Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörer! Stellen Sie sich zwei Geschwister vor: Der Bruder ist schwer nierenkrank. Die Schwester zögert nicht, ihm zu helfen. Alles passt. Sie sind sich verbunden, sie übernehmen Verantwortung füreinander, sie sind mutig. Nur eines passt nicht: die Blutgruppe. Bisher führte diese Situation direkt in eine Sackgasse. Sie bedeutete vor allem eines: warten, warten auf ein Organ, warten auf eine Chance, im Schnitt acht Jahre – acht Jahre Dialyse, acht Jahre zwischen Leben und Überleben –, und leider endet dieses Warten für manche auch zu früh.
6 400 Menschen stehen auf der Warteliste für eine Spenderniere, jeder Einzelne davon mit einer Geschichte, mit einem Gesicht, mit einer Familie. Viele dieser Menschen bekommen mit dem Gesetz, das wir heute verabschieden, eine neue Chance. Heute öffnen wir genau diese Sackgasse und machen möglich, was bisher unmöglich war. Der Schlüssel ist die Überkreuzspende. Was einzeln nicht geht, wird gemeinsam möglich: zwei Paare, die sich nicht kennen, und trotzdem einander das Leben retten. Das ist nicht nur Medizin, das ist gelebte Solidarität.
Und wir gehen noch weiter. Als Koalition haben wir dieses Gesetz an einem entscheidenden Punkt verbessert, indem wir den Begriff der Inkompatibilität erweitern und das Wort „immunologisch“ durch „medizinisch“ ersetzen. Das klingt sehr technisch, aber dahinter verbirgt sich ein echter Gamechanger. Denn plötzlich gilt: Nicht nur die Blutwerte entscheiden, sondern der Mensch in seiner ganzen medizinischen Realität. Das heißt: Mehr Paare bekommen Zugang, der Pool an Spendern wird größer, und die Chance auf ein wirklich passendes Organ steigt deutlich. Das ist Gesetzgebung, die Leben rettet.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch eines vergessen wir nicht: Diejenigen, die spenden, leisten Außergewöhnliches. Sie riskieren ihre eigene Gesundheit für einen anderen Menschen. Deshalb geben wir ihnen ein klares Versprechen: Wenn sie eines Tages selbst Hilfe brauchen, dann steht die Gemeinschaft an ihrer Seite – mit besseren Chancen auf der Warteliste und mit echter Solidarität.
Meine Rede will ich mit einem Dank schließen. Danke an alle, die bereits ein Organ gespendet haben oder die bereit wären, diesen Schritt zu gehen! Sie alle schenken Menschen Leben. Dafür gebührt Ihnen unser größter Respekt.
Vielen Dank.