Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Steuerzahler! Herr Minister, „Lebensrealität“ war ein gutes Stichwort. Darauf möchte ich im Folgenden eingehen – und nicht zunächst auf das antragslose Kindergeld; das werden meine Kollegen tun.
Es ist geradezu absurd, was beim Kindergeld für Ausländer mit unseren Gesetzen so geht. Es ist, wie in vielen Bereichen unseres Sozialsystems, ein völlig aus dem Ruder gelaufenes System. In 2025 konnten wir in Deutschland einen neuen Rekord feiern. Waren es in 2010 noch 36 Millionen Euro, überwiesen die deutschen Steuerzahler in 2025 unglaubliche 528 Millionen Euro an Kindergeld ins Ausland. Das ist eine Steigerung um 1 366 Prozent, meine Damen und Herren.
Aber das reiht sich ein in den Verschiebebahnhof für deutsches Steuergeld: in die Alimentierung ausländischer Bürgergeldempfänger, in eine dysfunktionale Europäische Union, in sinnbefreite Wohltaten in aller Welt und in die Milliarden an Ukrainer oder in die Ukraine. Übrigens zahlen wir Monat für Monat, meine sehr verehrten Damen und Herren, allein 104 Millionen Euro an Kindergeld an Ukrainer.
Unsere Regierenden tun immer noch so – und auch Sie, Herr Klingbeil –, als hätten wir es. Aber wir haben es schon lange nicht mehr. Wir sind dank Merz und Co für Generationen über beide Ohren verschuldet, und der individuelle Wohlstand wird durch viele faule Kompromisse in dieser dysfunktionalen Koalition weiter verringert. Den deutschen Steuerzahlern kann man, wo alle den Gürtel enger schnallen, nicht noch mehr zumuten als das, was wir bisher schon an entsprechenden Steuererhöhungen, schleichenden Steuern und Sozialabgaben sowie Kürzungen haben. Warum Deutschland auch Kindergeld für Kinder im Ausland zahlt, meine Damen und Herren, die gar nicht hier leben, können Sie, glaube ich, den Menschen da oben gar nicht erklären.
Kommen wir nun zum eigentlichen Kern. Wir wollen ja eine Indexierung. Warum deutsches Kindergeld in voller Höhe in Länder fließt, in denen die Lebenshaltungskosten weit unter dem deutschen Niveau liegen, können Sie den Menschen auch nicht erklären. Eine vermeintliche Antwort gab es im letzten Monat vom EuGH, der das bayerische Familiengeld im Fokus hat. Diesem Streit waren unsere lieben Nachbarn aus Tschechien und Polen beigetreten. Es urteilten drei unbefangene Richter aus Lettland, Slowenien und Frankreich. Als Ankläger trat wieder ein Pole auf. Die Polen stehen an dritter Stelle der Kindergeldempfänger mit monatlich rund 67 Millionen Euro – davon gehen 17 Millionen direkt nach Polen. Honi soit qui mal y pense! Für in Lettland, Tschechien und Polen lebende Kinder gab es nicht die vollen 250 Euro, sondern immerhin nur 187,50 Euro. Da fällt mir der Spruch vom Hund ein, der die Wurst bewachen soll.
In der Tat sind es EU-Vorgaben, wonach die Kinder so zu stellen sind, als ob sie in Deutschland leben. Aber, meine Damen und Herren, wenn man Fehler macht, dann sollte man sie korrigieren. Diese Fiktion bezieht sich nämlich nur auf den Grund, nicht auf die Höhe des Kindergeldbetrages.
Kommen wir mal zu den Zahlen. Das Niveau erkennt man am nationalen Kindergeld: in Bulgarien: 26 Euro, in Lettland: 50 Euro, in Rumänien: 58 Euro. Bei Nettolöhnen von 1 100 Euro in Rumänien und Bulgarien und von 1 600 Euro in Polen und Lettland erkennt man, glaube ich, die Dysfunktionalität und den Irrsinn Ihrer Kindergeldpolitik der letzten 20 Jahre. Auch da sollten Sie sich schämen.
Man muss eben auch den politischen Willen haben, ein System zu verändern. Sie haben ihn weder bei unserer Energiepolitik noch bei der Sicherheitspolitik. Sie haben ihn nicht in der EU und auch nicht bei unserem Sozialsystem.
Meine Damen und Herren, dieses System muss grundlegend geändert werden; denn es ist, liebe Sozialdemokraten, schreiend ungerecht. Das können Sie keinem Arbeitnehmer und keiner Familie hier in Deutschland erklären.
An Rumänen zahlen wir übrigens monatlich rund 72 Millionen Euro und an Bulgaren 34 Millionen Euro an Kindergeld. Mittlerweile sollte man wissen, dass nur ein Großteil dieser Zahlungen als Nebenprodukt eines lukrativen Geschäftsmodells gilt. Von den knapp 7 Millionen Minijobbern sind 46 Prozent Ausländer; ein Großteil davon wandert, wie üblich – und davor haben wir schon 2013 gewarnt –, in unsere Sozialsysteme ein. Sie werden zumeist von Schleppern ins Land geholt und mit entsprechenden Arbeitsverträgen versorgt. Wir sehen das hier täglich im sogenannten Stadtbild in bestimmten Gewerben.
Da es zum Leben nicht reicht, geht man zum Amt; es wird aufgestockt. Und so hat man beim Kindergeld alles und ist voll dabei, und zwar in voller Höhe, nämlich mit dem deutschen Satz. Alles rechtens laut EU, meine Damen und Herren! Und hier sollten Sie endlich ansetzen. Die EU gehört eben von Grund auf reformiert, weil sie dysfunktional und ein schwarzes Loch für unsere Steuergelder ist.
Ein Sozialstaat funktioniert nur, wenn Leistungen überprüfbar ausgezahlt werden. Wo Leistungen über Grenzen hinweg gezahlt werden, wächst das Risiko von Missbrauch, Intransparenz und vor allen Dingen – und das ist ein Leitmotto Ihrer Regierung – fehlender Kontrolle. Dann ist es kein Sozialstaat mehr, sondern ein Selbstbedienungssystem. Wenn Sie jetzt auch noch jegliche Bestätigungen des Begünstigten beseitigen – dazu kommen meine Kollegen noch –, ist das für mich in der jetzigen Haushaltslage und bei dem von mir Geschilderten fahrlässig.
Deshalb fordern wir: Kindergeld für im Ausland lebende Kinder muss an die Lebenshaltungskosten des jeweiligen Aufenthaltslandes angepasst werden. Kontrollen müssen deutlich verschärft werden. Regeln, die ungerecht wirken und auch in der Tat sind – nach meinen Schilderungen können Sie das gar nicht mal leugnen –, müssen geändert oder neu verhandelt werden. Da müssen Sie sich auch mal in Brüssel bei den 33 000 Bürokraten durchsetzen.
Meine Damen und Herren, die Deutschen sind nicht für alle Wohltaten in dieser EU und der Welt verantwortlich. Handeln Sie! Sonst fegt Sie die Geschichte hinweg. Aber auch das wäre gut so.