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183. Sitzung der 20. Wahlperiode

Dienstag, 10. September 2024 · Berlin

139 Reden in dieser Sitzung

139Reden58.749Wörter
1.065Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Christian LindnerFDP· Bundesminister BMF· MdB
80 Vermerkeca. 4.911 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bundesregierung legt ihren Entwurf für den Haushalt 2025 vor. Man darf sagen: Das war kein Selbstläufer. Um diesen Haushalt haben wir hart gerungen. In der Regierung wirken drei politische Denkschulen zusammen. Wir haben äußere Bedingungen unseres Handelns, die unsere Entscheidungen erschweren. Wir müssen umgehen mit einer ausgeprägten Wachstumsschwäche unseres Landes, und ich werde niemals engagierten Kolleginnen und Kollegen im Bundeskabinett einen Vorwurf machen, wenn sie für ihre Projekte und Programme kämpfen. Wir haben ökonomische und rechtliche, aber auch unsere jeweiligen politischen Grenzen gesehen. Dennoch legen wir hier einen Entwurf für den Bundeshaushalt vor. Solange es möglich ist, sich zu einigen, ist es nötig, sich zu einigen; denn mit der Stabilität der Bundesrepublik Deutschland geht man nicht leichtfertig um.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Bei der Aufstellung haben wir die Finanzplanung als Ausgabenobergrenze für die Einzelpläne vorgesehen. Weiteren Konsolidierungsbedarf haben wir durch übergreifende Maßnahmen geschlossen. Mir ist wichtig zu sagen: Der vorliegende Haushaltsentwurf ist rechtssicher. Wir haben aus einem Fehler gelernt. Um etwaige Zweifel frühzeitig auszuräumen, haben wir unabhängige Sachverständige beauftragt und sie gebeten, vorgeschlagene Lösungen verfassungsrechtlich und wirtschaftlich zu prüfen. Die Stellungnahmen haben wir dem Deutschen Bundestag und damit der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Die Schlussfolgerungen und Argumente haben wir intensiv analysiert und dann unsere politischen Schlussfolgerungen daraus gezogen. Sorgfalt und Transparenz sollten in unser aller Interesse sein; denn die Demokratie schützt man nicht, indem man die Verfassung schädigt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Gelegentlich gab es Kritik, zum Beispiel vom Kollegen Haase, dass das Eckpunkteverfahren als Top-down-Prozess nicht genutzt wurde. Das Verfahren kommt freilich aus einer anderen Zeit. Es kommt aus einer Zeit,

Der guten alten!

als Steuermehreinnahmen auf die Einzelpläne zur Verteilung anstanden.

Also, in der guten alten Zeit!

Aber in dieser Zeit leben wir nicht mehr.

In guten alten Zeiten!

Es zeigt sich, dass offensichtlich viele in der Unionsfraktion unter ganz anderen Umständen Haushaltspolitik gemacht haben,

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

nämlich in Zeiten eines künstlich niedrigen Zinses – zumindest für Deutschland – sehr niedrigen Zinses – so wie er jetzt für unsere wirtschaftliche Lage im Übrigen zu hoch ist, aber wir sind eben in einer Wirtschaftsunion –, zu Zeiten eines enormen Wachstums

Wachstum!

in unserem Land und großer Wettbewerbsfähigkeit. In diesen Zeiten haben Sie Haushaltspolitik gestaltet und dennoch keine Unternehmensteuerreform beschlossen, dennoch einen massiven Investitionsstau hinterlassen und dennoch eine Schuldenquote von 69 Prozent übergeben.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wie hat Bundespräsident Gustav Heinemann so treffend gesagt? „Wer mit dem Zeigefinger“ auf andere „zeigt, der sollte daran denken, dass in der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger zugleich drei andere Finger auf ihn selbst zurückweisen.“

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ach herrje!

Ich weiß im Übrigen noch, liebe Kolleginnen und Kollegen, wie Haushaltskonsolidierung mit der CDU/CSU war.

Schwarze Null!

Also, nicht alle in Ihrer Fraktion haben das noch vor Augen. Ich weiß das noch sehr genau. Friedrich Merz war 2010 nicht dabei; auch Christian Haase war nicht dabei.

Beifallder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

2010/2011 war ich als Mitglied des Koalitionsausschusses dabei, und ich darf bezeugen: Auch dort gab es bei Verfahren und der Art des Umgangs Anlass zur weiteren Vervollkommnung bürgerlicher Umgangsformen.

Heiterkeitund Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Und auch die damaligen Ergebnisse weisen die Parteien CDU/CSU und FDP als nicht unfehlbar aus; denn die Kernbrennstoffsteuer von Frau Merkel war im Nachhinein verfassungswidrig, und auf die Aussetzung der Wehrpflicht als Sparbeitrag des CSU-Verteidigungsministers wird hierzulande niemand mehr stolz sein.

Friedrich Merz [CDU/CSU]: Kein Beifall da drüben!

Das könnten viele in der Union wissen, die damals dabei waren. Einer, der es besser wissen sollte, ist der Kollege Middelberg. Dem habe ich heute Morgen im Deutschlandfunk zugehört. Er müsste es eigentlich besser wissen, weil auch er damals dabei war; aber er hat offenbar mentale Techniken entwickelt, mit denen er sein eigenes, besseres Wissen sogar vor sich selbst unterdrücken kann.

Heiterkeitund Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Würde die FDP nie tun!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dass der Weg bis hierhin so schwierig war, liegt auch in der Situation begründet, in der wir uns befinden. Wir stehen zwischen „Zeitenwende“ und „Zukunft“,

Lachender Abg. Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]

zwischen „Krise bewältigen“ und „Kurs halten“, zwischen „Rückstand aufholen“ und „wieder Weltspitze sein wollen“. Aufgaben wie die Bewältigung der geringen Produktivität, der überbordenden Bürokratie,

Zurufvon der CDU/CSU: Oh!

der schleppenden Digitalisierung und der vernachlässigten Infrastruktur begleiten diese Bundesregierung seit Tag eins. Hinzu kommen große globale Herausforderungen, geoökonomische Fragmentierungen und der demografische Wandel, und seit Tag 78 gibt es Krieg in Europa – mit den verheerenden Folgen, die wir gemeinsam bewältigt haben und weiter werden bewältigen müssen. Dieser Krieg in der Ukraine währt heute 929 Tage. Er ist ein bitterer, ein schmerzhafter Teil unserer Gegenwart geworden.

Der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2025 trägt all diesen Umständen Rechnung. Er beendet endgültig den Ausnahmemodus und hält sich an die Regeln der Verfassung. Kurz gesagt: Er nimmt die neue Normalität unserer Gegenwart an.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit dem Bundeshaushalt gehen wir weitere Schritte zur angebotsseitigen Stärkung unseres Landes, insbesondere durch Rekordinvestitionen und die Entlastung der Bürgerinnen und Bürger. Zugleich begrenzen wir Ausgabesteigerungen und schichten für Strukturen so schonend wie möglich um. Das zeigt: Ausgabedisziplin und Arbeit für einen neuen Aufschwung in unserem Land schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Sie bedingen einander.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, naturgemäß wird in dieser Haushaltswoche die Komposition der Ausgaben des Bundeshaushalts im Zentrum der Debatte stehen.

Die Einnahmen geben auch einiges her!

Da wird diskutiert werden über die einzelnen Titel, über Programme und Vorhaben. Ich will deshalb bewusst nicht mit der Ausgabeseite beginnen, sondern mit der Einnahmeseite des Bundeshaushalts.

Das ist gut!

Denn all das Geld, das wir verausgaben, wird von den Menschen in unserem Land erarbeitet. Was wir verteilen, muss zuvor von Menschen erwirtschaftet und versteuert werden.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Oder von der nächsten Generation über Schulden!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin überzeugt: Jeden Euro, über den wir hier beraten, müssen wir alle vertreten gegenüber den Menschen, die am Ende des Monats auf ihre Lohnsteuerabrechnung schauen und sich fragen: Was wird mit meinem Geld bewirkt?

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Unser Staatshaushalt basiert auf der wirtschaftlichen Stärke unseres Landes. Alle unsere sozialen und ökologischen Vorhaben haben eine Voraussetzung, nämlich ein stabiles wirtschaftliches Fundament. Im vergangenen Jahrzehnt ist es nicht gelungen, die Zeit niedriger Zinsen und robuster Wachstumsraten zu nutzen, um unseren Wirtschaftsstandort konsequent zu stärken, zu modernisieren und die Transformation voranzutreiben. Jetzt sind die Zeiten andere, und der Handlungsbedarf ist größer denn je.

Seit dem Amtsantritt steuert die Bundesregierung gegen Krisen, Knappheiten und konjunkturelle Schwächen an, durchaus mit Erfolg: Die Inflation ist zurückgegangen, Bürger und Betriebe wurden entlastet, Reallöhne und Kaufkraft erholen sich langsam. Allerdings wachsen wir immer noch zu wenig.

Das hat wenig zu tun mit dem konjunkturellen Umfeld und sehr viel mit strukturellen Schwächen unseres Standorts. 2014 war Deutschland in den globalen Rankings der Wettbewerbsfähigkeit auf Platz 6, und seit 2014 – also seit einem Jahrzehnt – sind wir in jedem Jahr Schritt für Schritt zurückgefallen, um insgesamt nun 18 Plätze auf den Platz 24. Damit sich all unsere Bemühungen lohnen und Deutschland aus Stagnation und dem Verlust von Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft herausfindet, brauchen wir eine Wirtschaftswende.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wirtschaftliches Wachstum, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist im Übrigen die Voraussetzung dafür, dass Menschen individuell leichter im Leben vorankommen. Wir wissen doch, dass nicht jeder in unserem Land mit seiner Lebenssituation zufrieden sein kann, seien es Menschen, die geflüchtet und zu uns gekommen sind, sei es, dass junge Menschen in das Arbeitsleben einsteigen oder dass Menschen nach einem Schicksalsschlag eine neue Chance suchen. Wenn Menschen mit ihrer Lebenssituation nicht zufrieden sein können: Wie machen wir es ihnen leichter? In der stagnierenden Gesellschaft gelingt doch die Verbesserung der eigenen Lebenssituation nur dadurch, dass man jemand anderem etwas wegnimmt. Die stagnierende Gesellschaft führt zum harten Ellbogenwettbewerb. Die dynamisch wachsende Gesellschaft macht es aber jedem leichter, die individuelle Lebenssituation durch Fleiß und Einsatzbereitschaft zu verbessern.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb ist unsere wachstumsorientierte Politik ein Gebot sozialer Gerechtigkeit. Wirtschaftliche Stärke ist die Voraussetzung auch für neue Spielräume im Haushalt, und nicht zuletzt ist unsere wirtschaftliche Stärke im wahrsten Sinne des Wortes sicherheitsrelevant.

Die Bundesregierung hat deshalb zusammen mit dem Entwurf für den Bundeshaushalt 2025 eine Wachstumsinitiative für eine neue Dynamik in Deutschland vorgelegt. 120 Maßnahmen unter 49 Überschriften zielen insbesondere darauf ab, den Wirtschaftsstandort Deutschland und dessen Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken, unnötige Bürokratie abzubauen, die Arbeitsanreize zu erhöhen und die Leistungsfähigkeit des Finanzplatzes auszubauen. Diese Wachstumsinitiative ist nicht nur politisch untrennbar mit dem Bundeshaushalt verbunden. Wir benötigen ihre Maßnahmen auch, um durch mehr wirtschaftliche Dynamik die Einnahmeseite unseres Haushalts zu stärken und um die weitere Steigerung von Ausgaben zu begrenzen.

Im Einzelnen: Der Entwurf der Bundesregierung für den Bundeshaushalt 2025 und die Wachstumsinitiative ermöglichen umfassende Entlastungen und Leistungsverbesserungen für Bürgerinnen und Bürger. So wird die Bundesregierung die kalte Progression auch für die Jahre 2025 und 2026 im Tarif der Lohn- und Einkommensteuer sowie in der Milderungszone des Solidaritätszuschlags ausgleichen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es ist ein Gebot der Fairness, dass infolge der Inflationsentwicklung die Steuerbelastung nicht weiter steigt. Mit dem Steuerfortentwicklungsgesetz und der steuerlichen Freistellung des Existenzminimums entlasten wir Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in den nächsten Jahren erheblich.

Kinder, Jugendliche und Familien erhalten mehr Unterstützung. So werden der Kinder- und der Grundfreibetrag in den Jahren 2025 und 2026 erhöht, auch schon rückwirkend für das Jahr 2024. Ab dem Jahr 2026 wird gesetzlich sichergestellt, dass Kindergeld und Kinderfreibetrag weiter gleichzeitig steigen. Um berufstätigen Eltern mit geringen Löhnen zu helfen, wird für den Kinderzuschlag ab dem Jahr 2025 mehr als 1 Milliarde Euro zusätzlich zu Verfügung gestellt. Und der bestehende Kindersofortzuschlag bleibt erhalten und wird erhöht.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Unternehmen und Betriebe unterstützen wir mit zusätzlichen steuerlichen Anreizen, um finanziellen Spielraum für Investitionen und Innovationen zu schaffen. Dafür erleichtern wir die Abschreibungsbedingungen von Anlageinvestitionen und weiten die Forschungszulage aus. Wir verstetigen die auf das europäische Minimum abgesenkte Stromsteuer für das produzierende Gewerbe. Kurz gesagt: Die Bundesregierung schlägt vor, dass der Staat vorsätzlich auf Einnahmen verzichtet, um die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung zu stärken und private Investitionen zu erleichtern.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Wachstumsbremsen Nummer eins für die deutsche Wirtschaft sind überbordende Bürokratie und zähe Genehmigungsverfahren. Bürokratie bremst Engagement und Ideen aus. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Initiativen zur Entbürokratisierung auf den Weg gebracht, zum Beispiel das Bürokratieentlastungsgesetz IV. Wir bauen mit der Wachstumsinitiative darauf auf und entschlacken beispielsweise das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz in Deutschland, indem zwei Drittel der bisher von der Vorgängerregierung verpflichteten Unternehmen aus dem Kreis der Verpflichteten herausfallen.

Beifallbei der FDP

Wann denn?

Um das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland zu fördern, müssen wir unseren Arbeitsmarkt mobilisieren. Mehrarbeit und Leistungsbereitschaft sollen belohnt werden. Aufgrund des demografischen Wandels wird das Angebot an Arbeitskräften in den kommenden Jahren weiter abnehmen. Älteren Berufstätigen erleichtern wir daher künftig den Verbleib im Job. Sie sollen nicht länger in die Rentenkasse einzahlen müssen, sondern diese Beiträge beispielsweise als Lohnaufschlag erhalten.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist, Menschen ohne Arbeit schneller wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dafür stärken wir unter anderem den fordernden Charakter des Bürgergelds, zum Beispiel mit Sanktionen bei Verstößen gegen die Mitwirkungspflicht; denn das Bürgergeld ist kein bedingungsloses Grundeinkommen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mehr Arbeitsanreize und Änderungen im System des Bürgergelds sind ein klares Zeichen, dass die Sozialausgaben nicht immer weiter dynamisch steigen können, sondern dass Anpassungen nötig sind. Daher wird es im kommenden Jahr und wohl auch 2026 aufgrund der zum Glück zurückgegangenen Inflation keine Erhöhung des Bürgergeldes geben. Dies bremst den Anstieg der Sozialausgaben, stärkt das Vertrauen in die sozialen Sicherungssysteme und sorgt auch für mehr Gerechtigkeit; denn Fairness verdienen auch diejenigen, die mit ihrer Arbeit und ihrem Einsatz den Bundeshaushalt ja erst ermöglichen.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir stärken den Finanzstandort Deutschland und wollen zusätzliches Kapital mobilisieren. Wir werden mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz II beispielsweise die steuerlichen Rahmenbedingungen von Investitionen in Venturecapital verbessern. Wir lockern den Kündigungsschutz für die Spitzenverdiener im Finanzsektor, um attraktiv zu werden für Standortverlagerungen zum Beispiel nach Frankfurt im Wettbewerb mit Amsterdam, Paris und London. Und wir verschlanken aufsichtliche Vorgaben für den Finanzmarkt.

Beifalldes Abg. Christoph Meyer [FDP]

Mit der WIN-Initiative für Wachstums- und Innovationskapital wollen wir zudem dafür sorgen, dass unsere Kapitalsammelstellen stärker in Deutschland investieren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nicht zuletzt, liebe Kolleginnen und Kollegen, arbeiten wir weiter an der Kostenseite der Energieversorgung. Sie ist ein wesentlicher Teil unserer deutschen Wettbewerbsfähigkeit. Die Wachstumsinitiative der Bundesregierung zielt darauf, dass noch mehr Marktteilnehmer von günstigen Strompreisen bei viel Wind und Sonne profitieren, die Netzkosten sinken, die Netzentgelte stabilisiert werden und die Wasserstoffinfrastruktur aufgebaut wird.

Sie glauben das wirklich?

Weiterer Zurufvon der AfD: Zu Wucherpreisen!

Wir schaffen dafür einen verlässlichen Investitionsrahmen, ermöglichen mehr Flexibilisierung, senken die Kosten des Netzausbaus und sorgen für Planungs- und Investitionssicherheit. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem effizienten und marktintegrierten Ausbau erneuerbarer Energien, um die Netzkosten zu senken.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, all diese skizzierten Maßnahmen und weitere sind im Bundeshaushalt 2025 bereits eingepreist. All das gelingt uns durch Umschichtung und klare Prioritätensetzung. Eine erste Analyse zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat bereits die Wirksamkeit ausgewählter Maßnahmen der Wachstumsinitiative berechnet. Und selbst bei einer vorsichtigen, bei einer konservativen Schätzung erwarten die Wissenschaftler spürbare Impulse von unserer Wachstumsinitiative. Im kommenden Jahr rechnen die Autoren mit einem zusätzlichen Wachstum von immerhin 0,4 Prozent.

Zurufevon der CDU/CSU: Oh!
Zurufvon der AfD: Homöopathie!

Vor allem aber berge das Paket bei konsequenter Umsetzung das Potenzial, die Perspektive Deutschlands dauerhaft zu stärken. Bis in das Jahr 2028 könnte die jährliche Wirtschaftsleistung um fast 1 Prozent höher liegen als ohne Wachstumsinitiative. Diese Initiative ist kein Anlass, die Hände in den Schoß zu legen. Aber das, was jetzt in diesem Herbst entschieden werden kann, sollte auch in diesem Herbst getan werden. Es entbindet uns nicht von weiterer Ambition in der Zukunft, aber das, was vorliegt, braucht unser Land genau jetzt.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Zur Einnahmeseite gehört auch die Nettokreditaufnahme. Die Neuverschuldung wird im Jahr 2025 gegenüber den Notlagejahren reduziert und in den folgenden Jahren auch weiter schrittweise abgebaut. Wir gehen im Regierungsentwurf nun von einer Neuverschuldung von 51,3 Milliarden Euro aus. Schuldenbremse bedeutet also nicht „keine Verschuldung“; das muss man sich immer klarmachen.

51,3 Milliarden Euro, das ist nicht nichts. Ich erinnere mich sehr gut: Als ich zum ersten Mal in ein Parlament gewählt worden bin – wir hatten ja eben eine Gedenkstunde; da denkt man auch an solche Szenen zurück –, hat die damalige rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen im Jahr 2000 einen Haushalt für das ganze Land Nordrhein-Westfalen vorgelegt, der gut 43 Milliarden Euro groß war. Wir machen in diesem Jahr mehr Schulden alleine im Bund. Also, das ist nicht nichts.

Und dennoch ist es richtig, dass wir die Möglichkeiten der Schuldenbremse im Konjunkturverlauf nutzen, aber eben auch nur die Möglichkeiten nutzen, die uns die Schuldenbremse gibt. Warum ist das so wichtig?

Erstens. Schulden muss man zurückzahlen, und so lange kosten sie Zinsen, und zwar nicht zu knapp. Ich möchte das Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler lieber nutzen, um direkt zu investieren, statt Zinsen an andere zu zahlen.

Beifallbei der FDP

Und ich möchte zudem, dass auch künftige Generationen diese Möglichkeit haben. Es ist eine Frage der Generationengerechtigkeit, den Jungen nicht durch zusätzliche fiskalische Lasten jedweden Handlungsspielraum zu verbauen.

Beifallbei der FDP

Deshalb haben Sie inzwischen 500 Milliarden Euro Schulden in Ihrer Amtszeit gemacht!

Zweitens. Die Einhaltung der Schuldenbremse ist eine Frage der Weitsicht. Gerade passiert doch genau das, wofür sie eingeführt worden ist: Sie zwingt die Politik, Prioritäten zu setzen. Sie zwingt uns zu der Entscheidung, was notwendig und unentbehrlich ist und was wünschenswert, aber auch später realisierbar ist. Es ist eine Art Selbstdisziplinierungsmechanismus.

Und dabei sind Schulden ja nicht per se zu verteufeln, aber sie müssen eben tragbar sein; denn nur wenn es uns gelingt, die Tragfähigkeit unserer Staatsfinanzen zu sichern, werden wir als Staat perspektivisch in der Lage sein, in Zeiten außergewöhnlicher Krisen zu handeln.

Wir müssen uns also daranmachen, die fiskalischen Puffer wiederaufzubauen, die wir im Fall weiterer verschärfter Krisen benötigen. Anders gewendet: Fiskalische Stabilität ist auch ein Faktor der Sicherheitspolitik dieses Landes.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Kontrolle staatlicher Ausgaben sichert langfristig die Kontinuität staatlicher Leistungen, und das bedeutet, stabilitätsorientierte Finanzpolitik zu formulieren. Wir dürfen dabei nicht den Fehler machen, unsere öffentlichen Finanzen nur national zu betrachten. Wir müssen den europäischen und globalen Kontext sehen. Wir gestalten unsere Politik nicht nur für uns allein als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt und größte in Europa. Wir sind eingebunden in die geoökonomische Situation, und wir sind insbesondere in Europa ein Stabilitätsanker.

Die Europäische Kommission hat gegen sieben Mitgliedstaaten der EU Defizitverfahren eingeleitet, darunter auch Frankreich und Italien. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben so massive Haushaltsdefizite, dass der Internationale Währungsfonds eindringlich appelliert, diese anzugehen. In diesem geoökonomischen Kontext stehen wir.

Wir haben unlängst – auch auf Betreiben Deutschlands – die europäischen Fiskalregeln zwar realistischer ausgestaltet, zugleich aber auch verlässlicher in ihrem Ziel, Defizite und Schuldenquoten zu reduzieren. Uns haben inzwischen die Empfehlungen der Europäischen Kommission zu unserem eigenen Nettoprimärausgabepfad erreicht, und er entspricht in etwa der Finanzplanung der Bundesregierung unter Einhaltung der Schuldenbremse. Also, all die vielen Schulden, von denen manche träumen zur Finanzierung ihrer Vorhaben, die wären nach meiner festen Überzeugung mit europäischem Recht nicht vereinbar, selbst wenn man mich wegbeamen würde.

Beifallbei der FDP
Zurufvon der CDU/CSU

Welche Wirkung aber hätte es, wenn Deutschland als größte Volkswirtschaft der Europäischen Union vorsätzlich den europäischen Stabilitätspakt brechen würde? Es wäre eine Einladung an alle anderen, ebenfalls diese Regeln nicht mehr zu achten. Wenn wir eine Schuldenkrise wie vor gut 15 Jahren vermeiden wollen, dann muss Deutschland durch Vorbild führen und nicht nur die eigenen, sondern insbesondere auch die europäischen Regeln achten.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Übrigens ist diese deutsche Disziplin – das hat der gestrige Tag gezeigt – aktueller und nötiger denn je. Gestern hat ja Mario Draghi seinen Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union vorgelegt. Um es klar zu sagen: Aus Sicht der Bundesregierung enthält dieser Bericht wichtige Impulse, beispielsweise zur Stärkung der Kapitalmarktunion, um nur eins von vielen guten Beispielen zu nennen. Aber Mario Draghi ergreift auch die Initiative für die Vergemeinschaftung der Schuldenaufnahme in der Europäischen Union nach dem Vorbild des einmaligen Programms NextGenerationEU.

Wir wissen inzwischen vom Ablauf der Mittel aus dem damaligen Programm, dass die Aufnahmefähigkeit noch nicht einmal aller Volkswirtschaften in der Europäischen Union ausreicht, um die Mittel, die auf dem Tisch liegen, zu nutzen. Es ist auch hinsichtlich seiner Wachstumsstärke noch nicht klar evaluiert, und trotzdem wird ein neuer Anlauf unternommen, Schulden und Risiken in Europa zu vergemeinschaften. Die Bundesregierung sieht hier demokratische und fiskalische Probleme. Durch die Vergemeinschaftung von Schulden wird nämlich zum einen die direkte Zuordnung von politischer Verantwortung für die Folgen der eigenen Wirtschaftspolitik auf die europäische Ebene verlagert. Und zum anderen kann die Vergemeinschaftung von Risiken und Haftung, also Schulden, auch dazu führen, dass die Schuldenaufnahme in der Europäischen Union insgesamt zu hoch ist.

Jeder einzelne Mitgliedstaat der Europäischen Union muss weiter Verantwortung für die eigenen Staatsfinanzen tragen. Haftung ist nicht nur in der Privatwirtschaft zwischen den Bürgerinnen und Bürgern ein wichtiges Instrument, um unverantwortbare Risiken zu vermeiden, sondern auch zwischen Staaten gilt dasselbe.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Im Übrigen ist ja dankenswerterweise die CDU/CSU-Bundestagsfraktion in die Rolle der Hüterin der Verfassung eingetreten.

Zurufeder Abg. Ingo Gädechens [CDU/CSU] und Dr. Ingeborg Gräßle [CDU/CSU]

Bei nahezu jeder Gelegenheit versuchen Sie, zu prüfen, ob die Bundesregierung sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt.

Zurufevon der CDU/CSU

Das ist eine verdienstvolle Aufgabe. Aber jetzt kommt die nächste Aufgabe auf Sie zu. Denn die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich ja offen gezeigt für die gemeinsame Schuldenaufnahme in der Europäischen Union.

So ist es!

Jetzt erwarte ich das Gutachten der CDU/CSU, ob das europa- und verfassungsrechtlich eigentlich möglich ist.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Peter Boehringer [AfD]

Das ist jetzt Ihr Auftrag. Im Übrigen würden Sie damit nur Ihre eigenen Interessen vertreten; denn wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, hat sich ja die EVP – und damit auch die CDU/CSU in Deutschland – gegen die Vergemeinschaftung von Schulden noch im jüngsten Europawahlkampf ausgesprochen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Sehr richtig! Das bleibt auch so!

Meine Damen und Herren, ich will zur Ausgabeseite kommen. Solide Staatsfinanzen – das habe ich ausgeführt – sind ein Faktor unserer Sicherheitspolitik, aber zugleich müssen wir mit unseren Ausgaben auch Sicherheit schaffen. Bereits in diesem Jahr werden wir mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für unsere Verteidigungsfähigkeit und die unserer Bündnispartner aufwenden. Der Etat des BMVg wächst.

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Dennis Rohde [SPD]

Er bleibt der zweitgrößte Posten im Bundeshaushalt. Darüber hinaus profitiert das BMVg natürlich unverändert von unserem 100-Milliarden-Euro-Sonderprogramm für die Bundeswehr. Sowohl 2025 als auch in allen Finanzplanjahren bis 2028 wird das 2-Prozent-Ziel der NATO von uns übertroffen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich habe gelesen, lieber Friedrich Merz, dass Ihre Fraktion beklagt, dass der Verteidigungsminister auch mit Verpflichtungsermächtigungen zusätzliche Aufgaben für Rüstungsgüter in der Zukunft absichert.

Zurufdes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

Ich habe, ehrlich gesagt, diese Kritik nicht verstanden. Man kann diese Verpflichtungsermächtigungen für Rüstungsgüter nur dann kritisieren, wenn man selbst nicht klar hinter dem 2-Prozent-Ziel auf Dauer für unsere Verteidigungsfähigkeit steht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist eine ganz billige Nummer hier!

Denn darauf bauen ja diese Verpflichtungsermächtigungen auf,

Zurufeder Abg. Dr. Yannick Bury [CDU/CSU] und Thorsten Frei [CDU/CSU]

dass auch bis in die 30er-Jahre alle Parteien des demokratischen Zentrums sich zu diesem Ziel committen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch die bilaterale deutsche Hilfe für die Ukraine bleibt auf einem hohen Niveau. Das ist richtig und notwendig so. Zudem arbeitet die Bundesregierung – übrigens auch schon in dieser Woche – intensiv mit unseren Partnern und Freunden über den Atlantik und in Europa daran, dass die Ukraine zusätzliche Hilfen gewinnt aus den Zinserträgen der eingefrorenen russischen Vermögenswerte. Das ist unsere klare Botschaft an Wladimir Putin und zugleich unsere Zusage an die Ukraine. Wir werden weiter Verantwortung mit anderen dafür übernehmen, dass die Durchhaltefähigkeit der Ukraine größer ist als die Bösartigkeit, die von Putins Krieg ausgeht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Bundesregierung weiß im Unterschied zu anderen, dass in der Ukraine auch Frieden und Freiheit in Deutschland verteidigt werden.

Am Hindukusch!

Da geht es um das internationale Recht. Und deshalb stellen wir uns all denjenigen entgegen, die darüber spekulieren, Deutschland könnte aus der Europäischen Union austreten, was uns politisch isolieren und wirtschaftlich ruinieren würde.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und wir stellen uns auch all denjenigen entgegen, die über die Köpfe der Ukraine hinweg mit Putin verhandeln wollen. Er würde seine Kriegsziele erreichen, und das Ergebnis wäre nur ein Diktatfrieden und nicht das Selbstbestimmungsrecht des ukrainischen Volkes.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

– Hier klatscht dankenswerterweise auch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Ich habe jetzt nur in deren Richtung geschaut. Ich könnte aber genauso in Richtung des Kollektivs Wagenknecht schauen; die haben nämlich ähnliche Positionen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Christian Leye [BSW]

Und die wollen sie im Übrigen auch zum Gegenstand von Koalitionsgesprächen zur Bildung von Landesregierungen machen. Ich hoffe, dass die CDU/CSU – in diesem Fall die CDU – weiß, welche überragende staatspolitische Verantwortung sie in diesen Fragen trägt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Friedrich Merz [CDU/CSU]

Meine sehr geehrten Damen und Herren, die schrecklichen Attentate von Mannheim und Solingen haben es jüngst wieder gezeigt: Wir werden aufgrund unserer offenen Gesellschaft und unserer freiheitlichen Lebensweise in unseren Städten, in unserem Alltag angegriffen. Die innere Sicherheit stärken wir deshalb im Bundeshaushalt 2025 mit rund 1 Milliarde Euro mehr, die in die Sicherheitsbehörden des Bundes, insbesondere die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt, fließen. Gewaltbereiten Extremismus oder Islamismus müssen wir wirkungsvoll bekämpfen können. Jeweils weitere rund 200 Millionen Euro werden wir für den Zoll und die Bekämpfung der Geldwäsche sowie die Bereiche Integration und Migration bereitstellen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir ein weltoffenes, tolerantes, ein liberales Land bleiben wollen, dann müssen wir Konsequenz und Kontrolle bei der Einwanderung sicherstellen. Die Bürgerinnen und Bürger müssen den Eindruck gewonnen haben, dass seit 2015 mitunter schlichtweg die Ordnung entglitten ist. Und das hat Auswirkungen auch auf diesen Bundeshaushalt. Allein im Haushalt 2025 veranschlagen wir flüchtlingsbezogene Aufwendungen in Höhe von insgesamt 24 Milliarden Euro. Sozialleistungen für anerkannte Schutzsuchende belaufen sich auf 13 Milliarden Euro. Für die Integrationsleistungen stellen wir rund 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung. Länder und Gemeinden haben ebenfalls Belastungen.

Wir merken alle, wie dieses Thema einen Triggerpunkt in unseren öffentlichen Debatten darstellt. Unser Land muss weltoffen, tolerant und vielfältig bleiben. Als eine exportorientierte Nation sind wir existenziell darauf angewiesen, dass wir in der Welt geachtet sind.

Zurufdes Abg. Dr. Harald Weyel [AfD]

Als eine alternde Gesellschaft sind wir darauf angewiesen, dass fleißige Menschen und kluge Köpfe zu uns kommen wollen, um hier ihr Glück im Arbeitsmarkt zu suchen. Zugleich müssen wir aber für Weltoffenheit, Toleranz und Vielfalt die Akzeptanz unserer Gesellschaft erhalten. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten hier Kontrolle und Konsequenz.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wie hat es der Herr Bundespräsident unlängst formuliert? Ich zitiere ihn:

„Ich bin überzeugt, dass es an den Parteien der demokratischen Mitte ist, Lösungen für Fragen zu erarbeiten, die viele Bürgerinnen und Bürger umtreiben. Es bedarf einer gesamtstaatlichen Anstrengung – über Parteigrenzen und staatliche Ebenen hinweg.“

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist nicht die Zeit für Denkverbote. Es ist aber auch nicht die Zeit für parteipolitische Manöver.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Am Ende des Tages – anlässlich der heutigen Feierstunde zum 75. Jahrestag der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestages sollten wir uns daran erinnern – geht es darum, den Bürgerinnen und Bürgern zu zeigen, dass die Demokratie liefert. Die Demokratie muss Lösungen für die Probleme der Bürgerinnen und Bürger liefern.

Dann liefert!

Dann macht mal!

Denn wenn die Demokratie nicht liefert, dann suchen sich manche Alternativen zur Demokratie, und unsere Verantwortung ist es, das nicht zuzulassen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb ist es richtig und ausdrücklich zu begrüßen, dass die CDU/CSU-Opposition das erneute Gesprächsangebot der Bundesregierung, zusammen mit den Ländern ins Gespräch über Maßnahmen zu kommen, angenommen hat.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle wollen in einem freien und sicheren Land leben. Wir wollen uns darauf verlassen, dass Deutschland funktioniert. Wir wollen darauf vertrauen, dass dieses Land seine Leistungsversprechen einlöst und auch in Zukunft mithalten kann. Zu viel wurde dabei in der Vergangenheit vernachlässigt. Die Deutsche Bahn ist leider – spätestens seit der Fußballeuropameisterschaft auch international – zu einem Symbol für all das geworden, was bei uns verspätet oder defekt ist.

Wie heißt der zuständige Minister?

Das dürfen wir nicht zulassen. Es ist schon eine Frage der Selbstachtung, dass wir das nicht zulassen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein prosperierendes Land braucht eine intakte Infrastruktur. Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen wir verlässliche Verkehrswege, für die digitale Transformation stabile Netze, und für eine sichere Energieversorgung brauchen wir klimafreundliche Alternativen. Hier darf es nicht zu – wie heißt es so schön? – „Verzögerungen im Betriebsablauf“ kommen. Im Gegenteil: Es ist höchste Eisenbahn für massive Investitionen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir setzen in unserem Regierungsentwurf klare Prioritäten. Wir investieren dort, wo es für die Menschen und die Unternehmen wichtig ist: bei der Generalsanierung der Schienen, bei der Straße, bei der digitalen Infrastruktur, bei Klimatechnologie und bei anderen neuen digitalen Technologien. Für das Jahr 2025 sind Rekordinvestitionen in Höhe von 81 Milliarden Euro vorgesehen,

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

43 Milliarden Euro mehr als im Vorkrisenjahr 2019, und das alles unter Wahrung der Schuldenbremse. Damit steigt das Investitionsvolumen weiter. Zudem stellen wir sicher, dass es auch im Finanzplan bis 2028 auf diesem hohen Niveau verbleibt.

Auf dem Papier schon!

Im Übrigen fließt auch die größte Einzelinvestition von 18,1 Milliarden Euro in die Bundesschienenwege.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, unser wichtigstes Investment – es ist ja keine Investition im haushaltsrechtlichen Sinne – in die Zukunft sind Verbesserungen im Bereich von Bildung und Betreuung.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Finanzierung des KiTa-Qualitätsgesetzes wird deshalb 2025 und 2026 mit jeweils rund 2 Milliarden Euro fortgesetzt, um die Kinderbetreuung in den Kommunen zu verbessern. Mit dem Startchancen-Programm unterstützt der Bund mit 1 Milliarde Euro jährlich gezielt Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler und schafft so schlicht mehr Lebenschancen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zur Stärkung von Forschungsvorhaben sind rund 3 Milliarden Euro eingeplant. Außerdem stellt der Bund im Jahr 2025 rund 8 Milliarden Euro für die großen Wissenschaftsorganisationen zur Verfügung.

Damit in Deutschland mehr und bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht, setzt der Bund die soziale Wohnraumförderung langfristig fort. Bis zum Jahr 2028 sind hierfür mehr als 20 Milliarden Euro vorgesehen, mit denen der Bau neuer, bezahlbarer und klimafreundlicher Wohnungen unterstützt wird. Außerdem unterstützt der Bund Familien mit zusätzlich 1 Milliarde Euro beim klimaneutralen Neubau. Ebenso wird die Städtebauförderung auf hohem Niveau fortgesetzt. Diese Bundesregierung investiert in unser Land.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, trotz aller Bemühungen und trotz der überzeugenden Eckdaten dieses Bundeshaushaltes verbleiben noch Aufgaben, auch und insbesondere für den Deutschen Bundestag; denn trotz aller Bemühungen gehen wir noch von einer globalen Minderausgabe von 12 Milliarden Euro aus, die wir noch nicht so haben reduzieren können, wie wir es uns vorgenommen hatten. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die globale Minderausgabe bis zum Ende der Haushaltsberatungen durch die wirtschaftlichen Entwicklungen, durch Aktualisierungsnotwendigkeiten auf gesetzlicher Basis und durch politische Entscheidungen weiter reduziert werden kann. Wir wissen aus der Staatspraxis, dass eine GMA von 2 Prozent regelmäßig erreicht wird. Das wären bezogen auf diesen Bundeshaushalt etwa 9,6 Milliarden Euro. Ich habe deshalb gern und mit Zustimmung gehört, dass der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, der Kollege Dennis Rohde, ja ebenfalls öffentlich gesagt hat, es sei sein Ziel und das seiner Fraktion, die GMA in diesen Bereich zu bringen. Seitens des Bundesfinanzministeriums sagen wir dafür alle notwendigen Hilfen und Beratungen zu.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufevon der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist nicht nur und zuerst eine verfassungsrechtliche Frage. Dieses Argument ist bemüht worden, aber ich glaube, es ist eher eine wirtschaftliche Frage.

Da freue ich mich jetzt schon auf die Kürzungen!

Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, je höher eine globale Minderausgabe ist – bei all den Unsicherheiten, die wir wirtschaftlich haben –, desto wahrscheinlicher können auch notwendige Bewirtschaftungsmaßnahmen werden. Je geringer die globale Minderausgabe ist, die wir einplanen, desto klarer ist auch der Haushaltsvollzug im nächsten Jahr zu planen. Und darauf kommt es an: dass Bürgerinnen und Bürger Gewissheit haben, dass dieser Haushalt, auch wenn sich das wirtschaftliche Umfeld verändert, vollzogen werden kann.

Zurufder Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Blick nach vorn; denn dieser Haushalt 2025 ist der letzte Bundeshaushalt, den der Deutsche Bundestag in dieser Wahlperiode beschließen wird.

Mit dieser Regierung!

Es ist eine Illusion, zu glauben, dass Konsolidieren und Priorisieren ein vorübergehendes Phänomen dieser Wahlperiode seien. Ich prognostiziere: Niemand wird dem so schnell entfliehen können. Ganz im Gegenteil: Auch in den nächsten Jahren stehen große Aufgaben bevor. Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes, die Modernisierung unserer Wirtschaftsstruktur, Investitionen in Sicherheit und Klimaneutralität, die Modernisierung und Sicherung der Sozialstaatlichkeit in unserem Land: All diese Kernaufgaben des Staates werden in den nächsten Jahren neu diskutiert werden. In der nächsten Wahlperiode werden Richtungsentscheidungen anstehen, und es gibt unterschiedliche Denkschulen in unserem Land. Das gehört ja zur Demokratie dazu. Man kann doch nicht, wie eben in der Feierstunde, die Lebendigkeit der Demokratie und den Austausch der Argumente und Positionen loben und auf der anderen Seite beklagen, dass es unterschiedliche politische Positionen gibt. Das gehört zur Demokratie dazu.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion beispielsweise Gespräche zur Änderung unseres Grundgesetzes im Bereich der Schuldenbremse anbietet, dann ist das seine souveräne Entscheidung mit Blick auf eine nächste Wahlperiode. Andere müssen entscheiden, wer diese Einladung annimmt. Wenn andere Fraktionen sagen: „Nein, wir setzen eher darauf, das Verhältnis zwischen Staat und Privat neu zu justieren, die Bürgerinnen und Bürger und die Betriebe zu entlasten und eher den Staat zurückzunehmen als Bürger und Wirtschaft in ihren Lebensplänen einzuschränken“, dann ist auch das eine legitime Position. Streit gehört zur Demokratie. In diesem Sinne wünsche ich uns eine lebendige Haushaltswoche.

Anhaltender Beifallbei der FDP
Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Mathias Middelberg
Foto: Dr. Mathias Middelberg/Tobias Koch
16 Vermerkeca. 1.110 WörterReaktionswert: hoch
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Liebe Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Zunächst, lieber Herr Minister, möchte ich mich herzlich für die Zuerkennung besonderer mentaler Techniken bedanken, die mir selber bis dato noch gar nicht bewusst waren.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

Ich kann allerdings sagen, dass ich unter Hinzunahme der bescheidenen mentalen und intellektuellen Fähigkeiten, die mir zur Verfügung stehen, zu anderen Analyseergebnissen komme, was den Haushalt angeht, als Sie soeben.

Beifallbei der CDU/CSU

Zunächst können wir als Unionsfraktion gar keine Haushaltseinigung feststellen, sondern im Gegenteil: Eigentlich stellen wir fest, dass Sie sich trotz 80-stündiger Beratung gar nicht geeinigt haben und das Ergebnis dieser Nichteinigung jetzt an das Parlament delegieren und das auch noch als Souveränitätsgewinn für das Parlament verkaufen wollen. Das ist die Wahrheit.

Beifallbei der CDU/CSU

Ganz interessant ist, was bei Ihrer Rede sehr schön deutlich wurde, als Sie von der Wirtschaftswende sprachen, die jetzt nötig sei – alle dachten sich: Sie sind in der Regierung, Sie sind Minister; eigentlich hätten Sie diese Wirtschaftswende schon seit drei Jahren in die Wege leiten müssen, Sie hätten schon lange Zeit dazu gehabt –:

Das machen wir jeden Tag!

Beim Thema „Wirtschaftswende“ hat nur eine einzige Fraktion hier in diesem Hause geklatscht, das war der mittlere gelbe Bereich, Ihre Freunde aus der eigenen Fraktion. Ansonsten hat sich in Ihrer Koalition, in der Ampel, keine Hand gerührt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufeder Abg. Christian Dürr [FDP] und Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn wir ehrlich analysieren, was es mit diesem Haushaltsentwurf 2025 auf sich hat, kann man nur sagen: Er ist maximal unrealistisch, er ist unehrlich, und er ist auch verantwortungslos.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Peter Boehringer [AfD]

Ich will es Ihnen sehr deutlich machen; ich nenne drei Punkte.

Kein Haushaltsentwurf hat bisher in so umfassendem Umfang ungedeckte Positionen enthalten.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Damit ist nicht nur wahrscheinlich, sondern sicher davon auszugehen, dass Ihnen im Laufe des nächsten Jahres das Geld ausgehen wird. Sie planen gar nicht für das ganze Jahr, sondern ehrlich gesagt planen Sie nur bis zum 28. September.

Zurufvon der CDU/CSU: Sehr richtig!

Danach werden wir wahrscheinlich so wie auch in diesem Jahr einen Nachtragshaushalt auflegen müssen, und Förderprogramme und anderes werden im nächsten Jahr in Gefahr sein.

Sie haben auch nicht nur eine globale Minderausgabe von 12 Milliarden Euro für den Gesamthaushalt eingeplant, sondern darüber hinaus noch 4,3 Milliarden Euro Minderausgaben in den Einzeletats. Im Klimafonds, im KTF, allein schlummern Minderausgaben von 9 Milliarden Euro und Mehreinnahmen von 3 Milliarden Euro. Das sind noch mal 12 Milliarden Euro einfach pauschale, völlig ungedeckte Positionen. Das ist maximal unverantwortlich.

Beifallbei der CDU/CSU

Auch Ihre Einnahmeplanungen – das muss man klar sagen – sind unrealistisch. Sie unterstellen wegen Ihrer Wachstumsinitiative Steuermehreinnahmen von 6 Milliarden Euro. Sie haben allerdings noch nicht mal den kleineren Teil dieser Maßnahmen durch Ihr Kabinett gebracht. Ob und wann das je ins Werk gesetzt wird, wann es wirkt, weiß kein Mensch. Vor diesem Hintergrund ist auch diese Planung maximal unsolide.

Ich nenne Ihnen konkret den Punkt Bürgergeld. Sie machen jetzt einen Nachtragshaushalt fürs Bürgergeld; das ist im Übrigen noch ein Dokument Ihrer missratenen Politik. Sie wollen in diesem Jahr 3,7 Milliarden Euro zusätzlich fürs Bürgergeld mobilisieren, weil wir immer mehr Bürgergeldempfänger haben. Sie haben es geschafft, die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldempfänger in Ihrer Regierungszeit um 300 000 zu steigern; wir haben jetzt deutlich mehr. Die kosten 3,7 Milliarden Euro mehr in diesem Jahr. Das Geld beantragen Sie jetzt zusätzlich. Gleichzeitig planen Sie aber für das nächste Jahr einen Rückgang der Bürgergeldausgaben um 5,5 Milliarden Euro. Wer soll Ihnen das realistischerweise glauben? Der Bundesrechnungshof hat Ihnen vorgerechnet: Sie müssten wenigstens 600 000 Leute zusätzlich aus dem Bürgergeld in Beschäftigung bringen, um dieses Ergebnis zu erreichen. Bislang, wie gesagt, ist es in Ihrer Regierungszeit genau gegenteilig gelaufen. Sie haben keine Menschen zusätzlich in Arbeit gebracht, sondern im Gegenteil: Die Arbeitslosigkeit steigt, und die Zahl der Bürgergeldempfänger auch. Das ist das Ergebnis Ihrer Politik.

Beifallbei der CDU/CSU

Noch schlimmer ist, dass dieser Haushalt wieder an der Grenze der Verfassungsmäßigkeit ist. Ich will das an einem konkreten Punkt sehr deutlich machen. Wir haben die Schuldenbremse ausgesetzt, wir haben Coronakredite aufgenommen und aus diesen Coronakrediten Coronahilfen bezahlt, und wir haben den Wirtschaftsstabilisierungsfonds aufgelegt. Die Gelder, die aus diesen Maßnahmen zurückfließen, müssen Sie natürlich für die Rückzahlung der entsprechenden Kredite verbuchen. Das tun Sie aber gar nicht, sondern Sie bringen diese Gelder in den allgemeinen Haushalt ein. Das riecht ganz gewaltig nach genau der Umwidmung, die das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil über den zweiten Nachtragshaushalt 2021 kassiert hat. Ich will Ihnen diesen klaren Hinweis geben und Sie dringend ermahnen, diese Maßnahme zu überprüfen, sonst laufen Sie wieder Gefahr, dass Sie hier einen verfassungswidrigen Haushalt beschließen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben darauf hingewiesen, Herr Minister, dass das Umfeld ja so schwierig sei: die Krisen und anderes, Ukraine, Energiepreise. Das stimmt ja auch zum Teil. Nur, andere Länder werden mit diesen Krisen sehr viel besser fertig. Die Wirtschaft in der Eurozone wächst in diesem Jahr trotzdem um 1 Prozent, die der USA um 2,6 Prozent. Wir sind bei null; wir sind beim Stillstand.

Die Wahrheit ist: Sie produzieren einen ganz großen Teil dieser Krise wirklich selbst. Sie verunsichern mit Ihrer Regierungspolitik und Ihrem dauernden Streit permanent nicht nur die Verbraucher, sondern auch alle Investoren und Unternehmer. Ewiger Streit um die Gasumlage, ewiger Streit um einen Industriestrompreis, der nie kam, ewiger Streit um das Heizungsdesaster, mit dem Sie selbst den Wärmepumpenmarkt zerstört haben, Streit um die Abschaltung der Kernkraftwerke. Dann ein Haushaltsurteil, auf das Sie null vorbereitet waren, Abbruch von Förderprogrammen für die Wohnhaussanierung und die E-Auto-Förderung. Das alles ist Ihr Beitrag zur Konjunktur und zur wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Lande.

Sie preisen sich regelmäßig dafür, dass Sie Steuererhöhungen verhindern würden. Tatsache ist: Die Sozialabgaben sind in den letzten Jahren im Rekordtempo gestiegen. Die Steuerprogression für 2022, das Jahr mit der größten Inflation, haben Sie gerade nicht ausgeglichen. Sie haben die Dieselbesteuerung für Landwirte angehoben, die Luftverkehrsteuer, die Gastrosteuer, die Lkw-Maut und zum Schluss den CO2-Preis, ohne jeden Ausgleich durch Klimageld. Sie haben Bürger und Unternehmen massiv zusätzlich belastet. Auch das hat natürlich ganz massiv zur mangelnden wirtschaftlichen Entwicklung und zum aktuellen Stillstand beigetragen.

Beifallbei der CDU/CSU

Diesen Befund können und wollen wir Ihnen nicht ersparen.

Ich sage Ihnen ganz einfach: Setzen Sie die Wirtschaftswende, von der Sie sprechen, doch ins Werk! Bauen Sie doch in Ihrem Haushalt mal wirklich um, was Sie hiermit nicht leisten!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Fast 51 Milliarden Euro kostet das Bürgergeld; das ist jeder zehnte Euro aus Ihrem Haushalt. Auf 28 Milliarden Euro in diesem Jahr und 24 Milliarden Euro im Folgejahr – Sie haben es eben selber vorgerechnet – belaufen sich die Aufwendungen für Asyl und Fluchtursachenbekämpfung. Gehen Sie doch mal an diese Riesenpakete in Ihrem Haushalt ran! Da haben Sie doch richtig Sparpotenzial. Wenn Sie das anfassen würden, dann kämen Sie auf den richtigen Kurs.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich kann Ihnen nur sagen: Hören Sie auf – da zitiere ich Sie –, falsch zu regieren, Herr Minister, oder beenden Sie dieses erbärmliche Ampeltheater!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]
Porträt von Dennis Rohde
Foto: Dennis Rohde/ Ulf Duda
19 Vermerkeca. 1.362 WörterReaktionswert: hoch
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Geschätzte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei jedem anderen Redner der Union hätte ich jetzt zu Beginn kritisiert, dass es wieder eine Rede komplett ohne eigenen Vorschlag war. Aber, Herr Middelberg, Sie sind im Sommer aufgefallen. Sie haben uns einmal Einblick in die Vorschläge und Ideen gegeben, die so in der Union reifen. Und Sie haben eine massive Bruchlandung erlebt.

Sie haben vorgeschlagen, die Bildungsprogramme zusammenzustreichen, vorneweg das Startchancen-Programm für die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Sie haben vorgeschlagen, die Demokratie- und Zivilgesellschaftsprogramme zusammenzustreichen. Und Sie haben prompt die Antwort Ihrer eigenen stellvertretenden Bundesvorsitzenden bekommen: Frau Prien hat das Ganze als „töricht“ bezeichnet – und das mit Recht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

In dieser Zeit Vorschläge zu machen, bei Bildung, bei Demokratie und bei Zivilgesellschaft zu sparen, auf diese Idee muss man tatsächlich erst mal kommen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Ich will gleich zu Beginn anhand dieser Beispiele für unsere Fraktion deutlich sagen: Wir tagen in jeder Woche, in der wir Fraktionssitzung haben, im Otto-Wels-Saal als Erinnerung an den Sozialdemokraten, der unweit von hier gegen das Ermächtigungsgesetz gesprochen hat. Wir gehen vorbei an den Namen deren, die die Courage hatten, hier den Nazis die Stirn zu bieten. Wir stehen in der Tradition dieser mutigen Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Deshalb werden wir immerzu für Demokratie und für die unveräußerlichen und universellen Menschenrechte kämpfen und auch ganz besonders in diesem Haushalt, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zur Wehrhaftigkeit dieser Demokratie gehört auch, dass wir der Verantwortung gerecht werden, dafür zu sorgen, dass sich Menschen in diesem Land sicher fühlen,

Das ist eine Finanzdebatte!

dass sie in diesem Land sicher leben können, dass sie vor islamistischem Terrorismus, aber auch vor Extremismus in jeglichem Sinne sicher sind.

Da geht es nicht nur ums Ordnungsrecht – das wird diese Woche auch noch diskutiert –, sondern da geht es auch darum, dass der Staat sein Gewaltmonopol durchsetzen kann; da geht es auch darum, dass unsere Sicherheitsdienste vernünftig ausgestattet sind. Deshalb ist es richtig und ein starkes Zeichen einer wehrhaften Demokratie, dass Nancy Faeser dafür gesorgt hat, dass fast 1 Milliarde Euro mehr für die Sicherheitsdienste zur Verfügung steht, um eben auch das Gewaltmonopol dieses Staates durchzusetzen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zu unserer Sicherheit gehört auch, dass internationale Regeln gelten, dass die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren gilt, dass die internationale Ordnung durchgesetzt wird, weil sie es am Ende ist, die uns und unsere Freiheit schützt. Darum werden wir auch weiterhin der Ukraine helfen: weil gerade in der Verteidigung gegen die russische Aggression auch die internationale Ordnung geschützt wird.

Sie sollen hier erklären, wie Sie das alles bezahlen wollen! Das ist die Debatte!

Und trotz aller Unkenrufe: Wir werden auch in Zukunft in großem Maße die Ukraine unterstützen. Es ist ein richtiger Vorschlag des Bundeskanzlers, zu sagen: Bevor alle nationalen Haushalte belastet werden, versuchen wir, das eingefrorene Vermögen zu nutzen und der Ukraine jetzt viel Geld für Waffen zur Verteidigung zur Verfügung zu stellen. Aber ich sage auch: Wenn das am Ende nicht gelingt, dann sind wir wieder am Ball, und dann werden wir der außergewöhnlichen Notsituation in der Ukraine begegnen und unserer Verantwortung gegenüber der russischen Aggression gerecht werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Peter Boehringer [AfD]

Aber für uns gehört zur Friedenspolitik nicht nur die militärische Dimension, sondern immer auch die humanitäre. Wir wollen nicht, dass dieses Thema, wie es gerade einige versuchen, auf dem populistischen Scheiterhaufen geopfert wird; das lassen wir nicht zu. Wir wollen nicht, dass diejenigen, die sich selbst Patrioten nennen, aber mit ihrer Politik genau das Gegenteil bewirken, in diesem Land die Deutungshoheit bekommen.

Das entscheidet der Wähler!

Ich möchte daran erinnern: 2015 ist den internationalen Organisationen, den Flüchtlingshilfswerken das Geld ausgegangen. Die Folgen sind uns allen bekannt. Wir wollen, dass Fluchtursachen wirksam bekämpft werden. Aber wer das will, der muss Menschen auch Perspektiven bieten. Wir schämen uns nicht, das zu sagen und uns dafür in diesen Haushaltsverhandlungen auch einzusetzen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Der Finanzminister ist auf die wirtschaftliche Situation und auf das, was wir vorhaben, eingegangen. Ich möchte aber schon noch einmal in Erinnerung rufen: Als wir vor zwei Jahren hier diskutiert haben, hatten wir Wirtschaftsprognosen, die desaströs waren. Ein massives Schrumpfen unserer Wirtschaft wurde uns als Folge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vorhergesagt. Und es wurde vorhergesagt, dass man in diesem Land nie wieder günstig Strom und Gas beziehen kann. Ich möchte feststellen: Die Strom- und Gaspreise sind heute auf Vorkriegsniveau,

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

und das ohne Russland und ohne den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Das schafft man nicht mit Alarmismus, sondern indem man besonnene Entscheidungen trifft, und das haben wir hier in den letzten Jahren getan.

Jetzt geht es darum, eine Initialzündung für unsere Wirtschaft loszutreten. Wir sind der festen Überzeugung, dass das Wirtschaftspaket, dass die 49 Maßnahmen wirken werden.

Ja, welche denn?

Und das ist natürlich auch unsere Annahme hier im Haushalt. Wer jetzt kritisiert: „Das Bürgergeld ist zu niedrig veranschlagt, die Steuermehreinnahmen sind zu hoch veranschlagt“, der glaubt nicht an die Wirtschaftskraft in diesem Land. Wir glauben, dass sie entfesselt wird, dass Menschen Arbeit finden und dass das alles solide veranschlagt ist. Wir glauben nämlich an unsere Politik, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Aber der Wähler glaubt da nicht mehr dran!

Wir sind uns bewusst, dass wir in dieser Zeit des Wandels auch Verantwortung für die Arbeitsplätze in diesem Land tragen. Das haben wir während der Coronapandemie bei der Lufthansa und bei TUI gezeigt,

indem wir zeitweise eingestiegen, dann aber auch wieder ausgestiegen sind. Und das werden wir in dieser Woche auch bei der Meyer Werft zeigen, wo es darum geht, das Erwerbseinkommen von 15 000 bis 20 000 Familien abzusichern – ein Unternehmen, das eigentlich gut aufgestellt ist, bei dem es aber unternehmerische Fehlentscheidungen gab. Aber wir lassen diese 20 000 Menschen diese Fehlentscheidungen nicht ausbaden, sondern wir unterstützen die Werft, damit sie wieder auf eigene Füße kommt. Wir stärken die Familien, die dort ihre Beschäftigung haben, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir beginnen heute mit den parlamentarischen Beratungen. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten eigene Vorschläge machen. Wir werden uns sicherlich an der ein oder anderen Stelle reiben, weil die Vorstellungen, die die Fraktionen haben, sicherlich nicht an jeder Stelle deckungsgleich sind. Aber wenn die Wahlen im Osten eins gezeigt haben, dann ist es, glaube ich, dass die Menschen möchten, dass das im Stil und im Umgang anders geschieht, dass wir zwar hart in der Sache streiten, das allerdings nicht auf offener Bühne machen.

Die SPD hat ungefähr nur noch 6 Prozent!

Ich glaube, dafür sind die Arbeitsgruppen Haushalt in den letzten drei Jahren Garant gewesen. Wir wollen harte Auseinandersetzungen; aber wir werden das im Stil und im Umgang vernünftig machen. Ich glaube, dafür stehen auch Sven-Christian Kindler und Otto Fricke. Wir werden das vernünftig hinbekommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

An einer Stelle, Herr Minister, haben Sie mich gerade angesprochen, als es nämlich um die Frage der GMA ging, also um die Frage: Wie viel Geld bleibt am Ende eines Haushaltsjahres eigentlich noch liegen? Wie viel schafft es die Bundesregierung nicht zu verausgaben? Ich will es mal anders formulieren: Ich finde, Sie machen sich da schwächer als Sie sind. Ich bin der festen Überzeugung: Wenn diese Regierung vernünftig arbeitet, wird sie am Ende weniger als 12 Milliarden Euro GMA haben und viel mehr nicht verausgabt bekommen. Das ist das Ziel. Darum finden wir, dass die GMA noch mal abgesenkt werden muss.

Aber wenn wir dasselbe Ziel haben und Sie das eigentlich auch so sehen und wenn das der Regierungsentwurf ist und es an der Stelle vielleicht noch Optimierungsbedarf gibt, dann freue ich mich darauf, dass wir innerhalb der Bundesregierung abgestimmte einvernehmliche Vorschläge bekommen werden. Denn die Verantwortung dafür, finde ich, ist nicht alleine dem Parlament zu übertragen, sondern es geht uns alle an, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie der Abg. Antje Tillmann [CDU/CSU]

Wir werden uns als sozialdemokratische Fraktion in den nächsten Wochen dafür einsetzen, dass die äußere Sicherheit, die Unterstützung der Ukraine nicht gegen die innere Sicherheit, die Aufwüchse bei den Sicherheitsbehörden, ausgespielt wird. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Themen der sozialen Sicherheit, ein funktionierendes Rentensystem, ein funktionierendes soziales Netz, wenn ich Schicksalsschläge im Leben erlitten habe, nicht gegen die innere und äußere Sicherheit ausgespielt werden.

Wir werden hart streiten. Aber ich bin der festen Überzeugung: Wir werden, auch wenn wir unterschiedliche Fraktionen sind, am Ende einen Kompromiss finden, weil wir den Kompromiss nicht scheuen. Wir wissen: In einer parlamentarischen Demokratie, in so einer Koalition gehört der Kompromiss dazu. Den zu suchen und zu finden, wird unsere Aufgabe in den nächsten Wochen sein.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Peter Boehringer
Foto: Peter Boehringer
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Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Eines muss man vor die Klammer dieser Beratung des Haushalts 2025 ziehen: Die Protokollveröffentlichungen des RKI werfen ein völlig neues Licht auf die Coronasonderverschuldung, die alle Bundeshaushalte seit 2020 durch einen langen haushalterischen Notstand gerettet hat. Denn diese Verschuldung basierte auf Betrug. „Trust the Science“ war bei Corona eine Lüge.

Beifallbei der AfD

Wir wissen heute, dass es für die allermeisten Maßnahmen keine wissenschaftlichen Gründe gab. Das RKI leitete die Coronaentscheidungen nicht, sondern wurde von seiner Oberbehörde, die heute durch ministeriale Abwesenheit glänzt, politisch genötigt. Das RKI wusste intern: Lockdowns bringen nichts. – Es gab nie eine Pandemie der Ungeimpften – auch der Autor dieses Zitats glänzt durch Abwesenheit.

Beifallbei der AfD

Trotzdem wurde über die behauptete epidemiologische Notlage auch die haushalterische Notsituation begründet – in vier, fünf Haushalten und mehreren Nachtragshaushalten. Milliardenteuer wurden Masken beschafft und später wieder vernichtet. Impfungen führten zu keinem Fremdschutz, und die Gentherapie erbrachte auch kaum einen Eigenschutz, wohl aber hohe Nebenwirkungsrisiken für Gesundheit und Leben. Die Politik folgte nicht der Wissenschaft, behauptete aber genau dieses.

Das Medizinische muss an anderer Stelle aufgearbeitet werden, nicht zwingend heute. Doch dieses üble Betrugsspiel brachte den Merkel/Spahn- und den Scholz/Lauterbach-Regierungen auch viele Milliarden Euro in die Kassen, ohne die kein Haushalt seit 2020 aufgegangen wäre. Verfassungswidrig gab es jahrelang eine überjährige Nutzung und eine Zweckentfremdung der Coronanotschulden für „Klima und Transformation“ – national und über die EU. Die deutschen Mittel für die „große Welttransformation“, die hier immer wieder beschworen wird, stammen also seit vier Jahren zu großen Teilen aus der Coronaverschuldung und basieren auf der großen Coronalüge.

Beifallbei der AfD

Das RKI war intern – intern! – gegen eine dramatisierende, nicht faktenbasierte Kommunikation; das Lauterbach-Ministerium forderte faktenwidrig aber genau diese. Viele Milliarden an Schäden wären von den Menschen, dem Haushalt und der Gesellschaft ferngehalten worden, wenn Sie wirklich die Wissenschaft hätten arbeiten lassen, anstatt sie zu bevormunden.

Beifallbei der AfD

Das muss mal gesagt werden!

Das, Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, musste vor die Klammer unserer heutigen Haushaltsberatungen; denn alle Haushalte seit 2020 waren auf Lügen und pseudowissenschaftlicher Hybris aufgebaut.

Damit kennen Sie sich ja aus!

Alles projektiv hier! Alles eine große Projektion!

Ebenso übrigens viele Gerichtsurteile zu Corona: Verfassungsrechtler Boehme-Neßler hat sie im Lichte der RKI-Files als „Fehlurteile“ bezeichnet; denn das RKI war kein unabhängiger Sachverständiger. Das heißt, das Verfassungsgericht und andere Gerichte wurden an dieser Stelle hinter die Fichte geführt.

Beifallbei der AfD

Es geht hier um den Haushalt, nicht um das RKI!

Nun zum Haushalt 2025. Die Ministerien müssen enorme 12 Milliarden Euro an völlig ungeklärten globalen Minderausgaben liefern; wir haben es schon gehört. Der Haushalt ist also sogar ganz offiziell noch gar nicht durchfinanziert, was direkt dem Gebot des Artikels 110 Grundgesetz – ausgeglichene Einnahmen und Ausgaben – zuwiderläuft.

Doch das ist – wir haben es andeutungsweise eben schon gehört – nur die Spitze des Eisbergs. Das Problem der Ampel ist viel größer als offiziell berichtet. Denn zusätzlich gibt es in fast allen Einzelplänen und im KTF auch noch „lokale“ GMA-Anforderungen. Nach unserer Rechnung summieren sich diese auf über 27 Milliarden Euro zusätzlich – das ist also noch mal höher als das, was Kollege Middelberg eben ausgerechnet hat –, insgesamt dann 39 Milliarden Euro in diesem Regierungsentwurf. Herr Minister Lindner, die Staatspraxis der letzten Jahre – wir haben es uns mal angeschaut – waren hier etwa 3 bis 8 Milliarden Euro, und Sie machen in diesem Jahr 27 Milliarden Euro daraus in diesen Einzelplan-GMAs. Das ist unseriös und wird auch nie im Leben im parlamentarischen Prozess hier aufgeholt werden.

Beifallbei der AfD

Unter diesen Minderausgaben ist 1 Milliarde Euro im Etat der Bundeswehr. Das ist unrealistisch. Man sucht ja verzweifelt Geld für die Verlängerung des Ukrainekriegs – ein Krieg, der nicht der unsere ist, auch wenn es hier immer wieder beschworen wird. Oder im KTF 9 Milliarden Euro Minderausgaben ohne jede für uns nachvollziehbare Planung, und bei den Zinsausgaben – ebenfalls sehr unrealistisch – 1,5 Milliarden Euro Minderausgaben. Woher soll das denn kommen? Das wird vom Kapitalmarkt diktiert. Die Verwaltung kann diese Einsparungen nicht schaffen, wenn schon die globale GMA viel zu hoch angesetzt ist, und Sie wissen das. Die Regierung weiß das, der Finanzminister weiß es, und damit ist es unseriös, Milliardenausgaben systematisch unterzuveranschlagen.

Beifallbei der AfD

Dabei widerlegt die Realität doch schon heute ständig die teilweise lächerlichen Annahmen, etwa die von Minister Heil, der ebenfalls durch Abwesenheit glänzt. Beim Bürgergeld wird dank der rechtsvergessenen Zuwanderungs- und Sozialpolitik für alle Welt viel mehr Geld benötigt. Budgetiert werden aber tatsächlich für 2025 5,5 Milliarden Euro weniger als für 2024. Das sind zwar immer noch wahnsinnige 45 Milliarden Euro, aber es wird leider nicht reichen.

Einen „Jobturbo“-Effekt – Zitat von Herrn Heil – hat das leistungslose Migrantengrundeinkommen entgegen den Dauerbeschwörungen von Minister Heil auch nicht. Ganz im Gegenteil: Über 60 Prozent der Bürgergeldbezieher haben Migrationshintergrund. Sogar der Finanzminister selbst spricht von einem gescheiterten Konstrukt. Konsequenzen zieht die FDP aber wie immer keine.

Beifallbei der AfD

Bei der Deutschen Bahn sehen wir wilde Eigenkapital- und Darlehenskonstruktionen, nur damit diese angeblich investive Verschuldung an der Schuldenbremse vorbeilaufen kann; ein reiner Trick.

Weiterhin arbeitet die Regierung – und auch hier wieder der Finanzminister – mit Wachstumserwartungen, die völlig von der Realität entfernt sind. Die aktuelle Wahrheit im Juli ist, Herr Minister, ein Minus von 7,9 Prozent bei den Steuereinnahmen gegenüber dem Vorjahresmonat. Und das ist die nominale Zahl; real schrumpfen die Steuereinnahmen gesamthaft um 10 Prozent pro Jahr. Das ist der aktuelle Zustand.

Beifallbei der AfD

Allen Ernstes spekuliert die Ampel für 2025 trotzdem auf Steuermehreinnahmen in Höhe von 14 Milliarden Euro, die wundersamerweise irgendwie über dieses Wachstumspaket generiert werden sollen. Und im KTF werden noch zusätzlich mal eben 3 Milliarden Euro generiert. Völlig unklar; das sind reine Luftbuchungen.

Aktuell holt die Regierung die Realität ein: Man gönnt sich noch 2024 11 Milliarden Euro an Zusatzschuldgeld wegen der sich schnell verschlechternden Konjunktur. Seriös ist das nicht. Und es wurde noch nicht einmal der Nachtragshaushalt angesprochen, der ja heute eigentlich mitdebattiert wird.

Wir werden im Zuge der nun beginnenden Beratungen noch viel mehr aufdecken. Sie laufen vorsätzlich in eine Budgetlücke im Haushaltsvollzug 2025 hinein. Doch Ihr Motto ist „Nach uns die Sintflut“. Die Mittel müssen nur noch irgendwie bis zur Bundestagswahl reichen; denn es ist ja der letzte Ampelhaushalt – im wahren Wortsinne der letzte.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
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Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Finanzminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist im Frühjahr viel gewarnt worden vor einem harten Sparhaushalt. Wir haben uns als Fraktion, wie viele andere auch, klar gegen Kürzungen im sozialen Bereich, Kürzungen bei der Demokratieförderung oder beim Klimaschutz ausgesprochen. Wenn ich mir den Haushaltsentwurf jetzt anschaue, dann bin ich sehr froh, dass die Bundesregierung zu sehr großen Teilen auf den Rat aus dem parlamentarischen Raum, auf den Rat aus der Gesellschaft gehört hat. Ein Kaputtsparen beim Klima hat es mit diesem Haushaltsentwurf nicht gegeben, und das wird es auch in Zukunft mit uns nicht geben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wenn man sich die Ausgaben im Haushalt 2025 anguckt, dann sieht man: Sie liegen auf dem Niveau des Haushaltes 2024. Die Etats der Ministerien liegen 20 Milliarden Euro über dem Finanzplan. Ein harter Sparkurs, so wie ihn Herr Middelberg gefordert hat, hätte unser Land entzweit. Der Kollege Rohde hat es gesagt: Herr Middelberg hat für die Unionsfraktion gefordert, dass man bei der Digitalisierung in den Schulen spart, dass man Schüler, die Nachhilfebedarf haben, nicht mehr unterstützt, dass man Sozialausgaben kürzt, dass man Mittel für Demokratieinitiativen gegen Islamismus oder Rechtsextremismus wegkürzt. Alles das hat die Unionsfraktion gefordert. Diesen harten Sparkurs wird es mit uns und mit dieser Koalition nicht geben. Das unterscheidet uns von dieser Union.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Pascal Kober [FDP]

Stattdessen setzen wir mit diesem Haushalt Prioritäten,

zum Beispiel bei einer guten Versorgung und Absicherung von Kindern. 4 Milliarden Euro werden wir in den nächsten zwei Jahren für mehr Erzieherinnen und Erzieher in Kindergärten bereitstellen. Wir sichern die Kinderhilfe, wir sichern Kinder- und Jugendarbeit in Form der ehrenamtlichen Betreuung.

Wir haben zum Beispiel auch dafür gesorgt, dass Kinder und Familien mehr Geld in diesem Land bekommen. Für uns Grüne ist die Bekämpfung von Kinderarmut ein Topthema in dieser Koalition. Deswegen erhöhen wir das Kindergeld, den Kinderzuschlag und den Kinderfreibetrag. Das sind zusammen 3 Milliarden Euro, die direkt den Familien in diesem Land helfen. Das ist ein echter Erfolg für die Kinder in diesem Land.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Auch beim Klimaschutz handelt die Bundesregierung. Der Klima- und Transformationsfonds bleibt trotz des Urteils aus Karlsruhe im Kern erhalten. Wir fördern klimafreundliches Heizen, wir fördern klimafreundliches Bauen und Produzieren mit Milliarden. Und wir investieren auch in die Deutsche Bahn; wir investieren jetzt 5 Milliarden Euro mehr in die Bahn als in die Schiene.

Mehr in die Bahn als in die Schiene? Wie soll das denn gehen?

Damit halten wir ein klares Versprechen aus dem Koalitionsvertrag. Wir investieren massiv in den Klimaschutz und in unsere Zukunft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

5 Milliarden mehr in die Bahn als in die Schiene?

– Wir investieren 5 Milliarden Euro mehr in die Schiene als in die Straße.

Ah! Das ist ja was ganz anderes!

Das ist die Wahrheit über diesen Haushaltsentwurf.

Die Union hat uns im Vorfeld Tricksereien vorgeworfen. Ich finde, das kann man leicht sagen; man muss sich aber die Details im Konkreten anschauen. Wir werden mit diesem Etatentwurf und den Gesetzentwürfen, die vorliegen, das Haushaltsrecht entstauben – es gehört dringend modernisiert –, zum Beispiel bei den Zinskosten. Wir werden jetzt bei der Verlängerung von Anleihen nicht mehr auf einen Schlag die Zinsdifferenz zahlen, sondern die Zahlungen periodengerecht über die Zeit verteilen, so wie das international empfohlen wird, so wie das viele Expertinnen und Experten schon lange fordern. Auch wir haben diese Forderung schon 2015, damals in der Opposition, eingebracht.

Zur Wahrheit gehört – das muss man sagen –: Ohne die riesigen Disagio- und Agioeffekte hätten Wolfgang Schäuble und die Unionsfraktion nie die schwarze Null geschafft. Ohne die massiven Zinskosteneffekte hätten sie nie ihren Haushalt sanieren können. Was wir jetzt machen, führt dazu, dass man beim Haushalt besser planen kann, dass das Ganze verlässlicher wird. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Haushaltsklarheit und Haushaltswahrheit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Zurufvon der CDU/CSU

Aber natürlich ist auch klar: Dieser Haushalt ist nicht an allen Ecken und Enden zu Ende gedacht. Mir ist tatsächlich nicht klar, wie man ernsthaft in der aktuellen Weltlage bei den Mitteln der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit so drastisch kürzen kann.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP

Jeder Euro, der zusätzlich für die humanitäre Hilfe zur Verfügung steht, rettet das Leben von Menschen in Not. Es mag pathetisch klingen; aber genau so ist es. Wir haben eine Verpflichtung – gerade als reiches Land –, Menschen in Not, Menschen in Katastrophengebieten zu helfen. Punkt!

Das ergibt sich aus dem Fundament unserer Gesellschaft: dem Grundgesetz mit der Orientierung an den Menschenrechten,

Menschenrechte der Welt!

der Mitgliedschaft der Bundesrepublik in den Vereinten Nationen und der christlichen Prägung in Deutschland mit der Nächstenliebe.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Selbst wenn man diese Überzeugung nicht teilt, dann gibt es neben dieser ethischen Verantwortung auch ganz harte geopolitische Fakten, die man zur Kenntnis nehmen muss: Je weiter wir uns aus der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe heraushalten, je weiter wir uns als westliche Demokratien vor Ort zurückziehen, desto mehr Platz lassen wir Autokraten, desto mehr Platz lassen wir Despoten wie Wladimir Putin und Xi Jinping. Das ist die bittere Realität.

Zurufdes Abg. Dr. Harald Weyel [AfD]

Deswegen werden wir als grüne Fraktion mit den Ampelpartnern sehr konkret über humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit reden müssen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Sie machen das doch von den Grünen!

Und Gleiches gilt für die Unterstützung der Ukraine. Es ist richtig und gut, dass die Bundesregierung im Rahmen der G 7 50 Milliarden Euro bereitstellen will, finanziert über die Zinsgewinne aus eingefrorenem russischen Vermögen. Das ist richtig, das unterstützen wir. Gleichzeitig ist auch klar: Wir müssen auch dieses Jahr der Ukraine kurzfristig mit mehr militärischer Unterstützung helfen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

„Keine Waffen in Kriegsgebiete!“

Sollte es zu Schwierigkeiten bei der G-7-Initiative kommen und der Deal sich verzögern, dann ist klar: Da müssen wir im Haushaltsausschuss noch mal ran. Denn für uns ist völlig klar: Es gibt eine rote Linie, die Wladimir Putin überschritten hat. Internationales Recht gilt, und unsere Freiheit wird in der Ukraine verteidigt.

Und am Hindukusch!

Unsere Freiheit in Deutschland und Europa wird in der Ukraine verteidigt. Wir werden nicht nachlassen, die Ukraine zu unterstützen. Das ist ein klares Versprechen, das wir hier abgeben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufdes Abg. Dr. Harald Weyel [AfD]

Wir erleben jetzt mehrere Zeitenwenden. Das eine ist die Zeitenwende durch den brutalen Angriffskrieg Wladimir Putins auf die Ukraine, der unsere ganze internationale Ordnung bedroht, der massive Auswirkung auf die außenpolitische Sicherheit und die innenpolitische Sicherheit hat. Schauen wir uns zum Beispiel die ganzen Cyberangriffe an und wie hier Demokratie verächtlich gemacht wird, auch durch den Kreml; das müssen wir auch gerade hier im Parlament manchmal leider ertragen.

Wir haben aber auch andere Zeitenwenden. Wir haben eine massive Klimakatastrophe, ein großes Artensterben, das wir in diesem Frühjahr und diesem Sommer wieder erleben mussten. Und wir haben einen großen Investitionsstau nach 16 Jahren unionsgeführter Regierung, in denen wir viel zu wenig investiert haben. Das haben wir leider auch bei der Fußballeuropameisterschaft der Männer gesehen, wo ein Debakel bei der Deutschen Bahn passiert ist, nach 12 Jahren CSU-Ministern in Verantwortung.

Und 3 Jahren FDP-Minister!

Insofern sagen wir klar: Wir haben in diesen großen Zeitenwenden einen Investitionsstau bei der inneren und äußeren Sicherheit und bei der Klimakatastrophe. Diesen Stau aufzulösen, das kann man nicht aus der Portokasse finanzieren; da brauchen wir andere Finanzregeln, um das anzugehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Deswegen fordern wir die Union hier im Bundestag auf, sich Gesprächen mit den Bundesländern, wo viele CDU-Ministerpräsidenten bereit sind, über eine Reform der Schuldenbremse zu reden, nicht weiter zu verweigern.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir müssen darüber reden, wie wir investieren können in eine gute Bahn, gute Busse, gute Schulen, innere und äußere Sicherheit, Klimaschutz. Das sind wichtige Gespräche, die wir parteiübergreifend führen müssen.

Ansonsten freue ich mich auf die Haushaltsberatungen. Das ist der Ort, wo wir über Alternativen diskutieren können, wo wir gemeinsame Kompromisse und Ideen finden können, um vieles aus diesem Entwurf noch besser zu machen. Wir sind der Haushaltsgesetzgeber. Ich freue mich auf die Arbeitsgruppen von FDP und SPD, also stellvertretend mit Otto Fricke und Dennis Rohde, um daran konstruktiv-kollegial zusammenzuarbeiten. Ich glaube, am Ende werden wir zu guten Lösungen kommen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
25 Vermerkeca. 891 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kritik am Haushaltsentwurf ist das Königsrecht der Opposition, gerade auch bei der Einbringung des Haushalts.

Danke schön!

Dennoch: Ein Jahr vor der Bundestagswahl – das ist hier schon gesagt worden, Herr Middelberg – wäre es doch schon interessant, zu erfahren, wofür die CDU/CSU eigentlich steht.

Für verfassungskonformen Haushalt!

Wenn Sie das nicht mitteilen wollen, dann wäre doch zumindest interessant, zu wissen, wie Sie zu den Vorschlägen und Initiativen der Ampel stehen. Auch dazu haben Sie heute wieder nichts gesagt.

Lachendes Abg. Ingo Gädechens [CDU/CSU]

Wie stehen Sie zu den Entlastungen, die wir in diesem Haushaltsentwurf und mit dem Wachstumspaket vorlegen? Unterstützen Sie mit Ihren schwarz-grünen Regierungen auf Länderebene den Abbau der kalten Progression? Sie haben nichts dazu gesagt.

Das Stichwort „Startchancen-Programm“ ist bereits gefallen. Wie sieht es mit dem KiTa-Qualitätsgesetz aus? Wie sieht es mit dem Vorschlag zum Digitalpakt 2.0 – 50-Prozent-Finanzierung und nur zusätzliche Ausgaben – aus?

Ja, kommen Sie mal in die Pötte!

Wie stehen Sie zu den Einlassungen Ihrer Länderkollegen?

Wie stehen Sie dazu?

Sie müssten doch ein Jahr vor der Bundestagswahl mal sagen, was die Bürgerinnen und Bürger draußen am Ende des Tages erwarten können, wenn sie Ihnen ihre Stimme geben.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und – ganz persönlich, Herr Middelberg – wir haben in diesem Haushaltsentwurf eine Investitionssumme in Höhe von 16,6 Prozent des Gesamthaushalts. Das ist eine Verdopplung im Vergleich zum Jahr 2021, als Sie das letzte Mal in Verantwortung waren. Da Sie hier von Verantwortungslosigkeit reden – ich habe noch mal nachgeguckt –: Im Jahr 2021 waren Sie innenpolitischer Sprecher Ihrer Fraktion. Ich hoffe, dass wir heute Nachmittag auch das Versagen, das Sie persönlich aufgrund der letzten drei, vier Jahre Ihrer Regierungsverantwortung mitzuverantworten haben, gemeinsam im demokratischen Zentrum korrigieren können. Deswegen hoffe ich, dass Sie zukünftig das Wort „verantwortungslos“ vielleicht nicht ganz so einfach über die Lippen bringen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir Investitionssummen im Bundeshaushalt mit den Ländern und Kommunen zusammen nennen, dann müssen wir auf der anderen Seite immer sagen – auch das wurde heute schon klar –, dass wir private Investitionen anreizen müssen. Deswegen wollen wir die Wirtschaftswende mit den 49 Maßnahmen, die hier bereits genannt worden sind, mit dem Haushalt verknüpfen. Es ist für die FDP ganz klar, dass diese 49 – vielleicht sind es auch nur 48 – Maßnahmen umgesetzt werden müssen.

Sagen Sie es doch mal!

Auch hier wäre es interessant gewesen, zu erfahren, was Sie davon bereit sind mitzutragen. Sie haben jetzt hier wieder darüber gesprochen, dass zu hohe Ausgaben für das Bürgergeld veranschlagt sind. Den Mechanismus haben Sie selbst, die ganze Unionsfraktion, vor zwei Jahren mit beschlossen. Wir sagen ja, dass wir uns geirrt haben. Wir wollen das ja ändern. Wir ändern es teilweise mit diesem Entwurf.

Ja, dann ändern Sie es doch!

Aber es wäre doch mal angemessen, wenn Sie mit einem Halbsatz sagen würden: Ja, wir haben uns geirrt, und wir wollen es jetzt gemeinsam korrigieren.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Da wir beim Thema Schuldenbremse sind: Friedrich Merz, Carsten Linnemann – Stichwort „CDU-Grundsatzprogramm“ –, ist deren Position die Position von Ihnen, oder ist Ihre Position die Position von Kai Wegner, der jetzt gerade mitteilt, dass er die Notlage in Berlin aufgrund der Flüchtlingssituation ausrufen möchte?

Zurufdes Abg. Sebastian Brehm [CDU/CSU]

Was sagen Sie denn dazu? Was sagen Sie denn den Berliner Kollegen Ihrer eigenen Fraktion? Die Berliner Generalsekretärin und der Berliner Landesschatzmeister der CDU sind in Ihrer Fraktion. Was sagen Sie denn? Sind Sie für die Schuldenbremse

oder dagegen? Sind Sie auf der Seite von Daniel Günther, Reiner Haseloff, Boris Rhein und Kai Wegner oder auf der Seite von Friedrich Merz?

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Ja, sagen Sie mal, was Sie wollen!

Dann kommen wir mal zur GMA. Ja, es wäre besser gewesen, wenn diese Konsolidierungsmaßnahme, die im haushalterischen Verfahren noch verhandelt werden muss, bereits im Regierungsentwurf abschließend behandelt wäre. SPD und Grüne haben ja in der Tat zugesagt, dass, wenn sich in den nächsten Monaten weniger Ausgaben oder mehr Einnahmen ergeben, diese dann darauf angerechnet werden können.

Aber mal im Ernst, Herr Middelberg, die Höhe der GMA ist eine Frage von Haushaltswahrheit und Haushaltsklarheit. Die muss uns Parlamentarier vor allem interessieren.

Aber angesichts der Art und Weise, mit der die Unionsfraktion in den letzten zwei Jahren Haushaltsberatungen geführt hat,

Aha! Jetzt kommt’s!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU: Oh!

können Sie doch nicht allen Ernstes für sich beanspruchen, über Haushaltswahrheit und Haushaltsklarheit zu reden. Auch da wäre es schön, wenn Sie den 2024er-Beratungen mit etwas mehr Intensität begegnen würden.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich bin dem Kollegen Kindler sehr dankbar, dass er klargemacht hat, dass der vorliegende Haushaltsentwurf kein Sparhaushalt ist; da haben wir in den letzten Monaten auch anderes gehört. Klar ist aber doch: 132 Milliarden Euro Mehrausgaben

Herzlichen Glückwunsch!

gegenüber dem Jahr 2019 zeigen, dass wir diesen Haushalt am Ende nur auf das Normalmaß zurückfahren werden. Wir als FDP hätten uns zwar mehr vorgestellt, aber wir konsolidieren auf das Niveau, wie sich die Ausgabenlinie ohne Corona und den russischen Angriffskrieg entwickelt hätte.

Das stimmt doch nicht! Schlicht falsch!

Mit den Schwerpunkten, die wir hier setzen, machen wir klar, dass es uns um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft geht. Es ist klar, dass wir entlasten wollen. Es ist klar, dass wir Bürokratie abbauen wollen.

Es ist klar, dass wir die innere und äußere Sicherheit noch einmal mit Extramilliarden unterstützen werden

Es ist klar, dass das nur Lippenbekenntnisse sind!

und dass die Infrastruktur von uns auskömmlich finanziert wird.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Insgesamt ist das vor dem Hintergrund der schwierigen Situation, in der wir uns befinden, eine solide Leistung.

Zurufevon der CDU/CSU

Jeder einzelne dieser drei Partner hätte sich in seinen Bereichen mehr vorstellen können. Die FDP hat klargemacht, wofür wir stehen: Wirtschaftswende, Schuldenbremse einhalten. Und jetzt wäre es mal an der Zeit – entweder im Laufe der Haushaltswoche oder in den nächsten Monaten –, offenzulegen, wofür die Unionsfraktion im Deutschen Bundestag eigentlich steht.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sehr gut! Sie kriegen es nicht besser hin, also müssen wir ran!

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Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kollegen von der rechtssitzenden Partei und sehr verehrte davon links sitzende und stehende Kollegen!

Zurufvon der SPD: Was?

Danke für die nachträglichen Geburtstagsgrüße! Ich hätte die Glückwünsche natürlich gerne auch als Bundestagsvizepräsident von November 2020 bis März 2021 in Empfang genommen. Trotzdem schönen Dank!

Heiterkeitund Beifall bei der AfD

Im diametralen Gegensatz zum Aspekt der Qualität der Ministerien steht die Quantität, zum Beispiel, wenn man sich den Etat von Minister Heil anguckt – er ist leider nicht anwesend –, den größten Etat im Bundeshaushalt. Da gab es die heillose Schnapsidee, das Bürgergeld so zu gestalten, dass das Bürgergeld zur Hälfte von Nichtbürgern in Anspruch genommen wird, mit steigender Tendenz. Für diese Gruppe sind gut 20 Milliarden Euro veranschlagt. Dabei ist noch gar nicht der Aspekt der Krankenversicherung berücksichtigt, der weitere ein- bis zweistellige Milliardenbeträge nach sich zieht, speziell für diese ausländische Gruppe, die eigentlich eine Nichtzielgruppe ist. Insgesamt formuliert die „Welt“, dass auf Bund, Länder und Gemeinden sogenannte Flüchtlingskosten in Höhe von 50 Milliarden Euro zukommen. Das übersteigt den Bundesverteidigungshaushalt, insbesondere wenn man bedenkt, dass wir Sonderkosten durch überproportionale Inanspruchnahme von Justiz und Vollzug leider dazurechnen müssen. Das ist eine vollständige Betrachtung.

So, weiter geht es im Reigen. Das hier schon zitierte Entwicklungshilfeministerium, das BMZ, und das Auswärtige Amt müssten eigentlich mit der Hälfte ihrer Etats auskommen. Die Aufblähung des Etats des Auswärtigen Amtes schon zu Heiko Maas’ Zeiten oder auch in den Zeiten davor – die Hälfte der Mittel steht für entwicklungsähnliche Ausgaben – war nämlich völlig verfehlt. Und auch die Orientierung des BMZ am 0,7-Prozent-Ziel der 70er-Jahre ist jenseits aller Empirie und auch theoretisch überholt; sie ist ein Anachronismus sondergleichen. Mit der Hälfte des Geldes würde man doppelten Nutzen erreichen.

Unabhängig davon müssen wir feststellen, dass die Gesamtausgaben des Bundes zur Jahresmitte schon 30 Milliarden höher liegen als üblich.

Zurufder Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]

Und dann die 35 Milliarden Euro, die nach Brüssel überwiesen werden! Herr Minister und Wahlkreiskollege Lindner – Formeln wie „Die EU als Friedensprojekt“ usw. verwenden Sie auch in Ihren Darstellungen zu den erwarteten Zusatzeinnahmen –, erklären Sie mir mal, wie aus deutschen Plastiksteuern, die Sie einberechnet haben oder einberechnen wollen, Kunststoffeigenmittel der EU werden. Das ist ein sehr interessanter Aspekt, der mit einem Milliardenbetrag zu Buche schlägt. Das ist nur ein Hinweis darauf, wo etwas zu streichen wäre; eigentlich würde auch da die Hälfte mehr als ausreichend sein. Schluss mit dieser Alchemie, aus deutschen Steuern EU-Eigenmittel zu machen! Dann wären wir schon einen ganzen Schritt weiter.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir alle wissen – es ist kein Geheimnis –, dass das sehr, sehr schwierige Beratungen gewesen sind, und umso besser ist es, dass wir jetzt etwas vorgelegt bekommen als Parlament, von dem ich sagen würde: Wir haben jetzt einen Entwurf, der verantwortungsbewusst ist und der vor allem auch verlässlich ist. Es ist kein brutaler Sparkurs. Es wird nicht gespart beim Klima, und es wird auch nicht gespart beim Sozialen. Das war das, was wir von Beginn an gesagt haben: Menschen, Bürgerinnen und Bürger, Familien und Unternehmen können sich auf uns verlassen, und das machen wir mit diesem Haushalt deutlich.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufevon der Linken

Die Förderung für die Heizungen ist voll ausfinanziert. Die Unternehmen können sich darauf verlassen, dass die Klimaschutzverträge finanziert sind. Die EEG-Umlage wird im Haushalt übernommen; das ist eine Entlastung von vielen Milliarden Euro für Bürgerinnen und Bürger, aber auch für die Unternehmen. Auch Familien können sich darauf verlassen, dass wir stabil an ihrer Seite sind. Der Kitaausbau geht voran. 3 Milliarden Euro haben wir extra für Familien noch mal in den Haushalt gepackt und sichern damit auch das Geld, das so nötig ist, um die Kindergrundsicherung auf den Weg zu bringen. Das Geld ist da, die Strukturen kommen, und genau damit haben wir das, was jetzt vorliegt: eine Grundlage für verlässliche und verantwortungsbewusste Beratungen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Gleichzeitig wissen wir doch alle hier im Haus, dass wir eine grundsätzliche Debatte darüber brauchen, wie wir die großen Zukunftsfragen, vor denen dieses Land steht, finanzieren können. Und darauf gibt es hier im Haus noch keine Antwort. Da geht mein Blick als Allererstes zu Ihnen bei der Union. Und wissen Sie, warum? Weil bei Ihnen – und da sind Sie unter den demokratischen Fraktionen die einzige – niemand mehr weiß, was Sie eigentlich wollen. Da ist ein völliges Chaos in Ihren Parteien und bei Ihnen in der Fraktion!

Wir wissen es aber! Sie müssen uns nur zuhören!

Friedrich Merz und Herr Söder planen offensichtlich einen brutalen Sparkurs; anders kann man das nicht verstehen. Ein Konzept dazu gibt es nicht, also irgendetwas, wovon man sagen könnte: So soll es gehen. – Das gibt es nicht von Ihnen.

Verfassungsgemäße Haushalte!

Der Finanzminister hat es ja sehr richtig gesagt: In der Koalition treffen drei Denkschulen aufeinander. Jetzt aber liegt ein beratungsfähiger Entwurf hier im Parlament vor. Bei Ihnen weiß ich gar nicht, wie viele Denkschulen da aufeinandertreffen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Josef Oster [CDU/CSU]

Aber das Ergebnis ist: Es liegt gar nichts vor! Sie haben keine Antworten. Gähnende Leere allerorten.

Herr Brehm, Sie haben vorhin Antworten angemahnt: Ich erinnere mich an eine Radiosendung, und zwar eine Diskussion im Deutschlandfunk, die wir letztens geführt haben. Ich habe Sie gefragt: „Was ist denn Ihre Antwort?“, und es kam gar nichts. Ich habe Sie dann noch einmal gefragt, und es kam wieder nichts. Irgendwann haben Sie nur noch sagen können: Sie legalisieren ja Cannabis. – Herr Brehm, das ist keine Antwort auf die Fragen hier im Haushalt! Das Ganze endete darin, dass der Moderator gnädig gesagt hat, dass wir diese Diskussion jetzt beenden müssen, weil Sie nicht in der Lage sind, die Frage zu beantworten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufvon der CDU/CSU: Nein!

Das ist symptomatisch für die Union. Genau so sind Sie, und das sind nicht nur Sie, sondern das sind Sie als Partei und als Fraktion insgesamt. Von daher ist es gut, dass das hier angesprochen wurde.

Herr Middelberg, Sie sind eine löbliche Ausnahme. Sie haben es nicht mal versucht. Sie haben mal was aufgeschrieben, und das war eine Katastrophe. Das war das Ergebnis. Das ist binnen Tagen von den von Ihnen regierten Ländern so auch zurückgekommen; denn Sie wollen bei den Kindern sparen, Sie wollen bei der Digitalisierung sparen, Sie wollen bei der Bildung sparen. Das waren Ihre Vorschläge; im „Handelsblatt“ vom 2. Juli dieses Jahres kann man das nachlesen.

Nein, nein! Das ist schon ziemlich verzweifelt von Ihnen, oder? Das ist die blanke Verzweiflung, die da spricht!

Das war eine Katastrophe, und seitdem wird nichts mehr vorgelegt. Blanker Unsinn war das, und jetzt ist da nur noch Leere.

Es gibt noch jemanden bei Ihnen, der versucht hat, das Problem zu lösen – auch das war am Ende nichts –, nämlich der Regierende Bürgermeister von Berlin. Ich zitiere den mal wörtlich:

„Ohne die Reform der Schuldenbremse werden wir den Investitionsstau niemals auflösen.“

Das sagt Ihr Regierender Bürgermeister in Berlin, und er weiß, worüber er redet: 70 Prozent der Brücken in Berlin sind sanierungsbedürftig. Da drohen Brückenschließungen mit allen Konsequenzen. Ich schaue nach Nordrhein-Westfalen: Da sind 1 000 Brücken nicht saniert. Die Lkws müssen davor abfahren, tingeln durch die Dörfer, machen die Luft schlecht, und am Ende kommen die Waren später an.

Und was ist Ihr Vorschlag? Ich höre nichts!

Wie wollen Sie das lösen? Es liegt nichts vor bei Ihnen, kein einziges Konzept.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, Sie haben uns ein marodes Land übergeben. Sie blockieren jetzt jede ernsthafte Debatte darüber, wie wir Investitionen stemmen können, und Sie reden dann täglich das Land schlecht.

Gar nicht! Sie haben jetzt gar nichts gesagt! Null Aussage!

Das ist schlecht, und das ist falsch, und das ist viel zu wenig für eine ernstzunehmende Oppositionsfraktion.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Das war null Aussage und die Unwahrheit! Das sind die Grünen!

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Geschätzte Frau Präsidentin von der anderen Rheinseite! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Ja, das ist jetzt die erste Lesung dieses Haushaltsentwurfes, und ja, da kann man schon mal anfangen, zu streiten und über Hypothesen zu reden. Aber wollen wir doch mal ein bisschen schauen, wie die Zahlen, Daten und Fakten sind.

Zunächst mal ist es schön, dass dieser Haushalt vom Volumen her in etwa genauso groß ist wie der vorherige. Also kann man nicht von einem Kürzungshaushalt sprechen.

Nachtragshaushalt!

Man kann aber, wenn man sich das mal anschaut, genauso wenig davon sprechen, dass das Geld in Mengen und in Massen ausgegeben würde, wobei der Kollege Brehm jetzt schon gesagt hat, dass er mehr ausgeben möchte bei „Arbeit und Soziales“. Das heißt im Endeffekt: In einem Kompromiss hat diese Koalition sich darauf geeinigt, das Ganze stabil weiterzuführen.

Das liegt an der Rheinseite!

Meine Damen und Herren, auch das will ich noch mal deutlich sagen: Ja, das ist Demokratie – wir haben es eben noch in der Feierstunde gehört –, das Finden von Kompromissen. Da gibt es keine Alleinregierung. Da gibt es keine Alleinregierung der CSU – die gibt es schon lange nicht mehr –, keine der CDU; bei der SPD vielleicht noch so ein bisschen im Saarland. Aber wir alle kennen auch die Ergebnisse.

Die FDP wird aber auch nicht mehr lange an der Regierung sein, würde ich mal sagen!

Am Ende steht ein Kompromiss, und dafür muss ich zum Kompromiss auch fähig sein. Das, was wir innerhalb der Kürze der Zeit machen, ist harte Arbeit. Das ist nicht einfach nur harmonisch und nett und freundlich und ein „bisschen mehr“, sondern das ist der Kampf um die möglichst beste Lösung, die man in einer Mehrheit finden kann.

Zurufder Abg. Dr. Gesine Lötzsch [Die Linke]

– Ja, ich weiß, im Sozialismus ist das ein bisschen anders, Frau Lötzsch, aber in der Demokratie ist es eben genau so.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Deswegen sage ich Ihnen ganz deutlich, auch für die Bürgerinnen und Bürger

Zurufevon der Linken

– da scheine ich wieder getroffen zu haben –: Wir vergleichen immer mit den Krisenzeiten, aber lassen Sie uns doch mal die Zahlen mit denen aus der Zeit vor der Krise vergleichen, also mit 2019: Wir geben 132 Milliarden Euro mehr aus;

Plus Sondervermögen!

37 Prozent!

das sind ungefähr die Anstiege, wie sie übrigens auch in den Ländern zu finden sind, Herr Kollege Oßner. Auch im Land Bayern, wo die CSU schon lange mit dabei ist, ist die prozentuale Steigerung vergleichbar. Das Entscheidende ist die Frage: Wie wird das aufgeteilt? Ja, da kann man dann sagen: Es ist uns nicht recht, dass das so oder so gemacht wird. Aber diese Koalition zeigt auch mit diesem Entwurf, dass sie in der Lage ist, die Interessen der unterschiedlichen Parteien, die diese Koalition tragen, grundsätzlich zu verfolgen. Ja, nicht jeder kann sich durchsetzen. Ja, wir hätten gerne mehr Steuersenkungen. Ja, die SPD würde sich wünschen, für Arbeit und Soziales noch mehr Geld auszugeben. Die Grünen würden sich wünschen, wenn noch mehr Geld zur Bekämpfung des Klimawandels ausgegeben würde. Wir tun aber genau das, was notwendig ist.

Schauen wir uns mal die Zahlen an: Die NATO-Quote wird eingehalten; das hat man uns nicht zugetraut. Bei der ODA-Quote bleiben wir im obersten Feld der OECD-Länder. Bei der Sozialquote bleiben wir weiterhin oben, und hinsichtlich der Schulden halten wir weiterhin die Schuldenbremse ein. Das kann man auch mal positiv erwähnen; denn einfach ist es mit der Haushaltspolitik nicht.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Dass es für Sie einfach ist, weil Sie einfach nur plumpe Opposition machen, ist dann sicherlich eine andere Sache.

Und das Bundesverfassungsgericht?

Aber so funktioniert Demokratie nicht.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Schließlich ist da noch der Punkt der Kritik an den Investitionen. Wir sind im Prozentualen im Rekord, und wir sind in den absoluten Zahlen im Rekord. Deswegen sage ich das deutlich: Man kann sich immer mehr Investitionen wünschen; aber dann muss man auch sagen, an welcher Stelle man mit der Konsumtion runtergeht, oder man muss sagen – und das akzeptiere ich dann auch –, dass man die Schuldenbremse gemeinsam mit der CDU/CSU ändern will. Dazu muss sich dann aber auch die CDU/CSU verhalten.

Herr Kollege Brehm, nachdem Sie hier gesagt haben, dass Sie als CDU/CSU-Abgeordneter bei Arbeit und Soziales mehr Geld ausgeben möchten, habe ich Sie ganz bewusst gefragt, ob Sie denn dann auch zum Schwure kommen und die Anträge stellen.

Das habe ich ja nicht gesagt! Reden Sie nicht die Unwahrheit!

Der Kollege Haase, der nach mir redet, kann das ja mal tun. Aber es wird bei Ihnen wieder so sein – das merke ich doch, weil bei Ihnen schon wieder die Unruhe aufkommt –, dass Sie wieder keine Anträge stellen werden.

Reden Sie nicht die Unwahrheit! Sie lügen!

Herr Brehm, das sage ich Ihnen mal: Als die FDP in der letzten Legislaturperiode in der Opposition war, hat sie in den letzten Haushaltsverhandlungen über 1 000 Anträge gestellt. Das ist des Schweißes der Edlen wert. Sie haben sie alle abgelehnt! Das Ergebnis war aber nicht, dass wir gesagt haben: „Dann machen wir die Arbeit nicht mehr“, sondern wir haben damals als Opposition unsere Arbeit getan und unsere Pflicht erfüllt. Das erwarte ich auch von einer Oppositionspartei, die mal regieren will, selbst wenn Herr Merz sich jetzt schon wieder verzogen hat.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Und genau das ist Demokratie, aber nicht, einfach nur zu sagen: Ihr lehnt ja unsere Anträge ab, und deswegen – mimimi! – stellen wir keine eigenen.

Das ist nicht die Begründung! Das ist die falsche Begründung! Da braucht man eine verfassungsgemäße Grundlage! Otto, das ist die falsche Argumentation!

Schließlich will ich Ihnen noch eines zu Ihrer Beschwerde mit den Verpflichtungsermächtigungen sagen – „oh, die hinterlassen uns zu viele Verpflichtungsermächtigungen!“ –: Sie haben uns in der letzten Großen Koalition Verpflichtungsermächtigungen von 134 Milliarden Euro hinterlassen, wir wollen jetzt Verpflichtungsermächtigungen von 107 Milliarden Euro. Wer hat denn da mehr hinterlassen? Sie waren es an der Stelle.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Und dann die globale Minderausgabe: Ja, wir wollen sie gemeinsam reduzieren. Aber dann brauche ich nur in ein einziges Land zu gucken, in dem Sie regieren, nämlich Schleswig-Holstein: Ausgaben von 16,4 Milliarden Euro sind für den Haushalt geplant, ebenso eine globale Minderausgabe von 0,57 Milliarden Euro. Herr Brehm und Herr Oßner, wenn Sie vielleicht an der Stelle mal rechnen würden – das sollten Sie mal tun –, dann sähen Sie: Das ist eine globale Minderausgabe in Höhe von 3,47 Prozent des Ausgabevolumens, also weit mehr als das, was die gegenwärtige Regierung vorgelegt hat. Sie behaupten das immer bei uns, aber eigentlich ist es nur bei Ihnen so.

Da sage ich nur – „Hamlet“ von Shakespeare, zweiter Akt, zweite Szene –: „Mehr Inhalt, weniger Kunst!“

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Christian Haase
Foto: Christian Haase / Tobias Koch
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Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Finanzminister Lindner! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß nicht, ob es Ihnen aufgefallen ist: 2024 gab es gar kein Sommerloch. Stattdessen hat das Kabinett einen Eiertanz um den Haushaltsentwurf aufgeführt. Denn der mühsame Schulterschluss im Juli war verfassungsrechtlich nicht haltbar. Nun liegt uns der zweite Versuch vor.

Hoffnungswerte, Luftbuchungen, Probleme in die Zukunft verschieben – so will sich offensichtlich die Ampel ans Ende der Legislatur retten. Die Haushaltsstrategie der Bundesregierung ist ein Tanz auf dem Verfassungsvulkan. Heinrich Heine beschreibt diese aus dem Französischen stammende Metapher so:

„‚Wir tanzen hier auf einem Vulkanʼ – aber wir tanzen. Was in dem Vulkan gärt, kocht und brauset, wollen wir heute nicht untersuchen, und nur wie man darauf tanzt, sei der Gegenstand unserer Betrachtung.“

Ja, wie tanzt die Regierung nun? Sie tanzt den mahnenden Verfassungsrechtlern in unserem Land auf der Nase herum. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom November war offensichtlich nicht Warnung genug. Ansonsten gäbe es jetzt nicht 32 Globalpositionen im Haushalt und in den Sondervermögen in Höhe von fast 70 Milliarden Euro, weil die Ampelparteien nicht wissen, wo und wie man Prioritäten setzen soll. Ihnen fehlt jegliche Kraft, noch eine gemeinsame Vision für unser Land zu entwickeln.

Haushaltswahrheit und -klarheit gibt es in diesem Entwurf leider nicht. Das ist zum einen schon verfassungsrechtlich bedenklich; es ist zum anderen aber auch ein Affront gegenüber dem Parlament.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir müssen uns vor Augen führen, was das für die Haushaltsumsetzung bedeutet. Die globalen Minderausgaben bei den Ministerien müssen ja genauso wie die globale Minderausgabe von 12 Milliarden Euro im Einzelplan 60 vom ersten Tag an erwirtschaftet werden. Das heißt: jede Menge Haushaltssperren. Wir kennen es aus diesem Jahr, und es wird auch im nächsten Jahr so sein, dass über Nacht Fördermittelprogramme gestoppt werden. Das wird das Vertrauen in den Staat nachhaltig stören.

Aber die Regierung tanzt beim vorliegenden Entwurf auf vielen Hochzeiten. Neben vielen neuen Haushaltstricks gibt es auch Altbekanntes. Es wird mal wieder mit einem Sondervermögen getrickst: 3 Milliarden Euro an Einnahmen aus der Abwicklung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds Energie. Da schrillen bei den Verfassungsrechtlern sämtliche Alarmglocken.

Spätestens seit dem Urteil vom November sollte doch klar sein: Geld, das man nicht mehr für die Krisenbekämpfung braucht, kann nicht einfach dem allgemeinen Haushalt zugeschlagen werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Bei der Finanzierung der Bahninvestitionen tanzt die Regierung dann komplett aus der Reihe. Statt, wie bisher, Zuschüsse soll es nun hauptsächlich ein Darlehen von 3 Milliarden Euro und eine Eigenkapitalerhöhung von 10,4 Milliarden Euro geben, natürlich schuldenfinanziert. Das scheint der offensichtliche Versuch zu sein, die Schuldenbremse zu umgehen. Wir müssen uns doch ehrlich fragen: Ist das Eigenkapital bei der Bahn rentierlich angelegt? Wird die Deutsche Bahn in ihrer jetzigen Lage die Schulden überhaupt jemals zurückzahlen können?

Wahrscheinlich nicht.

Ich bin überzeugt davon!

Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Und auch ohne diese Tricksereien sind 100 Milliarden Euro neue Schulden in 2024 und 2025 Rekorde für Normalzeiten. Jeden Tag hören wir neue Vorschläge für noch mehr Schulden,

Zurufdes Abg. Dennis Rohde [SPD]

neue Sondervermögen. Hier wird die Notlage erklärt. Da wird gefordert: Schuldenbremse reformieren, Schuldenbremse abschaffen! – Nein, dafür wird die CDU/CSU nicht zu haben sein.

Meine Damen und Herren der Ampelregierung, der Vulkan brodelt gefährlich, aber Sie tanzen ungeniert weiter. Ich verspreche Ihnen: Spätestens bei der nächsten Bundestagswahl wird Ihre Tanzkarte leer bleiben, und wenn die Parlamentarier Ihren Haushalt nicht retten, noch früher.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit wem wollen Sie dann koalieren?

Beifallbei der SPD
Porträt von Christian Görke
Foto: DiG/ Thomas Kläber
11 Vermerkeca. 451 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister! Der Ampelhaushalt ist wie die Hausaufgabe eines Schülers, der, in der letzten Reihe des Schulbusses sitzend, auf den letzten Drücker den Schreibblock gezückt hat, um der Lehrerin noch etwas vorzulegen. Die Art und Weise, wie Sie den Haushalt diesem Parlament zugeleitet haben, hat die Note „mangelhaft“ verdient,

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

auch wegen des Vorsatzes der Unredlichkeit, manche würden auch sagen: der Täuschung. Denn neben den ungedeckten Schecks im Kernhaushalt – das ist heute ja schon mehrfach gesagt worden – von 12 Milliarden Euro tut sich ja im Klima- und Transformationsfonds noch ein 12-Milliarden-Euro-Loch auf. Ihr Haushalt hat also Überbuchungen von mindestens 24 Milliarden Euro.

Wer hat Ihnen diese Zahlen aufgeschrieben?

Ich weiß nicht, wie Sie einen Fehlbetrag in dieser Dimension, die in der Geschichte der Bundesrepublik einzigartig ist, im Haushaltsvollzug – selbst mit Unterstützung der Koalitionäre – einsparen wollen. Das hat mit Haushaltsklarheit und Haushaltswahrheit gar nichts zu tun.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wer hat Ihnen diese Zahlen aufgeschrieben?

Am besten Sie lassen alle diese Tricksereien mit Sondervermögen/Minderausgaben

Die Linke fordert doch die ganze Zeit Sondervermögen!

und kümmern sich wirklich um die Einnahmetitel – die haben Sie selber auch artikuliert –, zum Beispiel indem Sie diesen obszönen Reichtum, den wir nach wie vor in Deutschland haben beim deutschen Geldadel,

Beifallbei der Linken

und die Schuldenbremse angehen, dass wir hier eine Bewegung bekommen. Dann lassen sich auch dringende Investitionen und die Entlastung der großen Mitte in diesem Land verlässlich finanzieren.

Apropos Wirtschaftskrise. In den letzten anderthalb Jahren der Ampel – das kann ich Ihnen nicht ersparen – gab es 600 000 neue Arbeitslose; das ist fast hundertmal die Meyer Werft. Firmen wie ZF, Bayer, Bosch, VW und Co bauen massiv Stellen ab, und die Institute schrauben ihre Wachstumsprognosen immer wieder zurück. Und Sie, Herr Finanzminister? Sie kleistern eine 49-Punkte-Wachstumsinitiative zusammen, die in Wahrheit aus 49 Wunderkerzen besteht.

Zurufvon der CDU/CSU: So ist es!

Die sind schneller abgebrannt, meine Damen und Herren, als sie die Wirtschaft erreichen.

Beifallbei der Linken

Für Menschen mit einem kleinen Geldbeutel hat der Haushalt wenig im Angebot. Im Gegenteil: Nullrunde beim Bürgergeld, und dazu ziehen Sie als Ampel die Sanktionen noch mal so richtig an. Den Namen „Bürgergeld“, liebe Kolleginnen und Kollegen von Grünen und SPD, können Sie wirklich langsam streichen.

Beifallbei der Linken

Denn davon ist nun wahrlich nichts mehr übrig. Das ist Hartz IV im neuen Kleid.

Gott sei Dank, meine Damen und Herren, ist das Ihr letzter Haushalt als Ampel. Er dokumentiert auch, dass Sie viele Ihrer Versprechen gebrochen haben: Keine Entschuldung der Kommunen. Die Kindergrundsicherung – ein zentrales Projekt Ihrer Koalition – kommt nicht. Was ist mit dem Klimageld? Oder wo sind die 400 000 Sozialwohnungen im Jahr? Überall Fehlanzeige!

Deutschland braucht ein Konjunkturpaket. Deutschland braucht eine Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Wir brauchen mehr Kindergeld, eine Investitionsoffensive. Und vor allen Dingen: Lockern Sie diese Schuldenbremse – das wäre mal ein Beitrag –,

Beifallbei der Linken

statt heute einen solchen Voodoozauber zu präsentieren.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Sebastian Schäfer
Foto: Sebastian Schäfer/ Stefan Kaminski
6 Vermerkeca. 475 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mario Draghi hat gestern seinen Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit in Europa vorgestellt; Minister Lindner hat es angesprochen. Draghi spricht von zusätzlichen Mindestinvestitionen von 750 bis 800 Milliarden Euro, um die europäische Wettbewerbsfähigkeit voranzubringen. Ich darf zitieren:

„Europa hat die durch das Internet ausgelöste digitale Revolution und die damit verbundenen Produktivitätsgewinne weitgehend verpasst.“

Wir sehen in unseren nationalen Wirtschaftsdaten eine Spiegelung dieser Analyse. Unser Potenzialwachstum ist mit nur 0,5 Prozent seit Jahren viel zu gering. Erst letzte Woche haben führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen für dieses Jahr deutlich gesenkt.

Ich will daran erinnern, was in den vielen Debatten, die wir politisch gerade zur Migration führen, leider verloren geht: In den nächsten fünf Jahren werden wir in Deutschland Jahr für Jahr netto 1 Prozent unserer Erwerbsbevölkerung verlieren. Wir brauchen bis zu 400 000 Personen Nettozuwanderung pro Jahr. Wenn es uns nicht gelingt, unser Arbeitskräfteangebot zu steigern, dann wird auch das Wirtschaftswachstum nicht steigen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP

Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Wir sehen uns in Deutschland einer strukturellen Krise gegenüber, nicht nur einer konjunkturellen, und eine strukturelle Krise entsteht weder in einer Legislaturperiode, noch lässt sie sich in nur einer Legislaturperiode lösen.

Länger werden Sie nicht Zeit haben!

Wir brauchen gezielte und langfristige Lösungen wie Bürokratieabbau, Steigerung des Arbeitskräfteangebots, Stärkung des Finanzstandorts, Anschub von Investitionen, um gezielte strukturelle Veränderungen zu erreichen, um die Standort-, Lebens- und Arbeitsbedingungen in Deutschland zu erhalten und zu stärken. An all diesen Punkten setzen das Wachstumspaket und der Haushaltsentwurf der Bundesregierung an. Es ist ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung. Wir stärken Kinder, Klima und Konjunktur.

Aber leider müssen wir uns immer noch damit beschäftigen, einen Substanzverlust zu verhindern. Zu viele Investitionen sind in der Vergangenheit einfach unterblieben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Unser deutsches exportgetriebenes Wirtschafts- und Geschäftsmodell steht unter großem Druck. Die gute alte Zeit, sie kommt schlicht nicht mehr wieder. Ökonomen sprechen vom zweiten Chinaschock, der jetzt genau die Branchen trifft, in denen unser Land so erfolgreich war und ist: Autos, Maschinen und Chemie.

Weil die Grünen alles abgewickelt haben!

Weil Sie alles vernichtet haben!

Und das hat brutale Folgen. Unsere Produktivität leidet, weil die Industrie, die abwandert, produktiver ist als der Dienstleistungssektor. Ich verstehe, dass es für einen quartalszahlengetriebenen angestellten CEO verführerisch ist, noch einmal das letzte Chinageschäft mitzunehmen – nächstes Jahr ist der Auftrag dann weg; denn dann wird in China produziert.

Die ökonomischen Bedingungen und Ableitungen sind 2024 gänzlich andere als noch 2014 oder 1954, in Ihrer Tanzkartenwelt, Herr Haase. Wir sind mitten in einem globalen Standortwettbewerb um Zukunftstechnologien und Industrieproduktion. Wir sind mitten im größten Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier. Wir sehen Krieg in Europa, die Rückkehr des Imperialismus.

Wir müssen uns entschlossen den Fragen der Zukunft stellen und eine breite Debatte über die Rolle des Staates bei der industriellen und sozialökologischen Transformation sowie deren Finanzierung und Ausgestaltung führen. Gehen wir es endlich an! Finden wir die Lösungen, die unser Land nach vorn bringen! Das muss der Rahmen der jetzt anstehenden parlamentarischen Haushaltsberatungen sein.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Beifallbeim BSW
7 Vermerkeca. 310 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Nach monatelangem Gerangel und Gewürge um diesen Haushalt legt die Ampel jetzt einen Entwurf vor, bei dem der Bundesrechnungshof und Verfassungsrechtler davor warnen, ihn so zu beschließen; denn dieser Haushalt ist unseriös, voller Luftbuchungen und unrealistischer Prognosen. Er droht Ihnen in ein paar Monaten um die Ohren zu fliegen, und das wissen sie auch.

Beifallbeim BSW

Aber das ist Ihnen egal; denn Ihnen geht es nur noch darum, sich über die nächsten Monate irgendwie bis in den Wahlkampf zu retten. Eins muss man Ihnen lassen: Bis zum Schluss bleiben Sie sich treu. Es geht Ihnen weiterhin nur um sich selbst und um Ihre Pöstchen. Aber das geht so nicht.

Beifallbeim BSW

In Ihrem Haushalt denken Sie sich einfach Einnahmen aus, um formal die Bücher sauber zu halten. 14,3 Milliarden Euro sollen aus irgendwelchen Wachstumsinitiativen kommen. Wenn man genau hinguckt, dann findet man nur schöne Schlagworte: Bürokratieabbau, Steuererleichterungen, Fachkräftegewinnung, Wohnungsbau.

Schlagwort „Bürokratieabbau“: Habt ihr keine anderen Probleme?

Aber was Sie konkret tun wollen und vor allem was jetzt anders werden soll als in Ihren letzten drei Regierungsjahren, dazu lese ich außer diesen Schlagworten nichts. Auch Einsparungen denken Sie sich einfach aus. 12 Milliarden Euro sollen die Ministerien einsparen. Wie, das bleibt Ihr Geheimnis.

Fakt ist: Mit Ihrer schlechten Politik haben Sie den Menschen in unserem Land bereits viel zugemutet.

Beifallbeim BSW

Alles ist teurer geworden: durch höhere CO2-Preise, Mehrwertsteuer – um nur einiges zu nennen. Die Lohnentwicklung gleicht die Teuerung der letzten Jahre überhaupt nicht aus. Jede zweite Rente in unserem Land liegt unter 1 100 Euro. Das ist doch unglaublich. Wie soll man davon leben? Sie tun nichts dagegen. Im Gegenteil.

Beifallbeim BSW

Es ist kein Wunder, dass diese Ampelregierung im Politbarometer den schlechtesten Zustimmungswert aller Zeiten bekommen hat. Keiner der Befragten hat gesagt, die Ampel soll weitermachen. Trotzdem machen Sie weiter, und zwar genauso wie vorher. Das zeigt auch Ihr Haushalt. Nur, so geht es nicht.

Beifallbeim BSW
Beifallbei der CDU/CSU
14 VermerkeZwischenfrageca. 756 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren ja den Nachtragshaushalt 2024, den Haushaltsentwurf 2025 sowie die Finanzplanung 2026 bis 2028. Und das war heute, Herr Bundesfinanzminister, schon ein denkwürdiges Schauspiel. Sie reden von Wachstum, von Leistung, von Wohlstand, von Wettbewerbsfähigkeit, von Entbürokratisierung und sagen: Politik muss liefern. – Das Problem ist: Sie liefern überhaupt nicht und setzen sich in dieser Bundesregierung auch null Komma null durch.

Beifallbei der CDU/CSU

Das war ein Wahlwunschzettel der FDP; die Bürger sehen das ganz genau. Und dieser Wahlwunschzettel wurde bei den letzten Wahlen mit einem Denkzettel goutiert, und zwar mit 1,2 Prozent, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Kommen wir nun zu den Fakten. Ich will Ihnen mal ganz kurz ein paar Punkte aus dem Bericht des Bundesrechnungshofs zu diesem Haushalt vortragen: Ausgaben und Neuverschuldung des Bundes bleiben im Planungszeitraum 2024 bis 2028 weiterhin expansiv. Beim Umgang mit der Schuldenregel werden weiterhin auch zum Teil erhebliche rechtliche Risiken in Kauf genommen. Die Zinsausgaben bleiben hoch, sie sollen zukünftig heruntergerechnet und teilweise in die Zukunft verschoben werden. Die Dimension der globalen Ansätze im Haushalt 2025 ist mit dem parlamentarischen Budgetrecht nicht vereinbar. Die Finanzplanung für die Jahre 2026 bis 2028 offenbart erhebliche Tragfähigkeitslücken. Und: Mit der von der Bundesregierung vorgelegten Planung wird die Rückkehr Deutschlands zu finanzieller Stärke und Resilienz nicht gelingen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Der Bundesrechnungshof empfiehlt dem Bundestag, sich auf diesen Haushalt nicht einzulassen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vernichtender kann ein Urteil über einen Haushaltsentwurf überhaupt nicht sein. Also kommen Sie zur Vernunft in den Beratungen!

Beifallbei der CDU/CSU

Machen Sie doch Vorschläge!

Vor der Coronazeit hatten wir Ausgaben in Höhe von 357 Milliarden Euro. Im laufenden Haushalt haben Sie 488 Milliarden Euro veranschlagt, zuzüglich der 50 Milliarden Euro aus den Sondermögen. Das sind 200 Milliarden Euro mehr in dieser Legislaturperiode.

Zurufevon der SPD

Das sind 50 Prozent mehr. Sie geben das Geld aus, als gäbe es kein Morgen mehr. Und das werden wir nicht mitmachen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Und zusätzlich kommen 2024 50,3 Milliarden Euro an Verschuldung hinzu. Die tatsächliche Verschuldung liegt sogar bei 112 Milliarden Euro, wenn man alles mit hineinrechnet. 2025 sind es 51,3 Milliarden Euro Schulden, mit Sondervermögen belaufen sich die tatsächlichen Schulden auf 86,9 Milliarden Euro. Und Sie haben vorhin gesagt: Wir wollen Generationengerechtigkeit!

Was sind das für Berechnungen?

– Schauen Sie in den Rechnungshofbericht. Den haben Sie wahrscheinlich nicht gelesen; das würde ich Ihnen empfehlen. – In den Jahren 2026 bis 2028 fehlen 100 Milliarden Euro, weil nämlich 2027 das Bundeswehrsondervermögen ausläuft. Und die Nachfinanzierung – Sie haben von Verpflichtungsermächtigung gesprochen – ist eben nicht sichergestellt, sondern da ist noch eine klaffende Lücke im Haushalt für die nächsten Jahre.

Zurufder Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]

Hinzu kommen Haushaltstricks: 12 Milliarden Euro globale Minderausgabe. Die Einsparungen, die Sie planen, sind noch gar nicht klar: Wer ruft Mittel ab und wer nicht? In den Einzeletats: 4,3 Milliarden Euro Minderausgaben. Sie verschieben 7,3 Milliarden Euro Zinslasten, die in 2025 getragen werden müssen, in die nächsten Jahre, als sogenannte periodengerechte Verbuchung. Übrigens hat es das noch nie gegeben.

Zurufdes Abg. Peter Boehringer [AfD]

Sie nehmen sich 1,5 Milliarden Euro von der KfW, die eigentlich zur Tilgung von Verbindlichkeiten verwendet werden müssen, und schieben die in den laufenden Haushalt.

Und das Größte von allem ist: Sie buchen in der Summe 6 Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen ein aus einer Wachstumsinitiative, über die Sie sich selber noch überhaupt nicht im Klaren sind. Sie sprechen immer von 42 bis 45 Maßnahmen. Einigen Sie sich mal in der Regierung, dann legen Sie es uns vor, und dann kann man auch darüber diskutieren. Aber Sie können doch keine Einnahmen in den Haushalt einbringen, wo Sie noch gar nicht wissen, welche Maßnahmen Sie dazu konkret umsetzen. Das ist unseriös, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Und dann reduzieren Sie das Bürgergeld um 5 Milliarden Euro. Kollege Middelberg hat ja schon darüber gesprochen, dass auch das ein unseriöser Ansatz ist. Wenn schon, dann müssten Sie im Bürgergeld wirklich etwas tun. Aber im aktuellen Nachtragshaushalt geben Sie ja mehr Geld aus.

Zu den Einsparungen, die Sie vornehmen, sage ich: Wenn Sie Bürger in Arbeit bringen wollen, wenn Sie Bürgergeld reduzieren wollen, dann streichen Sie doch nicht 1 Milliarde Euro für Eingliederungsmaßnahmen in Arbeit.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Und wenn Sie sagen, dass wir für Integration Geld ausgeben müssen, dann dürfen Sie doch nicht 50 Prozent bei den Integrationskursen und 10 Prozent beim Bundesamt für Migration streichen. Sie streichen an den genau falschen Stellen, um die Probleme in unserem Land zu lösen. Das ist der Punkt.

Geben wir jetzt zu viel oder zu wenig aus?

Lieber Herr Rohde, Sie haben gesagt: „Wir wollen Demokratie, wir wollen Menschenrechte achten“, doch Sie streichen 1 Milliarde Euro bei der Humanitären Hilfe im Auswärtigen Amt. Das ist einfach unseriös, Ihre Streichungen, die Sie machen.

Beifallbei der CDU/CSU]

Also sollen wir jetzt mehr ausgeben?

ca. 6 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Selbstverständlich. Ich freue mich immer darauf.

1 Vermerkca. 109 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Herr Kollege Brehm, dass Sie die Frage zulassen. – Wir stehen jetzt ja am Anfang der Haushaltsberatungen. Da ich bisher von der CDU/CSU eher nur Copy-and-paste-Aussagen vom Rechnungshof gehört habe,

Beifallder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

bin ich umso dankbarer, dass Sie konkrete Vorschläge, wenn auch Erhöhungsvorschläge, gemacht haben. Darf ich davon ausgehen, dass von Ihren Haushältern – Sie selber sind, glaube ich, nicht Haushälter – im Haushaltsverfahren Vorschläge und entsprechende Anträge zum SGB zu den Punkten, wo Sie gesagt haben: „Da dürft ihr nicht kürzen“, auch kommen?

Und darf ich Ihnen gleichzeitig noch den Hinweis geben, dass bei einem Punkt, den Sie angesprochen haben, es ja kompensiert wird durch ein Umlageverfahren?

10 Vermerkeca. 213 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Schauen Sie, lieber Herr Kollege Fricke, wichtig wäre, in diesem Haushalt klarzumachen, dass sich Leistung wieder lohnt. In unserem Land lohnt sich Leistung nicht.

Stellen Sie die Anträge?

Deswegen bräuchten wir diese Wachstumsinitiative, die der Bundesfinanzminister ankündigte.

Und ich sage Ihnen: Diese Themen würden wir miteinander besprechen.

Zu Ihrer Forderung nach Anträgen bei den Kürzungen. Jetzt will ich schon einmal auf die letzten Haushaltsberatungen rekurrieren.

Ja, null Anträge!

Sie haben null Komma null Interesse daran, dass wir in diesem Parlament wirklich eine gute Zusammenarbeit hinkriegen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Lachenbei der SPD

Die globale Minderausgabe von 12 Milliarden Euro und die Minderausgaben in den Ministerien, 4,3 Milliarden Euro, werden doch ohne Einbeziehung des Parlaments beschlossen. Das machen die Minister doch selber.

Machen Sie doch Vorschläge!

Das ist eine Aushöhlung des Parlamentsrechts, die Haushalte zu diskutieren. Deswegen: Angesichts Ihres Umganges können wir keine eigenen Anträge stellen, weil Sie eh jeden einzelnen ablehnen, ohne ihn zu prüfen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind immer bereit, über Haushaltseinsparungen, Haushaltsklarheit und Haushaltwahrheit zu reden. Wir haben einen klaren Kurs.

Gar keinen Kurs!

Wir haben zahlreiche Programme vorgelegt. Wir arbeiten gerne mit Ihnen zusammen, aber Sie müssen die Zusammenarbeit auch mal ernst nehmen. Schauen wir, was beim Thema Migration passiert.

Ich sage nur eines: Dieser Haushalt kann so nicht durchs Parlament gehen.

Machen Sie doch bessere Vorschläge! Habt ihr bisher nicht!

Anträge! Anträge! Anträge!

Diese Regierung hat einen abgewirtschafteten Haushalt vorgelegt. Das ist so nicht mittragbar, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Thorsten Rudolph
Foto: Dr. Thorsten Rudolph/ Photothek
17 VermerkeZwischenfrageca. 818 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich verstehe sehr gut, dass wir bei unseren Debatten hier vieles durch die parteipolitische Brille sehen. Aber wenn ich höre, was heute aus der Union kommt – „maximal unrealistisch“, „maximal unsolide“, „missraten“, „erbärmliches Theater“ –:

Und das ist noch nett!

Dann ist da schon sprachlich Maß und Mitte verloren gegangen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Da geht es nicht mehr um die besten Lösungen für unser Land, sondern nur noch um Fundamentalopposition und maximalen Druck auf die Koalition – und das ohne einen einzigen eigenen Vorschlag.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Meine Damen und Herren, das war auch bei vielen haushaltspolitischen Diskussionen der letzten Wochen und Monate so. Und ich meine jetzt nicht die Diskussionen um unsere haushalterischen Feinschmeckerthemen wie globale Minderausgaben, die Verbuchung von Agien und Disagien oder die Auswirkungen finanzieller Transaktionen auf die Schuldenbremse, sondern ich meine die Diskussionen, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern und erst recht in der Zivilgesellschaft sehr genau verfolgt werden und sehr genau wahrgenommen werden.

Nehmen wir allein die Diskussion um die Entwicklungshilfe. Da hetzen die vereinigten Populisten dieses Landes gegen die Entwicklungshilfe im Allgemeinen und gegen Radwege in Peru im Speziellen und fordern deutsches Geld für deutsche Bürger.

Und zwar zu Recht!

Was für ein Quatsch!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Als ob wir vor allem deshalb Entwicklungshilfe leisten, weil wir rot-grün versiffte Gutmenschen sind, oder die Union in ihrer Regierungszeit, weil sie die christlichen Werte entdeckt hätte. Unsinn! Da geht es um Absatzmärkte für unsere exportorientierte Wirtschaft, da geht es um die Versorgung mit Rohstoffen, um die Sicherung von Lieferketten, um geopolitischen Einfluss,

Schwachsinn!

um Einfluss auf andere Länder, gerade auch im Blick auf Migrationsbewegungen. Und das weiß auch jeder hier. Und wir wissen auch: Überall dort, wo wir rausgehen, gehen China und Russland rein. Sofort.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufevon der AfD

Aber keine Angst – das sage ich in Richtung ganz rechts –: Wir sind schon auch rot-grün versiffte Gutmenschen und finden humanitäre Hilfe, weltweite Entwicklung und die Förderung einer regelbasierten internationalen Ordnung gut.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Persönlich sind mir deshalb Radwege übrigens auch deutlich lieber als irgendwelche Prestigeprojekte, bei denen sich am Ende korrupte Herrschercliquen die Taschen vollmachen.

Die füllen Sie doch auch!

Deshalb tun auch die Kürzungen beim BMZ und beim Auswärtigen Amt im Haushalt so weh, obwohl diese Bereiche natürlich ebenfalls zur Konsolidierung beitragen müssen.

Die Union zeigt hier übrigens das übliche Bild: Ihr entwicklungspolitischer Sprecher kritisiert die geplanten Kürzungen vehement. Ihr haushaltspolitischer Sprecher fordert dagegen – ich zitiere –:

„Bevor wir Milliarden Euro für internationale Maßnahmen wie Projekte zur Entwicklungshilfe und zum Klimaschutz in anderen Ländern ausgeben, sollten wir dieses Geld für die Hilfe der betroffenen Menschen in den Hochwassergebieten und die Landwirte nutzen.“

Herr Brehm, hören Sie zu!

Weiterer Zurufvon der SPD: Ja, was denn nun?

Ich lasse das mal so stehen und will nur noch eine Bemerkung machen. Ich finde es völlig richtig, wenn wir über Höhe, Instrumente, Wirksamkeit, Zielgenauigkeit der Entwicklungshilfe hart diskutieren. Aber wenn wir als Demokratinnen und Demokraten die Entwicklungspolitik populistisch denunzieren, dann ist das falsch und ein Schlag ins Gesicht all derer, die bei NGOs, bei der GIZ und anderswo mit viel Herzblut an einer besseren Welt arbeiten und Deutschland in der Welt vertreten, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufevon der AfD

Oder nehmen wir die Diskussion über die Ukrainehilfen. Wenn wir mal von der „Alternativen für Russland“ und dem „Bündnis Strahlender Wladimir“ absehen, dann sind wir uns, jedenfalls unter den demokratischen Fraktionen, einig, dass wir die Pflicht haben, aber dass es auch im deutschen Interesse ist, die Ukraine gegen diesen verbrecherischen Angriffskrieg zu unterstützen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Und keiner hier weiß, wie der Krieg weitergeht, welche Hilfen die Ukraine noch braucht, wie die USA-Wahl ausgeht, ob die 4 Milliarden im Haushalt ausreichen und ob das 50-Milliarden-Paket auf EU-Ebene wie geplant genutzt werden kann. Keiner weiß das.

In einer solchen Lage ist es klug, wie es auch unser Fraktionsvorsitzender Rolf Mützenich gesagt hat, dass wir im Falle eines Falles für weitere Hilfen an die Ukraine auch eine Ausnahme von der Schuldenbremse nicht ausschließen dürfen. Wenn sich die Situation in der Ukraine verschlechtern sollte, dann müssen wir reagieren können, und das erlaubt die Schuldenregel im Grundgesetz auch ausdrücklich.

Nein, das tut sie nämlich nicht! Da ist nichts unerwartet, nichts, was sich der Kontrolle der Bundesregierung entzieht!

Das ist verfassungsgemäß.

Das ist lächerlich!

Und auch das Verfassungsgericht sagt nicht, dass eine außergewöhnliche Notsituation nur ein Jahr dauern darf und am 31. Dezember per Gesetz wieder Normalität zu herrschen hat.

Ich gestehe gerne zu, dass Kollege Kiesewetter sich ähnlich geäußert hat; davor habe ich großen Respekt,

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

und das umso mehr, als er dafür laut „Tagesschau“ von Merz in der Fraktion – Zitat – „ungewohnt deutlich zurückgepfiffen“ worden sein soll. Das, meine Damen und Herren, zeigt viel: Friedrich Merz hat schon letztes Jahr für den Fall, dass für weitere Hilfen an die Ukraine eine Ausnahme von der Schuldenbremse erklärt werden sollte, von vornherein eine Verfassungsklage angedroht und diese Drohung bis heute nicht zurückgenommen.

Natürlich nicht!

Gleichzeitig ereifert er sich, dass der Kanzler seine Zusagen möglicherweise nicht einhalten könne, einen Offenbarungseid leisten müsse und sich die Welt schön mache. „Sich die Welt schön mache“ – achten Sie auf die Sprache! –: Selbst in der Frage von Krieg und Frieden für unser Land keine staatspolitische Verantwortung, sondern Fundamentalopposition, maximaler Druck auf die Koalition und kein einziger eigener Vorschlag, meine Damen und Herren!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Thorsten Rudolph
Foto: Dr. Thorsten Rudolph/ Photothek
2 Vermerkeca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nein. – Meine Damen und Herren, davor habe ich keinen Respekt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wissen – das wurde in der bisherigen Aussprache sehr deutlich –: Im Haushaltsausschuss liegt noch einiges an Arbeit vor uns. Dabei können Sie sich auf eines verlassen: Wir stehen für Verantwortung statt Populismus, Verantwortung für Deutschland, Verantwortung für die Demokratie, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Verantwortung auch für unsere internationalen Bündnisse. Die Antwort der SPD-Fraktion und unseres Kanzlers ist deshalb: Verantwortung!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Michael Schrodi
Foto: Michael Schrodi/ Photothek
20 Vermerkeca. 802 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst einmal: Ich fand bei der Rede des Bundesfinanzministers gut, dass er bei der Einbringung des Haushalts auch die Mindereinnahmen durch Steuergesetze erwähnt hat. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten einiges an Steuergesetzen hier im Parlament, in den Ausschüssen, im Finanzausschuss, beraten. Wir machen das in den nächsten Monaten verantwortungsvoll und ganz ohne die schrägen Bilder, die Sie, Herr Haase, heute bedient haben. Es ist kein Vulkan, auf dem wir tanzen, sondern wir haben einen soliden Haushalt vorliegen.

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir machen in den nächsten Wochen und Monaten gute Gesetzgebung, um unsere Wirtschaft zu unterstützen und über diesen Haushalt unseren Staat auszufinanzieren. Das werden wir in diesem Parlament in aller Verantwortung tun, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD
Zurufevon der CDU/CSU

Offen gestanden ist das, was die Union heute geliefert hat, wieder ein Wünsch-dir-was, bei dem Sie auf der einen Seite wieder – wie in den letzten Monaten oftmals – milliardenschwere Mehrausgaben fordern und auf der anderen Seite gleichzeitig – teilweise in der gleichen Woche – milliardenschwere Mindereinnahmen von 20 bis 30 Milliarden Euro fordern, ohne dass jemals ein Einziger – Herr Haase nicht, Herr Middelberg nicht – einen ganz konkreten Vorschlag macht und in einem Antrag formuliert, wie Sie das alles finanzieren wollen.

Das ist Finanz-Voodoo, aber keine solide Haushalts- und Finanzpolitik, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Zwei Anmerkungen dazu. Dieser Haushalt ist ein in Zahlen gegossenes Zukunfts- und Sicherheitsprogramm. Übrigens: Einen schwachen Staat können sich sehr gut Betuchte leisten. Andere – viele Leistungsträgerinnen und Leistungsträger in unserem Land – brauchen einen starken Staat. Die Arbeitnehmerin, der Arbeitnehmer, der Handwerker braucht eine ordentliche Straße und Schiene. Die Familien brauchen möglichst kostenlose Bildungseinrichtungen. Die Polizei und das THW brauchen Sicherheit, um ihre Aufgaben zu bewerkstelligen.

Die Pflegekräfte müssen ordentlich bezahlt werden. Die Krankenhäuser müssen gut ausfinanziert sein. Wir brauchen eine sichere Rente für die Älteren. All das finanzieren wir mit den Steuerzahlungen der Bürgerinnen und Bürger, und all das sind Aufgaben des Staates, Aufgaben eines solidarischen, eines starken Staates, die wir mit diesem Haushalt sicherstellen wollen. Auch das ist unsere Aufgabe, die wir wahrnehmen und zu der die Union keinen einzigen Beitrag leistet. Auch das ist an dieser Stelle noch einmal zu betonen.

Hätte er sich den Haushalt mal angeguckt, dann würde er nicht so einen Quatsch erzählen!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Herr Middelberg, stimmt das eigentlich mit der Behauptung, dass wir ständig die Menschen in diesem Land höher belasten?

Ja, das stimmt!

Diese Koalition hat seit ihrem Antritt die Unternehmen

… geschröpft!

und die Bürgerinnen und Bürger

… auch geschröpft!

um fast 50 Milliarden Euro entlastet, mit dem Inflationsausgleichsgesetz allein um 33 Milliarden Euro. Hinzu kamen das Wachstumschancengesetz und das Zukunftsfinanzierungsgesetz für die Unternehmen. Das ist ein großes Programm zur Stärkung der Binnenkonjunktur und der Wirtschaft gewesen. Das sind 50 Milliarden Entlastung für die Menschen, die auch angekommen sind. Auch das ist mal zu erwähnen. Es stimmt nicht, Herr Middelberg, dass das nicht angekommen ist. Am Ende bleibt mehr Geld im Geldbeutel der Bürgerinnen und Bürger.

Bei wem denn?

Es gab im „Handelsblatt“ aufgrund von Zahlen des Bundesfinanzministeriums einen großen Artikel zu der Frage: Wie hat sich die Steuerbelastung in den letzten Jahren entwickelt?

Immer höher!

Von 2010 bis 2024 ist sie kontinuierlich in allen Einkommensteuergruppen gesunken.

Trotz der hohen Inflation – das besagt eine Studie des Wirtschaftsinstituts IMK –

Was lesen Sie für Studien?

haben die hohen Lohnsteigerungen und auch die Maßnahmen der Bundesregierung dazu geführt,

Sie müssen den Artikel andersrum drehen!

dass der Verlust an Kaufkraft bei den allermeisten Haushalten mindestens ausgeglichen wurde.

Es ist auch ein Erfolg dieser Bundesregierung, dass wir es in herausfordernden Zeiten geschafft haben, Bürgerinnen und Bürger finanziell zu entlasten

Ich kenne keinen einzigen!

und die Binnenkonjunktur anzuregen. Auch das ist in diesen schwierigen Zeiten ein Erfolg dieser Bundesregierung, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Torsten Herbst [FDP]

Zur Wahrheit und Klarheit

Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

gehört aber auch, dass diejenigen, die einen hohen Anteil ihres Geldes für Lebensmittel, für Energie ausgeben müssen, stärker belastet waren. Das sind die Familien gewesen, Familien mit Kindern, Familien mit mittlerem Einkommen.

Was ist der Ausblick? Bei der Steuergesetzgebung, die jetzt ansteht, werden wir einiges tun, auch hier wieder Menschen zu entlasten und Wachstum anzuregen. Wir werden mit dem Jahressteuergesetz beispielsweise endlich die Reaktivierung der Wohngemeinnützigkeit auf den Weg bringen, damit bezahlbarer Wohnraum bis in die Mitte der Gesellschaft steuerlich gefördert wird – ein wichtiger Schritt für den sozialen Zusammenhalt in diesem Land, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit einem weiteren Steuergesetz werden wir zahlreiche Maßnahmen der Wachstumsinitiative aufnehmen, steuerliche Anreize setzen, zum Beispiel auch zur Ankurbelung des Verkaufs von E-Autos, Investitionen anschieben,

Zurufdes Abg. Sebastian Brehm [CDU/CSU]

Abschreibungsbedingungen verbessern, Forschung und Entwicklung steuerlich mehr fördern. Das alles sind Dinge, bei denen ich dann mal gespannt bin, wie sich die CDU/CSU dazu verhalten wird. Beim letzten Mal, als wir das im Wachstumschancengesetz angelegt hatten, war es die CDU/CSU, die zuerst mehr gefordert hatte; im Verfahren des Vermittlungsausschusses waren es dann Ihre eigenen Länder, die das kleiner gemacht haben.

Warum? Warum? Warum? Die Wahrheit sagen! Warum!

Wir wollen, dass es Wachstumsimpulse gibt, und die werden wir auf den Weg bringen. Ich bin gespannt, wie sich die CDU/CSU dann dazu verhalten wird.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Michael Schrodi
Foto: Michael Schrodi/ Photothek
ca. 30 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Und wir werden, meine sehr geehrten Damen und Herren, auch Bürgerinnen und Bürger entlasten, beim Grundfreibetrag, beim Kinderfreibetrag, aber auch – das ist mir wichtig – beim Kindergeld, das wir anheben werden.

Porträt von Michael Schrodi
Foto: Michael Schrodi/ Photothek
1 Vermerkca. 40 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das wird gerade Familien mit mittleren Einkommen entlasten.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

All das bringen wir jetzt auf den Weg. Ich freue mich auf die Beratungen des Haushalts, aber auch dieser Steuergesetze, mit denen wir einen weiteren Schritt tun, um dieses Land zu stabilisieren, –

13 Vermerkeca. 616 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Plötzlich und unerwartet mischt sich das Finanzministerium in die Beratungen des Finanzausschusses ein. Während Sie uns in den letzten drei Jahren nur sehr gelegentlich mit Gesetzentwürfen im Finanzausschuss beschäftigt haben – statistisch gesehen noch nicht einmal in jeder zweiten Sitzung des Ausschusses –, legen Sie jetzt auf einen Schwung sieben Gesetze und Referentenentwürfe vor. Und diese haben massive Nebenwirkungen. Geschenkt, dass Sie glauben, dass es seriöse Beratungen wären, wenn wir an einem Tag in vier Anhörungen 70 Einzelmaßnahmen beraten müssen. Das ist für uns keine seriöse Beratung.

Aber egal.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Nebenwirkungen für Unternehmerinnen und Unternehmer sind erheblich größer. So haben Sie nun, nachdem wir Sie fast ein Jahr dazu aufgefordert haben, endlich die verfassungsrechtlich vorgeschriebene Erhöhung des Grundfreibetrags und des Kinderfreibetrags für 2024 vorgelegt. Geschenkt, dass das Hunderte von Millionen Euro sind, die den Bürgerinnen und Bürgern in den letzten zwölf Monaten verfassungsrechtlich eigentlich zugestanden hätten, und geschenkt, dass damit auch der Konsum deutlich hätte angekurbelt werden können. Richtig ärgerlich wird es aber für die Unternehmerinnen und Unternehmer. Sie müssen nämlich, obwohl das Gesetz frühestens Ende November verabschiedet wird, im Dezember die Lohnabrechnungen für die letzten zwölf Monate neu abwickeln, einschließlich der Sozialversicherungspflicht. Das sind erhebliche bürokratische Aufwendungen und auch erhebliche Kosten.

Das ist die Wahrheit! Hören Sie doch mal zu!

Erzählen Sie mir nie mehr, dass Sie Bürokratieabbau voranbringen wollen. Denn Sie belasten da die Unternehmen in völlig sinnloser Weise.

Beifallbei der CDU/CSU

Haushalterisch verstehe ich das natürlich gut; denn durch die Verschiebung in den Dezember können Sie im Haushalt 2024 tricksen. Nur den kleineren Teil der wirtschaftlich in dieses Jahr gehörenden Ausfälle müssen Sie da verbuchen, der Hauptanteil wird erst 2025 kommen. Sie doktern mit dem Jahressteuergesetz an Symptomen herum und vergrößern teilweise die Probleme.

Sie führen ein Mobilitätsbudget für private E-Roller-Fahrten ein. Sie behaupten, man könne tatsächlich 2 400 Euro aus der normalen Besteuerung und Verbeitragung pro Arbeitnehmer herausnehmen

Schrodi live!

und das hätte überhaupt keine finanziellen Auswirkungen: weder im Steuerrecht noch im Sozialversicherungsrecht.

Bürokratieabbau à la SPD!

Wir werden Sie bei den Anhörungen eines Besseren belehren. Zusätzliche Bürokratie bei den Unternehmen: Demnächst werden 1,50 Euro beim Arbeitgeber für eine steuersubventionierte E-Roller-Fahrt eingereicht. Das werden wir Ihnen so nicht durchgehen lassen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie belasten erneut Landwirte mit der Herabsetzung der Pauschalversteuerung. Sie schaffen erhebliche Unruhe bei den Musikschulen, weil die Gefahr droht, dass Musikschulen demnächst 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen müssen.

Es gibt massive Umgehungsmöglichkeiten bei der Wohngemeinnützigkeit. Herr Schrodi, ich habe noch kein Unternehmen gefunden, das diese Regelung für attraktiv hält.

Das hat er sich nicht durchgelesen, der Herr Schrodi!

Aber all das werden wir Ihnen in den Anhörungen vorhalten, und wir werden mit Ihnen darüber intensiv beraten.

Im Steuerfortentwicklungsgesetz sind ja tatsächlich Maßnahmen drin, die wir begrüßen, so zum Beispiel verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten, die wir auch schon gefordert haben. Die Erhöhung des Grundfreibetrags, die Sie aufnehmen, ist sowieso verfassungsrechtlich geboten. Wir hätten uns gewünscht, dass Sie die Steuerbelastungen gesenkt und Verbesserungen bei der Verlustverrechnung und bei der Thesaurierungsbegünstigung erreicht hätten, wo bereits kleine Beträge das für Unternehmen attraktiver machen würden. All das tun Sie nicht.

Erneut hängen Sie aber an dieses Gesetz die nationalen Anzeigepflichten. Und Sie wissen, dass daran schon das Wachstumschancengesetz gescheitert ist.

Sie machen alles, damit der Bundesrat diesem Gesetz nicht zustimmen kann.

Und je länger ich mir die Zahlen anschaue – es geht da nämlich um dreieinhalb Milliarden Euro –, umso mehr habe ich die deutliche Vermutung, dass Ihre Aussagen vom Sommer, dass die globale Minderausgabe von 12 auf 9 Milliarden Euro reduziert werden muss, genau den Ausgaben aufgrund des Steuerfortentwicklungsgesetzes entspricht.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie kalkulieren in Ihren Haushaltsentwürfen ein, dass dieses Gesetz im Bundesrat scheitert, und haben damit einen Einspareffekt zulasten der Unternehmerinnen und Unternehmer.

Ein letztes Wort zu den Familien und zu den Steuerklassen III und V. Sie behaupten, Familien würden durch den Steuerklassenwechsel nicht belastet.

1 Vermerkca. 14 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Das ist faktisch falsch; denn natürlich werden die Lohnersatzleistungen wie Elterngeld und Arbeitslosengeld sinken.

3 Vermerkeca. 33 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sie verbreiten da nicht die Wahrheit. Familien werden belastet. Auch das werden wir in den Anhörungen thematisieren. Wir sind da ein bisschen in Sorge,

Aber nur ein bisschen!

aber wir werden mit Ihnen diese Themen besprechen.

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: 15 Minuten!
Zurufvon der FDP: Die Zeit läuft schon!
1 Vermerkca. 254 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Haushalt mit 488 Milliarden Euro kann eigentlich so in keiner Weise richtig behandelt oder verabschiedet werden. Mit Buchungstricks wie globalen Minderausgaben versucht man, über die Runden zu kommen. Aber die sind eigentlich weder durchdacht, noch steht fest, dass diese Minderausgaben jemals erreicht werden. Das ist wie im Kindergarten oder in der Schulklasse, wo gespielt wird, wie man mal einen Haushalt macht. So arbeitet hier diese Bundesregierung.

Die Ampel hat die Wirtschaft zerstört. Herr Lindner tut so, als hätte er damit gar nichts zu tun. Für den Standort Deutschland wird nur noch mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet. Wunderbares Ergebnis. Mit Stand Juli gibt es 40 Prozent mehr Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr. Hört! Hört! Herr Habeck weiß gar nicht, was das ist.

Eine Wachstumsinitiative mit 49 Maßnahmen soll uns jetzt auf einmal wieder nach vorne bringen. Jawoll! So arbeitet ein Manager in der Werbebranche. Man erfindet irgendeinen Schwachsinn und täuscht die Leute, und sie sind alle glücklich, auch wenn sie nichts mehr haben.

Die Zeit ist rum!

Die deutsche Stahlindustrie geht unter. Grüner Stahl war von vornherein eine Wortschöpfung für Irre. Stahl wurde schon immer mit Koks gemacht. Also, es tut mir leid. Die Autoindustrie – VW – geht kaputt. Wir hören jetzt von den Werksschließungen. Mit BASF haben wir das schon durch. Die Chipfabrik in Magdeburg sollte die große Lösung bringen. Jawoll! 9 Milliarden Euro wollte der Staat dafür ausgeben, und jetzt erfahren wir, dass das Ding völlig in der Luft hängt und vielleicht gar nicht kommt.

ca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Unser Geld aus Deutschland fließt in die Ukraine, etwa 200 Milliarden Euro bisher.

ca. 18 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist das Geld, das uns hier fehlt, und das nicht für unsere Menschen ausgegeben wird, sondern woanders.

ca. 7 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

Porträt von Frauke Heiligenstadt
Foto: Frauke Heiligenstadt/ Photothek Media Lab
11 Vermerkeca. 623 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mit dem Haushalt für das kommende Jahr sorgen wir für mehr innere und äußere Sicherheit. Wir sparen nicht am Sozialstaat, sondern sorgen für mehr Wachstum und Wohlstand in unserem Land.

Dazu hier ein paar Fakten, die die Gesamtdebatte gut abrunden. Wir haben es gehört: Es geht um 488 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung in Höhe von 37 Milliarden Euro. Die Investitionen liegen bei 81 Milliarden Euro und steigen damit nochmals um 11 Milliarden Euro.

Bevor ich jedoch auf die einzelnen Ausgaben eingehe, möchte ich einen kurzen Blick auf die Einnahmen werfen. Natürlich sind das vor allen Dingen Steuereinnahmen. Das merken die Bürgerinnen und Bürger bei jeder Gehaltsabrechnung. Ich finde, in einer Haushaltsdebatte sollten wir uns daher bei all den Menschen bedanken,

… die noch arbeiten!

die sich nicht darum drücken, Steuern zu zahlen,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Bedankt euch doch bei mir!

die jeden Tag unser Land am Laufen halten und damit einen ganz wichtigen Beitrag für unser Gemeinwesen leisten.

Apropos Steuereinnahmen: Die Steuerzahlenden in Deutschland sollen auch in 2025 deutlich entlastet werden, und zwar um circa 23 Milliarden Euro. Dies geschieht beispielsweise durch Anpassungen der Grund- und Freibeträge, zum Beispiel bei Familien oder Menschen mit niedrigerem Einkommen. Damit bleibt vielen mehr Netto vom Brutto.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, für unsere Stabilität und unseren Wohlstand ist es aber auch wichtig, dass wir insgesamt höhere Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen erzielen, und das geht in Zeiten von Rekordbeschäftigung nur durch wirtschaftliches Wachstum. Genau diesem Ziel folgt die Bundesregierung mit der Wachstumsinitiative.

Schauen wir mal!

Deshalb beinhaltet der Haushaltsentwurf auch Bestandteile der 49 Punkte umfassenden Initiative. Indem wir Bürokratie abbauen, steuerliche Abschreibungen für Unternehmen erleichtern und Forschung fördern, geben wir der Wirtschaft eine stabile und zukunftsgestaltende Perspektive, und das ist genau richtig so.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Gleichzeitig ist aber auch klar, dass wir unsere Industrie erhalten und fortentwickeln müssen.

Aber das wird ja gerade vernichtet! Die Industrie geht aus dem Land!

Industrielles Wachstum ist genauso wichtig wie eine gute Infrastruktur. Wir Bürgerinnen und Bürger und die Industrie sind auf eine gute Infrastruktur angewiesen, also auf Autobahnen ohne Schlaglöcher oder auf Schienen ohne marode Stellwerke. Daher ist es notwendig und gut, dass wir im nächsten Jahr noch einmal eine Rekordsumme von 81 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, um in diese Infrastruktur, in diese Substanz zu investieren.

Es ist aber auch wichtig, meine sehr verehrten Damen und Herren, dass wir in die demokratische Substanz unseres Staates investieren. Denn die Studienlage ist eindeutig: Dort, wo der Staat sich zurückzieht und spart, erstarken populistische und extremistische Parteien noch schneller. Daher ist es richtig, zum Beispiel die wichtige Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung

mit einem Rekordetat von insgesamt 101 Millionen Euro zu stärken – deutlich mehr als im letzten Jahr.

Die Leute sind gebildet und wählen deswegen AfD!

Eine wirklich gute Nachricht, meine Damen und Herren!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Manfred Todtenhausen [FDP]

Regierungspropaganda!

Im Kampf gegen Populismus und Extremismus wären auch Kürzungen bei Sozialleistungen oder der Rente, bei der Pflege oder der Arbeitslosenunterstützung kein gutes Mittel. Im Gegenteil: Soziale Sicherheit hält unser Land zusammen. Deshalb ist es wichtig, dass wir das Rentenniveau bis 2040 sichern

Das reicht nicht! Die Rente bleibt so schlecht, wie sie ist!

und die Rente für zukünftige Generationen durch das Generationenkapital stärken. Mit dem Rentenpaket II wollen wir für stabile Renten und gleichzeitig stabile Beitragszahlen von 18,6 Prozent für die Rentenversicherung sorgen.

Das ist doch gelogen!

Und der Bund unterstützt mit diesem Haushalt 2025 die gesetzliche Rente mit 116 Milliarden Euro. Das ist gut für die Menschen und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch für die Rentnerinnen und Rentner in unserem Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich fasse zusammen, meine sehr verehrten Damen und Herren: Unsere Antwort ist Verantwortung. Als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nehmen wir Verantwortung für die Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen in den Blick, ohne Sozialkürzungen im Etat.

Unsere Verantwortung ist klar: Soziale Sicherheit im Land ist und bleibt der Garant für gutes Zusammenleben. Wir übernehmen Verantwortung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und für Familien, und wir übernehmen Verantwortung, –

Porträt von Frauke Heiligenstadt
Foto: Frauke Heiligenstadt/ Photothek Media Lab
1 Vermerkca. 25 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– für stabile Renten und für einen starken Sozialstaat. Wir spielen nicht die Bereiche gegeneinander aus; wir werden sie gemeinsam zusammenfügen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Hubertus Heil
Foto: Photothek/ Thomas Imo
Hubertus HeilSPD· Bundesminister für Arbeit und Soziales· MdB
24 Vermerkeca. 1.763 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Wir leben ohne Zweifel in stürmischen Zeiten: in Zeiten rasanter Veränderungen. In Zeiten, in denen Entwicklungen sich auch widersprüchlich zeigen. Das zeigt sich vor allen Dingen am deutschen Arbeitsmarkt. Auf der einen Seite haben wir einen hohen Stand an Beschäftigung, den höchsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: über 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 46 Millionen Erwerbstätige. Wir haben nicht mehr die Massenarbeitslosigkeit der Vergangenheit.

Aber auf der anderen Seite machen sich viele Menschen in vielen Branchen aktuell Sorgen um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Ich will mal drei Beispiele nennen, die im Moment viele Menschen bewegen. Die aber vor allen Dingen für die industrielle Basis stehen. Ich denke beispielsweise an die Kolleginnen und Kollegen bei ZF. An die Kolleginnen und Kollegen bei thyssenkrupp. Und auch an diejenigen, die bei Volkswagen und eben der dazugehörigen Zulieferindustrie arbeiten.

Deshalb eine klare Ansage an dieser Stelle: In diesen Fällen ist es jetzt notwendig, sozialpartnerschaftliche Lösungen zu finden. Es ist die Stunde der Mitbestimmung und der Sozialpartnerschaft. Ich sage das auch deshalb, weil das dieses Land stark gemacht hat! Und weil es nicht angehen kann, dass auf der einen Seite einige Konzerne in der Vergangenheit große Dividenden ausgeschüttet haben, dann Managementfehler passiert sind und jetzt allein die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Zeche zu zahlen haben. Die Arbeitnehmer sind bereit zu Lösungen! Aber jetzt ist die Zeit, sich an den Tisch zu setzen und solche Lösungen auch zu finden.

Das ist Ihre Gängelung durch die CO2-Politik!

Und die Botschaft ist ganz klar: Standorte sichern und betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Claudia Raffelhüschen [FDP]

Das ist ja der Fall: Bei thyssenkrupp hat es zweifelsohne in der Vergangenheit beim Vorgängermanagement Versagen gegeben.

Vor allem von der Regierung!

Da ist Geld in Brasilien verbrannt worden mit gigantischen Projekten, die nichts geworden sind. Und man kann auch bei Volkswagen nicht ganz umhin, zu erkennen, dass man sich jahrelang auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht hat. Dass andere besser geworden sind. Und dass man zu spät angefangen hat, auf Modelle zu setzen, die die Verbraucherinnen und Verbraucher nachfragen.

Das ist ja eine unglaubliche Heuchelei!

Es ist jetzt wichtig, einen Interessenausgleich zu finden. Noch mal: Das ist eine schwierige Situation. Da geht es um Standorte, Beschäftigung, Technologien sowie Know-how, das daran hängt. Und bevor die Opposition sich darüber beklagt: Auch wir als Bundesregierung übernehmen unseren Part und unsere Verantwortung. Wir haben die Verantwortung, zuzugucken, dass dieses Land ein starkes Industrieland bleibt.

„Zuzugucken“?

Sie sollen handeln, nicht zuschauen, Herr Heil!

Der Staat kann in einer sozialen Marktwirtschaft nicht für jeden Managementfehler mit Steuergeld einstehen. Aber er wird nicht tatenlos zusehen.

Deshalb verbessern wir die Standortbedingungen in diesem Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir haben die EEG-Umlage gesenkt. Wir ergreifen mit dem Wachstumspaket die richtigen Initiativen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu stärken. Wir unterstützen Unternehmen – übrigens auch thyssenkrupp – mit Milliarden im technologischen Wandel! Auf dem Weg in die Zukunft.

Ich sage das auch für die aktive Arbeitsmarktpolitik: Wir haben Instrumente geschaffen, um in solchen Situationen unterstützen zu können: nicht nur mit dem konjunkturellen Kurzarbeitergeld, wenn es notwendig ist. Sondern auch mit dem Transformationszuschuss oder dem Qualifizierungsgeld. Ich sage an dieser Stelle: Die Lösung der Zukunft ist nicht Sicherheit vor dem Wandel, für kein Unternehmen. Das kann kein Staat in der sozialen Marktwirtschaft garantieren. Aber wir werden alles dafür tun – wenn ich „wir“ sage, meine ich die Verantwortung von Management, von Gewerkschaften und Staat in der sozialen Marktwirtschaft –, damit die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land eine gute Zukunft haben. Es geht nicht um Sicherheit vor dem Wandel. Aber wir müssen für Sicherheit im Wandel sorgen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn wir über die Zukunft der Arbeit reden, dann reden wir auch über die Arbeits- und Fachkräftesicherung. Heute habe ich nicht die Zeit, all die Instrumente zu nennen, die wir auf den Weg gebracht haben: von der Aus- und Weiterbildung über die Frage der Erwerbsbeteiligung von Frauen, die Beschäftigungsfähigkeit Älterer bis zur Notwendigkeit qualifizierter Zuwanderung. Die gute Lage am Arbeitsmarkt ist der Beginn der Aufgabe der Arbeits- und Fachkräftesicherung. Hinzu kommt der demografische Wandel in den nächsten Jahren.

Zurufvon der AfD: Die Zahl der offenen Stellen sinkt!

Aber wenn es um die Zukunft der Arbeit geht, meine Damen und Herren, Herr Präsident, dann müssen wir nicht nur dafür sorgen, dass wir in diesem Land gute Arbeitsplätze haben! Sondern auch dafür, dass die Menschen von der Arbeit auch leben können! Dass es gute Arbeits- und Lohnbedingungen in diesem Land gibt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb – auch aus aktuellem Anlass – ein paar Dinge in diesen Bereichen: Es wurde und wird seit vielen Jahren intensiv auch in diesem Parlament über den gesetzlichen Mindestlohn diskutiert. Heute können wir feststellen: Es war richtig, ihn 2015 einzuführen. All die Horrorszenarien über den Untergang der Arbeitsplätze haben sich nicht ergeben.

Er hat unserer Volkswirtschaft genutzt. Er hat auch die Kaufkraft gestärkt. Und es war auch richtig, dass wir in dieser Legislaturperiode den Mindestlohn auf 12 Euro deutlich gesteigert haben.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Tina Winklmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Jetzt will ich Ihnen eines sagen: Es ist auch richtig, dass sich diese Lohnuntergrenze weiterentwickeln muss. Das ist Aufgabe der Mindestlohnkommission. Die Mindestlohnkommission ist unabhängig.

Zurufvon der AfD: Nicht mehr!

Aber sie ist nicht unabhängig von Recht und Gesetz. Es gibt Kriterien im deutschen Gesetz, auf deren Basis die Mindestlohnkommission gehalten ist, in der ersten Jahreshälfte nächsten Jahres Empfehlungen zu geben, wie es 2026 weitergehen wird.

Neu ist das europäische Recht mit einem Kriterium, das zu berücksichtigen ist. Darauf habe ich hingewiesen. Weil ich der Europäischen Kommission nicht im November melden will, dass wir das deutsche Gesetz ändern müssen, um es an europäisches Recht anzugleichen. Es bleibt bei dem Gesetz. Und ich werde der Europäischen Kommission melden können, dass das deutsche Gesetz auch tatsächlich den europäischen Vorgaben entspricht, wenn man europäisches Recht bei der Findung des Mindestlohns berücksichtigt. Zu Deutsch: Im Jahre 2026 muss der Mindestlohn deutlich steigen, weil es um armutsfeste Mindestlöhne geht. Menschen müssen von der Arbeit leben können, wenn sie Vollzeit arbeiten.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Klare Ansage: Auch diejenigen, die mit mir der Meinung sind, dass Arbeit den Unterschied macht, dass Arbeit sich lohnt, dass es um Leistungsgerechtigkeit geht, müssen wissen, dass 20 Prozent der Menschen, die als Erwerbsfähige Bürgergeld beziehen, sogenannte Aufstocker sind. Das sind fleißige Menschen, die arbeiten. Wenn man dafür sorgen will, dass die von ihrer Arbeit leben können und nicht auf Transfer angewiesen sind, dann sind zwei Dinge wichtig: erstens mehr Chancen, auch auf Vollzeitarbeit. Aber zweitens auch eine Zurückdrängung des Niedriglohnsektors durch eine Weiterentwicklung der Lohnuntergrenze. Deshalb, meine Damen und Herren: Damit Arbeit sich lohnt, muss der Mindestlohn in Deutschland steigen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nun habe ich viele Menschen getroffen, die sagen: Ja, ihr redet immer über den Mindestlohn, aber es ist doch so: Ich habe eine ordentliche Qualifikation, und für den Mindestlohn tut ihr was. Aber wo ist denn der Lohnabstand zu meiner Lebensleistung? – Das ist ein Thema, das viele in der Wirtschaft, in der Gesellschaft umtreibt. Deshalb sage ich ganz klar: Der Mindestlohn hat allen geholfen, weil er das allgemeine Lohn- und Gehaltsniveau gehoben hat.

Aber der Mindestlohn ist – so gut er ist – immer nur eine Lohnuntergrenze. Deshalb ist es wichtig, der Tatsache ins Auge zu schauen, dass wir die Tariflöhne in diesem Land stärken müssen.

Beifallbei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Klaus Ernst [BSW]

Die Steuern müssen runter!

Nur noch 52 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind unter dem Dach eines Tarifvertrages. Und bei Tarifen geht es eben nicht, wie viele denken, um Handyverträge! Sondern um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen. Der Staat kann und darf keine Tarifverträge machen, außer in seinem eigenen Geltungsbereich. Aber er muss Anstöße für mehr Tarifbindung in Deutschland geben. Deshalb bin ich entschlossen, dass wir das, was wir uns im Koalitionsvertrag vorgenommen haben, was wir auch in der Wachstumsinitiative bekräftigt haben, in dieser Legislaturperiode noch hinbekommen: nämlich ein Tariftreuegesetz, das dafür sorgt, dass öffentliche Aufträge des Staates nur an diejenigen gehen, die nach Tarif bezahlen. Das ist nicht nur gut für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Es sorgt auch für fairen Wettbewerb für Unternehmen, die ihre Leute anständig nach Tarif bezahlen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Wenn wir über Leistungsgerechtigkeit reden, meine Damen und Herren, dann müssen wir auch über die Alterssicherung reden. Darüber ist eben beim Finanzplan zu Beginn der Haushaltsdebatte schon gesprochen worden. Aber ich will das auch an dieser Stelle tun. Diese Bundesregierung hat sich vorgenommen, in allen drei Säulen der Alterssicherung für Erneuerung zu sorgen. Damit sich alle Generationen auf das System der Alterssicherung verlassen können. Der Bundesfinanzminister arbeitet mit Hochdruck an einer Reform und der Förderung der privaten Altersvorsorge. Das ist richtig so; dabei hat er meine absolute Unterstützung.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Der Bundesfinanzminister und ich arbeiten zusammen auch an einer Stärkung von Betriebsrenten – der Vorschlag wird in Kürze im Kabinett sein. Weil wir wollen, dass mehr Menschen eine Betriebsrente beziehen können. Übrigens auch Menschen mit geringerem Einkommen.

Aber so wichtig die private und die betriebliche Altersvorsorge sind: Für die allermeisten Menschen ist die gesetzliche Rente das Fundament ihrer Alterssicherung. Übrigens vor allen Dingen in Ostdeutschland, auch aus historischen Gründen. Deshalb ist es ganz klar richtig, dass wir im Bundeskabinett beschlossen haben, mit dem Rentenpaket II dafür zu sorgen, dass wir dauerhaft das Rentenniveau für alle Generationen sichern, nicht nur für die Rentnerinnen und Rentner von heute. In der aktuellen Debatte stört mich eins: In mancher Berichterstattung wird so getan, als sei die Rente irgendein Almosen des Staates. Die Rente ist ein Anspruch, den sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch ihre fleißige Arbeit im Leben erworben haben.

Da haben Sie Kürzungen vorgenommen!

Die Rente steht den Menschen zu! Und deshalb wollen wir das Rentenniveau dauerhaft für alle Generationen sichern, meine Damen und Herren. Und wir sind entschlossen, das umzusetzen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zum Schluss: Es gibt einige, die sagen, da gebe es angesichts der Demografie nur eine Möglichkeit: nämlich immer länger arbeiten für alle. Ich kann es nur ganz deutlich sagen: Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird auf 67 steigen. Wir sind für flexible Übergänge. Wir setzen jetzt auch Anreize, dass Menschen, wo immer es geht, freiwillig länger arbeiten. Aber das gesetzliche Renteneintrittsalter für alle auf 69 oder 70 zu setzen, wäre nichts anderes als eine Rentenkürzung! Und deshalb wird es das mit dieser Bundesregierung nicht geben.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich habe in diesem Sommer, wie viele von Ihnen, mit vielen Bürgerinnen und Bürgern gesprochen. Ich habe mit Handwerkern gesprochen, die händeringend Fachkräfte suchen. Das ist das große Thema der Arbeitsmarktpolitik! Ich habe mit Beschäftigten in der Automobilindustrie gesprochen, die sich Sorgen machen. Ich habe auch mit Rentnerinnen und Rentnern sowie Arbeitnehmern, die demnächst in Rente gehen wollen, darüber gesprochen, ob sie sich noch auf einiges verlassen können.

Unsere Aufgabe als Bundesregierung – der stelle ich mich als Arbeitsminister, und der stellen wir uns auch gemeinsam bei allem Streit in dieser Koalition – ist es nicht, ewig zu streiten.

Sondern unsere Aufgabe ist es, nach intensiven Debatten zu Lösungen zu kommen. Ich bin entschlossen, dass wir das tun: in der Arbeitsmarktpolitik, bei der Rente und auch bei der Frage, wie wir in diesem Land zu anständigen Löhnen kommen. Das kennzeichnet unsere Politik, und der Verantwortung stelle ich mich.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Carl-Julius Cronenberg [FDP]
Beifallbei der CDU/CSU
20 Vermerkeca. 623 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist – ich zitiere – „äußerst besorgniserregend“; so formuliert es der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Bernd Fitzenberger. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über Personalabbaupläne von Unternehmen berichtet wird: BASF, SAP, thyssenkrupp, VW, ZF usw. Die Großen machen Schlagzeilen, die Kleinen gehen oder entlassen leise.

In kaum einer Woche rede ich nicht mit Vertreterinnen und Vertretern der Unternehmen, Betriebsräte, Gewerkschaften über die Sorgen der Belegschaften. Da geht es um einen sich beschleunigenden Abbau von Produktionsstätten, da geht es immer wieder um das Stichwort „Deindustrialisierung“. Lieber Hubertus Heil, Ihnen fällt dazu nur ein, dass es Managementfehler gibt. Ich sage Ihnen: Die IGBCEler, die zu mir kommen, reden zuallererst über das Versagen der Regierung bei der Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der Rahmenbedingungen in Deutschland!

Beifallbei der CDU/CSU

Die sitzen mit ihren Managern zusammen und versuchen, in der schwierigen Zeit so lange wie möglich alle Mann an Deck zu halten, weil sie auf bessere Zeiten – Zeiten nach der Ampel – hoffen. Dass Sie nicht über eigenes Versagen reden, sondern auf Fehlentscheidungen anderer verweisen, zeigt, dass Sie an der Realität vorbeigehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Unsicherheit in diesem Land wird doch dadurch verschärft, dass diese Koalition in der zentralen Frage, wie wir dieses Land wieder auf Wachstumskurs bringen, wie wir den Arbeitsmarkt wieder in Schwung bringen, fundamental auseinanderklafft. Die einen wollen Wachstumsbremsen lösen – richtig so! –, die anderen die Schuldenbremse – ein Irrweg. Sie sind sich in zentralen Punkten nicht einig.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Und der Bundeskanzler sagt vorwurfsvoll in Richtung Wirtschaft, die Lage sei viel besser als die Stimmung. Meine Damen, meine Herren, Sie plakatieren „Respekt“, aber Sie praktizieren Realitätsverweigerung, und das ist das Gegenteil von Respekt.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich von Ihnen verschaukelt fühlen, wenden sich in Scharen von der SPD ab

und rennen leider auch zu Parteien an den Rändern des politischen Spektrums.

So ist es!

Ihre Arbeitsmarktpolitik müsste jetzt einen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit leisten. Was tun Sie? Sie verweigern sich der notwendigen Flexibilisierung der Arbeitszeit und betreiben die Politisierung des Mindestlohns,

Bingo! Jetzt haben wir es gehört!

das ist Gegenteil von dem, was jetzt eine gute wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land brauchen würde.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie schwächen damit die Chancen auf Vermittlung in Arbeit. Der Bundesrechnungshof spricht von einem historisch niedrigen Niveau, wenn es um die Chance der Vermittlung von Arbeitslosen in Arbeit geht.

Zurufdes Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Lassen Sie mich auch etwas zum Thema Bürgergeld sagen; einer der führenden Genossen hat dies neulich auch als eine Ursache für Vertrauensverlust ausgemacht. Ich will noch mal gegen Geschichtsklitterung klarstellen: Wir haben hier im Deutschen Bundestag gegen das Ampelgesetz gestimmt.

Sie haben dem zugestimmt, was jetzt im Gesetz steht!

– Zweite, dritte Lesung im November 2022; gucken Sie nach; da haben wir dagegengestimmt. Es gab ein Vermittlungsverfahren, dem Ergebnis haben wir zugestimmt.

Sie haben zugestimmt!

– Sie regen sich auf; das verstehe ich.

Ich erkläre es jetzt: Wir haben dem Ergebnis des Vermittlungsverfahrens zugestimmt. Sie haben übrigens das Vermittlungsergebnis inzwischen mehrmals unzureichend korrigiert.

Das ist das gültige Gesetz!

– Ja, es tut weh; es muss aber mal gesagt werden.

Wir haben im Vermittlungsverfahren gesagt: Der Name „Bürgergeld“ ist falsch. Sie haben jedes Gespräch darüber schroff zurückgewiesen.

Geht es jetzt um den Namen, oder was?

Jetzt war Axel Schäfer im Jobcenter in Bochum und kommt raus und sagt der erstaunten Presse: Der Name ist falsch.

Hört! Hört!

Das haben wir Ihnen gesagt. Sie haben jedes Gespräch darüber abgelehnt.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich möchte es einmal so sagen: Die Einzigen, die noch über Ihre Reformen schwärmen, sind bezahlte Werbeagenturen Marke Eigenlob und Söhne.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Das sind die, die noch von Ihren Reformen schwärmen. Sie tun das Gegenteil von dem, was nötig ist. Deswegen sind es Luftbuchungen, wenn Sie glauben, beim Bürgergeld einsparen zu können. Natürlich kann man durch Vermittlung in Arbeit sparen, wenn man die Wirtschaft wieder in Schwung bringt; aber da versagen Sie.

Das ist ganz schön schwach!

Zur Rentenpolitik werden sicher Kolleginnen und Kollegen sprechen. In der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik waren die Ampeljahre verlorene Jahre. Es ist auch hier Zeit für einen Neuanfang.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie bei der CDU, da ist der Name auch das Problem! -Zuruf der Abg. Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Carl-Julius Cronenberg [FDP]
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Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Meine sehr verehrten Gäste auf der Zuschauertribüne! Nur um das klarzustellen: Wir befinden uns hier in einer Haushaltsdebatte und nicht in einer Debatte zur jüngeren Zeitgeschichte und der Perspektive der CDU darauf.

Widerspruchbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir beraten hier heute den größten Etat des Bundeshaushalts im Rahmen der Haushaltsdebatte. Und leider hat noch keiner meiner Vorredner gesagt,

Zurufder Abg. Nina Warken [CDU/CSU]

dass es gelungen ist, hier mit diesem zur Beratung vorliegenden Entwurf erst einmal etwas einzubringen, mit dem eine Gesamtstabilisierung des sozialen Sicherungssystems und eine Stabilisierung des Etats bei 179 Milliarden Euro geglückt ist.

Das ist, glaube ich, erst einmal der Ausgangspunkt der Betrachtung, die man hier vornehmen sollte.

Ich halte es auch für absolut wichtig, dass wir die Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes senden, dass wir die zentralen Systeme zur Absicherung der großen Lebensrisiken – Altersarmut, Arbeitslosigkeit, Pflegebedürftigkeit, Krankheit; das kommt in anderen Einzelplänen – stabil halten. Denn das ist wichtig, gerade angesichts der Tatsache, dass leider auch Sie von der Union und gerade Ihre Spitze – Linnemann, Merz, Spahn – sich ausschließlich in Katastrophenrhetorik ergehen und dieses Land schlechtmachen.

So ein Quatsch!

Unsinn! Ich empfehle das Gespräch mit Betriebsräten!

Und das hilft nicht. Ich plädiere für eine sachgerechte Betrachtung des Bürgergelds. Wir halten den Eingliederungstitel in diesem Entwurf weitgehend stabil, und im Laufe der Beratungen, die kommen, kommen hoffentlich noch einmal an der einen oder anderen Stelle Korrekturen. Wir von der Ampel haben erkannt, dass es nicht darum geht, jetzt noch einmal schärfer zu sanktionieren, dass es nicht darum geht, Leute zu diffamieren, die keine Arbeit finden, die vielleicht auch psychisch erkrankt sind, sondern dass es darum geht, Ausbildungen zu ermöglichen, Qualifizierung zu ermöglichen und Sprachförderung zu ermöglichen,

Deshalb streichen Sie zusammen!

um eben die Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Da streichen Sie doch die Mittel!

Das ist der entscheidende Punkt, und dazu haben wir auch in der Wachstumsinitiative

Die gibt es doch noch gar nicht!

eine ganze Reihe von vielleicht sich technisch-kleinteilig anhörenden Veränderungen vorgenommen, die aber dazu führen werden, dass wir, wenn wir das beispielsweise mit der Bundesagentur für Arbeit vernünftig umsetzen, dort zu Erfolgen kommen – auch in schwierigen Zeiten. Wir wollen bürokratische Auflagen bei der Zertifizierung von Weiterbildung abbauen. Wir wollen die BA und ihre Dienstleistungen besser ertüchtigen und nutzen, den Jobturbo noch einmal ausweiten und verstetigen. Man könnte sagen: Wir brauchen eigentlich einen Jobturbo 2.0. Wir wollen speziell bei Geflüchteten die Kombination von Praktika und Sprachkursen erweitern, wir wollen die Ausweitung des Passiv-Aktiv-Transfers. Ich finde, man könnte auch noch in die Debatte einbringen, dass wir die Struktur gerade von kleinen Jobcentern verändern, sodass es Verbünde gibt. Kurzum: Die Aufzählung all dieser Maßnahmen hört sich für sich genommen technisch an. Aber das ist genau die Aufgabe, die wir hier als Fachpolitiker und Haushaltspolitiker haben:

Sie schwächen die Jobcenter!

ernsthaft mit den Instrumenten zu arbeiten und die Eingliederung zu verbessern, statt populistische Rhetorik zu betreiben, die an niedere Instinkte appelliert.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie schwächen die Jobcenter!

Ich halte auch nichts davon, den Zusammenbruch der Systeme in der Zukunft zu behaupten. Es gibt – sehr interessant jetzt hier für diese Debatte – ein sehr schönes Faktenkompendium von der Deutschen Rentenversicherung, das zeigt, wie sich der Anteil der Rentenausgaben bzw. des Bundeszuschusses am Bruttoinlandsprodukt, also an der Wirtschaftsleistung, entwickelt hat.

Also deswegen kürzen Sie?

Er ist zurückgegangen von 3,5 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt auf zurzeit 2,7 Prozent.

Und Sie kürzen!

Er wird nach den Prognosen der Rentenversicherung bis 2028 auf 3,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ansteigen. Übrigens mit dem Rentenpaket II nur 0,1 Prozent höher auf 3,1 Prozent. Das heißt also, wir haben, was den Anteil der Bundesmittel am Bruttoinlandsprodukt angeht, eine sehr gute, stabile Entwicklung, die keineswegs dazu führt, dass dieses Staatswesen in den Ruin gerät.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Ich glaube, das sind alles Fakten, mit denen wir die Debatte bereichern sollten, anstatt einfach nur kurzsichtig irgendetwas zu behaupten, anstatt irgendwelche Scheinlösungen zu präsentieren, wie das Carsten Linnemann, Ihr Generalsekretär, ja gemacht hat, indem er gesagt hat: Bürgergeld muss um 100 Prozent gekürzt werden für Leistungsverweigerer. – Da machen ja selbst Ihre eigenen Leute nicht mit.

Ich appelliere auch an Sie, Herr Gröhe, und speziell an den nordrhein-westfälischen Kollegen Dennis Radtke, der im Europaparlament sitzt, sowie an den nordrhein-westfälischen Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann, dass Sie sich bemerkbar machen und dass Sie diese praktischen, vorwärtsgewandten Vorschläge, von denen ich jetzt einige genannt habe, auch unterstützen – natürlich auch gerne kritisieren an den Stellen, wo das nötig ist. Darum sind wir ja hier: um uns über den besten Weg zu streiten. Aber verallgemeinernde Katastrophenszenarien und ein Herabsetzen von bestimmten Bevölkerungsgruppen und bestimmten Leistungsbeziehenden: Das wird dieses Land nur noch weiter spalten.

Ich sage Ihnen: Das zahlt auch nicht bei der Union ein, sondern bei ganz anderen, bei denen Sie das auch nicht auf dem Konto sehen wollen.

Ihr macht die AfD fett! Wir nicht!

In diesem Sinne: Hoffentlich führen wir konstruktive und vernünftige Haushaltsverhandlungen für den Haushalt 2025.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Carl-Julius Cronenberg [FDP]
Beifallbei der AfD
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In den vergangenen Wochen haben wir uns also intensiv in den Regierungsentwurf einarbeiten können, und eines fällt sofort auf: Mit einem Volumen von fast 180 Milliarden Euro bleibt dieser Etat das Dickschiff im Bundeshaushalt. Zwar schrumpft dieser Einzelplan 2025 im Vergleich zum laufenden Haushaltsjahr um 100 Millionen Euro. Jedoch ist das nicht auf die Umsetzung dringend notwendiger Reformen zurückzuführen, sondern fast ausschließlich auf Verlagerungen aus der Steuer- in die Beitragsfinanzierung.

Ich denke, in der Ampel wird es in den kommenden Wochen noch viel zu diskutieren geben. Für mich gibt es dabei drei besondere Knackpunkte.

Zurufvon der CDU/CSU: Hört! Hört!

Der erste Punkt betrifft den Eingliederungstitel. Mit insgesamt 9,3 Milliarden Euro liegt das Gesamtbudget SGB II sogar um 600 Millionen Euro über dem aktuellen Finanzplan. Trotzdem wird von Gewerkschaften, Sozialverbänden und Jobcentern schon massive Kritik geübt, es sei zu wenig Geld vorhanden und im Vergleich zum vergangenen Jahr stark gekürzt worden. Auch aus dem BMAS haben wir schon den Wunsch vernommen, dass im parlamentarischen Verfahren zusätzliche Gelder zur Verfügung gestellt werden müssen. Ich frage mich daher: Wieso wurden diese Gelder dann nicht sachgerecht und ordnungsgemäß veranschlagt?

Aha! Gute Frage!

Das fragen wir uns auch!

Da wir diese Diskussion jedes Jahr aufs Neue führen, hätte ich eine Idee: Wieso koppeln wir die Eingliederungsausgaben nicht einfach an die Arbeitsmarktsituation und schaffen somit Klarheit durch Indexierung?

Beifallbei der FDP

Das würde nicht nur die Effizienz und Flexibilität der Mittelverwendung erheblich verbessern, sondern auch zu einer nachhaltigeren und verantwortungsvolleren Budgetplanung führen.

Zweitens: die Rente. Dass unser Rentensystem in maximale Schieflage geraten ist, dürfte mittlerweile jedem klar sein.

Das ist doch Blödsinn!

Unser eigentlich umlagefinanziertes System muss durch Steuern gestützt werden, und zwar laut Regierungsentwurf im kommenden Haushaltsjahr mit utopischen 115,8 Milliarden Euro. Das sind fast 65 Prozent des gesamten Arbeits- und Sozialetats.

Zurufder Abg. Dr. Tanja Machalet [SPD]

Der Regierungsentwurf sieht nun vor, dass der zusätzliche Bundeszuschuss bis 2027 um 2 Milliarden Euro gemindert werden soll. Das hört sich zwar zunächst nach Konsolidierung an, ist aber eine weitere Verschärfung der ungerechtfertigten Finanzierung versicherungsfremder Leistungen, wie unter anderem der Rente mit 63.

Beifallbei der FDP

Ohne eine Reform der versicherungsfremden Leistungen und Vorruhestandsregelungen wird sich die Belastung der Beitragszahler aber deutlich erhöhen. Das wäre absolut unfair für unsere Kinder und Enkelkinder und damit generationenungerecht.

Beifallbei der FDP

Folgerichtig wäre doch, das Problem an der Wurzel zu packen und beispielsweise die Abschläge beim Vorruhestand zu erhöhen. Das schaffte nicht nur finanzielle Puffer, sondern auch Arbeitsanreize.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Drittens: das Bürgergeld. Im Regierungsentwurf werden dafür 36 Milliarden Euro veranschlagt, davon 25 Milliarden Euro für das Bürgergeld und 11 Milliarden Euro für die Beteiligung des Bundes an Leistungen für Heizung und Unterkunft.

Das reicht nie!

Schon im vergangenen Jahr wurde sich bei der Haushaltsaufstellung hier massiv verschätzt, und dieser Fehler musste durch einen milliardenschweren Nachtrag korrigiert werden. Wir können also nur hoffen, dass es sich bei den aktuellen Ansätzen um realistisch veranschlagte Summen handelt,

Das ist nicht der Fall!

die am Ende des kommenden Jahres nicht wieder Nachträge erfordern.

Das Prinzip Hoffnung darf nicht die Maßgabe des Haushalts sein!

Außerdem ist auch die Ankündigung einer Nullrunde beim Bürgergeld richtig; denn die Erhöhung zum Jahresbeginn lag deutlich über der tatsächlichen Inflation.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin davon überzeugt, dass wir unbedingt Einsparungen brauchen, gerade auch im Sozialbereich, und zwar nicht, weil ich Menschen, die eh schon nichts haben, etwas wegnehmen will, sondern weil unsere Sozialsysteme marode und komplett ineffizient geworden sind.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Tricksereien wie etwa die viel zu geringe Veranschlagung beim Bürgergeld – ich bedauere wirklich, dass ich das hier so klar sagen muss – sind Wasser auf die Mühlen von rechts und links.

Beifallder Abg. Dr. Ingeborg Gräßle [CDU/CSU]

Ja! Recht hat sie!

Was es nun braucht, sind nachhaltige und mutige Reformen und kein Rentenpaket II in der jetzt vorliegenden Fassung, dem ich so als Liberale und Mutter von drei Kindern niemals zustimmen könnte.

Wir müssen also im Einzelplan 11 über die Prioritäten ins Gespräch kommen. Das bedeutet zum einen eine realistische Veranschlagung der großen Ausgabetitel, also Rente, Bürgergeld und Eingliederung,

aber eben auch Änderungen an den zugrunde liegenden Gesetzen. Bei der Rente müssen wir uns über die Zukunft der versicherungsfremden Leistungen unterhalten, und beim Bürgergeld muss das grundlegende Prinzip des Förderns und Forderns wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU

Stärken und belohnen wir die Hilfe zur Selbsthilfe, das zentrale Anliegen unseres Sozialstaats, dann sind die Anreize richtig gesetzt. Nur so tragen wir dem gesellschaftlichen Gerechtigkeitsgefühl wieder Rechnung und sind fair im Hinblick auf unsere nachfolgenden Generationen.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der FDP und der CDU/CSU
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Kathrin Michel
Foto: Kathrin Michel/ Photothek Media Lab
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Cesceni knjenje a knjeza! Ja, wie soll denn nun die Gesellschaft aussehen, in der wir leben wollen? Die Vorstellungen davon sind bei den Anwesenden hier im Hause zutiefst unterschiedlich. Das hat, glaube ich, die vergangene Debatte sehr, sehr deutlich gezeigt.

Ich kämpfe für eine Gesellschaft, die sozial gerecht verteilt, die vom Gefühl der Solidarität geprägt ist, die Menschen in Notlagen unterstützt und an der alle Menschen gleichermaßen teilhaben können. Demokratie, Respekt und Vielfalt, Chancengleichheit, Freiheit, Solidarität, Nachhaltigkeit und demokratische Mitbestimmung, das alles muss miteinander vereint werden. Es ist eine Gesellschaft, in der Menschen frei und gleichberechtigt leben können, sozialer Zusammenhalt und Respekt vor der Umwelt im Mittelpunkt stehen und in der Innovation und Fortschritt dazu dienen, das Gemeinwohl zu stärken.

Ich setze mich für eine Gesellschaft ein, in der sich Menschen entsprechend ihren Möglichkeiten einbringen können und in der Menschen, die es aus eigener Kraft nicht schaffen, im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, vom Sozialstaat unterstützt werden. Zugleich betonen wir: Die Mitwirkungspflichten beim Bürgergeld gelten natürlich. Wer seinen Pflichten wiederholt nicht nachkommt, muss mit Sanktionen rechnen.

16 000 gab es gerade mal letztes Jahr!

Das ist nur fair. Wer arbeitet, hat zählbar mehr in der Tasche. Wer Unterstützung erhält, muss sich nach seinen eigenen Möglichkeiten einbringen, um diesen Umstand wieder zu beenden.

Theorie und Praxis!

Sozialleistungsbetrug verfolgen wir konsequent.

Doch was müssen wir seit Wochen fast täglich in der Presse lesen? Auf Kosten der Schwächeren wird immer wieder Neid und Missgunst gesät. Das ist verantwortungslos und widersprüchlich. So können wir zum Beispiel bei den Unionsparteien lesen, dass sie eine Gesellschaft anstreben, die durch Freiheit, Verantwortung und soziale Gerechtigkeit geprägt ist. Ja, das steht so in Ihrem Programm. Die Vorschläge hier und heute sprechen eine andere Sprache. So wird vorgeschlagen, das Startchancen-Programm zu streichen; das hatten wir heute schon mehrfach. Ja, was denn nun? Wollen Sie ein Programm streichen, oder wollen Sie sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler stärken? Das passt nicht, das ist nicht konsistent. Aber das zieht sich ja bei Ihnen wie ein Faden durch den Tag, durch die Wochen und Monate. Ich würde mal sagen, es ist ein schwarzer Faden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Auch am Bürgergeld arbeitet sich die Union seit Wochen in unsäglicher Art und Weise ab. Anstatt eine Stimmung zu befeuern, in der wir Menschen eine Motivation unterstellen, das System nur ausnutzen zu wollen, und damit letztendlich alle Empfängerinnen und Empfänger der Leistung unter Generalverdacht zu stellen, sollten wir darauf hinwirken, dass wir wieder mehr aufeinander achtgeben. Das vielbeklagte negative Klima in der Gesellschaft kommt doch nicht von ungefähr und wird täglich herbeigeredet. Auch das haben wir heute sehr gut wahrnehmen können.

Beifalldes Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Deshalb ist es richtig und gut, dass wir in den gesellschaftlichen Zusammenhalt investieren, und das werden wir mit dem Etat für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales tun: von Inklusion über Absicherung im Alter und bei Arbeitslosigkeit über die Förderung von Rehabilitationsmaßnahmen und Gesundheitsschutz im Arbeitsumfeld bis hin zur Stärkung von Demokratie und Vielfalt im betrieblichen Kontext.

Ja, im Regierungsentwurf für den Einzelplan 11 sind 179 Milliarden Euro vorgesehen, davon 9,3 Milliarden Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik im Bereich der Eingliederung in Arbeit. Dieser Bereich ist mir persönlich besonders wichtig. Mehr Menschen wieder in Arbeit zu bringen, das muss doch unser aller Ziel sein. Wir investieren massiv in die Qualifizierung und die Weiterbildung der Menschen in diesem Land. Dazu gehört natürlich auch eine gute Ausstattung der Jobcenter; denn Beratung und nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt lassen sich nicht ohne adäquate Finanzierung leisten.

Beifallbei der SPD

Wir benötigen jeden und jede auf dem Arbeitsmarkt. Dabei darf kein Schüler, keine Schülerin unversorgt die Schule verlassen. Wir brauchen Perspektiven durch Qualifikation und Weiterbildung, die eine nachhaltige Einbindung in die Erwerbstätigkeit schaffen. Das ist das Ziel des Bürgergeldes. Wir sind hier auf einem guten Weg und werden ihn konsequent weitergehen.

Wir kommen diese Woche zusammen, um die parlamentarischen Verhandlungen für den Haushalt 2025 einzuleiten. Ja, auf uns Haushälter/-innen kommt dabei eine große Verantwortung zu. Wir müssen abwägen, welche Ausgaben unaufschiebbar sind, welche Ausgaben nicht erhöht oder gestrichen werden müssen. Die richtigen Prioritäten müssen gesetzt werden, und genau das werden wir in den nächsten Wochen tun.

Wir haben heute des Öfteren gehört: Fördern statt Fordern. Das möchte ich mal in die Reihen in der Union geben. Ich freue mich auf die Verhandlungen und auf kluge Anträge aus Ihrer Fraktion im Haushaltsausschuss. Ich hoffe, dass Sie an diesem Haushalt verantwortungsbewusst mitarbeiten und nicht wie bei den letzten Haushaltsberatungen nichts machen, außer alles schlechtzureden und zu sagen, was alles nicht geht.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, möglicherweise war eine Haushaltsaufstellung noch nie so wichtig und herausfordernd. Unsere Wirtschaft muss wachsen, der soziale Zusammenhalt muss gesichert werden, und es geht darum, letztendlich das Leben der Menschen besser zu machen. Übernehmen wir gemeinsam die Verantwortung für unser Land!

Glück auf!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der AfD
Porträt von Ulrike Schielke-Ziesing
Foto: Ulrike Schielke-Ziesing/ Aljaz Brunec
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Herr Präsident! Liebe Kollegen! Verehrte Bürger! Die letzten Wahlen haben gezeigt: Die Menschen haben die Nase voll von den Ampelparteien und ihrer Politik.

Beifallbei der AfD

Die Regierung bekommt die Migration nicht in den Griff, die Rente nicht in den Griff, vom Haushalt gar nicht zu reden.

Was Sie uns hier in dieser Woche präsentieren, ist eine Frechheit. Sie operieren mit Zahlen, die an den Haaren herbeigezogen sind. Sie rechnen die Ausgaben klein und hantieren mit Einnahmen, von denen Sie ganz genau wissen, dass es sie niemals geben wird.

Beifallbei der AfD

Seit Jahren explodieren die Ausgaben für das Bürgergeld. Im Nachtragshaushalt müssen Sie fast 4 Milliarden Euro dazuschießen, was wir im Übrigen genau so vorausberechnet haben. Dazu muss man nicht hellsehen können; es reicht, wenn man eins und eins zusammenzählt. Es ist der ungebremste Zuzug aus aller Welt in unsere Sozialsysteme, der die Kosten in die Höhe treibt. Sämtliches Gerede von Fachkräften und Jobturbo hat sich als das erwiesen, was es immer war, als fahrlässiger Humbug.

Beifallbei der AfD

Wie soll es auch anders sein? 75 Prozent der arbeitslosen Ausländer im Bürgergeld haben keine Berufsausbildung. Viele können noch nicht mal in ihrer Heimatsprache lesen und schreiben.

Diese Menschen werden niemals produktiv arbeiten können, und zu viele wollen es auch nicht; denn es gibt ja das Bürgergeld,

Jetzt reden Sie von der AfD-Fraktion, nicht?

ohne jede Gegenleistung, für Kind und Kegel, bezahlt vom doofen deutschen Steuerzahler, eine echte Attraktion weltweit.

Seit 2015 hat uns das fehlgeschlagene Experiment der Asylmigration rund 190 Milliarden Euro gekostet –

Blödsinn! So ein Quatsch!

Gegenrufdes Abg. Norbert Kleinwächter [AfD]

190 Milliarden! –, für Aufnahme, Unterbringung, Sozialleistungen, Integrationsleistungen etc., etc. Und da sind die Kosten für die Länder und Kommunen noch gar nicht drin. Das alles soll nach Ihren Plänen so weitergehen. Da stellt sich natürlich die Frage: Wer soll das in Zukunft alles bezahlen? Denn natürlich haben wir ein demografisches Problem. Aber vor allem haben wir eines: eine unfähige Regierung.

Beifallbei der AfD

Dank derer ist die Arbeitslosigkeit schon jetzt auf Rekordhoch, und sie wird weiter steigen.

Das ist gelogen! Stimmt doch gar nicht!

Jeder Tag beginnt mit einer neuen Hiobsbotschaft, die letzte von VW. Ja, Deutschland wird gerade wirtschaftlich abgewickelt.

Sie alle kennen die Zahlen, auch im internationalen Vergleich. Sie wissen das, und trotzdem planen Sie für das nächste Jahr beim Bürgergeld 5 Milliarden Euro weniger ein, 16 Prozent weniger Geld als in diesem Jahr oder umgerechnet 890 000 weniger Bürgergeldbezieher. Das ist kein Optimismus, das ist schon fast kriminell

Beifallbei der AfD

und einfach nur noch ein Schönrechnen Ihres Haushalts; denn die Zahlen werden ganz sicher nicht sinken, nicht bei dieser Politik. Dieses Jahr sind es über 50 Milliarden Euro für das Bürgergeld, 2025 zurechtfrisierte 45 Milliarden. Wir werden sehen, wie viel es am Ende sein wird. Dieses Geld wird fehlen. Es fehlt bei den Krankenkassen, bei der Bildung, bei der Rente. Noch nie waren in Deutschland so viele alte Menschen offiziell arm wie heute: über 18 Prozent, doppelt so viele wie 2006. Ein Viertel aller Arbeitnehmer wird nach 45 Jahren gerade einmal 1 300 Euro Rente erhalten. Das ist zu wenig.

Beifallbei der AfD

Und da kommen wir zu der eigentlichen Schweinerei, nämlich dazu, wie Sie Ihr Politikversagen weiterhin finanzieren wollen: auf dem Rücken von Rentnern und Arbeitnehmern. In Zukunft sollen die jüngeren Arbeitnehmer auch noch eine „Rentenaufschubprämie“ für die Älteren mit ihren eigenen Beiträgen bezahlen, heißt: Wer heute arbeitet, dem wird jetzt noch mehr Geld abgenommen, damit er dann im Alter länger arbeiten darf. Wie zynisch ist das denn?

Bevor wir anfangen, über längere Lebensarbeitszeiten für alle die, die arbeiten, zu reden, kümmern Sie sich bitte erst einmal um diejenigen, die nicht arbeiten. Dann wäre auch genug Geld zum Verteilen da, und dann könnten Sie auch einen ordentlichen Haushalt vorlegen und nicht so ein frisiertes Machwerk.

Aber statt da zu kürzen, wo man es könnte und sollte, greifen Sie dem Bürger lieber weiter in die Tasche, in jede Tasche, die Sie finden. Ausgerechnet beim Bundeszuschuss für die Rente streichen Sie weitere 2 Milliarden Euro, das dritte Mal in Folge. Insgesamt sind es jetzt schon 8,8 Milliarden Euro. Was das heißt, ist klar, nämlich dass die Beiträge zur Rentenversicherung für die Arbeitnehmer noch schneller steigen werden, für die Arbeitgeber auch. Und das ist noch nicht alles: Der Staat holt sich auch noch bei den Krankenversicherten Geld, weil Sie sich weigern, kostendeckende Beiträge für die Bürgergeldempfänger zu zahlen. Das ist der Hauptgrund, weshalb die Krankenversicherungsbeiträge gerade durch die Decke gehen, und das wissen Sie. Deshalb hilft es jetzt auch nicht, wenn Sie sich hierhinstellen und erzählen, das Rentenniveau bleibe stabil, die Beiträge auch und die Altersgrenze sowieso. Denn das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist nichts als heiße Luft. Spätestens 2028 fliegt uns die Finanzierung um die Ohren. Da können Sie Ihre Rentenpakete noch so schön durchnummerieren.

Ich behaupte: Nichts davon wird mehr kommen. Wie denn auch? Die Ampel hat fertig. So kann Politik nicht funktionieren. Deshalb sage ich: Tun Sie sich und den Bürgern in diesem Land den Gefallen, und treten Sie ab! Machen Sie den Weg frei für einen soliden und verlässlichen Neuanfang! Die Wähler in Sachsen und Thüringen haben sehr deutlich gemacht, was sie darunter verstehen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
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Herr Präsident! Abgeordnete! Was uns nun als Entwurf für den Haushalt 2025 vorliegt, ist kein harter Sparhaushalt. Insgesamt liegt er auf dem Niveau des Haushalts von 2024, deutlich oberhalb der ursprünglichen Finanzplanung. Das ist erst mal positiv. Preisbereinigt wird der Bund 2025 allerdings deutlich weniger ausgeben als im laufenden Jahr, und auch in den Extrahaushalten wie beispielsweise dem KTF sind Kürzungen geplant.

Die notwendigen Zukunftsinvestitionen für die Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft jedoch werden nicht hinreichend auf den Weg gebracht. Das ist ein Problem; denn Deutschland steht vor enormen Herausforderungen. Wir haben einen riesigen Investitionsstau, allein im Bereich der Kommunen in Höhe von 186 Milliarden Euro, so die KfW. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute halten ein Sondervermögen von 600 Milliarden Euro über das kommende Jahrzehnt für zwingend erforderlich.

Darüber, dass jetzt gehandelt werden muss, herrscht breite Einigkeit, nicht nur bei Grünen und SPD, sondern auch bei vielen CDU-Ministerpräsidenten, den Wirtschaftsweisen sowie den Sozialpartnern. Auf diesen Konsens könnte aufgebaut werden, um gemeinsam die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wir als grüne Bundestagsfraktion schlagen hierfür einen Deutschland-Investitionsfonds für die Modernisierung des Landes vor. Ein solches mehrjähriges Investitionsprogramm wäre transparent, nachvollziehbar und rechtssicher. Es hätte zudem den Vorteil, privaten Investoren Sicherheit zu geben, sich langfristig am Standort Deutschland zu engagieren. Mit diesen Investitionen würden Vermögenswerte geschaffen, die nicht zuletzt der kommenden Generation zugutekommen. Weshalb sollte man sie dann nicht auch an den Kosten beteiligen?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Fest steht jedoch: Mit diesem Haushalt werden die notwendigen Investitionen nicht hinreichend auf den Weg gebracht.

Behindert wird die Aufstellung einer in die Zukunft weisenden Finanzierung durch das Festhalten an der Schuldenbremse und die gleichzeitige Weigerung, sehr hohe Einkommen und Vermögen stärker zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben heranzuziehen. Das ist ein Fehler, für den auch der CDU-Vorsitzende mit seinen Positionen gesellschaftlich in der Mitverantwortung steht.

– Dann hören Sie sich mal an, was Merz erzählt!

Das ist eine Verdrehung der Tatsachen!

Im nun vorgelegten Haushaltsplan bleiben die Gesamtausgaben für den Einzelplan 11 mit 179,3 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Für das Bürgergeld und die Beteiligung des Bundes an den Kosten für Unterkunft und Heizung sind zusammen 36 Milliarden Euro vorgesehen. Dabei wird mit deutlich geringeren Ausgaben für das Bürgergeld gerechnet,

Wie Sie das rechnen!

indem davon ausgegangen wird, dass sich Maßnahmen des Wachstumspakets positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken und zu geringeren Bedarfen bei den Passivleistungen führen. Ob diese Annahmen zutreffen, wird sich zeigen.

Was ist das denn?

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Im Gesamtbudget SGB II stehen für 2025 insgesamt 9,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Zu berücksichtigen ist zusätzlich ein Minderbedarf von 900 Millionen Euro jährlich wegen der Übertragung von Aufgaben im Zusammenhang mit beruflicher Weiterbildung und Rehabilitation auf die BA ab dem 1. Januar 2025. Hinzu kommt, dass den Jobcentern weitere 361 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, die der Ausfinanzierung der 2024 begonnenen Maßnahmen der Weiterbildung und Rehabilitation dienen, die von den Jobcentern noch zu Ende geführt werden. Gut! Der Passiv-Aktiv-Transfer wird fortgeführt. Gut so! Dafür werden aus dem Ansatz für das Bürgergeld bis zu 700 Millionen Euro zusätzlich zur Förderung nach § 16i SGB II zur Verfügung gestellt. Sodann wird die berufsbezogene Deutschsprachförderung in 2025 auf der bisherigen Höhe von 310 Millionen Euro verfestigt. Der Bedarf dürfte aber deutlich höher liegen. Hier muss nachgebessert werden,

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

was auch an anderer Stelle des Gesamthaushaltes notwendig ist, etwa dort, wo der Ansatz für Integrationskurse halbiert werden soll. Das kann nicht mitgetragen werden.

Das gilt auch für einige Punkte der Wachstumsinitiative, die viele positive Punkte beinhaltet, aber eben auch einige problematische. Namentlich gilt das für den Vorschlag, dass Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sich monatlich in Präsenz bei der zuständigen Behörde melden müssen. Das im Bedarfsfall anordnen zu können, macht Sinn. Einen Zwang einzuführen, egal wie gut oder schlecht die Kooperation funktioniert, ist ein bürokratischer Irrweg. Paradoxerweise heißt es dann auch noch, dass die Jobcenter das mit möglichst geringem Aufwand machen sollten – bei mindestens 1 Million zusätzlicher Termine jeden Monat. Das ist eine immense Zusatzbelastung, die den Verwaltungsaufwand der Jobcenter massiv erhöht und sie in ihrer eigentlichen Beratungsarbeit lähmt.

Dann müssen Sie sie ausfinanzieren!

Oder nehmen wir die geplante 30-prozentige Leistungskürzung schon ab dem ersten Meldeversäumnis! Das ist – in obendrein verschärfter Form – die Rückkehr zu einer Praxis, die von Anfang an mit Drohungen arbeitet. Die sofortige Sanktion eines Meldeversäumnisses geht ja nur mit einer Rechtsfolgenbelehrung von Anfang an.

Welcher Geist dahintersteckt, zeigt sich in einem aktuellen Positionspapier der Arbeitgeberverbände. Dort heißt es – ich zitiere –:

„Allein die Gefahr einer Leistungskürzung schafft Anreize, mit den Jobcentern zusammenzuarbeiten und den Leistungsbezug aktiv zu beenden.“

Zitat Ende.

Das ist pure Ideologie. Mit der Wirklichkeit in den Jobcentern hat das nichts zu tun. Eine Politik, die solchem Geist entspringt, lehnen wir ab,

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Kathrin Michel [SPD]

genauso wie die Idee, Arbeitsgelegenheiten verstärkt für die Personengruppe der Totalverweigerer zu nutzen. Die AGHs zu Strafkolonnen zu machen, stigmatisiert das Instrument. Zur Strafe in AGHs eingewiesene Totalverweigerer sind das Letzte, was die Träger solcher Maßnahmen brauchen.

Das ist doch Ihr Vorschlag!

Es gibt also – abschließend – noch reichlich zu tun in den vor uns liegenden Beratungen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Marc Biadacz
Foto: Marc Biadacz/Tobias Koch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bundesregierung plant, im kommenden Jahr mehr als 488 Milliarden Euro auszugeben. Doch anstatt damit die Zukunft zu gestalten, streitet diese sogenannte Fortschrittskoalition seit über drei Jahren über die Schuldenbremse.

Dieses Ampelgehampel in aller Öffentlichkeit schadet der politischen Debatte in unserem Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Für uns als CDU/CSU-Bundestagsfraktion steht die schwarze Null nicht zur Diskussion. Die schwarze Null steht für eine nachhaltige und generationengerechte Haushaltspolitik in diesem Land.

Lassen Sie uns jetzt aber mal in den Haushalt von Minister Hubertus Heil schauen! Fast 180 Milliarden Euro, mehr als 35 Prozent des Gesamthaushaltes, sind allein für Arbeit und Soziales vorgesehen – ein beachtlicher Posten, der eigentlich die Grundlage für sozialen Frieden und wirtschaftliche Stärke legen sollte.

Doch was sagen die Zahlen? 2024 geben wir 50 Milliarden Euro, liebe Kolleginnen und Kollegen, fürs Bürgergeld aus.

– Aha! – Das sind 4 Milliarden Euro mehr als eigentlich eingeplant.

Jetzt schreibt der Bundesarbeitsminister in den Haushalt: Es werden für nächstes Jahr nur 45 Milliarden Euro.

Wie durch Zauberhand!

Wie wird das passieren? Eine Nullrunde beim Bürgergeld? Da würden wir als Union sagen: Ja, das geht in Ordnung.

Dann sehen wir aber: Die Arbeitslosenquote steigt: 2023 5,8 Prozent; dieses Jahr 6,1 Prozent. Die Wirtschaft stagniert, die Anzahl offener Stellen sinkt. Also müssten wir, um für nächstes Jahr auf 45 Milliarden Euro zu kommen, ungefähr 600 000 Menschen wieder in Arbeit bringen, die dann kein Bürgergeld mehr beziehen. Nur sagt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung klar: Im Vergleich zu Hartz IV nehmen beim Bürgergeld 6 Prozent weniger die Chance wahr, wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen.

Zurufvon der CDU/CSU: So ist es!

Also was zeigen uns diese Zahlen? Ihre Reform, die größte sozialpolitische Reform der letzten 20 Jahre, das Bürgergeld, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist hiermit gescheitert!

Beifallbei der CDU/CSU

Ich sage Ihnen auch sehr klar, Herr Minister, lieber Hubertus Heil: Nicht der Mindestlohn steht zur Debatte, sondern das Bürgergeld gehört in die Geschichtsbücher dieses Hauses.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
8 Vermerkeca. 790 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Werter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Werte Bundesregierung! Ihnen ist das Land doch schon längst entglitten. Ihnen ist das Land schon so sehr entglitten, dass Sie jetzt schon die Zahlen fingieren, weil Sie gar nicht mehr den Anstand und die Ehrlichkeit haben, die Bürger darüber zu informieren, wie Sie gedenken, die hart erarbeiteten Steuermilliarden auszugeben. Deswegen schönen Sie die Zahlen. Wir haben einen Rekord-Haushaltsentwurf für Arbeit und Soziales hier vorgelegt bekommen – fast 180 Milliarden Euro –, eine unglaublich wahnsinnige Summe, von der weder die Arbeitnehmer noch die Sozialleistungsempfänger profitieren. Denn diejenigen, die arbeiten, werden geschröpft, wie sie noch nie geschröpft worden sind, und diejenigen, die soziale Leistungen brauchen, fallen bei Ihnen hinten runter.

Beifallbei der AfD

Ihr Rekordhaushalt für Arbeit und Soziales ist ein Produkt Ihrer unsozialen Politik.

Beifallbei der AfD

Ihre Fraktion schläft ein!

Meine Damen und Herren, da ist natürlich eine große Ausgabe die Deutsche Rentenversicherung. Und trotzdem wissen die Rentenversicherten nicht, wie sie von ihrer Rente überhaupt noch überleben sollen. Das Altersarmutsrisiko für über 65-jährige Alleinstehende liegt bei 28,1 Prozent – was für eine Schande für ein einst reiches Land!

Der zweite große Kostenpunkt – das ist mehrfach erwähnt worden – ist natürlich das Bürgergeld. Auch das wird von Ihnen unterschätzt. Sie fingieren die Zahlen nach unten: 5,5 Milliarden Euro sollen dafür im nächsten Jahr weniger ausgegeben werden, obwohl wir aus dem letzten Jahr die Erfahrung mitgenommen haben, dass die Ansprüche der Bedarfsgemeinschaften um 6,5 Milliarden Euro gestiegen sind. Aber bei Ihnen gibt es ja nächstes Jahr ein plötzliches Wirtschaftswunder. Faktum ist: Nächstes Jahr werden wir so hohe Ausgaben für das Bürgergeld haben wie noch nie zuvor. Wir werden zudem so hohe Verwaltungskosten bei so niedriger Effizienz haben wie noch nie zuvor.

Das stimmt doch gar nicht!

Und wir werden so viele Ausländer im Bürgergeldsystem haben wie noch nie zuvor. Dieses Jahr kommen 2,65 Millionen ausländische Bürgergeldbezieher auf 2,88 Millionen deutsche. Nächstes Jahr – das kann ich Ihnen garantieren – ist der Kipppunkt erreicht. Dann können wir Ihr Produkt endgültig umfirmieren in „Migrantengeld“.

Beifallbei der AfD

Und obschon wir über ein Drittel unseres Bundeshaushaltes in Soziales stecken, wissen die Arbeitnehmer nicht mehr, wie sie überleben sollen, wissen die Rentner nicht, wie sie mit ihrer Rente noch auskommen sollen, und wissen die Unternehmer nicht, wie sie überhaupt noch planen sollen, weil Sie es tatsächlich fertigkriegen, sowohl die wirtschaftliche als auch die soziale Perspektive jeglicher Planung durch Ihre schlechte Politik zu vernichten. Das ist absolutes Totalversagen.

Beifallbei der AfD

Die Zahlen sind, ehrlich gesagt, genauso schlimm wie vor 20 Jahren, als Gerhard Schröder für die Agenda 2010 warb. Damals meinte er, wir müssten den Sozialstaat reformieren. Ich sage: Wir müssen heute das Staatsdenken reformieren. Sie stehen doch nur für illegale Massenmigration. Sie stehen für Leute in aller Welt, denen Sie das Geld zuschustern. Sie beten abgöttisch EU-Regularien an; Herr Heil hat das in seiner Rede vorgemacht. Wir als AfD konzentrieren uns auf unsere Bürger, auf die Wähler, die uns mit ihrer Stimme ihr Vertrauen geschenkt haben, deren Vertretung unser Anspruch und unsere Aufgabe ist. Das ist politische Verantwortung, eine Verantwortung, die Ihnen allen komplett verloren gegangen ist.

Beifallbei der AfD

Genau deswegen brauchen wir erstens einen wehrhaften Sozialstaat,

Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie!

und ich sage das ganz laut: Wir müssen unseren Sozialstaat gegenüber Betrug und anderen Ansprüchen verteidigen. Wir brauchen einen wehrhaften Sozialstaat für die Arbeitnehmer, die jeden Tag hart arbeiten. Wir müssen sie entlasten, damit sich Arbeit endlich wieder lohnt.

Zum Zweiten brauchen wir eine aktivierende Grundsicherung. Das bedeutet, dass wir die Leute nicht allein lassen, sondern schauen, dass nach sechs Monaten des Bezuges sozialer Leistungen eine Integration in den Arbeitsmarkt erfolgt, selbst wenn es erst einmal eine gemeinnützige Arbeit ist. Das ist unglaublich wichtig, um die Leute wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Zum Dritten – und da kommen wir zum Kern des Problems –: Wir müssen die illegale Migration endgültig beenden. Wir müssen die Grenzen schließen. Wir brauchen Brot, Bett, Seife nicht für diejenigen, die angeben, hier Asyl zu suchen, nachdem sie 13 Länder durchquert haben. Solche Menschen brauchen wir nicht ins Land zu lassen. Wir sind es unserer Bevölkerung, wir sind es unseren Menschen, wir sind es unseren Steuerzahlern schuldig, unseren Staat, unseren Haushalt, unsere Sozialsysteme vor diesen Fremdansprüchen, die gar keine Ansprüche sind, zu schützen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Was ich an dieser Stelle besonders hinterlistig finde, ist die Rolle der Union. Sie kopieren die AfD-Programmatik an jeder Stelle, obwohl Sie genau gegen diese Programmatik jahrelang Brandmauern errichtet haben, und tun so, als seien Sie nun der ehrliche Makler, der die ganze Situation richten wird. Ich sage Ihnen eines: Sie hatten unter Merkel 16 Jahre Zeit, eine anständige Politik zu machen. Neun Jahre lang hätte die Grenze schon geschlossen werden können. Sie haben es nicht getan. Wenn die Ostdeutschen in Sachsen und Thüringen mit Rekordbeteiligung andere Parteien wählen, dann ist das keine Delegitimierung der Demokratie oder der demokratischen Institutionen.

2 Vermerkeca. 26 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist allein eine Delegitimierung Ihrer etablierten Politik, die nie zum Ziel hatte, den Willen der Wähler wirklich zu respektieren. Sie haben es sich wohl verdient.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Stephan Stracke
Foto: Tobias Koch
20 Vermerkeca. 664 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kollegin Raffelhüschen, das war ja ein Totalverriss der eigenen Regierungsarbeit, den Sie hier zur Kenntnis gebracht haben.

Das war eine gute Rede!

Ich habe den Eindruck, Sie bereiten sich schon auf die Opposition in diesem Land vor, weil Sie erkennbar abgewirtschaftet haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Die deutsche Wirtschaft steckt tatsächlich in einer Krise fest. Während die Wirtschaft im Ausland wächst, geht bei uns nichts voran. Die einzigen Steigerungen bei uns gibt es bei der Kurzarbeit, der Arbeitslosigkeit und der Zahl der Bürgergeldempfänger. Wir sind auf die Krise schlecht vorbereitet.

Schuld daran trägt diese Bundesregierung.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist doch Blödsinn!

Sie trägt nämlich die Verantwortung dafür, dass die Bundesagentur für Arbeit immer weniger Mittel für die Krise zurücklegen kann, die uns unter Umständen noch bevorsteht. Wenn wir dieses Jahr mit einer Nullrücklage rauskommen, dann sind wir gut gefahren. Das hängt auch damit zusammen, dass Sie der Bundesagentur für Arbeit immer neue Lasten auferlegen. Allein in diesem Jahr sind es 900 Millionen Euro, die bei den Ausgaben der Bundesagentur dazukommen sollen. Das ist ein reiner Verschiebebahnhof zulasten der Arbeitslosenversicherung; denn diese Mittel müssten eigentlich über den Haushalt finanziert werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Krise, die wir erfahren müssen, ist keine konjunkturelle; sie ist eine strukturelle, eine hausgemachte. Die Ampel hat dieses Land in die Sackgasse manövriert und kriegt es jetzt aus dieser Sackgasse nicht mehr heraus.

Beifallbei der CDU/CSU

Statt Wachstumsimpulse zu setzen, ist diese Ampel heillos zerstritten.

Die Strukturen haben Sie doch jahrelang verkommen lassen!

Sie stehen nur noch für Resignation und Frustration. Dafür haben Sie bei den Landtagswahlen auch verdient die Quittung erhalten.

Beifallbei der CDU/CSU

Aus reiner Panik – anders ist es gar nicht zu verstehen – zieht jetzt der Bundesarbeitsminister wieder die Mindestlohnkarte.

Schauen wir auf die Aufstocker, Herr Bundesarbeitsminister! Es wäre viel sinnvoller, wenn diejenigen, die aufstocken, in Vollzeit tätig wären. Das wäre ein wirksames Mittel, dass sie nicht in Armut sind: Sie müssen in Vollzeit tätig werden.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Dafür müssten Sie sorgen, Herr Bundesarbeitsminister, und für nichts anderes.

Was will die Union machen?

Sie wollen das Bundestariftreuegesetz auf den Weg bringen. Ja, wir brauchen Vergaben, die möglichst schnell, einfach und kostengünstig sind, gerade was das Land angeht. Aber das, was jetzt kommt, führt dazu, dass Vergaben langsamer, komplizierter und teurer werden. So setzt man keine Wachstumsimpulse in diesem Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Dieses Gesetz wirkt wie aus der Zeit gefallen. Lassen Sie es zum jetzigen Zeitpunkt am besten sein!

Was wir stattdessen brauchen, ist, dass sich Leistungsbereitschaft, Arbeit und Mehrarbeit in diesem Land wieder deutlich mehr lohnen.

Was will die Union machen?

Sie wollen eine Prämie für diejenigen auf den Weg bringen, die nicht in Rente gehen, sondern in ihrem Job bleiben. Aber ab wann soll es diese Prämie geben? Nicht dieses Jahr, nicht nächstes Jahr, nicht im übernächsten Jahr, nein, erst am Sankt-Nimmerleins-Tag, am 1. Januar 2028. So sehen Ihre Wachstumsimpulse aus. Herr Bundesarbeitsminister, wir brauchen jetzt Anreize für längeres Arbeiten und nicht irgendwann.

Beifallbei der CDU/CSU

Gibt es doch schon!

Sie haben an diesem Pult überhaupt nichts zum Bürgergeld gesagt.

Kein Wort!

Dazu kam von Ihnen kein einziges Wort, offensichtlich weil Sie hätten eingestehen müssen, dass Sie mit Ihrem Bürgergeld krachend gescheitert sind. Es ist eine verkorkste Reform gewesen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Peter Boehringer [AfD]

Sie haben sie als die größte Sozialstaatsreform seit 20 Jahren gepriesen. Tatsächlich war das der größte Sozialstaatsflop seit 20 Jahren.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Warum haben Sie dann zugestimmt?

Dieses Bürgergeld ist eine Arbeits-, Wachstums- und Integrationsbremse, die unserem Land schadet.

Wieso haben Sie denn zugestimmt, Herr Stracke?

Deswegen müssen wir es abschaffen und durch die neue Grundsicherung, so wie es die Union vorgeschlagen hat, ersetzen. Das nützt dem Land, das nützt den Arbeitslosen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Zahlen zeigen es ja: Seit Inkrafttreten des Bürgergeldes sind 200 000 mehr Bürgergeldempfänger zu verzeichnen, und das trotz der Tatsache, dass wir über 1 Million offene Stellen in diesem Land haben.

1,2 Millionen Ukrainer im Land! Heuchelei!

Überall fehlen Arbeitskräfte; aber Sie bringen sie nicht in Arbeit, weil Sie die Jobcenter viel zu schwach ausstatten, sodass sie ihrer Arbeit nicht nachkommen können.

Beifallbei der CDU/CSU

„Vermitteln, vermitteln, vermitteln“ bedeutet eben auch, dass die Personalausstattung, dass die Mittel entsprechend hoch sein müssen. Dafür sorgen Sie nicht. Die Folge davon ist, dass Sie in diesem Nachtragshaushalt 3,7 Milliarden Euro mehr Geld bedürfen. Und jetzt wollen Sie 5,5 Milliarden Euro sparen. Das ist eine reine Luftnummer. Die Vergangenheit hat gezeigt: Sie können es nicht.

Porträt von Stephan Stracke
Foto: Tobias Koch
ca. 15 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie werden es auch in Zukunft nicht können. Sie gehören abgelöst und auf die Oppositionsbank.

Porträt von Stephan Stracke
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 4 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Lassen Sie uns ran!

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
19 Vermerkeca. 736 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sagenhafte gut 179 Milliarden Euro stehen für die Aufgaben im Bereich „Arbeit und Soziales“ im nächsten Jahr zur Verfügung, so der Regierungsentwurf, dreimal so viel wie für Verteidigung, achtmal so viel wie für Bildung und Forschung – eine sagenhafte Summe, die die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler uns zur Verfügung gestellt haben. Deshalb sage ich zunächst einmal im Namen der FDP-Bundestagsfraktion allen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

– Dass das bei der CDU ein Schmunzeln hervorruft, zeigt nur, wie weit Sie sich von den Grundlagen unserer Gesellschaft entfernt haben.

Wir haben applaudiert!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Es sind die Menschen, die dem Staat Möglichkeiten für Leistungen zur Verfügung stellen, und es ist nicht umgekehrt so, dass der Staat den Bürgerinnen und Bürgern etwas von ihrem verdienten Geld lässt, was, liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU, die Denke von Dennis Radtke ist. Die ist falsch. Wir brauchen mehr Linnemann, wir brauchen mehr Merz in der CDU; dann klappt es auch wieder mit der Oppositionsarbeit.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

In der Regierung!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dass die Möglichkeit besteht, dass Steuern erwirtschaftet werden, setzt voraus, dass wir eine intakte, eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung haben, und da sind die Zeichen leider warnend. Das ifo-Institut sagt: Die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt werden dieses Jahr stagnieren. – Im Länderranking der Volkswirtschaften, die am besten in der Lage sind, Wohlstand für ihre Bevölkerung zu generieren, ist Deutschland in den letzten zehn Jahren von Platz 6 auf Platz 24, also um 18 Plätze, zurückgefallen –

Also in Ihrer Regierungszeit!

wesentlich auch in der Kanzlerschaft Angela Merkels. Auch dafür tragen Sie Verantwortung:

dass Sie dieses Land – nicht nur die Schienen, die Bahnhöfe und die Brücken, sondern auch die wirtschaftliche Dynamik – runtergerockt haben. Wir bauen jetzt hier auf Ihren Trümmern neu auf.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD]

Was macht die Ampel, Herr Kober?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Bundesminister Hubertus Heil, es ist richtig: Es gibt keine Sicherheit vor dem Wandel. Und richtig ist: Es kann Sicherheit im Wandel geben. Aber die Stärke dieser Volkswirtschaft war immer, Sicherheit durch Wandel zu ermöglichen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das setzt eine Dynamik in der Wirtschaft voraus. Das setzt voraus, dass wir Wachstums- und Investitionshemmnisse lösen und dass wir den Menschen wieder Mut zu Leistung machen. Das ist jetzt die Aufgabe, der sich diese Bundesregierung mit der Koalition gemeinsam gestellt hat –

Wer’s glaubt!

mit der Wachstumsinitiative, die wir in den nächsten Tagen und Wochen noch weiter auf den Weg bringen werden.

Wir sehen nichts!

Dazu gehört zum Beispiel, dass wir denen, die arbeiten wollen, auch die entsprechenden Freiräume schaffen. Wir werden die Arbeitszeit flexibilisieren.

Wir werden Möglichkeiten schaffen, dass Menschen auch über die bisherige Tageshöchstarbeitszeit hinaus flexibler arbeiten können

Wann kommt das Gesetz, Herr Kober?

und im Übrigen dadurch auch Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren können. Das ist jetzt notwendig. Diesen Weg gehen wir, und das wird erfolgreich sein.

Beifallbei der FDP

Das wolltet ihr schon zu Beginn der Legislaturperiode!

Eines der größten Wachstumshemmnisse in dieser Gesellschaft in der aktuellen Situation

… ist die Ampelkoalition!

ist der Fachkräftemangel. Daher werden wir jetzt Arbeitsanreize, also das Prinzip „Leistung muss sich lohnen“, auch für Rentnerinnen und Rentner viel, viel stärker zum Ausdruck bringen.

Haben die nicht schon genug geleistet in ihrem Leben?

Wir werden es mit unseren Maßnahmen schaffen, dass die Menschen, wenn sie ihren Renteneintritt verschieben, mehr Netto vom Brutto haben. Das ist der richtige Weg: Die Menschen müssen belohnt werden, wenn sie arbeiten wollen, und dürfen nicht am Arbeiten gehindert werden. Das ist die richtige Entwicklung.

Beifallbei der FDP

Wir werden auch andere bürokratische Hemmnisse abbauen, wie beispielsweise das sogenannte Vorbeschäftigungsverbot, das es bisher verhindert, dass Menschen, die in Ruhestand getreten sind, in Rente sind, bei ihrem vorigen Arbeitgeber später noch mal befristet neu zu arbeiten beginnen können.

Das sind die richtigen Maßnahmen, die zum Beispiel auch beim Fachkräftemangel einen wesentlichen Linderungsschub bringen werden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Richtig ist auch, dass wir beim Bürgergeld einiges nachschärfen müssen, und das wird auch kommen.

Ja, wann? In der Ampel?

Natürlich werden wir bei der Zumutbarkeit noch mal nachjustieren, auch längere Wege zur Arbeit durchaus einfordern. Wir werden bei den Mitwirkungspflichten Nachschärfungen vornehmen.

Eine kleine kritische Bemerkung möchte ich an dieser Stelle dem Arbeitsminister aber doch mit auf den Weg geben,

Hört! Hört!

weil wir natürlich zwar die Briefe nicht kriegen, aber in der Presse lesen, was Sie schreiben: Die Forderung nach höheren Mindestlöhnen

Zurufvon der SPD: … ist richtig!

bedeutet, dass es Menschen, die gering qualifiziert sind, Frauen und auch Menschen mit Migrationshintergrund schwerer haben werden, in Arbeit zu kommen. Das haben die Erfahrungen und die wissenschaftlichen Analysen der letzten Jahre seit Einführung des Mindestlohns gezeigt.

Zurufevon der SPD

Da hilft es nicht, den Kopf zu schütteln. Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und Geringqualifizierte haben, seit es den Mindestlohn gibt, Beschäftigungsanteile verloren, und deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, müssen wir darauf achten, –

2 Vermerkeca. 23 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– dass wir mit solchen Forderungen nicht für die Schwächsten den Eintritt in den Arbeitsmarkt erschweren. Die FDP wird dafür jedenfalls keine Hand reichen.

Beifallbei der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
18 Vermerkeca. 781 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die SPD hat in der Geschichte dieses Landes in schwierigen Zeiten sehr oft Verantwortung übernommen, gerade dann, wenn es um grundlegende Richtungsentscheidungen für Deutschland gegangen ist. Das gilt auch für die heutige Zeit angesichts der Zeitenwende,

Zurufvon der CDU/CSU

angesichts der Herausforderung, den Strukturwandel zu gestalten,

Zurufdes Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

und angesichts der Herausforderung, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern und zu stärken.

Arbeit, meine Damen und Herren, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Politik der SPD war, ist und bleibt immer, die Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen. Die Politik der SPD war, ist und bleibt eine Politik für Arbeit.

Beifallbei der SPD
Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU

Es geht uns um sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze, um Respekt gegenüber Arbeit, um soziale Sicherheit durch Arbeit und darum, dass Arbeit den Unterschied macht. Deshalb stehen für uns jetzt auf der Tagesordnung gute Löhne und mehr Tarifbindung, sichere Renten, auch für die junge Generation, Impulse für Wachstum und einen Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt und die Sicherung der Industriearbeitsplätze überall im Land – sei es bei der Meyer Werft, bei VW, bei thyssenkrupp, bei ZF oder sonst wo. Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz, wir stehen an der Seite der betroffenen Belegschaften. Das ist jetzt unsere gemeinsame Verantwortung,

Zurufdes Abg. Kai Whittaker [CDU/CSU]

und wir erwarten, dass die Strukturveränderungen vom Management gemeinsam mit den Beschäftigten auf Augenhöhe sozialpartnerschaftlich angepackt werden.

Beifallbei der SPD

Dort, liebe Kolleginnen und Kollegen, wo Politik flankierend unterstützen kann, werden wir das tun, damit der Strukturwandel erfolgreich ist und Deutschland ein starkes Industrieland bleibt. Das ist unsere Verantwortung, und deswegen danke ich dem Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil dafür, dass sie vor Ort waren und tätig sind.

Beifallbei der SPD

Meine Damen und Herren, in den kommenden Monaten werden wir Arbeit in den Mittelpunkt stellen. Das gilt für die Beratungen zu diesem Haushalt genauso wie für die Beratungen zum Wachstumspaket. Dass beides diesem Parlament so vorliegt, zeigt die Verantwortungsbereitschaft und die Handlungsfähigkeit der Koalition.

Unser Maßstab als SPD-Bundestagsfraktion ist die Schaffung und Sicherung von Arbeit und die Integration in gute und nachhaltige Arbeit.

Der Haushaltsentwurf ist dafür eine gute Grundlage; aber er reicht nicht aus. Es ist unsere Verantwortung als Abgeordnete der Koalitionsfraktionen, den Haushalt im parlamentarischen Verfahren auch unter schwierigen Bedingungen besser zu machen. Denn wir haben den Anspruch an die Arbeitsmarktpolitik, dass wirklich alle Potenziale genutzt werden und alle einen produktiven Platz bekommen: Frauen, Ältere, Menschen mit Handicaps, Langzeitarbeitslose, junge Leute, Flüchtlinge. Deshalb wollen wir, dass alle Arbeitsuchenden im Sinne eines Rechts auf Arbeit ein passendes Angebot bekommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Bürgergeld, meine Damen und Herren, dem auch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion zugestimmt hat, einschließlich aller Vorredner, ist kein bedingungsloses Grundeinkommen,

Schlicht gescheitert!

Zurufder Abg. Dr. Ottilie Klein [CDU/CSU]

sondern das Versprechen, dass alle die notwendige Unterstützung bekommen, um die Hürden zu überwinden, die der Integration in Arbeit entgegenstehen – bei der Qualifikation, bei der Gesundheit, bei der Kinderbetreuung oder bei der Sprache.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deshalb haben Sie 200 000 mehr Arbeitslose!

– Sie erzählen immer diese Geschichte, dass es mehr Arbeitslose gibt. Ich dachte, wir, die wir die Ukraine unterstützen, wären hier auch gemeinsam in der Verantwortung,

So ist es!

dass Menschen, die vor diesem Krieg geflüchtet sind, hier eine Perspektive haben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Widerspruchbei der CDU/CSU

Wenn Sie diese Zahlen der Ampelkoalition und diesem Minister anrechnen, dann zeigt das, dass Ihre Partei mittlerweile die Partei der organisierten Verantwortungslosigkeit in Deutschland ist, Herr Gröhe.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Widerspruchbei der CDU/CSU

Der Haushalt, meine Damen und Herren, muss die Jobcenter in die Lage versetzen, dieses Versprechen umzusetzen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Zurufdes Abg. Stephan Stracke [CDU/CSU]

Arbeit ist die Grundlage für unseren Wohlstand. Arbeit verdient Respekt, und Arbeit muss den Unterschied machen. Auch das ist unser Anspruch als Sozialdemokratie in Deutschland.

Deshalb haben wir den Mindestlohn eingeführt. Wir waren das, wir Sozialdemokraten!

Beifallbei der SPD

Deshalb haben wir den Mindestlohn auf 12 Euro erhöht. Das waren auch wir, wir Sozialdemokraten! Und wir sind auch diejenigen, die darauf achten werden, dass der Mindestlohn weiterhin ordentlich steigt. Es ist nicht nur die Erwartung der Europäischen Union, es ist auch unsere Erwartung, dass dieser Mindestlohn armutsfest ist. 60 Prozent des mittleren Lohns: Das ist die Orientierungslinie. An die haben wir uns zu halten, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Widerspruchbei der AfD

Aber natürlich ist der Mindestlohn nur die unterste Haltelinie. Es geht um gute Löhne, es geht um gute Arbeitsbedingungen und ordentliche Betriebsrenten. Das alles gibt es nur mit mehr Tarifbindung. Auch da müssen wir mehr wollen. Es ist doch ein Skandal, dass die Tarifbindung in Deutschland gerade mal bei gut 50 Prozent liegt. Österreich und die Skandinavier kommen auf über 80 Prozent; das können auch wir schaffen. Deswegen bin ich so dankbar, dass Hubertus Heil hier das Tariftreuegesetz vorgelegt hat.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Zum Schluss, meine Damen und Herren: Respekt gegenüber Arbeit zeigt sich auch bei der Rente – auch der für die junge Generation. Deshalb werden wir das Rentenniveau stabilisieren – auch das für die junge Generation.

Zurufdes Abg. Hermann Gröhe [CDU/CSU]

Das ist ein Kernversprechen in unserem Koalitionsvertrag. Deswegen werden wir auch weitere Verzögerungen nicht akzeptieren.

2 Vermerkeca. 11 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das kommt jetzt. Punkt! Auch das ist eine Frage von Verantwortung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Dr. Ottilie Klein [CDU/CSU]
Beifallbei der Linken
14 Vermerkeca. 422 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die aktuelle Rentendebatte ist gruselig. Viele Wirtschaftsweise und die Union wollen das Rentenalter erhöhen. Manche FDPler wollen das Rentenniveau noch weiter in den Keller schicken. Keiner von ihnen muss Rentenbeiträge zahlen, und da sage ich: Das ist Zynismus pur.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BSW

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie Erzieherinnen, Paketboten oder Bauarbeiter bis 70 Jahre oder länger arbeiten sollen? Meine Damen und Herren, diese Vorschläge gehen alle in die falsche Richtung; denn die Renten in Deutschland sind alles andere als generös.

Beifallbei der Linken

Sie sind viel zu niedrig. Wir brauchen dringend höhere Renten.

Beifallbei der Linken und dem BSW

Wir Linken fordern: Schluss mit Altersarmut; die Rente muss zum Leben reichen!

Beifallbei der Linken

Dafür müssen die Renten steigen. Ich fordere für alle über 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner eine zusätzliche und außerordentliche Rentenerhöhung von 10 Prozent.

Die Linke lehnt die Rente erst ab 67, 69, 70 oder noch mehr ab. Das sind Rentenkürzungen durch die Hintertür, die vor allem die Menschen mit den schlecht bezahlten und den anstrengenden Jobs treffen. Das ist sozial ungerecht.

Beifallbei der Linken und dem BSW

Und ich sage: Wer 40 Jahre selber Rentenbeiträge gezahlt hat, der soll auch schon ab 60 abschlagsfrei in Rente dürfen.

Beifallbei der Linken und dem BSW

Denn 40 Jahre als Krankenschwester Patienten schleppen, 40 Jahre Schichtarbeit oder 40 Jahre an der Kasse bei Aldi oder als angestellte Lehrerin an der Hauptschule sind genug. So sähe Respekt aus, liebe SPD.

Beifallbei der Linken und dem BSW sowie des Abg. Jürgen Pohl [AfD]

Aber die Ampel macht genau das Gegenteil. Sie, liebe Koalition, planen wieder einmal, den Zuschuss zur Rente zu kürzen. Die Rentenversicherung braucht jeden Cent, und Sie kürzen ihr insgesamt 8,8 Milliarden Euro weg. Das ist doch ungeheuerlich!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BSW

Es scheint, als nutze die FDP die Rentenversicherung als persönliches Sparschwein für ihren Schuldenbremsenfetisch. Sie wollen unbedingt die Schuldenbremse einhalten. Darum kürzen Sie bei der Rente und rechnen sich die Bürgergeldkosten schön. Das geht gar nicht.

Beifallbei der Linken und dem BSW

Wir Linken fordern Sie auf: Nehmen Sie die Kürzung des Rentenzuschusses zurück!

Beifallbei der Linken

Wir brauchen sichere und verlässliche Renten.

Hohe Renten!

Themenwechsel. Sie, verehrte Koalition, wollten aus Hartz IV das sogenannte Bürgergeld machen. Der Name ist völlig daneben, und inhaltlich sind Sie wieder bei Hartz IV angelangt. Na, bravo! Meine Damen und Herren, anstelle dieser Rückschrittskoalition brauchen wir eine soziale Zeitenwende.

Beifallbei der Linken

Doch was machen Sie? Sie wollen beim Bürgergeld schärfere Sanktionen als früher bei Hartz IV. Ich sage: Lassen Sie uns gemeinsam die Armut bekämpfen und nicht die Armen!

Gegen Armut hilft Geld, und darum fordern auch alle Sozialverbände, die Bürgergeldsätze anzuheben; denn von 563 Euro plus Miete ist weder in Rathenow noch in Caputh oder Potsdam ein Leben in Würde möglich. Es braucht 150 Euro mehr – mindestens.

2 Vermerkeca. 13 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Und wir brauchen höhere Löhne. Dann hätten wir auch höhere Renten.

Danke schön.

Beifallbei der Linken und dem BSW
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Corinna Rüffer
Foto: Corinna Rüffer/ Yousef Hakimi
13 Vermerkeca. 434 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mal ein persönliches Wort an Martin Rosemann richten: Ich finde, das war eine grandiose Rede. Sie war mir zwar ein bisschen zu parteipolitisch; aber ich kann so gut nachvollziehen, dass einem irgendwann auch mal der Kragen platzt, wenn man immer wieder die gleichen Plattitüden hört, dieses Nach-unten-Treten, diese ganze Diskussion ums Bürgergeld und das Fertigmachen der Leute da unten.

Glauben Sie eigentlich, dass das unsere Gesellschaft irgendwie weiterbringt? Nullkommanull!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Wir treiben die Leute immer weiter auseinander.

Genau das Gleiche passiert durch die ständige Migrationsdiskussion. Glauben Sie wirklich, dass Ihre Vorschläge dazu beitragen, dass wir uns hier in diesem Land gut organisieren, dass wir ein gutes Zusammenleben auf die Kette bringen?

Ja, das glauben wir!

Da klatscht die AfD doch gleich mit Ihnen. Das ist doch Schwachsinn, was hier verbreitet wird. So! Das hilft null weiter.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Leute unten halten Ihre Partei für eine Sekte!

Ein wirkliches Problem ist, dass die Menschen, die hier oben auf der Tribüne sitzen – auch Schülergruppen und andere Gruppen, die Sie zu Besuch haben –, Sie zu sehen bekommen. Es nervt die Leute, wenn sie nur einen einzigen sinnlosen Schlagabtausch zu sehen bekommen, anstatt mitzubekommen, dass wir ernsthaft an der Lösung der Probleme in diesem Land arbeiten.

Und, Herr Gröhe, das Einzige, was Ihnen in Ihrer Rede einfällt, ist, zu sagen, das Bürgergeld hätte einen anderen Namen tragen sollen.

Gucken Sie doch mal auf die Wahlergebnisse! Keiner glaubt Ihnen, dass Sie ernsthaft etwas machen!

Sie können doch mehr, Herr Gröhe; das wissen wir.

Sie nicht?

Sie vielleicht auch!

Warum lassen Sie sich auf so ein Niveau herunter?

Wir haben heute Morgen in diesem Hause Gerhart Baum gehört, der gesagt hat, worum es eigentlich geht. Es geht darum, diese Demokratie zu verteidigen,

Die wird aber nicht durch schlechte Politik verteidigt!

Es geht darum, eine Strategie zu entwickeln, die Unsicherheit in diesem Land abzuschaffen, den Leuten wieder Vertrauen zu vermitteln,

Dann treten Sie zurück!

und es geht auch darum, dass Politik vermittelt, worum es eigentlich geht, nämlich um die Belange der Menschen in diesem Land und nicht um irgendein parteipolitisches Kalkül. Das will kein Mensch mehr hören.

Genau darum geht es in dem Einzelplan 11. Es geht in dem Einzelplan 11 darum – und ich erwarte eigentlich von allen, die Sozialpolitik betreiben, dass es ihnen von A bis Z darum geht –, die Menschen in diesem Land zusammenzuhalten,

Keiner glaubt mehr, dass Sie sich um irgendjemanden kümmern!

für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sorgen.

Warum wählen die Arbeiter dann uns und nicht euch?

Davon ist leider sehr wenig zu spüren in dem derzeitigen Diskurs. Zweifel wird gesät, rauf und runter.

Sie sind verantwortlich für die Situation im Land! Sie sind gescheitert!

Und da müssen wir uns als Parlament, glaube ich, auch selbst in die Verantwortung nehmen, wenn wir jetzt in die Verhandlungen gehen.

Schreien Sie doch nicht so!

Wir sind vielfach von Sozialverbänden, von Menschen, die in der sozialen Arbeit tätig sind, die jeden Tag sehen, wo es pressiert, angesprochen worden. Wir werden unter anderem von Beschäftigten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung angesprochen, –

Porträt von Corinna Rüffer
Foto: Corinna Rüffer/ Yousef Hakimi
ca. 46 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– denen wir ganz viel versprochen haben, zum Beispiel die Teilhabe an der Gesellschaft. Das, was sie im Moment erleben, ist, dass sie mit Steinen beworfen werden, auf denen „Euthanasie“ steht. Das ist der Pfad, auf dem wir uns bewegen, wenn wir nicht langsam zur Vernunft kommen –

Porträt von Ottilie Klein
Foto: Michael Bennett
9 Vermerkeca. 371 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bundeskanzler Olaf Scholz ist ja bekannt für seinen Sprachwitz. Den unfertigen Haushaltsentwurf, über den wir heute hier diskutieren, nennt er ein – Zitat – „Kunstwerk“. Bei genauer Betrachtung wird jedoch klar, dass sich die Ampel wohl eher in Zauberkunst versteht.

So möchte sie beim Bürgergeld angeblich mehr als 5 Milliarden Euro sparen. Um das zu erreichen, müssten im nächsten Jahr ganze 700 000 Menschen in Arbeit vermittelt werden – Kollege Biadacz hat das schon erläutert –,

Ja! Wie geht das denn?

eine völlig realitätsfremde Zahl.

Beifallbei der CDU/CSU

Denn die Realität ist: Dank der desaströsen Wirtschaftspolitik der Ampel beträgt die Prognose für das Wirtschaftswachstum derzeit erschütternde 0 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit steigt seit Monaten, überall werden Jobs gestrichen. Gleichzeitig will die Ampel aber genau dort den Rotstift ansetzen, wo Menschen in Arbeit gebracht werden: bei den Jobcentern.

Ich denke, Sie wollen sparen!

Hier tut sich im Haushaltsentwurf eine Lücke von bis zu 1 Milliarde Euro auf. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das passt alles hinten und vorne nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Bei der Ampel ist es immer das Gleiche: Großen Ankündigungen folgen noch größerer Streit und nur minimale Resultate. Ich erinnere mich noch gut an die PR-Nummer von Hubertus Heil zu harten Sanktionen für – Zitat – „Totalverweigerer“. Bis heute kann der Minister kein einziges Beispiel für eine solche Sanktionierung nennen. Warum? Weil das in der Praxis gar nicht funktionieren kann.

Habt ihr doch auch gefordert!

Und genau so ist es auch mit diesem Haushalt. Die Bundesregierung wirft mit Fantasiezahlen um sich, und das in einer Zeit, in der es doch darum gehen sollte, Vertrauen bei den Menschen wiederzugewinnen.

Es ist zwar eine richtige Einsicht, wenn Bundesfinanzminister Christian Lindner feststellt, dass die Menschen genug haben von dieser Ampelpolitik, aber gleichzeitig ist es eben auch jener FDP-Finanzminister, der den Blankoscheck für diesen unseriösen Bundeshaushalt ausstellt.

Beifallbei der CDU/CSU

Fern jeder Einsicht ist dagegen die SPD – auch in dieser Debatte heute wieder eindrücklich zu beobachten –, eine angebliche Arbeiterpartei, der die Arbeiter in Scharen davonlaufen. Kein Wunder; denn das bedingungslose Bürgergeld ist eine Respektlosigkeit gegenüber jedem Menschen, der jeden Tag hart arbeitet.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Grad der Realitätsverweigerung wird nur von den Grünen getoppt, die gerne mal sachliche Kritik am bedingungslosen Bürgergeld als Hetze brandmarken, nur um anschließend Populismus und gesellschaftliche Spaltung zu beklagen.

Weil es nicht stimmt! Das ist doch Unsinn!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Menschen sehnen sich nach einer handlungsfähigen und verlässlichen Politik.

Porträt von Ottilie Klein
Foto: Michael Bennett
2 Vermerkeca. 16 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich kann Sie daher nur auffordern: Überlassen Sie das Zaubern doch bitte den Houdinis dieser Welt!

Beifallbei der CDU/CSU

Sehr gute Rede!

Beifallbeim BSW
6 Vermerkeca. 338 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die schlechteste Bundesregierung aller Zeiten legt heute ihren letzten Bundeshaushalt für das kommende Jahr vor.

Für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land ist es gut, dass es der letzte ist. Denn wir brauchen dringend einen Politikwechsel; dieses Land geht wirtschaftspolitisch und sozialpolitisch zugrunde.

Beifallbeim BSW

Kein Tag vergeht, an dem nicht namhafte Unternehmen Massenentlassungen oder Standortschließungen ankündigen, an dem nicht Arbeitsplätze wegfallen, an dem nicht Kurzarbeit und Insolvenzen zunehmen. Wir als Bündnis Sahra Wagenknecht haben immer gesagt: Diese Wirtschaftspolitik ist unvernünftig.

Ist sie auch!

Zurufder Abg. Kathrin Michel [SPD]

Wir haben gesagt: Die Sanktionspolitik dieser Bundesregierung im Zuge des Ukrainekrieges schadet unserer Wirtschaft und unseren Arbeitsplätzen noch mehr als Russland. Deshalb muss diese beendet werden.

Beifallbeim BSW
Widerspruchbei der SPD

Und Herr Heil, dann stellen Sie sich heute hierhin und werben wieder für einen höheren Mindestlohn. Die Forderung ist richtig. Ich möchte aber daran erinnern: Der SPD fällt das vor Wahlkämpfen immer ein. Vor den Wahlen in Thüringen und Sachsen hat Bundeskanzler Scholz gesagt: 15 Euro. – Sie haben sich gestern und heute hingestellt und haben erklärt: Wir brauchen einen höheren Mindestlohn – aber erst ab 2026. – Nächste Woche haben wir in Brandenburg wieder eine Wahl.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer, die SPD hat hier im Bundestag erst vor Kurzem wieder einen Antrag auf eine Erhöhung des Mindestlohns auf 14 Euro abgelehnt. Es ist immer das Gleiche: Vor den Wahlen etwas ankündigen, aber nach den Wahlen das Gegenteil tun.

Herr Rosemann, ich gebe Ihnen recht: Wir brauchen mehr Tarifbindung. Sie beklagen das auch und haben gesagt: Wir brauchen da staatliches, gesetzgeberisches Handeln. – Ich möchte die SPD daran erinnern: Wir haben nur 52 Prozent Tarifbindung, aber seit 1998 hat mit Ausnahme von vier Jahren immer die SPD regiert, immer den Arbeitsminister gestellt. Es ist Ihre Agenda, die zu weniger Tarifbindung geführt hat. Dass Sie sich heute hinstellen und mehr Tarifbindung fordern, ist wohlfeil. Sie haben 20 Jahre lang das Gegenteil getan.

Beifallbeim BSW sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Wieso verteidigt Ihr Europaabgeordneter Geisel dann die Agenda?

Ich glaube, wir brauchen eine Reform der Schuldenbremse. Wir brauchen die goldene Regel, dass in die Zukunft des Landes investiert werden kann, in die Wirtschaft, in Arbeitsplätze.

2 Vermerkeca. 24 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Denn wer das nicht tut, versündigt sich an den kommenden Generationen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BSW

Der nächste Redner ist für die Unionsfraktion der Kollege Peter Aumer.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Peter Aumer
Foto: Peter Aumer/ Berli Berlinski
9 Vermerkeca. 621 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man nach einer Überschrift für diesen Haushalt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sucht, wird man beim „Spiegel“ aus dem Jahr 2022 sehr schnell fündig. Da steht ein Artikel mit der Überschrift: „Der Nach-mir-die-Sintflut-Minister“. Es geht um Hubertus Heil. Wenn man sich den aktuellen Haushalt in Gänze anschaut, dann kann man feststellen, dass das nicht nur den Minister betrifft, sondern dass man auch die ganze Koalition so beschreiben kann: als „die Nach-uns-die-Sintflut-Koalition“.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine sehr geehrten Damen und Herren der Ampel, ich bin fest davon überzeugt, dass Sie in den nächsten Wochen die riesige Aufgabe haben, diesen Haushalt so zu gestalten, dass Sie tatsächlich das hinbekommen, was Sie gesagt haben, Herr Kurth: eine Stabilisierung des Sozialstaats. Denn mit dem Vorschlag, der eingebracht ist, tun Sie alles, nur nicht unseren Sozialstaat stabilisieren. Sie setzen alleine auf das Prinzip Hoffnung, und das wird nicht tragen, meine sehr geehrten Damen und Herren der Ampel.

Drei Beispiele, warum das so ist. Zum einen: Sie plündern die Sozialkassen. Herr Kurth, Sie haben die Stellungnahme der Deutschen Rentenversicherung angesprochen. Alles lesen, bitte! Da stand unter anderem auch, dass Sie als Ampelkoalition seit 2020 Finanzzusagen in Form von Bundeszuschüssen in Höhe von 10 Milliarden Euro nicht einhalten. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, sollte Ihnen zu denken geben. Das ist unredlich und verantwortungslos.

Beifallbei der CDU/CSU

Zum anderen: Sie verschieben Leistungen in Höhe von 900 Millionen Euro vom Bundeshaushalt auf die Bundesagentur für Arbeit. Damit belasten Sie die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler zusätzlich. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren der SPD, ist unsozial.

Beifallbei der CDU/CSU

Und verfassungswidrig! Verfassungswidrig ist das!

– Und verfassungswidrig. Und wenn man dann noch auf den Aufbau der Rücklage bei der Bundesagentur für Arbeit schaut, dann sieht man: Wir sind auf eine eventuell kommende Krise nicht vorbereitet. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, kann keine richtige Politik sein.

Der dritte Punkt. Die größte Sozialreform, Ihr Bürgergeld, ist gescheitert. Es gibt eine klare Aussage des ehemaligen Chefs der Bundesagentur für Arbeit, der sagt, dass dieses Bürgergeld, Herr Heil, schlichtweg nicht erfolgreich ist. Die Zahlen sprechen für sich.

Beifallbei der CDU/CSU

Hört! Hört!

Wenn man die Zahlen der erwerbsfähigen Bürgergeldempfänger anschaut, sieht man: Im Mai sind die Zahlen um 82 000 Personen auf insgesamt 4 021 000 erwerbsfähige Bürgergeldempfänger gestiegen. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, kann nicht der Anspruch sein, mit dem Sie Politik machen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn man sich die Zahlen dann noch genauer anschaut, wird auch deutlich, warum. Wenn Sie einfach nur kürzen, liebe Frau Kollegin Rüffer, dann ist auch klar, dass wir uns als Opposition zu Wort melden müssen. Wenn Sie einfach sagen, Sie rechnen mal mit 5 Milliarden Euro weniger, dann ist das keine ehrliche Politik. Und es ist die Aufgabe der Opposition in einer Demokratie, das hier auch anzusprechen.

Beifallbei der CDU/CSU

Klare Aussage!

Dann noch zum Fordern und Fördern. Sie haben mal errechnet, Herr Heil, dass Sie den Bundeshaushalt durch die Sanktionen – diese Sanktionen haben Sie mit einem Moratorium versehen – um 150 Millionen Euro entlasten und dadurch Einsparungen erzielen werden. Am Ende sind es nicht 150 Millionen, sondern 32 Millionen Euro. Und das, meine sehr geehrten Damen und Herren, zeigt ganz deutlich, wie Sie Haushaltspolitik machen, und zwar unredlich; das Wort verwendet der Minister ja sehr oft.

Zurufder Abg. Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn es um die Frage des Sinns von Kürzungen geht, dann geht es um das Thema „Beratung auf Augenhöhe“, ein ganz großer Anspruch beim Bürgergeld. Wenn Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, jetzt anfangen, beim Eingliederungstitel zu kürzen, dann haben Sie bei dem Thema „Beratung auf Augenhöhe“ versagt.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich hätte noch etwas zum Thema Arbeitsmarkt zu sagen, aber leider ist meine Redezeit abgelaufen. Aber auch hier sprechen die Zahlen nicht für Ihre Politik.

Porträt von Peter Aumer
Foto: Peter Aumer/ Berli Berlinski
2 Vermerkeca. 17 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Meine sehr geehrten Damen und Herren, dieser Haushalt ist unrealistisch, unredlich und verschiebt Verantwortung in die Zukunft.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
Porträt von Tanja Machalet
Foto: Thomas Köhler/ Photothek Media Lab
7 Vermerkeca. 452 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, der vorliegende Haushaltsentwurf ist aus unserer Sicht in der Tat in vielen Bereichen noch ausbaufähig. Aber anstatt jetzt schon anzufangen, Änderungsvorschläge zu formulieren und zu Inhalten Farbe zu bekennen, ergeht sich die CDU wieder allein in der Annahme, dass der Entwurf verfassungswidrig sei, so wie man es nachlesen konnte.

Damit haben Sie ja Erfahrungen!

Das haben Sie auch beim letzten Mal gemacht und dann keinen einzigen Änderungsantrag zum Haushalt gestellt. Und ich will hier schon noch mal festhalten, dass Sie hier schon wieder sozusagen blank zur Arbeit kommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Der Einzelplan 11 – Arbeit und Soziales – macht deutlich: Wir als SPD halten das, was wir den Menschen versprochen haben. Mit uns wird es keinen Abbau von Sozialleistungen geben.

So ist es!

Wir sichern weiterhin den Sozialstaat, wir stärken den Arbeitsmarkt, wir stehen an der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dieses Landes, insbesondere natürlich gerade bei VW, bei ZF und bei thyssenkrupp.

Beifallbei der SPD

Und ja, dass der Erhöhungsbetrag zum Bundeszuschuss zur Rentenversicherung gemindert wird, ist nicht schön, sollte aber niemanden zu der Behauptung verleiten, dass dies Leistungskürzungen zur Folge hätte. Das wäre schlichtweg falsch.

Mit dem Rentenpaket II werden wir demnächst Klarheit schaffen. Wir stabilisieren die Rente auf dem aktuellen Niveau über 2025 hinaus bis 2040. Ich will hier schon einmal festhalten – ich werde das in der nächsten Woche nochmals tun –: Eine so langfristige Stabilisierung und damit Planungssicherheit für die Beschäftigten hat es in der Geschichte der Rentenversicherung noch nie gegeben.

Beifallbei der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Zukunft der Rente muss auf einem starken Arbeitsmarkt aufgebaut sein. Dazu gehört, dass wir unsere Arbeitspotenziale – Frauen, Ältere und, ja, auch Menschen im Bürgergeld – heben. Mit der Wachstumsinitiative werden wir dazu Impulse geben. Wir schaffen Anreize, um Beschäftigung über den Renteneintritt hinaus attraktiver zu machen, übrigens auch für Witwen und Witwer. Wer länger arbeiten kann und will, darf das auch; aber mit uns wird es keine Anhebung des Renteneintrittsalters geben. Es muss erst einmal darum gehen, dafür zu sorgen, dass Menschen das Renteneintrittsalter überhaupt im Job erreichen. Wir wollen und wir werden dafür Prävention und Rehabilitation noch in dieser Legislaturperiode deutlich stärken.

Beifallbei der SPD

Ich habe ja am Anfang über die Arbeitsverweigerung der CDU gesprochen, die sich wiederum in den letzten Monaten intensiv an den vermeintlichen Arbeitsverweigerern im Bürgergeld abgearbeitet hat. Viele, nicht nur in der CDU, tun ja so, als sei dies aus gesellschaftspolitischer, aber vor allem auch aus haushalterischer Sicht das größte Problem, das Deutschland derzeit hat.

Zurufdes Abg. Hermann Gröhe [CDU/CSU]

Ach ja, eine Idee hatten Sie, nämlich den Namen „Bürgergeld“ zu ändern, aber selbst dafür haben Sie keinen einzigen Vorschlag vorgelegt. Aber wie wäre es, einmal den Blick darauf zu lenken, dass durch Steuervermeidung und Steuerhinterziehung von Hochvermögenden dem Staat Gelder fehlen, die wir dann bei jenen einsparen sollen, die wenig haben?

Porträt von Tanja Machalet
Foto: Thomas Köhler/ Photothek Media Lab
1 Vermerkca. 22 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Schätzungen zufolge verliert Deutschland jährlich um die 50 Milliarden Euro an Steuereinnahmen durch Steuerhinterziehung.

Cum-ex lässt grüßen! Sie haben doch den Cum-ex-Kanzler!

Das Geld liegt nicht unten in der Einkommenspyramide.

Porträt von Tanja Machalet
Foto: Thomas Köhler/ Photothek Media Lab
3 Vermerkeca. 39 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Nur über „die da unten“ zu reden, ist ausschließlich das populistische Werfen von Nebelkerzen, um ja nicht Verteilungsfragen stellen zu müssen.

Was sagt denn der Cum-ex-Kanzler dazu?

Ein bisschen mehr Realitätssinn oder vielleicht etwas weniger Adlon, etwas weniger Sylt täte einigen hier gut.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Ingeborg Gräßle
Foto: Dr. Inge Gräßle/ Tobias Koch
12 Vermerkeca. 579 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich sitze hier seit 12 Uhr und konnte diese „rauchende Ruine Koalition“ besichtigen. Kein schöner Anblick.

Heiterkeitbei der CDU/CSU

Danke, Markus Söder: „Rauchende Ruine“, das ist genial. Ich kann nur sagen: Sie haben dieses Mal Inhalte durch Lautstärke ersetzt. Wir verlangen eine ordentliche Haushaltsvorlage, Herr Minister. Stattdessen sehen wir ziemlich viele Löcher, ziemlich viele Luftbuchungen und ziemlich viele Tricksereien – Tarnen, Täuschen, Tricksen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Norbert Kleinwächter [AfD]

Gerade in Ihrem Haushalt finden wir das besonders dramatisch, weil Sie Ihre Haushaltsprobleme nicht lösen, sondern sie einfach in die Sozialversicherungen verschieben. Sie greifen den Beschäftigten in die Tasche. Die haben weniger netto, und sie haben natürlich auch weiter verschlechterte Wettbewerbsbedingungen.

Es steigt doch kein einziger Beitrag!

Wir werden steigende Sozialversicherungsbeiträge in sehr absehbarer Zeit erleben.

Beifallbei der CDU/CSU

Es wäre doch schön gewesen, wenn Sie aufhören würden, die Opposition zu beschimpfen. Es ist gar nicht unsere Aufgabe, Ihre Löcher zu stopfen. Sie sind Herr über Tausende von Mitarbeitern. Da ist es schon unsere Erwartung, dass diese Löcher gestopft werden, dass nicht irgendwelche globalen Minderausgaben oder Mehreinnahmen vorgelegt werden, ohne zu sagen, wie es geht.

Da gibt es ja schöne Mehreinnahmen. Sie haben zum Beispiel die Bürgergeldkürzung auch damit gerechtfertigt, dass Sie planen, mehr Menschen aus dem Bürgergeld in Arbeit zu vermitteln. Wir haben es mal nachgerechnet: Das wären 700 000 Menschen, die aus dem Bürgergeld in Arbeit vermittelt werden müssten. Da kann ich nur sagen: Ich bin jetzt schon gespannt.

In einem Jahr!

– In einem Jahr; da liegt die Latte doch recht hoch.

Übrigens hat der Rechnungshof eine interessante Analyse gemacht. Er schreibt, dass von den 4 Millionen arbeitsfähigen Bürgergeldbeziehern 2,2 Millionen gar nicht arbeitslos gemeldet seien. Das ist auch so ein Ding. Wie kann ich denn Menschen vermitteln, die gar nicht arbeitslos gemeldet sind? Wir haben dazu also mehr als eine Frage. Ich kann nur sagen: Ich hoffe doch sehr, dass wir diese Fragen auch beantwortet bekommen.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit großem Kummer sehen wir, wie Sie auch in die Arbeitslosenversicherung eingreifen. Der Kollege Aumer hat es gesagt: Das hat Folgen. Bei der „Bundesagentur für Alles“ gibt es demnächst 700 neue Stellen; 500 sind schon freigegeben. Ich kann nur sagen: Wenn es bei 700 Stellen bleibt, können wir bei dem, was ich aus der BA höre, noch froh sein! Da werden ja astronomische Summen diskutiert. Was bei dieser Haushaltsvorlage rauskommt, ist wirklich bedeutend mehr Verwaltung, bedeutend höhere Ausgaben, und zwar zulasten der Sozialversicherungen. Und das geht nicht!

Beifallbei der CDU/CSU

Kompliziertere Anträge!

Herr Minister, ich bin von Ihnen wirklich enttäuscht. Der DGB nennt das übrigens eine äußerst kritikwürdige Haushaltssanierung. – Ich sage: schamlos.

Ich möchte Ihnen auch noch die Renten vorhalten; darüber haben schon viele Kollegen gesprochen. Dass Sie in dieser Legislaturperiode schon viermal den Bundeszuschuss für die Rente gekürzt haben – vier Mal! –, das ist schon eine dreiste Nummer. Ich kann nur fragen: Wie soll man da das Vertrauen in die Rentenversicherung behalten? Ich halte die Rentenversicherung für eines der höchsten Güter in Deutschland.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Die Rentenversicherung war extrem verlässlich und hat immer gezahlt.

Und was machen Sie? Sie unterminieren planmäßig das Vertrauen in diese Rentenversicherung.

Beifallbei der CDU/CSU

Stimmt doch überhaupt nicht!

Wir haben von 2022 bis 2027 9 Milliarden Euro weniger zur Verfügung. Also, Respekt geht anders! Die Rücklagen sind futsch.

Das ist doch Blödsinn!

Was heißt denn „futsch“?

Der Beitragssatz muss angehoben werden, mit allen Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit. Bei mir im Wahlkreis geht die Post ab in Sachen „Wettbewerbsfähigkeit“ und in Sachen „Arbeitslosigkeit“. Wir brauchen eine stabile Versicherung.

Bei der Pflegeversicherung kürzen Sie auch 4 Milliarden Euro.

Falscher Haushalt, Frau Gräßle!

Ich kann nur sagen: Sie sind der Minister, der unfassbar viele Kürzungen vorgenommen hat.

Anderer Einzelplan, Frau Gräßle!

Darüber hätten Sie doch reden müssen, statt den Gute-Laune-Bär zu geben!

Cem ÖzdemirGrüne· Bundesminister BMEL· MdB
12 Vermerkeca. 1.143 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Hinter uns liegen intensive Debatten. Mit diesem Haushalt ist es uns, glaube ich, gelungen, eine gute Lösung zu finden. Wir setzen die richtigen Schwerpunkte, um unsere Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft zukunftsfester aufzustellen. Wir bekennen uns zu unseren ländlichen Räumen als die Kraftzentren unseres Landes. Wir sind verlässlich bei der agrarsozialen Sicherung und verbinden damit auch die Wertschätzung für frühere Generationen und für das, was sie für uns geleistet haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Dass der Weg zu diesem Haushalt angesichts der Zwänge und Notwendigkeiten nicht einfach war, das werden wir in diesen Debatten noch häufiger hören. Hinzu kommt, dass es bei unseren Themen generell nicht immer die einfachen Lösungen gibt. Das sah man, als letzte Woche die Ergebnisse des Strategiedialogs zur Zukunft der EU-Landwirtschaft in Brüssel vorgestellt wurden. Die Reaktionen waren – wie formuliere ich das jetzt? – sehr unterschiedlich.

Ich bin überzeugt, dass die Zukunft sowohl der Agrar- als auch der Umweltpolitik nicht im Gegeneinander liegt, sondern nur im Miteinander. Und dieser Strategiedialog zeigt einen Weg auf, wie beide Seiten, die Landwirtschaftsseite als auch die Umweltseite, Gewinner sein können, damit wir Böden schützen, das Wasser schützen, das Klima und die Artenvielfalt schützen, aber auch dafür sorgen, dass unsere Landwirtinnen und Landwirte in der Breite ein verlässliches, sicheres Einkommen haben. Das ist der Weg, zu dem wir uns bekennen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Wir unterstützen den Weg, wenn Brüssel diesen Weg vorangeht.

Es liegen jetzt gute Ideen und Lösungsansätze auf dem Tisch, die dazu führen werden, dass die Leistungen, die unsere Landwirtschaft für das Gemeinwohl erbringt, auch entsprechend honoriert werden. Jetzt muss die EU-Kommission das allerdings auch umsetzen. Ich will es nochmals ausdrücklich sagen: Die Bundesrepublik Deutschland bekennt sich zu den Ergebnissen des Strategiedialogs und wird die Umsetzung kraftvoll unterstützen. Ein bloßes Weiter-so oder gar Nein zu allen Vorschlägen ist jedenfalls nicht die richtige Antwort.

Ich will auch hier sagen – ich habe das schon oft gesagt und will es heute wiederholen –: Mein Angebot an alle demokratischen Parteien, an alle Akteure aus der Landwirtschaft und auf der Umweltseite gilt weiterhin. Zusammenarbeit und Kooperation sind die Stichworte der Zeit. So machen wir es bei der Vorlage zur Reform des Waldgesetzes. So machen wir es beim Zukunftsprogramm Pflanzenschutz. Und ich halte es aus, wenn es jetzt dabei klassischerweise – auch das kennen wir – den einen immer zu weit geht, zu schnell ist und den anderen wiederum zu langsam geht, zu wenig ist. Das ist nun mal so, wenn man Politik mit Maß und Mitte macht, wie wir es uns vorgenommen haben, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir ringen dabei stets um die beste Lösung. Alle bringen sich ein, man bewegt sich aufeinander zu. Und wer sich nicht bewegt – auch das will ich hier sagen –, hat vieles im Sinn, aber ganz sicher nicht das Wohl unserer deutschen Landwirtschaft. Demokratie heißt eben, Kompromisse zu schließen, damit es vorangeht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Verlässlichkeit ist auch die Voraussetzung für Investitionen. Wenn wir wollen, dass es den Tieren besser geht, dann gibt es das halt nicht zum Nulltarif, dann geht das vor allem nicht von jetzt auf gleich. Das heißt, es braucht verlässliche Unterstützung. Die liefern wir. Unser Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der Tierhaltung läuft entgegen allen Unkenrufen seit Beginn des Jahres.

Wir unterstützen die Betriebe in der Schweinehaltung, die ihre Ställe für die tier- und umweltgerechte Haltung umbauen wollen. Das beantragte Gesamtvolumen liegt inzwischen bei rund 150 Millionen Euro. Das zeigt ja, dass der Bedarf da ist. Deshalb werden auch im Haushalt 2025 wie geplant 200 Millionen Euro für unser Bundesprogramm zur Verfügung stehen. Dafür danke ich auch dem Gesetzgeber, wenn er das unterstützt. Unsere Tierhalterinnen und Tierhalter können sich auf uns verlassen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]

Verlässlichkeit bietet dieser Haushalt auch bei der Finanzierung der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“. Für die Stärkung unserer ländlichen Räume stehen 2025 wieder 907 Millionen Euro zur Verfügung. Ich habe bei meiner Sommertour gesehen, wie sinnvoll dieses Geld vor Ort eingesetzt wird. Ich glaube, Sie alle hier können mit Blick auf Ihre Wahlkreise bestätigen: Es ist gut angelegtes Geld, nicht nur für unsere ländlichen Räume, sondern auch für den demokratischen Zusammenhalt unseres Landes, wenn wir die ländlichen Räume finanziell verlässlich ausstatten und sie nicht im Stich lassen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Muhanad Al-Halak [FDP]

Zur Zukunft der Landwirtschaft gehört aber auch immer der Blick nach vorne, in Richtung neuer Märkte. Für Maßnahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau stehen erneut Mittel in Höhe von 40 Millionen Euro bereit. Wichtig ist uns, auch den Bereich der eiweißreichen pflanzlichen Ernährung stärker zu fördern, weil es ein wichtiger Wachstumsmarkt ist. Wir wollen, dass unsere Landwirtschaft davon profitiert, weil es gleichzeitig auch dem Klima und der Umwelt dient.

Wir unterstützen mit dem Chancenprogramm Höfe und der Eiweißpflanzenstrategie diejenigen, die sich auf den Weg machen, Neues auszuprobieren. Und wer sich vielleicht hier und da noch mit dem Gedanken schwertut, dass unweit von hier mittlerweile Kichererbsen angebaut werden, sollte vielleicht mal – es lohnt sich! – einen Blick in die Vergangenheit werfen: Vor dem 18. Jahrhundert konnte sich in Preußen auch niemand richtig vorstellen, dass dort mal Kartoffeln angebaut werden. Es ist aber der Alltag, und die Klimakrise erzwingt, dass wir neue Wege gehen. Wir werden unsere deutsche Landwirtschaft dabei nicht alleinlassen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Natürlich garantiert auch dieser Haushalt unseren Bauernfamilien Planungssicherheit und Verlässlichkeit bei der eigenständigen Absicherung der Altersvorsorge und bei der Unfallversicherung. Auch im kommenden Jahr stellen wir Zuschüsse von 4,1 Milliarden Euro zur Verfügung.

… die Sie vorher abgesenkt haben!

Der Zuschuss zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung bleibt auf gleicher Höhe von 100 Millionen Euro.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der aktuelle Erntebericht zeigt: Die zunehmenden Wetterextreme gefährden die Erträge. Veränderungen und Anpassungen sind deshalb zwingend. Ich habe viele Menschen vor Ort kennengelernt, die dafür gute, passende Lösungen entwickeln, Neues wagen, auch ins Risiko gehen. Dafür braucht es die bestmöglichen Rahmenbedingungen, damit man mit dem Mut zur Veränderung nicht alleingelassen wird. Dazu gehören wirtschaftliche Anreize. Aber mindestens ebenso wichtig ist es – auch das habe ich schon mehrfach gesagt –, dass unnötige Bürokratie abgeschafft wird, damit die Landwirte das machen, wofür sie Landwirte geworden sind,

Dann fangen Sie mal damit an! Wir warten immer noch auf die Vorschläge!

Die meiste Bürokratie kommt von euch!

nämlich auf dem Acker zu sein und nicht vor allem am Schreibtisch sitzen zu müssen. Da geht es um die Abschaffung von unnötigen Sanktionen bei verlorenen Ohrmarken – es hat übrigens niemand die frühere Regierung daran gehindert, das schon zu machen –

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

oder um umfassende Erleichterungen bei der Umsetzung der europäischen Agrarpolitik.

Aber ich sage hier auch: Das reicht mir nicht. Wir sitzen aktuell an weiteren Erleichterungen. Wir machen den Weg frei für bauliche Erleichterungen für unsere Höfe. So können leere Ställe anderweitig sinnvoll genutzt werden. Außerdem wollen wir es Jung und Alt einfacher machen, auf dem Hof zusammenzuleben.

Da meine Zeit zu Ende ist,

Ja, da haben Sie recht!

will ich an der Stelle sagen: Wir machen mit Hochdruck weiter, um unsere Landwirtinnen und Landwirte von unnötiger Bürokratie zu befreien. Wir können jetzt wieder in die alten Oppositionsreflexe zurückfallen und uns gegenseitig vorwerfen, wer was in der Vergangenheit nicht gemacht hat, oder aber die Zusammenarbeit suchen. Mein Angebot ist die Zusammenarbeit.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Esther Dilcher
Foto: Phototek Media Lab
10 Vermerkeca. 1.000 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister Özdemir! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Damen und Herren! Einen Bundeshaushalt zu beschließen, bedeutet, Zukunftsentscheidungen zu treffen; das haben wir heute schon mehrfach gehört. In der Ampel müssen sich alle bewegen, und zwar aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander zu. Die Kunst dabei ist, den Mittelpunkt zu treffen. Und das macht Demokratie stark: wenn sich verschiedene Interessen zu einem Kompromiss zusammenfinden.

Ja, wir streiten; aber genau das ist gut und wichtig, liebe Kolleginnen und Kollegen, und das lassen wir uns auch nicht schlechtreden. Wenn wir uns nämlich nichts mehr zu sagen hätten, wäre das Stillstand, und den kann sich unser Land nicht leisten.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich war fest davon überzeugt, dass wir diesen Haushalt für 2025 ins Parlament einbringen werden. Wir kneifen hier nicht und haben unsere Hausaufgaben gemacht. Auch im Jahr 2025 müssen wir im Haushalt sparen, noch mehr als im Haushalt für das laufende Jahr 2024. Der Landwirtschaftsetat, der Einzelplan 10, sinkt um circa 68 Millionen Euro auf jetzt noch 6,8 Milliarden Euro. Das ist das Geld, das uns zur Verfügung steht.

Was mich an diesem Haushalt noch etwas enttäuscht – ich weiß nicht, ob wir da noch nachbessern können –, sind die Einnahmen aus den Versteigerungserlösen „Wind auf See“, die nach dem Gesetz 5 Prozent für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft betragen sollten und jetzt auf einen Festbetrag in Höhe von leider nur noch 100 Millionen Euro für nachhaltige Fischerei begrenzt wurden.

Können Sie, Herr Minister, den Fischern erklären, warum sie noch in der Zukunftskommission Fischerei mitarbeiten sollen, um Vorschläge für Maßnahmen zur nachhaltigen Fischerei zu unterbreiten,

Wird da etwa Kritik am Minister deutlich?

wenn von diesen 100 Millionen Euro fast 75 Prozent im BMEL-Haushalt gebunden werden und nur 25 Prozent tatsächlich bei den Fischern ankommen? Ich kann es noch nicht, aber ich hoffe, Sie werden uns da bei den parlamentarischen Beratungen noch ein bisschen unterstützen. Es wird Ihre Aufgabe bleiben, in der Zukunftskommission mit den Fischern zusammenzuarbeiten.

Beifallbei der SPD

Die Ausgaben im Etat sinken aber auch, weil das Programm zur Bauernmilliarde jetzt ausläuft. Das gehört zur Wahrheit dazu: Die Ausgaben sinken insgesamt. Wir hatten ursprünglich 1 Bauernmilliarde vereinbart. Das Programm läuft aus. Deswegen ist der Landwirtschaftsetat im Jahr 2025 auch nicht mehr so hoch.

Wo die Kosten im Ministerium steigen!

Ich weiß, dass die konkreten Einsparmaßnahmen kaum jemandem gefallen: uns Haushältern nicht, dem betroffenen Ministerium nicht und vor allem den betroffenen Landwirten, den Waldbesitzenden und den Fischern nicht. Gleichwohl hat das Ministerium einen Entwurf vorgelegt, mit dem wir im parlamentarischen Verfahren gut arbeiten können. Danke dafür!

In wichtigen Bereichen wurden Einsparungen vorgenommen und parlamentarische Beschlüsse nicht umgesetzt. Es wurde etwas gekürzt beim „Chancenprogramm Höfe“, bei Alternativen zu Tierversuchen und bei nachhaltigen Rohstoffen, also der Holzbauinitiative, die uns allen doch sehr wichtig ist. Das sollte so nicht bleiben. Deshalb ist es für uns ein Arbeitsauftrag, uns das noch mal genauer anzusehen.

Bei der landwirtschaftlichen Sozialversicherung werden rund 60 Prozent des Etats des Ministeriums, der 6,8 Milliarden Euro, verausgabt. Nicht dort eingeplant sind aber die Kosten, die jetzt noch auf uns zukommen bzw. zukünftig entstehen werden durch die Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit bei Landwirten, verursacht durch den Kontakt mit Spritzmitteln. Auch dazu werden wir eine Lösung finden müssen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch wenn wir sparen, wollen wir für Land- und Forstwirte, Fischer und Gartenbaubetriebe Sicherheit schaffen. Das hat der Minister schon zugesagt, und das ist auch eine gemeinsame Aufgabe. Dabei darf aber nicht einfach alles so bleiben, wie es ist. Die Welt um uns herum verändert sich. Darauf müssen wir Antworten geben. Das werden wir unter anderem auch mit diesem Haushalt tun.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Waldeck – also aus meinem Wahlkreis –, Heiko Kieweg, und Kreislandwirt Martin Vollbracht kämpfen dafür – so ihre Aussage –, „dass es nicht zu einer überbordenden Auflagenflut kommt, um angehenden Landwirten nicht die Lust an diesem schönen Beruf zu nehmen“, wie ich neulich in unserer Zeitung, der „HNA“, lesen durfte. Ich war ganz angenehm überrascht, dass sie mich danach angerufen haben und wir wieder ins Gespräch gekommen sind.

Es geht gar nicht mehr so sehr um finanzielle Förderung für die Landwirte, sondern um vernünftige Arbeitsbedingungen. In meiner Heimatregion hat sich die Zahl der Milchviehbetriebe seit 2016 auf 800 fast halbiert, wie der stellvertretende Vorsitzende des Regionalbauernverbands Kurhessen, Jörg Kramm, berichtet. Gründe sind mangelnde Wirtschaftlichkeit, also steigende Kosten für Strom, Diesel und Maschinen, aber auch erzwungene Investitionen aufgrund neuer Auflagen, bürokratischer Aufwand, hohe Arbeitsbelastung und auch fehlende Tierärzte, die überhaupt noch Großtiere versorgen.

Ich denke, da können wir nicht nur mit dem Haushalt, mit Finanzen unterstützen, sondern wir werden zum Ende dieses Jahres ein weiteres Bürokratieentlastungspaket vorlegen, bestimmt auch mit Vorschlägen aus unserem Bereich „Ernährung und Landwirtschaft“, um entsprechende Entlastungen zu schaffen.

Herr Minister, Sie haben gestern beim Berichterstattergespräch gesagt, Sie hätten eine Nähe zur Landwirtschaft und stünden im Austausch, ebenso sei aber bekannt, dass Sie eine Nähe zum Naturschutz hätten, und sich das Ihrer Auffassung nach nicht ausschließe. Genau das ist der richtige Ansatz, den auch unsere Landwirte, die Waldbesitzenden und die Fischer verfolgen. Ich persönlich habe ein tiefes Vertrauen in den überwiegenden Teil unserer Landwirte, dass sie gut ausgebildet sind und viel besser als wir wissen, wie sie ihre Tiere halten und wie sie Grund und Boden nachhaltig bewirtschaften müssen, damit sie auch in Zukunft ihre Höfe und eine intakte Umwelt erhalten und unsere Lebensmittel produzieren können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vertrauen schafft Vertrauen, das soll Grundlage unseres Handelns sein. Ich denke, das steht auch hinter der Aussage, die Sie gestern im Berichterstattergespräch getroffen haben. Wenn wir den Landwirten, den Forstwirten und den Fischern zukünftig mehr Vertrauen entgegenbringen, werden diese auch wieder Vertrauen in unsere politische Arbeit haben.

Dasselbe gilt für unsere Forstwirte, die zur Kenntnis nehmen müssen, dass für den Aufbau unserer Wälder, der dringend notwendig ist, im Haushalt bei Weitem nicht das Geld zur Verfügung steht, das erforderlich wäre. Aber der Wald stirbt und schweigt. Hier besteht dringend noch Handlungsbedarf, nicht nur in finanzieller Hinsicht. Vielleicht werden wir durch das neue Waldgesetz noch Unterstützung leisten können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich bin daher sehr gespannt auf die parlamentarischen Beratungen des Bundeshaushalts und auf die nachfolgenden Gesetze.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Peter Felser
Foto: Peter Felser
9 Vermerkeca. 679 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Herr Minister! Meine Damen und Herren! Liebe Gäste! Nach langem Hin und Her und viel öffentlichem Streit hat uns die Regierung nun also doch einen Haushaltsentwurf vorgelegt, einen Haushalt, der vor allem durch eines hervorsticht: die milliardenschwere Finanzierungslücke. Das „Handelsblatt“ schreibt in der heutigen Ausgabe von „Luftbuchungen“. Renommierte Staatsrechtler bezeichnen das als „rechtlich riskant“. Ich habe daher den Eindruck, dass wir es hier lediglich mit einem Übergangsentwurf zu tun haben. Das wiederum passt gut zu einer Regierung, die sich selbst nur noch als Übergangsregierung bezeichnet.

Beifallbei der AfD

Herr Minister, Sie haben gerade behauptet, Sie wollten die Landwirte entlasten und Planungssicherheit bieten. Das ist wirklich eine bemerkenswerte Ansage, wenn man bedenkt, dass im Agrarhaushalt 2025 rund 70 Millionen Euro weniger zur Verfügung stehen, und, wie ich höre, sollen jetzt zusätzlich 150 Millionen Euro eingespart werden. Das sind keine Antworten auf die aktuellen Herausforderungen in der Landwirtschaft.

Beifallbei der AfD

Herr Minister, ich habe das Gefühl, dass Sie gar nicht mitbekommen, was in der Landwirtschaft aktuell los ist. Wir haben in diesem Jahr die schlechteste Getreideernte seit dem Dürrejahr 2018. Ja, das hat auch mit dem unbeständigen Wetter und den starken Niederschlägen zu tun. Aber vor allem hat es mit Ihren unzähligen politischen Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre zu tun. Das muss ich in aller Deutlichkeit so sagen, liebe Kollegen. Aufgrund Ihrer grünen Ideologie werden immer mehr Ackerflächen mit Wind- und Solarkraftanlagen zugepflastert und gehen der Landwirtschaft dadurch unwiederbringlich verloren. Dazu kommen die unverhältnismäßigen Einschränkungen beim Pflanzenschutz – ich weiß, dass wir das alles schon diskutiert haben – und bei der Düngung. Darunter leiden zusätzlich auch die Ertragsqualitäten. Schauen wir bitte einmal auf den Brotweizen, bei dem die Erntemenge dramatisch eingebrochen ist, allein in Niedersachsen um 30 Prozent. Die Situation ist so dramatisch, dass der Deutsche Raiffeisenverband bereits warnt, dass die Getreideversorgung in Deutschland in Gefahr sei und Versorgungsengpässe ausdrücklich nicht auszuschließen seien, und zwar hier in Deutschland. Deutschland war einst ein zuverlässiger Lieferant für Lebensmittel- und Agrargüter an den internationalen Märkten. Heute sind wir hochgradig importabhängig von Lebensmitteln aus dem Ausland. Das ist der eigentliche Skandal, liebe Kollegen.

Beifallbei der AfD

Verantwortlich dafür sind die viel zu hohen Energiepreise, auch ein Ergebnis der katastrophalen Energiepolitik und der falschen Russlandsanktionen sowie der Überbürokratisierung in der Landwirtschaft.

Herr Kollege Stegemann und Herr Minister, auch ich war unterwegs. Kurz vor Beginn der Apfelernte war ich bei den Obstbauern am Bodensee. Ich bin wirklich erschüttert, wie konkret und brutal Ihre Agrarpolitik dort eingeschlagen hat.

Was? Wer hat denn den Frost im Frühjahr gemacht?

Die Bauern dort kämpfen gegen die Bürokratisierung, müssen beim Schutz ihrer Pflanzen auf altbewährte Mittel verzichten, haben explodierende Energiekosten zu verkraften und hören jetzt, dass der Mindestlohn nochmals angehoben werden soll. Diese Bauern leben ausschließlich noch von ihrer jahrhundertealten Substanz, sonst wären sie längst am Ende. Das ist Ihrer katastrophalen Agrarpolitik geschuldet, Herr Minister.

Herr Kollege Stegemann, jammern Sie bitte nicht wegen des Mindestlohns herum. Wir haben hier entsprechende Anträge gestellt, und hätten Sie zugestimmt, würde es der Landwirtschaft besser gehen.

Beifallbei der AfD

Herr Minister, Sie sehen tatenlos zu, wie unsere Ernährungssicherheit schwindet und sich die heimische landwirtschaftliche Produktion vermehrt ins Ausland verlagert. Das ist unverantwortlich. Stattdessen betonen Sie stolz, dass Sie den Bundeszuschuss zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung, den Sie erst vor zwei Jahren um 100 Millionen Euro gekürzt haben, nicht antasten wollen. Dabei wäre doch gerade hier eine Verdoppelung angezeigt gewesen. Die Berufsgenossenschaft hat doch erst kürzlich die Beiträge zur Unfallversicherung um bis zu 20 Prozent angehoben. Sie nehmen diese erneute starke Belastung der Bauernfamilien also ganz offensichtlich nur achselzuckend zur Kenntnis, Herr Minister.

Sehr geehrte Damen und Herren, dieser Haushaltsentwurf ist nichts anderes als ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Überforderung. In keinem Fall wird er der katastrophalen wirtschaftlichen Situation unserer Bauernfamilien gerecht. In Thüringen und Sachsen haben Sie bereits die Quittung für Ihre miserable Politik bekommen. Gerade die Bauern, denen ich wirklich dafür dankbar bin, haben die Ampel abgewählt und für eine alternative Politik gestimmt.

Über 40 Prozent der Landwirte haben sich für die Alternative für Deutschland entschieden. Die nächste Klatsche werden Sie in eineinhalb Wochen in Brandenburg erleben. Ich schlage Ihnen vor: Beenden wir diese Misere! Beenden wir diese Übergangsregierung! Machen Sie den Weg frei für Neuwahlen!

Danke schön.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
13 Vermerkeca. 651 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr geehrter Herr Minister! Die Lage ist ernst. Die Menschen – auch die Landwirte – sind mit der Politik der Ampel immer weniger einverstanden. Die Landwirte haben Anfang des Jahres eindrucksvoll gezeigt, dass sie genug haben von dieser Art der Politik, von Ideologie und vom Festhalten an unpraktikablen Ideen auf Kosten der Praxistauglichkeit und Bürgernähe.

So, und jetzt noch ein bisschen Inhalt!

Herr Minister, gern gestehe ich Ihnen zu, dass Sie sich für Ihren Haushalt eingesetzt haben. Es ist natürlich eine gute Taktik, zuerst zu warnen, dass die Kürzungen hoch ausfallen könnten, und dann die geringere Kürzung als Erfolg zu verkaufen.

Ja! Kann man machen!

Trotz der Bauernproteste und der Sparrunden der letzten Jahre ist auch dieser Haushalt für die Landwirtschaft wieder ein Sparhaushalt. Neben der Etatkürzung von 68 Millionen Euro stehen den Landwirten aber durch Umschichtungen eigentlich mehr als 120 Millionen Euro weniger zur Verfügung,

Das ist Quatsch!

und über allem schwebt das Damoklesschwert der globalen Minderausgabe von 151 Millionen Euro.

Das muss man den Zuhörern erst einmal erklären: Der Haushalt wird um 68 Millionen Euro gekürzt, und zusätzlich wird dem Ministerium gesagt: Spart doch im laufenden Betrieb noch einmal 151 Millionen Euro ein, egal wo, Hauptsache, das Geld wird nicht ausgegeben. – Ehrlicher wäre es gewesen, zu sagen: Der Etat wird eigentlich um 219 Millionen Euro gekürzt.

Das bedeutet in der Praxis, dass wahrscheinlich alle Förderprogramme, die der Minister und seine Kollegen gerne hervorheben, nur mit angezogener Handbremse gefahren werden können, weil überall Geld für die 151 Millionen Euro Einsparungen zusammengekratzt werden muss.

Wenn überhaupt noch Bewegung da ist!

Das Ergebnis werden Förderstopps oder das vorzeitige Auslaufen von Programmen sein, und das führt wieder zu Vertrauensverlust und Unmut bei den Antragstellern.

Wir kennen das ja vom Zukunfts- und Investitionsprogramm in diesem Jahr. Da sagt das Ministerium gestern: Wegen der Lieferschwierigkeiten der Landmaschinenindustrie könnten über 20 Millionen Euro in diesem Jahr nicht mehr beschieden werden. Meine Nachforschungen gestern und heute haben ergeben,

Zwei Tage geforscht! Mein Lieber!

dass fast alle Hersteller CO2-mindernde Maschinen bis zum 1. Dezember liefern könnten. Ja, viele Firmen haben sich auf das Programm eingestellt und haben hohe Lagerbestände.

Zurufvon der CDU/CSU: So ist es!

Hier könnten Sie, Herr Minister, durch Neubescheidung tatsächlich etwas für die Umwelt und die Bauern tun. Ich habe den Verdacht: Sie wollen nicht, Herr Minister.

Beifallbei der CDU/CSU

So ist es! Genau so ist es!

Die Bauernmilliarde war mit 816 Millionen Euro geplant. Sie haben den Landwirten über 300 Millionen Euro vorenthalten. Das reiht sich ein in die Liste der Zumutungen und Streichungen, die wir spätestens seit dem vergangenen Winter kennen. Noch heute warten die Bauern auf eine echte Kompensation für die schrittweise Abschaffung der Rückzahlungen beim Agrardiesel.

Ihre Politik verunsichert die Landwirte, und Unsicherheit sorgt dafür, dass Investitionen zurückgehalten werden und Betriebe Arbeitsplätze abbauen oder ins Ausland verlagern. Sie haben Glück, dass die Landwirte nicht ins Ausland verlagern können. Aber die Rahmenbedingungen sorgen für Unverständnis, Frust und sogar für Wut, wie wir im Frühjahr traurigerweise erlebt haben.

Sehr geehrter Herr Minister, Ihre Politik und auch dieser Haushalt tragen nicht dazu bei, unsere Familienbetriebe zu erhalten. Ihre Politik trägt dazu bei, dass unsere Ernährung mit höherem CO2-Verbrauch aus Übersee kommt.

Das ist dann sehr ökologisch!

Es gibt Auflagen und Bürokratie wie noch nie zuvor. Nutztierhaltern wird es schwer gemacht, auf mehr Tierwohl umzustellen. In diesem Jahr werden von 100 Millionen Euro gerade mal 17 Millionen abfließen.

Ich bin auch sehr gespannt, ob am Ende über die nächsten Jahre überhaupt 1 Milliarde Euro für das Tierwohl zusammenkommt

Reine Wunschvorstellung!

oder ob Sie von der Bauernmilliarde gleich weniger realisieren.

Insgesamt hat Ihr Haushalt weiter viele Baustellen. An einigen Punkten wird reduziert – so bei Innovation und Nutztierhaltung –, beim Ökolandbau nicht. Durch die globale Minderausgabe drohen weitere einschneidende Einsparungen, wahrscheinlich am stärksten bei der GAK und damit beim ländlichen Raum insgesamt. Oder sagen Sie uns, wo das Geld sonst herkommen soll!

Sehr geehrte Damen und Herren, die Union wird in den Haushaltsberatungen bessere Vorschläge machen,

die dazu beitragen, dass wir auch in Zukunft eine Land- und Ernährungswirtschaft haben, die uns versorgt, wettbewerbsfähig ist und auch für die nächste Generation Perspektiven bietet – je schneller, desto besser.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD
Porträt von Ulrike Schielke-Ziesing
Foto: Ulrike Schielke-Ziesing/ Aljaz Brunec
10 Vermerkeca. 759 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Verehrte Bürger! Der Landwirtschaftsetat verzeichnet auch dieses Jahr ein Minus. Fakt ist: Der Etat schrumpft, und auch im relativen Vergleich nimmt der Landwirtschaftsetat ein immer kleineres Stück vom Gesamtkuchen ein. Waren wir früher, also vor Corona, schon auf dem Weg zu 2 Prozent des Gesamthaushaltes, sind wir jetzt auf einem verfestigten Weg zu unter 1,5 Prozent. Das zeigt, welchen Stellenwert die Ampel unseren Landwirten beimisst. Die Prioritäten liegen wohl ganz woanders.

Und das alles kommt nach dem Kahlschlag im Jahr 2024. Ich will nur mal erinnern an die Agrardieselstreichung, an die Kürzung beim GAK usw. Mit der Ampel hat der Agrarsektor mehrere Milliarden Euro an Geldern verloren. Das summiert sich über die Jahre und macht sich auch bemerkbar: im ländlichen Raum, bei der Produktion und bei den Ausblicken in die Zukunft.

Wir alle erinnern uns an die Bauernproteste Anfang des Jahres auch hier vor unserer Tür. Die Bauern und die ganze Öffentlichkeit haben da auch begriffen, dass sie mit Ihnen als Minister keinen Verbündeten in der Bundesregierung haben.

Beifallbei der AfD

Ein fauler Kompromiss nach dem anderen wurde verkündet. Und was noch viel schlimmer war: Es wurde offensichtlich, dass Sie als zuständiger Minister nicht mal informiert wurden, geschweige denn in die Entscheidung eingebunden waren. Das ist eine politische Bankrotterklärung.

Der vorliegende Etatentwurf für das Jahr 2025 ist daher, um Ihren Parteivorsitzenden zu paraphrasieren, eine Übergangslösung. Wenn man keine politische Kraft mehr hat, dann verwaltet man sich irgendwie bis zum Wahltermin. Dabei nehmen Sie die Bürger und hier ganz spezifisch die Landwirte in Geiselhaft. Herr Minister, das ist unverantwortlich.

Beifallbei der AfD

Schauen wir uns mal an, was der Entwurf so hergibt. Das sogenannte Investitions- und Zukunftsprogramm bzw. die Bauernmilliarde läuft aus, von der Ampel gibt es keine Anschlussfinanzierung.

Die versprochenen Hilfen im Fischereisektor, gespeist aus den Erlösen der Versteigerung der Windparkanlagen in der Nord- und Ostsee, schrumpfen von den anfänglich zugesicherten 600 Millionen Euro auf nur noch 100 Millionen Euro. Das ist gerade mal ein Sechstel der Mittel, mit denen unsere Fischer gerechnet haben – ein Sechstel! Und das Geld wird nicht mal eingespart. Nein, es fließt jetzt stattdessen als Transformationskomponente direkt an Minister Habeck.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Faktisch falsch!

Auch die Ausgaben für Nachhaltigkeit, Forschung und Innovation im Bereich der Landwirtschaft schrumpfen um 15 Prozent seit Ihrem Amtsantritt. Arbeitet so eine Fortschrittskoalition?

Nee! Absolut nicht!

Beim Bundesprogramm Ländliche Entwicklung sind 20 Prozent weniger Mittel veranschlagt. Die Förderung von Innovationen im Bereich „Ernährung, Landwirtschaft und gesundheitlicher Verbraucherschutz“: gekürzt um 7 Millionen Euro. Bei den Maßnahmen zur Reduktion von Tierversuchen wurden die Mittel einfach mal halbiert. Zumindest im Bereich der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, kurz GAK, haben Sie es geschafft, nicht noch zusätzlich Mittel zu streichen, nachdem Sie in den letzten zwei Jahren dort ordentlich gespart haben.

Die schlechte Nachricht: Das sind wieder Millionen, die im ländlichen Raum fehlen werden, das dritte Jahr in Folge. Addiert man diese Zahlen, kommen wir auf dreistellige Millionenbeträge. Das heißt weniger Investitionen, mehr Betriebsschließungen, Infrastrukturverfall und allgemeine Verödung des ländlichen Raums.

Gleichzeitig verfeuert die Ampel aber im Rahmen diverser Projekte das Geld ohne Ende. Nur einige Beispiele: 300 Millionen Euro für den Ausbau agrarökologischer Ansätze in Indien,

Jetzt sieht man die Hufeisentheorie!

46 Millionen Euro für das „Programm ländliche Entwicklung und produktive Landwirtschaft“ in Niger, 28,4 Millionen Euro für lokale Landwirtschaft im Libanon, 11,2 Millionen Euro für die Anpassung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten an den Klimawandel in Madagaskar

Das könnte die Linkspartei auch sagen!

oder 623 Millionen Euro für einen leeren Hühnerstall in China. Okay, das war nicht aus Ihrem Etat. Aber hier zeigt sich, dass der Ampel die Landwirtschaft in aller Welt wichtiger ist als im eigenen Land.

Und auch bei den Grundlagen des Rechnens benötigt die Ampel offensichtlich Nachhilfe. Wer erzählt, er wolle den Landwirten den Ausfall beim Agrardiesel kompensieren – eine Maßnahme in der Größenordnung von circa 450 Millionen Euro –, und dann die Gewinnglättung in der Größenordnung von 40 Millionen bis 50 Millionen Euro als Kompensation dafür darstellt, der muss doch eins und eins zusammenrechnen können und feststellen, dass das gerade einmal 10 Prozent sind.

Das können die Grünen nicht!

Es spricht Bände, dass sich dann die agrarpolitische Sprecherin der Grünen – und übrigens die ehemalige Landwirtschaftsministerin – hinstellt und zu den Bauern sagt: Nun ist dann auch mal gut.

Andersrum: Dass die Bauern und die Bevölkerung nun mal genug von der Ampel haben, das wird stattdessen ignoriert, und es wird einfach weitergemacht, als ob es keine Wahlen gegeben hätte.

Meine Damen und Herren, mit diesem Entwurf kann keine Regierung vor die Landwirte treten. Wenn Sie es nicht schaffen, mehr als nur eine „Übergangslösung“ zu bieten, dann treten Sie endlich zurück und machen Sie den Weg frei! Als AfD-Fraktion helfen wir Ihnen gerne dabei.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
17 Vermerkeca. 726 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Union und AfD haben hier beklagt, dass der Landwirtschaftsetat gekürzt wird.

Wir haben große Herausforderungen, was den Ausgleich des Haushaltes anbelangt. Aber gleichzeitig fordern Sie, wir müssen mehr Geld ausgeben. Das passt irgendwie nicht zusammen. Da müssen Sie sich vielleicht mit Ihren Haushältern auch noch mal darüber verständigen, was Sie nun wirklich wollen. Wollen Sie mehr Geld ausgeben, oder wollen Sie weniger Geld ausgeben?

Beifallbei der FDP sowie des Abg. Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Prioritäten müssen gesetzt werden!

Fakt ist erst mal: Sie dürfen natürlich nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Also Sie können nicht die Coronajahre, in denen Freibiermentalität in diesem Land herrschte, mit der heutigen Zeit vergleichen. Jetzt halten wir wieder die Schuldenbremse ein, das heißt, wir gehen wieder in die Normalität. Wenn man die Zahlen mit der Vorkrisenzeit vergleicht, stellt man fest, dass der Etat des Landwirtschaftsministers 700 Millionen Euro höher als 2019 ist. Es kann also überhaupt nicht die Rede davon sein, dass hier gespart wird,

Inflationsbereinigung?

sondern wir orientieren uns jetzt wieder in Richtung Normalität. Das ist aus meiner Sicht auch völlig richtig; denn wir müssen gleichzeitig auch die strukturellen Fragen offen diskutieren, zum Beispiel wenn es um die landwirtschaftliche Sozialversicherung geht. Wenn da die Kosten in den letzten Jahren um 80 Millionen Euro, also um 22 Prozent, gestiegen sind, dann muss das natürlich auch Thema der Haushälter sein. Das wird auch Teil unserer Beratungen sein.

Gleichzeitig ist es auch eine wichtige Frage, dass die ganzen Programme, die wir über die letzten Jahre aufgelegt haben, teilweise nicht abgerufen wurden.

Die sind zu kompliziert! Am Bedarf vorbei!

Wir stellen Gelder zur Verfügung, und wir stellen fest: Sie werden von den Ländern, aber auch von den Landwirten gar nicht abgerufen. Deshalb muss man natürlich auch die Strukturfrage stellen.

Nein, die Ausrichtung der Programme!

Schauen Sie sich die GAK an, also die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“: Hier sehen wir 907 Millionen Euro für 2025 vor. Wenn man die letzten Jahre betrachtet, sind seit 2018 6,4 Milliarden Euro veranschlagt worden. Tatsächlich sind von den Ländern nur 5,3 Milliarden Euro abgerufen worden, also 1 Milliarde Euro ist nicht abgerufen worden. Da muss man ja fragen: Woran liegt das? Liegt das an den falschen Programmen? Liegt das vielleicht auch an der Struktur? Daran müssen wir aus meiner Sicht arbeiten.

Ich sage das auch deshalb, weil ich heute Morgen gelesen habe, dass einige Meteorologen warnen, dass mit einer Zeit stärkerer Niederschläge zu rechnen ist. Deshalb ist auch der Hochwasserschutz ein wichtiges Thema. Wenn ich da sehe, dass Länder nur die Hälfte der Mittel abrufen, aber gleichzeitig, wenn wieder ein Hochwasser kommt, nach dem Bund rufen, frage ich mich: In welchem Bundesland sind die Hausaufgaben gemacht worden?

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Patrick Schnieder [CDU/CSU]

Um eine Zahl zu nennen: In Sachsen sind 70 Prozent der Mittel nicht abgerufen worden.

Wer regiert denn da?

Das ist ein Skandal, über den wir uns hier unterhalten müssen.

Aber insgesamt muss man deutlich machen, dass wir auch ein paar Schwerpunkte anders setzen müssen. Das Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der Tierhaltung umfasst 150 Millionen Euro. Davon wurden aktuell nur 1,9 Millionen Euro abgerufen. Das Ministerium rechnet damit, dass bis Jahresende 22 Millionen Euro abgerufen werden.

Ja, weil es am Bedarf vorbei geht!

Nur ein Bruchteil des Programmes wird also tatsächlich angenommen.

Ein weiterer Bereich, den ich erwähnen will, ist die erzwungene Transformation der Landwirtschaft. Ich glaube, auch das ist ein Problem; denn diese geht an der Lebenswirklichkeit nicht nur der Landwirte, sondern auch der Verbraucher vorbei.

Das ist doch Ihre Regierung!

Die Förderung der Biolandwirtschaft führt dazu, dass 80 Prozent der vom Landwirtschaftsministerium verausgabten Mittel im entsprechenden Kapitel des Haushalts in den Bereich der Biolandwirtschaft fließen.

Nur 20 Prozent fließen in den Bereich der konventionellen Landwirtschaft.

Diese Rechnung müssen Sie aber mal vorlegen!

– Das kann ich gerne vorlegen, kein Problem. – Tatsächlich sind nur 14,4 Prozent der bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen biolandwirtschaftliche Betriebe.

In Niedersachsen nur 7 Prozent!

Das heißt, wir schaffen Programme, um eine Transformation herzustellen, die vielleicht vom Verbraucher in dieser Form gar nicht gewünscht wird.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Gute Erkenntnis!

Bei aller Kritik, die vielleicht am Landwirtschaftsministerium geübt wird, ist aber, glaube ich, eines klar: Wir haben auch eine ganze Menge erreicht. Das Glyphosatverbot ist aufgehoben, die Flächenstilllegung ist aufgehoben. Wir haben die Gewinnglättung eingeführt. Das ist nämlich der Unterschied zu Subventionen:

Welche Subventionen?

Wir sorgen dafür, dass es nicht vom Wetter abhängt, wie viel Steuern die Landwirte zu bezahlen haben, sondern dass sie danach besteuert werden, wie effizient sie arbeiten, und nicht danach, wie viel Subventionen sie am Ende bekommen.

Beifallbei der FDP

Das, glaube ich, ist das Entscheidende: Jede Leistung des Staates wird letztendlich durch die Leistung der Bürger bezahlt. Ich glaube, daran müssen wir uns orientieren.

Vielen Dank.

Beifallbei der FDP sowie der Abg. Esther Dilcher [SPD]
Beifallbei der CDU/CSU
12 Vermerkeca. 613 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Ampel ist sehr gut darin, Hoffnungen zu wecken, ob beim Küstenschutz, im Tierschutz oder ganz besonders in der Fischerei. Zwar bleiben die Küstenschutzmittel in der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, Stand heute, gleich. Aber führen Sie darüber hinaus eigentlich Gespräche mit den Bundesländern – ressortübergreifend, strategisch – für nachhaltige Lösungen im Hochwasser- und Küstenschutz? Ich denke, nicht.

Kommen wir zum Thema „Tierwohl und Tierschutz“. Die Debatte um Tierwohlabgabe oder Tierwohlcent war eine einzige Finte. Ihre geplante Tierschutznovelle droht ein neues Bürokratiemonster zu werden und verursacht Mehrkosten von über 1 Milliarde Euro alleine für die Landwirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU

Was ist eigentlich aus der von Ihnen versprochenen Verbrauchsstiftung für die Tierheime geworden? Fehlanzeige, nichts! Sie haben sich dafür abfeiern lassen, und es ist nichts, aber auch gar nichts passiert. Statt Investitionen in effektiven Tierschutz installieren Sie eine gut dotierte Bundestierschutzbeauftragte samt Mitarbeiterstab. Sie versprechen, Sie kündigen an, aber Sie liefern Scheindebatten und bürokratischen Filz.

Beifallbei der CDU/CSU

So zerstören Sie Vertrauen und verfehlen darüber hinaus Ihre selbstgesteckten Ziele.

Da kann ich mal etwas über CDU-Filz in der Landwirtschaft erzählen!

Noch deutlicher wird dies am Beispiel der Fischerei. Wiederholt, Herr Minister, muss ich Sie daran erinnern, dass Sie auch der Fischereiminister dieses Landes sind. Wieder haben Sie kein einziges Wort zur Fischerei gefunden. Dabei leistet die Fischerei, egal ob im Binnenland, an Nord- und Ostsee oder in der Angelfischerei

Das steht auch nicht drin!

– deshalb mache ich das jetzt gerade, Frau Künast; danke –,

Beifallbei der CDU/CSU und des Abg. Stephan Protschka [AfD]

einen wertvollen Beitrag für unsere Versorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln und sorgt für regionale Wertschöpfung.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Gleichzeitig sind die Herausforderungen an diesen Berufsstand denkbar hoch: Klimawandel, Umwelteinträge, internationaler Konkurrenzdruck, eine überalterte Fangflotte sowie schwindende Fischbestände, vielerorts der Druck durch Kormoran und Fischotter sowie auf See der massive Wegfall von Fanggründen durch den Ausbau der Offshorewindenergie und der Kabeltrassen.

Was fällt Ihnen eigentlich dazu ein, Herr Minister? Ich denke, nichts. Ihre Lösung ist nämlich einzig und allein „Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründ’ ich einen Arbeitskreis“:

Beifallbei der CDU/CSU

erst die Leitbildkommission zur Zukunft der Ostseefischerei und nun die Zukunftskommission Fischerei.

Welche Kabeltrassen? Wovon reden Sie?

Dabei, verehrte Kolleginnen und Kollegen, haben wir wirklich kein Erkenntnisproblem, sondern wir haben massiven Handlungsbedarf. Echte Hoffnung in der Fischerei gab allein die im Windenergie-auf-See-Gesetz festgeschriebene Fischereikomponente in Höhe von damals 5 Prozent der jährlichen Erlöse aus der Versteigerung von Offshoreflächen.

Ausdrücklich sind damals diese Mittel auch als Kompensation für den Verlust von Fanggebieten gedacht gewesen. Die Fischerei hoffte, so ihren Berufsstand umfassend und systematisch für die Zukunft fitmachen zu können: durch Investitionsförderungen in umweltschonende, nachhaltigere Fangtechniken, die dringende Modernisierung der Fangflotte, die Schaffung von Ausstiegsmodellen zur Reduzierung der Flottenkapazität sowie die Stärkung von Krisenmechanismen und inländischen Verarbeitungsstrukturen. Und wieder: Erst Ankündigungen und Versprechen, dann Hoffnung und am Ende Enttäuschung und Verwirrung bei allen Betroffenen. Das hat mit Planungssicherheit nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Für 2024 haben Sie die Fischereikomponente bereits um 80 Prozent gekürzt; wir haben es damals intensiv diskutiert. 2025 und 2026 wollen Sie sie nun erneut auf je 100 Millionen Euro pro Jahr kürzen. Darüber hinaus besteht die Befürchtung in der Branche, dass diese Mittel an der Fischerei vorbei in die Strukturen des BMEL geleitet werden.

Dieser Politikstil, verehrte Kolleginnen und Kollegen, sorgt für Frustration, Resignation und Wut bei der Branche. Wie beim Fischereitag vom Verband sehr deutlich klargemacht wurde, ist nicht von der Hand zu weisen, dass, wenn Sie so weitermachen, demnächst in der Verwaltung der Fischerei deutlich mehr Menschen beschäftigt sind als in der Fischerei selbst, und das, verehrte Kolleginnen und Kollegen, darf nicht passieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Also: Stehen Sie endlich zu Ihren Worten, tun Sie etwas für das Handwerk der Fischerei, und zwar sowohl auf See als auch im Binnenland, auch in der Teichwirtschaft und in der Aquakultur! Wir brauchen die Fischerei; denn sie ist auch wichtig für unsere Ernährung.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD
Porträt von Oliver Vogt
Foto: Dr. Oliver Vogt / Peter Hübbe
7 Vermerkeca. 469 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Geschätzte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr verehrte Gäste! Im Frühjahr 2022 hat Cem Özdemir dem „Fraunhofer-Magazin“ sein Einstandsinterview als neuer Bundeslandwirtschaftsminister gegeben. Darin hat er Folgendes geäußert – ich zitiere –: „Forschung und Innovation können dazu beitragen, scheinbare Zielkonflikte aufzulösen.“ Im Laufe des Interviews haben Sie, sehr geehrter Herr Bundesminister, dann auch Digitalisierung und KI-gestützte Robotik als Beispiele dieser Innovationen aufgeführt. Doch leider – das müssen wir feststellen – ist auch bei diesen wichtigen Zukunftsthemen außer großspurigen Ankündigungen Ihrerseits nichts Substanzielles übrig geblieben.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn man sich einmal die Mühe macht, einen tieferen Blick in den uns vorliegenden Entwurf des Bundeshaushaltes 2025 zu werfen, dann fühlt man sich genötigt, Sie, Herr Bundesminister, an diese Ankündigung zu Beginn Ihrer Ministerzeit zu erinnern. Denn Tatsache ist, dass Sie in jedem einzelnen Ihrer Regierungsjahre immer weniger Geld in Forschung und Innovation im Landwirtschaftsbereich investiert haben oder investieren werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Im Vergleich zum letzten unter Unionsführung verabschiedeten Agrarhaushalt, also zu dem im Jahr 2021, wollen Sie kommendes Jahr ganze 66 Millionen Euro weniger in diesem Bereich ausgeben. Damit setzen Sie einen Trend der Ampelkoalition in dieser Legislaturperiode fort. Noch mal zur Erinnerung die Zahlen: 441 Millionen Euro waren die Ausgangslage im Bereich „Forschung und Innovation in der Landwirtschaft“ 2021. In 2022 waren wir dann schon bei 421 Millionen Euro – 20 Millionen weniger. 2023 waren es 417 Millionen Euro, in diesem Jahr 398 Millionen Euro, und für das kommende Jahr sind insgesamt 375 Millionen Euro veranschlagt. Im selben Zeitraum, sehr geehrter Herr Minister, hat sich übrigens der Anteil, den die Gesamtkosten Ihres Ministeriums im Agrarhaushalt einnehmen, von 1,55 Prozent in 2021 auf 2,11 Prozent im nächsten Jahr erhöht – in absoluten Zahlen ein Zuwachs um fast 25 Millionen Euro.

Hört! Hört!

Das alles wird man wohl kaum als Zufall bezeichnen können. Hier muss man Ihnen eine klare Absicht unterstellen. Anstatt in die Zukunft zu investieren, schaffen Sie lieber Versorgungsposten in Ihrem Ministerium und lassen gleichzeitig unsere Landwirte sowie unsere innovativen Unternehmen und Start-ups im Regen stehen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Den Titel „Fortschrittskoalition“ kann man angesichts dieser Tatsachen eigentlich nur noch als Treppenwitz bezeichnen.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Bundesminister, handeln Sie bei Forschung und Innovationen endlich gemäß Ihren eigenen Aussagen, und lassen Sie diesen Ankündigungen wenigstens im letzten Haushalt unter Ihrer Verantwortung Taten folgen! Ich habe aufgrund der Äußerungen, die ich von Kolleginnen und Kollegen aus der Ampel jetzt in der Debatte gehört habe, die Hoffnung, dass wir hier noch zu Veränderungen im Rahmen der Haushaltsberatungen kommen.

Der große Pionier technischer Innovationen, Werner von Siemens, sagte einst: „Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden.“ Wenn Sie also schon nicht auf uns als Union hören wollen, dann beherzigen Sie wenigstens diesen Rat, und vielleicht wird das dann noch etwas mit dem Fortschritt in Ihrer Koalition.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Knut Gerschau [FDP]
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
6 Vermerkeca. 316 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Moin! Als Politiker von der Küste möchte ich mich zunächst bei Ihnen, Herr Minister, für Ihren Einsatz für den Schutz unserer Küsten bedanken. Bei unserem gemeinsamen Besuch vor Kurzem am Eidersperrwerk in Nordfriesland konnten wir uns einen Eindruck davon machen, welcher enormen Anstrengungen es bedarf, um unser Land und unsere Leute zu schützen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Knut Gerschau [FDP]

Und da ich nicht müde werde, hier den Unterschied zwischen Nord- und Ostseeküste zu betonen, würde ich mich freuen, Sie auch bald bei uns an der Ostseeküste zu begrüßen. Hier gibt es viel zu tun.

Da gibt es auch gute Fischbrötchen!

– Ja, die sind sehr lecker, insbesondere in Flensburg.

Mit Blick auf den Küstenschutz im Haushaltsentwurf 2025 sind aus meiner Sicht die entscheidenden Fragen: Was müssen wir für einen angemessenen Schutz unserer Küsten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten unternehmen? Und: Sind die Mittel, die der Bund dafür bisher plant bereitzustellen, ausreichend? Es ist zwar ein gutes Zeichen, dass die Mittel im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ in diesem Haushaltsentwurf nicht gekürzt werden. Aber wenn ich auf meinen Touren durch die Küstenorte meiner Heimat wie Arnis, Holnis, Kappeln und Dagebüll sehe, was gebraucht wird,

Dagebüll ist aber im Westen!

dann stelle ich fest: Es ist ein verlässlicher Mittelaufwuchs nötig.

Was mich da ein bisschen unruhig macht, ist, dass wir nur wenig fachliche Grundlagen für unsere Entscheidungen zur Finanzierung von Neubauten vorliegen haben. Auf Nachfrage teilte mir das BMEL mit, dass allein die Länder für die Durchführung der Projekte zuständig sind und der Bundesregierung deshalb keine Einzelprojektdaten vorliegen. Dabei entscheiden wir in diesem Haus immerhin über 70 Prozent der Finanzierung von Neubauten. Küstenschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern. Aber wie sollen wir hier im Bundestag eine angemessene Finanzierung sicherstellen, wenn wir nicht wissen, was an unseren Küsten passiert?

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit dem Herbst steht auch die Sturmflutsaison an unseren Küsten vor der Tür. Behalten wir das bei unseren Beratungen im Blick!

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken und des Abg. Knut Gerschau [FDP]
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP
6 Vermerkeca. 590 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es liegt an uns, Verantwortung für unsere Mitwelt zu übernehmen, erst recht in einer Zeit, in der jede Staatsausgabe mehr denn je politisch auf den Prüfstand gestellt wird.

Der Tierschutz ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft und in unserem Grundgesetz verankert. Er spiegelt unsere Werte wider und zeigt, wie wir mit den Lebewesen umgehen, die unsere Welt mit uns teilen. Daher ist es unerlässlich, dass wir mit diesem Haushalt auch im Hinblick auf das Tierwohl die richtigen Prioritäten setzen.

Beifallbei der SPD

Neben ernährungs- und agrarpolitischen Schwerpunkten dieses Entwurfes freut es mich deshalb, dass uns die parlamentarischen Verhandlungen über den Haushalt die Möglichkeit geben, den Schutz von Tieren in unserer Gesellschaft schrittweise zu verbessern. Denn mit den entsprechenden Mitteln können wir in puncto Tierwohl wichtige Fortschritte erzielen.

Ein zentrales Anliegen der SPD-Bundestagsfraktion ist dabei die Finanzierung des tierwohlgerechten Umbaus der Nutztierhaltung. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Landwirtinnen und Landwirte die notwendigen Mittel erhalten, um ihre Betriebe zeitgemäß tiergerecht zu führen. Es ist unsere Aufgabe, im Bundeshaushalt die finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unsere Landwirtinnen und Landwirte mit dieser Mammutaufgabe nicht alleingelassen werden.

Beifallbei der SPD

Deshalb investieren wir im Rahmen eines Bundesprogramms zur Förderung des Umbaus der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung gezielt in Betriebe, die ihre Ställe hin zu einer besonders tier- und umweltgerechten Haltung ausbauen möchten. Über den Bundeshaushalt steht bereits jetzt 1 Milliarde Euro für den Bereich der Schweinehaltung bereit. Damit können Betriebe zukunftsfest und tiergerechter aufgestellt werden. Also, liebe Landwirtinnen und Landwirte, stellen Sie Anträge!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In einem nächsten Schritt wollen wir die bestehende Förderung ausweiten und auch auf andere Nutztierarten erweitern.

Auch die Reduktion von Tierversuchen durch die Anwendung alternativer Forschungsmethoden spielt für mich als Tierschutzbeauftragte eine entscheidende Rolle. Wir wissen, dass Tierversuche in vielen Bereichen der Forschung nach wie vor Realität sind. Doch wir müssen alles daransetzen, diese Praktiken auf ein Mindestmaß zu reduzieren und gangbare Alternativen zu fördern. Im Bundeshaushalt sollen deshalb erneut gezielt Mittel bereitgestellt werden, um alternative Forschungsmethoden zu fördern. Hier hoffe ich auf eine weitere Aufstockung; denn innovative Ansätze wie computergestützte Modelle müssen stärker gefördert werden.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nur so können wir den Tierschutz in der Forschung voranbringen und gleichzeitig wissenschaftliche Fortschritte erzielen.

Tierschutz ist nicht nur ein ethisches Gebot, sondern auch ein Ausdruck unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Diese tragen aktuell häufig leider die Tierheime. Sie sind oft die letzte Zuflucht für viele Tiere, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihren ursprünglichen Lebensumständen bleiben können, und sie leisten eine unverzichtbare Arbeit, indem sie notleidende Tiere aufnehmen, pflegen – ihnen eine zweite Chance auf ein liebevolles Zuhause geben. Doch fast alle Tierheime sind vollkommen überlaufen und kämpfen mit erheblichen finanziellen Engpässen. Deshalb ist es die Pflicht von Bund, Ländern und Kommunen, gezielt Mittel für die Unterstützung von Tierheimen einzuplanen. Wir müssen sicherstellen, dass diese Einrichtungen die Ressourcen erhalten, die sie benötigen, um ihre wichtige Arbeit fortzusetzen. Das bedeutet nicht nur eine kurzfristige Erhöhung der finanziellen Mittel, sondern auch die Schaffung von langfristigen Förderprogrammen, die den Tierheimen Planungssicherheit geben – so wie im Koalitionsvertrag vereinbart.

Neben dem, was wir im Rahmen der Beratungen zum Bundeshaushalt an finanziellen Mitteln für den Tierschutz erstreiten können, müssen wir auch die Rahmenbedingungen für den Tierschutz insgesamt verbessern. Es ist unerlässlich, dass wir die gesetzlichen Grundlagen stärken, die den Tierschutz in Deutschland gewährleisten.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Dr.-Ing. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es ist unsere Pflicht, sicherzustellen, dass der grundgesetzlich festgeschriebene Tierschutz in Deutschland nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, sondern in der Praxis auch tatsächlich umgesetzt wird. Deshalb werden wir in den kommenden Monaten zudem das Tierschutzgesetz neu auflegen.

Ich freue mich auf konstruktive Verhandlungen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
9 VermerkeZwischenfrageca. 659 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr geehrte Besucher auf der Tribüne! Wer kennt sie nicht, die Reden, die einen beeindrucken, die Reden, die man niemals vergisst? So denke ich zum Beispiel immer wieder gerne an die Eröffnungsrede von Hans-Peter Friedrich zur Grünen Woche 2014.

Zurufvon der CDU/CSU: Guter Mann!

Damals hat er davon gesprochen, dass er sich als Landwirtschaftsminister in erster Linie als Wirtschaftsminister des ländlichen Raums sieht. Das spricht für ihn, weil das einfach auch sein Betriebssystem offenbart.

Herr Minister, ich will Sie ganz offen ansprechen. Sie haben im Zusammenhang mit dem Wachstumschancengesetz und auch mit dem Agrardiesel immer wieder betont – Sie haben es damals gut gemeint –, dass die Landwirte nur 1 Prozent der Bevölkerung und – das haben Sie hinterhergeschoben – 1,2 Prozent der Volkswirtschaft ausmachen,

Deswegen habt ihr sie über Jahre vernachlässigt! Das ist für eine Volkspartei wie euch zu wenig!

aber mit Blick auf das Wachstumschancengesetzes einen großen Teil ausmachen. Das hat mit dem eben erwähnten Amtsverständnis eines Bundeslandwirtschaftsministers nichts zu tun. Ein Wirtschaftsminister des ländlichen Raums weiß einfach, worum es hier geht.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich will hier mit einigen Zahlen aufwarten. Ich komme aus der Grafschaft Bentheim, einem kleinen Landkreis an der niederländischen Grenze. Ich war bei meiner Volksbank, habe dort mit dem Vorstand gesprochen. Von den 2 Milliarden Euro in deren Kreditbuch gehen alleine 500 Millionen Euro auf das Konto der Landwirtschaft. Sprich: Ein Viertel der Kredite der Volksbank in meinem Landkreis – selbstverständlich ist es bei der Sparkasse nicht ganz anders, und im Landkreis Emsland ist es auch nicht anders – entfällt auf Investitionen der Landwirtschaft. Die Landwirte investieren das Geld, kaufen sich davon Immobilien, kaufen davon Viehvermögen, kaufen davon Landtechnik.

Was wäre unsere Region im Nordwesten Deutschlands ohne Krone, ohne Grimme, ohne Amazone, ohne Claas, ohne Lemken?

Es geht wohl um Spenden für den nächsten Bundestagswahlkampf, oder was?

Das soll jetzt keine Werbung sein; das gilt selbstverständlich auch für Fendt und John Deere. Nein, dahinter stehen Zigtausende Familien, die dort ihre Arbeit haben. Und die Menschen haben ihre Arbeit nur, weil durch landwirtschaftliche Betriebe Nachfrage generiert wird. Und nur so versteht man am Ende auch, dass man als Landwirtschaftsminister der Wirtschaftsminister des ländlichen Raums ist. Und das sind Sie, Herr Minister, nun mal leider überhaupt nicht.

Beifallbei der CDU/CSU

Genau so ist es!

Bevor ich ganz konkret auf den Haushalt eingehe, will ich noch einmal an den Agrardiesel erinnern. Bis heute haben wir keine vernünftige Antwort bekommen. Sie haben immer gesagt, Sie wollen hier zu einer Kompensation beitragen. Außer Spesen nichts gewesen!

Jetzt gucken wir uns mal den Agrarhaushalt an, vielleicht erst mal ganz grundsätzlich. Der Agrarhaushalt wird kleiner, den haben Sie zusammengestrichen.

Und das seit Jahren!

Wenn ich mir den Haushalt der Bundesumweltministerin anschaue, dann sehe ich: Der ist um 10 Prozent gewachsen. – Das alleine zeigt ja schon, welche Prioritäten Sie setzen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir waren beim Stichwort „Unterstützung im ländlichen Raum“. Was machen Sie ganz konkret im Bundeshaushalt 2025? Das Investitions- und Zukunftsprogramm haben Sie zusammengestrichen. 123 Millionen Euro werden nicht mehr für sachgerechte Düngung, für guten Pflanzenschutz verwendet. Die Innovationsförderung – 23 Millionen Euro – haben Sie zusammengestrichen. Bei der Digitalisierung im 21. Jahrhundert jetzt 16 Millionen Euro zu streichen, ist sicherlich auch keine gute Idee. – Das sind nur einige Beispiele. Sie haben an der Stelle den Bundeshaushalt zusammengestrichen, und das sind einfach ganz falsche Prioritäten.

Beifallbei der CDU/CSU

Heute Morgen lese ich nicht nur in der Agrarpresse, die sich natürlich tierisch aufregt, weil es wirklich ganz massiv ans Eingemachte geht, sondern auch anderswo, dass Ihr Kollege Hubertus Heil jetzt einen Mindestlohn von 15 Euro vorgeschlagen hat. Jetzt müssen wir auch da mal die Verhältnismäßigkeit wahren. Wer sich mit Bilanzen einigermaßen auskennt, weiß, dass in einem Maschinenbauunternehmen die Arbeitskosten 10, 15, vielleicht auch mal 20 Prozent an den Gesamtkosten ausmachen. Im Obst- und Gemüsebereich sind es teilweise 70 Prozent Arbeitskosten. Das heißt, die Landwirtschaft ist überproportional stark betroffen von einem solchen Vorschlag. Die Landwirte wissen jetzt schon nicht, wie sie Arbeitskräfte generieren sollen. Sie sprechen einerseits immer davon, wir sollten uns pflanzlicher ernähren. Auf der anderen Seite arbeiten Sie nicht dagegen an, dass Ihr Arbeitsminister vorschlägt, den Mindestlohn zu erhöhen. Das ist einfach inkonsequent. Auch an der Stelle sind Sie kein ordentlicher Landwirtschaftsminister.

Beifallbei der CDU/CSU

Was wir brauchen, sind wirkliche Investitionserleichterungen.

Porträt von Harald Ebner
Foto: Harald Ebner/ Laurence Chaperon
2 Vermerkeca. 82 WörterReaktionswert: niedrig
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Lieber Kollege Stegemann, ich schätze Ihre engagierte Art des Vortrags, muss aber zurückkommen auf Ihren Beitrag zum angewachsenen Etat des Bundesumweltministeriums. Sind Sie denn bereit, zur Kenntnis zu nehmen, dass der Aufwuchs des Etats des Bundesumweltministeriums um 250 Millionen Euro einzig und allein durch die Kosten der Zwischen- und Endlagerung des Atommülls, eines komplett ungelösten Problems der Art und Weise, wie Sie unsere Energiefrage angegangen sind, verursacht ist?

Sind Sie bereit, das anzuerkennen? Und haben Sie dazu einen guten Beitrag zu leisten?

Beifallder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
5 Vermerkeca. 168 WörterReaktionswert: lebhaft
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Wir reden über 247 Millionen Euro; darüber sind wir uns einig. Aber selbstverständlich ist ein Etat immer sehr komplex.

Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ha, ha!

Sie können in jedem Etat Einzelposten heraussuchen und sagen: Daran hat es jetzt gelegen. – Ich glaube, in der Gesamtbewertung wird jedem Kleinkind klar: Wenn Sie im Agrarbereich Mittel streichen und die Mittel für den Umweltbereich um 10 Prozent erhöhen – 247 Millionen Euro –, dann zeigt das noch einmal, welche Prioritäten hier gesetzt werden. Und diese Prioritäten werden nicht im ländlichen Raum gesetzt; das ist das, was ich gesagt habe. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich es nicht anders gesagt habe!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielleicht noch zum Ausstieg. Herr Minister, auch wenn es Ihnen vielleicht schwerfällt, jetzt als Wirtschaftsminister des ländlichen Raums aufzutreten, so darf ich Sie daran erinnern, dass Sie immer wieder gesagt haben, Sie wollen der Anwalt der Landwirte sein. Ich appelliere an Ihr Berufsethos. Versuchen Sie doch, über das Maß des Pflichtverteidigers hinauszukommen!

Sie von der CDU waren nicht einmal Pflichtverteidiger, nicht einmal das!

Das wäre doch mal was. Dann wäre dem ländlichen Raum geholfen.

In diesem Sinne: Vielen Dank fürs Zuhören.

Beifallbei der CDU/CSU
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
4 VermerkeZwischenfrageca. 270 WörterReaktionswert: lebhaft
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Verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Albert Stegemann, bei deiner Rede ist wieder einmal sehr deutlich geworden, dass die Union ein völlig anderes Staatsverständnis in der Landwirtschaftspolitik besitzt als meine Fraktion und ich. Genau dieses Staatsverständnis – ich komme gleich darauf zu sprechen – ist auch ursächlich für die teilweise sehr prekäre Situation von Tausenden Betrieben in Deutschland. Die Union fordert regelmäßig für die Landwirtschaft finanzielle Unterstützungsmaßnahmen, die quasi harmlos daherkommen und sich Tierwohl-Cent nennen oder vielleicht auch manchmal etwas dramatischer anmuten wie beispielsweise im Ackerbau bei Sonderkulturen. Aber Sie vergessen dabei vollständig, dass all die Umverteilungsfantasien, die Sie haben und denen Sie seit Jahrzehnten folgen, nicht bedingungslos Wirklichkeit werden, nur weil der Staat quasi Geld hineinwirft. Zudem ist Ihre Unterstützung jedes Mal unmittelbar damit verbunden, dass Landwirtschaft so produzieren soll, wie es eine vermeintlich populäre Meinung vorgibt, die Sie transportieren. Das ist fachlich und sachlich häufig genug falsch. Deswegen sage ich Ihnen: Eine zentrale Ursache dafür, warum es Landwirtschaft in Deutschland gegenwärtig so besonders schwer hat,

ist der Umstand, dass Sie über Jahrzehnte mit falschen Anreizen gearbeitet und Produktionsweisen gefördert haben, die fachlich nicht gerechtfertigt waren und so zu der Misere beigetragen haben, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ihre drei Jahre in der Regierung!

Ich will Ihnen gerne noch einmal, verehrte Kollegen der Union, ins Gedächtnis rufen, was das letzte Jahr geprägt hat. Anders als von Julia Klöckner vorgesehen, ist es uns gelungen, die Anwendungsdauer des Totalherbizids Glyphosat, das extrem wertvoll ist im Bereich der Humusbildung und beim Ackerbau in Hanglagen, in Deutschland über den 31. Dezember 2023 hinaus zu verlängern. Wie gut, dass Ihre Pläne verhindert wurden!

Beifallbei Abgeordneten der FDP
Abg. Max Straubinger [CDU/CSU] meldet sich zu einer Zwischenfrage

– Da ist eine Zwischenfrage des Kollegen Straubinger.

Der redet doch gleich noch!

Der redet doch noch nach mir!

1 VermerkZwischenfrageca. 39 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Kollege Hocker, danke schön, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. -Erkennen Sie an, dass der ehemalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt die Grundlage dafür gelegt hat, dass Glyphosat weiterhin als Pflanzenschutzmittel zur Verfügung steht und dass nicht Sie das geschafft haben?

Beifallbei der CDU/CSU
9 VermerkeZwischenfrageca. 343 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Verehrter Herr Kollege Straubinger, herzlichen Dank für diese Frage; denn es entzieht sich ganz offenbar Ihrer Kenntnis, dass es die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner gewesen ist, die die Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung so gestaltet hat, dass die Anwendung dieses Totalherbizids zum 31. Dezember 2023 ausgelaufen wäre.

Nein, das stimmt nicht!

Und es ist zurückzuführen auf das Engagement dieser Bundesregierung, dass die Anwendung auch zukünftig möglich ist, was gerade für Ackerbaubetriebe – übrigens gerade in Ihrer Heimatregion in Bayern, wo es viele Hanglagen gibt und wo häufig Starkregenereignisse auftreten – ein Segen ist. Deswegen sage ich Ihnen: Ein absolutes Eigentor, Herr Kollege!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich lade Sie ganz ausdrücklich dazu ein, verehrte Kolleginnen und Kollegen, weitere Zwischenfragen zu stellen.

Frau von der Leyen hätte gerne trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine an ihren Flächenstilllegungsplänen von 4 Prozent per annum festgehalten. Wie gut, dass wir das, meine Damen und Herren, verhindert haben!

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und zuletzt: Seit Jahrzehnten regt man sich zu Recht über die bürokratische Handhabung bei fehlenden Ohrmarken auf. Immer wieder hat sich das unionsgeführte BMEL in vielen Jahren außerstande gesehen, diese irrsinnige Praxis endlich zu überwinden. Man kann bei Bürokratieabbau immer nach mehr rufen.

Aber Sie haben doch mehr ins Schaufenster gestellt!

Aber lustigerweise rufen gerade diejenigen nach mehr Bürokratieabbau, die selber jahrzehntelang bei diesem politischen Themenbereich die Hände komplett in den Schoss gelegt haben, sich nie daran herangewagt haben.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Das ist jetzt echt schäbig!

Und wenn das dann andere angehen, sind es dieselben Protagonisten, die sagen: Das müsste doch noch viel mehr sein. – Wie gut, dass damit endlich Schluss ist, meine Damen und Herren!

Wir haben die Deckelung bei der Einspeisevergütung von Biogasanlagen verhindert. Wir führen die Gewinnglättung wieder ein. Wir haben die Flächenstilllegung verhindert.

Flächenstilllegung war die EVP!

Wir ermöglichen die zusätzliche und künftige Anwendung von Glyphosat. Hätte vor drei Jahren, meine Damen und Herren, jemand behauptet, dass die Ampel solche Würfe, solche Entscheidungen in der Landwirtschaftspolitik hinbekommt, hätte dies wohl niemand geglaubt.

Niemand reizt vor allem mit finanziellen Verlockungen fragwürdige Produktionsweisen an, sondern es wird die unternehmerische Landwirtschaft gefördert. Landwirtschaft braucht vor allem Verlässlichkeit, verlässliche politische Rahmenbedingungen

Ja, gerade liefern Sie hier den besten Beitrag!

und ein Bekenntnis zu Technologieoffenheit. Was da geschehen ist, ist tatsächlich ein Paradigmenwechsel in der Landwirtschaftspolitik nach vielen Jahren unionsgeführtem Haus.

Beifallbei der FDP
2 VermerkeZwischenfrageca. 56 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Herr Kollege Hocker, danke, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie sprachen gerade von Verlässlichkeit. Wie verlässlich ist es denn, dass Sie als Mitglied einer Regierungspartei jetzt, kurz vor Ende der Legislatur, Ihre Position des agrarpolitischen Sprechers der FDP-Fraktion aufgeben und ins Verkehrsministerium wechseln?

Der kann halt vieles!

Wie können Sie von Verlässlichkeit reden? Also, ich bitte Sie!

7 Vermerkeca. 267 WörterReaktionswert: lebhaft
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Vielen Dank, Herr Kollege. – Also, ich würde mich selber ja niemals so sehr überschätzen, dass ich behaupten würde, dass Verlässlichkeit in der Agrarpolitik alleine an meine Person geknüpft ist. Deswegen finde ich das eine komplette Fehleinschätzung. Ich freue mich auf die Aufgaben, die in Zukunft auf mich warten. Ich bin froh und dankbar

Ich kenne auch Ihren Wahlkampf!

– wollen Sie eine Antwort hören? dann kriegen Sie sie –, dass ich sieben Jahre lang in diesem Bereich habe tätig sein dürfen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Erlauben Sie mir einen letzten Satz in eigener Sache. Ich habe jetzt gerade mit sehr großer Wahrscheinlichkeit meine letzte Rede zur Landwirtschaft in diesem Hohen Hause hier halten dürfen.

Das war das Beste!

Während der sieben Jahre, während derer ich dieses Thema begleiten durfte, habe ich viel und gerne gestritten, in der letzten Wahlperiode mit der Bundesregierung, in dieser Wahlperiode

Auch mit der Bundesregierung!

mit der Opposition und auch manchmal mit der Bundesregierung; das gehört zur Wahrheit dazu. Streit war für mich aber nie Selbstzweck, sondern er ist für mich das Wesen einer parlamentarischen Demokratie. Wir haben heute Morgen sehr viel Richtiges und Wichtiges darüber gehört. In der Sache wird eben hart gerungen und gestritten. Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn nicht hier, wo denn sonst in dieser Gesellschaft? Es ist unsere Aufgabe, die Konflikte, die sonst draußen ausgetragen werden, in diesem Hohen Hause zu regeln.

Wenn ich in diesem emotionalen Fachbereich wie der Landwirtschaftspolitik jemals zu weit gegangen bin, jemanden vielleicht sogar beleidigt haben sollte,

Nee! War okay!

dann tut mir das aufrichtig leid. Ich freue mich auf viele Begegnungen mit neuen und mit bekannten Kollegen in den kommenden Monaten.

Vielen Dank fürs Zuhören.

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Schäfer
Foto: Sebastian Schäfer/ Stefan Kaminski
6 VermerkeZwischenfrageca. 410 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Kolleginnen und Kollegen! Die Position der Landwirtinnen und Landwirte in der Lebensmittelwertschöpfungskette stärken, gesunde und nachhaltige Entscheidungen einfach machen, Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft verringern, nachhaltige landwirtschaftliche Produktionsmethoden fördern oder auch Maßnahmen zur besseren Erhaltung und Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, zur Förderung einer wasserresilienten Landwirtschaft und zur Entwicklung innovativer Ansätze in der Pflanzenzucht umsetzen: Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, habe ich nicht aus unserem grünen Programm zitiert.

Da steht ja auch nichts drin davon!

Das sind die Ergebnisse des Strategiedialogs zur Zukunft der EU-Landwirtschaft, vorgelegt in der letzten Woche.

Die neue und alte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Parteibuch bekannt, hat direkt bei der Veröffentlichung des Berichts angekündigt, die Ergebnisse in ihren Fahrplan für die Zukunft der Landwirtschaft einzuspeisen. Der von ihr im Januar einberufene strategische Dialog zur Zukunft der Landwirtschaft in der EU hat in den letzten Monaten intensiv und konstruktiv beraten. Mit dabei waren 29 Landwirte, Inhaber/-innen lokaler Lebensmittelgeschäfte, europäische Einzelhändler sowie Vertreter/-innen von Verbraucherorganisationen, Umweltgruppen, Finanzinstituten und Hochschulen. In gemeinsamen Überlegungen, Abwägungen und Diskussionen haben sich die Expertinnen und Experten auf eine grundlegende Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik, finanzielle Anreize für den Schutz von Klima, Umwelt und Tierwohl und gezielte Hilfen nur für bedürftige Bauern einstimmig geeinigt.

Um die Zukunftsfähigkeit unserer Landwirtschaft zu gewährleisten, um unseren landwirtschaftlichen Betrieben weiterhin eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive zu ermöglichen, um den landwirtschaftlichen Herausforderungen durch die Klimakrise wie Hitze und Flut zu begegnen und um der veränderten Ernährungsnachfrage gerecht zu werden, braucht es am Ende vor allem Investitionen. Der EU-Strategiedialog schlägt zum Beispiel einen befristeten Agrarfonds für faire Weiterentwicklung des Agrar- und Ernährungssystems vor. Lassen Sie uns doch kluge Wege für die Zukunft unserer Bauernfamilien finden, und zwar gemeinsam; der Minister hat es angesprochen.

Dafür, Herr Stegemann, müssen allerdings die Fakten stimmen. Sie verbiegen hier die Etatzahlen. Vielleicht reden Sie mal mit Ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Haushaltsausschuss. Ich will Sie auch erinnern: Der Bundesminister hat sich heftig gegen die überproportionalen Belastungen gewehrt, die im Dezember beschlossen worden waren, und er war erfolgreich.

– Wir haben das grüne Nummernschild erhalten; das wissen Sie ganz genau. Wir haben beim Agrardiesel jetzt einen verlässlichen Abbaupfad über drei Jahre gefunden, und das wird auch noch kompensiert.

„Einen verlässlichen Abbaupfad“!

Auf dem Rücken der Fischerei, mit Verlaub!

Die EU hat mit den Agrarzahlungen den wesentlichen Hebel zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft in der Hand. Allein an deutsche Höfe fließen 4,7 Milliarden Euro pro Jahr; die sind nicht im Bundeshaushalt enthalten.

Und wie viel fließen von Berlin nach Brüssel?

Aber bisher gilt: Je größer die Fläche, desto mehr Geld fließt, und das ist nicht richtig.

Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
1 VermerkZwischenfrageca. 85 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben hier gerade infrage gestellt, was ich gesagt habe: dass es nicht zu einer ordentlichen Kompensation beim Agrardiesel gekommen ist. Noch mal zur Erinnerung: Der Agrardiesel hat die Höfe mit 450 Millionen Euro belastet. Und das, was jetzt auf der anderen Seite tatsächlich als Entlastung anzurechnen ist, ist die Tarifglättung. Das macht dann etwa 40 Millionen bis 45 Millionen Euro aus. Das sind 10 Prozent Kompensation, das ist aber keine Überkompensation. Wo sehen Sie die anderen Kompensate?

Welche Überkompensation? Was machen Sie denn hier für Pirouetten?

Porträt von Sebastian Schäfer
Foto: Sebastian Schäfer/ Stefan Kaminski
4 Vermerkeca. 149 WörterReaktionswert: niedrig
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Also, von einer Überkompensation, Herr Stegemann, haben, glaube ich, weder Sie noch ich gesprochen. Wir haben es gehört: Der Minister hat weitere bürokratische Entlastungen angesprochen.

Das ist aber nicht angekommen!

Der Dialog mit der Landwirtschaft ist nach den wirklich falschen Entscheidungen, die vor allem im Dezember über Nacht getroffen wurden, angelaufen. Und wir sehen sowohl auf Ebene der Europäischen Union als auch auf Ebene der Bundesregierung, dass es da vorangeht. Wir werden noch in diesem Jahr die Vorschläge aus dem Ministerium hier diskutieren, und ich hoffe, dass Sie die konstruktiver begleiten als die Etatverhandlungen bisher.

Unserem Bundeslandwirtschaftsminister ist es auch in schwierigen Verhandlungen in diesem Jahr gelungen, Verlässlichkeit und Stabilität in wesentlichen Handlungsfeldern im Landwirtschaftsetat zu gewährleisten. Und wir werden jetzt – Esther Dilcher hat es angesprochen – in den Haushaltsverhandlungen schauen, an welchen Stellen wir den Entwurf weiter verbessern können, um unsere Landwirtschaft auch mit Mitteln aus dem Bundeshaushalt weiter zukunftsfähig zu machen.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Beifallbei der AfD
Porträt von Franziska Kersten
Foto: SPD Sachsen-Anhalt
9 Vermerkeca. 747 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Haushaltsdebatten sind das Kerngeschäft der parlamentarischen Demokratie, und nach dieser populistischen Märchenstunde wollen wir jetzt wieder ein bisschen zu den Fakten zurückkommen.

Wir müssen eine verantwortungsvolle Politik machen, gerade weil es um die Steuergelder unserer Bürger geht. Beim Agrarhaushalt geht es vor allem um Landwirtinnen und Landwirte, aber auch um den ländlichen Raum. Wir dürfen den ländlichen Raum nicht abhängen, sondern müssen dort möglichst gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Der ist euch doch scheißegal!

Das funktioniert aber nur, wenn wir zusammen mit den Ländern eine zielgerichtete Förderung einrichten.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Eines der wichtigsten Förderinstrumente ist die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz, die GAK. Ich freue mich, dass diese Mittel nicht gekürzt worden sind, sondern wir stellen mit dem Haushaltsentwurf wieder 907 Millionen Euro zur Verfügung. Damit kann der Hochwasser- und Küstenschutz auf hohem Niveau weiterbetrieben werden.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Inflationsausgleich fehlt!

Seit diesem Jahr ist der Mittelabruf durch den Bund außerdem deutlich flexibilisiert worden. Bisher gab es viele einzelne Fördertöpfe, sogenannte Sonderrahmenpläne. Die haben wir jetzt in einem Plan zusammengefasst, damit der Verwaltungsaufwand reduziert wird und es den Ländern leichter gemacht wird, die Mittel abzurufen. Übrigens war das eine Forderung aus dem Koalitionsvertrag, die wir jetzt umgesetzt haben. Jetzt kommt es auf die Länder an, die bereitgestellten Mittel mit 40 Prozent gegenzufinanzieren und auch wirklich auszugeben. Nur dann ist auf Dauer wirklich was für den ländlichen Raum geschafft.

Es kann doch nicht sein, dass 200 Millionen Euro übrig bleiben, weil die Länder das nicht hinkriegen! Der Haushaltsausschuss hat auch hier Abhilfe geschaffen und die Mittelumverteilung unter den Ländern in der zweiten Jahreshälfte ermöglicht. Außerdem warten wir immer noch auf eine Umsetzung durch den Bund-Länder-Planungsausschuss. Im Übrigen erwarten wir hier im Bundestag von den Ländern nach wie vor eine Herstellung von Transparenz über die Mittelverwendung. Denn auch der Bundesrechnungshof hat das schon kritisiert. Die Länder müssen da endlich ran!

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Neben der GAK bewegt sich aber auch an anderer Stelle etwas: beim Dauerbrenner Pflanzenschutz. Im Haushalt 2025 stellen wir wieder Mittel zur Weiterentwicklung des integrierten Pflanzenschutzes und zur Reduzierung des klassischen Pflanzenschutzmitteleinsatzes bereit. Nachhaltiger Pflanzenschutz muss dem Grundsatz folgen: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Wir müssen die Pflanzenbestände gesund halten; wir müssen sie vor Krankheiten und Schädlingsbefall schützen, um auch Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Das kann dauerhaft nur gelingen, wenn gleichzeitig die Böden, das Grundwasser und die Biodiversität geschützt werden. Eine Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes liegt somit im ureigensten Interesse der Landwirte.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das machen die von alleine!

Sie darf nur nicht so pauschalisiert und mit der Brechstange erfolgen, wie das bei der Sustainable Use Regulation, also der Novelle der EU-Pflanzenschutzmittelverordnung, geplant war.

Jetzt ist also das Zukunftsprogramm Pflanzenschutz vom BMEL veröffentlicht. Ich erwarte hier eine stringente Weiterentwicklung des integrierten Pflanzenschutzes und eine verbindliche Umsetzung. Aktuell steht es verbindlich im Gesetz, aber es muss nicht dokumentiert werden und ist dann auch eigentlich nicht überwachbar. Das war ein wichtiger Kritikpunkt des EuGH bei der Prüfung der Umsetzung der Pflanzenschutzrichtlinie und damit auch ein echter Auslöser der SUR. Dabei geht es um das Prinzip, dass der Pflanzenschutzmitteleinsatz immer nur die Ultima Ratio ist.

Wir brauchen eine Förderung kooperativer Ansätze, wie sie in mehreren Bundesländern schon vollzogen worden ist. Ich denke hier zum Beispiel an den Niedersächsischen Weg. Denn eins ist doch klar: Eine reine Anwendung von Ordnungsrecht ist in diesem Bereich gescheitert; das haben wir bei der SUR gesehen. Außerdem ist ein solcher Weg auch praktisch nicht umsetzbar, führt zu bürokratischer Überbelastung bei Landwirten und Verwaltung und könnte im schlimmsten Fall auch die Ernährungssicherheit gefährden.

Zurufdes Abg. Frank Rinck [AfD]

Für die kooperativen Ansätze brauchen wir einheitliche Grundsätze und einfache Regeln, um einen Flickenteppich beim Pflanzenschutz zu verhindern – Stichwort „Bürokratieabbau“. Da blickt doch draußen keiner mehr durch, was wirklich für Regeln gelten. Also, das zu vereinfachen, ist eine echte Aufgabe.

Wir brauchen eine wissenschaftsbasierte, rechtssichere und schnellere Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, auch für Sonderkulturen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Ich finde es deshalb wichtig, dass das BMEL die Bund-Länder-Arbeitsgruppe in diesem Bereich stärkt. Darüber hinaus muss das BMEL aber auch zügig handeln, um die Zulassungssituation insgesamt zu verbessern. Das Zukunftsprogramm Pflanzenschutz muss mit genug Geld ausgestattet werden, und die Offizialberatung durch Pflanzenschutzexperten muss gestärkt werden. Denn Landwirte sind nicht daran interessiert, Pflanzenschutzmittel zu verwenden, sondern sie wollen lernen, wie man mit weniger Pflanzenschutz dennoch Ertragssicherheit generieren kann.

Es existieren schon heute Programme, mit denen Landwirte ein Drittel der Herbizide in Getreide und Mais einsparen können. Die entsprechenden Algorithmen müssten allerdings eingekauft und unseren Landwirten zur Verfügung gestellt werden. So würde in Deutschland ein praxistaugliches System etabliert werden, was einen enormen Beitrag zur weiteren PSM-Reduktion leisten könnte.

9 Vermerkeca. 516 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren jetzt den Haushaltsentwurf der Bundesregierung bzw. unseres Bundesministers Cem Özdemir, und man kann feststellen: Es ist ein Haushalt, der ohne Ambitionen und ohne großartige Zuversicht für die Landwirtschaft konstruiert wurde.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Haushalt setzt keine Impulse für die wirtschaftenden Betriebe; das muss man so feststellen. Der Kollege Schäffler hat es ja gerade dargelegt: Es geht nur noch um die Biolandwirtschaft, aber nicht mehr um die für die Ernährungssicherung wichtigen konventionell arbeitenden Betriebe. Dazu wird hier in keinster Weise etwas vorgebracht. Leider werden mit diesem Haushalt auch noch Forschungsmittel für innovative Bewirtschaftungsformen gekürzt. Das bedeutet: Keine Zuversicht für die Zukunft.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Umbauprogramm für mehr Tierwohl begrüßen wir grundsätzlich. Aber wenn wir sehen, dass es von den Betrieben nicht angenommen wird, dann zeigt das doch: Entweder ist es konzeptionell falsch angelegt, oder es fehlt die langfristige Perspektive in diesem Bereich.

Genau das ist es!

Der Bundesminister ist letztlich schuld, dass daran nicht weitergearbeitet wird.

Beifallbei der CDU/CSU

Diese Bundesregierung und vor allen Dingen der Bundeslandwirtschaftsminister sind eben ideologisch festgelegt. Sie wollen die Nutztierhaltung in Deutschland minimieren bzw. ganz abbauen. Dafür spricht auch, dass das Programm für die Nutztierhaltung um 35 Prozent gekürzt wird. Das zeigt sehr deutlich die Rahmensetzung in diesem Bereich. Aber das können meines Erachtens keine Zukunftsvisionen für die Bäuerinnen und Bauern sein.

Herr Landwirtschaftsminister, ich habe Ihnen gut zugehört. Sie haben hier ausdrücklich dargelegt: Sie stehen dafür, dass die Bäuerinnen und Bauern gesicherte Einkommen haben. Ich frage mich nur, was Ihre bisherige Politik dazu beigetragen hat.

Bürgergeld!

Kürzungen beim Agrardiesel sind einkommenswirksam. Auch Kürzungen bei der steuerlichen Pauschalierung sind für die Bäuerinnen und Bauern einkommenswirksam. Also, ich kann nicht erkennen, dass Sie großartig an einer einkommensorientierten Landwirtschaftspolitik gearbeitet hätten, werte Kolleginnen und Kollegen. So muss man das sehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben sich für die Stetigkeit in der Agrarsozialpolitik gelobt. Ich bin auch dankbar, dass es diese gibt; das ist wichtig und richtig. Aber, Herr Kollege Schäffler, da wächst nichts auf, sondern im Gegenteil: Der Ansatz ist sogar etwas geringer, und das ist mit Blick auf den demografischen Faktor auch richtig. Aber diese soziale Sicherheit ist eingebettet in gesetzliche Grundlagen, die Sie gar nicht ändern können. Da haben Sie also großartig Selbstlob betrieben, aber in Wirklichkeit sind es die gesetzlichen Grundlagen, die wir als Union in der Vergangenheit zur agrarsozialen Sicherung der Bäuerinnen und Bauern mit geschaffen haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich möchte auf eines hinweisen: Diese Bundesregierung ist nicht bereit, mit Steuermitteln politische Akzente zu setzen. Sie verlagert auch mittlerweile in der Sozialpolitik vieles auf die Beitragszahler; das wurde vorhin schon diskutiert. Man kann zum Beispiel begrüßen, dass Parkinson künftig als Berufskrankheit anerkannt wird, wobei ich den Zusammenhang nur als Folge des Kontaktes mit den Mitteln Lindan und Rotenon sehe, die ja schon lange verboten sind.

Sie sind ja wohl gefühlskalt!

Aber Sie als Bundesregierung führen jetzt einen Feldzug gegen den Pflanzenschutz; denn Sie nehmen jetzt alle Pflanzenschutzmittel in die Liste auf.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Damit ist Folgendes vorprogrammiert: Wenn diese Krankheiten bei Beschäftigten der Landwirtschaft, von Gärtnereien oder auch der Eisenbahn, wenn dort früher Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden, auftreten, dann werden die Krankenkassen aufgefordert sein, das zu prüfen. Das bedeutet eine Verlagerung von Mehrkosten in die landwirtschaftliche Unfallversicherung.

3 Vermerkeca. 25 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Das geht dann zulasten der Betriebe, und das kann keine zukunftsorientierte Agrarsozialpolitik sein.

Beifallbei der CDU/CSU

Dazu sage ich einfach: Kehren Sie um, und setzen Sie bessere Akzente!

Beifallbei der CDU/CSU

Sehr gut! Bravo!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
11 Vermerkeca. 604 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer/-innen! Ich finde, Herr Straubinger, Sie haben in der neuen Kommunikationsstrategie der CDU/CSU jetzt echt den Bock abgeschossen. Haben Sie jemals mit einem Parkinsonkranken gesprochen, dessen Lebenssituation sich massiv verschärft, der Medikamente nehmen muss?

Darum geht es doch gar nicht!

Meine Damen und Herren, schämen Sie sich! Das hat nicht Herr Cem Özdemir erfunden. Dafür gibt es wissenschaftliche Belege.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie sollten sich schämen, Frau Künast!

– Nein, schämen Sie sich, Herr Straubinger! Sie machen ja immer irgendeinen Mist hier. Neulich haben Sie über Ihre Wurstbude da draußen geredet,

Das ist schon zwei Jahre her!

jetzt zeigen Sie Gefühlskälte gegenüber Parkinsonkranken. So diskutiert man nicht über Landwirte.

Das ist eine Frechheit! Herr Straubinger hat sachlich zum Thema geredet!

Der Kollege Stegemann hat ja auch diesmal schön über ländliche Räume geredet. Ich habe mich schon, als Sie zum Pult gingen, gefragt: Welchen doppelten Rittberger, welche Pirouette zeigt er jetzt, meine Damen und Herren? Jetzt haben Sie über die ländlichen Räume gesprochen, aber keinen einzigen inhaltlichen Satz dazu gesagt, kein Wort, kein Beispiel.

Sprechen Sie gerade vom Minister?

Ich habe mal spontan überlegt, was unter Cem Özdemir alles passiert ist: Regionale Wertschöpfungsketten wurden durch das Programm BULEplus weiter ausgebaut. Initialisierungsmanagement wird finanziert, damit regionale Verarbeitungsketten überhaupt entstehen können, weil viele kleine Akteure dafür kein Geld haben. Wir haben den Modellregionenwettbewerb, wir unterstützen die Kantinen und die Nachfrage nach saisonalen und regionalen Dingen.

Ja, vor allem in der Bundestagskantine!

Meine Damen und Herren, Sie sagen: Oah! – Ja, schön, wenn Sie bei der CDU Riesenbetriebe haben. Der kleine Bauer, der zum Beispiel sagt: „Ich baue auch mal Ackerbohnen oder Kichererbsen an“, braucht eine regionale Verarbeitungs- und Wertschöpfungskette. Die braucht er, verstehen Sie?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Währenddessen schreiben Sie nur „ländliche Räume“ darüber. Wie billig ist das denn?!

Regionale Verarbeitung und Vermarktung werden unterstützt. Es gibt einen Vermarktungswettbewerb und eine Strompreisbremse. Ab 30 000 kWh Jahresstromverbrauch gilt die Industriepreisbremse.

Atmen nicht vergessen, Frau Künast!

Kleine berücksichtigen wir auch. Bei der GAK werden Direktvermarktung und regionale Verarbeitung gefördert. Neu ist der Regionalbonus. Regionale Schlachtung wird gefördert. 200 Punkte gibt es bei der Bürokratie. Es wird sauber seziert: Was ist EU-, was ist Bund-, was ist Länderzuständigkeit?

Was davon hat einer Ihrer Agrarminister geschafft? Sie haben die Bürokratie aufgebaut, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Agri-PV, Mehrfachnutzung von Flächen, Resilienzeinkommen, Moor-PV, Paludikulturen, CO2-Speicher, Energiewende, Bau- und Dämmmaterialien, die Verschränkung von Agrar- und Ernährungswende, Generationenwechsel und die Unterstützung von Frauen – meine Damen und Herren, was haben Sie gebracht? Natürlich gibt es mehr Geld – Ihre Angabe „80 Prozent“ glaube ich übrigens nicht, Herr Kollege – für den Ökolandbau. Aber gucken Sie mal an der Stelle, was selbst die EU-Kommission, Ihre Frau von der Leyen, an Vorschlägen empfängt: Proteine der Zukunft – die Landwirte suchen die Neuausrichtung –, Stakeholder-Meeting, Unabhängigkeit von den Düngemitteln. Meine Damen und Herren, es gibt jede Menge Punkte, die auf den Weg gebracht sind.

Was mich, ehrlich gesagt, verwundert: Sie sind hier zweieinhalb Jahre rumgelaufen und haben jedes Mal getrötet: ZKL, Zukunftskommission Landwirtschaft, und zwar unter der Führung von Professor Strohschneider. – Der hat gerade eben den Strategiedialog Landwirtschaft an von der Leyen, an die europäische Ebene übergeben – und jetzt kam von Ihnen dazu kein einziges Wort. Was ist denn nun?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Gefällt Ihnen nicht, was da im Abschlussbericht steht?

Gucken wir uns den mal an.

Wir reden über den Bundeshaushalt!

Die Empfehlung einer Tierhaltungskennzeichnung einschließlich Bio wurde mit aufgenommen. Das rekurriert auf Deutschland, meine Damen und Herren. Empfohlen wird eine Neuausrichtung der öffentlichen Beschaffung in der Gemeinschaftsverpflegung, wie Deutschland es macht. Ein Thema ist die Förderung pflanzlicher Proteine, womit Deutschland auch angefangen hat. Wertschöpfungsketten sind zu stärken. Das sind alles Vorschläge. Bewertungssysteme kommen mit rein. Es geht auch um gezielte sozioökonomische Unterstützung, Förderung von Umwelt-, Sozial- und Tierwohlleistungen und, und, und. Meine Damen und Herren, da sind Dinge drin, die wir in Deutschland schon angefangen haben. Ich glaube, dass genau deshalb Sie sich nicht dürfen getraut haben.

ca. 24 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Mein letzter Satz. – Die Devise heißt: „Erhalten, was uns erhält.“ Deshalb müssen wir die Landwirtschaft und die Betriebe sichern, damit wir unsere Ernährung sichern.

Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
4 Vermerkeca. 485 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei der Bewertung des Haushaltes für Ernährung und Landwirtschaft ist mein Fazit: Nichts mit Agrarwende und nichts mit Fortschritt, trotz der Aufzählung, die wir eben gehört haben. Die Effekte fehlen. Wir haben hier eine Rückschrittskoalition.

Landwirtschaftsminister Özdemir spricht gern von einer zukunftsfesten, nachhaltigen Landwirtschaft. Aber die ist weder mit dem aktuellen noch mit dem Etat 2025 erreichbar.

Beifallbei der Linken

Verschwindend geringe 0,85 Prozent des Gesamthaushaltes, in Summe 2,8 Milliarden Euro, sind nach Abzug der Sozialleistungen für die aktive Gestaltung der Landwirtschaft, der Forsten, der Fischerei und des gesundheitlichen Verbraucherschutzes aus Bundesmitteln vorgesehen. Wir erleben mit diesem Haushalt eine verstärkte Militarisierung und fortschreitenden Sozialabbau und die Vernachlässigung vieler anderer Bereiche, wie bei diesem Etat mit der Kürzung um 68,3 Millionen Euro sichtbar wird.

Was meinen Sie, wovon sprechen die Landwirte im ländlichen Raum, in meinem Landkreis Ludwigslust-Parchim? Von der Abschaffung der Milchkühe, weil der Milchpreis die Kosten nicht deckt, von der Aufgabe der Schweinehaltung, weil der Umbau der Ställe sie finanziell überfordern würde, von der Unsicherheit für die Biogasanlage, und das trotz der Chance einer Wärmeversorgung für den ganzen Ort, von dem Verzicht auf eine Ökozertifizierung, weil das Verfahren zu aufwendig und zu teuer ist und der Preis für die Produkte den erhöhten Aufwand nicht deckt.

Ich erlebe viel Resignation. An den versprochenen massiven Bürokratieabbau glaubt keiner mehr, auch wenn Sie ihn hier heute wieder beteuert haben. Wir Linken fordern eine Änderung Ihrer Prioritäten.

Beifallbei der Linken

Schluss mit dem Sondervermögen für die Bundeswehr und mit der Aufstockung fürs Militär! Dafür sollte besser und nachhaltig die Bodenbewirtschaftung gefördert werden und der Umbau der Nutztierhaltung für alle Tierarten wirklich unterstützt werden – ja, mit Geld, aber auch mit Rechtssicherheit. Wir brauchen einen wirklichen Einsatz für bezahlbare Lebensmittel und die regionale Wertschöpfung, von der alle etwas haben, und zwar nicht nur in Projekten. Und auch wenn Sie sich noch so winden: Darin sollte die Unterstützung für eine gesunde und kostenlose Kita- und Schulverpflegung verankert werden,

Beifallbei der Linken
Zurufdes Abg. Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]

so wie wir es schon seit 2013 fordern und wie es auch vom Wissenschaftlichen Beirat und vom Bürgerrat empfohlen wird.

Das Gegenteil von Fortschritt steht in diesem Haushalt. Beim Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung werden 3 Millionen Euro eingespart. 2 Millionen Euro Kürzung gibt es bei nachwachsenden Rohstoffen, 3 Millionen Euro Kürzung bei der Förderung der nachhaltigen Holzverwertung – ein völliger Widerspruch zur Holzbauinitiative –, 5,8 Millionen Euro Kürzung bei der Innovationsförderung. Die Ackerbaustrategie verliert ebenfalls: 1,5 Millionen Euro Kürzung. Die Zahlen sprechen für sich. Der gesamte ländliche Raum muss bluten. Ihr Kommentar dazu: Das ist der schwierigen Haushaltslage geschuldet.

Ich sage: Nein, das ist falsch.

Beifallbei der Linken

Es ist nämlich dem politischen Willen der Ampel geschuldet. Vor drei Jahren sind Sie hier mit vielen Ankündigungen zu einer Agrarwende gestartet. Schauen Sie in Ihren Koalitionsvertrag ab Seite 34! Da steht etwas von Einkommenssicherung für die Landwirtschaft, von gesunder Ernährung, von Digitalisierung. Auch da streichen Sie 8 Millionen Euro.

3 Vermerkeca. 545 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer! Die Aufstellung des Bundeshaushaltes für das Jahr 2025 erfolgte erneut unter außerordentlich schwierigen Bedingungen. Der Bundeshaushalt 2025 steht wie schon der Haushalt 2024 unter dem Zeichen der Ausgabenkonsolidierung bei gleichzeitiger Vorsorge für die Bewältigung der fortbestehenden Herausforderungen wie denen des Angriffskriegs gegen die Ukraine, der Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln, der andauernden Auswirkungen der Coronapandemie sowie der Klima- und Biodiversitätskrise.

Der Regierungsentwurf für den Haushalt des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sieht für 2025 Ausgaben in Höhe von 6,9 Milliarden Euro vor, was im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Reduktion bedeutet. Na ja, das Einsparpotenzial für unsere Landwirtinnen und Landwirte wurde meiner Meinung nach auch schon im letzten Jahr ausgeschöpft.

Die deutlichen Proteste zu Beginn des Jahres 2024 haben uns vor Augen geführt, wie dringend notwendig es ist, die politischen Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu schaffen. Daher haben wir uns mit dem Agrarpaket auf den Weg gemacht, erste notwendige Anpassungen vorzunehmen.

Beifallbei der SPD

Das Agrarpaket beinhaltet unter anderem Änderungen im Steuerrecht wie die Einführung der Tarifglättung sowie Anpassungen bei der Ausgestaltung von Lieferketten. Darüber hinaus haben wir Änderungen bei der Konditionalität und den Ökoregelungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik auf den Weg gebracht. Auch haben wir Maßnahmen verabschiedet, um die oft beklagte Bürokratie zu entrümpeln. Dafür haben wir GAP-Regelungen für Blühstreifen und Brachen vereinfacht, digitale Lösungen und einheitliche Stichtage von Meldungen in der Tierhaltung eingeführt. Und: Förderungen bleiben trotz verlorener Ohrmarken bestehen. Diese Maßnahmen sind ein klares Signal, dass wir die Anliegen der Landwirtinnen und Landwirte ernst nehmen und daran arbeiten, ihre Zukunft zu sichern. Das kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Weitere müssen folgen, um den Landwirtinnen und Landwirten eine Perspektive und Einkommenssicherheit zu bieten.

Beifallbei der SPD

Bereits vor ziemlich genau einem Jahr habe ich in meiner Rede zum Haushalt 2024 darauf hingewiesen, wie wichtig eine enge, abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern ist. Eine Kultur des transparenten Austausches könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die unvermeidlichen Kürzungen im Bereich der GAK-Mittel zumindest teilweise zu kompensieren.

Mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass im vorliegenden Haushaltsentwurf für das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung in diesem Jahr 10 Prozent weniger finanzielle Mittel veranschlagt sind. Das ist für uns Sozialdemokraten schmerzlich; denn wir sind uns der Bedeutung der ländlichen Räume voll bewusst.

Um dieser Bedeutung gerecht zu werden, haben wir vergangene Woche auf unserer Klausurtagung im wunderschönen Brandenburg, meine Damen und Herren, ein Positionspapier zu den ländlichen Räumen verabschiedet. Darin fordern wir unter anderem, dass die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland als staatlicher Auftrag stärker im Grundgesetz verankert wird.

Beifallbei der SPD

Auch die Landwirtschaft selbst braucht unsere Unterstützung und Wertschätzung, ist sie doch ein wesentlicher Teil der ländlichen Regionen. Die Relevanz dieses Bereichs wird oft unterschätzt. Unsere Land- und Forstwirtschaft bewirtschaftet mehr als 80 Prozent der Fläche Deutschlands und hat damit einen maßgeblichen Einfluss auf Umwelt, Natur und das Landschaftsbild. Sie prägt Böden, Gewässer, Tierbestände und die biologische Vielfalt in unserem Land.

Durch kontinuierliche Produktionssteigerungen hat es die Landwirtschaft ermöglicht, trotz des stetigen Bevölkerungswachstums die Nahrungsmittelversorgung stets zu gewährleisten, und das zu immer verbraucherfreundlichen Preisen. Die Landwirtschaft hat damit wesentlich zu unser aller Wohlstand beigetragen. Aber das darf nicht auf dem Rücken der Landwirtinnen und Landwirte ausgetragen werden; denn die landwirtschaftlich erzeugten Produkte haben ihren Wert.

2 Vermerkeca. 14 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Der Haushalt 2025 darf zu keinen weiteren Belastungen der Landwirtschaft führen.

Ich bedanke mich.

Beifallbei der SPD
Beifallbei der CDU/CSU
5 Vermerkeca. 674 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Haushalt steht unter besonderen Voraussetzungen. Wir leben in Zeiten von angespannter gesellschaftlicher Lage und multiplen Krisen. Gerade in diesen Zeiten erwarten die Menschen von uns, dass wir Sicherheit und Stabilität geben.

Ich bin sehr froh, dass dies teilweise bereits im Haushaltsentwurf vorhanden ist. Beispielsweise stehen die bereits erwähnten Mittel für den Küstenschutz und die sehnlichst erwarteten Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds endlich für Projekte zur Moorwiedervernässung zur Verfügung. Wir müssen raus aus dem Modell- und Demonstrationsvorhaben und rein in eine strukturelle Gesamtlösung, die für die Menschen im Land und die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte einen verlässlichen Rahmen und eine Perspektive für die Zukunft bietet.

Denn um eine Klimaneutralität 2045 zu erreichen, müssen wir deutlich mehr Moore wiedervernässen, als wir es bisher tun. Dabei heißt Wiedervernässung nicht Renaturierung. Trockengelegte Moore sind aktuell für 40 Prozent der Gesamtemissionen der deutschen Landwirtschaft verantwortlich. Das zu ändern, schaffen wir nur gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten, niemals aber gegen sie.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Große Sorge bereitet auch mir die Situation unserer deutschen Fischerei. Sie befindet sich durch schwankende und teils einbrechende Quoten, durch schwindende Fanggebiete und durch infolgedessen mangelnde Planbarkeit in einer nachhaltigen Krise.

Wir als Parlament haben vorletztes Jahr das Windenergie-auf-See-Gesetz beschlossen, in dem wir festgelegt haben, dass aus den Verpachtungserlösen von Windflächen auf See Mittel zweckgebunden für eine umweltschonende Fischerei zur Verfügung stehen.

Das machen wir ja auch!

Es geht um Mittel, die wir dringend brauchen, um unseren Fischereisektor zu transformieren, zukunftsfit zu machen und der Branche Sicherheit zu geben. Denn wenn wir das nicht tun, wird nicht weniger Fisch gegessen; er kommt dann nur von dort, wo weder Sozial- noch Umweltstandards eine Rolle spielen. Das kann nicht unser Anspruch sein.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Stefan Seidler [fraktionslos]

Das interessiert Sie doch sonst auch nicht!

Im Haushaltsentwurf sind hierfür 25 Millionen Euro eingestellt. „Klingt gar nicht wenig“, mag sich mancher denken. Wenn wir uns aber in Erinnerung rufen, dass von den ursprünglich 670 Millionen Euro und dann 100 Millionen Euro dieser Betrag übrig bleibt, dann können wir damit nicht zufrieden sein.

Ich möchte daran erinnern, dass gerade die Zukunftskommission Fischerei tagt, ein Gremium, auf dessen Einsetzung wir als SPD-Bundestagsfraktion intensiv drängen mussten. Dort sitzen die wirklichen Fachleute: Wissenschaft, Verbände und natürlich auch die Praktikerinnen und Praktiker. Und dort arbeitet man intensiv daran, die deutsche Fischerei zukunftsfest zu machen, einen Plan für die Zukunft aufzustellen. Ich habe ein riesiges Fragezeichen, wie wir die Motivation bei den Teilnehmenden aufrechterhalten sollen, wenn das Signal gesendet wird: Redet ihr mal, doch Geld für die Umsetzung gibt es nicht.

Dabei sind die Ziele richtig: die Dekarbonisierung des Sektors und ein stärkerer Einklang von Fischerei und Meeresnaturschutz. Denn nur gesunde Bestände garantieren eine gesunde Fischereiwirtschaft. Wir müssen den Fischerinnen und Fischern aber auch Planungssicherheit bieten. Und dazu gehört die Veränderung des Berufsbildes und der Ausbildung.

Vor Kurzem haben die ersten elf Sea Ranger ihre Fortbildung abgeschlossen, unsere Förster der Meere. Das sind hochengagierte Fischerinnen und Fischer, die etwas wahnsinnig Wichtiges machen: Die machen sich auf den Weg, die lernen dazu. Die haben 480 Stunden plus Praktika plus Exkursionen aufgewandt, um sich fortzubilden, um bei Forschungsprojekten, in der Umweltbildung und in der touristischen Information und Begleitung tätig sein zu können. Das macht sie weniger abhängig von Quoten und schafft vor Ort zusätzliche Expertise. Denn natürlich haben die Fischerinnen und Fischer ein Interesse an einem gesunden Ökosystem und an gesunden Beständen. Meine Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern steht genauso wie ich hinter diesem Projekt, weil wir vor Ort wissen, wie wichtig die Unterstützung unserer Fischereiwirtschaft ist.

Eigentlich sollte hier Geld aus dem Bundeshaushalt fließen – gut angelegtes, sinnvolles Geld. Das sind Investitionen in eine nachhaltige Zukunft an unseren Küsten. Stattdessen wird den Fischerinnen und Fischern kurz vor knapp erläutert, dass es dieses Jahr kein Geld aus den Windenergie-auf-See-Mitteln geben wird – Geld, auf das das Projekt aber dringend angewiesen ist.

Hört! Hört!

Ich werde das nicht einfach akzeptieren, und wir als SPD-Bundestagsfraktion stehen bereit, gemeinsam konstruktiv und zügig an Lösungen zu arbeiten, damit die Fördermittel bald fließen können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU
ca. 24 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir werden nicht zulassen, dass die zweckgebundenen Mittel für die Transformation der Fischerei zum Stopfen von Haushaltslöchern genutzt werden, um eine Reform der Schuldenbremse –

3 Vermerkeca. 23 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

– auf Biegen und Brechen zu verhindern.

Beifalldes Abg. Daniel Schneider [SPD]

Wir stehen an der Seite unserer Fischerinnen und Fischer. Wir wollen Sicherheit und Stabilität geben.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stefan Seidler [fraktionslos]

Das war nicht die schlechteste Rede!

Beifallbei der CDU/CSU
Klara Geywitz· Bundesministerin BMWSB· kein MdB
7 Vermerkeca. 635 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Mit dem Haushalt für 2025 werden die Investitionsmittel für bezahlbaren Wohnraum weiter gestärkt. Der Abgeordnete Lange hat in früheren Plenarreden ja zu mir ab und zu „Königin“ gesagt,

Ohne Land!

und langsam passt auch die Schatulle des Bauministeriums dazu: Der Haushalt des Bauministeriums wächst aus gutem Grund um rund 700 Millionen Euro auf insgesamt 7,4 Milliarden Euro an.

Schwerpunkt: der soziale Wohnungsbau. Hierfür werden die Mittel auf 3,5 Milliarden Euro erhöht, und das jährlich fortgeschrieben bis 2028. Ich darf daran erinnern: 2021, im letzten Jahr der Vorgängerregierung, waren 1 Milliarde Euro für diesen Bereich vorgesehen. Wir haben die Mittel also mehr als verdreifacht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dazu kommt eine weitere Milliarde für Wohnungen im unteren und mittleren Preissegment, die auf innovativem Weg klimafreundlich gebaut werden. All das sichert natürlich zugleich Jobs in Bau und Handwerk.

Die Wohnungen – das ist nun mal so –, die heute gefördert werden, stehen natürlich erst zu einem späteren Zeitpunkt. Aber heute schon müssen wir unterstützen, und zwar möglichst viele Menschen; deswegen wird das Wohngeld um ganze 15 Prozent erhöht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Dies hilft beispielsweise Menschen, die sich trotz Arbeit ihre Wohnung kaum noch leisten können, sowie denjenigen, die nur wenig Rente haben, aber in einer sehr teuren Stadt wohnen, und auch Alleinerziehenden. Dies gilt auch – viele wissen das nicht –, wenn man beispielsweise in einem kleinen Eigenheim lebt, aber die laufenden Kosten nicht mehr stemmen kann – und das betrifft oft ältere Menschen in kleinen Dörfern, gerade in Ostdeutschland.

Geld allein kann aber die Herausforderungen im Wohnungsbau nicht lösen. Genehmigungsverfahren müssen schneller und digitaler werden. Der Spielraum der Kommunen für den Bau von Wohnungen muss größer werden. Hierzu haben wir als Bundesregierung in der letzten Woche die Baugesetzbuch-Novelle vorgelegt.

Auch die Branche wird innovativer und klimafreundlicher. Viele Unternehmen sind hier bereits sehr innovativ unterwegs, und wir unterstützen das, indem wir den Transfer von Forschungserkenntnissen in die Praxis fördern. Wir gründen dazu ein einzigartiges Bundesforschungszentrum, das LAB, um einen Innovationsschub für das Bauen der Zukunft zu geben. Hier auch noch mal herzlichen Dank an die starke parlamentarische Unterstützung in diesem Bereich!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das neue Bauministerium hat die Neubauförderung vom Kopf auf die Füße gestellt: keine Förderung mehr für irgendwelche Wohnungen, sondern Förderung für bezahlbare Wohnungen und für besonders klimafreundliche Wohnungen. Das sind unsere beiden Prioritäten.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Aber Deutschland besteht natürlich nicht nur aus Hamburg, Berlin und München und deren angespannten Wohnungsmärkten, sondern auch aus Jüterbog, Schmölln und Weilburg. Bundesweit leben viel mehr Menschen in kleinen und mittleren Kommunen als in Großstädten. Die unterstützen wir, indem wir das Lebensumfeld dort stark verbessern. Deshalb fließt dorthin der größte Teil unserer Städtebauförderung. Deshalb fördern wir mit dem SJK-Programm die Sanierung von Schwimmbädern, von Sportstätten, von Orten, wo das soziale Leben stattfindet. Deshalb revitalisieren wir die Ortskerne mit unserem Förderprogramm „Jung kauft Alt“. Damit können Familien mit kleinen Kindern Wohnungen kaufen und sanieren; denn in Deutschland stehen laut dem letzten Zensus rund 1,9 Millionen Wohnungen leer, viele davon natürlich in kleinen Orten.

Dabei zieht es immer mehr Menschen in die ländlichen Regionen; das zeigen aktuelle Studien der Raumordnung. Deshalb entwickeln wir eine Strategie dazu, wie man den Umgang mit dem Leerstand klug managen kann, und zwar zusammen mit den Bundesländern und den betroffenen Kommunen. Und deshalb investiert der Bund auch Milliarden in den landesweiten Ausbau von schnellem Internet sowie Bus- und Bahnverbindungen, begleitend zum Deutschlandticket.

Ich setze bewusst auf eine Stärkung der kleinen und mittleren Kommunen. Denn auch in den ländlichen Regionen gibt es gute Arbeitsbedingungen, auch jenseits von mobiler Arbeit. Fachkräftemangel herrscht nämlich auch in Elbe-Elster oder der Altmark. Die kleinen und mittleren Kommunen sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Deshalb lohnen sich unsere Investitionen hier, und deshalb steigern wir unsere Investitionen.

In diesem Sinne freue ich mich auf die parlamentarischen Beratungen und über Rückenwind für einen starken Bauhaushalt.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
14 Vermerkeca. 891 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine verehrten Damen und Herren auf der Tribüne, nur zu Ihrer Information: Sie befinden sich nicht in einer Debatte über das Baugesetzbuch, sondern in der Debatte über den Haushalt des Etats „Bauen und Wohnen“.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Und wenn wir uns die Zahlen angucken, die dort maßgeblich sind, sehen wir, dass dieser Etat mit insgesamt 7,4 Milliarden Euro und 6 Milliarden Euro Verpflichtungsermächtigungen, also Ausgabeverpflichtungen für die Zukunft, erneut deutlich gewachsen ist.

Wir erinnern uns: Gestartet ist das BMWSB, das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen, 2022 mit einem Etat von knapp 5 Milliarden Euro. Der Aufwuchs über die ganzen letzten Jahre, einschließlich desjenigen, der im nächsten Jahr kommen wird, spiegelt also sehr deutlich wider, dass diese Koalition weiß, wie wichtig Wohnraum, wie wichtig das Thema Bauen und wie wichtig bezahlbares Wohnen in diesem Lande ist.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Ein Sparhaushalt, wie viele befürchtet haben, ist der Einzelplan 25 also keinesfalls.

Und wie die Ministerin bereits erwähnte, fließt ein sehr großer Teil in den sozialen Wohnungsbau. Auch hier gab es in den vergangenen Jahren immer wieder einen Aufwuchs mit einer klaren Verpflichtung für die Zukunft. Und ich beobachte als zuständiger Haushaltspolitiker für Bündnis 90/Die Grünen, dass offensichtlich auch so langsam die Zusammenarbeit mit den Ländern, die Verwaltungsvereinbarungen, besser in Gang kommt und dass sich auch die Mittelabflüsse verbessern. Entscheidend ist nämlich nicht nur das, was wir in den Haushalt schreiben, sondern dass es Wirkung zeigt, dass es auch wirklich in reale Gebäude und Wohnungen fließt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Und spätestens wenn ich mir das Thema „sozialer Wohnungsbau“ angucke, muss ich an die Adresse der Union sagen: Sie beklagen sich jetzt hier und vergießen Krokodilstränen, dass wir da auf ganzer Linie immer noch nicht genug tun würden. Aber in den ganzen Jahren, bevor wir angetreten sind, haben Sie zugesehen, wie der Bestand an Sozialwohnungen Zug um Zug geschrumpft ist, weil Wohnungen aus der Sozialbindung gefallen sind.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Die Platte ist aber ein bisschen alt jetzt langsam!

Das sind insgesamt Entwicklungen – wie auch bei Baugenehmigungen, der Baulandentwicklung und dergleichen –, die man nicht mal eben Hacke, Spitze, eins, zwei, drei verändern kann. Der Bau ist halt kein Schnellboot, sondern ein Tanker.

Sie haben ja drei Jahre schon nichts getan!

Das heißt, wir müssen hier über mehrere Jahre umsteuern; und diese wichtige Umsteuerung haben wir auch eingeleitet.

Natürlich muss man auch sagen, dass auch der Bau den Megatrends der Wirtschaft insgesamt unterliegt: Da sind die Baukosten, die durch die Energiepreise beeinflusst sind, da sind die Bodenpreise als enorm wichtiger Faktor und auch als sehr langfristig wirkender Faktor, und da sind natürlich auch die Zinsen, die ja, wie wir wissen, zuletzt in die Höhe gegangen sind. All diese Faktoren muss man, finde ich, mitberücksichtigen, bevor man uns an dieser Stelle jetzt einseitig Untätigkeit zuschreibt bzw. vorwirft.

Zurufdes Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Gerade bei den Bodenpreisen und der Verfügbarkeit von Boden sind wir auch auf die Zusammenarbeit mit Kommunen und Ländern angewiesen.

Zurufder Abg.Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Jahrelang ist es ja leider so gewesen, dass in viel zu vielen Städten und Gemeinden Bauland und Boden an meistbietende Investoren abgegeben worden ist, die dann sehr großzügig und auch teuer gebaut haben, aber eben nicht unbedingt auf bezahlbaren Wohnraum geachtet haben. Das sind langfristige Trends in den letzten Jahrzehnten gewesen, die man nicht mal so eben auf einen Schlag mit einem Federstrich von hier aus zurückdrehen kann. Diese Illusion sollten wir den Menschen auch nicht vorgaukeln, sondern wirklich ehrlich und hart an der Sache arbeiten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Den Rest der verbleibenden Zeit möchte ich durchaus auch noch mal kurz für Selbstkritik nutzen. Es ist ja sicherlich kein Geheimnis, dass wir nicht in allen Fragen – so gut wir uns hier als Koalition bemühen – Einigkeit haben oder das erreicht haben, was wir wollten.

Das haben wir gemerkt!

Für Bündnis 90/Die Grünen muss ich hier bemerken, dass wir die neue Wohngemeinnützigkeit als Instrument neben dem sozialen Wohnungsbau, als eine neue Komponente, als einen Bestand an gemeinnützig bewirtschaftetem Wohnraum, gerne stärker verankert gesehen hätten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Uwe Schmidt [SPD]

Aber wir haben da immerhin auch was eingeleitet, nämlich dass es steuerliche Vergünstigungen gibt. Aber bei der sogenannten investiven Komponente, dass wir also aktiv neue Wohnungsbaugesellschaften, die gemeinnützig sind, nicht profitorientiert sind, unterstützen, sind wir leider nicht da angekommen, wo wir aus unserer Sicht hätten hinkommen müssen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Wir werden sicherlich noch weiter an diesem Thema insgesamt arbeiten. Ich glaube auch, dass sich hier gerade in den Ballungsräumen die Vernunft durchsetzen wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Das andere, was wir qualitativ schon in Gang gebracht haben und weiter voranbringen, ist ein vernünftiger, klimafreundlicher Neubau. Das sind auch die neuen Programme wie „Jung kauft Alt“, mit denen wir versuchen, dem demografischen Wandel auch in den ländlichen Räumen, aber auch an den Stadträndern der Mittelstädte gerecht zu werden. Denn das Problem ist ja vielfach, dass, wenn man es pro Kopf sieht, durchaus genügend Wohnraum da ist, er nur halt sehr ungleich verteilt ist. Wir haben es in vielen Gegenden damit zu tun, dass ältere Menschen dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder der Ehepartner verstorben ist, als Einzelperson in sehr großen Wohnungen oder gar Einfamilienhäusern leben, sich den Umzug aber auch nicht unbedingt leisten können, weil woanders die Mieten wiederum zu hoch sind. Verbunden mit dieser Problematik der Verteilung von Wohnraum, dass wir den vorhandenen Wohnraum besonders gut nutzen, ist eine ökologische, aber auch eine soziale Frage. Daher haben wir zum Beispiel das Programm „Jung kauft Alt“.

Daran sehen Sie, dass wir als Koalition die Problematik auf ganz vielen verschiedenen Ebenen seriös behandeln.

Vielen Dank. Ich freue mich auf die Beratungen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
Porträt von Marcus Bühl
Foto: Marcus Bühl/ Andreas Drößler
6 Vermerkeca. 330 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Anzahl der Baugenehmigungen ist im Vergleich zum Vorjahr nochmals dramatisch gesunken. Die Regierungen Merkel und Scholz haben Deutschland mit ihrer Geisterfahrerenergiepolitik in die Kostenexplosion getrieben. Die dadurch entstandenen Preise und grüne Auflagen oder Verbote ziehen verbliebenen Hausbauwilligen das Geld aus der Tasche. Horrende Energiepreise, steigende Mieten samt Nebenkosten und akuter Wohnungsmangel durch massenhafte Einwanderung in die Sozialsysteme mit entsprechendem Wohnbedarf:

1,9 Millionen Wohnungen leer!

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist katastrophal.

Beifallbei der AfD

Komplizierte Bauvorschriften, unbezahlbare Anforderungen für das grüne Klimaetikett und hohe Steuern treiben ohnehin schon die Preise. Ein Mangel an Wohnungen bei gleichzeitig immer höherem Bedarf durch Migranten wird die Mieten noch weiter steigen lassen – zulasten aller Mieter in unserem Land. All das ist hausgemacht von Ihnen, von Ihrer Regierung. Es ist eine Bilanz des Versagens.

Beifallbei der AfD

Schauen wir uns Ihren Haushaltsentwurf genauer an. Sie erwarten dieses Jahr Ausgabereste bei Investitionen in Höhe von 2,9 Milliarden Euro. Das sind unglaubliche 75 Prozent Ihrer geplanten Investitionen, die nicht zum Einsatz kommen – und dies bereits zum wiederholten Mal nach 2023.

Seit Anfang des Jahres planen Sie ein neues Förderprogramm „Neubau im Niedrigpreissegment – Wohngebäude mit kleinen bis mittleren Einheiten“. Wie sollte es auch anders sein, natürlich gehört bei Ihnen vor das Förderprogramm noch der erhobene moralische Zeigefinger: Der Neubau muss natürlich „klimafreundlich“ sein. Schon jetzt ist klar: Billig wird dieser Neubau keinesfalls. Und die neue Bürokratie, die Sie dafür entwerfen, wird dafür sorgen, dass dieses Förderprogramm nicht zum Laufen kommt.

Trotz aller Haushaltsnotlagen gut voran kommt jedoch ein anderes Wohnungsprojekt von Links-Grün und Ihren Vorgängern von der Merkel-Regierung: Der Bundeskanzler bekommt eine neue, 250 Quadratmeter große Dienstwohnung in Berlin-Mitte innerhalb eines Neubaus neben dem Kanzleramt. Kostenpunkt für den Steuerzahler: inzwischen fast 1 Milliarde Euro.

Zurufvon der SPD: Nur die Wohnung?

Jedoch ist der Bundeskanzler nicht allein. Auch das Schloss Bellevue des Bundespräsidenten soll für 500 Millionen Euro saniert werden. Und die Bundesinnenministerin bekommt einen teuren Anbau dazu. Das alles sind Sinnbilder Ihrer Politik, und für diese Politik gehören Sie abgewählt.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Uwe Schmidt [SPD]
Porträt von Michael Breilmann
Foto: Tobias Koch
11 Vermerkeca. 755 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Nach drei Jahren Amtszeit und etlichen Haushaltsberatungen ist ein bisschen deutlich geworden:

Zurufder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Mehr Geld und ein Bauministerium alleine reichen nun mal nicht; das zeigen die aktuellen Baugenehmigungszahlen. Deswegen sage ich auch ganz klar: Es reicht nicht, nur mehr Geld aufzuwenden, sondern man muss auch die Prioritäten richtig setzen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich finde es gut, dass mittlerweile die Erkenntnis gereift ist, dass wir uns in einer schwierigen Baukrise befinden. Die Talfahrt ist noch nicht zu Ende. Wenn man sich mal die Mitteilungen des Statistischen Bundesamtes anschaut, dann stellt man fest, dass im Juni 2024 in Deutschland der Bau von nur rund 17 600 Wohnungen genehmigt wurde. Das sind rund 19 Prozent weniger als im Juni 2023, und im Vergleich zum Juni 2022 sank die Zahl der Baugenehmigungen sogar um rund 42 Prozent. Das sind aktuell klare Zahlen, die zeigen, dass Ihre Baupolitik nach drei Jahren überhaupt nicht gewirkt hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Zur Wahrheit gehört nun mal auch dazu: Um diese Baukrise zu überwinden, ist ein Grundsatz ganz, ganz wichtig: Am Anfang muss Vertrauen stehen. Vertrauen und Planungssicherheit sind das A und O für Investitionen, sowohl im Baugewerbe als auch im privaten Bereich. Wir haben das in den letzten Haushaltsdebatten und -reden grundsätzlich immer wieder gesagt, und das ist jetzt zumindest bei der FDP auch angekommen: Die Bundesregierung muss weg von ihrer Funktion als Kostentreiber. Sie muss hin zum Impulsgeber, und sie muss gute Anreize setzen. Da braucht es einen Dreiklang: Wir brauchen zunächst mal eine gezielte Förderung. Das haben wir schon seit zwei, drei Jahren gefordert. Wir brauchen steuerliche Maßnahmen, auch Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer. Es hieß gerade, wir hätten keine Vorschläge eingebracht. Auch das ist ein Vorschlag. Und wir müssen natürlich die Senkung von Bau- und Baunebenkosten in den Blick nehmen.

Zurufder Abg. Anja Liebert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich will jetzt ein Beispiel dafür geben, wie grüne, gelbe und rote Politik eben nicht wirkt. In den Haushaltsreden wurde oft das Programm „Jung kauft Alt“ angesprochen. Die Idee ist gut und richtig. Wenn Sie die Protokolle nachlesen, dann werden Sie feststellen, dass wir in den letzten Haushaltsberatungen dieses Programm immer gefordert haben. Wir haben es auch beantragt, und es ist teilweise von Ihnen abgelehnt worden. Sie haben es im Grunde genommen drei Jahre verschlafen, und jetzt kommt es viel zu spät. Diese Förderung ist aber wichtig.

Schön, dass Sie das auch so sehen!

Wir wissen, dass sich Eigentumsbildung zu 80 Prozent im Bestand vollzieht; in Großstädten und Ballungsgebieten ist dieser Wert noch größer.

Sie haben in den letzten zwei Jahren das, was wir dazu beantragt haben, abgelehnt, und jetzt kommen Sie mit einem Projekt, mit einem Konzept um die Ecke und machen den gleichen Fehler, den Sie im letzten Jahr beim Projekt „Wohneigentum für Familien“ auch gemacht haben. Sie statten das Ganze völlig unzureichend aus. Es wird von den Bürgern nicht angenommen, und Sie werden am Ende nachbessern müssen. Das prophezeie ich Ihnen ganz eindeutig.

Beifallbei der CDU/CSU

Denn – da sind wir wieder bei den Prioritäten und beim Detail – wer hier die staatliche Förderung in Anspruch nehmen will, der ist verpflichtet, eine Bestandsimmobilie auf den energetischen Standard von EH 70 EE zu bringen. Sie schaffen damit wieder ein Programm – und stellen dafür auch Haushaltsmittel bereit, und zwar sehr viel Geld –, das aber für viele Familien, die Sie ja als Zielgruppe erreichen wollen, nicht infrage kommt.

Lachender Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Ja, Sie lachen, aber es wird so sein. – Wie wollen Sie denn ein Gebäude mit der Energieeffizienzklasse F, G und H innerhalb von viereinhalb Jahren auf diesen Standard bringen?

Zurufdes Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das wird entweder am Geld scheitern oder an der Zeit. Sie schrammen wirklich wieder an der Lebenswirklichkeit vorbei!

Beifallbei der CDU/CSU

Und der Kollege der FDP nickt sogar noch zustimmend. Das muss man sich mal vorstellen bei der jetzigen Situation!

Beifallbei der CDU/CSU

Damit sind wir auch bei den Baukosten. Es hieß gerade, wir hätten keine Vorschläge gemacht. Wir haben in der letzten Haushaltsdebatte deutlich gemacht, dass die Bundesregierung endlich einmal die Baukosten in den Blick nehmen muss, dass sie sich die bürokratischen Anforderungen, die sie selber schafft, anschaut und auch mal evaluiert und einen Bericht dazu abgibt. Das wäre eigentlich für die FDP zustimmungsfähig gewesen. Auch das haben Sie abgelehnt.

Deswegen sage ich – und das gehört zu der Haushaltsdebatte heute dazu –: Wenn Sie Haushaltspolitik und Wohnungsbauziele in Einklang bringen wollen, dann müssen Sie die Förderbedingungen so ausgestalten, dass keine erhöhten Anforderungen gestellt werden, sondern dass die Anforderungen eingehalten werden können und dass Sie über die Definition von Höchststandards die Baukosten begrenzen. Prioritäten, Baukostensenkung und gezielte Förderung – das sind die Maßnahmen, die es geben muss, und da sind Sie im Moment leider auf der völlig falschen Spur.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Uwe Schmidt
Foto: Uwe Schmidt/ Photothek Media Lab
3 Vermerkeca. 1.010 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Bundesministerin Geywitz! Moin, Kolleginnen und Kollegen! Herr Breilmann, „Eigentum verpflichtet“, heißt es in Artikel 14 unseres Grundgesetzes, das in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert – für mich einer der wichtigsten Artikel, gerade mit Blick auf die Immobilienwirtschaft. Der Artikel schützt nicht nur das Eigentum, sondern er definiert klar eine gesellschaftliche Verpflichtung, die damit einhergeht. Eigentümer von Immobilien sollten unter anderem dafür sorgen, dass ihre Wohnungen und Häuser nicht unnötig leer stehen und ihre Gebäude in einem sicheren und bewohnbaren Zustand bleiben.

Damit in diesem Land wieder mehr Wohnraum gebaut, umgebaut und saniert werden kann, ist der Bund in der Verpflichtung, entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen, damit wir gemeinsam mit der Branche unserer Verpflichtung für das Allgemeinwohl gerecht werden können. Unsere Antwort heißt Verantwortung. Der vorliegende Etat übernimmt Verantwortung für bezahlbares Wohnen und setzt mit innovativen Förderprogrammen wichtige Akzente für die Zukunft.

Ministerin Geywitz hat einen sehr guten Entwurf vorgelegt. Dafür schon mal Danke! Damit kann das Parlament arbeiten. Das zeigt: Diese Regierung nimmt das Wohnen – bezahlbar und klimafreundlich – in den Blick. 5,8 Milliarden Euro allein für das Kapitel „Bau- und Wohnungswesen“ sprechen eine deutliche Sprache. Mein Kollege Markus Kurth hat das eben schon gesagt.

Wir machen das nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil wir wollen, dass Wohnen in Deutschland wieder bezahlbarer wird, damit sich Azubis und Studenten eine Wohnung leisten können, damit Seniorinnen und Senioren im Alter gut leben können und damit auch die junge Familie zukünftig ein bezahlbares Dach über dem Kopf hat. Das ist unser Ansinnen, darum geht es uns, darum geht es aber auch dieser Bundesregierung.

Wir brauchen lebendige Quartiere, in denen die bezahlbare Mietwohnung genauso möglich ist wie der Kauf von Wohneigentum. Wohneigentum ist auch heute noch der beste Weg der Altersvorsorge – Sie haben es eben angesprochen –; das bleibt auch so. Das Programm „Wohneigentumsförderung für Familien“ unterstützt beim Erwerb genauso wie das in der vergangenen Woche gestartete Programm „Jung kauft Alt“; Sie haben es eben schon genannt. Ich sage Ihnen: Das wird die entsprechende Wirkung entfalten. Das ist nämlich sozialdemokratische Wohnungsbaupolitik. Wir werden sehen, dass diese Programme sehr gut laufen werden.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Anja Liebert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die von Olaf Scholz geführte Bundesregierung kurbelt mit Investitionen in Milliardenhöhe den sozialen Wohnungsbau an. Für das Förderprogramm werden 2025 rund 3,5 Milliarden Euro bereitstehen. Bis 2028 stellt der Bund so die Rekordsumme – die Ministerin hat es gesagt – von 21,65 Milliarden Euro zur Verfügung.

Der soziale Wohnungsbau bietet auch der Baubranche eine langfristige und damit sichere Investitionsmöglichkeit. Im Juli habe ich mit der Ministerin das Tabakquartier in Bremen-Woltmershausen besucht. Hier war einst die größte Zigarettenfabrik Europas mit mehr als 6 000 Beschäftigten beheimatet. Heute realisiert hier das familiengeführte Immobilienunternehmen Justus Grosse eines der spannendsten Quartiere der Hansestadt. Statt Zigaretten gibt es nun moderne Gewerbeflächen, kulturelle Angebote, Gastronomie und vor allem Wohnraum, sowohl im öffentlich geförderten als auch im frei finanzierten Bereich.

Sie sehen, es geht: Quartiere mit einer guten Durchmischung, mit Angeboten von Miete bis Eigentum, im Bestand saniert und mit klimafreundlichem Neubau ergänzt. Das ist der Wohnungsbau der Zukunft mit Unterstützung durch die Förderkulissen des Bundes. Wir investieren, wir fördern, wir widmen um, wir bauen neu, und wir unterstützen die, die auf unseren Staat angewiesen sind, zum Beispiel bei der Mietzahlung, weil das Einkommen zu gering ist. Denn auch das, Kolleginnen und Kollegen, gehört zur sozialdemokratischen Wohnungspolitik dazu. Das ist Verantwortung. Wir haben das Wohngeld seit 2022 Schritt für Schritt mehr als verdoppelt und den Berechtigtenkreis massiv ausgeweitet.

Eigentum verpflichtet uns auch dazu, das Klima zu schützen. Die Baubranche muss ihren Beitrag zur Klimaneutralität leisten und muss sich dabei auf entsprechende Förderkulissen des Bundes verlassen können, und das kann sie jetzt. Hier haben wir reagiert und das Förderprogramm „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“ – so heißt es übrigens, Herr Breilmann – aufgelegt. Die Förderung erfolgt mittels zinsverbilligter Kredite, setzt also genau da an, wo aktuell die größte Hürde liegt, nämlich bei den gestiegenen Baufinanzierungskosten.

An Eigentümer von Gewerbegebäuden richtet sich das Programm „Gewerbe zu Wohnen“. Mit der Umwidmung von Bestandsgebäuden lassen sich bis zu zwei Drittel CO2 im Vergleich zum Neubau einsparen. Auch das ist richtig.

Ein Aspekt ist mir noch wichtig: Lebenswerte Quartiere, funktionierende Nachbarschaften, Integration – all das ist möglich, wenn sozialer Wohnungsbau und Städtebauförderung anständig miteinander verknüpft werden. Die Lüssumer Heide in Bremen war ein sogenanntes Ankommensquartier. Vor allem Geflüchtete kamen seit 2015 in die Wohnungen in der Lüssumer Heide. Die Mieten waren niedrig, der Wohnstandard allerdings auch. Und mit der pünktlich überwiesenen Miete vom Amt war der damalige Eigentümer vollkommen zufrieden. Dem Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ sah er sich aber leider überhaupt nicht verpflichtet. Es gab keinen Anspruch auf Renovierung oder gar Sanierung. Im Gegenteil: Als die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba vor vier Jahren die Gebäude kaufte, war ein Viertel der Wohnungen in einem so desolaten Zustand, dass sie schon lange nicht bewohnbar waren. Jetzt sind sie es; in diesem Jahr wurden die Sanierungsarbeiten abgeschlossen.

Das gesamte Quartier ist seit den 1990er-Jahren Stadtentwicklungsgebiet. Das „Haus der Zukunft“, das Quartiersmanagement, der „Wasch-Treff“ oder die Sozialberatung tragen in Lüssum tagtäglich zur Erstintegration bei, und das mit Erfolg. Die Kriminalitätsrate ist seit Jahren rückläufig, Nachbarschaftskonflikte eher selten. Deshalb ist die Städtebauförderung des Bundes an die Länder weiterhin eine wichtige Säule für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und wird von uns weiterhin mit den entsprechenden Mitteln ausgestattet.

Der Werkzeugkasten dieses mittlerweile eigenständig geführten Ministeriums zeigt, dass klimafreundlicher Neubau genauso wichtig ist wie klimafreundliche Sanierung im Bestand und – das habe ich eben schon gesagt – Umwidmung von Gewerbe zur Wohnnutzung. Er zeigt, dass die Förderung von sozialem Wohnungsbau, Mietwohnungen und Genossenschaftswohnen genauso wie Eigentumserwerb durchaus gelingen kann. Die Förderinstrumente werden in den nächsten Jahren ihre Wirkung entfalten; Sie werden es miterleben. Der Haushaltsentwurf spricht aus meiner Sicht eine deutliche Sprache. Unsere Antwort gerade in schwierigen Zeiten lautet wie auch in anderen Bereichen: Verantwortung tragen!

Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich auf die parlamentarische Beratung des Haushaltentwurfs. Ich freue mich vor allen Dingen auf Ihre Änderungs- und Ergänzungsvorschläge. Rumquaken können Sie ja ganz gut, aber beim Aufzeigen von Lösungen haben wir die letzten Jahre leider auf Sie warten müssen. Nicht schnacken, machen!

Schönen Tag!

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Zurufvon der AfD
Porträt von Carolin Bachmann
Foto: Carolin Bachmann /Schnauss
12 Vermerkeca. 517 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! In Deutschland fehlen 800 000 Wohnungen. Die Wohnungsnot belastet die Einheimischen immer mehr. Gleichzeitig ziehen illegale Migranten in Luxushotels.

Sehr geehrte Frau Ministerin, ist das Bauministerium nicht gegründet worden, um die Wohnungsnot, den Wohnungsmangel zu beheben? Ich darf Sie erinnern: Gemäß Ihrem Koalitionsvertrag ist Wohnen ein Grundbedürfnis. Lautstark und mantraartig haben Sie Ihre Ankündigung wiederholt, 400 000 Wohnungen jedes Jahr bauen zu wollen. Im aktuellen Haushaltsplan heißt es immer noch: Der Wohnungsbau ist zentral. – Doch es ist leise geworden um Ihre totale Zielverfehlung, die mit jedem Jahr dramatischer wird. Frau Ministerin, diese Wohnungsnot geht auch auf Ihr Konto.

Beifallbei der AfD

Mit Ihrer andauernden Fehlleistung haben Sie die Legitimation Ihres Amtes und Ihres Ministeriums vollständig verspielt.

Besonders dramatisch ist die Wohnungsnot in den Großstädten. Dort leben über 16 Prozent der Menschen in überbelegten Wohnungen. Dort empfinden über 90 Prozent der Berufstätigen es als reine Glückssache, ob sie eine bezahlbare Wohnung finden oder nicht. Und warum ist das so? Weil eine andauernde und massenhafte Armutszuwanderung vor allem in die preisgünstigen Wohnungen der Ballungsräume stattfindet.

Wie damals in der DDR bilden sich heute in ganz Deutschland lange Warteschlangen von Menschen. Steuerzahlende Einheimische stehen vor Wohnungen, in die sie nur mit viel Glück einziehen werden, während in der Nachbarschaft moderne Neubauten hochgezogen werden, in die Flüchtlinge einziehen,

Das sind doch keine Luxuswohnungen!

wie vor Kurzem wieder in Berlin-Pankow geschehen. Die Großstädter, welche die Überfüllung, die Verschmutzung und die Überfremdung ihrer Wohngebiete nicht mehr aushalten, sollen sich, wenn es nach der Bauministerin geht, nicht so anstellen. Die Großstädter könnten ja einfach auf das Land oder woanders hinziehen. Dazu haben Sie die Deutschen bereits mehrfach aufgefordert.

Zurufeder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Frau Geywitz, wer keine Wohnungen baut, aber immer mehr Menschen ins Land lässt, der erhöht die Wohnungsnot für alle, die schon da sind.

Beifallbei der AfD

Und wenn Sie in einer solchen Situation die Einheimischen auch noch auffordern, ihre städtische Heimat aufzugeben, dann beteiligen Sie sich an der Vertreibung der Deutschen im eigenen Land.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Frau Geywitz, Sie sind für den größten Austausch der städtischen und mittlerweile auch der ländlichen Wohnbevölkerung in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich.

Beifallbei der AfD

Dieser inländerfeindliche Kurs bestimmt auch die Ausgaben dieses Ministeriums und dieses Haushalts.

Fürs Vertreiben sind Sie doch Spezialisten!

Mit dem größten Teil Ihres Haushalts, nämlich den 2 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau und den 2,4 Milliarden Euro für das Wohngeld, finanzieren Sie vor allem die Unterbringung und die Ansiedlung der Armutszuwanderer. Auch neue und kleine Maßnahmen wie „Housing First“ gegen Wohnungslosigkeit gehen weitestgehend an den Einheimischen vorbei, weil mittlerweile 86 Prozent der Wohnungslosen Ausländer sind. Daher lehnen wir Ihren Haushaltsentwurf ab. Wohnungen werden mit den 7,4 Milliarden Euro ohnehin kaum gebaut. Auch gibt es keinerlei Anstrengungen, die Städte und Gemeinden endlich von Ihrer desaströsen Ampel- und Bundespolitik zu entlasten.

Ich schlage daher vor, das Bauministerium wieder abzuschaffen und es in ein Remigrationsministerium umzuwandeln.

Beifallbei der AfD
Widerspruchbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die frei werdenden Kapazitäten können dann in die Massenremigration, in die Entlastung der Kommunen und in die Säuberung unserer Städte investiert werden.

Zurufder Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Diese Maßnahmen senken die Wohnkosten, heben die Lebensqualität und schaffen so die besten Voraussetzungen für ein bezahlbares und gutes Wohnen in Deutschland.

Beifallbei der AfD

Widerlich! Widerlich!

Waren das genügend Vorschläge von uns?

Beifallbei der AfD
11 Vermerkeca. 486 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was soll ich sagen? Der Herbst ist da, und die Bundesregierung lässt die Kommunen im Regen stehen.

Ja, ich bin da!

– Und der Kollege sitzt auch vor mir. Sehr schön. – Frau Ministerin, ich kann es Ihnen leider nicht ersparen: Es sind nicht nur die Kommunalpolitiker der Union, sondern es ist auch der Deutsche Städtetag, es ist der Landkreistag, und es ist der Deutsche Städte- und Gemeindebund, die sich wie folgt zitieren lassen: Wir sind Ausfallbürge für Bund und Länder. Investitionen können unter den aktuellen Vorzeichen praktisch nicht mehr beschlossen werden. An vielen Stellen kann eben nur noch Mangel verwaltet werden. – Das ist erschreckend.

Schuldenbremse abschaffen!

Den Kommunen fehlt offenkundig der verlässliche Partner Bundesregierung.

Beifallbei der CDU/CSU

Das betrifft nicht nur den Umgang mit flüchtlingsbedingter Migration und Integration, wo die Bundesregierung in allen Einzelplänen mit dem Rotstift die Situation vor Ort zusätzlich verschärft. Nein, es betrifft auch ganz explizit die Herangehensweise an städtebauliche Herausforderungen. Ich sage nur „Klimawandel“ und „Städtebauförderung“. Ich bitte Sie, liebe Frau Ministerin: Vernachlässigen Sie nicht die Mittel zur Anpassung an den Klimawandel und für Investitionen zum klimagerechten Hochwasserschutz sowie zur Wasserversorgung. Denn wer sich allein die zurückliegenden Wetterereignisse wie bei mir an der Ostsee anschaut, kann den dringenden Handlungsbedarf in den Kommunen einfach nicht bestreiten. Hier zu kürzen, heißt nichts anderes, als die Kommunen und die betroffene Bevölkerung alleinzulassen.

Beifallbei der CDU/CSU

Der geplante Mittelaufwuchs bei Zuschüssen für innovative Modellvorhaben zur nachhaltigen und klimafreundlichen Stadtentwicklung ist in Anbetracht der allgemeinen Kürzung der Städtebauförderung nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und im Übrigen erweist die Mittelkürzung der Erlangung gleichwertiger Lebensverhältnisse damit einen wirklichen Bärendienst; denn schließlich trifft sie bei der Städtebauförderung in erster Linie die dünn besiedelten und strukturschwächeren ländlichen Räume.

Es gibt doch gar keine Mittelkürzungen!

Meine Damen und Herren, mit dem Entwurf zum Bundeshaushalt 2025 setzt die Bundesregierung eine Strukturpolitik fort, die bereits in den zurückliegenden Ampelhaushaltsjahren erkennbar gewesen ist: In weiten Teilen des Bundeshaushalts sinken die kommunalrelevanten Haushaltspositionen, und das ist schlecht.

Beifallbei der CDU/CSU

Jene, die unter anderem für gleichwertige Lebensverhältnisse bedeutsam sind, werden zur Konsolidierung des Bundeshaushaltes herangezogen. Aber die Aufgaben und Kosten bleiben. Ich war gestern auf der Jahrestagung des Landkreistages

Da haben Sie Ihre Informationen her!

und bekam den Hinweis des Geschäftsführers, der mir sagte: 281 von 294 Landkreisen haben keinen ausgeglichenen Haushalt mehr. Erschreckend! Im Entwurf ist festzustellen, dass die Bundesregierung offensichtlich das Gegenteil dessen umsetzt, was sie eigentlich vorgibt anzustreben. Statt Potenziale auf dem Land zu nutzen, setzt sie auf städtische Ballungszentren. Dabei ist der Ansatz der Bundesregierung eine Milchmädchenrechnung. Denn die Einsparung bei Infrastruktur und klimatischen Herausforderungen werden langfristig zu höheren Ausgaben führen. Es fällt uns einfach schlichtweg auf die Füße.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Bild verfestigt sich natürlich immer weiter. Die Ampel wird sich nicht weiter so stark kommunalrelevant engagieren, wie es in den früheren Jahren unionsgeführter Bundesregierungen üblich war.

Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warum haben wir so einen Investitionsstau? Weil Sie sich so gekümmert haben? Da lachen doch die Hühner!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, keine Kommune wird bei Ihrer Haushaltsführung verstehen, weshalb Sie kaum eine Gelegenheit hier im Plenum auslassen, um immer über die berühmten 16 Jahre zu jammern.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU
12 Vermerkeca. 527 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich habe gerade lernen müssen – –

Er hat eine gesunde braune Gesichtsfarbe bekommen!

– Kalauer, Herr Luczak! „Braune Gesichtsfarbe“ gebe ich gerne zurück. Steht uns beiden gut, glaube ich.

Ich habe gerade lernen müssen, dass der Begriff „Remigration“ gar nicht so geliebt wird, wie ich dachte, dass die Grünen meinen, das sei nicht gut, weil wir ja alle Menschen seien. Das sind wir auch; aber wir müssen halt nicht alle Menschen in Deutschland wohnen haben,

Für Sie gibt es immer Menschen erster und zweiter Klasse! Das wissen wir ja!

und wir müssen es auch nicht für alle Menschen bezahlen.

Habe ich doch recht gehabt mit der Gesichtsfarbe!

Die FDP fand die Remigration nicht so toll. Ich weiß nicht, wieso. Sie haben nur gesagt: Man muss das Angebot erhöhen. – Ja, das könnte man ja tun. Aber auch da ist das Problem: Wer bezahlt denn das Angebot? Die Einheimischen zahlen die Mieten für die Wohnungen, die sie nachher selber niemals bewohnen können. Es ist Ihre Massenmigration, die dazu führt, dass Remigration erst erforderlich wird, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Es sind die Leute, die Sie vertreiben wollen, die die Wohnungen bauen!

Derzeit heißt es: Der Talahon sitzt im Luxusneubau, und der Einheimische bezahlt es – und Sie freuen sich darüber – und findet selbst keine Wohnung. Das ist Ihre Politik, und zwar von FDP, Grünen, SPD. Die CDU hat lange zugeschaut, und jetzt, bei 30-Prozent-AfD-Wahlergebnissen, wollen Sie Zurückweisungen. Ich bin relativ zuversichtlich, dass Sie bei einem 40-Prozent-AfD-Wahlergebnis – in Brandenburg zum Beispiel –

Zur Sache! Zur Sache sprechen! Frau Präsidentin!

Zurufder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

demnächst nach Remigration rufen. Genau dann kommen Sie nämlich aus den Löchern: wenn es um Ihre Pfründe geht.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, wir haben einen nationalen Notstand auf weiten Teilen des Wohnungsmarktes – durch Masseneinwanderung.

Zum Haushalt!

Man kann es nicht oft genug sagen. Wunderbar! Das ist Ihre Politik.

Haben Sie den Haushalt gelesen?

Können Sie „Haushalt“ mal ordentlich gendern da drüben?

Aber wieso werden denn die Mieten immer teurer, und was tut die Regierung? Was sind das denn für Zahlen, die dahinterstehen? Im bundesweiten Durchschnitt lagen die Wohnungsmieten im zweiten Quartal dieses Jahres um 5,5 Prozent über dem Wert des Vorjahres, in den Städten und auf dem Land. Am stärksten sind die Mieten in großen Städten gestiegen: um 8 Prozent, in Berlin um 13 Prozent.

Dazu ein paar weitere Zahlen – vielen Dank bei der Gelegenheit an das Medienhaus „NIUS“ –: 89 Prozent der Deutschen sagen: In den Großstädten ist es reine Glückssache, eine bezahlbare Wohnung zu finden. – 79 Prozent der Deutschen sagen: In den Städten können sich eigentlich nur noch Topverdiener eine Wohnung leisten. – 74 Prozent der Deutschen sagen: Es ist überall schwer, eine passende und bezahlbare Wohnung zu finden. – 57 Prozent der Deutschen sagen: Die Politik hat auf das Problem der Wohnungsnot zu spät reagiert. – 88 Prozent sagen, dass die Mieten weiter steigen werden.

Meine Damen und Herren, dieser Haushalt ändert daran gar nichts. Nur eines würde was ändern – und wir hatten es schon; Sie ahnen es –: Remigration. Damit meine ich nicht, 28 Afghanen mit 1 000 Euro Handgeld abzuschieben; damit meine ich, 1 Million Syrer und die Hunderttausenden Afghanen abzuschieben und zu sagen: Gute Reise, Habibi!

Ist das ekelhaft!

Denn die allermeisten Leute müssen gehen, haben kein Recht, hier zu sein.

Das ist widerlich!

Genauso bei den Ukrainern: Das sind alles Leute, die kein Recht haben, hier zu sein.

Dann hätten wir sehr bald schon über 2 Millionen nicht mehr länger hier Wohnende. Das ist Wohnungspolitik für Einheimische.

Vielen Dank. Das war für Sie, Frau Schröder, und für Sie, Herr Föst.

Beifallbei der AfD

Das ist einfach nur kreuzdummes Zeug! Widerliches dummes Zeug!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
4 Vermerkeca. 528 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben von einigen Vorrednern aus den demokratischen Fraktionen gehört: Es ist viel Förderung und viel Geld im Haushalt der Bundesministerin für Bauwesen eingestellt, insbesondere für den Neubau. Unser grüner Fokus ist allerdings: Wir möchten, dass auch der Umbauturbo endlich eingeschaltet wird, und finden auch dafür viele Impulse im Haushaltsentwurf. Es geht um das Bauen im Bestand, um die Nachverdichtung, und das wird jetzt endlich Fahrt aufnehmen.

Von einigen schon angesprochen: das Programm „Jung kauft Alt“. Es geht um die Eigentumsförderung. Es geht darum, den Leerstand zu beseitigen, die vorhandene Wohnfläche effektiver zu nutzen und den Traum vom Eigenheim kostengünstig zu ermöglichen. Es geht uns darum, das Soziale und das Ökologische zusammenzudenken, indem wir preiswerte Kredite und das Geld für die Sanierung und die Modernisierung der Gebäude zur Verfügung stellen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Torsten Herbst [FDP]

Ich möchte mich an der Stelle kurz bei all den Menschen bedanken, die in der Bauwirtschaft arbeiten. Es sind viele Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern, die gerade auf den Baustellen aktiv sind. Ein herzliches Dankeschön für Ihren Einsatz! Seien Sie herzlich willkommen mit Ihren Qualifikationen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP

Was für Qualifikationen?

Zu den 4,5 Milliarden Euro Investitionen aus dem Bauministerium kommen auch noch knapp 16 Milliarden Euro für Förderprogramme im Gebäudebereich aus dem Klima- und Transformationsfonds dazu. Und das ist auch nötig, weil nach wie vor knapp 40 Prozent der CO2-Emissionen aus dem Bau- und Gebäudebestand kommen, und auch da haben wir eine große Verantwortung. Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude gelingt es, den Sanierungsstau im Gebäudebestand aufzulösen, sozial flankiert, und wir unterstützen die Menschen nicht nur bei der Modernisierung, sondern auch auf dem Weg zu klimaneutralen Gebäuden.

Es gibt eine weitere Stufe bei unserem Umbauturbo, nämlich die große Baugesetzbuchnovelle, die vergangene Woche im Kabinett beschlossen wurde. Die Förderung, mit Vereinfachung und Entbürokratisierung verbunden, wird ein weiterer Umbauturbo werden; denn das Baurecht wird endlich zum Umbaurecht, etwa indem wir die Büro- und Gewerbeumnutzung vereinfachen. Und ich hoffe, dass das Programm „Gewerbe zu Wohnen“ bald startet.

Unsere Kommunen profitieren von der Förderung, bei der ökologische, ökonomische und soziale Gewinne zusammengedacht werden, insbesondere bei der Städtebauförderung. Die Mittel sind – da habe ich anders in den Haushalt geguckt als Sie – weiterhin auf einem hohen Investitionsniveau von 790 Millionen Euro, und das mobilisiert immer ein Vielfaches an privaten Investitionen. Es geht bei der Stadtentwicklung auch um das soziale Miteinander, um die Vielfalt und das Zusammenleben, mit lebendiger Bürger/-innenbeteiligung, mit der Mitarbeit von Initiativen vor Ort. Nur so gelingen die Programme und sind erfolgreich.

Umbauturbo heißt auch digitaler Umbau. Die Digitalisierung unterstützt bei der Risikovorsorge und der Klimaanpassung, zum Beispiel mit der Visualisierung von Städten und Regionen, um zu schauen: Wo wird sich vielleicht mal ein Starkregen auswirken? Wie reagieren wir auf die Hitze? Deswegen haben wir auch einen Smart-City-Stufenplan verabschiedet, in dem all das untergebracht ist und von dem auch die Kommunen, die nicht in den Modellregionen sind, profitieren.

Es geht darum – dafür stehen wir als Ampel und vor allem wir Grüne in der Ampel –: Das Ökologische und das Soziale gehören zusammen. Wir brauchen eine starke und sichere Bauwirtschaft. Nur so erreichen wir die Ziele des Klima- und Ressourcenschutzes und damit die Umbauwende.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP
5 Vermerkeca. 292 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir reden ja über den Haushalt des Ministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, und ich will sehr bewusst auf die Stadtentwicklung eingehen; denn unsere Kommunen leiden unter der momentanen Situation.

Viele Krisen beschäftigen die Kommunen insgesamt, kosten Geld – seien es die Flüchtlingskrise, Energiefragen, aber auch die Coronaauswirkungen und Ähnliches. Die Frage ist: Wie versuchen wir, die Kommunen hier zu unterstützen? Was geben wir den Kommunen mit an die Hand? Wir wollen in dieser Haushaltsdiskussion insgesamt diskutieren, ob es noch mehr Möglichkeiten für die Städtebauförderung und andere Möglichkeiten gibt, um den Kommunen in dieser schwierigen Situation Entlastung zu geben.

Beifallder Abg. Petra Nicolaisen [CDU/CSU]

Wir haben heute unheimlich viel Positives gehört, und das ist auch gut so; denn in diesem Plan ist ganz viel Positives drin. Da wird sehr viel Geld in das Leben, in das Wohnen insgesamt investiert. Ich will trotzdem noch mal einen Punkt hervorheben: „Jung kauft Alt“, ein Superprogramm, ganz ohne Wenn und Aber. Wir reden ja immer über Geld: mehr Geld, weniger Geld. Manchmal geht es aber auch um etwas ohne Geld. Ich frage hier noch mal: Können wir den Zeitraum der Rückzahlung der Förderung nicht verlängern? Innerhalb von 4,5 Jahre sollen junge Familien – ich habe selber mal gebaut –, die in der Rushhour ihres Lebens sind, die Kinder haben, die ganz viele Verpflichtungen haben, den Kredit zurückzahlen. Die Verlängerung kostet nun wirklich kein Geld.

Nein! In viereinhalb Jahren den Umbau machen!

– Gut, in viereinhalb Jahren umbauen. – Aber ist das machbar bei den Gesamtkonditionen, die wir haben? Da sollten wir wirklich noch mal überlegen, ob wir da rangehen, ob wir versuchen, das zu verlängern.

Beifallbei Abgeordneten der FDP und des Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Das ist ein Vorschlag, über den wir noch mal nachdenken sollten. Ansonsten, glaube ich, bringen wir hier wirklich etwas Gutes auf den Weg.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Markus Uhl [CDU/CSU]
Beifallbei der Linken
Porträt von Jan-Marco Luczak
Foto: Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch
9 Vermerkeca. 908 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Ministerin, ich habe Ihnen gerade sehr aufmerksam zugehört. Man hatte ja so ein bisschen den Eindruck: Eigentlich läuft beim Thema Bauen in Deutschland alles wunderbar – wir investieren, Fördermittel werden verlässlich hochgefahren, und alle sind eigentlich zufrieden. Ehrlich gesagt wundere ich mich ein bisschen über diese Zustandsbeschreibung; denn ich weiß ja, dass Sie viel im Land unterwegs sind. Sie sprechen mit vielen Unternehmen. Und ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, dass die Unternehmen, mit denen Sie sprechen, Ihnen etwas anderes erzählen als mir. Ich komme tatsächlich zu einer ganz anderen Zustandsbeschreibung. Die Lage beim Wohnungsbau in unserem Land ist tatsächlich dramatisch.

Zurufder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie ist richtig dramatisch.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben sich in den letzten Wochen so ein bisschen darin gesonnt, dass die Fertigstellungszahlen, die wir 2023 verzeichnen konnten, gar nicht so schlecht sind; die liegen ja nur wenig unter denen, die es 2022 gab. Sie sind eigentlich relativ stabil. Ich kann Ihnen sagen: Diese Fertigstellungszahlen sagen überhaupt gar nichts aus; denn das, was letztes Jahr fertiggestellt worden ist, geht ja alles auf Projekte zurück, die vor drei, vier Jahren geplant und begonnen worden sind. Und hinterher haben sich die Rahmenbedingungen fundamental geändert.

Worauf Sie schauen müssen, sind die Baugenehmigungen. Und da kommen wir zu einem ganz anderen Bild: Im ersten Halbjahr 2024 sind sage und schreibe 107 000 Wohnungen genehmigt worden – 107 000 Wohnungen!

Zurufder Abg. Verena Hubertz [SPD]

186 000 waren es 2022. Das sind also über 40 Prozent weniger als vor zwei Jahren. Das ist ein dramatischer Einbruch. Ich kann Ihnen sagen: Die fehlenden Wohnungsbaugenehmigungen von heute sind die fehlenden Wohnungen von morgen. Sie müssen endlich mal die Realität erkennen, Frau Ministerin.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Franziska Mascheck [SPD]

Ihr Ziel war ja, 400 000 Wohnungen pro Jahr zu bauen. Sie haben diese Zahl ja ganz bewusst in den Koalitionsvertrag geschrieben, weil Sie richtigerweise gesagt haben: Es besteht dafür Bedarf. Wir brauchen diese 400 000 Wohnungen, wahrscheinlich sogar mehr. – Dieses Ziel werden Sie krachend verfehlen. Und ich kann Sie nur warnen: Es hat eine enorme gesellschaftliche Sprengkraft, wenn wir beim Thema „bezahlbarer Wohnungsbau“ nicht vorankommen, weil damit nämlich einhergeht, dass die Mieten steigen, dass Eigentumsbildung in unserem Land nicht mehr möglich ist. Das hat eine enorme gesellschaftliche Sprengkraft, und dafür sind Sie, Frau Ministerin, verantwortlich.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist ja Unsinn!

Im September letzten Jahres hat im Kanzleramt der Baugipfel stattgefunden, und es gab so ein zartes Pflänzchen der Hoffnung, dass nun endlich gehandelt wird. 14 Maßnahmen sind da beschlossen worden. Und ich kann Ihnen sagen, darunter waren auch einige, die wirklich gut waren; die hätten wir mitgetragen. Aber wenn man jetzt, fast ein Jahr später, mal schaut, was davon umgesetzt worden ist, was davon denn im Gesetzblatt steht, dann muss man ganz nüchtern feststellen: Nichts von Substanz ist bisher umgesetzt worden. Nichts haben Sie auf den Weg gebracht. Es gibt jetzt einzelne Entwürfe – § 246e BauGB oder den Gebäudetyp E –, aber es steht noch nichts im Gesetzblatt. Sie müssten mal schneller handeln, um Ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Beim § 246e BauGB gibt es dafür auch eine nachvollziehbare Erklärung: Sie haben ja einen Gesetzentwurf vorgelegt, Frau Ministerin, sogar relativ schnell. Nur die Kolleginnen und Kollegen der Ampel von SPD, FDP und Grünen haben sich dann wie die Kesselflicker darüber gestritten und konnten sich nicht darauf verständigen, diesen Gesetzentwurf, den Sie erarbeitet haben, ins parlamentarische Verfahren zu bringen. Wir haben das im Bauausschuss diskutiert. Da ist eine ganze Latte von Bedenken aufgeführt worden, wieso dieser Bauturbo, auf den so dringend gewartet wird, damit es jetzt endlich mal vorwärtsgeht, nicht gestartet werden kann. Herr Staatssekretär Bösinger hat gerade gestern noch in einer entwaffnenden Ehrlichkeit gesagt, naja, er wurde jetzt auf den letzten Metern noch ins Baugesetzbuch hineingenommen, damit er überhaupt mal ins parlamentarische Verfahren kommt.

Ich kann Ihnen sagen: Sie haben ganz offensichtlich bei Ihrer eigenen Fraktion keine Autorität. Der Bundeskanzler, der sich beim Baugipfel und davor im Wahlkampf als Kanzler für bezahlbares Wohnen inszeniert hat, hat auch keine Autorität. Ebendieser § 246e BauGB war ja Bestandteil dieser 14 Maßnahmen des Baugipfels, die im Kanzleramt beschlossen worden sind. Er kann sich aber nicht durchsetzen. Das ist ein Armutszeugnis, kann ich Ihnen sagen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Erwartungshaltung an die Novelle des Baugesetzbuches – Sie haben sie gerade erwähnt – war ja riesig: bei den Menschen, die auf bezahlbare Wohnungen warten, bei den Unternehmen, bei den Verbänden. Aber was ist am Ende rausgekommen? Das Ergebnis ist kein großer Wurf. Das sagen alle, mit denen man darüber spricht. Ich kann Ihnen nur sagen: Wir hätten beim Wohnungsbau, wie in anderen Bereichen auch, angesichts der Dramatik der Lage eine wirkliche Zeitenwende benötigt: für mehr, schnelleres und kostengünstigeres Bauen. Nichts davon findet sich in diesem Entwurf. Wenn wir sagen – und ich glaube, darüber haben wir wirklich einen Konsens –, dass bezahlbares Wohnen die soziale Frage unserer Zeit ist, dann wäre es doch richtig gewesen, in dieser Baugesetzbuchnovelle einen Vorrang für den Wohnungsbau festzuschreiben, in der Abwägung der Interessen miteinander. Nichts davon findet sich in diesem Entwurf.

Beifallbei der CDU/CSU

Natürlich stehen da auch ein paar richtige Punkte drin: Wohnraum schaffen durch Aufstocken und Nachverdichtung – alles gut. Aber der entscheidende Punkt ist, Kosten zu senken, damit Bauen günstiger wird, damit Wohnen nicht unbezahlbar wird. Sie machen das Gegenteil: Umweltschutzvorschriften sind in Umfang und Tiefe nicht reduziert; vielmehr gibt es nur eine Sollvorschrift, dass die nicht zu lang werden sollen. Und zusätzlich wird den Kommunen noch die Möglichkeit gegeben, neue Klimaschutzauflagen zu erteilen. Das ist genau das Gegenteil dessen, was wir brauchen. Wir brauchen eine Entlastung für die Unternehmen und keine zusätzlichen Belastungen.

Zurufder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Jan-Marco Luczak
Foto: Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch
ca. 43 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Deswegen sage ich: Die Novelle des Baugesetzbuches, die Sie jetzt vorgelegt haben, ist kein großer Wurf, und weil das so ist, muss im parlamentarischen Verfahren massiv nachgebessert werden. Wir brauchen nicht nur ein Belastungsmoratorium, sondern wir brauchen einen ganz klaren Vorrang für Wohnungsbau.

7 Vermerkeca. 424 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Man mag vieles an diesem Einzelplan im Bundeshaushalt kritisieren wollen, aber ich glaube, an einem Fakt kommt kein Kritiker vorbei: Noch nie hat eine Regierung insgesamt so viel Geld für Investitionen ausgegeben oder eingeplant wie die aktuelle Koalition, und das bei Einhaltung der Schuldenbremse. Darauf können wir stolz sein als Koalition.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Uwe Schmidt [SPD]

Die Investitionsmittel allein im Bereich des Bauministeriums machen rund 5 Prozent aller Bundesinvestitionen aus. Das ist ein Anstieg von 10 Prozent gegenüber dem letzten Haushalt. Das kann sich sehen lassen.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Uwe Schmidt [SPD]

Ich will gleichzeitig nicht verhehlen, dass uns das aktuelle Baugeschehen in Deutschland Kopfschmerzen bereitet. Denn was wir erleben, ist: Es wird zu aufwendig gebaut, es wird zu teuer gebaut, und es wird zu lange gebaut. Wir müssen an allen Stellschrauben drehen, wenn wir eine Verbesserung erreichen wollen. Viele der Probleme sind übrigens nicht neu; die sind nicht in den letzten ein, zwei oder drei Jahren entstanden, die existieren schon lange. Aber sie haben sich verschärft, insbesondere durch stark steigende Baukosten und durch die Zinsentwicklung. Wie Markus Kurth sagte, sitzen Bund, Länder und Kommunen in einem Boot. Wir können als Bund nicht erzwingen, dass mehr gebaut wird. Wir müssen das Bauen einfacher, schneller und preiswerter machen. Dafür haben wir die ersten Schritte gemacht.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Novelle zum Baugesetzbuch und die Veränderungen beim BGB wurden angesprochen. Ich sage nur: Stichwort „Gebäudetyp E“, Standardabweichungen, die preiswerteres Bauen möglich machen, Aufstockung beispielsweise von Supermärkten mit Wohnungen und auch die Planungsbeschleunigung, indem auf aufwendige Verfahren, auf Umweltprüfungen verzichtet wird. Ich finde, auch einige Länder haben gute Initiativen gestartet, das Land Niedersachsen beispielsweise, das seine Bauordnung entschlackt hat. Das macht den Umbau von Bestandsgebäuden deutlich einfacher. Auch das führt dazu, dass sich die Preise nicht weiter erhöhen, sondern dass preiswertes Bauen möglich wird.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Union, ich kann Ihnen eines nicht ersparen. Ich habe auch ein Negativbeispiel, nämlich mein eigenes Bundesland: Sachsen. Dort regiert ein CDU-Ministerpräsident.

Zurufvon der CDU/CSU: Sehr guter Mann!

Was hat der in dieser bzw. in der letzten Legislaturperiode gemacht? Er hat die Grunderwerbsteuer von 3,5 Prozent auf 5,5 Prozent erhöht.

Was? Ein CDU-Ministerpräsident?

Das führt dazu, dass Bauen und Wohneigentum teurer, aber nicht billiger wird. Es ist aber genau der falsche Weg, dass sich Menschen den Traum von der eigenen Wohnung nicht mehr erfüllen können, weil es zu teuer geworden ist.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Natürlich gibt es auch Kostentreiber, für die der Staat verantwortlich ist. Ich denke da an Standards. Ich denke auch an manche Zertifizierungsflut und manche überzogenen Dämmvorschriften. Das hilft oft nicht dem Klima, sondern das ist ein Geschäftsmodell, aber es macht das Bauen leider teurer.

ca. 3 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Aber immer gern.

Porträt von Jan-Marco Luczak
Foto: Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 171 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Kollege, dass Sie die Frage zulassen. – Sie haben zu Recht darauf hingewiesen, dass wir mehr Menschen den Traum von den eigenen vier Wänden ermöglichen sollten. Eigentumsbildung ermöglichen – das ist etwas, das wir als Union immer schon gefordert haben.

Wir reden unter anderem über das Baugesetzbuch, und dort gibt es eine Regelung, nämlich – –

Zurufvon der FDP: Nein, wir reden über den Haushalt!

– Wir reden über den Haushalt und über die Baupolitik und deswegen auch über das Baugesetzbuch. – Und da gibt es nun eine Regelung, die die Aufteilung von Wohnungen verhindert, die das mehr oder weniger verbietet. Dadurch wird verhindert, dass Eigentumswohnungen entstehen, die ja die Voraussetzung dafür sind, dass Menschen überhaupt in Eigentum kommen. Sie sind außerdem die Voraussetzung dafür, dass insbesondere Mieterinnen und Mieter eine Chance auf Eigentumsbildung bekommen, weil diese nämlich ein Vorkaufsrecht haben.

Daher frage ich mich schon, da Sie von der FDP – und Sie in Person – jetzt dieses Hohelied darauf singen, dass wir mehr Eigentumsbildung brauchen: Wieso verlängern Sie denn diese Regelung, und wieso haben Sie sie nicht auslaufen lassen? Das wäre richtig gewesen.

Beifallbei der CDU/CSU
7 Vermerkeca. 378 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Ich möchte Ihnen mit zwei konkreten Initiativen antworten. Die erste Initiative ist, dass wir die Umwandlung von Gewerbeimmobilien in Wohnraum vereinfachen. Auch das führt dazu, dass bald diese Leerstände in Wohnraum umgewandelt werden können.

Beifallbei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Dann noch ein Zweites: Wir als FDP – ich glaube, die Bundesregierung insgesamt – sind zum Beispiel dazu bereit, zu sagen, dass die Grunderwerbsteuer für erstgenutztes Wohneigentum bis zu einem gewissen Betrag entfällt. Ich habe bisher nicht gehört, dass die Bundesländer, die unionsgeführt sind, dies im Bundesrat unterstützen würden.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das wäre ein ganz konkreter Beitrag dazu, dass der Erwerb von Wohneigentum gerade für Familien einfacher wird.

Ihr regiert doch! Dann macht das doch!

Meine Damen und Herren, ich will noch einige Beispiele nennen – auch aus unionsgeführten Ländern –, die das Bauen zusätzlich teurer machen. Es gibt in einem Bundesland eine Spielplatzpflicht für Häuser mit drei Wohnungen. Das können übrigens alles Einraumwohnungen sein; da können sich dann die Senioren auf dem Spielplatz zum Spielen treffen. Klingt irgendwie lustig, macht aber das Bauen auch teurer. Es gibt eine bayerische Kommune, die vorschreibt, dass Hausnummern auf kobaltblauem, emailliertem Blech in weißer Farbe aufzubringen sind. Wer sich so was ausdenkt, macht das Bauen nicht einfacher, sondern aufwendiger und teurer.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Als ob deswegen jemand nicht bauen würde!

Nicht zuletzt möchte ich mich noch einmal an die linke Seite des Hauses wenden, wobei ich sehe: BSW ist gar nicht vertreten; die interessiert das Thema Wohnen nicht so sehr. Mit Frau Lötzsch ist immerhin eine Vertreterin der Linken da. Sie sind oftmals für den Klassenkampf an der Mietfront. Da werden immer die großen Konzerne zitiert. Fakt ist: In unserem Land werden fast zwei Drittel der vermieteten Wohnungen von Kleinvermietern angeboten. Das sind Leute, die ein oder zwei Wohnungen haben, für die das oft die Altersvorsorge ist. Statt die immer mehr zu gängeln, statt ihnen immer mehr Lasten aufzuhalsen und mehr Vorschriften zu fordern, sollten wir, wie ich finde, dafür sorgen, dass es genau für diese Personengruppe mehr Anreize zum Bauen und Vermieten gibt.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufvon der CDU/CSU: Sehen das auch die anderen Koalitionspartner so?

Meine Damen und Herren, natürlich hat auch das Thema Bauen viele Dimensionen. Es hat eine wirtschaftliche Dimension mit Blick auf die Bauwirtschaft. Es hat eine soziale Dimension mit Blick auf bezahlbaren Wohnraum, auch auf Wohneigentum; denn ich glaube, dass mehr Wohneigentum der Schlüssel zu einer stabilen Gesellschaft ist. Deshalb müssen wir Bauen einfacher, preiswerter und schneller machen. Das ist unser gemeinsames Ziel in dieser Koalition.

Beifallbei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Hanna Steinmüller
Foto: Hanna Steinmüller/ Julia Bornkessel
14 Vermerkeca. 440 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Frau Bachmann, Ihre Rede war vielleicht für Youtube geeignet,

Nicht einmal dafür!

hat aber nichts mit der Realität zu tun. Ehrlich gesagt, ich war gerade in Sachsen

Hat ja gut geklappt!

und weiß sehr genau: Damit man auch in Zukunft noch einen Arzttermin bekommt, damit es auch in Zukunft noch Pflegepersonal gibt, damit irgendjemand Wohnungen plant und baut, werden wir auch in den nächsten Jahrzehnten Migration brauchen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Ihr Rassismus vergiftet die gesellschaftliche Debatte und verhindert das. Das ist, glaube ich, ein großes Problem.

Das haben in Sachsen die meisten Leute anders gesehen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, eigentlich hatte ich mir vorgenommen, positiv zu starten. Jetzt bin ich noch ein bisschen angewidert von der Debattenkultur.

Beifalldes Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Trotzdem: Wir sprechen heute über den Haushaltsplan des Bauministeriums. Bei mir persönlich ist es so – und darüber freue ich mich sehr –: Wir erwarten bald Nachwuchs. Und wir haben Glück: Wir haben eine passende Wohnung.

Zurufvon der AfD: Nicht schwierig bei 11 000 Euro pro Monat!

Der Familienreport 2024 zeigt aber, dass ein Viertel der Menschen, die Kinder bekommen möchten, sagen, dass ihre Wohnung zu klein ist; sie entscheiden sich gegebenenfalls dagegen. Das zeigt uns ganz deutlich: Die Wohnsituation beeinflusst die Lebenssituation. Deswegen brauchen wir passende Wohnungen und Häuser für alle Lebenslagen.

Super! Und wie machen Sie das?

Daran arbeiten wir auch mit diesem Haushaltsentwurf.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Es sind drei konkrete Beispiele, die ich Ihnen mitgebracht habe – von daher können Sie einfach zuhören

Ich höre Ihnen zu! Aber es ist schwierig, weil Sie so einen Unsinn labern!

und müssen gar nicht die ganze Zeit dazwischenrufen –:

Erstens. Wir schaffen bezahlbaren Wohnraum.

Das ist ja Quatsch! Sie kriegen es ja nicht hin!

Dieser Satz ist heute schon gefallen: Der Etat für den sozialen Wohnungsbau wird erhöht. Damit bauen wir einerseits mehr Wohnungen

Herzlichen Glückwunsch!

und sanieren andererseits bestehende Wohnungen, damit die Lebensqualität steigt. Wir schaffen Wohnheimplätze für junge Menschen, weil wir wissen: Wenn ihr fertig seid mit der Schule, möchtet ihr möglicherweise zu Hause ausziehen.

Zurufvon der AfD: Erst mal einen Job haben, bevor man ausziehen kann!

Auch dafür braucht es passende Wohnungen. Und zumindest in Berlin schaffen wir damit auch „Housing First“-Plätze. Ich hoffe, noch mehr Bundesländer folgen diesem Beispiel, damit auch obdachlose Menschen wieder ein eigenes Zuhause finden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Zweitens. Menschen können in ihren Wohnungen, können in ihren Häusern bleiben. Die Wohngelderhöhung wurde schon angesprochen. Damit unterstützen wir gezielt Menschen, dass sie in ihren Quartieren bleiben können, dass sie in ihrem selbstgenutzten Eigentum wohnen bleiben können, indem wir einen Zuschuss zahlen. Das ist zielgerichtet. Das wirkt schnell. Und mit der Dynamisierung sorgen wir dafür, dass die Sätze auch angemessen angepasst werden.

Drittens – auch das ist heute schon gesagt worden –: Viele Menschen wünschen sich Wohneigentum. Das unterstützen wir auch: mit der Eigentumsförderung für Familien und jetzt mit dem Förderprogramm „Jung kauft Alt“. Wir ermöglichen, dass Einfamilienhäuser nicht neu gebaut werden müssen, sondern man bestehende kaufen und sanieren kann.

Diese drei Beispiele – und es ließen sich noch viele mehr im Haushaltsplan finden; Sie müssten halt mal reinschauen! – sind gute Nachrichten.

Ihr Erfolgt zeigt sich an den Zahlen, nicht wahr, Frau Steinmüller?

Porträt von Hanna Steinmüller
Foto: Hanna Steinmüller/ Julia Bornkessel
7 Vermerkeca. 260 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Ich erwarte wenig Gutes. – Nein. Sie reden ja gleich noch.

Dann müssten Sie sich ja Fragen stellen! Ist widerlich, wenn man nicht souverän ist!

Wir sind ein selbstbewusstes Parlament. Deswegen haben wir nicht nur vor, mit dem Entwurf der Regierung zu arbeiten, sondern wir wollen auch noch Veränderungen vornehmen:

Eine wichtige Sache ist das Thema „altersgerechter Umbau“. In den nächsten Jahren werden 5 Millionen Menschen in den Ruhestand gehen, und sie werden auch alle älter werden. Die Themen „demografischer Wandel“ und „Barrierefreiheit“ betreffen mittelbar uns alle. Deswegen ist es sinnvoll, dass dieses erfolgreiche Programm weitergeführt wird, dass auch neue Anträge gestellt werden können

Klingt, als wäre alles super!

und dass wir ermöglichen, dass man möglichst lange in seinem selbstgenutzten Eigentum oder in seiner Wohnung bleiben und gut alt werden kann.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Das wollen Sie ja nicht! Sie wollen ja, dass die Alten aus ihrer Wohnung ausziehen!

Das Zweite ist die Investitionsförderung für gemeinnützige Wohnungsunternehmen. Markus Kurth hat es schon angesprochen. Gemeinnützigkeit, das ist das Beste aus zwei Welten: Das ist einerseits die Sicherheit – wie im selbstgenutzten Eigentum –, dass man sich auch auf lange Sicht die eigene Wohnung leisten kann, und gleichzeitig die Flexibilität wie bei einer Mietwohnung, dass, wenn sich die Lebenssituation verändert, man auch umziehen kann.

Wenn es zu wenige Wohnungen gibt?

Deswegen ist es sinnvoll, dass wir bei der neuen Wohngemeinnützigkeit auch zu einer Investitionsförderung kommen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, egal ob man zur Miete wohnt oder im Eigentum, egal ob man eine Ausbildung startet oder in Rente ist, ob man in der Stadt wohnt oder auf dem Land, ob man sich für Kinder entscheidet oder vielleicht am Ende doch für eine Katze: Für all das braucht es den passenden Wohnraum, braucht es ein passendes und bezahlbares Zuhause. Und genau dafür arbeiten wir, auch mit diesem Haushaltsentwurf.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP
Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
7 Vermerkeca. 378 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, zur AfD braucht man nichts mehr zu sagen. Also bitte, stellen wir uns einmal dieses Bild vor: ein Remigrationsministerium mit langen Fluren und einer eigenen Einheit, die auf Lkws Leute ins Ausland schafft. Das ist eine Dystopie,

Das sind Ihre Ideen, Herr Föst!

die die AfD für Deutschland will.

Wie stellen Sie sich das denn vor?

Das mache ich keine Sekunde mit. Das darf ein Demokrat in Deutschland nie zulassen!

Beifallbei der FDP, der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN

Vor allen Dingen: Wir reden hier über den Etat des Bauministeriums, und die AfD redet über Remigration. Deswegen, meine geehrten Damen und Herren, insbesondere Sie, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, Zuhörerinnen und Zuhörer: Wer Probleme gelöst haben will, der braucht nicht in diese Ecke zu schauen. Ganz links wird es auch schwierig. Schauen Sie in die demokratische Mitte! – Ich mache immer den gleichen Fehler und verschwende meine Redezeit an die AfD,

Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Föst! Nächste Legislatur müssen Sie das nicht mehr!

weil die mich so wütend macht.

Um auf das eigentliche Thema, den Bauhaushalt, zurückzukommen: Es ist tatsächlich sehr gut, dass es uns gelingt, in diesem Haushalt für die Schwächsten der Gesellschaft, die sozialen Wohnraum brauchen oder Wohngeld benötigen, entsprechende Mittel zu mobilisieren. Der Haushalt des Bauministeriums wächst, seit es das Bauministerium gibt, und hat die Mittel, die die Union damals dem Bauministerium zur Verfügung stellte, bereits um Längen überschritten.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es wird mehr Geld ausgegeben, aber nicht mehr gebaut! Das ist doch ein Witz! Also nur mehr Geld verschwendet, ohne Ergebnis!

Aber: Wir werden mit Steuergeld das Problem fehlenden Wohnraums nicht lösen können.

Wissen das Ihre Koalitionspartner?

Wenn Sie heute ein neues Mehrfamilienhaus bauen wollen, wenn Sie heute ein modernes Einfamilienhaus bauen wollen, wenn Sie heute moderne Wohnungen planen, dann ist das so teuer, dass Sie, damit sich diese Immobilie in 20, 30 Jahren irgendwann rechnet, eine Nettokaltmiete um die 20 Euro pro Quadratmeter und Monat nehmen müssten, und das ist absurd. Das ist das Problem im Wohnungsbau. Wir werden nie so viel Steuergelder in die Hand nehmen können und nie so viel Schulden machen können, dass wir diese 20 Euro pro Quadratmeter und Monat auf 8, 9 oder 10 Euro heruntersubventionieren können. Deswegen müssen wir an das System heran. Mit Geld allein wird sich das strukturelle Problem, das sich über die letzten Jahre aufgebaut hat, nicht lösen lassen.

Wo er recht hat, hat er recht!

Deswegen ist es so entscheidend, dass wir neben den finanziellen Ansätzen, die da sind, neben den Förderprogrammen, die bereits angesprochen wurden, neben der Zurverfügungstellung von Mitteln auch an die Struktur herangehen. Und da sind drei große Entwürfe ganz entscheidend.

ca. 12 WörterReaktionswert: ruhig
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Heute ist noch Festbierprobe der Bayerischen Brauer. – Aber ja, Frau Bachmann. Bitte.

Porträt von Carolin Bachmann
Foto: Carolin Bachmann /Schnauss
1 Vermerkca. 142 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Herr Föst. – Ich mache es auch ganz kurz. Sie haben anfangs Ihrer Rede meinen Vorschlag kritisiert. Ich sagte genau wie Sie, dass das Bauministerium es eben nicht schafft, Wohnungen zu bauen, und dass wir Wohnungsmangel haben. Mein Vorschlag war: Wenn wir es schon nicht schaffen, zu bauen, wenn wir für alle Einheimischen das Wohnungsproblem nicht lösen können, dann lassen wir es mit dem Bauministerium, und machen wir ein Remigrationsministerium.

Wollt ihr die Bauarbeiter wegschaffen? Wer ist dann auf der Baustelle? Das sind nicht die Biodeutschen! Wer baut dann?

Wir sind uns ja alle einig, dass Angebot und Nachfrage die Ursache sind. Auch die Bauministerin hat bereits gesagt, dass die hohe Nachfrage, der hohe Zuzug eins zu eins in den Wohnungsmarkt drückt. Deswegen machte ich den Vorschlag für ein Remigrationsministerium. Also, bitte äußern Sie sich doch einmal dazu, ob Sie von der FDP sich nicht vielleicht doch mit einem Remigrationsministerium anfreunden können oder wie Sie ansonsten das Problem lösen wollen.

8 Vermerkeca. 450 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Kollegin Bachmann, auch auf die Gefahr hin, dass ich einen Ordnungsruf kassiere, sage ich mal ganz deutlich: Ihr Vorschlag ist dumm. Er ist aus drei Gründen dumm:

Erstens. Wenn wir Probleme mit Angebot und Nachfrage haben, was wir ohne Zweifel haben, dann haben wir die nicht nur wegen der Migranten, die wir auch brauchen, nicht nur wegen der Zuwanderung nach Deutschland, sondern wir haben sie, weil wir zu wenig bauen. Also, wir werden das Bauen deutlich ausweiten müssen. Deshalb ist es gut, dass wir ein Bauministerium haben. Die Angebotsseite löst Ihr Remigrationsministerium nicht.

Zurufvon der AfD: Aber die Nachfrage!

Zweitens. Wir haben jetzt schon einen eklatanten Fachkräftemangel.

Welchen Fachkräftemangel?

Wie viele Fachkräfte wollen Sie aus dem Land schmeißen, bis genug Wohnungen da sind?

Welchen Fachkräftemangel?

Drittens – das ist ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der FDP und der AfD – liegt es nicht in der Verantwortung des Bauministeriums, Wohnungen zu bauen, aber es liegt in der Verantwortung dieser Regierung, die Rahmenbedingungen so setzen, dass die Marktteilnehmer die Wohnungen bauen, dass die Genossenschaften die Wohnungen bauen, dass die freien Immobilienunternehmer die Wohnungen bauen und dass die städtischen Wohnungsbauunternehmer die Wohnungen bauen.

Deswegen ist Ihr Vorschlag, dass Bauministerium, das gerade an einem Regelungsrahmen arbeitet, abzuschaffen und an dessen Stelle ein Remigrations- –, ein Remigrationsministerium – das Wort macht mich fertig; ich kriege das gar nicht raus – zu setzen, dumm. Also, Ihr Vorschlag ist mindestens aus den drei Gründen, die ich genannt habe, dumm.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zurück zum Bauetat. Es ist gut, dass wir sowohl die Subjektförderung beim Wohngeld als auch die Objektförderung beim sozialen Wohnungsbau ausweiten. Entscheidend ist, dass wir an den Regelungsrahmen herangehen, damit Wohnraum aus sich selbst heraus bezahlbar entstehen kann. Da sind drei große Gesetzesvorhaben auf dem Weg: erstens der Pakt für Planungsbeschleunigung, den die Union damals noch abgelehnt hat, der aber mittlerweile gute Ergebnisse zeigt, zweitens der Gebäudetyp E – „E“ wie experimentell – für einfaches Bauen aus dem Bundesjustizministerium und drittens die BauGB-Novelle, die zumindest die Nachverdichtung und die Planung von neuem Wohnraum einfacher macht.

Diese drei Ansätze im Regelungsrahmen mit weiteren Maßnahmen – es gibt keine „One size fits all“-Lösung – sind geeignet, das Problem des Wohnungsbaus zu lösen, das wir nicht mit Geld werden lösen können. Deswegen müssen alle daran arbeiten, dass der Regelungsrahmen besser wird.

Zurufdes Abg. Sebastian Münzenmaier [AfD]

Eine Anekdote zum Schluss. Ich wäre beinahe von meinem Stuhl gefallen, als Jan-Marco Luczak sagte – und da hat er den Vogel abgeschossen –: Mensch, jetzt wollt ihr das Aufteilungsverbot nach § 250 BauGB verlängern.

Zurufdes Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Da sage ich: Ja, Jan-Marco, also erstens habt ihr es eingeführt, und zweitens braucht es Landesverordnungen, damit es greift. In Bayern, Hessen und Berlin wurden diese Landesverordnungen erlassen. Also sag mal deinen Ministerpräsidenten, dass sie etwas für das Eigentum tun sollen, indem sie die Grunderwerbsteuer senken und das Aufteilungsverbot wieder streichen.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
10 Vermerkeca. 290 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bauministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wie es einer Volkswirtschaft geht, das kann man auch an der Art und Weise ablesen, wie sie baut. Wir wissen: In Deutschland bauen wir derzeit zu wenig,

… und zu teuer!

und die Konjunkturlokomotive Bau stockt. Deswegen dürfen wir, liebe Kollegin Nicolaisen, nicht meckern, sondern müssen sie wieder in Gang bekommen. Wir laden Sie herzlich ein, mitzumachen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Warum sagt man denn eigentlich „Konjunkturlokomotive“? Über 2,5 Millionen Menschen sind in der Baubranche beschäftigt. Sie macht 6 Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung im Land aus, und damit kann man sie mit der Automobilindustrie vergleichen.

Wenn Sie nicht gegensteuern, bald nicht mehr!

In der Baubranche gilt: Wir sind zu kompliziert, zu langsam, vielleicht manchmal auch zu wenig innovativ

Zu teuer!

und oftmals zu teuer.

Ach! Und woran liegt es, dass wir so teuer sind? An der Regierungspolitik!

Und ja, wir als Sozialdemokratie haben uns zu Anfang der Legislatur und auch im Wahlkampf nicht aus Jux und Tollerei irgendein Ziel auf Plakate geschrieben, sondern weil wir gesehen haben, dass wir massiv Wohnungen bauen müssen, sodass wir die 400 000 Wohnungen als Ziel ausgerufen haben.

Total verfehlt!

Herr Luczak, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, natürlich wollen wir die 400 000 Wohnungen bauen – nicht Frau Bauministerin Klara Geywitz höchstpersönlich;

Da haben Sie total versagt!

aber wir wollen die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Aber nicht alles, was wir wollen, haben wir in der Hand.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Schauen Sie sich doch mal die Welt an: Krieg, Krise, Inflation.

Energiewende, hohe Stromkosten!

Warum ist Deutschland das einzige Land in der Rezession? Deutschland ist das einzige Land in der Rezession!

Da sagt keiner bei der Sparkasse, der Deutschen Bank oder der Commerzbank: Super, jetzt noch ein Baukredit! – Das ist eben eine ganz herausfordernde Zeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich will mal ein Bild heranziehen: Manchmal denke ich, das ist ein Gipfel, auf den man hoch muss. Das Ziel ist da: Den Gipfel wollen wir besteigen. Und wie im echten Leben ist es so: Am Ende wird es meistens am anstrengendsten, und die steilsten Meter sind die härtesten.

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
15 Vermerkeca. 629 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Wir haben es ja ein bisschen eilig, deswegen heute nicht. Wir machen mal weiter. Wir können uns gerne nachher noch einmal austauschen.

Wir haben es nicht eilig! Das ist die letzte Debatte! Wir haben es nicht eilig! Es ist erst 19.11 Uhr!

Wieso haben wir es denn eilig?

Wenn wir noch mal an das Ziel der 400 000 Wohnungen denken: Auch das ist in gewisser Weise ein Gipfel.

Wir sind nicht auf dem Gipfel! Wir sind im Keller unterwegs!

Da müssen wir hoch, und für diesen Gipfel brauchen wir auch das richtige Equipment. Wir brauchen finanzielle Ausstattung.

Wir diskutieren heute über den Haushaltsplan. Wir haben massiv – über 21 Milliarden Euro – in den sozialen Wohnungsbau investiert, damit sich Menschen auch in Zukunft eine Wohnung leisten können. Damit das kein Penthouse wird, ist das quadratmeterbegrenzt. Wir sorgen dafür, dass das Ganze klimaneutral, aber auch sozialverträglich ist.

Weder noch! Weder noch!

Das Wohngeld – auch das wurde eben von der Ministerin angesprochen – dynamisieren wir, erweitern wir als Zuschuss da, wo man sich eben das Wohnen nicht mehr leisten kann, um auch die zu unterstützen, die hart arbeiten, aber trotzdem aufgrund der sehr angespannten Marktsituation nicht über die Runden kommen. Wir reden nichts schön, sondern wir gehen die Probleme an – auf der einen Seite mit den Förderinstrumentarien; aber zur Wahrheit gehört auch, dass wir nicht jedes Problem mit unendlich viel Fördergeldern lösen können.

Deswegen müssen wir noch etwas Zweites tun, und das ist, einfacher, schneller, innovativer, digitaler zu werden. Wir müssen also Ballast abwerfen auf unserem Weg hoch auf den Berg.

Aber Sie haben doch gerade eine BauGB-Novelle auf den Weg gebracht!

Zurufder Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Für mich ist der Gebäudetyp E – experimentell oder einfach – ein gutes Beispiel, wo man mit den Handwerkerinnen und Handwerkern mal guckt: Wie dick muss die Wand sein? Wie viele Steckdosen brauche ich wirklich? Wie muss eine Regenrinne aussehen? Wir sterben in Deutschland ja teilweise an Normen.

Und wer erlässt sie? Wer erlässt sie? Das seid doch ihr!

Deswegen gilt es da, pragmatisch mit der Praxis diesen Gebäudetyp E für die Mutigen rechtssicher auszugestalten, damit noch viel mehr einfach und kostengünstig gebaut werden kann.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Aus der Krise herauszubauen, bedeutet aber auch, sich über Materialien Gedanken zu machen. Ich bin manchmal ein bisschen verwundert: Wir sind ja das Land der Tüftler und Ingenieure.

Das waren wir!

Aber beim Bauen arbeiten wir oftmals nach dem Prinzip „Stein auf Stein“ und nutzen Beton und Stahl.

Das macht halt auch Sinn in so einem Land wie Deutschland, wo es drei Monate im Jahr kalt ist!

Deswegen bin ich der Bauministerin sehr dankbar, dass sie eine nationale Holzbaustrategie initiiert hat und dass wir den Holzbau

Beifalldes Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– herzlichen Dank, Herr Kollege! – mit vielen Förderprojekten im ganzen Land nach vorne bringen.

Wo haben Sie das ganze Holz her?

Ich möchte zum Abschluss noch auf einen wichtigen Punkt zu sprechen kommen, nämlich auf meinen Wahlkreis.

Wo ist denn der?

In Trier und unserer Region sind wir bekannt für Karl Marx, die Porta Nigra, den Riesling und die moselfreundliche Lebensart – und in Zukunft noch mehr für den Holzbau. Denn wir haben die besten Voraussetzungen in Rheinland-Pfalz: Wir sind das waldreichste Bundesland; in Trier haben wir eine achtmal höhere Zimmererdichte als der Bundesdurchschnitt und über 50 000 Beschäftigte in der Forst- und Holzwirtschaft im ganzen Bundesland.

Damit ist bei mir zu Hause der Holzbausektor, die ganze Branche, ein Wirtschaftsfaktor. Klara Geywitz als Ministerin konnte sich davon in Trier überzeugen und hat gesagt: „Diese Region wollen wir in der Hinsicht stärken“; denn dort gibt es nicht den einen DAX-Konzern, der die wirtschaftliche Prosperität nach vorne bringt, sondern wir sind Mittelstandsregion und haben viele innovative Holzbauer. In Trier wird jetzt eine Schwerpunktregion Holzbau aufgebaut und gestärkt, sozusagen als Speedboot der Initiative des Landes. Damit wollen wir eine nachhaltige Zukunftsbranche fördern und aus der Klimakrise herausbauen. Und dass das auch in effizient und seriell geht, davon konnten wir uns überzeugen; damit sind wir Vorreiter im ganzen Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich komme zum Schluss: Den Baumotor kriegen wir nicht mit dem einen Knopfdruck wieder ans Laufen, und die ruckelige Situation wird nicht so einfach behoben.

Aber mit dem einen Kreuz in der Wahlurne!

Aber es sind die vielen Maßnahmen, auf die es nachher ankommen wird, damit wir Wohnraum klimaneutral, sozialverträglich und vielleicht noch so schön schaffen, dass die Städte sagen: Mit der Nachverdichtung kommen wir parat. – In diesem Duktus lade ich Sie alle zum konstruktiven, pragmatischen Mitarbeiten ein.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
10 Vermerkeca. 243 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir Linken sagen: Wohnen ist Menschenrecht.

Beifallbei der Linken

Die Wohnungspolitik der Ampel ist katastrophal.

Beifalldes Abg. Matthias W. Birkwald [Die Linke]

Sie ist nicht nur unfähig, sondern auch unwillig, ausreichend preiswerte Wohnungen zu bauen, und das muss sich ändern.

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, der Kanzler hat extra ein Bauministerium geschaffen, aber keine neuen Wohnungen. Sie sind immer schnell, wenn es darum geht, mehr Bürokratie zu schaffen, aber langsam, wenn es ums Bauen geht. Das ist die Wahrheit, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Frau Ministerin Geywitz, Ihre Wohnungspolitik treibt immer mehr Mieterinnen und Mieter in die Armut. Sie sollen eine Ministerin für die Mieterinnen und Mieter sein, doch Sie sind vor allen Dingen eine Ministerin für vermögende Wohnungseigentümer. Das ist keine gute sozialdemokratische Politik, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Seit dem Amtsantritt der Ampel sind zum Beispiel die Mieten in meiner Heimatstadt Berlin um 34 Prozent gestiegen. Diese Mieten sind für viele Menschen unbezahlbar. Das ist nicht hinzunehmen.

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, beim Mietrecht hat die Bundesregierung viele Versprechungen abgegeben, aber noch kein einziges Versprechen eingelöst. Die Mietpreisbremse bremst nachgewiesenermaßen nicht. Hier brauchen wir wirksame Instrumente, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Ja, was denn? Enteignung?

Wir brauchen endlich einen wirksamen bundesweiten Mietendeckel.

Hat ja in Berlin wunderbar funktioniert!

Ich muss daran erinnern, dass die Wohnungseigentümerpartei CDU, ganz vorneweg der Kollege Luczak, gegen den Berliner Mietendeckel geklagt hat.

Damit tragen Sie persönlich Mitverantwortung für die Mietenexplosion in Berlin und in unserem Land.

Beifallbei der Linken

Schon jetzt müssen wir viel Geld für das Wohngeld ausgeben. Das ist eine gigantische Umverteilung.

Porträt von Jan-Marco Luczak
Foto: Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 228 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, dass Sie die Frage zulassen. – Ich bitte um Nachsicht, dass ich für alle Kolleginnen und Kollegen den Feierabend etwas verzögere. Aber, Frau Lötzsch, das kann man nicht so stehen lassen. Sie haben völlig recht: Wir als CDU/CSU haben gemeinsam mit der FDP eine abstrakte Normenkontrolle gegen den Berliner Mietendeckel auf den Weg gebracht, und zwar mit Erfolg.

Und zu Recht!

Karlsruhe hat dieses Gesetz als verfassungswidrig verworfen. Es gab also gute Gründe, diese abstrakte Normenkontrolle auf den Weg zu bringen. Das ist aber nur ein formales Argument.

Ich will aber schon noch mal darauf hinweisen, was der Mietendeckel für die Mieterinnen und Mieter in Berlin bedeutet hat: Auf dem Wohnungsmarkt ist die Anzahl der frei verfügbaren Wohnungen, die man mieten konnte, um 50 Prozent eingebrochen – ein dramatischer Einbruch. Die Schlangen bei den Wohnungsbesichtigungen sind länger geworden durch den Mietendeckel. Und er war auch in der Sache sozial ungerecht, weil nämlich die Mieten der Altbauwohnungen am Ku’damm von 18, 19, 20 Euro – ich bin mal so populistisch wie Sie –, wo der gutverdienende Zahnarzt drin gewohnt hat, richtig runtergegangen sind, während die Mieter von Wohnungen in Marzahn, wo es den Leuten wirtschaftlich wirklich nicht nur gut geht, vom Mietendeckel überhaupt nicht profitiert haben. Deswegen war es auch in der Sache richtig, dass wir diesen Mietendeckel gestoppt haben. Der darf auf keinen Fall bundesweit eingeführt werden, wie Sie das vorhaben.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP
10 Vermerkeca. 337 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Ich muss Ihnen darauf erwidern, dass es eine wichtige Forderung ist, einen wirksamen bundesweiten Mietendeckel zu haben. Dass Sie plötzlich gegen den Zahnarzt am Ku’damm argumentieren, ist wirklich eine Verdrehung der Tatsachen.

Beifallbei der Linken

Sie sind nämlich derjenige, der diese Klientel vertreten will. Die Menschen in Marzahn und Hellersdorf interessieren Sie nicht die Bohne. Das ist die Wahrheit, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Und zu behaupten, der Mietendeckel hätte die Anzahl der Wohnungen reduziert – bleiben Sie stehen; ich beantworte Ihre Frage –, zeigt doch eine absolute Verdummung. Viele Menschen haben davon profitiert.

Karlsruhe ist ja nicht von sich aus tätig geworden – das muss man der Wahrheit halber hinzufügen –, sondern Karlsruhe hat Ihrer Klage stattgegeben. Darum tragen Sie als Beschwerdeführer persönlich die Verantwortung dafür, dass Menschen in Berlin hohe Mieten zahlen müssen. Das ist die Wahrheit, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Jetzt können Sie sich wieder hinsetzen.

Lachender Abg. Carolin Bachmann [AfD]

Ich komme zurück zum Wohngeld. Das Wohngeld bedeutet leider eine gigantische Umverteilung von unten nach oben. Das Geld bekommen nicht die Mieterinnen und Mieter, sondern die Vermieter. Wenn es ausreichend preiswerten Wohnraum geben würde, müsste dieses Wohngeld nicht den Wohnungskonzernen in den Rachen geworfen werden. Das wäre der richtige Weg.

Beifallbei der Linken

Wir als Linke wollen ein öffentliches Wohnungsbauprogramm für bezahlbaren Wohnraum. Öffentliches Geld muss dabei dauerhaft der Allgemeinheit dienen. Sozialbindungen dürfen eben nicht befristet sein. Einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung – das ist unsere Forderung, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Dann findest du niemanden, der das baut! Völlige Traumtänzerei!

Vor allem aber brauchen wir endlich einen gemeinnützigen Wohnungsmarkt. Das ist auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Jetzt müssen endlich Taten folgen.

Irrsinn, was Sie hier erzählen! Irrsinn!

Fast alle zehn Minuten gibt es eine Sozialwohnung weniger in unserem Land. 2023 wurde lediglich ein Viertel der angestrebten 100 000 Wohnungen gebaut. Frau Geywitz, Sie haben von großen Investitionen gesprochen. Die gehen aber über viele Jahre. Die Hälfte der Gelder soll erst nach der nächsten Wahl ausgegeben werden; dann sind Sie im Ruhestand. Und die CDU – das haben wir gerade von Herrn Luczak in der Zwischenbemerkung gehört – wird schnell den Geldhahn für den sozialen Wohnungsbau zudrehen.

Ich habe keine Silbe dazu gesagt!

Das darf nicht passieren. Dagegen stellen wir uns als Linke.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
7 Vermerkeca. 768 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Kollegin Lötzsch – aus dem Haushaltsausschuss schätze ich Sie sehr –, vielleicht ein kleiner Exkurs in die Marktwirtschaft: Da bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. So ist es am Wohnungsmarkt auch. Wir müssen einfach mehr Wohnungen bauen, mehr Angebot schaffen, dann sinkt letztlich auch der Preis, also die Miete.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP

Das ist das, was bei einer guten Wohnungsbaupolitik im Mittelpunkt steht, nicht irgendwelche Deckel.

Meine Damen und Herren, wir debattieren heute den vierten eigenständigen Bauetat und damit den letzten, den diese Regierung vorlegt.

Den allerletzten!

Es ist also Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen. Wir haben es heute schon gehört: Das Volumen des Einzelplans hat sich innerhalb der letzten Jahre deutlich erhöht, von 5 Milliarden Euro zu Beginn 2022 auf mittlerweile 7,4 Milliarden Euro. Hinzu kommen Verpflichtungsermächtigungen, also Bindungen für die Zukunft, in diesem Jahr in Höhe von 6 Milliarden Euro. Zusätzlich gibt es noch die Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds, die das Haus verwaltet, in Höhe von 630 Millionen Euro, plus Bindungen für die Zukunft in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Das ist in der Tat schon ganz stattlich, Frau Ministerin. Man kann sagen: Die Schatulle ist gut gefüllt. Es sind erhebliche Mittel, aber auch erhebliche Verpflichtungen für die Zukunft.

Erheblich sind nach wie vor aber auch die Reste, also das Geld, das in den vergangenen Jahren nicht ausgegeben wurde. 2023 sind nämlich 3,2 Milliarden Euro in das Jahr 2024 übertragen worden. Darin ist das Haus absoluter Spitzenreiter unter allen Bundesministerien, mit Abstand auf Platz eins.

Ich fasse zusammen: Es steht viel Geld im Schaufenster. Geld ist genug da. Die Mittelabflüsse – das, was tatsächlich verausgabt wird – sind viel zu gering. Die Haushaltsansätze sind offenbar zu großzügig und die Programme nicht zielgerichtet genug. Hier gilt es nachzusteuern, meine Damen und Herren. Gleiches hat der Rechnungshof schon mehrfach beanstandet.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Bereich „Bauen und Wohnen“ ist der größte Punkt im Einzelplan mit 5,8 Milliarden Euro. Größter Posten ist, wie schon angesprochen, das Wohngeld mit 2,4 Milliarden Euro. Das entspricht dem Ansatz von 2023. Es wurde gesagt, dass es zum 1. Januar 2025 eine Anpassung, eine deutliche Erhöhung geben soll. Ich frage mich daher: Ist dieser Ansatz wirklich auskömmlich? Ist er verlässlich? Das werden wir im Zuge der Beratungen klären müssen.

Meine Damen und Herren, 400 000 Wohnungen pro Jahr wurden versprochen, davon 100 000 Sozialwohnungen; das ist auch schon mehrfach angesprochen worden. Das war ein zentrales Wahlversprechen des Bundeskanzlers und der Bauministerin. Ich erinnere an das Zitat: An ihren Taten sollt ihr sie messen. – Wir messen Sie daran. Das Ziel ist massiv verfehlt worden. 2022 waren es immerhin noch 295 000 Wohnungen, für 2024 sind nur noch 200 000 Wohnungen prognostiziert und für nächstes Jahr noch deutlich weniger. Der Bestand an Sozialwohnungen sinkt weiter, historischer Tiefststand: 1,07 Millionen im Jahr 2023.

Ja, aber das haben wir Ihnen zu verdanken, weil Sie nicht nachgelegt haben!

2023 sind auch nur knapp 50 000 neue Sozialwohnungen dazugekommen. Der Wohnungsbau liegt in Deutschland am Boden, meine Damen und Herren. Gemessen an den gesetzten Zielen ist das eine wahrlich vernichtende Bilanz.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann sind wir auch schon an dem Punkt, der wirklich ausschlaggebend ist: Es geht nicht um das Geld in der königlichen Schatulle. Trotz der Milliarden, die wir als Haushaltsgesetzgeber für zahlreiche Programme bereitstellen, erleben wir im Baubereich eine tiefgreifende Verunsicherung. Wir erleben Verunsicherung aufgrund überraschend vorzeitig beendeter Förderprogramme, Verunsicherung, weil die Programme zum Teil an der Lebenswirklichkeit der Menschen – das haben wir schon gehört – vorbeigehen und keine Wirkung entfalten. Entgegen allen Beteuerungen steigen die Standards am Bau weiter. Bauen wird immer teurer und aufwendiger.

Wir brauchen mehr Vertrauen und mehr Verlässlichkeit in die Baupolitik, in die Förderprogramme, mehr Pragmatismus und weniger Ideologie. Wir brauchen nicht nur immer neues Geld, sondern Entbürokratisierung, weniger Standards, und wir brauchen, dass Zielkonflikte, die ganz zweifelsohne da sind, aufgelöst werden. Vor allen Dingen brauchen wir mehr Digitalisierung. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Der Städte- und Gemeindebund hat berechnet, dass sich, wenn das Antragsverfahren des Wohngeldes komplett digitalisiert werden würde, über 200 Millionen Euro an Einsparungen für Bund, Länder und Gemeinden ergeben würden. Das wäre mal ein konkreter Vorschlag, den man angehen könnte.

Beifallbei der CDU/CSU

Leider ist dieser Regierungsentwurf auf tönernen Füßen gebaut. Er ist in vielen Punkten unrealistisch, unehrlich und beinhaltet erhebliche verfassungsrechtliche Risiken. Deshalb, meine Damen und Herren, brauchen wir einen Paradigmenwechsel in der Haushalts- und Förderpolitik. Der Erfolg eines Programms darf nicht mehr darauf abstellen, Geld ins Schaufenster zu stellen, sondern muss sich an klar definierten Zielen und Indikatoren messen lassen. Es geht nicht um immer mehr Geld, sondern um tatsächliche Wirksamkeit. Die muss in den Mittelpunkt gestellt werden, meine Damen und Herren.

Was wäre denn mal ein Beispiel?

Davon ist dieser Regierungsentwurf –

2 Vermerkeca. 4 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

– leider noch meilenweit entfernt.

Beifallbei der CDU/CSU
16 VermerkeZwischenfrageca. 714 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Jan-Marco, das empfinde ich durchaus als Kompliment.

So war es gemeint!

Ich bin für Arme. Du bist nicht so sehr dafür. Ich weiß, du bist nur für Reiche. Das unterscheidet uns beide.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Frau Präsidentin! Sehr verehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Es ist im Grunde genommen schon relativ viel gesagt worden. Deswegen schiebe ich mein Manuskript zur Seite und reagiere auf das, was angesprochen wurde.

Herr Uhl, Sie haben gesagt: Einfach mal bauen! – Ich glaube, ehrlich gesagt, dass viele bei Ihnen genauso komplex denken, wie sie reden.

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Das ist nicht so einfach; das kann ich Ihnen sagen. Und wenn Sie von den Haushaltsausgaberesten reden: Machen Sie mal Ihren Ländern bei der Städtebauförderung Dampf, damit die Mittel schneller abfließen! Wir haben überhaupt nichts dagegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Zur Digitalisierung des Wohngeldes. Ja, sprechen Sie doch mal mit Ihren Ländern! Die können die Digitalisierung der Ausländerbehörden sofort mitmachen. Dann geht alles viel schneller.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Sie haben den falschen Adressaten erwischt. Das alles kann man fachlich unterschiedlich diskutieren.

Ich wollte am Anfang etwas machen, wie es zum Beispiel Daniel wirklich immer gut macht, wenn es um die AfD geht. Aber ich soll mich nicht so aufregen; deswegen tue ich das nicht. Ich rede nicht mit der AfD, sondern mit den Zuschauerinnen und Zuschauern – und ich meine das ganz ernst, was ich jetzt sage –: Setzen Sie sich mit denen auseinander! Hören Sie zu, was die wirklich wollen:

Das machen die!

Remigration, Säuberung der Städte – vielleicht demnächst auch noch die ethnische?

Säuberung der Städte von Graffiti, von Kot, von Dreck! Also, ich bitte Sie!

Hören Sie gut zu! Denken Sie daran, wenn Sie wählen gehen, dass Sie Verantwortung tragen, und wenden Sie sich dagegen!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Die wissen, was sie wählen müssen! Das haben wir gerade wieder gesehen!

Wahlen haben Folgen, und manchmal sind es schlimme Folgen.

Dritter Punkt. Kein Mensch bestreitet, dass es eine Wohnungsmarktkrise gibt. Kein Mensch bestreitet die Situation der Mieterinnen und Mieter. Der Unterschied zwischen der Opposition und den Ampelfraktionen besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt darin, dass die Opposition meckert und die Ampelfraktionen sich um Lösungen bemühen. Das ist der Unterschied.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP

Nur meckern ist zu wenig, mein lieber Jan-Marco, und nichts anderes hast du gemacht.

Sich nur zu bemühen, ist auch zu wenig!

„Er hat sich stets bemüht!“

Wir haben hier in der letzten Zeit einiges zur Baukostensenkung beigetragen; das muss man sagen. Und wenn ich das mal feststellen darf: Die Lieferketten funktionieren wieder. Die Energiepreise sind gesunken, ebenso wie die Zinsen. Das sind gute Signale. Die Lösung ist das noch nicht, aber der Weg ist der richtige.

Beifallbei der SPD
Abg. Roger Beckamp [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

– Ich lehne ab. Sie brauchen sich nicht zu melden. – Ich finde, man sollte nicht nur auf das eigene Land blicken, sondern vielleicht auch mal nach Europa.

Ich bin dem Kollegen Herbst dankbar für den Hinweis auf die Grunderwerbsteuer in Sachsen. Es ist nämlich genau das gleiche Prinzip: Diejenigen, die hier immer sagen: „Lasst uns doch die Grunderwerbsteuer absenken!“, wissen genau, dass es sich dabei um die Einnahmen der Länder handelt, die dem nicht ohne Weiteres zustimmen werden. Warum nicht? Weil sie diese Einnahmen brauchen. Ich habe gar nichts dagegen, über die Grunderwerbsteuer zu reden, über die Baunebenkosten insgesamt, von mir aus auch über die Notare, die Kreditkosten usw. Aber dann lassen Sie uns auch aussprechen, dass man sich der eigenen Verantwortung stellen muss. Das wäre doch gut.

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Als Beispiel – Jan-Marco, das fand ich gut – nenne ich mal den Umwandlungsschutz. So nennen wir das nämlich: Umwandlungsschutz nach § 250 BauGB. Weißt du, wer das verhandelt hat?

Ich weiß das! Ja!

Sören Bartol, Uli Lange, Kai Wegner, Bernhard Daldrup. Und wir fanden das alle gut. Die Art und Weise, wie du das darstellst, ist doch unterirdisch. Frag doch mal Kai Wegner, was er von dem hält, was du sagst!

Beifallbei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Er hat ja schon bei anderer Gelegenheit gesagt, du solltest öfter auf mich hören. Ich finde das auch.

Heiterkeit

Der nächste Punkt, der mir wirklich wichtig ist – Frau Nicolaisen hat ihn angesprochen –, betrifft die Kommunen. Die Situation der Kommunen ist tatsächlich problematisch. Deshalb helfen wir mit der Städtebauförderung seit Langem, und das auf hohem Niveau. Ich weiß, wie es ist, wenn Konservative bei der Städtebauförderung das Sagen haben. 40 Jahre Städtebauförderung hieß „Städte in Not“: Das war die Überschrift, weil Sie die Städtebauförderung auf 40 Millionen Euro heruntergesetzt haben. Das haben wir trotz der schwierigen Situation nicht getan. Die Städtebauförderung ist wichtig. Warum? Weil jeder investierte Euro Aufträge im regionalen Handwerk auslöst und sich damit versiebenfacht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP

Das alles sind doch wichtige Gesichtspunkte. Wir wissen um die strukturpolitische, um die sozialpolitische, um die integrative Kraft der Städtebauförderung und versuchen, diese umzusetzen.

2 Vermerkeca. 68 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Das tue ich nicht.

Ich schließe mit dem aus meiner Sicht wichtigen Hinweis, dass wir bei dem Thema Altschulden – das Land Nordrhein-Westfalen hat sich diesbezüglich jetzt bewegt – gemeinsam etwas hinbekommen könnten. Das kann uns gelingen, wenn Sie für die dafür notwendige Grundgesetzänderung werben und eine Zustimmung innerhalb der CDU/CSU mehrheitsfähig machen. Dann können wir den Kommunen helfen und deren Handlungsfähigkeit deutlich unterstützen.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP
Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
3 Vermerkeca. 127 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich beginne ich ja immer mit der Anrede der Ministerin. Das tue ich heute nicht. Heute beginne ich mit der Kollegin Lötzsch. Was Sie sagten, war entlarvend. Wir haben vor dem Bundesverfassungsgericht gegen etwas geklagt, das verfassungswidrig war, und Sie werfen uns dies vor. Frau Kollegin, Sie entlarven sich. Sie sind eine Partei des Verfassungsbruches, wenn Sie wollen, dass wir einen Verfassungsbruch legitimieren. Das werden wir nie, nie tun.

Beifallbei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD

Ich lasse dies nicht zu, und das habe ich Ihnen hiermit gesagt.

Die Königin ohne Land, die sich heute als Königin freut: Frau Ministerin, ich muss sagen, dass Ihre Rede ein Ausdruck echter Realitätsverweigerung war.

Jetzt aber! Das ist unfassbar!

Damit passen Sie gut zum Bundeskanzler; denn auch er scheint ja die Realität im Land inzwischen auszublenden.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
ca. 22 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nein, ich gestatte keine Fragen mehr. Wir kommen zum Ende, und dann kann jeder noch eine Bemerkung machen. Ich reagiere dann darauf.

Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
14 Vermerkeca. 479 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sie können das Wort ja dann erteilen. Ich lasse jetzt keine Fragen zu.

Zum Thema Realitätsverweigerung. Frau Kollegin Hubertz, Sie sprachen von einem Gipfel. Die letzten Meter bis zum Gipfel – ich bin schon auf viele Gipfel gelaufen – sind hart. Im Januar 2023 wurde in der „Tagesschau“ noch gesagt: Die Ministerin hält an ihren 400 000 Wohnungen für das Jahr 2024 fest. – Frau Ministerin, der Gipfel 2024 ist erreicht. Wo sind die Wohnungen? Die Frage muss erlaubt sein.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir fassen den Geywitz-GAU zusammen:

Das klingt genauso wie rechts außen! Das bringt euch auch nicht weiter!

Die Auftragsbücher der Baufirmen sind leer, geplante Bauprojekte werden storniert, Bagger und Kräne stehen still.

Rechtspopulistischer Kram!

In der Bauwirtschaft ist die Stimmung so schlecht wie nie zuvor, und Erholung ist nicht in Sicht. Das ist die Bilanz dieses Bauministeriums,

für das wir, lieber Kollege Daldrup, gemeinsam gekämpft haben. Das ist ernüchternd, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Vorschläge sind, ehrlich gesagt, hilflos: Umzug aufs Land – als ob damit alles leichter würde. Ist das wirklich Lebensrealität, Frau Ministerin? Wollen Sie Menschen wirklich vorschreiben, wo sie zu wohnen haben?

Das hat doch keiner gesagt! Das ist doch Unsinn, Herr Lange!

Wollen Sie Wohnungen verteilen? Nein, es geht doch darum, wo die Arbeit ist. Homeoffice im Krankenhaus ist auch weiterhin nicht möglich. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für diejenigen, die pflegen, und das auch in den Ballungsräumen.

Beifallbei der CDU/CSU

Da hilft der Vorschlag, aufs Land umzuziehen, wenig. Wir sind ein freies Land, und ich möchte – das sage ich an der Stelle –, dass wir das auch bleiben.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das ist echt populistisch! Das tut weh!

Lieber Kollege Kurth, Sie sagen, das BauGB gehöre nicht in die Haushaltsdebatte. Das BauGB ist der legislative Hebel, den wir hier als Parlament haben, um überhaupt ins Baurecht eingreifen zu können. Das BauGB ist unsere Baustelle und unsere Chance.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber diese Chance wollen Sie ja scheinbar nicht wahrnehmen. Wenn Sie nur über den Haushalt reden, dann reden Sie lieber über die Kosten der Unterkunft und über das Verteilen anstatt über die Möglichkeiten, durch das BauGB Wohnraum zu schaffen. Mit vereinfachter Nachverdichtung in Gebieten mit angespannten Wohnungsmärkten ist nicht viel gewonnen.

Und zu den Klimaschutzvorschriften. Schauen Sie mal, ob Sie das Bauen damit nicht überfrachten, ob Sie es damit nicht teurer machen.

Zurufder Abg. Christina-Johanne Schröder [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Natürlich machen Sie das Bauen teurer. Natürlich wird es mehr Bürokratie geben und mehr Verwirrung. Sie haben aus dem Heizungsgesetz nichts gelernt, liebe Kolleginnen und Kollegen der Grünen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich will jetzt nicht über Vorkaufsrecht und Umwandlungsverbot reden. Ja, das haben wir gemeinsam gemacht. Aber, lieber Kollege Föst, ich kann mich da an ganz große theatralische Auftritte hier vorne erinnern, an Ankündigungen, was die FDP alles anders machen wird, wenn sie regiert. Ja, Sie lachen. Sie streiten, aber Sie erreichen nichts.

Beifallbei der CDU/CSU
Widerspruchdes Abg. Daniel Föst [FDP]

Das ist das Ergebnis von FDP-Politik in dieser Ampel. Mehr haben Sie nicht zustande gebracht.

Unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch.

Wo denn? Wo sind sie denn? Ich habe sie nicht gesehen!

Wir haben in mehreren Anträgen dargelegt, wie wir die Bauwirtschaft ankurbeln, wie wir den Menschen wieder die Möglichkeit zu einem Eigenheim geben. Wir sind bereit. Es ist Zeit für einen Aufbruch in der Wohnungswirtschaft.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn es konkret wird, machen Sie sich vom Acker! Haben Sie heute wieder bewiesen!