Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn man mit Kardiologen aus der älteren Generation spricht, dann sagen die einem: Wenn vor 30 Jahren einer mit einem Herzinfarkt gekommen ist, hat man nicht viel tun können: Blutverdünnung und dann abwarten und beten. Durch die moderne Kathetertechnologie haben wir es als Gesellschaft geschafft, dass der Anteil der Menschen, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen versterben, signifikant zurückgegangen ist.
Die Leute werden älter. Das führt dazu, dass der Hauptrisikofaktor für Krebserkrankungen zutage tritt: Menschen in einem höheren Alter haben gehäuft Krebserkrankungen. Nun haben wir dort einen ähnlichen Durchbruch wie bei der Kathetertechnologie: die moderne, personalisierte Zelltherapie, die CAR-T-Zelltherapie. Man kann Körperzellen entnehmen, diese außerhalb des Körpers umprogrammieren und zielgenau gegen gewisse Krebszellen einsetzen. Damit werden in der Zukunft Krebsarten behandelbar sein, die man lange nicht behandeln konnte. Das ist toll für die Patienten. Aber das große Problem ist, dass die Kosten für diese einzelnen Arzneimittel sehr hoch sind, bis zu einer halben Million Euro. Man muss der Ehrlichkeit halber auch sagen, dass seit Beginn der Entwicklung – vom Molekül bis zum fertigen Arzneimittel – teilweise auch Kosten von über 1 Milliarde Euro entstanden sind. Das große Problem dabei ist, dass das auch schiefgehen kann und die 1 Milliarde Euro weg sind. Deswegen muss man ehrlich sagen: Das birgt große Chancen, verursacht aber auch hohe Kosten, und dafür muss man auch gutes Geld verdienen können.
Frau Kollegin Piechotta, ich fand es sehr spannend, dass Sie gesagt haben: Wir wollen erreichen, dass die Arzneimittelindustrie in Deutschland vorankommt. Deswegen wollen wir, dass Arzneimittel mit hohem Zusatznutzen besser bezahlt werden als Arzneimittel, die keinen so hohen Zusatznutzen haben. – Den Grundsatz teile ich. Ich finde das AMNOG-Verfahren gut. Aber Sie scheinen Ihren Antrag nicht genau gelesen zu haben. Denn Sie schreiben in Ihrem Antrag, Sie wollen den allgemeinen Herstellerrabatt erhöhen. Der allgemeine Herstellerrabatt bedeutet doch einen Rasenmäher über alle Arzneimittel und ist nicht zielgenau, wie Sie das in Ihrer Rede gesagt haben. Deswegen auch der Kombinationsabschlag für Kombinationstherapien, der Rasenmäher für alle Kombinationstherapien. Das ist innovationsfeindlich, und diesen Vorschlag teilen wir so eindeutig nicht.
Jetzt zu sagen, wir wollen die Arzneimittelkosten allgemein senken, greift aber zu kurz. Denn wir haben das große Problem der Most-Favoured-Nation-Aktion von Trump. Trump sagt: In den USA sind die Arzneimittelkosten noch deutlich höher als in Deutschland. Es darf nicht sein, sagt Trump, dass die Arzneimittelkosten in den USA zukünftig höher sind als in anderen Industrienationen, weil der US-Steuerzahler nicht für die Innovationen anderer Länder zahlen soll. – Das ist ein Problem. Wenn wir die Arzneimittelkosten in Deutschland mit dem Rasenmäher senken, dann kann es sein, dass Arzneimittelhersteller sagen: Bevor wir uns vom US-Markt verabschieden müssen, der weltweit 65 Prozent des globalen Marktes ausmacht – Deutschland hat nur 5 Prozent –, ziehen wir innovative Arzneimittel lieber vom deutschen Markt zurück. Deswegen: Faire Preise muss man genau beachten, und man darf den globalen Zusammenhang nicht aus dem Blick verlieren, Frau Kollegin Piechotta. Wir sind auch für einen fairen Preis. Wir sind für eine Weiterentwicklung des AMNOG-Verfahrens. Aber wir wollen das klug machen, und wir wollen, dass innovative Arzneimittel in Deutschland ankommen. Und wir haben dabei auch globale Probleme wie Zölle und das Most-Favoured-Nation-Problem der USA genau im Blick.
Meine Damen und Herren, wir wollen, wie es auch die Grünen in ihrem Antrag deutlich machen – dafür muss ich Sie ausdrücklich loben; Sie schreiben das auch –, Deutschland als Standort für Biotechnologie als Schlüsselindustrie stärken. Wir wollen auch beste Bedingungen für die Forschungsinfrastruktur. Ich bin Ihnen auch dankbar, dass Sie das in Ihrem Antrag geschrieben haben. Und deswegen machen wir auch den Pharmadialog der Bundesregierung. Ich bin der Bundesministerin dankbar, dass sie diesen Dialog gestartet hat. Wir wollen gemeinsam mit der Pharmaindustrie einen entsprechenden Dialogprozess eröffnen und konkrete Maßnahmen erarbeiten, ein AMNOG-Verfahren 2.0 entwickeln. Wir freuen uns über gute Vorschläge der Opposition und der Grünen, wie wir Deutschland wieder zur Apotheke der Welt machen können.
Vielen Dank.
Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für die AfD-Fraktion Nicole Hess.