Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Und täglich grüßt das Murmeltier.
Wie oft müssen wir uns diese Anträge eigentlich noch anhören,
in denen die AfD sich als vermeintliche Verteidigerin der Wissenschaft inszeniert, gleichzeitig aber einen Frontalangriff auf die Wissenschaftsfreiheit fährt?
Heute fabulieren Sie von einem – ich zitiere – „wissenschaftsfeindlichen Wildwuchs […] in den Geistes- und Sozialwissenschaften“, dem man die staatliche Förderung entziehen muss. Wer ganze Disziplinen pauschal abwertet, hat keinerlei Interesse an der Stärkung des Wissenschaftssystems.
Gerade die sogenannten kleinen Fächer haben eine enorme strategische Relevanz für unser Land. Zwei Beispiele: Wer würde heute ernsthaft behaupten, dass etwa die Chinawissenschaften oder die Türkologie Wildwuchs seien? Um geopolitische Ziele, Wirtschaftsdynamiken und interne Logiken zu verstehen, brauchen wir echte Experten und keine ideologischen Scheuklappen.
Disziplinen wie Sinologie oder Türkologie sind kein Wildwuchs, sondern außenpolitische Grundlagenarbeit.
Wissenschaft ist kein Unkrautbeet, das man ausdünnt. Wissenschaft lebt von ihrer Vielfalt. Doch genau diese Vielfalt ist bedroht, und zwar ganz besonders von rechts außen, aber leider auch durch Sparvorgaben im Hochschul- und Wissenschaftsbereich. Und das dürfen wir nicht zulassen.
Aber genug von wissenschaftsfeindlichen Anträgen. Ich will meine Redezeit für das nutzen, was den Forschungsstandort Deutschland wirklich stärkt: Verlässlichkeit, Freiräume und Kooperation.
Die Exzellenzstrategie hat sich als Motor für wissenschaftlichen Fortschritt bewährt. Sie stärkt die internationale Sichtbarkeit und schafft die Rahmenbedingungen für Spitzenforschung. Deshalb muss die Bundesregierung die Mittel für die Exzellenzstrategie auch über 2030 hinaus garantieren.
– Das haben wir nicht gesagt.
Exzellenz entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie braucht ein System, das insgesamt trägt. Gerade in heutigen Zeiten braucht die Wissenschaft keine Schlagworte und Ankündigungen, sondern eine auskömmliche Finanzierung, weniger Formulare und Anträge – dazu haben wir einen Vorschlag gemacht, Stichwort „Modernisierungsagenda“ –,
gute Arbeitsbedingungen und eine echte Sanierungs- und Zukunftsoffensive. Und: Ein Studium darf nicht vom Geldbeutel des Elternhauses abhängen.
Hier erwarte ich von Forschungsministerin Bär nicht nur Ankündigungen, sondern auch Umsetzungen. Dabei unterstützen wir Sie sehr gerne.
Die Zukunft der Spitzenforschung liegt aber nicht nur im Wettbewerb, sondern auch in der Zusammenarbeit. Wir müssen die Exzellenzstrategie konsequent weiterentwickeln. Gerade in Zeiten globaler Herausforderungen brauchen wir starke, vernetzte Wissenschaftsstandorte.
Und wir müssen dabei europäisch denken. Unsere Exzellenzstrategie ist ein Vorbild für Europa. Wir setzen uns dafür ein, diese Förderung auf europäischer Ebene zu verankern. Unser Ziel ist eine gemeinsame europäische Exzellenzstrategie. Damit stärken wir nicht nur den Wissenschaftsstandort Deutschland, sondern auch insgesamt den europäischen Forschungsraum.
Eine starke Wissenschaftspolitik heißt für uns: Freiheit statt Abwertung, Verlässlichkeit statt Unsicherheit, Kooperation statt Abschottung. Lassen Sie uns die Exzellenzstrategie mutig weiterentwickeln, die Wissenschaftsfreiheit schützen und Europa stärken!
Vielen herzlichen Dank.