Hohes Präsidium! Sehr geehrte Damen und Herren! Der miserable Zustand der Regierung hat ja auch Vorteile. Wir reden jetzt vermehrt über junge Menschen, über Wissenschaft und Hochschulen, über Forschungsförderung und das BAföG – auch wenn die Regierung nicht stark vertreten ist, aber immerhin: Frau Staatssekretärin, schön, dass Sie da sind! –, alles Themen, die bei den Altparteien Lückenbüßer sind, zwar gern gesehen auf Wahlplakaten, aber meist versteckt in den Tagesordnungen des Plenums. Diese Themen sind aber die Zukunftsthemen für unser Land.
Zu den Anträgen. Der Antrag der Linken ist gegenüber dem der Grünen qualitativ ein Witz. Beide verbindet jedoch der Irrglaube, dass eine Verbesserung in diesem Bereich nur mit Vollversorgung geht. Ja, wer wünscht sich das denn nicht? Dabei werden aber die völlig unterschiedlichen Fächerkulturen und Ausrichtungen von Fakultäten und Instituten an unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen missachtet. Sie sind sich auch nicht zu schade, hier wieder den Hochschulen Ihr „Woke-Virus“ als Dauerzustand verordnen zu wollen.
Statt Priorisierung und einem echten Verständnis für die Probleme junger Wissenschaftler soll frühzeitig jeder Leistungsanreiz wegfallen. Wissenschaftliche Einrichtungen sind Leistungszentren.
Das vergisst unsere politische Klasse gerne. Statt aber junge Wissenschaftler von lästiger Bürokratie zu befreien, soll einfach weiter Geld umverteilt werden und am Ende eine Beamtenmentalität gefördert werden. Hier kann man zudem nur mit einem bekannten Karnevalslied fragen: Wer soll das bezahlen?
Wir wissen, dass Beschäftigungsverhältnisse in der Wissenschaft schwierig sein können.
– Sie wissen das als Außenstehende, oder? – Das ist die Kehrseite der großen Freiheiten, die ein Leben für die Wissenschaft auszeichnen. Zu einer erfolgreichen Karriere in der Wissenschaft gehören aber Flexibilität, Leistungswille und nicht zuletzt Risikofreude –
ein Begriff, der Ihnen völlig fremd ist.
Will man Wissenschaftler in unkündbare Behördenmitarbeiter umwandeln, beraubt man die nachwachsenden Talente ihrer Karrierechancen. Man tut also nur einmalig etwas für den wissenschaftlichen Nachwuchs, verringert aber die Entwicklungsmöglichkeiten der nächsten Generationen. Das sollten Sie diesen jungen Menschen einmal deutlich sagen.
Unser Credo ist: So viel Geld für die Wissenschaft wie möglich – ja. Gute Rahmenbedingungen für junge Wissenschaftler – ja. Aber zugleich braucht es Augenmaß,
Generationenfairness und entsprechende politische Regelungen.
Das gibt es – Sie ahnen es – mit uns, mit der AfD,
mit Ihnen nicht. Daher lehnen wir Ihre Anträge selbstverständlich ab.
Vielen Dank.