen Grund halte ich zum Beispiel die Idee eines Förderfonds für Explorationsvorhaben für sehr verfolgenswert. Exploration ist logischerweise zwingend notwendig, aber eben auch besonders risikoreich, was in der Natur der Sache liegt. Man braucht zielgerichtetes Handeln, auch bei dem Fonds, und man braucht natürlich immer auch sehr konkretes Wissen, zum Beispiel über die aktuelle Lage in dem Land oder in der Konstellation, in der man arbeiten will.
Mit der BGR und der DERA haben wir in Deutschland hervorragende Expertise im Bereich der weltweiten Rohstoffversorgung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das BMWE zusammen mit involvierten Unternehmen eine Round-Table-Reihe zu kritischen und strategischen Rohstoffen etabliert, um die Lagen regelmäßig zu analysieren und Lösungsoptionen zu erarbeiten.
Ich habe hier bereits 2022 angeregt, dass man bei der SPRIND, der Bundesagentur für Sprunginnovationen, zum Beispiel eine Challenge „Unabhängigkeit vom Import kritischer Rohstoffe“ initiiert. Dann könnten alle Interessierten ihre Ideen einreichen, von Forschungsinstituten bis hin zum Hobbybastler in der Garage. Das dann offen formulierte Ziel würde ein ganz breites Spektrum von möglichen Beiträgen ermöglichen.
Zum Beispiel hielte ich eine neue Fördermethode, um aus alten Abraumhalden kritische Rohstoffe zu gewinnen, für förderwürdig. Effiziente Recyclingtechnologie: förderwürdig. Neue Produkte, für die bisher kritische Rohstoffe gebraucht wurden, so konstruieren, dass sie mit weniger oder ohne kritische Rohstoffe auskommen: förderwürdig. Und natürlich hielte ich auch die Entwicklung neuer Materialien, die dieselben Eigenschaften haben wie kritische Rohstoffe und sie ersetzen können, für förderwürdig.
Die Agentur hätte den Charme, dass sie offen für Ideen ist, die noch niemand im Kopf hat und die deswegen auch nie von einer aktuellen Förderrichtlinie berücksichtigt werden würden. Entsprechend erfreut habe ich zur Kenntnis genommen, dass es bei der SPRIND aktuell die Tech Metal Transformation Challenge gibt, bei der die Rückgewinnung kritischer Metalle aus komplexen Abfallströmen untersucht wird – ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Ich glaube, dass es sehr geschickt wäre, wenn wir in die öffentliche Auftragsvergabe einen Resilienzbonus mit aufnehmen würden.
Dann wäre es für die Anbieter ein Vorteil, wenn sie regionale, europäische oder zumindest möglichst diversifizierte Lieferketten nachweisen könnten, auch wenn das im Einzelfall mit höheren Preisen verbunden ist.
Ich glaube, wir müssen konkret darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn Deutschland oder die EU Verträge über die garantierte Abnahme zu kostendeckenden Preisen abschließen würde, die ein kalkulierbares Geschäftsmodell für die Gewinnung, die Verarbeitung und das Recycling von strategischen und insbesondere kritischen Rohstoffen ermöglichen.
Wir müssen unbedingt darauf achten, dass wir den Fokus bei rohstoffpolitischen Debatten nicht nur auf kritische Rohstoffe verengen; denn auch die nicht kritischen können irgendwann kritisch werden und sind relevant.
Ich glaube, es ist wichtig, dass die Frage Rohstoffgewinnung auch rechtlich ins überragende öffentliche Interesse gestellt wird und dass wir der Diskussion darüber nähertreten.
Es gibt weiter viel zu tun. Es ist einfach falsch, sich auf den Markt zu verlassen und vielleicht nur einige Anreize zu setzen. Ich bin froh, dass wir in den letzten Jahren in dieser Debatte deutlich weitergekommen sind, und freue mich auf weitere Fortschritte und die weitere Diskussion.
Vielen Dank.