Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die von der AfD zuletzt am meisten missbrauchten Worte sind „Gesprächskanäle offenhalten“ und „deutsche nationale Interessen“.
Denn es liegt nämlich gerade nicht im deutschen nationalen Interesse, mit Russland, das einen brutalen Angriffskrieg führt, ungerührt Handel zu treiben. Warum? Weil die deutsche Nation ein Gewissen hat, und das Gewissen sagt jedem Menschen in unserem Volk, der ein solches hat, ganz klar,
dass unsere Unterstützung dem überfallenen Opfer gelten muss und nicht dem Befüllen der Kriegskasse des russischen Machthabers mittels Einkaufs billiger Energie.
Die heutigen Rattenfänger agieren nicht in Hameln und locken nicht mit Flöte die Kinder, sondern sie sitzen auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg und locken die Gewissenlosen mit billiger Energie.
Energie, die deshalb so billig ist, weil das Geld dringend gebraucht wird, um die Waffen zu finanzieren, mit denen Tag für Tag und Nacht für Nacht ukrainische Zivilisten in ihren Wohnungen, an ihren Bushaltestellen, auf ihren Straßen getötet werden.
Warum? Weil sie Ukrainer sind.
Und es gibt, Herr Frohnmaier, moralische Stoppschilder. Der Anstecker am Revers Ihres Gesprächspartners Miller, des Chefs von Gazprom, war ein solches Stoppschild. Sie wissen ganz genau, wofür das „Z“ steht, was Miller am Revers getragen hat.
Es steht auf den Waffen, mit denen friedliche Menschen in der Ukraine von den russischen Streitkräften umgebracht werden – unter diesem Symbol!
Mit dem unwidersprochen hingenommenen Kriegsanstecker hat Miller Sie erneut zum Komplizen gemacht. Es ist schlimm, wenn Ihnen das nicht aufgefallen ist, aber noch schlimmer wäre es, wenn Sie es sogar gewollt hätten.
Kommen wir zu dem anderen von der AfD missbrauchten Ausdruck, kommen wir zu „Gesprächskanäle offenhalten“. Ja, das ist nötig in der Diplomatie.
Aber genauso nötig ist es beim Gebrauch von Gesprächskanälen, eine klare Differenzierung und Distanzierung von Propagandathesen vorzunehmen.
Nur wer Propaganda von Wahrheit unterscheiden kann, kann Gesprächskanäle sinnvoll nutzen.
Und daran hapert es bei der AfD mächtig.
Siehe die Rattenfängergefolgschaft bei Lockangeboten wirtschaftlicher Art und bei der Feigheit vor dem „Z“-Anstecker.
Die ganze Absurdität Ihrer Politik spiegelt sich allerdings in Ihrer Aussage vom 3. Juni, die angeblichen deutschen nationalen Interessen – ich zitiere Sie hier – „kompromisslos in den Mittelpunkt zu stellen“. Dünkt Ihnen da gar nicht, dass das doch ziemlich schnell zu tieferen Konflikten mit Ihren Nationalistenkumpels führen könnte, die ihrerseits angeblich eigene nationale Interessen ebenso kompromisslos durchsetzen wollen?
Das ist, warum Nationalismus immer ins Chaos führt.
Und wissen Sie, was das Eigentliche ist? Ich habe lange überlegt, wie ich das charakterisieren kann. Das ist nämlich keine Außenpolitik, was Sie betreiben, sondern das ist eine gefährliche Wichtigtuerei.
Sie sollten sich lieber – Herr Kotré spricht ja jetzt gleich – um das Reiseverhalten und Gesprächsverhalten Ihrer Parteifreunde Steffen und Lena Kotré und Andreas Galau kümmern. Sie, Herr Kotré, haben sich am 13. Mai im polnischen Sejm von der aggressiv antisemitischen Partei „Konföderation der Polnischen Krone“ zu Gesprächen einladen und gemeinsam ablichten lassen. Was sagen Sie denn dazu, dass der Vorsitzende Ihrer gastgebenden Partnerpartei, Braun, gewalttätig mit einem Feuerlöscher schaumsprühend gegen einen Chanukka-Leuchter in der Lobby des Sejms vorgegangen ist? Er sagte dazu später wörtlich: Das Anzünden eines Chanukka-Leuchters sei ein „Akt des Satanismus“. Feine Freunde! Warum regt sich da kein Gewissen bei Ihnen?
Entspricht dies den kompromisslosen deutschen nationalen Interessen nach der Definition der AfD?
Wissen Sie was? Ihr politischer und moralischer Kompass ist falsch eingestellt. Sie interessieren sich für Geschäfte mit den Tätern, und Sie kümmern sich nicht um die Opfer des russischen Aggressionskriegs.
Oder waren Sie mal in Kyjiw oder in Odessa oder in Charkiw? Warum eigentlich nicht? Dann würden Sie ziemlich schnell merken, wer für den Krieg verantwortlich ist, nämlich Ihre feinen Gastgeber aus Sankt Petersburg.
Tatsache ist, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen: Sie handeln gegen die Interessen Deutschlands,
und kein deutscher Patriot ist bei Ihnen an der richtigen Adresse.
Danke für die Aufmerksamkeit.