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94. Sitzung
Donnerstag, 30. März 202320. Wahlperiode, 94. SitzungAusbeutung von Saisonbeschäftigten verhindern
12 VermerkeReaktionswert: hoch397 Wörter Im Protokoll lesen

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich frage mich immer wieder, ob Sie es eigentlich noch merken, dass die Tonalität, mit der Sie dieses Thema auf die Tagesordnung setzen, dazu führt, dass all jene, die uns täglich volle Teller sichern in diesem Land, wieder einmal stigmatisiert und in die Ecke gestellt werden,

Zurufevon der LINKEN: Oh!

Hauptsache, Sie haben volle Teller!

nicht nur die Beschäftigten, auch ihre Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.

Saisonbeschäftigte gibt es in den unterschiedlichsten Branchen. Ich greife einmal die Landwirtschaft heraus. Worüber reden wir eigentlich, liebe Kolleginnen und Kollegen? Wir reden über eine Branche, in der die Lohnkosten – anders als bei VW, Audi, Bosch oder Porsche – bei 70 Prozent liegen. Wenn Sie einen landwirtschaftlichen Betrieb haben, dann haben Sie einen Lohnkostenanteil von 70 Prozent,

Und deshalb darf man die Leute ausbeuten, oder was?

Sie haben bei den Produkten, die Sie ernten, die Sie verkaufen, die Sie auf den Markt bringen wollen, eine geringe Marge, eine deutlich geringere Marge,

Es geht in dem Antrag nicht nur um die Landwirtschaft! Lesen!

als wenn Sie einen Motor bauen oder irgendwelche anderen hochkomplexen Systeme. Wir reden über eine Branche, die seit der Einführung des Mindestlohns in Deutschland Lohnkostensteigerungen von 62 Prozent zu verzeichnen hatte.

Was sagt uns das?

Wir reden über eine Branche, die einem massiven Wettbewerb mit dem Ausland ausgesetzt ist.

Dürfen die deswegen die Leute ausbeuten?

Wir leben nicht allein auf dieser Welt, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir stehen täglich im Wettbewerb mit den anderen Ländern dieser Welt. Wir reden über eine Branche, die selbstverständlich auch massivem Druck von den verarbeitenden Betrieben bzw. auch dem Handel – Stichwort „Preiskampf“ – ausgesetzt ist.

Zurufdes Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Last, but not least: Wir reden über eine Branche, in der man hart arbeiten muss,

Deshalb braucht man doch gute Arbeitsbedingungen!

in der harte körperliche Arbeit an der Tagesordnung ist, Arbeit, die, wohlgemerkt, kaum ein Deutscher mehr leisten möchte. Solche Branchen haben massive Schwierigkeiten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen.

Ja! Weil es miese Arbeitsbedingungen sind!

Diese Branchen brauchen Instrumente wie die Beschäftigungsformen, über die wir heute reden, nämlich Saisonarbeit.

Bessere Bezahlung!

Und warum ist das so, liebe Kolleginnen und Kollegen? Bei der Ursache brauchen wir nicht lange zu überlegen: Essen soll in Deutschland günstig sein. Körperliche Arbeit gilt als nicht so toll. Vor allen Dingen leisten wir uns immer noch sehr, sehr hohe Standards bei der Beschäftigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Widerspruchbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD

– Entschuldigung! Aber Sie wollen doch nicht abstreiten – jetzt lassen Sie mich doch mal ausreden! –,

Schauen Sie sich doch mal an, unter welchen Bedingungen die Menschen arbeiten!

Sie wollen doch nicht abstreiten, dass das inzwischen auch zu einem Wettbewerbsnachteil für unser Land in der Welt wird? Was wir brauchen, ist keine Überregulierung.

Schauen Sie sich die Bedingungen vor Ort an!

Fortgesetzte Zurufe von der SPD und der LINKEN

Natürlich müssen wir über Versäumnisse reden. – Frau Präsidentin, können Sie die Kollegen mal zur Ruhe rufen?

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