Herr Präsident! Wir sprechen heute nicht nur über die Frage, ob Herr Weimer korrupt ist.
Wir sprechen auch über die grundsätzliche Eignung von Ihnen, Herr Weimer, als Staatsminister für Kultur im Land von zehn Literaturnobelpreisträgerinnen und -trägern, im Land Goethes, im Land von Thomas Mann, die Sie selbst ja gerne so hochhalten. Wenn ich mir aber Ihre eigenen literarischen Veröffentlichungen anschaue, dann frage ich mich ernsthaft: Was ist eigentlich bei Ihnen los?
Ich bin queerpolitischer Sprecher meiner Fraktion. Ich bin wirklich niemand, der Berührungsängste im Umgang mit Körperlichkeiten hätte, ganz im Gegenteil.
Aber das Gedicht, das wohl von Ihnen stammt und kürzlich veröffentlicht wurde, ist derart widerwärtig, dass ich den Präsidenten nicht mal fragen möchte, ob ich es zitieren darf.
Nicht weil ich es nicht könnte, sondern weil ich weiß, dass mich das Präsidium zu Recht des Hauses verweisen müsste aus Respekt vor der Würde des Parlaments.
Deshalb stellt sich mir eine zentrale Frage, Herr Weimer: Wenn das bereits das ist, was Sie sich zu veröffentlichen trauen, was geht dann in Ihrem Kopf sonst noch so vor? Diese Frage muss uns doch beunruhigen.
Es reicht auch nicht, zu sagen, Ihre Veröffentlichungen seien ewig her. Denn wenn wir uns Ihre Äußerungen zum Thema Gendern, zur Vielfalt der Geschlechter oder zur Homosexualität betrachten, dann müssen wir doch feststellen: Es ist nicht besser geworden. Vielleicht haben Sie Ihren Ton angepasst, vielleicht vermeiden Sie heute die offenen widerwärtigen Formulierungen Ihrer lyrischen Phase. Aber inhaltlich, Herr Weimer, ist die Haltung dieselbe geblieben: menschenfeindlich und kulturlos.
Wir von der Linken wussten schon immer, dass Sie ungeeignet sind. Jetzt wissen es auch alle anderen. Und was Korruption angeht, sollte die AfD mal ganz kleine Brötchen backen. Ihr Laden ist doch selber korrupt bis zum Gehtnichtmehr.
Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Michael Hose das Wort erteilen.