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177. Sitzung der 20. Wahlperiode

Mittwoch, 26. Juni 2024 · Berlin

247 Reden in dieser Sitzung

247Reden56.646Wörter
836Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Porträt von Olaf Scholz
Foto: SPD/ Photothek
Olaf ScholzSPD· Bundeskanzler· MdB
90 Vermerkeca. 3.860 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, aber auch vieler anderer Länder in Europa haben in den letzten Jahren viele Krisen erlebt: Corona, ein Krieg in unserer Nähe, unmittelbar, den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, nicht weit weg von hier, von Berlin. Und wir wissen, dass es gar nicht weit weg davon noch einen anderen großen Konflikt gibt, der uns jeden Tag beschäftigt: nach dem brutalen Überfall der Hamas auf israelische Bürgerinnen und Bürger ein Krieg im Nahen Osten. – Und selbstverständlich gehören zu all diesen Dingen auch die Konsequenzen des russischen Angriffskriegs: Inflation, die sich daraus entwickelt hat, Energiekrisen, die wir bewältigen mussten.

Ständige Krisenerfahrungen haben Vertrauen erschüttert; das kann man gar nicht anders sagen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass wir darüber reden. Die Europawahlen, die jetzt nicht lange zurückliegen, haben das auch bestätigt: Es hat eine klare Auswirkung, dass so viele Krisen gleichzeitig das Vertrauen und das Sicherheitsgefühl infrage gestellt haben; das gilt für Europa, das gilt auch für Deutschland. – Und dem müssen wir uns stellen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Auch bei uns haben in 70 Städten und Landkreisen die Bürgerinnen und Bürger am meisten eine Partei gewählt, die vieles von dem, was uns hier in dieser Debatte zusammenführt, infrage stellt,

Die Bürger haben Sie infrage gestellt, Herr Scholz, mit mageren 13 Prozent!

zum Beispiel die europäische Perspektive und die gesellschaftliche Integration, die damit verbunden ist. Übrigens hängt die europäische Perspektive unmittelbar mit der deutschen Einheit zusammen und mit dem Glück, das wir Deutschen haben, dass wir wieder zusammengekommen sind. Ich sage es ganz klar: Europa ist für Deutschland eine zentrale nationale Aufgabe.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das gilt auch für die Frage unserer Mitarbeit im transatlantischen Bündnis und der NATO, über die ich auch hier sprechen werde. Auch die ist zentral für das Staats- und Sicherheitsverständnis Deutschlands. Wir bekennen uns zum transatlantischen Bündnis und zur Perspektive unseres Landes in der NATO.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie haben eine Partei gewählt, die gemeine Sache macht mit den politischen Vorschlägen des russischen Präsidenten und die auf ganz klare Weise das nicht richtig findet, was die meisten Bürgerinnen und Bürger, aber auch die allermeisten hier im Hause richtig finden, nämlich dass es notwendig ist, die Ukraine zu unterstützen. Auch das müssen wir konstatieren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und natürlich geht es auch um Demokratie und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft; denn wenn die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes gegeneinander aufgebracht werden, dann ist das eine Gefahr für die Demokratie und den Zusammenhalt.

Wer regiert denn?

Und wenn gegen einen Teil der Bürgerinnen und Bürger – 25 Prozent derjenigen, die hier leben – gehetzt wird,

Gehetzt wird gegen die AfD!

dann ist das für Zusammenhalt und Demokratie eine Herausforderung. Wir werden das nicht hinnehmen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das Wahlergebnis ist also ein Einschnitt, und es zeigt eben, wie ich eingangs schon gesagt habe, dass ganz offenbar angesichts all der vielen Krisen vielen die Zuversicht abhandengekommen ist. Deshalb ist auch klar, worum es geht bei dem, was wir heute besprechen, aber auch bei dem, was wir jetzt, in diesem Jahr und den nächsten Jahren zu tun haben: Wir müssen dafür sorgen, dass Zuversicht wieder wächst in Deutschland und in Europa, in vielen Ländern der Welt, und wir müssen Zuversicht dort, wo sie fehlt, neu begründen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ja, wie denn?

Eines ist auch ganz klar: Ein Zurück in die gute alte Zeit, die meistens nie so gut war, wird es nicht geben.

Wir brauchen eine politische Perspektive, wie man in unsicheren Zeiten eine gute Zukunft gewinnen kann. Das muss das sein, worum es uns hier geht. Worum es nicht geht, will ich auch sehr klar sagen: einen Wettbewerb mit den Populisten und Extremisten, die die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger für ihre Zwecke missbrauchen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Sagen Sie etwas zu den Messermördern!

Vielmehr geht es eben immer um Antworten in der Sache; ja, es geht um Antworten in der Sache.

Wir sind eine offene Gesellschaft, eine Gesellschaft, die zusammenhält, die auf den Talenten und den Fähigkeiten vieler aufgebaut ist, auch derjenigen, die zu uns gekommen sind. Gleichzeitig gehört aber eben auch das Management der irregulären Migration dazu.

„Management“!

Dort haben wir mit vielen weitreichenden Entscheidungen Ergebnisse erzielt, über die zu reden ist und an denen weiterzuarbeiten ist.

Die Zahl der Asylbewerber ist um 18 Prozent in den ersten Monaten dieses Jahres zurückgegangen, und bei den Abschiebungen, die wir durchführen, hat es eine Steigerung um zwei Drittel gegeben.

Weil Sie Grenzkontrollen wegen der Fußball-EM machen!

Das zeigt: Konkrete praktische Antworten in der Sache sind das, was möglich ist, und das, worauf wir uns konzentrieren sollten.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Zeiten sind eben wirklich ernst und deshalb auch viel zu ernst für Scheinlösungen und Slogans. Was wir tun müssen, ist, die Sicherheit zu stärken – die Sicherheit im Inneren, im Äußeren, um die es hier geht.

Zurufvon der AfD: Abschieben!

Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Infrastruktur wächst und unsere Wirtschaft modernisiert wird.

Ja, dann machen Sie das doch! Sie regieren doch!

Wir müssen dafür sorgen, dass wir eine neue, moderne Energieversorgung haben. Das alles sind große Vorhaben; aber um die geht es. Und es geht darum, dass wir alles tun, damit wir da erfolgreich sind.

Machen! Machen! Machen!

Denn das ist die Basis der notwendigen Zuversicht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Klar, dazu gehört es dann auch, um den richtigen Weg zu ringen. Das wird umso schwieriger, wenn all die Fragen, die mit Entscheidungen beantwortet werden müssen, nicht schon für jeden klar sind. Das Ringen um den richtigen Weg ist normal; aber es darf durch die Art und Weise, wie es geschieht, die Krisen und die Krisenwahrnehmung nicht noch mal verschärfen. Deshalb bin ich sehr froh darüber, dass wir jetzt in dieser Situation sagen können, dass bei der einen großen Aufgabe hier in diesem Land, die jetzt unmittelbar vor uns steht, nämlich der Frage, wie wir den Haushalt in so herausfordernden Zeiten aufstellen wollen, sehr kollegiale Gespräche in der Bundesregierung stattfinden und es sachorientiert ist.

Lachenbei der AfD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

– Sie sind im Wesentlichen auf Mutmaßungen angewiesen, weil wir es unter uns machen, so wie es sich in einer gut geführten Regierung auch tatsächlich gehört.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir reden übrigens nicht nur über den Haushalt, sondern auch über das, was wir an wirtschaftlicher Dynamisierung brauchen, also über einen Wachstumsturbo für unser Land. Denn es ist ja offensichtlich: Genau das brauchen wir jetzt.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wir werden den Haushaltsentwurf im Juli vorlegen. Dabei haben wir klare Prioritäten: Sicherheit im Inneren und Äußeren – ich habe schon darüber gesprochen – ist ein zentrales Thema. Ohne Sicherheit ist alles nichts.

Ohne Scholz wäre alles gut!

Und das werden wir mit dem, was wir hier auf den Weg bringen, auch zum Ausdruck bringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es geht auch um den Zusammenhalt. Es darf keine Einschnitte geben bei der sozialen Gerechtigkeit, bei Gesundheit, Pflege oder Rente. Auch das ist eine klare Priorität der von mir geführten Bundesregierung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und natürlich geht es eben auch um mehr Wachstum. Wir brauchen in unserer Gesellschaft Wachstum. Die Wachstumsraten der letzten Jahre und Jahrzehnte sind viel zu gering.

Der letzten drei Jahre!

Ja, schießen Sie mal den Habeck raus!

Wir müssen etwas dafür tun, dass wir die Herausforderungen, vor denen wir stehen, angehen, damit es mehr Wachstum gibt.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn das ist aus meiner Sicht doch auch wichtig: Wenn der Kuchen wächst, gibt es mehr miteinander gemeinsam zu regeln. Und das ist mit dem Wachstum verbunden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das schützt uns auch vor der größten Herausforderung moderner Gesellschaften, einer Herausforderung, mit der nicht nur Deutschland, sondern praktisch alle Staaten Europas, auch Nordamerika und viele, viele andere konfrontiert sind: eine unglaubliche Ausbreitung des Nullsummendenkens. Das Nullsummendenken führt nur zu Neid und Missgunst und nicht zum Miteinander.

Was ist denn das „Nullsummendenken“?

Wir müssen die Dinge nach vorne entwickeln, auch durch Wachstum, auch durch Investitionen und das, was wir machen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deshalb geht es darum, dass wir die Investitionsoffensive fortführen und weiterentwickeln für das, was wir tun.

Was ist denn das „Nullsummendenken“?

Deshalb geht es auch darum, dass wir Arbeit weiter attraktiv machen – noch mehr, als es der Fall ist –,

Widerspruchbei der CDU/CSU und der AfD

auch, indem wir Bedingungen schaffen, die gut sind für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die zum Beispiel freiwillig länger weiterarbeiten wollen, indem wir uns kümmern um die Möglichkeiten der Erwerbstätigkeit von Eltern oder indem wir diejenigen unterstützen, die einfach noch mehr anpacken wollen. Alles das sind Dinge, die dazugehören, damit wir diese Vorwärtsbewegung hinbekommen.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und natürlich geht es auch darum, dass wir dort, wo staatliche Leistungen missbraucht werden, strikt dagegen vorgehen.

Aha! Sie haben es ja erst ermöglicht!

Es kann nicht akzeptiert werden, dass einige zum Beispiel Bürgergeld kriegen und gleichzeitig schwarzarbeiten.

Zurufevon der CDU/CSU und der AfD

Deshalb werden wir das, was wir an Gesetzen in den letzten Jahren auf den Weg gebracht haben, weiterentwickeln, weil wir das unmoralisch, unsolidarisch und unanständig finden. Wir werden den gesetzlichen Rahmen schaffen, damit das nicht weiter passiert.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine Damen und Herren, wir werden auch unsere Unternehmen dabei unterstützen, zu investieren, eine positive Agenda entwickeln zu können für ihre eigenen Investitions- und Zukunftspläne – mit Vereinfachungen im Steuerrecht, mit Bürokratieabbau, aber auch mit Dingen, die wir schon mal angepackt haben, wie Abschreibungen, die wir verbessert haben und gerne mehr verbessert hätten, oder Forschungsförderung.

Es gibt also viel zu tun. Mehr Sicherheit, mehr Zusammenhalt, mehr Wachstum: Das sind die Prioritäten für unser Land.

Ein Jahr haben Sie noch! Dann ist finito bei Ihnen!

Das sind aber auch die Prioritäten, um die es in der Europäischen Union geht.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Drei von vier Deutschen, drei von vier Europäerinnen und Europäern stimmen eben nicht für populistische und extremistische Parteien, sondern für proeuropäische Kräfte.

Acht von zehn Deutschen wählen keine SPD!

Denen sind wir verpflichtet. Und das darf in der Diskussion jetzt nicht untergehen: Es sind drei von vier in Europa.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wer wählt noch die SPD?

Deshalb habe ich mich auch dafür eingesetzt, dass sich die Kommission im Parlament nicht abhängig macht von extremistischen und populistischen Kräften.

Aber von Sozis und anderen Versagern!

Das wäre ein schlimmes Vabanquespiel gewesen. Wir brauchen nämlich mehr Geschlossenheit und nicht weniger. Und deshalb ist es gut, dass es im Europäischen Parlament eine klare Mehrheit der konstruktiven, proeuropäischen Parteien gibt, und ich erwarte, dass sich die künftige Kommission exakt auf eine solche Mehrheit im Parlament stützt.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich habe in den letzten Tagen viele Gespräche mit den Vertretern der anderen großen Parteienfamilien geführt: mit Herrn Mitsotakis und Herrn Tusk, mit Herrn Macron und Herrn Rutte, auch mit meinem Freund Pedro Sánchez. Gemeinsam haben wir unsere Positionen über die Besetzung der europäischen Spitzenpositionen miteinander abgestimmt.

Pöstchen ausgemauschelt!

Und da gibt es eine gemeinsame Haltung, die ja auch bekannt geworden ist. Wir schlagen vor, dass António Costa der künftige Präsident des Europäischen Rates wird, dass Ursula von der Leyen die Präsidentin der Europäischen Kommission wird und dass die baltische Politikerin Kaja Kallas die Hohe Vertreterin wird.

Was ist denn mit Anton Hofreiter?

Das sind aus meiner Sicht gute Besetzungen und klare Entscheidungen für eine gute europäische Zukunft.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Klar, das ist erst mal nur die Position von drei Parteienfamilien; aber sie haben im Parlament eine Mehrheit, und viele, die das so ähnlich sehen, sind deshalb mit dabei, wie auch hier, bei der Regierung in Deutschland. Deshalb hoffe ich sehr, dass auch der Europäische Rat, der nun morgen zusammenkommt, diese Verständigung erreichen wird. Wir dürfen uns keine Hängepartie in diesen schwierigen Zeiten leisten.

Wenn das mal keine Floskel ist!

Die Bürgerinnen und Bürgern erwarten keinen Streit um Posten, sondern schnelle Arbeit der europäischen Institutionen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine Damen und Herren, wir beraten morgen auch über die Schwerpunkte für die kommenden Jahre in Europa, und da setzen wir die Themen ganz oben auf die Agenda, die den Bürgerinnen und Bürgern am meisten unter den Nägeln brennen.

Da geht es um die Sorge um den inneren und äußeren Frieden und die Sicherheit.

Kriegstreiber!

Dazu gehört übrigens auch, dass wir die Dinge voranbringen, die wir jetzt schon vereinbart haben, also eine schnelle Umsetzung der GEAS-Reform, die nach so vielen Jahren der Beratung jetzt gelungen ist. Das muss auch für die Praxis in der Zukunft eine große Rolle spielen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Es geht um Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum, und es geht natürlich auch darum, dass wir uns klar positionieren, wenn es um die Erweiterung der Reform der Europäischen Union geht, darum, wie wir sie handlungsfähiger machen.

„Die Erweiterung der Reform?“ Was soll das denn heißen?

Das erste Stichwort: Frieden und Sicherheit. Sagen wir es klar: Putin setzt weiter voll auf Krieg und Aufrüstung. Darüber darf niemand hinwegsehen, und das wird am deutlichsten an seinem vermeintlichen Waffenstillstandsangebot. Man traut sich ja gar nicht, das so auszusprechen;

Sie haben es doch gerade ausgesprochen!

aber es lohnt ja doch, mal genau hinzugucken. Das war ja nicht nur ein Waffenstillstand; nein, da stand auch noch drin, dass Gebiete, die die russischen Truppen noch gar nicht besetzt haben – widerrechtlich, rechtswidrig –, auch noch hergegeben werden sollen von der Ukraine, dass sie sich entmilitarisieren soll, dass sie auf jeden militärischen Beistand in der Zukunft verzichten soll. Wer glaubt, dass das Land, die Ukraine, das überleben würde und dass daraus ein dauerhafter Frieden in Europa wird, der muss schon sehr viel Russia Today schauen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Lachendes Abg. Tino Chrupalla [AfD]

Ja, leider will Russland keinen Frieden; aber die angegriffene Ukraine will Frieden, einen gerechten Frieden ohne Unterwerfung und Angst vor neuer Aggression.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und dafür steht der Friedensplan der Ukraine, dafür steht auch die Friedenskonferenz, die vor Kurzem in der Schweiz stattgefunden hat. Klar – ich habe das auch vorher, auch hier im Deutschen Bundestag gesagt –,

Die war ja sehr erfolgreich!

das war nur ein zartes Pflänzchen und sollte auch niemals mehr sein; aber wir haben ja nicht so viel, und wir müssen einen ersten Schritt gehen, der das gewesen ist.

Sie haben bestimmt schon wieder vergessen, was da herauskam!

Deshalb sind ganz bewusst humanitäre Fragen in den Mittelpunkt gestellt worden, über die ein breiter internationaler Konsens herstellbar ist und existiert. Über solche Fragen zu diskutieren: Das kann die Annäherung bringen, die Annäherung möglich machen, die wir alle so sehnlich erhoffen. Aber wir sollten uns nichts vormachen: Der Weg wird lang und schwer.

Nicht vergessen!

Trotzdem ist es richtig, dass es diese Konferenz gegeben hat und dass wir uns so bemühen.

Russland muss die klare Erwartung der Weltgemeinschaft spüren, sich nicht länger einer Möglichkeit für den Frieden zu verweigern. Putin muss erkennen: Er wird das Ziel der Unterwerfung der Ukraine auf dem Schlachtfeld nicht erreichen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Deshalb gibt es jetzt auch klare Zeichen, zum Beispiel die Beitrittskonferenz mit der Ukraine und Moldau, die jetzt im europäischen Umfeld eröffnet worden ist. Das war auch schon so mit der Wiederaufbaukonferenz, die hier in Berlin stattgefunden hat und wo sehr viele sehr praktische Vereinbarungen für den Wiederaufbau getroffen worden sind, wo unzählige deutsche und andere Unternehmen sich engagieren und investieren, was ein gutes und wichtiges Zeichen ist.

Aber das war auch so mit dem G-7-Treffen in Italien – ein wirklich gelungener Gipfel mit sehr, sehr weitreichenden Ergebnissen, zum Beispiel mit der Vereinbarung, 50 Milliarden Dollar an Krediten für die Ukraine bereitzustellen. Das ist eine klare Botschaft: Wir nutzen die Windfall Profits aus den eingefrorenen russischen Vermögenswerten, um einen Hebel daraus zu machen, der uns in die Lage versetzt, schnell, zügig und in der Zeit, um die es geht, auch die Mittel für Waffenhilfe, für Wiederaufbau, für wirtschaftliche Kooperation und für humanitäre Hilfe zur Verfügung zu stellen.

Das Kalkül des russischen Präsidenten, dass es an den fiskalischen Restriktionen der europäischen Länder oder der USA scheitern wird, der Ukraine jetzt und in der nächsten Zeit den Beistand zu geben, den sie braucht, ist mit dieser G-7-Entscheidung zusammengebrochen, und deshalb war sie so wichtig.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Der russische Präsident wird seine Lehren daraus ziehen müssen. Wir jedenfalls lassen nicht nach.

Präsident Selenskyj hat hier im Bundestag gesprochen, und es war beeindruckend. Ich glaube, alle, die zugehört haben, haben auch gemerkt, dass es eine klare europäische Perspektive ist, die er verfolgt. Es geht darum, die Grundlagen für ein Europa des Friedens, des Völkerrechts und der Prinzipien der Vereinten Nationen hochzuhalten. Das müssen wir auch für die Zukunft.

Aber ich will ausdrücklich sagen – auch an dieser Stelle und gerade weil wir jetzt über dieses Thema sprechen –: Dass so viele Abgeordnete von dort,

Wir hatten Fraktionssitzung!

Lachenbei Abgeordneten der SPD

und von dort weiter hinten, nicht hier gewesen sind: Das war falsch, das war feige und dieses Hauses unwürdig.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ist ja wie in der Volkskammer hier!

Eines der zentralen Gebote europäischer Sicherheit ist auch die engere Zusammenarbeit Europas bei Rüstung und Verteidigung. Auch darum wird es gehen, wenn wir in Europa zusammenkommen. Deutschland investiert mehr; Deutschland liegt jetzt klar oberhalb des 2-Prozent-Ziels. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass wir noch enger miteinander kooperieren, weil wir dann mit dem Geld, das wir investieren, viel größere Effekte erzielen können, zum Beispiel mit der European Sky Shield Initiative oder etwa, wenn es um Fragen der Produktion geht, eine ganz zentrale Fragestellung für die Sicherheit und Zukunft der Verteidigung. Das stärkt den europäischen Pfeiler der NATO, und das ist das, worum es geht, auch wenn wir jetzt auf den künftigen NATO-Gipfel blicken.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dieser NATO-Gipfel in Washington wird zugleich das 75-jährige Jubiläum der NATO sein – ein wichtiges Datum, das für unsere Sicherheit von allergrößter Bedeutung ist. Es hat in den letzten Jahren und teilweise auch schon Jahrzehnten immer wieder Diskussionen gegeben, ob das denn noch eine Perspektive ist, ob die USA sich überallhin sonst in der Welt wenden und nicht mehr gemeinsam mit uns Europas Sicherheit gewährleisten wollen. Dem ist nicht so. Wir konnten uns – das muss hier an dieser Stelle festgehalten werden – auch in schwierigen Situationen immer auf die Vereinigten Staaten von Amerika verlassen.

Pseudo-schwierige Situationen!

Und dabei bleibt es auch jetzt. Die transatlantische Sicherheit ist von zentraler Bedeutung, auch wenn wir an die Sicherheitsperspektiven der Ukraine denken.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich bin dem jetzigen amerikanischen Präsidenten, Joe Biden, ausdrücklich dafür dankbar,

Das ist Ihr Niveau!

dass er wie kaum ein anderer für diese transatlantische Zusammenarbeit steht, für die enge Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA.

Der erkennt Sie doch gar nicht mehr!

Und ich kann hier gerne versichern: Wir werden weiter in engster Abstimmung mit unseren amerikanischen Freunden miteinander arbeiten.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufdes Abg. Dr. Harald Weyel [AfD]

Der NATO-Gipfel wird auch eine stärkere Rolle der NATO bei der Koordinierung von Unterstützung und Training für die Ukraine zum Gegenstand haben. Und das machen wir mit klaren Beschlüssen und konkreten Verabredungen, wobei aber gleichzeitig sehr klar ist – und das ist mir wichtig hier festzuhalten –: Durch das, was wir dort machen, wird die NATO nicht Teil des Konfliktes. Diese Grenze überschreiten wir nicht und werden wir nicht überschreiten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Auch in dieser Frage ist also große Einigkeit in der NATO. Und ich will das gerne sagen: Es ist schön, dass sich das auch an diesem Tag, während wir hier debattieren, symbolisiert in der Verständigung der Botschafterkonferenz auf den künftigen Generalsekretär. Herzliche Glückwünsche an Mark Rutte! Er wird ein ausgezeichneter NATO-Generalsekretär werden.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die weitere Priorität, über die wir uns auch in Europa unterhalten, sind gute Arbeitsplätze und eine starke, wettbewerbsfähige Wirtschaft. Klar, da sollten wir nicht nur nach Europa schauen; da müssen wir auch auf uns selber gucken.

Allerdings!

Ein bisschen ist das für mich so, wie wenn man wieder mit dem Sport anfängt. Ich zählte zu denen, die jahrelang keinen Sport gemacht haben und dann plötzlich anfingen, das wieder zu machen. Am Anfang ist das sehr mühselig; aber mit jeder Runde und umso länger man das macht, nimmt die Ausdauer zu und wird man fitter und schneller. Und genau das ist der Prozess, in dem wir uns gerade befinden. Nach Jahrzehnten, in denen für die Fitness der deutschen Wirtschaft nicht das Notwendige getan worden ist, sorgt die jetzige Regierung dafür, dass die notwendigen Entscheidungen getroffen werden.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Lachenbei der CDU/CSU und der AfD

Wir sind mit gerade mal 84 Millionen Einwohnern die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Dann kann es in der Vergangenheit aber nicht so schlecht gewesen sein!

Wir haben großartige Industrien mit Maschinenbau, Automobilindustrie, Pharma- und Technologiechampions,

Ein Jahr Ampel, und die sind alle weg!

und wir werden dafür sorgen, dass diese und all die anderen, die vielen Mittelständler, auch in Zukunft weiter bedeutungsvoll sein können.

Es ist gut, dass wir jetzt sehen, dass es auch künftig so sein wird und neue Geschäftsmodelle dazukommen:

„Geschäftsmodell“ klingt gut! Sagen Sie was zur Warburg Bank!

Hightechindustrien, die sich gerade in großem Umfang in Deutschland ansiedeln, Mikroelektronik, Biotechnologie, Pharmaproduktion, Batterieherstellung, Software- und Digitalunternehmen. Das allerjüngste Beispiel ist Amazon: 10 Milliarden Euro nach einer kurz zuvor schon erfolgten Ankündigung von 7 Milliarden Euro, die in Brandenburg investiert werden – alles zusammen 17 Milliarden Euro. Das ist ein klares Bekenntnis zum Investitionsstandort Deutschland. Das ist das, worum es geht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Auf diese Stärken müssen wir aufbauen, anstatt das Land kaputtzureden. Manchmal erinnert mich das an das Geraune vor der EM. Noch Anfang des Jahres haben viele in Deutschland große Skepsis gehabt über die Zukunftsperspektiven von Fußball-Deutschland. Dann zwei wichtige Siege im Frühjahr, Spirit im Team, und im Land hat sich ganz schön viel verändert.

Was haben Sie denn damit zu tun? Sind Sie der Fußballkanzler, oder was?

Deshalb sage ich auch: Was wir alle gemeinsam brauchen, sind Zuversicht und Selbstvertrauen in unsere Stärke und unsere Möglichkeiten.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Deshalb haben wir auch dafür gesorgt, dass die Pläne und die Entscheidungen für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung in Deutschland stehen. Das ist ja ewig lang nicht der Fall gewesen. Jetzt kann man denjenigen, die das wissen wollen, klare Auskünfte geben, ob das wohl klappen wird mit der Veränderung unserer Stromproduktion, unseres Energiesystems. Die meisten der dazu notwendigen Entscheidungen sind getroffen.

Zurufvon der AfD: Schlimm genug!

Nun geht es heute nicht darum, das hier alles im Einzelnen darzulegen. Aber ich will von den Ergebnissen sprechen: Der Ausbau der Photovoltaik boomt, 88 Gigawatt schon im Mai statt Dezember; die Genehmigungszeiten bei Windkraft sind um vier Monate gefallen, statt 4 000 Megawatt an Windanlagen wurden 8 000 Megawatt genehmigt; das Stromnetz wird dramatisch ausgebaut.

„Dramatisch“ ist der richtige Ausdruck!

Ja, während wir bisher in diesem Deutschen Bundestag, in der letzten Legislaturperiode und der davor,

Sie waren dabei! Da waren Sie überall dabei!

immer darüber diskutiert haben, dass die Stromtrassen später fertig werden, haben wir mit den Entscheidungen, die wir getroffen haben, jetzt zu vermelden: Die Stromtrassen werden schneller fertig als geplant. – Wann hat das in den letzten 20 Jahren in Deutschland mal jemand sagen können?

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wer war denn dabei?

Aber das sind auch unsere Erwartungen an die Europäische Union, wenn es etwa um Bürokratieabbau geht, der für die Beschleunigung so zentral ist. Die Kommissionspräsidentin hat versprochen: 25 Prozent weniger. Wir nehmen sie beim Wort. Und die deutsch-französische Initiative, um das voranzubringen, steht. Wir werden das Thema nicht weglassen, sondern gemeinsam vorantreiben.

Es geht auch darum, dass wir das, was für Europa so wichtig ist – der freie Handel mit der ganzen Welt –, vorantreiben. Ich sage hier ganz klar: Ich bin mit den Ergebnissen der Handelspolitik der Europäischen Union nicht zufrieden. Da muss sich dramatisch etwas ändern. Wir brauchen mehr Freihandelsabkommen, als wir sie heute haben.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

Wir haben unsere Kompetenz für Handelspolitik und Handelsverträge nicht an die Europäische Union abgegeben, damit keine Verträge geschlossen werden, sondern damit sie wirksamer, größer und schneller zustande kommen.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das gilt für Indonesien, für Indien; das gilt für Mercosur und viele, viele weitere.

Und natürlich gilt das auch, wenn es um den Handel mit dem großen Land China geht. Deshalb bin ich sehr froh, dass es auch der Initiative des Kanzlers und meiner Regierung zu verdanken ist – –

Friedrich Merz [CDU/CSU], an die CDU/CSU gewandt: Er redet schon in der dritten Person von sich!
Lachenbei der CDU/CSU und der AfD

– Ja, das gefällt Ihnen nicht.

Beifallbei der SPD

Aber Sie könnten klatschen. Sie haben ja schon öfter geklatscht, auch an dieser Stelle wäre es möglich, Herr Merz.

Nein, nein! Sie sprachen in der dritten Person!

Also: Wir haben dafür gesorgt, dass jetzt nicht einfach die Züge aufeinander zufahren, sondern dass die Europäische Union und China jetzt über einen gemeinsamen Weg in der Frage der Autozölle sprechen. So muss man das machen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Serap Güler [CDU/CSU]

Und im Übrigen ist eines der zentralen Projekte der Europäischen Union die Kapitalmarktunion. Ich will es hier noch mal sagen: Das ist zu lange eine Litanei, die einer dem anderen nachspricht, gewesen. Aber niemand hat genügend darauf hingewirkt, dass sich da was ändert. Die unterschiedlichen Wachstumsperspektiven zwischen Europa und den USA haben etwas damit zu tun, dass unser Kapitalmarkt fragmentiert ist, dass das viele Geld, das hier existiert, nicht in das Wachstum von Unternehmen investiert wird.

Zurufder Abg. Julia Klöckner [CDU/CSU]

Das ist nicht nur bei Start-up-Finanzierungen ein Problem gewesen, wo wir mit staatlichen Fonds nachgeholfen haben. Das ist auch bei der Wachstumsfinanzierung das entscheidende Problem.

Zurufdes Abg. Marc Bernhard [AfD]

Wir brauchen einen funktionsfähigen Kapitalismus in Europa,

der die Wachstumsfinanzierung der Unternehmen zustande kriegt.

Und natürlich brauchen wir auch Reformen. Es geht um Rechtsstaatlichkeit. Es geht darum, dass mehr Entscheidungen mit qualifizierter Mehrheit getroffen werden können. Es geht um klare Prioritäten, auch beim Haushalt der Europäischen Union. Nur wenn wir das machen, ist die Europäische Union auch erweiterungsfähig.

Es ist schön, dass Sie von sich selber so begeistert sind!

Und nur wenn wir das machen, können wir auch dafür sorgen, dass sowohl wir als auch die Beitrittskandidaten von der weiteren Entwicklung profitieren.

Ich sage hier klar: Die Europäische Union ist auch noch heute das entscheidende Friedens- und Wohlstandsprojekt für unseren Kontinent. Sie ist wichtiger denn je, und sie kann sich auf Deutschland verlassen.

Porträt von Friedrich Merz
Foto: Friedrich Merz/Tobias Koch
41 Vermerkeca. 2.067 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die beiden Treffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union und des Nordatlantischen Bündnisses, über die wir heute – im Wesentlichen jedenfalls – sprechen wollen, stehen wie selten in den letzten Jahrzehnten im Zeichen der Konfrontation und der militärischen Gewalt autoritärer politischer Regime gegen die regelgebundene – man muss vielleicht sogar sagen: im Zeichen der Zerstörung der einstmals regelgebundenen – internationalen Ordnung. Zuallererst Russland, aber auch China, Nordkorea, Iran sind die wesentlichen Akteure, die unverhohlen mit der Androhung und zum Teil bereits mit der Anwendung von militärischer Gewalt und Zerstörung ein neues politisches Koordinatensystem auf der Welt zu ihren Gunsten schaffen wollen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, gegen diese Bedrohung der Freiheit, gegen diese Zerstörung des Friedens, auch in dem Teil der Welt, in dem wir bisher das große Glück haben, zu leben, müssen vor allem wir Europäer uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – politisch, selbstverständlich diplomatisch, aber letztendlich, wo notwendig, auch mit militärischer Abschreckung und Verteidigung – zur Wehr setzen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Lassen Sie mich das in aller Deutlichkeit hier sagen: Die EU und die NATO müssen gerade in den nächsten Tagen und Wochen die Weichen für eine lange Zeit richtig stellen, damit wir in Europa und in dem Teil der Welt, den wir nicht nur geografisch, sondern vor allem normativ „den Westen“ nennen, und letztendlich auch in Deutschland weiter in Freiheit und in Frieden leben können.

Wir müssen nicht weit in unsere Nachbarschaft blicken, um die Tragweite dieser Herausforderungen wirklich zu verstehen. Die Gefahr einer Ausweitung des Gazakonfliktes zu einem umfassenden Krieg in Israel ist so hoch wie nie seit dem 7. Oktober 2023, dem Tag des barbarischen Angriffs der Hamas auf die Bevölkerung Israels. Und in derselben Zeit rüstet der Iran die Hisbollah weiter mit Raketen und Material auf, zündelt an der Lunte eines regionalen Großkonflikts und treibt sein Nuklearprogramm voran.

Auf dem zweiten Kriegsschauplatz – Herr Bundeskanzler, Sie haben darüber gesprochen – in unserer Nachbarschaft, in der Ukraine, wüten die russischen Truppen seit mittlerweile über 800 Tagen weiter rücksichtslos, vor allem gegen die Zivilbevölkerung und gegen die Städte und Dörfer im ganzen Land.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wer bei dieser Passage Ihrer Rede, lieber Herr Bundeskanzler, als Sie darüber gesprochen haben, die Zwischenrufe von Ihnen rechts gehört hat und Ihr Feixen und Ihr Lachen: Meine Damen und Herren, man muss sich schämen, im deutschen Parlament solche Abgeordnete sitzen zu haben wie Sie!

Diese Konflikte und Ereignisse, meine Damen und Herren – es ließen sich noch einige weitere nennen –, sind nur scheinbar voneinander getrennt. In Wahrheit arbeiten Russland, Iran, Nordkorea und auch China nicht isoliert voneinander. Im Gegenteil: Im Laufe der zurückliegenden zehn Jahre hat sich eine Achse der Autokratien herausgebildet, die in allen Regionen der Welt destabilisierenden Einfluss nimmt, den Gestaltungsspielraum von Demokratien zurückdrängt und krisenhafte Entwicklungen zu ihren Gunsten ausnutzt. Dieses Bündnis von revanchistischen Staaten sucht den offenen Systemkonflikt mit unseren Demokratien, und sie unterstützen sich untereinander auf vielfältige Weise.

Russland wird vom Iran mit Drohnen, von China mit Halbleitern und von Nordkorea mit Artilleriemunition beliefert. Im Gegenzug kooperiert Russland mit dem Iran in Syrien, bildet Hamaskämpfer aus und liefert billiges Öl und Gas nach China. Last, but not least: Nordkorea kann als Staat überhaupt nur überleben, weil vor allem China das Land wirtschaftlich und militärisch unterstützt.

In der Ukraine und in Israel entscheidet sich daher nicht nur das Schicksal der dort lebenden Menschen. Dort entscheidet sich auch die Frage, ob Demokratien im 21. Jahrhundert gegen die Aggression von Autokratien bestehen können und ob wir als europäische Wertegemeinschaft die Kraft und überhaupt den politischen Willen zu unserer gemeinsamen Verteidigung aufbringen.

Längst sind die Folgen dieser Konflikte auch bei uns in Deutschland täglich sichtbar. China und Russland versuchen, einen spaltenden Keil in unsere Gesellschaft und zwischen die europäischen Völker zu treiben: mit Desinformation, Propaganda, Wahleinmischungen und täglichen Angriffen auf unsere Datennetze und auf unsere Infrastruktur. Sie beeinflussen. Sie schüren Ängste. Sie versuchen, unsere Zusammenarbeit zu schwächen.

Und, meine Damen und Herren, mit AfD und BSW und weiteren linken wie rechtsextremen Gruppen in Europa verfügen Russland und China über wissentliche, zumindest naiv und billigend in Kauf nehmende parteipolitische Unterstützung auch und vor allem bei uns in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Der größte Vaterlandsverräter sind Sie, Herr Merz!

– Ja, meine Damen und Herren, „nützliche Idioten“ hätte Sie Lenin voller Genugtuung genannt,

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Wer fühlt sich denn da angesprochen?

wenn er dieses Treiben von Ihnen heute noch beobachten könnte.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vor diesem Hintergrund haben die Wahlen zum Europäischen Parlament am 9. Juni stattgefunden.

Sagen Sie mal was zu Angela Merkel!

Wir, die europäischen Christdemokraten, haben diese Wahlen in Europa gewonnen und stellen im Europäischen Parlament nicht nur die mit Abstand größte Parlamentsfraktion, sondern auch vermutlich erneut die einzige Fraktion, die Abgeordnete aus allen 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union umfasst.

Zurufvon der CDU/CSU: Hört! Hört!

Daraus ergibt sich selbstverständlich auch für die Europäische Kommission der Führungsanspruch, dass Ursula von der Leyen auch in den nächsten Jahren die Europäische Kommission führt.

Pfizer lässt grüßen!

Selbstverständlich!

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb, Herr Bundeskanzler, ist es nur folgerichtig, dass die Vertreter der Mitgliedstaaten sich auf Ursula von der Leyen als zukünftige Kommissionspräsidentin geeinigt haben – gestern zunächst informell und morgen wohl auch formell. Auch die weiteren Personalentscheidungen finden unsere Zustimmung. Ich will ausdrücklich dem zustimmen, was Sie zu Mark Rutte gesagt haben. Das wird ein sehr guter neuer NATO-Generalsekretär, so wie es auch der scheidende NATO-Generalsekretär war. Wir können stolz darauf sein, dass sich solche Persönlichkeiten in Europa und in der NATO in den Dienst der gemeinsamen transatlantischen Sache stellen.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Arbeitsprogramm der Kommission – darum wird es in Brüssel in dieser Woche ja auch gehen müssen – muss sich an den großen Herausforderungen ausrichten, vor denen Europa in den nächsten Jahren steht. Das sind vor allem die Verteidigungsfähigkeit Europas und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie. Dazu muss nun jedes einzelne Land seinen eigenen Beitrag leisten. Selbstverständlich schaut Europa in diesen Wochen und Monaten ganz besonders auf uns, auf Deutschland.

Herr Bundeskanzler, Sie sind morgen und übermorgen in Brüssel und reisen im Dezember nach Washington als der Regierungschef eines Landes, das nicht nur in den internationalen Medien, sondern auch heute früh in den Reihen Ihrer eigenen Koalition als „kranker Mann Europas“ beschrieben wird. Der Teil Ihrer Rede, in dem Sie beschrieben haben, was Sie alles noch vorhaben und was Sie in den letzten zweieinhalb Jahren schon alles gemacht haben, hatte wirklich etwas Karikaturartiges an sich.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, von keinem anderen Land in Europa geht gegenwärtig so viel Unsicherheit und so viel Unklarheit aus wie gegenwärtig von Deutschland, dem Land, das eigentlich der europäische Stabilitätsanker und das Land sein müsste, von dem zusammen mit anderen Führungsverantwortung für ganz Europa ausgehen müsste.

Das alles könnten Sie für Gerede der Opposition halten. Dafür werden es die nachfolgenden Redner halten, genauso wie Sie so tun, als ob Sie in den letzten 20 Jahren nicht dabei gewesen wären.

Heiterkeitbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Er kann sich nicht erinnern!

Herr Bundeskanzler, mit Verlaub, ich gestatte mir den Hinweis: Sie können sich vermutlich nicht an alles und an jedes Jahr erinnern; aber Sie waren in den letzten 24 Jahren 20 Jahre in der Regierungsverantwortung, so viel wie keine andere Fraktion in diesem Deutschen Bundestag.

Beifallbei der CDU/CSU

Was haben Sie eigentlich in der Zeit gemacht, wenn das alles heute so schrecklich ist und so viele Aufräumarbeiten zu leisten sind?

Was haben Sie denn gemacht? Wo haben Sie denn in dieser Zeit Verantwortung übernommen?

Nein, schauen Sie doch einmal auf das Ranking des renommierten IMD in Lausanne in der Schweiz, und sehen Sie, was die Ihnen in diesen Tagen ins Stammbuch geschrieben haben! Seitdem Sie Verantwortung in Deutschland tragen, rauscht Deutschland im internationalen Vergleich die Ränge nur so herunter. Regierungsfähigkeit: minus 9 Plätze, öffentliche Finanzen: minus 4, Produktivität: minus 7, Wirtschaftspolitik: minus 13 Plätze. Und in der Steuerpolitik, Herr Bundesfinanzminister, sind wir mittlerweile auf Platz 62 von 67 Staaten, die untersucht worden sind, angelangt. Das ist die Bilanz Ihrer Regierung und nicht die Bilanz einer vorangegangenen Regierung in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU

Nun wird natürlich in Europa genau beobachtet, wie Sie, Herr Bundeskanzler, und Ihre Partei mit den Wahlergebnissen vom 9. Juni umgehen. Sie haben sich offensichtlich entschieden, das Wahlergebnis weitgehend zu ignorieren und sich weiter in Ihrer Koalition einfach nur durchzuwurschteln. Die erneute Verschiebung der Kabinettsbefassung mit dem Bundeshaushalt 2025 – Sie lassen den Tag offen, Sie lassen die Woche offen, Sie lassen den Monat offen, Sie lassen alles offen –, die Sie vorgenommen haben, ist doch nur ein kleiner Ausschnitt aus dem, was wir zurzeit mit Ihrer Koalition erleben, die nur noch von der Not zusammengehalten wird und in der Sie keine Idee, keinen Plan, kein Konzept mehr für Deutschland haben, nur noch vom reinen Machterhalt. Das ist das, was Sie noch zusammenhält.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir schreiben heute den 26. Juni 2024. Ich will ein sehr konkretes Thema ansprechen, das mit diesem heutigen Tag zusammenhängt: Am heutigen Tag tritt Ihr neues Staatsbürgerschaftsrecht in Kraft.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

– Ja, klatschen Sie ruhig weiter.

Ja, das ist auch eine sehr gute Sache! Wir sind stolz darauf, Herr Merz!

Ich lese Ihnen gleich ein bisschen was dazu vor. – Dieses Staatsbürgerschaftsrecht wird übrigens in der Europäischen Union an keiner Stelle, in keinem Land, in keiner Regierung irgendwie nachgeahmt. Das, was Sie hier zurzeit machen, ist in keinem anderen Land Europas an der Tagesordnung.

Was für ein Unsinn!

Es ist glatte Ignoranz. Es ist eine Wirklichkeitsverweigerung, wie es sie selten in Deutschland und gegenüber der Bevölkerung gegeben hat, und das angesichts der Herausforderungen, vor denen wir heute stehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Nun müssen Sie das nicht mir oder uns glauben. Die „FAZ“ schreibt heute dazu:

„Die Reform … soll der Integration dienen – und wird wie kaum ein anderes Projekt der Ampel“

– jetzt hören Sie genau zu –

„das Land spalten,“

Sie spalten das Land, Herr Merz!

„Identität und Zusammenhalt schwächen und die Sicherheit gefährden.“

Und da heißt es weiter:

„Die Beschleunigung der Einbürgerung ... und die großzügige Zulassung mehrerer Staatsbürgerschaften erhöhen eine fragwürdige Anziehungskraft Deutschlands weiter und zerstören das soziale Gefüge. Mehr noch, die schon länger hier ansässigen Deutschen, jene in letzter Zeit nicht Eingewanderten, werden zu Bürgern zweiter Klasse.“

Beifallbei der CDU/CSU

Ende des Zitats. – Herr Bundeskanzler, das ist das Ergebnis Ihrer großartigen Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsreform, die genau heute, an diesem Tag, in Kraft tritt. Wir haben Ihnen mehrfach angeboten, darüber noch einmal zu sprechen.

Wir reden doch seit 30 Jahren darüber! Sie wollen es doch nicht! Sie wollen es einfach nicht!

Wir haben Ihnen angeboten, dass wir noch einmal den Termin verschieben, dass wir noch mal über die Folgen miteinander sprechen. Sie haben alles in den Wind geschlagen.

Völliger Unsinn, was Sie hier sagen!

Ich zitiere einen weiteren Satz aus der „FAZ“, und der bringt es wirklich auf den Punkt:

„In einer Zeit, in der man sich mehr als früher zwischen … rechtsstaatlicher Demokratie und autoritärer Herrschaft entscheiden muss, in der in Europa wieder Krieg herrscht und für das eigene Land gestorben wird und ferne Konflikte hierzulande ausgetragen werden, lockert die Zentralmacht Europas das Band zu ihren Bürgern und höhlt so das eigene Fundament aus.“

Besser kann man es nicht ausdrücken, was Sie hier zurzeit mit Ihrer Regierung in diesem Lande treiben.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Bundeskanzler, Sie können das ja ignorieren, was die Wählerinnen und Wähler am 9. Juni entschieden haben. Aber ich muss doch eine Feststellung hier treffen:

Sie sind verantwortungslos!

Sie haben für kein einziges Projekt Ihrer Regierung mehr die Unterstützung auch nur eines relevanten Teils, geschweige denn der Mehrheit der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland.

Stimmt überhaupt nicht! Stimmt einfach nicht!

Noch nie in der Geschichte unseres Landes hat eine Regierung so gegen die klaren Interessen der eigenen Bevölkerung regiert, wie Sie das tun.

Beifallbei der CDU/CSU

Die CDU auch! Sie haben die Grenzen geöffnet! Das war die CDU!

Wenn Sie sich vor diesem Hintergrund hinter den Krisen verstecken und die Krisen für das Erstarken von Links- und Rechtsradikalismus verantwortlich machen, dann ist das genau die falsche Antwort. Das Ergebnis Ihrer Politik ist das Erstarken von Linken und Rechtsradikalen in Deutschland und darüber hinaus. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Probleme in unserem Lande nicht gelöst werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie reden sich um Kopf und Kragen!

Sie sind aber offensichtlich selbst nach solchen Wahlergebnissen immer noch unfähig und nicht willens zur Selbstkritik und zur Korrektur Ihrer Politik.

Das waren Sie in der Regierung auch!

Das ist einfach das Ergebnis der letzten zwei, drei Wochen, in denen wir hier über dieses – –

16 Jahre lang!

– Hören Sie doch mal auf!

Sie haben die Grenze geöffnet! Die Urkatastrophe ist die CDU!

Die Urkatastrophe ist die AfD!

– Passen Sie mal auf: Es gibt einen Kopf, und es gibt einen Kehlkopf.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich empfehle Ihnen dringend, mal wenigstens teilweise auch Ihren Kopf zu benutzen und nicht nur Ihren Kehlkopf.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Das ist alt!

Ich kann Ihnen abschließend als Vorsitzender der CDU,

„Wir schaffen das“!

der größten Mitgliedspartei innerhalb der Europäischen Volkspartei, die jetzt 13 von 27 Staats- und Regierungschefs in der Europäischen Union stellt, nach Ihrer heutigen Regierungserklärung, Herr Bundeskanzler, nur sagen: Gut, dass es in der Europäischen Union wenigstens eine große Zahl von anderen Regierungschefs und Ministerpräsidenten gibt, die dieser europäischen Verantwortung anders, vor allem kraftvoller und mit einem anderen Verantwortungsbewusstsein als die Regierung der Bundesrepublik Deutschland, begegnen!

Beifallbei der CDU/CSU

Unsere Hoffnung liegt nicht auf Ihnen. Unsere Hoffnung liegt darauf, dass andere Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union besser wissen, wie Europäische Union und NATO in den nächsten Jahren fortentwickelt werden müssen.

Genau! Vor allem Ihr Freund Orbán!

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Anhaltender Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Jetzt fahren wir in der Debatte fort. Das Wort hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Britta Haßelmann.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Tino Chrupalla
Foto: Robert Rösler
11 Vermerkeca. 957 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Landsleute! Wir brauchen Sicherheit und Zusammenarbeit auf dem Kontinent Europa. Frieden zu schaffen und zu erhalten, das wird die Aufgabe der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein. Dafür braucht es kooperative Strukturen und Bündnisse, die die Interessen der Mitglieder abbilden und vertreten. Genau diese Interessen sind es, die sich verändern.

Es sind die nationalen Interessen, die Völker ihren staatlichen und zwischenstaatlichen Akteuren gegenüber formulierten. Die Wahrnehmung und Einhaltung dieser Interessen sind die Grundlage für eine erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf bilateraler und multilateraler Ebene. Nur wenn die Bürger abgeholt werden und sich wahrgenommen fühlen, werden sie die Institutionen und die Akteure dahinter akzeptieren. Das ist der Grund für die Klatsche, Herr Scholz, die Sie bei der Europawahl bekommen haben; denn das ist genau Ihr Problem.

Damit sind wir auch schon mitten im Thema der heutigen Debatte über die Europäischen Union und den Nordatlantikpakt. Beide Institutionen sollten zusammenarbeiten und Sicherheit, Freiheit und Wohlstand in Europa garantieren. Zu beiden Institutionen gab es in ihrer Entstehungszeit Gegenentwürfe auf der anderen Seite, also im Osten. Diese stellten einen Gegenentwurf, aber auch ein Gegengewicht dar.

In Zeiten des Kalten Krieges wurde stark auf das Mittel gegenseitiger Abschreckung – auch durch Kernwaffen – gesetzt. Heute müssen wir neu bewerten, ob dieses Kräftemessen noch eine erfolgversprechende und vor allem vermittelbare Strategie zur Befriedung von Konflikten darstellt. Ich denke, das ist zumindest fragwürdig.

Was uns jedoch immer bleibt und was wir viel stärker nutzen sollten, sind die Möglichkeiten der Diplomatie.

Beifallbei der AfD

Austausch, Verständigung und das Verstehenwollen individueller und auch gegenseitiger Interessen werden über Krieg und Frieden entscheiden. Wer aufhört, zu verhandeln, hat bereits verloren.

Beifallbei der AfD

Seit Monaten versuchen wir als AfD-Fraktion, für Diplomatie und Verhandlungen zu werben. Warum treiben Sie als Bundeskanzler und auch als Bundesregierung dies nicht aktiv voran, Herr Scholz? Auch heute in Ihrer Rede war davon wenig zu hören.

Im Ergebnis, werte Kollegen, müssen sich beide Institutionen – die EU und auch die NATO – in ihrer aktuellen Form die berechtigte Frage nach ihrer Daseinsberechtigung stellen. Eine ganze Weile konnte man diese Frage ausblenden. Die aktuellen sicherheits- und auch wirtschaftspolitischen Probleme in Europa fordern aber eine Auseinandersetzung mit genau dieser Problematik.

Der noch immer andauernde Krieg in der Ukraine zeigt, wie dringend Europa militärische Bündnisse braucht – keine Frage –, die vor allem unsere Interessen vertreten. In dieser schwierigen Zeit wird deutlich, wer unsere Interessen mit Weitsicht formuliert und vertritt. Eine NATO in der jetzigen Form kann das leider nicht mehr leisten. Aber wir sind Teil dieses Bündnisses. Warum nutzt die Bundesregierung diesen Status aktuell nicht, um deutsche Interessen zu verfolgen? Warum helfen uns die Partner nicht, eine Aufklärung der Terrorangriffe auf unsere kritische Energieinfrastruktur herbeizuführen?

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Das wäre doch die erste Forderung, die man an echte Partner und Freunde -wie Sie sie nennen – richten sollte. Das würde im Übrigen auch, Herr Scholz, die Glaubwürdigkeit, von der Sie immer sprechen, erhöhen. Stattdessen fördert die Ampel die Bewaffnung Europas. Dazu kein Wort über das neue NATO-Hauptquartier für die Ukraine mitten in Deutschland, weder von Herrn Scholz noch von Ihnen, Herr Merz! Da fragt man sich: Wem gegenüber haben Sie das Bekenntnis abgegeben? Genau: Gegenüber denjenigen, die ihre Nuklearwaffen noch immer nicht aus Deutschland abgezogen haben! Sie machen uns damit in der Wahrnehmung noch mehr zu deren militärischem Vorposten.

Beifallbei der AfD

Nutzen Sie besser die EU-Ratspräsidentschaft Viktor Orbáns, und laden Sie alle Kriegsparten zu Friedensverhandlungen nach Deutschland ein. Das wäre ein Zeichen der Souveränität.

Und in diesem Zusammenhang: Wir brauchen eine Bundeswehr, die unser Land verteidigen kann. Sie haben dem Deutschen Bundestag ein Sondervermögen, also Sonderschulden, in Höhe von 100 Milliarden Euro abgetrotzt. Es wurde viel versprochen, aber nichts davon ist realisiert worden. Ganz im Gegenteil: Sie fordern lieber die Lieferung von Waffen in Kriegsgebiete. Deutsche Waffen dienen aber der Selbstverteidigung, nicht der Unterstützung fremder Kriege.

Beifallbei der AfD

Den Bürgern wurde schon einmal glaubhaft gemacht, dass unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt werden könne. Mit welchem Ergebnis? Zerstörung, Elend und Migrationsströme, die hauptsächlich die innere Sicherheit Deutschlands gefährden. Entschlossenes Handeln blieben Sie dabei oft schuldig. Ziel muss es sein, die unkontrollierte Zuwanderung sofort zu stoppen. Sichere Grenzen und konsequente Zurückweisungen sind dabei unerlässlich.

Beifallbei der AfD

Schauen Sie einfach in die Kriminalitätsstatistik. Dort sehen Sie, welche Probleme wir mit Zuwanderern gerade aus Afghanistan haben. Da brauchen wir auch keine Verharmlosung von Fakten, wie es die Bundesinnenministerin Frau Faeser fast wöchentlich macht. Die konsequente Abschiebung straffällig gewordener Personen muss ebenso Konsens sein wie die abgewiesener Asylbewerber, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Grundvoraussetzung dafür ist, diplomatische Beziehungen zu diesen Ländern zu unterhalten; ob Sie die Regierungen anerkennen möchten oder nicht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Solange Sie aber Regierungen in erste, zweite und weitere Klassen einteilen, werden Sie dabei kaum Erfolge einfahren. In der Konsequenz werden Sie wieder ausgeladen oder am Flugzeug stehengelassen. Das ist mittlerweile das desaströse Bild, das Sie von Deutschland in der Welt hinterlassen. Wir werden im Ausland mittlerweile nur noch belächelt.

Wegen Ihnen!

Das sind die aktuellen Fakten Ihrer Außenpolitik.

Beifallbei der AfD

Sie betreiben Jahr für Jahr einen Ausverkauf deutscher Interessen. Ihre kurzsichtige Politik zerrüttet gewachsene bilaterale Beziehungen und spaltet sogar die Europäische Union, ohne die Sie Ihre Politik in Deutschland nicht umsetzen könnten, Stichwort „Heizungsgesetz“ oder auch die sogenannte Klimapolitik.

Mit Hilfe der EU wollen und sollen nun auch die Sicherheitsinteressen der NATO durch die Hintertür in der Ukraine und auch in Moldau implementiert werden. Ich sage es immer und immer wieder: Die Europäische Union ist nicht der verlängerte Arm der NATO und darf es auch niemals werden. Bei allem Verständnis für die individuellen Interessenlagen können eine Eskalation des Konflikts und die Verlängerung des Krieges damit nicht ausgeschlossen werden. Das gilt es zu vermeiden.

Alles das sind Ihre Aufgaben. Wir würden Sie dabei unterstützen. Sie haben die Verantwortung für Deutschland und seine Bürger. Werden Sie dieser endlich gerecht!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
15 Vermerkeca. 1.056 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Donnerstag und Freitag ist wahrscheinlich der wichtigste Europäische Rat seit vielen Jahren. Es wird die Strategische Agenda für 2024 bis 2029 beschlossen werden. Weichenstellungen bis 2029 und damit politische Prioritäten für die Zukunft der Europäischen Union sowie die Fragen des Spitzenpersonals – der Bundeskanzler hat es gerade gesagt – scheinen geklärt zu sein. Es freut mich, dass der Liberale Mark Rutte Generalsekretär der NATO wird und die Liberale Kaja Kallas in Zukunft als Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik wirken wird. Gerade weil sie aus dem Baltikum kommt, ist das ein ganz starkes Signal vor dem Hintergrund, dass derzeit Krieg in Europa herrscht, der von Russland ausgeht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich sage aber auch: Für die zukünftige Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, wird es keinen Freifahrtschein bei der Bestätigung durch das Europäische Parlament geben. Es waren – machen wir uns nichts vor – fünf mehr oder weniger verlorene Jahre voller Planwirtschaft und Bürokratie. Die Zustimmung im Europäischen Parlament, die für eine weitere Amtszeit von Frau von der Leyen notwendig ist, ist auch an inhaltliche Bedingungen geknüpft – ich glaube übrigens, nicht nur von der liberalen Fraktion. Ich würde mich freuen, wenn auch die EVP solche Bedingungen aufstellt.

Beifallbei der FDP

Statt der Bürokratieüberlegungen beim alten Green Deal: Wie wäre es denn mit einem Bürokratieabbau-Deal? Wie wäre es denn mit einem Wettbewerbsfähigkeits-Deal und mit einem Migrations-Deal? Nach der GEAS-Reform brauchen wir weitere Reformschritte, um hier gemeinsame europäische Politik zu machen.

In dem Zusammenhang, Herr Kollege Merz, will ich kurz Ihren Einwurf reflektieren, den Sie zum Staatsangehörigkeitsrecht in Deutschland gemacht haben. Ich finde es schade, dass die CDU/CSU angesichts Ihrer Worte auch aus den Fehlern von 2015 offensichtlich nichts gelernt hat, und zwar aus folgendem Grund: Sie wollen einfach irgendwie weniger Einwanderer. Ich halte Ihnen entgegen: Deutschland muss endlich lernen, ein Einwanderungsland zu werden, wo es um Einwanderung in den Arbeitsmarkt geht und nicht wie früher in die sozialen Sicherungssysteme. Herr Kollege Merz, das ist doch der Punkt.

Ich will Ihnen zwei konkrete Änderungen im Staatsangehörigkeitsrecht nennen, Herr Merz. Wir haben zwei Dinge geändert. Erstens. Jemand mit antisemitischer Vergangenheit kann nicht mehr deutscher Staatsbürger werden. Zweitens. Einen Anspruch auf die deutsche Staatsbürgerschaft hat derjenige, der Arbeit hat, Herr Merz. Das ist der Unterschied zwischen Ihrer Migrationspolitik und der dieser Koalition.

Ich begrüße ausdrücklich, dass die Staats- und Regierungschefs auf dem Europäischen Rat auch einiges zur Wettbewerbsfähigkeit und zur Vertiefung des Binnenmarktes sagen werden, und der Kanzler sprach von der Kapitalmarktunion.

Mein Vorschlag wäre, dass die erste Amtshandlung einer dann wahrscheinlich wieder bestätigten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist, dass sie das, was sie und die CDU/CSU, die sie unterstützt hat, im Wahlkampf in Deutschland versprochen haben, umsetzt, nämlich dass das unnütze Verbrennerverbot auf europäischer Ebene endlich abgeschafft wird, meine Damen und Herren. Das wäre der erste Schritt, den Frau von der Leyen machen könnte.

Beifallbei der FDP

Drittens: Bürokratieabbau. Beim Europawahlkampf 2019 gab es das Versprechen von Frau von der Leyen, 25 Prozent Bürokratie abzubauen. Sie kann jetzt nicht schon wieder versprechen, 25 Prozent Bürokratie abzubauen, weil in der Zwischenzeit so viel europäische Bürokratie dazugekommen ist. Wir brauchen auch da eine echte Wende, meine Damen und Herren, hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit, eine europäische Wirtschaftswende. Das muss das Ziel sein, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie muss auch von ihren Überlegungen aus dem Europawahlkampf für die Vergemeinschaftung von europäischen Schulden ablassen. Ich halte das für falsch. Ich glaube, das steht auch nicht im Wahlprogramm der CDU und CSU.

Zurufeder Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU] und Friedrich Merz [CDU/CSU]

Im Bundeshaushalt werden wir jetzt erneut 50 Prozent mehr investieren als die Vorgängerregierungen, statt immer neue Subventionen zu schaffen, meine Damen und Herren. Ich bin dem Bundeskanzler sehr dankbar, dass er es eben auf den Punkt gebracht hat. Und ich schaue nach meiner Rede in den Geschichtsbüchern nach, wann es das letzte Mal einen Bundeskanzler gab, der das gesagt hat.

Gesagt hat der Bundeskanzler viel!

Die soziale Marktwirtschaft, die wir in Deutschland wollen, ist funktionsfähiger Kapitalismus, meine Damen und Herren. Herzlichen Dank, Herr Bundeskanzler, für diese klare Aussage!

Trauen wir uns in Europa wieder zu, durch Innovation Wohlstand zu schaffen. Dazu brauchen wir richtigerweise auch Freihandelsabkommen, mehr davon, schneller. Deswegen haben wir in dieser Wahlperiode CETA durch den Deutschen Bundestag gebracht. Es kann nicht sein, dass wir uns unter Wertepartnern gegenseitig mit Zöllen und Handelsbeschränkungen das Leben schwermachen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP

Angesichts der Tatsache, dass in Europa Krieg herrscht, will ich sagen: Unsere Wettbewerbsfähigkeit ist ja kein Anliegen einzelner Parteien, sondern sie entscheidet meiner Auffassung nach auch über Frieden und Freiheit in Europa. Unsere wirtschaftliche Stärke ist unmittelbar mit unserer geopolitischen Stärke verbunden, meine Damen und Herren. Der Kalte Krieg ist beendet, aber wir müssen wieder wirtschaftliche Überlegenheit erreichen, gerade vor dem Hintergrund eines russischen Aggressors in Europa, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Zum Abschluss. Deutschland muss als größte Volkswirtschaft der Europäischen Union auch seinen Beitrag leisten. Der Bundeskanzler sprach eben zu Recht von einem Wirtschaftsturbo. Da dürfen wir kein Klein-Klein machen. Ich bin dankbar, dass auch der Bundeswirtschaftsminister bereits einiges zum alten Lieferkettengesetz von Gerd Müller von der CSU gesagt hat. Ich teile die Einschätzung, dass es dort Änderungen braucht. Es gibt Vorschläge des Bundesfinanzministers zur Entlastung bei den Steuern. Und die SPD hat einiges zu Schritten gegen die Schwarzarbeit von Menschen, die staatliche Leistungen erhalten, gesagt.

Ja, das sind die ersten wichtigen Ambitionen. Aber was wir Deutschen als größte Volkswirtschaft der Europäischen Union auch leisten müssen, ist ein Beitrag zum Wiedererstarken des Wirtschaftsraums Europa, meine Damen und Herren. Wir brauchen nicht nur auf nationaler, sondern auch auf europäischer Ebene eine Wirtschaftswende, damit der europäische Kontinent wieder erfolgreich ist.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Johannes Arlt [SPD]

Wir brauchen einen funktionsfähigen Kapitalismus. Ich habe mir das Wort gemerkt; ich finde es gut.

Sie haben einen Fan gewonnen, Herr Bundeskanzler!

Zum Schluss, Herr Merz, will ich noch eine Replik vortragen. Sie haben vorhin bei verschiedenen Punkten gesagt, man müsse jetzt mehr marktwirtschaftliche Reformpolitik machen. Ich nenne als Beispiel die Planungsbeschleunigung, die Sie gerade selbst angesprochen haben. Es kann ja nur zwei Erklärungen geben, warum diese Bundesregierung das hinbekommt und die alte, unionsgeführte Bundesregierung es nicht hinbekommen hat. Die erste Erklärung wäre: Es lag damals gar nicht an der SPD, dass wir keine Planungsbeschleunigung hinbekommen haben.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und der SPD

Die zweite Erklärung wäre: Es ist den Freien Demokraten zu verdanken, weil sie sich an dieser Stelle besser durchgesetzt haben, als die CDU/CSU es damals konnte. Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Alexander Dobrindt
Foto: Benjamin Zibner
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Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Sie haben in Ihrer Rede vom Ergebnis der Europawahlen gesprochen und haben gesagt: Dem müssen wir uns stellen. – Aber wo sind denn die Lehren aus dem Ergebnis der Europawahl? Die drei Ampelparteien haben massiv verloren; das war ein klares Misstrauensvotum der Bürgerinnen und Bürger gegen Ihre Politik. Die Bürger haben Ihnen eine klare Botschaft gesandt. Wir alle warten auf Ihre Antwort: Migration – tatenlos; Wachstumsschwäche – tatenlos; Wohlstandsverlust – tatenlos.

Zurufdes Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie haben keinen Plan. Sie haben keinen Haushalt. Sie haben keine Idee für dieses Land. Manche bezweifeln, ob Sie überhaupt noch eine Koalition in diesem Land haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Was haben Sie gemeinsam in dieser Woche schon wieder aufgeführt?

Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

In der FDP drohen 30 Abgeordnete mit dem Austritt aus der Ampel, wörtlich: „Ohne Schuldenbremse, ohne uns.“ In der SPD veröffentlichen die drei Fraktionsflügel gemeinsam ein Papier und schreiben: „Das Dogma der schwarzen Null bedeutet Stillstand“. Die Grünen interessieren sich sowieso nicht fürs Geld.

Das klingt doch alles nicht nach Koalition. Das klingt doch schlichtweg nach Wahlkampf, was Sie hier betreiben.

Beifallbei der CDU/CSU

Wo bleibt die Entschuldigung für die Ukrainerinnen-Aussage?

Herr Bundeskanzler, ich freue mich über Ihre persönliche Fitness, die Sie sich im Gegensatz zu den eher trägeren Jahren der Vergangenheit anscheinend zugestehen. Ich würde trotzdem nicht dazu raten, es mit den Sportvergleichen zu weit zu treiben; spätestens das Synchronschwimmen kann die Koalition nicht mehr für sich in Anspruch nehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es fehlt Ihnen – und das ist wieder sehr deutlich geworden in dieser Woche – schlichtweg an einer gemeinsamen Basis für ein geordnetes Regierungshandeln.

Ihnen fehlt es an einem christlichen Menschenbild!

Herr Bundeskanzler, Sie haben darauf hingewiesen: Es wird schon irgendwie werden mit dem Haushalt; möglicherweise wird er im Juli noch irgendwie kommen. – Ich kann Ihnen im Namen der CDU/CSU-Fraktion zusagen: Wir sind jederzeit bereit, aus der Sommerpause zurückzukehren und die Vertrauensfrage zu beantworten, wenn Sie sie stellen. Aber Sie können uns das alles auch ersparen und die Vertrauensfrage in der nächsten Woche hier im Deutschen Bundestag stellen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir stehen in der Tat nicht nur vor einem Europäischen Rat, sondern auch vor einem NATO-Gipfel. Wir teilen Ihr klares Bekenntnis zur NATO und zur transatlantischen Sicherheitspartnerschaft. Aber, Herr Bundeskanzler, Sie fahren auch dorthin ohne einen Haushalt. Die NATO-Partner werden berechtigterweise die Frage stellen, ob Ihr Versprechen aus Ihrer Rede zur Zeitenwende, dass Sie 2 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Bundeswehr zur Verfügung stellen, noch gilt.

Beifallbei der CDU/CSU

Mehr als 2 Prozent dauerhaft!

Sie haben sich, anders als verabredet, in diesem Jahr bereits an den 100 Milliarden Euro Sonderschulden bedient, um den normalen Verteidigungshaushalt damit zu decken. Wir erwarten von Ihnen, dass Sie beim NATO-Gipfel das klare Bekenntnis wiederholen: Deutschland steht zu seinen NATO-Verpflichtungen; Deutschland steht zum Einhalten des 2-Prozent-Ziels;

Deutschland steht dazu, dass wir unsere Verpflichtungen bei der NATO vollumfänglich erfüllen. – Das haben Sie heute vermissen lassen, Herr Bundeskanzler.

Beifallbei der CDU/CSU

In Brüssel steht übrigens die Migrationsthematik auf der Tagesordnung. Letzte Woche haben Sie dazu eine Ministerpräsidentenkonferenz erfolglos abgeschlossen. Egal bei welchem Thema, die Bundesregierung verweigert die Lösung. Zurückweisungen an den Grenzen? Nein! Ermöglichung eines Drittstaatenmodells? Nein! Sie verweigern die Lösung. Das Zurückdrängen der illegalen Migration braucht aber schlichtweg einen Stopp und ein Durchbrechen der Logik der kriminellen Schleuserbanden. Und das bedeutet, dass Schutz durch Europa eben auch Schutz außerhalb der europäischen Grenzen bedeuten kann. Unsere Nachbarländer machen es uns vor. Dänemark, Italien und Großbritannien bereiten Drittstaatenmodelle vor. Es ist auch Ihre Aufgabe und Ihre Verantwortung, dafür Partnerländer in der Welt zu finden. Deutschland muss doch als der Hauptbetroffene der illegalen Migration auf europäischer Ebene Teil der Lösung für ein Drittstaatenmodell sein und nicht der Verhinderer eines Drittstaatenmodells.

Beifallbei der CDU/CSU

2 Millionen Euro pro Flüchtling!

Es gibt in Deutschland eine Debatte auch darüber, warum zweieinhalb Jahre nach Putins Angriffskrieg die Integration von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt deutlich schlechter funktioniert als in allen unseren Nachbarländern. Wenn in Dänemark 80 Prozent der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert sind, in Deutschland aber nur 20 Prozent, dann gibt es dafür schlichtweg Gründe, und diese Gründe haben Sie gemeinsam zu verantworten. Das Bürgergeld ist die Arbeitsbremse, das Bürgergeld ist die Wachstumsbremse, das Bürgergeld ist die Integrationsbremse, und wenn Sie diese Bremsen nicht lösen, dann bleibt es dabei, dass die Arbeitsintegration nicht funktioniert.

Herr Bundeskanzler, Sie haben am Tag der Industrie in dieser Woche wörtlich gesagt: „Es geht darum, … dass die Bürgerinnen und Bürger die Zuversicht zurückerlangen, dass es gut ausgeht für uns alle.“ Da schwingt zumindest die Erkenntnis mit, dass heute ein Teil der Menschen Zweifel daran hat, dass es gut ausgeht.

Das ist das, was Sie daraus gezogen haben?

Wie Sie für sich die Frage beantworten, ob Sie daran eine Mitverantwortung tragen, haben Sie in Ihrer Rede offengelassen. Ich sage Ihnen: Für die aktuellen Zahlen, was das Wirtschaftswachstum und das Ranking Deutschlands im internationalen Wettbewerb anbelangt, tragen Sie Verantwortung.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann hätte man mal früher die Digitalisierung ausbauen müssen! Das haben Sie nicht gemacht! Ist das Breitband ausgebaut worden, als Sie Minister waren?

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist erneut gesunken. Die Landesbank Baden-Württemberg sagt dazu: „Ein Aufschwung findet in Deutschland nicht statt … Und so richtet man sich allmählich in der Dauerstagnation ein.“

Wie das Verkehrsministerium jahrelang!

Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dafür tragen Sie die Verantwortung.

Das ifo-Institut bestätigt: Die Wirtschaftspolitik der Ampel trägt zur Verunsicherung bei. – Darüber muss man sich nicht wundern, wenn der Bundeswirtschaftsminister erklärt, das Heizgesetz sei ein Test gewesen, inwieweit die Gesellschaft bereit ist, den Klimaschutz zu ertragen. Mit so einer Einstellung kann man die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt doch nicht regieren. Mit so einer Einstellung kann man schlichtweg keine Politik machen. Wirtschaftspolitik muss doch mehr sein als „Jugend forscht“, Herr Minister. Deutschland ist kein Testgelände für links-grüne Ideologien. Lassen Sie sich das gesagt sein.

Beifallbei der CDU/CSU

Mein Gott! Schmerzensgeld für diese CSU-Ideologie! Zehn Minuten sind zu viel!

Ich kann Ihnen sagen, wie die Bürgerinnen und Bürger Ihr Regierungshandeln wahrnehmen: Dauerstreit in der Regierung, Dauerstagnation in der Wirtschaft, Dauerfrust bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Sie reden unser Land schlecht!

Deutschland hat deutlich mehr verdient als diese Regierung, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Deutschland hat mehr verdient als Dobrindt!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Endlich Sachverstand in der Debatte! Endlich!

Porträt von Anton Hofreiter
Foto: Anton Hofreiter/ Deutscher Bundestag
15 Vermerkeca. 419 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man sich die Reden der Union anhört, dann hat man immer den Eindruck, Sie wissen jetzt alles so viel besser.

Das ist ja nicht einfach bei Ihrer Arbeit!

Das Seltsame ist nur, dass Sie, als Sie selbst regiert haben, es richtig falsch gemacht und daraus gar nichts gelernt haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie durften gar nicht in die Regierung, Herr Hofreiter!

Ich gebe offen zu, dass auch ich die Regierung manchmal kritisiere, dass sie mir etwas zu langsam ist.

Eigentlich seit drei Jahren!

Aber schauen wir uns an, wie die unionsgeführte Regierung 2014 auf den ersten Überfall Russlands auf die Ukraine reagiert hat. Wie haben Sie damals reagiert? Sie haben das Projekt Nord Stream 2 vorangetrieben, und Sie haben die großen Gasspeicher, die es in Deutschland gibt, an Gazprom verkauft.

Das war damals die Reaktion der unionsgeführten Regierung.

Joschka Fischer hieß der Außenminister damals!

– Nein, 2014 hieß der Außenminister nicht Joschka Fischer.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufder Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

Sie sollten sich mal ein bisschen mit den geschichtlichen Daten beschäftigen. Die Kanzlerin war, falls Sie es nicht wissen, Angela Merkel. Sie ist in der Union gewesen.

Zurufevom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der SPD

Die Grünen haben doch Gas selbst als Übergangstechnologie bezeichnet! Sie erzählen Geschichten!

Wenn man sich anschaut, wie diese Bundesregierung auf den zweiten Überfall Russlands auf die Ukraine reagiert hat, dann sieht man, dass die Bundesregierung, die Sie als Sicherheitsrisiko zu bezeichnen wagen, nach gewissen Zögerlichkeiten der zweitgrößte Unterstützer der Ukraine ist, und zwar in humanitärer und auch in militärischer Hinsicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich glaube, das könnte die Union auch mal anerkennen. Man könnte sich irgendwann mal für 16 Jahre Fehler in der Verteidigungspolitik und in der Sicherheitspolitik entschuldigen. Das wäre mal angesagt.

Herr Dobrindt, Sie haben über die Migrationspolitik gesprochen. Ich gebe offen zu: Wir als Grüne haben bei GEAS das ein oder andere Fragezeichen.

Zurufevon der CDU/CSU

Aber wissen Sie was? Die Einigung auf das GEAS ist die erste Einigung zum Umgang mit Migration und Geflüchteten auf europäischer Ebene seit über zehn Jahren, und das hat diese Bundesregierung hinbekommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Zurufder Abg. Andrea Lindholz [CDU/CSU]

Als Sie regiert haben, als Sie in der Bundesregierung waren, haben Sie nichts hinbekommen. Nichts haben Sie hinbekommen! Und jetzt glauben Sie, wieder alles besser zu wissen. Ich würde Ihnen empfehlen: Lassen Sie das Ganze einfach, und entschuldigen Sie sich erst mal für all das, was Sie angestellt haben! Dann würde man Ihnen vielleicht eher glauben, dass Sie jetzt Lösungen haben.

Das sind Geschichten, die Sie erzählen! Das stimmt einfach nicht!

Wenn man sich anschaut, was auf diesem europäischen Gipfel und in der letzten Zeit passiert ist, dann ist eindeutig, dass Deutschland an der Seite der Ukraine steht, dass Deutschland an der Seite der Republik Moldau steht.

Zurufdes Abg. Karsten Hilse [AfD]

Das ist schlichtweg notwendig für unsere eigene Sicherheit, für die Sicherheit der Bürger in unserem Lande. Diesen Kurs müssen wir fortsetzen. Und dafür müssen wir vielleicht etwas mehr tun.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
Porträt von Rüdiger Lucassen
Foto: Deutscher Bundestag
7 Vermerkeca. 313 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! Im Vorfeld des NATO-Gipfeltreffens in Washington wurde unter anderem die Aufstellung eines neuen NATO-Hauptquartiers in Deutschland angekündigt, ein Kommando, das die militärische Unterstützung für die Ukraine zukünftig koordinieren soll. Was steckt dahinter?

Erstens: eine völlig unnötige und übrigens auch unprofessionelle Eskalation in Richtung Russland.

Denn durch ein solches Hauptquartier wird im Sinne Ihrer Politik nicht mehr Material produziert oder werden mehr ukrainische Soldaten ausgebildet. Es ist im Grunde nur ein neues Gremium mit 700 Mitarbeitern, die vorher etwas anderes gemacht haben. Was Sie damit aber erreichen, ist das Gegenteil von Diplomatie; denn Russland wird dieses Hauptquartier als weiteren Schritt der NATO in den Krieg verstehen.

Beifallbei der AfD

Zudem verbreiten Sie damit auch Angst in der Bevölkerung;

Zurufdes Abg. Jürgen Hardt [CDU/CSU]

denn die wird ein solches Hauptquartier ebenso als Schritt in Richtung Krieg auffassen. Das ist unverantwortlich.

Beifallbei der AfD

Zweitens wollen Sie sich mit diesem Hauptquartier auf die Amtszeit von Donald Trump vorbereiten; denn Sie befürchten, dass Trump der Ukraine den Stecker ziehen wird. Aber wenn er dies macht, wird er – so wie wir ihn kennen – dies auch mit dem neuen Hauptquartier tun, zumal dieses in der Liegenschaft der US-Landstreitkräfte in Europa unterkommen soll. Sie schützen sich also nicht vor den Veränderungen, die kommen werden.

Diese Panikmache betreibt die Bundesregierung auch, wenn Verteidigungsminister Pistorius alle naselang davon redet, dass Russland uns in fünf Jahren angreifen wird. Pistorius hat keine seriöse Grundlage für diese Prognose. Und wenn er seine eigene Prognose ernst nehmen würde, dürfte er ab heute keine einzige Granate mehr aus Bundeswehrbeständen abgeben. Wenn er Kriegstüchtigkeit predigt, darf er keine Depots plündern. Das tut er aber. Auch hier einziger Effekt: Angst in der Bevölkerung.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Liebe Kollegen, Politik bedeutet, Positionen zu verhandeln, im eigenen und im Interesse der Partner. Meine Fraktion hat es in ihrem heutigen Entschließungsantrag klar benannt: Wir fordern Entspannung, Interessenausgleich und Diplomatie als Mittel einer eigenständigen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik.

Danke.

Beifallbei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]
Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Sören Pellmann
Foto: Fraktion Die Linke im Bundestag/Jennifer Marke
5 Vermerkeca. 407 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Nicht mehr anwesender Herr Bundeskanzler! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die besonderen Herausforderungen der Zeit, die der Bundeskanzler skizzierte, beantwortet er weiterhin nach dem falschen alten Ansatz. In der bisherigen Diskussion fehlt Wegweisendes in Richtung Frieden und Sicherheit.

Das Ziel eines friedlichen und sicheren Europas eint uns wohl, mit Ausnahme der Pickelhauben-AfD, die noch am isolierten deutschen Wesen ihre kleingeistige Welt genesen glaubt. Frieden und Sicherheit aber können nicht erreicht werden, wenn schon der Grundansatz falsch ist. Aufrüstung führt nur zur Drohkulisse und zur falschen Prioritätensetzung im Inneren, aber nicht zu mehr Frieden und Sicherheit.

Beifallbei der Linken

Wirtschaftliches Dominanzstreben führt zu Kampf um Verdrängung, aber nicht zu Wohlstand und globaler Zusammenarbeit. Demokratie durch versuchten Demokratieexport führte und führt oft zu Failed States statt zu demokratischen Staaten.

Und doch wird von diesen fehlerhaften Grundannahmen aus weiterregiert. Es ist so bezeichnend wie falsch, dass bei den drei Säulen des Europäischen Rates für die strategischen Ziele 2024 bis 2029 das wichtige Wort „sozial“ nicht einmal vorkommt. Wenn die Armut in Europa und in Deutschland zunimmt, die Kaufkraft abnimmt, die Mittelschicht schrumpft und der soziale Frieden massiv gefährdet ist, vermodert unsere Wettbewerbsfähigkeit von innen wie ein morscher Ast.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Diese Ignoranz der sozialen Frage gefährdet unsere Gesellschaften.

Deutschland gibt nun als braves NATO-Land über 2 Prozent des von der arbeitenden Bevölkerung erwirtschafteten Bruttoinlandsproduktes für Rüstung aus. Herzlichen Glückwunsch an die Aktionäre der Waffenkonzerne! Dabei rüstet sich die NATO schon mit über 55 Prozent der weltweiten Militärausgaben hoch, also mit mehr als Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien zusammen. Wenn Ihnen angesichts der Aggression Putins die stärkere Landesverteidigung richtigerweise wichtig ist, dann schlagen Sie auf der anderen Seite doch den Begriff der strukturellen Nichtangriffsfähigkeit nach! Das sollte nach Auffassung der Linken der Weg sein.

Was aber würden wohl die Zwangsarbeiter in den Emiraten und in Katar, die Kurdinnen und Kurden in Syrien oder die Menschen im Sudan von Ihren Zielen halten? Gut möglich, sie sehen es wie ich, dass auch diese hochmoralisierende Bundesregierung eine hochselektive Menschenrechtspolitik nach politischer Passfähigkeit betreibt. Wer ständig dem Staat China Kopfnoten verpasst – und ja, da ist viel im Argen –, aber bei anderen schreienden Ungerechtigkeiten passiv bleibt, macht sich doch, wie Sie, unglaubwürdig, meine lieben Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Amira Mohamed Ali [BSW]

Falls Sie ernsthaft diese Welt zu einem sicheren Ort machen wollen, richten Sie Ihre Außen- und Sicherheitspolitik an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen aus! Die Welt braucht gerade in diesen Zeiten eine vermittelnde Friedensmacht Deutschland, keine weitere militärische Mittelmacht.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Amira Mohamed Ali [BSW]
Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Gabriela Heinrich
Foto: Photothek Media Lab
6 Vermerkeca. 539 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die NATO ist das bedeutendste sicherheitspolitische Bündnis der Welt. 1991 meinten viele, der Hauptgrund für die Existenz dieses Bündnisses habe sich erledigt. Die wenigsten rechneten damit, dass 30 Jahre später ein russischer Präsident Putin neue imperiale Träume verwirklichen will.

Weniger weit in der Vergangenheit war es um Ruf und Bedeutung des Bündnisses nicht gut bestellt. Beim Jubiläumsgipfel 2019 freute man sich darüber, dass es überhaupt gelang, eine Abschlusserklärung zu erreichen. Präsident Macron sprach vom „Hirntod der NATO“, die Türkei hatte sich mit russischen Waffen eingedeckt, der Schlingerkurs eines Donald Trump verunsicherte viele Bündnispartner.

Von solchen Zweifeln ist die NATO aktuell, an ihrem 75. Geburtstag, weit entfernt. Der Kanzler hat es gesagt, und auch viele andere hier haben auf die Bedeutung des Washingtoner Gipfels hingewiesen, nicht nur, weil es einen neuen NATO-Generalsekretär Mark Rutte geben wird. Vielmehr wird der Jubiläumsgipfel zeigen, dass die NATO wichtiger ist denn je, auch und gerade für die Sicherheit in Deutschland und in Europa.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Jedoch: Die Allianz muss sich – auch das haben viele gesagt, auch Kollege Link – weiterentwickeln. Angesichts der zahlreichen auch hybriden Bedrohungen, denen die NATO-Länder gegenüberstehen, müssen politische Weichen gestellt werden. Und auf der Tagesordnung in Washington müssen und werden unter anderem der Schutz der Ukraine, der Schutz der Ostflanke und eine faire und gerechte Lastenverteilung unter den Bündnispartnern stehen.

Olaf Scholz hat in der Zeitenwende-Debatte immer wieder klargemacht: Deutschland nimmt seine Bündnisverpflichtungen ernst. – Wir haben, wie Sie alle wissen, mit dem Sondervermögen für die Bundeswehr viel Geld in die Hand genommen, um sie zu ertüchtigen. Wir stärken den europäischen Pfeiler der NATO, etwa durch die europäische Luftverteidigungsinitiative European Sky Shield. Und wir übernehmen Verantwortung, unter anderem mit der dauerhaften Stationierung einer Brigade in Litauen.

Sehr geehrte Damen und Herren, ebenso wenig wie die EU nur Wirtschaftsgemeinschaft ist, ist die NATO ein reines Militärbündnis.

Sie ist auch ein Wertebündnis.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind die Grundpfeiler, auf denen unsere Allianz aufgebaut ist. Ja, sie setzt auf militärische Abschreckung. Sie setzt aber auch auf die friedliche Beilegung von Konflikten, wofür Diplomatie und Dialog notwendig sind, die, so haben wir gelernt, nur aus einer Position der Stärke heraus erfolgreich sein können.

Eines darf man nicht vergessen, auch wenn das einige hier im Hohen Haus nicht wahrhaben wollen: Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis; sie handelt defensiv.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Christian Dürr [FDP]

Das Bündnis wird größer, weil sich Länder freiwillig anschließen. Der Beitritt Schwedens und Finnlands ist eine Konsequenz aus der Bedrohung durch den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine. Er zeigt, wie stark sich die Sicherheitslage verändert hat. Der russische Angriff hat die NATO nicht geschwächt oder gespalten, er hat sie größer und stärker gemacht.

Alle demokratischen Fraktionen sind aufgerufen, weiter zusammenzuarbeiten, um die NATO zu stärken und in unser Bündnis zu investieren. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie das tun werden. Verteidigungsminister Pistorius hat bekräftigt: Die NATO ist dazu aufgestellt, jeden Quadratzentimeter ihres Territoriums notfalls verteidigen zu können.

Meine Damen und Herren, der barbarische Überfall Russlands auf die Ukraine hat unsere europäische Friedensarchitektur in ihren Grundfesten erschüttert. Präsident Putin ist noch nicht aus seinen imperialen Träumen erwacht. Lassen Sie uns gemeinsam weiter daran arbeiten, dass es nicht dazu kommt, dass je ein Bündnisfall ausgerufen werden muss!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Dr. Ann-Veruschka Jurisch [FDP]
Beifallbeim BSW
Porträt von Sara Nanni
Foto: Sara Nanni/ Nina Runge
4 Vermerkeca. 380 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! In Frankreich und Großbritannien stehen Neuwahlen noch vor dem Gipfel in Washington an. In den USA sind wir bereits im Wahlkampf um die nächste Präsidentschaft, und da wird von einigen mit Lügen Politik gemacht.

Auch bei uns in Deutschland – machen wir uns nichts vor – ist die Lage rund um die Haushaltsverhandlungen so schwierig wie vielleicht lange nicht. Diese politisch angespannte Lage hängt nicht nur, aber auch mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine zusammen. Uns muss klar sein: Es ging von Anfang an nicht nur um die Ukraine; es geht auch um uns.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wir sind gemeint.

Hätte es ohne die Einmischung Russlands den Brexit gegeben? Wie stark wären Rechtspopulisten ohne das Geld von Putins Leuten geworden?

Putin hat etwas verstanden über Europa, über die Demokratien in der NATO, etwas – so scheint es mir –, was wir vielleicht selbst nicht verstanden haben: Europa ist stark geworden, weil wir den Nationalismus überwunden haben.

Für Putin ist das Ende des Kalten Krieges und somit auch das Ende der Sowjetunion und des Warschauer Paktes ein böser Irrtum der Geschichte, den es geradezurücken gilt. Und Europa, insbesondere die EU, hat Putin zum größten Feind erklärt, weil sie immer mehr Staaten für sich gewinnen konnte, die Putin eigentlich wieder Russland unterstellen will.

Ja, diese imperialistischen Ziele, sie klingen in unseren Ohren immer noch unwirklich, aber ich hoffe, niemand hier verschließt noch die Augen: Es geht Putin genau darum. Putin will Russlands Territorium vergrößern; die EU und die NATO stehen ihm im Weg. Putin bekämpft diese starken Staatenbünde, indem er den Nationalismus wieder stärkt – durch die Finanzierung von nationalistischen Parteien, durch Desinformationskampagnen. Er finanziert Nationalisten nicht, weil er deren politischen Ziele für unsere Länder teilt, sondern weil er weiß, wie er sie gegen unsere Länder einsetzen kann, um sein Ziel zu erreichen: die Schwächung Europas.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir wissen das heute – wir können es wissen, wenn wir genau hinschauen –, und wir haben jetzt die Wahl: Reden wir ihm das Wort, machen wir mit bei der nationalistischen Wende, bei der Selbstzerfleischung in Europa, oder sind wir schlauer als die gekauften Patrioten und halten als Europäer/-innen und Demokratinnen und Demokraten zusammen?

Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit. Und was Putin am meisten fürchtet, ist unsere Einigkeit in Vielfalt.

Danke schön.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifalldes Abg. Thomas Seitz [fraktionslos]
Porträt von Marja-Liisa Völlers
Foto: Marja-Liisa Völlers / Photothek
6 Vermerkeca. 721 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Bundesministerinnen und Bundesminister! Meine Damen und Herren! In diesem Jahr – wir haben darauf bereits hingewiesen – begehen wir 75 Jahre Bestehen der NATO – 75 Jahre, in denen es dank der einzigartigen Verpflichtung zur kollektiven Verteidigung der NATO keinen bewaffneten staatlichen Angriff auf NATO-Territorium gab. Dennoch – ich glaube, das ist uns allen auch sehr klar – gibt es keinen Grund zur Freude. Der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg auf die Ukraine zeigt uns, wie wichtig und notwendig die NATO nach wie vor und immer noch ist.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, daher bleibt die NATO das Fundament unserer kollektiven Sicherheit. In diesen Zeiten der globalen Unsicherheit und wegen der großen Herausforderungen, die diese mit sich bringen – „Zeitenwende“ ist, glaube ich, nicht nur in Deutschland seit zweieinhalb Jahren ein fester Begriff –, aber nicht nur deswegen ist die NATO ein unverzichtbares Bündnis und eben der Garant für unsere Sicherheit auch hier in Europa.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch etwas anderes unterscheidet uns fundamental von anderen lockeren staatlichen Zusammenschlüssen: Wir haben diesen großen Wert der Demokratie, der die Staaten der NATO zusammenhält. Weil die NATO eben in erster Linie ein Bündnis ist, in dem Entscheidungen von Staats- und Regierungschefs getroffen werden, gibt es aber auch die Parlamentarische Versammlung der NATO, deren stellvertretende deutsche Delegationsleiterin ich sein darf.

Mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus diesem Haus haben wir erst kürzlich in Sofia in Bulgarien Ende Mai eine Resolution zur weiteren Unterstützung der Ukraine beschlossen, eine Resolution, die genau das beschreibt, was auch die Staats- und Regierungschefs aller Voraussicht nach in gut zehn Tagen in Washington auf ihrem Gipfel miteinander vereinbaren werden. Das zeigt, wie wichtig uns unser Bündnispartner ist und wie groß der deutsche Anteil an der Unterstützung der Ukraine, aber auch im NATO-Bündnis mittlerweile geworden ist.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Debatte hat doch einiges gezeigt: viel Einigkeit und an den Rändern sehr viel Uneinigkeit. Aber sie hat auch gezeigt, dass es durchaus ein Wahrnehmungsproblem dessen gibt, was wir als Deutschland als Beitrag in unser Bündnis hineingeben, auch in der Unterstützung der NATO und der Ukraine. Und: Ja, wir werden in Wiesbaden ein großes NATO-Kommando bekommen, wo die Unterstützungen der Ukraine gebündelt werden, wo Kooperationen stattfinden, wo Ausbildungen koordiniert werden.

Aber – das ist auch etwas, was in Sofia, in Bulgarien, eine große Rolle gespielt hat – wir gehen „in the lead“, wie man so schön sagt. Stoltenberg, unser scheidender Generalsekretär, hat in seinem Grußwort noch einmal betont, dass beispielsweise die deutsche Flugabwehrinitiative Patriot ein großer Beitrag war. Auch viele andere NATO-Partner müssen diesen Beitrag noch erfüllen. Darum lassen Sie sich bitte nicht einreden, der deutsche Beitrag in der NATO wäre klein, wäre unwichtig. Das ist falsch.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zum Abschluss möchte ich noch mal einen Punkt herausschälen, der mir heute ein bisschen zu kurz gekommen ist. Wir haben vor gut zweieinhalb Jahren eine Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums gehabt, dem ich angehören darf. Dort hat der Präsident unseres Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, etwas gesagt, was die Lage sehr, sehr eindrücklich schildert. Herr Haldenwang sagte – Zitat –: „Russland ist der Sturm, China ist der Klimawandel.“ Diese Perspektive dürfen wir bei all dem, auch wenn wir über die NATO sprechen, nicht ganz vergessen. Ja, hier in Europa ist Russland unser großer Gegner. Natürlich wollen wir kein aktiver Kriegsteilnehmer werden. Wir müssen die Ukraine auch weiterhin unterstützen.

Aber wir sehen halt überall hybride Angriffe. Reden Sie mal mit Kolleginnen und Kollegen aus Estland und Finnland, wie sie das Entfernen von Markierungsbojen zwischen den Staatsgrenzen fanden. Sie nehmen Bedrohung komplett anders wahr. Ihnen schulden wir es auch, dass wir uns hier weiter miteinander engagieren und einen wachsamen Blick darauf haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich habe ja eben über „Deutschland führt“ gesprochen. Die Brigade in Litauen, die dank Bundesminister Pistorius jetzt im Aufbau ist, ist auch ein integraler deutscher Beitrag zur Sicherung unserer Ostflanke, liebe Kolleginnen und Kollegen. Auch das sollten wir an der Stelle nicht kleinreden.

Ich wünsche dem Bundeskanzler bei seinen Verhandlungen beim Gipfel in Washington sehr, sehr viel Erfolg. Ich weiß, die NATO ist eine gute Gemeinschaft. Die NATO ist in der Demokratie begründet. Wir werden es gemeinsam schaffen, die Herausforderungen der heutigen Zeit, aber auch die Herausforderungen in der Zukunft sinnvoll und gut miteinander zu lösen. In diesem Sinne: Ihnen und uns allen gute Beratungen und insbesondere dem Bundeskanzler viel Erfolg – für uns alle, für unser Land.

Danke.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallder Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Thomas Seitz [fraktionslos]
2 Vermerkeca. 182 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Mitbürger! Während Europa durch den Fußball abgelenkt ist, macht die NATO den Krieg zwischen Putin und der Ukraine abseits von jeglicher parlamentarischen Kontrolle zu ihrem eigenen Krieg.

Mit der Übernahme der Koordination der Militärhilfe steht insbesondere Deutschland mit der strategischen Kriegsplanung in Wiesbaden kurz davor, zur Konfliktpartei gemacht zu werden. Ebenfalls wird vorbereitet, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, was Putin für einen Waffenstillstand ablehnt. Der russische Präsident hat aber bis zur Amtseinführung des US-Präsidenten kein echtes Interesse an Verhandlungen. Er macht sich sogar angreifbar, indem er die kompletten annektierten Gebiete der Ukraine fordert, welche diese nur verteidigen muss, damit Putin nicht gewinnt und der Westen dieses Ziel erreicht.

Dass Putin nichts gegen eine Aufnahme der Ukraine in die EU hat, zeigt, dass diese Destabilisierung nicht in unserem Interesse ist. So ist Selenskyjs Bedingung unrealistisch, vor einem Frieden mit Russland das Asowsche Meer zu kontrollieren. Selbst wenn die Ukraine für die Krimbrücke am Taurus ausgebildet würde, kann sie die Landbrücke militärisch nicht einnehmen. Auch dann nicht, wenn die NATO in Wiesbaden entscheidet, unerfahrene Kampftruppen zu schicken.

Beifallder Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Thomas Seitz [fraktionslos]
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
6 Vermerkeca. 738 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Gäste auf den Tribünen! In der letzten Woche habe ich die sitzungsfreie Zeit genutzt und an einer Reise des Verteidigungsausschusses ins Baltikum teilgenommen. Wir haben in vier Tagen die drei baltischen Länder besucht.

Das Baltikum ist ein Brennpunkt der gegenwärtigen Lage in Europa, und das sowohl aus der Sicht der EU wie auch der NATO. Unsere Reise zeigte erneut die Bedeutung unseres Engagements in dieser Region. Die Besuche der Ämari Air Base in Estland, des Luftwaffenstützpunktes Lielvārde in Lettland und des Stützpunktes im litauischen Rukla zeigen die großen Anstrengungen und die Fortschritte, die wir gemeinsam mit unseren baltischen Partnern machen.

Vor Ort waren die positiven Reaktionen auf unseren Besuch und die Leistungen der Bundeswehr mit Händen zu greifen. Die baltischen Staaten fühlen sich aus historischen und aktuellen Gründen als Frontstaaten und sehen in der expansiven Ideologie und Kriegspolitik von Herrn Putin keine theoretische, sondern eine ganz reale Gefahr. Das führt dazu, dass sowohl bei der Bevölkerung wie auch bei Parteien und Regierungen die Eindämmung dieser Bedrohung zum Maßstab aller ihrer Entscheidungen gemacht wird.

So ist es!

Gleichzeitig sehen sie trotz der Bedrohung ihre Zukunft zuversichtlich, und das auch dank der EU.

Unsere Präsenz wird als entscheidend angesehen, und die Dankbarkeit für die Unterstützung ist groß. Mit der Verstetigung unseres Engagements und – Kollegin Völlers hat es bereits erwähnt – mit der Schaffung der deutschen Brigade 45 gehen wir im Rahmen der NATO voran und leisten einen wichtigen Beitrag zur Abschreckung vor einem Angriff Russlands auf NATO-Territorium.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das steht übrigens, liebe Unionsfraktion, im Widerspruch zu der dauernden und nörglerischen Kritik aus Ihren Reihen, die zu Hause ständig vorgebracht wird. Vor Ort sieht man das alles völlig anders. Die Menschen im Baltikum sind für unsere Dienste sehr dankbar. Wertschätzung wird immer geäußert. Kritik an Deutschland gibt es kaum noch.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat in seiner heutigen Rede deutlich gemacht, dass die Sicherheit in Europa eines der wichtigsten Themen beim bevorstehenden Europäischen Rat sein wird. Sicherheit hat dabei neben den Fragen der Verteidigung nach außen auch Aspekte des inneren Zusammenhalts und der Fähigkeit, der russischen Aggression mit Freisetzung unserer eigenen wirtschaftlichen Potenziale und industrieller Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich zu begegnen.

Damit die deutsche und im Endeffekt auch die europäische Sicherheits- und Verteidigungsindustrie langfristig stark und angesichts der Bedrohungen widerstandsfähiger werden, muss sich die Bundesregierung auch um die Industriepolitik aktiv kümmern. Und allgemein gilt, dass – sofern möglich, verfügbar und finanziell vertretbar – in Deutschland und Europa Rüstungsgüter beschafft werden sollten. Dazu muss auch die EU die Rahmenbedingungen verbessern. Auch das ist ein Ziel, das von unserer Regierung verfolgt wird. Ein entscheidendes Kriterium sind dabei die in der NATO gültigen und weiterzuentwickelnden Standards für Rüstungsgüter, um sie gemeinsam in der EU herstellen und verwenden zu können.

Um unsere Souveränität zu sichern, muss gleichzeitig die Abhängigkeit von in Staaten außerhalb der EU hergestellten Systemen und Bauteilen verringert werden.

Darüber hinaus setzen wir uns weiter dafür ein, dass die Rüstungsindustrie aber auch durch ein vernünftiges nationales Rüstungsexportkontrollgesetz reguliert wird. Und langfristig brauchen wir auf diesem Gebiet eine EU-weite Harmonisierung der Rüstungsexportkontrolle – ganz im Sinne einer europäischen Souveränität.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Nur im Rahmen der EU und der NATO können wir unsere Fähigkeiten ausbauen, die Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit unserer Wirtschaft sichern und damit auch unsere Souveränität stärken und die Unterstützung der Ukraine langfristig aufrechterhalten. Meine Damen und Herren, 500 Millionen Menschen in der EU sollten mit ihren Fähigkeiten, ihren Ideen, ihrer Kreativität, ihrer Vielfalt doch gemeinsam in der Lage sein, der russischen Aggression zu widerstehen. Wir haben das Potenzial, wir müssen es nur nutzen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zu Beginn meiner Rede habe ich von meiner Reise ins Baltikum und unserem erfolgreichen Engagement dort berichtet und davon, wie dieses von den Menschen vor Ort aufgenommen und unterstützt wird. Das Baltikum und unser Engagement in diesen Ländern können als Modell für eine neue Sicherheitsarchitektur gelten, die im gleichen Maße auch für die Beitrittskandidaten Ukraine und Moldau und perspektivisch vielleicht auch für Georgien von existenzieller Bedeutung ist. Unsere gemeinsamen Anstrengungen und die enge Kooperation im Rahmen der EU und NATO sind entscheidend für die Sicherheit und Stabilität in Europa. Wir stehen fest an der Seite unserer Partner und Freunde im Baltikum und in der Ukraine.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die Stärkung unserer Verteidigungsfähigkeit und die Unterstützung unserer Partner sind von entscheidender Bedeutung für die Abschreckung von Aggressoren – egal woher sie kommen – und für die Wiederherstellung und die Wahrung des Friedens in Europa. Die Bundesregierung ist hier auf dem richtigen Weg. Sie hat dabei unsere Unterstützung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Britta Haßelmann
Foto: Studio Kohlmeier
20 Vermerkeca. 946 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Merz, ich verstehe Sie nicht.

Das glaube ich Ihnen!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Warum besteht Ihr Konzept für die CDU/CSU eigentlich darin, dieses Land mit den Menschen, die hier leben, zu spalten oder schlechtzureden?

Es wird Ihnen keinen Erfolg bringen, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Oje! So wird das nichts, Frau Haßelmann! So wird das nichts!

Denn Menschen und Parteien werden dafür gewählt, dass sie Ideen haben, dass sie Konzepte vorlegen,

Ja, dann machen Sie doch mal was!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

dass sie Alternativen aufzeigen,

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

aber nicht dafür, dass sie alles nur schlechtreden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Und Sie werden nicht zum Schlecht-Regieren bezahlt!

Zum Staatsbürgerschaftsrecht, meine Damen und Herren. Ich meine, warum stellen Sie sich hierhin und wissen noch nicht mal das Datum der Einführung?

Morgen tritt das neue Staatsbürgerschaftsrecht in Kraft.

Zurufdes Abg. Wilfried Oellers [CDU/CSU]

Morgen tritt es in Kraft und nicht heute.

Zurufevon der CDU/CSU

Es ist ein guter Tag für unser Land und für die Menschen, die hier leben, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Es ist ein sehr guter Tag; denn viele Menschen, die es betrifft, leben hier seit vielen Jahren. Über 20 Millionen Menschen haben eine Einwanderungsgeschichte, haben Eltern, Großeltern, Urgroßeltern aus einem anderen Land. Sie leben hier, bekennen sich zu diesem Land und sind Teil dieses Landes mit ihren Familien, ihren Freunden, ihren Kindern.

Die meisten bekennen sich aber nicht zu Deutschland!

Für sie schaffen wir ein besseres und auch liberaleres Staatsbürgerschaftsrecht, wie es das in vielen anderen europäischen Ländern gibt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Christian Dürr [FDP]

All Ihre Aussagen dazu sind wirklich sachlich grundlos; denn Sie wissen, dass in vielen anderen europäischen Ländern längst liberale Staatsbürgerschaftsgesetze bestehen.

Nennen Sie mir mal eines!

Weiterer Zurufvon der CDU/CSU: Wo?

Das gilt auch für die Menschen, die hierherkommen wollen und sich entscheiden müssen, in welchem der europäischen Länder sie künftig arbeiten und leben wollen, ihren Lebensmittelpunkt haben wollen. Wir haben einen massiven Fach- und Arbeitskräftemangel; wir können eigentlich von einer Krise reden.

Einerseits haben wir die inländischen Potenziale zu heben, indem wir Weiterbildung, berufliche Orientierung, Ausbildung, die Bedingungen für ein Studium und all das verbessern. Andererseits dürfen wir Menschen, die hierherkommen wollen, um hier zu arbeiten und ihren Lebensmittelpunkt zu haben, nicht durch einen Bürokratiedschungel und auf Jahre auf Distanz zum Staatsbürgerschaftsrecht verdonnern, sondern müssen ihnen als vollwertigen Bürgerinnen und Bürgern Mitwirkung und Teilhabe ermöglichen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das ist wichtig und notwendig, und deshalb ist das Inkrafttreten des neuen Staatsbürgerschaftsrechts morgen auch ein wichtiger Punkt.

Nach der Europawahl, meine Damen und Herren, geht es jetzt an die Arbeit in Brüssel und in Straßburg. Die Ergebnisse der Europawahl stellen mich und uns nicht zufrieden. Sie sind enttäuschend für uns, und wir werden darüber intensiv diskutieren. Wir haben uns zu fragen: Warum haben wir an manchen Stellen die Menschen im Land mit unseren Vorstellungen nicht erreichen können? Jeder hat da vor seiner Tür zu kehren. Ich glaube, wir alle sind gut beraten, das in Ruhe zu tun – selbstkritisch und selbstreflektiert.

Was aber erschütternd ist, ist der Rechtsruck in Europa. In Österreich und Frankreich jubeln Rechtspopulisten. Es ist fatal, dass auch hier ausgerechnet die rechtspopulistische, in Teilen rechtsextreme Kraft der AfD mit zwei Spitzenkandidaten, die Putin den Hof machen und in ganz enger Kooperation mit China stehen – Spitzenkandidaten, die Sie verstecken mussten, weil der Skandal so groß ist –, so viele Prozente erzielt.

Das ist erschreckend und beunruhigend, aber muss uns demokratische Kräfte veranlassen, zu überlegen: Wie können wir Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes deutlich machen, warum sie demokratische Kräfte unterstützen sollten, Ideen und Konzepte für Europa unterstützen sollten, die wir hier im Raum vertreten, und nicht die Rückbesinnung auf das Nationale? Denn mit den Ideen, die Sie Gott sei Dank nicht mehrheitsfähig machen werden in diesem Land, weil 80 Prozent der Menschen in diesem Land Ihre Politik ablehnen, wären wir bei einer Renationalisierung.

Ihre Politik lehnen 90 Prozent ab!

Weitere Zurufe von der AfD

Wir würden in hohem Maße Wirtschaftskraft verlieren; denn Unternehmen würden sich hier nicht mehr ansiedeln, wenn wir mit so einer Rückbesinnung auf das Nationale zu tun hätten, wie Sie das propagieren, und dann auch noch mit einer Orientierung an Autokraten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Das wäre das Schlimmste, was unserem Land passieren könnte, und etwas, was die Zukunftsfähigkeit Europas wirklich gefährden würde, meine Damen und Herren.

Wir haben eine Vielzahl von Herausforderungen in Europa. Allen voran geht es darum, jetzt Wirtschaft und Klimaschutz ins Zentrum zu stellen. Es ist unsere Verpflichtung gegenüber künftigen Generationen, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Meine Damen und Herren, die Zeiten, in denen „Wohlstand oder Klimaschutz“ propagiert wurde, sind vorbei. Wirtschaftliche Entwicklung, Prosperität, Jobs der Zukunft, Investitionen in die Zukunft gehen nur, indem wir Wohlstand und Klimaschutz zusammendenken.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Das steht jetzt an in Europa; das ist ganz zentral. Denn der Schutz des Klimas, der Schutz der Biodiversität, die Ressourcenknappheit, die Dekarbonisierung, Maßnahmen der Klimaanpassung und der ökologischen Veränderung der Wirtschaft und der Industrie – all das gehört zusammengedacht.

Das ist notwendiger denn je, und zwar nicht nur hier bei uns im Land, sondern in ganz Europa. Da kann Deutschland einen großen Beitrag leisten; denn wir haben uns bereits auf den Weg gemacht. Deshalb ist es auch so fatal, wenn Herr Merz glaubt, die Strategie der Union, dieses Land nur schlechtzureden, gehe auf.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Dann regiert es halt nicht schlecht!

Gleichzeitig ist klar, dass wir ein klares Bekenntnis aller Mitgliedstaaten zur Unterstützung der Ukraine brauchen. Diese Unterstützung bezieht sich auf humanitäre Unterstützung, sie bezieht sich auf die Fragen des Wiederaufbaus, und sie bezieht sich nach wie vor auch auf die Unterstützung durch Waffenlieferungen und Finanzmittel, die alle Länder zur Verfügung stellen müssen.

Herr Dobrindt, ich will Ihnen an dieser Stelle eines sagen: Jeden Tag werden in der Ukraine Städte bombardiert. Wir alle kennen das Leid; auch Sie haben sich gegenüber dem Botschafter und dem Präsidenten entsprechend geäußert. Und drei Tage später, nachdem sie weg sind, kommen Sie mit billigem Populismus daher

und reden davon, dass diejenigen Ukrainer/-innen, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen, in sichere Gebiete der Ukraine zurückgeschickt werden sollen. Wie herzlos, wie billig ist das denn? Ich finde das infam.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Schäbig!

Ich habe mich dafür geschämt, dass das von jemandem aus den Reihen der demokratischen Kräfte kommt, meine Damen und Herren.

Porträt von Britta Haßelmann
Foto: Studio Kohlmeier
2 Vermerkeca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Europa ist unser Zukunftsprojekt, und das müssen wir den jungen Menschen näherbringen, noch mehr, als wir das heute tun. Es geht ganz konkret darum: Was bedeutet es eigentlich in Zukunft für die junge Generation, in Europa zu leben? Wie wichtig ist die Freizügigkeit, also die Möglichkeit, in einem anderen europäischen Land zu leben und zu arbeiten? Was bedeutet es ganz konkret für jeden jungen Menschen, in Europa leben zu können, und das – im Gegensatz zu den Generationen vor uns – in Frieden und Freiheit. Welche Chancen sind damit verbunden? Es geht darum, das alles deutlich zu machen. Ich finde, wir haben hier eine große Verantwortung angesichts der Ergebnisse der Europawahl.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP
Beifallbei der AfD
9 Vermerkeca. 748 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Tat, der Kollege Dürr hat recht: Es geht um einen wirklich wichtigen Europäischen Rat morgen und übermorgen. Wenn ich mir die Tagesordnung anschaue, sehe ich: Es geht um viel. Es geht darum, welches Spitzenpersonal wir in den nächsten fünf Jahren in der Europäischen Union haben. Es geht darum, mit welchen Schwerpunkten und mit welchen Inhalten wir in den nächsten fünf Jahren vorwärtsgehen. Und es geht auch darum, liebe Kolleginnen und Kollegen, wie denn die Demokratinnen und Demokraten, die demokratische Mitte im Europäischen Parlament, miteinander zusammenarbeiten und für die Stärkung der europäischen Demokratie kämpfen. Das ist also einiges.

Das alles passiert in ernsten und schwierigen Zeiten, in Zeiten des andauernden menschenverachtenden, aggressiven Krieges Putins gegen die Ukraine, in Zeiten – einige der Vorredner und Vorrednerinnen haben es angesprochen –, wo das deutsche und europäische Wirtschafts- und Sozialstaatsmodell stärker unter Druck gerät, in Zeiten, wo die eine oder andere Partei meint, dass Klimaschutz und der sich zuspitzende Klimawandel nicht mehr so wichtig seien, weil andere Themen wichtiger seien, und in Zeiten, wo spätestens im November dieses Jahres die jahrzehntelange gute transatlantische Partnerschaft und Zusammenarbeit ganz anderen Herausforderungen ausgesetzt werden könnte – Konjunktiv! – als bisher. In solchen Zeiten ist es gut, dass wir darüber reden, wie wir uns Europa von morgen vorstellen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

In diesen Zeiten, lieber Herr Merz, ist es gut, dass wir uns nicht das Deutschland von gestern vorstellen, so wie Sie das in Ihrer Rede gemacht haben. Ich denke da nur an die Äußerung zum Staatsbürgerschaftsrecht.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Zusammengefasst will ich mal mit allem Selbstbewusstsein und mit aller Zuversicht sagen, dass wir in Zeiten wie diesen ein paar Dinge beachten sollten.

Erstens. Wichtig ist unsere klare Haltung zu Europa. Ich bin zuversichtlich, dass Deutschland angesichts seines Gewichts, seiner Größe und Einwohnerstärke sowie als größte Volkswirtschaft Europas durch den Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland auf der bevorstehenden Tagung des Europäischen Rats klar, eindeutig und sehr gut vertreten wird. Dafür bedanke ich mich schon jetzt beim Bundeskanzler.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wenn wir hier über Klarheit und Eindeutigkeit reden, bin ich bei der Zusammenarbeit der demokratischen Mitte in Europa; denn wir brauchen in diesem Europa ganz offensichtlich eine klare Zusammenarbeit der demokratischen Mitte. Das sind für mich die Christdemokratinnen und Christdemokraten, die Liberalen, die Grünen und die Sozialdemokratie in Deutschland und Europa. Nur dann, wenn diese Kräfte deutlich machen, wie sie zusammenarbeiten und dass sie ordentlich zusammenarbeiten, wird es gelingen, dafür zu sorgen, dass Leute wie Sie, die im Europäischen Parlament noch nicht einmal mehr rechts außen sitzen, weil die Rechtsaußen der Rechtsaußenfraktionen gesagt haben, dass Sie ihnen zu weit rechts außen sind – Sie müssen froh sein, dass Sie überhaupt zur Tür ins Europaparlament hineinkommen –, nichts zu sagen haben, und dafür kämpft die demokratische Mitte geschlossen, egal wie unterschiedlich die Ansichten zu verschiedenen Themen sind.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Zweitens. Selbstverständlich erkennt die deutsche Sozialdemokratie, die SPD, Wahlergebnisse an.

Lachenbei der AfD

Selbstverständlich haben wir vor der Wahl zum Spitzenkandidatenprinzip gestanden, und wir stehen auch nach der Wahl zum Spitzenkandidatenprinzip. Selbstverständlich haben wir vor der Wahl gesagt: Wir wollen eine Zusammenarbeit der Demokratinnen und Demokraten, ohne doppeltes Spiel und ohne Schielen nach ganz rechts außen. Und das sagen wir auch nach den Wahlen. Wir sind dafür, dass dieses Europa von demokratischen Kräften regiert wird und von niemand anderem, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Drittens. Ich will an das anknüpfen, was Britta Haßelmann gerade gesagt hat. Es muss doch, wenn man auf die nächsten fünf Jahre schaut, bei großen Projekten möglich sein, Dinge zusammenzubringen, die zusammengehören. Es muss doch möglich sein, auf dem europäischen Binnenmarkt die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt zu stärken und etwas für den Klimaschutz zu tun. Es muss doch möglich sein, diese drei Dinge zusammenzuführen!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Das Gleiche gilt für Sicherheit und Frieden. Es muss doch möglich sein – und es ist möglich; das zeigt doch gerade der Verteidigungsminister –, dass wir die Ukraine nach Kräften unterstützen und gleichzeitig eine starke Kraft für Diplomatie und Verhandlungen sind, wie das in den bisherigen Formaten schon passiert ist und weiter passieren wird. Das geht zusammen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD

Es geht übrigens auch zusammen, dass man die europäischen Verteidigungsfähigkeiten deutlich stärkt, gleichzeitig aber darauf verzichtet, das zu tun, was meine Fraktion als großen Fehler beurteilt, nämlich bei humanitärer Hilfe und bei Entwicklungszusammenarbeit zu kürzen. Steigerung der Verteidigungsfähigkeit und Kürzungen bei den Hilfen passen nicht zusammen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich fasse zusammen: Es geht in den nächsten Tagen und in den nächsten Wochen um unser Europa, um ein freies und liberales Europa, um ein demokratisches und soziales Europa.

2 Vermerkeca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft unseres Kontinents. Dafür lohnt es sich zu streiten.

Schönen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
3 Vermerkeca. 513 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kollege Lucassen, Sie haben Ihren Antrag angesprochen. Den lohnt es sich zu lesen; denn da sieht man, wie man es nicht machen darf: Er trieft geradezu vor Anbiederung an Orbán und sogar an Putin.

Sehr richtig!

Deshalb: Wir müssen immer wieder deutlich machen, wie ernst die Lage, in der wir sind, tatsächlich ist. Das ist etwas, was oft viel zu kurz kommt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Anfang einer Legislatur der Kommission ist eine Chance, institutionelle und strukturelle Reformen anzustoßen. Sie darf nicht erneut vergeben werden. Ich weiß, es ist schwierig, das Ziel zu erreichen, das in den Verträgen steht und das eigentlich schon 2014 Wirklichkeit geworden sein sollte: eine Verkleinerung der Kommission. Seit 2014 sollten wir eine Kommission mit einer Anzahl von Kommissaren haben, die nur zwei Drittel der Zahl der Mitgliedstaaten entspricht; das wären 18 statt 27. Ich weiß, das wird schwierig. Aber wenn wir nicht mindestens die Ambition haben, Herr Bundeskanzler, das auch mal zu verhandeln, wenn wir nicht mindestens gemeinsam versuchen – egal wer gerade regiert; alle Regierungen zusammen –, das einzuhalten, was eigentlich in den Verträgen steht, dann werden wir es nicht schaffen, die Überregulierung in den Griff zu bekommen; denn natürlich hat die Überregulierung auch damit zu tun, dass wir 27 Kommissare haben, von denen fast jeder eigene Gesetzgebungsbereiche hat.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Gabriela Heinrich [SPD]

Also: Weniger ist manchmal mehr. Stärker werden wir nicht durch Verzetteln, sondern durch Konzentration.

Wir bräuchten das übrigens auch im Bereich der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, wo wir eine super Kandidatin für die EU-Außenbeauftragte haben. Aber sie darf ja oft nicht. Auch hier der Appell an den Rat: Lasst sie machen! Grätscht ihr nicht rein! Nur so wird es was mit der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik.

In einem Bereich haben wir es mit der Reform geschafft. Die beiden Finanzminister, Bundesfinanzminister Lindner und der französische Finanzminister Le Maire, haben es geschafft, den Fiskalpakt zu reformieren – eine große Leistung, die man nicht genug unterstreichen kann. Und deshalb haben jetzt sieben Staaten innerhalb der Europäischen Union Briefe bekommen mit der Nachricht, dass ihnen ein Defizitverfahren droht – Stichwort: keine Schuldenunion insgesamt, aber auch solide Haushalte national. Auch Deutschland hat letzte Woche einen Brief bekommen. Und was steht drin? Wir werden von der Kommission ausdrücklich ermuntert, den von der Bundesregierung eingeschlagenen Konsolidierungspfad fortzusetzen, sogar zu verstärken und nicht abzuschwächen.

Beifallbei der FDP

Also, es gibt in diesem Bereich sehr viel zu tun und genauso im Bereich der NATO. Wir könnten zum Beispiel – das ist dringend – viel für die Stärkung des europäischen Pfeilers der NATO tun, etwa dadurch, dass wir der neuen EU-Außenbeauftragten die Chance geben, nach den britischen Wahlen schnell ein Sicherheitsabkommen zwischen der EU und Großbritannien zu verhandeln. Das wäre ein echter, starker, ganz konkreter Beitrag zur Stärkung des europäischen Pfeilers der NATO. Wir reden zwar in Sonntagsreden darüber, wir müssen es aber auch machen. Genau das brauchen wir für die Zukunft: Wir müssen überlegen, wie wir die Zusammenarbeit zwischen EU und NATO stärken können. Nicht abkoppeln, Zusammenarbeit ist die Regel. Nicht verzetteln, sondern Stärkung, auch der Abschreckung, zum Beispiel dadurch, dass wir neue Mitglieder für die nukleare Teilhabe gewinnen.

2 Vermerkeca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also, es gibt viel zu tun. Wir freuen uns, das anzugehen, gemeinsam mit dem neuen Generalsekretär Mark Rutte.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der Linken
10 Vermerkeca. 286 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Bundeskanzler, Ihr Verständnis von Demokratie ist wirklich bemerkenswert. Die Wähler erteilen Ihnen und der Ampel eine Abfuhr sondergleichen, und Sie machen einfach weiter, als wäre nichts passiert.

Beifallbeim BSW

Keine Einsicht, kein Respekt vor den Wählern, keine Kurskorrektur. Das ist doch schlicht empörend.

Dass wir allmählich unsere Industrie verlieren und die Bildungsmisere immer drängender wird, dass die Kassenbeiträge schon wieder steigen sollen, dass die unkontrollierte Migration mittlerweile bis zu 50 Milliarden Euro im Jahr verschlingt – das alles geht offenbar komplett an Ihnen vorbei.

Beifallbeim BSW

Sie können Ihre Haushaltslöcher nicht stopfen, aber für immer neue Waffenschecks für die Ukraine und für Rekordaufträge für Rheinmetall und Co scheinen unbegrenzte Mittel vorhanden zu sein.

Zurufvon der FDP

Und, Herr Merz, es ist nicht sonderlich originell, Menschen, die für Verhandlungen werben, als nützliche Idioten einer Kriegspartei zu diffamieren.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Aber, Herr Merz, die Geschichte lehrt: Es gibt auch nützliche Idioten der Waffenindustrie, und zu denen gehören wir jedenfalls nicht.

Beifallbeim BSW

Aber das Gefährlichste und das Bedrohlichste ist, dass diese Politik uns Schritt für Schritt in einen großen europäischen Krieg hineinführen kann. Das macht vielen Menschen Angst.

Zurufvon der FDP

Und sie erwarten von Ihrer Bundesregierung, dass sie alles Menschenmögliche tut, um diesen schrecklichen Krieg auf dem Verhandlungsweg zu beenden.

Beifallbeim BSW

Und, nein, das bedeutet nicht, Putins Bedingungen zu übernehmen. Ein Waffenstillstand an der jetzigen Frontlinie als Ausgangspunkt für Friedensgespräche wäre eine realistische Option.

Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Warum unterstützen Sie nicht China und Brasilien, die genau das fordern,

Beifallbeim BSW

sondern stellen sich stattdessen hinter die Maximalforderungen von Selenskyj, der über Frieden erst verhandeln will, wenn die Russen ihre Truppen von der Krim und dem Donbass abgezogen haben? Die Zeit der Kompromisse sei vorbei, hat Selenskyj hier im Bundestag unter Ihrem Beifall gesagt.

Sie waren doch gar nicht da!

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Erklären Sie doch mal den Bürgerinnen und Bürgern, –

1 Vermerkca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– wie das Sterben ohne Kompromisse enden soll, wenn ganz Europa in Schutt und Asche liegt!

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]
2 Vermerkeca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger verspielt. Ziehen Sie endlich die Konsequenzen daraus!

Beifallbeim BSW

Sie waren doch gar nicht da!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Christian Dürr [FDP]
ca. 136 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die gesamte Regierungspolitik der Ampel beruht auf einer faustdicken Lüge: dass angeblich in den kommenden Jahren ein russischer Angriff auf Deutschland droht und wir daher 900 000 Reservisten mobilisieren müssen und hier ein Hauptquartier zur Versorgung der Ukraine einrichten sollen.

Im Jahresbericht der US-Geheimdienste zur Bedrohungslage vom 5. Februar 2024 heißt es – Zitat –: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit will Russland keinen direkten Konflikt mit amerikanischen und NATO-Streitkräften. – Warum, Herr Pistorius, Frau Baerbock, Herr Kiesewetter und wie auch immer Sie heißen, belügen Sie unser ganzes Volk über eine russische Kriegsgefahr, die unmittelbar vor der Tür stehe?

Die Hauptprofiteure Ihrer Ideologie sind im Westen die amerikanische und die europäische Rüstungsindustrie. 2024, dieses Jahr, hat die Bundesregierung sogenannte Verteidigungsausgaben von 90,6 Milliarden Euro an die NATO gemeldet.

ca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das meiste dieser Gelder ist ein Konjunkturprogramm für die amerikanische Rüstungsindustrie.

ca. 7 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Darum komme ich zum Schluss und sage – –

5 Vermerkeca. 46 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sie sind in Wahrheit – –

Das Mikrofon wird abgeschaltet

Nein, ich habe eine Minute gesprochen, genau getestet!

Lachenbei Abgeordneten der SPD

– Ja, aber ich habe hier eine Uhr; die läuft mit, und die hat bereits 1 Minute und 25 Sekunden angezeigt.

Widerspruchdes Abg. Robert Farle [fraktionslos]

Er traut der Uhr nicht! Die Uhr lügt!

Aber wir wollen das hier nicht diskutieren. – Gehen Sie bitte auf Ihren Platz.

Das Wichtigste ist die fünfte Kolonne!

Nächster Redner ist der Kollege Johannes Schraps, SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD
Porträt von Johannes Schraps
Foto: Photothek Media Lab
6 Vermerkeca. 780 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zurück zu den Themen des Europäischen Rates. Da konnten wir gestern schon davon reden – der Kanzler hat es vorhin beschrieben, und er hat ja auch gemeinsam mit Pedro Sánchez als Verhandler für die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten viel dazu beigetragen –, dass sich die europäischen Parteienfamilien auf ein Personaltableau für die EU-Spitzenpositionen verständigt haben. Das ist aus zwei Gründen sehr zu begrüßen.

Zum Ersten ist diese Einigung jetzt vor dem Europäischen Rat zunächst einmal eine ganz wichtige Voraussetzung, dass es ab morgen beim Europäischen Rat dann nicht mehr maßgeblich um Personalfragen gehen muss, sondern dass es um die vielen dringenden inhaltlichen Themen gehen kann, die sich da auf der Tagesordnung finden.

Zum Zweiten halte ich es für ganz wichtig, dass wir nun auch noch vor Beginn der ungarischen Ratspräsidentschaft, die leider in einigen Tagen beginnt, darüber Klarheit haben, wer in den kommenden Jahren auf der EU-Ebene Verantwortung trägt, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Von den Themen, die auf der Tagesordnung des Rates stehen, sind bereits einige im Verlauf der Debatte genannt worden. Ich möchte auf die Staaten zu sprechen kommen, deren Vertreter dieser Tage vollkommen zu Recht von einer historischen Woche für ihre Länder gesprochen haben: auf die Ukraine und die Republik Moldau. Die weitere Unterstützung beider Länder steht auch auf der Tagesordnung dieses Europäischen Rates.

Ein wichtiger Schritt wurde aber bereits gestern im Vorfeld der eigentlichen Ratstagung getan; denn mit den ersten Regierungskonferenzen mit Vertretern beider Länder hat die Europäische Union ganz formal die EU-Beitrittsverhandlungen dieser Länder eröffnet. Mit breiter Unterstützung hatten wir uns auch hier im Bundestag dafür ausgesprochen, und wir können deshalb gemeinsam beiden Ländern heute auch herzlich zu diesem wichtigen Schritt gratulieren, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit der feierlichen Übergabe der Leitlinien für die Beitrittsgespräche ist ein erster, ganz wichtiger Schritt getan. Damit beginnt nun natürlich eine Phase sehr intensiver und – da darf man sich aus meiner Sicht auch keine Illusionen machen – wahrscheinlich auch langwieriger Beitrittsgespräche.

Beide Länder haben seit den Beitrittsanträgen im Frühjahr 2022 allerdings auch schon erhebliche Reformanstrengungen unternommen, um an diesen heutigen Punkt überhaupt erst einmal zu gelangen. Die Fortschritte, die in diesen beiden Ländern schon geschafft wurden, zeigen uns, dass der Prozess der europäischen Integration nach wie vor ein starkes und extrem attraktives Projekt ist, übrigens ebenso wie Gabriela Heinrich das eben völlig richtig für die NATO-Integration einiger Länder beschrieben hat.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Sosehr die EU von manchem kritisiert wird: Irgendetwas muss diese Gemeinschaft ja haben.

Es geht ums Geld!

Und ganz so schlecht, wie sie manchmal gemacht wird, kann sie ja gar nicht sein, wenn weiterhin Staaten Anträge auf Beitritt zur Europäischen Union stellen und Teil dieses gemeinsamen Klubs sein wollen, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Der Weg der Republik Moldau und der Ukraine in die Europäische Union ist auch in zweierlei Hinsicht von entscheidender Bedeutung: Zum einen zeigt er, dass die EU-Mitgliedstaaten trotz mancher Diskussionen eng zusammenhalten und dass sie – anders als von Putin erwartet; das ist mehrfach beschrieben worden – auch ihren Partnern ganz eng zur Seite stehen. Er ist damit im Prinzip auch ein Symbol der europäischen Einheit.

Zum anderen ist der Weg der Ukraine und der Republik Moldau gleichzeitig ein Zeichen, dass Russland in Osteuropa einen zunehmend schwindenden Einfluss hat. Russland wird von vielen Ländern im Osten Europas als Gefahr und überhaupt nicht als Partner wahrgenommen. Einzig militärischer Druck hält die einen oder anderen Staaten davon ab, sich von Russland zu entfernen. Aber wer kann, der wendet sich von diesem neoimperialistischen Gehabe Putins ab.

Während Putins Russland Allianzen mit Staaten wie Nordkorea schmiedet, konnten sich die EU-Staaten immer wieder auf starke gemeinsame Unterstützung für Kiew, aber auch für Chișinău einigen: durch militärische Hilfe, durch finanzielle Hilfe und durch die Ausweitung von Sanktionen gegen Russland, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beim EU-Gipfel wird es deshalb richtigerweise übrigens nicht nur um Integrationsschritte der Beitrittskandidaten gehen, sondern auch um die Planung der Reformen, die innerhalb der EU notwendig sind, um in der Zukunft neue Länder in die Europäische Union aufzunehmen. Die EU-Annäherung bietet den beitrittswilligen Ländern große Chancen hinsichtlich ihrer weiteren Entwicklung in Richtung demokratischer Regierungsführung, wirtschaftlichen Wohlstands und der Stärkung rechtsstaatlicher Grundlagen, und aus meiner Sicht ist die Motivation dafür hoch. Beeindruckend ist vor allem, zu sehen, wie das Land Ukraine trotz des brutalen russischen Angriffskriegs eine unerschütterliche Entschlossenheit und Solidarität ausstrahlt, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Aber auch in der Republik Moldau – davon konnten wir uns in der vergangenen Woche mit dem Europaausschuss vor Ort überzeugen – arbeitet man intensiv für eine weitere EU-Annäherung, obwohl Moskau seit Monaten seine hybride Kriegsführung vorantreibt.

Wir werden beide Länder in den nächsten Schritten weiterhin intensiv begleiten müssen, im Interesse der beiden Länder, aber auch in unserem europäischen Interesse.

Porträt von Johannes Schraps
Foto: Photothek Media Lab
ca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Für den Moment gratuliere ich den Bürgerinnen und Bürgern der Ukraine –

Porträt von Johannes Schraps
Foto: Photothek Media Lab
2 Vermerkeca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– und der Republik Moldau deshalb von ganzem Herzen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifalldes Abg. Johannes Huber [fraktionslos]
ca. 163 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Zum Sommertreffen der NATO-Verteidigungsminister schrieb das BMVg: „Die NATO wird jeden Quadratzentimeter ihres Territoriums verteidigen.“ Genau dies – und nur dies – ist die Aufgabe der NATO, auf die Deutschland als militärischer Zwerg angewiesen ist. Denn der Aufbau einer alternativen Verteidigung mit atomarem Schutzschirm dauert Jahrzehnte, und ein Wechsel des Hegemons ist keine Option: Bei den USA gibt es immerhin Zuckerbrot zur Peitsche; beim Zaren gibt es nur die Knute.

Die Verteidigung eines Drittlandes wie der Ukraine ist allerdings das Gegenteil von rein defensiver Landes- und Bündnisverteidigung. Dennoch wird die Aufrüstung der Ukraine in zwei Wochen in Washington das Hauptthema sein.

Die Politik der NATO wie auch Deutschlands ist nicht auf Bewahrung des Friedens bei uns ausgerichtet, sondern auf Eskalation mit Russland bis hin zum Krieg. Der Ukraine zu helfen, mag edel sein. Aber für jeden, der nicht mit dem Verkauf von Zinksärgen und Leichensäcken Geld verdient, ist es grundfalsch; denn es ist nicht unser Krieg.

2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Kämpfen Sie stattdessen endlich für Frieden in der Ukraine.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der AfD und der Abg. Robert Farle [fraktionslos] und Johannes Huber [fraktionslos]
Beifallbei Abgeordneten der SPD
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
2 Vermerkeca. 697 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Das mache ich sehr gerne. Wir haben ja eben schon eine intensive Debatte über den Zustand der Wirtschaft und über die Lage in Deutschland und in Europa gehört. Deswegen würde ich gerne ein paar Daten nachtragen, die das Problem vielleicht ein bisschen im Detail beleuchten.

Man kann schon sagen, dass sich die deutsche Wirtschaft langsam aus der Krise befreit. „Langsam“ ist allerdings natürlich nicht gut genug. Deswegen – Sie haben es gehört – arbeitet die Bundesregierung parallel zum Haushalt 2025 auch an weiteren Maßnahmen, um aus „langsam“ hoffentlich „schneller“ zu machen.

Wenn man sich anschaut, welche zwei Indikatoren besonders ins Auge fallen: Ich möchte einmal darauf hinweisen, dass die Einkommen im ersten Quartal so stark gewachsen sind wie seit Beginn der Zeitreihe 2008 nicht mehr. Das betrifft sowohl die Nominaleinkommen – sie waren um 6,4 Prozent höher als im Vorjahresquartal – als auch die Reallöhne, die wegen der sinkenden Inflation um 3,8 Prozent stiegen.

Das heißt, die Menschen haben wieder mehr Geld. Es ist buchstäblich mehr Geld in den Haushalten vorhanden, und wenn das spürbar wird, dann wird dieses Geld sicherlich auch verausgabt werden. Die Binnennachfrage steigt dann, und die Konjunkturschwäche, die wir wegen der hohen Energiepreise, der hohen Produktionspreise und der hohen Inflation hatten, kann dadurch überwunden werden. Interessant ist in dieser Hinsicht vor allem, dass die Nominallöhne bei den Geringverdienern um 8,8 Prozent höher liegen, dass also die Zuwächse der verfügbaren Einkommen im unteren Einkommensbereich tatsächlich steigen.

Ich darf sagen, dass ich mich, erstens, darüber freue, wobei „freuen“ vielleicht relativ ist. Aber ich halte dies ausdrücklich für richtig. Und es war ja auch die durch Maßnahmen der Bundesregierung gesteuerte Politik, die dafür gesorgt hat, dass die Einkommensschere unter den schwierigen Bedingungen, in denen wir uns befinden, zulasten der Gerechtigkeit nicht weiter auseinanderging.

Zweitens – und das ist jetzt der problematische Teil –: Woran hapert es vor allem, neben all den Schwierigkeiten, die wir haben, also fehlende Arbeitskräfte, große Arbeitskraftlücken, lange bürokratische Prozesse? Wir haben ein Investitionsproblem. Die Bruttoanlageinvestitionen sind schon 2023 um 0,7 Prozent zurückgegangen. Ähnliches erwarten wir auch für 2024, nämlich einen besonders dramatischen Rückgang bei den Bauinvestitionen um 1,8 Prozent und bei den Anlageinvestitionen um 0,3 Prozent. Das heißt, es fehlt tatsächlich an Stimulanzien, an Anreizen, dass jetzt wieder im Land investiert wird. Das, denke ich, sollte bei all den Debatten im Konkreten – neben all den strukturellen Problemen – berücksichtigt werden, wenn man jetzt einen Schub schaffen will.

Interessant ist, drittens, dass die ostdeutschen Bundesländer besser sind als die westdeutschen Bundesländer. Das sage ich deswegen, weil ja die politische und teilweise die gesellschaftspolitische Debatte genau in die andere Richtung läuft. Aber diejenigen, die im Moment stärker sind als der Durchschnitt, das sind die ostdeutschen Bundesländer. Das waren sie schon im letzten Jahr, als die Wirtschaft insgesamt um 0,3 Prozent schrumpfte und die im Osten um 0,7 Prozent wuchs. Nun sind 0,7 Prozent nichts, worauf man stolz sein kann oder worauf man sich ausruhen kann.

Das sehen wir genauso!

Aber eine Wachstumsdifferenz von einem Prozentpunkt zwischen den ost- und den westdeutschen Bundesländern ist doch durchaus erheblich und bemerkenswert. Sie ist vielleicht ein Indikator dafür, dass nicht alle Debatten auf einer realen Grundlage beruhen, dass also die Stimmung manchmal schlechter ist als die tatsächliche Entwicklung.

Ich will schließen mit einem Hinweis für die so stark gebeutelten Hochwasserregionen im Süden Deutschlands, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Wir haben in Anlehnung an das, was wir im Ahrtal schon gemacht haben, die Programme zur Erneuerung von Gebäuden – ich verweise etwa auf die Sanierung von Heizungen – komplett geöffnet. Die Gebühren – es gibt eine kleine Gebühr, wenn man im normalen Verfahren ist – werden vom BMWK übernommen. Alle Fristen – wenn man zum Beispiel gerade eine neue Heizung eingebaut hat, wird ja im Regelfall nicht gefördert – werden aufgehoben. Als ich dort in den Hochwassergebieten war, konnte ich den Ölfilm auf den Straßen sehen. Es ist sicherlich so, dass da viele Heizungen und Gebäude zerstört wurden. Unabhängig von den großen Debatten über Hilfsfonds können wir jetzt über die BEG, also die Bundesförderung für effiziente Gebäude, etwas tun. Ich hoffe, es kommt ein paar Menschen zugute und hilft, die schlimmste Not zu lindern.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
7 Vermerkeca. 537 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bei allen tagesaktuellen Debatten, zu denen ich gleich kommen werde, möchte ich ganz klar sagen: Bessere Bildungschancen für alle, bessere Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung, die Stärkung der Innovationskräfte unseres Landes, das ist unsere Arbeit. Und wir haben hier große Fortschritte gemacht, etwa mit dem Startchancen-Programm. Es ist das größte und langfristigste Bildungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Zunächst wollten wir mit 1 000 Schulen starten. Jetzt sind es doppelt so viele. Insgesamt werden 4 000 Schulen davon profitieren, 1 Million Schülerinnen und Schüler. 20 Milliarden Euro investieren wir in den nächsten zehn Jahren – Bund und Länder gemeinsam; denn Deutschlands Zukunft wird in den Schulen entschieden.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Beste Bildung für alle, das ist auch der Anspruch hinter dem BAföG. Wir haben es noch einmal besser gemacht mit dem dritten Update innerhalb einer Legislaturperiode: Flexibilitätssemester, 1 000 Euro Studienstarthilfe, noch einmal höhere Freibeträge, noch einmal höhere Bedarfssätze. Dieses Sprungbrett in eine erfolgreiche berufliche Zukunft hat noch nie so weit getragen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das zahlt sich aus. Das ist die Erneuerung des Aufstiegsversprechens. Das ist die beste Investition in jeden Einzelnen und in unser Land.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Neue Wege wagen: Das ist auch unser Anspruch in der Forschungspolitik und im Bereich Innovation. Deswegen die DATI, die Deutsche Agentur für Transfer und Innovation, mit ihrem neuartigen, agilen Förderansatz; der DATI-Pilot macht es vor. Deswegen die Technologieoffenheit bei Zukunftsenergien, bei der Fusionsforschung. Wir treiben das alles konsequent voran, auch im Bereich der künstlichen Intelligenz und der Robotik. Das zeigt: Wir setzen Prioritäten auf Innovation und technologischen Fortschritt und damit auch auf Wachstum und Wohlstand.

Zu den aktuellen Debatten. Hier möchte ich gerne einleitend ein paar grundsätzliche Anmerkungen machen. In welchem Umfeld diskutieren wir denn gerade? Nach dem 7. Oktober ist ein nicht zu erwartender Antisemitismus in unserem Land wieder ausgebrochen, der – wir sehen das – auf den Straßen und überall Einzug gehalten hat. Wir sehen, dass jüdische Studentinnen und Studenten teilweise schon im zweiten Urlaubssemester sind, weil sie sich nicht mehr an die Hochschulen trauen. Wir sehen jüdische Dozentinnen und Dozenten, die angefeindet werden. Deswegen müssen wir uns alle gegen den Antisemitismus stellen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Insofern ist ganz klar: Ich bleibe bei meiner Kritik an dem offenen Brief von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern, weil in diesem offenen Brief die Verfolgung von Straftaten, aber auch der Einsatz der Polizei zur Durchsetzung des Rechtsweges, der Rechtsmittel abgelehnt wurde. Dieser Brief ist von der Meinungsfreiheit gedeckt, aber man muss ihm nicht zustimmen, und ich setze ihm eine andere Meinung entgegen. Ich halte ihn für falsch.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Genauso klar möchte ich aber auch sagen: Wir haben ein zweites hohes Gut neben der Meinungsfreiheit in unserem Land, und das ist die Wissenschaftsfreiheit. Sie ist ein Schatz. Durch die Wissenschaft sind wir da, wo wir sind, und auch nur mit ihr werden wir die großen Zukunftsfragen lösen. Deswegen sage ich auch noch einmal ganz klar und deutlich: Im BMBF vergeben wir Fördermittel nach wissenschaftlicher Exzellenz,

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

nicht nach politischen Weltanschauungen. Das ist das Kernprinzip von Wissenschaftsfreiheit. Dafür stehe ich auch persönlich.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Weil eben diese Wissenschaftsfreiheit ein hohes Gut unserer Verfassung ist, schützen wir sie in alle Richtungen – in alle Richtungen! Sie ist die Grundlage für Erkenntnis und für Fortschritt.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]
5 Vermerkeca. 194 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident, ich bedanke mich zunächst, dass ich die Frage stellen kann, und auch für Ihren Hinweis, welche Ampel hier ernst zu nehmen ist und welche nicht.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Oder ich habe das falsch verstanden; das kann auch sein.

Herr Bundeswirtschaftsminister, ich würde Ihnen gerne eine Frage stellen zu einem Punkt, der die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken könnte. Das Stichwort hier ist „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz“, verbunden mit sehr vielen Berichtspflichten und Dokumentationspflichten.

Das ist das Gesetz des ehemaligen Bundesministers!

Wir wissen alle: Es ist eine europäische Regelung in Vorbereitung. Bislang gibt es nur eine deutsche; das führt zu Wettbewerbsnachteilen deutscher Unternehmen.

Ich glaube, auch Sie sehen das so. Sie haben vor drei Wochen beim Tag des Familienunternehmens mitgeteilt, dass es wohl sinnvoll wäre, das deutsche Lieferkettengesetz so lange, bis das EU-Recht umgesetzt ist, pausieren zu lassen. Sie haben gleichzeitig auch gesagt: Ich bitte mit Blick auf Details noch um zwei, drei Wochen Geduld.

Nun ist glücklicherweise heute die Zeit abgelaufen.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich würde Sie jetzt bitten, kurz die Details zu erläutern und zu sagen, inwieweit die Absicht von Ihnen, die Sie bei den Familienunternehmern mitgeteilt haben, auch umsetzbar ist. Wir freuen uns alle auf die Abschaffung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes

Abschaffung des Lieferkettengesetzes, das Sie selber geschaffen haben?

Welche Bundesregierung hat das noch mal gemacht? Ich komme nicht drauf!

– jedenfalls auf die Pausierung.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
1 Vermerkca. 174 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Grosse-Brömer, die europäische Rechtsregelung sieht etwas anders aus als die von der Großen Koalition beschlossene. Sie behält die Sorgfaltspflichten bei. Es gibt ja zwei Bestandteile: die Sorgfaltspflichten – das ist im deutschen Gesetz so; das ist auch im europäischen Gesetz so – und die Berichtspflichten. Das deutsche Gesetz setzt zusätzliche Berichtspflichten darauf. Das europäische Gesetz setzt keine zusätzlichen Berichtspflichten darauf, sagt aber, dass die bestehenden Berichtspflichten natürlich zu erfüllen sind.

Meiner Ansicht nach macht es Sinn, das europäische Recht, das ungefähr in zwei Jahren zu implementieren ist, jetzt möglichst schnell zu implementieren, weil dann die Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, wenn man so sagen darf, haben; denn sie können sich schneller als die anderen daran gewöhnen.

Aus dem, was ich eben vorgetragen habe, ergibt sich eine Differenz bei den Berichtspflichten. Wenn das europäische Gesetz schnell da ist, macht es meiner Ansicht nach keinen Sinn, im Übergang Berichtspflichten, die nur kurz erhoben werden, um sie dann nicht mehr zu erheben, noch weiter zu erheben. Wir alle sollten Interesse daran haben, dass das schnell implementiert wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
3 Vermerkeca. 57 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ja, die hätte ich noch. – Wenn wir da offensichtlich übereinstimmende Auffassungen haben

Ich dachte, Sie wollen es abschaffen!

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

und Sie auch bei den Familienunternehmern mitgeteilt haben, dass das Pausieren des deutschen Gesetzes im Prinzip ein Befreiungsschlag wäre, dann wäre es doch vornehmste Aufgabe von Ihnen als zuständigem Minister, diese Befreiung endlich zu ermöglichen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Deswegen noch mal meine Frage: Wann ist es so weit?

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
2 Vermerkeca. 104 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Erst einmal bitte ich um die Präzisierung. Ich sagte eben schon, dass beide Gesetze zwei Bestandteile haben, und der wichtigere ist aus meiner Sicht die Sorgfaltspflicht. Weil ich gerade in China war, weise ich darauf hin, dass das der Garant dafür ist, dass wir bei unseren Produkten keine Verbindung zu Zwangsarbeit oder Landraub haben.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Das bleibt in jedem Fall bestehen.

Deswegen will ich nur sprachlich präzisieren: Eine Abschaffung dieser Sorgfaltspflicht halte ich für falsch und auch politisch für nicht richtig. Außerdem ist es ja jetzt schon auf europäischer Ebene beschlossen. Die Berichtspflichten können dann auf das Kommende reduziert werden, so schnell wie es geht.

Keine Antwort!

1 Vermerkca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Frage geht an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, auch zum Thema Lieferkettengesetz. Viele kleine und mittlere Betriebe beklagen sich bei mir als zuständigem Berichterstatter regelmäßig darüber, dass große Unternehmen, die eigentlich von dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz betroffen sind, ihre Pflichten in der Zulieferkette vertraglich weitergeben. Das sorgt für Verwirrung und schmälert die Akzeptanz des Gesetzes.

Ich habe großes Vertrauen in Torsten Safarik und das BAFA, dass sie das gut umsetzen. Sie haben auch Maßnahmen ergriffen, damit das begrenzt wird. Was tut das Bundeswirtschaftsministerium neben diesen Maßnahmen noch zusätzlich, um die kleinen und mittleren Unternehmen zu schützen?

Beifallbei Abgeordneten der SPD
ca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Vielleicht dann ganz kurz die Nachfrage: Wie gesagt, das BAFA tut da relativ viel, um das einzugrenzen. Aber gibt es konkrete Maßnahmen des BMWK, um da Abhilfe zu schaffen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es gibt insgesamt eine Reihe von Vorschlägen noch unter der Annahme, dass wir mit dem deutschen Lieferkettengesetz weitermachen müssen, dürfen oder sollen, die die Berichtspflichten pauschalisiert, einfacher gemacht, gebündelt hätten. Aber in die direkten Geschäftsbeziehungen zwischen einem großen Unternehmen und einem kleinen können wir natürlich nicht reingehen. Also, wir dürfen ja nicht die Telefonate mithören oder die Auftragsvergaben kontrollieren.

Insofern ist die Arbeit von uns immer gewesen, die Dinge einfacher, digitaler, handhabbarer zu machen. Mit dem Blick auf das auf europäischer Ebene beschlossene Gesetz rate ich zu dem jetzt mehrfach geschilderten Vorgehen.

Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
3 Vermerkeca. 131 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Minister Habeck, die Pöbler von Sylt, so haben Sie gesagt, würden den Zusammenhalt unseres Landes angreifen. Aber das ist natürlich falsch: Den Zusammenhalt unseres Landes greift die Massenmigration mit ihrer Einwanderung von Messern und von Gewalt an.

Sie schadet, und sie tötet – zum Beispiel in Mannheim: Der Polizistenmörder hätte eigentlich schon längst abgeschoben werden müssen. Oder denken wir zum Beispiel an Gera und andere Orte, wo Migrantenmobs in antideutschem Rassismus unsere Jugendlichen quälen oder Mädchen vergewaltigen.

Widerlich! Das ist so widerlich!

Allein in Berlin gibt es jeden dritten Tag eine Gruppenvergewaltigung, und wir haben an einem Tag im Durchschnitt zehn Messerangriffe.

Sie machen weiter mit der Einwanderung, und damit sind auch Sie mitverantwortlich für die Morde, die bei uns passieren. Ist Ihnen klar, dass man Ihnen da vorwerfen kann, dass Blut an Ihren Händen klebt?

Was ist das denn für ein Mist?

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
1 Vermerkca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Der deutsche Rechtsstaat hat viele scharfe Instrumente. Die Innenministerin überprüft, und das Kabinett verschärft auch heute an diesem Tag die Instrumente immer weiter. Es muss völlig klar sein, dass Menschen, die von rechts oder von anderen Ideologien ausgehend den Rechtsstaat missachten und die Würde und Freiheit von Menschen gefährden, mit der vollen Härte des Rechtstaates belangt werden.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Nächste Fragestellerin ist die Kollegin Dr. Sandra Detzer, Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
ca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Frage geht an den Bundeswirtschaftsminister. Herr Minister, Sie haben eben eine Reise nach Ostasien beendet. Sie waren in Südkorea – das ist einer unserer Partner – und auch in China. Sie haben in China darum geworben, dass insbesondere mit Blick auf die Zölle, die gerade in Bezug auf chinesische Autolieferungen im Raum stehen, doch bitte Gespräche zwischen Europäischer Kommission und chinesischer Regierung stattfinden sollten. Wir wissen inzwischen, dass sich diese Gespräche anbahnen. Könnten Sie für uns noch mal einordnen, welche Bedeutung Sie diesen Gesprächen beimessen und welche Hoffnungen Sie mit diesen Gesprächen verbinden?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
1 Vermerkca. 183 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Es ist gut, dass die Kommission und die chinesische Regierung jetzt miteinander sprechen. Wenn ich richtig informiert bin, geht es erst einmal um Faktenklärung und Datenabgleich. Das wiederum sollte uns auffordern, in dem Bemühen, diesen Konflikt zu deeskalieren, nicht nachzulassen.

Meiner Ansicht nach ist die Deutung dessen, was dort auf sachlicher Basis vorgetragen wird, allemal politisch. In China konnte man das durch die Bank hören, und meiner Ansicht nach muss der Konflikt auch politisch gelöst werden. So hart man mit China reden musste, damit sie nicht sagen: „Das geht alles nicht, das dürft ihr alles nicht, das können wir gar nicht machen“, so deutlich muss man jetzt auch von der Kommission fordern, dass sie bereit ist, diesen Konflikt nicht bürokratisch zu behandeln und über Fußnoten von Zahlen irgendwelche Lösungen hinzubekommen, sondern ihn tatsächlich politisch zu lösen.

Es sollte dafür gesorgt werden, dass es ein Level Playing Field zwischen Europa und China gibt, also dass nicht Märkte kaputtgemacht werden und langfristig die Produktion von Automobilen in Europa Schaden nimmt, und dass gleichzeitig kein Wettlauf bei Zöllen stattfindet, sondern so etwas unterbunden wird.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 52 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Eine Nachfrage: Sie hatten sich im Vorfeld dieser Gespräche mit Botschafter/-innen sowohl der Mitgliedstaaten als auch der EU getroffen, um eine gemeinsame Linie auszuloten und Positionen einzuholen. Welchen Eindruck haben Sie da von der Einigkeit Europas mitgenommen? Und wie bedeutend finden Sie gerade da die Einheit Europas gegenüber der chinesischen Regierung?

Oh, das war eine scharfe Frage!

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meiner Ansicht nach ist das zentral. Man konnte in den Gesprächen mit den Botschaftern – es mögen ungefähr 15 gewesen sein – schon raushören, dass die europäischen Volkswirtschaften völlig unterschiedlich ausgerichtet sind. Einige sind mehr exportstark, andere weniger, einige haben Automobilindustrie, andere nicht. Aber alle haben trotz der Unterschiedlichkeit darauf gesetzt, dass Europa geschlossen agiert, mit einer Stimme spricht und sich nicht spalten lässt. Und so ist es ja auch: Wenn die einen immer den kurzfristigen Vorteil für sich sehen, den wir dabei ohne Frage auch haben, und wenn Europa nicht geschlossen und einig agiert, wird langfristig Schaden entstehen.

ca. 116 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön. – Ich habe auch eine Frage an den Wirtschaftsminister. Sie haben selbst gesagt, dass 0,7 Prozent Wirtschaftswachstum weder im Osten noch im Westen akzeptabel sind; wir brauchen dort mehr. Wir haben aktuell zwar eine Prognosenerhöhung von 0,2 auf 0,4 Prozent, aber das kann uns auf gar keinen Fall befriedigen. Nun gibt es das Instrument der Reallabore, was meiner Ansicht nach auch dazu dienen würde, um im Rahmen einer Wirtschaftswende dort ein ganzes Stück nach vorne zu kommen.

Deshalb frage ich Sie: Wann werden wir das Reallabor-Gesetz ins Parlament bekommen? Welche Hürden stehen im BMWK im Moment noch dazwischen, um das möglichst schnell einzubringen? Und wie können wir als Fraktionen dabei unterstützen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 134 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erst einmal will ich unterstreichen, dass ein Instrument, um Freiräume zu schaffen und dann mal ein paar Dinge zu probieren, bevor man sie flächendeckend in die Anwendung gibt, genau das Richtige ist und häufig dann auch sehr schnell zu Erkenntnissen, auch negativen, führt. Also dass man sagt: Na, der Weg scheint da nicht so gut zu sein; da gibt es irgendwie Überförderung oder Rebound-Effekte, die wir nicht haben wollen.

Im Moment ist die Konzentration vor allem auf die Erstellung des Haushalts gerichtet. Es gibt natürlich eine Reihe von anderen Gesetzesvorhaben; aber die Konzentration liegt im Grunde da. Und ich bin eigentlich zuversichtlich, dass in dem, was wir Dynamisierungspaket nennen, auch Formulierungen enthalten sein werden, um die Reallabore aufs Gleis zu setzen. Das wäre der erste Schritt, und die anderen kommen dann möglichst schnell.

ca. 75 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst würde mich natürlich interessieren, in welchem Zeitraum wir damit rechnen können. Mich würde auch interessieren, wie Sie die Tatsache sehen, dass wir nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes im ersten Quartal dieses Jahres 170 300 Gewerbeabmeldungen zu verzeichnen haben. Mit Blick auf die ersten drei Monate dieses Jahres ist das eine 30-Prozentige Steigerung bezogen auf das Vergleichsquartal des Vorjahres. Würden dort nicht auch die Reallabore stark helfen, um diesem wirklich negativen Trend entgegenzuwirken?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 109 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Da bin ich mir nicht sicher. Ich glaube, dass die Insolvenzzahlen, die jetzt in der Tat ansteigen, andere Gründe haben. Zu nennen wären wahrscheinlich noch immer Nachholeffekte von Corona – da ist ja die Insolvenzregel weitestgehend außer Kraft gesetzt worden –, natürlich die eben zitierte schwache Binnennachfrage, gestiegene Finanzkosten, also die hohen Zinsen, die Verlagerung im Handel – mehr Nachfrage beim Onlinehandel, teilweise mit Dumpingangeboten –, sodass die Innenstädte leiden.

Insgesamt kann ich ganz kurz noch sagen, dass die Insolvenzzahlen in den Jahren nach Corona deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt lagen, jetzt im Frühjahr 2024 aber tatsächlich deutlich über dem Mittel gelegen haben: im ersten Quartal 1,8 Prozent über dem entsprechenden Mittelwert.

Porträt von Martin Rabanus
Foto: Martin Rabanus
ca. 39 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident, ganz herzlichen Dank. – Meine Frage richtet sich an Frau Bundesministerin Stark-Watzinger. Frau Bundesministerin, Bund und Länder verhandeln ja derzeit über den neuen Digitalpakt. Für wann rechnen Sie denn damit, dass der Digitalpakt 2.0 starten kann?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 151 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, vielen Dank für Ihre Frage. – Die Digitalisierung der Schulen ist ein wichtiges Thema. Mit dem Digitalpakt 1.0 hat die Vorgängerregierung ein Digitalisierungspaket geschnürt, um die Länder bei ihrer ureigenen Aufgabe, der Ausstattung der Schulen, zu unterstützen. Wir planen einen zweiten Digitalpakt, den Digitalpakt 2.0, weil wir sehen, dass die Notwendigkeit, hier Tempo zu gewinnen, weiterhin gegeben ist. Wir verhandeln intensiv. Wir möchten, dass der Digitalpakt zum nächsten Jahr startet.

Ich sage aber auch ganz klar: Es geht nicht nur um Geräte, die hingestellt werden, sondern es geht auch darum, dass wir insgesamt ein Konzept haben: Was heißt das für die pädagogische Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen? Es hat was mit Lehrerausbildung per se zu tun. Insofern muss es ein Gesamtpaket sein. Wir verhandeln intensiv. Wir wollen den Digitalpakt zügig zum Abschluss bringen, damit nächstes Jahr gestartet werden kann.

Porträt von Martin Rabanus
Foto: Martin Rabanus
ca. 54 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Eine Nachfrage: Sie haben darauf hingewiesen, dass der Digitalpakt in diesem Jahr ausläuft. Die Gefahr besteht ja, dass es nicht unmittelbar möglich sein wird, einen Anschluss zu finden. Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie sicherstellen wollen, dass es keine Förderlücke geben wird, sondern dass ein unmittelbares Fortsetzen der Förderung an Schulen stattfinden kann?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 108 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Der Digitalpakt 1.0 lief ja jetzt noch bis Mitte des Jahres. Es sind auch bei Weitem noch nicht alle Mittel abgeflossen. Das heißt: Das ist jetzt noch möglich. Deswegen ist ganz klar: Das muss jetzt auch noch passieren, damit wir dann im nächsten Jahr starten können.

Ich möchte aber auch noch mal festhalten: Bei all dem, was ich eben darüber gesagt habe, wie ein Gesamtkonzept aussehen sollte, müssen wir uns auch über eins klar sein: Der neue Digitalpakt muss unbürokratischer sein, damit die Kommunen, damit die Schulen vor Ort in der Lage sind, ihn zügig umzusetzen. Ich glaube, das ist einer der wichtigsten Punkte neben der Finanzierung.

ca. 62 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, ich habe eine Nachfrage dazu. Es ist richtig, dass Sie die Fortsetzung des Digitalpakts schon in Ihrer ersten Sitzung als Ministerin vor dem Bildungsausschuss angekündigt haben. Sie haben damals auch gesagt, dass Sie das rechtzeitig verhandeln wollen. Was ist der Grund dafür, dass wir jetzt, nach Auslaufen des Digitalpakts – er ist nämlich im Mai ausgelaufen –, immer noch kein Folgeprojekt haben?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 53 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, ich danke für Ihre Frage. – Wir haben einen ambitionierten Koalitionsvertrag mit Blick auf Bildung und Chancengerechtigkeit, aber auch auf Digitalisierung in der Bildung. Wir haben von Anfang an den Beginn dieses neuen, zweiten Digitalpakts, der ja anders und besser sein muss, für Anfang 2025 geplant, und daran arbeiten wir.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 134 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank für die Frage, Frau Abgeordnete. – Sie haben es angesprochen: In der Tat geht es um ein Gesamtkonzept und vor allen Dingen um die Nutzung dieser digitalen Möglichkeiten. Es ist ja nicht nur ein Gerät, das man an- und ausschaltet. Vielmehr geht es hier um die Fragen: Wie geht individuelles Lernen? Wie können wir Fähigkeiten, sich in einer digitalen Welt zurechtzufinden, ausprägen?

Uns ist bei diesem Digitalpakt ganz wichtig, dass – wir haben im föderalen System ja gleich drei Ebenen, die sich für Bildung engagieren – auch die Kommunen in die Umsetzung miteinbezogen werden. Das heißt, uns ist wichtig, dass wir alle zusammen an einen Tisch bringen und ebendiesen Digitalpakt gestalten.

Das Dritte, was Sie gesagt haben, ist absolut richtig. Die Bildung ist ureigenste Aufgabe der Länder. Deswegen erwarten wir auch eine 50/50-Finanzierung.

Porträt von Lars Rohwer
Foto: Lars Rohwer/ BLEND3/Frank Grätz
ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident, dass Sie die Frage zulassen. – Ich möchte noch mal nachfragen zum Digitalpakt 2.0. Frau Ministerin, wir hören von den Ländern, dass Sie und Ihr Haus immer neue Bedingungen vorschreiben und die Verhandlungen sich deswegen verzögern. Deswegen noch mal die konkrete Frage: In welchem Zeitplan werden Sie diesen Digitalpakt zum Erfolg führen? Und ich schließe gleich noch eine zweite Frage an: Gibt es dafür auch einen konkreten Haushaltsansatz, den Sie vonseiten Ihres Hauses für den Haushalt 2025 angemeldet haben?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, vielen Dank für Ihre Frage. – Der Haushaltsaufstellungsprozess ist in vollem Gange. Insofern ist das etwas, was im Rahmen der Haushaltsverhandlungen diskutiert wird.

Zu Ihrer ersten Frage. Wir haben unsere Vorstellungen in einem Gesamtkonzept formuliert. Das ist auch transparent mit Blick auf die Länder. Von unserer Seite wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass wir die noch offenen Punkte klären, weil wir wollen, dass dieser Digitalpakt nächstes Jahr startet.

Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
ca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Präsident! Frau Bundesministerin, Sie haben soeben Ihre Verhandlungsführerin für den Digitalpakt 2.0 entlassen, Frau Staatssekretärin Professor Döring. Sie haben in einer schriftlichen Erklärung Sonntagnacht vor zehn Tagen geschrieben, das sei „ein legitimer Teil von Debatte und Meinungsfreiheit“. Frau Döring hat dazu einen Prüfauftrag veranlasst. Und dann haben Sie weiter geschrieben: „Der entstandene Eindruck ist geeignet, das Vertrauen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in das BMBF nachhaltig zu beschädigen.“ Vor diesem Hintergrund sei ein personeller Neuanfang nötig. Daher haben Sie den Bundeskanzler um Entlassung der Staatssekretärin gebeten.

Ich möchte Sie auch vor dem Hintergrund der Debatte heute Vormittag im Ausschuss fragen, ob Sie weiterhin an dieser schriftlichen Begründung für die Entlassung der Staatssekretärin Frau Professor Dr. Döring festhalten?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
1 Vermerkca. 75 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, vielen Dank für die Frage. – Lassen Sie mich zu Beginn nur kurz etwas festhalten: Sie haben verschiedene Themen, die angesprochen wurden, auch Themen aus der Pressemitteilung, zusammengefasst. Ich habe ganz klar gesagt, dass der Prozess der Aufarbeitung der Frage „Prüfaufträge im Bundesministerium für Bildung und Forschung“ dazu geführt hat, dass das Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben ist. Aber bitte verstehen Sie, dass ich darüber hinaus keine Personalangelegenheiten hier in der Öffentlichkeit diskutiere.

Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
ca. 103 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also die Frage haben Sie nicht klar beantwortet. Man könnte Sie auch so verstehen, dass Sie daran eben nicht mehr festhalten, weil Sie es nicht erklärt haben. Das hat vielleicht auch den Grund, dass sich herausgestellt hat durch eine IFG-Anfrage, dass es bereits drei Tage vor dem fraglichen Vorgang, den Sie Frau Professor Döring zur Last gelegt haben, einen mindestens ebenso pikanten Prüfauftrag in Ihrem Hause gegeben hat. Wir haben heute Morgen im Ausschuss gefragt, wer diesen Auftrag am 10. Mai gegeben hat und auf wessen Weisung hin. Sie haben uns das heute Morgen nicht beantwortet. Deshalb frage ich Sie hier erneut.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 79 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, lassen Sie mich das vielleicht noch mal einordnen, weil nicht jeder den Vorgang kennt. Sie sprechen an, dass die Fachebene im BMBF, um auf Nachfragen der Presse vorbereitet zu sein, eine Übersicht mit Unterzeichnern des offenen Briefes erstellt hat, um zu wissen, in welchem Verhältnis sie zum BMBF stehen, um reaktiv sprechfähig zu sein. Diese Aufstellung ist auf der Fachebene verblieben. Sie ist mir nicht vorgelegt worden, und sie ist auch keinem Dritten vorgelegt worden.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
4 Vermerkeca. 180 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, zum einen weise ich darauf hin, dass Sie falsche Tatsachen behauptet haben. Ich habe das von Ihnen zitierte Cover nicht retweetet und nicht geteilt. Das möchte ich hier noch einmal klarstellen.

Nichtsdestotrotz verweise ich auf mein Eingangsstatement, in dem ich ganz klar auf die Situation der jüdischen Studentinnen und Studenten in unserem Land eingegangen bin. Wir müssen uns alle dagegenstellen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und ja, wir haben Meinungsfreiheit in unserem Land. Deswegen kann man sich auch in einem offenen Brief positionieren. Das ist Teil einer Debatte. Ich halte die Aussagen in dem offenen Brief – ich habe es schon gesagt –, pauschal von Polizeieinsätzen oder von Strafverfolgung abzusehen, auch vor dem Hintergrund, dass wir Gewalt und Antisemitismus sehen, für grundfalsch. Deswegen noch einmal: Wir haben Meinungsfreiheit, und das ist auch richtig. Aber ich muss dieser Meinung nicht zustimmen.

Beifallbei der FDP

Nee! Herr Präsident, das ist schon mal ein sehr interessanter Themenkomplex, und ich würde anraten, dass wir da jetzt auch ein Stück weit verweilen!

– Herr Kollege Staatsminister Hoppenstedt,

die Tatsache, dass die Union hier gefragt hat, macht die Sache natürlich wichtig. Aber wir haben noch eine ganze Reihe anderer Fragesteller, die sonst nicht zum Zuge kommen.

Herr Kollege aus der AfD-Fraktion, bitte stellen Sie Ihre Frage.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
1 Vermerkca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, vielen Dank für die Frage. – Ich habe es heute schon im Ausschuss gesagt: Die Frage der Besetzung von Hochschulleitungen obliegt den Gremien der Hochschulen und auch dem Land Berlin.

Meine Haltung zum Antisemitismus habe ich klargemacht. Wir fördern in unserem Haus vielfältige Maßnahmen. Ich möchte zum Beispiel ein Programm hervorheben: Wir fördern mit 12 Millionen Euro Forschungsvorhaben, um Antisemitismus zu erkennen, aber auch Lehrmaterial für Schulen und für andere staatliche Institutionen, damit der Kampf gegen Antisemitismus vor Ort stattfinden kann. Ich habe auch zugesagt, dass wir dieses Programm weiterführen werden.

Beifallbei Abgeordneten der FDP
Porträt von Ruppert Stüwe
Foto: Photothek
ca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Vielen Dank an Sie, Frau Ministerin, dass Sie klargestellt haben, dass Wissenschaftsfreiheit ein hohes Gut für uns ist und dass Förderentscheidungen in Deutschland nach wissenschaftlicher Exzellenz gefällt werden. Das ist besonders wichtig. Denn bedenken wir, dass wir uns als Politik oft von Wissenschaft beraten lassen und auf die Expertise angewiesen sind! Da sollte auf keinen Fall der Eindruck entstehen, wir würden sozusagen vorher entscheiden, was gefördert wird; vielmehr profitieren wir nachher von der Expertise.

Mehrere Prüfaufträge gab es in Ihrem Haus. Wie stellen Sie sicher, dass es in Zukunft dort solche Verknüpfungen nicht mehr geben wird?

Porträt von Stephan Albani
Foto: Deutschen Bundestag/ Stella von Saldern
2 Vermerkeca. 167 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, Sie haben eben noch einmal dargelegt, was wir schon heute Vormittag von Ihnen gehört haben, dass es nämlich insgesamt drei Vorgänge gab: Es gab die zwei letzteren und den einen ersteren. Den ersteren haben Sie auf den 10. Mai datiert und mitgeteilt, dass dann die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit bei Ihnen im Hause sich sprechfähig machen sollte. Der Prüfauftrag, der an diese Abteilung ergangen ist, ist der, der uns interessiert; denn er war der Auftakt zu all dem, was danach kam. Zwar sind seine Details nicht kenntlich geworden; aber es wurde erkennbar, dass in Ihrem Hause Derartiges geprüft werden sollte, um, wie Sie sagen, sprechfähig zu werden.

Genau deswegen haben wir heute Morgen insistiert und tun es jetzt wieder: Wer hat diesen Auftrag gegeben? Das ist Punkt eins.

Beifallder Abg. Nicole Gohlke [Die Linke]

Wenn Sie zu den beiden anderen Prüfaufträgen sagen, es bedurfte eines Neuanfanges zur Wiederherstellung des Vertrauens, und selbst gesagt haben, dass es zerstört war, dann war das auch beim ersten der Fall. Wieso ist dort kein Neuanfang notwendig?

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Nicole Gohlke [Die Linke]
Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich freue mich, dass ich auch auf diese Fragen antworten kann. Ich möchte abschließend zu den beiden Prüfaufträgen, die ich eben genannt habe, Folgendes erklären: Ich kannte den Vorgang zu förderrechtlichen Konsequenzen, also diese Prüfung, nicht. Ich habe sie nicht beauftragt und auch nicht beabsichtigt. Ich habe davon am 11. Juni über die „Panorama“-Berichterstattung erfahren.

Jetzt komme ich zu dem anderen Punkt, den Sie angesprochen haben: die Aufstellung, die von der Fachebene angefordert wurde. Dazu habe ich ganz klar gesagt: Es ist von der Fachebene angefordert worden, und es verblieb bei der Fachebene. Es hat keinerlei Zusammenhang mit den beiden Prüfaufträgen gegeben, die ich eben erwähnt habe.

Porträt von Anja Reinalter
Foto: Anja Reinalter/ Andrea Ege
ca. 96 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Sehr geehrte Frau Ministerin, es ist sehr gut, dass Sie ganz unmissverständlich klargemacht haben, dass Wissenschaftsfreiheit ein hohes Gut und absolut unverhandelbar ist. Es ist insbesondere für die Forschenden extrem wichtig, zu wissen, dass das BMBF eben nach Exzellenz und nicht nach politischer Neigung entscheidet. Aber allein dass diese Frage im Raum stand, hat zu großen Irritationen und auch zu einem Verlust des Vertrauens in die Wissenschaft und in die Wissenschaftscommunity geführt. Was tun Sie, um dieses Vertrauen wieder aufzubauen? Hier ist dringend Beziehungsarbeit nötig. Was tun Sie, um das Vertrauen wiederherzustellen?

ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe eine Nachfrage gerade zu dem Thema, wie wir es schaffen, wieder Vertrauen in der Wissenschaftscommunity zu wecken, weil sich auch die Wissenschaftscommunity aufgrund der Presseberichterstattung, aufgrund verschiedener Medien – Twitter etc. – ein Bild gemacht hat. Dieses Bild entspricht vielleicht nicht immer der Realität. Deswegen: Es gab ja ein Gespräch, wie man der Presse entnehmen kann, mit der Wissenschaftsallianz. Könnten Sie uns ein paar Punkte dazu nennen, wie das weitergehen soll, und Konkretes mitteilen?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Herr Abgeordneter. – Sie haben den Dialog mit der Wissenschaft angesprochen. Ich möchte dem noch voranstellen, dass es mir ganz wichtig war – deswegen habe ich auch ganz schnell die Klärung des Sachverhalts beauftragt –, dass wir Transparenz haben, dass Transparenz gegeben ist, damit ein Verständnis entwickelt werden kann.

Der Dialogprozess ist immens wichtig. Wir führen ihn seit den letzten Wochen und Monaten und weiterhin; das habe ich gesagt.

Zu dem konkreten Treffen, das Sie angesprochen haben: Es war ein vertrauliches Treffen mit Wissenschaftseinrichtungen. Für mich gilt: Wenn ein vertrauliches Gespräch vereinbart ist, dann bleibt es auch vertraulich.

Porträt von Katrin Staffler
Foto: Katrin Staffler/ Julia Rieck
1 Vermerkca. 120 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, vielen Dank. – Frau Ministerin, ich komme noch mal zurück zu der Frage des Kollegen Albani, die Sie leider nicht beantwortet haben. Sie haben ausgeführt: Es gab drei Prüfaufträge. Einer hat zu einem Verlust des Vertrauens in Ihre Staatssekretärin geführt; ein anderer wurde von der Arbeitsebene, wie Sie sagen, gegeben. Die Frage ist: Hat der dann nicht zu einem Vertrauensverlust geführt? Denn der ist mindestens so weitreichend wie die anderen, über die wir sprechen.

Wenn es solche weitreichenden Vorgänge auf Ihrer Arbeitsebene gibt und Sie sagen, Sie haben nichts, aber auch gar nichts davon mitbekommen oder gewusst, dann wäre an der Stelle schon die Frage, ob Sie der Meinung sind, dass Sie Ihr Haus noch weitestgehend im Griff haben.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 64 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, Sie haben jetzt drei Dinge angesprochen. Ich möchte Sie in einem Punkt korrigieren: Die von Ihnen angesprochene Forderung nach der Aufstellung einer Übersicht war kein Prüfauftrag, sondern sie zielte auf eine Arbeit auf der Fachebene, um eben sprechfähig zu sein, um auch reaktiv sprechfähig zu sein. Ich wiederhole: Sie ist auf der Fachebene verblieben. Sie ist zu keinem Dritten gelangt.

Porträt von Lisa Badum
Foto: Lisa Badum / René Ruprecht
ca. 119 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister Habeck, Sie haben eingangs das Hochwasser in Bayern erwähnt. Vielen Dank dafür. Es war wirklich ein schreckliches Ereignis. Wir rechnen mit 2 Milliarden Euro Schäden für die Volkswirtschaft. Wir hatten erst im Jahr 2021 das schreckliche Hochwasser im Ahrtal. Dennoch war es beispielsweise in Bayern so, dass die Regierung in den letzten Jahren im Bereich Hochwasserschutz gespart hat und dass die Freien Wähler explizit Rückhaltebecken für Überflutungen verhindert haben, gerade in den Gebieten, die überschwemmt wurden. Wir müssen ja leider damit rechnen, dass diese Jahrhunderthochwasser mittlerweile fast jährlich kommen. Deswegen meine Frage an Sie: Was können wir in Zukunft politisch noch besser machen auf allen Ebenen, um den Hochwasserschutz zu verbessern?

Porträt von Leon Eckert
Foto: Leon Eckert / Stefan Kaminski
ca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Bundesminister, Sie waren in meinem Wahlkreis Freising – einschließlich Pfaffenhofen und Schrobenhausen – und haben sich in Reichertshofen angeguckt, wie die Lage dort war. Sie haben gerade in Ihrer Stellungnahme gesagt, dass es bereits erste Lockerungen in Förderprogrammen gibt, um den Menschen dort konkret zu helfen. Meine Frage an Sie ist: Wie ist der Zeitplan der Bundesregierung, um weitere Hilfen zu organisieren und bekannt zu geben?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 132 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die angesprochenen Maßnahmen sind das, was ich jetzt in meinem Haus tun kann. Ich glaube, das Hauptproblem für viele Menschen ist, dass die Versicherungen nicht greifen. Darüber ist schon verschiedentlich gesprochen worden; das kann ich hier nicht in 20 Sekunden aufdröseln. Aber es ist natürlich ein Schock für viele, wenn sie glauben, sie haben alles richtig gemacht, und dann gibt es keine Entschädigung von den Versicherungen. So oder so wurden Fehler begangen, da viele nicht versichert waren.

Es gibt ein eingespieltes Instrumentarium, wie geholfen werden kann. Es ist nicht das erste Hochwasser – Frau Badum hat es angesprochen –, das Deutschland ereilt hat. Darüber redet die Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten. Grob gesprochen ist es so: Es gibt eine Solidargemeinschaft der Länder, und der Bund beteiligt sich daran. Darüber spricht die MPK mit dem Bundeskanzler.

Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
ca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Minister. – Sie haben es eben angesprochen: Erst kürzlich wurde in der MPK über eine Elementarschadenversicherung diskutiert, gerade auch im Zuge der Klimakatastrophen, die wir jetzt erleben. Die Vorschläge, die es dort gab, umfassen jedoch keine Sturmfluten. Sie haben es eben selbst gesagt: Sie kommen aus dem Norden. Sie wissen, dass wir dort damit zu kämpfen haben. Wie ist in dieser Situation Ihre Einschätzung dazu, dass man in der aktuellen Debatte die Sturmfluten, von denen wir ja im Norden gebeutelt sind, nicht berücksichtigt?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Auch extreme Stürme werden zunehmen, und die Maßnahmen, um den Küstenschutz, den Hafenschutz und den Deichschutz zu gewährleisten, sind ebenfalls aufwendig und werden wahrscheinlich mit der Geschwindigkeit, in der die Wetterextreme zunehmen, nicht mithalten. Ob man den Abgleich immer hinbekommt, zu sagen: „Folgendes Ereignis ist ein normales Ereignis, das es die letzten 100 Jahre gegeben hat, und folgendes Ereignis ist ein Extremwetterereignis aufgrund der globalen Erwärmung“, wage ich zu bezweifeln. Deswegen halte ich es insgesamt für richtig, dass man systematisch versucht, die Menschen gegen die Extreme, die in immer kürzeren Abständen eintreffen werden, abzusichern, und dabei auch solidarisch vorgeht.

ca. 28 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Aktuell erleben wir global Wetterextreme wie Hitzewellen oder Flutkatastrophen. Wie können wir mit Blick auf den Bundeshaushalt absichern, dass dieser die 1,5-Grad-Grenze beinhaltet?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 127 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erst einmal ist es richtig, dass nicht nur in Deutschland, sondern auch global – das wissen Sie auch – die Extreme extremer werden. In Indien herrschen Temperaturen von über 50 Grad – 50 Grad! –, und auf der Pilgerfahrt nach Mekka sind, glaube ich, 1 300 Leute an Hitze gestorben. Wenn wir also „Klimaschutz“ sagen, dann reden wir eigentlich immer von etwas anderem, nämlich dem Schutz von Menschen. Deswegen sollten wir die Debatte darüber nicht abschieben oder verlächerlichen. Wir haben einen dringlichen Handlungsauftrag. Der Bundeshaushalt spiegelt diesen nicht nur über die diversen Programme in Deutschland und in Europa, sondern vor allem auch über die IKI, mit der wir mit wenig Geld Initiativen vor allem im Globalen Süden in Gang bringen, sodass die Länder in die Lage versetzt werden, Klimaschutz zu betreiben.

Porträt von Enrico Komning
Foto: Enrico Komning
ca. 153 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Habeck, Sie sind gerade aus China zurückgekommen. Das war eine Reise, zu der die AfD-Fraktion als einzige nicht eingeladen war. Ist dieser Ausschluss von gewählten Volksvertretern, die ja immerhin von Millionen von Bürgern gewählt worden sind, Ihr Verständnis von Demokratie, oder gibt es dafür andere Gründe? Aber gut, dass wir Steuergelder gespart haben; denn wenn der chinesische Ministerpräsident offenbar Besseres zu tun hat, als Sie zu treffen, müssen wir uns letztlich auch keine chinesischen Reisfelder angucken.

Aber zum Fachpolitischen. Sie feiern sich dafür, den Chinesen mal ordentlich die Meinung gesagt zu haben, treiben Deutschland aber mit Ihrer Energiewende erneut in eine Rohstoffabhängigkeit, diesmal von China. China ist quasi Weltmonopolist für Seltene Erden, Rohstoffe, die Sie dringend für Windräder und Solarpaneele brauchen. Haben Sie das Thema „Seltene Erden“ angesprochen und, wenn ja, mit wem? Und was machen Sie eigentlich, wenn China uns diesbezüglich, lax gesagt, den Hahn zudreht?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
1 Vermerkca. 191 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Erlauben Sie mir vor der Beantwortung der Frage eine Vorbemerkung: Wenn wir über das Verhältnis zu China reden, dann sollten Sie mal auf Ihre Kontostände schauen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Sehr geehrte Damen und Herren, die Frage der Abhängigkeit von Rohstoffen ist eine sehr ernste Frage. Wir haben gesehen, dass wirtschaftliche Beziehungen, vor allem Energiebeziehungen, missbraucht werden können und auch missbraucht wurden. Das ist jetzt bei russischem Gas passiert, und wir haben als Land, als Volkswirtschaft einen hohen Preis dafür gezahlt. Das sollte uns möglichst nicht an anderen Stellen passieren. Deswegen ist die Abhängigkeit kritisch.

Wir haben – das muss man ehrlicherweise zugeben – wenig Firmen in Deutschland, die noch selber Rohstoffe schürfen können. Diese zu stärken und zu unterstützen, wenn es sie wieder gibt, ist die eine Strategie. Die zweite ist, in Kooperation mit den anderen europäischen Ländern einen Fonds aufzulegen, einen Eigenkapitalfonds, sodass wir im Konzert mit Frankreich und Italien – mit denen arbeiten wir am engsten zusammen – an anderen Stellen der Welt die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft und der deutschen Industrie von chinesischen Lieferungen reduzieren. Aber das ist ein Jahrzehnteprojekt. Das wird nicht mit einem Fingerschnipsen gehen. Gleichwohl ist es wichtig, schnell loszulegen.

Porträt von Enrico Komning
Foto: Enrico Komning
ca. 40 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, das ist tatsächlich eine Nachfrage zu meiner ersten Frage: Warum wurde die AfD-Fraktion zu dieser Reise nicht eingeladen? Und die zweite Nachfrage – da bitte ich auch um Antwort –: Haben Sie über das Thema „Seltene Erden“ in China gesprochen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 151 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die AfD war häufig auf Reisen dabei und hat, wenn ich das richtig mitbekommen habe – der Abgeordnete, mit dem ich immer unterwegs war, ist jetzt im Moment nicht da – durchaus gesehen, wie wir dort arbeiten. Wie diese Reise jetzt zustande gekommen ist, kann ich hier nicht beantworten; das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, ob Sie nicht wollten oder wie die Reise zusammengesetzt wurde. Da wird es Regeln geben.

Ich habe mit den Chinesen sehr wohl darüber gesprochen – das ist auch medial kolportiert worden –, indem ich ausgeführt habe, dass wir unsere Strategie der Diversifizierung von China nicht so entschieden vorantreiben würden, wenn China nicht permanent eine Unterstützung von Putins Russland vornehmen würde. Denn selbstverständlich können wir nicht sicher sein, dass China nicht irgendwann in dem zugespitzten Konflikt die Abhängigkeiten, die wir ohne Frage haben, gegen uns verwendet. Also: Das Thema ist direkt angesprochen worden, auch öffentlich, und das ist auch nachzulesen.

Porträt von Rainer Rothfuß
Foto: Dr. Rainer Rothfuß
1 Vermerkca. 42 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister Habeck, zur China-Reise lässt sich feststellen, dass das jetzt, circa ein Jahr vor der anstehenden Bundestagswahl, Ihrerseits sicherlich auch als eine Art Schaulaufen für eine mögliche Kanzlerkandidatur intendiert war. Hat sich die mit der Abfuhr von Li Qiang erledigt?

Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Schon die Unterstellung, wenn ich das so sagen darf, ist albern. Auch die Terminzusammenstellung der Reise ist überhaupt nicht durch die Frage widergespiegelt.

ca. 110 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Frau Ministerin Stark-Watzinger, diese Woche kommt das vom BMWK vorgelegte Wasserstoffbeschleunigungsgesetz zur Beratung in den Bundestag. Ohne die seit Jahren durch Ihr Ministerium geförderte Grundlagenforschung in der Wasserstofftechnologie gäbe es heute nicht viel zu beschleunigen. Mit Afrika unterhält Ihr Ministerium Forschungs- und Bildungskooperationen, es hat beispielsweise den Wasserstoff-Potenzialatlas für Afrika finanziert, der zusammen mit afrikanischen Partnern in der Subsahara-Region die Eignung von Land- und Wasserstoffressourcen und andere lokale Präferenzen und Bedingungen sowie die Kosten einer Wasserstoffproduktion in den jeweiligen Ländern analysiert. Frage: Wie geht es mit diesen Ergebnissen des Projektes weiter, und wie trägt Ihr Ministerium dazu bei, dass die jeweiligen Länder auch tatsächlich profitieren?

Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
ca. 132 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank. – Herr Minister, in Deutschland ist die Gefahr, dass Betriebe abwandern, besonders groß. Deutschland ist im aktuellen internationalen Wettbewerbsranking erneut abgerutscht. Ganz konkret in Zahlen: Im Jahr 2022 lag Deutschland noch auf Platz 15, und nicht einmal zwei Jahre später liegen wir nur noch auf Platz 24. Wir schauen uns weiter um: 30 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahresmonat. Deutschland ist ein Hochsteuerland. Laut VCI müssen Unternehmen hier in Deutschland 12 Prozent mehr Umsatz machen, um diesen Wettbewerbsnachteil auszugleichen. Schaut man sich das Ranking genauer an: In der Steuerpolitik liegt Deutschland nur noch auf Platz 62 von 67 Ländern. Andere Länder reagieren, wenn Rahmenbedingungen für den Wettbewerb schwierig sind. Deshalb ganz konkret meine Frage an Sie: Planen Sie, plant die Bundesregierung, die Unternehmensteuer auf ein wettbewerbsfähiges Maß zu senken, und wann?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 160 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Liebe Frau Klöckner, darüber haben wir uns schon einmal ausgetauscht. Ich habe schon darauf hingewiesen, dass die Rechnung der Union bei Einhaltung der Schuldenbremse nicht aufgeht. Wir müssten pro Jahr ein Wachstum von 5 Prozent haben, um die Mehreinnahmen als Ausgleich für die gewährte steuerliche Entlastung zu erzielen.

Zwei weitere Anmerkungen. Erstens. In den letzten zwei Jahren ist etwas passiert. Die Abhängigkeit von russischem Gas hat diesem Land eine große Wirtschaftskrise beschert. Es ist unsere Abhängigkeit von russischem Gas gewesen, die andere Länder nicht so hatten. Deshalb darf man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wir wären ganz anders durch diese Zeit gekommen, hätten wir nicht diese starke Abhängigkeit vom russischen Gas gehabt. Und wir wären abgerutscht, richtig zusammengebrochen, wenn die Pläne der Großen Koalition umgesetzt und wir noch an Nord Stream 2 angeschlossen worden wären. Zweitens haben andere Länder – das will ich kurz sagen – mehr Flexibilität, um mit Investitionsanreizen oder Steuersenkungen zu arbeiten, aber deren Verschuldung steigt dann auch entsprechend.

Porträt von Julia Klöckner
Foto: Julia Klöckner/ Tobias Koch
1 Vermerkca. 104 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Gerne eine Nachfrage; denn Ihre Antwort hatte nichts mit meiner Frage zu tun. Aber ich halte fest: Sie planen keine Steuersenkungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Meine Nachfrage: Besonders in Hinblick auf wirtschaftsfreundliche Gesetzgebung wurde Deutschland in dem Ranking, aus dem ich eben zitiert habe, durchgereicht. Deutschland hat aufgrund der Ampelpolitik in den vergangenen zwei Jahren – es geht um die vergangenen zwei Jahre – in dem Ranking 20 Plätze eingebüßt, Wir sind nur noch auf Platz 38, hinter Italien. Und deshalb ganz konkret. Was haben Sie vor? Oder wollen Sie einfach nur zuschauen; das wäre unterlassene Hilfeleistung. Wann kommt ein Dynamisierungsgesetz? Wann kommt es, und wie?

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
1 Vermerkca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich wundere mich, dass Sie sagen, meine Antwort hätte nichts mit Ihrer Frage zu tun; denn ehrlicherweise hat sie alles mit Ihrer Frage zu tun.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich wundere mich, wie Sie nicht erkennen können, dass ein ausgeglichener Haushalt – den man ja richtig finden kann – die Bedingungen für Steuersenkungen logischerweise limitiert. Das ist offensichtlich und logisch nachzuvollziehen. Und dass wir in den letzten zwei Jahren eine Sondersituation hatten, die sich nicht jemand ausgedacht hat, sondern die durch die Fehler der Vergangenheit entstanden ist, ist auch offensichtlich und nachvollziehbar. Das Dynamisierungspaket kommt zusammen mit der Vorstellung des Haushalts.

Porträt von Anja Karliczek
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 78 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Das Thema Wettbewerbsfähigkeit ist auch für den Bereich des Tourismus wichtig. Die Deutsche Zentrale für Tourismus macht das Marketing für Deutschland im Ausland und gerät durch die Sparpolitik der Bundesregierung in finanzielle Nöte, sodass die Zerschlagung der Strukturen sehr wahrscheinlich ist. Es geht um 5 Millionen Euro. Warum sind Sie bei einem Haushaltsvolumen von 11 Milliarden Euro nicht in der Lage, 5 Millionen Euro so umzuschichten, dass sie der DZT jetzt die Sicherheit geben können, die sie braucht?

Wo wollen Sie denn kürzen? Da sagen Sie auch nichts zu!

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
1 Vermerkca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Eben hat die Abgeordnete Klöckner zu den einzelnen Branchen bzw. zum Wachstum gefragt. Eine Branche, die wahrscheinlich ein richtig gutes Jahr hinlegen wird, ist die Tourismusbranche. Möglicherweise wird es ein Rekordjahr für den Tourismus. Wir haben viele Probleme in Deutschland – das ist unbestritten; wir haben angefangen, darüber zu diskutieren, woher die kommen und wie sie zu bewältigen sind –, aber der Tourismus hat gerade wirklich einen richtigen kleinen Boom.

Darf ich noch eine Nachfrage stellen?

Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
ca. 81 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, eine ganz kurze Anmerkung: Steuersenkungen sind natürlich möglich. Die Frage ist: Wie priorisieren Sie die Ausgaben? Erste Frage: Wo könnten Sie sich das vorstellen, auch in Ihrem Beritt? Zweite Frage: Sie hatten auch Anreize zur Mehrarbeit angesprochen. Wir haben ein extrem schwaches Wachstum. Wir haben zwei Möglichkeiten, schneller zu wachsen: Wir werden produktiver, oder wir arbeiten schlicht mehr. Sie haben angekündigt: Sie wollen Anreize zur Mehrarbeit stärken. Bis heute ist nichts passiert. Wann kommen dazu konkrete Vorschläge? – Vielen Dank.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
1 Vermerkca. 88 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erstens. Es scheint mir so, als hätte ich das jetzt dreimal beantwortet: parallel zum Haushalt.

Zweitens. Frau Karliczek hat darauf hingewiesen, wo man nicht sparen kann; der Bereich Tourismus wurde angesprochen. Gleichzeitig fragen Sie jetzt: Wo sind die Sparvorschläge? Frau Karliczek hat nur gesagt, wo man nicht sparen darf. Wo sind denn Ihre Sparvorschläge, wenn ich das mal fragen darf?

Drittens weise ich darauf hin, dass die Abgeordneten der Union reihenweise darum bitten, dass in ihren Landkreisen, in ihrem Fachgebiet nicht gekürzt wird, sondern mehr Geld ausgegeben wird.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Hört! Hört!

Porträt von Fabian Gramling
Foto: Fabian Gramling/ Lukas Muckenfuß
ca. 71 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, das Bürgergeld läuft aus dem Ruder. Seit der Einführung des Bürgergeldes sind heute 200 000 Menschen mehr im Bürgergeldbezug als zu Beginn, im Januar 2023. Gleichzeitig gibt es aber über 1 Million offene Stellen. Im Arbeitsmarktranking sind wir abgeschmiert. Deswegen meine ganz konkrete Frage, Herr Wirtschaftsminister: Welche Reformen wird Ihr Ministerium unternehmen, um Menschen, die arbeiten können, aber nicht arbeiten wollen, Anreize zu setzen, damit sie wieder arbeiten gehen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
1 Vermerkca. 60 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sie wissen vermutlich, dass das Bundesarbeits- und -sozialministerium für das Bürgergeld zuständig ist.

Aber wir reden doch hier über den Haushalt!

Die Bundesregierung wird aber entsprechende Anstrengungen unternehmen; denn es ist ja für die Menschen im Bürgergeld auch nicht gewinnbringend oder eine glückliche Situation, im Bürgergeld zu sein. Das heißt, der Übergang in den Arbeitsmarkt sollte stärker unterstützt werden. Genau das werden wir mit dem sogenannten Dynamisierungspaket angehen.

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
ca. 74 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr gerne, Frau Präsidentin. – Ich möchte gerne fragen, was insbesondere das BMWK zur konjunkturellen Steuerung und Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsdynamik beigetragen hat. Wir wissen: Forschung und Entwicklung sind ganz enorme Innovations- und Wachstumstreiber; da sind insbesondere die Maßnahmen zur Forschungszulage zu nennen. Aber ich glaube auch, dass die Startup Factories als Beispiele für gute Maßnahmen gelten können. Da wäre es gut, wenn Sie jetzt bitte noch mal einordnen könnten, wie diese Instrumente wirken.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 105 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Abgeordnete, der Kern der Forschungsförderung liegt natürlich bei der Kollegin Stark-Watzinger bzw. beim Finanzministerium, wenn sie steuerlich umgesetzt werden soll. Mein Haus versucht allerdings, aus der Forschung heraus – aus Grundlagenforschung und universitärer Forschung – Unternehmen in den Markt zu bringen, also Forschung in wirtschaftliche Prosperität zu übersetzen.

Das im Moment vielleicht interessanteste, sich einer großen Nachfrage erfreuende Projekt ist das sogenannte Startup-Factory-Projekt – darauf haben Sie wahrscheinlich angespielt –, bei dem wir die Universitäten dabei unterstützen, Ausgründungen zu ermöglichen, wenn private Geldgeber bereitstehen. Also: Erst muss privates Kapital vorhanden sein, dann unterstützen wir auch. Das ist ein wettbewerbliches Verfahren. Die Vorrunde ist gerade abgeschlossen.

Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
ca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister Habeck, zur Wettbewerbsfähigkeit. Zum EU-Projekt IRIS², das über 10 Milliarden Euro schwer sein wird, haben Sie am 26. April einen Brief an die EU-Kommission geschrieben, dass Sie sich sorgen, dass die deutsche Industrie hier zu wenige Aufträge bekäme. Sie haben das Ganze zweieinhalb Jahre liegen lassen, wenn ich das so sagen darf. Da hätte man schon sehr viel früher agieren können. Meine Frage an Sie ist: Was tun Sie jetzt, damit die deutsche Industrie in diesem Projekt besser beteiligt wird?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 122 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben das richtig beschrieben, und in dem Sinne handeln wir. Das Projekt hat sich enorm verteuert. Die Finanzierung erfolgt solidarisch. Deutschland ist der stärkste Geldgeber in diesem Projekt, aber deutsche Unternehmen kommen dort kaum vor. Das kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein.

Wir ringen in der europäischen Raumfahrt insgesamt darum, ob die Kommission bei solchen Projekten die Federführung hat oder die ESA. Wir sind dafür, die ESA zu stärken und das Projekt im Bereich der ESA wettbewerblich aufzustellen. Da sind wir gut vorangekommen, weil jetzt beispielsweise über die wettbewerbliche Ausschreibung von Satellitenprogrammen – und nicht die blinde Vergabe nur an Ariane – auch die deutschen Unternehmen, von denen wir ja mindestens vier gute haben, und weitere Zulieferer zum Zuge kommen können.

1 Vermerkca. 77 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Lieber Herr Bundeswirtschaftsminister, vor dem Hintergrund, dass die Ampel nun zum wiederholten Mal im Wirtschaftsausschuss die Debatte über Anträge der Union vertagt hat, die sich mit Wirtschaftswende, mit Sofortprogrammen beschäftigen, und der Kanzler jetzt angekündigt hat, dass das Dynamisierungspaket noch im Juli kommt – ich gehe davon aus, dass Sie das mit ihm schon mal abgesprochen haben –: Können Sie uns sagen, wie viele dynamisierende Aspekte da schon bekannt sind? Dürfen wir wissen, was Teil des Paketes sein wird?

Was der Haushalt hergibt?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
1 Vermerkca. 24 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Grosse-Brömer, ich nehme an, Sie kennen die Antwort. Ich hoffe, es ist noch nichts bekannt. Deswegen kann ich hier auch nichts erklären.

ca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Die Frage geht an die Frau Forschungsministerin. Deutschland ist ein Land mit einer guten Forschungsinfrastruktur. Wir sind ja im Moment dabei, den Nationalen Roadmap-Prozess für die Forschungsinfrastrukturen, die FIS-Roadmap, aufzustellen. Der Wissenschaftsrat wurde mit dem Verfahren beauftragt. Können Sie etwas zu dem Verfahren, vor allen Dingen zu dem geplanten Zeitplan des Verfahrens sagen? Wann können wir mit dem Abschluss des Verfahrens rechnen?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Kollege Becker, für die Frage. – Es ist in der Tat ein wichtiger Aspekt, wenn wir über den Wissenschaftsstandort Deutschland sprechen, dass wir diese modernen, leistungsfähigen Forschungsinfrastrukturen haben, um Spitzenforschung zu ermöglichen. Wir haben den Prozess der FIS-Roadmap, also die Planung der Forschungsinfrastrukturen, zusammen angestoßen. Unser Ziel ist es, auf jeden Fall noch in dieser Legislaturperiode zum Abschluss zu kommen, damit das, was in Zukunft in der Breite an Infrastrukturen notwendig ist, mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in einem Konzept erarbeitet werden kann.

ca. 46 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zu der haushalterischen Einordnung. Man geht ja davon aus, dass wir so drei bis fünf Projekte in die oberste Priorität bringen. Könnte man sich vorstellen, schon eine Art Starting Grant für solche Projekte haushalterisch einzustellen, damit diese Projekte, wenn sie denn ausgewählt sind, gleich loslegen können?

Porträt von Stephan Albani
Foto: Deutschen Bundestag/ Stella von Saldern
ca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Ministerin, zur FIS-Roadmap. Dass es sich hierbei um elementare und wichtige Geräte handelt, die die Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschaftsstandorts Deutschland in der Zukunft sichern, darüber sind wir uns einig. Wir alle reden davon, Abläufe schlanker zu machen, sie mit weniger Bürokratie zu versehen. Viele dieser Geräte haben schon sehr umfangreiche Prüfungen in der Scientific Community, also bei Wissenschaftlern in außeruniversitären Forschungsgemeinschaften, durchlaufen und werden dann noch einmal von Ihrer Seite geprüft. Kann man das nicht einfacher gestalten? Wäre hier nicht mal eine Möglichkeit, mit einem kleinen Griff viel effektiver zu werden? Das wäre doch mal was.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 75 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, wir haben einen schlanken Prozess gewählt. Und noch mal: Ich bin dem Wissenschaftsrat sehr dankbar für die enge Taktung; der Wissenschaftsrat hat auch eine hohe Motivation, hier die notwendigen Grundlagen zu legen. Das eine, was Sie angesprochen haben, ist die Frage der Evaluation. Aber es geht eben auch um die Frage der Taktung von Forschungsinfrastrukturen, bestehenden Infrastrukturen, zukünftigen Infrastrukturen. Und da werden wir in diesem engen Zeitplan zügig zu Ergebnissen kommen.

Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Bundesministerin, im Kontext der FIS-Roadmap ist sicherlich der Teilchenbeschleuniger FAIR ein interessantes Projekt, bei dem Sie trotz erheblicher Kostensteigerungen entschieden haben, dieses Projekt in der Nähe Ihres Wahlkreises noch vor der hessischen Landtagswahl durchzuziehen. Meine Frage ist: Wo steht FAIR aktuell in der Kostenprojektion und in der Zeitplanung? Und was bedeutet das für das Projekt DESY in Hamburg, zu dem es morgen früh eine Veranstaltung gibt und das Sie ja, glaube ich, auch grundsätzlich positiv sehen?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
1 Vermerkca. 74 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich weise die Unterstellung zu Beginn Ihrer Frage zurück. Als ich in das Bundesministerium für Bildung und Forschung gekommen bin, war die Finanzierung von FAIR nicht geklärt. Wir haben zusammen mit einer wissenschaftlichen Gutachtergruppe über die Zukunft von FAIR diskutiert und uns vor allen Dingen noch mal eine Evaluation an die Hand geben lassen, weil wir nach wissenschaftsgeleiteten Bewertungen entscheiden. Die Empfehlungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen wir dann um.

Ach so! Keine Antwort auf „Kosten und Zeitplan“!

ca. 64 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, ich wollte kurz nachfragen, ob Sie für das Parlament noch mal transparent machen können, ob Ihre Amtsvorgängerin als Forschungsministerin damals die Nationale Roadmap für Forschungsinfrastrukturen abgeschlossen hatte. Unserer Erinnerung nach geschah das in der letzten Wahlperiode leider nicht. Und dann möchte ich noch fragen, in welchem Finanzvolumen Sie zukünftig die Nationale Roadmap für 2024, 2025 und 2026 sehen.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank für die Rückfrage. – Es gab keine Grundlage für den FIS-Roadmap-Prozess. Wir haben ihn jetzt in engem Austausch mit dem Parlament gestartet.

Was die Finanzierung anbetrifft, kann ich Ihre Frage gut verstehen, Herr Kollege Gehring. Es ist ja so: Die bestehenden Projekte sind finanziert. Auch vom Haushaltsausschuss sind Initiativen mit Blick auf Forschungsinfrastrukturen aufgesetzt worden. Alles Weitere wird sich ergeben, wenn wir die neue Roadmap haben, sodass wir dort dann auskömmlich finanzieren können.

Dann kommen wir zur nächsten Hauptfragestellerin. Das ist für Bündnis 90/Die Grünen Dr. Anna Christmann.

1 Vermerkca. 153 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Meine Frage geht an die Ministerin. – Ich möchte eine Frage zum Projekt DATI stellen, der neuen Agentur für Transfer und Innovation, die gerade im Werden begriffen ist, und einmal sehr positiv hervorheben, dass die Innovations-Communitys und SPRINDs jetzt ausgewählt worden sind. Ich konnte eine Community besuchen und habe den Eindruck gewonnen: Die haben Lust, loszulegen.

Ich möchte Sie fragen: Teilen Sie mit mir die Einschätzung, dass für den Start der DATI ganz entscheidend sein wird, dass wir das, was wir aus der Gründung der SPRIND, auch im Zusammenhang mit dem SPRIND-Freiheitsgesetz, gelernt haben, auch für DATI berücksichtigen? Die Freiheiten, die wir den Innovations-Communitys, die jetzt schon loslegen, gegeben haben, die wir auch der DATI selbst geben werden, sind entscheidende Stellschrauben bei der Gründung der Agentur. Zudem ist es natürlich wichtig, dass die Agentur selbst jetzt loslegen kann. Wie sehen Sie da den Zeitplan, dass die Agentur tatsächlich gegründet werden kann?

Das ist eine interessante Frage!

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
1 Vermerkca. 172 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ganz herzlichen Dank, Frau Kollegin. – Wir haben mit der SPRIND einen sehr umfassenden Innovationsansatz, und zwar den disruptiven Ansatz. Bei der DATI setzen wir auf eine Förderung, die Ökosysteme unterstützt. Die Startup Factories zielen auf Ausgründungen aus den Hochschulen. Es geht auch darum, wie es mit dem IP-Transfer weitergeht. All die guten Ideen, die in unserer Wissenschaft vorhanden sind, sollen auch in Innovationen umgesetzt werden.

Die DATI ist ein wichtiger Baustein. Sie konzentriert sich auf Ökosysteme, soll agil sein, soll frei sein – wie Sie eben gesagt haben. Das heißt, wir lernen aus dem SPRIND-Prozess. Wir hatten dafür viele Stakeholder-Runden; wir haben uns die Zeit genommen, denn die DATI soll gut werden. Sie soll nicht einfach eine Behörde sein, sondern diese Ökosysteme stärken. Das Konzept ist jetzt in der Ressortabstimmung. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die DATI so schnell wie möglich zu gründen. Es ist ganz klar: Die Beteiligung der Wissenschaft ist immens hoch. Es ist wirklich eine Freude, zu sehen, wie viel Kraft dort in die Zukunftserneuerung gesteckt wird.

Die Frage ist doch, wann der Kabinettsbeschluss kommt!

ca. 55 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Wir freuen uns, dass es mit der DATI zeitnah so richtig losgehen kann. Ich möchte noch eine Frage zum Thema „soziale Innovation“ stellen. Sie haben immer gesagt, dass es wichtig sein wird, Transfer und Innovationen in der Breite zu denken. Welche Rolle werden aus Ihrer Sicht die sozialen Innovationen bei der DATI spielen?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 80 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank. – Die sozialen Innovationen sind dort ein gewichtiger Punkt. Es ist natürlich durch Anträge möglich, dort Mittel einzuwerben. Die vielen gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen wir es zu tun haben, können am besten durch Innovationen angegangen werden. Wir haben jetzt über die Zukunft, über die Gründung der DATI gesprochen. Ich möchte aber noch mal darauf hinweisen, dass wir schon Pilotlinien hatten. Daraus konnten wir lernen, und da konnten auch im Bereich der sozialen Innovation viele gute Vorschläge ausgewählt werden.

ca. 90 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe eine Frage zum Thema DATI. – Frau Ministerin, in den Jahren 2021 bis 2024 waren für die DATI 150 Millionen Euro eingeplant. Da sich das Projekt erkennbar verzögert hat, möchte ich fragen, was mit diesem Geld passiert ist, ob da Geld übrig ist und was mit diesem überschüssigen Finanzrahmen passiert.

Daran schließt sich die zweite Frage an: Die Forschung an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften wurde kontinuierlich zurückgefahren, und zwar mit Verweis auf die DATI-Gelder. Können die Hochschulen für angewandte Wissenschaften denn jetzt mit einer entsprechenden Kompensation rechnen?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, herzlichen Dank für die Frage. – Sie haben zwei Aspekte angesprochen. Das eine ist die Frage der Förderung von Innovationen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Wir haben gerade eine neue Bund-Länder-Vereinbarung geschlossen, die sogar noch mehr Mittel für die Hochschulen für angewandte Wissenschaften bringt als in der Vergangenheit, weil diese ein wichtiger Teil unseres Wissenschafts-, aber auch unseres Innovationssystems sind.

Mit Blick auf die DATI kann ich sagen, dass das Interesse sehr, sehr groß ist, auch an den Pilotlinien. Wir haben den Ansatz, der dafür vorhanden war, sogar noch erweitert, damit wir aufgrund der großen Nachfrage auch genug Projekte finanzieren konnten. Insofern werden wir die Finanzierung im Bereich der DATI auch weiterhin sicherstellen.

ca. 77 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Frau Ministerin, ich möchte anschließen an die Frage von Frau Christmann. Sie haben darüber geredet, wie viele Menschen aus der Wissenschafts-Community sich bei der DATI-Gründung eingebracht haben, allen voran natürlich die Mitglieder der Gründungskommission, und gerade gesagt, das Ganze sei in der Ressortabstimmung. In dem Kontext würde ich Sie gerne fragen, welche weiteren Schritte jetzt noch notwendig sind, um die DATI zu gründen. Wie wird es da weitergehen? – Vielen Dank.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 85 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank. – Sie haben die Mitglieder der Gründungskommission angesprochen, die wirklich sehr viel zum Erfolg der DATI beigetragen haben – die machen das ja ehrenamtlich –, indem sie ihr Know-how zur Verfügung gestellt haben. Ich habe eben gesagt, dass das DATI-Konzept jetzt in der Ressortabstimmung ist. Unser Ziel ist es, hier zügig voranzukommen. Es gibt bei einigen Themen – wir hatten gerade schon vom SPRIND-Freiheitsgesetz gesprochen – noch Fragen zu klären. Wir arbeiten aber mit Hochdruck daran, dass wir zügig in die Gründung gehen können.

ca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe auch eine Frage zur DATI. Das eine ist die Gründung, die Struktur der DATI, und das andere ist DATIpilot, sind die Innovations-Communitys. Welche Lessons Learned kann man denn jetzt schon ziehen? Das war ja ein überwältigendes Interesse, das viele gar nicht so erwartet haben. Es scheint ein großer Bedarf da zu sein. Gibt es da schon Lessons Learned für die nächste Runde?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank, Herr Kollege, für die Frage. – Wir sind bei DATI wirklich neue Wege gegangen. Mit DATIpilot sind wir in die Fläche gegangen. Es gab Road Shows in acht Städten. Es gab auch eine jurybasierte Auswahl. Wir haben sehr viele Anträge gesehen. Insofern ist das ein Lernprozess, in die Breite zu gehen und vor allen Dingen diese agile und bürokratiearme Förderung zu ermöglichen. Ein Ziel ist es ja, die guten Ideen möglichst schnell zu fördern und den bürokratischen Aufwand gering zu halten. Das schaffen wir mit der DATI.

ca. 52 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, Ihrem Ministerium lag im September 2022 ein Gutachten mit dem Titel „Immunbridge“ vor. Daraus ging hervor, dass bereits 95 Prozent der Deutschen über Antikörper gegen Corona verfügten und weitere Freiheitsbeschränkungen damit überflüssig waren. Ihr Ministerium hat dieses Gutachten zunächst zurückgehalten. Wie würden Sie das aus heutiger Sicht bewerten?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 36 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich widerspreche dem, was Sie gesagt haben. Es geht darum, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Ergebnisse untereinander austauschen und danach entscheiden, wann eine Studie so weit ist, dass sie publiziert werden kann.

ca. 70 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir wissen aus den RKI-Protokollen und aus den Protokollen des Corona-Expertenrats, dass dort erhebliche Bedenken gegenüber verschiedenen Maßnahmen bestanden. Waren Sie damals in die offensichtliche politische Einflussnahme auf diese Gremien eingebunden? Wenn ja, sind Sie heute bereit, für die entstandenen Folgen die Verantwortung zu übernehmen? Wenn nein, welche internen Abstimmungen und Argumente im Kabinett haben dazu geführt, ausgerechnet das Forschungsministerium in ein offensichtlich sehr forschungsnahes Thema nicht einzubeziehen?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 40 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, Sie sprechen ein wichtiges Thema an, nämlich die Abwägung von Schutz- und Freiheitsrechten. Aber das RKI liegt nicht in meinem Verantwortungsbereich. Deswegen bitte ich Sie, Ihre Frage an das Ministerium zu stellen, das dafür zuständig ist.

ca. 125 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke, Frau Präsidentin. – Meine Frage richtet sich an die Bundesministerin für Bildung und Forschung und bezieht sich auf das BAföG. Wir haben in dieser Legislaturperiode insgesamt drei BAföG-Reformen im Bundestag verabschiedet und dabei insbesondere – das war Ihnen immer wichtig – einen Fokus auf die Erhöhung der Elternfreibeträge gesetzt. Wir haben durch strukturelle Reformen wie der Studienstarthilfe in Höhe von 1 000 Euro, die Sie erwähnt haben, und dem Flexisemester mehr Flexibilität für die Studierenden geschaffen und die Bedarfssätze für die Studierenden erhöht. Sie haben das vorhin erwähnt. Ich möchte Sie gerne fragen, welchen Beitrag das BAföG Ihrer Ansicht nach leisten kann, um den Aufstieg durch Bildung in Deutschland zu ermöglichen und um Studierenden vielleicht erstmals in ihrer Familie den Zugang zum Studium möglich zu machen.

ca. 86 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben es angesprochen, und ich würde dem zustimmen: Die berufliche Ausbildung ist genauso wichtig wie ein Studium. Beides sind sehr gute Wege in den Arbeitsmarkt.

Ich möchte trotzdem noch mal eine Frage zum BAföG stellen. Wir wollen denen, die die Fähigkeit und den Willen dazu haben, ein Studium unabhängig von ihrem Elternhaus ermöglichen. Können wir das schon an den Zahlen sehen? Hat sich das in den letzten Jahren dahin gehend verändert, dass mehr Studierende BAföG in Anspruch nehmen und dadurch einen Weg ins Studium finden?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ganz herzlichen Dank auch für diese Nachfrage; das ist ein wichtiges Thema. Ich habe schon gesagt: Es ist unser Ziel, durch die Erhöhung der Freibeträge mehr Studierende überhaupt in die Förderung, aber auch in eine Vollförderung zu bekommen. Nachdem viele Jahre die Zahl der BAföG-Empfängerinnen und -empfänger zurückgegangen ist, sehen wir jetzt – die Datenerhebung läuft ja ein bisschen hinterher –, dass nach dieser ersten BAföG-Reform wieder mehr Studentinnen und Studenten BAföG beantragen.

ca. 140 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine Frage richtet sich an den Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz. Herr Habeck, die letzte Ausschreibung zu Biomasse, zu Bioenergie war dreifach überzeichnet. Es ist ja so: Gerade die Pioniere der Bioenergie haben in ihren Dörfern, in ihren Energiegenossenschaften die Wärmewende mit vorangebracht, indem sie die Abwärme für Nahwärmenetze genutzt haben. Viele dieser Anlagen stehen jetzt vor dem Aus, womit die Bürgerinnen und Bürger, die ihre Öl- und Gasheizung bereits vor Jahren durch eine Heizung mit Abwärme aus Biogasanlagen ersetzt haben, plötzlich erneut vor einem Heizungsproblem stehen. Gleichzeitig haben auch viele Kommunen auf diese Technologie gesetzt, um die Wärmewende voranzutreiben. Welche Maßnahmen plant das Ministerium, um sicherzustellen, dass die Nahwärmenetze, die mit Biogasanlagen, mit Biomasseanlagen gekoppelt sind, weiterhin betrieben werden können und die Bürgerinnen und Bürger, die die Energiewende vorangebracht haben, jetzt nicht dafür bestraft werden, dass sie Pioniere waren?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 149 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Die Biogasanlagen wurden im Rahmen des EEG über den Strombezug gefördert. Die Logik ist, wie bei anderen Erneuerbare-Energien-Anlagen auch, dass die Investitionskosten nach dem garantierten Zeitraum von 20 Jahren eingespielt sind. Insofern kann der Strombezug weitergehen.

Der Verkauf von Wärme ist bei den meisten Anlagen – jedenfalls während ich in der Nähe einer Biogasanlage gelebt habe – dazugekommen. Das Verhältnis ist jetzt häufig umgekehrt, sodass Wärme der Träger der Biogasanlage ist und dort – Sie haben es gerade richtig gesagt – weiterhin die Notwendigkeit besteht, Nahwärmenetze zu versorgen.

Die Möglichkeiten, dort voranzukommen, sind durch die kommunale Wärmeplanung gegeben, also das Ausbauen der Wärmenetze und die systematische Integration des Bezugs von Wärme. Die Förderung im Strombereich konzentriert sich im Moment darauf, die Anlagen zu flexibilisieren. Die Verlängerung der Förderung ist daran gebunden, dass die Anlagen flexibel einspeisen können. Perspektivisch werden sie sicherlich in den Kapazitätsmarkt überführt werden.

1 Vermerkca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, Bürgerinnen und Bürger haben in Nahwärmenetze investiert und ihre Heizungssysteme umgestellt. Jetzt stellt der Betreiber der Biogasanlage aber, weil er bei den Ausschreibungen nicht zum Zuge kommt, den Betrieb ein. Ich frage Sie noch mal konkret: Wie wollen Sie soziale Härte vermeiden? Wie wollen Sie den Bürgerinnen und Bürgern erklären, dass sie für die Wärmewende jetzt noch einmal investieren sollen? Welche Unterstützungsmaßnahmen plant Ihr Ministerium, damit die Umstellungen nicht im Nachgang bestraft werden? Denn damit erwiesen Sie der Wärmewende erneut einen Bärendienst.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 59 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Wichtig ist, erst einmal zu verstehen, dass die Förderung ursprünglich hauptsächlich über das EEG, also über den Stromverkauf, ging. Sie reden jetzt zu Recht über die Wärmeförderung. Nach der BEW, der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze, gibt es Fördermöglichkeiten für die kommunale Wärmewende, die auch für den Bau von Biogasanlagen bzw. den Ausbau von Nahwärmenetzen zur Verfügung stehen.

Porträt von Thomas Gebhart
Foto: Dr. Thomas Gebhart/ Laurence Chaperon
1 Vermerkca. 105 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Meine Frage geht an Sie, Herr Minister Habeck. Der Expertenrat für Klimafragen kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland seine Klimaziele wohl nicht erreichen wird, vor allem aufgrund der Kürzungen im Klima- und Transformationsfonds. Sie haben im Frühjahr der Öffentlichkeit mit Blick auf die Klimaziele noch gesagt, wir seien auf Kurs, wir müssten nur noch Kurs halten. Ich muss leider sagen: Sie haben der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut; denn Ihre Regierung hat bereits zwei Monate vorher die Mittel im Klima- und Transformationsfonds gekürzt. Ich frage Sie: Sagen Sie heute immer noch: „Wir sind auf Kurs“ und „Wir müssen nur noch Kurs halten“?

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich sage das Gleiche wie der Expertenrat. Wenn die eingeschlagenen Wege, die beschlossenen Gesetze und die Förderprogramme durchfinanziert sind und nicht wieder rückabgewickelt werden, dann sind wir auf Kurs, selbstverständlich, sogar dem Kurs voraus; denn nach den Prognosen des UBA, das ja ein sehr strenger Wächter bei dem Thema ist, werden die kumulierten CO2-Emissionen bis 2030 sogar um 46 Millionen Tonnen unterschritten. Das setzt aber in der Tat voraus, dass die Durchfinanzierung der Programme bzw. die gesetzliche Verlässlichkeit nicht infrage gestellt wird.

Porträt von Thomas Gebhart
Foto: Dr. Thomas Gebhart/ Laurence Chaperon
1 Vermerkca. 70 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Na ja, da gibt es einen offensichtlichen Widerspruch.

Sehr spezielle Sicht!

Was aber damit zusammenhängt: Wir wissen nun, wir haben beim EEG-Konto einen neuen zusätzlichen Bedarf von rund 9 Milliarden Euro, und die Übertragungsnetzbetreiber haben bereits im Januar wohl darauf hingewiesen, dass es Fehlbedarfe geben würde. Ich frage Sie: Woher kommt dieses Geld? Wird dieses Geld aus dem KTF genommen? An welcher Stelle wird gekürzt? – Wenn Sie uns dazu etwas sagen könnten!

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben, wenn ich das richtig weiß, am 22. Januar dieses Jahres eine offizielle Mitteilung der Übertragungsnetzbetreiber bekommen, dass der Fehlbetrag größer sei.

ca. 100 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, der Expertenrat für Klimafragen hat ja in der Projektion die CO2-Belastung angesprochen. Sie sprachen gerade an, dass im Gebäudesektor Verfehlungen zu erwarten sind, und in der Antwort auf meine Frage davor sprachen Sie an, dass das Bundesprogramm für effiziente Wärmenetze ein wichtiges Instrument sei. Gleichzeitig hat aber die Koalition oder Ihre Regierung das Bundesprogramm für effiziente Wärmenetze gekürzt. Das heißt also, in der Projektion wird auch der Gebäudesektor viel schlechter werden, und genau die Lösung, die Sie für die Biogasanlagen angeboten haben, ist de facto tot, weil Sie das Förderprogramm gekürzt haben. Was ist Ihr Standpunkt dazu?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 60 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe ja auf verschiedene Bestandteile hingewiesen. Wir haben in der Koalition vereinbart, möglichst schnell – Zieljahr ist 2028 – in einen Kapazitätsmechanismus einzusteigen. Dadurch würde der Strombestandteil dann abgedeckt. Aber Sie haben recht: Es ist so viel Dynamik in Deutschland – so viele Unternehmen wollen dekarbonisieren, so viele Stadtwerke wollen eine klimaneutrale Energieversorgung aufstellen –, dass mehr Möglichkeiten der Förderung gut gebraucht würden.

Porträt von Hendrik Hoppenstedt
Foto: Dr. Hendrik Hoppenstedt/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 125 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Bundesminister, es heißt ja immer – ob vorhin bei der Frage der Kollegin Klöckner zur Unternehmensteuerreform oder jetzt bei der Frage des Kollegen hier –: Wir haben im Grunde genommen kein Geld. – Und schuld daran ist doch immer, wenn ich Sie vorhin richtig verstanden haben, die Schuldenbremse, die wir ja so schrecklich verteidigen. Nur mal so zur Information – das wissen Sie sicherlich selber –: 39 Milliarden Euro können Sie dieses Jahr schon mal ganz legal im Rahmen der Schuldenbremse an Schulden aufnehmen; das ist ja auch nicht nichts.

Aber wäre es nicht umso wichtiger, dass Sie als Bundesregierung endlich mal eine Priorisierung der Haushaltsausgaben vornehmen?

Beifallbei der CDU/CSU

Wäre das nicht mal eine vernünftige Lösung, die dazu führen würde, dass Sie sich auf die Dinge konzentrieren, die wirklich wichtig sind?

Das ist nicht die Hauptfrage!

Also, ist das jetzt zu Klimazielen?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
2 Vermerkeca. 56 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Absolut; dem stellen wir uns wie jede Regierung. Ich würde es sogar begrüßen, wenn die Opposition das auch tun würde.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich kann mich jedenfalls daran erinnern, dass meine Fraktion, als sie in der Opposition war, als solide Gegenfinanzierung auch immer Sparvorschläge gemacht hat. Das vermisse ist jetzt an dieser Stelle. – Mehr würde ich gar nicht sagen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

So geht das, genau!

Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 81 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

In der Tat, Frau Präsidentin. – Ich habe eine Nachfrage an den Minister: Wir haben ja 2021 noch die Erwartung gehabt, dass Nord Stream 2 in Betrieb gehen soll. Die alte Bundesregierung hat diese zweite Pipeline als betriebswirtschaftliches Projekt bezeichnet.

Meine erste Frage ist, wie die Einhaltung der Klimaziele vor dem Hintergrund einer zweiten Gaspipeline eigentlich hätte dargestellt werden können.

Und der zweite Punkt meiner Frage ist, welche Erfolge beim Ausbau der Erneuerbaren jetzt dazu beitragen, dass wir auf dem Klimazieleerreichungspfad sind.

Gas als Brückentechnologie, Frau Detzer!

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
2 Vermerkeca. 106 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sicherlich ist Nord Stream 2 irgendwie auch ein wirtschaftliches Projekt gewesen. Aber da Gazprom ein russischer Staatskonzern ist, kann man das von russischer Seite schwer behaupten. Von deutscher Seite wurde massiv geholfen – und zwar politisch geholfen –, dass dieses Projekt sich realisiert.

Ich glaube, dass diese Beschreibung als wirtschaftliches Projekt nicht aufrechtzuerhalten ist. Rückblickend muss man erst recht sagen, dass es zumindest ein politischer Fehler gewesen ist, diese Leitung zu planen bzw. zu bauen.

Zu den erneuerbaren Energien. Ich würde sagen, der Energiesektor und der Industriesektor liefern im Moment die Ergebnisse bei den CO2-Reduktionszielen, die wir brauchen, um andere Bereiche zu überkompensieren, vor allem den Verkehrsbereich.

Weil weniger produziert wird!

Danke schön!

Porträt von Andreas Jung
Foto: Andreas Jung/ Bildbrauerei
ca. 82 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin! Herr Minister, Sie hatten eben ausgeführt, dass Sie am 22. Januar 2024 von den Übertragungsnetzbetreibern unterrichtet wurden, dass der Finanzierungsbedarf höher ist; darüber wurde ja auch berichtet. Sie hätten damals geschrieben, er liege bei 18,4 Milliarden Euro; das war im Januar. Teilen Sie meine Einschätzung, dass der Satz des Parlamentarischen Staatssekretärs Toncar von dieser Woche, dass zum Zeitpunkt der Verabschiedung des Bundeshaushalts der höhere Finanzierungsbedarf nicht bekannt gewesen ist, falsch ist? Denn der Bundeshaushalt ist im Februar verabschiedet worden.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es gibt für die schwierige Prognose, wie sich EEG-Kosten entwickeln, eine gesetzliche Grundlage im Energiefinanzierungsgesetz – ich meine, es ist der § 4 –, wonach die ÜNBn, die Übertragungsnetzbetreiber, jeweils im Herbst vorher die Zahlen melden. Das ist geübte Praxis; diese Vorschrift bildet für die Bundesregierung die Rechtsgrundlage für die Prognose der EEG-Kosten. Das ist auch passiert, und das war die Grundlage der Planung bis zur Bereinigungssitzung im Finanzausschuss.

Danach kamen dann andere Informationen; da waren die Haushaltsverhandlungen aber weit vorangeschritten. Insofern glaube ich, dass das vom Kollegen Toncar exakt richtig dargestellt wurde.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 212 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben recht, dass es in der Praxis – so wird auch mir in vielen Unternehmensgesprächen berichtet – genau so gehandhabt wird. Es gibt ja im bestehenden GroKo-Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz Schwellenwerte für die Unternehmen, die diese Berichte durchführen müssen. Aber diese großen Unternehmen mit über 1 000 Angestellten reichen die weiter an die kleineren Zulieferer, die dann manchmal nur 20 oder 30 Mitarbeiter haben. Das sieht das Gesetz nicht vor, und es ist in dem Sinne nicht durch das Gesetz gedeckt.

Das Problem ist die Praxis. Man kann natürlich schwer in die direkten Beziehungen zwischen den Unternehmen eingreifen. Wenn ein großes Unternehmen sagt: „Entweder ihr helft mit, oder ich hole mir jemanden, der mithilft“, dann ist das quasi die marktliche Vorgabe, die dann da ist.

Wenn man einen Schritt zurückgeht, sieht man aus meiner Sicht: Die Ursache dieses Problems ist die sogenannte Bemühungspflicht – wahrscheinlich gut gedacht von der GroKo, aber sie führt dazu, dass die Unternehmen quasi nie wissen, wann sie sich genug bemüht haben. Eigentlich sollte es heißen: Wenn man sich bemüht hat, hat man das Maximum getan; dann ist irgendwann auch mal gut. – Nun dreht sich der Spieß um, und die Unternehmen bitten die anderen, das immer weiter zu tun.

Deswegen – noch einmal – finde ich es richtig, das europäische Gesetz möglichst schnell einzuführen, –

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 20 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– weil wir dann eine andere Logik haben: Die Sorgfaltspflichten werden gestärkt, die Unternehmen bei den Berichtspflichten ein Stück weit entlastet.

Porträt von Steffen Kotré
Foto: Steffen Kotré/ Hagen Schnauss
3 Vermerkeca. 57 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Es wird ja immer dieser Popanz aufgebaut, die größte Gefahr käme vom Rechtsextremismus.

Sie müssen jetzt mal zum Geschäftsbereich fragen!

Das hat nix mit dem Thema zu tun!

Aber wir sehen: Beim Generalbundesanwalt sind 90 Prozent aller Fälle verbunden mit Islamisten oder ausländischen Ideologien.

Herr Präsident, das muss zum Geschäftsbereich sein in der Runde eins!

41 Prozent aller Straftäter sind Ausländer bei 15 Prozent Bevölkerungsanteil.

Da stimmt keine einzige Zahl!

Wir sehen, dass die Gewalttätigkeit bei Afghanen, bei Syrern und bei Irakern achtmal höher ist als bei Deutschen.

ca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Liebe Frau Ministerin, ich habe auch eine Nachfrage zum Digitalpakt. Sie haben schon einige Punkte erwähnt, die Bestandteil eines Digitalpakts 2.0 sein müssen. Uns ist die Lehrkräftefortbildung sehr wichtig. Auch über das Thema Medienkompetenz haben wir heute Morgen im Ausschuss in Bezug auf Antisemitismus und Islamismus, die leider in den Schulen zunehmen, gesprochen.

Ich habe noch eine Frage zur Ausgestaltung des Digitalpakts 2.0. Diese ist ja in erster Linie eine Sache der Länder wie auch die Finanzierung der Bildung in Deutschland. Nichtsdestotrotz will der Bund sie dabei unterstützen.

ca. 10 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

In welchem Maß müssen sich die Länder daran finanziell beteiligen?

Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
ca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Frau Ministerin, Sie haben sich in der „Bild“-Zeitung zitieren lassen mit Ihrer Haltung, dass über 1 000 Lehrende als Unterzeichnerinnen und Unterzeichner eines offenen Briefes nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stünden. Sie haben dieses hetzerische „Bild“-Cover, das ich Ihnen hier gern noch mal zeige, mit dem Titel „Die Universitäter“, das einzelne Unterzeichnende des Briefes wie auf einem Steckbrief mit Foto darstellt und quasi zum Abschuss freigibt, zunächst auch noch retweetet, also selbst aktiv verbreitet.

Frau Ministerin, Sie haben damit einen Ton für die politische Auseinandersetzung gesetzt. Und ich frage Sie, ob Sie diesen Ton des politischen Scharfmachens in dieser Debatte dem Amt einer Ministerin für angemessen halten –

Porträt von Nicole Gohlke
Foto: Nicole Gohlke/ Olaf Krostitz
ca. 28 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– ja – und wie Sie in Zukunft gedenken Ihr Amt diesbezüglich auszufüllen. Muss sich die Wissenschaftscommunity Sorgen machen, dass sie weiterhin über die Springer-Presse von Ihnen diffamiert wird?

ca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke. – Frau Ministerin, wir sind uns einig, dass Fördermittelkürzungen oder -streichungen, also Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit, kein Mittel der Auseinandersetzung in dieser Frage sein können. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Was wollen Sie denn konkret tun, um gegen Antisemitismus oder auch Hamaspropaganda, Extremismus und Ähnliches an den Hochschulen vorzugehen? In der Ausschusssitzung haben wir heute gehört, dass das ganz klar ein gravierendes Problem ist. Was unternehmen Sie, wenn zum Beispiel Mitglieder der Hochschulleitung, –

ca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– wie zum Beispiel Frau Professorin Rauch an der TU Berlin, damit sympathisieren?

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 130 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, danke für die Nachfrage. In der Tat sind wir uns in dieser Einstellung absolut einig. Ich möchte auch mit Blick auf die Zeit in aller Kürze zwei Punkte klären.

Es gab einen Prüfauftrag am 13. Mai, der telefonisch von Staatssekretärin Döring erteilt wurde. Dieser Prüfauftrag zielte auf eine rechtliche Einschätzung, konnte aber von der Fachabteilung so verstanden werden, dass auch mit Blick auf förderrechtliche Konsequenzen geprüft werden sollte. Staatssekretärin Döring hat in ihrer Mail darauf hingewiesen, dass das so war. Sie hat aber auch erklärt, dass das von ihr nicht intendiert war, dass die Prüfung förderrechtlicher Konsequenzen nicht beabsichtigt war. Diese Prüfung wurde auch nach diesem Tag nicht mehr weiterverfolgt.

Das Zweite war eine generelle rechtliche Einschätzung am 17. Mai, eine generelle juristische Einordnung des Briefes.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 31 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die ist mit meiner Kenntnis erfolgt und ist dann ja auch vorgenommen worden, mit Blick auf die Meinungsfreiheit des offenen Briefes. Diese Sachverhalte haben wir transparent dargestellt. Das ist ganz wichtig: –

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
2 Vermerkeca. 30 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– Transparenz und Aufklärung, damit jeder den Prozess versteht.

Nächster Fragesteller ist der Kollege Albani aus der CDU/CSU-Fraktion.

Also, jetzt gelten die Regeln nicht mehr, oder wie sehe ich das?

– Ich habe keine Lust, mit Ihnen darüber zu diskutieren, Herr Hoppenstedt.

Ist in Ordnung! Aber trotzdem ist das jetzt 40 Sekunden drüber, und es gibt Regeln hier! Das werden wir im Ältestenrat diskutieren müssen, Herr Präsident!

Weiterer Zurufvon der CDU/CSU: Es gibt ja Regeln!
Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
1 Vermerkca. 98 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, herzlichen Dank. – In der Tat war der Vorgang, die Prüfung förderrechtlicher Konsequenzen, dazu geeignet, den Eindruck zu erwecken, als würde das im BMBF erwogen. Das wurde es nicht. Bei uns werden nach wissenschaftlichen Kriterien, nach wissenschaftsgeleiteten Verfahren und nach Exzellenzkriterien die Fördermittel vergeben.

Ich stehe mit der Wissenschaft seit den letzten Monaten und Jahren in vielen Runden im Austausch über Fragen der Wissenschaft an sich,

Sie sind ja auch die Wissenschaftsministerin!

über spezielle Projekte des BMBF, aber auch über die Situation an Hochschulen. Auch das ist etwas, was wir in allgemeinen Runden intensiv weiterführen werden, aber auch zu speziellen Themen, –

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– zu denen die verschiedenen Stakeholder, die verschiedenen von der Situation an den Hochschulen Betroffenen, zur gemeinsamen Besprechung zusammenkommen.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 113 WörterReaktionswert: ruhig
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Für den Hochwasserschutz konkret haben Sie im Grunde die richtigen Stichworte genannt, nämlich dem Wasser mehr Raum zu geben, wenn es denn in großen Mengen kommt, also Retentionsräume zu schaffen. Das ist nicht konfliktfrei – das weiß ich wohl; ich war dafür mal im Norden des Landes hauptverantwortlich –, gleichwohl ist das die effizienteste Maßnahme. Wenn man die durchgeführt hat, kann man natürlich auch Innenstädte beispielsweise durch Schutzwälle oder höhere Deiche schützen. Aber das wird auch immer nur ein Kampf gegen die Wassermassen sein. Die brauchen also mehr Raum. Dafür gibt es Gelder im Haus von Steffi Lemke im Bereich „Natürlicher Klimaschutz“ und in Auenprogrammen. Wenn man das nicht macht, ist das ein politischer Fehler.

ca. 73 WörterReaktionswert: ruhig
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Herr Minister, Sie haben eben ausgeführt, dass Sie in China darauf hingewiesen haben, dass die Schnelligkeit bei der Diversifizierung unserer Energieversorgung vom Verhalten Chinas abhängig ist. Dass Sie das angesprochen haben, ist ja schön, ich frage Sie aber: Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um die Energiesicherheit m Erneuerbare-Energien-Bereich in Europa und in Deutschland zu sichern? Es gab keinen Resilienzbonus für die einheimische Photovoltaikindustrie. Die Windindustriebranche hat Schwierigkeiten, an deutschen Standorten zu produzieren.

ca. 24 WörterReaktionswert: ruhig
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Was sind Ihre konkreten Schritte, um die Arbeitsplätze hier zu sichern und um die Abhängigkeit wirklich zu beenden und nicht nur darüber zu reden?

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 98 WörterReaktionswert: ruhig
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Es tut mir leid, dass ich bei meiner Antwort wieder einmal die Frage korrigieren muss. Wir haben eben nicht über Energieproduktion geredet, sondern über Rohstoffabhängigkeiten.

Ich wundere mich, dass Sie nicht wissen, dass wir es in Rostock-Warnemünde mit einer großen Kraftanstrengung hinbekommen haben, mit der niederländischen Werft Smulders Konverterstationen in Deutschland zu bauen, dass wir Siemens Energy – nach unternehmerischen Problemen; nicht fremdverschuldet, sondern technischer Natur – gestützt haben, dass wir mit dem Net-Zero Industry Act auf europäischer Ebene ein Rahmenprogramm geschaffen haben, in dem auch Quoten bei Eigenproduktion, beim Einsatz von Techniken für mehr Energiesouveränität vorgesehen sind.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 5 WörterReaktionswert: ruhig
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Und ich könnte Weiteres aufzählen.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 125 WörterReaktionswert: ruhig
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Herr Abgeordneter, herzlichen Dank für diese Frage. – Wir haben uns als Bundesregierung das Ziel gesetzt, eine Wasserstoffrepublik zu sein. Denn wir wollen eine Energieversorgung, die nachhaltig, verlässlich und bezahlbar ist, und in der Tat spielt Wasserstoff dort eine große Rolle.

Das BMBF hat früh die Potenziale von Wasserstoff erkannt, und wir wollen auch beim Wasserstoff Importnation bleiben. In Afrika sind ideale Bedingungen für die Wasserstoffproduktion gegeben. In Namibia gibt es beispielsweise ein Projekt, das wir fördern; auch der Kollege Habeck mit dem BMWK ist an einem großen Projekt beteiligt. Wir unterstützen die Ausbildung von Fachkräften vor Ort. Wir investieren vor Ort. Insofern ist es eine Partnerschaft auf Augenhöhe, die uns hilft, die Probleme der Energieversorgung zu lösen, und gleichzeitig für Namibia Wohlstand und Einkommen bringt.

ca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
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Ich habe keine Nachfrage.

Dann kommen wir zur nächsten Hauptfragestellerin, und das ist Julia Klöckner für die Unionsfraktion.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
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Sehr geehrter Herr Abgeordneter, danke auch noch mal für diese Nachfrage. – Da geht es ja mehr um einen Zeitraum, der in der Haushaltsaufstellung jetzt gar nicht relevant ist. Insofern ist das ein zweiter Schritt. Ich bin dem Wissenschaftsrat sehr dankbar, dass er sich, um schnell zu Ergebnissen zu kommen, auf diesen sehr agilen Prozess, den wir gewählt haben, eingelassen hat, um die Frage der zukunftsfähigen Forschungsinfrastrukturen zu gestalten.

ca. 2 WörterReaktionswert: ruhig
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Vielen Dank.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 162 WörterReaktionswert: ruhig
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Ganz herzlichen Dank, Frau Kollegin. – Sie haben recht: Wir haben uns beim BAföG viel vorgenommen und drei Reformen durchgeführt. In der ersten Reform haben wir sofort die Bedarfssätze und den Wohnkostenzuschuss, also die finanzielle Unterstützung, angepasst.

Wir haben es aber auch in die Breite gebracht. Sie haben das wichtige Thema angesprochen, dass der Zugang zu einem Studium in der Breite ermöglicht wird. Ich möchte aber sagen: Das Aufstiegs-BAföG wird genauso behandelt; das gilt nicht nur fürs Studium. Dass dieser erstmalige Zugang ermöglicht wird, darf nicht an der Finanzierung scheitern. Deswegen war es uns so wichtig, dies von Anfang an durch die Erhöhung der Freibeträge zu erreichen. Die sind in dieser Legislaturperiode um 27 Prozent erhöht worden. So gibt es mehr Möglichkeiten für mehr junge Menschen, ein Studium aufzunehmen.

Wir haben außerdem die Strukturen angepasst. Sie müssen den modernen Lebensläufen entsprechen. Und die Studienstarthilfe ist ein weiterer wichtiger Punkt, um den jungen Menschen, die aus einkommensschwächeren Familien kommen, diesen Übergang zu ermöglichen.

Bettina Stark-WatzingerFDP· Bundesministerin BMBF· MdB
ca. 53 WörterReaktionswert: ruhig
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Als Letztes möchte ich noch sagen: Wir haben insgesamt die Bedarfssätze um 11 Prozent, den Wohnkostenzuschlag um 17 Prozent und die Freibeträge um 27 Prozent erhöht sowie einen Notfallmechanismus im Rahmen der Energiekrise eingeführt. Insofern ist das ein großer Schritt und ein klares Signal für das Versprechen für den Aufstieg in dieser Gesellschaft.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 133 WörterReaktionswert: ruhig
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Nur einen Satz noch: Der Expertenrat für Klimafragen weist darauf hin, dass es in dem Sektor Verkehr mit einer großen Lücke von ungefähr 170 Millionen Tonnen und im Gebäudesektor mit einer kleineren, moderaten Lücke von etwa 30 Millionen Tonnen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, zu einer Überschreitung kommt. – Das ist die Hauptkritik. Bei den anderen Bereichen – erneuerbare Energien usw. – stellt er nicht infrage, dass die gut laufen.

Die EEG-Umlage ist höher geworden, weil die Strompreise wieder günstiger geworden sind. Das klingt im ersten Moment verwirrend, ist aber die Begründung dafür, dass wir jetzt mit einem höheren Kostenvolumen gerechnet haben – auch höher, als wir es noch im Herbst vorhersehen konnten. Ich habe hier noch sehr lange für den Industriestrompreis von 6 Cent pro Kilowattstunde geworben. Da lag er noch deutlich höher.

Porträt von Robert Habeck
Foto: BTF Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
Robert HabeckGrüne· Bundesminister BMWK· MdB
ca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
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Jetzt haben wir ihn erreicht. Und dieses Geld muss dann über die Haushaltsverhandlungen gefunden werden.

18 Vermerkeca. 747 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu dieser Aktuellen Stunde gibt es einen aktuellen Anlass: Vor genau einer Woche wollte unsere Kollegin Mareike Lotte Wulf an einer Diskussionsveranstaltung der Uni Göttingen teilnehmen. Der RCDS hatte eingeladen, eine Diskussion zum Selbstbestimmungsgesetz zu führen, und die Kollegin Wulf sollte einen Vortrag halten.

Dazu ist es nicht gekommen: Noch bevor die Kollegin auch nur ein einziges Wort sagen konnte, ist sie niedergebrüllt worden. Es waren etwa 200 Demonstranten auf dem Campus, im Hörsaal und davor. Sie haben skandiert, sie haben gepfiffen, sie haben gegrölt. Die Kollegin konnte nicht ein einziges Wort sagen und schon gar nicht einen Vortrag halten, einen Diskurs führen oder eine Diskussion beginnen.

Das Ganze ist so ausgegangen, dass die Kollegin unter Polizeischutz aus dem Hörsaal geleitet werden musste. Die demokratisch gewählte Abgeordnete musste die Hochschule verlassen; die Randalierer sind geblieben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mich hat das sehr erschreckt. Leider ist das nicht der einzige Vorfall dieser Art; das reiht sich ein in eine Reihe weiterer Vorfälle. Wir haben heute im Bildungs- und Forschungsausschuss eindrückliche Berichte von jüdischen Studentinnen und Studenten gehört, die sagen, dass ihre Kommilitonen seit zwei Semestern im Urlaubssemester sind, weil sie die Hochschulen nicht mehr als sicheren Ort empfinden, weil dort Demonstranten sind, die sie bedrohen und angreifen, und dass sie sich nicht mehr in der Lage sehen, ihr Recht auf Bildung an deutschen Hochschulen wahrzunehmen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das darf nicht sein.

Es ist höchste Zeit, dass wir uns aus diesem Hohen Haus, aus dem Herzen der Demokratie heraus dem gemeinsam entgegenstellen. Liebe Kollegen, ich muss sagen: Das habe ich letzte Woche vermisst.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich frage mich: Warum, liebe Kollegen, hat sich niemand von Ihnen zu diesem Vorfall geäußert?

Das ist peinlich!

Es gab Stellungnahmen aus unserer Fraktion; ich glaube, das ist klar. Aber aus den Regierungsfraktionen habe ich keinerlei Stellungnahmen zu diesem Vorfall gehört.

Es reicht nicht, Brandreden für mehr Vielfalt und Toleranz zu halten, aber sich dann schweigend wegzuducken, wenn eine Kollegin mundtot gemacht wird.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kollegen, die Grüne Jugend hat schon im Vorfeld der Veranstaltung die Protest- und Boykottaufrufe geteilt. Ich frage Sie: Hat jemand aus der grünen Partei interveniert?

Sie können sich den Aufruf, der von der Grünen Jugend geteilt worden ist, mal anschauen. Da steht wortwörtlich:

„Gehalten wird er“

– der Vortrag –

„von Mareike Wulf, einer Bundestagsabgeordneten, die öfters Hetze gegen trans* Menschen betreibt.“

So eine Lüge, wirklich!

Unglaublich!

Geteilt von der Grünen Jugend.

Und was macht die grüne Partei?

Zurufvon der CDU/CSU: Nix!

Es gab keinen Widerspruch, es gab keinen Kommentar, es gab wohl kein Einwirken auf die Grüne Jugend. Sie haben das einfach schweigend hingenommen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich frage Sie: Ist irgendeiner von Ihnen der Meinung, dass Mareike Lotte Wulf transphob ist?

Einfach nur eine Lüge!

Ich gehe davon aus, dass das nicht der Fall ist; denn wir alle kennen Mareike Wulf als eine Person, die sehr ausgewogen ist, die geschätzt wird für ihre toleranten, bedachten Sichtweisen. Gerade auch beim Thema Selbstbestimmungsgesetz wurde sie fraktionsübergreifend dafür gelobt, dass sie sachlich, menschlich-empathisch argumentiert

Beifallbei der CDU/CSU

und eben nicht Hass und Hetze betreibt.

Was aber jetzt passiert ist, ist, dass sie selbst Opfer von Hass und Hetze geworden ist und niemand aus dem demokratischen Spektrum sich dem entgegenstellt. Deshalb sage ich: Wir müssen unter den demokratischen Parteien in diesem Haus mal eine Standortbestimmung machen

Hören Sie doch mal mit diesem „demokratische Parteien“ auf!

und uns fragen, ob wir uns denn wirklich engagiert, geschlossen und entschlossen gegen alle radikalen Kräfte gleichermaßen wenden

Sie sehen doch, dass sie sich mit denen ins Bett legen!

und ob wir dafür einstehen, wenn Kolleginnen und Kollegen, die tief in der demokratischen Mitte verankert sind, so etwas widerfährt.

Ich habe nichts gehört vom Queer-Beauftragten der Bundesregierung, der sonst immer für Toleranz und eine gute Debatte eintritt.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich habe nichts gehört von der Antidiskriminierungsbeauftragten, die wir haben; sie hat nichts dazu gesagt. Ich habe nichts gehört von all diesen Kollegen aus diesem Haus.

Scheint ein Problem der demokratischen Parteien zu sein!

Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, sollten wir die Vorfälle der letzten Woche zum Anlass nehmen, uns mal selbst zu hinterfragen, ob wir wirklich genügend einstehen für den demokratischen Diskurs in unserem Land, auch an unseren Hochschulen. Und das sage ich nicht nur im Interesse der politischen Vertreter, die an Hochschulen Vorträge halten wollen, sondern auch im Interesse der vielen Studierenden, die zurzeit Sorge haben, weil sie die Hochschulen nicht mehr als Ort der Demokratie und des Diskurses empfinden, und aktiv daran gehindert werden, zu studieren.

Aber das ist doch ein anderer Fall! Frau Schön, Sie können die Situation doch nicht mit der von Jüdinnen und Juden gleichsetzen! Das ist qualitativ nicht dasselbe! Das hat einen anderen Sachzusammenhang!

Sie können ja versuchen, es in Ihrer Rede wieder zu relativieren! Unglaublich!

Das ist ein größerer Komplex, und deshalb haben wir heute die Aktuelle Stunde beantragt, damit wir es in einen größeren Rahmen stellen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir fahren fort in der Debatte zur Aktuellen Stunde. Das Wort hat der Kollege Oliver Kaczmarek für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Oliver Kaczmarek
Foto: photothek.net
17 Vermerkeca. 799 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich will etwas grundsätzlicher beginnen. Hochschulen sind Orte der Diskussion und des Austausches.

Aber Hass ist keine Meinung!

Das gehört schon zum Gründungsmythos der europäischen Universität, an der sich Gelehrte mit ihren Schülerinnen und Schülern ausgetauscht haben über ihre Erkenntnisse und über die daraus zu folgernden Schlussfolgerungen für die Entwicklung von Gesellschaften und Staaten. Das ist auch das, was uns heute an den Hochschulen umtreiben sollte, nämlich auf der Basis von Erkenntnissen über Veränderungen der Gesellschaft zu diskutieren.

Nicht selten sind auch von den Hochschulen sehr wichtige gesellschaftliche Veränderungen angestoßen worden. Erinnern wir uns an die Bewegung der 60er-Jahre. Nicht alles war da unterstützenswert und auch nicht alles, was dabei rausgekommen ist. Aber wo wären wir ohne die dort begonnene gesellschaftliche Öffnung, ohne die Loslösung von den in der Zeit leider teilweise noch bestehenden Traditionen aus der NS-Zeit? Wo wären wir ohne die Diskurse an den Hochschulen über Klimaveränderung, über Frieden? Das hat unsere Gesellschaft weitergebracht. Deswegen hat die Hochschule als Ort des Diskurses einen großen Wert für die Gesellschaft. Und deswegen sollten wir uns alle dafür einsetzen – das ist erhaltenswert –, dass es zu einer Meinungsvielfalt und zu einem Austausch und zu gesellschaftlichen Anstößen an der Hochschule kommt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und was ist mit Hass?

Ja, es ist richtig: Hochschulen müssen auch schwierige Diskussionen aushalten,

vielleicht auch ein gewisses Maß an Aktivismus; aber Hochschulen dürfen auch nicht alles dulden.

Das ist heute auch deutlich geworden in dem Gespräch mit den Vertretern von Hochschulen über Antisemitismus an Bildungseinrichtungen.

Hochschulen dürfen nicht alles dulden. Es gelten die gleichen Regeln wie überall: keine Gewalt, keine Sachbeschädigung, keine gruppenbezogene Diskriminierung, sich ausreden lassen. In dem Sinne hätte ich es mir natürlich gewünscht, dass die Kollegin Wulf, auch wenn ich ihre Ansicht vielleicht nicht teile, ihre Meinung an der Hochschule in der kritischen Diskussion zum Ausdruck hätte bringen können. Das wäre gerechtfertigt gewesen.

Hochschulen dürfen nicht alles dulden. Sie bewegen sich aber in einem konkreten Spannungsfeld – das halten Hochschulleitungen oft aus –, nämlich auf der einen Seite den offenen Diskurs ermöglichen, auf der anderen Seite Grenzen einhalten. Deswegen möchte ich an dieser Stelle einmal Verständnis für das Spannungsfeld äußern und klare Unterstützung für alle diejenigen äußern, die sich jeden Tag Mühe geben, um das an den Hochschulen zu ermöglichen.

Was ist denn das für eine komische Rede? Die passt ja gar nicht!

Denn die übergroße Anzahl der Veranstaltungen an Hochschulen gelingt. Und dass das gelingt, hat damit zu tun, dass dort verantwortliche Personen in führenden Positionen ihren Job machen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Natürlich ist das, was wir heute im Ausschuss besprochen haben, besorgniserregend, nämlich die Zahl der Vorfälle an Hochschulen mit antisemitischem Hintergrund. Wir haben darüber heute eine, wie ich finde, sehr bedeutende Anhörung durchgeführt. Bewusst sind damit nicht alle Veranstaltungen gemeint. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass es eben auch zu Übergriffen und zu Gewaltandrohungen mit antisemitischem Hintergrund kommt.

Ja, woher kommt der wohl?

Deutschland ist in dieser Frage in besonderer historischer Verantwortung – sie wird von manchen leider geleugnet – für jüdisches Leben und für den Staat Israel; das gilt nicht nur an Hochschulen, aber dort besonders. Und dieser Verantwortung müssen wir natürlich gerecht werden.

„Müssen“, „sollen“, „wollen“, „können“!

Vorweg: Die übergroße Mehrheit der Studierenden – das belegen Umfragen – ist für Vielfalt und gegen Antisemitismus und positioniert sich da klar. Das drückt sich auch aus in ganz vielen Veranstaltungen, die in diesem Kontext stattfinden.

Das ist doch dummes Zeug!

Die übergroße Zahl der Menschen an Hochschulen duldet keinen Antisemitismus und ist für Vielfalt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]

Für uns ist klar: Antisemitismus ist keine legitime Meinung, sondern oft der Startpunkt für weitere Diskriminierung und nicht selten für Straftaten.

Mal runter von der Metaebene, Herr Kollege!

Wir müssen dazu einen Beitrag leisten, dass Antisemitismus an Hochschulen erkannt und ihm wirksam entgegengetreten wird. Wir begrüßen an dieser Stelle die klare Haltung der Bundesregierung.

Wir erkennen doch, was hier läuft! Wirklich peinlich! Sagen Sie doch mal, es tut Ihnen leid!

– Ich weiß gar nicht, warum es hier solche Zurufe gibt. Aber es ist egal.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Wirklich ein Geeiere!

Wir begrüßen die klare Haltung der Bundesregierung zu Antisemitismus; der Bundeskanzler hat das hier vom Rednerpult aus an vielen Stellen klargestellt. Und wir begrüßen auch, dass die Bundesministerin für Bildung und Forschung in dieser Frage, auch wenn wir nicht jede Äußerung teilen, eine ganz klare Haltung in Bezug auf das Wissenschaftssystem ausgegeben hat.

Welche klare Haltung?

Dabei darf es nicht bleiben; das ist ganz klar. Wir müssen auch konkret handeln. Kampf gegen Antisemitismus erschöpft sich nicht in öffentlichen Schlagzeilen, sondern muss sich auch in politischem Handeln niederschlagen, in geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung, in der Unterstützung der entsprechenden Förderlinien und in Präventionsmaßnahmen.

Was ist denn das Problem? Sprechen Sie das Problem doch mal an! Woher kommt der Antisemitismus? Der Elefant im Raum!

Gegenrufvon der SPD: Hören Sie auf, rumzuschreien!

Das ist dann ein politisch belegbarer Kampf gegen Antisemitismus.

Es ist wichtig, dass wir uns erinnern, was die zentralen Aufgaben sind: Hochschule als offenen Diskursraum sicherstellen und weiterhin beibehalten, aber gleichzeitig die Grenzen ganz klar benennen und einhalten, diejenigen stärken, die dafür sorgen, dass an den Hochschulen jeden Tag diese Grenzen eingehalten werden, und die Wissenschaftsfreiheit verteidigen. Denn das ist die zentrale Voraussetzung für gesellschaftlichen Fortschritt und Wohlstand in diesem Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Setzen, sechs! Das war ja die totale Themaverfehlung! So eine Themaverfehlung habe ich ja selten erlebt!

Beifallbei der AfD
Zurufevon der CDU/CSU

Ich bitte, liebe Kolleginnen und Kollegen, ruhig zu sein! Jetzt hat Herr Dr. Frömming das Wort, und das sollte dann auch überwiegend hier zu hören sein.

Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
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Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr verehrter Kollege Kaczmarek, also, was Sie hier eben ausgeführt haben! Da wurde eine Bundestagsabgeordnete, die Kollegin Mareike Wulf, niedergebrüllt von einem linksradikalen Mob, und Sie nennen das „Diskurs“ und sprechen von „Vielfalt“. Das schlägt wirklich dem Fass den Boden aus.

Beifallbei der AfD

Sie hätten das scharf verurteilen müssen; das tun wir natürlich. So etwas geht gar nicht, völlig unabhängig davon, wen von uns es betrifft.

Aber, liebe Frau Kollegin Schön, da beginnt vielleicht auch so ein bisschen das Problem. Wir finden es außerordentlich wichtig, dass Sie diese Aktuelle Stunde hier aufgesetzt haben. Es wäre jetzt billig, Ihnen vorzuhalten, dass Kollegen aus unseren Reihen sicherlich schon doppelt so oft wie Kollegen von der CDU ähnliche Probleme an deutschen Universitäten hatten. Darunter waren und sind sogar bestallte Professoren, die nach ihrer politischen Tätigkeit in der AfD nicht mehr ohne Störungen unterrichten konnten, wie zum Beispiel unser früherer Bundesvorsitzender Professor Lucke.

Den haben Sie doch selbst vom Hof gejagt!

Es gehört dazu, dass man wirklich das ganze Spektrum sieht.

Da muss ich schon sagen, dass Sie ein bisschen naiv an die Sache heranzugehen scheinen. Denn wenn man mal hinguckt, von welcher Seite denn tatsächlich jetzt die größte Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit kommt: Wen sehen wir denn dort vor den Unis campieren, protestieren und den Zugang verwehren?

Jetzt bin ich aber mal gespannt!

Sie sagen immer so gern, Antisemitismus sei ein Problem, das allein von rechts komme.

Wer sagt das?

Natürlich gibt es auch den Antisemitismus von rechts. Aber dort vor unseren Universitäten – da müssen Sie gar nicht so grinsen –

Sie sind diejenigen, die immer nur den Antisemitismus der anderen sehen!

stehen nicht irgendwelche Springerstiefel tragenden Leute mit Knüppeln oder Glatzen, sondern Ihre politischen Freunde, die kleinen Greta Thunbergs und die anderen mit den Palästinensertüchern. Das ist der moderne Antisemitismus, und der ist eine Gefahr für unsere Hochschulen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Damit wären wir auch schon beim Problem: Die Politisierung unserer Hochschulen geht heute vornehmlich von links aus. Und diese linken Gruppierungen haben ein toxisches Bündnis geschlossen mit Hamasfreunden, mit migrantischen Gruppen, mit islamistischen Gruppen. Sie haben auch ein Bindeglied, ein Amalgam, das sie verbindet; das ist der sogenannte Postkolonialismus. Und aus diesem Narrativ heraus gilt Israel natürlich als eine moderne Kolonialmacht. Israel wird plötzlich zur Täternation, und dann kann man sie in trauter Eintracht bekämpfen.

Zurufder Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Schreien Sie nicht dazwischen! Distanzieren Sie sich lieber mal von Ihrer kleinen Antisemitenfreundin Greta Thunberg!

Beifallbei der AfD

Ich muss mich nicht distanzieren! Ich habe keine Nähe zu ihr!

Meine Damen und Herren, der große Wissenschaftssoziologe Max Weber hat einmal in seiner berühmten Schrift „Wissenschaft als Beruf“ gesagt, dass Politik nicht in den Hörsaal gehört. Was erleben wir aber heute? Das genaue Gegenteil: Tausendfach wird gegen diesen Ausspruch von Max Weber verstoßen. Das war natürlich auch schon zu früheren Zeiten so. Aber im Moment kennt die Politisierung der Hochschulen leider kaum mehr Grenzen. Wir hatten das auch heute Morgen im Ausschuss wieder als Thema gehabt.

Wichtig ist es aber auch, mal hinzuschauen, woraus sich denn diese Bewegung speist. Sie haben im Titel der Aktuellen Stunde auch das Wort „Boykott“ erwähnt. Ja, es gibt eine internationale Boykottbewegung gegen Israel, gegen die Kooperation mit israelischen Universitäten. Wir sollten heute auch mal darüber sprechen, wer das denn ist. Und das sind wieder Ihre politischen Freunde.

Die Israelis wollen doch von Ihnen gar nichts wissen!

Leider sehen wir diese Boykottbewegung vor allen Dingen in westlichen Ländern. Renommierte Hochschulen sind dabei: aus Irland, aus den USA, aus Italien, aus den Niederlanden usw. usf. Es sind nicht nur die Studenten, sondern teilweise auch die Lehrkörper, die sich hier gegen Kooperationen mit Israel ausgesprochen haben. Wir finden das unerträglich. Das ist ein großes Problem für die Wissenschaftsfreiheit, das wir hier tatsächlich auch mal ansprechen müssen, meine Damen und Herren.

Diese Aktivitäten werden organisiert – auch das haben wir heute Morgen gehört – von einem Netz von Profiaktivisten, und zwar weltweit. Sie sind teilweise gewaltbereit. Das Ganze hat dazu geführt, dass wir in Deutschland, hier in Berlin von Studenten jüdischen Glaubens hören, die seit Monaten, teilweise sogar schon seit zwei Semestern nicht mehr in die Unis gehen, weil sie Angst haben vor den Leuten, die davor stehen und angeblich gegen den Krieg im Gazastreifen protestieren.

Meine Damen und Herren, Wissenschaftsfreiheit oder auch Meinungsfreiheit darf nicht benutzt werden als Vehikel, um den blanken Judenhass in unsere Universitäten hineinzutragen. Das tun leider heutzutage vermehrt Ihre politischen Freunde. Wirken Sie auf sie ein, dass sie damit aufhören!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Marlene Schönberger
Foto: Marlene Schönberger/Elias Keilhauer
24 Vermerkeca. 573 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Es ist jedes Mal wieder unerträglich, wenn sich die AfD hier als Unterstützerin von Jüdinnen und Juden inszeniert, weil wir alle hier wissen, wie es wirklich ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn Vorträge abgebrochen werden müssen, wenn Referierende bedroht werden und Polizeischutz brauchen, dann ist das nicht nur untragbar, sondern eine Gefahr für die Demokratie. Als ich den Titel der Aktuellen Stunde für heute gelesen habe – „Meinungsfreiheit schützen – Boykott von wissenschaftlichen und demokratischen Veranstaltungen an deutschen Hochschulen verhindern“ –, habe ich erst gedacht, wir sprechen im Fokus über Antisemitismus an Hochschulen. Wir erinnern uns an die niedergebrüllte Richterin an der Humboldt-Universität oder an die abgebrochene Hannah-Arendt-Lesung im Hamburger Bahnhof in Berlin.

Noch immer sehen wir Gruppen an Universitäten, die Antisemitismus dulden und damit der Gewalt gegen jüdische Studierende den Boden bereiten. Ja, es ist nur eine Minderheit, die sich an antisemitischen Uniprotesten, an Israel-Boykottkampagnen und an Terrorverherrlichung beteiligt. Doch sie schafft es,

Linke und Muslime sind es! Sagen Sie das doch mal!

enorm viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen; denn sie spielt mit Bildern der Gewalt, sie jubelt für die Hamas.

Aber heute geht es im Fokus gar nicht um Boykott gegen Israel, sondern Sie benutzen dieses große Wort für etwas ganz anderes. Im Übrigen geht es auch nicht um Wissenschaftsfreiheit, sondern um Protest gegen einen politischen Vortrag.

Dann ist ja alles okay! Dann ist ja alles super! Das ist ja der Hammer!

Vorweg: Was Ihnen, Frau Wulf, in Göttingen passiert ist, ist nicht okay.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Na, wenn Sie das sagen, Frau Schönberger!

In einer Demokratie muss es immer möglich sein, miteinander zu streiten,

Ihre demokratischen Freunde!

ohne sich niederzubrüllen. Aber eines ist doch vollkommen klar: Unter den verhärteten Debatten zum Selbstbestimmungsgesetz hatten vor allem diejenigen zu leiden, die sich für dieses Gesetz und für Transrechte eingesetzt haben.

– Ich finde interessant, dass Sie gerade bei dieser Debatte jetzt so schreien. Das ist irgendwie komisch.

Also, wenn man Ihnen zuhört, kriegt man einen Anfall!

Meine Kollegin Tessa Ganserer wurde massiv beleidigt und diskreditiert.

Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU gewandt: Wo waren Sie da eigentlich?

Mein Kollege Sven Lehmann wurde bedroht

Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU gewandt: Wo waren Sie da?

und als Frauenfeind beschimpft.

Solidarität aus der Union habe ich bei diesen Angriffen vermisst.

Im Gegenteil: Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht Mitglieder der Union Selbstbestimmung verächtlich machen – in einer Zeit, in der queerfeindliche Angriffe auf einem Höchststand sind.

Haben Sie die Plenardebatten verfolgt? Unglaublich!

Sprich: An der hässlichen Debatte rund um die Selbstbestimmung, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, sind Sie nicht ganz unschuldig.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Demokratie lebt von Wissenschafts- und Meinungsfreiheit. Demokratie zu verteidigen, bedeutet, diese Freiheiten zu schützen vor Desinformation und Verschwörungstheorien;

Dr. Götz Frömming [AfD], an die CDU/CSU gewandt: Das ist euer künftiger Koalitionspartner!

denn Realität ist ambivalent und komplex. Das gefällt uns Menschen nicht.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Das fordert uns heraus.

Ja, aber das ist unterkomplex!

Die extremen Rechten haben längst erkannt, wie man davon profitiert. Sie nutzen Halbwahrheiten, Vereinfachungen, das Spiel mit der Verunsicherung der Menschen.

Das Geraune davon, dass die LGBTIQ-Bewegung eine Gefahr sei für Tradition und Familie, für die Sicherheit in diesem Land, für Männlichkeit,

für Frauen und Kinder, ist Teil rechter, hoch wirksamer Strategie –

hoch wirksam deshalb, weil diese Vorstellungen in der gesamten Gesellschaft verbreitet sind. Antifeminismus und Queerfeindlichkeit zielen auf die Beschränkungen von Menschenrechten, und sie bedrohen unsere Gesellschaft als Ganzes. Und dagegen müssen wir Demokratinnen und Demokaten doch zusammenstehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Mit Ihnen? Um Gottes willen!

Nach einem Blick über den Tellerrand wird den meisten hier im Saal klar sein: Das Selbstbestimmungsgesetz gibt einer kleinen Anzahl an Menschen endlich die Rechte, die ihnen schon immer zustehen, Menschenrechte. Gleichzeitig nimmt dieses Gesetz niemandem – absolut niemandem! – irgendetwas weg.

Das Selbstbestimmungsgesetz ist ein zutiefst liberales Gesetz, ein starkes Zeichen einer funktionierenden Demokratie in rauen Zeiten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Und genau deshalb brauchen wir beim Thema Selbstbestimmung keinen Populismus,

keine Vereinfachungen, keine Hetze, sondern Bildung, Sensibilität und Empathie.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das war so unterirdisch! Das war so peinlich, Frau Schönberger! Unfassbar! Da kann man sich doch selber gar nicht mehr im Spiegel anschauen, nach so einer Rede!

15 Vermerkeca. 756 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der vergangenen Woche wurde eine Veranstaltung des RCDS mit der Kollegin von der CDU/CSU-Fraktion Mareike Lotte Wulf zum Selbstbestimmungsgesetz an der Uni Göttingen mit Trillerpfeifen und Gebrüll so sehr gestört, dass sie abgebrochen werden musste. Jeglicher demokratische Diskurs war unmöglich. Dabei habe ich Frau Wulf nie als Hardlinerin wahrgenommen, sondern als eine der konstruktiven konservativen Stimmen,

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

auch wenn ich persönlich eine andere Meinung habe und aus großer Überzeugung dem Selbstbestimmungsgesetz zugestimmt habe.

Hardliner darf man niederbrüllen!

Liebe Frau Kollegin, ich kann mir gut vorstellen, dass es eine nicht nur unangenehme, sondern auch beängstigende Situation war, und es freut mich, dass Sie heute an der Debatte teilnehmen und dass Ihnen nichts zugestoßen ist. Ich möchte auch ganz klar sagen: Sie tragen keine Verantwortung dafür.

Beifallbei der FDP, der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Meine Damen und Herren, ich habe in meiner Unizeit die Hochschule immer als einen Ort des offenen und harten argumentativen Diskurses erlebt und dabei viel gelernt: über die Welt, auch über mich und über meine Meinung. So soll es sein. Ich will nicht akzeptieren, dass Niederbrüllen der Modus der heutigen Debattenkultur an den Hochschulen ist, egal für wie richtig oder falsch ich eine Meinung halte.

Aber es gab leider noch mehr Beispiele in den vergangenen Monaten. Ich möchte einige nennen – wir haben uns heute Morgen im Ausschuss damit auch beschäftigt –: Anfang Februar brüllten propalästinensische Aktivisten eine Veranstaltung mit Daphne Barak-Erez, Richterin am Obersten Gerichtshof Israels, an der Humboldt-Uni nieder und verhinderten damit, dass eine der schärfsten Kritikerinnen Benjamin Netanjahus zu Wort kam. Im Dezember wurde an der Freien Universität Berlin ein Hörsaal von der Gruppe „Students for Free Palestine“ besetzt. Jüdischen Studierenden wurde der Zugang zum Hörsaal verwehrt.

Die Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit der Meinungsäußerung sind unverzichtbare Grundlagen für Universitäten als Orte der Demokratie und des Diskurses. Wo, wenn nicht an unseren Hochschulen, müssen Debatten geführt werden?

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Eine Debatte ist aber ein Gespräch, ein Streit, ein Wechsel aus Reden und Zuhören. Wenn nur noch gesendet wird, und zwar in einer Lautstärke, die jede Meinung, die nicht die eigene ist, niederbrüllt und -pfeift, dann ist die Debattenkultur tot. Ich wünsche mir, dass wir auch bei schwierigen Themen wieder ins Gespräch und in den Streit kommen, gerade an unseren Hochschulen.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir sollten uns dabei auch auf klare Regeln einigen, nämlich: Zuhören statt Niederbrüllen, Argumente statt Trillerpfeifen. Debattenräume dürfen nicht nur für Meinungen eingefordert werden, die dem eigenen Weltbild entsprechen; dann ist es nämlich keine Meinungsfreiheit. Wir müssen uns auch auf die Grenzen der Meinungsfreiheit einigen. Dazu gehören Beleidigungen, dazu gehört Rassismus, dazu gehört Antisemitismus. Denn Toleranz für Intoleranz darf es nicht geben.

Beifallbei der FDP, der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese Verantwortung, meine Damen und Herren, tragen auch die Hochschulen. Es ist nicht in Ordnung, wenn TU-Präsidentin Geraldine Rauch antisemitische Tweets likt, weil sie damit jüdischen Studierenden vermittelt: Diese Uni ist für euch kein sicherer Ort.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich möchte auch etwas zu den Lehrenden sagen, die den offenen Brief unterzeichnet haben. Ich habe erst mal Respekt davor, wenn Hochschullehrende sich vor ihre Studierenden stellen. Ich halte es aber für gefährlich, wenn ein Freifahrtschein erteilt wird, weil von Strafverfolgung oder Polizeieinsätzen pauschal abgesehen werden soll. Wir haben ja gesehen, was passiert ist: Zwei Drittel der Aktivisten bzw. der Besetzer waren gar keine Studierenden. Sie haben einen Korridor der Zerstörung und des Antisemitismus hinterlassen.

Was sind denn das für Leute? Sagen Sie doch mal, was das für Leute sind!

Ich will ganz klare Beispiele nennen: die Darstellung von Jüdinnen und Juden als Schweine, die dort an den Wänden zu sehen war,

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Laura Kraft [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und der eklige Euphemismus „Resistance is justified“, ein Synonym für die Vergewaltigungen durch die Hamasterroristen am 7. Oktober. Das ist nicht in Ordnung, und das muss ganz klar verurteilt werden.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es darf keinen Blankoscheck für die Bedrohung von Jüdinnen und Juden, keinen Freifahrtschein für Intoleranz geben.

Muslime und Linke!

Ich hätte mir gewünscht, dass die Lehrenden ihren Brief mit dem Wissen von heute revidieren oder – sogar noch besser – zur Unterstützung für jüdische Studierende aufrufen.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was davon bleibt, ist nämlich eine klare Botschaft an die jüdischen Studierenden. Die Lehrenden haben gezeigt: Sie setzen sich für diejenigen ein, die jüdische Studierende bedrohen und einschüchtern, aber nicht für das Recht von jüdischen Studierenden auf Bildung. Das halte ich für ein großes Problem.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, zum Abschluss: Gewalt darf kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Jüdische, muslimische, christliche Studierende müssen an den Hochschulen alle sicher studieren können. Dafür müssen wir uns im Bund und in den Ländern, aber auch die Rektoren, Mitarbeiter und Kommilitonen an den Hochschulen müssen sich dafür einsetzen, damit bei unterschiedlichen Meinungen und Positionen kein Niederbrüllen stattfindet, sondern ein konstruktiver Diskurs, bei dem man vielleicht auch selber etwas lernen kann.

Beifallbei der FDP, der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Dorothee Bär
Foto: CSU Landesleitung / Christian Kaufmann
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mich zunächst mal bei Ria Schröder bedanken, die bislang die einzige Rede der Ampel gehalten hat, wozu ich wirklich sagen kann: Vielen herzlichen Dank! Sie haben verstanden, was wirklich in der letzten Woche passiert ist.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Dass Sie sich an die Seite unserer Kollegin Mareike Lotte Wulf gestellt haben, ist wirklich aller Ehren wert.

Das, was SPD und Grüne heute hier abgezogen haben, macht einen wirklich absolut fassungslos. Ich muss ganz ehrlich sagen, Frau Schönberger: Keine Entschuldigung, nur einfach ein kleines „Es ist nicht okay“! Aber eine solche Täter-Opfer-Umkehr hier zu betreiben, das geht einfach gar nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Das stimmt nicht!

Sie negieren und relativieren, aber entschuldigen sich nicht und gehen auf die Vorwürfe von Nadine Schön gar nicht ein. Was mit der Grünen Jugend an dieser Universität passiert ist, ist wirklich unfassbar.

Beifallbei der CDU/CSU

Am meisten – das muss ich wirklich sagen – beschäftigt mich seit Jahren, dass immer die vermeintlich Toleranten am intolerantesten sind. Sie sind immer genau die Partei, die Toleranz einfordert, sind aber dann so intolerant, wenn jemand eine andere Meinung vertritt, dass es wirklich schmerzt.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich möchte es wiederholen, weil es bislang offensichtlich weder die SPD-Fraktion noch die Grünenfraktion verstanden haben, was letzte Woche passiert ist: Eine frei gewählte Abgeordnete will zu ihrer Berichterstattung an einer Uni einen Diskurs führen. Sie besucht die Universität auf Einladung des RCDS. Ich war selber jahrelang RCDS-Landesvorsitzende und weiß, wie schwierig es ist, an Universitäten solche Vorträge zu organisieren. Sie geht in den Saal rein und stellt sich dem Diskurs. Dann gibt es Sharepics von der linken Jugend und der Grünen Jugend, die geteilt werden. Da wird eine Frau als transfeindlich, als homophob hingestellt, die in den letzten beiden Jahren als Berichterstatterin die sanfteste, netteste, angenehmste Kollegin war, die man sich nur vorstellen kann,

Beifallbei der CDU/CSU

die wirklich von allen Seiten nur gelobt wurde, genauso wie übrigens unsere gesamte Diskussionskultur zum Selbstbestimmungsgesetz. Dennoch heißt es, da seien Transleute nicht willkommen. Das stimmt nicht. Das war eine offene Veranstaltung. Jeder hätte teilnehmen und diskutieren können. Aber das wollen Sie gar nicht. Sie wollen gar nicht diskutieren. Sie wollen die Argumente nicht hören, nicht die des Deutschen Ärztetags oder der Sachverständigen, die wir eingeladen hatten.

Sie lassen zu, dass Ihre Grüne Jugend sich so radikalisiert, dass eine einzelne Abgeordnete plötzlich 200 Leuten gegenübersteht. Ich muss etwas korrigieren: Die Veranstaltung wurde gar nicht abgebrochen, sie hat gar nicht erst angefangen. Es ist noch nicht mal ein einziges Wort gefallen, und unsere Abgeordnete wurde schon aus dem Saal getrieben, und zwar von Leuten, die geschrien und skandiert haben – ich zitiere –: „Halt die Fresse! Halt die Fresse! Halt die Fresse!“, und das einer Bundestagsabgeordneten gegenüber. Aber es gab anschließend keinen Aufschrei.

Ich bin froh, Herr Lehmann, dass Sie heute in der Debatte noch da sind. Wo sind Sie denn? Ist Frau Wulf in der falschen Partei, oder warum stellen Sie sich denn nicht einfach mal hin und sagen: „Nein, so geht es nicht, meine lieben Kolleginnen und Kollegen“?

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist jetzt eine Woche her. Wenn Sie noch mal darüber hätten schlafen müssen, hätten Sie sieben Tage dazu Zeit gehabt. Was ist denn mit Frau Ataman? Jedes Mal fordert sie mehr Geld. Aber was geschieht, wenn wirklich jemand diskriminiert wird? Ist jetzt die Falsche diskriminiert worden? Die passt natürlich nicht ins Weltbild. Wo kommen denn von Ihren Grünen die Entschuldigungen?

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es ist einfach kein Diskurs gewünscht. Es ist eine Cancel Culture. Sie wollen, dass in diesem Land nur noch die Richtigen etwas zu sagen haben. Sie fühlen sich allen anderen gegenüber moralisch überlegen. Das können und das wollen wir nicht dulden. Das ist eine woke Selbstgerechtigkeit, die in keiner Weise in Ordnung ist.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Ich dachte, genau deswegen haben Sie eine Antidiskriminierungsbeauftragte eingeladen.

Die Unterscheidung in richtige und falsche Meinung zieht sich durch alles, was Sie hier machen. Sie lässt sich beim Selbstbestimmungsgesetz der Ampel finden, das ein bußgeldbewehrtes Offenbarungsverbot vorsieht. Das gilt aber nur, wenn Sie in die eine Richtung argumentieren. Beim Gehsteigbelästigungsgesetz ist es das Gleiche. Das heißt, eine Einengung der Meinungsfreiheit wird in dieser Ampel auch ganz bewusst von den Grünen tagtäglich vorgenommen. Wenn dann mal jemand anderem etwas passiert, dann ist eben keiner da.

Ich erwarte, Herr Lehmann – ich sage es auch Ihnen noch mal ganz bewusst –, dass Sie sich spätestens nach der Debatte auch mal öffentlich äußern. Ansonsten kann ich Ihren Job als Queerbeauftragter dieser Regierung in keiner Weise ernst nehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie wissen schon, was seine Aufgabe ist!

Der Großteil der Menschen in diesem Land, liebe Mareike, steht hinter dir. Wir haben so viele Zuschriften bekommen, so viel Unterstützung. Wir lassen uns nicht mundtot machen. Wir werden als Union und auch in Zusammenarbeit mit dem RCDS weiterhin aufklären, diskutieren und den Diskurs suchen; denn wir haben keine Angst vor Diskussionen. Wir stehen zu unserer Meinung. Wir bitten Sie, das genauso zu handhaben.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
15 Vermerkeca. 665 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte zu Beginn erst mal etwas klarstellen, weil ich glaube, dass das wichtig ist. Frau Kollegin Wulf, das, was Ihnen an der Universität Göttingen widerfahren ist, ist inakzeptabel. Da sind rote Linien überschritten worden. Das geht so nicht. Das ist aber, glaube ich, allen hier in diesem Haus vollkommen klar.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ihrer Kollegin nicht!

Frau Bär, ich weiß nicht, wodurch Ihr Eindruck entstanden ist. Aber weder Kollegin Schönberger noch Kollege Kaczmarek haben es in irgendeiner Art und Weise gutgeheißen oder unterstützt.

Er hat gar nichts gesagt!

„Selber schuld!“, hat sie gesagt!

Wir verurteilen es alle miteinander und meinen, dass es, wenn frei gewählte Abgeordnete auf Einladung nicht mehr sprechen können, inakzeptabel ist und dass so etwas nicht vorkommen darf.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dass wir darüber heute so diskutieren, hat ja einen Hintergrund. Das hat seinen Hintergrund in den Debatten der letzten Wochen und Monate, die an den Universitäten, aber eben auch in der Öffentlichkeit und natürlich hier im Deutschen Bundestag geführt wurden. Ich muss sagen: Mir gehen diese Debatten und Diskussionen sowohl als Wissenschaftspolitikerin als auch als Wissenschaftlerin tatsächlich nahe, wenn ich das mal so sagen darf.

Ich glaube auch, dass die Art und Weise, wie wir die Debatte hier gerade führen, ein Beispiel dafür ist, was im Moment in der Debattenkultur in diesem Land falschläuft.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Stephan Seiter [FDP]

Denn es geht nicht, dass frei gewählte Abgeordnete nicht frei sprechen können.

Aus den „demokratischen“ Fraktionen!

Es geht genauso nicht, wenn Menschen wegen ihrer sexuellen Identität irgendwie beleidigt oder verfolgt werden.

Wer macht das denn?

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Es geht nicht, wenn Menschen wegen ihrer Religion, etwa weil sie Jüdinnen oder Juden sind, vor Gewalt Sorgen haben müssen und nicht mehr studieren gehen können. Es geht aber auch nicht, wenn Menschen, die im Rahmen ihrer freien Meinungsäußerung die israelische Regierung kritisieren, pauschal zu Antisemiten erklärt werden.

Zurufevon der CDU/CSU: Das macht auch niemand!
Das macht gar keiner!

Das ist alles nicht in Ordnung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist aber leider die Art und Weise, wie wir derzeit Debatten in diesem Land führen,

Wie Sie Debatten führen, ja!

gerade auch in diesem Haus.

Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit – darum geht es ja heute – stehen unter dem Schutz des Grundgesetzes. Wissenschaft und Forschung leben von diesen Freiheiten.

Zurufdes Abg. Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]

Sie sind der Motor für technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt und für Innovation. Ich will auch sagen, dass diese grundgesetzlich abgesicherten Freiheiten ja der Grund sind, warum Deutschland als Wissenschaftsstandort so erfolgreich ist, warum ausländische Studierende und Forschende hierherkommen wollen.

Weil es BAföG gibt!

Diese Freiheiten sind eine Sicherheit für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, nämlich die Sicherheit, frei von politischer Einflussnahme zu forschen. Das ist ein großer, großer Vorteil, den wir hier in Deutschland haben, und den müssen wir uns unbedingt bewahren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich habe viele Jahre an der Universität gelernt, geforscht und gelehrt und sie dabei jederzeit als einen freien Ort erlebt, an dem durchaus auch kontroverse Debatten geführt werden; dafür sind sie da. Umso mehr erschüttert es mich, wenn Studierende und Forschende das – wie derzeit – anders erleben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie es mich so deutlich sagen: Wenn sich Hochschulangehörige an Universitäten und Forschungseinrichtungen nicht mehr sicher fühlen, dann ist eindeutig eine rote Linie überschritten, dann ist das inakzeptabel. Dabei heißt Sicherheit Schutz vor Gewalt, aber auch Schutz der grundgesetzlich garantierten Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit. In diesem Zusammenhang irritiert es mich, wenn die Verfassungstreue von Forschenden aus unterschiedlichsten Disziplinen bei ihrer freien Meinungsäußerung infrage gestellt wird.

Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden: Ich teile die Inhalte des mittlerweile bekannten offenen Briefs vom 8. Mai dieses Jahres ausdrücklich nicht. Aber er steht unter dem Schutz der Meinungsfreiheit. Ich bin Frau Ministerin Stark-Watzinger dankbar, dass sie das heute im Fachausschuss und gerade auch im Plenum noch mal deutlich gemacht hat.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich habe vorhin von der Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit für den Standort Deutschland gesprochen. Dass der Eindruck entstanden ist – und wenn es nur ein kleiner Eindruck ist –, dass die freie Meinungsäußerung förderrechtliche Konsequenzen haben könnte, hat das Potenzial, großen Schaden für den Wissenschaftsstandort Deutschland anzurichten. Das ist ein Problem. Ich möchte deswegen noch mal betonen, dass es nun umso wichtiger ist, transparent und schnell alle noch offenen Fragen zu klären und vor allem das Vertrauen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wieder aufzubauen. Das erwarte ich.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Peter Heidt [FDP]
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben heute intensive Debatten geführt als Bildungspolitiker/-innen. Wir haben zuerst im Ausschuss miteinander über die antisemitischen Vorfälle gesprochen, die es an den Hochschulen gegeben hat, und darüber, was wir tun können. Wir haben uns darüber hinaus mit dem Thema im weiteren Sinne beschäftigt. Wir hatten heute auch eine Regierungsbefragung mit Ihnen, Frau Ministerin, und jetzt sprechen wir hier zu diesem Debattenpunkt. Wir sehen: Es ist gerade sehr viel los in der Hochschullandschaft bei uns in der Bundesrepublik.

Ich möchte eins vorwegsagen: Mareike, ich kenne dich, und ich schätze dich als Politikerin. Ich schätze auch deine Art, mit der du zum Selbstbestimmungsgesetz bisher gesprochen hast. Ich weiß, dass du bisher – so habe ich es in den Debatten erlebt – immer sehr sachorientiert warst, versucht hast, empathisch zu sein, und nie gegen die Menschen gesprochen hast. Das habe ich sehr, sehr geschätzt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Niemand spricht hier gegen die Menschen!

Ich finde es inakzeptabel, was da vorgefallen ist und was dir passiert ist.

Vorhin wurde angesprochen, dass da die Grüne Jugend beteiligt gewesen sein soll. Zunächst einmal ist unsere Bundestagsfraktion nicht automatisch damit gleichzusetzen. Sie würden sich ja auch nicht von jeder einzelnen Äußerung, die der RCDS oder wer auch immer tätigt, grundsätzlich distanzieren. Finde ich die Vorgehensweise, mit der das da stattgefunden hat, in Ordnung? Nein, natürlich nicht; denn ich finde es wichtig, dass die Unis ein offener, freier Diskursraum sind und dass sie es weiterhin bleiben. Deswegen finde ich diese Vorgehensweise sehr unglücklich.

Sehr unglücklich, ja!

Ich möchte einfach noch mal sagen, dass ich das so in der Sache für inakzeptabel halte.

Hetzkampagne im Internet!

Auch mehrere andere Kolleginnen und Kollegen hier haben gesagt, dass das so einfach nicht zu machen ist. Wir sehen einfach, wie sich auch Diskursräume mittlerweile verändert haben. Ria Schröder hat eben eine Rede gehalten, die ich auch sehr unterstützen kann.

Was ich auch noch sagen möchte – ich finde es auch sehr gut, dass Sie das heute noch mal klargestellt haben, Frau Ministerin –, ist, dass Antisemitismus in jedweder Form an den Hochschulen und überhaupt nicht zu dulden ist, dass das inakzeptabel ist und dass wir das nicht dulden werden.

Ich denke, das ist Wissenschaftsfreiheit?

Ich kann mich auch nicht in irgendeiner Weise verständnisvoll zeigen für Pro-Palästina-Demos und Hochschulbesetzungen, wenn dort nicht einmal gesagt wird, dass die Geiseln freizulassen sind. Das ist meine persönliche Meinung an dieser Stelle. Ich habe dafür wenig Verständnis.

Ich habe auch kein Verständnis dafür, wenn Hochschulen, die in diesem Land offen sind und das auch bleiben sollen, wo die Wissenschaftsfreiheit ein sehr, sehr hohes Gut ist, zu Kampfzonen auserkoren werden und letzten Endes vielleicht sogar Hörsäle demoliert werden. Was soll da der Mehrwert sein?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Ich würde mir wirklich wünschen, dass wir alle miteinander – auch im politischen Raum – verbal abrüsten, uns wieder auf einen konstruktiven Weg begeben und da auch konstruktiv miteinander sprechen. Frau Bär, das haben Sie mit Ihren Vorwürfen vermissen lassen. Es gab auch gute Debattenbeiträge, aber bei Ihnen musste ich wirklich den Kopf schütteln. Wir sollten da nicht mit zweierlei Maß messen, und das tun Sie in Bezug auf das Selbstbestimmungsgesetz.

Ich stimme mit den politischen Positionen von Mareike Wulf zum Selbstbestimmungsgesetz überhaupt nicht überein. Aber hier geht es letzten Endes darum: Wie führen wir eigentlich Debatten miteinander? Die müssen immer konstruktiv sein. Sie dürfen nie Menschen verächtlich machen, und sie müssen auch möglich sein.

Hochschulen sind einfach weiche Ziele, weil es offene Debattenräume sind. Wir müssen das erhalten; denn das soll auch so bleiben. Deswegen sprechen wir jetzt hier darüber und haben das heute auch im Ausschuss getan. Das ist einfach wichtig. Aber wir müssen auch alle miteinander schauen: Wie gehen wir damit um?

Abschließend meine Meinung zu dieser Debatte an dieser Stelle. Vielleicht sollten wir auch noch mal auf die Hochschulleitungen schauen. Wir waren doch in den letzten Wochen bei dieser Gesamtthematik, über die wir hier reden, sehr schnell dabei, aus der Politik Forderungen an die Hochschulpräsidentinnen und -präsidenten und Hochschulrektorinnen und -rektoren zu stellen. Wir waren sehr schnell mit Äußerungen auf den unterschiedlichen Plattformen und vielleicht auch in der Presse. Aber vielleicht sollte man eher mal den Telefonhörer in die Hand nehmen. Vielleicht sollten wir alle eher auch mal die Hochschulleitungen fragen, was sie eigentlich brauchen, und ihnen noch mal ganz explizit unser Vertrauen aussprechen, dass sie alles Mögliche tun, um diese offenen akademischen Debattenräume weiterhin zu erhalten. Darum muss es letzten Endes gehen.

Vielleicht braucht es auch mehr Solidarität unter Demokratinnen und Demokraten, sei es auf Bauernprotesten, sei es bei anderen Debatten. Wir haben uns da, glaube ich, alle miteinander nicht viel geschenkt. Das ist eigentlich sehr schade. Wir sollten damit alle miteinander ganz anders umgehen; denn wir sehen ja, wer da versucht, auf einen Steigbügel zu steigen. Die Rechten tragen ja mittlerweile auch an den Hochschulen keine Springerstiefel mehr. Herr Frömming, das wissen wir: Die tragen mittlerweile Anzüge.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Stephan Albani [CDU/CSU]
Zurufvon der AfD: Aber Helge Lindh trägt Springerstiefel!
Porträt von Janine Wissler
Foto: DIE LINKE. im Hessischen Landtag, CC BY 4.0/ Hanna Hoeft
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! CDU/CSU haben eine Aktuelle Stunde beantragt: „Meinungsfreiheit schützen – Boykott von wissenschaftlichen und demokratischen Veranstaltungen an deutschen Hochschulen verhindern“. Dazu fiele einem aktuell einiges ein: rechtsextreme Drohungen gegen Wissenschaftler etwa, Antisemitismus und Rassismus, Einreiseverbote und Polizeieinsätze an Hochschulen, sogar gegen den Willen von Unileitungen, und ein Bundesministerium für Bildung und Forschung, das prüft, ob bereits bewilligte Fördergelder gestrichen werden können, weil Wissenschaftler ihr Grundrecht auf Meinungsfreiheit in einer Weise nutzen, die der Ministerin nicht passt.

Antisemitischer Hass!

Aber um all das geht es der Union nicht.

Doch! Natürlich!

In dieser Frage stehen Sie nämlich mitnichten auf der Seite der Meinungsfreiheit. Da wollen Sie mehr Repression. Meinungsfreiheit ja, wenn es Ihre Meinung ist.

Ihnen geht es heute um den Auftritt der CDU-Abgeordneten Wulf an der Uni Göttingen, der von lautstarken Protesten begleitet und schließlich abgebrochen wurde. Ja, das ist unangenehm, und das verstehe ich sehr gut. Aber von einer bedrohlichen Übermacht zu reden, die es sonst nur in Diktaturen gebe, das ist schon arg drüber. Trillerpfeifen sind nervig, aber sie sind kein diktatorisches Unterdrückungsmittel.

Beifallbei der Linken

Das Grundgesetz schützt die Meinungsfreiheit. Klar ist: Antisemitismus und Rassismus sind niemals von der Meinungsfreiheit gedeckt. Aber das Grundgesetz schützt nicht vor Widerspruch, und auch nicht Abgeordnete vor Protest.

Darum geht es doch gar nicht!

Und die Meinungsfreiheit ist doch nicht durch 40 protestierende Studierende gefährdet, sondern viel mehr durch eine Ministerin, deren Ministerium die Streichung von Fördermitteln für nicht genehme Wissenschaftler prüft.

Genau das falsche Narrativ! Das ist die Lüge!

Zurufdes Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

Das ist ein beispielloser Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit.

Beifallbei der Linken

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler veröffentlichen einen Text, in dem sie das Recht von Studierenden auf friedlichen Protest gegen den Gazakrieg verteidigen und sich gegen Repressionen aussprechen, ohne inhaltlich Partei zu ergreifen für konkrete Forderungen.

Was sagen Sie denn zu den jüdischen Studierenden, die sich nicht mehr in die Uni trauen?

Aber Ministerin Stark-Watzinger behauptet in der „Bild“-Zeitung, die Unterzeichner würden Gewalt verharmlosen und stünden nicht auf dem Boden des Grundgesetzes – ohne jeden Beleg –, und dann erscheint das unter der Überschrift „Die UniversiTÄTER“ mit Fotos der Unterzeichner. In einer Zeit, in der jeder zweite Wissenschaftler Anfeindungen erfährt, verbreitet eine Ministerin solch haltlose Unterstellungen über die Presse,

Unglaublich!

und ein FDP-geführtes Ministerium prüft den Entzug von Fördergeldern als Strafe für Meinungsäußerungen. Mit Liberalismus hat diese FDP wirklich nicht mehr viel am Hut, meine Damen und Herren; das zeigt übrigens auch das ganze Elend der Drittmittelabhängigkeit an den Hochschulen.

Beifallbei der Linken

Viel zu viel Redezeit haben Sie!

Jetzt wird vertuscht, es wird gemauert, und es wird offensichtlich nicht die Wahrheit gesagt. Ich frage Sie, Frau Ministerin: Wie wollen Sie denn Ihr Amt weiter ausüben, wenn Wissenschaftler sich fragen, welche Konsequenzen drohen, wenn sie ihre Meinung frei äußern? Hochschulen sind ein Raum der öffentlichen Debatte und der Auseinandersetzung, gerade zu schwierigen Themen. Das darf nicht gefährdet werden. Durch niemanden und auch nicht durch eine Ministerin.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

So eine Partei braucht echt niemand mehr!

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich zuerst etwas um Fassung ringen. Wenn es ein Beispiel dafür braucht, was das Problem unserer Debattenkultur hier in Deutschland ist, dann ist es die Rede, die wir gerade eben erlebt haben.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist genau diese Vorgehensweise, die wir in verschiedenen Institutionen erleben, dass Fakten nicht berücksichtigt werden, dass Fakten übergangen werden.

Ich erinnere an das Gespräch heute Morgen im Ausschuss. Ich danke der Frau Ministerin, dass sie noch da ist; sie ist eigentlich auf dem Weg zum Flughafen, um nach Israel zu fliegen, um genau über diese Themen zu sprechen. Aber angesichts dessen, was wir gerade gehört haben – und hier oben sitzen viele junge Leute, die etwas über die Demokratie erfahren wollen –, muss ich Ihnen eins sagen, Frau Wissler: Es tut es mir echt leid, dass die jungen Leute gerade jetzt hier waren. Aber sie haben gesehen, was schiefläuft.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist gut, dass sie das gehört haben!

Die nächste Vorbemerkung. Liebe Frau Wulf, das, was Ihnen passiert ist, darf nicht passieren. Ich selber, wie wir alle wissen, habe lange an der Hochschule gearbeitet, war dort auch in Führungsverantwortung tätig. Wenn so etwas an einer Hochschule passiert, dann ist das für alle eine unangenehme Situation. Dann muss man überlegen, wie man damit umgeht. Dann hofft man auch, dass man jemanden hinter sich hat, der einen unterstützt. Aber eines ist ganz klar: Die Person, um die es geht, hat ein subjektives Empfinden, und das sollten Sie sich merken: Diese Person, die vorne steht, empfindet eine Bedrohung. Wenn 200 Leute Sie niederbrüllen, dann haben Sie ein Angstgefühl. So etwas geht nicht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Janine Wissler [Die Linke]

Wir müssen uns überlegen, was wir dagegen tun können. Was wir dagegen tun können, ist, dass wir mal wieder darüber reflektieren, was Meinungsfreiheit bedeutet. Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht, ich alleine kann meine Meinung frei äußern, sondern es gehört dazu, dass ich die Meinung des anderen ertragen muss. Ich muss auch ertragen, dass jemand eine andere Meinung hat. Solange diese Meinung auf dem Grundgesetz basiert, ist es unter Demokratinnen und Demokraten einfach Usus, dass man sich zuhört, dass man sich austauscht. Und das ist genau das, was wir an den Universitäten eigentlich lehren wollen. Im wissenschaftlichen Seminar geht es darum, Positionen vorzustellen und zu diskutieren. Umso erschütternder ist es, zu sehen, in welcher Art und Weise zunehmend Äußerungen getätigt werden: sei es das Niederbrüllen von Politikerinnen und Politikern, sei es das Niederbrüllen von anderen Meinungen, von anderen Wissenschaftlern, sei es, dass einzelne Studierende sich unwohl fühlen, unsicher fühlen, weil sie, auf Neudeutsch, gemobbt werden. Das zeigt: Wir haben ein Problem, und da müssen wir ran.

Das Thema ist aber auch ein gesellschaftliches Thema. Wir müssen es vorleben. Wir selbst müssen das in unserer politischen Debatte vorleben. Wir müssen diese Werte wieder stärker vermitteln. Und wahrscheinlich – und da bin ich mir mit Kollegin Kraft einig – müssen wir alle wieder mal reflektieren und uns Gedanken darüber machen, wie wir argumentieren. Denn eines gilt auch: Nur weil ich meine eigene Meinung für richtig halte, ist nicht automatisch die der anderen falsch.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es gibt nur zwei Geschlechter!

Wir sollten uns alle gemeinsam gegen Kräfte wehren, die gerne die Monopolisierung der eigenen Meinung vorantreiben. Das erfahren wir auch von rechts. Auch dort passiert es, dass Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt wird, indem man sagt, man akzeptiert diese Meinung nicht und man akzeptiert auch wissenschaftliche Erkenntnisse nicht. Deswegen ist es für uns alle wichtig, dass wir das, was Ihnen, liebe Frau Wulf, und auch vielen anderen in den letzten Jahren passiert ist, zum Anlass nehmen, in den Dialog miteinander einzutreten und uns zu fragen: Was können wir verbessern? Und ganz wichtig ist, dass wir dabei die Hochschulen und die Hochschulleitungen miteinbeziehen; denn auch die brauchen hier Unterstützung.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Thomas Jarzombek
Foto: Thomas Jarzombek/ Tobias Koch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben diese Aktuelle Stunde heute vor einem aktuellen Hintergrund beantragt. Die Kollegin Mareike Lotte Wulf – sie sitzt hier unter uns – hat in der vorletzten Woche an der Uni Göttingen einen Vortrag halten wollen. Ich lese einfach mal vor, was der NDR darüber berichtet hat:

„Die Polizei … teilte mit, dass rund 40 Personen, die vom Veranstalter in den Hörsaal gelassen wurden, gestört hätten. Sie haben … auf Tischen getrommelt und laut skandiert. Außerdem waren rund 100 ‚mutmaßlich Studierendeʼ vor dem Hörsaal-Gebäude und rund 120 Studierende direkt vor dem Hörsaal-Eingang. Sie hatten gegen die Fenster geklopft und mit lauten Rufen und Trillerpfeifen die Vortragsreihe gestört, wie die Polizei mitteilte.“

Der Veranstalter sagte: Nachdem die Raumkapazitäten erschöpft waren, durchbrachen 50 bis 100 Randalierer die Einlasskontrolle und stürmten den Hörsaal. – Und damit man ein Gefühl dafür kriegt, was die Kollegin persönlich ertragen musste: Sie musste am Ende unter Polizeischutz herausgeführt werden.

Das klingt hier im warmen Plenarsaal des Bundestages alles nicht so heiß wie in der Hitze dieses Hörsaals, liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen. Das Problem dabei ist: Es ist kein Einzelfall. Und es ist eben nicht so, dass wir hier alle geschlossen sind.

Die „demokratischen Parteien“!

Denn in dem Artikel geht es weiter:

„Die Grüne Jugend Göttingen bezeichnete die Veranstaltung mit Wulf derweil als ‚queerfeindlichʼ und damit problematisch.“

Ich hätte mir schon gewünscht, hier auch eine deutliche Distanzierung von den Kolleginnen und Kollegen zu hören.

Beifallbei der CDU/CSU

Haben Sie nicht zugehört?

Das schließt auch leider an das an, was in meiner Heimat Düsseldorf vor nicht allzu langer Zeit, im Mai, passiert ist: eine Demo mit 150 Menschen vom Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverband und der Gruppe Students for Palestine, die dann mit eindeutigen Symbolen über den Campus gezogen sind und „Free Gaza! Free Palestine!“ geschrien haben, und auch das mit Unterstützung von Campusgrün. Deshalb wäre es wichtig, dass Sie an dieser Stelle intern auch einfach mal ein Stück weit gegenüber den eigenen Parteigängern klarmachen, wo die roten Linien sind.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Thema Antisemitismus hat uns heute Morgen in der Anhörung des Ausschusses sehr beschäftigt. Ich muss an der Stelle, glaube ich, nicht wiederholen, was meine Kollegen schon gesagt haben; aber wir haben hier wirklich etwas zu tun. Zuletzt hat an der Humboldt-Uni die Richterin des Obersten Gerichts Israels Daphne Barak Erez ihren Vortrag nicht halten können. Sie wurde niedergeschrien, er musste abgebrochen werden.

Wir sorgen uns in der Tat um die Diskussionskultur, die wir hier mittlerweile haben. Es gibt viele weitere Dinge: Klimaaktivisten haben Hörsäle besetzt, Veranstaltungen sind dafür ausgefallen. Es gibt viele weitere Beispiele und Themen dafür. Ich finde, hier müssen wir uns gemeinsam positionieren.

Gerade wenn es um das Thema Antisemitismus geht, will ich jetzt an der Stelle auch noch einmal sagen

Die „Demokraten“ sind da ganz auf Ihrer Seite!

– hören Sie mal auf zu krakeelen, Frau von Storch! –:

Ich wollte es nur sagen!

Wir haben hier im Februar ein Angebot gemacht und sind auf Sie zugegangen. Diese wichtige Anhörung heute Morgen wollten wir gerne schon im März machen. Wir sind Ihnen sehr lange hinterhergelaufen. Und auch wenn die Frau Bundesministerin Stark-Watzinger sich jetzt als Jeanne d’Arc beim Antisemitismus aufspielt, muss ich leider sagen, ist die Reaktion aus den Reihen Ihrer Ampel verhalten gewesen. Wir haben hier einen Antrag mit 13 Punkten vorgelegt, wie man gegen Antisemitismus an Hochschulen und Bildungseinrichtungen vorgehen kann. Der wartet bis heute auf das erste gemeinsame Arbeitsgespräch, um ihn zu einen. Sie scheinen da auch untereinander uneinig zu sein, und das ist kein gutes Signal, das hier gesendet wird.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich will auch sagen: Was die Personalie Geraldine Rauch betrifft, finde ich, muss man mal klar sagen, dass es inakzeptabel ist, dass die Präsidentin einer Hochschule antisemitische Dinge likt,

Zurufvon der SPD: Hat sie nicht!

dass sie am Ende Hakenkreuzbilder likt, dass sie am Ende auch noch ihren Twitteraccount löscht, von dem wir wissen, dass es dort noch weitere problematische Dinge gibt.

Zurufvon der SPD: Viel zu pauschal! Sie hat sich aber entschuldigt, oder? Ist Ihnen egal!

Und die Uhr tickt bei den 30 Tagen, in denen diese Beweismittel wiederhergestellt werden können, die bald unwiederbringlich verloren sein werden. Es kann nicht richtig sein, an dieser Stelle einfach sitzen zu bleiben.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist sehr einfach, den Respekt vor der eigenen Meinung einzufordern, meine Damen und Herren. Aber worauf es ankommt, ist der Respekt vor der Meinung anderer, besonders dann, wenn sie eben nicht der eigenen Meinung entspricht.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Holger Mann
Foto: Holger Mann/ Photothek Media Lab
12 Vermerkeca. 817 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Zunächst sei in dieser Debatte klar ausgesprochen: Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten schätzen die Meinungs- wie Wissenschaftsfreiheit über alles und verteidigen sie, wo wir gehen und stehen. Deshalb sei zum vermuteten konkreten Anlass und Aufhänger der Union zur aktuellen Debatte ganz klar gesagt: Hochschulen stehen als öffentliche Orte in besonderer Verantwortung, Raum für demokratisches Engagement und Debatte zu bieten. Das gilt auch und, ja, vielleicht sogar ganz besonders für die Bruchlinien gesellschaftlicher Diskussionen, und das übrigens völlig unabhängig davon – und das geht an uns alle –, ob die dahinterliegende politische Position mit der eigenen oder den aktuellen Mehrheiten bzw. der Regierung übereinstimmt.

Genau deshalb – und das will ich hier vorab aussprechen – war die lautstarke Störung einer RCDS-Veranstaltung, spätestens als diese zum Abbruch führte, definitiv kein Beitrag zur Debattenkultur. Hier mangelt es schlicht an den Grundlagen des respektvollen Umgangs in der Demokratie.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich sage auch klar: Diese Veranstaltung muss stattfinden können, auch wenn ich deren inhaltliche Zielrichtung nicht teile. Und persönlich sei Ihnen mein Mitgefühl mit Ihnen als Abgeordneter ausgesprochen. Wir haben hier – das will ich auch festhalten – im Plenum mindestens unter den demokratischen Parteien gar keinen Dissens dazu.

Gleichzeitig will ich was anderes Grundsätzliches sagen, weil wir uns hier in der Debatte gegenseitig viel aufgerechnet haben: Aus der Meinungsfreiheit leitet sich kein Recht ab, unwidersprochen jede These verbreiten zu können. Genau das sichern die demokratischen Grundrechte ja zu: Unterschiedliche Standpunkte müssen artikuliert werden können. Auch Protest, solange er nicht gegen Gesetz und Recht verstößt, ist zulässig und hat eine wichtige Funktion in der Demokratie. Deswegen müssen Sie es ertragen, wenn Vortragende, die sich sehr kritisch äußern, Protest ernten,

Herr Mann, das ist absurd! Sie haben sich die Situation nicht angeschaut! Die wurde niedergebrüllt! Da geht es doch nicht um Widerspruch!

und wir müssen es ertragen, wenn es an den Hochschulen Kritik am Vorgehen der israelischen Regierung in Gaza gibt, selbst wenn wir diese Kritik nicht teilen oder grundsätzlich ablehnen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, ich habe den Eindruck, dass gerade Diskursräume an den Hochschulen enger werden,

und das bedaure ich sehr. Aber ich bin mir sicher: Wenn wir jetzt jeden Anlass – und ich will es gleich an dem Beispiel, das Sie hier genannt haben, klarmachen – zur politischen Instrumentalisierung nutzen, werden die Debattenräume an den Hochschulen noch mehr schrumpfen und bald schmerzhaft fehlen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Täter-Opfer-Umkehr!

Ich möchte es mal im Konkreten klarmachen: Frau Schön, Sie haben hier die Grüne Jugend kritisiert, aber hiermit gleich die gesamte Bundestagsfraktion der Grünen und andere verhaftet. Das nenne ich ein Stück weit Sippenhaft. Und die Rednerinnen, gerade Frau Kraft, haben sich ja auch von diesem Vorgang, was wohl ein Post war, distanziert.

Frau Schönberger nicht!

Herr Jarzombek konnte das fünf Minuten später nicht einordnen und hat das wiederum negiert. Ich würde sehr dazu raten, dass wir hier abrüsten; denn sonst werden wir uns demnächst für sehr vieles entschuldigen müssen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Ich überprüfe auch nicht jeden Post des RCDS, und ich frage auch nicht alle Kollegen, ob sie sich entsprechend zum Übergriff an Matthias Ecke geäußert haben.

Schon wieder Relativierung! Hat schlecht angefangen mit Herrn Kaczmarek und hört genau so schlecht auf mit Herrn Mann! Wahnsinn!

Deswegen bitte ich hier auch ein Stück weit um den demokratischen Respekt untereinander.

Ein Zweites ist mir wichtig, und das führt wieder zurück zu den Debatten, die wir heute geführt haben, auch im Ausschuss. Der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Dr. Rosenthal, hat heute in der Anhörung des Ausschusses zum mehrfach diskutierten – auch gerade wieder – offenen Brief zahlreicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach der Räumung an der FU Berlin fast wortwörtlich gesagt: Auch wenn er den Inhalten nicht zustimmt, sei der Brief klar vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Insofern sei die eingeleitete Prüfung und – wäre dies nicht gestoppt worden – auch ein möglicher Entzug von Fördermitteln ein klarer Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit, den er und die HRK ablehnen. Deshalb möchte ich hier ausdrücklich noch mal sagen: Das ist auch unsere Meinung und zeigt, wie man mit Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit auch in sehr schwierigen Debatten umgehen muss und diese in Einklang bringen kann.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zu guter Letzt hat er eingefordert, dass wir, die politisch in Verantwortung stehen, und noch mehr die Regierungsverantwortlichen mehr mit den Hochschulen sprechen sollten, dass wir uns stärker bewusst machen, dass die Hochschulen eigene Regularien für wissenschaftliches Fehlverhalten sowie Einflussmöglichkeiten über ihr Hausrecht haben, wenn Grundlagen der Debattenkultur missachtet werden. Und da sei deshalb mal geäußert: Die Leitung der Universität Göttingen hat sich ganz klar von diesen Protesten, die zum Abbruch der Veranstaltung geführt haben, distanziert. Auch das sei mal gesagt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Peter Heidt [FDP]

Und damit wir hier nicht nur über die Defizite reden, will ich eine positive Botschaft sagen: Wenn wir international mal vergleichen, wo die Wissenschaftsfreiheit in unserem Land steht, dann sprechen die im letzten Jahr vorgelegten Zahlen eine ganz klare Sprache. Trotz Rückgängen stehen wir bei 0,93 von 1, also nahe am Optimum, bei der Wissenschaftsfreiheit. Das ist eine gute Nachricht. Darauf können wir zu Recht stolz sein, und das müssen wir verteidigen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, Hochschulautonomie ist ein hohes Gut. Lassen wir den Hochschulen mit all ihren Angehörigen die Freiheit, Debatten selbst zu führen, und sichern so auch die Grundlagen der Wissenschaftsfreiheit!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Sven Lehmann
Foto: Sven Lehmann/ Nils Leon Bauer
3 Vermerkeca. 324 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Frau Präsidentin, dass ich hier zu einer persönlichen Sache Stellung nehmen darf. – Die Kollegin Bär hat mich in ihrer Rede zweimal namentlich genannt und mich zu einer Distanzierung von den Vorfällen in Göttingen aufgefordert. Das ist insofern etwas verwunderlich, als die Kollegin Mareike Lotte Wulf, die ich persönlich und menschlich sehr, sehr schätze, weiß, dass ich das, was da vor Ort passiert ist, für abgrundtief falsch halte und es auch gefährlich für unsere Demokratie finde. Ich habe ihr auch zugesagt, mit denjenigen, die vor Ort in Göttingen Verantwortung tragen, persönlich zu sprechen.

Zweiter Punkt. Ich habe auch in den Debatten über das Selbstbestimmungsgesetz, als beispielsweise das Haus des Justizministers beschmiert wurde – von Aktivistinnen, Aktivisten, von wem auch immer –, sehr klar und deutlich Stellung bezogen, dass das in einem demokratischen Rechtsstaat, in einer demokratischen Debatte keinen Raum haben darf.

Dass Sie das jetzt trotzdem hier so bringen, wie Sie es in Ihrer Rede gemacht haben, legt den Schluss nahe, dass es hier eher um eine kampagnenhafte Fortführung der Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz geht. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen: In den letzten zwei Jahren, in denen ich mich für dieses Gesetz eingesetzt habe, habe ich in all den Debatten um dieses Gesetz niemals eine Kollegin oder einen Kollegen aus der CDU/CSU irgendwie persönlich herabgewürdigt. Dass es mir hingegen so gegangen ist – und nicht nur mir, sondern allen Kolleginnen und Kollegen aus der Ampel, die sich für dieses Gesetz eingesetzt haben –, dass wir als Kinderschänder bezeichnet werden, dass wir als Frauenfeinde bezeichnet werden – –

Widerspruchbei der CDU/CSU

Von uns? Nein, nie!

– Nicht von Ihnen. – Ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, dass irgendjemand aus Ihrer Fraktion dazu in der Öffentlichkeit solidarisch ein Wort verloren hat.

Im Gegenteil, es vergeht fast kein Tag, an dem nicht seitens Ihrer Parteien kampagnenhafte Verächtlichmachungen dieses Gesetzes in der Öffentlichkeit laufen. Wenn wir eine Versachlichung der Debatte wollen – was ich sehr möchte –, möchte ich wirklich darum bitten, dass auch Sie Ihren Teil dazu beitragen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Am besten das Gesetz wieder abschaffen!

Porträt von Carmen Wegge
Foto: Carmen Wegge/ Photothek Media Lab
3 Vermerkeca. 881 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sprechen heute über den Tätigkeitsbericht des Datenschutzbeauftragten aus dem letzten Jahr. Dieser Bericht ist quasi ein Grundrechtereport. Er zeigt uns, wie es um unser Recht auf Privatsphäre und auf geschützte Kommunikation steht. Dieses Recht müssen wir jedes Jahr stärker verteidigen.

Warum ist das so? Weil unser Alltag immer mehr von digitalen Hilfsmitteln und Anwendungen durchdrungen ist. Ich helfe bei der Organisation der Kitafeier in der Whatsapp-Gruppe der Eltern, oder ich lade eine Arztrechnung in der App meiner Krankenkasse hoch, oder ich kaufe mir das 49-Euro-Ticket in der App der Deutschen Bahn, oder, oder, oder. Mein Alltag produziert und hinterlässt also permanent eine Datenspur, eine ganz persönliche Datenspur. Ich habe das Recht, dass diese Daten geschützt sind, dass die Firmen, die mit meinen Daten arbeiten, sich an die Datenschutz-Grundverordnung halten und dass das, was ich in einem verschlüsselten Chat schreibe, niemand außer dem Empfänger und mir lesen kann.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz wacht besonders über den Schutz der Daten im Verhältnis zwischen Bürgerinnen und Bürgern und dem Staat. Er muss dabei parteiisch sein. Er darf sich einzig und allein für das Grundrecht auf Datenschutz einsetzen, und er darf uns Politiker/-innen anmahnen, dass wir dieses Grundrecht in unseren Gesetzen verhältnismäßig berücksichtigen.

Diese Abwägung ist nicht immer leicht. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen, nämlich der sogenannten CSA-Verordnung, die Professor Ulrich Kelber in seinem Tätigkeitsbericht erwähnt und zu Recht kritisiert. Manche kennen es unter dem Stichwort „Chatkontrolle“, und manche haben gar nicht mitbekommen, was zu diesem Thema in den letzten Jahren passiert ist.

Erst letzte Woche habe ich das Gymnasium in Gauting besucht und erklärt, was eine Bundestagsabgeordnete eigentlich so macht. Wenn ich dann sage, dass ich im Innenausschuss für den Datenschutz zuständig bin, passiert es häufig, dass die Gesichter der Schüler/-innen eher leer als begeistert sind. Das ändert sich dann aber, wenn ich sage: In der Politik kämpft man häufig für etwas, aber manchmal muss man auch gegen etwas kämpfen. Habt ihr zum Beispiel schon davon gehört, dass die EU alle eure Textnachrichten mitlesen will und alle eure Fotos, die ihr verschickt, scannen möchte? – Und dann ist die Aufregung groß. Sie ist zu Recht groß; denn was kann es Persönlicheres geben als Nachrichten und Bilder, die ich privat austausche? Nachdem die Unruhe im Raum dann abgeklungen war, fragte ein Schüler zu Recht: Aber warum wollen die das denn machen?

Ich erkläre dann, dass man so Abbildungen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder finden will und man außerdem Textnachrichten finden will, bei denen Erwachsene sich Jugendlichen annähern, mit dem Ziel, ihnen Gewalt anzutun. Wir waren uns schnell einig, dass wir das Ziel, den Missbrauch von Kindern aufzuhalten, uneingeschränkt teilen. Aber jeder Gesetzgeber muss abwägen zwischen dem Grundrecht, sichere und private Kommunikationskanäle zu haben, und dem Bedürfnis, deren missbräuchliche Nutzung zu bekämpfen.

Wenn wir die Verschlüsselung von Messengerdiensten aufbrechen, gibt es keine vertrauliche Kommunikation mehr, für niemanden: nicht für die Sozialarbeiterin, die mit einem Opfer von Missbrauch chattet und mit diesem überlegt, wie es eine Anzeige erstatten kann; nicht für die Jugendliche, die einer Freundin zum ersten Mal von ihrer Depression erzählt; nicht für eine einfache Schülerin aus Gauting. Mit dem Ziel, Verbrecher/-innen zu finden, würden wir allein bei Whatsapp sämtliche Fotos, Texte und Audiodateien von 60 Millionen Deutschen anlasslos überwachen. Nicht nur das Bauchgefühl von 140 Schülerinnen und Schülern des Gautinger Gymnasiums hat da gesagt: Das kann doch so nicht richtig sein.

Deshalb ist letzte Woche in Brüssel eine wichtige Entscheidung gefallen: Deutschland lehnt den Vorschlag der belgischen Ratspräsidentschaft zur CSA-Verordnung ab. An dieser Entscheidung hatten viele einen Anteil: Parlamentarier/-innen, Minister/-innen, aber auch die Datenschutzbeauftragten wie Uli Kelber, die nicht müde geworden sind, zu betonen, dass die CSA-Verordnung so nicht kommen darf.

Und für die, die jetzt innerlich unruhig werden: Wir müssen mehr gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder tun, ohne Frage; aber bei gesellschaftlichen Problemen hilft nie nur die Technik allein. Auf meine Nachfrage hin haben zum Beispiel die Gautinger Schüler/-innen gesagt, dass mit ihnen noch nie jemand über das Thema Grooming gesprochen hat. In den wenigsten Bundesländern gibt es an den Schulen ein Fach „Medienkompetenz“. All das wären konkrete Schritte der Prävention und des Kinderschutzes, ohne den Datenschutz komplett auszuklammern. Erst letzten Mittwoch hat die Bundesregierung das Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen beschlossen. Und so leisten auch wir unseren Beitrag, Kindesmissbrauch besser und effektiver zu bekämpfen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Damen und Herren, der Tätigkeitsbericht 2023 war der letzte Tätigkeitsbericht in der Amtszeit von Professor Ulrich Kelber, unserem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Leider kann er heute aus privaten Gründen nicht dabei sein. Gut, dass wir alle schon die Gelegenheit hatten, ihm bei der ersten Lesung zur Debatte des Bundesdatenschutzgesetzes auch persönlich Danke zu sagen. Vielleicht nur so viel: In seiner Amtszeit hat er alles richtig gemacht. Er hat den Schutz der Bürger/-rinnen und ihre Rechte immer an die erste Stelle gestellt – komme, was wolle.

Ich wünsche mir, dass Professor Dr. Louisa Specht-Riemenschneider eine genauso kraftvolle Kämpferin für den Datenschutz wird und bleibt, wie es Uli Kelber war. Ich bin da sehr zuversichtlich und freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Marc Henrichmann
Foto: Marc Henrichmann/ Anja Tiwisina
6 Vermerkeca. 741 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Zeitenwende“, das Wort dieser Tage. Wir haben große Herausforderungen, und wir müssen uns ihnen stellen, ob wir wollen oder nicht. Eine dieser Herausforderungen im technologischen Bereich ist die künstliche Intelligenz, die KI. Sie birgt Chancen, und sie birgt Risiken. Aber sie ist da, und wir können sie nicht wegdiskutieren. Die Frage ist: Wie gehen wir damit um? Wir sind der Meinung: Wir müssen gestalten, anstatt Bedenken zu schüren. Gerade vor dem Hintergrund, dass eine Mehrheit von über 90 Prozent der Menschen mittlerweile sagt: „Datenschutz verhindert Innovation“, müssen wir vielleicht noch viel mehr positiv werben.

Da fällt zunächst einmal schon im Vorwort dieses Datenschutzberichtes auf, dass zwar der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Kelber sagt, die DSGVO sei ein Erfolgsmodell, der erste Satz danach aber dann gleich lautet: „Hierzu trägt … bei, dass wir … die Leitlinien zur Bußgeldzumessung in Europa beschlossen … haben.“ Er spricht von der KI als Chance im Wirtschafts- und Verwaltungsbereich – zu Recht –, sagt dann aber im nächsten Halbsatz, dass es unendliche Möglichkeiten für Missbrauch und für Diskriminierung bis hin zur Fälschung durch KI gebe. Ist das Zeitenwende, eine Zeitenwende, die Angst macht? Ich glaube, wir müssen das viel positiver angehen, und das hätte ich mir auch in diesem Bericht gewünscht.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn man durch die Lande geht und über Digitalisierung spricht, dann fällt immer irgendwann der Begriff „Estland“, ein kleines Land, das sicherlich Vorreiter bei Digitalisierungsprojekten ist. Und man hört immer den Satz: Es gibt dort eine hohe Bereitschaft, Daten zu teilen. – Es gibt eine digitale Agenda 2030, die den Fokus zu Recht auf den Datenschutz legt, aber auch auf die Datenqualität und die Verwendbarkeit von Daten – und alle machen mit. Warum tun sie das? Weil sie den Nutzen sehen. Das betrifft auch Gesundheits- und Sozialdaten, beispielsweise bei dem Projekt e-Ambulance, das Notrufe innerhalb von 30 Sekunden erkennt. Es findet den nächsten freien Rettungswagen. Die Sanitäter werden sofort über die Blutgruppe, die Allergien, Rezepte, letzte Behandlungen oder Schwangerschaften informiert. So überwiegt das Positive. Das ist Estland.

Dieser Tage kontaktiert mich ein Hospiz aus dem Wahlkreis und sagt: Bei uns melden sich sterbenskranke Menschen, und wir wollen die Krankenkasse um Kostendeckung bitten. Da im Zuge der Digitalisierung das Faxgerät abgeschafft worden ist, läuft das folgendermaßen: Sie schreiben einen Brief an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Der Medizinische Dienst schreibt einen Brief, bestellt den Patienten ein bzw. besorgt sich die notwendigen Daten. Bis die Bewilligung erteilt wird, ist der Patient im Zweifel verstorben. Es ist langwierig, es ist kein Vorteil.

Kann der Bundesdatenschutzbeauftragte etwas dafür? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber wenn ich in seinem Bericht die Herangehensweise sehe, dass Behördenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter bei Verwaltungsdienstleistungen in abgestuften Verfahren prüfen sollen, ob eine Leistung ohne Nutzerkonto angeboten werden kann, ob eine Basisregistrierung ausreicht oder ob eine Registrierung am Ende notwendig ist, dann frage ich mich: Denkt eigentlich auch jemand mal an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Behörden selbst? Wir haben einen Fachkräftemangel, und vielschichtige Prüfungen im Zuge von Digitalisierungsprojekten werden am Ende dazu führen – das ist die Lehre aus dem Registermodernisierungsgesetz der letzten Wahlperiode –, dass die Menschen, die damit arbeiten müssen, sagen: Dann lasse ich mir lieber ein Formular ausfüllen und erhebe die Daten zweimal. – Das ist der falsche Ansatz.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich will nur kurz zwei Beispiele bringen.

Erstens: das GTAZ, das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum. In diesen Zeiten ist der Austausch der 40 daran beteiligten Behörden wichtiger denn je. Ich kann nur davor warnen, das GTAZ durch Projekte, durch Gesetzgebung an die Kette zu legen.

Zweitens fordert Herr Kelber bei dem Projekt „Videokonferenzen in Zivilverfahren“, dass dabei nach der Frage abgeschichtet werden muss, welche Daten getauscht werden. Ich würde mir vielmehr wünschen, dass es nicht darum geht, welche Daten getauscht werden, sondern um die Frage: Wie machen wir diese Konferenzsysteme so sicher, dass auch sensible Daten über diesen Weg ausgetauscht werden können? Das habe ich vermisst.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich wünsche Herrn Kelber für die Zukunft menschlich wie persönlich alles Gute und Frau Professorin Specht-Riemenschneider einen guten Amtsantritt. Die ersten Impulse stimmen durchaus positiv.

Estland hat damals die Digitalisierung genutzt, weil es 1991 pleite war. Es hatte einen Haushalt in Höhe von 130 Millionen Euro. Vielleicht ist das die Brücke: Wenn wir die Haushaltsberatungen der Ampel in diesen Tagen sehen, dann sehen wir eine fast ähnlich desolate finanzielle Situation in diesem Land.

Heiterkeitdes Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]

Vielleicht nutzen auch wir diese desolate Situation und die Chancen, die sich daraus ergeben, für mehr Digitalisierung und Mut bei der Datenschutzpolitik in diesem Land. Wir brauchen auch eine datenschutzpolitische Zeitenwende.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Misbah Khan
Foto: Misbah Khan/ Nils Leon Brauer
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Einmal ist keinmal, zweimal ist Tradition, und dreimal ist Brauchtum. Wir besprechen dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge den BfDI-Tätigkeitsbericht in diesem Hohen Haus. Ich freue mich, sagen zu können: Wir begründen damit eine neue Tradition. Ich glaube, das zeigt auch die Bedeutung der Themen „Datenschutz“ und „Informationsfreiheit im digitalen Zeitalter“.

Ich möchte mit dem Thema Datenschutz beginnen und gleich von Anfang an betonen: Wir sprechen hier nicht über Banalitäten. Die IT-Sicherheitslage des Bundes ist laut BSI ungebrochen kritisch. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das, dass ihr jedes Jahr ein Schaden von 200 Milliarden Euro entsteht. Warum?

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Wegen Datendiebstahl, Cybercrime und Ähnlichem. Das ist ein Problem. Gleichzeitig wird hier im Parlament, wie gerade wieder von der Union, das Thema Datenschutz hauptsächlich als Innovationshemmnis dargestellt.

Die Folgen des Datenschutzes!

Auch in unserer Koalition stellt es uns vor Herausforderungen, weil wir die IT-Sicherheit aus Kostengründen depriorisieren.

Wer allerdings ernsthaft glaubt, dass wir die beiden Fragen nicht zusammendenken können, hat fundamentale Logiken der digitalen Welt überhaupt nicht verstanden und gefährdet damit den Wohlstand dieses Landes und auch Bürgerrechte.

Der Tätigkeitsbericht verdeutlicht die Breite und gleichzeitig auch die Dringlichkeit datenschutzrechtlicher Themen; angesichts neuer Technologien wird das immer herausfordernder. Der BfDI sieht da einen dringenden Handlungsbedarf zum Schutz der Privatsphäre von Bürgerinnen und Bürgern. Da gibt es einiges zu tun.

Drei Beispiele: einmal die Diskussion über das Verbot biometrischer Videoüberwachung im öffentlichen Raum, dann das Auslesen unserer privatesten Kommunikation dank der Chatkontrolle – das hatten wir vorhin schon zum Thema – und die Frage, ob wir hoheitlich erhobene biometrische Daten privaten Unternehmen zur Verfügung stellen wollen. All das sind grüne Forderungen, und wir sagen ganz klar: Der Datenschutz ist keine Lappalie. Das haben wir auch im Koalitionsvertrag deutlich gemacht und uns gemeinsam darauf geeinigt, dass dem nicht so ist. Wir als Abgeordnete tun gut daran, unserer Verantwortung für Freiheit und Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger an der Stelle gerecht zu werden.

Der zweite Block, für den der BfDI zuständig ist, ist die Informationsfreiheit, also das Recht der Bürgerinnen und Bürger auf Informationen über die Tätigkeiten öffentlicher Stellen. Das Open Data Ranking – das ist ein Projekt der Open Knowledge Foundation – hat den Bund mit den 16 Bundesländern verglichen. Wo stehen wir da? Im Mittelfeld – eine nicht so gute Position für uns, würde ich sagen. Das liegt daran, dass wir kein Recht auf Open Data haben und weil Aufholbedarf beim Datenportal und bei der Qualität besteht. Das kann und das darf nicht unser Anspruch sein. Zu Recht hat deshalb das „Bündnis Transparenzgesetz“ genau 51 550 Unterschriften gesammelt, um zu betonen: Das ist ein Missstand, der behoben werden muss.

Wie ist der Stand jetzt? Bürgerinnen und Bürger haben ein berechtigtes Interesse an einer Information und fragen sie an. Dann überprüft die Behörde, ob und wie sie die Information bereitstellen kann. Das kann eine Weile dauern. Manchmal wird sogar eine Gebühr dafür verlangt, eine Information herauszugeben, deren Erstellung bereits mit Steuergeldern bezahlt worden ist. Das ist nicht die Art des transparenten Staates, den wir im 21. Jahrhundert haben wollen.

Natürlich muss der Staat dafür sorgen, dass die Verwaltung im 21. Jahrhundert digital ist. Wir wollen Mitarbeitende entlasten, und sie sollen auch für andere wichtige Arbeit Zeit haben. Aber das erreichen wir nur durch einen Automatismus, der von Anfang an Transparenz schafft. Würden wir Daten grundsätzlich offen zur Verfügung stellen, könnten zum einen Bürgerinnen und Bürger, zum anderen auch die Wirtschaft von diesen Daten profitieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Wer kann denn etwas dagegen haben, die engagierte Zivilgesellschaft und die Wirtschaft gleichzeitig glücklich zu machen? Daher bitte ich an der Stelle auch die Bundesregierung, ihr Versprechen einzulösen und die Verwaltungsdigitalisierung mit einem Schub voranzutreiben.

Auch ich möchte das Ende meiner Rede an Professor Kelber adressieren. Es ist Ihr letzter Tätigkeitsbericht; das haben wir gerade schon gehört. Auch von grüner Seite einen ganz herzlichen Dank dafür, dass Sie mit Ihrer Arbeit die Wahrung der Grundrechte und das Recht auf Privatsphäre, das in diesen herausfordernden Zeiten immer durch Sie geschützt worden ist, gewährleistet haben! Während andere Akteure immer wieder und immer weiter tote Pferde geritten haben – ganz konkret: die Vorratsdatenspeicherung –, haben Sie sich um die neuen herausfordernden Themen gekümmert, zum Beispiel die künstliche Intelligenz. Das ist auf immer wieder neuen und kreativen Wegen passiert, wie mit Pixi-Büchern, in denen Sie auf Informationsfreiheit und auf Datenschutz aufmerksam gemacht haben.

Nicht zuletzt füllten Sie ohne jeden Zweifel die unabhängige Aufsichtsfunktion aus, die Sie in dieser Rolle haben sollten, und haben dadurch auch ganz praktisch zur Durchsetzung von Datenschutz geführt. Was mich persönlich angeht – ich darf diesen Job jetzt fast drei Jahre machen –: Für die Begleitung bei Gesetzesvorhaben durch Sie und durch Ihr Team, für die Fachexpertise, dafür kann man nur danken.

Mit großer Mehrheit haben wir im Bundestag vor Kurzem Ihre Nachfolge mit Professor Dr. Louisa Specht-Riemenschneider bestimmt. Ich bin sicher, sie wird diese Aufgabe genauso versiert annehmen. Die jetzt anstehende kurze Vakanz ist natürlich nicht ganz günstig und gleichzeitig auch keine Seltenheit in der Geschichte des BfDI. Deshalb möchte ich an der Stelle auch dem Stellvertreter Jürgen Müller danken, der unzweifelhaft die Sicherstellung der Handlungsfähigkeit dieser Behörde gewährleistet.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es bleibt also ganz zum Schluss zu sagen: Vielen herzlichen Dank, Herr Professor Kelber, für die Arbeit von Ihnen und Ihren Mitarbeitern im letzten Jahr und dafür, dass Sie das digitale Zeitalter auch an der Stelle sichergestellt haben. Ich möchte enden mit Kelber’s Law, das uns sicher auch nach Ihrer Amtszeit weiter begleiten wird: Wann immer es heißt, irgendetwas Sinnvolles gehe nicht wegen Datenschutz, liegt es sicher nicht am Datenschutz.

Danke schön.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Steffen Janich
Foto: Steffen Janich
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Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Im April des vergangenen Jahres habe ich etwas getan, das gezwungenermaßen Seltenheitswert hat: Ich habe bei der Beratung zu dem früheren Tätigkeitsbericht für den Datenschutz und die Informationsfreiheit einen Mann mit einem Parteibuch der SPD gelobt. Ich spreche hier von Herrn Professor Kelber, dem Bundesbeauftragten für dieses Ressort.

Im Namen der AfD-Fraktion hatte ich auch zugesichert, dass wir den Bericht als Ansporn für unsere politische und parlamentarische Arbeit in Betrachtung ziehen. Heute beraten wir ein Jahr später den aktuellen Bericht des BfDI. Und wenn man diesen aktuellen Bericht liest, dann wünscht man sich, dass die Sozialdemokraten innerhalb der Bundesregierung den Worten ihres Parteifreundes Kelber dieselbe Bedeutung beigemessen hätten wie wir als Alternative für Deutschland.

Beifallbei der AfD

Mehrfach kritisiert Herr Kelber, dass ihm Gesetzgebungsakte entweder gar nicht oder viel zu spät zur Kenntnis gegeben werden. Die Bearbeitungszeiträume, die die Bundesregierung dem BfDI einräumt, sind unzureichend, um sich ausgiebig mit den Gesetzen auseinandersetzen zu können. Der Bundesbeauftragte bemängelt darüber hinaus, dass gerade im Hinblick auf den Datenschutz im Bundesverfassungsschutzgesetz seine Stellungnahme nicht einmal gelesen wird. Frau Faeser, wo immer Sie gerade sind, könnten Sie vielleicht Ihrem Parteikollegen zukünftig etwas besser zuhören?

Beifallbei der AfD

Auch viele der Missstände, die der Bundesbeauftragte damals aufgezeigt hatte, bestehen nach einem Jahr unverändert fort. Das Bundespresseamt ist der Weisung von Herrn Kelber, die Facebook-Fanseite der Bundesregierung wegen Verstößen im Datenschutzrecht einzustellen, nicht nachgekommen, sondern führt ein Verwaltungsverfahren gegen diese Weisung. Das Bundespresseamt kann seine datenschutzrechtliche Rechenschaftspflicht nicht genügend nachweisen. Besucherdaten wurden und werden vom BPA weiterhin ohne Rechtsgrundlage verarbeitet. Auch der Empfehlung, den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Bereich von Strafverfolgung und Gefahrenabwehr rechtlich abzusichern und deren Bestand zu überprüfen, ist die Ampelkoalition nicht gefolgt.

Es ist ebenso selbstredend, dass die deutsche Sozialdemokratie sich nicht im Mindesten für die datenschutzrechtlichen Einwände im Hinblick auf die Rechtsextremismusdatei interessiert.

Das ist doch Quatsch!

Geht es in irgendeiner Form gegen rechts, sind den Altparteien die Grundrechte deutscher Bürger vollkommen egal. Eine Änderung durch die Genossen ist auch hier nicht in Sicht.

Ein weiteres Thema ist die Verordnung zur künstlichen Intelligenz in der EU. Der Bundesbeauftragte weist zu Recht darauf hin, dass der Einsatz einer KI zur automatischen Erkennung personenbezogener Merkmale im öffentlichen Raum verboten gehört. Wir stimmen mit Herrn Kelber auch darin überein, dass die KI niemals im Rahmen eines Social Scorings zur Bewertung sozialen Verhaltens missbraucht werden darf.

Beifallbei der AfD

Und: Wir sagen auch Ja zur Beibehaltung einer sicheren End-zu-End-Verschlüsselung, und wir sagen auch Nein zur anlasslosen flächendeckenden Überwachung privater Kommunikationsdaten.

Aus AfD-Sicht konsequent!

Zurufder Abg. Mechthilde Wittmann [CDU/CSU]

Die AfD bedankt sich dafür, dass der Bundesbeauftragte einem weiteren Überwachungsstaat hier ein klares Veto entgegengesetzt hat, und wir hoffen, dass seine Nachfolgerin damit irgendwann einmal bis zur Bundesregierung durchdringen wird.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Herr Höferlin, ich gebe Ihnen das Wort für die FDP-Fraktion.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
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Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Herr Höferlin, ich möchte gerne zunächst an etwas anknüpfen, das Sie vorhin erwähnt haben, nämlich dass diese Datenschutzbehörde ja auch 300 Mitarbeiter hat. Wir alle wissen: Das ist ein Betrieb, von dem man selten sagen würde, er sei ein ganz besonders bekannter und sexy Arbeitsplatz.

Zurufdes Abg. Manuel Höferlin [FDP]

Aber diese Mitarbeiter tun dort, glaube ich, einen ganz großartigen Dienst; denn es sind viele sehr heikle Fragen abzuwägen.

Deswegen hat es mich schon etwas irritiert, dass der Bericht, auch wenn er der Bericht des Datenschutzbeauftragten ist, in der Ich-Form geschrieben worden ist. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn auch die Arbeit des Hauses mit anerkannt worden wäre und die Leistungen des Hauses als Gesamtheit im Bericht Eingang gefunden hätten. Das können wir vielleicht schon mal für den nächsten Bericht als Hinweis mitgeben.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Manuel Höferlin [FDP]

Ja, auch dieser 32. Tätigkeitsbericht zeigt auf immerhin 176 Seiten auf – für mich ist es ein bisschen die Abschlussbilanz des Datenschutzbeauftragten –, wo es dringenden Handlungsbedarf gibt. Aber er zeigt eben auch auf – das hat der Kollege vorhin sehr gut angesprochen –, wo es weniger darum geht, Daten zu schützen, sondern darum, wo wir den Umgang mit den Daten so rechtskonform und rechtlich abgesichert gestalten müssen, dass er uns die Chance gibt, mit vielen Daten und fortschrittlicher Technik das Beste aus dem zu machen, was uns vorliegt.

Deswegen lassen Sie mich auch hier erwähnen: Wir hatten die Debatte schon im vorigen Jahr, und ich stelle fest: Es hat sich kaum etwas Neues daraus ergeben. Wenn der Datenschutzbeauftragte viele der Gesetzgebungsvorhaben und Regelungen, die wir gerade auch im letzten Jahr getroffen haben, datenschutzrechtlich problematisch sieht, dann überrascht das nicht; das mag ein Teil seiner Aufgabe sein. Aber zu dieser Aufgabe gehört eben auch, die richtige Abwägung zu treffen. In der Sicherheitsgesetzgebung ist der hohe Wert von Sicherheit der Menschen, glaube ich, mindestens genauso hoch zu schätzen wie der ihrer Daten, die sie teilweise selbst in höchster Freizügigkeit im Netz preisgeben.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Jawoll! Sehr gut!

Deswegen möchte ich, dass wir dazu kommen, dass die Daten keineswegs einfach frei sind, sondern dass sie den Schutz erfahren, den sie brauchen, aber dass durch den richtigen Schutz und die richtige Anwendung dieser Daten auch der Lebenswirklichkeit der Menschen mehr Rechnung getragen wird und dass wir eine Regulierung für einen effizienten Datenschutz aufbauen, anstatt bürokratische Verrenkungen zu treffen, um alles in einer Blackbox zu verstecken, was doch manchmal so wichtig wäre.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir haben in den letzten Jahren aus gutem Grund und aus leider viel zu häufigem Anlass einen Schwerpunkt bei der Gesetzgebung im Sicherheitsbereich gesetzt und beispielsweise auch das Recht der Nachrichtendienste geändert. Leider ist eine echte Reform in den Kinderschuhen stecken geblieben, die wir gebraucht hätten, um unsere Dienste so aufstellen, aber auch – da bin ich wieder beim digitalen Datenschutz – so verbinden zu können, dass all die gewonnenen Erkenntnisse der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger und übrigens auch der Arbeit unserer Polizeibeamten, von denen wir viel zu wenige haben und immer mehr bräuchten, zugutekommen. Letztere müssen wir vor allen Dingen diesbezüglich so ausstatten, dass sie effizient arbeiten können.

Zurufdes Abg. Tobias B. Bacherle [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es ist schade, dass wir hier nicht weitergekommen sind.

Beifallbei der CDU/CSU

Warum überrascht mich das nicht?

Die Novelle des Bundespolizeigesetzes wurde begonnen, und sie geht wie so vieles nicht weiter, weil Sie seit drei Jahren unendlich viel ankündigen und noch unendlich viel mehr darüber streiten können. So kommen wir nicht voran. Das Gleiche gilt für das Finanzkriminalitätsbekämpfungsgesetz: Alles initiiert, und jetzt streiten Sie ein bisschen. Dann wollen wir mal hoffen, dass die Legislaturperiode bald vorübergeht, damit auch mal wieder etwas passieren kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Die heutige Diskussion über die Bilanz in diesem Bereich zeigt schlicht und ergreifend, was Sie so alles zusammenschurgeln. Aber Sie kommen nicht zum Thema.

Da ich vorhin schon einmal von den polizeilichen Ermittlungsbehörden gesprochen habe, darf ich auch noch das Bundespolizeigesetz ansprechen. Hier bemängelt der Datenschutzbeauftragte die Frage der Erforderlichkeit im Einzelnen, die immer noch genauer dargelegt werden muss. Ich sage Ihnen eines: Erforderlich ist alles, was die Menschen schützt; so einfach ist diese Regelung zu treffen. Und dass niemand neugierig ist auf Daten, die ihm sowieso viel zu viel und viel zu oft aufgedrängt werden, kann man, glaube ich, sehen.

Wir möchten, dass alles getan wird, damit die Befugnisse der Bundespolizei in der digitalen Kommunikation, die wir mittlerweile haben, wie beispielsweise im Bereich der lebensgefährlichen Schleusungskriminalität so modernisiert werden, dass sie unserer Realität angepasst sind. Dafür braucht der Datenschutz – das haben Sie, Herr Kollege, vorhin sehr gut ausgeführt – ein modernes Recht, das regelt, wie die Daten anzuwenden sind; denn es werden immer mehr. Wir haben auch erfahren: Ein Mehr an Daten kann auch ein Mehr an Sicherheit sein, und das nicht nur in diesem Bereich, sondern auch im Bereich Gesundheit und in vielen anderen Bereichen.

Ich darf ich mich heute dennoch beim bisherigen Datenschutzbeauftragten Herrn Kelber bedanken, ihm alles Gute und uns allen eine gute Zusammenarbeit mit Frau Louisa Specht-Riemenschneider wünschen, von der ich schon annehme, dass sie das Thema Datenschutz ein Stück weit als Chance begreift, um etwas zu öffnen, praktisch zu handhaben und damit allen weiterzuhelfen, auch dem Ansehen des Datenschutzes.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der CDU/CSU

Jawoll! Sehr gut!

4 Vermerkeca. 862 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich würde Ihnen gerne die Geschichte des Urgroßvaters meines besten Freundes erzählen. Der war während der Weimarer Republik nicht nur Sozialdemokrat, sondern auch im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold aktiv, dem Wehrverband der aktiven Demokraten der Weimarer Republik.

Als die Nazis an die Macht kamen, hatte er die Mitgliederkartei des Reichsbanners, wohlweislich gut und sicher eingepackt, im Garten vergraben, weil er genau wusste, dass die Nazis diese Gruppe wie so viele Demokratinnen und Demokraten verfolgen würden. Und er hatte recht. Er war nicht nur einmal im Folterkeller der Gestapo; er wurde brutal gefoltert und verstarb am Ende an den Folgen. Er hat das Versteck der Mitgliederliste aber nie verraten. Er hat die Liste geschützt; er hat die Menschen geschützt.

Diktaturen und jede Form der Unterdrückung brauchen Daten. Egal wen man verfolgen möchte, man muss zunächst mehr Wissen über die Person sammeln. Datenschutz schützt keine Daten, er schützt Menschen. Es geht nicht um Geodaten, um Wetterdaten, um Einwohnerzahlen oder Verkehrsstatistiken, es geht um die Daten, mit denen wir als Einzelpersonen identifizierbar sind.

Bis heute sind das Informationen, die Diktaturen und Demokratiefeinde haben wollen, um Menschen zu verfolgen. Wie sieht die Person aus? Wo wohnt sie? Wo ist sie anzutreffen? Am besten noch: Wer sind ihre Freunde? Wie ist die finanzielle und familiäre Situation? Was ist der berufliche Background? Pauschal lässt sich sagen: Je mehr Informationen man über eine Person hat, desto einfacher ist deren Verfolgung.

Wir haben heute mehr Daten über jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten als jemals zuvor. Und wir haben noch etwas, was es früher nicht gab: automatisierte Datenauswertung. Mit der Digitalisierung und der elektronischen Datenverarbeitung können wir Datenmengen verarbeiten, die vorher undenkbar waren, ohne einen großen technischen Mehraufwand. Darin liegen riesige Chancen – auch das wurde hier schon erwähnt –, aber eben auch Risiken.

Nehmen wir mal an, jemand möchte unsere Demokratie aushebeln und massenhaft Menschen deportieren, die ihm nicht in den Kram passen. Dann stellt sich als Nächstes die Frage: Wen würde man verfolgen wollen, sobald man an der Macht ist? Das sind auf der einen Seite ausländische Staatsangehörige, am besten noch Deutsche mit familiärer Migrationsgeschichte. Das sind auf der anderen Seite Menschen, die sich für Demokratieförderung und Bildung einsetzen. Das sind unabhängige Journalistinnen und Journalisten. Das sind demokratische Politiker/-innen, ob hier auf Bundesebene oder eben auch die vielen engagierten Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker.

Sie haben ja sehr düstere Gedanken!

Vielleicht beschneidet man auch noch, wie schon öfter geschehen, die Rechte von Frauen, religiösen Minderheiten und queeren Menschen und verfolgt die gleich mit. Wie würde man diese Gruppen verfolgen, wenn man es erst mal an die Macht geschafft hat? Indem man sich Zugang zu ihren Daten verschafft.

Heute ist die Situation anders als noch zu Weimarer Zeiten. All diese Merkmale, anhand derer man Menschen verfolgen könnte: Sie schlummern in Ausländerzentralregistern, in Projektdatenbanken, in elektronischen Patientenakten, in Chat-Nachrichten, in Fotos und Videos, die wir mit unseren Freunden auf Social Media teilen. Man kann anhand dieser Merkmale Listen erstellen. Diese Listen kann man missbrauchen. Auch das zeigt wieder: Datenschutz ist Menschenschutz.

Noch können wir diese Listen nicht vollständig und einwandfrei erstellen, aber wir sind gerade auf dem Weg dahin. Und es bestürzt mich, wie wir an manchen Stellen bereit sind, Datenschutz als lästiges Beiwerk abzutun, das Innovationen hemmt oder zu viel Geld kostet oder zu umständlich ist.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit mahnt in seinen Empfehlungen im Tätigkeitsbericht an vielen Stellen genau diese Punkte an. Wir reden über Datenschutz nicht, um irgendwen zu ärgern, Prozesse aufzuhalten, Forschung zu verhindern oder den Industriestandort Deutschland zu schwächen. Wir reden darüber, weil wir uns bei jedem System, das wir bauen, fragen müssen: Kann ich verantworten, dass dieses System nichtdemokratischen Kräften in die Hände fällt?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich bin ein riesiger Fan von Digitalisierung, und ich freue mich darauf, wenn Papieraktenschränke bald der Vergangenheit angehören. Denn wirklich sinnvoll und innovativ kann man Daten nur nutzen, wenn man sie digitalisiert, teilt und nach Bedarf zusammenführt. Aber es gibt nun mal Daten – und das sind insbesondere die, mit denen man uns identifizieren kann –, die besonders geschützt werden müssen. Wir müssen uns genau überlegen, was in Datenbänke muss und was nicht.

Und anders als häufig dargestellt, ist der Streit um Datenschutz häufig ein Streit darum, wie wir Daten verknüpfen wollen, und nicht, ob wir sie verknüpfen wollen. Wir werden nicht pauschal verhindern können, dass die Systeme, die wir gerade aufsetzen, ein Missbrauchspotenzial haben; aber wir können sie sicher machen. Wir können Datenbanken verschlüsseln, wir können dafür sorgen, jedem nur die Zugriffsrechte und Informationen zu gewähren, die er oder sie unbedingt für die Arbeit braucht, dafür sorgen, dass nur notwendige Daten gespeichert werden und wir darüber informiert werden, wer unsere Daten hat, damit wir mitbekommen, wenn was passiert. All das sind Schutzmechanismen zum Schutz nicht von Daten, sondern von Menschen. Wir müssen öffentliche Daten nutzen und private Daten schützen.

Viele dieser Maßnahmen, die man ergreifen kann, um uns zu schützen, sind im Bericht zusammengefasst. In der Digitalisierung und der Verknüpfung und Standardisierung von Daten liegen wahnsinnig große Potenziale, wenn wir es richtig anstellen und berechtigte Einwände nicht zur Seite wischen. Lassen Sie uns das gerne gemeinsam anpacken.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Beifallder Abg. Misbah Khan [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
3 Vermerkeca. 769 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Datenschutz und die Informationsfreiheit sind Teil des Fundaments einer wehrhaften Demokratie in Zeiten der Digitalisierung. Deshalb ist das Amt des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit auch so wichtig, und deshalb ist auch die Arbeit, die Professor Ulrich Kelber in den letzten fünf Jahren geleistet hat, so wichtig, und deshalb, finde ich, gebührt ihm auch noch mal von unserer Seite, von den Freien Demokraten, Dank für seine Arbeit. Herzlichen Dank, Herr Kelber, dafür!

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Gleiches – das will ich gleich dazusagen – gilt selbstverständlich auch für sein Haus und seine gut 300 Mitarbeiter dort, die tagtäglich für unsere liberale Gesellschaft und für den Schutz von Bürgerrechten in der digitalen Welt einstehen. Vielen Dank auch ihnen! Denn ohne sie wäre das alles nicht möglich.

Wie wichtig die Arbeit dieses Hauses, dieser Behörde, ist, zeigt sich beispielsweise – der Begriff ist auch schon gefallen – am Stichwort „Chatkontrolle“. Bereits im Datenschutzbericht letztes Jahr war das Thema, und ich habe mich auch im letzten Jahr in meiner Rede dazu geäußert. Und auch wenn die Bundesregierung längst eine Stellungnahme zur sogenannten CSA-Verordnung verabschiedet hat, in der sie klar und deutlich auf die Einhaltung der Grundrechtestandards besteht, ist die Chatkontrolle auf europäischer Ebene längst nicht vom Tisch. Gerade aktuell stand wieder eine mögliche Abstimmung an. Sie ist verschoben worden – zum Glück, muss ich sagen –, weil es keine Mehrheit gibt.

Ich habe im August 2021 an Tim Cook von Apple zum ersten Versuch einer solchen CSAM, einer Kontrolle von Kommunikation mit Bildern und Nachrichten, einen Protestbrief geschrieben. Letztes Jahr haben wir auch dazu was gesagt, und ich werde nicht müde, es zu wiederholen: Die Chatkontrolle wäre der größte Dammbruch der Vertraulichkeit der Kommunikation seit der Erfindung des Internets, und darunter ist das nicht zu beurteilen.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Auch deswegen, meine Damen und Herren, insbesondere der Fraktionen, die sich immer wieder für solche Dinge aussprechen, ist die Arbeit des Bundesdatenschutzbeauftragten so wichtig.

Die Chatkontrolle ist aber nur ein Beispiel von vielen. Die Aufgaben, die auf uns zukommen, sind vielfältig, und deswegen will ich ein paar nennen, zum Beispiel die Datenschutz-Grundverordnung. Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung muss meiner Meinung nach fortgeschrieben werden, im besten Fall an der einen oder anderen Stelle auch auf den aktuellen Stand gebracht werden. Eigentlich ist Gesetzgebung ja immer, aber insbesondere im Bereich der Digitalisierung, wenn nötig, auf den Stand der Technik zu bringen, auf den Stand der Zeit zu bringen. Und im Fall der DSGVO, der Datenschutz-Grundverordnung, müssen wir beispielsweise über das Prinzip der Datensparsamkeit sprechen.

Jetzt fragen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, sich vielleicht – der Witz wurde ja von der Union schon gemacht –, warum ein Liberaler zu diesen Zeiten mit Ideen gegen die Sparsamkeit um die Ecke kommt. Ich will es Ihnen sagen: Es galt bei dem Thema Daten der Obersatz der Datensparsamkeit, der nicht mehr in die heutige Zeit passt; denn wir sprechen heute viel stärker von Datenverfügbarkeit und Kontrolle über die Datennutzung: Werfen wir mal einen Blick auf moderne Technologien von KI, ChatGPT und Co! Um es anders zu sagen: Wer gute KI möchte, der braucht Daten, viele Daten, gute Daten. Es geht also in der heutigen Zeit nicht um weniger Daten und Datensparsamkeit, sondern viel stärker um die Kontrolle über Datennutzung, über Datentransparenz. Das ist die Zukunft des Datenrechtes, und darüber müssen wir uns auch unterhalten, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Der hohe Datenschutzstandard in Europa ist aber auch ein Standortvorteil. Indem wir mit der Zeit gehen, indem wir diesen Vorteil erhalten, schaffen wir einen wichtigen Schritt auch für die Wirtschaftswende. Eine erfolgreiche Wirtschaftswende braucht auch die effektive Durchsetzung von Gesetzen, von Recht. Dafür brauchen wir jetzt, wie im Koalitionsvertrag auch vereinbart, eine kohärente Entscheidung der Landesdatenschutzbeauftragten. Es geht um die Datenschutzkonferenz. Wir hatten gerade am Montag eine Anhörung zu dem Thema. Übrigens hatte der Datenschutzbeauftragte erklärt, dass er sehr frühzeitig umfassend in das Gesetzesvorhaben eingebunden wurde; deswegen wundere ich mich ein wenig über die Ausführungen hier.

Es geht darum, dass man sich darauf verlassen kann, dass die Rechtsauslegung in ganz Deutschland gilt. Deswegen werden wir uns auch im weiteren Verfahren der Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes noch einmal der Frage widmen: Ist es möglich, die Datenschutzkonferenz so auszubauen, dass sich die Wirtschaft in Zukunft auf Rechtssicherheit verlassen kann, egal in welchem Bundesland sie angesiedelt ist?

Meine Kolleginnen und Kollegen, was wir hier schützen, sind nicht die Daten, sondern die Menschen hinter den Daten. Ich möchte es noch einmal sagen: Es geht beim Datenschutz eigentlich um Datenrecht. Es geht um die Ausübung des informationellen Selbstbestimmungsrechts der Menschen. Das ist ein grundlegendes Bürgerrecht in der digitalen Welt.

Ich möchte an der Stelle dem Datenschutzbeauftragten danken –

2 Vermerkeca. 21 WörterReaktionswert: ruhig
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– und Frau Professor Louisa Specht-Riemenschneider viel Erfolg für ihre Arbeit wünschen. Ich freue mich auf den nächsten Datenschutzbericht.

Danke schön.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
1 Vermerkca. 274 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die selbsternannte Fortschrittskoalition versagt leider auch beim Datenschutz. Datenschutz und Informationsfreiheit scheinen ihr vor allem hinderlich, störend und teuer. Für Die Linke stehen beim Datenschutz die Achtung und der Schutz der Menschenwürde sowie die freie Entfaltung der Persönlichkeit im Mittelpunkt.

Viele öffentliche Debatten werden aber nach wie vor so geführt, als stünde der Datenschutz nur anderen, womöglich höher gewichteten Zielen im Wege, so unter anderem bei der fortschreitenden Kommerzialisierung des Gesundheitswesens. Dieser Regierung wie ihren Vorgängern geht es vor allem darum, wie Patientendaten möglichst gewinnbringend von Versicherungen und Pharmakonzernen genutzt werden können. Wir lehnen das entschieden ab.

Zweites Beispiel ist die öffentliche Sicherheit. Diese Koalition setzt nahtlos die Politik ihrer Vorgänger fort, so viele Daten wie möglich so lange wie möglich zu erfassen, zu speichern und zu verarbeiten.

Das stimmt doch gar nicht! Im Gegenteil!

Gegen die wiederholten Mahnungen des Bundesdatenschutzbeauftragten werden Sicherheitsüberprüfungen immer flächendeckender eingeführt. Dadurch sollen, so die Argumentation der Koalition, Verfassungsfeinde aus Behörden und Bundeswehr möglichst ferngehalten werden.

Das ist ein zumindest nachvollziehbares Anliegen, aber das geltende Sicherheitsüberprüfungsgesetz verfolgt eben einen deutlich anderen Zweck. Deshalb hat der Datenschutzbeauftragte jahrelang gefordert, eine eigene Rechtsgrundlage zu schaffen, die die neue Zielsetzung abbildet, und damit rechtliche Sicherheit herzustellen. Passiert ist nichts.

Ebenfalls ungeregelt und dadurch de facto unkontrollierbar ist auch nach wie vor das militärische Nachrichtenwesen der Bundeswehr. Während es für die Kontrolle der Geheimdienste zumindest parlamentarische Gremien gibt, lehnt das Verteidigungsministerium eine gesetzliche Regelung für das militärische Nachrichtenwesen weiter kategorisch ab. Dessen eventuelle Verstöße gegen geltendes Recht und den Datenschutz können weiter von niemandem aufgedeckt werden. Das ist und bleibt skandalös.

Das waren nur drei von vielen Defiziten aus dem aktuellen Bericht des Datenschutzbeauftragten.

ca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
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Frau Präsidentin, ich hätte gerne die fünf Minuten gehabt, die auf der Anzeigetafel zu sehen waren.

ca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
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Deshalb bleibt mir als letzter Satz, auch noch einmal Uli Kelber und seinen Mitarbeitern ganz herzlich zu danken, –

1 Vermerkca. 19 WörterReaktionswert: ruhig
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– und ich hoffe bei seiner Nachfolgerin auf die gleiche Beharrlichkeit, die er an den Tag gelegt hat.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der LINKEN und des BSW
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Damen! Meine Herren! Nach zweieinhalb Jahren Ampelregierung stehen wir heute vor einem enormen wirtschaftlichen und sozialen Problem. Oder pointiert formuliert: Diese sogenannte Fortschrittskoalition ruiniert unsere Wirtschaft und unsere sozialen Sicherungssysteme

Beifallbei der CDU/CSU

und damit alles, was wir über Jahre aufgebaut haben.

Die aktuellen Zahlen zur Finanzierung der Sozialversicherungssysteme sind alarmierend. Die Summe der Beitragssätze in der Sozialversicherung hat längst die wichtige Marke von 40 Prozent deutlich überschritten.

Schockierend!

Eine Projektion des IGES-Instituts zeigt, dass die Sozialabgaben bis 2035 im ungünstigsten Fall auf 51,2 Prozent steigen könnten. Selbst im günstigsten Szenario landen wir bei 45,8 Prozent. Meine Damen und Herren, wenn das so kommt, hat diese Ampelregierung innerhalb kürzester Zeit Deutschland als Wirtschaftsstandort abgeschafft.

Beifallbei der CDU/CSU

Von Generationengerechtigkeit kann überhaupt keine Rede mehr sein.

Und es kommt noch schlimmer: Alarmierende Zahlen aus der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft für das Jahr 2022 zeigen, dass die Kapitalabflüsse bei fast 135,5 Milliarden Euro lagen, während nur ungefähr 10,5 Milliarden Euro in Deutschland angelegt wurden. Das sind die höchsten Nettoabflüsse, die jemals in Deutschland verzeichnet wurden, und sie spiegeln die unattraktiven Investitionsbedingungen in Deutschland wider. Diese Zahlen sind ein klares Signal für eine drohende Deindustrialisierung.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, besonders betroffen ist das Gesundheitssystem. Die gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen stehen vor enormen finanziellen Herausforderungen. Trotz steigender Beiträge gibt es weiterhin ein Defizit in der Pflegeversicherung, das in diesem Jahr bis zu 900 Millionen Euro betragen könnte.

Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen kämpfen mit Budgetkürzungen und Personalmangel, was die Qualität der Versorgung erheblich beeinträchtigt. Besonders in ländlichen Gebieten verschärfen sich der Ärztemangel und die medizinische Versorgung. Es ist zu befürchten, dass dort die Gesundheitsversorgung deutlich schlechter wird. Die hohe Belastung durch Sozialabgaben führt zudem dazu, dass immer weniger Menschen in Gesundheitsberufe einsteigen möchten, was den Mangel an Fachkräften weiter verstärkt. Meine Damen, meine Herren, nicht Fortschrittskoalition, sondern Rückschrittskoalition nenne ich das.

Beifallbei der CDU/CSU

Zwei neue Rekorde staatlicher Sozialpolitik sind der Ampelkoalition bereits heute sicher: Bei keiner Bundesregierung vorher sind die Krankenkassenbeiträge innerhalb nur einer Legislaturperiode so stark gestiegen wie in dieser Koalition. Mit 2,3 Prozent wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag am voraussichtlichen Bundestagswahltag im September 2025 um 1 Prozentpunkt höher liegen als beim Start der Ampel.

Auch die Abgaben für alle Sozialversicherungszweige sind rekordverdächtig. Zusammen zeichnet sich ein historischer Zuwachs um 1,75 Prozentpunkte auf 41,8 Prozent ab.

Zurufdes Abg. Tino Sorge [CDU/CSU]

Daher fordern wir die Bundesregierung auf, die Sozialabgaben sofort auf 40 Prozent zu deckeln und eine umfassende Reform der Sozialversicherungssysteme zu initiieren, die auf Nachhaltigkeit und Effizienz ausgerichtet ist.

Welche Leistungen wollen Sie dafür streichen? Sagen Sie das mal!

Diese muss die Wirtschaft entlasten, um Innovationen und Investitionen zu fördern, was letztlich zu mehr Arbeitsplätzen und sozialer Leistungsfähigkeit führt.

Die Reform muss eine transparente und nachvollziehbare Finanzierung der Sozialversicherung sicherstellen, um das Vertrauen der Bürger in die sozialen Sicherungssysteme wiederherzustellen. Beispielsweise müssen versicherungsfremde Leistungen umfassend steuerlich finanziert werden.

Beifallder Abg. Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]

Sind Sie für Steuererhöhungen?

Und wir brauchen spezielle Förderprogramme für den Mittelstand und die Landwirtschaft, um deren wirtschaftliche Basis zu stärken und ihnen eine verlässliche Perspektive zu bieten.

Meine Damen und Herren, die Zeit des Zögerns und der kurzfristigen Maßnahmen muss vorbei sein. Wir brauchen eine starke, zukunftsorientierte Politik, die unsere Sozialversicherungssysteme stabilisiert, die die Wirtschaft stärkt und den sozialen Frieden sichert. Wir brauchen eine bessere Zukunft für Deutschland.

Danke sehr.

Beifallbei der CDU/CSU

Kein einziger Vorschlag! Das war sehr dünn!

Porträt von Gerrit Huy
Foto: Gerrit Huy/ Marcus Vetter, Fotostudio Seefeld
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Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Liebe Zuschauer! Und liebe Union! Sie haben es vielleicht noch nicht bemerkt, aber die kompletten Sozialabgaben liegen schon seit Jahren über 40 Prozent. Und wenn die Krankenversicherungen mit ihrer Prognose recht haben, dann werden sie im nächsten Jahr zwischen gut 43 Prozent und knapp 45 Prozent liegen, je nach Kinderzahl. Da fangen Sie einmal an zu deckeln.

Von Ihnen sind wir es ja schon gewohnt, aber inzwischen stöbert offenbar auch die FDP in unseren Programmen und entdeckt die versicherungsfremden Leistungen. Gut so, aber ein bisschen spät.

Wir haben schon in unserem Bundestagswahlprogramm von 2021 gefordert, dass die kompletten versicherungsfremden Leistungen vom Staatshaushalt, vom Bundeshaushalt, zu finanzieren sind.

Ist die AfD für Steuererhöhungen?

Das würde zum Beispiel den Rentnern eine außerordentliche Rentenerhöhung von über 11 Prozent bringen und damit endlich unser Rentenniveau ein bisschen erhöhen, das ja bekanntlich zu den niedrigsten der Welt gehört. Aber die Union verlegt sich noch aufs Schönreden. Angefangen hatte das schon mit Angela Merkel, die zwar von einem Land sprach, in dem man gut und gerne lebte, die aber nicht einmal wusste, dass die mittleren Vermögen in Deutschland zu den niedrigsten in Westeuropa gehörten, und die, darauf angesprochen, gekontert hat: Aber wir haben ja die guten deutschen Rentenansprüche. Welch unfassbare Ahnungslosigkeit einer Regierungschefin!

Beifallbei der AfD

Diese Schönfärberei setzt sich in der Union leider immer noch fort. Selbst wenn wir den Rentnern die versicherungsfremden Leistungen ersetzten, bliebe unser Rentenniveau immer noch weit unter dem der Nachbarländer, egal in welche Richtung Sie schauen. Denn anders als bei uns steht in den Nachbarländern nicht die Stabilisierung der Beiträge im Vordergrund, sondern die Lebensqualität der Rentner. Die Schweizer zum Beispiel wollen ihren Rentnern ein Leben in Würde ermöglichen. Sie ermöglichen ein Rentenniveau von 70 Prozent. Die Österreicher sagen: Wer bei uns 45 Jahre gearbeitet hat und mit 65 Jahren in Rente geht, bekommt 80 Prozent seines letzten Nettolohns als Rente.

Da zahlen die Arbeitnehmer aber auch mehr!

Die haben aber auch um 4 Prozent höhere Beitragssätze, Frau Huy!

Sie schaffen tatsächlich 78 Prozent. Und wir streiten darüber, ob wir ein Rentenniveau von 48 Prozent stemmen können. Das ist doch aberwitzig.

Beifallbei der AfD

Extrem sind die Verwerfungen durch versicherungsfremde Leistungen auch in der gesetzlichen Krankenversicherung. DAK-Versicherungschef Storm sah sich deshalb genötigt, hier Nachbesserungen zu fordern. Die Zuschüsse des Staates zur Krankenversicherung der Bürgergeldempfänger müssten dreimal so hoch sein. Bürgergeldempfänger sind zwar voll versichert, zahlen aber selbst keine Beiträge. Diese müsste Gesundheitsminister Lauterbach für sie zahlen. Der erhöht aber stattdessen die Beiträge der Versicherten, der Beitragszahler, und lässt sie auf diese Weise die Versicherung der Bürgergeldempfänger mitbezahlen. Das ist doch Betrug am Bürger. Herr Lauterbach soll sich sein Geld gefälligst vom Finanzminister holen!

Beifallbei der AfD

Würden wir übrigens das Kostenproblem rund um die Kranken- und Pflegeversicherung lösen, für die wir etwa doppelt so hohe Beiträge zahlen wie die Österreicher oder die Schweizer, dann hätten wir auch genug Geld für eine auskömmliche Rente.

Werte Union, obwohl Sie selbst die Masseneinwanderung gestartet haben, fangen Sie erst jetzt an, sich Sorgen und Gedanken darüber zu machen, was das für unsere Sozialkassen bedeutet. Das ist doch überraschend.

Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Sie wüssten es schon, wenn Sie unseren Antrag dazu im letzten Jahr nicht abgelehnt hätten. Ich verrate es Ihnen trotzdem: Die Auswirkungen auf die Kassen sind massiv negativ, egal in welche Kasse Sie hineinschauen. Immerhin: Nach 16 Regierungs- und 3 Oppositionsjahren fangen Sie an, ein paar richtige Fragen zu stellen. Aber wer so lange braucht, sich den Problemen zu nähern, dem traut man ja kaum die Lösung zu.

Beifallbei der AfD

Der Ampel übrigens auch nicht: Sie schafft es ja nicht einmal, Ihre Anfrage zu beantworten. Meine Antwort an Sie, werte Union, lautet deshalb im besten Merkel-Deutsch: Die Alternative für Deutschland ist alternativlos.

Beifallbei der AfD
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das Problem bei diesen Debatten – das muss ich auch den Zuschauenden auf der Tribüne sagen – ist immer, dass sie vielfach frei von Zahlen und Tatsachen geführt werden. Dabei kommen dann solche widersprüchlichen Dinge heraus, wie sie Frau Huy gerade erzählt hat.

Von wegen!

Wenn man beklagt, dass das Rentenniveau zu niedrig sei,

Ist es auch!

dann kann man sich nicht gleichzeitig darüber beschweren, dass die Sozialversicherungsbeiträge zu hoch seien. Sie haben das Beispiel Österreich genannt. Ich habe mir da einmal die Zahlen besorgt, weil ich mir schon dachte, dass das Thema kommt. Nach dem Anteil der Rentenausgaben am Bruttoinlandsprodukt, also an der gesamten Wirtschaftsleistung, im OECD-Vergleich fragt die Union auch in ihrer Großen Anfrage. Diese liegen in Deutschland bei rund 10 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Österreich liegen sie um 30 Prozent höher, nämlich bei 13 Prozent.

Zurufdes Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Damit kann man dann auch ein höheres Rentenniveau bezahlen. Der Kern der Sache ist also der, dass wir uns hier um Verteilungsfragen kümmern müssen und uns nicht einfach beliebig einzelne Dinge irgendwo rauspicken können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie verteilen die Rentenleistung für andere Zwecke!

Ich hätte mir auch gewünscht, dass die Union eine ernsthafte Debatte auf der Grundlage der in ihrer Großen Anfrage gestellten Fragen eingeleitet hätte. Das wäre vernünftiger gewesen. Sie hätten ja zum Beispiel mal mit der Mär vom aufgeblähten Sozialstaat aufräumen können. Da gibt es zum Beispiel OECD-Zahlen, die zeigen, dass Deutschland zwischen 2002 und 2022 auf dem drittletzten Platz der OECD-Staaten steht, was den Zuwachs der Sozialausgaben anbelangt.

Mehr geht ja auch kaum!

Dann sieht man zum Beispiel auch: Wenn man öffentliche und private Ausgaben für Soziales zusammennimmt, haben die USA und die Niederlande einen größeren Sozialsektor als Deutschland. Das ist eine Tatsache.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Und dabei gibt es in den USA ein Gesundheitssystem, in dem alles privat bezahlt werden muss, das aber oft schlechtere Leistungen und eine höhere Sterblichkeit aufweist. Das ist auch eine Tatsache, die Sie hätten herausfinden können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

In Bezug auf die gesetzliche Rentenversicherung hätten Sie herausfinden können, dass der Anteil der Rentenausgaben am Bruttoinlandsprodukt, an der Wirtschaftsleistung also, über Jahre stabil geblieben ist. Das ist zum Beispiel in der Reihe „Rentenversicherung in Zeitreihen“, die von der Deutschen Rentenversicherung selbst herausgegeben wird, gut nachzulesen. Sie hätten sich den Bericht vom Bundesrechnungshof zu den versicherungsfremden Leistungen, der erst ein paar Monate alt ist und den wir kürzlich im Haushaltsausschuss diskutiert haben, angucken können. Dann hätten Sie sehen können, dass der Bundeszuschuss sehr wohl die versicherungsfremden Leistungen abdeckt, wenn man eine enge Abgrenzung der versicherungsfremden Leistungen vornimmt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Sie hätten sehen können, dass die Schwierigkeit eher darin besteht, festzulegen, was man wie zu den versicherungsfremden Leistungen zählt. Sie hätten genauso den Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung von 2023 nehmen können, um die Projektion über den Anstieg der Beitragssätze zu sehen, der nämlich im Vergleich zum demografischen Wandel und zur Alterung recht moderat ist. Sie hätten die seit 2007 halbjährlich erscheinenden Berichte der Bundesagentur für Arbeit über die Einschätzung der Finanzentwicklung nehmen können; auch das haben wir erst vor drei Wochen im Haushaltsausschuss genau besprochen. Und da Sie sich auch immer für die Migranten interessieren, hätten Sie sich gleichzeitig eine Studie der Techniker Krankenkasse ansehen können, wonach Zugewanderte doppelt so viele Beiträge bezahlen, wie sie an Leistungen in Anspruch nehmen, weil es nämlich meistens jüngere und gesündere Versicherte sind. Das ist also ein Zugewinn.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Und Sie hätten im Jahresgutachten 2022 des Sachverständigenrates für Integration und Migration nachlesen können, dass jeder sechste Erwerbstätige in den Gesundheits- und Pflegeberufen im Ausland geboren ist,

dass wir also eine Menge Stationen schließen müssten, wenn wir diese Arbeitskräfte nicht hätten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

So kann man es fortsetzen; mir fehlt die Zeit, um auf alle Punkte einzugehen.

Was haben die Rentner jetzt von Ihrer Rede?

Stattdessen wird hier ein Popanz aufgebaut. Leider spricht der Hauptgeschäftsführer der BDA, Steffen Kampeter, der ja auch ein Kollege hier war, CDU-Mitglied, von einem „Netto-Diebstahl“. Das muss man sich mal vorstellen: Da wird also der Einzug von Sozialversicherungsbeiträgen, die uns hier wichtige Leistungen bringen, mit einer Straftat verglichen. Wo sind wir denn da? Und das macht die BDA!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich finde außerdem: Wenn man sich hier über ein zu hohes Kostenniveau und dergleichen beschwert, dann darf man keine Verweigerungshaltung einnehmen, wenn es um Strukturreformen geht. Da nehme ich einmal die Krankenhausstrukturreform als Beispiel: Es ist ganz klar, dass wir auch im internationalen Vergleich eine ineffiziente Struktur haben, viel zu viele kleine Krankenhäuser, die nicht spezialisiert sind. Es gibt x Studien, die belegen, dass die Mortalität in diesen Krankenhäusern höher ist. Weil teilweise jeder Landkreis sein eigenes Krankenhaus haben will, blockieren bestimmte Bundesländer dann die Krankenhausstrukturreform; ich denke insbesondere an Bayern. Karl Lauterbach sagt: 60 Prozent der Krankenhäuser mit weniger als 150 Betten befinden sich in Bayern, und sie sind aufgrund ihrer geringen Größe, was ihre Leistung angeht, einfach nicht gut.

Das stimmt überhaupt nicht!

Das stimmt doch gar nicht, Herr Kurth! Die Krankenhäuser sind meistens besser!

Und Karl Lauterbach sagt auch: Die Ärzte, die dort arbeiten, würden sich selbst und ihre Angehörigen nie dorthin schicken. Solange man sich diesen Strukturveränderungen verweigert, hat man überhaupt keine Veranlassung, hier jetzt über zu hohe Kosten zu klagen,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

und erst recht nicht, die Ampel dafür verantwortlich zu machen.

Ich kann also wirklich nur befehlen – –

Entschuldigung. Ich kann nur empfehlen, dass Sie sich mit diesen öffentlich zugänglichen Fakten, von denen ich hier einige zusammengestellt habe, Ihre Anfrage selbst beantworten.

Danke.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Freud lässt grüßen!

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Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Erst gestern wurde eine Studie zur Entwicklung der Sozialversicherungsbeiträge veröffentlicht. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass 2035 eine Erhöhung der Beiträge von 7,5 Prozentpunkten zu erwarten ist. Dann hätten wir 48,6 Prozent insgesamt, und das nur im mittleren Szenario. Im schlimmsten Fall könnten es insgesamt sogar 50 Prozent werden. Da gibt es nichts schönzureden; das sind fatale Zahlen. Aber dass die Union so tut, als wäre das erst seit dieser Legislaturperiode so, ist natürlich völlig absurd.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

All unsere Sozialversicherungen sind nämlich abhängig von denselben Kriterien: zum einen von der Demografie und zum anderen vom Arbeitsmarkt. Wir haben die florierenden Jahre in den 2000er-Jahren nicht genutzt, um unser System breiter und auch unabhängiger aufzustellen. Es wäre Zeit gewesen, Risiken zu streuen und auch die Finanzierung am Kapitalmarkt zu nutzen, um Puffer für schlechtere Zeiten aufzubauen.

Nur bei der Pflegeversicherung hat man den Zahn der Zeit erkannt und 2015 einen Pflegevorsorgefonds aufgelegt – allerdings mit einem Haken: die Art der Anlage. Es gibt für die Anlage von Kapital eine Faustregel: 100 minus Alter. Das bedeutet: Ein 20-Jähriger sollte ungefähr 80 Prozent in Aktien investieren und ein 80-Jähriger nur noch 20 Prozent.

Als der Pflegevorsorgefonds 2015 aufgesetzt wurde, waren die geburtenstarken Jahrgänge gerade mal um 51 Jahre alt; trotzdem hat man sich dazu entschieden, den Aktienanteil auf 20 Prozent zu deckeln. Dadurch wurde enormes Renditepotenzial verschenkt, und insgesamt hat dieser Vorsorgefonds gar keine Rendite erzielt.

Deswegen wurde er auch aufgelöst!

Deswegen machen wir das jetzt bei der Rente!

Das könnte man besser machen, indem man aktiver am Kapitalmarkt anlegt und die Aktienquote deutlich erhöht. Das können wir auch noch jetzt machen.

Was machen Sie denn beim Pflegevorsorgefonds, Frau Schulz? Erzählen Sie uns das doch mal!

Wir haben die Quote im Übrigen auf 30 Prozent erhöht, und wir haben wahrscheinlich noch 20 bis 25 Jahre Zeit, bis die geburtenstarken Jahrgänge in die Pflegebedürftigkeit kommen. Insofern hat man da noch viele Möglichkeiten, etwas aufzubauen.

Beifallbei der FDP

Die Pflegeversicherung ist trotzdem schon einen Schritt weiter als alle anderen Sozialversicherungen. Wir wollen mit dem Generationenkapital einen weiteren Schritt in Richtung Kapitalmarkt schaffen,

Das ist ja die schlechteste Idee! Schuldenfinanziert! Ganz toll!

indem wir in diesem Jahr 12 Milliarden Euro investieren und einen Kapitalstock von über 200 Milliarden Euro aufbauen, der dann dazu führt, dass die Beitragsanstiege nicht mehr so hoch sind.

Überwiegend Schulden, Frau Schulz!

Denn was bedeutet eigentlich ein Beitragssatzpunkt in der Rentenversicherung? Er bedeutet Kosten in Höhe von knapp 8 Milliarden Euro durchschnittlich im Jahr für die Wirtschaft und 19 Euro für jeden Arbeitnehmer, der einen Durchschnittslohn hat.

Wenn wir wirklich im Jahr 2035 bei 7,5 Prozentpunkten mehr landen würden, hätte das zur Folge, dass die Wirtschaft mit 60 Milliarden Euro mehr im Jahr belastet würde, und jeder Arbeitnehmer, der einen Durchschnittslohn verdient, müsste sagenhafte 1 800 Euro mehr im Jahr zahlen.

Das wäre dann wieder ein Grund, dass sich Unternehmen zweimal überlegen, ob sie hier investieren, ob sie hier gründen. Und auch die Menschen, die wir hier gerne haben möchten, nämlich die hochqualifizierten Fachkräfte, die zuwandern und in den Arbeitsmarkt integriert werden sollten, würden sich überlegen, ob sie hierherkommen sollten. Stattdessen werden gut qualifizierte Menschen abwandern, wenn sie auf ihren Gehaltszettel gucken und mit Ernüchterung feststellen, dass vom Brutto nicht so viel netto übrigbleibt.

Ach! Tatsächlich?

Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Es ist deswegen Zeit für eine wirkliche Wirtschaftswende.

Bravo! Da bin ich mal gespannt, Frau Schulz, wie Ihre Wirtschaftswende ausschaut!

Denn unsere Sozialversicherungen hängen nicht nur von den Unternehmen ab, sondern auch davon, dass die Wirtschaft floriert. Wir brauchen gute Arbeitsplätze, um unser Sozialversicherungssystem auch weiterhin leistungsstark zu halten. Und mir ist ganz wichtig, dass wir in der Zukunft darauf aufpassen, uns wirklich mit der Wirtschaftswende zu beschäftigen und das Ganzheitliche sehen. Denn der Sozialstaat ist nicht gottgegeben – das sollte uns allen klar sein –; er ist hart erarbeitet.

Um in der Zukunft nachhaltige Sozialversicherung und mehr Wohlstand zu schaffen, müssen wir uns mit dem Wirtschaftswachstum beschäftigen,

Beifalldes Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

und dafür setzt sich meine Fraktion ein. Wir brauchen dringend eine Wirtschaftswende; dann klappt es auch wieder mit den Sozialversicherungen.

Vielen Dank.

Porträt von Stefan Nacke
Foto: Stefan Nacke/ Klaus Altevogt/ info@klausaltevogt.com
14 Vermerkeca. 398 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man so wie ich heute Morgen an der Fanmeile vorbeiradelt, kommt einem unweigerlich ein Gedanke: Das Sommermärchen ist zurück. Auf ein Sommermärchen anderer Art hoffen die Menschen vergeblich. Die Ampelregierung verharrt im Streit und hat keine langfristige Strategie für die Sozialversicherungssysteme.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie wir alle in der Schule gelernt haben, ist ein Märchen erst dann ein Märchen, wenn bestimmte Merkmale erfüllt sind: Es braucht Magie, Gut gegen Böse, Fantasiewesen, und am Schluss gewinnt das Gute. Ich will nichts vorwegnehmen, aber ich fürchte, dass die Maßnahmen oder eben Nichtmaßnahmen der Ampel zu keinem guten Ende für unsere Sozialversicherungssysteme führen.

Beifallbei der CDU/CSU

Auf der abfallenden Konjunkturkurve kommt die Geisterbahn in Fahrt. Im Märchenwald der Fortschrittskoalition wird man als Erstes hinter die Fichte geführt.

Heiterkeitbei der CDU/CSU

Unsere im Frühjahr gestellte Große Anfrage ist zum Debattenzeitpunkt heute noch nicht bearbeitet. Angekündigt ist die Antwort für November.

Wir haben einen Fachkräftemangel!

Das ist nicht nur schlechter Umgang mit der Opposition; das ist auch ein Zeichen mangelnden Respekts vor den Bürgerinnen und Bürgern und den Wählern.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Haushalt ist ein frisiertes Märchenbuch. Erst verlagert Bundesfinanzminister Lindner als tapferes Schneiderlein systematisch und bewusst gesamtgesellschaftliche Aufgaben auf die Beitragszahler,

Beifalldes Abg. Tino Sorge [CDU/CSU]

wie zum Beispiel die Zuständigkeiten für Rehaleistungen und berufliche Weiterbildung von den Jobcentern zu den Arbeitsagenturen.

Dem Räuber Hotzenplotz gleich greift er, in der einen Hand die Pfefferpistole, mit der anderen schamlos in die Nachhaltigkeitsrücklage der Rente durch Kürzung der Zuschüsse und riskiert so steigende Beiträge.

Bundesarbeitsminister Heil unkt als Froschkönig von Respekt und kündigt ganz nebenbei den Generationenvertrag auf – Dämpfungsfaktoren, die die SPD selbst eingeführt hat. Und im ewig angekündigten Rentenpaket II soll wie von Zauberhand der Ertrag eines auf Pump gefüllten kapitalgedeckten Fonds zukünftige Beitragssteigerungen reduzieren. Damit das ein Erfolg wird, bräuchte es eine unvorstellbar große Menge Magie; denn ein ähnliches Instrument in der Pflegeversicherung – der Pflegevorsorgefonds – wird zeitgleich von Gesundheitsminister Lauterbach im Stich gelassen.

Genau so ist es!

Ja! So ist es!

Dabei ist gute Politik keine Hexerei. Um die Sozialversicherungssysteme nachhaltig aufzustellen, braucht es nur den Willen, die Dynamik am Arbeitsmarkt bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung weiterzuentwickeln. Man muss halt in die Details gehen. Es geht um das Bürgergeld. Es geht um stärkeres Fördern und Fordern, um Integration, um eine neue Bundesagentur für Einwanderung,

Hört! Hört!

um Flexibilisierung von Wochenarbeitszeit,

Da sind die Lösungen!

um bessere Prävention und Rehabilitation zur Erhaltung der Erwerbsfähigkeit der Menschen.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Ampel, beenden Sie Ihre Märchenstunde! Werden Sie zum Füllkrug!

„Werden Sie zum Füllkrug!“ Der ist gut!

Bringen Sie den Ball endlich über die Linie, bevor das Spiel vorbei ist!

Beifallbei der CDU/CSU
4 VermerkeZwischenfrageca. 204 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Monstadt, es ist ja interessant, dass sich die Union plötzlich Sorgen um die nachhaltige Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme macht.

Ja, können Sie mal sehen!

Schon immer!

Interessant ist übrigens auch, dass Sie in Ihrer Rede keinen einzigen konkreten Vorschlag gemacht haben,

Regieren Sie oder wir?

wie Sie sich die nachhaltige Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme vorstellen.

Nicht überraschend ist aber, dass in Ihren Reihen, die ja doch recht spärlich besetzt sind – „großes“ Interesse am Thema; Sie haben die Debatte über dieses Thema ja auch zweimal verschoben; so wichtig scheint es Ihnen dann doch nicht zu sein –, auffällt, dass die Herren Gröhe und Spahn fehlen. Die interessieren sich nicht dafür. Dabei hätten sie allen Grund; denn Herr Gesundheitsminister a. D. Hermann Gröhe und sein Nachfolger Jens Spahn haben im Bundesgesundheitsministerium eine Politik gemacht nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine Damen und Herren, da sind Spahns Maskendeals ja nur der Gipfel des Eisbergs.

Sie haben einen Reformstau hinterlassen, den Karl Lauterbach jetzt wegräumen muss. Sie tragen die Verantwortung dafür, dass das Gesundheitssystem ineffizient geworden ist, wir zwar viel Geld investieren, aber nicht besonders viel herauskommt, was wir ja an der Lebenserwartung sehen, die im internationalen Vergleich in Deutschland nicht so steigt.

Was machen Sie?

ca. 1 WörterReaktionswert: ruhig
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Gerne.

Porträt von Tino Sorge
Foto: Tino Sorge/ Steven Vangermain
2 Vermerkeca. 94 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Herr Kollege Rosemann. – Mich würde einmal interessieren, ob Ihnen vielleicht entgangen ist, dass die Kollegen Spahn und Gröhe, die Sie hier adressieren, seit dieser Legislatur überhaupt nicht mehr im Gesundheitsbereich tätig sind. Das ist der erste Punkt.

Weil Sie darüber sprechen, dass bestimmte Kolleginnen und Kollegen angesichts der Wichtigkeit der Debatte hier anwesend sein sollten, würde ich gern von Ihnen wissen, wo sich denn Ihr geschätzter Herr Bundesgesundheitsminister – der aktuelle heißt Karl Lauterbach – gerade jetzt befindet.

Der Staatssekretär ist da!

Sie sagen, dieses Thema sei so wichtig. Aber er ist hier offensichtlich verschütt gegangen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Wo ist er denn?

9 Vermerkeca. 681 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Kollege Sorge, ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Sie offensichtlich nicht einmal wissen, dass Ihr Kollege Hermann Gröhe der für die Sozialpolitik zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist und Sie nun eine Große Anfrage zur Finanzsituation der sozialen Sicherungssysteme gemacht haben.

Wo ist denn Herr Lauterbach?

Ich kann nur sagen: Sie sollten, nachdem in den letzten Wochen, in den letzten Tagen die Verantwortung von Jens Spahn im Zusammenhang mit Maskendeals noch einmal ganz deutlich geworden ist – vermutlich ist ein Schaden von über 2 Milliarden Euro entstanden, ein Schaden für die Steuerzahler, den Ihr Herr Spahn zu verantworten hat –, an der Stelle ganz schön ruhig sein, Herr Sorge.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, meine Kollegin Tina Rudolph wird fachkundig noch mehr zur Gesundheitspolitik sagen.

Hört! Hört!

Ich will bei der Rente weitermachen.

Sie von der CDU/CSU haben in 16 Jahren Regierungsverantwortung die Bevölkerung im Unklaren darüber gelassen, wie Sie sich die Zukunft der Altersvorsorge eigentlich vorstellen. Wir konnten uns in der Großen Koalition trotz gemeinsamer Rentenkommission nicht auf Haltelinien für das Rentenniveau verständigen, weil Sie sich geweigert haben, sich an der Stelle festzulegen. Das neue Grundsatzprogramm der CDU schafft hier mehr Klarheit.

Zurufvon der CDU/CSU: Was ist denn Ihr Plan?

Zusammengefasst wollen Sie, dass die jüngere Generation länger arbeiten muss, und zwar alle länger als 67, höhere Beiträge zahlen muss und dafür dann noch ein geringeres Rentenniveau herausbekommt. Das, meine Damen und Herren, ist das Gegenteil von Generationengerechtigkeit. Deshalb geht die SPD, geht diese Regierung einen anderen Weg.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Was für einen denn?

Während Sie die gesetzliche Rente schlechtreden, sorgen wir dafür, dass sich auch die Jungen darauf verlassen können, dass die gesetzliche Rente das tragende Fundament der Altersvorsorge bleibt. Wir sichern das Rentenniveau langfristig auch für die junge Generation. Wir sorgen dafür, dass auch die heute jungen Beschäftigten sich darauf verlassen können, dass die Renten mit den Löhnen steigen werden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Und ja, meine Damen und Herren, es ist eine Herausforderung, dass in den kommenden Jahren die Babyboomer schrittweise in Rente gehen. Mit dem Generationenkapital werden wir für eine Entlastung der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler sorgen.

Stephan Stracke [CDU/CSU]: Da müssen Sie selber lachen!

Vor allem aber wissen wir heute, dass das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern in den kommenden Jahren sehr viel besser sein wird, als das noch vor zehn oder 15 Jahren prognostiziert worden ist.

2009 hat die damalige Regierung für 2023 einen Rentenbeitragssatz von 20,6 Prozent vorausgesagt. Tatsächlich liegt er seit Jahren stabil bei 18,6 Prozent. Und die Beitragssätze zur Sozialversicherung liegen heute bei knapp 41 Prozent. Um die Jahrtausendwende, nach 16 Jahren Kohl, lagen sie bei rund 42 Prozent, obwohl die Altersstruktur günstiger und die Lebenserwartung damals niedriger war. Das, meine Damen und Herren, liegt an der guten Arbeitsmarktentwicklung und daran, dass wir heute die höchste Zahl an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung haben, die es in Deutschland jemals gab.

Nicht wegen, sondern trotz!

Vor zehn Jahren rechnete man mit knapp 35 Millionen Beschäftigten. Tatsächlich sind es heute mit 40 Millionen rund 5 Millionen mehr. Das liegt an der zunehmenden Erwerbsbeteiligung von Frauen, daran, dass mehr Ältere arbeiten und dass sich das tatsächliche Rentenzugangsalter erhöht hat. Es liegt an der Zuwanderung, meine Damen und Herren. Der Anstieg der Beschäftigung in den letzten Jahren geht nämlich ausschließlich auf Ausländer zurück. Und er geht übrigens auch auf die zurück, die vor Krieg und Verfolgung zu uns geflüchtet sind und heute überwiegend in den Arbeitsmarkt integriert wurden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb wissen wir, dass es auf den Arbeitsmarkt ankommt, dass Arbeitsmarktpolitik entscheidend ist, dass gute Arbeitsmarktpolitik gute Rentenpolitik ist und dass es uns vor allem gelingen muss, die Fachkräftelücke zu schließen, die entsteht, wenn die Babyboomer in Rente gehen. Deswegen hat die Ampel ihre Fachkräftestrategie angepackt. Mit der Ausbildungsgarantie sorgen wir dafür, dass mehr junge Leute eine Perspektive bekommen. Mit weiteren Investitionen des Bundes in die Kinderbetreuung sorgen wir dafür, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser wird. Wir sorgen dafür, dass sich die Beschäftigung von Älteren lohnt. Wir sorgen mit mehr Prävention und Reha dafür, dass mehr Beschäftigte das Rentenalter gesund erreichen. Mit Maßnahmen zum inklusiven Arbeitsmarkt arbeiten wir daran, dass die Ressource Menschen mit Handicap endlich genutzt wird. Mit der Weiterbildungsförderung arbeiten wir daran, dass im Strukturwandel niemand verloren geht. Mit dem höheren Mindestlohn, mehr Tarifbindung und besseren Hinzuverdienstmöglichkeiten –

ca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– bei Bürgergeld und Kindergrundsicherung sorgen wir dafür, dass sich Arbeit auch mehr lohnt, mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz dafür, dass wir ein attraktives Einwanderungsland sind.

Porträt von Emmi Zeulner
Foto: Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens
5 Vermerkeca. 451 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Kollege Kurth, Sie haben ja gerade den Minister Karl Lauterbach zitiert, und auch ich zitiere ihn. Er hat nämlich formuliert, dass von seiner Krankenhausstrukturreform als Erstes die kleinen Krankenhäuser im ländlichen Raum profitieren. Ich muss Ihnen sagen: Genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb stimmt das nicht, was Sie hier gerade formuliert haben.

Lieber Herr Kurth, ich habe mich damit auseinandergesetzt. Sie haben verschiedene Statistiken zitiert, und ich zitiere auch hier wieder ein Interview mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vom 28. Mai 2024. Er sei verwundert – so hat er sich geäußert –, dass die Zahl der Pflegebedürftigen explodiert ist. Da sage ich: Ich wundere mich über einen Wissenschaftler, der sich darüber wundert; er hat auch keine Erklärung geliefert.

Er ist halt kein Wissenschaftler!

Er hat gesagt, das sei ein gewisser „Sandwicheffekt“, weil die Babyboomer jetzt in Pflege kämen. Dabei ist das schlicht falsch; denn die ersten Babyboomer sind jetzt 69 Jahre alt. Die Pflegebedürftigkeit tritt mit 75 Jahren ein – das bedeutet, wir haben 2030 einen ersten Schwung – und dann noch mal verstärkt mit 84 Jahren, also 2040. Das sind die knallharten Fakten.

Deswegen kann ich Karl Lauterbach schon beantworten, was der Grund dafür ist, dass die Pflegebedürftigkeit explodiert ist: Wir haben einen Kumulierungseffekt, weil die Menschen zum Glück älter werden. Wir haben es aber auch durch unseren Pflegebedürftigkeitsbegriff – damals zusammen mit der SPD eingeführt, aber auch von den Grünen unterstützt –

Hört! Hört!

Genau! Hört! Hört!

gut vorbereitet und die Zugänge auch für Menschen mit Demenz erweitert; deswegen kommen da entsprechend zusätzlich Pflegebedürftige hinzu.

Und natürlich haben wir aufgrund der wirtschaftlichen Lage auch eine höhere Inanspruchnahme des Pflegegeldes aus haushaltsökonomischer Sicht, weil es nämlich am Ende des Monats wirklich drückt und die Leute sich die Frage stellen: Was mache ich am Ende des Monats? Das alles kommt auch mit dazu.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich möchte Ihnen sagen: Das Papier zur Pflegeversicherung ist ja heute Mittag durchgestochen worden. Es wird nächste Woche im Kabinett behandelt und zeigt das Dilemma dieser Bundesregierung: In diesem durchgestochenen Papier werden nämlich fünf verschiedene Szenarien aufgezeigt, wie man dieses Thema angehen könnte. Und man hat das Dilemma deshalb, weil die einen sagen: „Auf keinen Fall einen Steuerzuschuss!“, und die anderen sagen: „Aber auf keinen Fall eine Erhöhung der Beitragszahlungen!“

Deswegen kann ich Ihnen nur sagen – darum haben wir auch die Große Anfrage gestellt –: Wie Sie sich einigen, müssen Sie schon herausfinden. – Und das fordern wir in der jetzigen prekären Lage auch ein.

Frau Köcher vom Allensbach-Institut, die ja nicht unbedingt immer zwingend der Pflege nahesteht, hat formuliert: Pflege ist die Schicksalsfrage unserer Zeit. – Wenn wir das Thema Pflege nicht lösen – und dazu gehören natürlich auch GKV und SPV –, dann geht Vertrauen in das System verloren, und dann haben wir eine ernsthafte Demokratiekrise.

4 VermerkeZwischenfrageca. 163 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen vor allem von der CDU/CSU-Fraktion! Wenn man auf elf Seiten 68 Einzelfragen auflistet, dann besteht die Möglichkeit, dass man total an der Materie interessiert ist:

Das nennt man „Serviceopposition“!

Man arbeitet sich rein, man setzt auf Erkenntnisgewinn und ist die „Serviceopposition“. Dann ist es aber auch ein bisschen komisch, dass man gar nicht die Antworten auf diese Fragen abwartet, sondern jetzt schon darauf besteht, dass wir hier diese Fragen diskutieren. Das kann man dann wohl eher als Arbeitsnachweis verbuchen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist die Aufgabe von Opposition übrigens!

Um, Herr Sorge, auch auf das von Ihnen angesprochene Phänomen der Abwesenheit unseres Gesundheitsministers zu sprechen zu kommen: Er hatte jetzt zwei Möglichkeiten: entweder Ihren Arbeitsnachweis hier zu diskutieren bzw. der Diskussion zu folgen oder jetzt aktuelle Gesundheitspolitik zu machen, nämlich an einer Verhandlungsrunde zu einem der Gesetze teilzunehmen, die wir in dieser Woche noch auf der Tagesordnung haben.

Was ist das denn für eine Selbstverzwergung, wenn man den eigenen Minister nicht im Parlament sehen will? Das ist ja die Selbstaufgabe! Das ist das Problem der SPD!

Ich bin sehr froh, dass der aktuelle Gesundheitsminister arbeitet und sich nicht in den Beschäftigungstherapien der sogenannten Serviceopposition ergeht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Emmi Zeulner [CDU/CSU] meldet sich zu einer Zwischenfrage
ca. 2 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Von wem?

1 Vermerkca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Von Frau Zeulner würde ich die Frage zulassen, ja.

Dr. Edgar Franke, Parl. Staatssekretär: Zwei Staatssekretäre sind hier!
Porträt von Emmi Zeulner
Foto: Emmi Zeulner/ Hendrik Steffens
3 Vermerkeca. 222 WörterReaktionswert: niedrig
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Lieber Kollege Franke, wir registrieren, dass zwei Staatssekretäre hier sind; das wissen wir auch sehr zu schätzen. Wir haben uns ja jetzt auch nicht mit Ihnen auseinandergesetzt, sondern mit dem Minister. Da ist ja auch in den eigenen Reihen manchmal ein Schmunzeln zu sehen und ein bisschen Kritik zu hören.

Weitere Zurufe von der SPD

– Nee, Sie stehen alle fest hinter Ihrem Gesundheitsminister, gut.

Also, Karl Lauterbach hat gesagt: „Wir brauchen uns jetzt nicht über die Zukunft der Finanzierung der GKV und der SPV unterhalten“, sondern er erwarte von der nächsten Bundesregierung, dass sie sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Ich meine, wir müssen uns jetzt sofort damit auseinandersetzen, und zwar am besten in dieser Minute,

Beifallbei der CDU/CSU

weil wir nämlich noch ungefähr ein Jahr haben, bis es eine angekündigte Wahl gibt – vielleicht auch vorher; wir werden sehen. Aber wir werden ein Konzept aus der Schublade holen müssen. Deswegen stellen wir diese Fragen; wir wollen uns mit ihnen auseinandersetzen.

Deswegen frage ich: Würden Sie denn eine Enquete-Kommission unterstützen, in der wir eben genau anschauen könnten, wie die Einnahmen und die Ausgaben sowie die Verfügbarkeit von Leistungen in den Sozialversicherungssystemen aussehen? Denn nur weil ich das Geld habe, bedeutet es ja nicht, dass ich in meiner Region beispielsweise die Kurzzeitpflege überhaupt vor Ort habe. Würden Sie eine solche Enquete-Kommission – nennen Sie sie, wie Sie wollen: „Pflege“, „sektorübergreifende Versorgung“ – unterstützen?

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
5 Vermerkeca. 409 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Ich muss mich erst mal bei allen Kolleginnen und Kollegen entschuldigen. Ich werde natürlich genauso lange antworten, wie es nötig ist, und das verlängert die Debatte dann entsprechend.

Macht nichts!

Ich würde tatsächlich davon abraten, für alle Probleme, die wir berechtigterweise diskutieren, einfach dieses Tuch Enquete-Kommission hier in den Raum zu hängen. Es ist ja nicht so, dass wir für die verschiedenen Fragestellungen nicht auch Konzepte hätten. Ein Konzept, das unsere Partei zum Beispiel seit Langem verfolgt – den Namen traut man sich fast gar nicht mehr auszusprechen, weil er in der öffentlichen Debatte so verbrannt ist –, ist die sogenannte Bürger/-innenversicherung.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es ist schon komisch, dass Abgeordnete Ihrer eigenen Fraktion dieses Konzept wieder rausziehen, es aber nicht in dem Moment nutzten, in dem sie selber Regierungsverantwortung trugen, sondern jetzt, wenn sie in der Opposition sind. Das können Sie sich gerne angucken. Es sind Ihre Kolleginnen und Kollegen, die das fordern und es total zu Recht als Antwort formulieren.

Also, es ist nicht so, dass wir uns nicht schon seit Jahren und Jahrzehnten Gedanken darüber gemacht hätten, wie wir die Einnahmeseite gut, gerecht und fair aufstellen, sodass die breiten Schultern eben auch mehr tragen, sodass alle gut versorgt sind und nicht die Folgekosten dann doch wieder bei der Gesellschaft hängen bleiben, wenn wir nämlich Menschen am Ende doch versorgen, weil auf dem Weg dahin viel schiefgegangen ist. Deswegen: Ja, die Konzepte gibt es. Aber eine Enquete-Kommission, glaube ich, brauchen wir in dem Zusammenhang nicht.

Um es für das Publikum vielleicht noch mal zu erläutern: Eine Enquete-Kommission ist in vielen Fällen gut, wenn man sich neu mit einem konkreten politischen Thema auseinandersetzen und dazu Sachverständige hören möchte. Aber es gibt auch so ein paar Themen, da ist sie eigentlich eher eine Selbstdarstellung von Politikerinnen und Politikern.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Jens Teutrine [FDP]

Man kann sich schön hinsetzen, Leute vorführen und angeblich versuchen, Dinge aufzuarbeiten, wobei man nicht berücksichtigt, was für einen Stand wir sowohl in der Wissenschaft als auch in der politischen Debatte schon haben.

In diesem konkreten Fall: Wir machen uns über diese Themen Gedanken. Wir diskutieren sie. Wir haben Konzepte, und zwar seit Jahrzehnten.

Wir konnten mit Ihnen viele leider nicht umsetzen. Deswegen wäre es gut – es ist schön, wenn es jetzt in Ansätzen die Offenheit dafür gibt –, eine solidarische Sozialversicherung mal konsequent zu Ende zu denken, was wir in der Zeit, in der die Möglichkeit dazu da gewesen wäre, eben nicht getan haben und so vieles nicht mit auf den Weg gebracht haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
13 Vermerkeca. 639 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Vielen Dank, Frau Kollegin. – Dann mache ich weiter mit der eigentlichen Rede.

Ich muss den Satz einfach noch mal sagen. Eigentlich sollte das Prinzip sein – ich dachte, das ist eigentlich eher ein konservatives –: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ bzw. „Handle in der Zeit, dann erntest du die Erfolge in der Not“.

Zurufvon der CDU/CSU: Hört! Hört!

Es gab Jahrzehnte, in denen die Situation eine andere und bessere war, in der wir uns nicht darauf vorbereitet haben. Zu behaupten, die Tatsache, dass die Versicherungsbeiträge jetzt in dieser Legislatur steigen, sei den paar Monaten bis wenigen Jahre seit Bestehen dieser Koalition geschuldet,

Ist so! Wirtschaft und Beiträge hängen nun mal zusammen!

ignoriert das jahrelange Rollen der demografischen Welle, auf das eben nicht entsprechend reagiert worden ist.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Die SPD war in den letzten Jahrzehnten an keiner Regierung beteiligt!

– Zur Anfrage habe ich jetzt, glaube ich, genug gesagt.

Ein Vorschlag, für den wir offen wären, wäre einer, der eben nicht nur etwas an der Ausgabenseite ändern würde. Denn man muss sich fragen: Welche Lösungen sind eigentlich in dieser Anfrage versteckt? Sie haben sie natürlich vor gewisse Vorzeichen gestellt. Sie wollen da auf etwas hinaus, und ich frage mich: Was ist das?

Entweder wir machen „Linke Tasche, rechte Tasche“. Wir nehmen jetzt vielleicht von dem einen Etat im Haushalt ein bisschen was weg und schieben das in den anderen rein; kann man machen. Das Geld fehlt uns dann aber an einer anderen Stelle. Oder – das ist, glaube ich, worauf Sie eigentlich hinauswollen; denn das kam immer mal wieder von der Union – wir reden über Leistungskürzungen.

Nein, das stimmt überhaupt nicht! Das ist eine böse Unterstellung!

Eigentlich reden wir darüber, dass wir nicht mehr allen Menschen die gleiche gesundheitliche Versorgung angedeihen lassen, dass wir Menschen nicht so versorgen, wie wir das eigentlich möchten, um dann damit einzusparen.

Es geht um ein effektiveres System, nicht um Leistungskürzungen!

Genau das Gegenteil ist richtig: Wir müssen investieren, in Gesundheit, in Prävention. Das sind die Bereiche, in denen wir in den letzten Jahren vielleicht auch ein bisschen zu wenig Geld in die Hand genommen haben, gerade in der Prävention. Trotzdem ist es diese Regierung, die jetzt gerade einen hohen Reformstau bewältigt. Es ist dieser Minister, der die Dinge gerade angeht. Und ich brauche, glaube ich, niemandem mehr zu erklären, gegen welchen öffentlichen Druck das teilweise geschieht.

Weil es schlecht ist!

Es wurde von einigen heute schon betont, wie sinnvoll, wie wichtig und vor allem wie alternativlos die Krankenhausreform im Gesundheitswesen ist.

Aber dann bitte richtig!

Es geht um das Wie!

Es ist dann schon komisch, wenn man sich hinstellt und sagt: Genau das brauchen wir. Wir müssen die Ressourcen sparen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir auch morgen genug Fachkräfte haben. Wir können nicht mehr Geld hineinstecken als das, was wir im Vergleich zu anderen Staaten prozentual vom Bruttoinlandsprodukt ohnehin schon hineinstecken. – Wir müssen da einfach ehrlich sein, dass wir an die Strukturen heranmüssen. Da kann man nicht auf der einen Seite das eine fordern und auf der anderen Seite in jedem Einzelfall doch wieder dagegen argumentieren, weil es sich draußen richtig anfühlt.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Deswegen: Liebe Union, ich würde mit dem Mantra schließen wollen, das wir dann immer sagen: Erst kommt das Land, dann die Partei.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stephan Thomae [FDP]
Lachenbei der CDU/CSU und der AfD

Es kann total sein, dass wir, dass dieser Gesundheitsminister in dieser Legislatur Dinge auf den Weg bringen wird, deren Erfolge wir nicht mehr ernten. Und ich glaube, ich hoffe, ich bin mir sehr sicher, dass wir uns in fünf, in zehn Jahren umdrehen und sagen werden: Es wäre richtig schiefgelaufen, wenn wir zum Beispiel diese Reform jetzt nicht gemacht hätten.

Und wenn dann Sie hier sitzen und ich vielleicht nicht mehr, werde ich mich vielleicht ein kleines bisschen ärgern, aber eigentlich nicht so sehr, weil es sinnvoller und richtiger ist, dass die Dinge, die gemacht werden müssen, gemacht werden.

Erst kommt das Land, dann die Partei. Es geht darum, dass wir uns richtig aufstellen.

Sie brauchen sich nicht mehr aufzustellen!

Es geht darum, die Gesundheitsversorgung für die Menschen weiterhin zu sichern, nicht mit Schaufensterdebatten, sondern mit dem, was wir hier tatsächlich tun, niemanden in Angst zu versetzen, sondern die richtigen Wege zu gehen. Und das machen wir weiterhin, solange wir das können.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
8 Vermerkeca. 351 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein gut funktionierender Sozialstaat ist ein hohes Gut, das wir den Menschen versprechen können. Dass wir sie gegen die Risiken des Lebens als Solidargemeinschaft absichern, ist ein hohes Gut. Und wer nicht merkt, dass aufgrund eines immer weiteren Abbaus dieser Leistungen, demokratiegefährdende Tendenzen in Deutschland entstanden sind, der hat die Ergebnisse der Europawahl nicht verstanden.

Beifallbeim BSW

Die Antwort, liebe Union, kann aber doch nicht sein, dass wir jetzt eine Debatte führen, ob 40 Prozent oder mehr zu viel oder zu wenig ist. Die Debatte muss doch immer sein: Was kann diese Gemeinschaft solidarisch für die Menschen bewirken?

Beifallbeim BSW

Ich sage Ihnen noch einmal: Wer in dieser Phase die Axt an den Sozialstaat legt, wie es die Union vorhat,

Machen wir nicht!

der hat die Zeichen der Zeit wirklich nicht erkannt.

Beifallbeim BSW

Was erzählen Sie denn da, Herr Ulrich?

All das, was Sie vorschlagen, führt dazu, dass wir Leistungen kürzen, dass die Menschen länger arbeiten müssen, dass das Rentenniveau abgesenkt wird, dass noch mehr Krankenhäuser geschlossen werden müssen, dass die Menschen nur noch eine Grundversorgung der Krankenversicherung bekommen, und die Reichen können sich noch mehr leisten. Das alles lehnt das Bündnis Sahra Wagenknecht ab.

Beifallbeim BSW

Die Union zeigt ihr wahres Gesicht; das ist vor der nächsten Bundestagswahl gut.

Beifallbeim BSW

Denn was Sie hier machen, ist unehrlich. Sie beklagen, dass die Summe der Beitragssätze 40 Prozent überschreitet, sagen aber mit keinem Wort: Wo soll die Gegenfinanzierung herkommen? Wie sollen die Leistungen denn tatsächlich erbracht werden? Dann sagen Sie doch den Menschen: Sie wollen, dass sie bis 70 arbeiten. Sagen Sie doch den Menschen auch die anderen Wahrheiten; aber das getrauen Sie sich nicht. Sie führen eine Scheindebatte um 40 Prozent Sozialversicherungsbeiträge, obwohl sie im internationalen Vergleich gar nicht so hoch sind.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Der grüne Kollege hat es dankenswerterweise schon gesagt: Wenn man sich die Industrieländer im 20-Jahres-Vergleich anschaut, stellt man fest, dass Deutschland bei den Sozialleistungen an drittniedrigster Stelle steht. Insgesamt sind wir bei der Sozialstaatsquote bei den vergleichbaren Ländern im Mittelfeld. Also, wer da von einem Wettbewerbsnachteil redet, will den Menschen ein X für ein U vormachen.

Beifallbeim BSW

Noch einmal: Sie wollen die Leistungen für die Menschen in diesem Land verschlechtern.

2 Vermerkeca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir brauchen das Gegenteil, zum Beispiel eine Rentenversicherung nach österreichischem Vorbild.

Vielen Dank.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Peter Felser
Foto: Peter Felser
5 Vermerkeca. 447 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Gäste! Vorgestern, am Montag, war es 500 Jahre her, dass die Bauernaufstände in Deutschland begonnen haben. Heute ist es fünf oder sechs Monate her, dass sich in Deutschland friedlich, demokratisch, aber mit Vehemenz die Bauern auf der Straße zu Wort gemeldet haben. Das war für unsere Verhältnisse einmalig. Das war mutig. Die Landwirte in Polen, Dänemark und Frankreich, alle sind sie ebenfalls gegen die komplett verfehlte Agrarpolitik auf die Straße gegangen, und das war gut so.

Beifallbei der AfD

Liebe Kollegen, es ist eine Schande, dass zwar viel geredet wurde über die Not der Bauern, dass es aber im Kern überhaupt kein Entgegenkommen gegeben hat. Nichts, Nullkommanichts hat sich für unsere Landwirte geändert. Das ist die unerträgliche Politik dieser Ampel.

Beifallbei der AfD

Heute haben Sie die Möglichkeit, ganz konkret, schnell und unbürokratisch Hilfe für die Bauern zu bringen.

Mit unserem Antrag unterstützen wir vor allem die Betriebe mit Sonderkulturen. Die Produktion von Obst, Gemüse, Wein oder Hopfen ist immens arbeitsintensiv – das wissen Sie –: bis zu 5 000 Arbeitsstunden pro Hektar und mehr. Über die Hälfte der Produktionskosten entfallen auf Personalkosten. Dieser enorme Aufwand ist nur durch die fleißigen Hände zahlreicher Saisonarbeitskräfte leistbar. Dafür möchte ich an dieser Stelle im Namen der Bauern Danke sagen. Aber wie kann das sein: Wir hören immer wieder, wie segensreich die EU für unsere Betriebe sein soll. Gleichzeitig haben wir völlig unterschiedliche Bedingungen. Ein Obstbauer bei mir im Allgäu zahlt den Saisonarbeitern einen Mindestlohn von über 12 Euro, spanische Bauern zahlen gerade mal die Hälfte, italienische Betriebe kennen gar keinen Mindestlohn. Wie soll das funktionieren? Das ist dermaßen wettbewerbsverzerrend. Das kann nicht funktionieren.

Beifallbei der AfD

Die AfD ist gegen den Mindestlohn! Das ist ja nichts Neues!

Deswegen hören diese Bauern auf; sie müssen aufhören. Ich war vor Ort bei den Obstbauern am Bodensee. Es wird einfach nicht mehr investiert. Es bleibt kein Geld übrig für Investitionen. Das ist ein schleichender Prozess. Mir hat man gesagt: In spätestens acht Jahren ist dort Schluss.

Aber, liebe Kollegen, jetzt, heute können wir die Hofschließungen noch stoppen. Unser Antrag ist nicht nur eine Soforthilfe für unsere Bauern. Unser Antrag ist auch strategisch so wichtig. Wir müssen doch unseren Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse nicht nur auf dem niedrigen Niveau von 25 bis 30 Prozent halten, sondern müssen ihn zukünftig ausbauen. Haben Sie denn aus dem Zusammenbruch der Lieferketten bei Corona gar nichts gelernt? Haben Sie nichts verstanden, wenn in unserer unmittelbaren Nachbarschaft in Europa ein Krieg tobt?

Mit unserem Antrag werden die Weichen dafür gestellt, dass unsere Landwirte eine Zukunft haben, dass nicht noch mehr Betriebe mit Sonderkulturen aufhören müssen. Liebe Kollegen von der Union, ducken Sie sich heute bitte nicht wieder weg! Zeigen Sie Verantwortung! Unterstützen Sie die Bauern mit diesem Antrag!

Danke schön.

Beifallbei der AfD
9 Vermerkeca. 362 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen und Gruppen! Wenn es sein muss, dann sage ich es immer und immer wieder: Der Mindestlohn ist die unterste Haltelinie. Er ist laut Definition der niedrigste gesetzlich erlaubte Lohn. Darunter gibt es nichts; denn jegliche Arbeit hat ihren Wert. Auch Erntearbeit muss ordentlich bezahlt werden. Das gilt definitiv auch für Menschen aus anderen Ländern. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Dann gibt es auch noch den Gleichbehandlungsgrundsatz. Es darf also niemand einfach so, ohne Grund schlechter bezahlt werden. Auch das EU-Recht, die Arbeitnehmerfreizügigkeit verbietet, dass EU-Arbeitnehmer/-innen aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit schlechtergestellt werden. Und das ist richtig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dr. Daniela De Ridder [SPD]

Denn warum sollen ausländische Saisonarbeitskräfte schlechter bezahlt werden? Ist ihre Arbeit weniger wert? Sind sie weniger produktiv, oder sind sie gar Beschäftigte zweiter Klasse? Natürlich nicht. Das, was Sie, die AfD, heute hier fordern, ist nichts anderes als Diskriminierung. Und das geht nicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie der Abg. Carl-Julius Cronenberg [FDP] und Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Das können Sie, die AfD, aber natürlich nicht nachvollziehen; denn Diskriminierung ist ja bei Ihnen Programm. Das ist hier im Hohen Haus immer wieder nur schwer zu ertragen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Bleiben Sie zu Hause! Dann müssen Sie es nicht ertragen!

Zuwanderung will die AfD verhindern, billige Saisonarbeitskräfte aber sollen kommen, natürlich nur kurzfristig, schlecht bezahlt und sozial nicht abgesichert. Die Frage, wie das gehen soll, dass die Saisonarbeitskräfte trotzdem noch nach Deutschland kommen – wir brauchen sie ja –, obwohl sie in anderen Ländern, in anderen Branchen mehr verdienen würden, interessiert die AfD natürlich kein bisschen.

Freie Marktwirtschaft!

Das zeigt: AfD-Politik muss nicht logisch und auch nicht vorausschauend sein. Hauptsache, es trifft die Menschen aus dem Ausland. So eine Politik ist billig.

Wir jedenfalls wollen gute Arbeitsbedingungen für Saisonarbeitskräfte. Deshalb haben wir ja gerade erst das ILO-Übereinkommen 184 ratifiziert, das den Beschäftigten in der Landwirtschaft weltweit grundlegende Rechte einräumt. Dabei geht es beispielsweise um die Rechte von jungen Menschen. Es geht darum, Arbeitszeiten zu begrenzen, vor Chemikalien zu schützen und die Menschen bei Arbeitsunfällen abzusichern. Und dazu gehört natürlich auch – ganz zentral – eine gerechte und faire Entlohnung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Als 2014 der Mindestlohn eingeführt wurde, hat es der DGB wunderbar auf den Punkt gebracht, und zwar mit den Worten: „Würde kennt keine Ausnahmen!“ Das gilt noch immer, und das passt heute, in dieser Debatte, wieder.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Carl-Julius Cronenberg [FDP]
27 Vermerkeca. 628 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Anträge der AfD-Fraktion sind meist ohne Substanz und daher kaum eine Bereicherung der parlamentarischen Debatten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Aber sie bieten mitunter den Vorteil, dass man erkennt, wes Geistes Kind Sie sind und wie widersprüchlich Ihre Positionen sind,

Man merkt, mit wem Sie koalieren! Hat schon abgefärbt!

so auch der vorliegende Antrag. Deshalb eines vorab: Wenn die AfD glaubt, unsere Bauern

Das sind nicht Ihre Bauern!

könnten den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Betriebe auf das Unterlaufen von Mindeststandards bei Lohn- oder Arbeitsbedingungen gründen, dann ist sie aber mächtig auf dem Holzweg.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Solche kruden Rettungsfantasien der AfD braucht kein Mensch.

Im Übrigen steht im AfD-Grundsatzprogramm, der gesetzliche Mindestlohn schütze Niedriglohnempfänger vor Lohndruck durch Migration. Oha!

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Stephan Thomae [FDP], an die AfD gewandt: Das steht bei euch drin?

Dass ausländische Arbeitskräfte in der Vorstellungswelt der AfD minderwertig sein mögen und deshalb schlechter bezahlt werden dürfen,

Nee, die haben einen anderen Rechtsstatus!

war erwartbar. Aber wie passt das, also Mindestlohn als Schutz vor Lohndruck durch Migration, bitte schön zum vorliegenden Antrag?

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die FDP jetzt als Anwalt der kleinen Leute! Ich lach mich schlapp! Die Ausbeuterpartei!

Sie wollen also lieber einen Ausländer richtig schlecht bezahlen als Studenten, Rentner oder Bürgergeldempfänger zum Mindestlohn, also ausländische und inländische Beschäftigte aufgrund des Wohnorts unterschiedlich bezahlen? Was ist das für ein Menschenbild? Vor diesen Karren lassen sich unsere Landwirte jedenfalls nicht spannen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]
Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Interessant war auch die Mindestlohndebatte im letzten November. Da wird von der AfD in der gleichen Debatte – in der gleichen Debatte! – erst die Erhöhung des Mindestlohns durch Verzicht auf Anrechnung von Zulagen gefordert,

dann der Antrag auf 14 Euro Mindestlohn abgelehnt und schließlich festgestellt, dass eine starke Mindestlohnerhöhung den Mittelstand überfordert. Ja, was denn nun? Sind Sie für eine Erhöhung, gegen eine Erhöhung

Das wissen die nicht!

oder für eine Erhöhung, aber nicht für alle?

Ja! Einfach nach dem Mund reden!

Ihre Mindestlohnkakophonie offenbart in Wahrheit eines: Der AfD ist keine These zu steil, um Beschäftigte und Betriebe zu verunsichern. Das schadet diesem Land, das die AfD angeblich retten will.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Machen Sie doch mal einen konkreten Vorschlag jetzt! Genug AfD-Bashing! Mal zur Sache!

Verlassen wir die steilen Thesen der AfD und blicken auf die Betriebe mit Sonderkulturen!

Bei Obst sind die Ernten seit fünf Jahren auf gleichem Niveau und die Marktanteile der inländischen Erzeuger stabil.

Die Produktion wird aber immer teurer!

Beim Spargel ist der Absatz in der Saison 2022 um 8 Prozent gesunken – in der Spargelsaison, also vor der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns. Wein leidet unter krassem Überangebot; gleichzeitig sinkt der Konsum. Niedrige Gewinne sind ungünstiger Marktentwicklung geschuldet. Der Hopfenanbau leidet unter zwei historisch schlechten Ernten – wohl kaum wegen des Mindestlohns.

Na, vielleicht doch!

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ja, es gibt Betriebe, die die kräftige Mindestlohnerhöhung im Oktober 2022 vor große Herausforderungen gestellt hat. Aber solche Betriebe gibt es auch in der Gastronomie oder im Reinigungsgewerbe; auch da werden ausländische Saisonkräfte eingesetzt. Wer bekommt jetzt Ausnahmen, wer nicht?

Der AfD-Ansatz, am Mindestlohn herumzufuhrwerken, taugt nicht. Was landwirtschaftlichen Betrieben, und zwar allen – nicht nur denen mit Sonderkulturen –, wirklich hilft, ist Entlastung von Bürokratie und zu hohen Steuern.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des Abg. Wilfried Oellers [CDU/CSU]
Zurufvon der AfD: Ja, dann machen Sie doch mal!

Deshalb hat die Koalition diese Woche ein Agrarpaket mit weitreichenden Entlastungen auf den Weg gebracht:

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Aber was für eins!

Erstens. Pflicht zur Stilllegung von 4 Prozent der Ackerfläche: wird abgeschafft.

Bei Weitem keine Kompensation der Mehrbelastungen!

Zweitens. Genehmigungsverfahren bei Grünlandumwandlung: wird abgeschafft.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Wir korrigieren die Belastungen der Union!

Drittens. Steuersenkung durch Gewinnglättung: wird umgesetzt. Schwankende Ernten führen nicht mehr zu überhöhten Steuern.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Nicht klatschen! Machen!

Auch davor haben wir schon viel für die Landwirte gemacht, lieber Kollege Oellers. Wir haben beispielsweise die Buchführungspflicht für kleinere Betriebe abgeschafft. Wir haben das Glyphosatverbot zurückgenommen.

Beifallbei der FDP

Lächerlich, was Sie da reden!

Und wir haben das Baurecht bei Stallumbauten entschlackt

So geht Entbürokratisierung!

und Hürden beim Ausbau der Erneuerbaren gesenkt; ich will gar nicht davon anfangen. Alles das sind die Maßnahmen, die wirklich helfen, liebe Kolleginnen und Kollegen, und wir sind noch lange nicht fertig damit.

Wer hingegen die Debatte um die richtigen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft auf Ausnahmeregelungen beim Mindestlohn verengt, der hat doch ganz offensichtlich die wahre Dimension der Herausforderungen in der Landwirtschaft noch gar nicht begriffen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Das war auch nicht zu erwarten!

Strukturwandel ist anstrengend. Aber ich weiß aus meiner Heimat im Sauerland, dass die Landwirte dazu bereit sind – unter einer Bedingung: dass Politik den Bäuerinnen und Bauern das Freiheitsvertrauen entgegenbringt, das sie verdienen.

Das ist unfassbar!

Was gut für Vieh und Äcker ist, wissen die Landwirte selbst und Brüsseler Bürokraten nicht.

Porträt von Natalie Pawlik
Foto: Natalie Pawlik/ Photothek Media Lab
8 Vermerkeca. 371 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zum Schluss der Debatte möchte ich doch gerne einmal betonen, dass sich das Leid und die Not von Landwirtinnen und Landwirten nicht durch mehr Leid und mehr Not der Saisonbeschäftigten beseitigen lässt.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vielmehr offenbart die AfD mit ihrem Antrag ihren schlechten politischen Stil. Sie greifen komplexe Probleme auf und liefern platte, populistische vermeintliche Lösungen, die jedoch nie die Ursachen des Problems angehen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Zurufvon der AfD

Sie nutzen die Unsicherheit und Herausforderungen in Teilen der Landwirtschaft, um ausländischen Saisonbeschäftigten den gesetzlichen Mindestlohn zu entziehen,

Zurufvon der AfD: Und was ist mit dem Bauernverband?

also denen, die sowieso schon wenig haben, die bis zu zwölf Stunden am Tag bei Wind und Wetter auf den Feldern stehen und Spargel stechen oder Erdbeeren pflücken. Doch das werden wir niemals zulassen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD: Deshalb sind Sie auch bald nicht mehr hier!

Zur Realität gehört auch, dass ein Großteil – im Grunde die überwiegende Mehrheit – der Bäuerinnen und Bauern, der Landwirtinnen und Landwirte ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut behandelt und ihnen mehr als den Mindestlohn bezahlt, weil sie auf gute Beschäftigte angewiesen sind,

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Genau so! So ist es! Sehr gut!

weil sie mit anderen Betrieben – nicht nur in Deutschland – um gute Arbeitskräfte konkurrieren. Wir wissen aber natürlich auch, dass die Situation der Landwirtinnen und Landwirte nicht einfach ist. Deswegen unterstützen wir sie auch bei den Saisonbeschäftigten. Wenn zum Beispiel ein Landwirt Arbeitskräfte bis zu 70 Tage anstellt, sie also kurzfristig beschäftigt sind, dann hat er keine Sozialversicherungskosten. Wir unterstützen sie aber auch durch Sonderregelungen zur Arbeitszeit, sodass auf den Feldern bis zu zwölf Stunden am Tag gearbeitet werden kann. Und zur Wahrheit gehört auch, dass Unterkunft oder Verpflegung bereits jetzt auf den Mindestlohn angerechnet werden können,

Genau, ja!

sodass dieser am Ende doch unterschritten werden kann.

Wir haben den Mindestlohn seinerzeit, 2015, eingeführt. Er stellt eine Lohnuntergrenze dar, um Ausbeutung zu verhindern. Dabei unterscheiden wir nicht zwischen Geschlecht, Nationalität oder Berufsgruppen. Es geht um Respekt für harte Arbeit und um die Menschen, die dieses Land voranbringen. Da kann es keine Ausnahmen geben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Wer Landwirtinnen und Landwirten wirklich helfen will, der spricht über konkrete Entlastungen, der spricht über einen fairen Wettbewerb, der spricht darüber, wie wir die Landwirtschaft in Zeiten des Wandels unterstützen können – der macht das aber nicht auf dem Rücken der Schwächsten im Glied. Von daher lehnen wir diesen Antrag ab.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und einen schönen Feierabend!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Sehr schön, Natalie!

10 VermerkeZwischenfrageca. 603 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Statt Polemik doch lieber ein paar Fakten: Im Jahr 2023 waren in Deutschland 876 000 Arbeitskräfte in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau beschäftigt. Von diesen Beschäftigten waren 243 000 Saisonarbeitskräfte; das ist rund ein Drittel. Saisonarbeiterinnen und Saisonarbeiter sind tatsächlich nur für einen begrenzten Zeitraum tätig. Ihre Arbeit wird nicht das ganze Jahr über ausgeübt und hat daher saisonalen Charakter. Diese Saisonalität hängt entweder vom Wetter oder vom Kaufverhalten ab. Ganz simpel gesagt: Im Winter wird kein Spargel gestochen und im Sommer kein Silvesterfeuerwerk verkauft.

In Deutschland kommen Saisonarbeiter/-innen überwiegend aus Polen, Rumänien, Bulgarien oder Ungarn. Sie nutzen die Freizügigkeit innerhalb der EU. Die von Saisonarbeitskräften geleistete Arbeit ist in unseren grünen Betrieben unabdingbar, wenn wir die Ernährung unserer Bevölkerung sicherstellen wollen. Dabei handelt es sich häufig um harte körperliche Arbeit. Der gesetzliche Mindestlohn gilt für alle Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau gleichermaßen, für ausländische wie auch für inländische Beschäftigte. Aktuell – für die, die es nicht wissen – beträgt dieser Mindestlohn 12,41 Euro. Ab 1. Januar des kommenden Jahres wird er auf 12,82 Euro steigen.

Viel zu wenig!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Saisonarbeitskräfte sind nicht zu beneiden; denn Saisonarbeit findet nicht selten unter prekären Bedingungen statt. Hierzu gehören insbesondere extrem kurze Kündigungsfristen, eine mögliche Ausdehnung der Arbeitszeit auf bis zu 12 Stunden täglich – das ist wirklich bitter –, hohe Unterbringungskosten,

Bei harter Arbeit!

die oft vom Lohn abgezogen werden, Beschäftigung ohne langfristige soziale Absicherung, Bezahlung oft erst am Ende der Saison und oft die faktische Unterschreitung des Mindestlohns. Das ist nicht gut, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Das macht die Gewerkschaft IG BAU deutlich, die dankenswerterweise dieses Thema immer wieder auf die Agenda setzt.

Es ist gut, dass die Minister Hubertus Heil und Cem Özdemir bei ihren jeweiligen Ministerien zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit Vermittlungsabsprachen mit Georgien und der Republik Moldau getroffen haben, um die Arbeitsbedingungen für Saisonarbeitskräfte zu verbessern.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wie hoch ist denn da der Mindestlohn?

Ebenso wichtig ist es, dass die IG BAU gleichzeitig die transnationale Zusammenarbeit fördert und mit den jeweiligen Gewerkschaften in Polen, Bulgarien und Rumänien Kooperationsabkommen für die Saisonarbeit abgeschlossen hat.

Beifallder Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Mit ihrem Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen, strebt die AfD nun die drastische Reduktion oder gar die De-facto-Abschaffung des Mindestlohns für ausländische – das betont sie ausdrücklich – Saisonarbeiterinnen und -arbeiter beim heimischen Obst-, Gemüse-, Wein- und Hopfenanbau an. Sie will mit ihrem Antrag eine neue Form der Tagelöhnerschaft kreieren; denn eine Absenkung des Mindestlohnes würde den ausländischen Saisonarbeiterinnen und Saisonarbeitern, so die AfD wörtlich, „nicht schaden, da diese ja nach wie vor frei darüber entscheiden können, ob sie und zu welchem Lohn sie eine Arbeitsstelle annehmen“ wollen. Auch seien sie frei, jederzeit diese Löhne zu verhandeln. Ein klein wenig zynisch sind Sie schon, nicht wahr?

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Bernd Schattner [AfD]

Der AfD-Antrag ist für beide Seiten schädlich. Er ist schädlich für die ausländischen Saisonarbeiterinnen und -arbeiter, denen Sie aufbürden, so wie in der Großen Depression in den USA der 1930er-Jahre am Straßenrand stehend zu Dumpingpreisen ihre Arbeitskraft anzubieten.

Realitätsfern, was Sie da erzählen!

Und er ist schädlich für unsere Landwirte, weil sie mit jedem Einzelnen und vermutlich sogar täglich neu den Lohn verhandeln müssen. Glauben Sie also wirklich, dies dient der Erleichterung unserer Obst- und Gemüsebauern oder unserer Winzer? Ich frage mich, in welcher Realität Sie leben.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Ihre Vorschläge, mehr noch Ihre Haltung und Ihr Menschenbild sind so weit weg von unserer landwirtschaftlichen Praxis, dass ich glatt versucht bin, Ihnen vorzuschlagen: Machen Sie doch mal ein Praktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb!

Abg. Frank Rinck [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Gehen Sie in den Gartenbau! Arbeiten Sie bei einem Winzer! Sie werden sehen: Das hat mit der Realität, die Sie dort vorfinden, nichts zu tun.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
3 Vermerkeca. 26 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ihre Forderungen erinnern an vormoderne Zeiten und vernachlässigen zugleich den europäischen Binnenmarkt.

Die Zeit ist um!

Aber Sie wollen ja kein Europa. Das machen Sie deutlich.

Vielen Dank, Frau Präsidentin.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Wilfried Oellers
Foto: Wilfried Oellers/ Tobias Koch
4 VermerkeZwischenfrageca. 201 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Situation der Landwirtschaft ist bedrohlich, so wie derzeit die der gesamten Wirtschaft. Die Landwirtschaft wird in dieser Legislaturperiode von der Ampel jedoch ganz besonders belastet. Da sind zunächst die allgemeinen Belastungen für die gesamte Wirtschaft zu nennen, wie zum Beispiel die höheren Energiekosten, Bürokratie und Dokumentation. Aber bei der Landwirtschaft hat sich die Ampel besondere Belastungen ausgedacht. Das verwundert umso mehr, als die FDP sich in der letzten Legislaturperiode noch als Wächterin der Landwirtschaft dargestellt hat.

Jetzt weiß sie davon nichts mehr und lässt SPD und Grüne mit ihrer bauernfeindlichen Politik frei gewähren. Unter der Ampelregierung geht es den Bauern um ein Vielfaches schlechter als unter allen Vorgängerregierungen der vorherigen 16 Jahre.

Beifallbei der CDU/CSU

Bei diesen zusätzlichen Belastungen ist insbesondere das Thema Agrardiesel zu nennen. Wir in der Union haben stets erfolgreich dafür gekämpft, dass diese steuerliche Vergünstigung nicht abgeschafft wird. Die SPD wollte das immer schon.

Zurufdes Abg. Bernd Schattner [AfD]

Nun haben SPD und Grüne in der FDP einen verlässlichen Partner gefunden, diese für die Konkurrenzfähigkeit der Landwirtschaft so wichtige Entlastung abzuschaffen.

Abg. Frank Rinck [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Dann wird groß angekündigt, dass für die Landwirtschaft ein steuerliches Entlastungspaket geschnürt wird. Und was passiert bis heute? Nichts.

Porträt von Wilfried Oellers
Foto: Wilfried Oellers/ Tobias Koch
11 Vermerkeca. 444 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Nein. – Im Bereich der baulichen Vorgaben, der Ställe, erlässt die Ampel immer wieder schärfere Regelungen. Das gibt keine Planungssicherheit und Verlässlichkeit bei derart großen Investitionen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir haben im Bundestag beispielsweise für die Beibehaltung der Steuerbefreiung beim Agrardiesel, spürbare Entlastungen bei der Dokumentation, aber auch für langfristige Planungssicherheit für Tierhalter und Stallumbauten geworben und dies gefordert, aber vergeblich. Die Ampel hat alle unsere Vorschläge abgelehnt.

Das hat doch die Union in Brüssel durchgesetzt! So habe ich das im Kopf!

Eine weitere Herausforderung für die Landwirtschaft stellt natürlich auch der Mindestlohn dar. Die Tätigkeiten im Bereich der Erntehelfer bedeuten körperlich harte Arbeit, benötigen aber keine besonderen erlernten Qualifikationen. Daher sind die Löhne der Erntehelfer auch eher im unteren Bereich anzusiedeln. Da aber gerade die Erntetätigkeit sehr personalintensiv ist, schlägt ein höherer Mindestlohn gleich stark zu Buche.

Natürlich sollen die Erntehelfer ordentlich entlohnt werden; da möchte ich ausdrücklich nicht missverstanden werden. Aber auf dem Markt muss sich ein entsprechender Preis bzw. Lohn auch erwirtschaften lassen können. Da ist es wichtig, dass bei der Entwicklung des Mindestlohns die Situation der jeweiligen Branchen Berücksichtigung findet.

Daher ist die Situation in der Landwirtschaft das beste Beispiel dafür, warum ein Mindestlohn nicht politisch bestimmt werden darf.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber diesen Weg haben SPD und Grüne mit freundlicher Unterstützung der FDP verlassen. Ich kann nur dringend dazu raten, wieder dahin zurückzukommen, dass die Mindestlohnkommission in ihrer Arbeit nicht behindert wird.

Das ist ja der Fall!

Der Mindestlohn muss unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten weiterentwickelt werden. Gerade im Bereich der Landwirtschaft und dort im Erntehelferbereich ist die Weiterentwicklung des Mindestlohns sehr sensibel. Besonders der hohe Personaleinsatz erschwert es, der Konkurrenz aus dem Ausland standzuhalten. Wir haben nichts davon, wenn die Betriebe in Deutschland aufgeben müssen, weil sie nicht konkurrenzfähig sind. Wenn in anderen Ländern Europas die Löhne niedriger sind, dort produziert wird und die Ware in Deutschland günstiger angeboten werden kann, sollte jedem schnell klar werden, dass die Betriebe in Deutschland ab einem bestimmten Unterschied der Löhne nicht mehr konkurrenzfähig sind.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann geht die Produktion eben ins Ausland und aus Deutschland weg.

Nicht selten wird dann vorgetragen, man muss den Maschineneinsatz erhöhen, damit diese Arbeiten aufgefangen werden können. Aber gerade bei der Ernte von Gemüse, Erdbeeren, Spargel usw. ist ein maschineller Einsatz einfach nicht möglich. Und wenn die Produktion erst einmal eingestellt wird oder Deutschland verlässt, verlässt auch die Wertschöpfung unser Land.

Dass sich das auf die Steuereinnahmen nicht günstig auswirkt, brauche ich hier, glaube ich, keinem zu erklären.

Vor dem Hintergrund der Situation, in der wir uns wegen des Ukrainekriegs und der Energieversorgung befinden, sollte uns auch bewusst sein, dass wir gerade in der Ernährungsproduktion Selbstversorger bleiben müssen und jeden Grad von Selbstversorgung ausnutzen müssen, um diese Selbstversorgung in unserem Land hochzuhalten.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen kann ich nur appellieren: Hände weg vom politischen Mindestlohn!

Beifallbei der CDU/CSU
5 VermerkeZwischenfrageca. 198 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Danke. – Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Liebe Mitbürger! Seit Monaten hört man vom Bauernverband, der Landjugend und anderen landwirtschaftlichen Verbänden: Der Mindestlohn richtet unsere landwirtschaftlichen Betriebe zugrunde.

Das sagen die so nicht!

– Frau De Ridder, warten Sie die Zeit ab! Ich komme gleich zu Ihnen; keine Sorge. – Importierte Produkte profitieren von niedrigen Produktionskosten, beispielsweise in Spanien, wo dieselben Erntehelfer dasselbe Obst und dasselbe Gemüse pflücken und ernten. Hier bekommen sie dafür 12,41 Euro und dort 6,50 Euro.

Da sind doch ganz andere Lebenshaltungskosten!

Zurufder Abg. Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Meine Damen und Herren, die Annahme, dass wir 12,41 Euro bezahlen müssen, ist völliger Quatsch.

Beifallbei der AfD

Das kann ich Ihnen auch ganz einfach darlegen: Der Mindestlohn – jetzt sollten Sie von der FDP noch mal zuhören – soll eine Existenz jenseits der Armutsgrenze in Deutschland sichern. Aber, meine Damen und Herren, diese Saisonarbeiter, die für acht bis zehn Wochen hierherkommen, haben ihren Lebensmittelpunkt nicht in Deutschland.

Woanders, genau!

Ich kann Ihnen eines sagen: Ich habe über zehn Jahre in einem solchen Betrieb gearbeitet, in einem Kartoffelanbaubetrieb. Diese Arbeiter kommen für 8 Euro die Stunde, und wenn sie nach acht bis zehn Wochen wieder fahren, dann haben diese Menschen in diesen acht bis zehn Wochen hier so viel verdient, wie sie sonst in ihrem Land in einem halben Jahr verdienen.

Beifallbei der AfD
ca. 9 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Aber natürlich. Meine Redezeit ist ja sonst gleich um.

4 Vermerkeca. 139 WörterReaktionswert: lebhaft
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Danke schön, sehr geehrter Herr Kollege, dass Sie meine Frage zugelassen haben. – Letzte Woche ist in Italien – in Ihrem Beispiel war es jetzt Spanien – ein Erntehelfer aus Indien, der 4 Euro die Stunde dort verdient und auch keine Krankenversicherung hat, in eine Erntemaschine geraten. Ihm wurden die Beine abgequetscht, er hat seinen Arm verloren. In einer Obstkiste hat der Arbeitgeber den Arm deponiert. Er hat ihn auf einem Lastwagen zu seiner Behausung gefahren. Der Mann ist dort verstorben. Ihm wurde Erste Hilfe verwehrt.

Das hat mit dem Mindestlohn jetzt was zu tun?

Die rechtspopulistische Regierung und der Arbeitsminister haben das „Barbarei“ genannt. Die Gewerkschaften vor Ort nennen das „Sklaverei“.

Beifallder Abg. Dr. Daniela De Ridder [SPD]

Solche Bedingungen sind katastrophal. Und wenn Sie solche Anträge stellen, dann führt das doch dorthin. Jetzt frage ich Sie ganz einfach: Was sagen Sie zu so einer Situation, zu so einer Unmenschlichkeit?

Das ist doch völlig aus dem Zusammenhang gerissen!

Wollen Sie wirklich so einen Weg einschlagen?

Zurufvon der SPD: Klar will er das!

Lohndrücker will er!

11 Vermerkeca. 212 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Zuerst einmal muss ich dazu sagen, dass das sehr bedauerlich ist.

Zurufvon der SPD: Ja!

Dann kann ich Ihnen aber auch sagen: So was ist doch in Deutschland überhaupt nicht möglich.

Na doch! Weil die dann ja nicht krankenversichert sind!

In Deutschland regeln solche Berufs- oder Arbeitsunfälle die Berufsgenossenschaften. Das hat doch wenig damit zu tun, ob jemand für Mindestlohn oder für einen geringeren Lohn arbeitet, oder mit sonst irgendwas.

Beifallbei der AfD

Also, Ihre Frage ist eigentlich völliger Quatsch.

Was hat ein Unglück mit dem Mindestlohn zu tun?

Ich weiß jetzt nicht genau, was dieses Unglück mit den Arbeitsbedingungen in Deutschland zu tun hat;

Zurufder Abg. Dr. Daniela De Ridder [SPD]

denn die Arbeitsbedingungen in Deutschland – ich denke, da stimmen Sie mir zu –

Er hat die Antwort gegeben!

Das hätte auch mit Mindestlohn passieren können!

sind besser als in den meisten anderen Ländern dieser Welt.

Die Menschen sind nicht sozialversichert! Darum geht es! Überhaupt keine Ahnung!

In diesem Antrag geht es nicht darum, die Arbeitsbedingungen für die Leute schlechter zu machen. Es geht darum, unseren Landwirten die Möglichkeit zu geben, auch noch in 10 oder 20 Jahren weiter Obst und Gemüse in unserem Land zu produzieren.

Meine Damen und Herren, wir haben es dargelegt – Sie von der CDU/CSU haben es auch gehört, auch wenn Sie nicht zustimmen werden, was ja ganz klar ist, weil Sie Ihre komische Brandmauer haben –:

Die Mauer muss weg!

Dieser Antrag ist richtig.

Der Antrag ist falsch! Er ist auch kontraproduktiv für die Landwirte!

Dieser Antrag ist zeitgemäß. Wir müssen den Mindestlohn in Bereichen wie der Landwirtschaft, wo es um acht Wochen Arbeit geht, überdenken.

Er widerspricht den deutschen Gesetzen!

Ich hoffe, dass wir dann auch unsere Kulturlandschaft weiter erhalten können.

2 Vermerkeca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, letzter Satz. – Denn das, was Sie hier tun, ist die nachhaltige Zerstörung unserer Kulturlandschaft und unserer deutschen Landwirtschaft.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Bernd Rützel
Foto: Bernd Rützel / DBT/Stella von Saldern
7 Vermerkeca. 408 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Wir diskutieren in dieser Debatte über einen Antrag der AfD, die in diesem Antrag fordert, für die ausländischen Erntehelfer den Mindestlohn abzuschaffen.

Nur für ausländische Arbeiter!

Alle die, die in der Landwirtschaft tätig sind, wissen, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleicht. Wenn ich mir den Mindestlohn in Deutschland oder in Spanien oder sonst wo angucke, ist klar: Wir dürfen nicht nur die Eurobeträge vergleichen, sondern wir müssen den Durchschnitt vergleichen; denn das ist vergleichbar.

In Deutschland haben wir einen Mindestlohn, der 53 Prozent des Medians beträgt. In Luxemburg ist der Mindestlohn höher. In Frankreich ist der Mindestlohn höher. In Polen ist der Mindestlohn höher. In Rumänien ist der Mindestlohn höher. In Slowenien ist der Mindestlohn höher. Und in Portugal ist der Mindestlohn höher.

Hört! Hört!

Spanien ist ungefähr vergleichbar; dort liegt er bei 50 Prozent des Medians. Und selbst in Ungarn liegt er bei 48 Prozent. In Griechenland liegt er – ähnlich wie bei uns – bei 50,6 Prozent. – Die Zahlen habe nicht ich erfunden; das sind statistische Werte. Zu sagen, dass der Mindestlohn zu hoch ist, ist also nicht akzeptabel.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Hinzu kommt, dass wir nicht in der Lage sind, ohne ausländische Kräfte unser Obst von den Feldern zu holen. Wer Obst aus Deutschland möchte, ist auf Ausländer, die hier arbeiten, angewiesen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese Menschen arbeiten, beginnend mit der Spargelzeit, den ganzen Sommer über – auf Knien, in gebückter Haltung, im Liegen; denn die Gurken waren nicht immer im Glas; die müssen gepflückt werden –,

Das stimmt!

und wenn der Wein bei uns in Franken in den Fässern lagert, dann gehen diese Menschen nach Nürnberg und machen Lebkuchen. Das heißt, sie sind wieder in der Saisonbranche tätig. Von daher sind wir darauf angewiesen, dass Menschen zu uns kommen und uns helfen.

Die kommen ja nicht mehr!

Aber wir sehen beide: Wir sehen die Menschen, die eine würdige Arbeit verrichten – deswegen ist der Mindestlohn eine absolute Lohnuntergrenze, eine Anstandsgrenze; darunter geht nichts, egal wer was macht –,

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

aber wir sehen auch die Bäuerinnen und Bauern.

Carl-Julius Cronenberg hat gerade viel darüber gesagt, wie wir helfen. Wir haben mit dem Mindestlohn die sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung von 50 auf 70 Arbeitstage ausgeweitet. Wir haben genau beschrieben, dass Kost und Logie vom Mindestlohn abgezogen werden kann, wenn die Standards eingehalten sind, und der Bund – das wird immer wieder vergessen – zahlt beträchtliche Zuschüsse in die Alterssicherung der Landwirte; ungefähr 80 Prozent bezahlt der Bund dazu. Das ist auch richtig und notwendig, und das muss an dieser Stelle auch mal gesagt werden.

Porträt von Axel Knoerig
Foto: Axel Knoerig/ Sigi Schritt
7 VermerkeZwischenfrageca. 197 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben 2015 in der unionsgeführten Bundesregierung den Mindestlohn eingeführt. Damals haben wir auch darüber diskutiert, ob man Saisonarbeiter ausnimmt. Letztlich stand für uns fest: Mit zu vielen Ausnahmen kommen wir vom Regen in die Traufe. Der Mindestlohn muss so universell wie möglich sein.

Beifalldes Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Außerdem haben wir festgelegt: Die Höhe des Mindestlohns bestimmen nicht Politiker, sondern die Tarifparteien in der Mindestlohnkommission.

Beifallbei der CDU/CSU

Das hat Deutschland vergessen!

Und in dieser Kommission wird auch abgewogen, was ein höherer Mindestlohn für den Preis von Spargel und Erdbeeren bedeutet.

Es wird halt nur zu niedrig gestartet! Das ist das Problem gewesen!

Der Staat aber soll sich aus der Lohnfindung heraushalten.

Damals hat die SPD diesem Grundsatz zugestimmt. Heute sehen wir, dass Sie wortbrüchig geworden sind.

Im Kampf um Wählerstimmen wird die SPD zum Höchstbieter beim Mindestlohn.

Genau so ist es!

Sie tragen damit ein ganzes Stück dazu bei, dass Landwirte nicht wissen, ob sie morgen noch auskömmlich wirtschaften können; denn Sie handeln an dieser Stelle nicht verlässlich.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich würde sagen: Typisch SPD!

Auch die AfD buhlt mit dem heutigen Antrag zum Mindestlohn um die Wählergunst der Landwirte. Das ist kaum glaubwürdig bei einer Partei, die die Abschaffung aller EU-Beihilfen für Landwirte fordert.

Wir wissen doch: Viele deutsche Bauern sind auf diese Hilfen angewiesen.

Zwischenfrageca. 111 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege Knoerig, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Ich möchte Sie gerne mal fragen, ob Sie eigentlich die letzte Mindestlohnerhöhung von 41 Cent angesichts der Inflationsentwicklung in Deutschland für angemessen und für ausreichend halten.

Und ich möchte Sie gerne fragen, ob Sie es eigentlich für angemessen halten, dass gerade in einer schwierigen gesellschaftlichen Situation, in der der Zusammenhalt in Deutschland in Gefahr ist, die Mindestlohnkommission nicht einstimmig entschieden hat, sondern dass sich die Arbeitgeberseite mit der Stimme der Vorsitzenden gegen die Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaften durchgesetzt hat, sodass der Mindestlohn eben nicht einvernehmlich von den Tarifparteien festgelegt worden ist, sondern einseitig von einer Seite mit Mehrheit bestimmt wurde.

Porträt von Axel Knoerig
Foto: Axel Knoerig/ Sigi Schritt
17 Vermerkeca. 648 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Kollege Dr. Rosemann, ich danke Ihnen für diese Frage. – Sie erinnern sich: In der Mindestlohnkommission werden Gewerkschaften und Arbeitgeber paritätisch eingesetzt, und sie haben das ganze Wirtschaftsfeld zu beachten.

Ich habe es vorhin gesagt: Der Preis für Erdbeeren und Spargel hängt sehr wohl davon ab, wie hoch der Mindestlohn ausfällt. Und wir wissen es selber: Bevor wir im April Spargel von unseren Feldern bekommen, bekommen wir schon Wochen vorher welchen aus Griechenland für 4 Euro pro Kilogramm,

Der schmeckt aber nicht! Billig ist nicht immer das Beste

und unsere Spargelbauern brauchen 14 Euro.

Ich will auf das hinaus, was Sie mit der Frage verbinden: ob das angemessen ist, was die Mindestlohnkommission hier mit zweimal 41 Cent bemisst.

Zweieinhalb Jahre massiver Reallohnverlust!

Sie wissen doch ganz genau, dass Ihre politische Forderung, den Mindestlohn auf 12 Euro anzuheben, im Grunde genommen deren Arbeit konterkariert und kaputtgemacht hat. Und wir als Union haben Ihnen gesagt, wie Sie diese Mindestlohnkommission so reformieren, dass sie am Markt auch entsprechende Zahlen setzen kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Letztendlich sagen die Betroffenen – und das höre ich insbesondere von denen, die Erdbeeren pflücken, die Heidelbeeren ernten –: Guckt euch die Konkurrenzprodukte gerade aus den südlichen Ländern Europas an! Die sind um die Hälfte günstiger. Wie sollen wir das schaffen? – Und wenn Sie dann noch in der Art und Weise, wie Sie es machen, den Mindestlohn hebeln, dann müssen Sie sich nicht wundern, wenn gerade den kleinen Betrieben an dieser Stelle die Luft ausgeht.

Beifallbei der CDU/CSU und der AfD

Und ich bleibe dabei: Gerade im Hinblick auf die AfD, einer Partei,

Jetzt war es gerade so schön!

die bei den EU-Beihilfen im Grunde genommen ganz klar gesagt hat, diese sollen abgeschafft werden, sage ich noch mal ganz klar und deutlich:

Freier Markt wäre besser!

Wir wissen doch, viele deutsche Bauern sind auf diese Hilfen aus Brüssel angewiesen. Und schauen wir uns noch mal die Agrardieselrückvergütung an! Da sind Sie lediglich mit einer Verlängerung von ein, zwei Jahren angetreten. Also bitte: Tun Sie nicht so, als wären Ihnen die hiesigen Betriebe lieb und teuer! Letztendlich sind Ihre Forderungen außerordentlich dünn.

Verdopplung der Agrardieselrückerstattung!

Und was denkt nun die Union zu diesem Antrag?

Wir als Union setzen uns dafür ein, dass die Landwirte spürbar entlastet werden. Wir als CDU/CSU wollen die Agrardieselrückvergütung beibehalten. Wir als CDU/CSU fordern die Tarifglättung und die Risikoausgleichsrücklage für Landwirte.

Und die Schuldenbremse!

Und als CDU/CSU drängen wir auf die schnelle Umsetzung aller Maßnahmen, die den Ländern von der Ampel versprochen wurden.

Beifallbei der CDU/CSU

So schaut es aus! Genau! Wo sind die denn eigentlich? Ein kleines Päckchen, das ihr da schnürt!

Einige reden nur; wir haben gehandelt. Schon bei der Einführung des Mindestlohns haben wir die Landwirtschaft bedacht. Wir haben die Zahl der sozialversicherungsfreien Tage von 50 auf 70 angehoben. Und wir haben beschlossen – Herr Kollege Rützel, Sie haben es erwähnt –: Kost und Logis darf angerechnet werden.

Bei hohen Standards!

Auch in der Opposition machen wir den Unterschied. Anfang Januar bin ich mit vielen Kollegen auf die Straße gegangen und habe bei unseren Landwirten und in die Region hineingehorcht. Zu dieser Zeit wurde auch das Wachstumschancengesetz im Bundesrat verhandelt. Wir haben als CDU/CSU nur unter der Bedingung zugestimmt, dass die Landwirte bei Steuern und Bürokratie entlastet werden. Daraufhin sagte die Ampelregierung dem Bundesrat sogar schriftlich zu, zehn Maßnahmen – ich zitiere – „zügig umzusetzen“.

Ja, genau! Das Deutschlandtempo!

Nun kündigte die Ampel gestern ein Entlastungspaket an – auf den letzten Drücker. Wir haben Bauerntag, und da muss man ja auch entsprechend Antworten geben. Ich frage Sie: Was ist nach diesem halben Jahr, nach den Protesten, als Ergebnis dabei herausgekommen?

Mehr als in 16 Jahren CDU/CSU-Regierung!

Erstens. Die Tarifglättung wird auf sechs Jahre befristet eingeführt. Darauf haben wir bestanden. Das entlastet die Landwirte immerhin um 50 Millionen Euro im Jahr.

Gut, dass Sie das zugeben!

Wir sagen: Das ist immerhin ein guter erster Schritt.

Zweitens. Die Ampel schafft die Agrardieselrückvergütung bis zum Jahr 2026 ab. Das heißt im Klartext: 500 Millionen Euro entgehen der Landwirtschaft.

Was sagt jetzt die Union zu diesem Antrag? Ich bin echt gespannt!

Drittens. Die Risikoausgleichsrücklage kommt gar nicht erst zustande.

Letztlich kommt es zu mehr Bürokratie; das Düngegesetz ist angesprochen worden. Und es ist sehr wohl richtig, dass die Landwirte selber wissen, wie sie das einzuschätzen haben.

Jetzt sagen Sie noch was zum Antrag, oder?

Liebe Ampelregierung, spürbare Entlastungen für Landwirte sehen anders aus. Und an die SPD gerichtet formuliere ich: Machen Sie lieber Ihre Hausaufgaben, statt mit dem Mindestlohn auf Wählerfang zu gehen!

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist zynisch!

6 Vermerkeca. 474 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Die AfD biedert sich mal wieder mit einem Bauernrettungsantrag an,

Das ist keine Anbiederung! Das ist einfach richtig!

der x-te Antrag, zu dem ich hier reden darf. Auch wenn es mich immer massiv ärgert, dass immer nur die Männer gerettet werden sollen, so ärgern mich am meisten die ganzen falschen Informationen in diesem Antrag.

Generisches Maskulinum!

So behauptet die AfD, dass es eine Folge der Mindestlohnerhöhung sei, dass der Selbstversorgungsgrad bei Gemüse zuletzt um 2 Prozentpunkte gesunken ist. Dass aber der Selbstversorgungsgrad von Obst im selben Zeitraum um 2,5 Prozentpunkte gestiegen ist, verheimlicht sie.

Da frage ich mich: Hat das vielleicht auch mit dem Mindestlohn zu tun? Und was ist die Konsequenz daraus?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das hat sicherlich nichts mit dem Mindestlohn zu tun! Frau Spallek, wenn Sie wollen, kann ich Ihnen das mal erklären!

Das war übrigens der höchste Selbstversorgungsgrad seit 2014 und 2015.

Auch der geringe Rückgang beim Gemüse ist kein Trend; denn die Schwankungen sind eher wetterbedingt und klimakrisenbedingt. Und wie man auf diesem Bild schön sieht, auf dem der Selbstversorgungsgrad von Obst und Gemüse dargestellt wird:

Der Mindestlohn ist bekanntlich gestiegen, der Selbstversorgungsgrad nicht. – Die Schwankungen haben alle eher mit Extremwetterereignissen zu tun, und die Ausschläge werden mit Sicherheit noch stärker, wenn man nicht ausreichend etwas gegen die Klimakrise tut oder die Betriebe mit Agri-PV schützt. Aber beides hält die AfD ja nicht für nötig.

Ja, gerade der Bereich „Obst und Gemüse“ ist von der Klimakrise und der Umweltkrise besonders betroffen – und auch von der Bürokratie. Wir müssen die Betriebe unterstützen, und das tun wir auch. Richtig ist auch, dass das BMEL bereits mehrfach mit Krisenhilfen Betriebe unterstützt hat.

Fakt ist auch, dass der Selbstversorgungsgrad auch deshalb so gering ist, weil die Menschen natürlich auch im Winter Bananen oder Erdbeeren essen, und die gibt es hier einfach nicht. Ob das für den Planeten immer so gut ist, sei mal dahingestellt.

Aber am meisten ärgert mich, dass die AfD in ihrem Antrag verschweigt, dass sie die Landwirtschaft eigentlich gar nicht mehr unterstützen will. So steht im Grundsatzprogramm klar:

„Unsere Mittelstandspolitik ist Ordnungspolitik. Die AfD lehnt Subventionen generell ab. Wir wollen gleiche Regeln für alle – ob groß, ob klein, in jeder Branche.“

Die AfD will mehr Wettbewerb und weniger Subventionen. Kein Geld aus dem Staatshaushalt soll mehr an die Landwirtschaft gehen. Der Markt soll es richten. Ich sage mal, was das für die Landwirtschaft bedeutet: Heute gibt es für die Bäuerinnen und Bauern 4,1 Milliarden Euro Zuschüsse zur landwirtschaftlichen Sozialversicherung, 1 Milliarde Euro für die GAK – viel Geld davon für Agrar-, Umwelt- und Klimamaßnahmen –, 485 Millionen Euro jährlich für die Kfz-Steuerbefreiung, 6 Milliarden Euro jährlich für die GAP; mehrere 100 Millionen Euro gab es bereits für die Bauernmilliarde, rund 1 Milliarde Euro sind für den Umbau der Tierhaltung geplant. Dazu kommen Krisenhilfen von 180 Millionen Euro und 36 Millionen Euro, die wir ausgegeben haben,150 Millionen Euro für drei Jahre für die Gewinnglättung, die wir der Landwirtschaft geben, und, und, und.

Was für ein Umverteilungszirkus! Sozialistische Planwirtschaft ist das!

„Sozialistische Planwirtschaft“ hat er gesagt!

ca. 7 WörterReaktionswert: ruhig
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Diese Subventionen sind auch wichtig und richtig.

2 Vermerkeca. 25 WörterReaktionswert: niedrig
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Ja. – Denn es geht um unsere Ernährungssicherung, und es geht um den Erhalt der Höfe.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Carl-Julius Cronenberg [FDP]

Sorry! Entschuldigung!

Das war total fein!

Für das BSW hat Alexander Ulrich das Wort.

8 Vermerkeca. 330 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Für das Bündnis Sahra Wagenknecht gilt der Grundsatz: Gleiches Geld für gleiche Arbeit am gleichen Ort, und das unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Was die AfD heute mit diesem Antrag vorgeschlagen hat, ist an Ausländerfeindlichkeit nicht zu überbieten.

Schauen wir uns den Titel hier an: „Ausnahmeregelung beim gesetzlichen Mindestlohn für ausländische Erntehelfer“. Sie wollen also, dass ein deutscher Erntehelfer mehr verdient als ein ausländischer Erntehelfer, obwohl die gleiche Arbeit geleistet wird.

Wir wollen, dass in Deutschland Lebensmittel produziert werden!

Ich sage Ihnen: Für diesen ausländerfeindlichen Antrag reicht Ihnen kein Landwirt in diesem Land die Hand, und das zu Recht.

Beifallbeim BSW und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese Woche sind Bauerntage in Cottbus. Ich habe sehr viele Nachrichten von dort gehört, auch sehr viele Forderungen an die Politik – auch zu Recht. Ich habe vom Bauerntag aber nicht gehört, dass der Mindestlohn zu hoch wäre.

Sie haben hier einen Antrag vorgelegt, mit dem Sie auch Ihre grundsätzliche Feindlichkeit gegenüber dem Mindestlohn noch mal dokumentieren. Die AfD wollte noch nie einen gesetzlichen Mindestlohn. Die AfD hat auch immer abgelehnt, dass der Mindestlohn sich erhöht. Auch den letzten Antrag haben Sie abgelehnt. Deshalb sagen Sie doch grundsätzlich: Es geht Ihnen über die ausländischen Erntehelfer auch darum, den Mindestlohn generell wieder abzuschaffen.

Nee! Stimmt gar nicht!

Das wäre ehrlich. Liebe Menschen im Land, auch gerade in Ostdeutschland, wo viele nur noch für den Mindestlohn arbeiten: Schauen Sie sich an, was die AfD mit Ihnen dort machen würde!

Beifallbeim BSW und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Herr Oellers, Sie haben das Thema Mindestlohn hier wieder generell angesprochen, auch mit anderen. Ich sage Ihnen noch mal deutlich: Wir haben eine europäische Mindestlohnrichtlinie. Dort steht drin: 60 Prozent des Medianlohns.

Auf dieser Grundlage wäre der Mindestlohn in Deutschland jetzt bei mindestens 14 Euro. Wir als Bündnis Sahra Wagenknecht haben ihn beantragt;

Wo ist sie denn?

Dr. Daniela De Ridder [SPD], an Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD] gewandt: Unsichtbar!

alle anderen haben ihn abgelehnt – auch die SPD, auch die CDU, auch die Grünen, auch die AfD.

Wir als proeuropäische Partei sagen:

Sie sind doch keine proeuropäische Partei! Sie sind weder proeuropäisch noch eine richtige Partei!

Wir wollen nicht nur die Richtlinien umsetzen, die möglicherweise dem einen oder anderen passen; auch sozialpolitische Richtlinien sollten umgesetzt werden. Und liebe Union, wenn Sie das ablehnen, –