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143. Sitzung der 20. Wahlperiode

Mittwoch, 13. Dezember 2023 · Berlin

235 Reden in dieser Sitzung

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Porträt von Olaf Scholz
Foto: SPD/ Photothek
Olaf ScholzSPD· Bundeskanzler· MdB
29 Vermerkeca. 2.698 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute Morgen ist Donald Tusk als polnischer Premierminister vereidigt worden. Bevor ich in den kommenden Tagen in Brüssel die Gelegenheit habe, ihn persönlich zu treffen, möchte ich schon von hier aus sagen: Herzlichen Glückwunsch, Herr Premierminister, und auf gute Zusammenarbeit!

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD und des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Donald Tusk hat angekündigt, Polen zurück ins Herz der Europäischen Union zu führen. Und genau da gehört Polen hin: in die Mitte Europas als unverzichtbarer Teil unserer Europäischen Union. Polens Rolle in und für Europa ist heute größer denn je. Polens sicherheitspolitischer Beitrag ist bedeutend angesichts des russischen Angriffskriegs im Osten unseres Kontinents. Unsere beiden Länder, Deutschland und Polen, haben mehr Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen als alle anderen EU-Mitgliedstaaten. Wir wollen und wir werden bei der Kontrolle irregulärer Migration noch enger zusammenarbeiten. Die boomende polnische Wirtschaft ist auf das Engste mit der deutschen verflochten. Nicht zuletzt haben Deutschland und Polen besonders Interesse daran, dass die Erweiterung der Europäischen Union in Richtung Osten und Südosten Realität wird.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deshalb freue ich mich darauf, die Europäische Union und die deutsch-polnischen Beziehungen Seite an Seite mit Polen voranzubringen, und natürlich auch gemeinsam mit Frankreich im Format des Weimarer Dreiecks.

Wir werden nun sehr schnell und auf allen Ebenen die Arbeitskontakte mit unseren polnischen Freunden vertiefen. Uns eint das Ziel, die Ukraine weiter zu unterstützen: beim Wiederaufbau, in Fragen der Sicherheit und Verteidigung und auf dem Weg in die Europäische Union.

Deutschland steht bereit, die zivilgesellschaftliche und grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter auszugestalten und mit dem Deutsch-Polnischen Haus ein erinnerungspolitisches Zeichen zu setzen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dabei spielen unsere intensiven Wirtschafts- und Wissenschaftsbeziehungen gerade auch in den grenznahen Regionen eine wichtige Rolle. Natürlich freue ich mich, den gewählten polnischen Premierminister in den kommenden Wochen hier in Berlin zu begrüßen.

Nicht nur in unserer Zusammenarbeit mit Polen, auch beim anstehenden Europäischen Rat steht Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine im Fokus. Denn dieser Krieg, der seit nunmehr fast zwei Jahren andauert, bleibt die zentrale sicherheitspolitische Herausforderung für unseren Kontinent.

Ich bin jeden Tag aufs Neue tief beeindruckt davon, was die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten leisten. Seit Russland im Februar 2022 in die gesamte Ukraine eingefallen ist, haben sie mehr als die Hälfte der zwischenzeitlich besetzten Gebiete befreit.

Russlands Schwarzmeerflotte hat ihre Kontrolle über den westlichen Teil des Schwarzen Meeres in den vergangenen Monaten verloren. So konnten bislang rund 200 Frachtschiffe Weizen, Mais, Sonnenblumenöl und andere ukrainische Produkte in alle Welt bringen, und das, obwohl Russland infamerweise das Getreideabkommen der Vereinten Nationen aufgekündigt hat.

Und noch etwas ist heute anders als im vergangenen Winter: Die ukrainische Luftverteidigung ist deutlich besser in der Lage, sich gegen immer neue Schwärme russischer Drohnen und Raketen zu wehren. Dazu leistet Deutschland mit den Flakpanzern Gepard, dem IRIS-T-System und dem Patriot-Flugabwehrsystem einen wesentlichen Beitrag.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich bin dem Bundesverteidigungsminister dankbar, dass er vor Ort in Kiew weitere Unterstützung vor allem bei der Luftverteidigung zugesagt hat: zusätzliche Systeme IRIS-T, Hunter-Drohnen und Drohnensensoren, genau das also, was die Ukraine dringend benötigt. Das zweite Patriot-System aus Deutschland wird in der Ukraine noch in diesem Jahr in den Einsatz gehen.

Hinzu kommen gepanzerte Fahrzeuge, Munition und Winterschutzkleidung für die ukrainischen Streitkräfte sowie Stromgeneratoren, um Energieengpässe zu überbrücken. Das alles ist dringend nötig. Denn Russland hat seine Wirtschaft inzwischen ganz in den Dienst dieses Krieges gestellt.

Die russische Waffenproduktion läuft auf Hochtouren. Hunderttausende neue Rekruten hat die russische Führung einberufen; weitere Neurekrutierungen sind geplant. Wir reden über Zehntausende meist junger Russen, die Putin ohne Rücksicht auf Verluste an die Front schickt. „Meat Grinder“, einen Fleischwolf, nennen Beobachter und Soldaten das, was sich an manchen Frontabschnitten abspielt.

Alles das deutet darauf hin: Putin ist nach wie vor fest entschlossen, die Ukraine militärisch in die Knie zu zwingen. Er setzt darauf, dass die internationale Unterstützung der Ukraine nachlässt. Die Gefahr, dass dieses Kalkül aufgehen könnte, ist leider nicht von der Hand zu weisen. In den USA ringt Präsident Biden um die Bewilligung neuer finanzieller Mittel zur Unterstützung der Ukraine; noch ist keine Lösung in Sicht.

In der Europäischen Union sind sich zwar fast alle Mitgliedstaaten einig, dass wir den Haushalt der Ukraine auch in den kommenden Jahren mit insgesamt 50 Milliarden Euro stabilisieren müssen. Aber über das Wie besteht noch kein Einvernehmen. Vor allem Ungarn hat noch nicht zugestimmt.

Zugleich ist eine solche Entscheidung eng mit den Verhandlungen über die Anpassung des Mehrjährigen Finanzrahmens der EU bis 2027 verbunden. Darüber werden wir morgen und übermorgen beraten. Ich werde dabei für eine nachhaltige, verlässliche finanzielle Unterstützung der Ukraine für die kommenden Jahre eintreten. Denn es geht um die Sicherheit Europas.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das hat für Deutschland Priorität. Zugleich bedeutet das: Wir müssen realistisch bleiben, was die vielen anderen Wünsche und Erwartungen an den EU-Haushalt angeht. Auch angesichts der Haushaltslage in vielen Mitgliedstaaten und angesichts vieler Milliarden, die noch nicht ausgegeben wurden, muss es zuallererst darum gehen, diese Mittel sinnvoll auszuschöpfen und zu priorisieren. Deutschland trägt die Finanzierung der europäischen Fiskalkapazität für die Ukraine anteilig mit, und wir setzen uns für eine Fortsetzung der Europäischen Friedensfazilität zugunsten der Ukraine ein, mit einem Mechanismus, bei dem auch die erheblichen bilateralen Waffenlieferungen anerkannt werden.

Angesichts der gerade beschriebenen Risiken, angesichts eines erwartbar langandauernden Kriegs kommt es eben auch sehr auf Deutschland an bei der Unterstützung der Ukraine. Der Angriff Russlands auf die Ukraine ist nicht irgendein Krieg irgendwo auf der Welt. Es geht darum, ob Putin sich durchsetzt mit seinen imperialistischen Plänen, die er nach wie vor ganz offen verfolgt. Es geht darum, ob Grenzen in Europa in Zukunft sicher sind oder ob Landraub und Besatzung wieder europäische Normalität werden. Diese Frage ist fundamental für die Sicherheit Europas und für die Sicherheit Deutschlands. Sie entscheidet sich auch in der Ukraine.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine Damen und Herren, nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Klima- und Transformationsfonds haben der Bundeswirtschaftsminister, der Bundesfinanzminister und ich uns daher heute Nacht auf Vorschläge zum Bundeshaushalt 2024 verständigt. Ein Element dieser Vorschläge ist, unsere Unterstützung der Ukraine abzusichern, so wie bislang geplant und vor allem so lange wie nötig.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Dazu zählen 8 Milliarden Euro für Waffenlieferungen, Finanzhilfen für den ukrainischen Haushalt, direkt oder über die Europäische Union, und voraussichtlich über 6 Milliarden Euro zur Unterstützung ukrainischer Flüchtlinge hier in Deutschland.

Klar ist aber auch: Sollte sich die Situation durch Russlands Krieg gegen die Ukraine verschärfen, etwa weil die Lage an der Front sich verschlechtert, weil andere Unterstützer ihre Ukrainehilfe zurückfahren, weil die Bedrohung für Deutschland und Europa weiter zunimmt, dann werden wir darauf reagieren müssen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Heute weiß natürlich niemand, ob es dazu kommt. Um eine solche Entwicklung zu betrachten und darauf vorbereitet zu sein, haben wir jedoch bereits vereinbart, dem Bundestag in einer solchen Lage einen Überschreitensbeschluss vorzuschlagen,

Der liegt schon in der Schublade! Herrlich!

so wie Artikel 115 des Grundgesetzes das in Notsituationen zulässt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere nationalen Anstrengungen sind eingebettet in das, was unsere Partner leisten. Am Rande des NATO-Gipfels in Vilnius haben wir uns im G-7-Kreis auf Sicherheitszusagen für die Ukraine verständigt. Inzwischen haben sich 31 Länder unserer Initiative angeschlossen.

Im Kern geht es darum, die Verteidigungskapazitäten der Ukraine gemeinsam so auszubauen, dass Russland nie wieder einen Angriff auf das Land wagt. Deutschland hat daher zusammen mit Frankreich die Führung im Bereich der Luftverteidigung übernommen. Die Briten übernehmen den Lead, was maritime Fähigkeiten betrifft. Amerikaner, Niederländer und Dänen arbeiten daran, die Ukraine im Luftkampf auszurüsten, unter anderem mit F-16-Kampfjets. Wieder andere kümmern sich um gepanzerte Fahrzeuge. Auch Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle, mit den Panzern der Artillerie und Fahrzeugen, die wir liefern, für die wir immer auch Munition und Ersatzteile stellen. Das damit verbundene Signal an die russische Führung ist klar: Ihr könnt diesen Krieg nicht aussitzen.

Zugleich schneiden wir Russland mit unseren Sanktionen immer weiter von den nötigen Ressourcen für seine Kriegsführung ab. Dafür steht das nunmehr zwölfte Sanktionspaket.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, neben unserer verlässlichen, international abgestimmten Unterstützung der Ukraine ist auch die Erweiterungspolitik der Europäischen Union Teil unserer Strategie im Ringen um Frieden in Europa. Die Europäische Kommission empfiehlt uns, Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und mit der Republik Moldau zu eröffnen. Die Bundesregierung befürwortet das ganz ausdrücklich.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Dabei geht es natürlich auch darum, keinen Zweifel aufkommen zu lassen, wohin der Weg dieser beiden Länder führt: als freie europäische Nationen in ein freies vereintes Europa.

Das gilt auch für Georgien, das den Kandidatenstatus erhalten soll, und natürlich für die Länder des westlichen Balkans. Bereits heute Abend kommen wir beim EU-Westbalkan-Gipfel mit ihnen zusammen. Seit über 20 Jahren warten Albanien, Nordmazedonien, Serbien, Kosovo, Montenegro und Bosnien-Herzegowina nun schon auf ihren EU-Beitritt. Es ist höchste Zeit, dass nun wirklich alle das große Ganze sehen,

Wer soll das alles bezahlen?

sowohl die Beitrittskandidaten als auch die EU-Mitglieder.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Dieses große Ganze ist die historische Chance, die Region ein für alle Mal fest in Europa zu verankern und die Konflikte der Vergangenheit genau dies sein zu lassen: Vergangenheit. Davon profitiert die Region, davon profitiert aber auch eine geopolitische EU. Deshalb trete ich dafür ein, dass wir mehr Entscheidungen mit qualifizierter Mehrheit treffen können, auch innerhalb des Beitrittsprozesses.

Warum können wir nicht über bestimmte Etappen dieses jahrelangen Verfahrens mit qualifizierter Mehrheit entscheiden? Die nationalen Parlamente würden weiterhin beschließen, ob Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden. Aber nicht mehr jede einzelne Entscheidung, etwa das Öffnen und Schließen von Verhandlungsclustern, könnte dann von jedem einzelnen Mitgliedstaat blockiert werden.

Wenn Länder weitreichende Reformen vorangebracht haben, so wie das zum Beispiel in Albanien der Fall ist, dann muss das gewürdigt werden. Andernfalls droht ein Schaden für den Beitrittsprozess insgesamt. Das dürfen wir nicht zulassen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

In Nordmazedonien haben Regierung und Opposition eine Verfassungsänderung in Aussicht gestellt. Nun müssen sie die auch wirklich durchsetzen, im Interesse ihres eigenen Landes. Ich wäre Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen der Unionsfraktion, dankbar, wenn auch Sie Ihren Einfluss nutzen könnten, damit Ihre Schwesterpartei in Nordmazedonien konstruktiv an einer Lösung mitwirkt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Parallel arbeite ich weiter daran, dass die Region auch heute schon enger zusammenwächst. Deshalb haben wir im Rahmen des Berlin-Prozesses vereinbart, dass die Länder der Region Reisen mit dem Personalausweis möglich machen und gegenseitig Studien- und Berufsabschlüsse anerkennen. Bei unserem Treffen im Oktober in Tirana haben wir diese Regeln noch einmal ausgeweitet, und ich freue mich, dass das nächste Treffen des Berlin-Prozesses im Herbst 2024 wieder hier in Berlin stattfindet. Natürlich ist das kein Ersatz für den EU-Beitritt. Dafür bleibt es bei den bekannten Aufnahmebedingungen, und da machen wir auch keine Abstriche.

Wer von Kandidatenländern Reformen erwartet, der sollte sich selbst allerdings vor dieser Aufgabe nicht drücken. Die Europäische Union braucht Reformen, die mit dem Erweiterungsprozess Schritt halten. Ich habe dazu vergangenes Jahr an der Prager Karls-Universität Vorschläge gemacht. Seitdem ist eine Diskussion unter den Mitgliedstaaten in Gang gekommen. Diese Debatte werden wir beim anstehenden Europäischen Rat vertiefen.

Mein Ziel ist, dass wir uns darauf verständigen, bis kommenden Sommer einen klaren Fahrplan für den Reformprozess zu erarbeiten, damit wir nach der Europawahl zügig den notwendigen Schritt von theoretischen Diskussionen hin zu praktischen Reformen machen können. Dafür brauchen wir eine solide Basis, also auch den Input der Europäischen Kommission. Bedenken gegen eine mögliche Änderung der europäischen Verträge müssen uns davon nicht abhalten; denn für die meisten, wenn nicht gar für alle nötigen Veränderungen sind die bestehenden Verträge flexibel genug.

Über Mehrheitsentscheidungen im Rat habe ich eben schon gesprochen. Sie werden eine zentrale Rolle spielen. Das geht über die schon erwähnte Erweiterungspolitik hinaus und betrifft etwa die Außenpolitik und den Steuerbereich. Reden müssen wir auch darüber, wie die Europäische Kommission nach einer EU-Erweiterung arbeitsfähig bleiben kann. Über diese und weitere Fragen werden wir auf dem Europäischen Rat diskutieren. Solche Reformen hat auch die deutsche Seite lange Zeit nicht mit dem nötigen Nachdruck verfolgt. Da sind wir inzwischen einen großen Schritt weiter.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wie schwer es teilweise ist, einen europäischen Konsens in zentralen außenpolitischen Fragen herzustellen, haben die Diskussionen über die Haltung der EU zum Terrorangriff der Hamas auf Israel gezeigt. Erst nach langen, schwierigen Verhandlungen konnten wir uns beim vergangenen Europäischen Rat auf eine gemeinsame Linie verständigen: Israel hat das Recht, sich gegen diesen furchtbaren Terrorangriff zu verteidigen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Hamas muss unverzüglich alle Geiseln freilassen. Dafür setzen wir uns weiter mit aller Kraft ein.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Zugleich sind humanitäre Pausen, die es inzwischen auch gegeben hat, unabdingbar, um die Bevölkerung in Gaza mit dem Nötigsten zu versorgen. Diese humanitäre Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung ist notwendig, und sie muss verlässlich fließen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Diskussion auf europäischer Ebene darf aber dort nicht stehen bleiben. Wir müssen heute schon den Blick auf die Zeit danach richten, auf die Zeit, wenn die Waffen schweigen. Dann wird es darum gehen, wie eine tragfähige Sicherheitsordnung aussehen kann. Ich finde, Europa sollte sich in diese Diskussion einbringen, und zwar nicht nur als Geldgeber für den Wiederaufbau oder für humanitäre Hilfe. Gerade nach dem Schrecken des 7. Oktober gilt: Jede Ordnung nach diesem Konflikt muss den Bürgerinnen und Bürgern Israels verlässlichen Schutz bieten. Eine solche Ordnung sollte zudem die Länder der Region einbinden, insbesondere diejenigen, die Normalisierungsabkommen mit Israel geschlossen haben oder das erwägen.

Dann wird es darum gehen, wer die praktische Verantwortung im Gazastreifen übernimmt. An einer Stärkung der politischen Verantwortung der Palästinensischen Autonomiebehörde auch für Gaza führt kein Weg vorbei, wobei wir ihre offensichtlichen Defizite dabei adressieren müssen.

Wiederaufbau und wirtschaftliche Perspektiven können in solch einer Phase zur Stabilität beitragen. Die EU kann dabei eine Rolle spielen. Aber auch die Länder der Region und die Golfstaaten sollten Verantwortung übernehmen. Das wird jedoch nur gelingen, wenn es auch einen politischen Lösungsansatz gibt. Und dieser Lösungsansatz ist und bleibt eine Zweistaatenlösung, der man sich schrittweise nähern muss.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Eine Befriedung des israelisch-palästinensischen Konflikts würde es Israel erlauben, sich auf die wichtigste strategische Bedrohung zu konzentrieren: auf den Iran und seine regionalen Unterstützer. Als Bundesregierung führen wir international Gespräche über solche Postkonfliktszenarien. Auch in der EU sollten wir uns schon heute auf einen solchen Prozess einstellen. Dafür werde ich in den kommenden Tagen werben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sechs Monate vor der Europawahl wird es in den kommenden zwei Tagen auch darum gehen, welche Aufgaben wir bis dahin noch erledigen müssen. Drei Dinge sind dabei aus meiner Sicht zentral:

Erstens. Wir wollen Bürokratie abbauen.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

Deshalb ist es gut, dass die Kommission das Thema in ihr Arbeitsprogramm für 2024 aufgenommen hat. Wir wollen hier ehrgeizige Vorschläge sehen, so wie wir das gemeinsam mit Frankreich beschlossen haben.

Wir brauchen Bürokratieabbau!

Seit 30 Jahren!

Zweitens. Wir brauchen eine Einigung mit dem Europäischen Parlament auf das Gemeinsame Europäische Asylsystem. Das hat für Deutschland hohe Priorität, ebenso wie eine engere Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitländern.

Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

Hierzu zählt auch, die EU-Türkei-Erklärung mit neuem Leben zu erfüllen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP und des Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]

Drittens. Wir benötigen eine Verständigung über die Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts. Das Ziel ist, zu hohe Staatsschulden verbindlich abzubauen

Fangen Sie doch damit mal an!

und gleichzeitig nötige Investitionen in die Transformation zu ermöglichen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nachdem die europäischen Finanzminister intensiv an diesem Dossier gearbeitet haben, bin ich zuversichtlich, dass uns in Kürze eine Gesamteinigung gelingen wird.

Meine Damen und Herren, hinter uns liegen vier Wochen intensivster Verhandlungen über die Folgen, die das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klima- und Transformationsfonds für die öffentlichen Finanzen in Deutschland hat. Wir hatten schwierige Abwägungen zu treffen. Schließlich stehen hinter jedem Haushaltsposten handfeste und nachvollziehbare Interessen. Wir haben uns darauf verständigt, Ausgaben zu priorisieren, ohne die soziale Sicherheit in unserem Land oder die Transformation aufs Spiel zu setzen. Dabei ging es immer auch um die Folgen der Zeitenwende und darum, wie wir Deutschlands und Europas Sicherheit in unruhigen Zeiten gewährleisten.

Insbesondere mit Blick auf die im Klima- und Transformationsfonds nun nicht mehr nutzbaren Kreditermächtigungen schlagen wir dem Haushaltsgesetzgeber vor, Ausgaben im KTF neu zu priorisieren, Umschichtungen vorzunehmen und auch auf Vorhaben zu verzichten. Im Kernhaushalt werden wir 17 Milliarden Euro erwirtschaften, auch durch die Abschaffung klimaschädlicher Subventionen, durch die Absenkung von Ausgaben einzelner Ressorts, durch die bessere Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt und durch die Reduzierung von Bundeszuschüssen.

Und Sozialabbau!

Das Bundesfinanzministerium wird diese politische Vereinbarung nun zügig umsetzen und dem Bundestag die entsprechenden Formulierungshilfen zuleiten. Dann kann der Haushaltsausschuss seine Bereinigungssitzung durchführen, und der Bundestag kann in seiner ersten Sitzungswoche des neuen Jahres abschließend über den Haushalt 2024 beraten.

Ich möchte deshalb dem Wirtschaftsminister, dem Finanzminister und allen, die an dem nun gefundenen Kompromiss mitgewirkt haben, herzlich danken.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das war harte, aber konstruktive Arbeit. Am Ende steht ein guter, ein im wahren Sinne demokratischer Kompromiss.

Schönen Dank.

Lebhafter Beifallbei der SPD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP
Porträt von Friedrich Merz
Foto: Friedrich Merz/Tobias Koch
34 Vermerkeca. 1.573 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zunächst möchte ich im eigenen Namen, aber auch im Namen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dem heute Morgen vereidigten neuen polnischen Ministerpräsidenten auch unsere herzlichen Glückwünsche übermitteln

Zurufvon der SPD: Sie können ja mal rüberfliegen!

und der neuen Regierung in Polen alles erdenklich Gute wünschen – für Polen, aber auch für uns gemeinsam in Europa. Das ist ein guter Beginn des heutigen Tages gewesen.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dieses gute Miteinander in Europa hängt von handlungsfähigen Regierungen ab. Es hängt insbesondere von einer handlungsfähigen Bundesregierung ab; denn Deutschland ist nun einmal das geostrategisch wichtigste Land in Europa, ob wir es wollen oder nicht. Deswegen war es keine Überraschung, Herr Bundeskanzler, dass Sie auf Biegen und Brechen durch die Nacht hindurch – es war nicht die erste solche Nacht – versucht haben, heute Morgen einen Kompromiss in dem anhaltenden Haushaltsstreit Ihrer Regierung zu finden. Und das, was Sie hier als ein geordnetes Verfahren dargestellt haben, ist in Wahrheit – so hat es ja auch Ihr Parteivorsitzender richtig gesagt – eine handfeste Regierungskrise gewesen, die Sie heute Morgen allenfalls mit einem Formelkompromiss abgeschlossen haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist sicher für eine abschließende Bewertung dessen, was Sie nur in einer Bundespressekonferenz oder einem Pressestatement – mehr war es ja nicht – gesagt haben, viel zu früh. Aber eines ist doch jetzt schon deutlich erkennbar: Sie versuchen, fortzusetzen, was Sie seit dem Beginn Ihrer Regierung tun, nämlich eine Quadratur des Kreises, indem Sie dieser Fraktion alle Ausgaben für die Sozialpolitik weiter ermöglichen.

Den Menschen, die darauf angewiesen sind!

– Frau Esken, da Sie jetzt gerade schon wieder mit den Zwischenrufen anfangen, nehme ich die Gelegenheit einfach mal wahr, Ihnen zu sagen:

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Was denn? Was denn?

Frau Esken, Sie haben es auf dem Bundesparteitag der SPD in der letzten Woche für richtig gehalten, zu sagen: „CDU und CSU hetzen im Chor mit der AfD gegen die Ampel.“

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Zurufevon der CDU/CSU: Unverschämt!

Und wenn das, was ich zitiere, dann noch Beifall in Ihrer Fraktion auslöst,

Ja, wirklich! Unfassbar!

dann wissen wir ziemlich genau, auf was wir uns einzustellen haben in der Auseinandersetzung mit Ihrer Partei und Ihrer Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Sie überschreiten hier jedes zulässige Maß an persönlicher Herabsetzung. Ich weise das hier mit größter Entschiedenheit zurück, was Sie da auf diesem Parteitag gemacht haben.

Zurufevon der SPD

Ich weise es mit größter Entschiedenheit zurück. Es gibt niemanden, der sich in der Abgrenzung zu dieser Fraktion da ganz rechts überbieten lässt, wie wir.

Beifallbei der CDU/CSU

Das sieht man an Ihrem Grundsatzprogramm, wie Sie sich abgrenzen! Da kann man das lesen, wie Sie sich abgrenzen!

Und Sie wissen das. Sie kriegen die entsprechenden Kommentare in der Öffentlichkeit dafür, was Sie hier gemacht haben. Es ist ein Tiefpunkt in der politischen Kultur dieses Hauses, wenn es dazu auch noch Beifall aus Ihrer Fraktion gibt, wenn ich Sie mit dem, was Sie da auf Ihrem Parteitag gesagt haben, zitiere.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der SPD

Es ist eine Unverschämtheit.

Ich komme auf die europäische Politik und auf den Haushalt der Bundesrepublik Deutschland zurück. Meine Damen und Herren, für eine Bewertung ist es heute zu früh.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Aber Sie versuchen ja, fortzusetzen, was Sie in den letzten zwei Jahren gemacht haben, indem Sie dann auch der FDP – jetzt jedenfalls vordergründig – einräumen, dass Sie eine Abweichung von der Schuldenbremse – jedenfalls heute – nicht mehr vorschlagen wollen.

Beifalldes Abg. Johannes Vogel [FDP]

Aber, Herr Bundeskanzler, das, was Sie hier zur Ukraine gesagt haben, ist doch bereits die Ankündigung, dass Sie es in den nächsten Monaten tun werden. Und der Trick ist doch durchschaubar: Sie geben jetzt das Geld aus, das Sie im Klima- und Transformationsfonds haben. Sie geben das Geld aus, das Sie für die gesamten Transferleistungen in den Arbeitsmarkt aufwenden wollen, und dann werden Sie uns zur Mitte des Jahres sagen: Tja, das ist nun alles unvorhergesehen gewesen, was da in der Ukraine auf uns zukommt, und jetzt müssen wir noch einmal die Haushaltsbeschlüsse überprüfen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Herr Bundeskanzler, das Grundgesetz sieht eine unvorhergesehene Notlage vor für die Überschreitung der Kreditgrenzen der Schuldenbremse. Sie wissen, dass Sie das nicht einhalten können, was Sie heute Morgen hier gesagt haben. Es ist eine vorhersehbare Notlage, die Sie spätestens zur Mitte des Jahres werden erklären müssen. Und dann wollen Sie uns noch einmal für die Überschreitung der Verschuldungsgrenze des Grundgesetzes in Anspruch nehmen. Diesen Trick lassen wir Ihnen nicht durchgehen, Herr Bundeskanzler.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Es ist die übliche Trickserei eines Bundeskanzlers, der dieses Merkmal seiner Politik aus dem Bundesfinanzministerium mitgenommen hat und heute unverändert fortsetzt mit dem, was Sie eben in Ihrem Pressestatement und später hier in der Regierungserklärung zum Ausdruck gebracht haben. Es ist finanzpolitische Trickserei – mehr ist es nicht!

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Im Übrigen – lassen Sie mich den Hinweis auch noch geben –: Diese Lage in der Ukraine ist so, wie Sie sie beschrieben haben. Sie ist vielleicht sogar noch ein bisschen schwieriger.

Die politische Stabilität dieses Landes nimmt ab. Die militärische Gefährdung dieses Landes nimmt zu. Sie wissen natürlich genauso wie wir alle, dass Russland in den letzten Wochen und Monaten seine Rüstungsanstrengungen vervielfacht hat, dass dort mittlerweile Munition und militärisches Gerät in großem Umfang nicht nur eingesetzt, sondern vorrätig gehalten wird für die nächsten großen Offensiven. Und Sie wissen, dass dieses Land unter den gegebenen Umständen überhaupt keine Chance hat, diesen Krieg zu gewinnen. Sie wissen, dass es so ist.

Wenn es heute, fast zwei Jahre nach dem Beginn dieses Krieges, so ist, dann hat diese Lage dort auch etwas mit Ihrer Zögerlichkeit, der Zögerlichkeit der Bundesregierung, zu tun.

Beifallbei der CDU/CSU
Widerspruchbei Abgeordneten der SPD

Sie hat auch zu tun mit Ihrer anhaltenden, unbegründeten Zögerlichkeit, diesem Land auch militärisches Gerät zur Verfügung zu stellen, das das Land seit Monaten dringend braucht.

Ich kann nur das wiederholen, was ein Kollege aus unserer Fraktion in den letzten Tagen gesagt hat:

Zurufdes Abg. Christian Petry [SPD]

Sie täuschen die Öffentlichkeit unverändert darüber, warum Sie eigentlich keine Taurus-Marschflugkörper liefern.

Haben Sie denn Ihren eigenen Antrag nicht gelesen?

Sie behaupten, das dürften wir angeblich aus der Bundesrepublik Deutschland nicht, und bleiben jeden Beweis dafür schuldig, welche Begrenzung es da eigentlich in Ihrer Regierung für diese Entscheidung gibt.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Bundeskanzler, Sie haben nur relativ kurz – und ich kann verstehen, warum – über ein weiteres Thema gesprochen, das auf dem Europäischen Rat eine Rolle spielen wird, nämlich die gemeinsame europäische Asylpolitik. Das hat ja Gründe, dass Sie hier so kurz darüber gesprochen haben. Denn eine Stunde bevor Sie Ihr Pressestatement abgegeben haben, kam die Nachricht, dass in Ihrer Koalition die Bemühungen um die Verabschiedung des Asylpaketes in diesem Jahr gescheitert sind.

Das stimmt nicht! Das ist unwahr!

Herr Bundeskanzler, das waren Vorschläge, die haben Sie noch im November, nach der letzten Ministerpräsidentenkonferenz, als „historisch“ bezeichnet. Da haben Sie hier gestanden und gesagt: Wir haben uns mit den Ministerpräsidenten, und zwar allen 16 – darunter auch ein grüner Ministerpräsident, mit Verlaub, Frau Kollegin –, geeinigt auf ein umfassendes Asylpaket. – Das wollten Sie noch Ende dieses Jahres im Bundesrat zur Beschlussfassung vorlegen. Das ist heute Morgen krachend gescheitert. Sie haben hier Zusagen gemacht, die Sie nicht einhalten können, weil Sie das Vertrauen in dieser Koalition zu diesen Fragen einfach nicht mehr haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben Ankündigungen in Form eines Rückführungsverbesserungsgesetzes gemacht. Sie haben mir das, als ich am 13. Oktober bei Ihnen war, voller Stolz ausgehändigt. Sie haben das selbst gelesen, so sagten Sie, und das sei eines der handwerklich am gelungensten Werke Ihrer Koalition. Sie waren ganz stolz auf das, was Sie da präsentiert haben. Das ist krachend an dieser Fraktion gescheitert, die nicht bereit ist, das mitzumachen.

Zurufder Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nur damit wir mal über den Inhalt dieses Gesetzes kurz Klarheit bekommen: Da geht es um ganze 600 zusätzliche Rückführungen im Jahr, die diese Koalition nicht bereit ist zu akzeptieren. Sie blockieren mit dieser Koalition, die Sie hier „führen“ – in Anführungsstrichen – die Beschlüsse der Ministerpräsidenten, die seit über einem Jahr mit Ihnen darum ringen, wie wir denn das Problem der illegalen Migration nach Deutschland besser lösen können.

Das hat die CDU doch verursacht! Tun Sie doch nicht so, als wenn Sie die Lösung wären! Sie sind das Problem!

Sie blockieren, meine Damen und Herren, einen Vorschlag, den Sie selber hier unterbreitet haben, den wir mit Ihnen teilen: dass wir nämlich den Zeitraum, in dem Asylbewerber Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, von 18 auf 36 Monate verlängern. Noch nicht einmal den Abschiebegewahrsam auf 28 Tage zu verlängern sind Sie mit Ihrer Koalition in der Lage.

Haben Sie doch auch nicht gemacht! Sie haben gar nichts gemacht! Sie haben Millionen hereingelassen!

– Jetzt hören Sie mal auf, hier herumzuschreien! Das bestätigt doch nur, was ich zu Ihnen gesagt habe.

Das bestätigt, dass Sie von uns abschreiben! Sie schreiben ab! Sie sind hohl! Sie haben hier nichts vorzulegen!

Es ist einfach unappetitlich; es ist unerträglich, was Sie für Zwischenrufe da aus dieser Fraktion hier zum Besten geben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Herr Bundeskanzler, ich stelle Ihnen einfach die Frage, nachdem das, was da am 6. November zum Thema „Begrenzung der illegalen Migration nach Deutschland“ mit Ihrer Beteiligung als „historisch“ bezeichnet worden ist: Wie lange wollen Sie sich eigentlich noch von großen Teilen Ihrer Koalition, insbesondere von den Grünen, auf der Nase herumtanzen lassen?

Widerspruchbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie gefährden doch den letzten Rest Ihres Ansehens, Ihrer Autorität im Inland wie im Ausland.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie glauben doch nicht im Ernst, dass diejenigen, die Sie da ab heute Abend in Brüssel treffen, nicht genau wissen, was innenpolitisch in Deutschland vorgeht und wie Sie hier vorgeführt werden in der Koalition, die Sie angeblich führen.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Bundeskanzler, wenn dies anders werden soll, dann müssen Sie ein bisschen mehr politische Führung übernehmen. Ich fordere Sie auf, dass Sie das Paket, das Sie mit allen 16 Ministerpräsidenten am 6. November verabschiedet haben, dass Sie exakt dieses Paket im Januar des nächsten Jahres hier im Deutschen Bundestag als Gesetzgebungspaket vorlegen – eins zu eins das, was da beschlossen worden ist – und dass Sie dieses Paket dann mit der Vertrauensfrage verbinden, ob Sie überhaupt noch die Zustimmung Ihrer Koalition in diesen wesentlichen innenpolitischen Fragen unseres Landes haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Herr Bundeskanzler, wenn Sie das nicht machen, dann wird das nächste Jahr genauso chaotisch beginnen, wie das Jahr 2023 zu Ende geht.

Das nennen Sie „Opposition“?

Das kann sich die Bundesrepublik Deutschland, das können sich die Menschen, das können sich auch die Unternehmen in Deutschland einfach nicht mehr leisten. Dieses Land ist an der Leistungsgrenze angekommen. Es liegt in Ihrer Hand, das zu ändern. Dazu fordere ich Sie mit Blick auf das nächste Jahr auf.

Porträt von Britta Haßelmann
Foto: Studio Kohlmeier
26 Vermerkeca. 1.199 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Viel Selbstvergewisserung für wenig, das war das Resultat der Rede von Friedrich Merz; das haben wir gerade gesehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Man hätte noch drei Minuten länger klatschen können.

Herr Merz, zum einen: Sie sollten nicht alles glauben, was in der „Bild“-Zeitung steht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Sie sollten sich einmal daran orientieren, was Bündnis 90/Die Grünen, die SPD und die FDP in sehr konstruktiven und verantwortungsvollen Gesprächen diskutieren.

Dorothee Bär [CDU/CSU]: Das glauben Sie doch selber nicht! Da müssen Sie selber lachen!
Friedrich Merz [CDU/CSU]: Da müssen Sie ja selber drüber lachen!

Vieles ist geeint, einiges weniges noch offen. Im Januar wird der Gesetzentwurf in einem Gesamtpaket kommen. Da sind wir alle drei sehr zuversichtlich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Meine Damen und Herren, Herr Merz hat hier gerade in Widersprüchlichkeit versucht, von eigenen Schwächen abzulenken. Erst erklärt er hier großmännisch, man könne noch nicht beurteilen, was in dem Statement vom Kanzler, Vizekanzler und Finanzminister gesagt wurde, dann redet er sich aber frenetisch in Rage und sagt: Alles finanzpolitische Trickserei! – Ich finde, das passt nicht zusammen, Herr Merz. Da gibt es Widersprüche.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Vielleicht lassen Sie sich das mal erklären. Entweder Sie können nicht beurteilen, was die drei vorgeschlagen haben, oder Sie bilden sich Ihr Urteil am Ende – oder es steht schon fest.

Ziemlich schlecht war auch, dass Sie kein Wort zum Europäischen Rat gesagt haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Darum geht es heute, meine Damen und Herren. Ich finde, ein Oppositionsführer, der sich hier so gibt, wird der Ernsthaftigkeit der Lage nicht gerecht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Menschen nach Schuhgrößen zu beurteilen und dann so was hier abzuliefern, da passt was nicht.

Nun zur Sache.

Doch schon?

Die Ampelkoalition hat eine tragfähige Lösung gefunden. Heute Morgen haben der Bundeskanzler, der Finanzminister und der Vizekanzler die Eckpunkte vorgestellt.

Geht es jetzt um den Europäischen Rat, Frau Haßelmann?

Meine Damen und Herren, das ist eine wichtige Nachricht für dieses Land. Denn im Land warten sehr viele Bürgerinnen und Bürger, warten die Unternehmen, wartet die Wirtschaft, die Industrie,

Ja, auf wen denn?

warten viele Nichtregierungsorganisationen und Verbände selbstverständlich darauf, dass wir nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil, nach der Auswertung dieses Urteils, jetzt auch einen Vorschlag unterbreiten. Das ist heute erfolgt. Das ist alles andere als Ihr Mimimi, das ist Handlungsfähigkeit dieser Regierung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Wir haben uns auf einen Haushalt 2024 geeinigt. Wir schaffen Sicherheit und Stabilität. Es wird Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit geben. Und anders als Sie, Herr Merz, glauben auch sehr viele Ministerpräsidenten der CDU, die in Regierungsverantwortung sind, dass das dringend notwendig ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Als Oppositionsführer kann man sich das vielleicht erlauben. Als Ministerpräsident – zum Beispiel meines großen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, oder auch vier, fünf andere, zum Beispiel Kai Wegner, Stadtstaat Berlin – kann man das nicht. Deshalb tragen die Ministerpräsidenten, die in Regierungsverantwortung sind, alle dazu bei, Verantwortung zu übernehmen, stellen sich Diskussionen und sagen: Dieses Land braucht Zukunftsinvestitionen. Dazu braucht es auch eine Reform der Schuldenbremse, der Sie sich verweigern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Starker Klimaschutz durch Erhalt zentraler Projekte aus dem KTF wird nach diesen Vorschlägen möglich sein.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Das ist ein wichtiges Signal an die Bundesländer, an die Unternehmen, an die Wirtschaft, die sich auf den Weg der ökologischen und sozialen Transformation gemacht haben.

Und, meine Damen und Herren: Wir stärken den sozialen Zusammenhalt.

Indem ihr die Abgaben erhöht! Benzinpreis rauf! Strompreis rauf!

Es ist vollkommen klar, dass es eben kein Rasieren, keine Kürzungen mit der Rasenmähermethode – wie wenn es nach Ihnen gegangen wäre – bei den Schwächsten im Land geben kann, beim Bürgergeld oder anderswo. Das ist ein klares Signal dieser Ampelkoalition, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Wir werden den Abbau der klimaschädlichen Subventionen angehen. Das ermöglicht uns an anderer Stelle Spielräume im Haushalt. Das sind zwei wichtige Signale: Ausgaben sichern für wichtige Projekte im Bundeshaushalt, die den sozialen Zusammenhalt und das Miteinander stärken, und gleichzeitig an der ökologischen Transformation und am Abbau ökologisch schädlicher Subventionen arbeiten. Das hat die Ampel gut gemacht, meine Damen und Herren. Das ist ein wichtiges Signal,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

genauso wie das Signal, das heute von der internationalen COP 28 ausgeht. Danke an Annalena Baerbock, an alle Ministerinnen und Minister, die dazu beigetragen haben, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Es hat sich gelohnt, beharrlich zu sein. Es hat sich gelohnt, nachzuverhandeln. Denn klar ist am Ende dieser COP, dass die Staatengemeinschaft sich darauf verständigt, den Ausstieg aus den Fossilen zu beschließen. Das ist ein wirklich wichtiges Signal an Europa, auch für den Europäischen Rat. Es ist ein wichtiges Signal für alle beteiligten Staaten, auch die Unterstützung, die signalisiert wurde. Und es ist ein wichtiges Signal an die künftigen Generationen, meine Damen und Herren: Wir meinen es ernst mit der Frage des Ausstiegs aus den Fossilen, mit der Klimaneutralität, auf deren Weg wir uns begeben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie haben das 16 Jahre lang versäumt – das wissen Sie ganz genau – und tragen doppelte Verantwortung dafür.

Meine Damen und Herren, nun noch mal zum Europäischen Rat, zur Ukraine. Wer von uns erinnert sich nicht – ich sehr genau –, wie es war, als wir am 24. Februar letzten Jahres und in den folgenden Tagen, wenn wir als Wahlkreisabgeordnete hier in Berlin angekommen sind, auf den Bahnhöfen die Menschen gesehen haben, die hier in Nachtzügen angekommen sind, die vielleicht alle gedacht haben: „In acht Wochen, in drei Monaten bin ich wieder zu Hause, wieder mit meiner Familie vereint“?

Mir bricht es manchmal wirklich das Herz, wenn ich mir vorstelle, dass die Menschen – die Kinder, die älteren Menschen, die wir gesehen haben –, die nur 1 200 Kilometer entfernt von Berlin gelebt haben – näher als Madrid und viele andere Städte, die uns einfallen, in denen wir in Europa ein und aus gehen, in denen wir in Demokratien frei und selbstbestimmt leben können –, jetzt schon im zweiten Kriegswinter hier sind und darum bangen, dass ihre Männer und Familien in diesem Krieg nicht ermordet, nicht getötet werden, ob ihr Haus vielleicht noch steht oder die Stadt komplett zerstört ist. Das ist die Lebenswirklichkeit von Menschen aus und in der Ukraine – dieses Leid, die Zerstörung –, und ich kann nur an alle appellieren, nicht kriegsmüde zu werden, sich nicht zu gewöhnen an das, was dort stattfindet.

Es ist schlimm; niemand von uns will Krieg. Aber Putin ist derjenige, der seinen brutalen Angriffskrieg auf die Ukraine sofort beenden könnte. Mit einem Handstrich könnte er ihn beenden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Es geht nicht um einen Waffenstillstand oder einen Diktatfrieden, der der Ukraine aufoktroyiert wird. Putin ist der Verantwortliche für diesen brutalen Krieg. Und wir, meine Damen und Herren, sind in der Verantwortung, mit den Bürgerinnen und Bürgern darum zu ringen und darüber zu reden, dass es hier nicht nur um die Ukraine geht, nicht nur um die Freiheit und die Demokratie in ihrem Land.

Es geht auch um die Grünen, oder?

Es geht um einen Angriff auch auf Europa, auf unsere Sicherheits- und Friedensordnung. Deshalb müssen wir alles tun, um die Ukraine humanitär, wirtschaftlich und mit Waffen zu unterstützen und selbstverständlich schon jetzt die Wiederaufbaukonferenz im nächsten Jahr vorzubereiten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich weiß, dass viele Menschen sich wünschen, dass dieser Krieg aufhört. Aber er hört nicht einfach auf, indem die Ukraine bedingungslos aufgibt. Das ist keine Alternative, meine Damen und Herren. Und wir sehen doch, dass es um viel mehr geht als nur um die Ukraine. Wir sehen, wie besorgt die Balten sind, was in Moldau los ist. Deshalb braucht es auch eine Beitrittsperspektive zur EU, und zwar ganz schnell.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Deshalb finde ich es gut, Herr Bundeskanzler, dass klar ist, dass auch das zentral beim Europäischen Rat diskutiert wird; denn diese Zuversicht und diese Perspektive müssen wir Moldawien, müssen wir der Ukraine und selbstverständlich auch den Westbalkanstaaten geben. Ich bin davon überzeugt. Deshalb: Ich wünsche gute Verhandlungen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Das war ja gar nichts! Das war peinlich!

Beifallbei der AfD
Porträt von Tino Chrupalla
Foto: Robert Rösler
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Man musste nach der Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz und auch nach der Rede von Herrn Merz schon konstatieren, dass sie komplett an den Sorgen und Problemen vor allen Dingen des eigenen Landes vorbei argumentiert haben. Frau Haßelmann, Ihre Rede war eine reine Kriegsrede, nichts anderes. Das hat mich wirklich erschüttert.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Da braucht man sich nicht zu wundern, dass immer mehr Bürger mit Sorge und auch wirklich mit Unverständnis auf diese Bundesregierung blicken. Wenn man sich die Halbzeit dieser Bundesregierung anguckt – die ist ja jetzt erreicht –, dann muss man wirklich sagen: Wie dieses Land kaputtgewirtschaftet wird, das gab es nach dem Zweiten Weltkrieg noch nie.

Beifallbei der AfD

Innerhalb weniger Monate ist die Wirtschaftsnation Deutschland durch diese Bundesregierung maßgeblich verändert worden: Inflation, schrumpfende Wirtschaft, steigende Insolvenzen. Und als Krönung erklärt das Bundesverfassungsgericht Ihren Sonderschuldenhaushalt für verfassungswidrig. Ihre Schlussfolgerung daraus – das haben wir ja heute wieder gehört –: Sie lassen sich nicht beirren und laufen genau so immer weiter, mit dem KTF offenen Auges in die Sackgasse. – So sieht aktuelle Politik dieser Regierung aus.

Beifallbei der AfD

Von der SPD hören wir auf dem Parteitag, Sozialausgaben gehörten ja zur DNA der SPD, Sozialausgaben, die mittlerweile zutiefst unsozial sind, weil sie nicht mehr die Notlagen Einzelner abfedern, sondern in Form des Bürgergeldes eine Art Grundeinkommen darstellen. Dieses ist weder an Bedingungen geknüpft

Dummes Zeug!

noch motiviert es, eine teilweise schlechter bezahlte Arbeit aufzunehmen und damit überhaupt etwas für den Sozialstaat zu tun. Sie sehen, werte Kollegen: Diese Politik schafft weiterhin einseitige Abhängigkeiten und eben keine Innovationen.

Keine Ahnung!

Herr Bundeskanzler, wir wissen ja: Sie sind nicht der Mann der vielen Worte. Sie werden vielleicht als der ewig schweigende Kanzler in die Geschichte der Bundesrepublik eingehen.

Olaf, der Vergessliche!

Ihnen sind nicht nur die Informationen zur Warburg Bank abhandengekommen; es gibt in Ihrem Kabinett auch keine Ideen – keine, die wir wahrnehmen –, was Sie eigentlich mit diesem Deutschland anfangen wollen. Dazu haben wir auch heute wieder nichts gehört. Die ganze Welt wollen Sie retten und das Klima noch dazu. Aber das können doch nicht wirklich die einzigen Ziele einer deutschen Bundesregierung sein.

Beifallbei der AfD

Die Bürger in diesem Land müssen für Sie ganz oben auf der Agenda stehen. In Ihrem Wahlkampf haben Sie selbst immer wieder von „Respekt“ gesprochen. Wo bleibt der Respekt für diejenigen, die in diesem Land wirtschaftlich tätig sind, für den Mittelstand, für das Handwerk, für die Industrie? Stattdessen verknappen Sie künstlich die Energieversorgung. Sie schalten intakte Kernkraftwerke ab, lassen mit den Anschlägen auf Nord Stream zu, dass unsere kritische Infrastruktur zerstört wird, und stoppen den Import russischen Gases.

Der Wirtschaftsminister führt seinen grünen Wirtschaftskrieg innerhalb Deutschlands und in der ganzen Welt. Diesen wird er auch nicht gewinnen. Bislang versagt er damit, wie die Wirtschaftssanktionen gegen Russland ja zeigen. Diese haben nur zur Folge – das sehen wir ja aktuell –, dass die russische Wirtschaft wächst und unsere schrumpft. Das ist aktuell der Stand.

Beifallbei der AfD

Heute denkt fast jedes zweite größere Unternehmen über Abwanderung aus Deutschland nach, und jedes dritte sitzt bereits auf gepackten Koffern. Dazu kein Wort von Ihnen, Herr Bundeskanzler. Und mit den steigenden CO2-Preisen, die Sie heute schon verkündet haben, machen Sie den deutschen Wirtschaftsstandort noch unattraktiver.

Beifallbei der AfD

Industrieverbände warnen vor Deindustrialisierung. Das hat die Alternative für Deutschland schon vor Jahren getan. Da wurden uns Verschwörungstheorien vorgeworfen; das war Ihre Aussage damals. Die CO2-Abgabe – Frau Haßelmann hat ja gerade gesagt, Subventionen würden gekürzt – wird dann nicht um 30 Euro die Tonne steigen, sondern um 45 Euro. Damit wird nächstes Jahr die Inflation weiter angeheizt, und dieser Wirtschaftsstandort wird weiter ruiniert. Das ist Ihre Politik, und die werden wir verhindern. Das kann ich Ihnen versprechen.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, Deutschland braucht endlich eine Wohlstandspolitik im Interesse der Bürger. Deshalb braucht es haushalterisch endlich einen Kassensturz. Unnötige Ausgaben müssen weichen, und dazu gehört der ganze Themenkomplex Ukraine. Was ich hier heute gehört habe, macht mich wirklich ein Stück weit fassungslos: Aktuell gibt es jährlich 6 Milliarden Euro Bürgergeld für 700 000 Ukrainer. Bis zum Jahr 2027 sollen weitere 17 Milliarden Euro für Waffenlieferungen und 5 Milliarden Euro für den Wiederaufbau ausgegeben werden. Und das – wir haben ja heute gehört, was Sie im Europäischen Rat besprechen wollen – schließt auch den geplanten Beitritt der Ukraine zur EU ein. 130 Milliarden Euro wird dieser kosten; das hat das Institut der deutschen Wirtschaft berechnet. Dies werden wir natürlich wieder als Hauptfinanzierer finanzieren müssen.

Diese Ausgaben sollen nun vor allen Dingen aus dem Regelhaushalt bestritten werden. Und da sieht man, wie diese Ukrainenotlage, die Sie im Prinzip heute schon für das nächste Jahr angekündigt haben, in Zukunft geplant werden soll. Da werden auch zukünftige eventuelle Zahlungsausfälle anderer Länder – das haben Sie heute ja schon gesagt – mit übernommen. Hier sieht man, dass wir immer mehr zur Kriegspartei werden. Das können wir wirklich nicht zulassen, dass wir uns weiter an den Hals der Ukraine werfen und uns als alleiniger Zahler und Kriegspartei mitverantwortlich machen für Elend und Leid in dieser Region.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Wir sehen ja aktuell – gucken wir in die USA –: Die US-Republikaner blockieren im Senat ein Milliardenpaket für die Ukraine und auch für Israel, weil die US-Bürger eben nicht mehr Geld für fremde Kriege ausgeben wollen. Das wollen auch die deutschen Bürger nicht mehr.

Beifallbei der AfD

Wir brauchen keine konstruierten Feindbilder und Brandmauern. Wir brauchen endlich – das ist es auch, was die Wirtschaft verlangt – vernünftige Rahmenbedingungen, damit die verbliebenen Unternehmen weiter hier produzieren. Begreifen Sie Steuersenkungen als Investitionen! Mit 7 Milliarden Euro Entlastung könnten Unternehmer und auch Endverbraucher rechnen, würden Sie zum Beispiel die Erhöhung der Maut zurücknehmen. Um den eigenen Haushalt zu rechtfertigen, konstruieren Sie weiter mögliche Notlagen. Für das Gaststättengewerbe ist die Notlage ab Januar nächsten Jahres beendet, und der volle Mehrwertsteuersatz wird wieder fällig. Wir sagen: 7 Prozent müssen beibehalten werden, weil die 19 Prozent sonst auch für Essen in Kitas und Schulen gelten werden und auch hier die Preise für Familien weiter steigen werden.

Werte Bundesregierung, Sie alle irrlichtern durch den politischen Alltag. Sie haben keine Konzepte, keine Ziele. Aber Sie haben es mit Ihrer Stuhlkreispolitik mittlerweile geschafft, dass Übermoral und Schwarz-Weiß-Denken wieder gesellschaftsfähig sind. Sie versprechen allen alles und können davon so ziemlich nichts halten. Und deshalb, liebe Kollegen, liegt es auf der Hand: Diese Ampel – sollte sie noch lange so bestehen – steht dauerhaft auf Rot und damit auf Stillstand. Deutschland braucht Veränderung. Deutschland braucht die Alternative.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Saskia Esken
Foto: SPD-Parteivorstand / Susie Knoll
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Heute ist ein guter Tag für Europa.

Ein guter Tag, um sich zu entschuldigen!

Da kann ich mich den Kollegen nur anschließen.

Es ist Zeit, sich zu entschuldigen!

Denn mit Donald Tusk übernimmt ein überzeugter Europäer Verantwortung in Polen, der sich zum Ziel gesetzt hat, die polnische Gesellschaft wieder zu einen. Das ist ein großer Gewinn: für Polen, für seine Nachbarn und Freunde hier in Deutschland und für die Europäische Union.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Vorgängerregierung der PiS hatte mit ihren Angriffen auf die Bürgerrechte das Land gespalten. Das zeigt aktuell der Vorfall im polnischen Parlament, als ein rechtsradikaler Abgeordneter mit einem Feuerlöscher die Kerzen des Chanukka-Leuchters während einer Feierstunde mutwillig gelöscht hat. Wir müssen diesen Hass überwinden, und deshalb ist es gut, dass diese Regierung nun keine Mehrheit mehr hat. Das ist eine gute Nachricht für die Demokratie, ein gutes Signal für den Europäischen Rat und ein gutes Zeichen gegen die Rechtspopulisten in ganz Europa.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Christine Aschenberg-Dugnus [FDP]

Da ist es schon, Herr Merz, ein europapolitischer Offenbarungseid für Ihre CDU, dass Sie kein Wort zum Europäischen Rat verloren haben.

Denn die Herausforderungen der heutigen Zeit können wir doch nur gemeinsam stemmen, gemeinsam als Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, Europas und der Welt.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir hatten über lange Jahre und Jahrzehnte wachsenden Wohlstand und sicheren Frieden. Wir hatten stabile Demokratien in Europa für gesetzt gehalten, für selbstverständlich. Doch die Welt hat sich verändert und mit ihr auch die Herausforderungen. Gerade in diesen unsicheren Zeiten müssen wir den Menschen Antworten auf ihre Fragen und auf ihre Sorgen geben, Verlässlichkeit gegen ihre Zweifel. Sie erwarten von uns Sicherheit und erhoffen sich eine Perspektive für ein gutes, ein selbstbestimmtes Leben.

Das sind nur Phrasen, Frau Esken! Unerträglich!

Und das gilt für alle Menschen – für alle Menschen in Europa und hier in Deutschland.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es gilt für die, die hier geboren sind, ebenso wie für die, die hier ein neues Zuhause gefunden haben, und das unabhängig von ihrer Herkunft und unabhängig von ihrem Glauben. Mit der Anwerbung von Menschen aus der Türkei vor mehr als 60 Jahren, mit der Zuwanderung vieler Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Glaubensrichtungen sind wir ein vielfältiges Land geworden. „Der Islam gehört zu Deutschland.“ So haben das Wolfgang Schäuble und Bundespräsident Wulff treffend formuliert. Heute formuliert die CDU das anders. Sie sagt: „Muslime, die unsere Werte teilen, gehören zu Deutschland.“

Zurufvon der CDU/CSU: Ist das denn falsch?

Die CDU lernt dazu!

Ich finde das beachtlich, Herr Merz; denn ich frage mich: Ist für Sie schon völlig klar, um welche Werte es sich da handelt? Und sind auch die Menschen anderer Glaubensrichtungen davon betroffen, dass sie nur unter bestimmten oder eher unbestimmten Bedingungen zu diesem Land gehören?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Projekt 10 Prozent, Frau Esken!

Die vielen Millionen Muslime und muslimisch gelesenen Menschen in Deutschland, die unser Land mit aufgebaut haben, die das jeden Tag tun, fragen sich jetzt schon, ob sie eigentlich noch dazugehören.

Aber die teilen doch unsere Werte!

Reden Sie nur so weiter!

Dabei wäre es so wichtig, dass wir Zugehörigkeit und Zusammenhalt der Menschen stärken, die in Deutschland und Europa zusammenleben; denn dieser Zusammenhalt macht unsere Demokratien stark.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Mit Zusammenhalt kennt ihr euch ja aus!

Auch die soziale Sicherheit, Herr Merz, stärkt die Demokratie. Doch die Debatte über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Haushaltspraxis hat erhebliche Unsicherheit in unser Land gebracht; denn diese Debatte wird zu einer Kampagne gegen den Sozialstaat missbraucht, von dem doch alle Menschen in Deutschland profitieren und nicht etwa, Herr Merz, die SPD-Fraktion.

Der Parteitag war letztes Wochenende!

Denn er schützt die, die ihn brauchen, und den anderen gibt er Sicherheit. Dabei befasst sich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in keinster Weise mit dem Sozialstaat, sondern mit der Schuldenbremse und mit der Ausnahme davon. Ja, diese neue Interpretation der Schuldenbremse ist unerwartet restriktiv.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Aber die Aufgabe ist lösbar, und wir haben sie gelöst.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das war mit Ansage!

Wir mussten klären, wie wir die Bewältigung der aktuellen, weiter andauernden Krisensituation, insbesondere die Unterstützung der Ukraine, mit der Modernisierung unseres Landes und mit dem sozialen Zusammenhalt vereinbaren können; denn nichts davon wollen und dürfen wir aufgeben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Dabei ist es eminent wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger, dass die Unternehmen, dass die Beschäftigten ebenso wie unsere Partner in der Welt darauf vertrauen können, dass die Zusagen dieses Staates gelten.

Zurufvon der AfD: Können sie aber nicht!

Der offene Versuch von CDU und CSU, in extrem unsicheren Zeiten für Deutschland und Europa einen Bruch der Regierung und Neuwahlen herbeizureden, ist gescheitert, Herr Merz.

Es ist gut, dass die Ampel in diesen Zeiten unter der Führung der SPD Verantwortung für dieses Land trägt. Klar ist für uns: Wir wollen und wir werden die Ukraine weiterhin unterstützen, mit allem, was sie braucht, und so lange es dauert. Wir werden auch weiterhin schutzsuchende Menschen aus der Ukraine aufnehmen und bei uns versorgen.

Beifallbei der SPD

Derzeit stemmen wir die Unterstützung der Ukraine aus dem Haushalt. Für den Fall des Eintritts einer weiteren Verschärfung der Lage haben wir jedoch vereinbart, die Ausnahmeregel der Schuldenbremse zu ziehen.

Hört! Hört!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Wir stehen an der Seite der Ukraine ohne Wenn und Aber.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Gleichzeitig sind wir als Ampel angetreten, unser Land zu modernisieren, die Infrastruktur zu erneuern und zukunftsfähig auszubauen, klimaneutral umzubauen, wie wir wirtschaften, wie wir leben, und dabei Menschen und Wirtschaft nicht allein zu lassen. Das alles schaffen wir nur mit einer strategischen, einer aktiven Industriepolitik; denn uns ist es nicht egal, wo die Halbleiter gebaut werden, wo der Wasserstoff erzeugt wird; und es ist uns auch nicht egal, ob die Industriearbeitsplätze in der Stahlindustrie erhalten bleiben.

Beifallbei der SPD

All das müssen wir nun unter veränderten Bedingungen finanzieren. Wir haben uns deshalb darauf verständigt, Ausgaben zu priorisieren, ja. Aber wir werden nicht die Gestaltung unseres Landes aufs Spiel setzen, und wir sind auch nicht bereit, Menschen, die auf das Bürgergeld, das Wohngeld oder das BAföG angewiesen sind, für den Krieg bezahlen zu lassen oder die Menschen mit kleinen Löhnen und kleinen Renten dafür bezahlen zu lassen, dass dieses Land eine gute Zukunft hat; denn dann ist es keine gute Zukunft.

Beifallbei der SPD

Wenn es um die Staatsfinanzen geht, dann wird gerne von Generationengerechtigkeit gesprochen. „Wir dürfen den Kindern und Enkeln keine Schulden hinterlassen“, heißt es dann. Wir wollen unseren Kindern ein Land hinterlassen, in dem Frieden und Wohlstand herrschen, in dem Klimaschutz, Artenschutz und der Schutz der Menschen vor den Folgen des Klimawandels auch gelingen und in dem der soziale Zusammenhalt gewahrt wird.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ja, die Aufgaben, die wir uns vorgenommen haben, sind gewaltig; doch wenn es einfach wäre, Herr Merz, dann könnten es auch andere machen. Ich bin sehr froh, dass die Ampel, diese Zukunftskoalition, die Kraft aufgebracht hat, den gordischen Knoten beim Haushalt durchzuschlagen. Jetzt werden wir den Menschen die Zuversicht geben, die sie verdient haben, nämlich dass eine gute Zukunft möglich ist.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Robin Wagener
Foto: Robin Wagener/ Dominik Butzmann
8 Vermerkeca. 469 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich komme jetzt mal zum Europäischen Rat.

Heiterkeitund Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Zurufvon der CDU/CSU: Gute Reise!

„Mutig und mit Bedacht versuchen wir, eine gewisse Einheit – deren Konturen wir noch nicht kennen – über der Vielfalt der Staaten, Nationen, Sprachen und Religionen zu schaffen. Wir sind uns bewusst, dass unsere Europa-Idee aus den ewigen Träumen von der Gemeinschaft freier Nationen und der Brüderlichkeit freier Menschen erwächst.“

Diese Worte sprach der damalige und neue polnische Ministerpräsident Donald Tusk bei der Verleihung des Karlspreises 2010. Diese Worte sind aktueller denn je. Und ich wünsche Ihnen, Herr Bundeskanzler, den nötigen Erfolg, um mit Mut und Bedacht diese „gewisse Einheit“ in Brüssel herzustellen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Vor zehn Jahren haben die Menschen der Ukraine auf dem Euromaidan ihre Grundsatzentscheidung für die euroatlantische Integration getroffen: raus aus Willkürherrschaft, Unterdrückung und Korruption. Eine Grundsatzentscheidung Richtung Selbstbestimmung, universeller Rechte und eines Lebens in Würde.

Meine Damen und Herren, die EU-Kommission hat die Fortschritte der Ukraine und der Republik Moldau bestätigt. Beide Länder erzielen große Fortschritte trotz des Krieges und der fortwährenden Destabilisierung. Es sind dieses Engagement und die Reformen, die die Eröffnung von Beitrittsverhandlungen möglich machen. Wir werden weiter tatkräftig dabei unterstützen und mit den heutigen Anträgen vonseiten des Bundestages den Weg dafür freimachen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Mit diesen Entscheidungen machen wir klar, dass wir die Zukunft der Ukraine und der Republik Moldau in Freiheit und Würde sehen und nicht in den Klauen eines Kriegsverbrechers. Die EU ist das Versprechen, das so vielen Menschen Hoffnung gibt.

Unsere eigene Geschichte lehrt uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass man den Worten von Diktatoren Glauben schenken muss, dass deren Worte keine Interpretationsspielräume zulassen. Es gilt nicht, zu glauben, was Putin meint, sondern zu hören, was er sagt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Vor wenigen Tagen bejubelte Putin mit Champagner in der Hand die Produktionssteigerungen der russischen Kriegsindustrie. Dabei sprach er wiederholt der Ukraine ihre Zukunft ab. Er will nicht verhandeln. Er will die Ukraine vernichten. Das sagt er klar und deutlich. Er will die Ukraine für ihren Weg in die Europäische Union bestrafen. Er führt einen Krieg gegen unsere Werte, gegen unsere Normen, gegen unsere Ideale. Die Lehre daraus muss die entschlossene und entschiedene Unterstützung sein, und das nicht nur so lange wie nötig, sondern so stark wie nötig, so schnell wie möglich, so umfangreich wie nötig. Diese Notwendigkeiten definieren sich nicht hier im friedlichen Berlin, sondern dort, wo Putin mit Drohnen, Raketen und Streubomben auf die Menschen der Ukraine zielt. Und zu diesen Notwendigkeiten gehört auch Taurus.

Hier im Haus, liebe Kolleginnen und Kollegen, gibt es die breite Mehrheit unter den demokratischen Fraktionen für die Unterstützung der Ukraine.

Deutsche demokratische Altparteien!

Das ist unsere und Ihre Stärke, Herr Bundeskanzler. Und daraus sollte auch dem Kreml die Entschlossenheit Deutschlands für die Unterstützung der Ukraine deutlich werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Diese Entschlossenheit zeigt den Menschen in Moldau und der Ukraine, dass sie in uns einen verlässlichen Partner haben.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Heute ist ein guter Tag. Wir haben in den letzten Wochen ein hartes Ringen mit unterschiedlichen Perspektiven erlebt.

Der Kanzler und Vizekanzler!

Aber der Haushalt wird stehen. Die Regierung steht. Der Konsolidierungspfad wird fortgesetzt, und wir werden im Januar den Haushalt 2024 gemeinsam beschließen können.

Das hat es in 16 Jahren nicht gegeben!

Herr Merz, Sie haben einen Sieg vor dem Verfassungsgericht errungen, und es ist vollkommen legitim, dass Sie in den ersten Tagen danach hier siegestrunken Ihre Positionen abgespielt haben. Aber vier Wochen nach einem solchen Urteil sollte man ausgenüchtert sein und den Ton vielleicht ein bisschen dämpfen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Michael Donth [CDU/CSU]

Die Schuldenbremse steht. Es gibt keine Ausnahmen. Wir haben vereinbart, dass wir zum Thema Ahrtal eine Prüfung vornehmen und auf Sie zugehen werden.

Das haben wir ja heute Morgen gemerkt, wie ihr auf uns zugeht!

Da werden Sie prüfen können, ob Sie für die Menschen im Ahrtal da sind – wie diese Koalition – oder ob Sie an die Versprechen, die Sie 2021 selbst gemacht haben, nicht mehr glauben.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Hierzu haben wir ein Verfahren vereinbart. Wenn es rechtlich möglich ist, einen tragfähigen Kompromiss zu finden, dann werden wir das tun.

2 Milliarden!

Sonst werden wir die 2,65 Milliarden Euro aus dem Kernhaushalt finanzieren müssen.

Es gibt keine Steuererhöhungen für die arbeitende Mitte. Eine Entlastung in Höhe von 15 Milliarden Euro ist gesichert. 3 Milliarden Euro beträgt das Volumen der Stromsteuerreduzierung. Wir werden unnötige Subventionen abbauen. Und – auch das wurde bereits genannt – es wird Einschnitte geben. Ich sage für meine Fraktion sehr deutlich, dass wir uns im Konsolidierungsbereich durchaus etwas mehr hätten vorstellen können; aber wir sind eine Koalition und müssen hier Kompromisse machen. Das Wachstumschancengesetz – das wurde hier ebenfalls schon erwähnt – ist in diesem Haushaltsentwurf nach wie vor ausfinanziert.

Es geht nicht, dass auf der einen Seite Herr Dobrindt sagt: „Wir müssen was für die Wirtschaft tun“, und auf der anderen Seite von Ihnen der Vermittlungsausschuss torpediert wird

Das tun wir doch auch gar nicht! Das ist doch Quatsch, was Sie da erzählen!

und das Wohl Ihrer Partei und Ihre Profilierung über das Wohl des Landes gestellt werden.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Herr Merz, wenn Sie sich hierhinstellen und Verantwortung einfordern, dann fordere ich auch von Ihnen persönlich Verantwortung ein. Ziehen Sie Ihren Hauptverhandler, Herrn Spahn, ab! Machen Sie das selbst! Und hören Sie auf, auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger und der Wirtschaft in diesem Lande Ihre Parteipolitik zu machen.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Eine Bestätigung dafür, dass er bleibt!

Porträt von Dennis Rohde
Foto: Dennis Rohde/ Ulf Duda
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Koalition ist seit Anbeginn ihrer Zusammenarbeit mit nie dagewesenen Krisen konfrontiert.

Selbstgemachte!

Die Folgen der Coronapandemie wiegen schwer. Der russische Angriffskrieg hat eine Zeitenwende ausgelöst, und diese Zeitenwende hat vieles fundamental verändert.

Was mussten wir uns damals alles anhören! Was wurde uns vorhergesagt! Der Absturz der deutschen Wirtschaft, ein Wutwinter, kalte Heizungen, Blackouts. Während einige das gesagt haben, hat diese Koalition verantwortungsvoll gehandelt. Wir haben nicht gezögert, unsere Wirtschaft gestützt und den Menschen Vertrauen und Sicherheit gegeben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wie groß war die Häme hier im Saal nach der Urteilsverkündung in Karlsruhe! Was mussten wir uns anhören! Von Neuwahlen wurde gesprochen,

Ja, aber hoffentlich!

von einem Kollaps wurde gesprochen. Teils unanständige Schadenfreude, obwohl auch die eigenen Landesregierungen betroffen waren. Heute, 28 Tage später, können wir sagen: Das Urteil hat uns 28 Tage zurückgeworfen; aber es hat diese Koalition eben nicht umgeworfen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Natürlich haben wir alle gemerkt, dass in diesem Land viel über den Haushalt gesprochen wurde, dass die Menschen verunsichert waren und dass sie Antworten verlangt haben, Antworten auf Fragen wie: Wie geht es weiter im Ahrtal? Können die sozialen Träger ihre Arbeit weiter leisten? Wie sieht es aus mit Investitionen des Staates in die Transformation? Sind die Renten sicher? Können die Ukrainer weiter mit der Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland rechnen?

Die Koalition hat reagiert. Wir haben verhandelt, und, ja, wir mussten uns aus mehreren Gründen dafür Zeit nehmen:

Zum einen mussten wir uns Zeit nehmen, weil wir nicht wollten, dass dabei Schnellschüsse herauskommen wie das, was heute von den Rednerinnen und Rednern der Union – von den Rednern, muss man ja richtigerweise sagen – hier gesagt wurde. Ich will das noch mal zusammenfassen: Das, was wir von Ihnen in den letzten Wochen gehört haben, war: Streicht bei den Armen! Streicht bei den Alten! Und streicht bei den Kindern! – Und ich sage: Das darf nie die Antwort einer verantwortungsvollen Politik sein, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Deshalb ist die Botschaft des heutigen Tages klar: Wir streichen nicht beim Sozialstaat! Der Sozialstaat wird nicht angegriffen. Das ist eine wichtige Botschaft des heutigen Tages, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Zum anderen mussten wir uns Zeit nehmen, weil die Vorstellungen in der Koalition unterschiedlich waren; denn wir sind drei eigenständige Parteien mit eigenständigen Profilen, Profilen, die auch die Breite unserer Gesellschaft widerspiegeln. Aber was uns von der Opposition unterscheidet – der Unterschied wurde in den Reden der Opposition sehr deutlich –, ist: Wir wissen: Der Kompromiss gehört zur Demokratie.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deshalb haben wir um den Kompromiss gerungen.

Staatspolitische Verantwortung bedeutet eben nicht, starr an eigenen Positionen festzuhalten, sondern aufeinander zuzugehen, auch wenn es einmal länger dauert. Für das Etwas-länger-Dauern, für die wahrscheinlich Hunderte Stunden, die verhandelt wurden, möchte ich an dieser Stelle Bundeskanzler Olaf Scholz, Robert Habeck und Christian Lindner ganz ausdrücklich danken, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufdes Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]

Diese Verantwortung für das Ringen um die besten Lösungen gilt umso mehr in der heutigen Zeit – in einer Zeit multipler und komplexer Krisen. Heute gilt es umso mehr, Kompromisse einzugehen. Das ist die Grundlage für eine nachhaltige und prosperierende Gesellschaft. Deswegen ist wichtig:

Zurufder Abg. Dr. Alice Weidel [AfD]

Wir stellen sicher, dass die Investitionen in die Transformation stattfinden. Wir stellen sicher, dass die Arbeitsplätze von heute auch morgen noch eine Perspektive haben. Und auch das ist eine wichtige Botschaft, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will auch die Ukraine hier noch einmal erwähnen. Kein Land in Europa unterstützt die Ukraine in einem Umfang wie die Bundesrepublik Deutschland unter Olaf Scholz; und wir werden da weitermachen. Bei allem, was wir tun, ist uns aber eines klar: Wir brauchen in unserer Bevölkerung weiterhin einen Rückhalt, eine große Unterstützung für den Kampf gegen Putins Russland. Gerade deswegen spielen wir den sozialen Zusammenhalt und die innere Sicherheit nicht gegen die äußere Sicherheit aus.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Botschaft, die der Bundeskanzler, der Bundesfinanzminister und der Bundeswirtschaftsminister gesendet haben, ist klar: Wir unterstützen so lange, wie man unterstützen muss! Wenn es ans Eingemachte geht und wir mehr liefern müssen, dann sind wir bereit, die dazu notwendigen Beschlüsse zu fassen, um eben nicht sozialen Zusammenhalt und innere Sicherheit zu gefährden. – Und auch das ist eine wichtige Botschaft, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir werden in dieser Woche den Nachtragshaushalt 2023 final beschließen und damit den ersten Schritt zur Umsetzung des Karlsruher Urteils gehen. Wir haben jetzt eine Einigung auf den Haushalt 2024. Beides zusammen bedeutet zum einen Planungssicherheit für all diejenigen, die Entscheidungen treffen müssen – für ihre Betriebe, für ihre Einrichtungen, für ihre Lebensentwürfe, für ihre Ziele für das nächste Jahr. Es bedeutet zum anderen: Notwendige Investitionen werden nicht vertagt, sondern sie werden angegangen, um die großen Herausforderungen zu bewältigen, vor denen unser Land steht. Denn wir können keine Zeit verlieren, wenn wir Wirtschaft, Industrie und Infrastruktur modernisieren wollen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Diese Koalition regiert das Land, für das sie Verantwortung trägt, und das – das will ich noch mal betonen – in Zeiten von Kriegen und Krisen. Uns ist wichtig, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in dieser Zeit sicherzustellen. Diese Koalition beweist heute – ich weiß, dass viele versucht haben, auf anderes zu wetten –, dass sie handlungsfähig ist.

Ich danke an dieser Stelle noch einmal den Regierungsvertretern für ihre Auftragsarbeit. Ab heute wird der Haushalt wieder vom Deutschen Bundestag verhandelt. Und auch das ist wichtig: Wir sind selbstbewusste Parlamentarier. Wir werden die Vorschläge entgegennehmen. Wir werden sie abwägen. Und am Ende entscheidet der Deutsche Bundestag.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Gunther Krichbaum
Foto: Gunther Krichbaum/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 610 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Bundeskanzler, man kann Ihnen nicht nachsagen, dass Sie Ihre Rede heute mit zu viel Pathos gehalten hätten; vielmehr war sie als Barbiturat verschreibungspflichtig. Die Rede eines glühenden Europäers war das jedenfalls nicht.

Es ist zunächst richtig, dass wir die Ukraine weiter unterstützen müssen. Das wäre ganz einfach, aber heute Morgen wurde abermals im Auswärtigen Ausschuss und in den mitberatenden Ausschüssen – im Verteidigungsausschuss und im Europaausschuss – unser Antrag zur Unterstützung der Ukraine abgesetzt, in dem wir fordern, dass Taurus-Raketen endlich geliefert werden. Wir wissen, woran das hier im Hause scheitert. Aber die Ukraine braucht diese Waffen dringend, damit sie hinter und in den feindlichen Linien wirken können; sonst gehen der Ukraine irgendwann die Soldaten aus. Man sollte das vielleicht mal übersetzen: Vor dem Ukrainekrieg lag das Durchschnittsalter in der ukrainischen Armee bei 22 Jahren. Heute sind es 43 Jahre. Alleine diese Zahl sagt sehr viel über den Verlauf des Krieges.

Herr Bundeskanzler, Sie beklagen den Zustand langer Beitrittsverfahren, aber Sie sagen nicht, wie die Lösung aussehen soll. Zunächst ist richtig, dass wir mit Serbien, mit Montenegro bereits länger als zehn Jahre verhandeln. Im Falle von Albanien oder auch der Ukraine wird das kaum anders aussehen; denn die europäischen Verträge sehen kein Fast-Track-Verfahren vor. Wenn man die Verträge ändern will, dann kann ich gleich „gute Reise“ wünschen. Die letzte große Vertragsänderung auf europäischer Ebene dauerte zehn Jahre – das war der Vertrag von Lissabon.

Wir müssen im Hinblick auf die Balkanländer auch aufpassen, dass wir hier keine zweierlei Tarife schaffen. Aber wichtig wäre doch dann, eine Lösung zu präsentieren. Wir brauchen eine Änderung der sogenannten Methodologie, will heißen, dass wir in Zukunft Beitritte schrittweise vollziehen müssen. Fangen wir doch mit der GASP, der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, an – das wäre ein abgrenzbarer Bereich –, natürlich ohne Stimmrecht für die beitrittswilligen Staaten, aber mit einem deutlichen Signal, dass sie dazugehören. Und wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, lasst uns ihnen doch den Status eines assoziierten Mitgliedes geben. Das ist eine deutliche Botschaft in Richtung China, in Richtung Russland oder – mit Blick auf Bosnien-Herzegowina – in Richtung mancher arabischen Staaten. Das wäre zum Beispiel ein wichtiges Signal und ein Vorschlag, wie wir in Zukunft agieren können.

Herr Bundeskanzler, Sie beklagen auch den Blockadezustand, die Blockadepolitik insgesamt. Das ist in der Analyse zunächst richtig. Dennoch wird abermals kein Vorschlag präsentiert, wie diese zu lösen sind. Was ist der Hintergrund? Länder, die bereits Mitglied der Europäischen Union sind, stellen bilaterale Forderungen – meistens gegenüber Nachbarländern, die erst noch Mitglied der Europäischen Union werden wollen – und missbrauchen diese als Faustpfand. Wie könnte eine Lösung aussehen? Es könnte im Europäischen Rat mit Mehrheit entschieden werden, ob eine solche Frage tatsächlich bilateraler Art ist oder auf europäischer Ebene anzusiedeln ist. Und wenn das Letztere zutrifft, dann muss man das in der Tat klären. Aber für das Erstere gibt es Schiedsverfahren, die beispielsweise auch zwischen Kroatien und Slowenien – Stichwort „Bucht von Piran“ – damals stattgefunden haben.

Diese Forderungen müssen wir umsetzen; sonst kommen wir in der Sache Ungarn gegenüber der Ukraine – da geht es um die ungarische Minderheit – oder Griechenland gegenüber Albanien keinen Zentimeter voran – und Bulgarien, Nordmazedonien lassen grüßen.

Ich würde es auch begrüßen, wenn noch ein klärendes Wort zum Schengenraum gesagt würde; denn Rumänien und Bulgarien müssen nun endlich auch Mitglieder des Schengenraums werden.

Eigentlich sind Krisen die Stunde der Regierung, außer es sind die eigenen, dann sieht die Welt anders aus. Aber wir brauchen ein starkes Deutschland, damit wir zusammen mit Frankreich wieder den Lead übernehmen in der Europäischen Union, damit wir wieder zum Motor werden in der Europäischen Union, damit es wieder vorangeht.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Gregor Gysi
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
6 Vermerkeca. 294 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist zu einem Stellungskrieg geworden. Es gibt keine nennenswerten Landgewinne für die eine oder andere Seite. Anders als unsere Militärspezialisten Scholz, Habeck, Baerbock und Lindner schätzen Laien wie der langjährige Generalstabschef der US-Streitkräfte, General Milley, und der Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Saluschny, es genauso ein und erklären, dass keiner militärisch gewinnen kann. Ich richte mich nach letzteren und meine, dass wir dringend und sofort einen Waffenstillstand benötigen, damit das Töten, Verletzen und Zerstören ein Ende finden.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten sowie des Abg. Dr. Rainer Rothfuß [AfD]

In den Friedensverhandlungen darf die Ukraine nicht verlieren, das heißt: nicht auf Territorium verzichten. Das wäre zugleich ein wirksamer und humaner Weg zur Reduzierung der Zahl der Flüchtlinge, weil die meisten ukrainischen Geflüchteten dann zurückkehren würden, um ihr Land wiederaufzubauen, wobei wir helfen müssen.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten

Zum zweiten Krieg. Der 7. Oktober war ein Schreckenstag, als Hamasleute Babys, Kinder und Frauen und andere unbewaffnete Zivilisten grausam töteten. An dem Tag durfte man nur verurteilen und kein einziges Aber formulieren.

Nun bekämpft Israel die Hamas im Gazastreifen. Wenn die Hamas sich hinter der Zivilbevölkerung versteckt, ist das ein Kriegsverbrechen, genauso wie die Geiselnahme.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten

Trotzdem muss Israel die palästinensische Zivilbevölkerung schützen. Alles andere ist auch ein Kriegsverbrechen. Es gibt international sehr viele Hilferufe, und wir müssen den Druck erhöhen, um der Zivilbevölkerung in Gaza wirksam helfen zu können.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten

Wir dürfen die mit überwältigender Mehrheit angenommene Entschließung des UN-Plenums zur Waffenruhe im Gazastreifen nicht unterschätzen. Aber insgesamt stehen wir vor einer Gabelentscheidung: Entweder erleben wir einen katastrophalen Flächenbrand, oder der Nahostkonflikt wird endlich gelöst. Es wäre traumhaft, wenn die Menschen dort und wir alle noch einen sicheren und souveränen Staat Israel und einen sicheren und souveränen Staat Palästina erlebten.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten

Ich gebe das Wort Johannes Schraps für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
4 Vermerkeca. 434 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir kommen zurück auf den Boden der Tatsachen und zum heutigen Thema.

Nichts hat auf die Länder in unserer Nachbarschaft eine so große Anziehungskraft wie die Aussicht auf einen Platz in der europäischen Familie. Sie bringt Länder dazu, über sich hinauszuwachsen, rechtsstaatliche Normen zu etablieren, Korruption zu bekämpfen und ihre Wirtschaft auf marktwirtschaftliche Beine zu stellen. Der Einsatz der Länder, die dies ernst nehmen, wird belohnt. Die Beitrittsrunden der Vergangenheit zeigen: Die Nachbarschafts- und Erweiterungspolitik ist eines der erfolgreichsten Politikfelder der EU.

Ja, Beitrittsprozesse verlangen den Kandidaten viel ab. Doch sie binden dabei die Länder und die Gesellschaften enger an die EU, Schritt für Schritt. Viele Jahre ist die Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik leider in den Hintergrund gerückt. Die Krisen der Gegenwart, innereuropäische Herausforderungen, die quälenden und im Ergebnis überflüssigen Jahre des Brexits haben dies noch verstärkt. In diese Lücke stießen andere, nämlich autoritäre Staaten, systemische Wettbewerber wie China und Russland, und ihr Geld war willkommen. So traurig es ist: Erst der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat die EU aus ihrer geopolitischen Lethargie befreit, hat der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik eine neue Dynamik gegeben – endlich, liebe Kolleginnen und Kollegen!

50 Prozent Bevölkerungsrückgang in der Ukraine!

Die Ukraine verteidigt nicht nur ihr eigenes Überleben, sondern auch die Sicherheit der Republik Moldau. Schon vor der Invasion haben Präsidentin Maia Sandu und die reformorientierte Regierung bewiesen, dass sie das Land aus den Griffen von Oligarchie und Kleptokratie lösen wollen und können.

Beitrittsverhandlungen sind ein langer, komplexer, technischer Prozess, der beiden Ländern sehr viel abverlangen wird. Als Deutscher Bundestag werden wir den Ländern konstruktiv zur Seite stehen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen aber auch selbstkritisch sein. In der Europäischen Union wird sich vieles ändern, ändern müssen. Mechanismen und Mehrheiten müssen neu definiert werden und neue Handlungsfähigkeit für die Zukunft aufgebaut werden. Rechtsstaatlichkeit als Grundmaxime darf nicht infrage gestellt werden. Die Entscheidungen über unsere Zukunft müssen demokratisch in Brüssel getroffen werden, auf der Grundlage unserer Verträge und nicht durch einen ungarischen Kuhhandel.

Erlauben Sie mir zum Abschluss eine persönliche Anmerkung. Ich bin gestern Abend aus Kiew zurückgekehrt. Die Sorgen im Land nehmen zu, die Unsicherheit über die zukünftige Unterstützung durch die Partner steigt. Jeden Tag sterben Soldaten, werden Kinder verschleppt. Jede Woche wird die Aufrüstung und Mobilisierung Russlands vorangetrieben. Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Versetzen wir die Ukraine finanziell und militärisch in die Lage, entscheidende Erfolge zur Befreiung der besetzten Gebiete zu erzielen, mit allem, was möglich ist!

Zeiten des Krieges sind Zeiten, sich zu entscheiden. Das sollte auch Viktor Orban wissen. Wir haben uns entschieden: für die Freiheit, für die Freiheit der Ukraine. Handeln wir auch so!

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der SPD
16 Vermerkeca. 827 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach dieser Rede des verlängerten Arms Putins hier in Deutschland

Widerspruchbei Abgeordneten der AfD

bin ich froh, dass die Debatte vorher gezeigt hat, dass zumindest alle anderen Fraktionen im Haus sich darauf einigen können, dass heute ein sehr guter Tag ist: Wir haben nämlich die gute Nachricht erhalten, dass Donald Tusk zum Ministerpräsidenten Polens gewählt wurde und das Land in die Mitte der EU zurückführen will.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Die zweite gute Nachricht ist – das will ich für meine Fraktion sagen – die Einigung der Spitzen der Regierung mit Blick auf den Bundeshaushalt 2024, wie wir gerade gehört haben. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Ich habe in den letzten Wochen viele Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern, Bürgerinnen und Bürgern geführt.

Zurufevon der AfD

Oft wurde ich zum Haushalt gefragt: Wie hoch ist da eigentlich die Deckungslücke im Bundeshaushalt? Was machen die 17 Milliarden Euro aus?

Zurufevon der AfD

Wenn man dann zum Beispiel Unternehmerinnen und Unternehmern gesagt hat, dass eine Lücke, die unter 5 Prozent des Bundeshaushaltes ausmacht, hier geschlossen werden muss, dann haben die gesagt: Ja, vor der Herausforderung stehe ich oft. – Natürlich geht das, indem man priorisiert, indem man umschichtet und indem man auch Vorhaben unterlässt. Und genau das ist es, was uns hier von der Bundesregierung vorgeschlagen werden wird, und das ist eine gute Nachricht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Fassen wir doch mal zusammen, was wir jetzt schon sagen können:

Erstens. Die Schuldenbremse wird für 2024 nicht ausgesetzt, und das ist auch richtig so, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zweitens. Mehrere Ministerien der Bundesregierung leisten milliardenschwere Einsparbeiträge. Und wir machen uns auch auf den Weg, um zum Beispiel im Bereich unseres Sozialstaats etwas Nötiges zu tun, nämlich die Arbeitsanreize zu verstärken und zum Beispiel mehr Menschen, die aus der Ukraine zu uns gekommen sind, in einen Job zu bringen. Das allein bringt 1,5 Milliarden Euro nach den Vorschlägen; und das ist richtig, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und drittens. Trotzdem werden die Bürgerinnen und Bürger und die Unternehmen im nächsten Jahr entlastet, und zwar um zusätzliche 15 Milliarden Euro allein bei der Einkommensteuer ab dem 1. Januar. Die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß ist Teil der Vereinbarung, und die Entlastung für Unternehmen in diesem Land durch das Wachstumschancengesetz ist weiter eingeplant. Und das ist genau richtig so, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Apropos Wachstumschancengesetz: Das wäre vielleicht die Gelegenheit für die Kolleginnen und Kollegen von der Union, sich zu fragen, ob sie es eigentlich ernst meinen, dass sie mit einer fadenscheinigen Begründung ihre Blockade dieser notwendigen Entlastung des Mittelstandes und der Unternehmen in diesem Land im Bundesrat aufrechterhalten wollen.

Zurufder Abg. Dorothee Bär [CDU/CSU]

Ich rufe Sie heute auf: Lösen Sie die Blockade! Die Unternehmen in diesem Land müssen entlastet werden, und Sie verhindern das.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ja, in der Tat, Gegenstand der Debatte war auch: Was ist, wenn sich die außenpolitische Lage, die Lage in der Ukraine, noch einmal fundamental verändert? Ich finde – das muss ich für meine Fraktion ganz ehrlich sagen –, wenn durch eine fundamentale Veränderung der internationalen Lage eine außergewöhnliche Notsituation eintreten würde, dann ist es ein Akt der Selbstverständlichkeit, darauf hinzuweisen, dass unser Grundgesetz diesen Staat dann handlungsfähig macht. Genauso ist es aber ein Akt der Selbstverständlichkeit, darauf hinzuweisen, dass diese außergewöhnliche Notlage nicht besteht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP

Deshalb ist es auch richtig, dass die Schuldenbremse für das Jahr 2024 nicht ausgesetzt wird.

Ja, wir müssen die Ukraine entschlossen unterstützen. Wir als Freie Demokraten sind auch der festen Überzeugung, dass wir das als Europäische Union gemeinsam machen müssen. Ich will aber auch sagen, dass mit Blick auf die Tatsache, dass Deutschland heute allein 50 Prozent der finanziellen Hilfen der Europäischen Union für die Ukraine liefert, dazu dann auch gehört, dass dann die europäischen Partner ihren Anteil vielleicht noch stärker tragen müssen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP

Sie wissen, dass wir auch offen dafür sind, die Ukraine stärker militärisch zu unterstützen, zum Beispiel, indem wir endlich Taurus liefern. Wir halten das für nötig, liebe Kolleginnen und Kollegen. Den Schritt können wir gerne gemeinsam gehen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will zum Abschluss meiner Beurteilung dieses Vorschlags der Spitzen der Koalition und der Regierung aber auch noch einmal auf das Thema „Schuldenbremse und Verhalten der größten Oppositionsfraktion“ eingehen. Denn, Herr Merz, Sie haben sich hier eben als Freund der Schuldenbremse positioniert. Ich sage Ihnen als Freier Demokrat: Die Schuldenbremse ist ganz großartig, und deshalb ist es auch richtig, dass das Verfassungsgericht sie gerade gestärkt hat. Deswegen darf die politische Antwort darauf auch nicht sein, dass sie aufgeweicht wird.

Das ist Wording für Neuwahlen!

Ich nehme aber schon zur Kenntnis, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, dass Ihre Unterstützung dieser Position da doch mehr als zweifelhaft ist. Allein das Verhalten in dieser Woche: Montag erklärt Ihr Generalsekretär, dass die Union zur Schuldenbremse steht. Schon am nächsten Tag kommt wieder der nächste Ministerpräsident von der Union, Ministerpräsident Haseloff, und sagt, dass er vom Gegenteil überzeugt ist.

Quatsch! Falsch!

Das ist ja schon eine Wahlkampfrede!

Und Daniel Günther in Schleswig-Holstein hat für 2024 mit der Begründung „Coronakrise“ die Notlage gleich erklärt. Das ist das Gegenteil von dem, was wir 2024 im Bundeshaushalt machen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
2 Vermerkeca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Insofern: Positionieren Sie sich gerne als Freund der Schuldenbremse! Diese Koalition tut das, und das ist richtig so.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
18 Vermerkeca. 928 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Bundeskanzler, Sie fahren heute noch zum Europäischen Rat. Und Sie haben im Gepäck, dass 75 Prozent der Menschen in Deutschland der Überzeugung sind, dass sich die Ampelregierung mit dieser Haushaltskrise blamiert hat. Das ist das Gefühl, das die Menschen in den letzten Wochen entwickelt haben. Das passiert in einer Situation, Herr Bundeskanzler, in der in Europa Entscheidungen über den Mehrjährigen Finanzrahmen und über den Stabilitäts- und Wachstumspakt anstehen. Sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass Sie die Wächterrolle Deutschlands für die Stabilitätskultur in Europa aufs Spiel gesetzt haben.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der SPD

Sie wollten die Schuldenbremse betrügen. Sie haben anschließend die Schuldenbremse zum Problem erklärt. Und Ihr Finanzminister hat heute davon gesprochen, dass Sie kreative Wege gehen werden. Das schafft kein Vertrauen. Auf dem SPD-Parteitag haben Sie noch beschlossen, Sie wollen eine Führungsrolle in Europa übernehmen.

Genau das werden wir auch tun!

Herr Bundeskanzler, Sie haben keine Führung in Ihrer Koalition, Sie hatten noch nie Führung in Europa, und Sie haben in Europa der Stabilitätskultur einen großen Schaden zugefügt. Das ist die Realität in Deutschland.

Sie rühmen sich heute, dass Sie es geschafft haben, einen Haushalt für 2024 in Eckpunkten zu vereinbaren. Herr Bundeskanzler, es fehlt eigentlich nur, dass Sie von einem historischen Moment oder einem Dreifach-Wumms sprechen.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Aber das ganze Schauspiel, das Sie in den letzten vier Wochen seit dem Urteil des Verfassungsgerichts aufgeführt haben, hat nichts, meine Damen und Herren, mit einer Regierung im Arbeitsmodus zu tun, rein gar nichts. Das ist eine Selbsthilfegruppe mit Gedächtnislücke, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Dieses Ergebnis ist auch kein großer Wurf. Darum muss man auch gar nicht herumreden. Das ist das Minimum, was man von einer Regierung erwarten können muss: dass sie einen Haushalt in Eckpunkten präsentieren kann. Aber Ihnen ist es ja auch ganz offensichtlich um etwas anderes gegangen. Ihnen ist es darum gegangen, wie Ihre Regierung aus diesem Schlamassel herauskommt. Oder wie könnte man sonst interpretieren, was Herr Habeck heute Nacht im Fraktionschat der Grünen geschrieben hat? Wörtlich: Verhandlungen fertig, Regierung steht noch.

Zurufvon der SPD: Wo haben Sie das gelesen?

Ich wiederhole: Regierung steht noch. – Darum ist es Ihnen offensichtlich gegangen: ob Ihre Ampelkoalition noch steht.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich sage Ihnen aber: Die Frage, ob Deutschland durch diesen Haushalt stärker wird, interessiert die Menschen. Ob die Wirtschaft durch diesen Haushalt in Fahrt kommt, das interessiert die Menschen. Ob die Bürger durch diesen Haushalt entlastet werden, das interessiert die Menschen. Das kann man getrost mit Nein beantworten. Dieser Haushalt soll Deutschland nicht stärker machen; er soll ausschließlich die Ampel an der Macht halten. Das war Ihre Motivation bei dieser Einigung.

Beifallbei der CDU/CSU
Widerspruchder Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dabei muss ich sagen: Ich hätte eigentlich erwartet, dass in dieser Lage die Ampel die Kraft hat, ihre Fehlentscheidungen zu korrigieren. Ihre Fehlentscheidungen sind die Grundlage für das Haushaltschaos. Deswegen sage ich Ihnen das noch mal: Dieses Land braucht schlichtweg kein Heizungsgesetz, das Staat und Bürger Milliarden Euro kostet. Es braucht keine 5 000 Stellen für Sachbearbeiter, die die Kindergrundsicherung ausbezahlen. Und es braucht kein Bürgergeld, das die Menschen in die Sozialhilfe treibt und nicht in die Arbeit integriert.

Ihre Regierung ist nicht in der Lage, die eigenen Fehlentscheidungen zu korrigieren. Sie sind nicht die Lösung des Haushaltsproblems, Sie sind das Haushaltchaos per se, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich habe Ihren Worten entnommen: Sie wollen die Schuldenbremse für nächstes Jahr einhalten. Kollege Vogel hat das hier auch noch mal betont. Herr Bundeskanzler, dieses Ziel teilen wir. Aber die Gegner dieses Ziels sitzen doch in Ihren eigenen Ampelfraktionen. Am Wochenende haben Sie auf dem SPD-Parteitag beschlossen, die Schuldenbremse auszusetzen, die Schuldenbremse zu schleifen. Frau Haßelmann hat gerade von einer „Reform der Schuldenbremse“ gesprochen. Das ist ja nur eine Umschreibung. Sie haben auf Ihrem Parteitag die Schuldenbremse zum „Wohlstandsrisiko“ erklärt.

Ihre Ministerpräsidenten auch!

Zurufdes Abg. Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich sage Ihnen: Wir glauben Ihren Worten und Ankündigungen zur Schuldenbremse schlichtweg nicht. Sie wollen die Schuldenbremse wahrscheinlich schleifen.

Und Ihre Ministerpräsidenten!

Ich sage Ihnen: Unsere Zustimmung werden Sie dazu nie bekommen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir reden mit Ihren Ministerpräsidenten!

Heute wurde hier von Ampelkollegen davon gesprochen, dass man umweltschädliche Subventionen abbauen will. Ich zitiere mal den Bundesfinanzminister von vor wenigen Wochen hier im Plenum – wörtlich –:

„Bildung … Sicherheit … Wettbewerbsfähigkeit … All das ist möglich bei den bestehenden Einnahmen, ohne Flucht in neue Schulden oder höhere Steuern …“

Jetzt kommt der Abbau klimaschädlicher Subventionen. Bisher hat die FDP so was als „Steuererhöhungen“ bezeichnet.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Möglicherweise haben Sie eine andere Sicht darauf bekommen. Aber es wurde heute noch überhaupt nicht gesagt, was das eigentlich heißt.

Zurufevon der SPD

Was heißt das denn jetzt konkret, „umweltschädliche Subventionen abbauen“? Sind es die Dienstwägen? Ist es die Landwirtschaft? Ist es – ja – nur die Plastikabgabe? Reichlich unwahrscheinlich! Stichwort „Plastikabgabe“: Respekt, das ist wahrscheinlich ein Abschiedsgeschenk an Jürgen Trittin. Herzlichen Glückwünsch dafür; das gönne ich Ihnen gerne, aber das löst kein einziges Problem in diesem Haushalt, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Der Bundesfinanzminister hat ganz offensichtlich keine Zeit mehr, dieser Debatte beizuwohnen. Ich kann Ihnen trotzdem nur den Ratschlag geben: Fangen Sie nicht an, erneut Ihre Haushaltstricksereien zu verschleiern! Sagen Sie offen, dass es Ihnen nicht gelungen ist, Ihre Zusage „keine Steuererhöhungen“ einzuhalten! Sie haben es schlichtweg nicht geschafft und mussten Steuererhöhungen zugestehen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Wahrscheinlich haben Sie noch eine Minute Redezeit! Was schlagen Sie denn vor?

Herr Bundeskanzler, Sie haben auf dem SPD-Parteitag sehr viel von Zuversicht gesprochen. Ja, dieses Land braucht Zuversicht. Aber Zuversicht kann man nicht verordnen; man kann sie nur durch Handeln ermöglichen. Und das, was Sie in den vergangenen Wochen gezeigt haben, hat nicht zu Zuversicht geführt, sondern es hat den Pessimismus in Deutschland weiter gestärkt. Ich kann Ihnen nur raten: Kehren Sie zurück zu einer ehrlichen und soliden Haushaltspolitik! Haushaltspolitik kann man nicht durch Hütchenspielereien ersetzen.

Das sagt der Mautminister!

Da kennen Sie sich aus!

Um noch einmal darauf zurückzukommen, was im Fraktionschat der Grünen von Robert Habeck geschrieben worden ist: Verhandlungen fertig, Bundesregierung steht noch.

2 Vermerkeca. 432 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Kanzler ist schon weg. Es wird jetzt hier gesagt: Polen ist wieder zurück im Herzen Europas. – Aber ich frage mich: Es war doch auch vor der neuen Regierung nicht Hunderttausende von Kilometern von Europa entfernt, genauso wenig wie die Ukraine und genauso wenig wie Russland, like it or not. Außerdem: Für 12 Milliarden Euro aus Brüssel hätte ich Ihnen noch viel mehr, noch was ganz anderes erzählt.

Was ist das großartige Beitrittsversprechen wert? Liebe unschuldige ukrainische Bevölkerung und liebe weniger unschuldige ukrainische Regierung, wie kommen Sie darauf, dass Brüssel und Berlin es ernster meinen könnten mit dem Beitrittsversprechen für die Ukraine als mit dem Minsker Abkommen? Das Minsker Abkommen hat doch die Realpolitikbereitschaft und Seriosität hinreichend unter Beweis gestellt. Und jetzt wurden auch gleich Erwartungshaltungen bei anderen Beitrittskandidaten geweckt: sechs Balkanstaaten plus Georgien und andere; das Europa hinter dem Ural sollte man auch nicht vergessen. Die Erweiterungsfreude und -wütigkeit ist ja unübertroffen.

Sie wollen eintreten in eine EU, die ihren Ursprung, ihre Landwirtschaft, kaputtmacht. Sie treten ein in eine EU, die ihre Industrie kaputtmacht. Sie treten ein in eine EU ohne Grenzschutz, in eine EU, die kein Migrationsmanagement, was diese Bezeichnung verdienen würde, und keine Bildungspolitik kennt, die diese Bezeichnung verdient. Sie treten ein in eine „Titanic“, und man könnte ihnen im Fall des Falles auch nur zum letzten Ticket auf der „Titanic“ gratulieren.

Beifallbei der AfD

Also: Kehren Sie ab von diesem Versprechen, das ohnehin nicht wirklich eingehalten werden wird.

Für den deutschen Steuerzahler gilt bei dieser ganzen Betrachtung – es wurde schon gesagt –: Es stehen allein mit dem Ukrainebeitritt 130 Milliarden Euro im Raum. Man muss jetzt schon konstatieren: Das sind pro Person 240 Euro netto im Jahr für die EU; das hört sich für den deutschen Steuerzahler gar nicht mal so viel an. Es kommen hinzu Migrationskosten von mindestens 600 Euro. Und es kommen auch die Kosten der Sanktionen hinzu. Wir sind hier bisher schon bei 3 000 Euro Kosten pro Person bei den Altmitgliedern der EU, die sich dadurch noch erhöhen werden.

Was bedeutet die Aufnahme von Neumitgliedern? Sie können es sich ausrechnen: Diese zusätzlichen 3 000 Euro führen dazu, dass der Steuerzahlergedenktag – der Tag, der diesmal noch in die Mitte des Julis fällt – in den August rücken wird. Also, acht Monate dürfen Sie für den deutschen Staat, für die EU und für alles, was da dranhängt, arbeiten, liebe Steuerzahler.

Beifallbei der AfD

Ich kann in Anlehnung an „Prinz Friedrich von Homburg“ von Heinrich von Kleist – „In den Staub mit allen Feinden Brandenburgs!“ – nur sagen: In den Staub mit den Feinden des deutschen Steuerzahlers – egal welcher Provenienz!

2 Vermerkeca. 2 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön.

Beifallbei der AfD
Porträt von Anton Hofreiter
Foto: Anton Hofreiter/ Deutscher Bundestag
5 VermerkeZwischenfrageca. 226 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man sich die Reden von Herrn Merz und Herrn Dobrindt angehört hat, dann könnte man ja schon meinen, dass da zwei Herren ein bisschen arg beleidigt sind, weil sie den sicher geglaubten Pokal nicht in die Hände bekamen.

Sagt Toni Hofreiter! Der Fast-Minister! Das ist ja lustig!

Das sagt der Richtige!

Denn sie waren sich ganz sicher, dass die Koalition auseinanderbricht. Sie waren sich ganz sicher, dass sie die Chance haben, an die Regierung zu kommen – und dann war es nichts. Und anstatt souverän damit umzugehen,

Sagt der, der nicht Minister wurde! Das ist ja lustig! Wirklich lustig!

stehen sie da, schauen beleidigt und halten Reden, die der größten demokratischen Oppositionsfraktion überhaupt nicht angemessen sind. Das ist armselig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Und das ist umso problematischer, weil die Situation total ernst ist. Wir als Europäische Union werden angegriffen wie wahrscheinlich noch nie in der Geschichte der Europäischen Union. Wir werden im Inneren angegriffen, unter anderem durch die fünfte Kolonne Moskaus, die hier inzwischen auch sitzt. Wir werden durch Fake News, durch Desinformationskampagnen angegriffen, die aus dem Kreml gesteuert werden.

Ihre Rede reicht!

Unser Verbündeter, die Ukraine, wird direkt militärisch angegriffen. Und Ihnen fällt nicht auf, dass man in solchen Zeiten staatsmännisch zu handeln hat.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ihnen fällt nicht auf, dass man in solchen Zeiten anders auftreten muss. Ihnen fällt nicht auf, dass man in solchen Zeiten nicht wie auf einer Klassenfahrt erst schenkelklopfend und dann, wenn es nicht klappt, kleinlich und beleidigt agieren darf. Und das ist ein Problem.

Porträt von Anton Hofreiter
Foto: Anton Hofreiter/ Deutscher Bundestag
6 Vermerkeca. 183 WörterReaktionswert: lebhaft
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Nein, das machen wir nicht. Es ist schlimm genug, dass die fünfte Kolonne Moskaus hier sitzt, aber sie muss nicht auch noch zusätzliche Redezeit bekommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist so bezeichnend!

Wissen Sie, es ist ja so, dass man sich von der Regierung manches besser wünschen würde, sich manches schneller wünschen würde. Ja. Aber die Lage ist wirklich extrem problematisch. Ich hatte, ehrlich gesagt, nach dem 24. Februar nicht immer geglaubt, dass diese Regierung, dass dieses Land in der Lage ist, die Ukraine in so großem Umfang mit Waffen zu unterstützen.

Wer kritisiert das denn ständig?

Ich bin der Meinung, dass es dringend notwendig wäre, die Ukraine schnell mit Taurus-Raketen zu beliefern. Aber so, wie Sie in der Opposition agieren, machen Sie es unwahrscheinlicher, dass die Ukraine Taurus-Raketen bekommt. Sie verhindern nämlich, dass Druck auf diese Regierung entsteht, damit sie das tut, womit Sie ausnahmsweise sogar mal recht haben.

Das ist ja interessant!

Deshalb würde ich Sie dringend bitten: Schwenken Sie um zu einer staatsmännischen Opposition, einer Opposition, deren Handeln der schwierigen Lage angemessen wäre.

Ohne uns hätte es doch nur Stahlhelme gegeben!

Dann hätten Sie auch deutlich bessere Chancen, das nächste Mal zu regieren. Aber so wird das ganz sicher nichts.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Was war das denn für eine Rede? Das war echt schräg!

Porträt von Johannes Schraps
Foto: Photothek Media Lab
8 Vermerkeca. 921 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Merz, wenn man Ihnen vorhin so zugehört hat, dann konnte man sich tatsächlich eines Eindrucks nicht erwehren: Sie merken zunehmend, dass Ihre monatelange destruktive Politik

hier nicht zu dem führt, was Sie sich vielleicht wünschen.

Illegale Praktiken aufzudecken, ist destruktiv, oder was?

Egal was Sie versuchen, die Ampel findet immer wieder Lösungen dafür, und, ehrlich gesagt, man hat Ihnen in Ihrer Rede die Frustration sehr, sehr deutlich angemerkt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich persönlich bin froh über den Kompromiss zum Bundeshaushalt; denn er ist nicht nur innenpolitisch wichtig, sondern auch mit Blick auf den Europäischen Rat war das heute Morgen eine ganz, ganz wichtige Nachricht. Denn die europäischen Staats- und Regierungschefs werden in den kommenden Tagen hoffentlich historische Entscheidungen treffen, nicht nur zur Aufnahme von Beitrittsgesprächen mit der Ukraine und mit der Republik Moldau, sondern auch über die Bereitstellung von Hilfen für die Ukraine in Höhe von 50 Milliarden Euro für die kommenden Jahre.

Ich bin dankbar, dass auch das Ergebnis der Verhandlungen zum Bundeshaushalt ein klares Versprechen beinhaltet, die Ukraine weiterhin zu unterstützen, bilateral durch die Flüchtlingshilfen hier in Deutschland und auch durch gemeinsame EU-Mittel. Ich glaube, das ist ganz wichtig, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Thomas Hacker [FDP]

Die Fortsetzung der Unterstützung benötigt Kiew tatsächlich dringend, um im Kampf gegen den brutalen und völkerrechtswidrigen russischen Angriff bestehen zu können. Das ist ein absolut entscheidendes politisches Signal; denn wir müssen fest und langfristig an der Seite der Ukraine stehen.

Bei der Fülle der Themen, die beim Europäischen Rat auf der Agenda stehen, werden das in Brüssel wahrscheinlich erneut schwierige und zeitaufwendige Verhandlungsrunden. Aber die vergangenen Tage und Wochen zeigen, glaube ich, dass wir mit unserer Bundesregierung für solche Verhandlungen gut gerüstet sind und auch unter schwierigen Umständen letztlich zu guten Ergebnissen kommen.

Wir sprechen immer wieder über die Rolle Deutschlands in einer schwierigen Welt, in der der brutale Krieg Russlands gegen die Menschen in der Ukraine leider traurige Realität ist. In diesem Zusammenhang freue ich mich, dass wir als Abgeordnete des Bundestages heute ein klares Signal aussenden und unserem Bundeskanzler die Zustimmung zur Aufnahme von Beitrittsgesprächen mit der Ukraine und mit der Republik Moldau mit auf den Weg geben, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Das EUZBBG, das Gesetz über die Zusammenarbeit von Bundesregierung und Deutschem Bundestag in Angelegenheiten der Europäischen Union, gibt vor, dass die Bundesregierung vor diesen abschließenden Entscheidungen im Europäischen Rat mit Blick auf die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen ein Einvernehmen mit uns hier im Bundestag herstellen muss.

Um dieses Einvernehmen herzustellen, nehmen wir mit den beiden heute vorliegenden Entschließungsanträgen Stellung zu dieser Thematik und laden die Bundesregierung ein, die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen auf dem EU-Gipfel zu unterstützen. Diese Position kommt nicht aus heiterem Himmel; sondern sie ist auch eine Anerkennung dessen, was beide Länder in den letzten Jahren und Monaten trotz schwierigster äußerer Umstände erreicht und vorangebracht haben.

Beide Länder haben den Wunsch geäußert, perspektivisch Mitglied der Europäischen Union zu werden, und haben Beitrittsanträge gestellt. Jedem Land steht im Sinne des Selbstbestimmungsrechts der Völker selbstverständlich offen, nicht nur seine Staats- und Regierungsform frei zu wählen, sondern das Völkerrecht beinhaltet eben auch das Recht auf freie Bündniswahl und schließt übrigens auch die Freiheit ohne Fremdherrschaft mit ein. Deshalb unterstützt Deutschland beide Länder nicht nur militärisch, finanziell und humanitär, sondern gerade auch bei den weiteren Schritten auf dem Weg hin zu einer EU-Mitgliedschaft – auch wenn uns die Erfahrung lehrt, dass dafür wahrscheinlich ein langer Atem und viel Durchhaltevermögen notwendig sein werden.

Auch wenn sich die mediale Aufmerksamkeit heute – das ist ein wenig nachvollziehbar – eher auf den Haushalt und auf die Ukraine fokussiert, möchte ich an dieser Stelle betonen, dass wir auch den Kandidatenstatus für Georgien und in unseren beiden Anträgen auch ausdrücklich das Ziel des EU-Beitritts für die Staaten des westlichen Balkans unterstützen. Denn die Prämisse, dass die EU-Erweiterung eine notwendige Investition in unsere Sicherheit und in die Stabilität und den Wohlstand auf dem europäischen Kontinent ist, gilt selbstverständlich auch für diesen Teil Europas, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Jamila Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Thomas Hacker [FDP]

Erweiterung und Vertiefung der EU müssen dabei parallel stattfinden, damit die EU auch mit mehr Mitgliedstaaten weiter handlungsfähig bleibt. Wir müssen uns als EU also aufnahmefähig machen, genau wie sich die Kandidatenländer beitrittsfähig machen müssen.

Politisch und moralisch ist die Situation also vollkommen klar: Deutschland muss fest an der Seite der Ukraine und der Republik Moldau stehen und sich damit auch dem imperialistischen Handeln Russlands entgegenstellen. So helfen wir nicht nur der Ukraine, sich zu verteidigen, sondern wir verteidigen auch unsere eigenen Grundwerte und unser demokratisches rechtsstaatliches Umfeld.

Beifallbei der SPD

Gerade mit Blick auf das Thema Rechtsstaatlichkeit schließe ich mich den Gratulationen an Donald Tusk und übrigens auch an die gesamte neue Regierungskonstellation in Polen ausdrücklich an.

Olaf Scholz hat von den Blockademöglichkeiten einzelner Mitgliedstaaten gesprochen hat, und es erfüllt mich persönlich mit großer Sorge, wenn man in Brüssel momentan im Zusammenhang mit der Unterstützung für die Ukraine immer von großer Einigkeit bei den 27 minus 1 Mitgliedstaaten spricht. Mit „minus 1“ ist der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban gemeint, der wieder einmal damit droht, dass er nur dann bereit ist, dem Beginn von Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine zuzustimmen und dem Land auch die unbedingt notwendigen Finanzhilfen zu gewähren, wenn die finanzielle Unterstützung aus Brüssel für Ungarn freigegeben wird, die von der EU aufgrund von Korruptions- und Rechtsstaatsbedenken im Moment eingefroren ist. Orban ist tatsächlich ein schwerer Mühlstein, den übrigens Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Unionsfraktion, uns in Europa mit an den Hals gehängt haben.

Zurufdes Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]

Als Teil der Europäischen Volkspartei ist er in eine Machtposition gekommen, aus der er nun kaum wieder zu verdrängen ist.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]
Porträt von Johannes Schraps
Foto: Photothek Media Lab
ca. 27 WörterReaktionswert: ruhig
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Der Konditionalitätsmechanismus ist das schärfste Schwert, das wir haben, um die Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens, die Rechtsstaatlichkeit, in Europa zu schützen. Das dürfen wir nicht schleifen lassen.

Porträt von Johannes Schraps
Foto: Photothek Media Lab
ca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
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Und so wenig wir bei unserer Unterstützung für die Ukraine zögern dürfen, so wenig dürfen wir –

5 VermerkeZwischenfrageca. 149 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, der nicht da ist!

Da hat er gut dran getan!

Aber trotzdem beginne ich ausnahmsweise mal mit einem kleinen Lob für den Kanzler. Dass er nämlich beim Nein zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern geblieben ist, rechne ich ihm positiv an. Denn damit wäre der Krieg eine Eskalationsstufe weitergegangen. Vielleicht ist Tausenden Ukrainern, die man jetzt schon als 60-Jährige an die Front ruft, dadurch das Leben gerettet worden. Dieser Krieg muss ein Ende finden. Mit diesem Krieg wird auch nicht unsere Freiheit verteidigt.

Haben Sie gelesen, was der Kiewer Bürgermeister gesagt hat?

Über Selenskyj gibt es ganz andere Meinungen der Ukrainer, als wir sie hier immer in unserer Mainstream-Presse lesen. Lesen Sie das mal! Der Kiewer Bürgermeister spricht von einer autoritären Herrschaft, die Selenskyj aufgebaut hat.

Das hat Putin ja überhaupt nicht!

Der lässt Leute umbringen im Ausland.

Ich bin überhaupt nicht für Militärhilfen. Waffenlieferungen müssen unterbleiben, endgültig.

Abg. Dr. Harald Weyel [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

– Was gibt’s hier?

Lachenbei Abgeordneten der SPD
Zwischenfrageca. 10 WörterReaktionswert: niedrig
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Ich lasse natürlich eine Zwischenfrage zu. Das ist kein Problem.

1 VermerkZwischenfrageca. 83 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank für die Zwischenfragemöglichkeit. – Bei dem Ganzen – die Ukraine ist bei der Rechtsstaatlichkeit angeblich auf dem besten Wege, vier von sieben Kriterien werden angeblich erfüllt – geht ein Aspekt völlig unter: Die EU hat bisher eines geschafft, nämlich dass die Bevölkerung der Ukraine seit Anfang der 90er von 40 Millionen auf inzwischen unter 20 Millionen geschrumpft ist. Das sind 50 Prozent Bevölkerungsverlust oder mehr. Ähnliches gilt für die anderen Beitrittskandidaten.

So ein Quatsch!

Von der Bevölkerung ist ein Viertel in Richtung Osten, in Richtung Moskau, gegangen.

ca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
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Wie schätzen Sie den Aspekt des Bevölkerungsverlustes ein, wenn der EU-Beitritt erfolgt? Wird er umgekehrt oder nicht?

1 Vermerkca. 4 WörterReaktionswert: niedrig
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Dürfte ich kurz antworten?

Das ist doch eine Realsatire!

1 Vermerkca. 178 WörterReaktionswert: niedrig
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Es ist klar, dass sehr viele Menschen nicht mehr in der Ukraine sind – 3,5 Millionen Flüchtlinge; die meisten davon hat Russland aufgenommen. In Deutschland sind über 1 Million ukrainische Flüchtlinge. Insgesamt ist die Bevölkerungszahl unter 20 Millionen gesunken.

Das ist doch Unfug!

– Doch, das ist so: unter 20 Millionen.

Jetzt sage ich Ihnen, was auch dazugehört: Viele Wohnungen, die Ukrainer hier bei uns zugewiesen bekommen, stehen leer. Da können Sie mal gucken gehen. Der Staat zahlt, und da ist kein Mensch. – Ich möchte hier aber nicht die Zeit überstrapazieren. Ich wollte Ihnen nur die Antwort geben: Ja, es stimmt, hohe Bevölkerungsverluste!

Ich persönlich bin der Meinung: Wenn die Waffen ruhen und das Töten an den Grenzen zu Ende ist, steht dem, dass der Rest der Ukraine, der noch da ist, zur EU beitritt, überhaupt nichts im Wege. Warum sollten Kiew und der Westen der Ukraine nicht in die EU kommen? Ich kann mich noch erinnern, dass Putin das sogar einmal selber in einem Vortrag vorgeschlagen hat. Er wird bestimmt nichts dagegen haben, und der Kanzler wird es ja wahrscheinlich auch befürworten.

ca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
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Gut, jetzt bin ich wieder in der normalen Redezeit.

1 Vermerkca. 101 WörterReaktionswert: ruhig
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Ich mache gleich Schluss.

Was ich wichtig finde, ist nur: Unsere Bundesregierung muss sich um unsere deutsche Bevölkerung kümmern. – Die Ukraine hat eine echte Perspektive, wenn sie eine Mittlerrolle zwischen der EU und Deutschland und den anderen Industrieländern hat, und Russland, wenn Handel und Wandel entwickelt werden. Das ist die alte Brandt’sche Friedenspolitik, und genau die fehlt gegenwärtig in Europa.

Ich habe in den letzten Parteitag der SPD reingeguckt. Da habe ich jede Menge Lügen gehört.

Lachenbei der SPD

Das hat mir nicht gefallen. Putin habe uns den Gashahn zugedreht, hat der Kanzler dort gesagt. Da weiß doch jeder, dass es nicht stimmt.

1 Vermerkca. 11 WörterReaktionswert: niedrig
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Gut, ich bin fast zu Ende.

Nee, Sie sind jetzt zu Ende! Jetzt!

Die EU hat über 70 – –

ca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

53 Milliarden Euro Gewinn haben die USA mit Gaslieferungen von Russland aus gemacht.

ca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
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Ja, ich verlasse das Podium jetzt.

1 Vermerkca. 5 WörterReaktionswert: niedrig
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Haben Sie das genau abgecheckt?

Das ist ja irgendwie Fassenacht hier!

8 Vermerkeca. 837 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr verehrte Damen und Herren! Ich habe aufmerksam den Rednerinnen und Rednern, auch von der Opposition, insbesondere von der CDU/CSU, zugehört.

Das lohnt sich immer!

An der einen oder anderen Stelle habe ich mich ein bisschen gewundert. Ich war früher immer der Meinung, nach Herrn Dobrindt könnte es im Verkehrsministerium nicht schlimmer kommen. Dann kam Herr Scheuer. Und heute hält er Reden über Finanzpolitik und Stabilität und Wachstum. Ja, das ist natürlich spannend.

Ich habe auch gehört, wie die Erweiterungsfrage in der CDU/CSU diskutiert wird. Wir haben hier heute zwei Entschließungsanträge der Koalition vorliegen, aber auch zwei Entschließungsanträge der CDU/CSU, mit denen Sie wieder einmal das machen, was Sie in der letzten Wahlperiode auch gemacht haben. Florian Hahn ist ja Gott sei Dank hier; da freue ich mich. Damals hatten wir Anträge zu Beitrittsverhandlungen mit Albanien und Nordmazedonien. Die Verhandlungen standen auf der Kippe,

und die CDU/CSU hat darauf gedrängt, Konditionen einzuführen. Was ist dann passiert? Beide Länder haben zwei Jahre verloren,

und beide Länder haben heute noch damit Probleme. Im Falle von Nordmazedonien ist dann Bulgarien mit einer Blockade der Verhandlungen aufs Tapet gekommen. Das ist Ihre Politik, und das wollen Sie heute hier fortführen. Ich würde mir wünschen, dass Sie dies heute nicht weiterführen, sondern unseren Anträgen zustimmen, damit die Beschlüsse, die jetzt im Europäischen Rat gefasst werden, auch hier eine ganz breite demokratische Basis erhalten, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Thomas Hacker [FDP]

Auch der Mehrjährige Finanzrahmen ist Thema im Rat. Wir wissen, dass die Austeritätspolitik der letzten zehn Jahre, geprägt durch Schäuble und andere, Probleme bereitet hat. Wir wissen, dass Staatshaushaltskrisen damit nicht gelöst wurden. Wir wissen, dass die Infrastruktur gelitten hat. Wir wissen, dass das Sozialgefüge in vielen Ländern gelitten hat. Und wir wissen, dass wir dies aufarbeiten müssen. Deshalb freue ich mich, wenn wir eine ordentliche Debatte über die Weiterentwicklung des Stabilitäts- und Wachstumspakts führen und wenn es in Deutschland eine Weiterentwicklung bei der Frage der Finanzierung der Dinge gibt, die wir zu leisten haben. Das ist das, was wir leisten müssen, und ich glaube, das wird auch im Europäischen Rat ein zentraler Punkt sein müssen, den wir vielleicht sogar im Ecofin noch vor Weihnachten zum Abschluss bringen können, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Anton Hofreiter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Hier hat Deutschland eine führende Rolle. Das hat Deutschland nachgewiesen, auch mit unseren französischen Freunden: Allen Unkenrufen zum Trotz haben wir hier Vorschläge gemacht, hat die deutsch-französische Expertengruppe hier Vorschläge gemacht, wie wir uns weiterentwickeln und wie wir das Erweiterungspaket schnüren können.

Hierbei ist es ganz wichtig, dass wir die Länder in der heutigen Debatte einzeln benennen, auch wenn diese Debatte selbstverständlich von haushaltspolitischen Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben, geprägt ist. Aber trotzdem: Wir müssen genau darauf schauen.

Bosnien-Herzegowina wird im Frühjahr die Chance bekommen – mit den Modalitäten, die vorgegeben sind –, Beitrittskandidat zu werden.

In den Verhandlungen mit Montenegro sind 33 Kapitel eröffnet. Hier gibt es Schwierigkeiten. Die Unabhängigkeit der Justiz muss wiederhergestellt werden. Darauf müssen wir natürlich ein Auge haben.

Mit Serbien, das seit 2014 Beitrittskandidat ist, haben wir natürlich Probleme, politische Probleme: Die Nähe zu Russland muss überwunden werden. Da ist jetzt Wahl am Wochenende. Wir hoffen auf die demokratische Opposition, dass es hier weitergeht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Thomas Hacker [FDP]

Nordmazedonien – ich habe es eben schon genannt – kann einem wirklich leidtun. Die haben so viel gemacht, auch eine Namensänderung, und müssen jetzt noch eine Verfassungsänderung vornehmen. Auch da verlangt man ihnen viel ab. Eben ist schon darauf hingewiesen worden: Sie können mit Ihrer Schwesterpartei dort Einfluss nehmen, dass dies über die Bühne geht und der Beitrittsprozess weitergeht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Albanien steht kurz vor der Eröffnung der ersten Verhandlungscluster. Wir hoffen, dass die Stabilität dort weitergeht. Wir hoffen, dass es demokratisiert wird und dass wir seinen Weg nach Europa beschleunigen können.

Auch im Kosovo müssen wir zusammenarbeiten; um dem Kosovo eine Chance zu geben.

Ich will damit sagen, dass wir wissen – Olaf Scholz hat es zum Amtsantritt schon gesagt –: Der Balkan ist ein Gebiet, das wir nicht aus den Augen verlieren dürfen, und möglichst zügig – und zügig heißt: am Ende dieser Dekade – muss die ernsthafte Chance bestehen, dass das ein oder andere dieser Länder Mitglied der Europäischen Union wird. – Das ist unser Ziel, das ist auch der Vorschlag der deutsch-französischen Arbeitsgruppe, daran arbeiten wir.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Anton Hofreiter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Über die Ukraine ist hier sehr viel gesagt worden, und das ist auch gut so; denn dort ist die Situation am dramatischsten, und dort ist es am schwierigsten, die Voraussetzung für einen Beitritt zur Europäischen Union zu schaffen. Deshalb zollt es mir hohen Respekt ab, was dort an Demokratisierung geleistet wurde. Dies muss weitergehen.

Auch in der Republik Moldau ist die Situation nicht einfach. Wir müssen verhindern, dass der Einfluss Russlands dort wieder stärker wird. Wir müssen die Demokratie dort stärken und damit die Chancen erhöhen.

Georgien – das freut mich – wurde der Kandidatenstatus, wenn auch mit Bedingungen, verliehen. Georgien ist euphorisch und denkt, sie könnten es innerhalb dieses und des nächsten Jahres schaffen, die Bedingungen zu erfüllen. – Wir werden es sehen.

Der Mehrjährige Finanzrahmen ist Thema, –

ca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
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– die Arbeitsfähigkeit der Union. Wir haben Vorschläge zu Sicherheit und Verteidigung gemacht.

ca. 5 WörterReaktionswert: ruhig
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Wir haben zwei Anträge gestellt, –

ca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
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– zur Republik Moldau und zur Ukraine.

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Stimmen Sie diesen zu!

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Ein letzter Satz noch bitte, –

ca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
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– dann werde ich fertig sein. Ich wünsche mir, –

ca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
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– dass Visionen für Europa auch hier formuliert werden.

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Eine Vision möchte ich nennen: –

ca. 5 WörterReaktionswert: ruhig
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Das wäre der letzte Satz.

1 Vermerkca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
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Es gab in der Gründung

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

ein Europa von Kohle und Stahl.

1 Vermerkca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
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Zukünftig könnte auch ein Europa der Zusammenarbeit eine Vision werden.

Vielen Dank und Glück auf!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
3 Vermerkeca. 530 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor drei Wochen war ich auf dem Deutschen Fleischkongress in Mainz. Dort waren circa 500 Vertreter der Fleischindustrie, von den großen Schlachtern bis zu den kleinen Handwerkern. Ich habe dort einen Abend mit sehr spannenden Diskussionen, kritischen, aber auch wertschätzenden Gesprächen verbracht.

Das Schöne ist: Es gab eine große Einigkeit, dass kein Segen darin liegt, dass man übereinander spricht statt miteinander; dass man einander zuhören muss und dass wir nur im gemeinsamen Gespräch zu guten Lösungen kommen.

Ich habe aber nicht nur mit den Anwesenden diskutiert, sondern auch mit denen, die vor der Halle gegen den Fleischkongress protestiert haben, darunter auch Organisationen, in denen ich selber Mitglied bin. Ich finde, es ist gelebte Demokratie, dass man sich der Debatte stellt. Nur so gelingt es uns, Gräben zuzuschütten und sie nicht weiter zu vertiefen.

Auch beim Fleischkongress wurde deutlich, dass sich die Märkte längst umgestellt haben bzw. bereit sind, sich auf das veränderte Konsumverhalten umzustellen. Dazu gehört der abnehmende Fleischkonsum unserer Bürgerinnen und Bürger. So gab es bei dem Thema Fleischkonsum – man höre und staune! – einen eigenen Programmpunkt zum Thema Fleischalternativen, und zwar nicht, weil der Landwirtschaftsminister vorbeigeschaut hat, sondern weil die Unternehmen darin Geschäftsfelder sehen. Während also einige den Kulturkampf „pro und contra Fleisch“ herbeireden wollen, sorgen in der Realität die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Unternehmer selbst dafür, dass sich Märkte neu orientieren und sich auf Veränderungen einlassen. Das ist gelebte Marktwirtschaft, wie ich sie toll finde.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Darum unterstützt die Bundesregierung alle, die sich auf den Weg der Veränderung machen wollen, einerseits mit der Weiterentwicklung der Tierhaltung, andererseits mit unserer Eiweißstrategie; Hauptsache – sehen Sie es mir nach, dass ich das als deutscher Landwirtschaftsminister sage –, es findet möglichst viel Wertschöpfung bei uns im Land statt. Deshalb freut es mich, dass sich die Betriebsergebnisse unserer Höfe in den vergangenen beiden Jahren insgesamt so positiv entwickelt haben.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass die regionale Kreislaufwirtschaft gestärkt und regionale Wertschöpfungsketten durch gutes Fleisch aus Deutschland ermöglicht werden. Diese Bundesregierung hat in den vergangenen zwei Jahren hart daran gearbeitet. Mit der Einführung des staatlich-verbindlichen Tierhaltungskennzeichens haben wir einen großen Schritt in diese Richtung gemacht. Die Kennzeichnung schafft Transparenz für unsere Verbraucherinnen und Verbraucher, sie macht aber gleichzeitig auch die Leistungen unserer Landwirte für Tierschutz sichtbar.

Unser Ziel ist es, unseren tierhaltenden Betrieben eine verlässliche Perspektive zu geben. Dazu fördern wir ab dem kommenden Jahr eine zukunfts- und krisenfeste Tierhaltung mit mindestens 1 Milliarde Euro als Anschubfinanzierung. Wir fördern nicht nur Investitionen, sondern unterstützen darüber hinaus auch bei den laufenden Kosten.

Meine Damen, meine Herren, jüngst auf den Weg gebracht haben wir zudem unsere Bio-Strategie. So wollen wir die notwendigen Rahmenbedingungen für den Ausbau des Ökolandbaus als besonders umwelt- und ressourcenschonende Bewirtschaftungsform stärken. Wir haben alle im Blick, egal ob bio oder konventionell, ob Acker-, Gemüse-, Obstbau oder Tierhaltung.

Eines ist mir zum Schluss kurz vor den Feiertagen noch besonders wichtig – und ich nehme an, ich spreche im Namen von allen –: Wir wissen, dass unsere Landwirtinnen und Landwirte durch ihre harte Arbeit übers Jahr dafür sorgen, dass wir in der Weihnachtszeit viele kulinarische Köstlichkeiten genießen können. Weihnachten ist eben auch Landwirtschaft.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
1 Vermerkca. 561 WörterReaktionswert: ruhig
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich danke sehr herzlich. Ich war ja bei der Premiere dieser neu formierten Befragung der Bundesregierung am 8. Februar mit dem Kollegen Habeck dabei. Ich habe damals von drei Aufgaben für diese Bundesregierung gesprochen, die mir als Minister für besondere Aufgaben – nicht mit so schönen Themen, wie Kollege Özdemir sie hat – besonders am Herzen lagen.

Das erste war das Thema „Kampf gegen den Klimawandel“. Da passt es ganz gut, dass wir heute Morgen eine Einigung bei der Klimakonferenz, bei der COP 28, erleben durften. Ich glaube, es ist ein gutes Zeichen, dass wir auch international vorankommen. Sie werden mitbekommen haben, dass Deutschland dort seinen Beitrag geleistet hat, insbesondere bei dem Fonds, den man gemeinhin „Loss and Damage“-Fonds nennt, aber vor allem auch damit, dass jetzt endlich der Klimaklub gestartet ist. Das ist ein Vorhaben, das wir seit vielen Jahren vorantreiben, und ausgerechnet heute ist mit der Türkei das 37. Mitglied dazugekommen. Ich glaube, das ist ein gutes Signal.

Die zweite große Herausforderung, vor der wir stehen – das habe ich beschrieben, damals noch etwas abstrakt –, ist, dass wir schneller werden müssen. Wir haben das bei den LNG-Terminals gesehen. Es geht um eine Deutschlandgeschwindigkeit, also darum, dass wir unsere über die Jahre angehäufte Behäbigkeit loswerden. Ich glaube, es war ein gutes Zeichen – auch wenn es medial etwas untergegangen ist, weil damals andere Themen im Vordergrund standen –, dass am 6. November die 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten und Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sich mit dem Bundeskanzler zusammengesetzt haben und einen Deutschlandpakt für Beschleunigung geschlossen haben.

Wir haben an diesem Pakt über ein Jahr gearbeitet, weil wir eben nicht nur Überschriften beschreiben wollten: „Deutschland muss schneller werden“, „Die Bürokratie muss abgebaut werden“ und „Planungen müssen digitaler werden“. Wir sind in Gespräche mit vielen Unternehmen, mit den Verbänden, aber auch mit den Ländern und Gemeinden hineingegangen und haben uns angeguckt, was alles die notwendige Geschwindigkeit abbremst. Dabei haben wir über 100 Maßnahmen zusammengetragen. Ich bin sehr dankbar, dass das mit den 16 Ländern so einvernehmlich, so konstruktiv möglich war. Jetzt geht es natürlich an die Umsetzung, sodass aus diesen 100 Maßnahmen auch 100 oder mehr konkrete Gesetzesänderungen werden, damit diese Deutschlandgeschwindigkeit in allen Bereichen – und nicht nur bei unseren so notwendigen Terminals für Flüssiggasversorgung – kommt.

Der dritte Bereich, über den ich damals berichtet habe, war das Thema Arbeitskräftesicherung. Auch da bin ich froh, dass dieses Jahr einen sehr großen Fortschritt mit sich gebracht hat. Wir haben uns zunächst auf das Arbeitskräftepotenzial bei uns in Deutschland konzentriert, also auf diejenigen, die nicht so gut qualifiziert sind, die eine Qualifizierung haben, die vor 30 Jahren mal richtig war, die aber nicht mehr zu den neuen Berufsbildern passt. Ihnen helfen wir, damit eine Nachqualifizierung oder eine Umschulung noch besser werden.

Daneben gibt es das große Potenzial der Fachkräfteeinwanderung, das wir in Deutschland ausnutzen müssen. Dazu haben wir als Bundesregierung Ihnen das Fachkräfteeinwanderungsgesetz vorgeschlagen, das jetzt endlich ein modernes, ein vernünftiges Einwanderungsrecht vorsieht, sodass wir die dringend benötigten Fachkräfte hier nach Deutschland bringen. Da ist so kurz vor Weihnachten, auch nach der aufgeregten und hitzigen Debatte, die wir eben im Rahmen der Regierungserklärung erlebt haben, vielleicht eine gute Gelegenheit, als Mitglied der Bundesregierung Ihnen ganz herzlich Danke dafür zu sagen, dass diese Gesetze so schnell, so gut durch den Bundestag gebracht wurden. Das wird Deutschland jeden Tag ein Stück besser machen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Steffen Bilger
Foto: Steffen Bilger/ Tobias Koch
3 Vermerkeca. 125 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Minister Özdemir, Sie haben in Ihren einführenden Sätzen viele schöne Worte gefunden.

Manche finden gar keine!

Sie haben aber nichts zu den Fragen gesagt, die alle Landwirte seit heute Mittag massiv umtreiben, nämlich: Was steht denn jetzt zur Landwirtschaft in Ihrem Ampelkompromiss? Stimmt es, dass beim Agrardiesel massiv gekürzt werden soll? Stimmt es, dass die Kfz-Steuerbefreiung wegfallen soll?

Sie wollten doch die Kürzungen!

Wir reden da immerhin über ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro. Das bedeutet einen massiven Wettbewerbsnachteil für die deutschen Landwirte, es bedeutet höhere Preise für die Verbraucher. Sie haben sich vor Kurzem noch öffentlich dazu geäußert, dass Sie für den Agrardiesel, für die Landwirte kämpfen werden. Was gilt denn jetzt nun, was ist Sache beim Agrardiesel, bei der Kfz-Steuerbefreiung? Können sich die Landwirte auf Ihr Wort verlassen?

Beifallbei der CDU/CSU
1 Vermerkca. 144 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich möchte meine Frage auch Minister Özdemir stellen. Es geht um das mir sehr wichtige Thema „neue Genscheren CRISPR/Cas“. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsexperten der Vereinten Nationen haben auf der Klima-COP noch mal bestätigt, dass sie neue Züchtungsmethoden als ganz essenziell dafür sehen, dem Klimawandel zu begegnen. Die Wissenschaft hat sich eindeutig für CRISPR positioniert und sagt auch, dass die Züchtungsmethode keinen Unterschied ausmacht, wenn es um die Bewertung von gesundheitlichen Risiken geht. Für die Landwirtschaft ist es enorm wichtig, eine Antwort auf die Fragen zu bekommen, wie sie Ernten sichern, wie sie die Umwelt schützen und wie sie den Herausforderungen des Klimawandels auch in Zukunft begegnen kann angesichts neuer Schädlinge, die auftreten. Sie haben die Enthaltung Deutschlands auch damit begründet, dass echte Wahlfreiheit geschaffen werden soll.

Deshalb möchte ich Sie gerne fragen, wie Sie diesen Widerspruch auflösen wollen.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 164 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das mache ich gerne, Frau Kollegin. – Zum einen will ich mal deutlich machen: Ich war da nicht nur nicht isoliert, sondern mitten im Kollegenkreis; das sieht man ja am Ergebnis. Zum anderen will ich noch mal sagen: Es geht hier nicht um das Für oder Wider. Die neue Gentechnik wird nicht verboten; sie kann selbstverständlich angewendet werden. Worum es hier geht, ist, dass es in Deutschland – übrigens nicht nur im Biobereich, sondern auch im konventionellen Bereich – einen Markt sowohl von Erzeugern als auch von Konsumentinnen und Konsumenten gibt, die sich darauf verlassen, dass sie gentechnikfrei wirtschaften und konsumieren. Wer bin ich denn, dass ich denen sage: „Ihr dürft das nicht“? Das muss ich doch respektieren. Also war meine Verhandlungsposition: erstens Koexistenz und zweitens, dass wir die Patentfrage angehen. Wir haben einen stark funktionierenden Markt – mittelständisch übrigens – in der Pflanzenzüchtung. Der hat doch das Recht, dass er weiterhin geschützt wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Ich verschließe mich der Debatte gar nicht, sondern ich will, dass wir sie pragmatisch führen.

ca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben zu Recht die Positionierung des ökologischen Landbaus und auch der Verbände des ökologischen Landbaus angesprochen. Ihre Positionierung in der Frage ist legitim, auch wenn ich als Landwirtin großes Potenzial besonders im Bioanbau sehe. Aber das beiseitegewischt: Es gab einen Vorschlag, der genau diese Kennzeichnung beim Saatgut sicherstellen sollte und damit auch die Wahlfreiheit sicherstellen wollte.

Deshalb ist noch einmal meine Frage: Was kann man daran aus Ihrer Perspektive noch besser sehen?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Sie haben recht: Die spanische Ratspräsidentschaft hat den Vorschlag der Kommission an der Stelle auch auf unseren Wunsch hin verändert, sodass der Biobereich geschützt gewesen wäre. Ich sage es nochmals: Ich bin nicht der Landwirtschaftsminister der Bios. Es gibt auch einen konventionellen Bereich, der Wert darauf legt, dass er gentechnikfrei ist. Auch dessen Interessen vertrete ich.

Deshalb geht es darum: Diejenigen, die gentechnikfrei wirtschaften, sollen das auch in Zukunft machen dürfen. Die anderen, die es mit CRISPR/Cas machen wollen, sollen es ebenfalls dürfen. Es muss doch ganz in Ihrem Sinn sein: Wahlmöglichkeiten. Der Landwirtschaftsminister setzt sich dafür ein, dass es Wahlmöglichkeiten gibt, und ist nicht der Erzieher der Nation. Das ist nicht mein Job.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Peter Felser
Foto: Peter Felser
ca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister Özdemir, zu den Weidetierhaltern habe ich jetzt nichts gehört. Das ist kein Randthema mehr. Wir haben über 4 000 Risse von Schafen und Nutztieren in Deutschland pro Jahr. Es ist zwei Jahre gar nichts passiert. Sie wissen, man könnte den Wolf aus dem Anhang IV der FFH-Richtlinie in den Anhang V rüberschieben. Da könnten wir sofort anlasslos eingreifen. Wir könnten sofort den Weidetierhaltern und den Schäfern eine Lösung bieten.

Meine Frage ist: Setzen Sie sich für diese Umwidmung ein, oder knicken Sie wieder vor Ihrer eigenen Umweltministerin ein?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 159 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Fürs Einknicken bin ich, glaube ich, nicht bekannt. Im Gegenteil: Ich bin sehr dankbar, dass die Bundesumweltministerin das Thema kraftvoll angepackt hat und dabei auch auf die Interessen der Landwirtschaft sehr stark Rücksicht genommen hat.

Ich sagte es auch: Ich bekenne mich zur Schafhaltung in Deutschland. Ich bekenne mich dazu, dass die Tierhaltung in Deutschland sicher sein muss. Das ist auch eine emotionale Frage für viele Tierhalter. Natürlich haben wir, Gott sei Dank, einen Ausgleich bis zu 100 Prozent bei Schafsrissen usw. und beim Zaunbau. Aber ich sage noch einmal: Das ist auch eine emotionale Frage. Als Frau von der Leyen gesagt hat, dass sie sich die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie anschaut, habe ich sehr klar gesagt, dass ich das begrüße.

National haben wir unter Federführung der Umweltministerin, mit Unterstützung der Landesumweltminister, jetzt eine gute Regelung gefunden. Lassen wir das jetzt mal wirken. Evaluieren wir es. Wenn es wirkt: super. Wenn es Bedarf zur Nacharbeit gibt, werden wir nacharbeiten.

Porträt von Peter Felser
Foto: Peter Felser
ca. 80 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Gerne, ja. – Bei allem Respekt, Herr Minister, Ihre Emotionen nutzen den Weidetierhaltern gar nichts. Ihre Experten verlassen das sinkende Schiff. Neun Verbände sind jetzt aus dem Bundeszentrum Weidetiere und Wolf, BZWW, ausgestiegen. Die Borchert-Kommission hat hingeschmissen. Jetzt schmeißen diese neun Verbände hin. Sie sagen, sie würden nicht gehört. Es ist sinnlos. Sie sind völlig enttäuscht.

Ich frage Sie: Was passiert jetzt mit dem BZWW? Wird das aufgelöst? Machen Sie nur noch Politik mit Ihren eigenen linken und grünen Beratern?

Porträt von Helmut Kleebank
Foto: Helmut Kleebank/ Foto Fehse
ca. 110 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage richtet sich an den Herrn Kanzleramtsminister. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz 2023 haben wir die Ausbauziele für erneuerbare Energien nochmals erhöht, mit dem Ziel, bereits im Jahr 2030 einen Anteil von mindestens 80 Prozent am Bruttostromverbrauch in Deutschland mit erneuerbaren Energien zu decken. In diesem Jahr hat der Solarbereich alle Erwartungen übertroffen. Beim Windausbau an Land kommen wir vorwärts. Auch die erste große Ausschreibungsrunde für Offshore-Windenergieanlagen war stark überzeichnet. Das heißt, die Gesetzgebung zeigt Wirkung. Der Weg ist aber natürlich noch weit.

Deswegen meine Frage: Welche entscheidenden Weichenstellungen will die Bundesregierung in den nächsten Jahren vornehmen, damit wir unsere ambitionierten Ausbauziele sicher erreichen?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 151 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank für die freundliche Frage und die damit verbundene positive Bewertung dessen, was wir bisher gemacht haben. – Was als Nächstes ansteht, habe ich in meinen Eingangsbemerkungen ein bisschen angedeutet. Das ist nämlich die deutliche Beschleunigung aller Planungsverfahren.

Wir haben, wenn Sie sich erinnern, mit den Oster-, Sommer- und dann eigentlich mal Herbst-, später Winterpaket genannten Beschleunigungspaketen dafür gesorgt, dass die Zahlen richtig nach oben gegangen sind. Als Fußballfan will ich das an einem Beispiel festmachen und in der Größe von Fußballfeldern rechnen. Wir haben in der Allianz für Transformation ausgerechnet, dass wir 43 Fußballfelder Photovoltaik bis 2030 brauchen, und zwar jeden Tag, damit wir unser Ziel, 80 Prozent Erneuerbare bis 2030, erreichen. Die gute Nachricht: Wir sind inzwischen bei 32. Und die noch bessere ist: Vor einem Jahr lagen wir bei 17. Das zeigt: Die Maßnahmen wirken. Jetzt geht es darum, diese Beschleunigungseffekte in allen Bereichen auszurollen. Dafür der Deutschlandpakt.

Porträt von Helmut Kleebank
Foto: Helmut Kleebank/ Foto Fehse
ca. 51 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, ich habe tatsächlich eine Nachfrage. – Sie reicht noch etwas weiter in die Zukunft. Nach dem Ende des Kohleausstiegs ist verabredet, dass der weitere Ausbau der Erneuerbaren marktgetrieben erfolgen soll.

Hier ist die Frage an die Bundesregierung: Welche Vorstellungen gibt es, auf welche Art und Weise das am besten erfolgen soll?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da geht es natürlich auch darum, dass wir dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Bei der letzten Offshoreausschreibung – ich glaube, 6 Gigawatt, das ist die gesamte bisher installierte Leistung in der Nordsee – ist es uns nicht nur gelungen, das für null Eurocent pro Kilowattstunde hinzubekommen, sondern gleichzeitig, dass die beiden Bieter insgesamt 12 Milliarden Euro quasi an Brautgeld mitgegeben haben, dass sie überhaupt bieten konnten. Bei der Photovoltaik sehen wir es ähnlich. Es muss auch das Ziel sein, dass die Erneuerbaren ohne Subventionen möglich sind und damit die Stromkosten durch den massiven Zubau von Erneuerbaren in der Perspektive deutlich sinken.

Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
ca. 114 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe eine Frage an Minister Özdemir. Wir haben heute im Ausschuss von Ihnen die Aufzählung gehört, was alles noch auf der Tagesordnung oder auf dem Arbeitsprogramm steht. Vieles war für dieses Jahr angekündigt: Waldgesetz, Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, die Erweiterung auf weitere Tierarten, Ernährungsstrategie.

Ich wollte aber jetzt zum Tierschutzgesetz fragen. Auch das war für 2024 angekündigt. Es wird gemunkelt, dass in anderen Ministerien quasi blockiert wird, dass es auf den Weg gebracht wird. Gibt es eine Vermittlung, gegebenenfalls auch durch das Kanzleramt? Wenn ja, gibt es eine Einigungsaussicht? Wenn nein, gibt es bestimmte Gründe, warum das Tierschutzgesetz nicht auf den Weg gebracht wird? Warum kann sich bisher nicht ressortübergreifend geeinigt werden?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage, Frau Kollegin. – Das finde ich schön, dass Sie sich für das Tierschutzgesetz interessieren. Denn das verdient tatsächlich Aufmerksamkeit. Ich kann Sie aber beruhigen: Die Verbände- und Länderanhörung wird eingeleitet. Wir haben uns unter den drei regierungstragenden Fraktionen dazu verständigt, dass wir sie jetzt starten. Dann kann es zügig vorangehen. Ich finde es gut, wenn Sie das parlamentarisch begleiten. Denn es ist immer gut, wenn ein solches Gesetz auch von Abgeordneten, nicht nur aus der Regierung, positiv begleitet wird.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also, jetzt beginnt erst einmal die Verbände- und Länderanhörung. Sobald wir die gemacht haben – im Laufe des nächsten Jahres –, möchte ich, dass das Gesetz fertig ist und vom Deutschen Bundestag verabschiedet wird. Zeit dafür ist es. Sie wissen: Wir haben gemeinsam im Deutschen Bundestag schon vor langer Zeit den Tierschutz in die Verfassung aufgenommen. Jetzt wäre es auch mal Zeit, dass wir ein modernes Tierschutzgesetz haben, das den Stand der Debatte wiedergibt – ob im Bereich Nutztiere oder im Bereich Haustiere. Auch da gibt es, glaube ich, einiges zu ändern und – das nehme ich an – manches durchaus auch hier fraktionsübergreifend.

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
ca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Frage richtet sich – wen wundert es? – auch an Bundesminister Cem Özdemir. Sie haben vorhin gerade schon die Biostrategie erwähnt. Darüber habe ich mich auch sehr gefreut. Ich und, ich glaube, auch viele in der Bioszene freuen sich sehr über die klare Haltung, mit neuen Gentechnikmethoden erzeugte Pflanzen nicht ungeprüft und ungekennzeichnet auf den Markt zu lassen. Die Situation im Biobereich war lange Zeit schwierig, und ich glaube, die Biostrategie ist da ganz gut. Vor dem Hintergrund, dass es bei uns auch viel Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft gibt, die nicht bio sind, frage ich mich: Was macht die Biostrategie für die ganze Landwirtschaft?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 158 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Kollege. – Ich bin sehr dankbar, dass Sie ansprechen, dass es bei der Biostrategie – so könnte man glauben – nicht nur um die Bios geht. Es ist nämlich tatsächlich so, dass mittlerweile das Verhältnis der Bios zu Konventionellen anders ist, als es vielleicht vor einigen Jahren noch war. Es ist mittlerweile durchaus so, dass viele Dinge längst Eingang auch in die konventionelle Landwirtschaft gefunden haben: ob es der Anbau von Leguminosen in funktionierenden Fruchtfolgen ist – längst eine Selbstverständlichkeit –, ob es Techniken zur Unkrautregulierung sind oder – ich lade Sie alle ein, sich das einmal anzuschauen – ob es die Mobilställe für Geflügel sind – das sind alles Dinge, die im Biobereich mal ausprobiert wurden und längst Eingang gefunden haben.

Das ist meine Vision von Landwirtschaft: kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Der Ökolandbau kann bei der Produktivität noch besser werden. Auch daran wird in der Forschung gearbeitet. Der konventionelle Bereich kann bei der Nachhaltigkeit besser werden. Beide liegen mir am Herzen.

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
ca. 58 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja. – Das letzte Jahr war für den Biobereich sehr schwierig. Wir sehen, dass die Leute jetzt, wo die Inflation zurückgeht, wieder in den Bioladen gehen. Das schlimme Jahr ist vorbei. Trotzdem sehe ich in der Branche und auch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine große Verunsicherung. Ich frage mich: Was kann die Bundesregierung tun, um das zu verbessern?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 106 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben recht: Vor allem die Pioniere, die die Ersten im Biolandbau waren, sind zum Teil betroffen. Es war auch nicht unumstritten, dass man sich mit dem LEH einlässt. Meine persönliche Meinung ist, dass das zur Demokratisierung beigetragen hat, weil es eben auch einem größeren Käuferinnen- und Käuferkreis Bio zugänglich gemacht hat. Wir fördern das mit Wissenstransfer; wir fördern das mit Wissenschaft, aber auch mit einer Informationskampagne, die beispielsweise das Biosiegel europaweit erklären und die Leistungen darstellen soll, die da vollbracht werden.

Wir kommen nun zu Fragen zu den vorangegangenen Kabinettssitzungen, zu weiteren Geschäftsbereichen sowie zu allgemeinen Fragen.

Als Erstes hat der Kollege Röwekamp sich gemeldet.

Porträt von Thomas Röwekamp
Foto: CDU Bremen
ca. 149 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Frage richtet sich an Herrn Minister Schmidt. Sie haben vorhin in Ihrem Eingangsstatement die Deutschlandgeschwindigkeit gerühmt. Wir wären schon froh, wenn diese Deutschlandgeschwindigkeit wenigstens für das Kanzleramt gelten würde.

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor fast zwei Jahren reden wir jede Woche über die dringend notwendige Beendigung dieses Krieges. Und der Bundeskanzler hat unmittelbar nach dem russischen Angriff die Zeitenwende ausgerufen. Das Kanzleramt ist in der Umsetzung aber immer mehr zur „Zeitenbremse“ geworden. Die notwendigen Schlussfolgerungen werden nicht getroffen. Die Ukraine wird mit ihrer Bitte nach Lieferung der Marschflugkörper Taurus seit vielen Monaten hingehalten. Die Rüstungsindustrie klagt über verzögerte Exportgenehmigungserteilungen, und auch der reibungslose Transport und Transit von Rüstungsgütern in Europa wird von Ihnen eben gerade nicht vorangebracht.

Alle ihre Vorgänger, unabhängig von der Parteizugehörigkeit, haben sich als „Chancenermöglicher“ verstanden. Sie wirken als „Chancenverhinderer“. Wann werden Sie die Taurus-Marschflugkörper liefern?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
1 Vermerkca. 172 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank. – Viele der Punkte, die Sie angesprochen haben, betreffen die Beratungen des Bundessicherheitsrats, und wie Sie, glaube ich, ziemlich genau wissen, sind diese Beratungen vertraulich. Deswegen würde ich mich strafbar machen, wenn ich dazu was erzähle. Ich persönlich habe auch keine Marschflugkörper oder andere Waffen im Arsenal. Das haben vielmehr der Bundesminister der Verteidigung und die Bundeswehr.

Ich glaube, wenn es um die Unterstützung der Ukraine geht – das ist hier auch in der vorhergehenden Debatte und bei der Regierungsbefragung deutlich geworden –, steht die Bundesrepublik, stehen wir ganz weit vorne. Wir sind der zweitgrößte Unterstützer der Ukraine im Hinblick auf Waffenlieferungen und auch, wenn es um finanzielle Unterstützung geht. Ich erlebe in meinen Gesprächen mit den ukrainischen Freundinnen und Freunden dafür eine große Dankbarkeit. Der Kanzler hat darauf hingewiesen, dass es im Moment vor allem darauf ankommt, dass die furchtbaren Luftangriffe Russlands mit Drohnen und Marschflugkörpern abgewehrt werden. Dafür liefern wir mit IRIS-T, den Patriots und vor allem den Gepard-Panzern die notwendigen Mittel, damit die Ukraine sich verteidigen kann.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Porträt von Thomas Röwekamp
Foto: CDU Bremen
1 Vermerkca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben darauf hingewiesen, was Sie liefern, aber Sie haben die Antwort vermieden, zu sagen, was Sie nicht liefern. Welchen sachlichen Grund gibt es eigentlich, dass Sie die Taurus-Marschflugkörper nicht liefern lassen? Ihre Ministerkollegen sind dafür; die Mehrheit dieses Hauses ist dafür, dass geliefert wird. Es geht nicht nur darum, sich dauerhaft gegen einen Krieg zu verteidigen, sondern es geht darum, diesen Krieg durch einen Sieg der Ukraine zu beenden. Was werden Sie dafür tun?

Beifallbei der CDU/CSU
Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 113 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich hatte schon geschildert, dass solche Entscheidungen im Bundessicherheitsrat getroffen werden und die Beratungen der Geheimhaltung unterliegen. Deswegen kann ich nichts dazu sagen, weil ich mich jetzt hier strafbar machen würde. Es ist so, dass wir die Ukraine auf alle möglichen Arten und Weisen sehr massiv unterstützen. Und ich kann es nur noch mal wiederholen: Ich erlebe eine große Dankbarkeit der gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten, aber auch vieler Menschen aus der Ukraine für genau diese Unterstützung. Der Kanzler hat auch bei der Frage, wie wir mit der schwierigen Haushaltssituation umgehen, sehr deutlich gemacht, dass wir in unserer Unterstützung für die Ukraine nicht nachlassen werden.

Ich gebe Herrn Hoppenstedt jetzt das Wort zur Geschäftsordnung.

Porträt von Hendrik Hoppenstedt
Foto: Dr. Hendrik Hoppenstedt/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 145 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Zu Geschäftsordnung. Ich finde es nicht in Ordnung, dass Sie hier den Bundessicherheitsrat vorschieben. Natürlich wollen wir hier nicht was aus bestimmten Diskussionen des Bundessicherheitsrates erfragen. Aber es muss doch möglich sein, dass diese Bundesregierung in der Lage ist, uns mal zu erklären, warum Taurus nicht geliefert wird und welche Argumente exakt dafür sprechen, es nicht zu tun. Dieser Deutsche Bundestag hat schlichtweg das Recht, danach zu fragen. Das kann nicht leerlaufen. Deswegen zur Geschäftsordnung: dass Sie hier einfach nicht antworten.

Das ist ein Geschäftsordnungsantrag!

– Nein, das war kein Geschäftsordnungsantrag, Herr Kollege. Wollen Sie, dass wir jetzt darüber abstimmen, dass Sie bestimmen, wie die Bundesregierung antwortet? Das geht nicht.

Dass die Bundesregierung antwortet!

– Die Bundesregierung hat geantwortet, und sie wird auch auf weitere Fragen antworten. Darüber kann ich nicht abstimmen lassen und gebe jetzt zunächst dem Herrn Kanzleramtsminister das Wort. Danach gibt es eine weitere Frage, und zwar des Kollegen Erndl.

Bitte schön.

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe aber ehrlicherweise meiner Antwort nichts hinzuzufügen.

Porträt von Thomas Erndl
Foto: CSU-Landesleitung / Christian Kaufmann
ca. 63 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Bundesminister, die Situation ist eine schwierige, und wir unterstützen einerseits und freuen uns, dass wir da auch vorne mit dabei sind. Aber am Schluss geht es doch um die Frage, ein Ziel zu erreichen. Ich frage Sie: Was formulieren Sie eigentlich als Ziel unserer Ukraineunterstützung, und wie bewerten Sie dann, ob diese Unterstützung geeignet ist, dieses Ziel dann auch tatsächlich zu erreichen?

Porträt von Florian Hahn
Foto: Cosima Höllt
ca. 47 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Bundeskanzleramtsminister, wenn für die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine und im Übrigen auch für unsere eigene die deutsche wehrtechnische Industrie und ihr Bestand von besonderer Bedeutung ist, sind wir uns dann einig, dass es für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Industrie wichtig ist, Verträge einzuhalten und Exportzusagen einzuhalten?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 104 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, da sind wir uns sehr einig. Genau deswegen haben sowohl das Kanzleramt als auch natürlich die fachlich zuständigen Ministerien wie das Verteidigungsministerium oder das Bundeswirtschaftsministerium einen sehr intensiven Austausch mit der wehrtechnischen Industrie.

Da geht es einerseits um die Frage, wie wir unsere Bundeswehr bestmöglich ausstatten, aber andererseits geht es natürlich auch um die Frage, wie wir dafür sorgen, dass die Munitionsproduktion richtig in die Gänge kommt. Ich glaube, Sie wissen, dass wir keine wirkliche Industrie haben, weil die Nachfrage in der Vergangenheit nicht ausreichend groß gewesen ist, sodass sich eine industrielle Produktion häufig nicht gelohnt hat. Und das ändert sich jetzt gerade.

Porträt von Knut Abraham
Foto: CDU Elbe-Elster/Andreas Egeresi
ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich hatte das BMVg gefragt, was für rechtliche Gründe geprüft werden in Sachen Taurus. Die Antwort war, das sei eine hypothetische Frage. Und Sie, Herr Minister, sagen jetzt, es sei der Bundessicherheitsrat. Meine Frage – auf Herrn Erndl zurückkommend –: Tun wir wirklich alles, um das von Ihnen für die Ukraine beschriebene Ziel, dass der Krieg gewonnen wird, zu erreichen?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
1 Vermerkca. 105 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ob wir das tun, kann ich Ihnen nicht beantworten. Wir tun jedenfalls das, was möglich ist. Wir hatten eben eine sehr erregte Debatte über die Fragen des Haushalts. Es ist hier von einigen geschildert worden, dass das alles viel zu viel sei, was getan werde. Und wir haben geschildert, dass wir im nächsten Jahr alleine 8 Milliarden Euro an militärischer Unterstützung für die Ukraine vorsehen.

Zurufvon der AfD: Da könnte man auch mal streichen!

Damit sind wir ganz, ganz, ganz weit oben. Und wenn wir uns umgucken, wer da so nachfolgt: Da sind nicht mehr viele. Also, insofern glaube ich, dass wir das, was jetzt auch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes möglich ist, tun.

1 Vermerkca. 121 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, wir brauchen ja hier nicht um den heißen Brei herumzureden. Es geht ja gar nicht um das Geld. Es geht um ein Waffensystem, das mal gebaut wurde in den 70er-Jahren – das wissen Sie –, um mögliche Angriffe aus dem Warschauer Pakt Richtung NATO im Vorfeld zu verhindern. Diese Taurus können das. Wir haben genug davon; sie liegen bereit. Die Ukrainer müssten daran geschult werden. Das hat auch nichts mit dem Bundessicherheitsrat zu tun, sondern schlichtweg mit Ihrer Einstellung, dass Sie das nicht wollen. Und ich finde, es gehört zur Lauterkeit dazu, dass Sie uns sagen, warum Sie das nicht wollen, und nicht damit ablenken, wo irgendwas besprochen wird. Sondern Sie sind gefragt, und wir erwarten eine Antwort von Ihnen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

War Frau Strack-Zimmermann nicht bei der FDP?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
1 Vermerkca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe jetzt einige Unterstellungen in der Frage gehört. Ich habe auf die Frage Ihres Kollegen zu verschiedenen Waffenexporten und Genehmigungsfragen geantwortet, dass das eine Sache ist, die im Bundessicherheitsrat besprochen und entschieden wird, und dass diese Beratungen geheim sind. Daran kann ich jetzt irgendwie keine falsche Aussage erkennen.

Und Ihre Unterstellung, ich hätte irgendwie eine persönliche Agenda – oder was ich bei Ihnen herauslesen muss –, warum wir bestimmte Dinge nicht machen, kann ich auch nicht nachvollziehen. Es gibt zu dieser Frage im Moment nichts Neues mitzuteilen. Und das ist ja nun auch Gegenstand intensivster Debatten an allen möglichen Stellen gewesen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ja, nur nicht im Bundessicherheitsrat!

2 Vermerkeca. 70 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Minister, für Ihre Ausführungen. – Ich würde Sie gerne fragen, ob Sie, unabhängig von den Kapazitäten, die wir bei Taurus haben, glauben, dass der Einsatz von Taurus tatsächlich ein Gamechanger wäre,

Das wurde im Bundessicherheitsrat besprochen! Dazu kann er nichts sagen!

der der Ukraine zum Sieg verhelfen würde. Und ich würde gerne anschließend fragen – wenn Sie sagen: wir tun alles, was möglich ist –: In welchen Bereichen unterstützen wir denn noch, beispielsweise beim Wiederaufbau oder bei der humanitären Hilfe?

Porträt von Florian Hahn
Foto: Cosima Höllt
ca. 37 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kanzleramtsminister, Sie haben ja vorher bestätigt, dass es für die Wettbewerbsfähigkeit unserer wehrtechnischen Industrie essenziell ist, Verträge und auch Exportzusagen einzuhalten. Dann würde mich interessieren, weshalb die Bundesregierung Großbritannien verbietet, Eurofighter nach Saudi-Arabien zu exportieren?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
1 Vermerkca. 69 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Abgeordneter, es tut mir leid, Sie berühren jetzt schon wieder einen Bereich, der, wie Sie wissen, den Beratungen des Bundessicherheitsrats unterliegt. Und ich kann, ohne mich strafbar zu machen, dazu nichts sagen.

Doch! Sie können sagen, was Sie meinen!

Das sind Beratungen, die, ich glaube, aus guten Gründen geheim sind. Und aus diesem Grunde möchte ich zu diesen Dingen und den Erwägungen, die da zu einzelnen Entscheidungen getroffen oder nicht getroffen werden, keine Stellung nehmen.

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es handelt sich um eine neue Frage, Herr Präsident. Und diese richtet sich an Herrn Özdemir. – Herr Özdemir, im vergangenen Oktober ereignete sich an unserer deutschen Ostseeküste ja eine schwere Sturmflut, die zu starken Zerstörungen entlang unserer Küste geführt hat. Die Gewalt der Natur hat dabei auch Küstenschutzanlagen getroffen und schwer beschädigt. Sind Sie von den Ländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in Kenntnis gesetzt worden, in welchem finanziellen Umfang Schäden an den Küstenschutzanlagen vor Ort entstanden sind? Und wenn dem so ist, wie und in welcher Höhe wird sich der Bund im Rahmen der GAK an der Behebung dieser Schäden beteiligen?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 204 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Seidler, für Ihre Frage. – Sie sind ja ein verlässlicher Teilnehmer dieser Regierungsbefragung. Ich muss gestehen: Beim ersten Mal war ich nicht wirklich vorbereitet. Diesmal habe ich ein bisschen damit gerechnet, dass Sie sich kraftvoll für das Thema einsetzen. Danke auch dafür; denn die schwere Sturmflut betrifft nicht nur Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, sondern sie sollte uns alle interessieren.

Wir haben natürlich sofort Kontakt mit Werner Schwarz und Till Backhaus aufgenommen, und wir sind da im engen Austausch. Es geht nicht so sehr um die Folgen für Land-, Forstwirtschaft, Fischerei; da sind sie überschaubar. Aber im Bereich „Tourismus und Küstenschutz“ waren sie sehr heftig. Deshalb haben wir uns gleich angeschaut: Hat es eine nationale Dimension? Dabei sind wir zu der Übereinstimmung gekommen, dass das nicht der Fall ist. Aber der Bund beteiligt sich im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ seit ihrem Inkrafttreten maßgeblich an der Finanzierung von Küstenschutzmaßnahmen, auch an der Ostsee, und nimmt dort 70 Prozent der für die Küstenländer anstehenden Maßnahmen als förderfähig an. Das ist deutlich mehr als beim Rest. Mit dem Bundeshaushalt 2023 hat die Bundesregierung die Mittelausstattung für den GAK-Sonderrahmenplan „Küstenschutz“ noch mal deutlich erhöht und bis 2040 über Verpflichtungsermächtigungen abgesichert.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja. – Vielen Dank. Herr Minister, ich sehe einige Küstenkinder hier im Saal. Ich kann Ihnen sagen: Wir sind erleichtert, dass Sie sich weiterhin daran beteiligen.

Nun hat in Schleswig-Holstein Ihr Partei- und Ministerkollege, Herr Goldschmidt, angekündigt, den Küstenschutz an der Ostsee nach der Jahrhundertsturmflut strukturell etwas anders aufzustellen. Das Land will jetzt an mehr Stellen Verantwortung für den Küstenschutz übernehmen. Das kostet Geld. Der Landesminister hat deshalb bereits Abgeordnete des Bundestages kontaktiert und um Unterstützung geworben. Meine Frage an Sie: Hat Ihr Kollege aus Kiel auch Sie bereits um zusätzliche finanzielle Unterstützung gebeten, und, falls ja, was haben Sie ihm geantwortet?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 141 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich glaube, Sie ahnen es. Er wäre ein schlechter Landesminister, wenn er nicht auch mit dem Bund Verbindung aufnehmen würde. Sie kennen aber auch die Rechtslage: Planung und Durchführung des Küstenschutzes sind gemäß Grundgesetz eine Aufgabe der Küstenländer bzw. der Kommunen. Trotzdem – ich habe das ja gerade gesagt – ist für die Bundesregierung klar, dass das eine Aufgabe von nationaler Bedeutung ist. Darum sind es eben 70 Prozent und nicht, wie bei den anderen Maßnahmen, 60 Prozent, und darum haben wir deutlich gemacht, dass wir hier dauerhaft mit dabei sind. Wir sind da in einem engen Austausch.

Lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen – die für die Antwort vorgesehene Zeit läuft ab –, noch einmal darauf hinzuweisen, dass der Bau höherer Deiche mit der Klimakrise zu tun hat. Daher sind wir auch diesbezüglich gefordert, alles Notwendige zu tun, damit es nicht noch schlimmer wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
1 Vermerkca. 90 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Frage geht an den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Es geht um das Thema der neuen Pflanzenzüchtungstechniken. In Ihrer Pressemitteilung zu dem abgelehnten Kompromissvorschlag haben Sie geäußert, dass Sie sich frühzeitig für einen Kompromiss zwischen den Interessen der Wissenschaft, des Ökolandbaus, des konventionellen Landbaus, der Verbraucherinnen und Verbraucher und der Lebensmittelwirtschaft eingesetzt haben. Wir wissen, dass diese Pflanzenzüchtungstechniken das Potenzial haben, dass wir zum Beispiel Pflanzenschutzmittel einsparen können. Was mich stark interessiert, ist die Frage: Welche Interessen der Wissenschaft haben Sie in dieser Aussage gemeint?

Weltagrarbericht!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 182 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Wir sind da in einem engen Austausch. Ich rede mit allen Stakeholdern, wie sich das für einen Landwirtschaftsminister gehört. Ich nehme die Interessen von beiden Seiten wahr. Ich habe mich öffentlich immer – das haben Sie ja sicherlich mitbekommen – sehr vorsichtig geäußert, um nicht etwas zu präjudizieren. Dafür habe ich hier und da ja auch Kritik bekommen. Den einen ist es zu weitgehend, den anderen ist es nicht weitgehend genug; also ist es genau richtig.

Ich will ausdrücklich sagen: Es geht hier nicht nur um die Bios; es geht um den gesamten Bereich. Beim letzten Deutschen Bauerntag des Deutschen Bauernverbandes habe ich mit Herrn Rukwied über genau dieses Thema diskutiert. Wir waren uns einig: Es geht um das Thema Koexistenz, und es geht um das Thema Patente. Da braucht es gute Lösungen. Dafür sollten eigentlich auch Sie sein; denn dann haben wir für beides Möglichkeiten. Ich bin ja gar nicht dagegen; aber wir brauchen für beides Möglichkeiten. Wer sich für gentechnikfrei entscheidet, der ist doch kein schlechterer Bürger als jemand, der sagt: Ich will es aber mit Gentechnik.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Dr. Daniela De Ridder [SPD]
ca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben über den ökologischen Landbau gesprochen. Mich würde interessieren – ich frage noch einmal –, weil ich aus dem Wissenschaftsbereich komme, mit welchen Interessen der Wissenschaft man Ihrer Meinung nach bei diesen Pflanzenzüchtungstechniken einen Kompromiss eingehen muss.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 129 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es geht darum, dass es einen funktionierenden Markt gibt. Noch mal: Es ist nicht mein Recht und auch nicht meine Aufgabe, in einen funktionierenden Markt einzugreifen. Ich habe es nicht zu bewerten, wenn Leute aus welchen Gründen auch immer sagen: Wir wollen es aber gerne so! – Das gilt übrigens auch für die Erzeuger – ich sage es nochmals; ich kann es gar nicht oft genug wiederholen –, sowohl konventionell als auch bio.

Die bayerische Landesregierung hat dazu ja eine etwas andere Position. Deren Position ist, glaube ich, näher bei dem, was ich hier formuliert habe. Das ist nicht parteipolitisch sortiert. Ich finde ganz spannend, was da gemacht wird. Ich schaue mir das an, und wenn es das hält, was Sie sagen, ist das wunderbar. Aber lassen Sie doch beidem eine Chance.

Porträt von Oliver Vogt
Foto: Dr. Oliver Vogt / Peter Hübbe
1 Vermerkca. 116 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Bundesminister, ich würde bei dem Thema gerne kurz nachfragen, weil Sie eben den Forschungsbereich erwähnt haben. Wir tun in Deutschland unwahrscheinlich viel im Bereich Grundlagenforschung, investieren hier jedes Jahr Milliarden, auch durch staatliche Förderung. Da sind wir richtig stark. Unser Problem ist aber, dass wir das Ganze am Ende nicht zur Marktreife bringen. Deshalb wundere ich mich sehr, dass Sie bei der Abstimmung auf europäischer Ebene am Montag durch die kraftvolle Enthaltung Deutschlands dafür gesorgt haben, dass es zu keiner qualifizierten Mehrheit gekommen ist. Wie schaffen wir es denn Ihrer Ansicht nach, auch in dem wichtigen Bereich der Neuen Genomischen Techniken Innovationen voranzutreiben, damit diese Forschung auch in Deutschland und in Europa stattfindet?

Beifallbei der CDU/CSU
1 Vermerkca. 114 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Verehrter Herr Präsident! Verehrter Herr Minister Özdemir, Sie haben eben selber darauf hingewiesen, dass Sie als Teil der Bundesregierung an einer ganz maßgeblichen Entscheidung der letzten Wochen beteiligt waren, und zwar an der Entscheidung auf EU-Ebene über die Wiederzulassung des Totalherbizids Glyphosat, dessen Anwendung zum 31. Dezember 2023 ausgelaufen wäre. Das war ja ein Erbe der ehemaligen Bundesregierung. Ich möchte von Ihnen gerne wissen, wie Sie sicherstellen wollen, dass gerade auch im Interesse von Biodiversität, von gesunden Böden und als angemessene Reaktion auf den Klimawandel auf nationaler Ebene ein EU-rechtskonformer Zustand erreicht wird und ab dem 1. Januar 2024 und auch ab dem 1. Juli 2024 die Anwendung dieses Totalherbizids möglich ist.

Jetzt gehen wir von Gentechnik zu Pflanzenschutz!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 165 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Kollege, für die Frage. – Die Entscheidung der Kommission kam ohne die Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland zustande. Wenn Sie sich die Mehrheitsverhältnisse anschauen, sehen Sie, dass ich da durchaus in der Mitte der Mitgliedsländer der Europäischen Union bin. Die Gründe dafür sind, glaube ich, bekannt; die müssen wir hier jetzt nicht noch mal ausbreiten.

Wir machen uns wegen der Auswirkungen dieses Totalherbizids auf die Biodiversität massiv Sorgen. Nichtsdestotrotz muss ich mich an geltendes Recht halten – das ist völlig klar – und muss das jetzt national vollziehen. Deshalb habe ich erst mal im Wege der Eilverordnung das Verbot von Glyphosat zum 1. Januar 2024 aufheben müssen, weil das rechtlich keinen Bestand mehr hat, gleichzeitig aber auch dafür gesorgt, dass die bestehende Anwendungsbeschränkung fortgeführt wird; die wäre sonst Ende des Jahres ausgelaufen. Die Eilverordnung dient dem einstweiligen Rechtsschutz und schafft Klarheit für Zulassungs- und Überwachungsbehörden, Anwender und Hersteller. Jetzt müssen wir in bewährter Weise in der Koalition im Gesetzgebungsverfahren unter Beteiligung des Bundesrates etwas Neues vorlegen.

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
1 Vermerkca. 53 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich kehre zurück zum Thema der neuen Gentechnikmethoden. In der ursprünglichen Frage wurde der spanische Kompromissvorschlag erwähnt. Ich frage: Hat dieser spanische Kompromissvorschlag eine Kennzeichnungspflicht enthalten, und sind Sie mit mir der Ansicht, dass ich als Verbraucher oder Verbraucherin das Recht haben sollte, zu wissen, ob ich gentechnisch veränderte Lebensmittel esse oder nicht?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Der spanische Vorschlag hat eine Kennzeichnungspflicht ausdrücklich nicht umfasst, Herr Abgeordneter. Das war auch der Grund dafür, dass sich nicht nur die Bundesrepublik Deutschland so verhalten hat, wie sie sich verhalten hat, sondern auch eine Menge anderer Mitgliedstaaten, zum Teil mit weiter gehenden Argumenten. Ungarn beispielsweise hat gesagt, dass das seinen Vorstellungen von Subsidiarität widerspricht. Es gab da eine Bandbreite von Positionen; aber das sind genau die Themen, über die ich gerne verhandeln würde.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
ca. 182 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Herr Präsident. – Herr Kanzleramtsminister, auch wenn die AfD-Fraktion die Position nicht teilt, so ist es doch Ziel der Regierung im Rahmen der Agenda 2030 und auch Ziel der Ampelkoalition im Rahmen des Koalitionsvertrages, die CO2-Emissionen auch im Energiesektor massiv zu senken. Wenn wir aber ein Fazit ziehen, stellen wir fest, dass die CO2-Emissionen im Energiesektor zwischen 1995 und 2022 um gerade mal 31 Prozent gesunken sind, trotz Hunderter Milliarden Euro, die in diesen Sektor geflossen sind, und trotz eines massiven Anstiegs der Strompreise.

Das Ergebnis am gestrigen Tage war, dass in Deutschland über 600 Gramm CO2 pro Kilowattstunde emittiert worden sind – wie gesagt, nach über 20 Jahren des Bemühens und nach Ausgaben von Hunderten Milliarden Euro –, während Frankreich gerade einmal 50 Gramm CO2 pro Kilowattstunde, also ein Zwölftel davon, emittiert hat. Herr Kanzleramtsminister, sind Sie immer noch der Meinung, dass Deutschland mit seinem Sonderweg, der von keinem anderen Land jemals beschritten worden ist, in der Lage ist, die von der Regierung und der Ampelkoalition gesteckten Ziele zu erreichen, und, wenn ja, was soll das die Bevölkerung noch kosten?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 144 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Abgeordneter, herzlichen Dank. – Ja, das ist das erklärte Ziel dieser Bundesregierung. Sie haben es angesprochen: Deutschland hat unter verschiedenen Regierungen den Weg gewählt, dass wir aus der Nutzung der Atomkraft aussteigen und gleichzeitig die Erneuerbaren massiv ausbauen wollen. Ich glaube, inzwischen ist anerkannt, dass der Neubau von Atomkraftwerken ökonomisch nicht sinnvoll ist. Die Gestehungskosten bei den Erneuerbaren liegen deutlich darunter, sodass alle Atomkraftprojekte, die ich kenne, mit deutlichen Kostensteigerungen zu tun haben.

Wenn Sie auf den CO2-Ausstoß anspielen und Frankreich als Beispiel nehmen: Im letzten Winter hatten wir die Situation, dass wir unsere französischen Freunde mit deutschem Strom aus Gaskraftwerken versorgen mussten, weil über die Hälfte der französischen Atomkraftwerke vom Netz ging. Das hat natürlich auch dazu geführt, dass bei uns die CO2-Emissionen hochgegangen sind, während Frankreich keinerlei Emissionen hatte. Vielleicht erklärt das ein bisschen die Zahlen, die Sie geliefert haben.

Porträt von Rainer Kraft
Foto: Rainer Kraft/Hagen Schnauss
2 Vermerkeca. 117 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ja. – Ich meine, der Wert von 600 Gramm ist der von gestern, nicht vom letzten Winter. Und es ist schön, dass Sie auf den letzten Winter hinweisen; denn Frankreich ist dabei, uns jede Nacht mit seinem Strom auszuhelfen. Die Exportstatistik zeigt doch, dass Frankreich der unangefochtene Exportmeister Europas ist, was Strom angeht, und das zu Preisen, die weit unterhalb dessen liegen, was die Bundesregierung ihren Unternehmen, ihren Industrien und den Bürgern anbieten kann.

Alternative facts!

Frankreich musste gerade krass die Preise erhöhen!

Auf europäischer und auf globaler Ebene haben sich dieses Jahr zwei große Initiativen zur Förderung der nuklearen Erzeugungskapazität gebildet. Also, ganz offensichtlich ist das Investment in Atomkraft nicht out. Die Frage ist: Will die Bundesregierung sich an einer dieser Initiativen oder an beiden beteiligen?

Bauen Sie sich doch selber eins, wenn Sie genug Geld haben!

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 27 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich hatte Ihnen geschildert, dass die Gestehungskosten für neuerrichtete Atomkraftwerke sehr deutlich über denen für Erneuerbare liegen. Wenn Sie andere Zahlen haben, würde mich das sehr interessieren.

Porträt von Isabel Mackensen-Geis
Foto: Isabel Mackensen-Geis/ Fionn Grosse
ca. 159 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Minister Özdemir, ich bin Rheinland-Pfälzerin, und deshalb liegen mir zwei Themen besonders am Herzen: der Weinbau und der Wald. Meine Frage bezieht sich auf Letzteres. Unsere Wälder erbringen vielfältige Leistungen für unsere Gesellschaft. Sie sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen, tragen zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei und dienen auch der heimischen Erzeugung des nachwachsenden Rohstoffs Holz. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Der Wald ist sehr wichtig für die Wertschöpfung im ländlichen Raum. Zugleich ist er aber auch ein wichtiger Freizeit- und Erholungsort. Man kann auch sagen, dass er ein hochemotionales Thema für die Gesellschaft ist.

Seit 2018 können wir aber alle sehen, dass es unserem Wald nicht besonders gut geht. Aufgrund der Klima- und Artenkrise haben wir die Aufgabe, unsere Wälder zu arten- und strukturreichen Mischwäldern umzubauen, um die Bereitstellung dieser Ökosystemleistungen weiter zu erhalten. Meine Frage ist: Welchen Beitrag wird die Novellierung des Bundeswaldgesetzes zur Generationenaufgabe des Waldumbaus leisten?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 160 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Auch mir liegt das Thema sehr am Herzen. Vier von fünf Bäumen in der Bundesrepublik Deutschland sind nicht gesund. Das muss uns alle miteinander alarmieren. Es handelt sich hier um eine Generationenaufgabe.

Das letzte Gesetz ist von 1975. Seitdem hat sich vieles verändert. Dem müssen diese Regelungen Rechnung tragen. Sie müssen einerseits die Leistung anerkennen, die der Wald für Klimaschutz, für Biodiversität – die Wertschöpfungskette Wald und Holz beispielsweise – vollbringt. Dafür ist ein konsequenter Waldumbau zu klimaresilienten, naturnahen Wäldern wichtig. Aber dafür braucht es auch Förderinstrumente. Lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen, hier trotz allem, was mir am Haushalt nicht gefallen hat, die positive Botschaft zu verbreiten, dass die Mittel aus dem ANK für den Waldumbau gesichert sind.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Das, was hätte enden sollen, wird also weiter finanziert. Dafür vielen Dank! Da hat sich der gemeinsame Kampf gelohnt. Ziel ist, dass wir bundeseinheitliche Vorgaben dazu machen, natürlich gemeinsam mit den Ländern, mit den Kommunen, mit den Waldbesitzenden.

Porträt von Isabel Mackensen-Geis
Foto: Isabel Mackensen-Geis/ Fionn Grosse
ca. 32 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe angesprochen, dass das ein hochemotionales Thema ist. Deshalb ist ein breiter gesellschaftlicher Konsens sehr wichtig. Wie können wir den vielleicht noch unterstützen bzw. besser herstellen, auch im Zuge dieses Gesetzgebungsprozesses?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Indem der Prozess hoch partizipativ ist. Das ist meine Art, zu arbeiten: frühzeitig alle Stakeholder mit einbeziehen, von den Waldbesitzenden – die sind ja sehr unterschiedlich; es betrifft den Kommunalwald, den öffentlichen Wald, Privatbesitzende mit kleinen bis hin zu ganz großen Anteilen – bis zu den Waldnutzern, den Ökos. Alle sollten wir gemeinsam an einen Tisch bringen und dann gucken, dass wir für die Fragen vernünftige, ausbalancierte Lösungen finden, mit denen wir natürlich die Waldbesitzenden nicht alleinlassen. Das ist mein Ziel, und da sind wir auf einem sehr guten Weg. Das erste Feedback zeigt – das ist ein Klassiker –: Den einen geht es zu weit, den anderen geht es nicht weit genug; ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
ca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Herr Minister, eine Frage zum Thema Wald. Der Schutz der globalen Biodiversität ist uns allen natürlich ein wichtiges Anliegen. Auf EU-Ebene wurde 2020 die EU-Biodiversitätsstrategie durch die Kommission verabschiedet. Sie sieht einen Anteil von 10 Prozent an Stilllegungsflächen im Wald vor, auch in Deutschland. Laut einer Studie des Thünen-Instituts, also Ihres Forschungsinstituts, führt diese Strategie dazu, dass die Produktion von Holz bzw. die Abholzung von Wäldern auf Drittstaaten, auf den Globalen Süden verlagert werden könnte. Wie gedenken Sie diese wissenschaftlichen Erkenntnisse zu beachten und diese negativen Verlagerungseffekte zu mindern?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 121 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Grundsätzlich müssen Stilllegungen meines Erachtens mit Augenmaß vorgenommen werden. Deutschland ist – trotz aller Kritik im eigenen Land – auch im globalen Vergleich immer noch eines der Vorzeigeländer, was das Thema „nachhaltige Waldbewirtschaftung“ angeht; das will ich mal ausdrücklich sagen. Andere Länder wollen von unseren nachhaltigen Waldbewirtschaftungskonzepten lernen und schauen sich diese hier an. Wir haben da eine enge Zusammenarbeit. Ich möchte mich damit nicht schmücken; denn diese Konzepte gehen auf jahrhundertelang gepflegte naturnahe Kulturwälder und ihre forstwirtschaftliche Nutzung zurück. Das schließt ein gewisses Flächenziel, wie es im Koalitionsvertrag beispielsweise für die Buchenwälder vereinbart wurde – Sie kennen das –, nicht aus. Das Ministerium macht sich unter anderem grundsätzlich für andere Waldschutzkonzepte stark, wie beispielsweise unter der Biodiversitätskonvention.

ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Minister Özdemir, zum Wald. Sie haben gerade das Waldgesetz angesprochen; das ist zurzeit in der Debatte. Sämtliche Fraktionen hier im Hause und auch die Bundesregierung verfolgen ja in allen Bereichen das Ziel: keine weitere Bürokratisierung. Können Sie mir an dieser Stelle versichern, dass durch das neue Waldgesetz nach den entsprechenden Entwürfen und Verhandlungen keine zusätzliche Bürokratie entsteht?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich weiß, dass Ihnen das ein Anliegen ist – wir haben das ja im Ausschuss schon besprochen –, und da haben Sie in mir einen Verbündeten. Auch ich versuche, Gesetze so zu machen, dass sie möglichst bürokratiearm sind; das gilt übrigens nicht nur für das Waldgesetz, sondern auch mit Blick auf die künftige GAP. Ich setze mich dafür ein, dass wir die Digitalisierung nutzen, und zwar nicht, um Umweltstandards abzusenken – das ist ja manchmal auch eine Ausrede –, sondern, um sie möglichst bürokratiearm zu gestalten. Dafür kann man die Digitalisierung wunderbar nutzen. Da haben Sie mich als Verbündeten. Ich möchte, dass Gesetzgebung schlank ist, dass sie möglichst bürokratiearm ist und trotzdem substanziell. Das geht.

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
1 Vermerkca. 62 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Heute in der Früh war ich beim Parlamentarischen Frühstück und habe dort ein Brot mit Honig gegessen. Auf der Verpackung vom Honig stand, dass das eine Mischung aus Honigen aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern war. Meine Frage an Bundesminister Özdemir wäre: Wann kommen wir bei der Honigkennzeichnung endlich dazu, dass die Länder, aus denen der Honig kommt, aufgeführt werden müssen?

Das hatten wir heute Morgen schon mal! Von heute Morgen schon wieder vergessen, oder was?

Erholungsfrage!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 60 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Auch da haben Sie mich als absoluten Verbündeten. Ich habe das bei der Kommission und im Rat angesprochen; ich bin da jemand, der die Interessen derjenigen, die in Deutschland Honig produzieren, kommerziell oder privat, vertritt. „Noch in der Amtszeit dieser Kommission“ – das ist mir zugesagt worden. Und gehen Sie mal davon aus: Ich werde darauf achten, dass das auch passiert.

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es freut mich sehr, das zu hören. – Wir hatten das Thema ja heute schon im Ausschuss. Wir kommen zu der Tierhaltungskennzeichnung und der Bio-Kennzeichnung in den Kantinen; auch im Bereich der Gentechnik ist das der Kern der Debatte. Wir kommen dazu, dass die Verbraucher und Verbraucherinnen mehr Möglichkeiten haben, auszuwählen und so auch die heimische Landwirtschaft zu unterstützen. Was können wir an der Stelle noch tun? Was planen Sie da?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 125 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben die Tierhaltungskennzeichnung angesprochen. Eine Kritik war ja: Was ist denn mit Leakage-Effekten? – Darum wollen wir auch das Thema Herkunftskennzeichnung ausweiten im Rahmen dessen, was wir national machen können.

Ich will meinem Ärger hier aber schon freien Lauf lassen: Ich habe mich sehr geärgert, dass die Zusage der Kommission für eine europaweite Herkunftskennzeichnung kassiert wurde. Das bedauere ich sehr. Das wäre vielleicht eine gute Gelegenheit für die Kollegen von der CDU/CSU, mit der EVP das Gespräch zu suchen. Die Kommissarin ist ja aus Ihrer Parteienfamilie. Es war uns zugesagt. Wir haben wertvolle Zeit verloren. Da wären wir heute schon weiter. Ich mache jetzt das, was ich kann, mit Hochdruck. Mein Haus muss da hart arbeiten; aber es ist für eine gute Sache.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
1 Vermerkca. 117 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zum Thema Kennzeichnung. Der Minister hat gerade das Thema Tierhaltungskennzeichnungsgesetz angesprochen; darauf will ich mich beziehen.

Sie haben in Ihrem Eingangsstatement gesagt, Sie hätten die Finanzierung, um die Empfehlungen der Borchert-Kommission umzusetzen, auf den Weg gebracht. Dafür stehen dieses Jahr 150 Millionen Euro parat; in den nächsten Jahren wird es leicht mehr sein. Nehmen Sie, Herr Minister, gleichzeitig zur Kenntnis, dass die Landwirtschaftliche Rentenbank verkündet hat, dass die Agrarkredite um 40 Prozent eingebrochen sind, insbesondere im Bereich der Tierhaltungsinvestitionen? Sprich: Wir haben momentan einen Investitionsstopp in der Tierhaltung. Glauben Sie ernsthaft, dass diese 150 bzw. 180, 190 Millionen Euro in den nächsten Jahren einen Investitionsimpuls auslösen können, um jungen landwirtschaftlichen Betrieben wieder eine Perspektive zu geben?

Beifallbei der CDU/CSU

Also, mehr als bei euch muss es ja zwingend sein, weil da gar nichts war!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
2 Vermerkeca. 154 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ihre Frage zeigt doch den Handlungsbedarf auf. Wir müssen dringend handeln. Aber machen Sie mich jetzt nicht dafür verantwortlich, dass zu Ihrer Regierungszeit mit Nullinflation und sprudelnden Steuereinnahmen für vieles Geld da war, aber halt leider nicht für die Umsetzung der Empfehlungen der Borchert-Kommission.

Dafür können Sie mich jetzt nicht retrospektiv verantwortlich machen.

Sie können mich aber unterstützen, weil ich unter den Bedingungen eines Krieges in der Ukraine und bei einem Sparhaushalt trotzdem mehr Geld für die Tierhaltung lockergemacht habe denn je in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: 1 Milliarde Euro. Ich bin mit Ihnen einig: Das ist eine Anschubfinanzierung. Wenn wir alle Nutztierarten und alle Vertriebswege hineinnehmen wollen, dann müssen wir dringend darüber reden, was nach der Milliarde kommt. Aber jetzt helfen Sie mir erst mal, dass wir das Versprechen halten! Ich werde es halten. Die Kennzeichnung bei der Außerhausverpflegung und über den gesamten Lebenszyklus des Schweins kommt, und zwar ganz schnell.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Oliver Vogt
Foto: Dr. Oliver Vogt / Peter Hübbe
2 Vermerkeca. 76 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Bundesminister Özdemir, ich hätte da noch eine kurze Nachfrage und würde Ihnen auch die Gelegenheit geben, aus dem Bereich der Ankündigung mal in den Bereich der Umsetzung zu kommen und uns ein wenig aufzuklären, und zwar zu dem Thema der Herkunftskennzeichnung, die eben angesprochen worden ist.

Hat er doch schon gemacht!

Wie sieht denn der konkrete Stand in Ihrem Hause aus, was das Erreichen einer Herkunftskennzeichnung auf EU-Ebene angeht bzw. Ihren alternativen Plan, das Ganze auf nationaler Ebene umzusetzen?

Beifallbei der CDU/CSU
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
3 Vermerkeca. 185 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, Sie sitzen im Agrarausschuss und sollten wissen, dass das nicht Ankündigungen sind, sondern dass das zum Teil bereits beschlossen ist. Beispielsweise ist die Tierhaltungskennzeichnung beschlossen. Die Kritik war: Aber was ist mit dem Baugesetzbuch? – Dankenswerterweise hat die Bauministerin eingewilligt – das war nicht einfach für sie –, dass wir beides parallel machen. Die Änderung des Baugesetzbuchs ist beschlossen. „Ohne eine Änderung der Immissionsschutzverordnung geht das nicht“, hieß es. 16 Agrarminister, 16 Umweltminister haben die Änderung einstimmig beschlossen. Also ein Haken auch dahinter.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD und des Abg. Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]

Dann hieß es – das habe ich ja vorhin gesagt –: Was ist mit dem Fleisch aus dem Ausland? – Ich habe die Herkunftskennzeichnung national, da, wo ich es kann, auf den Weg gebracht.

Und weil Sie Brüssel angesprochen haben: Die Verhandlungen sind ja zum Teil öffentlich; das wird auch übersetzt. Schauen Sie sich das an! Es lohnt sich. Ich setze mich in Brüssel kräftig dafür ein. Sie fürchten sich ja schon, wenn ich komme

Lachenbei Abgeordneten der AfD

und sage: Ich habe das nicht vergessen. Ich habe das versprochen, und das wird bitte schön auch umgesetzt. – Bei der nächsten Kommission werde ich da im Interesse unserer Landwirte genauso nerven.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Kann ja Herr Vogt an von der Leyen schreiben!

Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
1 Vermerkca. 186 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Frage geht an den Herrn Bundeskanzleramtsminister Schmidt. Herr Minister Schmidt, Sie selbst und auch der Herr Bundeskanzler wurden ja schon mehrfach zu der Rolle des heutigen Bundeskanzlers, vormaligen Bundesfinanzministers und vormaligen Ersten Bürgermeisters der Hansestadt Hamburg in Sachen Cum-ex-Komplex, in Sachen Warburg Bank befragt und hatten eigentlich Transparenz und Aufklärung versprochen. Das Gegenteil ist passiert. Sie haben nicht nur den Arbeitsstab mit Ihren eigenen Genossen besetzt, sondern auch noch einen Beamten aus dem Bundesfinanzministerium dorthin abgeordnet, und das mit einem gewissen Erfolg. Sie konnten die Laptops vom ehemaligen Genossen aus Nordrhein-Westfalen mit den über 700 000 E-Mails lange zurückhalten, bis sie endlich doch in Hamburg waren. Aber dann wurden sie von sicherer Stelle – wiederum von Ihrem Arbeitsstableiter, der ja nicht mal die Sicherheitsprüfung bestanden hat – aus dem sicheren Tresor entnommen. Deswegen darf ich Sie fragen: Wenn der Herr Bundeskanzler so gar nichts zu befürchten hat, wieso muss er sich in Gedächtnislücken flüchten und wieso tun vor allen Dingen Sie alles, aber wirklich alles – inklusive Nebelkerzen auf X –, um all das zu verschleiern, was damals in Hamburg stattfand?

Beifallbei der CDU/CSU
Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
3 Vermerkeca. 202 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

In Ihren Ausführungen waren so viele Unterstellungen und Falschbehauptungen, dass ich gar nicht richtig weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht fangen wir mit den Fakten an.

Anders als beschrieben wurde, ist der Stadt Hamburg oder dem Staat keinerlei Schaden entstanden:

Ja, aber nur, weil der Bund sich das zurückgeholt hat!

Alle Gelder, die durch illegale Cum-ex-Geschäfte von dieser Bank erbeutet worden sind, sind zurückgefordert worden.

Dafür mussten Sie angewiesen werden!

Im Gegenteil: Es sind sogar 80 Millionen Euro Zinsen gezahlt worden. Anders als ständig behauptet wird, hat es keinerlei Verjährung dieser Forderung gegeben. Deswegen sind die Gelder vom Finanzamt zurückgefordert worden, nachdem das Vorliegen von Cum-ex-Geschäften feststand. Und das Finanzgericht Hamburg hat gerade festgestellt, dass diese Rückforderung des Finanzamtes auch gerechtfertigt war.

Alle Befragten – es waren über 50 Zeuginnen und Zeugen im seit drei Jahren laufenden Untersuchungsausschuss in Hamburg – haben klar ausgesagt: Es hat keinerlei Beeinflussung dieses Steuerverfahrens gegeben. – Sie wussten nichts von den Treffen von Scholz, und sie haben diese Entscheidung selbstständig getroffen, wie übrigens parallel die nordrhein-westfälische Finanzverwaltung im Fall der WestLB, weil eben zum damaligen Zeitpunkt, im Herbst 2016, das Vorliegen von Cum-ex-Geschäften noch nicht bewiesen war. Ich bin sehr froh, dass wir in einem Rechtsstaat leben und dass nicht einfach auf Verdacht irgendetwas gemacht werden kann.

Beifallbei der SPD
Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
1 Vermerkca. 104 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Herr Minister, ich darf Ihre Antwort kurz ergänzen: Dass es nicht zur Verjährung kam, lag nur daran, dass im Nachhinein von der damaligen Bundesregierung ein Gesetz verabschiedet wurde, das die Verjährung quasi kassiert hat. Nur deswegen ist der Hansestadt Hamburg kein Schaden entstanden.

Beifallbei der CDU/CSU

Es gab ein Gutachten zur verfassungsrechtlichen Einschätzung, das das Bundeskanzleramt im April 2023 hat erstellen lassen. Ich möchte Sie zum einen fragen, ob auch Sie dieses Gutachten kennen. Und zum anderen möchte ich Sie gerne fragen, wie es denn sein kann, dass das Bundeskanzleramt ein Gutachten erstellen lässt, wenn das nach Ihrem Dafürhalten überhaupt keine Angelegenheit des Bundes ist?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
1 Vermerkca. 149 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Auch da muss ich Sie darauf hinweisen, dass das, was Sie erzählen, leider nicht der Wahrheit entspricht. Die Veränderung der Verjährungsregeln ist im Juni 2017 erfolgt, um für bis dahin noch nicht verjährte Tatbestände die Verjährung im Fall von Steuerhinterziehung auf zehn Jahre zu verlängern und die sogenannte Zahlungsverjährungsfrist an die Festsetzungsverjährungsfrist anzugleichen. Wir reden hier über Tatbestände aus dem Jahre 2016.

Die Verjährung ist deswegen – das ist jetzt berichtet worden und auch vom Finanzgericht so festgestellt worden; Sie können das im Urteil des Landgerichts Bonn aus dem Jahre 2020 nachlesen – nicht eingetreten, weil das Finanzamt am 12. Dezember 2016 einen Änderungsbescheid an die Warburg Bank geschickt hat. Und dieser Änderungsbescheid hat diese fünfjährige Zahlungsverjährungsfrist erneut in Gang gesetzt.

Ich weiß, dass das hier von interessierter Seite ständig anders berichtet wird. Aber ich fände es ganz gut, wenn wir wenigstens hier in diesem Hohen Hause bei den Fakten blieben.

Beifallbei der SPD
Porträt von Franziska Hoppermann
Foto: Franziska Hoppermann/ Tobias Koch
ca. 50 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Kanzleramtsminister, ich habe dazu noch mal eine Nachfrage. Das Kanzleramt hat im April 2023 eine zwölfseitige verfassungsrechtliche Einschätzung erstellen lassen zu der Frage der Einrichtung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses „Steueraffäre Scholz/Warburg“. Ist es richtig, dass Sie diese verfassungsrechtliche Einschätzung an die Kollegen der SPD-Fraktion weitergegeben haben?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
3 Vermerkeca. 122 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Das Kanzleramt hat kein Gutachten erstellt, sondern es hat einen Vermerk gegeben, wie es üblich ist – das wird Ihnen der Kollege Hoppenstedt auch bestätigen können –, wenn es parlamentarische Vorgänge gibt, die das Kanzleramt oder die Bundesregierung betreffen.

In dieser Einschätzung der Fachbeamtinnen und Fachbeamten ist rausgekommen, dass – wie es die überwiegende Mehrzahl der von Ihnen im Haushaltsausschuss oder im Finanzausschuss angehörten Expertinnen und Experten und der Sachverständigen gesagt hat – ein solcher Untersuchungsausschuss, der sich auf Landesvorgänge bezieht, schlichtweg verfassungswidrig ist. Das wird jetzt von Ihrer Fraktion in Karlsruhe überprüft, und insofern werden wir uns das sicherlich ganz entspannt angucken.

Zurufvon der CDU/CSU

Ich habe dadurch, dass Sie keinen Eilantrag gestellt haben, ein bisschen wahrgenommen, dass Sie selber vielleicht nicht so ganz an die Erfolgsaussichten glauben.

Beifallbei der SPD
Zurufevon der CDU/CSU: Und die Antwort? Was ist mit der Antwort?

Die haben kein anderes Thema!

Porträt von Oliver Vogt
Foto: Dr. Oliver Vogt / Peter Hübbe
1 Vermerkca. 38 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Bundesminister, da Sie die Frage meiner Kollegin gerade gar nicht beantwortet haben, möchte ich Ihnen jetzt noch mal die Gelegenheit geben, dazu Stellung zu nehmen. Haben Sie diesen Schriftsatz an die SPD-Fraktion weitergeleitet, ja oder nein?

Beifallbei der CDU/CSU
Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
3 Vermerkeca. 189 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Es handelt sich um keinen Schriftsatz, sondern es handelt sich um einen Vermerk zur Frage

Ein Vermerk ist ein Vermerk!

der Verfassungsgemäßheit oder -widrigkeit dieses Einsetzungsbegehrens. Und wem ich wann was gegeben habe, kann ich Ihnen ehrlicherweise jetzt nicht mehr sagen.

– Wissen Sie, Ihr Gehöhne ist eine – – Wer war eigentlich der Finanzminister, als die Cum-ex-Geschäfte stattgefunden haben? In dem einen Teil der Zeit war es Peer Steinbrück, und in dem anderen Teil war es Wolfgang Schäuble. Hier wird ständig versucht, einen eklatanten Steuerskandal, der bis zum Jahre 2011 gedauert hat, mit Olaf Scholz in Verbindung zu bringen. Olaf Scholz war zu diesem Zeitpunkt weder Hamburger Bürgermeister, noch war er Bundesfinanzminister. Und Ihr Versuch, immer wieder mit Dreck zu schmeißen, in der Hoffnung, dass irgendetwas dabei hängen bleiben wird, wird Ihnen am Ende nicht gelingen.

Irgendwann demnächst wird es den Zwischenbericht im Hamburger Untersuchungsausschuss geben – nach drei Jahren intensivster Aufklärungsarbeit. Zwei Staatsanwaltschaften, die sich mit diesen Vorgängen beschäftigt haben, hatten alle Unterlagen vorliegen. Und nichts, aber auch gar nichts, was irgendwie auf eine politische Beeinflussung hindeuten könnte, ist dabei herausgekommen. Vielleicht setzen Sie sich auch irgendwann hin und sagen: Okay, da war nichts.

Beifallbei der SPD
Zurufvon der CDU/CSU: Das war doch keine Antwort!
ca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich möchte meine Frage an den Minister für Ernährung und Landwirtschaft richten. Sie wissen – Sie sind ja auch in Niedersachsen gewesen –, dass wir mit steigenden Wolfsvorkommen zu rechnen haben. Die Wolfspopulation wird immer größer. Der Wolf dupliziert seinen Bestand statistisch alle drei Jahre, und damit sind erhebliche Einschränkungen für Weidetierhalter verbunden.

Wir haben eine klare Regelung, eine klare Formulierung im Koalitionsvertrag dahin gehend gefunden, dass wir das Bestandsmanagement voranbringen möchten. Wir haben bislang aus dem Umweltministerium lediglich gesehen, dass man bereit ist, Einzeltiere leichter zu entnehmen. Und da möchte ich Sie als Landwirtschaftsminister gerne fragen, ob Sie so wie ich Handlungsbedarf erkennen, erstens mehr zu tun, als nur die Regelungen für die Entnahme von einzelnen Tieren zu erleichtern, und zweitens auch endlich zu dem überzugehen, was wir gemeinsam im Koalitionsvertrag vor über zwei Jahren formuliert haben, nämlich endlich zu einem stringenten Bestandsmanagement zu kommen.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 191 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, das, was Sie sagen, ist quasi durch Regierungshandeln auf den Weg gebracht; denn wir ermöglichen nicht nur, dass einzelne Wölfe, sondern auch, dass ganze Rudel entnommen werden können. Wir hören vor allem mit dem Zustand auf, der praktisch nicht umsetzbar war – das haben Sie ja zu Recht in der Vergangenheit auch immer angesprochen –, dass der Nachweis, dass es sich um diesen oder jenen Wolf handelt, praktisch ins Leere geht. Also, auch das hat die Bundesumweltministerin mit den Landesumweltministern – übrigens parteiübergreifend: schwarze, rote, grüne und was weiß ich was alles – auf den Weg gebracht. Also, da tut sich jetzt etwas. Mein Ratschlag wäre jetzt, dass wir das zunächst anwenden, und dann können wir gerne schauen, wo es zwickt und wo es nicht reicht, und dann wird entsprechend nachgesteuert.

Wenn Sie das Bestandsmanagement ansprechen, dann sind wir bei der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, und da sind wir dann wieder bei Brüssel. Ich nehme zur Kenntnis, dass die Kommissionspräsidentin gesagt hat, dass sie sich das anschaut. Sie ist dafür zuständig. Da kann weder der Agrarminister, der gar nicht federführend ist, noch die Umweltministerin national was machen. Da sind wir auf Brüssel angewiesen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
1 Vermerkca. 29 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Meine Einschätzung ist, dass die Formulierung des Koalitionsvertrages, ein Bestandsmanagement herbeizuführen, mehr ist als die Entnahme einzelner Tiere, wie es jetzt von der Umweltministerin auf den Weg gebracht wurde.

Ganz so ist es ja nicht!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
2 Vermerkeca. 143 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Umgekehrt: Teilen Sie meine Einschätzung, dass ganze Wolfsrudel entnommen werden können? Das steht da ausdrücklich drin; das geht mittlerweile. Also, freuen Sie sich doch, dass Sie sich damit in einer guten Sache durchgesetzt haben. Ich sehe das auch so als Landwirtschaftsminister, dass wir das leichter machen müssen.

Aber jetzt frage ich auch mal etwas anderes: Wollen wir denn wirklich komplett wolfsfrei sein?

Hast du wirklich „Ja“ gesagt?

Das ist doch nicht realistisch! Also brauchen wir doch eine pragmatische Lösung. Es gibt bestimmte Bereiche, wo es klar ist, an den Deichen beispielsweise. Ich war auch bei der Hauptalmbegehung, und da kommen wir mit den Instrumenten, die wir klassischerweise haben, an unsere Grenzen. Da können wir keine Zäune aufbauen, da brauchen wir andere Lösungen. Ich bin für diese Lösungen bekanntermaßen offen. Mit Pragmatismus kommt man am besten weiter.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD

Wir haben trotzdem zwei weitere Nachfragen aus der CDU/CSU-Fraktion. – Bitte.

1 Vermerkca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister Özdemir, vielen Dank, dass ich die Möglichkeit der Nachfrage habe. – Ich schließe an das an, was der Kollege Hocker gerade gesagt hat: Die Einzelentnahme von Problemwölfen oder ganzen Rudeln, das ist Reaktionsmanagement. Hier aber geht es um die Frage des Bestandsmanagements.

Was sollen wir als politisch Verantwortliche den Menschen sagen in Landkreisen wie zum Beispiel dem Kreis Celle, wo bereits neun territoriale Rudel sesshaft sind, wo ein Bestandsmanagement dringend erforderlich ist, wo ein Reaktionsmanagement nicht mehr ausreicht? Was sagen wir diesen Menschen?

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
3 Vermerkeca. 159 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Also, ich sage Ihnen, was Sie denen sagen können. Sie können denen sagen, dass Sie mit Ihrer Parteifreundin Frau von der Leyen, die ja möglicherweise Ihre Spitzenkandidatin wird bei der nächsten Europawahl,

das Gespräch suchen und ihr sagen: Das, was du da angekündigt hast in Deutschland – wir haben es gelesen –, ist wunderbar; bitte mach es. Der deutsche Landwirtschaftsminister wird es unterstützen.

Aber fordern Sie mich nicht dazu auf, dass ich rechtswidrig handle. In der alten Regierung hatten wir so was bei der Maut. Das hat mal ein CSU-Verkehrsminister gemacht.

Heiterkeitund Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das ist für mich nicht handlungsleitend.

Handlungsleitend ist für mich, mich an die bestehenden Rechte und Gesetze zu halten und in der Sache Lösungen zu finden, am besten mit Frau von der Leyen. Wir können es auch gemeinsam machen: Fahren Sie bei mir mit, mit dem Zug oder so, und dann machen wir das zusammen. Dann sprechen wir mit ihr und überzeugen sie, dass sie an das Thema rangeht.

Porträt von Oliver Vogt
Foto: Dr. Oliver Vogt / Peter Hübbe
3 Vermerkeca. 101 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Bundesminister, ich möchte die Gelegenheit noch mal nutzen, auf eine Problemsituation in meinem Wahlkreis in Nordrhein-Westfalen und Gegenden von Niedersachsen aufmerksam zu machen.

Solange Sie kein Geld wollen!

– Ach, Frau Künast, Sie sind nicht immer am Wort.

Ich höre zu! Im Gegensatz zu anderen!

Wir haben es mit ziemlich vielen sogenannten Transitwölfen zu tun. Das heißt: Die kommen aus Niedersachsen zu uns. Es gibt dann Übergriffe auf Weidetiere, und dann ziehen die sich nach Niedersachsen zurück. Damit haben wir ein Riesenproblem.

Wie möchten Sie oder Ihr Haus bzw. die Bundesregierung die Bundesländer in dem Bereich des Bestandsmanagements bei diesen sogenannten Transitwölfen besser unterstützen, damit sie auch dieser Problemlage besser Herr werden?

So, jetzt kommt der Transitwolf!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 169 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wahrscheinlich nicht mit Zuwanderungsregelungen.

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Aber etwas ernsthafter: Es bestehen jetzt mehrere Möglichkeiten. Wenn es zu Wolfsrissen kommt, dann müssen wir nicht mehr den individuellen Nachweis führen: Dieser Wolf war es. – Auch in der Vergangenheit waren unter meiner Vorgängerin mit den Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes Wolfsentnahmen möglich. Das hat das CDU/CSU-geführte Agrarministerium auf den Weg gebracht. In der Praxis haben wir aber gemerkt: Das reicht nicht, weil es vor Gericht scheitert.

Also habe ich als Grüner mit einer grünen Umweltministerin gesagt: Die vorherige Regelung des CDU/CSU-geführten Agrarministeriums zu Wolfsentnahmen reicht nicht. – Ich habe mich mit den Schäfern und anderen zusammengesetzt und gesagt: Wir müssen da nachsteuern.

Das haben wir jetzt gemacht. Aber jetzt kritisieren Sie doch nicht etwas, bei dem die Grünen weiter gehen, als die CDU/CSU je gegangen ist, sondern wenden Sie es mit uns gemeinsam an. Und wenn das nicht reicht – ich wiederhole es gerne noch mal –, dann schauen wir es uns gemeinsam an. Ich bin für Argumente immer zugänglich. Aber erst mal machen!

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 187 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön. – Herr Schmidt, ich habe eine Frage an das Bundeskanzleramt. Wir haben auf der einen Seite Haushaltschaos, viele Milliarden Euro fehlen; wir haben Wohnungsnot. Auf der anderen Seite haben wir megalomanische Pläne, was das Bundeskanzleramt angeht. Das soll um 25 000 Quadratmeter Bürofläche erweitert werden. 400 neue Büros sollen entstehen, 9 Wintergärten, über 5 Geschosse reichend, eine Kita für mehrere Millionen Euro für 15 Bundeskanzleramtskinder soll errichtet werden, eine Kanzleramtswohnung mit 250 Quadratmetern, ein Hubschrauberlandeplatz in 23 Metern Höhe.

Das Bundeskanzleramt ist – ich habe mal gegoogelt – schon achtmal so groß wie das Weiße Haus, zehnmal so groß wie Downing Street No. 10. Dadurch wird es dann demnächst 16-mal so groß wie das Weiße Haus und 20-mal so groß wie Downing Street No. 10 sein. Die Kosten dafür wurden mal geschätzt auf, glaube ich, 300 Millionen Euro, inzwischen sind wir bei 777 Millionen Euro. Das läuft Richtung 1 Milliarde Euro.

Meine Frage an Sie: Passt dieses wirklich größenwahnsinnige Projekt, passt diese Megalomanie noch in die heutige Zeit? Oder wäre es nicht besser, die sich abzeichnenden 1 oder 2 Milliarden Euro in den Wohnungsbau zu investieren?

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
ca. 133 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Gerne, danke. – Aber das Bundeskanzleramt ist auch nicht abschließend. Es gibt zwar nicht unzählige Anmietungen drumherum, aber sehr viele. Also: Da ändert sich eigentlich nichts, wenn Sie die Anmietungen dazurechnen.

Die Verschwendungssucht der Bundesregierung zeigt sich meines Erachtens auch im Auswärtigen Amt. Der Bundesrechnungshof hat herausgefunden, dass das Auswärtige Amt für fast 8 Millionen Euro ein – ich zitiere – „parkähnliches Residenzgrundstück mit aufwendiger Ausstattung in Brüssel“ gekauft hat, „ohne den Bedarf nachzuweisen und die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu beachten“. 15 000 Quadratmeter mit Schwimmhalle und Tennisplatz; aber was anderes darf man gar nicht bauen, weil das Ganze als Gartenland ausgewiesen ist. Außerdem soll es schon drei deutsche Residenzen in Brüssel geben.

Meine Frage: Was ist da passiert? Wollen Sie vielleicht da mal eingreifen und Frau Baerbock sagen, dass das so nicht geht?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
1 Vermerkca. 153 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Zunächst noch mal zu den Bauten des Kanzleramtes. In der Tat ist es richtig, dass die Beschäftigten des Kanzleramtes im Moment an verschiedenen Standorten in Berlin um das Kanzleramt herum, aber durchaus auch weiter weg untergebracht sind. Genau das ist der Grund, warum dieser Erweiterungsbau in der Vorgängerregierung, von meinem Vorgänger und der Bundeskanzlerin a. D., geplant worden ist: weil alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch aus Sicherheitsgründen, an einem Ort zusammenkommen und eben nicht so weit verstreut sein sollen.

Wenn Sie mal in den USA sind und sich zum Beispiel das Eisenhower Executive Office Building angucken – das nicht das Weiße Haus ist, aber wo sehr, sehr, sehr viele Büros sind –, dann stellen Sie fest, dass es sich in einer Art Sicherheitscampus befindet. Und genauso ist die Planung hier: dass das Band des Bundes jetzt durch den Erweiterungsbau abgeschlossen wird. – Was die Baumaßnahmen anderer Ressorts anbelangt, kann ich Ihnen im Moment leider nicht weiterhelfen.

Das ist aber schade!

1 Vermerkca. 121 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident, meine Frage geht an den Minister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir. Ich möchte eine Veranstaltung, die zusammen mit dem BMUV im Rahmen der COP veranstaltet wurde, ansprechen, und zwar ging es da um Kreislaufwirtschaft, aber auch um die Holzbaustrategie.

Wir haben gerade einen enormen Wohnraummangel zu verzeichnen, und gerade das Aufstocken, das Sanieren und das Umnutzen von Gebäuden sorgt dafür, dass Wohnraum dort entsteht, wo wir ihn brauchen: in den Innenstädten. Optimalerweise machen wir das mit regionalen und/oder nachwachsenden Rohstoffen. Ich möchte mehr über das Engagement des Ministeriums in diesem Bereich erfahren, weil wir glauben: Das löst perspektivisch und wirklich wesentlich die aktuelle Baustoffkrise, die maßgeblich für einen Teil der Inflation verantwortlich ist.

Beifallder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
2 Vermerkeca. 195 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank für die Frage. – Ich freue mich deshalb darüber, weil das Thema Holzbau gar nicht genug Interesse, auch aus dem Parlament heraus, finden kann. Ich teile die Einschätzung, die in Ihrer Frage deutlich wird, dass Holz eben nicht nur ein günstiger Baustoff und ein einheimischer Baustoff ist, sondern es ist auch ein nachhaltiger Baustoff, ein Baustoff, der CO2 dauerhaft bindet.

Zurufvon der FDP: Dann muss er auch genutzt werden!

Im Sinne der Kaskadennutzung ist genau das die richtige Form: dass man, wenn der Baum irgendwann aus der Nutzung herausgenommen wird, ihn dann verbaut, möglicherweise sogar über Generationen hinweg. Ich habe mir mal von Experten den Dachstuhl in dem Haus meiner Eltern anschauen lassen. Die haben mir erzählt, dass er schon mehrfach verbaut wurde, er also auch schon in früheren Häusern zum Einsatz kam.

Wir sind mittlerweile in der Lage, in der Mehrgeschossbauweise mehrere Stockwerke mit Holz zu bauen. Ich rate auch hier zum Pragmatismus: Das muss nicht reines Holz sein. Man kann das kombinieren mit anderen Baustoffen, dann geht es sehr gut und relativ günstig. Also: Ich bin ein großer Freund davon. Gerade bei der Innenstadtverdichtung ist das eine wunderbare Sache. Auch da ein ausdrücklicher Dank an das Bundesbauministerium für die großartige Zusammenarbeit!

Beifallder Abg. Sylvia Lehmann [SPD]
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nicht nur Holz ist ein sehr guter Baustoff, sondern es gibt auch andere Materialien, aus denen wir Dämmplatten gewinnen können. Es ist ja so, dass im Trockenbau sehr viel Gipskarton verwendet wird. Das stammt aktuell in der Regel aus Kohlekraftwerken. Wir haben neue Technologien, die dafür sorgen, dass Aufwuchs oder Paludikulturen für diese Stoffe genutzt werden. Was wir brauchen – die Nachfrage der Immobilienwirtschaft ist riesig –, ist eine Ingangsetzung. Auch da möchte ich einmal nach dem aktuellen Stand fragen.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke. – Mir fehlt jetzt ein bisschen die Zeit, weil ich gerne viel dazu erzählen würde. Zu nennen ist erst mal die Universität Greifswald, die das Thema Paludikulturen als deutsche Hochschule maßgeblich auf den Weg gebracht hat. Das ist eine wunderbare Sache, weil dadurch nämlich eine Einnahmequelle für unsere Landwirte und durch eine Wiedervernässung von Mooren gleichzeitig Kohlenstoffsenken entstehen.

Also: Es ist eine wunderbare Kombination, etwas nicht aus der Nutzung herauszunehmen, sondern zwei Einnahmemöglichkeiten miteinander zu verbinden. Aber es muss halt einen Business Case geben, also auch die Aufforderung an die Wirtschaft: Nutzen Sie das!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
2 Vermerkeca. 172 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Darum habe ich – Sie sind ja der zweite Fragesteller aus Niedersachsen – extra gesagt: Auch die Wirtschaft ist da gefordert. Wir sind mit der Wirtschaft im Gespräch über diese Frage. Gerade beim Thema Holzbau passt es super, Stichwort „Dämmstoff“. Aber es geht auch um andere Bereiche, wo man es nutzen kann, zum Beispiel um das Thema Wasserbüffel.

Ich will zum Thema Wiedervernässung aber auch noch mal sehr deutlich sagen: Sie ist erstens freiwillig, und sie geht zweitens gar nicht überall. In Hochmooren geht es einfach nicht mehr, weil durchgestochen ist. Auch eine Teilvernässung kann schon reichen. Also, da muss was passieren.

Es ist klar: Das geht nur mit den Landwirten; das will ich ausdrücklich sagen.

Beifallder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Denn zum Teil haben Familien über Generationen hinweg Moore mühsam entwässert – unter harten Bedingungen und am Rande der Existenz. Wenn ich denen jetzt komme und sage: „Das war aber alles falsch“, dann können Sie sich vorstellen, wie die Reaktion ist. Also müssen wir die Landwirte mitnehmen. Und am Ende – da haben Sie völlig recht – muss es sich rechnen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
ca. 51 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Eine weitere Nachfrage an Herrn Minister Özdemir. Es hat mich außerordentlich gefreut, dass Sie gerade das Thema „Bauen mit Holz“ angeschnitten haben. Das ist wirklich das Beste für den Klimaschutz. Sind wir uns einig, dass wir zwar mit heimischem Holz bauen wollen, aber dass wir dann keine weiteren Flächenstilllegungen hinnehmen können?

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 149 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das Bundeswaldgesetz, das wir in der Koalition debattieren, besagt, dass wir überwiegend einheimische Hölzer nutzen wollen. Aufgrund der Klimakrise können wir gar nicht ausschließen, dass wir möglicherweise irgendwann auch andere Holzarten oder Baumarten haben werden; das werden wir sehen. Die Wissenschaft forscht ja auch zu dieser spannenden Frage.

Zum Thema Flächenstilllegungen heißt es im Bundeswaldgesetz, dass wir das für unseren Wald – den Wald, für den wir zuständig sind – machen. Bei den privaten Waldbesitzern haben wir diese Vorgabe nicht. Ich glaube, da sind wir sehr pragmatisch unterwegs; Sie kennen das ja.

Ich glaube, dass das ein sehr ausgewogener Gesetzentwurf ist, der alle mitnimmt. Die Reaktionen auch vonseiten der Waldbesitzer sind ja nicht so, dass der Gesetzentwurf komplett in die Tonne getreten wird. Das zeigt, dass wir was Gutes vorgelegt haben, mit dem versucht wird, die Interessen des Naturschutzes einerseits und die der Waldbesitzenden andererseits in ein gutes Gleichgewicht zu bringen.

Porträt von Christiane Schenderlein
Foto: Dr. Christiane Schenderlein/ Chris Gonz
ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich habe eine Frage an den Bundesminister Schmidt. Da es die letzte Frage ist, würde ich gerne über die Kultur sprechen.

Der Bundeskanzler war im Sommer auf dem Sommerfest der Allianz Deutscher Produzenten und hat dort die Filmkultur gelobt. Er hat es begrüßt, dass es neue Perspektiven für den Film gibt. Dabei befindet sich der Filmstandort Deutschland in einer tiefen Krise. Die Unternehmen stehen teilweise am Rande ihrer Existenz. Die Frage ist: Was haben Sie konkret getan, um der Branche verlässliche Perspektiven zu geben und den Filmstandort zu unterstützen?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
2 Vermerkeca. 194 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich bin, wie Sie wissen, nicht der Staatsminister für Kultur. Dafür haben wir die Kollegin Claudia Roth, die mit Blick auf diese ganzen Fragen sehr aktiv ist. Ich will aber mal versuchen, die Verbindung zu dem herzustellen, was vorhin diskutiert worden ist und auch in diesem interessanten Austausch über viele spannende Themen deutlich geworden ist. Es geht überwiegend um die Frage – ich nehme an, das ist auch der Hintergrund Ihrer Frage – von Förderung, in Ihrem Fall konkret um das Filmförderungsgesetz.

Wir haben jetzt festgestellt, dass wir nicht so viel Geld haben, wie zur Erfüllung aller Wünsche, die hier geäußert worden sind, nötig wäre. Deswegen wird es immer darum gehen, Prioritäten zu setzen. Und mit Prioritäten sind auch Posterioritäten verbunden. Deswegen ist nicht alles, was man sich als Fachpolitikerin oder Fachpolitiker oder als Mitglied der Bundesregierung wünscht, am Ende auch möglich und finanzierbar.

Ich könnte Ihnen eine ganze Liste von Dingen nennen, von denen ich jeden Tag frustriert bin. Aber als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Optimisten in der Politik

Heiterkeitdes Abg. Dr. Karamba Diaby [SPD]

wie der Herr Präsident gucke ich lieber darauf, was wir alles hinkriegen. Und ich habe den Eindruck, dass die Kulturstaatsministerin in dem Bereich ziemlich viel macht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Christiane Schenderlein
Foto: Dr. Christiane Schenderlein/ Chris Gonz
ca. 70 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Genau. – Es ging auch gar nicht in erster Linie um Förderung im Sinne von: „Wie viel Geld ist im nächsten Haushalt da?“, sondern es geht ganz konkret um die Filmgesetznovelle, die uns mehrfach versprochen und zugesagt wurde. Vor Kurzem erst wurde sie für Dezember angekündigt. Jetzt haben wir Mitte Dezember, und sie liegt immer noch nicht vor. Daher die Frage: Wann kommt denn jetzt ganz konkret der Referentenentwurf zur Filmgesetznovelle?

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen herzlichen Dank, Frau Abgeordnete. – Es freut mich, dass Sie den Eindruck haben, dass ich die Zeitpläne zu jedem einzelnen Gesetz im Kopf habe. Ich muss Sie und mich enttäuschen: Das ist leider nicht der Fall.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 193 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke für die Frage. – Politik nach dem Motto „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ kann man als Opposition machen. Ich will nicht ausschließen, dass auch wir das hin und wieder gemacht haben könnten.

In zwei Jahren geht das wieder!

Aber als Regierung geht das nun mal nicht. Auch wir müssen unseren Beitrag dazu leisten, dass der Haushalt konsolidiert wird. Dem verschließe ich mich nicht.

Ich habe aber immer gesagt, dass sowohl die Agrardieselbeihilfe als auch die Kfz-Steuerbefreiung für unsere Land- und Forstwirtschaft notwendig sind. Wenn beides gleichzeitig wegfällt, dann kriegen wir ein Problem, was das Thema Wettbewerbsfähigkeit angeht, insbesondere in Bezug auf das Thema Agrardiesel. Meine Meinung dazu hat sich nicht geändert; das will ich auch hier sagen. Insofern bin ich jetzt sehr gespannt auf den Vorschlag aus dem Bundesfinanzministerium zur genauen Umsetzung. Ich kann Ihnen dazu auch nicht mehr sagen. Sie wissen es nicht, ich weiß es nicht. Wir werden es gemeinsam erfahren.

Ich will auch noch mal ausdrücklich sagen: Die Kürzung beim Zuschuss zur Unfallversicherung ist vom Tisch. Das ist sehr wichtig, weil das unmittelbar einkommenswirksam ist. In meinem Haushalt haben wir eine Teilrücknahme der Kürzungen bei den GAK-Mitteln; auch das ist sehr wichtig.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wenn Sie mich noch mal fragen, kann ich noch mehr dazu sagen.

Porträt von Steffen Bilger
Foto: Steffen Bilger/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 112 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr gerne. – Das Problem ist ja, wie Sie in der Ampel die Diskussion führen.

Wir diskutieren!

Denn die SPD spricht von klimaschädlichen Subventionen, wenn es um den Agrardiesel geht; die Grünen sprechen – Frau Haßelmann vorhin – von „ökologisch schädlichen Subventionen“, und Christian Lindner hat bei der Pressekonferenz heute gesagt, es gehe um den Abbau alter, nicht mehr benötigter Subventionen. Wenn Sie damit den Agrardiesel meinen, dann ist klar: Das ist wirklich ein Schlag ins Gesicht unserer Landwirte.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben doch geklagt! Sie wollten es doch!

Was sollen denn die Landwirte machen? Mit einem E-Traktor das Feld pflügen? Auch Biokraftstoffe wollen Sie am liebsten abschaffen. Also, Sie lassen unsere Landwirte im Stich. Ich will Sie schon konkret fragen vor dem Hintergrund der Diskussionen –

Porträt von Steffen Bilger
Foto: Steffen Bilger/ Tobias Koch
ca. 14 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– Haben Sie denn für die Landwirte gekämpft? Haben Sie denn in Ihrer Fraktion klargemacht, –

Porträt von Steffen Bilger
Foto: Steffen Bilger/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– dass es beim Agrardiesel nicht um klimaschädliche Subventionen geht?

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie wollten doch, dass gekürzt wird! Dafür haben Sie doch geklagt!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
2 Vermerkeca. 93 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Der Abbau ökologisch schädlicher Subventionen ist richtig. Das müssen wir als Beitrag zum Klimaschutz tun.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Beim Dieselprivileg allerdings ist das Problem, dass andere Länder in Europa ähnliche Regelungen haben. Ungefähr ein Viertel geht in den Export. Das schadet; das muss man einfach so sagen. Da werde ich als Landwirtschaftsminister nichts anderes sagen. Ich sage aber auch dazu: Wir haben für meinen Haushalt, den ich verhandelt habe, in der Bereinigungssitzung eine Menge erreicht. Es gibt eine Plafonderhöhung von über 100 Millionen Euro.

100 Millionen Euro hoch und 1,5 Milliarden Euro weg!

Die GAK-Kürzungen wurden zum Teil zurückgenommen. Beim Thema Eiweißpflanzenstrategie –

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– haben wir noch mal Mittel draufgesattelt. Wir haben auch beim Thema „Freigabe der Mittel für das Bundesprogramm Nutztierhaltung“ endlich was erreicht.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 8 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zum Thema Agrardiesel: Ich habe das nicht verhandelt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 121 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da hätte ich, glaube ich, in der Landwirtschaft Schwierigkeiten. Sie ist nicht nur grün, wenn ich es mal vorsichtig formulieren darf. Aber etwas ernsthafter: Ich komme aus der Schäferlaufstadt Bad Urach. Mir muss das niemand erklären. Alle zwei Jahre stolz am Schäferlauf teilzunehmen – das ist quasi in meiner DNA, damit bin ich aufgewachsen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das als Erstes.

Zweitens. Ich will Ihnen noch einmal ausdrücklich sagen: Wir haben diesen Kreis von der Vorgängerregierung geerbt. Das Mandat dieses Kreises habe ich unverändert gelassen. Das haben schwarz geführte Häuser so eingerichtet. Aber das Thema Management ist nicht Bestandteil des Auftrags. Die Umweltministerin hat unter ihrer Federführung praktische Vorschläge gemacht, wie man das Thema leichter machen kann. Da geht es zum Beispiel auch um die Frage, –

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
ca. 7 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– Wolfentnahmen zu erleichtern. Wir machen ja was.

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 127 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Für mich ist ganz wichtig, dass Putin mit seinem imperialistischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht durchkommt. Und deswegen tun wir alles dafür, dass sich die Ukraine gegen diesen völkerrechtswidrigen Angriff verteidigen kann, ihr Territorium verteidigen kann und es auch zurückerobern kann.

Wir alle wissen: Die Grenzen von 1991 gelten. Die Ukraine ist im Moment dabei, Stück für Stück, mit großen Schwierigkeiten, diesen Zustand wiederherzustellen. Und gemeinsam mit unseren Verbündeten arbeiten wir daran, dass die Ukraine die Mittel in die Hand bekommt, die sie dafür benötigt, und gleichzeitig – ich glaube, das wird manchmal übersehen auch in den Debatten, die wir hier haben – geht es ja auch darum, dass die Infrastruktur der Ukraine den russischen Angriffen widerstehen kann. Und ich glaube, wenn man sich jetzt den nahenden Winter anguckt – –

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
1 Vermerkca. 24 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Es gibt bestimmt bei der Nachfrage gleich noch Gelegenheit, weiterzumachen.

– Sie ist nicht zu diesem Thema.

Herr Kollege Hahn, dann kommen Sie zuerst dran.

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 145 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin kein Militärexperte. Ich diskutiere natürlich sehr viel mit denjenigen, die sich da wirklich auskennen: mit der Führung der Bundeswehr und natürlich auch mit unseren ukrainischen Freunden. Ich habe im Moment eher wahrgenommen, dass es eine große Dankbarkeit gibt für alles, was wir tun.

Vielleicht auch noch einmal auf die Kollegin Strack-Zimmermann erwidernd: Natürlich ist es immer auch eine Frage der Finanzen. Wenn Sie mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen reden, dann sehen Sie, dass es immer auch um die Frage der Ressourcen geht. Und deswegen finde ich dieses nonchalante „Es geht ja nicht ums Geld“ etwas schwierig. Wir geben jetzt im nächsten Jahr geplant 8 Milliarden Euro aus. Ich finde, das ist ziemlich viel Geld, wenn ich mir angucke, dass wir gerade nächtelange Diskussionen über den Haushalt gehabt haben.

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass immer wieder deutlich wird – –

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das bedauere ich, aber ich nehme es zur Kenntnis.

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 148 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben recht, „kraftvolle Enthaltungen“ sollte man nicht zu oft abgeben. Das hätte ich mir auch beim Thema Glyphosat anders vorstellen können. Aber so ist das halt in Koalitionen – Sie kennen das, glaube ich, auch –: Wenn man sich nicht auf ein Ja oder ein Nein einigen kann, dann ist manchmal die Enthaltung das Mittel der Wahl. Aber ich teile Ihre Einschätzung, dass das für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht der Regelfall sein sollte.

Da Sie ein Freund der Forschung sind, so wie ich, will ich sagen: Zur Forschung gehört ja nicht nur NGT. Dazu gehört auch die Forschung im Bereich Pflanzen. Eine nachgeordnete Behörde meines Hauses ist zum Beispiel im Weinbau führend mit dabei. Die berühmten PiWi-Weine, für die ich sehr werben möchte,

Beifallder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Isabel Mackensen-Geis [SPD]

sind wirklich sehr vielversprechend und bieten die Möglichkeit, Pflanzenschutzmittel einzusparen. Also auch da tut sich viel. Ich tue mich ein bisschen schwer damit, –

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
1 Vermerkca. 49 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– dass manch ein NGT-Befürworter den Eindruck erweckt: Das ist die Wunderwaffe für alles, und bis es so weit ist, kann man die Hände in den Schoß legen. – Lassen Sie uns doch das, was wir heute bereits tun können, tun! Dann schauen wir uns gerne an, was da geht.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD
Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 225 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Herr Abgeordneter, das Vorhaben ist ja schon länger geplant, und zwar seit der letzten Bundesregierung. Die Erfahrung mit solchen Bauvorhaben ist, dass es nicht besonders klug ist, sondern zu Kostensteigerungen führt, wenn man mitten im Bau bzw. in der letzten Planungsphase Umplanungen oder Einstellungen vornimmt. Ich glaube, dass nicht diese Bundesregierung, aber die Institution Bundesregierung sozusagen eine Ewigkeitsgarantie hat. Das heißt, es wird auf Dauer irgendwann die Notwendigkeit geben, eine solche Erweiterung des Kanzleramts vorzunehmen.

Die Kolleginnen und Kollegen – ich habe das auch intensiv im Haushaltsausschuss diskutiert – der Verwaltung sagen: Ein Baustopp würde pro Jahr Mehrkosten von 40 bis 50 Millionen Euro mit sich bringen. Wenn Sie sich angucken, was an Verträgen, auch als diese Diskussion aufkam, schon geschlossen worden ist – wir sind inzwischen dabei, nicht nur die Baufeldfreimachung abzuschließen, sondern auch die Wannen zu gießen –, dann stellen Sie fest: Das hätte Kosten in dreistelliger Millionenhöhe mit sich gebracht, für einen Zustand, den man dann als „Bauruine“ hätte bezeichnen können. Ich glaube, dass es deswegen verantwortlich ist, wenn auch nicht besonders populär, diese Erweiterung zu bauen.

Zu Ihrem etwas, wie ich sagen würde, taktischen Verhältnis zur Wahrheit und zu den Fakten: Natürlich ist das Weiße Haus an sich kleiner als das Kanzleramt. Aber auch ums Weiße Haus herum gibt es unzählige Gebäude, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Weißen Hauses sitzen und arbeiten, –

Wolfgang SchmidtSPD· Bundesminister für besondere Aufgaben· kein MdB
ca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– weil eben nicht alle in dieses kleine Gebäude reinpassen.

Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
ca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Herr Minister, ich möchte noch mal auf die Paludikulturen und den angesprochenen Business Case eingehen. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir bei Paludikulturen im Moor einen zu erwartenden Biomasseertrag von etwa 5 Prozent haben? Ich weiß nicht, ob Sie sich Paludikulturen und die Beerntbarkeit von Paludikulturen in der Praxis schon mal angesehen haben. Ich halte diesen Business Case nicht für gänzlich ausgeschlossen, aber angesichts eines fehlenden Deckungsbeitrags von etwa 2 000 Euro pro Hektar für zumindest sehr weit hergeholt. Wir reden über ein Platzangebot von etwa zwei Kühen pro Hektar.

Porträt von Nicole Höchst
Foto: Nicole Höchst/ Hagen Schnauß
18 Vermerkeca. 650 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! „Lasst uns Deutschland gemeinsam verenden!“ ist frei nach Baerbock und eine Freud’sche Fehlleistung der deutschen Außenministerin.

Was soll das denn?

Sie gibt mit diesem ursprünglich auf Europa gemünzten Satz die Marschrichtung für Deutschland vor: Kobolde in Batterien, Strom in Leitungen speichern,

360-Grad-Wendungen, Länder, die Hunderttausende von Kilometern von uns entfernt liegen, usw.

Das, meine Damen und Herren, ist der fleischgewordene Albtraum. Das ist der deutsche Bildungsniedergang auf der Regierungsbank,

Beifallbei der AfD

Die Wahlergebnisse der AfD reproduzieren das!

der anderen Ländern trefflich vorführt, wie es um die Bildungsnation Deutschland bestellt ist.

Man braucht in diesem zunehmend gottlosen Land keine Bildung und kein Wissen mehr.

Sie sind gottverlassen!

Es genügt eine Haltung und die Chuzpe, mit der Arroganz dieses Nichtwissens die Vorreiterrolle in der Welt zu reklamieren.

Deutlicher kann man fast nicht mehr den Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft darstellen, wie unsere derzeitige Regierung das auf Steuerzahlerkosten teuer gestylt tut. Meine Damen und Herren, die Zukunft unserer Bildungsnation liegt in den Händen dieser Menschen.

Selbst das beste und teuerste Bildungssystem kann die Kinder der „arabischen Invasion“ – Zitat frei nach Papst Franziskus 2016 – nicht zu Fachkräften ausbilden, schon gar nicht, wenn sie nicht ausreichend Deutsch sprechen. Die Voraussetzungen sind zu unterschiedlich. Das müssen die Wokeria und ihr verlängerter Arm, die Bundesregierung, endlich verstehen, und sie müssen entsprechend handeln.

Beifallbei der AfD

Ohne Migrationswende keine Bildungswende, meine Damen und Herren! Sie können die Nichtleister nicht mehr in den Regelschulklassen verstecken, auch nicht hinter einer verschenkten deutschen Staatsbürgerschaft.

Was ist denn das für eine Wortwahl?

Das erhöht zwar den Anteil der deutschen Nichtleister, aber keinesfalls die Bildungschancen aller.

Genau betrachtet, stecken wir mittendrin in einer Kollapsbewegung der deutschen Bildungskultur. Statt fünf Tage dürfen Schüler diverser unterer Schulformen in Sachsen-Anhalt nur noch vier Tage lernen. Reihum erfinden sich die Länder immer neue, immer billigere Lehrersubtypen; Unterricht fällt trotzdem en masse aus. Deutsch an Schulen verkommt zum ungeliebten und unbeherrschten Fach. Schulhöfe werden zu Kampfzonen, wie jüngst in Neukölln.

Die PISA-Ergebnisse sind erwartbar katastrophal ausgefallen. Knapp ein Drittel der 15-Jährigen hat in mindestens einem der drei getesteten Felder nur sehr geringe Kompetenzen. Ein Drittel der Schüler kann mit mathematischen Alltagsfragen nicht mehr umgehen. Etwa jeder sechste Jugendliche hat gleich in allen drei Bereichen deutliche Defizite. Die Anteile dieser besonders leistungsschwachen Jugendlichen sind seit 2018 größer geworden und betragen in Mathematik und Lesen rund 30 Prozent.

Zurufdes Abg. Bernd Schattner [AfD]

Dies vollzieht sich in etwa parallel zum anwachsenden Anteil nichtdeutschmuttersprachlicher Schüler in den Klassen. Der Anteil der besonders Leistungsstarken ist wiederum auf knapp unter 10 Prozent gesunken.

Die Anzahl der Menschen ohne Ausbildung steigt auf immer neue Rekordwerte. Selbst bei einer geschwächten Wirtschaft, wie sie seit Jahren existiert, gibt es für Zigtausende von Stellen keine qualifizierten Bewerber. Dank der Digitalisierungswut in allen Bereichen nimmt der Bedarf an Unqualifizierten auf dem Arbeitsmarkt aber ab. Wozu locken Sie eigentlich weitere bildungsferne Menschen nach Deutschland, meine Damen und Herren von der Regierung?

Faulheit und Feigheit sind die Ursache, warum ein so großer Teil der Menschen gerne zeitlebens unmündig bleibt und warum es anderen so leichtfällt, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.

Beifallbei der AfD

Was ist denn das für ein Weltbild, das hier deutlich wird?

„Es ist so bequem, unmündig zu sein“, schrieb Immanuel Kant.

Kennt doch da drüben keiner!

Meine Damen und Herren, liebe Eltern und Schüler, die Degradierung zu Humankapital, Gängelmasse und Output-Lieferanten wollen wir uns als freie Bürger nicht länger gefallen lassen. Wie man dem Lehrermangel begegnen könnte, wie man Unterrichtsqualität sichern und Lernerfolge für alle erzielen könnte, haben wir mit einigen Anträgen immer wieder skizziert.

„Einige“ ist aber übertrieben!

Sie machen aber lieber weiter wie bisher und schieben sich zwischen Bund und Ländern irgendwie den Schwarzen Peter zu. Und dabei bleiben alle Kinder auf der Strecke.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, hören Sie mit dem Heucheln auf!

Was wollen Sie denn?

Fangen Sie an, die Ärmel hochzukrempeln und wirklich Probleme zu benennen und korrekt zu analysieren! Sonst können Sie sie nicht lösen. Für Lösungen stehen wir jederzeit bereit,

Sie haben doch nicht eine genannt! Nicht eine!

nicht aber für das Weiterführen dieses Verbrechens an der Zukunft Deutschlands.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Dr. Carolin Wagner [SPD]

Trotz aller Kontroversen wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest.

Porträt von Oliver Kaczmarek
Foto: photothek.net
10 Vermerkeca. 937 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das Deprimierende an dieser PISA-Studie ist ja wirklich, dass wir belegt bekommen haben, dass wir trotz aller erheblichen Anstrengungen, die es – das wird niemand bestreiten – in den Schulen, in den Ländern, in den Kommunen und auch im Bund gegeben hat,

„Stets bemüht“!

tatsächlich da gelandet sind, wo wir 2001 nach der ersten PISA-Studie losgelaufen sind. Deswegen glaube ich, wir sollten solche Debatten nicht nutzen, um Symboldebatten zu führen, um das zu sagen, was wir immer schon sagen wollten, sondern wir müssen dafür sorgen, dass es eine klare Strategie gibt. Wir dürfen uns an diese schlechten Leistungsergebnisse nicht gewöhnen, nur um das zu sagen, was wir immer schon gesagt haben, weil es erwartbar war. Es darf in der deutschen Bildungspolitik keinen Effekt der Gewöhnung an schlechte Studien geben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

Was wir machen müssen, ist, glaube ich, uns klar an Zielen zu orientieren – Ziele, die wir vorgeben, die für das System wichtig sind – und sie kontinuierlich zu verfolgen. Denn ein Drama der deutschen Bildungspolitik ist in Wahrheit auch, dass dort, wo es viele Wechsel der Konstellationen gegeben hat, sich jede neue Landes- und Bundesregierung an irgendeiner Stelle selbst noch mal einbringen wollte. Ich glaube, dass wir eine kontinuierliche und dauerhafte Zielerreichung brauchen, in einer gesamtstaatlichen Anstrengung von Bund, Ländern und Kommunen. Deshalb glaube ich auch, dass das Kooperationsgebot, wie wir es in unseren Koalitionsvertrag geschrieben haben, die richtige Antwort ist, und zwar, darauf aufbauend, auch auf die PISA-Studie.

Ich will vier Ziele nennen, meine Damen und Herren.

Erstens. Wir dürfen und wir können auch gar nicht auf irgendein Talent in Deutschland verzichten. Die größte Herausforderung nach allen Leistungsuntersuchungen, die wir haben, ist, dass der Bildungserfolg immer noch massiv von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler abhängig ist, übrigens wie in keinem anderen Industrieland, das in der PISA-Studie untersucht worden ist.

Deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht. Wir haben in der letzten Wahlperiode die Initiative „Schule macht stark“ begonnen, und wir haben das jetzt in der Ampel vervielfacht und mit dem Startchancen-Programm noch mit einem viel größeren Wumms versehen: Bund und Länder werden 20 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren in Schulen in sozial schwierigen Lagen investieren. Damit wollen wir 10 Prozent aller Schulen in Deutschland erreichen. Das ist eine große Herausforderung, aber auch eine gute Antwort darauf, dass wir dorthin gehen, wo wir die Talente auf keinen Fall verlieren dürfen,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

nämlich da, wo die Herausforderungen am größten sind.

Natürlich würden wir uns wünschen, dass das noch viel mehr Schulen erreicht, dass wir vielleicht eines Tages mit dem Startchancen-Programm die Hälfte aller Schulen erreichen. Aber die Wahrheit ist auch, dass in einigen Bundesländern die bisherigen Anstrengungen durch das Startchancen-Programm vervielfacht werden, weil nämlich einige sich noch gar nicht auf den Weg gemacht haben. Deshalb ist das ein Beleg dafür: Wir finden uns nicht damit ab, dass die Postleitzahl so massiv auf den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen Einfluss nimmt. Das Startchancen-Programm ist der erste Schritt, den wir dabei gehen wollen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zweitens. Wir müssen früh beginnen. Es ist wichtig, dass wir jetzt die 20 Prozent Kinder in den Blick nehmen, die derzeit gar nicht oder nur kurz die Kita besuchen, weil die Kita der Ort ist, an dem wir frühzeitig auch auf Chancengleichheit hinwirken können.

Zurufder Abg. Dr. Christina Baum [AfD]

Wir werden vielleicht auch noch mal den Bildungsauftrag gesetzlich fixieren müssen. In den Kitas müssen wir die Frühförderung und die Sprachförderung im Blick behalten, und dann müssen wir mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule weitermachen, den wir vereinbarungsgemäß umsetzen wollen, weil Kinder dort mehr Zeit für Bildung und Betreuung haben, und im Übrigen auch, weil es für die Eltern notwendig und wichtig ist. Früh zu beginnen, das ist der Schlüssel dafür, Chancengleichheit zu erreichen. Das müssen wir viel stärker machen, als wir es in der Vergangenheit gemacht haben. Frühe Bildung ist der Schlüssel.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Drittens. Ich glaube, wir haben Hinweise in der PISA-Studie, wie wir die Potenziale von Digitalisierung besser nutzen können. Die Ausstattung haben wir mit dem Digitalpakt deutlich verbessert; aber die Nutzung von digitalen Medien in der Unterrichtsgestaltung ist deutlich unterdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen Industrienationen. Und deswegen ist es wichtig, dass wir den Digitalpakt daran teilweise auch neu ausrichten. Wir wollen ihn fortsetzen und zum Digitalpakt 2.0 machen.

Das ist aber nicht die Lösung für alles. Auch die Kompetenzzentren für digitales und digital gestütztes Lernen, die wir in dieser Wahlperiode gemeinsam auf den Weg gebracht haben, fördern digitalen Unterricht. Und die Open Educational Resources, also das gemeinsame Teilen von digitalen Lerninhalten – das ist in der Konstellation der alten Regierung leider ein bisschen unter die Räder gekommen –, haben wir jetzt neu aufgesetzt und deutlich gemacht: Wir wollen die Potenziale von Digitalisierung neu nutzen; das ist der richtige Weg.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Viertens. Das ist eine herzliche Bitte. Wir haben überhaupt keine Zeit zu verschenken. Die PISA-Studie untersucht die Kompetenzen von 15-Jährigen. Von denen hat ein Drittel große Probleme in Mathematik. Das ist das Ergebnis der PISA-Studie. Die sind in einem Jahr, in zwei, drei oder vier Jahren auf dem Ausbildungsmarkt. Deswegen müssen wir denen helfen.

Machen Sie mal!

Da können wir nicht noch große Symboldebatten führen, sondern wir müssen dafür sorgen, dass sie ihr Abschlussziel erreichen, und zum anderen müssen wir dafür sorgen, dass sie den Übergang in den Beruf besser organisiert bekommen.

Die Ausbildungsgarantie ist dafür ein wesentlicher Schlüssel. Sie ist unsere Antwort auf diese Frage, wie Jugendliche mit Vermittlungshemmnissen besser in Ausbildung kommen können. Aber wir müssen auch die Berufsorientierung verstärken; denn wir können auf keines dieser Kinder, auf keinen dieser Jugendlichen verzichten. Wir brauchen sie als Fachkräfte von morgen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Bildungspolitik braucht auch Vernunft!

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
2 Vermerkeca. 61 WörterReaktionswert: niedrig
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Ich greife eine Äußerung des Redners auf, mit der er mich darauf hingewiesen hat, dass die zuständige Ministerin Stark-Watzinger ja gar nicht vor Ort ist. Ihr Fehlen ist offenbar gar keinem aufgefallen;

das kann ich verstehen. Deshalb beantrage ich nach § 42 der Geschäftsordnung die Herbeirufung der Ministerin zu dieser Aktuellen Stunde, bei der sie noch viel lernen kann. – Danke schön.

Porträt von Daniela Ludwig
Foto: Daniela Ludwig/ Anne Hufnagl
19 Vermerkeca. 771 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, wir haben ein Problem. Wir haben ein großes Problem. Wir haben ein großes Bildungsproblem. Ich bin ehrlicherweise sehr froh, dass wir das auch hier im Deutschen Bundestag diskutieren. Ich halte nichts davon, sich jetzt einen schlanken Fuß zu machen – die wenigsten von uns tun das hier – und alle Verantwortung in die Länder zu schieben. Sie wissen ja selber, wie das ist, wenn Sie unterwegs sind: Die Eltern sprechen Sie an, und sie machen keine Unterscheidung: „Wer ist zuständig? Wer ist nicht zuständig?“, sondern sie wollen Lösungen sehen.

Darum möchte ich in allererster Linie davor warnen, jetzt schaufensterartig Strukturreformen zu debattieren, zu überlegen: Können wir die KMK reformieren? Ja, müssen wir wahrscheinlich; aber davon lernt kein Kind schneller und besser lesen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Ria Schröder [FDP]

Deswegen, denke ich, sind die Ansätze, die wir jetzt hier von unterschiedlicher Seite gehört haben, natürlich die einzig richtigen.

Ich habe heute mit großem Interesse im Bildungsausschuss unserem Fachgespräch gelauscht,

Super Ausschuss!

und es sind natürlich zwei Punkte ganz deutlich herausgestochen: zum einen – ich denke, das war vielleicht für uns alle durchaus überraschend –, dass die Coronaspätfolgen noch so massiv nachhängen.

AfD wusste das vorher! Hätten Sie mal auf uns gehört!

Ich habe heute im Ausschuss sehr deutlich gesagt – dazu bekenne ich mich auch –: Ja, die Schulschließungen waren in der Länge und in der Intensität ein Fehler, und das sollte uns nie mehr wieder passieren.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Nichtsdestotrotz gilt es jetzt, diese Folgen aufzuholen, und da müssen wir alle sehr schnell in die Puschen kommen, ohne wieder mit Schuldzuweisungen anzufangen. Ja, „Aufholen nach Corona“ war ein gutes Programm. Es war nicht perfekt, keine Frage; aber es adressierte das richtige Problem. Das jetzt einzustampfen, weil Corona vermeintlich vorbei ist, ist sicherlich ein sehr großer Fehler gewesen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir hätten uns gerne an der Fortentwicklung des Programms beteiligt, und wir hätten auch sehr gerne die Länder dabei in die Pflicht genommen, die entsprechenden Förderstrukturen entweder aufzubauen oder deutlich zu verbessern. Das kann ich leider niemandem hier im Raum ersparen.

Das zweite Thema ist natürlich der Faktor „Bildungsferne Familien und Migrationshintergrund“. Beides muss man übrigens zusammensehen. Beides ist nicht immer identisch: Es gibt genügend deutsche Familien, die ebenfalls bildungsfern sind, und es gibt genügend deutsche Kinder, die die gleiche Sprachförderung verdient hätten wie viele Kinder mit Migrationshintergrund. Ich glaube, da müssen wir ansetzen.

Mein Kollege Thomas Jarzombek hat es so schön gesagt: „Die größte Anstrengung für die Kleinsten!“ Ja, bei der frühkindlichen Bildung – wir haben es heute deutlich gehört – hängen wir massiv hinterher, und wir müssen die Kitas besser nutzen – voll d'accord. Da müssen wir uns jetzt aber von Bundesseite auf den Weg machen.

Zurufder Abg. Marianne Schieder [SPD]

In Zeiten wie diesen die Sprach-Kitas, liebe Kollegin, einzustampfen, sie den Ländern vor die Füße zu werfen

Und so kurzfristig!

Na, für Kindertagesstätten sind sie schon noch zuständig! Und solche Programme werden fortgesetzt! Und es gibt 4 Milliarden mehr für Kitas vom Bund! 4 Milliarden mehr für Kitas vom Bund!

und sich dann hier diesen vielzitierten schlanken Fuß zu machen und zu sagen: „Die Länder werden es schon irgendwie hinkriegen“, war ein Riesenfehler. Das kann ich Ihnen hier nicht ersparen.

Beifallbei der CDU/CSU

Warum ist es ein Riesenfehler gewesen? Weil Sie damit Strukturen durch Unsicherheit im Personal zerstört haben,

weil Ihnen die Leute in der Zwischenzeit, wo nicht klar war, wie es weitergeht, davongelaufen sind.

Wir hätten jetzt eine Struktur in bestehenden Kitas.

Sehr richtig!

Die könnten wir ausbauen. Die könnten wir verdoppeln, verdreifachen, da, wo es notwendig ist. Nein, Sie wussten es besser. Es war Ihnen nicht wert, dass wir dieses wirklich gute Programm fortführen. Eine grüne Ministerin hat es beerdigt. Ein großer Fehler!

– Ich verstehe das. Wenn ich so einen Mist gebaut hätte, wäre ich jetzt auch laut oder besser leise.

Das Nächste. Zu den Strukturreformen habe ich das Notwendige gesagt. Ich will aber noch eines sehr deutlich machen: Wir müssen auch ein bisschen weg von der Kuschelpädagogik. Das sage ich in aller Deutlichkeit. Ich glaube, es hilft keinem weiter, wenn man ihn pampert, verhätschelt und nichts fordert.

Sehr gut!

Wir müssen wieder klarmachen: Leistung hat in der Schule schon ihren berechtigten Platz. – Und je diverser und je heterogener Klassen und Schulgemeinschaften aufgestellt sind, umso wichtiger sind auch die Themen Leistung und Disziplin. Da dürfen wir uns definitiv nichts vormachen. Das ist auch etwas, was Lehrer einfordern, wo sie auch deutlich mehr Rückendeckung von der Politik brauchen könnten.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Die Rückkehr des bayerischen Rohrstocks!

Das ist so ein softes Thema, das aber vielleicht gar nicht soft ist, sondern knallhart ist, weil es vielen vor Ort riesige Probleme macht.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ja, die Bildungsforschung sagt aber was anderes! Mehr Leistungsfähigkeit!

– Wissen Sie, lieber Herr Kollege: nicht immer nur den Forschern glauben, sondern auch mal mit Praktikern reden. Sie wissen es oftmals deutlich besser.

Och! Wir können ja mal unsere Kalender vergleichen, wer mit mehr Praktikern spricht! Mein Gott! Lernforschung ist schon wichtig! Das machen alle Spitzenreiter, orientieren sich an den Ergebnissen der Lernforschung!

In diesem Sinne: Wir haben einiges vor uns. Wir sind gerne dabei, gemeinsam mit den Ländern im Rahmen der bestehenden Strukturen das Problem zu lösen. Es ist uns nach 2000 im Bildungsföderalismus gelungen, aus dem ersten PISA-Schock wirklich was rauszuholen. Versuchen wir, das beim zweiten auch hinzubekommen!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
8 Vermerkeca. 347 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als letzte Woche die neuen PISA-Ergebnisse präsentiert wurden, waren alle ein bisschen darauf eingestellt, dass es nicht besonders gut werden würde. Aber dass es dann gleich die schlechtesten Ergebnisse sein würden, die jemals erzielt wurden – in allen Kompetenzbereichen die niedrigsten Werte, die jemals gemessen wurden; die deutschen Ergebnisse im internationalen Vergleich noch mal besonders schlecht –, war dann doch ein ganz neuer Schock. Ich muss Ihnen wirklich sagen: Kein Wunder! Ich finde, diese Ergebnisse sind verdient schlecht.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten

Denn seit dem Jahr 2000, seit dem ersten PISA-Schock, hat keine der Bundesregierungen, auch nicht die unionsgeführten, wirklich die Weichen für eine bessere Bildung gestellt.

Zurufevon der AfD

Das ist die Situation. Sie haben weder substanziell Geld für die Bildung mobilisiert, noch haben Sie die Bildung inhaltlich reformiert. Beides wäre aber wirklich bitter nötig gewesen.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten

Während Corona wurden die Bildungseinrichtungen und die Familien alleingelassen. Und als Sie die Pandemie dann für beendet erklärt haben, haben Sie auch gleich alle Maßnahmen beerdigt, die die Coronamissstände wenigstens ein bisschen heilen sollten. Und als Sie völlig zu Recht Geflüchtete in Deutschland aufgenommen haben, haben Sie das nicht mit mehr Geld und mehr Personal flankiert; Sie haben ein überfordertes System sich selbst überlassen. Wie soll man denn Deutsch vermitteln ohne ausreichend Lehrkräfte, und wie soll man Willkommensklassen einrichten ohne genug Räume? Das ist natürlich nicht möglich.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und bei fraktionslosen Abgeordneten

Kolleginnen und Kollegen, der Bundeshaushalt für 2024 ist immer noch nicht verabschiedet. Ich sage Ihnen: Es darf kein Sparhaushalt für Bildung und Soziales werden. Nehmen Sie endlich Geld in die Hand! Bringen Sie ein Sondervermögen auf den Weg zur Sanierung der Schulen!

Sondervermögen! Ha!

Bilden Sie Lehrkräfte aus! Und ich sage auch: Das Lernen sollte in erster Linie Spaß machen, und es sollte keine Bauchschmerzen verursachen. Es wäre aus meiner Sicht gut, endlich mal ein bisschen Druck und den Drill rauszunehmen aus dem System, so wie das andere Länder – im Übrigen erfolgreichere Länder als Deutschland – auch machen.

Zurufder Abg. Dr. Christina Baum [AfD]

In der Bildungspolitik muss es vor allem um ein großes Ziel gehen: Der Bildungserfolg darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Machen Sie das endlich zur Chefsache!

Vielen Dank.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten und der Abg. Katrin Zschau [SPD]
Porträt von Lars Rohwer
Foto: Lars Rohwer/ BLEND3/Frank Grätz
16 VermerkeZwischenfrageca. 646 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Glück auf! – Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die größte Anstrengung für die Kleinsten! Das ist in der Tat die Herausforderung, die vor uns liegt. Die PISA-Ergebnisse des Jahres 2023 geben allen Grund, beträchtliches Unbehagen mit Blick auf unsere junge Generation zu entwickeln.

Der Staatssekretär im BMBF Jens Brandenburg hat die PISA-Befunde als „besorgniserregend“ bezeichnet. Wir haben also kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem im BMBF sitzen. Denn die Ministerin eröffnet in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ die Debatte um die Struktur. Sie fordert Grundgesetzänderungen. Das ist nichts anderes, Frau Stark-Watzinger, als eine Strukturdebatte.

Beifallbei der CDU/CSU

Dabei hat der anerkannte Soziologe Blossfeld zwei Wochen zuvor in der „Zeit“, also noch vor der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse, deutlich, aber wirklich deutlich davor gewarnt, in Strukturdebatten zu verfallen. Das deutsche Bildungssystem sei nicht statisch, stellt er weiter in diesem Interview fest, und es sei ausgesprochen durchlässig geworden. Also: Es ist in den letzten Jahren etwas passiert.

Entscheidend ist für den Bildungserfolg aber eben nicht die Struktur von schulischer Bildung, sondern der jeweilige Mensch, der vor der Klasse steht und die Qualität des Unterrichtes sicherstellt. Es ist entscheidend, Pädagoginnen und Pädagogen in die Lage zu versetzen, dass sie gute Bildungsarbeit mit Schülerinnen und Schülern machen können. Die passgenaue Mischung sorgt eben genau für den Lernerfolg, um den wir uns kümmern müssen, und nicht Strukturdebatten.

Beifallbei der CDU/CSU

Nun haben Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren von der Koalition, immer wieder das Startchancen-Programm propagiert.

Konzipiert!

Das sogenannte Startchancen-Programm!

Aber Sie verwischen auch da wieder die Realitäten. Dieses Startchancen-Programm, wie Sie es nennen, ist ein einziger Tropfen auf den heißen Stein.

Das Programm ist 20 Milliarden Euro schwer! Das ist ja nicht so wenig!

Ich will Ihnen dazu ein paar Zahlen nennen: Von über 32 000 allgemeinbildenden Schulen in diesem Land werden nach Aussage des Ministeriums gerade mal 4 000 Schulen profitieren.

Zielgenau, in den benachteiligten Quartieren!

Das sind im Umkehrschluss knapp über 10 Prozent der Schulen im Land.

Also: Sie lehnen es ab, wollen es aber für 20 Prozent? Das ist doch ein Logikbruch! Entweder wollen Sie es nicht oder nur für mehr als 10 Prozent!

Bis das Programm wirkt – das hat Kollege Gehring am Ende seiner Rede auch zugegeben –, wird viel zu viel Zeit ins Land gegangen sein, die wir nicht mehr haben, Herr Kollege Gehring.

Ich würde Ihnen gerne eine Zwischenfrage stellen! Die Grundschullehrerin hätte „Logikbruch“ drangeschrieben!

Deswegen wäre es vielleicht besser gewesen, den Digitalpakt fortzuführen. Aber auch da hängen Sie ja richtig in den Seilen; da passiert überhaupt nichts.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie, da passiert überhaupt nichts?

Die größte Anstrengung für die Kleinsten! Sie merken, das sind jetzt die Zeichen der Zeit. Kein Kind darf verloren gehen – ich glaube, darüber werden wir uns hier im Hohen Hause sehr schnell einig sein –, egal aus welchem Elternhaus das Kind kommt. Aber das ist eben leichter gesagt als umgesetzt. Deswegen müssen Sie auch dafür sorgen, dass wir für individuelle Menschen keine Einheitsschulen in diesem Land haben.

Schon mal was von „individueller Förderung“ gehört?

Meinen Sie jetzt die Grundschulen?

Denn jedes Kind hat ein anderes Lerntempo und unterschiedliche Zugänge zu Bildungsinhalten.

Kinder sind von Natur aus neugierig, Herr Kollege Gehring.

Ich bin auch sehr neugierig!

Und das ist dann eben auch der richtige Bildungsansatz. Warum also Vokabeln studieren, stur mit Karteikarte wie bisher, wenn es mittlerweile geniale Apps in diesem Land gibt, die Lerninhalte spielerisch vermitteln können?

Genau, so ist es!

Warum Mathe an der Tafel pauken, wenn es wirklich durchdachte Lern-Apps gibt, die zeigen, dass Mathe eben auch Spaß machen kann?

Sowohl als auch!

Deshalb komme ich noch mal zum Digitalpakt 2.0. „Digital first. Bedenken second.“ – das war Ihr Spruch im Bundestagswahlkampf. Ihre Ministerin, die heute leider nicht da ist,

Sie wollten sie ja nicht herbeizitieren! Ich habe es ja versucht!

hat aber jetzt genau diese Bedenken. Deswegen verstehe ich nicht, warum Sie den Digitalpakt jetzt in die zweite Reihe setzen und sagen: Den machen wir mal später. – Setzen Sie diesen Digitalpakt in die erste Reihe, und sorgen Sie dafür, dass wir die größte Anstrengung für die Kleinsten in diesem Land auf die Reihe kriegen!

Bildung ist und bleibt aus meiner Sicht Ländersache. Bildung ist die entscheidende Währung für Deutschlands Zukunft. Damit wir mit Zuversicht hier weiterarbeiten können, sage ich: Kümmern Sie sich um diesen Digitalpakt! Die Schülerinnen und Schüler und auch die Pädagoginnen und Pädagogen in den Schulen werden es Ihnen danken.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Debattenkultur, Frau Präsidentin! Früher soll es da langweiliger gewesen sein, sagt man!

Die letzte Rednerin in der Aktuellen Stunde ist Gyde Jensen für die FDP-Fraktion.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
13 Vermerkeca. 673 WörterReaktionswert: hoch
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die PISA-Studie, über die wir heute samt der Konsequenzen, die daraus zu ziehen sind, sprechen, wird alle drei bis vier Jahre unter OECD-Staaten durchgeführt und misst die Fähigkeiten in den Bereichen Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften. Im Vergleich zur letzten Erhebung 2018 schneidet Deutschland in allen Disziplinen signifikant schlechter ab. Wir haben die Bilanz im Grunde heute noch einmal gehört. Ich möchte deswegen nicht näher darauf eingehen, sondern ein kleines bisschen auf das, was darüber hinaus gesagt wurde.

Was wir aber festhalten können, ist, dass der Leistungsverfall sicherlich auch im Zusammenhang mit der Coronapandemie steht und mit dem Mangel an digitalen Möglichkeiten, die ad hoc und sofort angewendet werden konnten, als die Schulen leider schließen mussten und viel zu lange geschlossen waren, einhergeht. Das betrifft Schülerinnen und Schüler, die leistungsstark sind, wie auch leistungsschwächere, und das muss uns ganz große Sorgen machen. Sie sind – das besagen zumindest die Zahlen, die wir vorliegen haben – um fast ein ganzes Schuljahr zurückgeworfen worden. Das zur Bestandsaufnahme.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in der Debatte ist aber auch sehr deutlich geworden, dass sich vor allen Dingen die Opposition sehr gerne – und auch heute hier wieder – darauf konzentriert, die Probleme zu beschreiben. Und dann wird irgendwie der Eindruck erweckt, dass Sie nicht zuständig seien. Frau Ludwig hat das gemacht, Herr Rohwer auch gerade noch mal. Sie sind zuständig, weil das Grundgesetz den Bildungsauftrag in den Ländern verortet.

Das habe ich nicht bestritten!

Und solange das nicht verändert wird, kann der Bund nur dann unterstützen, wenn die Länder etwas machen. Meine Kollegin Ria Schröder hat das ausgeführt.

Die Länder haben doch eine Fortsetzung gewollt!

Es gibt aber einen spannenden Punkt in der aktuellen PISA-Erhebung, den wir uns ein bisschen genauer ansehen könnten.

Zurufdes Abg. Thomas Jarzombek [CDU/CSU]

Und zwar schneidet Deutschland besonders schlecht beim Index der Schulautonomie ab. Lediglich 41 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland besuchen eine Schule, in der sich die Schulleitung hauptverantwortlich um das Einstellen von Lehrkräften kümmern kann; der OECD-Schnitt liegt deutlich darüber. Nur 55 Prozent besuchten eine Schule, in der die Lehrkräfte beispielsweise die Hauptverantwortung für die Auswahl der Lehrmittel trugen; auch da ist der OECD-Schnitt deutlich höher.

Schauen wir auf eine Veranstaltung, die vor Kurzem stattfand, und zwar den Deutschen Schulpreis. Dort wurden Schulen geehrt: Grundschulen, Berufsbildende Schulen, Gymnasien und Gemeinschaftsschulen. Die hatten alle eine Sache gemeinsam, und zwar, dass sie den Mut hatten, auf Schulautonomie zu setzen.

Genau! Im staatlichen System!

Sie hatten das Vertrauen in die Lehrkräfte und die Schulleitungen vor Ort, die genau wissen, was an den jeweiligen Schulen erforderlich ist. Estland macht das schon sehr lange – übrigens seit 2015 liberal regiert. 97 Prozent der Schülerinnen und Schüler dort haben Lehrer/-innen, die ihre Lehrmaterialien selber auswählen können und die Verantwortung bei der Einstellung des Personals tragen.

Und warum brauchen wir jetzt eine Grundgesetzänderung dafür? Das können wir doch jetzt schon machen!

Ihnen werden vielleicht einige Punkte in der ganzen Debatte bekannt vorgekommen sein. Auch die Schulautonomie ist ein maßgeblicher Punkt, den wir im Startchancen-Programm vorsehen wollen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Schulautonomie kann möglich sein, wenn die Länder zustimmen; in der KMK liegt gerade der Entwurf zum Startchancen-Programm.

Herr Jarzombek ging darauf ein, dass vor allen Dingen für die Kleinsten die größten Anstrengungen getätigt werden müssen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sehr richtig!

Deswegen wollen wir mit dem Startchancen-Programm explizit Grundschulen an den Orten hervorheben,

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

wo die Notwendigkeiten und die Herausforderungen am größten sind.

Na ja! Das sind 2,5 Prozent der Schulen! 2,5 Prozent!

Bemerkenswert ist das Maß an Unmut und geringem Gestaltungswillen, das Sie in Ihren beiden Reden – vor allen Dingen Frau Ludwig – deutlich gemacht haben.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sie müssen den Teufelskreis durchbrechen, immer nur zu sagen: In dem Fall sind zwar eigentlich die Länder zuständig; aber so können wir auch nicht weitermachen.

Ich würde mir wünschen – so wie wir uns immer gewünscht haben, zusammenzuarbeiten, wenn solche desaströsen Zahlen vorliegen –, dass Sie sich in der KMK jetzt hinsetzen und daran arbeiten, dass wir das Startchancen-Programm gemeinsam umsetzen können. Da kann man noch mehr machen. Wir würden uns das sehr wünschen.

Da müssen Sie auf Augenhöhe mit den Ministern reden!

Wir haben uns von Tag eins an in der Bundesregierung – Bettina Stark-Watzinger allen voran – für das Startchancen-Programm starkgemacht, und wir hoffen sehr, dass aus dieser Debatte der nächste Impuls für die KMK und die Beratungen dort hervorgeht.

Sie müssen das Startchancen-Konzept jetzt überarbeiten nach den Ergebnissen!

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 29 WörterReaktionswert: ruhig
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Meine Damen und Herren! Ich will meine Rede beginnen mit einem Satz als Forderung: Die größte Anstrengung müssen wir für die Kleinsten vornehmen!

Beifallder Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU] und Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Damit möchte ich das Ganze zusammenfassen.

Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
18 Vermerkeca. 709 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin, ich bitte vielmals um Verzeihung.

Das kann passieren!

– Das wäre noch einmal eine eigene Debatte wert; aber die werden wir heute hier nicht führen.

Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Die größte Anstrengung müssen wir für die Kleinsten vornehmen!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das ist der Kern dessen, worum es uns geht. Wir haben mit PISA, mit IQB, mit IGLU eine ganze Reihe von Studien in diesem Jahr gesehen. Die IGLU-Studie hat gezeigt: Bei den Viertklässlern können ein Viertel der Kinder nicht richtig lesen. Bei den Neuntklässlern sind es 32,5 Prozent, die hier die Mindeststandards nicht erreichen. Und das Hauptproblem liegt in den ersten sechs Jahren, möglicherweise noch einmal in den Folgejahren in der Grundschule. Deshalb wäre ich geneigt zu sagen: Unsere Strategie muss lauten: Grundschule first! Und das Jahr davor.

Zurufder Abg. Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir haben als CDU/CSU ganz klar auch hier in den Debatten schon gesagt: Wir brauchen verpflichtende Diagnostik im dritten, vierten Lebensjahr.

Beifallbei der CDU/CSU

Da geht es nicht nur um Sprache, aber auch. Es geht aber auch um empathische Fähigkeiten, um sozialen Umgang, um Zahlenverständnis und um andere Dinge. Und dann muss es verpflichtende Programme geben, beispielsweise – ich nenne jetzt mal ein SPD-Land – wie in Hamburg, die das im fünften Lebensjahr

Zurufdes Abg. Oliver Kaczmarek [SPD]

in der Schule machen – ich würde es mir vielleicht eher in der Kita vorstellen –, aber mit eigenem Personal.

93 Prozent der Kinder gehen in eine Kita, 25 Prozent der Viertklässler können nicht richtig lesen.

Warum setzen Sie das denn nicht um, in den Ländern, in denen Sie die Kultusministerien haben?

Die Kitas können in ihrer heutigen Ausstattung die Herausforderungen so nicht lösen. Und die sind nicht gering: 14 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben einen ausländischen Pass. Wenn man zur Migrationsgeschichte der Schülerinnen und Schüler googelt, findet man nicht viel, aber zum Beispiel in NRW sind 19 Prozent der Kinder muslimischen Glaubens, was vielleicht ein Indikator sein kann. Das heißt, wir sehen in den Schulen viele Kinder mit einer Migrationsgeschichte, und wir müssen früher einsteigen und gerade Sprache vermitteln.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Und deshalb: Grundschule first! Die größte Anstrengung für die Kleinsten!

Wir müssen die Trägheit des Systems bekämpfen. Interessanterweise zeigt das ifo-Bildungsbarometer: Auf Platz drei der größten Probleme im deutschen Schulsystem kommt laut der Befragten: Das System ist zu träge, es passt sich heutigen Anforderungen nicht gut genug an. – Und das System demotiviert auch. Ich habe im Laufe der Jahre so viele engagierte, innovative Lehrerinnen und Lehrer getroffen, die teilweise brutal von der Bürokratie ausgebremst werden. Wir müssen denjenigen, die was leisten können und wollen und die auch neue Wege gehen, diese ermöglichen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir müssen auch digitaler werden. Und Digitalisierung heißt nicht, in iPads zu investieren, das heißt nicht, in Breitbandanschlüsse zu investieren. Und das bedeutet übrigens nicht, dass schon Drittklässler im Hort „Minecraft“ spielen. Digitalisierung bedeutet, dass wir Lerninstrumente brauchen, die Kinder motivieren.

Das machen die Lehrer!

Motivation ist ein absoluter Schlüssel zum Lernerfolg. Und bei Kindern, die aus Elternhäusern kommen, wo nicht motiviert wird,

Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

wo nicht zum Lernen angehalten wird, müssen wir uns überlegen, wie wir an sie herankommen. Und dafür braucht es Digitalisierung als Treiber für Lernen, Motivation und Individualisierung.

Beifallbei der CDU/CSU

Und wir müssen mit den Eltern arbeiten. Gegen die Eltern ist kein Lernerfolg möglich.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das sind Themen, die wir bisher hier auch zu wenig adressiert haben. Die Wübben Stiftung hat das Konzept der Familiengrundschulzentren. In Schleswig-Holstein wird das momentan massiv ausgerollt.

Und in NRW!

Die Idee, die Eltern als Lernpartner für ihre Kinder mitzunehmen und sie zu ertüchtigen, was es dafür braucht, das ist ein superwichtiger Punkt.

Am Ende müssen wir hier im Bundestag natürlich auch über die Frage reden: Wie ist das Verhältnis von Bund zu Ländern in der Bildungspolitik? Und die Hilflosigkeit der Ministerin, die übrigens ja heute gar nicht da ist, dokumentiert sich daran, dass sie einfach nur sagt: Wir müssen das Grundgesetz ändern. – Dabei weiß sie selber genau: Das wird nicht passieren. Das ist eine reine Ausrede.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist Leistungsverweigerung, was hier stattfindet. Und wir wissen auch: Das Startchancen-Programm wird nicht kommen.

Wie bitte? Das ist Quatsch!

Ties Rabe hat dazu gesagt: Frühestens im März wird unterschrieben. – Das können Sie nachlesen.

Zurufder Abg. Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Ja, an irgendwem scheitert immer alles, nur nicht an Ihnen.

Sie müssen hier mal Leistung auf den Tisch legen. Sie haben das Programm „Sprach-Kitas“ gestrichen. Und das wäre ein Schlüssel, um mit den Fünfjährigen anzufangen. Lassen Sie uns in die Hände spucken. Wir müssen die größte Anstrengung für die Kleinsten an den Tag legen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist aber schade!

16 Vermerkeca. 614 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Als Ausschussvorsitzender, als Bürger und als Patenonkel wünsche ich mir ein Land, in dem jedes Kind seine Träume verwirklichen kann. Wir brauchen eine Bildungsrepublik Deutschland, in der Herkunft nicht länger über Zukunft entscheidet.

Unser aller Mission sollte sein: ein chancengerechteres, leistungsfähigeres und durchlässigeres Bildungssystem. Lernen macht Freude, Lernen ermöglicht, erweitert Horizonte, entwickelt Persönlichkeit. Bildung ist eine soziale Frage. Je ärmer der sozioökonomische Status der Eltern, umso größer das Bildungsrisiko der Kids – das hat uns die PISA-Studie einmal mehr gezeigt –, und das muss sich ändern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Bildung ist auch eine wirtschaftspolitische Frage; denn die Schülerinnen und Schüler von heute sind die Fachkräfte von morgen. Und Bildung schafft ein demokratisches Fundament. Wer gut liest, schreibt, zuhört und versteht, der oder die kann Fakten von Fiktion unterscheiden.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und es ist so wichtig, in diesen Zeiten Durchblick und Kompetenz zu erhalten.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die PISA-Studie 2022 ist der zweite PISA-Schock Deutschlands. Ja, das ist ein beispielloser Absturz bei den Bildungsleistungen der 15-Jährigen. Es gibt Rückgänge in Breite und Spitze bei den Basiskompetenzen, wie auch im letzten Jahr die IGLU-Studie für Viertklässler gezeigt hat.

Ihre Klientel!

Im OECD-Vergleich ist Deutschland damit ins Mittelfeld gerutscht. Wir gelten als Land der Dichter und Denker. Wir sind

… Land der Grünen geworden!

drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Und deshalb können wir uns mit Mittelmaß nicht zufriedengeben, sondern wir müssen im Ranking wieder hochkraxeln – hochkraxeln für Chancen für alle und mehr individuelle Bildungsaufstiege.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Heute Vormittag haben wir im Ausschuss ein Fachgespräch zu PISA durchgeführt; das hätte vielen von der Rechtsaußenfraktion hier gutgetan. Woher kommt der Knick? Die Herausforderungen sind klar: Digitalisierung, Integration, Coronaspätfolgen. Ja, es war bildungspolitisch falsch, die Schulen überdurchschnittlich lange in Deutschland geschlossen zu halten. Das ist klar,

und das hat die Ampel geändert.

2000 war der PISA-Schock eins. Dann gab es eine ganze Dekade großer Anstrengungen, und dann wurde leider nachgelassen. Deshalb brauchen wir jetzt eine neue Dekade große Anstrengungen: Denn dieser PISA-Schock zwei ist ein dringender Handlungsauftrag an alle Ebenen: Aus der Bildungskrise müssen wir zur Bildungswende kommen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Was hilft? Was nicht hilft, sind Schuldzuweisungen.

Doch! Man muss Wahrheiten aussprechen, Herr Gehring!

Schuldzuweisungen helfen nicht. Es hilft nicht, wenn die Länder sagen: „Die Kommunen sind schuld“, oder die Union sagt: „Die Ampel ist schuld“, oder die AfD sagt – wie kann es anders sein? –: „Die Migranten sind schuld.“

Zurufvon der AfD: Die Grünen sind schuld!

Seit 2015 sind über 2 Millionen Kriegsflüchtlinge nach Deutschland gekommen und haben hier ein neues Zuhause gefunden. Sie haben Deutsch nicht als Muttersprache mitgebracht. Es ist doch klar, dass wir bei der Sprachförderung besser werden müssen. Das ist der Job unseres Bildungssystems. Wie, das wissen wir durch die Bildungsforschung, und das müssen wir in allen Ländern, in allen Kommunen und in jeder Schule umsetzen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Ihr habt die Sprach-Kitas gekillt! Das war euer Beitrag!

– Die Sprach-Kitas werden in den Ländern fortgesetzt. Das ist sowieso eine Länderkompetenz.

Ich will ein fiktives Beispiel nennen: Würde der Kriegstreiber Putin die Schweiz bombardieren und müsste Alice Weidel mit ihrer Lebensgefährtin und ihren beiden Söhnen in ein arabischsprachiges Land flüchten,

So einen Quatsch können nur ungebildete Grüne erzählen, Herr Gehring!

dann würden in diesem arabischsprachigen Land nur Ehrgeiz, die Umsetzung des Erziehungsauftrags der Eltern und sehr gute Sprachförderung helfen.

Zurufvon der AfD: Keiner muss nach Deutschland!

Es geht immer darum, Sprache – Sprache, Sprache! – mit Lust und Laune zu lernen.

Sie können sich davon eine Scheibe abschneiden: Im Frühjahr gab es einen Antrag der AfD-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen: 20 Zeilen, acht Rechtschreibfehler, Orthografie mangelhaft. – Sie sollten mal in Ihren eigenen Reihen das Bildungsniveau erhöhen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GFRÜNEN

Das war ein Referent der Grünen, der gewechselt ist zu uns!

Was hilft, liebe Kolleginnen und Kollegen? Systematische Sprachstandserhebung und Diagnostik. Kitas als Fundamente im Bildungssystem stärken. Ich fände es gut, wenn alle Kinder in das letzte Kitajahr gingen. Wir brauchen mehr Personal in Kitas, in Grundschulen und in weiterführenden Schulen – multiprofessionell –, und die Unterrichtsqualität muss datengestützt verbessert werden.

Ein letzter Punkt.

2 Vermerkeca. 42 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir brauchen kein Mit-dem-Finger-auf-andere-Zeigen, sondern einen kooperativen Bildungsföderalismus. Wie das geht, zeigt das Startchancen-Programm. Das wird nicht schon im nächsten Jahr für Verbesserungen sorgen; aber ich bin sicher, in Jahren können wir sie ablesen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
17 Vermerkeca. 824 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Ergebnisse der PISA-Studie sind besorgniserregend; aber sie reihen sich ein in eine Reihe von Negativschlagzeilen, von Abwärtstrends – IQB, IGLU –, die wir gesehen haben, und das auch schon vor der Coronapandemie. Es ist ein Debakel mit Ansage. Die Länder müssen endlich systematisch gegensteuern!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich sage ganz bewusst „die Länder“, obwohl wir hier im Deutschen Bundestag stehen. Ich höre schon wieder die Bemerkungen – das kam eben schon mal auf –, der Bund ducke sich weg oder schiebe die Verantwortung ab.

Das ist hilflos!

Ich bin dieses Zuständigkeitstrara leid.

Aber Ihre eigene Ministerin hat doch die Debatte eröffnet!

Das geht, glaube ich, uns allen so. Das Grundgesetz teilt die Aufgaben von Bund und Ländern auf, und bei der Bildung haben die Länder die Hoheit. Wir dürfen als Bund ohne die Länder also gar nichts machen, die Länder aber ohne uns. Das ist Bildungsföderalismus. Nur wenn wir diejenigen verantwortlich machen, die etwas ändern können, wird sich etwas ändern.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Herr Jarzombek, Sie haben eben das Startchancen-Programm angesprochen und oft auf den Bund verwiesen. Aber Frau Günther-Wünsch, Herr Lorz, Frau Feller, Herr Piwarz, Frau Feußner, Frau Prien, das sind diejenigen, an die Sie Ihre Rede richten sollten, wenn Sie über Themen der frühkindlichen Bildung, über die Sprachförderung sprechen wollen. Wenn Sie wollen, dass der Viereinhalbjährigentest in Schleswig-Holstein, in NRW und in den anderen Ländern, in denen Sie die Kultushoheit haben, durchgeführt wird, dann machen Sie es doch einfach, statt hier Reden zu schwingen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir könnten natürlich auch das Grundgesetz ändern – wir als FDP wollen das –: mehr gemeinsame, bundesweite Qualitätssicherung, mehr Vergleichbarkeit, gemeinsame Koordinierung und Finanzierung bei gleichzeitiger Stärkung der Kommunen als Schulträger und der Schulen selbst. Aber – ich bin ja auch Realistin – wir haben dafür keine Mehrheit. Das ist deutlich.

Die Alternative ist, dass die Kultusministerkonferenz genau diese Aufgaben übernimmt

Die Alternative sitzt hier rechts!

und sich diesen Herausforderungen stellt. Dafür ist sie ja eigentlich auch da. – Das dachte ich zumindest und viele andere auch. Aber die Unternehmensberatung Prognos bescheinigt der KMK Ineffizienz, Strategielosigkeit, Dysfunktionalität. Man bekommt langsam eine Ahnung, wo die Bildungsmisere herkommt. Ein Neustart der KMK ist überfällig.

Ich wünsche mir an der Stelle Mut zum Schulterschluss, und zwar zum einen zwischen den Ländern. Die Länder gucken in erster Linie auf sich und sagen: Hier ist es doch gar nicht so schlecht. – Aber wenn wir am Bildungsföderalismus festhalten, was Status quo ist, dann müssen die Länder, in denen es gut läuft, Verantwortung dafür übernehmen, dass die Bildungschancen in den anderen Ländern gesichert werden, Bayern auch für Bremen, Hamburg auch für Brandenburg. Sie müssen enger zusammenarbeiten.

Beifallbei der FDP

Es ist zum anderen aber auch ein Schulterschluss zwischen den Bildungsakteuren auf allen Ebenen erforderlich. Bund, Länder und Kommunen müssen an einen Tisch kommen und in der KMK gleichberechtigte Partner werden. Es kann nicht länger so sein, dass Bund und Kommunen bei den wichtigen Entscheidungen vor die Tür geschickt werden und von außen die Klinke runterdrücken müssen wie die Lausbuben in der Schule, sondern sie müssen mit am Tisch sitzen. Entscheidungen müssen in Zukunft gemeinsam getroffen werden.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich glaube übrigens, das hilft auch der KMK. Wenn man sich beispielsweise den DigitalPakt Schule anschaut, stellt man fest, dass die KMK, dass die Länder ganz stark davon profitiert haben. Ohne ihn wären die Folgen der Coronapandemie noch schlimmer gewesen, als sie es durch die verflixt langen Schulschließungen eh schon waren.

Ich möchte noch mal zwei Punkte herausgreifen, die aus unserer Sicht aus PISA folgen müssen.

Erstens. Das Startchancen-Programm muss schnell beschlossen werden. Und wenn Sie sagen: „Das kommt nicht“,

Das sagt Ties Rabe! Ich habe nur Ties Rabe zitiert! Vorsicht!

dann muss ich Ihnen sagen: Dafür sind Ihre Ländervertreter zuständig. Die Länder müssen die Bund-Länder-Vereinbarung jetzt beschließen. Das wird im kommenden Jahr der Fall sein, wenn Sie mitmachen.

Nee, gar nicht, wenn das Konzept Mist ist!

Sie wollen 20 Milliarden Euro blockieren?

Und darauf werden wir auch Sie von der Union festnageln; denn Sie können sich nicht hierhinstellen, immer auf die Ampel weisen und nicht anerkennen, dass Sie auch Verantwortung in den Ländern tragen.

– Okay, ich glaube, das führt jetzt hier zu weit.

Genau, wenn es ernst wird, dann ducken Sie sich weg!

Wenn Sie konkrete Kritikpunkte haben, dann werden diese doch mit den Ländern besprochen.

Was machen Sie denn zwei Jahre lang? Zwei Jahre heiße Luft!

So, jetzt einfach mal zuhören und was lernen!

Wir sind doch seit Monaten schon am Verhandeln, und allen ist klar, dass sie es wollen. Das Startchancen-Programm muss kommen; denn PISA hat doch gezeigt, dass sozioökonomische und auch zuwanderungsspezifische Faktoren eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Wo ist denn der Vertrag? Der sollte doch letzte Woche beschlossen werden!

DigitalPakt killen, aber Startchancen ewig verhandeln!

Insbesondere Schülerinnen und Schüler, die von zu Hause nicht viel Unterstützung bekommen, die brauchen doch mehr Förderung. Und genau da setzt das Startchancen-Programm an.

Aber Sie fokussieren nicht auf die Grundschulen, da, wo das Problem ist!

– Doch, das tun wir. Lesen Sie vielleicht noch mal nach.

Auch! Aber nicht mit dem Fokus darauf!

4 000 Schulen mit den größten Herausforderungen bekommen endlich mehr Unterstützung, und wir stützen uns dabei auch auf Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Ich würde es sehr gut finden, wenn sich auch die Länder voll und ganz auf das Programm einlassen und nicht nur bestehende Programme mit dem Geld des Bundes weiterführen würden; denn dann wäre das Startchancen-Programm ein echter Katalysator für Bildungschancen.

Jetzt ist meine Zeit zu Ende.

Deswegen werde ich über das Thema Lehrkräfte leider nicht mehr sprechen können. Aber auch da gibt es weiterhin großen Handlungsbedarf; das ist auch keine Raketenwissenschaft.

2 Vermerkeca. 38 WörterReaktionswert: ruhig
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Wir wollen die Reform des Lehramtstudiums, weniger Bürokratie für Lehrkräfte. Ich bin davon überzeugt: Wir müssen uns jetzt gemeinsam auf den Weg machen. Wir reichen den Ländern die Hand, sie müssen sie ergreifen. Es ist höchste Zeit dafür.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vor zwei Jahren habt ihr von weltbester Bildung gesprochen! Und jetzt ist sie nur noch Länderaufgabe!

Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
13 Vermerkeca. 763 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Gibt man in einer bekannten Suchmaschine einmal das Wort „Bildungskatastrophe“ ein – es fällt mir gerade ein, wenn ich Sie angucke, Herr Gehring –,

Beifallbei der AfD

Vielen Dank!

dann erhält man innerhalb von 0,21 Sekunden ungefähr 34 600 Ergebnisse. Das Thema scheint also die Öffentlichkeit zu bewegen. Dabei ist der Begriff gar nicht neu: Bereits 1964 prägte der linke Pädagoge Georg Picht den Begriff der sogenannten Bildungskatastrophe. Er tat es natürlich mit einem gewissen Alarmismus, um die Politik vor sich herzutreiben und zu Reformen zu bewegen, ähnlich wie das heute ja auch die Macher der PISA-Studie versuchen. Aber, meine Damen und Herren, Georg Picht hatte unrecht; denn im Vergleich zu heute waren die 60er-Jahre geradezu ein Bildungsparadies. Damals beherrschte sogar noch ein Hauptschüler den Dreisatz. Heute können das schon viele Gymnasiasten nicht mehr, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Wenn wir nun auf die Studie gucken, müssen wir feststellen – es ist ja teilweise schon gesagt worden –: In Mathematik liegt Singapur 100 Punkte vor Deutschland, was einem Vorsprung von mehreren Lernjahren entspricht. Auch in Deutsch und Naturwissenschaften sind die Leistungen bei uns dramatisch eingebrochen. Die große Frage ist nur: Wie ist das zu erklären?

Zum einen – das kam ja auch heute Morgen im Ausschuss zur Sprache – war es ein großer Fehler, die Schulen während der Coronapandemie über Monate zu schließen.

Beifallbei der AfD

In kaum einem anderen Land waren sie so lange zu wie bei uns in Deutschland. Wir haben davor gewarnt, und inzwischen wissen wir, dass diese Schulschließungen inklusive des Maskentragens vollkommen nutzlos waren. Schöne Grüße an Herrn Lauterbach und seine schlechten Berater!

Beifallbei der AfD

Sie haben die Zeit der Schulschließungen aber offenbar auch nutzen wollen, um den Beweis zu erbringen, dass sich der Präsenzunterricht weitgehend durch Digitalisierung ersetzen ließe. Nun, meine Damen und Herren, wenn das ein Feldversuch gewesen sein sollte, dann sind Sie damit krachend gescheitert.

Sie haben doch gesagt: Corona gibt es nicht! Und Herr Gauland hat sich als Erster impfen lassen! Also, was denn nun?

Denn in manchen Fächern, Herr Gehring, wussten die Schüler nach dem berühmten Onlineunterricht während der Pandemie sogar weniger als vorher. Das ist doch wohl ein großes Armutszeugnis für Ihre erbärmlichen Versuche mit der Digitalisierung.

Beifallbei der AfD

Während andere Länder – das Hohelied auf die Digitalisierung wurde hier ja heute wieder gesungen – wie Schweden oder Dänemark übrigens gerade die Tablets wieder aus dem Unterricht verbannen – lesen Sie doch mal die Zeitung! –

Nee, lesen Sie mal die Studien! Mit Zeitungswissen kommt man hier nicht durch!

und sich – man höre und staune! – auf das Kulturgut Buch besinnen, planen Sie aus ökonomischen und nicht wirklich aus pädagogischen Gründen einen Digitalpakt 2.0. Lieber Kollege Kaczmarek, lieber Herr Jarzombek – Sie sind ja offenbar auch dafür –: Bitte verschonen Sie die Kinder und unsere Schulen damit. Sie haben noch nicht mal den Digitalpakt 1.0 verdaut.

Beifallbei der AfD

Auch die zweite Hauptursache für das Bildungsdesaster beruht auf politischen Fehlentscheidungen – wir haben es auch schon gehört –: Zwischen den Jahren 2012 und 2022 – also innerhalb der PISA-Spanne – hat sich bei uns der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund nahezu verdoppelt. Er liegt jetzt bei 26 Prozent. Und, meine Damen und Herren – da muss ich zur CDU rübergucken –, das war auch leider ein „Verdienst“ – in Anführungszeichen – Ihrer Kanzlerin.

Davon wollen sie heute nichts mehr hören!

Wollen Sie vielleicht noch was zum Gendern sagen und warum die Jungs schlechter sind?

Die Grenzöffnungen im Jahr 2015 und in den folgenden Jahren waren auch eine schwere Hypothek für unser Bildungswesen, an der wir heute noch zu knabbern haben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Josef Kraus – er war 30 Jahre lang Präsident des Deutschen Lehrerverbandes – hat erst kürzlich in einem Aufsatz darauf hingewiesen, dass ab einem Anteil von 20 bis etwa 30 Prozent Kindern mit Migrationshintergrund das Niveau einer Klasse oder einer ganzen Schule dramatisch sinkt. Wobei ich aus eigener Erfahrung sagen muss: Es kommt auch darauf an, aus welchen Ländern die Schüler kommen. Mädchen aus Osteuropa, Jungs aus Japan oder Korea sind in der Regel nicht das Problem. Aber, meine Damen und Herren, wir müssen es einmal offen aussprechen: Problematisch sind Herkunftsländer wie Afghanistan, Palästina, Syrien und auch die Türkei. Diese Schüler scheitern überproportional häufig in unserem Bildungssystem. Und das sind Fakten, Herr Gehring, da brauchen Sie gar nicht zu lachen.

Beifallbei der AfD

Wenn wir nicht bereit sind, diese Fakten vorurteilsfrei zu benennen, ohne gleich die Rassismuskeule in Richtung AfD zu schwingen, und dann darüber zu sprechen, dann werden wir unser Bildungssystem auch nicht vor dem weiteren Niedergang bewahren, meine Damen und Herren.

Ja, Sie sind verliebt in Niedergang! Wir sind Mittelmaß und müssen zur Spitze! Aber Ihnen geht es um Niedergang! Die AfD ist eine Abrissbirne für Deutschland!

Denn es kommt ja erschwerend hinzu, dass die meisten Schüler aus diesen Herkunftsländern auch noch ein ungünstiges sozioökonomisches Profil mit sich bringen, wie es in der PISA-Studie verklausuliert heißt. Nun, ich übersetze das mal: Es sind Schüler, die auch in ihren Herkunftsländern zu den unteren, bildungsfernen Schichten gehören. Und es ist geradezu naiv, zu glauben, dass sie innerhalb kürzester Zeit bei uns die Fachkräfte darstellen könnten, die wir so dringend brauchen.

Die Sie ja alle vergraulen!

Sie machen die dümmste Einwanderungspolitik der ganzen Welt.

Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
1 Vermerkca. 22 WörterReaktionswert: niedrig
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In andere Länder kommen die Spitzenkräfte, bei uns wandern sie ab.

Deshalb sind Sie für das Punktesystem! Das glauben Sie ja selber nicht!

So wird das nichts mit der Bildungswende. Wir brauchen eine Bildungswende –

Porträt von Katrin Zschau
Foto: Maximilian König
17 Vermerkeca. 755 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin, ich freue mich. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es war zu erwarten, dass diese Debatte sehr mit Nachdruck geführt wird; die unappetitlichen Teile haben wir auch alle erwartet.

Nee, der kommt jetzt! Der steht da am Rednerpult, der unappetitliche Teil!

Aha! Sie fühlen sich angesprochen!

Ich will noch mal sagen: PISA 2022 zeigt tatsächlich die schlechtesten Ergebnisse seit Beginn der Erhebung auf. Es ist also gut, dass sich hier im Kreis der Bildungspolitiker/-innen offensichtlich alle einig sind, dass schlechte Ergebnisse und damit verminderte Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen nicht als normal begriffen werden können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir, die Bildungsverantwortlichen in den Ländern und die KMK als Gremium müssen uns fragen, warum die großen Bildungsanstrengungen – das klang an –, die nach dem ersten PISA-Schock Anfang der 2000er-Jahre unternommen worden sind, nicht oder lange nicht mehr ausreichend wirksam sind.

Weil Sie sich in die Taschen lügen!

Wir haben heute im Ausschuss eine gute Erörterung mit den Sachverständigen der OECD, des IQB und mit dem Hamburger Bildungssenator Ties Rabe als Vertreter für die KMK gehabt. Das ist der richtige Weg. Es muss uns darum gehen, uns mehr als ernsthaft mit den Ursachen des Leistungsabfalls auseinanderzusetzen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Besonders schlecht abgeschnitten haben Schüler/-innen mit Migrationshintergrund, die arm sind. Punkt.

Das ist aber unappetitlich!

Wer jedoch den gesamten Leistungsabfall mit der Migration nach Deutschland erklären will, betreibt Stimmungsmache

Lachenbei Abgeordneten der AfD

und macht es sich zu einfach. Ich füge hinzu: Er oder sie verdreht die Fakten.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Ria Schröder [FDP]
Zurufvon der AfD: Und es?

Natürlich müssen wir darüber reden, dass der Effekt des Zuwanderungshintergrunds in Deutschland überdurchschnittlich ausgeprägt ist.

Aha! Jetzt geht’s los!

Der Rückstand resultiert aus dem häuslichen Sprachgebrauch und der sozioökonomischen Herkunft.

Aber daraus muss doch folgen,

dass es auch dem deutschen Bildungssystem insgesamt und nicht nur einzelnen Ländern gelingen muss, Schüler/-innen mit Migrationshintergrund zu integrieren.

Zu viel ist zu viel!

Wir haben gar keine Lehrer!

Armut bzw. prekäre finanzielle Verhältnisse von Familien und Alleinerziehenden sind in Deutschland ein Thema. Mindestens zwei Länder, die sich auf den vordersten PISA-Plätzen befinden, richten ihre Bildungspolitik bildungsgerecht aus und machen vor, wie es anders gehen kann und muss, so Kanada nach dem Motto „Schulen als Ort der Chancen für alle“ und Singapur nach dem Motto „Alle Schulen sind gute Schulen“.

Ja, schauen Sie sich da mal das Einwanderungssystem an! Wer kommt denn da an bei denen?

Denn das ist entscheidend. Es ist dort unumstritten, dass es zuallererst der ökonomische Hintergrund der Kinder und Jugendlichen ist, an dem Bildungschancen hängen.

Mehr Geld allein tut’s nicht!

Zu Singapur noch mal ein Nachsatz: Als Singapur sich entschieden hat, den Weg zu gehen, Bildung für das eigene Land zu organisieren, war die Rate derjenigen, die nicht lesen und schreiben konnten, sehr weit im Keller.

Singapur ist ein Vorbild für uns!

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Es war eine Einwanderungsgesellschaft, die sich dort auf den Weg gemacht hat. Daraus können wir hier aber nur schlussfolgern: Die Bildungsausgaben in den Haushalten von Bund und Ländern müssen deutlich priorisiert werden,

Wir haben doch kein Geld mehr! Alles für Waffen ausgegeben!

und das gilt für alle Bereiche, aber insbesondere – das klang an – für die frühkindliche Bildung und die Schulbildung.

Die schlechten Ergebnisse der verschiedenen Bildungsstudien sind zum Teil, aber nicht allein auf die Coronapandemie zurückzuführen.

Sie folgen einem jahrelangen Trend, der durch die Schulschließungen verstärkt worden ist.

Genau! Wieder eine, die die Studie gelesen hat!

Der Anteil der leistungsschwächsten Schüler in allen Schulformen ist gestiegen, auch am Gymnasium – und das, obwohl das Gymnasium eine weitgehend stabile Schülerschaft aufweist und nicht von hohen Übergangsquoten, Inklusion und Integration betroffen ist.

Sowohl leistungsschwache als auch leistungsstarke Schüler/-innen verschlechtern sich. Was muss daraus folgen? Ja, es muss mehr Zeit, mehr Übungszeit und mehr Konzentration für das Erlernen von Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben, Zuhören und Mathematik eingesetzt werden. Jedoch machen PISA-Gewinner deutlich, dass es weiterhin um ganzheitliche Bildung geht.

Welche bildungspolitischen Fragen gehören angeschaut? Es geht um mehr Unterrichtsqualität, mehr Sprachförderung, mehr Ganztagsangebote.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Susanne Menge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir müssen über wirksame Zuständigkeiten im Bildungssystem reden, über die Zusammenarbeit auf allen Ebenen, über eine moderne Lehrerausbildung. Zentral sind Schulentwicklung und die Stärkung von Schulleitungen; das gehört zusammen. Gerade vor dem Hintergrund einer heterogenen Schülerschaft braucht es Kollegien, die gute Arbeitsbeziehungen untereinander entwickeln können, die Zeit für gemeinsame Unterrichtsentwicklung haben, die sich in Bezug auf die Elternarbeit unterstützen können. Nicht zuletzt braucht es Fortbildung und eine Einigung auf ein modernes Arbeitszeitmodell.

Mit dem Startchancen-Programm machen wir deutlich, dass wir es besonders wichtig finden, dass Bildungspolitik datengestützt passieren muss. Es ist unabdingbar, zu wissen, was wirkt; aber es müssen auch Mittel bereitstehen, dann mit diesen Ergebnissen umzugehen.

Die Länder haben signalisiert, dass eine Zusammenarbeit mit dem Bund auf verlässlichen Wegen passieren muss, und – das sage ich mit Blick auf die notwendigen Digitalisierungsmittel für die Schulen – das müssen wir sehr ernst nehmen. Da schlechtere Leistungen nachweislich auch mit der Personalnot an den Schulen zusammenhängen, muss die KMK insgesamt nun abgestimmte Antworten auf den Fachkräftemangel finden. Aber wir alle stehen da in der Verantwortung; das wird eine Frage sein, die uns beschäftigen wird.

Am Ende will ich noch auf das wichtige Programm –

Porträt von Katrin Zschau
Foto: Maximilian König
2 Vermerkeca. 33 WörterReaktionswert: ruhig
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– „QuaMath – Unterrichts- und Fortbildungs-Qualität in Mathematik entwickeln“ hinweisen. Hier soll in den kommenden zehn Jahren mit den Bundesländern und der KMK der Matheunterricht an 10 000 Schulen nachhaltig verbessert werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
20 Vermerkeca. 635 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen hier im Raum! Ich muss sagen: Ich finde eigentlich, diese Aktuelle Stunde verschlägt eine Chance. Sie verschlägt die Chance, die es zu ergreifen gilt, nämlich gemeinsam zu sagen: Wir müssen zu einem neuen Bildungsaufbruch kommen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Wir müssen zu einem Masterplan gegen Bildungsarmut kommen. – Das wäre die große Aufgabe, die wir uns gesamtgesellschaftlich insgesamt vornehmen müssten,

ohne Schuldzuweisungen gegenüber Ländern, gegenüber Parlamenten. Vielmehr müssten wir sagen: Die PISA-Ergebnisse haben eindeutig gezeigt: Wir haben Handlungsbedarf, und zwar Handlungsbedarf, der für unser aller Zukunft entscheidend ist.

Es ist eben deutlich geworden: Das Umsteuern braucht ziemlich lange. Wir sehen jetzt die Ergebnisse der 15-Jährigen; das heißt, da geht eine lange Bildungsgeschichte voraus. Und was ist da versäumt worden? Das gilt es zu analysieren, und es gilt, die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Das sind schon seit Jahren die falschen!

Und da wissen wir: Wir müssen investieren. Wir müssen investieren in individuelle Förderung. Wir müssen investieren in kleinere Schulklassen, in frühkindliche Bildung, auch da in viel kleineren Gruppen.

In mehr Lehrer!

Zurufvon der AfD: Wir müssen! Wir müssen! Wir müssen!

Das wäre ein ganz, ganz wesentlicher Schlüssel.

Des Weiteren müssen wir sehr genau schauen:

Deutschland ist abgestürzt!

Sind denn diese Systeme in der Lage, wirklich individuell zu fördern? Sind sie in der Lage, wirklich zu erkennen, was das einzelne Kind in seiner Bildungssituation braucht? Und davon sind wir anscheinend noch weit entfernt. Ich muss sagen: Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht ist das nicht nur etwas, was das individuelle Leben beschädigt oder Chancen nimmt, sondern es ist auch für unsere gesamte Gesellschaft ein Schaden. Deshalb müssen wir zu einer Wende kommen.

Ich finde, wir haben uns in dieser Wahlperiode als Ampel einiges vorgenommen, und zwar in einer Zeit, wo wir finanziell sehr, sehr eng aufgestellt sind.

Zurufder Abg. Dr. Christina Baum [AfD]

Und trotzdem investieren wir in die Kitaqualität 4 Milliarden Euro in den nächsten zwei Jahren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Im Übrigen, Frau Ludwig: Nein, die Sprach-Kitas sind nicht abgeschafft, sondern sie sind in dieses Programm integriert.

– Nein, das entscheidet jedes Bundesland selbst, wie es diese Sprachförderung organisiert.

Die Leute sind alle gegangen!

Sie haben nichts verstanden!

Sie können es – viele haben das ja auch so gemacht – innerhalb dieser Programme fortführen.

Wir würden jetzt mit dem Startchancen-Programm starten, wenn die Länder denn unterschreiben würden. Ich war sehr betrübt, dass das nicht in den letzten Wochen gelungen ist.

Sie war sehr betrübt!

Weiterer Zurufvon der CDU/CSU: Sie haben das Vertrauen zerstört!

Wir haben ein breites Eckpunktepapier ausgearbeitet, und ich hätte erwartet, dass es nach der Entgegennahme der Ergebnisse der Studie seitens der Länder dann auch zu dieser Unterschrift kommt, damit wir zügig in die Pötte kommen und für die nächsten zehn Jahre 20 Milliarden Euro für Bildungsförderung zur Verfügung stellen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Darum geht es, und das ist die Verantwortung, die wir hier, obwohl wir nicht direkt zuständig wären, trotzdem ergreifen. Das will ich an dieser Stelle noch mal deutlich betonen.

– Nein, ich hoffe, dass da alle mitziehen werden. Ich hätte mir erhofft, dass das in der letzten Woche passiert wäre; aber ich bin zuversichtlich, dass gerade nach den Ergebnissen jetzt insgesamt ein Ruck durch die Reihen geht und wir begreifen: Es geht jetzt um unsere Zukunft als Gesamtheit, und es geht um die Frage, ob wir das schaffen – ja oder nein.

Dann will ich noch auf einen anderen Aspekt eingehen. Hier wurde eben natürlich die Gelegenheit wahrgenommen – deshalb ist die Aktuelle Stunde ja auch einberufen worden –, wieder über die Zuwanderung herzuziehen

Dazu gibt es Studien!

und natürlich auch über Corona zu schimpfen.

Auch eine Studie!

Ich habe mich, ehrlich gesagt, auch gewundert, dass die Gendersprache gar nicht vorgekommen ist; das wäre eigentlich auch noch ganz günstig gewesen in Ihrem Potpourri.

Zurufevon der AfD

Aber eigentlich geht es doch darum, dass wir Chancengerechtigkeit schaffen,

dass wir endlich den verhängnisvollen Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Bildungschancen durchbrechen. Genau darum geht es!

Zurufder Abg. Dr. Christina Baum [AfD]

Ich bin ein Kind der 60er-Jahre. Ich habe als Kind aus dem ländlichen Raum, das teilweise plattdeutsch aufgewachsen ist, mit wenig Sprachkenntnissen, trotzdem einen Bildungsweg einschlagen können,

Zurufvon der AfD

weil die Gesellschaft damals unter sozial-liberaler Führung einen echten Bildungsaufbruch hingekriegt hat. Genau das Gleiche brauchen wir jetzt!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufder Abg. Nicole Höchst [AfD]
Porträt von Ruppert Stüwe
Foto: Photothek
12 Vermerkeca. 809 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Vielleicht kann ich das mal sagen: Ich bin froh, dass Sie die Debatte an diesem Tag heute leiten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufevon der AfD

Verehrte Kolleginnen und Kollegen! „Reiche Eltern für alle“ könnte eine Forderung sein, die man ableiten könnte aus den Ergebnissen der PISA-Studie. Ich finde es dramatisch, wie stark der Bildungserfolg in Deutschland vom Elternhaus und vom sozioökonomischen Hintergrund abhängt. Das ist einer der Befunde, der uns am meisten zu denken geben sollte und der uns nachdenklich machen sollte. Deswegen bin ich froh, dass wir diese Debatte in Auseinandersetzung miteinander führen, aber auch in der gewohnten Ernsthaftigkeit.

Was wir außerdem in dieser Debatte immer wieder gehört haben, ist der Rückblick in die vermeintlich gute alte Zeit. Vielleicht erinnern wir uns noch einmal an die erste PISA-Erhebung: Da haben wir nämlich gelernt, dass die gute alte Zeit im deutschen Bildungssystem gar nicht so gut war, dass wir auf einmal, anders als gedacht, schon damals nicht gut dastanden bei den Kompetenzen und bei der sozialen Segregation im Ranking der Industrieländer auch weit hinten lagen. Und dann hat sich tatsächlich etwas geändert: Wir haben gemeinsame Kraftanstrengungen unternommen im Bund, in den Ländern und in den Kommunen. Ausdruck davon ist, dass wir gemeinsam das Thema Ganztag in den Vordergrund gestellt und die Sache gemeinsam angepackt haben.

Etwas Weiteres, was ich zu dieser Debatte sagen will: Anders, als es hier behauptet wurde, brauchen wir eine Einwanderung ins deutsche Bildungssystem.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Ich glaube, wir brauchen sie so früh wie möglich, damit diejenigen, die zu uns kommen, so früh wie möglich in das deutsche Bildungssystem integriert werden. Wir brauchen ein Bildungssystem, das allen Chancen vermittelt, das alle ernst nimmt, das alle in ihren Kompetenzen fördert und das bei allen die Defizite ausgleicht.

Das Bildungssystem kollabiert!

Zurufder Abg. Nicole Höchst [AfD]

Etwas anderes können wir uns gar nicht leisten! Und da muss ich gar nicht über Herkunft diskutieren, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufevon der AfD

Da muss ich darüber reden, wie wir das Beste rausholen aus den Menschen, die in diesem Land leben. Das ist unsere Aufgabe.

Zurufvon der AfD: Irre!

Lassen Sie uns doch darüber reden, was eigentlich der Bund machen kann, und dabei nicht immer auf die anderen zeigen.

Ich will mal mit einem einfachen Thema anfangen. Ich bin ein großer Freund der Bildungsforschung und der Wissenschaft, die dahintersteckt. Wir müssen wissenschaftlich darauf schauen, was wir verbessern können, wir müssen vergleichen. Und wir müssen dann auch schauen, was wir aus diesen Vergleichen für Lehren ziehen können. Denn das deutsche Bildungssystem ist nicht das weltbeste. Das war es in der Vergangenheit nicht, und das ist es auch jetzt nicht. Insofern brauchen wir Bildungsforschung, die wir ernst nehmen. Dafür ist der Bund verantwortlich. Das ist das Erste, wofür wir hier ganz konkret Verantwortung übernehmen können.

Beifallbei der SPD

Das Zweite ist das Thema „Startchancen-Programm“. Da haben wir jetzt gesagt: Wir lassen es über zehn Jahre laufen, sodass es auch für diejenigen, mit denen wir kooperieren, verlässlich ist. – Natürlich liegt der Schwerpunkt überwiegend auf den Grundschulen. 60 Prozent der Schulen, die wir dadurch fördern, werden Grundschulen sein, und das ist genau richtig.

Beifallder Abg. Katrin Zschau [SPD]

Mit diesem Startchancen-Programm machen wir noch was anderes. Wir sagen: Schule sieht heute zu Recht anders aus, als das manche noch in ihrer Schulzeit erlebt haben. Wir brauchen mehr Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen, und ich werbe dafür, dass viele diesen schönen Beruf ergreifen. Ich glaube aber: Wir brauchen auch andere Berufsgruppen in den Schulen. Ich finde, dass wir mit dem Startchancen-Programm diesen Weg weitergehen und die Schulen mit multiprofessionellen Teams so aufstellen sollten, dass sie den Herausforderungen unserer Zeit tatsächlich gerecht werden. Das ist das Zweite, was der Bund und diese Koalition macht, und auch das ist genau richtig.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dann will ich zum Dritten doch noch mal über das Thema Föderalismus reden und dabei gerne über das Thema Geld sprechen.

Erstens. Was mich an der Debatte zum Startchancen-Programm freut, ist, dass wir uns Millimeter für Millimeter vom Königsteiner Schlüssel wegbewegen und dass wir sagen: Diejenigen, die es am meisten nötig haben, kriegen auch das meiste Geld aus dem Programm. – Ich finde es richtig gut, dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zweitens. Ich habe mit der Forderung „Reiche Eltern für alle!“ angefangen. Wir haben auf unserem SPD-Parteitag – das kann man hier im Deutschen Bundestag auch ruhig wiederholen – gesagt: Wir wollen gerne mit der Erbschaftsteuer ein bisschen was für Bildung machen. – Ich glaube, das greift genau das auf, was im deutschen Bildungssystem schiefläuft, nämlich dass der Erfolg zu doll vom Elternhaus abhängt. Das sollten wir dann auch mit dem Thema Bildungsfinanzierung verknüpfen.

Beifallbei der SPD

Drittens. Ich finde die ernsthafte Debatte mit der Union gut; manchmal höre ich dem Oppositionsführer in der Generalaussprache des Deutschen Bundestags zu. Er ist gefragt worden, woher er eigentlich das Geld für seine Steuersenkungen nimmt.

Er hat Lindner zitiert! Erzählt nicht immer den gleichen Quatsch!

Daraufhin sagt er: Thema Mitfinanzierung; dort, wo der Bund Aufgaben von Ländern und Kommunen mitfinanziert, da könne er sich vorstellen zu sparen.

Er hat Christian Lindner zitiert! Korrekte Quelle benennen!

Ich glaube, das ist der falsche Weg.

Porträt von Ruppert Stüwe
Foto: Photothek
2 Vermerkeca. 29 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Insofern: Ich glaube, „Reiche Eltern für alle!“ ist ein langfristiges Ziel. Mittelfristig müssen wir darüber reden, wie wir unseren Staat fitmachen, um allen beste Bildungschancen zu geben.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Hört dem Friedrich Merz mal zu, dann könnt ihr was lernen!

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Boris Mijatović
Foto: Boris Mijatović/ Rafael Michel
4 Vermerkeca. 425 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich möchte Ihnen gern zu Beginn meiner Rede Artikel 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verlesen:

„Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“

Das plötzliche Verschwinden von Familienmitgliedern – gefangen in Folterkellern des Assad-Regimes oder eingesperrt in den Internierungslagern in Xinjiang – ist, glaube ich, eine Erfahrung, die die wenigsten von uns machen müssen. Zum Glück!

Für Joumana Seif, eine syrische Menschenrechtsanwältin, ist dieser Artikel 5 von besonderer Bedeutung. Letzte Woche auf der Menschenrechtskonferenz der Grünen berichtete Frau Seif eindrucksvoll von ihrer Arbeit und vom Wert dieser Worte. Für ihren Integrationskurs lernte Frau Seif das deutsche Grundgesetz; sie war nämlich aus Syrien geflohen. Und da waren wieder diese eingängigen Sätze, die für viele Menschen so unfassbar viel bedeuten: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für Menschen wie Joumana Seif sind diese Worte ein Kompass und tagtägliche Motivation für ihre Menschenrechtsarbeit. Ihr Vater wurde jahrelang für seine Oppositionstätigkeit in einem Gefängnis des Assad-Regimes gefoltert, und ihr Bruder wurde im Alter von 21 Jahren vom gleichen Regime ermordet. Viele Menschen leiden unter der Unmenschlichkeit autoritärer Regime wie in Damaskus. Umso wichtiger ist die Erfahrung, die Joumana Seif uns mitgegeben hat: Dieses Büchlein kann Kraft geben. Diese 30 Artikel geben Kraft und Motivation.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Wir füllen dieses Büchlein mit Leben, wenn wir, wie vor einigen Wochen, die Regelungen des Völkerstrafgesetzbuchs erneuern. Wir haben hier in Deutschland Prozesse geführt, zum Beispiel gegen Anwar R., der der Folter und des Mordens in einem syrischen Gefängnis überführt wurde. Er hat hier in Deutschland einen Strafprozess, ein faires Verfahren bekommen. Das ist ein konkreter Erfolg unseres Völkerstrafgesetzbuches. Und es ist wiederum Frau Seif, die Danke sagt. Die Kraft, die in den eben genannten Worten steckt, wollen wir ins Völkerstrafrecht überführen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Aber lassen Sie mich zum Schluss auch noch etwas zur deutschen Situation sagen. Menschenrechte sind nichts, was wir nur in die Welt hinaustragen. Wenn wir in Deutschland nicht in der Lage sind, uns bei der Inklusion oder mit Blick auf die Diskriminierung im Bildungssystem – wir haben es eben gehört: es hängt immer noch zu viel am Geldbeutel der Eltern, welchen Bildungsabschluss die Kinder machen – genauso dem Verfahren der Staatenüberprüfung der Vereinten Nationen zu stellen und die Kritik anzunehmen, büßen wir Glaubwürdigkeit ein. Deswegen bin ich unserer Außenministerin Annalena Baerbock und unserer Beauftragten für Menschenrechte und humanitäre Hilfe Luise Amtsberg so dankbar.

Ich glaube, da geht noch viel mehr. Ich freue mich auf eine gute Debatte. Und: Happy Birthday, 75 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte!

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
2 Vermerkeca. 583 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute 75 Jahre der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit einer Debatte würdigen, dann würdigen wir eine der größten zivilisatorischen Revolutionen der Menschheitsgeschichte. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ So sagt es der Artikel 1. Dass es gelungen war, über ganz verschiedene Gesellschaftsordnungen hinweg einen Grundkonsens über die Würde des Menschen herzustellen, kann in der Rückschau betrachtet als politisches Wunder gesehen werden.

Zugleich müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass heute, im Jahr 75 der Geltung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die Zeit vor 1945 in Gedanken und in Taten wieder zurückzukehren droht. Konkret: Die gewaltsame Ausbreitung von totalitären Ideologien stellt die Welt erneut vor eine globale Herausforderung. Statt die Menschenrechte zu verteidigen, sind mächtige Regime dabei, in gewaltigem Ausmaß Menschen gezielt zu vernichten. Dabei geht dies bis hin zur totalen Vernichtung. Es geht um Zerstörung von Kultur, von Geschichte und kulturellen Wurzeln. Die Opfer, andere Menschen, werden ihrer Würde beraubt und zu Untermenschen degradiert.

Das gilt nicht nur für die Ukraine, wo Putin die totale Vernichtung der Ukrainer als historische, kulturelle und europäische Nation als Ziel verfolgt. Das gilt nicht nur für China, das Millionen muslimischen Uiguren, tibetischen Buddhisten und auch immer mehr den auf 100 Millionen angewachsenen Christen den Kampf angesagt hat und das in Xinjiang und Tibet nicht einmal vor Genozid zurückschreckt. Das gilt auch für Hamas, für die Hisbollah und den Iran, die, wie damals die Nazis, die Juden vom Erdboden vernichten wollen.

Im Ergebnis müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die große zivilisatorische Errungenschaft der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in großer Gefahr ist. Denn es gibt mächtige Akteure, die der globalen Ordnung, die als Fundament die Erklärung der Menschenrechte hat, den totalen Krieg erklärt haben. Diese Kräfte haben sich verbündet, und ihre Verbindung wird stärker. Und diese Kräfte fühlen sich auch deswegen stärker, weil sie uns zunehmend schwach sehen. Diese Kräfte glauben an den Endsieg – an den Endsieg über Demokratie, Menschenrechte, über ein globales System, das als Grundlage für den globalen Frieden über viele Jahrzehnte hinweg gilt.

Zur Verteidigung der Menschenrechte, der Menschenwürde und der offenen Gesellschaft zählt, was Karl Popper, der Erfinder des Begriffs „offene Gesellschaft“ aus der Erfahrung des Nationalsozialismus treffend formuliert hat: Die offene Gesellschaft, eine Gesellschaft, eine Welt der Toleranz, darf gegenüber den Feinden der Toleranz – ich ergänze: der Menschenrechte – keine Toleranz üben. – Die Verteidiger der Menschenrechte müssen dieses Fundament entschlossen verteidigen. Es darf den Endsieg gegen Freiheit und Toleranz, über die freiheitlichen Gesellschaften nicht geben.

Niemand hier im Bundestag und darüber hinaus darf sich täuschen: Wer Opportunismus meint und Geopolitik sagt, der bereitet die Niederlage der freien Gesellschaften, der Freiheit und der Menschenrechte mit vor. Werden die Verfechter der Menschenrechte nur noch als schwach und opportunistisch wahrgenommen, verliert das Konzept an Ausstrahlung. Dabei setzen doch viele Menschen in der ganzen Welt gerade jetzt darauf, dass wir es ernst meinen mit den Menschen und ihrer Würde und ihren Rechten. Wir haben Hunderten Millionen die Hoffnung gegeben, auch in Freiheit und Würde leben zu dürfen. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen.

Es ist an der Zeit, endlich kämpferischer zu werden, aktiver zu werden, nicht nur in Reden hier und in Pressestatements dort. Es ist an der Zeit, aktiver dafür zu kämpfen, dass wir auch noch 100 Jahre der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte begehen. Lassen Sie uns gemeinsam die Menschen und ihre Würde aktiv verteidigen gegen deren globalen Feinde. Wir sind es denjenigen schuldig, die auf uns setzen, und auch uns selbst.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Derya Türk-Nachbaur
Foto: Derya Türk-Nachbaur/ Photothek Media Lab
6 Vermerkeca. 794 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste!

„Schlagen Sie Ihre Zeitung an irgendeinem beliebigen Tag auf, und Sie werden eine Meldung aus irgendeinem Teil der Welt lesen: ‚Ein Mensch ist eingekerkert, gefoltert, hingerichtet worden, weil seine Ansichten oder religiösen Überzeugungen nicht mit denen der Regierung übereinstimmenʼ.“

Das schrieb Peter Benenson, der Gründer von Amnesty International im Jahr 1961.

Es ist bitter, sich eingestehen zu müssen, dass dieser Satz seine Gültigkeit über Jahrzehnte bis heute bewahrt hat. Als vor 75 Jahren, am 10. Dezember 1948, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verkündet wurde, war das ein historischer Moment; ein Meilenstein für die ganze Welt war gelegt. Den maßgeblichen Protagonistinnen und Protagonisten hinter dem Papier war unter dem Vorsitz von Eleanor Roosevelt etwas gelungen, was es zuvor nie gegeben hatte: Zum ersten Mal in der Geschichte hatte man Regeln geschaffen, auf die sich zumindest in der Theorie jede und jeder berufen konnte.

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg brachen mit den beiden Sätzen: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“ etwas Licht und Hoffnung durch die dunklen Wolken durch. Die Definition von bürgerlichen, politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Rechten, wie zum Beispiel das Recht auf soziale Sicherung, faire Löhne, Recht auf angemessenen Wohnraum, Recht auf Asyl etc. – viele ursozialdemokratische Anliegen –, wurde in 30 Artikeln verankert.

Schaut man sich aber die Entwicklungen der letzten Jahre an, dann ist es sicher nicht verkehrt, dass das Bekenntnis der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein Update braucht, und zwar ganz dringend. Mitten in Europa werden die Menschen in der Ukraine von einem Größenwahnsinnigen der Russischen Föderation angegriffen, weil sie selbstbestimmt in Freiheit leben wollen. Zigtausende mussten sterben, Millionen haben ihre Heimat verloren, Tausende Kinder wurden verschleppt. Kein Kind sollte seine Kindheit in Schutzbunkern zwischen Raketeneinschlägen verbringen müssen. Niemals sollten Terror, Krieg oder Angst ständige Begleiter einer Kindheit sein –

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

nicht in der Ukraine, nicht in Israel und auch nicht in Gaza.

Am 7. Oktober haben die Hamasterroristen in Israel ein bestialisches Massaker angerichtet. Viele Männer, Frauen und Kinder mussten sterben, weil sie Jüdinnen und Juden waren. Viele sind noch in den Händen der Terroristen. Das ist wirklich kaum auszuhalten. Alle Geiseln müssen sofort freigelassen werden.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

Ich habe mir eine kurze Sequenz der Aufnahmen der Hamasterroristen angeschaut, und seither begleiten mich diese Bilder und bringen mich um den Schlaf. Diese Entmenschlichung von Menschen durch Terroristen ist einfach nur widerwärtig und schockierend.

Zu diesen grauenvollen Bildern haben sich nun Bilder der humanitären Katastrophe in Gaza gesellt: Tausende tote Kinder, Leichname unter den Trümmerwüsten, hungernde und durstende Menschen, die in ihrer Verzweiflung Meerwasser trinken.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Auch die Kinder in Gaza haben Rechte. Kein Kind wird als Terrorist oder Extremist geboren. Und genau das ist es doch, was in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert ist: Die Gültigkeit von Menschenrechten unterscheidet eben nicht nach Hautfarbe, nicht nach Religion oder Herkunft. Menschenrechte gelten nicht nach Himmelsrichtung und nicht nach Kontinent. Menschenrechte kennen weder Süden, Norden, Osten oder Westen. Und so banal das auch klingen mag: Jeder Mensch hat das Recht, Rechte zu haben.

In Diktaturen und Autokratien interessiert das aber leider niemanden. Die Mullahs im Iran schon gar nicht. Gestern vor einem Jahr wurde im Iran der 23-jährige Majidreza Rahnavard hingerichtet. Die Sehnsucht nach Freiheit, die er auf die Straße trug, hat er mit seinem Leben bezahlt. Er war und blieb leider nicht der Einzige. Folter, Vergewaltigung, Staatsterror gehören im Iran zur Tagesordnung.

Und je länger man über die weltweiten Menschenrechtsverletzungen nachdenkt, umso düsterer wird das Bild: die Situation der Frauen und Mädchen in Afghanistan, die Hoffnungslosigkeit der Jesidinnen in den Camps im Irak, das grauenvolle Morden im Sudan, die Internierungslager in China, rassistische Angriffe hier bei uns im Land. Und die Liste scheint tatsächlich kein Ende zu nehmen.

Auf meinem Schreibtisch liegt ein Stapel mit Postkarten, die ich regelmäßig zum Jahresende an inhaftierte Journalistinnen und Journalisten und politische Gefangene in der Türkei sende. Natürlich bekomme ich nie eine Antwort zurück, und darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, den Unterdrückten zu zeigen, dass wir sie sehen, dass wir sie nicht vergessen, zu zeigen, dass es Demokratinnen und Demokraten gibt, die an der Seite derjenigen stehen, die Menschenrechte verteidigen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

„Menschenrechte“ ist in der Nacktheit erst mal nur ein Wort. Es ist an uns, diesem Wort Bedeutung und Inhalt zu geben. Dort, wo die Fähigkeit zur Empathie nicht verlernt wurde, haben Menschenrechte ein gesundes Umfeld. Uns kann das gelingen, was auch vor 75 Jahren gelungen ist. Dafür muss die aufgeklärte Welt, dafür müssen die Demokratien zusammenstehen und vor allem mehr Empathie wagen.

Und noch etwas: Free Assange und alle anderen politischen Gefangenen! Happy Birthday, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Schahina Gambir
Foto: BTG Fraktion B90/Die Grünen / Stefan Kaminski
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Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte heute von dem Schicksal einer jungen Journalistin namens Zahra erzählen. Zahra lebt in der Nähe einer Hauptstadt und ist auf der Suche nach einem Job. Die qualifizierte Frau findet jedoch keine Anstellung, nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten, sondern aufgrund ihres Geschlechts. Dem WDR berichtet sie in einer Reportage unter Tränen – Zitat –: Ich gehe zu einem Vorstellungsgespräch, und sie sagen mir, dass sie mich nicht nehmen können, weil ich eine Frau bin, nur eine Frau. Und wenn ich zu einem Gespräch fahre, dann halten mich die Taliban an und fragen, wo meine Begleitung ist. Aber eine Frau zu sein, ist doch keine Sünde. Ich hätte so viele Wünsche und Leidenschaften. Ich verstehe nicht, warum wir auf diese Welt kamen. Warum wurden wir nur in diesem Land geboren?

Das Land, von dem Zahra spricht, ist Afghanistan. Zahra und ihre Schwestern dürfen kaum die Wohnung verlassen. Sie fühlen sich eingesperrt, gedemütigt, leiden unter Depressionen. Sie und Millionen weiterer Frauen und Mädchen werden in Afghanistan ihrer Rechte und ihrer Zukunft beraubt.

In keinem anderen Land werden Frauenrechte so missachtet wie in Afghanistan.

Was machen denn die Afghanen bei uns?

75 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sind eine bedeutende Errungenschaft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Gleichzeitig ist dieser Anlass auch Mahnung. Weltweit müssen Menschen, besonders Frauen, immer noch um ihre grundlegendsten Rechte kämpfen. Schicksale wie das von Zahra zeigen: Zu oft wird die Einhaltung der Menschenrechte verwehrt. Frauen und Mädchen sind besonders häufig Opfer von Menschenrechtsverletzungen, obwohl feststeht: Frauenrechte sind Menschenrechte. – Dieser Grundsatz muss noch immer erkämpft und stets verteidigt werden, so auch in Afghanistan. Nach der Machtübernahme der Taliban wurden Frauen ihre Freiheiten und Rechte innerhalb kürzester Zeit genommen.

Die Situation in Afghanistan hat Zahra zu einer Geflüchteten gemacht. Ihr Ziel: ein Ort, an dem ihre Rechte gewahrt werden, eine Zukunft in Freiheit und Sicherheit, in der sie selbstbestimmt leben kann. Damit das alles zur Realität wird, müssen ihre Rechte als Geflüchtete eingehalten werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte beginnt mit dem Satz: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Alle Menschen – alle Menschen jeden Geschlechts, alle Menschen, egal welcher Herkunft, alle Menschen, egal ob mit oder ohne Fluchterfahrung, immer und überall.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und bei fraktionslosen Abgeordneten
Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
5 Vermerkeca. 164 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Menschenrechte sind eine direkte Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie sind eine zivilisatorische Antwort auf die grauenhaften Verbrechen des Naziregimes. Sie wurden verfasst, damit so etwas nie wieder passiert.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und bei fraktionslosen Abgeordneten

Daher hat Deutschland auch eine besondere Verantwortung, die Menschenrechte zu verteidigen. Doch das, was wir in den letzten Jahren gesehen und erlebt haben, sieht ganz und gar nicht nach Verteidigen aus. Im Gegenteil: Die Rechte von Flüchtenden werden immer weiter ausgehöhlt – ob auf europäischer Ebene im Rahmen der GEAS-Reform oder auf nationaler Ebene in Gestalt von verheerenden Asylrechtsverschärfungen.

Welche meinen Sie denn?

Welche Asylrechtsverschärfungen?

Die Folge: Menschen, die dringend Schutz benötigen, ertrinken massenhaft im Mittelmeer, werden an den Grenzen krankenhausreif geprügelt, den Menschenhändlern der sogenannten libyschen Küstenwache in die Arme getrieben, in menschenunwürdige Lager gezwungen.

Wir stehen hier an einer Weggabelung. Menschenrechte dürfen nicht nur in Sonntagsreden beschworen werden.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten

Sie müssen sich im tatsächlichen politischen Handeln widerspiegeln. Sie müssen immer und überall gelten und für alle Menschen durchgesetzt werden.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und bei fraktionslosen Abgeordneten
Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
5 Vermerkeca. 531 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Anwesende auf den Besuchstribünen! Es war die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948, die die Staaten der internationalen Gemeinschaft dazu veranlasst hat, Menschenrechte verbindlich festzuschreiben – sowohl in internationalen Verträgen als auch in nationalen Verfassungen wie in unserem Grundgesetz. Grund genug, zu fragen: Wie sieht es mit der Durchsetzung von Menschenrechten hier in Deutschland aus?

Der UN-Menschenrechtsrat hat erst vor wenigen Wochen die Menschenrechtslage in Deutschland auf den Prüfstand gestellt und uns aufgegeben: den Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus, gegen Armut und steigende Wohnungslosigkeit, die Stärkung der Rechte von Geflüchteten, die Wahrung der Versammlungsfreiheit in politisch herausfordernden Zeiten und den Schutz von Frauen und queeren Personen. Das sind nur einige Punkte, in denen Deutschland noch besser werden muss. Als Parlamentarier/-innen werden wir ein genaues Auge darauf haben, wie die Empfehlungen des UN-Menschenrechtsrats von der Bundesregierung in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Und besonders als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten werden wir weiterhin dafür kämpfen, dass niemandem das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, auf Zugang zu Bildung, Arbeit oder einer Wohnung sowie zur Gesundheitsversorgung verwehrt wird.

Wie im UN-Prüfverfahren mehrfach gefordert, arbeitet die Ampel auch an einer gesetzlichen Regelung zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich bin froh, dass die SPD beim Bundesparteitag ein starkes Signal gesendet hat: Der § 218 muss raus aus dem Strafgesetzbuch.

Lassen Sie mich noch auf ein weiteres, mir wichtiges Thema zu sprechen kommen. Das Europäische Parlament hat im September festgestellt, dass Prostitution gegen die Menschenrechte verstößt – dagegen, dass alle Menschen gleich sind an Würde, gegen das Recht auf Freiheit, gegen das Verbot der Sklaverei. Denn was, bitte, ist es anderes, wenn die Frauen in der Prostitution ihren Preis abarbeiten müssen, den der Zuhälter oder Menschenhändler für sie bezahlt hat?

Beifallder Abg. Leni Breymaier [SPD]

Prostitution verstößt gegen das Verbot der Folter; die seelischen und körperlichen Beschwerden vieler Prostituierter gleichen denen von Folteropfern. Prostitution verstößt gegen das Recht auf die Freiheitssphäre des Einzelnen. Es ist keine Privatsphäre, wenn eine Prostituierte an ihrem Arbeitsort schlafen muss. Das verstößt gegen das Recht auf soziale Sicherheit und gegen das Recht auf Erholung und Freizeit. – Das sind nur einige der 30 Menschenrechte; wir könnten hier fast alle aufzählen.

Ich frage Sie alle hier und heute: Werden Menschenrechte dieser Frauen aufgehoben – vorwiegend sind es Frauen –, wenn jemand dafür bezahlt? Im sogenannten Noichl-Report des Europäischen Parlaments wird es noch mal deutlich: Prostitution ist eine der schrecklichsten Formen von Gewalt und Demütigung, auch wenn das Opfer einzuwilligen scheint, weil es aus wirtschaftlicher Not oder aus Angst vor der Verfolgung durch seine Peiniger dazu gezwungen ist.

Die Länder Europas müssen der Prostitution gemeinsam entgegenstehen. Wir müssen sie gemeinsam zurückdrängen. Auch wenn einige wenige in der Prostitution sich selbst als „Sexarbeiterinnen“ bezeichnen, gilt für die überwiegende Mehrheit: Prostitution ist kein Sex und keine Arbeit. Prostitution ist Gewalt gegen Frauen und permanente Verletzung der Menschenwürde und der Menschenrechte.

Unser Bundeskanzler hat an dieser Stelle unlängst gesagt: Es ist nicht akzeptabel, wenn Männer Frauen kaufen.

Hat er recht! Ich bin gespannt auf die Initiative der SPD! Ich bin gespannt, ob da eine Initiative aus der Koalition kommt!

Wenn wir dereinst gefragt werden, warum wir dagegen nicht eingeschritten sind, warum wir als Gesetzgeber/-innen nichts unternommen haben, dann können wir nicht sagen: „Wir haben es nicht gewusst“, dann müssen wir sagen: „Es hat uns nicht interessiert.“

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der FDP

So ist das, genau so ist es! Ich bin gespannt auf die Initiative aus der Ampel!

17 Vermerkeca. 486 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Verehrtes Präsidium! Liebe Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Grundrechte sind Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat und nicht Rechte des Staats gegenüber dem Bürger, und erst recht sind sie keine Rechte der Regierung gegenüber dem eigenen Volk. Diese einfache Wahrheit scheint zunehmend in Vergessenheit zu geraten. Auch deshalb ist die Lage der Menschenrechte heute, 75 Jahre nach der schriftlichen Erklärung, desolater als je zuvor.

Beifallbei der AfD

Statt sich echten Problemen wie der weltweit zunehmenden Christenverfolgung zu widmen, verdrängen viele westliche Regierungen die klassischen Freiheitsrechte durch einen unverantwortlichen Zirkus an hypermoralischem Wohlfühlgetue, den zu kritisieren unter Androhung von Strafe verboten ist.

Ich zitiere aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden.“ Demgegenüber steht die Realität: eine Regierung, die offen über Enteignung schwadroniert und wegen selbstverschuldeter Energieknappheit entsprechende Gesetzesnovellen vorlegt.

Zitat aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.“

Gut, dass Sie nicht entscheiden, wer Familie ist!

Demgegenüber steht die Realität: eine staatlich mit Abermillionen an deutschem Steuergeld geförderte zerstörerische Genderideologie, die bereits Minderjährige zur Einnahme gefährlicher Hormone und zu irreparablen chirurgischen Eingriffen drängt.

Das ist nicht richtig! Das ist nicht wahr!

Wenn ein Herr Müller Frauenkleider tragen will, dann hat er das Recht, das zu tun. Aber dieser Herr Müller hat kein Recht, von allen zu verlangen, dass sie ihn als Frau Müller anreden.

Und ganz sicher hat der Staat kein Recht, Strafen gegen jene Bürger zu verhängen, die bei diesem operettenhaften Zirkus nicht mitmachen.

Ich darf auch Frau Braun zu Ihnen sagen! Das kann ich machen!

Zurufder Abg. Anja Liebert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Zitat aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben … seine Wohnung … ausgesetzt werden.“ Und doch haben Sie alle namhaften Kritiker Ihrer sogenannten Coronamaßnahmen nach Kräften schikaniert, zum Teil willkürlich mit Hausdurchsuchung eingeschüchtert,

Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

zum Teil ohne Anklage monatelang eingesperrt. Während der sogenannten Pandemie wurden die Grundrechte der Bürger mit Füßen getreten wie noch nie seit 1949 in der Bundesrepublik Deutschland –

Beifallbei der AfD

ja, das wollen Sie nicht hören –, und das ausgerechnet nach dem freiheitsfeindlichen Vorbild Chinas, Stichwort „totalitäre Null-Covid-Fantasien“,

Zurufdes Abg. Michael Brand [Fulda] [CDU/CSU]

die bis in höchste Regierungskreise, bis ins Bundesinnenministerium und natürlich bis zu Herrn Lauterbach Anklang gefunden haben.

Beifallbei der AfD

Verrückt! Nach diesem chinesischen Vorbild

In China haben sie die Tür zugenagelt! Das gab es hier nicht!

haben Sie jahrelang die Unverletzlichkeit der Wohnung, die Bewegungs-, Versammlungs-, Meinungs- und Informationsfreiheit und sogar das Recht auf körperliche Unversehrtheit eingeschränkt.

Aber sonst sind Sie doch pro China!

Diese massiven Menschenrechtsverletzungen sind bis heute nicht aufgearbeitet. Aber wer sich der Aufarbeitung des systematischen Coronaunrechts verweigert,

Lachender Abg. Leni Breymaier [SPD]

sollte zum Thema Menschenrechte komplett schweigen.

Beifallbei der AfD

Da muss irgendwas eingebrannt sein!

Auch beim akuten Migrationsproblem haben sich die Altparteien seit Merkels Grenzöffnung in rechtswidriger Hypermoral verirrt.

Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es gibt aber keinerlei Menschenrecht auf illegale Einwanderung, so wie es auch kein Menschenrecht darauf gibt, sein Geschlecht beliebig zu ändern, oder darauf, vor echtem oder imaginiertem Klimawandel geschützt zu werden, oder darauf, die eigenen Phobien auszuleben, indem man alle um sich herum zum Maskentragen und zur Einnahme fragwürdiger Arzneien zwingt.

Sie müssen wohl ein Trauma haben!

Mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat das alles nicht mehr das Geringste zu tun.

Das alles ist eine pathologische Überdehnung, ein eklatanter Missbrauch der Menschenrechte.

Dicker geht’s ja wohl nicht, oder?

Was wir jetzt dringender denn je brauchen, –

3 Vermerkeca. 26 WörterReaktionswert: niedrig
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– ist eine umgehende Wiederbesinnung auf jene Kernfreiheitsrechte, die vor 75 Jahren klar benannt wurden. Dafür stehen wir als freiheitliche Partei ein.

Lachendes Abg. Michael Brand [Fulda] [CDU/CSU]

So ist das!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD

Der müsste mal Cannabis nehmen!

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
4 Vermerkeca. 520 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Er wollte nur seine Meinung äußern und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilen. Deswegen wurde Wladimir Kara-Mursa des Landesverrats bezichtigt und in Russland inhaftiert.

Er wollte seinen Beruf verantwortungsvoll ausüben und als Journalist die Öffentlichkeit über die Missstände in seinem Land informieren. Jan Kuciak hat dafür in der Slowakei mit seinem Leben bezahlt.

Sie wollte einfach ihre Haare offen tragen und so wie viele junge Frauen im Iran frei sein. Dafür wurde Jina Mahsa Amini getötet.

Sie wollten feiern und das Leben genießen. Doch stattdessen wurden sie von der Hamas während des Supernova-Festivals vergewaltigt, gefoltert, entführt und getötet.

Auch heute, 75 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, sind massive Menschenrechtsverletzungen in vielen Ländern der Welt an der Tagesordnung. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte erinnert uns daran, dass wir die Menschenrechte auch weiterhin verteidigen müssen,

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

heute und jeden Tag; denn die Freiheit und die Menschenrechte sind unser höchstes Gut.

Selbst in internationalen Gremien, auch in der UNO, ist zu beobachten, wie breite Mehrheiten gegen die Menschenrechte gebildet werden. Dies alles muss uns Ansporn sein, unseren Einsatz für die Menschenrechte zu intensivieren.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich selbst habe die ersten 24 Jahre meines Lebens in Unfreiheit gelebt. Für freie Meinungsäußerung musste ich schwere Repressalien befürchten. Ich weiß, wie wertvoll Demokratie und Menschenrechte sind. Ich stünde heute nicht hier an diesem Rednerpult, wenn es nicht Menschen gegeben hätte, die auch für meine Rechte kämpften: Hans-Dietrich Genscher, Willy Brandt, Vaclav Havel. Sie haben sich für die Menschen im ehemaligen Ostblock eingesetzt und für unsere Rechte gekämpft. Wir brauchten damals diese Unterstützung; denn aus eigener Kraft war es uns nicht möglich, unsere Rechte zurückzugewinnen. Daher sehe ich es als meine, als unsere Pflicht an, für die Menschen zu kämpfen, denen heute ihre Rechte verweigert werden.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Knut Abraham [CDU/CSU]

Und es sind sehr viele, die unsere Unterstützung brauchen. Mittlerweile leben knapp 70 Prozent der Menschen weltweit in Autokratien oder Diktaturen. Genozid, Verschleppung, Folter und Todesstrafe – all das geschieht jeden Tag. Obwohl es in vielen Fällen frühzeitig Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen gab, hat die internationale Gemeinschaft nicht reagiert. Sie hat weggeschaut bei den Verbrechen Pekings in Tibet und Xinjiang, beim Genozid in Ruanda, auch bei den Gräueltaten des iranischen Mullah-Regimes gegen die eigene Bevölkerung.

Meine Damen und Herren, bei der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte war der Hauptantrieb aller, dass sich der Zivilisationsbruch der Nazis nie wiederholt. Werden wir diesem Anspruch noch gerecht?

Menschenrechtsverletzungen sind immer ein Indikator für bevorstehende größere Veränderungen in einem Land oder einer Region. Sie sind immer Vorboten von Autokratien und Diktaturen. Daher sollten wir sie immer ernst nehmen.

Auch 75 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dürfen wir uns nicht auf zivilisatorischen Errungenschaften der Vergangenheit ausruhen. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben in Freiheit und Sicherheit.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Dieser Grundsatz sollte für alle Menschen weltweit gelten. Deutschland gehört zu den führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Ich möchte, dass Deutschland auch im Kampf für die Menschenrechte weltweit eine führende Rolle übernimmt.

Lassen Sie uns gemeinsam mit anderen Demokratien und mutigen Menschen für den Grundsatz kämpfen, der heute wie vor 75 Jahren gilt!

1 Vermerkca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Menschenrechte sind universell, Menschenrechte sind unveräußerlich, Menschenrechte sind unteilbar.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
9 Vermerkeca. 490 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Staffler, ich muss leider sagen: Es ist ja schön, dass Sie mit so viel Leidenschaft für die Interessen der Studierenden sprechen. Aber Sie sind in dieser Frage einfach überhaupt nicht glaubwürdig.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es war doch die CDU/CSU,

Es war Annette Schavan, die genau dieses Problem schon einmal gelöst hatte!

die in den letzten Jahren immer wieder gesagt hat, dass Studierende einen Studienkredit aufnehmen sollen – wohl wissend, dass diese Studienkredite einen variablen Zinssatz haben. Sie waren nicht in der Lage, haben sich immer wieder geweigert, stattdessen das BAföG richtig anzupacken.

Stimmt überhaupt nicht! Letzte Legislatur: Top Erhöhung!

Es war doch Ihre damalige Bundesbildungsministerin, Frau Karliczek, die während der Coronapandemie gesagt hat, Sie möchten den Studienkredit öffnen.

Dann machen Sie es doch!

Unsere Position als SPD war damals, zu sagen: Das BAföG muss breit geöffnet werden, um Studierende in dieser besonderen Notsituation zu unterstützen. – Damit konnten wir uns damals leider nicht durchsetzen. Sie sind in dieser Frage nicht glaubwürdig.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ihr seid so arm und unterprivilegiert gewesen in dieser Koalition! Die SPD war nie dabei! Wir waren immer allein!

Der hohe Zinssatz – an der Stelle haben Sie recht – ist natürlich ein Problem. Eine nicht unerhebliche Zahl von Studierenden steht seit einiger Zeit vor einer herausfordernden Situation. Sie haben sich darauf verlassen, dass sie das Studium mithilfe des Studienkredits finanzieren können. Mit dem Zinssatz von aktuell 9 Prozent steht einem natürlich monatlich immer weniger Geld zur Verfügung. Dagegen steigt die Tilgungsrate entsprechend an.

Das lässt sich alles erklären: Das ist das Ergebnis der insgesamt gestiegenen Zinsen, der Zinswende, die wir in Europa erleben. Der Zinssatz des Studienkredits setzt sich etwa zur Hälfte aus dem europäischen Referenzzinssatz Euribor zusammen, und der ist natürlich gestiegen. Die andere Hälfte sind Verwaltungskosten und eben auch das Ausfallrisiko; weil Studierende im Unterschied zu anderen Krediten beim Studienkredit keine Sicherheiten, kein Einkommen nachweisen müssen. Auch wenn der Kredit kostendeckend und ohne Gewinnorientierung ausgestaltet ist, besteht hier Handlungsbedarf; das möchte ich gar nicht bestreiten. Dass selbst die Studierendenwerke abraten, einen Studienkredit aufzunehmen, das sollte uns und auch der KfW allerdings zu denken geben.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Noch mal zur Frage des Studienkredits und auch der Frage, was wir während Corona gemacht haben. Da muss ich einfach sagen, dass wir auch selbstkritisch mit den Erfahrungen der Pandemie umgegangen sind. Wir haben zu Beginn der neuen Legislatur das BAföG zur gemeinsamen Priorität der Ampel erklärt. Wir haben noch im ersten Jahr zwei BAföG-Novellen verabschiedet und erstmalig einen Nothilfemechanismus im BAföG verankert, der nun das beinhaltet, was wir 2020 schon gefordert hatten, damals aber nicht durchsetzen konnten. Statt Studierende in krisenbedingten Notlagen durch Kredite in höhere Schulden zu treiben, öffnen wir das BAföG. So kommt die Hilfe zukünftig schnell und unbürokratisch bei den Betroffenen an.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und bei fraktionslosen Abgeordneten

Und noch ein Learning möchte ich Ihnen zum Schluss auf den Weg geben: Kredite dürfen immer nur der letzte Ausweg zur Studienfinanzierung sein! Das wirksamste Mittel zur Armutsbekämpfung unter Studierenden ist ein auskömmliches und modernes BAföG, das wieder mehr junge Menschen erreicht. Hieran arbeiten wir gerade in der Koalition, unter Hochdruck, und ich würde mich umso mehr über Ihre Unterstützung freuen, wo Sie doch jetzt aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
9 Vermerkeca. 639 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Kollegin Staffler, vielen Dank für Ihren Antrag. Der wurde ja, glaube ich, Anfang November verfasst. Mit Blick auf die aktuelle Haushaltskrise und das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes müssen wir, glaube ich, gemeinsam feststellen, dass er fast schon ein bisschen wie aus der Zeit gefallen wirkt. Wir haben ja einen ganz ähnlichen Antrag gestellt. Nur, das Problem Ihres Antrags und auch unseres Antrags ist es: Um diese Probleme zu beheben, bräuchten wir eine Bundesregierung, einen Finanzminister, die überhaupt noch in der Lage sind, zu agieren. Aber da sieht es ja im Moment ein bisschen düster aus, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Allerdings: Das Problem ist ja durchaus ein ernstzunehmendes. Ich erinnere mal an den Fall, der auch vor Kurzem durch die Presse ging, einer alleinerziehenden Mutter, die zur Finanzierung ihres Studiums einen Kredit bei der KfW über 40 000 Euro abgeschlossen hatte. Aufgrund der gestiegenen Zinsen sah sie sich plötzlich einem Schuldenberg von sage und schreibe 90 000 Euro gegenüber. Meine Damen und Herren, das halte ich schlichtweg für sittenwidrig, zumal es sich ja bei der KfW nicht um eine normale Bank handelt, sondern um eine Bundesanstalt öffentlichen Rechts, bei der übrigens Herr Lindner und Herr Habeck abwechselnd dem Verwaltungsrat vorsitzen.

Hört! Hört!

Meine Damen und Herren, wenn wir mal zurückdenken: Als Sie, die jetzt regierenden Ampelfraktionen, noch in der Opposition waren, FDP und Grüne, da haben Sie den Studenten ja geradezu das Blaue vom Himmel versprochen, dass mit Ihnen alles besser würde. Und wie sieht es jetzt aus?

Es ist doch besser geworden! Das kann man sagen!

– Nein, noch nie war die finanzielle Situation der Studenten in Deutschland so prekär wie unter der jetzigen Regierung der Ampel. Das müssen Sie einfach mal zugeben.

Beifallbei der AfD

Jetzt werden Sie natürlich sagen: Na ja, was können wir denn dafür, dass nun mal die Mieten gestiegen sind, die Energiekosten gestiegen sind, für die Inflation usw.? Ich will Ihnen sagen: Sie können sehr wohl etwas dafür; denn statt unseren Studenten zu helfen und beispielsweise die Zinssätze für KfW-Kredite weiterhin zu deckeln,

Sagen Sie jetzt was zum Gendern?

so wie wir das bereits in einem Antrag gefordert haben, oder das BAföG auch mal der Inflation anzupassen, haben Sie sich entschieden, das Geld lieber für andere Dinge auszugeben. Ich darf daran erinnern, auch wenn Sie das nicht gerne hören wollen: Sie unterstützen lieber die Rüstungslobby, kaufen massenhaft Waffen für die Ukraine, Sie überziehen Russland mit Sanktionen, kaufen teures, schmutziges LNG statt günstiges Erdgas aus Russland usw.

Die Alternative für Russland kommt da wieder raus!

Und Sie geben last, but not least rund 50 Milliarden Euro im Jahr für Flüchtlinge aus.

Übrigens: Laut Experten des Deutschen Landkreistages belaufen sich die Kosten für die Versorgung alleine eines unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings auf inzwischen mehr als 60 000 Euro pro Jahr. Meine Damen und Herren, das entspricht ungefähr den Kosten für ein gesamtes Studium. Das muss man sich mal vor Augen halten, wo Sie hier die Prioritäten setzen. Wir meinen, es sind die falschen.

Beifallbei der AfD

Zum vorliegenden Antrag der CDU/CSU noch mal: Er geht in die richtige Richtung, aber er ist überhaupt nicht konkret genug. Sie sagen, die Ministerin solle sich kümmern und sich für ihre Sache einsetzen – schön und gut. Sie sagen aber nicht, wie sie das tun soll. Sie wollen eine feste Zinsbindung haben – ja, schön und gut. Aber was nützt das, wenn die Zinsen nun mal so hoch sind, wie sie sind – inzwischen ja bei über 9 Prozent? Da nützt dann auch eine Zinsbindung nicht mehr.

Wir schlagen hingegen vor, eine sozialverträgliche Obergrenze festzulegen und den Zinssatz entsprechend zu senken. Dafür muss man natürlich ein bisschen Geld in die Hand nehmen. Herr Lindner wäre zuständig. Aber so wie es aussieht, liebe Studenten, hat der Finanzminister für euch leider kein Geld mehr, weil die Ampel mit Geld nicht umgehen kann und uns trotz sprudelnder Steuereinnahmen in eine massive Haushaltskrise gesteuert hat. Daran können aber Wahlen etwas ändern. Denkt daran bei der nächsten Wahl!

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
19 Vermerkeca. 890 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn am Ende des Geldes noch sehr viel Monat übrig ist und es nur noch Nudeln mit Ketchup gibt und sich Studierende überlegen müssen, ob sie lieber eine warme Wohnung wollen oder eine warme Mahlzeit in der Mensa, dann ist das kein Lifestyle von „arm, aber sexy“, sondern dann ist das ein Armutszeugnis für unser Land.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Nee! Für Ihre Regierung!

In der aktuellen Krisenlage sind es junge Menschen in Ausbildung, die besonders betroffen sind. Die letzte Sozialerhebung zeigt auch, dass den Studierenden das Wasser bis zum Hals steht. Ein Drittel gilt als armutsgefährdet. Der studentische Wohnungsmarkt wird immer teurer. Eine studentische Monatsmiete kostet durchschnittlich 410 Euro. Das ist deutlich höher als der Satz, den wir im BAföG dafür vorgesehen haben.

Man müsste natürlich, statt mit Pauschalen zu arbeiten, was die Mietsituation angeht, eher auf die Verhältnisse vor Ort gucken und diese berücksichtigen. Man müsste sich da letzten Endes vielleicht auch eher am Wohngeld orientieren und eine Entlastung schaffen.

Es ist doch so: Die explodierenden Mieten und die Lebenshaltungskosten schränken auch die Studienplatzwahl der Studierenden ein.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Das ist sozial höchst selektiv; das ist inakzeptabel. Es kann nicht sein, dass sich nur Studierende aus wohlhabenden Elternhäusern entscheiden können, wo sie studieren wollen,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

sondern diese Chancen müssen doch allen Studierenden zur Verfügung stehen, nämlich den für sie passenden Studiengang an dem entsprechenden Ort auszuwählen, und nicht danach, wie dort die Mieten sind.

Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Deswegen haben wir schon was auf den Weg gebracht, nämlich das Programm „Junges Wohnen“. Das ist da auch der richtige Ansatz. Aber der wirkt natürlich nicht sofort, sondern es braucht Zeit.

Aufgrund der prekären Lage, wie wir sie jetzt vorfinden, ist es dazu gekommen, dass sich angehende Studierende vermehrt überlegen, ob sie überhaupt studieren wollen, weil sie Angst vor Verschuldung haben oder davor, dass sie sich das Ganze nicht leisten können. Und es ist sogar dazu gekommen, dass Studierende ihr Studium aktiv abbrechen, weil sie sich das Ganze nicht mehr leisten können. Das können wir nicht akzeptieren. Hier müssen wir etwas tun, und deswegen geht die Ampel da auch Schritte.

Wir haben im letzten Jahr, im Krisenjahr, mit zwei BAföG-Novellen dafür gesorgt, dass sich die Situation für die Studierenden unmittelbar, schon zum Wintersemester, bessert, dass wir den Berechtigtenkreis ausweiten. Wir haben mit der Einmalzahlung akute Hilfe geleistet, und wir haben auch mit den Heizkostenzuschüssen eingegriffen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das war mehr als notwendig.

In zwei Jahren mehr als die Union in vielen Jahren!

Es zählt nicht die Quantität, sondern die Qualität!

Liebe Union, Sie haben einen Antrag gestellt, um auf die Studienkredite der KfW aufmerksam zu machen. Na ja, ich muss mal sagen: Ihr Antrag ist wie immer sehr dünn. Also, er hat nicht mal ganz zwei Seiten. Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass es leider die Fraktion Die Linke nicht mehr gibt; denn die haben zur Sache eigentlich immer ganz gute, gehaltvolle Anträge mit wirklich konzeptuellen Vorschlägen vorgelegt.

Dann können Sie sich ja zu ihnen gesellen!

Das haben wir jetzt leider nicht mehr. Sie haben jetzt auf eine Problemlage aufmerksam gemacht, die Sie selber damals während der Pandemie mitgestrickt haben,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP und bei fraktionslosen Abgeordneten

dann haben Sie sich wieder hingelegt, und das war’s. Das ist etwas enttäuschend.

Das könnt ihr nicht durchhalten! Wenn der erste Studierende Privatinsolvenz anmeldet, dann kippt das!

Was zeigt das Ganze unterm Strich? Kredite sind keine Lösungen. Warum haben Sie damals unter Ihrer Regierung eigentlich angefangen, diesen KfW-Studienkredit aufzubauen? Weil Sie eigentlich Studiengebühren wollten. Ich muss Ihnen sagen: Ich möchte keine angloamerikanischen Verhältnisse,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

wo man sich sein Studium letzten Endes nur nach den finanziellen Möglichkeiten der Eltern aussuchen kann

Genau das!

oder sich bis unters Kinn verschuldet und seine Schulden dann noch abträgt, wenn man eigentlich schon längst in der Phase ist, in der man mitten im Beruf stehen sollte und eigentlich eine Familie gründen möchte. Das ist doch die aktuelle Situation.

Beifalldes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Natürlich ist es auch völlig inakzeptabel, wie sich die Zinsen entwickelt haben. Sie haben während der Pandemie ein Instrument schaffen wollen; das kann ich auch verstehen. Damals musste man ja eingreifen, um Studierenden einen Ausweg zu bieten. Dann haben Sie gesagt: „Na ja, die sollen einen Studienkredit aufnehmen“, haben die Zinsen runtergesetzt, und jetzt haben wir den Salat. Natürlich konnten Sie in der Union auch nicht wissen, dass wir noch mal in eine andere Krisensituation kommen würden, in der sich die allgemeine Zinssituation mit der Inflation so dramatisch verschlechtert.

Deswegen hätten wir jetzt auch was gemacht!

Aber Sie hätten doch einfach den Schritt gehen können, das BAföG zu öffnen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das wäre doch ein adäquater Weg gewesen. Sie haben das nicht gemacht; meine Kollegin Lina Seitzl hat es eben ausgeführt.

Was machen Sie denn?

Jetzt sind die Studierenden in der Misere und haben das vorliegen.

Was brauchen wir letzten Endes? Studienkredite sind nur eine Lösung für eine Überbrückung. Sie sollten das letzte Mittel sein, und wir können uns nicht auf sie verlassen. Wir brauchen eine adäquate Studienfinanzierung, die das Studium aller Studierenden, egal aus welchen sozialen Schichten sie kommen, egal mit welchem Hintergrund sie kommen, gescheit ausfinanziert.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Holger Becker [SPD]

Deswegen brauchen wir endlich eine Strukturreform im BAföG, die diesen Namen verdient. Dafür werde ich kämpfen, dafür kämpfen auch meine Kolleginnen und Kollegen.

Sie sollen nicht kämpfen! Sie sollen es tun!

Damit müssen wir endlich anfangen. Es muss jetzt passieren; denn die Situation liegt gerade akut vor.

Zur Situation beim Studienkredit will ich noch eins sagen, liebe Union: Sie könnten auch Teil der Lösung sein; denn meines Erachtens sind Sie im Verwaltungsrat auch vertreten. Machen Sie da Druck. Sorgen Sie da auch dafür, dass die KfW Lösungsvorschläge anbietet. Das fände ich in der derzeitigen Situation angemessen.

Ansonsten: Die Strukturreform des BAföG müssen wir jetzt anpacken. Die Ministerin ist zwar nicht da, aber sie hört es bestimmt trotzdem. Also, bitte!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
4 Vermerkeca. 243 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die KfW-Bank, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die zu 80 Prozent im Besitz des Bundes ist, die sich laut eigenem Anspruch zu sozialer Verantwortung bekennt, diese KfW-Bank – man kann es nicht anders sagen – zockt ihre Kundinnen und Kunden ab, besonders die Studierenden.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten

Das ist unverschämt!

Viele Tausend – vor allem junge – Menschen müssen mittlerweile horrende Zinsen bedienen. Die meisten zahlen mehr als 7 Prozent Zinsen, viele mehr als 9 Prozent. Vor fünf Jahren musste man im Schnitt noch knapp 32 Euro Zinsen pro Monat zahlen; heute sind es sage und schreibe über 80 Euro. Es ist krass: Während die KfW in diesem Jahr einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro eingefahren hat, kassiert sie bei denen ab, die sich mit dem Studienkredit ihren Studienwunsch ermöglichen wollen. Die Verbraucherzentralen warnen mittlerweile vor diesen Wucherkrediten. Ich finde schon: Dass die Bundesregierung das politisch zulässt, ist einfach ungeheuerlich.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten

Es liegt auf der Hand, was jetzt politisch zu tun ist: Erstens. Es braucht sofort einen Zinsdeckel. Und zweitens – das geht natürlich auch an die Adresse der Union –: Der KfW-Studienkredit ist kein – ich wiederhole: kein – angemessenes Förderinstrument zur Studienfinanzierung. Es braucht ein Instrument, das den Studierenden hilft, ihr Studium halbwegs sorgenfrei zu absolvieren und nicht lebenslang zum Albtraum werden zu lassen. Es braucht eine echte Reform des BAföG, ein BAföG, das alle Studierenden erreicht, die es benötigen, das armutsfest ist und das vor allem keine Schuldenfalle ist.

Vielen Dank.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
10 Vermerkeca. 577 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich will zunächst mal sagen: Auch ich bin ein bisschen schockiert, dass die Union hier einen Antrag vorlegt, der sehr dünn ist. An zwei Punkten fordert sie nur, die Bildungsministerin solle mal was tun, und im zweiten Punkt, wo es – da muss ich meiner Kollegin Schröder widersprechen – tatsächlich mal konkret wird, verweist sie darauf, dass man eine feste Zinsbindung einführen solle. Ansonsten wird Frau Schavan im Antrag hochgejubelt.

Ich will einen kurzen Blick zurück machen. Als Frau Schavan im Amt war, hat sie erreicht, dass die Zinsen um sage und schreibe 0,5 Prozentpunkte abgesenkt wurden – 0,5 Prozentpunkte! –, und das für einen sehr kurzen Zeitraum; denn kurz danach fiel der Euribor auf ein Alljahrestief von unter 2 Prozent ab. Auf gut Deutsch: Das war eine Lösung im Angesicht einer sich schon rasant vollziehenden Zinsveränderung. Wenn man solche Bedingungen hat, kann man natürlich aus dem Vollen schöpfen und versuchen, das zu machen.

Das ist doch aber jetzt genauso! Die Märkte wetten alle auf sinkende Zinsen!

Insofern bin ich dankbar, dass Herr Tebroke mal versucht hat, ein bisschen Analyse zu machen. Da will ich sagen: Im Moment ist es eine schwierige Situation. Wir sehen die Probleme. Deswegen wäre eine realistische Beratung, dass man den Studierenden sagt: Schaut, ob ihr jetzt umschulden könnt. Nutzt Bildungskredite, nutzt die Stundung, nutzt auch die Möglichkeiten des BAföG, wenn ihr in dem drin seid. Dort kann man auch eine Verlängerung beantragen.

Das reicht bei Weitem nicht!

Ich bin auch dankbar, dass hier die Studierendenwerke tätig sind, damit die Studierenden erst mal über diese Hochzinsphase kommen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ich könnte jetzt weiter sachlich argumentieren, aber ich will zwei, drei Punkte ansprechen, die mir hier in der Debatte aufgefallen sind. Zum einen versuchen Sie von der CDU hier tatsächlich, uns dafür haftbar zu machen, dass Ihr KfW-Modell an seine Grenzen gekommen ist. Das finde ich, gelinde gesagt, unlauter.

Nein, Sie müssen schon zugeben – das hat die Kollegin hier schon herausgearbeitet –, dass Sie die Risiken viel zu lange ausgeblendet haben und nicht wenige bei Ihnen noch lange Zeit von Studiengebühren oder -konten geträumt haben.

Das Zweite ist – das ist auch ein Widerspruch, und das hatten wir im Ausschuss schon; ich sage das gerade in Richtung Opposition –: Sie fordern hier mehr Haushaltsmittel ein, und zwar in nicht geringem Umfang. Umso mehr ich als Bildungspolitiker in Debatten so etwas von Ihnen höre, umso mehr wundere ich mich, woher Sie diese Mittel nehmen wollen. In der letzten Ausschusssitzung waren es Milliarden für Kernfusion, KI und anderes. Gleichzeitig frage ich mich, ob Sie das noch mit Ihren Haushältern rückkoppeln. Gerade erst in der letzten Debatte hat Ihr Fraktionsvorsitzender Herr Merz wieder gefordert, dass es doch ein Leichtes sei, 60 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt rauszuschöpfen. Aber Sie fordern hier wieder mehr Mittel. Da muss ich schon sagen: Da passt irgendwas nicht zusammen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist halt eine Frage der Prioritätensetzung!

Sie fordern hier Dinge von A wie „Ausgaben reduzieren“ bis K wie „Kredite tilgen“, aber wollen dennoch Investitionen und in diesem Falle auch konsumtive Mittel ausweisen – Wahlkreisprojekte von Herrn Merz nicht zu vergessen.

Und jetzt fordern Sie auch noch, die Zinsen zu stützen. Wenn Sie die FDP-Ministerin kritisieren, dann muss ich schon sagen: Der kann man das nicht vorwerfen. Die FDP sagt zumindest: Wenn man Ausgaben kürzt, dann kann man auch keine Bildungskredite stützen. – Diese Position teile ich nicht, aber die sind da wenigstens konsequent.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In diesem Sinne: Lassen Sie uns an einer echten Bildungs- und Studienreform arbeiten! Das BAföG steht dafür zur Verfügung. Wenn Sie Ihre Erkenntnisse da einbringen, werden Sie uns dabei unterstützen.

Ampel wirkt!

Danke schön.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Katrin Staffler
Foto: Katrin Staffler/ Julia Rieck
12 Vermerkeca. 553 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Amtszeit von Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger hat sich der Zinssatz des KfW-Studienkredits mehr als verdoppelt, im Moment auf einen effektiven Zinssatz von 9,01 Prozent. Man mag meinen, dass diese Beschreibung allein schon ausreichen würde, um wirklich jedem hier die Tragweite des Problems vor Augen zu führen,

Beifallbei der CDU/CSU

und man würde meinen, dass die zuständige Ministerin angesichts dieser Beschreibung sofort alle Hebel in Bewegung setzt, um den Missstand zu beenden. Aber man hat an der Stelle leider nicht mit der aktuellen Bundesregierung gerechnet. Die verweilt nämlich, und zwar nicht erst seit gestern, sondern seit Monaten, fröhlich in ihrer gemütlichen Beobachterrolle. Sie sagen zwar, dass die Zinsen durchaus zu hoch seien. Aber dann verstecken Sie sich hinter irgendwelchen fadenscheinigen Ausreden, zum Beispiel, dass das leider nicht in Ihrer Verantwortung liegt.

Es ist tragisch, dass es die Unionsfraktion als Opposition braucht, um das Thema in den Mittelpunkt der politischen Debatte zu rücken.

Beifallbei der CDU/CSU

Das will Kai Gehring nicht wahrhaben!

Gerade die Studierenden mit Bestandsverträgen, also die, die in der Niedrigzinsphase die Verträge abgeschlossen haben, sind von den Erhöhungen besonders hart betroffen. Lag die durchschnittliche Zinszahlung pro Darlehen vor dem Amtsantritt der Ampelregierung im Dezember 2021 bei 33,10 Euro, sind es mittlerweile durchschnittlich 80,13 Euro im Monat. Die betroffenen Studierenden berichten davon, dass sie je nach Darlehenssumme teilweise 200 bis 300 Euro Zinsen zahlen müssen – allein an Zinsen – und überhaupt gar nicht mehr wissen, wie sie die enorme Last noch stemmen sollen. Allein die Höhe der Zinsen entspricht ja bald schon dem, was man normalerweise als Tilgungssumme hätte.

Ich muss mich an der Stelle schon fragen, ob wir wirklich so mit den jungen Menschen in diesem Land umgehen wollen,

Beifallbei der CDU/CSU

Das geht gar nicht!

dass wir ihnen zur Finanzierung ihres Studiums einen Kredit anbieten, bei dem der Zinssatz doppelt so hoch ist wie bei einem normalen Immobilienkredit und bei dem man jedes halbe Jahr auch noch darum bangen muss, dass der Zinssatz nicht noch mehr in die Höhe schnellt.

Ich habe 16 Jahre davor gewarnt!

Als Unionsfraktion beantworten wir Ihnen diese Frage mit einem klaren Nein; wir wollen das nicht. Unsere Forderungen sind deswegen ganz klar:

Erstens. Die Ministerin muss den Betroffenen jetzt, jetzt endlich helfen und muss sich endlich um dieses Problem kümmern.

Was heißt das?

Zweitens. Die Bundesregierung muss darauf hinwirken, dass für bestehende genauso wie für neue Verträge in Zukunft eine Zinsbindung, ein fester Zins gelten wird.

Sie haben diese Kredite eingeführt, weil Sie Studiengebühren einführen wollten!

Es ist ja nett, wenn sich die Ministerin bereits in Gesprächen mit Vertretern der KfW befunden hat. Am Ende zählen aber nicht Gespräche, am Ende zählen die Ergebnisse dieser Gespräche,

Beifallbei der CDU/CSU

Entscheidend ist, was hinten rauskommt!

und die Ministerin hat in diesen Gesprächen nichts, aber auch gar nichts erreicht. Sie hat darin versagt, den jungen Menschen im Land, die wirklich in existenziellen finanziellen Nöten sind, zu helfen.

Leider – das muss man auch so offen sagen – ist der KfW-Studienkredit nur ein Beispiel in der insgesamt durchaus ambitionslosen Halbzeitbilanz.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Keine Ergebnisse beim Bildungsgipfel, langwierige Verhandlungen beim Startchancen-Programm, kein Bekenntnis zum DigitalPakt Schule,

Noch nie so viel Geld für BAföG! Noch nie so hohe Einmalzahlungen!

die Qualitätsoffensive Lehrerbildung ersatzlos gestrichen, kein Gesetzentwurf zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz, kein Vorschlag zur strukturellen Reform des BAföG – ich könnte noch ewig weiterreden,

Das wird ja nicht besser! Ist ja nur Quatsch, was Sie sagen!

das lässt die Redezeit aber leider nicht zu. Die jungen Menschen in Deutschland haben ganz offensichtlich keine Lobby in dieser Bundesregierung.

Schlimm ist das!

Michael Brand [Fulda] [CDU/CSU], an SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP gerichtet: Sie wollen es noch nicht einmal wahrhaben!

Deswegen sage ich Ihnen deutlich: Bitte ducken Sie sich nicht weg, übernehmen Sie Verantwortung, und zwar auch beim KfW-Studienkredit. Lieber Kollege Kaczmarek, Sie selber haben Anfang November öffentlich gesagt, –

Porträt von Katrin Staffler
Foto: Katrin Staffler/ Julia Rieck
2 Vermerkeca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– dass wir dringend eine Lösung brauchen. Ihre Forderungen decken sich mit unseren in diesem Antrag. Sie haben jetzt die Chance, dem zuzustimmen. Tun Sie das bitte im Sinne der jungen Menschen!

Beifallbei der CDU/CSU

Was ist denn jetzt Ihr Konzept? Was steht denn in dem Antrag drin?

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
7 Vermerkeca. 764 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über die finanzielle Lage von Studierenden in Deutschland, und das ist gut.

Von Studenten!

Denn junge Menschen sowohl im Studium als auch in der beruflichen Ausbildung kommen in politischen Debatten manchmal zu kurz. Nicht von uns – da schließe ich normalerweise, die Stimmung ist schon ein bisschen aufgeheizt, neben der Ampel die Bildungspolitikerinnen und -politiker der Union mit ein –; denn wir haben zwar häufig unterschiedliche politische Lösungen, aber uns eint der Einsatz für junge Menschen in diesem Land.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese jungen Menschen haben häufig nur wenig Geld zur Verfügung – das liegt ein Stück weit in der Natur der Ausbildung; Stichwort: „Dosenravioli“ oder „Nudeln mit Ketchup“ –, deshalb sind sie von den gestiegenen Preisen – den Energiepreisen, den hohen Mieten in den Städten, der Inflation – auch besonders betroffen. Aus diesem Grund haben wir – da meine ich jetzt uns als Ampel und auch die Bildungsministerin Stark-Watzinger – bereits eine Reihe von Maßnahmen zur Senkung der Inflation, aber auch zur Abmilderung von Härten gerade für junge Menschen umgesetzt: von den BAföG-Reformen, die wir gemacht haben, über die Heizkostenzuschüsse bis zu Einmalzahlungen, die Erhöhung der Minijobs, die Erhöhung des Kindergeldes bis zum Bundesprogramm „Junges Wohnen“ und zuletzt zum Deutschlandticket für die Studierenden. Wir sehen die Herausforderungen junger Menschen, und wir handeln entsprechend.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Deshalb nehmen wir auch die Sorgen derjenigen ernst, die zur Finanzierung ihrer Ausbildung einen KfW-Studienkredit aufgenommen haben und heute mit der Rückzahlung aufgrund der hohen Zinsen kämpfen. Das mag nur eine kleine Anzahl der Studierenden sein – etwa 2 Prozent –, aber für die Betroffenen ist die Belastung hoch. Es gibt seitens der KfW Härtefallhilfen: Zinsstundung, eine tilgungsfreie Karenzphase oder die Anpassung der Rückzahlung. Aber klar: Das schafft lediglich eine Verschnaufpause.

Der KfW-Studienkredit hat massiv an Attraktivität eingebüßt. Das sehen wir auch an den Zahlen. Eine Alternative ist für manche sicherlich der Bildungskredit, der vor allem am Ende der Ausbildung Finanzbrücken bauen kann und einen deutlich niedrigeren Zinssatz hat. Er ist aber leider nicht so bekannt wie der KfW-Studienkredit. Das ändert sich vielleicht auch durch die Debatte heute. Ich hätte den gerne gekannt, als ich zum Ende meines Studiums mitten im ersten Staatsexamen kein BAföG mehr bekommen habe und auf den KfW-Studienkredit zurückgegriffen habe.

Die Eltern sind in Deutschland nach wie vor die wichtigste Finanzierungsquelle für Studierende. Bei Bedürftigkeit haben wir das BAföG, das wir bereits reformiert haben und weiter reformieren werden. Aber was, wenn die Eltern nicht ausreichend helfen können? Oder wenn die Eltern nicht wollen, weil ihnen der Studiengang oder das politische Engagement der Tochter oder des Sohnes oder deren Haarfarbe nicht passt? Familien können kompliziert sein, aber man will seine Eltern doch deswegen nicht verklagen müssen.

Meine Damen und Herren, wir brauchen einen Systemwechsel. Stellen wir das Studienfinanzierungssystem auf ein neues Fundament. Die Zinsentwicklung beim KfW-Studienkredit zeigt: Wir brauchen endlich ein echtes elternunabhängiges BAföG

Beifallbei der FDP

als Volldarlehen, zinsfrei, als zweite Säule neben dem regulären BAföG. Damit wären die Studierenden, die heute unter dem KfW-Kredit leiden, gar nicht erst in dieser bedrückenden Lage. Dafür stehen wir Freie Demokraten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zum Antrag der Union – ich habe noch anderthalb Minuten, aber die reichen ehrlicherweise für diesen sehr dünnen Antrag – drei Gedanken:

Erstens. Sie haben unter Annette Schavan den KfW-Studienkredit geschaffen und dabei auch festgelegt: Die KfW muss den Kredit aus eigenen Mitteln finanzieren, ohne Zuschuss durch den Bundeshaushalt.

Zweitens. Sie haben dann unter Anja Karliczek dafür gesorgt, dass viele Studierende im KfW-Kredit gelandet sind, weil sie nämlich in der Coronapandemie arbeitslos geworden sind und Sie diesen Studierenden das BAföG nicht geöffnet haben. So hat das nicht nur die SPD gefordert, sondern auch die Grünen, die FDP und sogar die Junge Union. Also hören Sie doch auch mal auf die jungen Menschen in Ihren eigenen Reihen. Wir haben das inzwischen mit dem Nothilfemechanismus im BAföG geändert und für zukünftige Krisen des studentischen Arbeitsmarktes vorgesorgt.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Und drittens. Sie bieten in Ihrem Antrag überhaupt keine Lösung. Das muss man sich wirklich mal reinziehen. Sie sagen, die Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger möge sich kümmern. Da hätte ich schon ein bisschen mehr erwartet, muss ich ehrlich sagen. Wenn Sie irgendwem erzählen wollen, dass Sie unser Land besser regieren könnten, dann führen Sie mit diesem Antrag den Gegenbeweis.

Sie schreiben: Unter Ihrer Ministerin, Frau Schavan, hätte die KfW 2008 den Zinssatz weniger angehoben als geplant, nicht auf 7 Prozent – das verschweigen Sie nämlich –, sondern nur auf 6,5 Prozent.

Das sind 3 Prozent weniger!

Da sind Sie aber erheblich drüber!

Ja, toll: also 0,5 Prozentpunkte. Ich habe Zweifel daran, ob das für die Studierenden die gewünschte Katharsis bringen würde. Sie sprechen außerdem von Immobilien- und Autokrediten. Dabei funktioniert der KfW-Kredit gerade ohne Sicherheitsleistung.

2 Vermerkeca. 47 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bin sehr für Wohneigentum, auch für junge Menschen. Aber solange die noch keine Grundstücke haben, können sie auch keine Sicherheiten einbringen, und entsprechend ist das fernab der Realität. Ihr dünnes Papier bringt uns nicht weiter. Lassen Sie uns lieber endlich das elternunabhängige BAföG einführen.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –Thomas Jarzombek [CDU/CSU]: Wann kommt das denn?
Beifallbei der CDU/CSU
7 Vermerkeca. 484 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Verehrtes Präsidium! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Dass Bildung von zentraler Bedeutung für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft und unsere Wirtschaft ist, ist, glaube ich, in dieser Runde unstrittig. Und unstrittig ist sicher auch, dass es Aufgabe des Staates ist, für geeignete Bildungsinfrastruktur zu sorgen und Instrumente bereitzustellen, damit Bildungsprojekte gelingen. So weit, so gut.

Ein Instrument, wenn es um die Finanzierung des Studiums geht, ist der KfW-Studienkredit; ein Kredit neben anderen Finanzierungsquellen. Ein wichtiger Baustein, der in bestimmten Situationen einen großartigen Beitrag leistet. Er ist ergiebig, er ist flexibel, und vor allem ist er niederschwellig erreichbar – Frau Schröder, Sie haben das angesprochen –, weil er auch verfügbar ist für Studierende, unabhängig von ihrem Einkommen, unabhängig vom Einkommen der Eltern und unabhängig von Sicherheiten. Aber es bleibt ein Kredit. Es ist ein Kredit, der auf der Kreditgeberseite mit Kosten verbunden ist, der Administration, des Risikos, aber auch der Refinanzierung, und auf der Kreditnehmerseite, beim Studierenden ist er verbunden mit Rückzahlungs- und Zinsverpflichtungen.

Reden Sie zu Ihrem Antrag?

Unser Instrument ist ein Kredit. Dieser Studienkredit hat sich lange Jahre großer Beliebtheit erfreut. Die Attraktivität des Instrumentes ist gegeben.

Sie haben die öffentliche Studienfinanzierung so abgewrackt, dass junge Menschen den Kredit nehmen mussten! So ein Schönsprech!

Wir haben aktuell 40 000 Verträge in der Auszahlungsphase. Wir haben genauso viele in der Karenzphase und 180 laufende in der Rückzahlungsphase. Aber die Attraktivität nimmt ab, und sie nimmt deutlich ab: Im aktuellen Jahr 2023 nur noch 10 000 Neuverträge.

Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Frage, die für uns jetzt relevant ist, ist: Vielleicht ist es sinnvoll für die Strukturierung einer solchen Debatte, wenn wir den Studienkredit zum Thema machen, dass wir uns über die Studienkredite unterhalten und in anderen Zusammenhängen gerne auch über BAföG.

Ja, dann reden Sie doch zu Ihrem Antrag! Welche Lösungen haben Sie denn?

– Jetzt komme ich auf den Studienkredit zurück, Herr Kollege, wenn Sie erlauben. Unsere Fragen, die wir zu beantworten haben, sind:

Erstens: Was sind die Gründe, warum die Attraktivität abnimmt?

Zweitens: Was sind die Folgen, die wir vielleicht nicht akzeptieren wollen?

Und drittens: Was können wir unternehmen?

Natürlich könnte man sagen, die BAföG-Konditionen haben sich verbessert, deswegen weniger Kredite. Sie werden vielleicht zu Recht sagen, wir können die BAföG-Konditionen noch mal verbessern. Das könnte eine Antwort sein.

Beifalldes Abg. Holger Mann [SPD]

Wir haben festgestellt, wir haben eine lange Niedrigzinsphase gehabt, in der die Kreditnehmer davon profitiert haben. Jetzt stellen wir fest, dass die Zinsen stark gestiegen sind, und das trifft einige Studierende hart. Darauf haben wir zu reagieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Dieser Zinsschock ist auch ein Problem für das Instrument, weil er Studierende abschreckt, für die das Instrument vielleicht nach wie vor attraktiv und sinnvoll wäre. Und hier stellen wir fest, dass Evidenz fehlt. Es fehlt Evidenz, die zeigt: Welche Bedeutung haben denn KfW-Studienkredite für die Entscheidung zur Aufnahme eines Studiums, welche Bedeutung für das Tempo des Studiums, für die Ergebnisse des Studiums?

Da gibt es Sozialerhebungen! Gucken Sie sich die mal an!

Haben wir hierzu Evidenz? Das würde ich gerne das Ministerium fragen und bekomme keine Antwort.

Wir haben Verbesserungsmöglichkeiten. Wir müssen – das ist ganz wichtig; die Kollegin Staffler hat es gesagt – den Studierenden kurzfristig helfen, –

1 Vermerkca. 22 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– die geschockt und überrascht sind.

Wie wollen Sie das denn machen?

Wir diskutieren eine Zinsobergrenze. Wir diskutieren vielleicht auch einen Teilerlass, das aber immer im Rahmen des Instrumentes.

2 Vermerkeca. 54 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wenn wir in der Auseinandersetzung mit der KfW – ich komme zum Schluss – zu keinem Ergebnis kommen oder feststellen, andere Instrumente sind besser, dann ist es gut so. Aber wir erwarten eine systematische und intensive Beschäftigung mit dem Thema, und das vermissen wir aktuell in diesem Ministerium. Das beklagen wir.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Laura Kraft [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Carolin Wagner
Foto: Dr. Carolin Wagner/ Inga Haar
12 Vermerkeca. 635 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Das Problem der gestiegenen Zinsen im KfW-Studienkredit beschäftigt uns ja schon seit mehreren Wochen, und es ist durchaus gut, dass wir es auch hier im Plenum behandeln. Die Problembeschreibung ist schon erfolgt: Zum 1. Oktober 2023 lag der Zins bei 9,01 Prozent, also sehr hoch. Das ist das eine Problem. Das andere Problem ist: Zum 1. Oktober 2021 lag der Zins noch bei 3,7 Prozent, und der Zins ist variabel, auch im Bestand. Die Belastung durch den Zins hat sich also vervielfacht und bringt damit Studierende in Not, die sich noch zu auskömmlichen Zinssätzen für diese Finanzierungsform entschieden haben.

Es ist allerdings sehr bedauerlich, dass Sie, werte Kolleginnen und Kollegen der Union, hier versuchen, mit Geschichten aus 2008 und der Ministerin Schavan Punkte gegen die Koalition zu sammeln. Denn wer hat denn den KfW-Kredit zu einem zentralen Instrument für Studierende in der Pandemie erhoben? Wie kam das denn? Ich will Ihnen mal eine Geschichte aus 2020 und 2021 erzählen – eine Geschichte, die die Studierenden betrifft, deren variable Zinssätze heute durch die Decke gehen. Das ist nämlich auch eine Geschichte der Ministerin Karliczek, deren Rolle in dieser Sache Sie aber seltsamerweise in Ihrem Antrag überhaupt nicht erwähnen.

Die SPD-Fraktion hatte damals bereits gefordert, das BAföG zu öffnen und überhaupt die BAföG-Trendwende einzuleiten. Vor dieser Aufgabe stehen wir heute erneut. Und warum? Weil mit Ihnen in dieser Sache nichts zu erreichen war. Gar nichts! Sie wollten das einfach nicht angehen, und das ist die Wahrheit.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Zurufder Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU]

Die damals getroffenen Maßnahmen, also die Nothilfen und die Stellung der KfW-Kredite als zinsfrei bis Ende 2021, waren an und für sich nicht verkehrt. Sie hatten aber einen Mangel: Sie wurden aufgrund der Blockadehaltung der Union zu einem Hauptinstrument neben dem BAföG, hätten aber richtigerweise nur eine flankierende Maßnahme zum BAföG sein dürfen.

Die Erhöhung der KfW-Studienkredite damals wurde durch Aussagen Ihrer Ministerin Karliczek noch untermauert. Sie bezeichnete die KfW-Kredite als – Zitat – „durchgängig verfügbare zweite Komponente der Überbrückungshilfe für Studierende“. Damit musste Studierenden der Eindruck vermittelt werden, es handele sich um ein Förderinstrument des Bundes.

Es konnte ja keiner ahnen, dass Sie dann nichts tun!

Diesem Eindruck kann die KfW heute mit der Erklärung, es handele sich um – Zitat – „keinen klassischen Förderkredit“, nicht mehr sinnvoll entgegentreten.

Ferner ist Ihre Forderung nach der Herstellung fester Zinssätze geradezu höhnisch, liebe Unionsfraktion.

Beifalldes Abg. Oliver Kaczmarek [SPD]

Denn Ihre Ministerin hat den Zins auf null gesetzt und sich beim BAföG quergestellt. Um den variablen Zins haben Sie damals aber genau gewusst. Warum haben Sie denn damals keine anderen Vereinbarungen mit der entsprechenden Institution ausgehandelt und nicht vielleicht eine Zinsbindung festgeschrieben?

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ja, warum denn nicht?

Die Entscheidung, Kredite mit variablen Zinssätzen zu einem zentralen Instrument der Krisenbewältigung für Studierende zu erheben, wurde von der Unionsfraktion getroffen, durch ihre BAföG-Blockade in der letzten Wahlperiode.

Aber was tun Sie denn jetzt, um den Studenten zu helfen? Was tun Sie?

So viel zu Ihrer Rolle in der Vergangenheit.

Jetzt haben wir durch den jahrelangen Reformstau aus 16 Jahren unionsgeführter Bundesregierung

– ja, getroffene Hunde bellen und jaulen; das weiß ich –

wie an so vielen Stellen ein in die Zukunft gerichtetes Problem, nämlich die Frage: Wie sollen Menschen mit nicht ausreichend finanziellem Spielraum ihr Studium finanzieren? Die Antwort lautete früher wie heute und morgen – wir schreien sie Ihnen jedes Jahr erneut entgegen –: Über das BAföG!

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Sie waren dabei! Unglaublich!

Wir werden als Ampel endlich eine Strukturreform vorlegen und auch an die Regelsätze rangehen.

Kredite dürfen immer nur eine Nebenrolle spielen. Das zweite Problem sind bereits abgeschlossene Verträge. Ich appelliere an die Kolleginnen und Kollegen im Parlament und in der Regierung, gemeinsam auf die KfW einzuwirken und eine Lösung für den Bestand zu entwickeln,

Na, dann mal los!

die den Bundeshaushalt nicht unmittelbar belastet.

Warum haben Sie es nicht schon gemacht?

Sie hatten ja genug Zeit!

Denn das gehört zur Wahrheit auch dazu – wenn Sie noch mal zuhören würden –: Dass ausgerechnet die Union hier offenbar nach Mitteln aus dem Bundeshaushalt schreit,

Hört! Hört!

um die hohen Zinsen im KfW-Studienkredit auszugleichen, Sie gleichzeitig aber an allen Ecken und Enden –

Porträt von Carolin Wagner
Foto: Dr. Carolin Wagner/ Inga Haar
3 Vermerkeca. 24 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– gegen Finanzspielräume zur Modernisierung dieses Landes kämpfen, die Schuldenbremse nicht reformieren wollen und Sozialleistungen abbauen wollen, das ist schon von besonderer Dreistigkeit.

Ihr habt die Verfassung missachtet! Wir bekämpfen gar nichts!

Vielen Dank.

Beifallbei fraktionslosen Abgeordneten
2 Vermerkeca. 463 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich studiert man, um später einen guten Job zu finden. Doch immer mehr Studierende müssen heute einen guten Job finden, um studieren zu können,

Beifallder Abg. Daniela Ludwig [CDU/CSU]

stöhnte jüngst ein Betroffener. Gut, dass wir hier wenigstens einmal darüber sprechen, wie schwer es geworden ist, in Deutschland als Studi – das muss man ja ehrlich zugeben – seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Steigerung der Lebenshaltungskosten ist für uns alle ein Problem, um wie viel mehr also für Studierende?

Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung beziffert in seiner 22. Sozialerhebung aus dem Jahr 2021 den monatlichen Bedarf für Studierende auf 1 200 Euro. Am meisten schlagen die irren Mieten zu Buche: München mit 720 Euro, Berlin mit 640 Euro, Frankfurt am Main, Hamburg und Köln mit circa 550 Euro. Der rechnerische BAföG-Anteil für die Miete in Höhe von 360 Euro reicht in 72 Städten nicht mehr aus. Das gilt dann für circa 80 Prozent aller Studierenden.

Da uns die jungen Leute so wichtig sind, ja, gerade auch der akademische Nachwuchs, gibt es viele Förderinstrumente, von BAföG über KfW-Kredite bis hin zu Stipendien. Das alles übrigens geben wir nicht als Almosen, sondern weil dieser Nachwuchs unser aller Zukunft sichert. Deshalb trägt der Staat aus Überzeugung dazu bei. Das BAföG passen wir ja immer wieder an – ich muss die Diskussion nicht wiederholen –, mehr oder weniger großzügig, mehr oder weniger erfolgreich oder erfolglos.

Leider hat die derzeitige Bildungsministerin mit der KfW die Notlage der Studierenden verhandelt; das ist bitter. Und selbst da, wo sie handeln könnte, wo sie selbst und alleine entscheiden könnte, hilft sie nicht, zum Beispiel, Herr Mann, bei den Stipendien in der Promotionsförderung der 13 Begabtenförderungswerke. Seit 2016 ist die Höhe des monatlichen Stipendiums nicht erhöht worden. Zum Glück hat der Alarm der Förderwerke dazu geführt, dass es jetzt eine Erhöhung der finanziellen Unterstützung gibt, um lächerliche 100 Euro im Monat. Das gilt dann immerhin auch in den nächsten zwei Jahren. Aber freuen wir uns nicht zu früh. Das BMBF schreibt ja, das müsse aus dem – Zitat – „bisherigen Korridor der Promotionsförderung finanziert werden“. Das heißt: Die Förderwerke müssen das aus eigener Kraft und aus dem bisherigen Budget finanzieren. Da gibt es kein zusätzliches Geld für die jungen Leute – nein, hier doch nicht! –, was nicht weniger heißt, als dass die Zahl der Geförderten reduziert werden muss. Knapp 20 Prozent weniger Promotionsstipendien werden es sein, was bei derzeit 4 000 ein Minus von 600 bis 800 Personen ist.

Wie hilflos beim Verhandeln mit der KfW, wie kleinlich bei unseren Stipendien und wie ignorant gegenüber unserem wissenschaftlichen Nachwuchs, gegenüber unser aller Zukunft ist dieses Ministerium eigentlich?

Beifallbei der CDU/CSU

Sollte uns allen der akademische Nachwuchs nicht viel mehr wert sein? Wer, wenn nicht diese – ich nenne sie mal so – geistige Avantgarde soll unser Land eigentlich einmal gestalten?

1 Vermerkca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir sollten sie ermutigen und ihre Forschung unterstützen und nicht schon am Start ihrer Laufbahn kleinlich mit ihnen sein.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sonja Eichwede
Foto: DBT/ Inga Haar
21 Vermerkeca. 616 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

Um zur Sachlichkeit zurückzukommen, möchte ich den entscheidenden Satz unserer Geschäftsordnung zitieren. Unsere Geschäftsordnung besagt in § 2 Absatz 1 Satz 1:

„Der Bundestag wählt mit verdeckten Stimmzetteln … in besonderen Wahlhandlungen den Präsidenten und seine Stellvertreter für die Dauer der Wahlperiode.“

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Sehr richtig!

Mithin wurde unsere Vizepräsidentin Petra Pau am 26. Oktober 2021 persönlich mit einer großen Mehrheit der Stimmen dieses Hauses für die gesamte Wahlperiode gewählt.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten und der Abg. Monika Grütters [CDU/CSU]

Der Antrag der AfD-Fraktion auf Abwahl, wenn bis Ende des Jahres kein Rücktritt erfolgt aufgrund der Auflösung der Linksfraktion, entbehrt jeglicher rechtlicher Grundlage und verstößt zudem gegen die Geschäftsordnung dieses Hauses.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und bei fraktionslosen Abgeordneten

Auch vor dem Hintergrund einer Debatte über eine GO-Reform möchte ich auf die Bedeutung dieser Regelung hinweisen: Die Wahl der Mitglieder unseres Präsidiums für die gesamte Dauer der Wahlperiode trägt maßgeblich zu der Fähigkeit des notwendigen überparteilichen Handelns, mithin zur Unabhängigkeit des Präsidiums bei.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und bei fraktionslosen Abgeordneten

Schließlich müssen sie als Präsidenten für die Dauer ihres Amtes unabhängig von Fraktionszugehörigkeiten Entscheidungen treffen können, ohne dass intern irgendeine Art des Drucks ausgeübt werden kann. Die Möglichkeit einer Abwahl würde diesem Gedanken diametral entgegenstehen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und bei fraktionslosen Abgeordneten

So ein Quatsch! Wo haben Sie das denn gelesen?

Dem Antrag der AfD-Fraktion können – das will ich sagen – lediglich zwei Sachen zugrunde liegen: Zum einen ist er Stimmungsmache gegen eine Person, die dieses Hohe Haus und damit die Demokratie unseres Landes seit sehr vielen Jahren mit Würde und Anstand, mit Aufrichtigkeit und Disziplin,

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Zurufdes Abg. Jürgen Braun [AfD]

mit Höflichkeit und, wenn erforderlich, auch mit der notwendigen Strenge leitet und repräsentiert. Ich bin Petra Pau für ihre starke Haltung und für ihre faire Sitzungsleitung in diesem Hause, in diesem Plenarsaal sehr dankbar.

SED-Diktatur!

Ihr gebührt als dienstältester Vizepräsidentin fraktionsübergreifender Respekt, und das nicht nur aufgrund der Ausführung ihres Amtes, sondern auch aufgrund ihrer Biografie in Gänze, ihres fortwährenden Einsatzes für unseren sozialen und demokratischen Rechtsstaat.

Arbeiten Sie mal den Kommunismus auf! SED!

Sozialismus!

Sie ist zudem als eine der viel zu wenigen ostdeutschen Persönlichkeiten in Führungspositionen jemand,

Widerspruchbei der AfD

der gerade durch seine Biografie für den Zusammenhalt unseres Landes arbeitet und dazu beiträgt, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Zum anderen zeigt der Antrag der AfD-Fraktion, dass Sie sich selbst immer wieder in der Opferrolle darstellen wollen. Diese Debatte ist vorgeschoben, um sich in den Vordergrund zu rücken und die demokratische Ordnung zu stören, indem Sie selektiv und fadenscheinig so tun, als ob Sie sich auf die Regelungen dieses Hauses berufen würden,

Beifallbei Abgeordneten der SPD und bei fraktionslosen Abgeordneten

weil Sie es eben nicht verkraften können, dass keiner der von der AfD vorgeschlagenen Kandidaten in einer demokratischen Wahl eine Mehrheit in diesem Haus findet.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Lachenbei Abgeordneten der AfD

Dass ebendas richtig ist, hat auch das Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Aber lassen Sie mich noch an Sie ein paar Worte richten, werte Kolleginnen und Kollegen der Unionsfraktion. Ich bin erschüttert über Ihr Verhalten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und bei fraktionslosen Abgeordneten

An einem Tag, an dem Ihr Vorsitzender Friedrich Merz unserer Parteivorsitzenden Saskia Esken Vorwürfe macht

und sagt, sie solle ihr Verhalten überdenken und die AfD und Sie nicht in einen Topf stecken

Zu Recht! Haben Sie die Anträge mal gelesen?

bzw. Ihr Verhalten gegenüber der AfD nicht weiter kritisieren, weil eine Brandmauer bestünde, haben Sie sich erstmals in der bundesdeutschen Geschichte einem Antrag der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag mit einem eigenen Antrag im Timeslot angeschlossen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Das ist doch Quatsch!

Sie machen hier keine eigene Debatte zu Ihrem Antrag. Sie hängen sich der Zeit der AfD an.

Sie machen deren Geschäft! Schämen Sie sich!

Ich sage: Es ist ein außerordentlich wichtig für die Demokratie in diesem Land, dass wir es kritisieren, wenn Sie zu nah an die AfD rücken, weil wir gerade mit Ihnen gemeinsam für den Erhalt des Rechtsstaats und der Demokratie von diesem Rednerpult aus, in diesem Haus arbeiten wollen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Schämen sollten Sie sich!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Bürgerinnen und Bürger, Sie können sich darauf verlassen: Die SPD und die demokratischen Fraktionen dieses Hauses werden die Demokratie verteidigen. – Vielen Dank, Frau Pau, für Ihre Arbeit.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Beifallbei der CDU/CSU

Vielleicht kommen wir jetzt zur Wahrheit zurück!

Porträt von Philipp Amthor
Foto: Philipp Amthor/Tobias Koch
23 Vermerkeca. 748 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Kollegin Eichwede, ich muss das zunächst sagen: Schön, wenn Sie sich hier herzen lassen! Aber wenn Sie den Antrag der AfD mit dem Antrag der Union gleichsetzen, dann ist das übler Populismus

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

und hat nichts mit dem Inhalt dieses Antrages zu tun.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, um es sachlich zu betrachten: Ja, nach der Auflösung der Linksfraktion ist die Kollegin Pau eine fraktionslose Abgeordnete,

Sechs Abgeordnete sind hier von Ihrer Fraktion! Sechs!

und es entspricht nicht dem Zielbild der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages, dass fraktionslose Abgeordnete Mitglieder des Präsidiums dieses Bundestages sind.

Beifallbei der AfD sowie der Abg. Daniela Ludwig [CDU/CSU]

Schämen Sie sich!

Um Vizepräsident zu werden, braucht ein Abgeordneter eine doppelte Legitimation: Man muss erstens von einer Fraktion vorgeschlagen werden und zweitens – daran scheitert die AfD – von einer Mehrheit dieses Hauses gewählt werden.

Zurufevon der SPD

Das war bei Frau Pau der Fall. Mit der Auflösung der Linksfraktion ist jetzt aber die erste Voraussetzung dieser Legitimation, nämlich dass es eine Trägerfraktion gibt, entfallen.

Widerspruchbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Im Falle einer hypothetischen Neuwahl des Präsidiums könnte Frau Pau heute nicht mehr für dieses Amt vorgeschlagen werden,

es sei denn, eine andere Fraktion schlägt sie vor.

Beifallbei der AfD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Und deswegen finde ich es legitim, dass man hier die Frage stellt, ob sie dieses Amt behalten kann. Das ist eine legitime Frage, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallder Abg. Daniela Ludwig [CDU/CSU]

Ich sage Ihnen aber auch: Ich finde es schon unwürdig, wie wir das hier emotional diskutieren.

Lachenbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Da kann sich die AfD bei Ihnen und beim Bundestagspräsidium bedanken. Nach unserer Auffassung ist der Antrag der AfD unzulässig, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Wir sind aber anderer Meinung!

Zwar wurde die Abwahlaufforderung gestrichen; aber meine Fraktion vertritt die klare Rechtsauffassung, dass auch Rücktrittsaufforderungen und Missbilligungsanträge in diesem Haus unzulässig sind.

Es hätte nach § 126 der Geschäftsordnung eine Zweidrittelmehrheit gebraucht, um diesen AfD-Antrag zuzulassen. Wir hätten ihn für unzulässig erklären sollen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn Sie das zugestehen, Frau Eichwede: Ich hätte mir anstelle dieser Debatte gewünscht, dass wir diesen Antrag für unzulässig erklärt hätten.

Wir haben seit über 70 Jahren in diesem Haus eine Tradition, von der die Ampel heute abgewichen ist. 1949 gab es einen Misstrauensantrag der KPD gegen den Bundestagspräsidenten Erich Köhler. Er war unzulässig. – 1950 gab es hier eine kontroverse Geschäftsordnungsdebatte und einen SPD-Appell an einen freiwilligen Rücktritt des Bundestagspräsidenten, fast wortgleich mit dem heute vorliegenden AfD-Antrag. Richtigerweise hat das Parlament diesen Antrag für unzulässig erklärt. Der Parlamentarische Geschäftsführer meiner Fraktion, Carl Schröter, hat zutreffend festgestellt: Es gibt keinen Unterschied zwischen einem politischen Abwahlantrag und einem vermeintlich weniger politischen Antrag auf freiwilligen Rücktritt. – Gerade angesichts der Geschichte der SPD hätten Sie sich doch bitte an den Fall erinnern sollen, auf den meine Fraktion hingewiesen hat:

Zurufevon der SPD

1950 hat die CDU/CSU-Bundestagsfraktion darauf hingewiesen, dass 1932 die Nationalsozialisten und die Deutschnationalen den Reichstagspräsidenten Paul Löbe, SPD, abwählen wollten. Zu Recht wurde der damalige Antrag für unzulässig erklärt. Das wäre heute auch richtig gewesen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist sehr weit hergeholt, Herr Amthor!

Diese Debatte hätten Sie verhindern können.

Aber wenn man in die Sachdebatte einsteigt, sage ich Ihnen schon: Ja, aus unserer Sicht sollte die Geschäftsordnung – unabhängig von der Person – um eine Regelung zur Abwahl von Mitgliedern des Bundestagspräsidiums ergänzt werden. Denn eine Abwahl von Bundestags- und Präsidiumsmitgliedern ist, anders, als es die AfD sagt, nicht allein auf der Grundlage eines Actus contrarius möglich, sondern nur dann, wenn man sie vorher in der Geschäftsordnung regelt.

Wie ist das bei Ausschussvorsitzenden?

Dafür sprechen die besseren rechtsdogmatischen Argumente, und es ist auch ein staatspolitisches Gebot, bevor man einen so hochrangigen Parlamentsrepräsentanten abwählen will, in der Geschäftsordnung erst einmal eine Regelung festzulegen, wie denn eine solche Abwahl stattfinden soll.

Wie war das denn bei Ausschussvorsitzenden? Da ging es doch auch ohne!

Und nichts anderes haben wir beantragt. Wir wollten hier keine Debatte über Frau Pau, sondern eine Regelung und eine Debatte über eine sinnvolle Weiterentwicklung des Parlamentsrechts.

Beifallbei der CDU/CSU

Dass Sie das so aufheizen, ist Ihr Problem. Das ist das Geschäft der AfD. Wir machen Sacharbeit im Parlament, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sehr richtig!

Ich will aber noch – das ist der letzte Gedanke – einen historischen Fall ins Rennen bringen, der vielleicht auch für Frau Pau interessant ist. Ich erinnere an den Bundestagsvizepräsidenten Victor-Emanuel Preusker. Er wurde 1958 für die Deutsche Partei, DP, Vizepräsident des Bundestages. Nach der Auflösung der DP-Fraktion ist er 1960 zur CDU/CSU gewechselt, und die SPD hat beantragt, die Geschäftsordnung zu ändern, damit er sein Amt verliert.

Hört! Hört!

Was für ein kluger Vorschlag der SPD! Dazu kam es nicht, weil der Abgeordnete Preusker – ich zitiere zum Schluss – folgenden Satz geprägt hat: Da die politischen Voraussetzungen für meine seinerzeitige Wahl zum Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages entfallen sind, lege ich hiermit dieses Amt nieder.

Beifallbei der CDU/CSU und der AfD

Das hat Größe!

Was für ein kluger Satz, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Porträt von Till Steffen
Foto: Dr. Till Steffen/ Stefan Kaminski
24 Vermerkeca. 799 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ja, Herr Brandner, es ist immer wieder die gleiche Show. Sie erzählen hier immer wieder falsche Geschichten. Es ist absolut nicht richtig, was Sie hier vorgetragen haben.

Was denn?

Es ist kein rechtswidriger Zustand entstanden, indem die hier vorgeschlagenen Kandidaten der AfD nicht gewählt wurden.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und bei fraktionslosen Abgeordneten

Schauen Sie in die Geschäftsordnung!

Sie haben sich das ja vom Bundesverfassungsgericht bestätigen lassen. Was hat das Bundesverfassungsgericht 2022 gesagt? Es hat gesagt, Ihr Normenkontrollantrag sei offensichtlich unbegründet, und Ihren Antrag zurückgewiesen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Das war kein Normenkontrollantrag!

Ja, jede Fraktion hat das Recht, einen Vorschlag für das Präsidium zu machen. Jede Fraktion hat das Recht dazu. Aber diese Vorschläge stehen unter dem Vorbehalt der Wahl durch dieses Haus. Und wir als Abgeordnete stellen uns eine ganz zentrale Frage: Sind die vorgeschlagenen Personen geeignet, die Würde dieses Hauses zu repräsentieren und auf die Einhaltung der Würde dieses Hauses zu achten?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Ich sage: Für diese Aufgabe, für diese Anforderungen ist Petra Pau hervorragend geeignet.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Sie ist eine langjährige Abgeordnete –

Altkommunistin!

seit 1998 – und eine erfahrene Abgeordnete. Sie ist anerkannt unter Abgeordneten und in der Bevölkerung. Sie ist eine Frau mit Haltung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Sie engagiert sich, auch wenn ihr Wind entgegenweht. Sie steht Schwächeren bei. Sie steht Menschen bei, die Schutz brauchen.

Funktion in einer Diktatur! Das loben Sie!

So hat sie zum Beispiel 2014 Flüchtlingen beigestanden, auch wenn Ihre Brüder und Schwestern im Geiste sie massiv bedroht haben. Da hat sie denen gegenüber Solidarität gezeigt, die Solidarität brauchten.

Das gilt auch für die Amtsausübung im Hause. Das Präsidium hat das Amt neutral auszuüben, und es hat darauf zu achten, dass Abgeordnete hier nicht herabgewürdigt werden. Das Präsidium muss die Instrumente, die ihm zur Verfügung stehen, nutzen, um Abgeordnete zu schützen, die hier von anderen, insbesondere aus Ihren Reihen, herabgewürdigt werden. Zum Schutz dieser Abgeordneten müssen die Instrumente eingesetzt werden. Petra Pau macht das in vorbildlicher Weise.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Von all diesen Werten haben die Kandidaten, die die AfD hier vorgeschlagen hat, keine Ahnung. Herr Brandner, Sie selber haben ja deutlich gemacht, dass Sie nicht in der Lage waren, in einer ähnlichen Funktion einem Ausschuss vorzusitzen. Sie wurden dann dementsprechend abgewählt.

Das war auch gut so!

Ja, was war denn da die Geschäftsgrundlage?

Und Sie haben ja auch hier immer wieder unter Beweis gestellt, dass Sie auf Kriegsfuß mit unserer Verfassungsordnung stehen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Sie drehen es, wie Sie wollen!

Vor wenigen Wochen haben Sie hier, von diesem Pult aus gesagt – ich zitiere Sie –, dass Sie die Entpolitisierung des Bundesverfassungsgerichts und überhaupt der gesamten Justiz fordern.

Weitere Zurufe von der AfD

Das ist das Drehbuch aller Rechtspopulisten: Angriff auf die Justiz, Angriff auf die Medien. Das ist es, was hier gespielt wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Die Verfassungsfeinde wollen auch noch in die Positionen gewählt werden. Und Sie waren einer der Kandidaten für dieses wichtige Amt. Sie wollten mit diesen Haltungen die Würde des Hauses repräsentieren.

Zurufevon der AfD

Da sagt die Mehrheit in diesem Parlament zu Recht: Das kann nicht sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Das reduziert sich ja nicht auf Sie als Person. Morgen soll Thomas Seitz für das Parlamentarische Kontrollgremium kandidieren, das den Verfassungsschutz und andere Dienste überwachen soll. Er war ja schon mal Staatsdiener. Dann gab es ein Gerichtsverfahren, und das Gericht hat gesagt, dass Herr Seitz die Pflicht zur politischen Mäßigung, Neutralität, Unparteilichkeit und Verfassungstreue nicht einzuhalten in der Lage sei. So jemand, der nicht in der Lage ist, sich an die Verfassungstreue zu halten, soll über den Verfassungsschutz wachen.

Sie reden am Thema vorbei!

Das ist genau die Art von Vorschlägen, die Sie machen und die die Mehrheit dieses Hauses zu Recht ablehnt. Das ist das Muster, nach dem die AfD hier immer agiert.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Und tatsächlich: Ja, wir waren erschüttert, weil wir in der Tat Wert darauf legen, dass die CDU/CSU in der Auseinandersetzung mit der AfD an unserer Seite steht. Herr Amthor, Sie haben ja eben sehr viele Worte gebraucht, nur um am Ende zu erklären, dass Sie das Gleiche machen, was die AfD möchte.

Sie sagen nämlich: Nein, wir fordern Petra Pau nicht direkt zum Rücktritt auf. Nein, nein, das machen wir auf keinen Fall. Das würden wir nie machen. Wir ändern erst mal die Geschäftsordnung, um dann zu regeln, wie denn eine Abwahl stattfinden soll. – Genau das haben Sie eben gesagt. Sie wollen zu dem gleichen Ergebnis kommen. Und der Umstand, dass Sie nicht in der Lage waren, dieses Anliegen hier zum Gegenstand einer eigenen Debatte zu machen, macht ja deutlich, was bei Ihnen eigentlich los ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und bei fraktionslosen Abgeordneten

Worum geht es denn eigentlich? Das ist ja offenkundig: Während die AfD sagt: „Da müsste einer von uns sitzen“, sagt bei Ihnen die CSU: „Da müsste einer von uns sitzen“. Deswegen haben Sie Megadruck intern

Wir haben gar keinen Druck!

und können diese Gelegenheit gar nicht auslassen. Sie können gar nicht Nein sagen zu dem Antrag der AfD. Nein, Sie müssen mit einem eigenen Antrag kommen und mit einer so verschwurbelten Rede, wie Sie sie eben gehalten haben. Ich finde, das ist Ihrer Fraktion nicht würdig, und das findet ja auch die ganz große Mehrheit Ihrer Fraktion. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Mir bleiben nur noch drei Worte: Petra Pau bleibt.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Dietmar Bartsch
Foto: DBT/ Inga Haar
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich will zunächst sagen: Herr Brandner, wenn Sie hier im Parlament von „Anstand“ und „Würde“ sprechen, ist das wirklich eine Unverschämtheit.

Das sehe ich nicht so!

Ich will das nur kurz feststellen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Petra Pau ist seit 2006 Vizepräsidentin des Bundestages,

Und seit 1983 in der SED!

und sie wird fraktionsübergreifend geschätzt. Ich will mich wirklich ausdrücklich bedanken bei Sonja Eichwede, bei Till Steffen und bei Wolfgang Kubicki – herzlichen Dank für diese Würdigung! Ich kann mich dem nur anschließen.

Beifallbei der SPD sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Das hier ist keine Rechtsfrage. Sie haben den Antrag auch nicht aus Rechtsgründen gestellt, sondern eines ist klar: Petra Pau ist eine derjenigen, die sich vehement gegen Antisemitismus und gegen Antiziganismus einsetzt. Das ist der zentrale Grund, weshalb Sie sie nicht wollen! Das ist der Grund, und das ist inakzeptabel!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Die Frau ist gewählt worden mit 484 Jastimmen – das sind mehr als zwei Drittel.

Beifallder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und dass Sie nicht gewählt werden, niemand von Ihnen, dafür gibt es Gründe! Stellen Sie ordentliche Kandidaten auf, dann gibt es auch eine Chance!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

So werden Sie nie gewählt werden. Das ist die Wahrheit, meine Damen und Herren!

Jetzt muss ich aber einen Satz sagen zu Philipp Amthor. Ich könnte so viel sagen,

Können Sie aber nicht! 1,5 Minuten!

aber ich lasse das alles weg. Es tut mir ein bisschen leid wegen der Zeit. Heute früh weist Friedrich Merz, Ihr Kanzlerkandidat, wie Sie ihn ja immer nennen, zurück, dass es eine Nähe zur AfD gibt. Und Sie nutzen diese Debatte, um diesen Antrag zu stellen! Das ist inakzeptabel!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Dann setzen Sie doch einen eigenen Antrag auf, das können Sie machen – aber doch nicht so! Sie machen eine Nähe auf, die Sie gar nicht wollen können. Das ist inakzeptabel, völlig inakzeptabel!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Meine Damen und Herren, ich will nur noch auf eines zurückkommen:

Zurufevon der AfD: Das waren schon 1,5 Minuten! Die Zeit ist abgelaufen! Die Zeit ist schon lange abgelaufen!

Norbert Lammert, der hier ebenfalls über alle Fraktionen geschätzt war, hat es wunderbar zusammengefasst.

Weitere Zurufe von der AfD

Norbert Lammert hat gesagt – das wurde heute schon erwähnt –: Dieses Amt darf „nicht von der Zugehörigkeit zu einer Fraktion“ abhängig gemacht werden.

Das ist so. Die Legitimation beruht auf der souveränen Entscheidung der Mitglieder des Deutschen Bundestages.

Zurufevon der AfD

Und ich sage klar: Diese Entscheidung ist für diese Legislaturperiode gefallen.

Herzlichen Dank!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD stößt gerne Diskussionen an, die ich „Neiddebatte“ nenne. Menschen gegeneinander ausspielen, Neid erzeugen: Das ist das Geschäftsmodell der AfD. Und heute führen wir wieder so eine Neiddebatte, und wieder hat sie die AfD angestoßen. Nur eines ist anders: Diesmal sind Sie diejenigen, die neidisch sind. Seit 2018 versuchen Sie, in das Präsidium des Deutschen Bundestags gewählt zu werden,

Falsch! Seit 2017!

und jedes Mal scheitern sie krachend, weil Ihre Kandidatinnen und Kandidaten keine Mehrheit erhalten.

Warum ist das so? Unsere Geschäftsordnung schreibt zwar vor,

Was heißt denn „zwar“?

dass jede Fraktion des Bundestages im Präsidium vertreten ist.

Sie beugen das Recht!

Die Geschäftsordnung schreibt allerdings auch vor, dass die Präsidentin und die Stellvertretungen in geheimer Wahl von uns gewählt werden.

Das schreibt die Verfassung vor!

Ihre Kandidatinnen und Kandidaten scheitern regelmäßig, weil sich die Mehrheit hier im Hause gegen sie entscheidet.

Beifallbei der SPD
Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

In erster Linie sind wir Abgeordnete unserem Gewissen verpflichtet.

Unser Gewissen sagt uns ganz folgerichtig, dass sich jeder und jede, die auch nur einen Funken Anstand besitzt, dagegen entscheidet, einen Vertreter oder eine Vertreterin einer Partei ins Präsidium zu wählen, bei der gerade der dritte Landesverband als gesichert rechtsextrem eingestuft worden ist!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Wie ein neidisches Kind, das nicht mitspielen darf, versuchen Sie deswegen jetzt, die Kollegin Petra Pau zum Rücktritt als Vizepräsidentin zu zwingen.

Zurufdes Abg. Jürgen Braun [AfD]

Ihre Argumentation hat allerdings keine Grundlage. Denn Petra Pau wurde im Gegensatz zu Ihren Kandidatinnen und Kandidaten ins Präsidium gewählt.

Hört! Hört!

Das gilt bis zum Ende der 20. Legislaturperiode.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und bei fraktionslosen Abgeordneten

Für mich sind deshalb zwei Dinge völlig klar: Erstens. Petra Pau muss das Amt der Bundestagsvizepräsidentin

… niederlegen!

nicht niederlegen.

Zweitens finden meine Fraktion und ich nicht, dass sie in irgendeiner Weise moralisch dazu verpflichtet wäre.

Petra Pau ist ein verdientes Mitglied dieses Hauses. Sie ist eine Vollblutparlamentarierin

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und bei fraktionslosen Abgeordneten

und vor allem eine lupenreine Demokratin.

Sie hat dieses Amt seit 2006 ununterbrochen inne. Und sie wird es auch noch bis zum Ende dieser Legislaturperiode innehaben. Am Ende der Legislaturperiode ist Petra Pau das am längsten amtierende Mitglied im Präsidium des Bundestages, und zwar überhaupt.

Zurufdes Abg. Jürgen Braun [AfD]

Ich gönne ihr von ganzem Herzen diesen Rekord

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der FDP und bei fraktionslosen Abgeordneten

Herr Amthor, wenn die Union die Geschäftsordnung ändern will, dann können Sie den Antrag im Januar stellen,

Machen wir!

Oder im Ältestenrat!

im März stellen, im April stellen; das können Sie alles machen. Aber warum springen Sie mit Ihrem Antrag der AfD auf den Buckel,

Tun wir doch gar nicht! Das ist das Märchen, das Sie erzählen!

Wir haben doch keinen Buckel! Den Buckel haben Sie!

damit hier heute, jetzt, zu dieser Stunde debattiert wird? Da schämen sich doch Ihre ganzen Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Zwei, vier, sechs, sieben CDU-Abgeordnete sind zu Ihrem Antrag heute hier anwesend. Was ist das für eine blamable Vorstellung, die Sie hier abliefern!

Märchenstunde!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, heute Vormittag – um noch mal zur Sacharbeit dieses Parlaments zu kommen – haben wir uns im Familienausschuss mit dem Thema Endometriose beschäftigt, einer sehr schlimmen Krankheit. Sie stiehlt viel Zeit, sie ist sehr schmerzhaft, und sie ist ohne jeden Nutzen, also völlig überflüssig. Die AfD ist die Endometriose der deutschen Politik.

Vielen Dank

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
22 Vermerkeca. 789 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zu später Stunde reden wir heute über den letzten Debattenpunkt. Aber es ist eine wichtige Debatte, eine vielschichtige Debatte, und viele hochkarätige Redner werden mir ja noch folgen. Diese Debatte ist so wichtig, dass tatsächlich bis gestern Abend versucht wurde, sie mit fast allen Mitteln zu unterdrücken

und unseren Antrag zu verhindern. Leider mussten wir unseren Antrag ein wenig zusammenstreichen, damit er hier überhaupt zum Debattieren zugelassen wurde.

Worum geht es? Es geht um nichts anderes, als geltendes Recht in diesem Bundestag durchzusetzen, und zwar endlich durchzusetzen. Wir schauen uns mal die Vergangenheit an: § 2 Absatz 1 der Geschäftsordnung sieht vor, dass jede Fraktion Anspruch auf mindestens einen Vizepräsidenten hat.

Beifallbei der AfD

Das Ganze ist durch einen einstimmigen Beschluss des Deutschen Bundestages vom 25. Oktober 2021 bestätigt worden: jede Fraktion! Beleuchten wir mal die beiden Worte: „jede“ und „Fraktion“.

Jede Fraktion hat Anspruch darauf. Wir als Alternative für Deutschland haben in dieser Wahlperiode inzwischen 15 Kandidaten für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten vorgeschlagen.

Die wurden nicht gewählt, Herr Brandner!

Das sind alles honorige Personen, sogar sehr honorige Personen,

Beifallbei der AfD
Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

darunter Michael Kaufmann, der ehemalige Vizepräsident des Thüringer Landtags, der sogar mit Ramelows Segen, mit Ramelows Stimme ins Amt gewählt wurde. Keinen haben Sie gewählt, entgegen dem, was Sie in Ihre eigene Geschäftsordnung geschrieben haben, was da seit Jahrzehnten drinsteht.

Da steht nicht drin, dass ich die AfD wählen muss!

Im Übrigen enthalten Sie uns entgegen der Geschäftsordnung auch die Ausschussvorsitze vor.

Wir haben Sie sogar abgewählt!

Ja, da sind Sie noch stolz drauf! Antidemokraten!

Sie machen einfach nicht das, was drinsteht. Sie haben für die Ausschussvorsitze ein Verfahren eingeführt, das dem widerspricht, was jahrzehntelang im Deutschen Bundestag gelebte Praxis war. Sie haben inzwischen faktische Ausschussvorsitzende eingeführt, die in der Geschäftsordnung gar nicht geregelt sind. Ihre faktischen Ausschussvorsitzenden, also eigentlich die Stellvertreter unserer Ausschussvorsitzenden, setzen Sie in die Büros der Ausschussvorsitzenden, lassen Sie auf die Ressourcen zugreifen. Sie plündern diesen Staat aus.

Beifallbei der AfD

Sie haben sich nicht nur den Staat zur Beute gemacht; Sie haben sich auch das Parlament zur Beute gemacht. Wir haben doch gerade – Frau Alt von der FDP-Fraktion ist nicht mehr da – über Menschenrechte gesprochen. Ich habe mitgeschrieben: Es muss für diejenigen gekämpft werden, denen Rechte verweigert werden.

Zurufder Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Beim vorletzten Tagesordnungspunkt haben Sie noch gesagt: Ja, Recht muss umgesetzt werden. Und in dieser Situation machen Sie genau das Gegenteil.

Beifallbei der AfD

So, ich hatte Ihnen gesagt, dass die AfD honorige Personen als Kandidaten gestellt hat. Was ist auf der anderen Seite präsentiert worden?

Es tut halt weh, wenn man nicht gewählt wird, Herr Brandner!

Auf der anderen Seite haben wir eine zweifelhafte Fraktion, die gerade mal so über Ausnahmevorschriften in den Deutschen Bundestag hineingerutscht ist. Keiner weiß, wie das passieren konnte. Jedenfalls hat sie die 5-Prozent-Hürde nicht erreicht. Und diese zweifelhafte Fraktion hat dann auch noch einen Apparatschik par excellence zur Bundestagsvizepräsidentin vorgeschlagen,

Beifallbei der AfD

nämlich Frau Pau – Frau Pau, die, wenn ich richtig informiert bin, in diesem Jahr ihr 40-jähriges Parteijubiläum in der SED feiert,

Beifallbei der AfD

1983 in die SED eingetreten, die ehemalige Staatspartei der DDR, die sich die Staatssicherheit, diesen verbrecherischen Staatssicherheitsdienst als Schild und Schwert gehalten hat.

Diese Frau Pau haben Sie hier ins Amt gehievt. Und diese Frau Pau ist auf dem Fraktionsschiffchen in das Präsidium hineingesegelt.

Wir mussten noch nie jemanden abwählen!

Wir reden hier über einen Wegfall der Geschäftsgrundlage. Wir haben keine Linkenfraktion mehr im Deutschen Bundestag. Und es ist auch verdammt gut so, dass wir keine Linkenfraktion mehr im Deutschen Bundestag haben.

Beifallbei der AfD

Die kümmerlichen Reste sitzen da oben wie die Hühner auf der Stange aufgereiht. Sehen Sie das? Das sind die kümmerlichen Reste der Linkenfraktion. Und die Partei Die Linke wird folgen. Sie wird das vollenden, was in der DDR leider verabsäumt wurde, nämlich die SED zu verbieten und in den Orkus der Geschichte zu stecken, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Das ist so was von schäbig!

Es ist eigentlich nur ein Akt der politischen Hygiene, der politischen Selbstverständlichkeit, den wir hier wollen.

Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir möchten, dass jede Fraktion einen Bundestagsvizepräsidenten stellt und jeder, der keine Fraktion ist, keinen Vizepräsidenten stellt.

Aber es muss gewählt werden!

Es ist ganz einfach: eine Fraktion, ein Vizepräsident – keine Fraktion, kein Vizepräsident.

Beifallbei der AfD

Das müsste auch für Sie verständlich sein. Helfen Sie also mit, dieses Paradoxon aufzulösen! Ein erster Schritt ist, Frau Pau aufzufordern, von dem Amt zurückzutreten, Anstand und Würde zu zeigen

Widerspruchbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

und zu sagen: Ja, ich gehe gemeinsam mit der Linken unter. Das wäre das Zeichen, das gesetzt werden muss.

Beifallbei der AfD

Wenn es nicht dazu kommt, müssen wir darüber nachdenken, ob ein Abwahlverfahren in Gang gesetzt wird. Angeblich wäre das nicht möglich. So ein Quatsch! Wer kann denn ernsthaft die These vertreten, dass ein Abwahlverfahren nicht möglich sein soll? Sie haben ja sogar da Abwahlverfahren eingeführt, wo nicht mal ein Wahlverfahren vorgesehen war, nämlich bei den Ausschussvorsitzenden.

Beifallbei der AfD

Natürlich kann jemand abgewählt werden, der gewählt worden ist. Und genau das wird dann auch passieren.

Wir freuen uns sehr, dass die CDU/CSU nach einer Phase der Lethargie und der Zerstrittenheit – der eine wollte Frau Pau, der andere nicht, der dritte wusste nicht so genau –

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
1 Vermerkca. 29 WörterReaktionswert: niedrig
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– auf unsere Idee aufgesprungen ist und sich dranhängt.

Deshalb werden wir getreu dem Motto des alten Moltke – ich habe mir das aufgeschrieben – „getrennt marschieren, vereint schlagen“ heute so agieren.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
3 Vermerkeca. 44 WörterReaktionswert: niedrig
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Wir werden dem CDU/CSU-Antrag auf jeden Fall zustimmen. Das ist immer noch besser als kein Antrag.

Beifallbei der AfD

Er ist ein bisschen schlechter als unser Antrag, aber so geht es. Gemeinsam werden wir es schaffen, diese Frau Pau politisch – politisch! – zu entsorgen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
19 VermerkeZwischenfrageca. 506 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zum Antrag der AfD-Fraktion muss ich eigentlich nicht viel sagen. Als ich ihn gelesen habe, war mir klar: Der muss von Stephan Brandner geschrieben worden sein, weil er juristische Kenntnisse vortäuscht, die offensichtlich nicht vorhanden sind.

Hätten Sie die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 22. März 2022 im Organstreitverfahren,

Herr Steffen sagte noch „Normenkontrollverfahren“! Das müssen Sie Herrn Steffen mal beibringen!

mit dem Sie sich ja in das Präsidium einklagen wollten, gelesen oder ansatzweise verstanden, dann hätte Ihnen einleuchten müssen, dass dieser Antrag ohne rechtliche Substanz ist.

Eine Wahl, die für die Dauer einer Wahlperiode gilt, gilt für die Dauer einer Wahlperiode,

nicht kürzer und nicht länger.

Dann hätte Herr Jenninger gar nicht zurücktreten dürfen, oder?

Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Und die Tatsache, dass wir heute hier debattieren, zeigt: Der Bundestag hat sich noch nicht aufgelöst.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Sie sind der Nächste ohne Fraktion, Herr Kubicki!

Abgesehen davon: Wie sinnvoll ist es, einen Antrag zu schreiben, in dem die Bundestagsvizepräsidentin aufgefordert wird, zurückzutreten? Das ist immer noch eine individuelle Entscheidung. Würden solche Aufforderungen Wirkung zeigen, Herr Brandner, würde ich mich dafür einsetzen, dass wir als Deutscher Bundestag beschließen, die AfD-Abgeordneten sollten ihre Mandate zurückgeben, weil sie offensichtlich an einer vernünftigen parlamentarischen Arbeit kein Interesse haben.

Aber darum ging es ja eigentlich gar nicht, Herr Brandner. Es ging darum, weinerlich darauf hinzuweisen, dass im Gegensatz zu Petra Pau bisher keiner Ihrer Kandidaten die erforderliche Mehrheit dieses Hauses erhalten hat. Und ich treffe im Angesicht dieser Debatte die mutige Feststellung: Das wird auch so bleiben.

Wir können Ihrem Antrag schon deshalb nicht zustimmen, weil Sie darin festhalten, dass das Präsidium nicht ordnungsgemäß besetzt sei und deshalb alle Entscheidungen des Präsidiums unter einem rechtlichen Vorbehalt stünden.

Heiterkeitder Abg. Gabriele Katzmarek [SPD]

Und Sie wollen ferner erklären, der Skandal des fortgesetzten Rechtsbruchs würde weiter vertieft.

Zurufdes Abg. Jürgen Braun [AfD]

Ich empfehle Ihnen einfach nur mal die Lektüre des Verfassungsgerichtsurteils, weil die Rechte, die Sie reklamieren – wie das Verfassungsgericht zu Recht gesagt hat –, unter dem Vorbehalt einer Wahl des Deutschen Bundestages stehen.

Und da Sie diese Wahlen nicht bestehen, ist alles, was hier passiert, rechtmäßig.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Das hat Ihnen das Verfassungsgericht ins Stammbuch geschrieben, und daran sollten Sie sich vielleicht mal halten.

Kommen wir zum Antrag der Unionsfraktion. Ich hätte es nicht geglaubt; aber dieser Antrag ist noch ein kleines bisschen schlechter als derjenige der AfD-Fraktion.

Ich will zunächst festhalten: Wir Freie Demokraten haben mit den Linken zwar nichts gemein; wir sind aber auch nicht gemein zu den Linken.

Ich habe es an anderer Stelle schon mal gesagt: Man kann von uns nicht erwarten, dass das Ende der Linksfraktion von uns politisch betrauert wird. Aber trotzdem gibt es seit geraumer Zeit menschliche Verbindungen. Für einige der Kolleginnen und Kollegen tut es mir wirklich leid.

Ich finde es beschämend, dass dieses Parlament diese Anträge debattieren muss.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Zurufdes Abg. Philipp Amthor [CDU/CSU]

Der Antrag der Unionsfraktion ist eine intellektuelle Enttäuschung, Herr Amthor, auch wenn Sie immer glauben, Sie seien der neue Staatsrechtler im Kommen.

Entweder, Herr Amthor, es ist evident verfassungswidrig, dass Petra Pau ohne Fraktionsmitgliedschaft Vizepräsidentin bleibt,

wie Sie ja in Ihrem Antrag schreiben, oder aber es bedarf einer Klarstellung in der Geschäftsordnung. Beides gleichzeitig geht nicht. Und wenn es evident verfassungswidrig ist:

Tun wir gar nicht! Noch nie behauptet!

Warum klagen Sie dann nicht gleich und unterlassen diese unwürdige Show?

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
1 Vermerkca. 10 WörterReaktionswert: niedrig
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Dass Sie sich vor den Karren der AfD spannen lassen –

Das haben Sie genau gesehen! Und jetzt drücken Sie sich!

2 VermerkeZwischenfrageca. 63 WörterReaktionswert: lebhaft
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– und dabei zu einer Delegitimierung des Bundestagspräsidiums insgesamt beitragen, ist wirklich enttäuschend.

Denn mit Ihrem Angriff auf Vizepräsidentin Pau erwecken Sie nämlich auch den Eindruck, beispielsweise die Kollegin Yvonne Magwas wäre die Vizepräsidentin der CDU/CSU-Fraktion im Präsidium des Bundestages und nicht Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Mit dem Wahlakt ist die Zugehörigkeit zur Partei ohne jede Bedeutung. Das würde ansonsten die Fraktionen – –

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
ca. 7 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sofort. Ich habe es gesehen, Frau Präsidentin.

3 VermerkeZwischenfrageca. 123 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Doch, doch. Ich will nur den Satz zu Ende bringen, damit Herr Amthor darauf auch intellektuell angemessen reagieren kann.

Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit diesem Satz erlauben Sie es den Fraktionen, darüber zu bestimmen, ob jemand Vizepräsident bleiben darf oder nicht, weil man jemanden einfach aus der Fraktion ausschließen kann, wenn er einem nicht gefällt. Und genau das ist in 70 Jahren Parlamentsgeschichte von den Vätern und Müttern, die Sie immer gerne heranziehen, auch Ihrer Partei, nicht gewollt worden, weshalb die Regelung geschaffen worden ist: Es bleibt bei der einmaligen Wahl für die Dauer der Legislatur.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Sie reden von einer Brandmauer zur AfD. Sie sind gerade dabei, ohne Not selbst einen Brand zu legen. Und nun erlaube ich die Zwischenfrage.

– Dankenswerterweise entscheiden Sie das nicht, Herr Brandner.

Porträt von Philipp Amthor
Foto: Philipp Amthor/Tobias Koch
11 Vermerkeca. 224 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Kollege Kubicki, also, wortreich haben Sie das ja jetzt spannend erklärt. Aber wenn Sie dann jetzt schon so herausfordernd aufs Staatsrecht abstellen, will ich Sie gerne mal zu dem Thema fragen.

Keine Vorlesung!

Wenn Sie mir gut zugehört haben, wissen Sie, dass ich das nicht für verfassungswidrig erklärt habe, sondern gesagt habe: Die Verfassung regelt dazu nichts.

Herr Kubicki hat das Zweite Staatsexamen!

Und wir sind der Auffassung: Eine Abwahl und auch der Antrag der AfD wären nur möglich, wenn es eine Geschäftsordnungsänderung gibt.

Herr Amthor, merken Sie eigentlich, was Sie da tun?

Ich will Ihnen aber eines sagen: Ich finde es echt unwürdig, dass wir hier solche Ad-personam-Debatten überhaupt führen.

Ja, was Sie machen, ist unwürdig!

Das ist unwürdig gegenüber Frau Pau.

Widerspruchbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das wäre auch unwürdig gegenüber Herrn Kubicki. Und ich will Ihnen sagen: Wir hätten auf unseren Antrag sehr gut verzichten können,

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

wenn man sich auf das hätte einigen können, was hier jahrzehntelang Praxis war, nämlich die Geschäftsordnungswidrigkeit des AfD-Antrags festzustellen.

Welche Frage haben Sie denn jetzt?

Deswegen, Herr Kubicki, frage ich Sie:

Was ist denn aus Ihrer Sicht der geschäftsordnungsrechtliche Unterschied, der den AfD-Antrag zulässig macht, wo seit Jahrzehnten die von mir benannten Anträge – KPD, SPD, alles andere – unzulässig waren?

Zurufder Abg. Katrin Göring-Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und wie können Sie jetzt sicherstellen, dass in Zukunft nicht jede Woche hier Anträge gestellt werden über die Eignung von Vizepräsidenten, Ausschussvorsitzenden und anderen mehr?

Was macht den AfD-Antrag zulässig, wo er jahrelang geschäftsordnungsrechtlich unzulässig war?

Sie hatten Ihre Redezeit!

Sie haben diese Debatte damit doch erst provoziert.

19 Vermerkeca. 560 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Lieber Kollege Amthor, dass Sie mir jetzt unterstellen, ich hätte diese Debatte provoziert, finde ich ziemlich komisch;

Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP
Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

denn die Debatte findet deshalb statt, weil solche Anträge gestellt worden sind.

Und wenn Sie jetzt erklären, die Union wäre ihrem doch tiefgründigen Gedanken nicht mehr nachgegangen, hätte die AfD den Antrag nicht gestellt,

Zurufvon der SPD: Richtig!

dann stellen Sie sich auch ein schlechtes Zeugnis aus. Entweder es geht Ihnen um die Sache – dann spielt es keine Rolle, ob sie den Antrag gestellt hat oder nicht –,

oder es geht Ihnen nicht um die Sache; dann ist es eine reine Showveranstaltung, was ich glaube, dass es tatsächlich ist.

Ein letzter Satz, Herr Amthor. Sie schreiben in Ihrem Antrag, nachdem Sie über anderthalb Seiten das Framing der AfD definitiv bedienen,

obwohl Sie es wahrscheinlich nicht begreifen – aber ich erkläre es Ihnen gerne séparé noch mal –:

„Abgeordnete, die keiner Fraktion angehören, können den vom Bundesverfassungsgericht dargelegten Anforderungen erkennbar nicht entsprechen.“

Das ist die Erklärung dafür, dass das verfassungswidrig ist, was wir hier gerade treiben. Und Sie wissen, dass das nicht stimmt; das ist ja das Problem bei Ihnen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Das ist falsch!)

– Das steht doch hier in Ihrem Antrag, mein Gott!

Aber sagen Sie noch was zur Geschäftsordnung! Sie haben sich dazu nicht geäußert! Sie umschiffen das!

Herr Kollege Amthor, fragen Sie freundlicherweise die von Ihnen entsandte, vorgeschlagene und vom Bundestag mit Mehrheit gewählte Kollegin aus dem Präsidium des Deutschen Bundestages, Yvonne Magwas. Fragen Sie sie einfach mal, weil wir uns darüber natürlich austauschen.

Na klar! Eine Krähe, andere Krähe! Sie tauschen sich aus!

Es gab dazu im Präsidium unterschiedliche Auffassungen; aber wir folgen immer den Ratschlägen unseres eigenen juristischen Dienstes.

Und bevor wir uns das Risiko an die Backe holen, dass die AfD nach Karlsruhe geht und Recht bekommt, führen wir lieber diese Debatte, und wir führen sie im Zweifel auch zu Ende.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ganz dünn!

– Ja, das mag ja alles sein, dass es ganz dünn ist.

Das ist typisch Kubicki!

Ich empfehle Ihnen einfach politische Bildungsarbeit bei Ihrer eigenen Stiftung.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten

Denn der Kollege Lammert, der ja offensichtlich Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung ist, hat dazu das Entscheidende gesagt; vielleicht hören Sie mal auf den. Er hat nämlich erklärt: Frau Pau sei „mit überzeugender Mehrheit aller Mitglieder des Hauses inzwischen mehrfach für die Dauer der Legislaturperiode als Vizepräsidentin gewählt und im Amt bestätigt worden“. Dieses Amt dürfe laut Lammert nicht „von der Zugehörigkeit zu einer Fraktion“ abhängig gemacht werden.

Die Legitimation beruhe vielmehr auf der „souveränen Entscheidung aller Mitglieder des Deutschen Bundestages“. Norbert Lammert ist, wie gesagt, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Nehmen Sie an den dortigen Bildungsveranstaltungen teil! Dann ersparen Sie uns hier entsprechende Debatten.

Es ist offensichtlich, dass es in dieser Debatte nicht um rechtliche oder rechtsstaatliche Erwägungen geht; es geht heute vielmehr um Stil und Anstand.

Den Stil vom Rotweinglas, den kennen Sie!

Zurufeder Abg. Patrick Schnieder [CDU/CSU] und Daniela Ludwig [CDU/CSU]

Ich sage jetzt hier ausdrücklich an Friedrich Merz gerichtet, der bedauerlicherweise nicht da ist: Ich habe es heute Morgen nachvollziehen können, dass er sich über die Worte der Vorsitzenden der SPD auf dem SPD-Parteitag wirklich echauffiert hat. Nun wissen wir alle: Parteitage haben eine eigene Dynamik. Da muss man mal gelegentlich ein bisschen Schwung in die Bude bringen.

Ich weiß das wahrscheinlich besser als jeder andere.

Heiterkeitbei Abgeordneten der FDP und der SPD

Sie sind doch bei Parteitagen meistens auf Kreuzfahrten unterwegs, Herr Kubicki! Wann waren Sie denn schon mal beim Parteitag?

Gleichwohl richte ich zum Schluss ein persönliches Wort an Friedrich Merz. Ich sage ausdrücklich: Wer Kanzler der Bundesrepublik Deutschland werden will, beteiligt sich nicht an einem solchen Schmierentheater, das die zentrale demokratische Institution infrage stellt.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Zurufdes Abg. Philipp Amthor [CDU/CSU]

Mein letzter Satz, Frau Präsidentin – ich möchte von Ihnen nicht gerügt werden oder das Mikrofon abgestellt bekommen –, wirklich: Ich hoffe inständig, dass Vizepräsidentin Pau sich von diesen unbotmäßigen Angriffen nicht beeindrucken lässt.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei fraktionslosen Abgeordneten
Porträt von Daniela Ludwig
Foto: Daniela Ludwig/ Anne Hufnagl
10 VermerkeZwischenfrageca. 444 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe jetzt ganz viel über Stil und Anstand gehört. Ich hätte mir gewünscht, dass der eine oder andere Redner vor mir diesen Maßstab im Umgang mit Kollegen, die andere Meinungen vertreten, auch an sich selbst angelegt hätte.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Das gilt insbesondere für Sie, Herr Kubicki. Das fand ich sehr enttäuschend.

Zurufevon der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich bin auch sehr enttäuscht, dass der eine oder andere nicht in der Lage ist, einen Antrag von Anfang bis Ende zu lesen.

Zurufder Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Er kann dann anderer Meinung sein; aber ich erwarte, dass er ihn liest und nicht Lügen über den Inhalt dieses Antrags verbreitet. Auch das hat etwas mit Stil und Anstand in dieser Debatte zu tun, und das vermisse ich hier ein zweites Mal.

Da stellt sich dann schon die Frage, wer den demokratischen Institutionen mehr schadet: dieser Redestil und diese Auseinandersetzung mit einem seriösen Antrag oder der Antrag an sich.

Ich möchte noch einmal sehr deutlich machen: Wir hätten guten Grund, uns heute über die Frage zu unterhalten, wie wir mit dieser Situation umgehen, die der Deutsche Bundestag noch nie hatte, nämlich dass sich eine Fraktion auflöst.

Zurufvon der SPD: Der Kollege Amthor hat doch gerade was dazu gesagt!

Da gäbe es viele Fragen, die zu klären sind, die übrigens auch die Geschäftsordnung nicht regelt.

Das stimmt doch gar nicht! Das steht doch alles drin!

Da gibt es die Frage nach den Redezeiten hier im Plenum. Da gibt es die Frage nach den Redezeiten im Ausschuss. Da gibt es die Frage: Welche Fragerechte bleiben eigentlich für die Gruppen übrig, wenn sie sich denn bilden?

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Was sich in der Tat nicht stellt, ist die Frage: Wer tritt zurück, und wer tritt nicht zurück? Das ist unbotmäßig. Und da bin ich ganz beim Kollegen Amthor: Solch einen Antrag überhaupt zuzulassen, war mit Sicherheit einer der größten Fehler, den Sie gemacht haben; denn er bringt uns jetzt genau zu der Debatte, die wir im Bundestag eigentlich nicht führen sollten, nämlich über die Qualifikation oder Nichtqualifikation von Frau Pau. Die ist unstrittig.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Aber dass wir jetzt hier sitzen und so miteinander reden müssen, geht nur darauf zurück, dass Sie nicht den Mut hatten, diesen Antrag für unzulässig zu erklären. Sie hatten ihn nicht – wir hätten ihn gehabt!

Und weil es jetzt immer hieß, wir müssten mal über die Geschäftsordnung sprechen: Ja, es ist relativ klar: Wir haben im Grundgesetz eine Regelung, die besagt: Der Bundestag wählt seine Präsidenten und deren Stellvertreter. § 2 Absatz 1 Satz 1 unserer Geschäftsordnung präzisiert das: Das gilt für die Dauer einer Wahlperiode. – So weit, so richtig. So ist es mit Wahlen in einer Demokratie, und da muss man dann auch durch, egal ob es einem passt, wie die Wahlen ausgegangen sind oder eben nicht. Das schützt sowohl das Amt, aber auch die Person vor unbotmäßigen Angriffen.

Der hat doch gerade selbst geredet!

Porträt von Daniela Ludwig
Foto: Daniela Ludwig/ Anne Hufnagl
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Nein. – Das ermöglicht den Mitgliedern des Präsidiums zudem, vielleicht auch mal gegen die Fraktion, von der sie vorgeschlagen wurden, zu handeln, und auch das ist richtig und gewollt.

Allerdings gibt es in § 2 unserer Geschäftsordnung auch noch den Absatz 1 Satz 2. Der besagt: Mindestens eine Vizepräsidentin oder ein Vizepräsident einer Fraktion muss im Präsidium vertreten sein.

Auch hier: So weit, so gut. Eine umfassende Vertretung soll damit sichergestellt sein.

Allerdings haben wir ein zweigleisiges Verfahren: Zunächst einmal muss derjenige nämlich von einer – Achtung! – Fraktion vorgeschlagen worden sein. Diese Voraussetzung erfüllten die Kandidaten, jedenfalls bis vor wenigen Tagen. Und so hat es auch das Bundesverfassungsgericht relativ eindeutig gesehen: § 2 Absatz 1 Satz 2 der Geschäftsordnung ist darauf beschränkt, dass eine Fraktion einen Kandidaten vorschlagen kann.

Zurufevon der SPD

Über die Besetzung wird in freier Wahl entschieden. Damit führt dieser Paragraf unserer Geschäftsordnung weder zu einem Anspruch auf einen Sitz im Präsidium – das trifft Sie.

Sehe ich anders!

– Das sehen wir wiederum anders. – Noch heißt es, dass dieser Sitz automatisch verloren geht, wenn die Fraktion sich auflöst.

Ihnen ist das egal; wir aber kommen ehrlicherweise zu einer anderen Einschätzung. Wir glauben, dass wir uns – und nichts anderes steht in unserem Antrag –

Zurufvon der SPD: „Glauben“ heißt nicht „wissen“!

in unserem Ausschuss für Geschäftsordnung zwingend einmal darüber unterhalten sollten, wie wir mit einer solchen Situation umgehen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und dafür brauchen Sie einen Plenarbeschluss? Was ist das denn?

Ich kann ehrlicherweise nicht sehen, wo darin das Problem liegen soll.

Zurufevon der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Frau Pau repräsentiert keine Fraktion mehr. Sie kann damit auch keine Vermittlungsrolle für ihre nicht mehr vorhandene Fraktion im Präsidium wahrnehmen. Und damit haben wir im Präsidium eine deutlich verzerrte Situation.

Oh, oh, oh!

Weitere lebhafte Zurufe von der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das kann man akzeptieren, man muss es aber nicht akzeptieren. Wir akzeptieren es so nicht und haben deswegen angeregt, eine entsprechende Debatte im Geschäftsordnungsausschuss zu führen. Ich sehe nichts Verwerfliches darin und kann uns nur dazu auffordern, das auch in aller Sachlichkeit zu tun.

Vielen Dank.

Das lohnt sich nicht!

– Nein, er zieht zurück. – Okay, dann kommen wir zum nächsten Redebeitrag, und zwar von Dr. Dietmar Bartsch, der fraktionslos ist.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und bei fraktionslosen Abgeordneten