Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit dem heutigen Gesetz zur Senkung der Luftverkehrsteuer setzen wir als Koalition aus SPD und CDU, CSU eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um, und zwar die Rücknahme der Erhöhung der Luftverkehrsteuer aus dem Jahr 2024. Ich will direkt zu Beginn betonen: Das ist der richtige Schritt, und das ist ein wichtiger Schritt. Warum ist das so? Nicht weil wir glauben, dass wir mit diesem Schritt alle Herausforderungen des Luftverkehrsstandorts Deutschland bewältigt hätten, sondern weil wir anerkennen, dass Deutschland im europäischen Wettbewerb zuletzt an Boden verloren hat und wir hier gegensteuern müssen.
Der Luftverkehr ist weit mehr als nur eine Frage von einzelnen Ticketpreisen oder Urlaubsplanungen. Er ist Teil unserer wirtschaftlichen Infrastruktur. Gute internationale Anbindungen sind entscheidend für Unternehmen, für Investitionen, für den Tourismus, für Messestandorte und für viele Regionen in unserem Land.
Genau das hat auch die öffentliche Anhörung im Finanzausschuss noch einmal sehr deutlich gemacht. Thomas Gehringer vom DGB hat beispielsweise eindrücklich auf die Bedeutung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Flughäfen hingewiesen, aber eben auch auf die Auswirkungen für die Beschäftigten. Denn hinter dieser Debatte stehen nicht nur Flugzeuge und Startbahnen, sondern auch Menschen: Beschäftigte an Flughäfen, in der Logistik, im Tourismus, in der Gastronomie, in Messe- und Dienstleistungsbereichen.
Die Absenkung sei ein Mutmacher für die Beschäftigten, die nun seit Jahren erleben, dass ihre Arbeit aufgrund von Kostendruck automatisiert oder sogar wegrationalisiert wurde, so seine Ausführungen. Und ich finde, genau das beschreibt einen wichtigen Punkt in dieser Debatte sehr treffend. Denn wenn wir über Wettbewerbsfähigkeit sprechen, dann tun wir das natürlich immer im Bereich von Investitionen und Unternehmensbilanzen, was auch wichtig ist. Aber wir müssen gleichermaßen auch darüber sprechen, was wirtschaftlicher Druck für Beschäftigte und für Arbeitsplätze bedeutet, für Perspektiven und für ganze Regionen in Deutschland.
Auch Dr. Sven Maertens vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat in der Anhörung betont: Die Branche braucht ein Signal. Und genau dieses Signal setzen wir jetzt mit der Koalition. Und zugleich hat er die Erwartungen an unmittelbare Preiseffekte realistisch eingeordnet. Genau diese Ehrlichkeit ist an dieser Stelle richtig und wichtig. Denn wir sollten und können diese Maßnahme nicht direkt daran messen, ob morgen plötzlich einzelne Ticketpreise billiger werden
oder der Urlaub insgesamt günstiger wird.
Entscheidend ist vielmehr die strukturelle Wirkung. Deutschland liegt beim Luftverkehr weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau.
Die meisten europäischen Länder haben dagegen schon wieder einen Wachstumspfad aufgenommen. Das zeigt: Hier geht es um mehr als um kurzfristige Preisbewegungen. Es geht um die Frage, ob Deutschland als Luftverkehrsstandort langfristig attraktiv bleibt.
Dabei geht es konkret darum, ob Verbindungen bestehen bleiben, ob Kapazitäten weiter ins Ausland verlagert werden und ob Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Wachstum künftig eher in Deutschland oder zunehmend anderswo stattfinden. Deshalb ist die heutige Absenkung aus unserer Sicht, wie gesagt, ein erster wichtiger Schritt.
Aber wir sollten nach dieser Anhörung auch ehrlich genug sein, zu sagen: Die Debatte endet hier noch nicht. Wir werden uns weiter damit beschäftigen müssen, wie wir den Standort Deutschland stärken, wie wir Wettbewerbsfähigkeit, gute Arbeit, soziale Verantwortung zusammenbringen und wie eine sozial ausgewogene Ausgestaltung künftig aussehen kann.
Und natürlich – letzter Satz, Herr Präsident – wünscht sich die Branche die gänzliche Abschaffung der Luftverkehrsteuer. Aber hier ist auch Verständnis dafür erforderlich, dass der Bundeshaushalt dies aktuell nicht leisten kann, ohne andere Einsparungen. Wir als Koalition wollen das, was möglich ist, umsetzen.