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10. Sitzung der 21. Wahlperiode

Donnerstag, 5. Juni 2025 · Berlin

152 Reden in dieser Sitzung

152Reden100.253Wörter
1.523Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Tagesordnungspunkt 61 RedeReaktionswert: ruhig
Porträt von Henning Otte
Foto: Henning Otte/Michael M. Mey
ca. 60 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr gern, Frau Präsidentin. – Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.

Unbekannt
7 Vermerkeca. 695 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Und ich sage heute auch einmal: Liebe Bürgerinnen und Bürger! Denn um Sie geht es ja heute schließlich.

Diese Regierungskoalition hat sich vorgenommen, das Leben für Sie, für die Bürgerinnen und Bürger, einfacher zu machen, gerechter und vor allen Dingen auch bezahlbarer. Wo fangen wir an? Bei der Miete. Wir wissen, dass die Miete rund ein Drittel des monatlichen Nettoeinkommens betragen soll. Aber wir sehen: Das klappt in vielen Orten und bei vielen Menschen nicht. Die Mieten steigen schneller und höher, als es guttut. Deshalb haben wir keine Zeit verloren und legen als Erstes diesen Gesetzentwurf zur Mietpreisbremse vor.

Ich möchte mich ganz herzlich bei den Regierungsfraktionen bedanken, dass das so schnell gegangen ist und dass wir heute hier über die Mietpreisbremse diskutieren können.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Die geltende Mietpreisbremse läuft Ende des Jahres aus. Deshalb haben wir Anlass, jetzt zu handeln; denn andernfalls droht ein ungebremster Anstieg der Mieten.

Was kann die Mietpreisbremse? Die Mietpreisbremse gilt in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt, also überall dort, wo es zu wenige Mietwohnungen gibt und deshalb Mieten teuer sind. Wo sie gilt, darf die Miete bei Neuvermietung einer Wohnung höchstens 10 Prozent über der sogenannten ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Und das wiederum senkt das Mietniveau insgesamt. Es gibt keinen Zweifel mehr daran: Die Mietpreisbremse hilft, dass die Mieten langsamer ansteigen.

Seit zehn Jahren gibt es die Mietpreisbremse. Sie ist kein Allheilmittel; das wissen wir. Aber sie wirkt. Und unser Vorschlag heute also ist es, die Mietpreisbremse zum Ende des Jahres um vier Jahre zu verlängern.

Beifallbei der SPD

Denn Wohnen in der Stadt darf kein Luxusgut sein, und Wohnen im Stadtzentrum darf auch nicht das Privileg von Gutverdienenden sein. Mir ist wichtig, zu betonen: Das gilt nicht allein für Hamburg, für München, für Berlin oder Düsseldorf. Das gilt genauso in den Städten Mainz, Rostock, Tübingen oder eben auch Speyer. Hier schützt die Mietpreisbremse die Mieterinnen und Mieter.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Mit der Mietpreisbremse sorgen wir dafür, dass junge Familien, Alleinerziehende, Rentnerinnen und Rentner eine bezahlbare Wohnung finden. Auch sie sollen in den Ballungsräumen leben können. Mieterinnen und Mieter brauchen Schutz vor ungebremstem Mietanstieg, und genau den bekommen sie mit der Mietpreisbremse. Das ist unsere Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Ganz klar ist dabei: Die Verlängerung der Mietpreisbremse ist der Auftakt. Sie kann nur ein erster Schritt sein. Im Koalitionsvertrag haben wir weitere Vorhaben zum Schutz von Mieterinnen und Mietern fest vereinbart. Auch diese Vorhaben werden wir, werde ich schnell und entschlossen angehen. Da gibt es noch einiges zu tun, zum Beispiel bei den Indexmieten, bei den Nebenkosten oder auch beim möblierten Wohnraum, der häufig überhaupt keiner ist.

Klar ist auch: Mieterschutz allein reicht nicht aus, um die Lage auf dem Wohnungsmarkt zu verbessern. Wir brauchen zweierlei: Wir brauchen den Schutz von Mieterinnen und Mietern, und wir brauchen mehr Neubauten. Deshalb wollen wir den Neubau von Wohnungen attraktiv machen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Durch die Mietpreisbremse? Gute Idee!

Wohnen und Bauen muss gemeinsam gedacht werden. Das eine geht nicht ohne das andere. Ich bin der Kollegin Verena Hubertz dankbar, dass sie sich darum engagiert kümmert und wir als Koalition den Wohnungsbau-Turbo auf den Weg bringen. Ich bin zuversichtlich, dass es uns so gelingen wird, den Wohnungsmarkt in Deutschland insgesamt zu entspannen.

Meine Damen und Herren, Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Wohnen muss für alle Menschen in Deutschland bezahlbar sein. Daran arbeiten wir, und genau das haben wir uns als Koalition gemeinsam vorgenommen. Dieser Gesetzentwurf heute ist der erste Schritt. Er ist der Auftakt, und weitere Pakete werden folgen. Ich freue mich sehr, meine sehr verehrten Damen und Herren Abgeordnete, dass wir jetzt gemeinsam die Mietpreisbremse und später weitere mietrechtliche Vorschriften konstruktiv beraten werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Beifallbei der AfD
Porträt von Christoph Grimm
Foto: Christoph Grimm/ Silke Winkler
14 Vermerkeca. 616 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Gäste! Die Mietpreisbremse, ein Gesetz, das wie von Zauberhand Mieten bremsen soll, ein Gesetz, das uns als Rettung verkauft wird, ist in Wahrheit nichts weiter als ein politisches Feigenblatt. Denn Hand aufs Herz: Hat sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt gebessert? Nein! Im Gegenteil: Die Mieten steigen weiter, der Wohnraum wird knapper, und die Menschen sind wütend, verzweifelt und überfordert.

In Berlin etwa sind die Mieten laut empirica-Institut allein seit 2015 um über 50 Prozent gestiegen. Das kommt nicht von ungefähr. Allein in den letzten Jahren sind rund 4 Millionen Menschen nach Deutschland eingewandert.

Das war klar! Das war ja klar!

4 Millionen! Das ist mehr als die Bevölkerung Berlins. Diese Menschen brauchen Wohnungen, Kindergärten und Schulen, öffentliche Infrastruktur – alles vorrangig bezahlt von den Einheimischen in unserem Land.

Wechseln Sie mal die Platte!

Doch der Wohnungsbau kommt einfach nicht hinterher. Im Jahr 2023 wurden rund 270 000 Wohnungen fertiggestellt. Dabei bräuchten wir laut Experten jedes Jahr mindestens 400 000 Wohnungen, um den Bedarf zu decken.

Und was tut die Politik? Sie schiebt die Verantwortung auf angeblich böse Vermieter. Sie verlängert die Mietpreisbremse, als ob man mit einem Stück Papier Naturgesetze außer Kraft setzen könnte.

Beifallbei der AfD

Doch das Grundproblem bleibt: Es gibt zu viele Menschen, die in einen Markt drängen, der längst an seine Belastungsgrenzen gestoßen ist. Ich darf an dieser Stelle die CSU zitieren, namentlich Franz Josef Strauß: „Das Boot ist voll …“

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

Wir müssen endlich ehrlich sein. Deutschland hat in den letzten Jahren weit über seine Kapazitäten hinaus Menschen aufgenommen. Städte wie Köln, München oder Frankfurt platzen aus allen Nähten.

Grimms Märchen!

In manchen Vierteln haben wir 50 bis 60 Prozent Bewohner mit Migrationshintergrund.

Stimmt nicht! 90!

Der soziale Frieden ist längst brüchig geworden. Wer hier lebt, spürt den Druck jeden Tag: auf dem Wohnungsmarkt, in den Schulen, in den Arztpraxen.

Und deshalb sage ich klar: Die Mietpreisbremse ist nicht die Lösung; sie ist Teil des Problems.

Beifallbei der AfD

Denn sie blockiert Investitionen, schreckt Bauherren ab und verschärft den Mangel. Stattdessen brauchen wir eine fundamentale Kehrtwende in der Migrationspolitik.

Meine Güte!

Meine Damen und Herren, wir brauchen keine Mietpreisbremse. Wir brauchen eine Migrantenbremse.

Beifallbei der AfD

Wir brauchen eine AfD-Bremse!

Das heißt: Grenzsicherung. Das heißt: Nulltoleranz bei illegaler Einwanderung. Das heißt: Remigration von Menschen,

die kein Bleiberecht haben und auch keines brauchen.

Aha! Also meine Nachbarn, die eine Einwanderungsgeschichte haben, die wollen Sie abschieben!

Wir können nicht die ganze Welt nach Deutschland holen und dann so tun, als ließe sich der Wohnungsmarkt mit einem Gesetz reparieren. Nein, wir müssen den Druck reduzieren; denn das Boot ist voll, und wir müssen das Boot entlasten. Das geht nur, wenn wir die Zuwanderung drastisch begrenzen und Menschen, die nicht hierbleiben dürfen, konsequent zurückführen.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, dieses Land gehört nicht den internationalen Investoren, nicht den globalen Wanderungsströmungen. Es gehört den Menschen, die hier seit Jahrzehnten leben, arbeiten, Steuern zahlen, ihre Familien großziehen. Wir wollen Politik für die Einheimischen in unserem Land machen – für Deutsche und für Polen, Türken oder andere, die hier einheimisch geworden sind. Sie alle leiden unter der politisch zugelassenen und teilweise gewollten schädlichen Masseneinwanderung. Für sie müssen wir Politik machen. Für sie müssen wir handeln.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Susanne Hierl
Foto: Susanne Hierl/Christian Kaufmann
7 Vermerkeca. 539 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wohnen soll für alle Menschen bezahlbar und Wohnraum für alle Menschen verfügbar sein. In Deutschland liegt diesbezüglich leider einiges im Argen. Wir bringen heute als Koalition den Gesetzentwurf zur Verlängerung der Mietpreisbremse ein.

Sicherlich kann man fragen, warum die Verlängerung der Mietpreisbremse heute isoliert als Gesetzentwurf vorgelegt wird. Hintergrund – das hat die Ministerin schon erwähnt – ist das Auslaufen der Mietpreisbremse zum Ende dieses Jahres. Die Länder und auch die Mieterinnen und Mieter brauchen Planungssicherheit.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Aber machen wir uns nichts vor! Es braucht weitere Schritte hin zu bezahlbarem Wohnraum. Unter anderem werden wir deshalb eine Expertengruppe mit Mieter- und Vermieterorganisationen einsetzen und damit alle Sichtweisen an einen Tisch bringen, um über weitere Maßnahmen für eine Entspannung am Wohnungsmarkt zu beraten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Linken, ich teile die Analyse in Ihrem Antrag, dass sich die Mietenkrise zuspitzt. Ihre Annahme, dass unsere einzige Maßnahme die Verlängerung der Mietpreisbremse ist, geht allerdings fehl. Zugleich zeigt das aber auch, dass Ihre Vorschläge für eine Lösung des Themas der zu hohen Mieten zu verengt und damit ein falscher Ansatz sind.

Wenn Sie im Koalitionsvertrag nicht erst beim Schlagwort „Mietpreisbremse“ begonnen hätten zu lesen, dann wäre Ihnen aufgefallen, dass wir das Thema Mieten nicht nur unter dem Aspekt „Begrenzung von Miethöhen“ betrachten. Die Mieten sind doch nicht zu hoch, weil wir zu wenig regulieren, sondern weil es zu wenig Wohnraum gibt.

Beifallbei der CDU/CSU

In Ihrem Antrag fordern Sie unter anderem, dass die Mietpreisbremse entfristet wird und flächendeckend gelten soll. Dabei übersehen Sie jedoch, dass das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschluss bereits 2019 klar dargelegt hat, dass eine Regulierung und ein Eingriff in die Mieten nicht so weit gehen darf, dass das Eigentumsrecht der Vermieter komplett eingeschränkt wird. Verfassungsrecht gilt auch im Mietrecht, und das nicht nur zugunsten der Mieter, sondern auch der Vermieter.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir als Koalition wollen im Gegensatz zu Ihnen nicht nur verbieten und regulieren, sondern zum Beispiel durch steuerliche Vergünstigungen Investitionen fördern und damit günstigere Mieten anreizen. Demgegenüber erschöpfen sich Ihre Vorschläge in der Regulierung des Mietmarkts. Dadurch wird aber kein einziger Quadratmeter Wohnraum geschaffen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es handelt sich bei Ihren Vorschlägen vielmehr um rein kurzfristige Maßnahmen. Das Problem, dass mehr Wohnungen auf angespannten Wohnungsmärkten benötigt werden, beheben Sie dadurch nicht. Im Gegenteil: Die kurzfristig wirkende Maßnahme der Begrenzung der Miethöhe hat auch Einfluss auf die langfristigen Ziele, wobei ich da zum Kollegen Grimm sagen muss: Was Sie natürlich unterschlagen haben, ist, dass diese Regelung für Neubauten nicht gilt. Damit fällt Ihr Argument in sich zusammen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir als Koalition gehen die Probleme generell an. Insbesondere werden wir im Baurecht gegensteuern, das Baugesetzbuch novellieren und so dem eigentlichen Problem zu Leibe rücken: dem fehlenden Wohnraum. Denn Bauen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist der Schlüssel zu einem ausreichenden Angebot an Wohnraum und damit für bezahlbares Wohnen – und zwar für alle.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Hanna Steinmüller
Foto: Hanna Steinmüller/ Julia Bornkessel
9 Vermerkeca. 718 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Frau Ministerin, Sie haben geschafft, was Marco Buschmann in dreieinhalb Jahren nicht geschafft hat: Sie haben einen Entwurf zur Mietpreisbremsenverlängerung vorgelegt. Dafür als Allererstes herzlichen Dank! Darauf haben wir lange gewartet.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Verlängerung der Mietpreisbremse, sie reicht bei Weitem nicht aus; denn wir haben verschiedene Probleme bei der Mietpreisbremse.

Zum Ersten. Sie ist viel zu unbekannt und wird zu wenig genutzt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der LMU und der TU München haben in München 10 000 Haushalte befragt. Sie haben festgestellt: 25 Prozent der Haushalte, 2 500 Menschen, wären berechtigt gewesen, die Mietpreisbremse zu ziehen. Tatsächlich getan haben das aber nur 2,4 Prozent, 240 Mieterinnen und Mieter, weil viele sich nicht getraut haben und weil sie vor allen Dingen nicht gewusst haben, dass es die Mietpreisbremse gibt. Hier ist also noch viel Luft nach oben.

Zurufvon der AfD

Zum Zweiten. Die Mietpreisbremse, sie ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Sie hat viel zu viele Ausnahmen, beispielsweise „möblierter Wohnraum“. Jan-Marco Luczak hat in der letzten Sitzung wieder darauf hingewiesen, dass die Mietpreisbremse für möblierte Wohnungen gilt; das stimmt. Aber dadurch, dass Mieterinnen und Mieter nicht nachvollziehen können, wie hoch der Möblierungszuschlag und wie hoch die Kaltmiete ist, weil es keine Pflicht gibt, das offenzulegen, können sie de facto nicht nachvollziehen, ob die Mietpreisbremse gezogen werden kann, ob sie gilt oder nicht. Hier haben wir also ein großes Transparenzdefizit, das man dringend beheben müsste.

Die Mietpreisbremse gilt auch nicht für den Neubau. Vor elf Jahren, also 2014, wurde das Gesetz vorgelegt. Die Ministerin hat selber gesagt, dass zumindest das Vorziehen bis 2019 – aus unserer Sicht auch noch weiter – notwendig wäre, weil elf Jahre doch schon eine ganz schön lange Zeit ist, um eine Ausnahme wegen Neubau zu begründen.

Zurufdes Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Umfassende Sanierungen sind ein weiteres Schlupfloch, ebenso das Thema „Wohnen auf Zeit“, dass also Menschen immer nur befristete Mietverträge bekommen, teilweise auch in der Kette, um die Mietpreisbremse auszuhebeln.

Der dritte Punkt. Die Mietpreisbremse sanktioniert nicht ausreichend. Wir wissen vom Legal-Tech-Unternehmen Conny, dass in 90 Prozent der Fälle, wo es aktiv wird, die Mietpreisbremse auch gezogen werden kann. Die Miete liegt in 80 bis 90 Prozent der Fälle mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Das heißt, wir wissen: Vermieter versuchen es immer wieder, weil sie keine Angst vor Sanktionen haben. Auch das ist ein Problem der Mietpreisbremse. – Und das vierte Problem ist: Sie gilt nur befristet. Also ist es vollkommen eindeutig: Eine reine Verlängerung, sie reicht nicht!

Und das weiß auch die Bundesregierung; denn es liegen ja bereits verschiedene Bundesratsinitiativen vor – auch das haben wir in der letzten Sitzungswoche ausführlich debattiert –, zum einen zum Möblierungszuschlag, zum anderen zum Wohnen auf Zeit. Aber anstatt zu handeln, verfährt die Bundesregierung nach dem alten Motto: Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis. Weißt du das Ergebnis schon, gründe eine Kommission. – Sie kaschieren also Ihre Uneinigkeit in einer Kommission und sorgen dafür, dass Mieterinnen und Mietern nicht schnell geholfen wird.

Die gute Nachricht ist: Wir sind eine Serviceopposition; wir haben in der letzten Sitzungswoche schon vorgelegt. Wir haben das Faire-Mieten-Gesetz vorgelegt, worin wir konkrete Vorschläge zur Mietpreisbremse gemacht haben,

Heiterkeitbei der CDU/CSU

zur Entfristung, beim Thema Möblierung und bei der Neuregelung von Neubau. Wir wissen, die Mietpreisbremse allein reicht nicht. Deswegen haben wir weitere Vorschläge im Mietrecht gemacht: bei der Eigenbedarfskündigung, beim Mietwucher und bei den Kappungsgrenzen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, manche hier im Haus haben ja schlechte Erfahrungen mit dem Thema Plagiat gemacht. Das Gute ist: So ein Gesetzentwurf ist keine wissenschaftliche Arbeit. Da können Sie Dinge einfach übernehmen; wir sagen es auch niemandem. Von daher: Nutzen Sie das Faire-Mieten-Gesetz zur Inspiration! Sorgen Sie dafür, dass Millionen Mieterinnen und Mietern zeitnah geholfen wird.

Herzlichen Dank.

Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
15 Vermerkeca. 1.000 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ein Auto, das nicht wirklich bremst, bekommt keinen neuen TÜV – zu Recht. Aber eine Mietpreisbremse, die offensichtlich nicht bremst, soll ohne Reparatur einfach verlängert werden. Und Sie feiern sich auch noch dafür. Das ist doch wirklich absurd.

Beifallbei der Linken

Es gibt diese Mietpreisbremse seit genau zehn Jahren. In dieser Zeit sind die Mietpreise, also genau die, die eigentlich gebremst werden sollen, um 50 Prozent gestiegen, und das im Schnitt. In Potsdam waren es sogar 71 Prozent, in Berlin wurden die Mieten in diesem Zeitraum um 100 Prozent angehoben – trotz Mietpreisbremse. Das zeigt doch, dass diese Mietpreisbremse nicht wirklich wirkt.

Beifallbei der Linken

Und ja, sie kann im Einzelfall einzelnen Mieterinnen und Mietern helfen, aber als Instrument, um diesen Mietenwahnsinn wirklich zu stoppen, taugt sie nicht. Und wir müssen diesen Mietenwahnsinn endlich beenden.

Beifallbei der Linken

Es darf also kein Weiter-so geben. Die Mietpreisbremse bremst nicht, sie darf nicht einfach so einen neuen TÜV bekommen, sie muss repariert werden.

Kommen wir auf die Probleme zu sprechen. Dieser Preisanstieg ist bei der Mietpreisbremse ja von vornherein eingepreist. Die neuen Mietverträge dürfen laut Gesetz 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Das ist doch viel zu viel.

Die Städte dürfen sie auch nur dann anwenden, wenn vorher die Länder eine Verordnung erlassen haben. Viele unionsregierte Länder haben sich lange geweigert, eine solche Verordnung zu erlassen. In Schleswig-Holstein beispielsweise hat die Union gemeinsam mit FDP und Grünen die Verordnung wieder zurückgezogen, sodass Städte wie Kiel sie gar nicht mehr anwenden konnten.

Das ist das eine Problem: Sie gilt nicht flächendeckend. Die Dauer ist begrenzt; das ist das nächste Problem. Und das größte Problem aus meiner Sicht sind die zahlreichen Schlupflöcher: Es gibt keine Regelung für modernisierte Wohnungen. Es gibt keine Regelung für Neubauten, auch nicht für die alten Neubauten, die vor zehn Jahren gebaut wurden und jetzt vielleicht zum dritten Mal wieder vermietet werden. Und auch bei möblierten Wohnungen wird die Mietpreisbremse systematisch unterlaufen, und zwar nicht in Einzelfällen. Da werden eine Couch und ein Stuhl in die Wohnung gestellt, und zwar, um die Mietpreisbremse zu umgehen. Das ist systematischer Gesetzesbetrug, und wir dürfen nicht länger dabei zusehen.

Beifallbei der Linken

Apropos Gesetzesbetrug: Was droht eigentlich Vermietern, die sich einfach nicht an das Gesetz halten? Nichts. Wer seine Miete ein paar Tage zu spät bezahlt hat, darf auf die Straße gesetzt werden, aber millionenfacher Mietpreisbetrug bleibt ungestraft. Meine Damen und Herren, das ist doch ein Stück aus dem Tollhaus!

Beifallbei der Linken

Und ein weiterer Haken besteht ja darin, dass die Mieterinnen und Mieter selbst aktiv werden müssen. Das werden viele auf angespannten Wohnungsmärkten einfach nicht machen, weil sie sich nicht mit ihrem Vermieter anlegen wollen. Dabei werden sie alleingelassen, und auch das muss sich ändern.

All das ist übrigens bekannt. Bei der Debatte zur Beschlussfassung des Gesetzes habe ich an dieser Stelle gesagt: Sie ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse, und sie kann nicht funktionieren. Dafür bin ich hier verlacht worden. Leider, so muss ich sagen, haben die Geschichte und die Zahlen mir recht gegeben.

Diese ganzen Schlupflöcher – das will ich noch mal sagen – sind damals übrigens auf den letzten Metern auf Druck der Immobilienlobby mit freundlicher Unterstützung der CDU in dieses Gesetz hineingestimmt worden. Das heißt, die Mietpreisbremse soll nicht funktionieren. Das ist doch der springende Punkt!

Beifallbei der Linken

Und deswegen ärgert es mich wirklich, dass Sie jetzt auch noch so tun, als würden Mieterinnen und Mieter dadurch eine bezahlbare Wohnung finden. Sie haben das ebenfalls angedeutet, Frau Ministerin. Auch der SPD-Parteivorstand macht so süße Comics mit der kleinen Conny, die jetzt dank der Mietpreisbremse ihre erste bezahlbare Wohnung findet – in Berlin-Mitte.

Wer ist Conny?

Weiterer Zurufvon der SPD: Traumhaft!

– Ja, träumen Sie weiter. Da kostet ein neuer Mietvertrag 19 Euro pro Quadratmeter. Das ist die Wahrheit – trotz Mietpreisbremse!

Beifallbei der Linken

Dieses Gesetz kann nicht wirken, es wird nicht wirken, und Sie wissen das auch. Und ich habe wirklich das Gefühl, das wird auch nur gemacht, damit man der Öffentlichkeit suggerieren kann: Ja, wir haben ja jetzt schon was für Sie getan. Nein! Mieterinnen und Mieter brauchen keine Beruhigungspille, sondern sie brauchen einen echten Mietenstopp.

Beifallbei der Linken

Wir als Linke legen heute einen Gegenentwurf vor. Es braucht kein Mietpreisbremschen, sondern einen echten Mietenstopp. Die Mieten müssen auf die ortübliche Vergleichsmiete begrenzt werden. Das ist doch das Mindeste, das ist wirklich „Bare Minimum“. Es braucht eine flächendeckende Regelung. Und die ganzen Schlupflöcher, beispielsweise für modernisierte Wohnungen, für möblierte Wohnungen und auch für alte Neubauten, müssen endlich gestopft werden.

Beifallbei der Linken

Und das, meine Damen und Herren, ist wirklich dringend notwendig, um die Mietpreisspirale zu beenden, aber auch, um den sozialen Zusammenhalt in diesem Land zu garantieren.

Und übrigens ist das ja auch nicht das Einzige, was wir als Linke hier fordern. Wir haben immer ein Investitionsprogramm für bezahlbaren gemeinnützigen, sozialen Wohnungsbau gefordert – Sie waren dagegen. Sie haben ein großes Investitionsprogramm beschlossen, hier vor zwei Monaten. Was fehlt dabei? Bezahlbarer Wohnraum. Ja, wo ist denn da das Sondervermögen für gemeinnützigen Wohnungsbau, meine Damen und Herren von der Union?

Beifallbei der Linken

Uns hier Vorwürfe zu machen, das ist doch wirklich absurd. Ihre Politik ist einseitig.

Es ist alles großer Käse, was Sie hier erzählen!

Sie haben hier jahrelang alles unternommen, um einen besseren Mieterinnen- und Mieterschutz zu verhindern. Das ist die Wahrheit.

Beifallbei der Linken

Und schließlich – das ist mein letzter Punkt –: Die Mietpreisbremse gilt ja nur für neue Mietverträge. Für alte Mietverträge, für Bestandsmieten liegt hier überhaupt nichts auf dem Tisch. Auch hier muss endlich gehandelt werden. Wir brauchen endlich einen bundesweiten Mietendeckel. Dafür werden wir als Linke streiten.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Hakan Demir
Foto: Hakan Demir/ Christian Spies
8 Vermerkeca. 650 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Frau Kollegin Lay, wir – und ich kann mich erinnern, Sie auch – haben in den letzten Legislaturen im Bund, aber auch in Berlin immer wieder gesagt, dass die Mietpreisbremse verlängert werden soll. Jetzt höre ich eine Grundkritik an diesem Instrument. Das finde ich nicht gut. Was meinen Sie denn, was passieren würde, wenn wir die Mietpreisbremse nicht verlängern würden? Das ist die Frage, die wir uns stellen müssen bei all der Kritik, die ich verstehen kann.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Heute ist ein guter Tag. Das, was wir im vergangenen Jahr nicht mehr geschafft haben, werden wir in diesem Jahr schaffen. Die Verlängerung der Mietpreisbremse kommt endlich; wir verlängern sie um vier Jahre. Wir wissen natürlich, dass die Angebotsmieten in den vergangenen zehn Jahren um über 30 Prozent gestiegen sind. Familien finden keine bezahlbaren Wohnungen. Menschen haben Angst, aus ihrem Lebensumfeld gerissen zu werden, weil sie ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können.

Als ich im Wahlkampf hier in Berlin unterwegs war, an die Türen geklopft und gesagt habe, was die Sozialdemokratie vorhat, hat man mich natürlich auch kritisch gefragt: Warum habt ihr das denn in den letzten drei Jahren nicht gemacht? – Recht hatten sie. Ich habe dann natürlich gesagt, dass das auch an einem bestimmten Koalitionspartner lag. Aber wir holen das ja jetzt nach. Wir kriegen das hin.

Es geht ja genauso weiter!

Ich bin unserer Ministerin dankbar, dass wir die Verlängerung der Mietpreisbremse so schnell wie möglich voranbringen.

Beifallbei der SPD
Zurufder Abg. Caren Lay [Die Linke]

Es ist wichtig, zu wissen – ich glaube, das ist nicht allen klar –, dass es hier in Deutschland 21 Millionen Mieterhaushalte gibt. Wir müssen ihr Vertrauen in die Funktionsfähigkeit dieses Staates zurückgewinnen. Die Mietpreisbremse ist ein sehr guter Anfang. Gleichzeitig sind wir hier als Parlament natürlich gefragt, dieses Gesetz noch besser zu machen.

Wie können wir das schaffen? Die Ausnahmen wurden schon genannt. Die Stichtagsregelung des Gesetzes besagt, dass alle Häuser, die nach dem 1. Oktober 2014 zum ersten Mal genutzt worden sind, gar nicht unter die Mietpreisbremse fallen. Ich frage mich auch, warum ein Haus, das jetzt über elf Jahre alt ist, als neu gelten sollte. Das müssen wir zusammen besprechen.

Beifallbei der SPD

Was bedeutet das? Je länger wir uns von diesem Datum entfernen, desto weniger greift die Bremse. Ich will auch etwas selbstkritisch sagen: Natürlich ist das nur ein Anfang. Wir brauchen noch viel mehr, und das kommt ja auch. Der Koalitionsvertrag sieht die Regulierung von Indexmieten, von Mieten für möblierte Wohnungen und auch von Kurzzeitvermietungen vor. All das wird bald kommen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Susanne Hierl [CDU/CSU]

Zum Thema „möblierte Wohnungen“: Ich höre von einigen Kolleginnen und Kollegen hier im Haus, dass sie keine Wohnung in Berlin finden. Auch sie sehen natürlich, dass ein Drittel der Wohnungen hier in Berlin möbliert ist, dass es da riesige Preisaufschläge gibt. Wir werden Maßnahmen finden, damit das so nicht mehr passiert. Wenn Abgeordnete schon Probleme haben, Wohnungen zu finden, dann können Sie sich vorstellen, wie es den Mitbürgerinnen und Mitbürgern geht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Spätestens 2029 will ich wieder an die Türen klopfen und schon dann rückblickend sagen können: Wir haben all die Punkte, die wir im Koalitionsvertrag zusammen mit der CDU/CSU vereinbart haben, umgesetzt. Ich glaube auch, dass dann die Reaktion an den Türen eine andere sein wird. Vielleicht wird der ein oder andere sagen: Ich habe Sie vor einigen Jahren nicht gewählt, aber das, was Sie in diesem Land vorangebracht haben, ist schon ziemlich stabil, und das ist gut so. – Dafür setzen wir uns ein.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Rainer Galla
Foto: Rainer Galla/AfD-Bundestagsfraktion
11 Vermerkeca. 716 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Kollegen! Liebe Landsleute! Es ist bezeichnend, dass wir uns innerhalb kürzester Zeit zum dritten Mal mit dem Thema Mieten befassen. Das zeigt einerseits, dass dies ein sehr wichtiges Thema ist, andererseits, welche Versäumnisse es aus der Vergangenheit aufzuarbeiten gilt.

Im November 2014 wurde der Entwurf eines Mietrechtsnovellierungsgesetzes zur Einführung der sogenannten Mietpreisbremse vorgelegt. Schon damals wurde ein derartiger Mietanstieg festgestellt, dass nicht nur einkommensschwache Haushalte, sondern auch Durchschnittsverdiener immer größere Schwierigkeiten hatten, an bezahlbaren Wohnraum zu kommen. Ich zitiere:

„Erhebliche Teile der angestammten Wohnbevölkerung werden aus ihren Wohnquartieren verdrängt.“

Zitat Ende. So hieß es damals.

Und heute? Neben einkommensschwachen seien auch Durchschnittsverdiener und insbesondere Familien mit Kindern bei der Wohnungssuche finanziell herausgefordert und würden aus ihren angestammten Wohnquartieren verdrängt, heißt es genauso wie vor zehn Jahren, wenn auch mit einer etwas anderen Begründung.

Halten wir fest: Schon vor 2015 gab es eine Wohnungsknappheit. Der Gesetzgeber meinte, mit Bewirtschaftungsmaßnahmen gegensteuern zu können, obwohl eigentlich teure Bauvorschriften, Bürokratie und knappes Bauland die Themen waren. Damit nicht genug: Bekanntermaßen wurden 2015 die Grenzen geöffnet. Ich darf aus meiner vorherigen Rede in abgewandelter Form zitieren: Wer ungeregelt Millionen ins Land lässt, darf sich nicht wundern, wenn der ohnehin knappe Wohnraum noch knapper wird.

Beifallbei der AfD

Und es geht ja weiter: Allein in den letzten drei Jahren gab es einen derartigen Zustrom, dass wir eigentlich eine neue Großstadt bräuchten, so groß wie Lübeck, Bielefeld und Krefeld zusammen. Das ist die verschwiegene Wahrheit. Sie gilt übrigens für alle Lebensbereiche, egal ob es um Wohnraum, medizinische Versorgung, Schulen, Kitas usw. geht.

Nun soll also mit dem Gesetz der Koalition für Abhilfe gesorgt werden. Ehrlich gesagt, überzeugt mich das nicht so ganz. Wenn den Mietern in diesem Lande tatsächlich geholfen werden soll, dann ändern Sie Ihre Migrationspolitik und nehmen damit den Druck von außen auf den Mietwohnungsmarkt.

Zurufdes Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

Dann ändern Sie Ihre Energiepolitik, und sorgen Sie dafür, dass die Nebenkosten, die mancherorts schon eine zweite Miete ausmachen, die Mieter nicht weiter belasten.

Daran sind auch die Flüchtlinge schuld, oder?

Dann ändern Sie eine Vielzahl von Vorschriften, die das Bauen von Mietwohnungen in Deutschland teuer und unattraktiv machen, und vieles mehr. Dann würden Sie wirklich etwas im Sinne der Mieter unternehmen.

Beifallbei der AfD

Man kann die unsichtbare Hand des Marktes, also den Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage, ignorieren und leugnen. Die Folgen hiervon treten dennoch ein und sind schon eingetreten. Die heutige Debatte dreht sich im Kern um die Folgen der verfehlten Politik aller Regierungen und der Altparteien der letzten 25 Jahre. Bildlich gesprochen: Drohte der Mietwohnungsmarkt vor zehn Jahren zu kentern, so ist er heute schon abgesoffen. Die Mieter sind meist die kleinen Leute, die am Ende, wie so oft, die Zeche zahlen sollen. Es hilft aber nichts, gegen die Vermieterseite allein Stimmung zu machen und beide Seiten gegeneinander auszuspielen.

Frau Ministerin, Sie haben hier den vorgelegten Gesetzentwurf als einen ersten Schritt bezeichnet. Für mich ist das eine Bankrotterklärung. Sämtliche Altparteien hatten in Bund und Ländern zehn Jahre Zeit, hier etwas zu machen.

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

Dass es heute so ist, wie es ist, ist Ihre eigene Verantwortung.

Beifallbei der AfD

Es droht eine dauerhafte, flächendeckende Wohnraumbewirtschaftung. Wer wissen will, wie deutsche Städte bei einem Weiter-so in 30 bis 40 Jahren aussehen werden, muss nur Bilder aus der – Gott sei Dank untergegangenen – DDR von 1989 betrachten.

Nur ein Wort zu dem tollen Antrag der Fraktion Die Linke.

Zurufvon der Linken

Meine Güte, Sie lernen es nicht!

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Ich bin dem geschätzten Kollegen Luczak und Frau Kollegin Hierl dankbar, dass sie bereits darauf hingewiesen haben, dass dieser Antrag verfassungsrechtliche Probleme verursacht. Er ist meiner Meinung nach verfassungswidrig.

Zurufvon der Linken
Rednerwechsel

Erledigen Sie Ihre Hausaufgaben; dann können wir weitermachen.

Frau Präsidentin, ich komme zum Ende.

Rednerwechsel

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Jan-Marco Luczak
Foto: Jan-Marco Luczak/ Tobias Koch
14 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.842 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Bezahlbares Wohnen ist für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ein ganz zentrales Momentum. Wir alle wissen, auch aus Gesprächen mit unseren Freunden, mit unserer Familie, mit den Bürgerinnen und Bürgern in unserem Land, dass Wohnen mehr ist, als ein Dach über dem Kopf zu haben. Es geht auch darum, einen Raum für persönliche Entfaltung zu haben, für persönliche Freiheit. Es ist am Ende eben auch ein Stück Heimat. Deswegen ist für uns als Union ganz klar: Wir brauchen starke soziale Leitplanken im Mietrecht.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Da haben wir ein gemeinsames Verständnis und auch ein gemeinsames Bekenntnis in dieser Koalition. Deswegen verlängern wir nun die Mietpreisbremse. Das setzen wir schnell um, weil wir den Menschen schnell Sicherheit geben wollen.

Aber für uns ist genauso klar, dass die Mietpreisbremse nur eine Zwischenlösung sein kann. Sie ist kein Allheilmittel. Sie wirkt schnell. Sie kann Linderung verschaffen, aber sie setzt eben nur bei den Symptomen an. Sie ändert überhaupt nichts an den Ursachen. Ich kleide das immer gerne in das folgende Bild: Wenn beispielsweise hier in Berlin eine Wohnung zur Besichtigung ausgeschrieben wird, bildet sich ganz schnell eine Schlange von 200, 300 oder 500 Menschen, die sich für diese Wohnung bewerben. Am Ende ist es egal, ob die Mietpreisbremse gilt, ob ein Mietendeckel vorhanden ist oder ob wir die bestehenden Bestimmungen noch verschärfen. Von den 500 Menschen werden 499 diese Wohnung nicht bekommen, weil es eben nur diese eine Wohnung gibt. Ich finde, das macht es so klar, so plastisch, so manifest. Wir müssen an die Ursachen ran. Wir müssen die Wohnungsbaukrise lösen. Wir müssen mehr Angebot an bezahlbaren Wohnungen schaffen. Da gehen wir jetzt ran, unter anderem mit dem Bauturbo. So kriegen wir die Probleme gelöst.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir sollten all unsere Kraft in der Koalition, aber auch in der Opposition darauf konzentrieren, die Wohnungsbaukrise zu lösen. Mit immer mehr Regulierung wird das nicht gelingen. Ganz im Gegenteil: Das ist an vielen Stellen sogar kontraproduktiv, weil wir privates Kapital benötigen. Wir werden – nicht nur wegen unserer angespannten Haushaltslage – gar nicht in der Lage sein, so viel Förderung auszuschütten, für so viel sozialen Wohnungsbau zu sorgen, dass wir das allein als Staat lösen können. Vielmehr brauchen wir private Investoren, die Geld in die Hand nehmen und bezahlbare Wohnungen schaffen. Deswegen dürfen wir Maß und Mitte nicht aus den Augen verlieren. Wohnungsbau in unserem Land muss sich lohnen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Bitte, gern.

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsidentin, und auch vielen herzlichen Dank, Herr Abgeordneter. – Ich finde es ja schon mal bezeichnend, dass die Union offensichtlich erkannt hat, dass wir ein großes Wohnraumversorgungsproblem in diesem Land haben. Ich selbst komme aus Potsdam, einem Ort, in dem die Angebotsmieten im Jahr 2023 um 31 Prozent gestiegen sind.

Die Frage, die mich interessiert, ist: Erkennen auch Sie die von Frau Lay dargestellten Schlupflöcher in der bestehenden Mietpreisbremse? Was werden Sie tun, um dagegen vorzugehen, und wird es ein soziales Wohnraumförderprogramm dieser Bundesregierung geben?

Beifallbei der Linken

Frau Kollegin, ich hatte ja gerade sehr klar gesagt, dass wir für starke soziale Leitplanken sind. Deswegen verlängern wir die Mietpreisbremse. Es ist dargestellt worden, dass wir noch andere Dinge im Koalitionsvertrag verabredet haben, über die wir miteinander sprechen werden. Es geht darum, wie wir die starken sozialen Leitplanken so ausgestalten können, dass sie auch wirken, dass wir ein starkes soziales Mietrecht haben.

Natürlich ist es so, dass es nicht sofort wirken wird, wenn wir bauen. Deswegen müssen wir schnell sein. Ich hatte den Wohnungsbauturbo angesprochen. Aber das, was Sie und auch die Kollegin Lay als Schlupflöcher in der Mietpreisbremse – ich will das ganz bewusst sagen – diffamieren, sind wohlerwogene Ausnahmen.

Zurufvon der Linken

Ich nenne ein Beispiel, das auch in Ihrem Antrag, über den wir heute ja ebenfalls sprechen, steht. Sie wollen die Ausnahme für die Modernisierung von Wohnungen abschaffen. Da frage ich Sie allen Ernstes: Wie wollen wir unsere Klimaschutzziele erreichen, wenn jemand, der eine Wohnung energetisch modernisiert, am Ende dafür kein Geld nehmen darf? Wie wollen wir den demografischen Wandel in unserem Land in den Griff kriegen, wenn jemand, der eine Wohnung saniert, sie alters- und seniorengerecht umgestaltet und vielleicht noch einen Fahrstuhl einbaut, damit auch ältere Menschen den Wohnraum nutzen können, dafür kein Geld nehmen kann? Wenn sich das nicht wirtschaftlich trägt, wie soll das alles funktionieren?

Das, was Sie als Schlupflöcher diffamieren, ist notwendig, um die großen Zielkonflikte, die wir in unserer Gesellschaft haben, zu lösen. Dabei geht es um bezahlbares Wohnen auf der einen Seite und auf der anderen Seite darum, die Klimaschutzziele zu erreichen und den demografischen Wandel einzuhegen. Das zusammenzubringen, das ist die Aufgabe, und das macht die Mietpreisbremse mit wohlerwogenen Ausnahmen. Deswegen werden wir an diesen Ausnahmen festhalten, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich hatte ja gerade gesagt, dass wir mit immer mehr Regulierung nicht weiterkommen, weil das zum Teil kontraproduktiv ist.

Immer gerne.

Rednerwechsel

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Vielen Dank, Herr Abgeordneter, dass Sie die Frage zulassen. – Sie haben gerade die Klimaschutzziele erwähnt. Ich finde es sehr ehrenvoll von der Union, das mitzudenken. Jetzt wäre meine Frage: Wir sind ja momentan bei einem Flächenverbrauch von 50 Hektar pro Tag; das sind über 70 Fußballfelder. Wenn Ihre zentrale, Ihre einzige Lösung für das Mietenproblem das Bauen ist, wie wollen Sie bis 2030 das 30-Hektar-Ziel erreichen? Dies war erklärtes Ziel der vorherigen Bundesregierung. Gibt die Bundesregierung dieses Ziel auf, oder welche Vorschläge haben Sie, um dieses Ziel zu erreichen, wenn Sie nur auf das Bauen setzen wollen?

Beifallbei der Linken
Zurufvon der AfD: Abschiebung!

Herr Kollege, Ihrer Frage liegt ein fundamentales Missverständnis zugrunde. Natürlich sagen wir: Wir müssen mehr bauen. Wir müssen schneller bauen. Wir müssen kostengünstiger bauen. Natürlich wird das an vielen Stellen auch Neubau sein. Wir wollen zum Beispiel Eigentumsbildung für junge Familien. 80 Prozent der Menschen wollen in die eigenen vier Wände. Deswegen sagen wir zum Beispiel – anders als die Vorgängerregierung –: Wir finden es gut, wenn neue Einfamilienhäuser entstehen und wir den Menschen den Traum von den eigenen vier Wänden ermöglichen können. Das finden wir als Union gut.

Beifallbei der CDU/CSU

Gleichzeitig sagen wir aber auch: Natürlich müssen wir den Bestand in den Blick nehmen. Wir müssen im Bestand nachverdichten. Wir müssen Aufstockungen und das Bauen in der zweiten Reihe ermöglichen. Das alles sind Dinge, die wir jetzt in der Koalition gemeinsam auf den Weg bringen. Die Vorschläge zu § 31 und § 34 Baugesetzbuch liegen schon auf dem Tisch.

Natürlich sehen wir, dass wir nicht unbegrenzt Flächen zur Verfügung haben. Aber die Vorstellung, dass Deutschland fertig gebaut ist und wir uns jetzt nur noch auf den Bestand konzentrieren können, trifft einfach nicht zu. Wir müssen beides machen: neu bauen, um insbesondere jungen Familien Eigentumserwerb und ein Einfamilienhaus zu ermöglichen, und im Bestand vorangehen. Genau das machen wir als Koalition.

Beifallbei der CDU/CSU

Keine Familie kann sich Eigentum leisten!

Ich hatte gerade schon davon gesprochen, dass immer mehr Regulierung kontraproduktiv ist, weil so der Wohnungsbau nicht gelingen kann. Es gibt aber auch verfassungsrechtliche Grenzen, die wir beachten müssen. Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2019 ist ja schon angesprochen worden. Es hat uns sehr klare und durchaus enge Grenzen gesetzt. Die Befristung der Mietpreisbremse, die Ausnahmen, die hier als Schlupflöcher von den Linken diffamiert worden sind, das alles sind Punkte, die das Bundesverfassungsgericht sehr genau analysiert hat und zu denen es gesagt hat: Diese Ausnahmen sind notwendig, damit das ganze Instrument der Mietpreisbremse, welches einen starken Eingriff in die Eigentumsrechte der Vermieter darstellt, verhältnismäßig ist.

Mit der zweiten Verlängerung der Mietpreisbremse – das Bundesverfassungsgericht hatte im Jahre 2019, also vor der ersten Verlängerung, entschieden – testen wir die Grenzen aus, die das Verfassungsgericht uns gesetzt hat. Nach meiner persönlichen Auffassung müssen wir im parlamentarischen Verfahren zum Beispiel über eine angeschärfte Begründungspflicht reden, also darüber, dass Kommunen und Länder, wenn sie die Mietpreisbremse noch einmal verlängern, auch darlegen, was sie getan haben, um an die Ursachen heranzugehen. Was haben sie denn getan, um Abhilfe zu schaffen? Was haben sie getan, damit mehr Wohnungen gebaut werden können? Was haben sie getan, damit mehr Bauland für den Wohnungsbau ausgewiesen wird? Was haben sie getan, um etwa das Bauordnungsrecht in den Ländern zu entschlacken? Bei all dem müssen wir als Bundesgesetzgeber auch ein paar Grenzen setzen. Das würde ich mir jedenfalls wünschen, wenn wir darüber in den Verhandlungen miteinander sprechen.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit Blick auf die verfassungsrechtlichen Grenzen – darüber führen wir ja eine juristische Diskussion – möchte ich sagen: Die Vorstöße, die nun unternommen werden, um etwa von 2014 bis 2019 erstellte Neubauten in den Regelungsbereich der Mietpreisbremse zu überführen, wären ein krasser Vertrauensbruch gegenüber all denjenigen, die sich darauf verlassen haben, dass alles, was nach 2014 gebaut wurde, eben nicht der Mietpreisbremse unterliegt. Und „Vertrauensbruch“ ist nicht nur so dahingesagt. Denn es geht ja auch ganz konkret um die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte. Wenn ich zur Bank gehe, um ein Wohnbauprojekt zu realisieren, kalkuliere ich mit anderen Mieteinnahmen, wenn keine Mietpreisbremse gilt. Verändert der Gesetzgeber rückwirkend die Rahmenbedingungen und die Spielregeln und sagt, dass man Pech hat, weil nun doch die Regelungen der Mietpreisbremse gelten, geht die Finanzierung am Ende nicht mehr auf. Dann tritt genau das ein, was wir nicht wollen: fehlende Planbarkeit, fehlende Investitionssicherheit, Vertrauensbruch. Am Ende wird niemand mehr neue Wohnungen bauen. Das wäre fatal für unser Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Als letzten Punkt will ich noch sagen: Alles, was Die Linke vorschlägt – Entfristungen, bundesweite Geltung, Abschaffung des Modernisierungszuschlags, Mietenstopp, Mietendeckel, am Ende eine staatliche Wohnraumüberwachung –,

Zurufdes Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

führt am Ende dazu, dass jede geplante Mietpreiserhöhung von einer Behörde genehmigt werden muss.

Bis zur Zuteilung von Wohnraum –

– ist es dann nur noch ein kurzer Schritt. Das wollen wir nicht.

Das wäre Sozialismus und die Abschaffung des privaten Eigentums. Das ist mit uns nicht zu machen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Till Steffen
Foto: Dr. Till Steffen/ Stefan Kaminski
20 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.334 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Ministerin hat hier angekündigt, dass dieser Gesetzentwurf nur der Anfang sein soll. Es soll noch mehr kommen. Deswegen wird eine Kommission eingesetzt. Man fragt sich aber: Warum nicht gleich? Denn die Vorschläge des Bundesrates liegen ja vor. Wir haben hier letzte Woche den Entwurf eines Faire-Mieten-Gesetzes eingebracht, das viele konkrete Regelungen enthält. Also warum nicht gleich? Man hätte das genauso wie viele andere Dinge im Koalitionsvertrag gleich verabreden können. Das ist aber nicht gemacht worden und zeigt: Es gibt in diesem Punkt keine Einigkeit in der Koalition, ob man das jetzt wirklich machen soll.

Die SPD ist ganz klar dafür. Aber Herr Luczak hat ja in seinen sehr langen Ausführungen

Nein, nein, nein! Er hatte so viel Redezeit!

eine wahnsinnige Bremsspur hingelegt und deutlich gemacht, dass da wohl nicht so viel kommen wird. Ich kann gar nicht auf alle rechtlichen Argumente eingehen, die Sie hier versucht haben anzuführen. Dazu fehlt mir die Zeit. Aber es wird deutlich: Die Union will das nicht. Sie wollen, dass am Ende nichts dabei herauskommt und es eben bei dem kleinen Beitrag bleibt, den wir heute auf dem Tisch liegen haben. Die SPD sieht das anders. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und viel Glück an der Stelle. Wir unterstützen natürlich, dass der Mieterschutz gestärkt wird. Wir haben dazu Vorschläge vorgelegt. Es ist dringend notwendig, dass die Mieterinnen und Mieter besser geschützt werden.

Und was ist die Antwort der Union? Im Prinzip muss das doch der Markt regeln. „Bauen, bauen, bauen“? Herr Luczak, vielleicht fangen Sie einfach mal an! Fangen Sie doch vielleicht einfach mal da an, wo Sie selber regieren.

Wir wollen doch bauen!

Sie reden davon, das Bauen in der zweiten Reihe zu ermöglichen. Das können Sie tun, wenn Sie vor Ort die Gestaltungsmacht haben. Und hier in Berlin regiert die CDU und führt den Senat an.

Schauen wir uns einmal Hamburg und Berlin an, zwei durchaus vergleichbare, attraktive Städte mit angespanntem Wohnungsmarkt. Ein Vergleich der Jahre 2023 und 2024 zeigt, dass in Hamburg 39 Prozent mehr Wohnungen, aber in Berlin 6 Prozent weniger fertiggestellt wurden. Was ist denn hier los?

Kann es sein, dass es daran liegt, dass in Hamburg die SPD mit den Grünen regiert und in Berlin die SPD mit der CDU? Kann das sein?

Seit zwei Jahren regieren wir! Wie lange haben Sie regiert?

Rednerwechsel

Ja.

Vielen Dank, Herr Kollege, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. Ich dachte schon, Sie hätten Angst vor der Frage. Das hätte ich mir gar nicht vorstellen können.

Rednerwechsel

Auf gar keinen Fall.

Herr Kollege, Sie sind gerade auf die Situation in Berlin eingegangen. Ich will bemerken, dass die CDU gemeinsam mit der SPD seit zwei Jahren hier in Berlin Verantwortung trägt und seitdem sehr viel passiert ist. Wir haben das Schneller-Bauen-Gesetz auf den Weg gebracht. Wir haben die Bauordnung geändert. Berlin ist gerade gestern vom Zentralen Immobilien Ausschuss – ein großer Verband, den Sie kennen werden – dafür ausgezeichnet worden, was es im Bereich des Bauens gemacht hat. Nun sagen Sie uns, das alles reiche nicht. Vielleicht sollten Sie auf die Fachleute hören, die sich damit etwas besser auskennen.

Der zweite Punkt, den ich an dieser Stelle noch anmerken möchte: Bevor wir hier in Regierungsverantwortung gekommen sind, gab es hier eine Koalition, an der, wenn ich mich nicht ganz täusche, die Grünen beteiligt waren. Und was hat diese Koalition gemacht? Die Koalition hat sich für ein Enteignungsgesetz ausgesprochen.

Beifalldes Abg. Luigi Pantisano [Die Linke]

Sie wollten die Vermieterinnen und Vermieter, die Eigentümer enteignen. Was hatte das zur Folge?

Das ist genau die Frage!

Als die Eckpunkte darüber veröffentlicht worden sind, sind im gleichen Monat die Angebote an verfügbarem Wohnraum um 50 Prozent eingebrochen. Das war ein massiver Schlag gegen die Mieterinnen und Mieter in unserem Land, den Sie hier im Bundestag mit Ihrer Politik zu verantworten haben.

Beifallbei der CDU/CSU
Rednerwechsel

Vielen Dank für die Frage. – Wahrscheinlich wollen Sie sich diese Auszeichnung an die Wand hängen. Das ist schon mal ein guter Schritt. Das wird den Mieterinnen und Mietern sicherlich helfen, wenn Sie das machen.

Ja, es ist harte Arbeit, für mehr Wohnraum zu sorgen. Dafür muss man in der Tat eine ganze Menge machen.

Wo sind denn Ihre Ergebnisse?

Sie haben doch keine Ahnung, wie man Wohnungen baut!

Man muss für günstige Grundstücke sorgen. Dazu muss eine Stadt eine gute Bodenpolitik betreiben. In Berlin hat man sehr viele Wohnungen verkauft, das hat man in Hamburg vermieden. Man braucht natürlich eine konsequente Bürgerbeteiligung, um Konflikte zu bewältigen.

Wie war das denn in Berlin, als Sie regiert haben?

All das passiert in Hamburg. Man muss Geld in die Hand nehmen, um sozialen Wohnungsbau zu fördern. Man muss dafür sorgen, dass die Verwaltung läuft.

In der Tat: Sie regieren. Sie haben hier die Verantwortung.

Wie war das denn in Ihrer Regierungszeit?

Sie haben natürlich die Chance, da auch noch besser zu werden. Aber Ihre Bilanz ist erst mal nicht überzeugend. Das Hamburger Beispiel zeigt – selbst wenn man den Vergleich mit Berlin außer Acht lässt –, dass es möglich ist, unter den gegebenen Rahmenbedingungen mehr zu bauen, wenn eine Kommune sich konsequent anstrengt. Wir erwarten, dass das überall passiert.

Aber gleichzeitig – das wäre jetzt das Ende der Antwort auf die Zwischenfrage, und ich würde zu meinen ursprünglichen Erwägungen zurückkommen – reicht das natürlich nicht aus, weil mehr Bauen allein noch nicht zu bezahlbaren Mieten führt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für kinderlose Haushalte in Hamburg, die gut verdienen, ist es überhaupt kein Problem, eine Wohnung zu finden, weil genug Wohnungen gebaut werden. Aber diese sind sehr teuer und kosten 25 Euro den Quadratmeter in der Neuvermietung. Das ist irre. Wer soll das bezahlen?

Deswegen brauchen wir Instrumente, die die Mietpreise begrenzen, und wir brauchen Instrumente, die die Grundstücksspekulation beenden. Folgendes darf nicht sein: In Hamburg liegt das Holstenareal, ein Grundstück mit über 86 000 Quadratmetern in zentraler Lage. Diese Fläche liegt seit Jahren brach und wird von einer Immobilienfirma zur nächsten gereicht. Vom Bezirk wird erwartet, hochpreisiges Wohnen zuzulassen, weil sich ansonsten der letzte Kaufpreis gar nicht amortisieren lässt. Wenn wir so etwas ermöglichen, dann läuft etwas grundlegend falsch in diesem Land.

Beifalldes Abg. Marcel Bauer [Die Linke]

Es ist kein Wunder, dass das Bauen sehr teuer ist, wenn es sich lohnt, auf diese Weise zu spekulieren.

Wir brauchen in der Tat auch da ganz klare Regulierungen. Das betrifft insbesondere das Steuerrecht. Die Vorschläge für die Begrenzung von Mieten liegen auf dem Tisch. Wir brauchen neben dem, was Sie angekündigt haben, dringend die von uns vorgeschlagene Regelung zum Eigenbedarf. Das muss geregelt werden. Aber die Union leugnet, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Das steht doch im Koalitionsvertrag!

Die SPD verschiebt das auf die lange Bank, und am Ende lassen Sie gemeinsam die Mieterinnen und Mieter im Regen stehen. Das kann es nicht sein.

Porträt von David Preisendanz
Foto: Dr. David Sebastian Preisendanz/ Andrea Ruf
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über das Wohnen und insbesondere über zu teures Wohnen sprechen, dann behandeln wir eine der zentralen Fragen aus der Lebenswirklichkeit der Menschen. Wie wir wohnen, macht ganz wesentlich unsere persönliche Lebensqualität aus. Doch wir müssen nicht darum herumreden: Angemessener Wohnraum zu angemessenen Preisen ist heute für viele eine Glückssache geworden. Fast die Hälfte der Bevölkerung macht sich inzwischen Sorgen, ob sie sich die steigenden Wohnkosten auch in Zukunft noch leisten kann. Mit hohen Wiedervermietungsmieten haben nicht nur Menschen mit niedrigen Einkommen zu kämpfen, sondern auch immer mehr Durchschnittsverdiener und Familien mit Kindern. Wir sprechen also heute über eine ganz zentrale soziale Frage. Wir müssen hierauf Antworten geben, und die Antworten müssen besser werden als in der Vergangenheit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Da zudem die Hälfte der Deutschen zur Miete wohnt, müssen wir natürlich auch über das Mietrecht sprechen. Es ist die klare Position dieser Koalition: Zu einem wirksamen und angemessenen Mieterschutz gehören natürlich auch Regeln zur Miethöhe; völlig klar. Wenn wir also jetzt die Mietpreisbremse verlängern, dann setzen wir auf ein bewährtes und schnell verfügbares Instrument gegen exzessive Mietsteigerungen. Das sage nicht nur ich, das sagen nicht nur die Unionsfraktion oder die SPD, das sagen zum Beispiel auch der Deutsche Mieterbund, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und der Deutsche Städtetag.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir können uns heute darüber streiten, welche Vor- und Nachteile die Mietpreisbremse hat, ob sie zu weit geht oder nicht weit genug. Eines aber sollten wir nicht tun: diese Stimmen aus der Mitte unserer Gesellschaft ignorieren und die Mieter und Mieterinnen im Regen stehen lassen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf sorgen wir für Planungssicherheit für Mieter und Vermieter, und wir tun das rechtssicher. Denn, meine sehr geehrten Damen und Herren von der Opposition, wir kennen ja Ihre Vorstellungen und Vorschläge zu diesem Thema. Die AfD will nicht nur die Mietpreisbremse abschaffen, sondern auch gleich den gesamten sozialen Wohnungsbau mit dazu. Politik für Mieterinnen und Mieter? Komplette Fehlanzeige.

Die Grünen und die Linken wiederum wollen die Mietpreisbremse natürlich noch verschärfen und vollständig entfristen. Sie scheinen der Auffassung zu sein, man könne ein unbestritten großes Problem einfach irgendwie wegregulieren. Wenn es doch mal so einfach wäre!

Stimmt, dann machen wir lieber nichts!

Doch sowohl rechtlich als auch praktisch sieht die Welt einfach anders aus.

Natürlich können wir Indexmieten und möblierte Kurzzeitvermietung noch stärker regulieren – das hat die Koalition ja auch im Blick –; wir müssen uns aber immer wieder – wie schon gehört – auch Artikel 14 des Grundgesetzes vor Augen halten, der das Eigentum schützt. Denn die Mietpreisbremse ist ein Eingriff in Eigentumsrechte. Deshalb können wir hier natürlich nicht einfach schalten und walten, wie wir wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das hat uns das Bundesverfassungsgericht ganz klar mit auf den Weg gegeben.

Vielleicht sollten wir auch mal aufhören, von den Vermietern fortgesetzt ein Zerrbild von Superreichen, Bonzen und Miethaien zu zeichnen. In Berlin haben beispielsweise 58 Prozent der Vermieterhaushalte ein Nettoeinkommen von unter 3 000 Euro im Monat. Auch diesen Menschen müssen wir doch gerecht werden, wenn wir am Ende mehr und nicht weniger Mietwohnungen wollen.

Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn wir die Kritik aus weiten Teilen der Opposition aufgreifen würden, dann würde aus der Mietpreisbremse eine veritable Wohnungsmarktbremse werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, unterm Strich bedeutet diese weitere befristete Verlängerung der Mietpreisbremse mehr Zeit: mehr Zeit, um endlich das umzusetzen, was den Bürgern bereits in der Vergangenheit mehrfach versprochen wurde: ein Wohnungsbauturbo, der hält, was er verspricht.

Wir freuen uns über den Ehrgeiz, den die Bauministerin hier zeigt. Hier gilt wie in vielen anderen Bereichen auch: Diese Koalition wird umsetzen, über was wir schon viel zu lange sprechen. Sie wird den Mut haben, abzuschaffen, was uns lähmt, und neuzufassen, was nicht funktioniert. Wir verlängern nicht einfach nur, wir verschaffen uns Zeit, um sie zu nutzen.

Beifallbei der CDU/CSU

Heute geht es aber erst einmal um den Baustein der Mietpreisbremse. Es geht um 410 Gemeinden, die als angespannte Wohnungsmärkte definiert worden sind, und um die 26 Millionen Menschen, die dort leben. Diese Menschen können sich auf diese Koalition verlassen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Otto Strauß
Foto: Otto Strauß
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Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Mietpreisbremse ist ein Paradebeispiel für gescheiterte sozialistische Planwirtschaft. Seit ihrer Einführung vor zehn Jahren haben sich die Mieten vielerorts verdoppelt und sind in ganz Deutschland durchschnittlich um rund 50 Prozent gestiegen.

Trotz dieser Entwicklung wollen SPD, Grüne und Die Linke die Mietpreisbremse weiter verschärfen. Statt die Ursachen der Wohnungsnot zu bekämpfen, verschärfen Sie das Problem.

Beifallbei der AfD

Die Ursachen für die steigenden Mieten liegen nicht in der Willkür der Vermieter, sondern in einer Politik, die den Wohnungsbau behindert. Unbezahlbare energetische Bauvorschriften, die von der Ampelkoalition zu verantwortende Energiepreisexplosion und die unkontrollierte Einwanderung sind die wahren Treiber der inflationären Mieten.

Beifallbei der AfD

Wohnungen, die in diesem Jahr fertiggestellt werden, müssen deshalb mindestens 20 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter erzielen. Kein Normalverdiener kann sich das leisten. Deshalb haben bereits viele Wohnungsbaugesellschaften den Neubau völlig eingestellt.

Die Mietpreisbremse hat praktisch keinen Effekt. Sie führt dazu, dass sich das Wohnungsangebot weiter verknappen wird. Das trifft vor allem die sozial Schwächeren, insbesondere Familien mit Kindern. Denn bei der Auswahl der Mieter entscheidet nicht der Preis, sondern die Solvenz des Interessenten. Langfristig wird sich zudem die Wohnungsqualität verschlechtern, da die Vermieter Investitionen scheuen, wenn diese nicht über eine wirtschaftliche Miete abgedeckt sind.

Beifallbei der AfD

Statt die Mietpreisbremse weiter zu verschärfen, fordert die AfD eine Politik, die den Wohnungsbau fördert. Dazu gehören die Abschaffung von utopischen energetischen Bauvorschriften, die Senkung aller Energiesteuern und eine Begrenzung der Zuwanderung, gepaart mit der konsequenten Abschiebung aller Ausreisepflichtigen. Abschiebung schafft Wohnraum.

Beifallbei der AfD

Zudem muss das Heizungsgesetz gestoppt werden, da es zur Enteignung von Kleinvermietern führt und bezahlbaren Wohnraum vernichtet. Die von Bundeskanzler Merz angedrohte CO2-Preiserhöhung für Gas- und Ölheizungen ist ein Schlag ins Gesicht der Bürger und an Dreistigkeit nicht zu überbieten.

Beifallbei der AfD

Die AfD steht für eine Politik, die den Menschen dient und nicht den Interessen von Großinvestoren und Spekulanten. Wir setzen uns für bezahlbaren Wohnraum für alle ein, ohne ideologische Scheuklappen und ohne sozialistische Planwirtschaft.

Heißt „alle“ nur Deutsche?

Was ist der Plan der Linken mit Ihrem Antrag? Eine neue Stasi, um möblierte Wohnungen zu kontrollieren? Soll dann eure SA-Antifa kontrollieren, wie viele Stühle vorhanden sind?

Widerspruchbei der Linken

Und für Verstöße wird dann enteignet? Fehlt euch die DDR, euer geliebter sozialistischer Staat, wirklich so sehr? Wollt ihr die BRD genauso runterwirtschaften wie eure geliebte DDR?

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Caren Lay [Die Linke]

Mein Kollege Manuel Krauthausen, der Schornsteinfeger, hat gesagt, er erkennt einen Dachschaden, wenn er ihn sieht.

Ich auch!

Ich als Dachdeckermeister mit über 50 Jahren Berufserfahrung muss Ihnen leider sagen: Nicht jeder Dachschaden ist reparabel.

Danke.

Beifallbei der AfD

Was ist das denn?

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

„SA-Antifa“!

„SA-Antifa“! Wir haben gar kein Problem!

Haben wir kein Problem mit!

Porträt von Angelika Glöckner
Foto: Deutscher Bundestag / Stella von Saldern
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, heute ist ein guter Tag für Millionen Mieterinnen und Mieter in unserem Land; denn wir verlängern die Mietpreisbremse bis 2029. So steht es im Koalitionsvertrag, und wir halten Wort.

Beifallbei der SPD

Vielen Dank auch diesbezüglich an Frau Ministerin Hubig für die schnelle Vorlage des Gesetzentwurfs. Vor knapp acht Tagen wurde er im Bundeskabinett beschlossen, heute liegt er zur ersten Lesung im Bundestag vor. Das zeigt: Wenn es um die Entlastung der Menschen in unserem Land geht, handeln wir schnell. Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist dringend nötig. Denn für fast 43 Millionen Menschen in unserem Land geht es um die Frage: Können wir morgen unsere Miete noch bezahlen? Und wir als SPD sagen: Bezahlen von Mieten darf nicht zur Grundsatz-, zur sozialen Frage werden. Wohnen ist ein Grundrecht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Marcel Bauer [Die Linke]

Die Mietpreisbremse ist dabei ein zentrales Werkzeug. Sie begrenzt die Mietsteigerungen bei neuen Mietverträgen. Und ja, doch, werte Kolleginnen und Kollegen der Linken, sie wirkt; das zeigen auch Studien des DIW.

Aber Sie machen nicht genug!

Bei 2 Prozent!

Mein Kollege Hakan Demir hat zu Recht darauf hingewiesen: Stellen wir uns einen Moment vor, es gäbe sie nicht! Und es entlastet im Übrigen auch über die generelle Verringerung des Mietspiegels die Mieten im Bestand; das muss man ja auch mal dazu sagen.

Hat ja super funktioniert!

Zur Wahrheit gehört aber auch: Wir wollen – was die Mietpreisbremse betrifft – mehr Wirksamkeit. Und deswegen ist es wichtig, dass es jetzt sehr bald eine Kommission geben wird, die sich darum kümmert, wie wir die Wirksamkeit erhöhen werden, beispielsweise indem wir endlich darauf hinwirken, dass Mietwucher geahndet wird.

Wir haben schon einen Gesetzentwurf vorgelegt!

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und diese Kommission wird 2026 ihre Ergebnisse präsentieren.

Zur Wahrheit, Kolleginnen und Kollegen, gehört aber auch, dass die Mietpreisbremse alleine nicht reicht. Wir brauchen ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Darauf hat Ministerin Hubertz in den letzten Wochen immer wieder sehr deutlich hingewiesen; das dürfte niemandem entgangen sein. Wir brauchen mehr Bauen, wir brauchen schnelleres Bauen, wir brauchen serielles Bauen, wir brauchen aber auch die Stärkung des sozialen Wohnungsmarktes, auch im Bestand. Denn es leistet auch einen wichtigen Beitrag, wenn Bestandsbauten in ländlichen Regionen saniert werden, wie etwa in Rheinland-Pfalz, wo ich herkomme.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es ist auch wichtig, dass die Modernisierungsumlage überarbeitet wird. Ja, wir brauchen hier dringend einen Interessenausgleich. Wir müssen doch den Vermietern Anreize setzen, dass sie Lust bekommen, ihre Wohnungen zu sanieren. Am Ende profitieren die Mieterinnen und Mieter nämlich durch günstigere Nebenkosten, wenn die Wohnungen beispielsweise energetisch saniert werden. Das ist der Interessenausgleich, den wir hinkriegen müssen. Und dafür stehen wir als SPD.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Gesetzentwurf heute ist ein erster wichtiger Auftakt.

Vielen herzlichen Dank. Ich freue mich auf die weiteren Beratungen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Carsten Müller
Foto: Carsten Müller/ Tobias Koch
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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es hat sich gelohnt, dieser Debatte bisher zu folgen. Wir haben zwei vollkommen ungeduldige Redner der Grünen erlebt,

Logisch bei der Marktlage!

bei denen allerdings auffällig war, dass sie bisher der Bundesregierung angehört haben. Und in dreieinhalb Jahren haben Sie mit Ihrer Bundesregierung nichts auf die Kette gekriegt. Nichts!

Beifallbei der CDU/CSU

Diese Bundesregierung von CDU, CSU und SPD ist noch keinen Monat im Amt, und wir beraten heute die Mietpreisbremse.

Ehrlich gesagt, das ist eine Geschwindigkeit, an der Sie sich ein Beispiel nehmen sollten.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufder Abg. Hanna Steinmüller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich fand auch eine Zwischenfrage ganz interessant, die aus der Linkspartei kam. Da wurde von einer Abgeordneten aus Potsdam geschildert, welche schwierige Wohnsituation und welche Mietenexplosion in Potsdam festzustellen ist. Sie gehen darauf im Übrigen auch in Ihrem Antrag, den Sie zitiert haben, ein und schreiben: 2023 gab es 31 Prozent Mietsteigerung in Potsdam. Ich habe eben gerade mal nachgeguckt, wer eigentlich im Jahr 2023 in Potsdam die Rathausmehrheit mit gestellt hat.

Das hat doch nichts mit der Rathausmehrheit zu tun! Das ist doch Unsinn!

Das war die Linkspartei.

Meine Damen und Herren, Sie beklagen die Probleme, die Sie selber geschaffen haben; das ist mal bemerkenswert.

Zurufder Abg. Kathrin Gebel [Die Linke]

Deswegen hat sich die Diskussion hier schon gelohnt.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, das schnelle Handeln im Bereich der Mietpreisbremse zeigt die Entschlossenheit der neuen Bundesregierung. Das zeigt, dass wir einen Politikwechsel tatsächlich und dann eben auch zusammen mit der SPD auf den Weg bringen.

Und auch das ist gesagt worden: Der beste oder jedenfalls der zweitbeste Schutz gegen steigende Mieten ist mehr Bauen. Ein gutes Angebot von günstigen Mietwohnungen hilft gegen dramatische Sprünge bei der Miete. Meine Damen und Herren, dafür brauchen wir Anreize für private Investoren, und wir müssen – das hat mein Kollege David Preisendanz, finde ich, sehr präzise herausgearbeitet – das System der Mietpreisbremse verstehen. Dauerhaft geht es nicht; das hat das Verfassungsgericht ganz klar gesagt. Es ist nichts anderes, als sich Zeit zu kaufen. Das ist es nämlich, und diese Zeit muss für mehr Neubau genutzt werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, wir haben dazu – das hat mein Kollege Jan-Marco Luczak angesprochen – den Bauturbo eingeschaltet. Das wird gut funktionieren. Wir müssen das einerseits tun und dürfen andererseits auch Vermieterinnen und Vermieter nicht zu sehr irritieren.

Ich will noch mal eine Größenordnung nennen. Wir haben die Situation, dass in Deutschland rund zwei Drittel der Mietwohnungen in der Hand von privaten Kleinvermietern sind. Wenn Sie sich mit Kleinvermietern und Mietern unterhalten, werden Sie feststellen, dass die privaten Kleinvermieter in der Regel genauso wie die Mieter ein Hauptinteresse haben, nämlich ein möglichst reibungsloses, störungsfreies Vertragsverhältnis.

Ja, gerne. Von wem denn?

Ach, prima. Gerne.

Frau Präsidentin! Herr Müller, wenn Sie mich schon direkt ansprechen, möchte ich natürlich die Gelegenheit nutzen, darauf zu reagieren. Ist Ihnen bewusst, dass es sich bei dem Gesetz, das wir gerade behandeln, um ein Bundesgesetz handelt, das die Mietpreisbremse thematisiert, und die Einflussmöglichkeiten der Landeshauptstadt Potsdam auf dieses Gesetz relativ gering sind? Ist Ihnen bewusst, dass die Landeshauptstadt Potsdam zudem regelmäßig an die Landesregierung, die unter anderem auch in der letzten Legislaturperiode von der CDU mitgeführt wurde – übrigens unter einem CDU-Bauminister –, appelliert hat, wenigstens die bestehenden Möglichkeiten, zum Beispiel zur Reglementierung der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, in Landesrecht umzusetzen, damit die Landeshauptstadt Potsdam die Möglichkeit hat, den Mietmarkt stärker zu regulieren? Und vor allem: Ist Ihnen bewusst, dass vielleicht auch eine direkte Unterstützung des Bundes an die Kommunen die Situation in den Kommunen massiv entlasten könnte und dass vielleicht auch die soziale Wohnraumförderung hier genau das richtige Instrument wäre?

Beifallbei der Linken

Sehr geehrte Frau Kollegin, ich hatte insgeheim ein bisschen darauf gehofft und gesetzt, dass Sie mir eine Zwischenfrage stellen. Vielen Dank dafür.

Zurufder Abg. Caren Lay [Die Linke]

Ich danke Ihnen auch dafür, dass Sie mir noch mal die rechtlichen Zusammenhänge erklären. Ich möchte aber noch mal auf Ihre zuerst gestellte Zwischenfrage zurückkommen. Sie haben darauf abgehoben, dass es eben auch auf die Wohnraumknappheit in Potsdam, in der Stadt,

Mietrecht!

Ich habe auf die Schlupflöcher abgestellt!

in der Sie zu dem Zeitpunkt, auf den Sie sich bezogen, die politische Verantwortung mit Ihrer Partei mitgetragen haben, zurückzuführen ist. Sie hatten darauf abgehoben, dass das das Problem der Mietpreissteigerung ist. Und wir haben mit all unseren Rednerinnen und Rednern – wie im Übrigen auch die Kolleginnen und Kollegen des Koalitionspartners – dargestellt, dass

Zurufder Abg. Isabelle Vandre [Die Linke]

– lassen Sie mich bitte ausreden! – ein besonders gutes Mittel, um Mietexplosionen zu verhindern, die Schaffung von bezahlbarem Mietraum ist.

Ja, dann machen Sie es doch!

Das machen wir.

Zurufder Abg. Isabelle Vandre [Die Linke]

Und im Übrigen empfehle ich Ihnen sehr – wie eigentlich immer – die Lektüre des Koalitionsvertrages.

Sie werden da etwas zum sozialen Wohnen finden. Wir fördern das. Es ist für uns ein Kernanliegen. Vielen Dank für Ihre Zwischenfrage.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufder Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Meine Damen und Herren, wir haben es also bei der Mietpreisbremse mit einem sehr zentralen, kurz- und mittelfristig wirkenden Baustein zu tun. Ich hatte Ihnen eben gesagt, die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum ist ein sehr gutes Mittel gegen die Bedrohung durch extrem stark steigende Mieten. Es gibt im Übrigen ein ganz besonders wirksames Mittel. Das ist nämlich die Förderung und Incentivierung der Schaffung von privat genutztem Wohneigentum. Und auch das ist uns als Union und der Koalition ein großes Anliegen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Gerrit Huy
Foto: Gerrit Huy/ Marcus Vetter, Fotostudio Seefeld
14 Vermerkeca. 670 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Liebe Zuschauer! Die Union hat in 2023 das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz eingeführt, mit dem sie Menschen in Entwicklungsländern zu europäischem Richtlinienglück verhelfen will. Leider hat genau das jetzt schon dort zu Arbeitsplatzverlusten geführt. Viele kleinere deutsche Firmen ziehen sich ganz zurück; andere trauen sich gar nicht erst hin, weil sie dem zusätzlichen Bürokratiewust nicht gewachsen sind. Nicht jedes Unternehmen kann sich eigene Rechtsabteilungen leisten, um deutsches Recht im Ausland durchzusetzen, inklusive deutscher Sanitärstandards, deutscher Arbeitszeiten und deutschem Verständnis von Menschenrechten.

Das sind universelle Rechte!

Was davon nicht im deutschen Lieferkettengesetz steht, gibt es in der EU-Lieferkettenrichtlinie gratis on top. So besteht die EU zum Beispiel darauf, dass im Handel mit den Entwicklungsländern das Pariser Klimaziel eingehalten wird. Klingt irre, ist irre.

Beifallbei der AfD

Die AfD fordert heute zum vierten Mal die ersatzlose Abschaffung von deutschem und europäischem Lieferkettenrecht. Alle vier Male hat die Union dagegengestimmt.

Zu Recht!

Dann hat die Union selbst die Abschaffung gefordert.

Zu Unrecht!

Die FDP hat dagegengestimmt, wir haben zugestimmt. Dann hat die FDP die Abschaffung gefordert. Die Union hat dagegengestimmt, wir haben zugestimmt. Es war wie im Kindergarten und wird wohl so bleiben.

Beifallbei der AfD

Das Lieferkettengesetz ist heute immer noch da, sehr zum Leidwesen unserer Unternehmen. Dabei ist Friedrich Merz sogar in der EU vorstellig geworden, um deren Lieferkettenrichtlinie loszuwerden – ohne großen Erfolg; denn die EU sah ihre Weltenrettung gefährdet. Zudem war die SPD dagegen.

Meine Damen und Herren, wer mit linken Parteien regiert, darf keinen großen wirtschaftlichen Fortschritt erwarten.

Beifallbei der AfD

Die SPD will in erster Linie Reiche besteuern. Das Gegenteil wäre aber schlau. Schauen Sie mal nach Schweden! Dort macht man es reichen Unternehmern angenehm, indem man die Erbschaftsteuer und die Vermögensteuer abgeschafft und die Unternehmensteuern stark gesenkt hat. So bleiben sie im Land und schaffen Arbeitsplätze, und seitdem sind die Schweden viel reicher als deutsche Bürger.

Zurufder Abg. Desiree Becker [Die Linke]

Radikaler noch als die SPD ist die extremistische Linke, die Milliardäre, wenn nicht erschießen, so doch enteignen will.

Zurufevon der Linken

Und sie will den Sozialismus bei uns einführen. Aufgeklärtere Zeitgenossen wissen aber: Sozialismus bedeutet Armut; nur die Funktionäre können dort gut leben. Lassen Sie sich nicht weismachen, dass es demokratischen Sozialismus gibt! Sozialismus ist immer ein totalitäres System, das seine Bürger am Ende einsperren muss, damit sie nicht davonlaufen.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der Linken

Das war so in der DDR, das ist so in Nordkorea, und auch die Chinesen haben ihre Einheitspartei immer im Nacken, egal wo auf der Welt sie wohnen.

Zurufder Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Diese Art Regime möchte jetzt Die Linke bei uns einführen, also genau die Partei, bei der Kanzler Merz neuerdings immer wieder um Unterstützung nachsucht. Ist es nicht süß, liebe Linke, wie der lange, um nicht zu sagen: große Friedrich Merz immer wieder bei Frau Reichinnek um Hilfe ansteht?

Lieferketten!

Zurufvon der CDU/CSU: Zum Thema!

Dabei weiß er ganz genau: Wer den Sozialismus einführen will, will die Demokratie abschaffen.

Beifallbei der AfD

Lieferketten!

Ist aber nicht so wichtig. Friedrich Merz hat sein Lebensziel erreicht: Er ist Kanzler. Was danach kommt, ist linke Zugabe. Das hat man heute wieder an der Mietpreisbremse gesehen. Das deutsche Lieferkettengesetz hätte schon längst abgeschafft sein können, wenn Die Linke Herrn Merz nicht immer wieder hinter die Brandmauer schicken würde. Und auch auf der EU-Ebene wird er den Bürokratiewust nicht loswerden; denn er will ja mehr EU. Wer aber mit der EU Bürokratie abbauen will, macht den Bock zum Gärtner.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Markus Reichel
Foto: Dr. Markus Reichel/ Frank Grätz
19 Vermerkeca. 696 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erst mal zu Ihnen, Frau Huy: Ich habe vor, im Gegensatz zu Ihnen vorrangig zum Thema zu sprechen.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Und ich sage es auch gleich mal klar zu Beginn: Wir lehnen Ihren Antrag und Ihren Gesetzentwurf natürlich ab.

Der Grund: Sie stehen für nationalen und europafeindlichen Egoismus. Das ist Ihr Motiv.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]

Es ist Ihnen fremd, Umweltschutz und Fairness international zu denken. Wenn es darum geht, Umweltschutz zu verunglimpfen, dann laufen Sie zur Höchstform auf. Denken Sie an Frau Weidels berüchtigtes Gehetze gegen die „Windmühlen der Schande“!

Ich dachte, Sie wollten zum Thema sprechen!

Oder an Karsten Hilse, der den menschengemachten Klimawandel als „ein aus kranken Gehirnen ausgeschwitztes Weltuntergangsszenario“ bezeichnete.

Schon vergessen, was Sie vor drei Sekunden gesagt haben?

Ihre national-egoistische und kleinkarierte Ideologie lehnen wir ab, wie auch Ihre Anträge.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Sie haben auch keinen Plan, wie gesunde und wirtschaftlich faire Lieferketten für unsere Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger tatsächlich aussehen sollen. Sie wollen einfach Stillstand beim Kampf gegen Kinderarbeit und Umweltdumping. Das ist nicht nur unmoralisch, sondern das ist gegen die Interessen unserer Wirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Pure Behauptung von Ihnen!

Ja, es stimmt, dass eine Koalition aus Union und SPD das Lieferkettengesetz im Jahr 2021 eingeführt hat.

Sehr gut! Sehr gut!

Und wir als neue Koalition aus Union und SPD werden das Gesetz jetzt in dieser Form auch wieder aufheben.

Lachenbei der AfD

Das Gesetz hat eine völlig unstrittige Intention, nämlich menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten in globalen Lieferketten zu stärken. Aber in der Praxis hat sich gezeigt, dass das Gesetz zu einem Bürokratiemonster geworden ist.

Zurufevon der AfD sowie der Abg. Desiree Becker [Die Linke]

Es belastet insbesondere den Mittelstand, unter anderem aus drei Gründen:

Erstens: übermäßige Bürokratie. Die umfangreichen Berichtspflichten und Dokumentationsanforderungen binden Ressourcen, die besser in produktive Tätigkeiten investiert wären.

Zweitens: Wettbewerbsverzerrung durch Onlineplattformen. Plattformen wie Temu und Shein unterliegen eben derzeit nicht den gleichen Sorgfaltspflichten.

Und drittens: die unverhältnismäßigen Haftungsrisiken.

Das war ja vorher alles gar nicht absehbar!

Sanktionen von bis zu 2 Prozent des Jahresumsatzes können ruinös sein.

Sie sind ruinös für Deutschland! Und das müssen Sie einsehen!

Also, ich will mal so sagen: Das Ziel stimmt, der Weg aber noch nicht. Die neue Bundesregierung wird nun das nationale Gesetz aufheben

Das ist doch immer das Gleiche!

und gleichzeitig die europäische Lieferkettenrichtlinie bürokratiearm in nationales Recht umsetzen.

Aha! So macht es Sinn!

Wir wollen eine harmonisierte, praxisnahe, europaweit einheitliche Lösung statt eines nationalen Alleingangs.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Hierzu werden wir auch die Anregungen aus dem Antrag der Grünen diskutieren.

Lassen Sie mich abschließend noch etwas anderes herausarbeiten. Das Gesetz ist das beste Beispiel dafür, wie wichtig ein guter Praxischeck ist, und zwar, bevor wir Gesetze verabschieden.

Wir sind doch hier keine Versuchsstation!

Deswegen werden wir die Praxischecks ausbauen, wie es auch unser Koalitionsvertrag vorgibt.

Beifallbei der CDU/CSU

Wie es Robert Habeck gemacht hat! Sehr gut!

Mit so einem umfassenden Praxischeck hätten unsere Vorgänger nämlich bereits 2021 festgestellt, dass das Gesetz so nicht praktikabel ist. Deswegen ist unser Politikwechsel hin zu einer pragmatischeren Politik so wichtig. Wir wollen Nachhaltigkeit – ökonomisch, ökologisch, sozial –, das Ganze natürlich bürokratiearm umgesetzt. Dem Antrag und dem Gesetzentwurf der AfD-Fraktion mit ihrer Rückschrittspolitik bei diesem Thema werden wir jedoch nicht zustimmen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Thomas Stephan [AfD]
Porträt von Sandra Detzer
Foto: Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski
8 Vermerkeca. 554 WörterReaktionswert: niedrig
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Herzlichen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Kolleginnen und Kollegen! Um es auf den Punkt zu bringen: Menschen in Deutschland und Europa wollen T-Shirts kaufen, die ohne Zwangsarbeit und ohne Kinderarbeit hergestellt wurden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Ihr könnt ja selber T-Shirts nähen!

Diese Transparenz herzustellen, ist Ziel der europäischen Lieferkettengesetzgebung, deren nationale Umsetzung jetzt ansteht. Und dieses Ziel ist richtig, ohne Wenn und Aber; denn Verantwortung stärkt Unternehmen, unsere Werte und Europa.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Jetzt fragt man sich natürlich: Wie ist eigentlich die Haltung der Bundesregierung zu diesem wichtigen Thema? Vizekanzler Klingbeil spricht von Verlässlichkeit, die er sehen möchte, indem die europäischen Regeln schnell umgesetzt werden. Und es erstaunt dann doch, wenn der Bundeskanzler auf einer öffentlichen Veranstaltung laut äußert, dass er sich in Europa von der Richtlinie verabschieden will, dass er für die Abschaffung dieser Richtlinie kämpft. Das wäre entgegen der Position der Kommissionspräsidentin, die ja bekanntlich sein Parteibuch hat, gegen den Koalitionsvertrag und auch gegen die Unternehmen, die sich längst auf den Weg gemacht haben. Liebe Koalitionäre, ich höre, was gerade gesprochen wurde. Aber ist das wirklich der neue Politikstil, den Sie versprochen haben? Ist das der Politikwechsel? Das kann doch eigentlich nicht sein.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Ich will es mal aus unserer grünen Sicht auf den Punkt bringen: Nachhaltigkeit ist kein Risiko. Sie ist – und das muss sie sein – ein Wettbewerbsvorteil. Viele Unternehmen, gerade deutsche Unternehmen, leben diese Verantwortung doch längst, insbesondere unsere Mittelständler/-innen: wenn sie umweltverträglichen heimischen Bergbau vorantreiben, wenn sie in Deutschland PFAS-freie Outdoorkleidung herstellen oder wenn sie ressourceneffizienten Maschinenbau vorantreiben. Und genau dort, wo diese Nachhaltigkeit eben noch nicht dazu führt, dass betriebswirtschaftlich schwarze Zahlen geschrieben werden, helfen jetzt die neuen europäischen Regeln. Deswegen sind sie so wichtig für unsere Unternehmen.

Einheitliche europäische Standards schaffen Rechtssicherheit. Momentan haben wir eben einen Flickenteppich aus 27 nationalen Regelungen. Und genau das soll doch jetzt angegangen werden. Das heißt, ohne EU-weite Regeln entsteht ein Flickenteppich, aber gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten braucht es mehr europäischen Binnenmarkt, mehr europäische Standards, mehr europäische Harmonisierung. Deswegen muss der Weg jetzt Vereinfachung und nicht Deregulierung heißen.

Ein letztes Argument ist mir an dieser Stelle sehr wichtig. Wer die Steuerungskomponenten seiner Windkraftanlagen kennt, der kann sie auch vor Hackern schützen, und wer seine Sensor- und Optikkomponenten kennt, der verhindert fremde Zugriffe. Das ist in einer Zeit, in der asymmetrische Kriege geführt werden und globale Unsicherheit herrscht, ein ganz zentraler Punkt, um die deutschen und die europäischen Unternehmen zu schützen, um Wirtschaftssicherheit voranzutreiben. Deswegen ist das Gesetz eben kein moralischer Luxus, wie es falsch im Gesetzentwurf der AfD steht, sondern strategische Notwendigkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Verantwortung ist aus unserer grünen Sicht kein Klotz am Bein, sie ist Deutschlands Vorteil in der Weltwirtschaft. Und von einer deutschen Bundesregierung erwarten wir hier eine klare Haltung.

Herzlichen Dank.

Porträt von Bernd Rützel
Foto: Bernd Rützel / DBT/Stella von Saldern
4 Vermerkeca. 542 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren hier im Saal und an den Fernsehgeräten! Das Lieferkettengesetz ist ein „geeignetes Instrument, um entsprechende Risiken im eigenen Geschäftsbereich und in den Lieferketten zu identifizieren“. Das sagt Kerstin Waltenberg; sie ist Menschenrechtsbeauftragte des VW-Konzerns. Und das hören wir von vielen anderen Unternehmen auch, die verstehen, dass wir über vieles reden können, über vieles diskutieren und verhandeln können – über zwei Dinge aber nicht:

Erstens: über unsere Natur und Umwelt. Heute ist übrigens der Umwelttag – seit 1972 an jedem 5. Juni. Dieses Jahr geht es darum, Wasser wertzuschützen – welch schönes Wort: „wertschützen“ –, und um die Bekämpfung von Plastikverschmutzung.

Auch über ein Zweites kann man nicht verhandeln, niemals: Das sind Menschenrechte. Menschenrechte stehen jedem zu; sie kann man nicht verliehen bekommen, sie kann man nicht entzogen bekommen, sie sind nicht teilbar, sie sind unabhängig von Religion und von Herkunft. Menschenrechte stehen jedem auf der Welt zu, egal wo er lebt bzw. wohnt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]

Deswegen muss gelten: Wer global wirtschaftet, der muss auch global Verantwortung übernehmen. Und die Verantwortung endet nicht am Werkstor, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Wir haben uns in der Koalition jetzt entschieden, auf die europäische Regelung zum Lieferkettengesetz zu setzen. Das bedeutet aber nicht, dass wir das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz einfach aufheben. Wir wollen die europaweite Regelung. Dafür setzt sich die Bundesregierung ein, dafür setzt sich Deutschland ein, dass die EU-Richtlinie CSDDD, nach der Unternehmen nachhaltig und mit der notwendigen Sorgfalt handeln müssen, auch umgesetzt wird.

Wir wollen einen Geltungsbereich, der nicht zusammenschrumpft, der viele Unternehmen umfasst und in dem es auch empfindliche Bußgelder gibt, wenn man sich nicht daran hält. Wir werden das aber selbstverständlich so umsetzen, dass es vernünftig gehandhabt werden kann. Es gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Wir sehen, dass es in Deutschland viele verantwortungsvolle Unternehmen gibt; ich habe das Beispiel VW am Anfang meiner Rede skizziert. Ganz aktuell, diese Woche, gab es eine repräsentative Umfrage in Deutschland unter 1 300 großen Unternehmen. Diese großen Unternehmen sagen selber, dass sie durch dieses Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sogar Wettbewerbsvorteile sehen, dass das ein Vorteil für sie ist und dass diese Sorgfaltspflichten, die immer wieder genannt werden, ihre geringste Sorge sind. Nur 8 Prozent sagen: Damit haben wir ein Problem. – Es sind andere Probleme, die Unternehmen umtreiben, aber nicht die Sorgfaltspflichten, also die Pflicht, zu schauen, ob in ihrer Lieferkette Zwangsarbeit oder Kinderarbeit stattfindet. Über die Hälfte begrüßt eine Harmonisierung der Sorgfaltspflichten auf EU-Ebene. Zaudern hilft nicht. Zaudern erschwert die Planungssicherheit der Unternehmen, Zaudern erschwert sogar Investitionen.

Beifallbei der SPD

Wir wollen den verantwortungsvollen Unternehmen, die vorbildlich handeln, die sich um die Erfüllung ihrer Sorgfaltspflichten in der ganzen Lieferkette kümmern, helfen. Wir wollen nicht wegschauen, wenn ihre Konkurrenz das eben nicht tut und sich daraus für diese ein Wettbewerbsvorteil ergibt. Deswegen brauchen wir eine europäische Regelung für einen fairen Wettbewerb.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Agnes Conrad
Foto: Agnes Conrad/ Karl-Ludwig Reuter
12 Vermerkeca. 494 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Das deutsche Lieferkettengesetz wird seit Jahren von rechts torpediert: Erst wollte man es verhindern, dann schwächen, und jetzt will man es komplett abschaffen. Wirklich überraschen kann das nicht. Wer mit Kinderarbeit Profite macht, wem Umweltzerstörung und Zwangsarbeit egal sind, fühlt sich von Verantwortungspflichten natürlich gestört.

Beifallbei der Linken

Und wieder liefert die AfD einen Antrag, der unmissverständlich zeigt: Menschenrechte und faire Arbeit haben bei ihr keinen Stellenwert.

Bei dieser Partei steht nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern alleine die Profitmaximierung.

Beifallbei der Linken

So verstörend der Antrag der AfD auch ist, noch beunruhigender ist, dass sein Inhalt bei Teilen der Bundesregierung auch noch auf offene Ohren stößt. Dabei steht die Umsetzung der EU-Lieferkettenrichtlinie längst bevor. Doch statt diese konstruktiv mitzugestalten, wird hinter den Kulissen an einer Aushöhlung gearbeitet. Was heißt das konkret? Zum Beispiel soll die Pflicht zur jährlichen Überprüfung von Menschenrechtsverstößen abgeschafft oder im besten Falle noch auf fünf Jahre gestreckt werden. Ministerin Reiche forderte, dass Unternehmen überhaupt keine Berichtspflicht mehr haben sollen.

Sehr gut!

Aber wie bitte soll denn überprüft werden, ob Menschenrechte eingehalten werden? Wie wollen wir dann Verstöße erkennen und wirksam bekämpfen?

Beifallbei der Linken

Ja, aber das sollen doch nicht die Unternehmer machen! Das soll der Staat tun!

Natürlich: Bürokratie ist nicht sexy; aber sie schützt vor Willkür, vor Ausbeutung, vor Verantwortungslosigkeit. Was hier als Bürokratieabbau verkauft wird, ist in Wahrheit ein Türöffner für Zwangsarbeit, Umweltverbrechen und eine Kultur der Verantwortungslosigkeit.

Beifallbei der Linken

Selbst ökonomisch ist der Antrag absurd. Das Lieferkettengesetz jetzt abzuschaffen, nur um bald eine nahezu identische EU-Richtlinie umsetzen zu müssen, bringt nichts als Unsicherheit. Für Unternehmen bedeutet das: Planbarkeit wird erschwert, Investitionen werden verzögert. Die EU-Richtlinie kommt. Punkt!

Dieses Gesetz muss bleiben, weil es erstmals einen klaren Weg eröffnet, deutsche Unternehmen für Menschenrechtsverstöße in ihrer Lieferkette zur Verantwortung zu ziehen.

Beifallbei der Linken

Auch die SPD, die es gerade angesprochen hatte, möchte ich daran erinnern: Sie waren in der Regierung, als dieses Gesetz eingeführt wurde. Ihr erklärtes Ziel war der Schutz von Mensch und Umwelt,

Das ist nach wie vor so! Gilt immer noch!

gerade in ärmeren Ländern des Globalen Südens. Selbst das aktuelle Gesetz reicht dafür noch nicht aus. Deshalb gilt: Ausweitung statt Abschaffung.

Beifallbei der Linken

Wer internationale Wettbewerbsfähigkeit wirklich will, setzt auf globale Mindeststandards, nicht auf Rückschritt.

Beifallbei der Linken

Dieses Gesetz verhindert moderne Sklaverei. Wir als Linke stehen solidarisch mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zusammen, hier in Deutschland und überall auf der Welt. Wir kämpfen für ihre Rechte, für Teilhabe, und das gemeinsam mit den Gewerkschaften.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken
Porträt von Sandra Carstensen
Foto: Sandra Carstensen/ Sönke Ehlers
15 Vermerkeca. 658 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir debattieren heute einen Antrag und Gesetzentwurf der AfD auf Abschaffung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes. Lassen Sie mich gleich zu Beginn in aller Klarheit sagen: Ja, wir als CDU/CSU sehen das nationale Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz in seiner jetzigen Form auch sehr kritisch. Es ist ein Beispiel dafür, wie gutgemeinte Regelungen am Ende genau das Gegenteil dessen bewirken, was sie erreichen wollen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Christoph Grimm [AfD]

Dieses Gesetz ist für viele Betriebe in Deutschland schlicht unzumutbar.

Stimmt nicht!

Es zwingt Unternehmen, für jede Stufe ihrer globalen Lieferkette – und das reicht bis zu Rohstoff- und Vorproduktherstellern in weit entfernten Weltregionen –, eine Risikoanalyse durchzuführen. Sie sollen prüfen, dokumentieren und im Zweifel nachweisen, ob dort Kinderarbeit,

Ja! Das ist doch richtig!

Umweltrisiken oder Menschenrechtsverletzungen vorliegen, selbst wenn sie keinerlei Einfluss auf die Verhältnisse vor Ort haben.

Sie müssen sich bemühen! Eine Bemühenspflicht!

Das klingt auf dem Papier edel, aber in der Praxis ist es ein Albtraum, vor allem für den Mittelstand.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich frage Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren: Wie soll ein mittelständisches Unternehmen in Baden-Württemberg mit 80 Beschäftigten oder ein Handwerksbetrieb aus Schleswig-Holstein das alles bewältigen? Und auch die Landwirtschaft ist betroffen, etwa beim Einsatz importierter Betriebsmittel, bei Maschinen oder Futtermitteln mit Lieferketten. Gerade kleinere Betriebe berichten, dass sie die Anforderungen nicht erfüllen können, und zwar nicht, weil sie keine Verantwortung übernehmen wollen, sondern weil sie schlicht keine Chance haben, diesem Bürokratiemonster gerecht zu werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Wir müssen aufhören, so zu tun, als könnten kleine und mittlere Unternehmen globale Kontrollfunktionen übernehmen, für die nicht einmal die Staaten ausreichend Instrumente haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Christoph Grimm [AfD]

Ich spreche übrigens nicht nur als Abgeordnete, sondern aus ganz persönlicher beruflicher Erfahrung. Ich habe viele Jahre als Personalleiterin am Flughafen in Hamburg gearbeitet, und ich habe miterlebt, wie immer neue staatliche Dokumentationspflichten, auch im Zuge dieses Gesetzes, den operativen Betrieb ausgebremst haben. Immer mehr wertvolle Arbeitszeit wurde für bürokratische Pflichten geopfert, während die eigentliche Arbeit – das Führen von Teams, das Lösen von Problemen, das Weiterentwickeln von Mitarbeitenden – auf der Strecke bleiben musste.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir brauchen keine noch strengeren Vorschriften. Wir brauchen verlässliche europäische Rahmenbedingungen, auf die sich unsere Unternehmen einstellen und verlassen können.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Doch, meine Damen und Herren – und das ist das Entscheidende –, der Antrag und der Gesetzentwurf der AfD sind nicht die Lösung. Sie sind nicht konstruktiv,

Warum nicht?

nicht durchdacht und nicht verantwortungsbewusst.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie reißen ein, ohne etwas Besseres vorzuschlagen: kein Konzept, keine europäische Perspektive und keine Idee. Was die AfD heute anbietet, ist keine Politik, das ist eine bloße Schlagzeile. Das Originellste daran ist tatsächlich der Titel des Gesetzentwurfs: „Lieferkettensorgfaltspflichtenabschaffungsgesetz“.

Wir als CDU/CSU verfolgen einen anderen Weg. Wir stehen für wirtschaftliche Vernunft und internationale Verantwortung.

Deshalb habt ihr auch das Lieferkettengesetz eingeführt!

Ja, auch wir wollen das Gesetz in seiner jetzigen Form schon lange abschaffen, aber nicht durch blinden Aktionismus, sondern durch eine verantwortliche und realistische Neuordnung.

Beifallbei der CDU/CSU

Erst einführen, dann abschaffen!

Das haben wir mit der SPD im Koalitionsvertrag so vereinbart, und dazu stehen wir auch.

Deshalb sagen wir heute mit voller Überzeugung: Nein zu überzogener Bürokratie, Nein zu nationalen Sonderwegen, Nein zum Gesetzentwurf und Antrag der AfD, aber Ja zu einem besseren, praktikableren Lieferkettengesetz auf europäischer Grundlage im Interesse unserer Wirtschaft und unserer Werte.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Adam Balten
Foto: Adam Balten / Tobias Ebenberger
10 Vermerkeca. 522 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren auf allen Plätzen! Sie werden mehr zahlen! Alles wird für Sie teurer werden!

Hier spielt die Musik!

Der Grund: Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, LkSG, analog dazu die EU Corporate Sustainability Due Diligence Directive, CSDDD – eine Wortneuschöpfung wie geschaffen für das Buchstabenspiel Galgenmännchen.

Beifallbei der AfD

Beides ist ein bürokratischer Galgenstrick. Dieser stranguliert und würgt uns und unsere Industrie finanziell. Viele der Extremdemokraten hier haben nie in der freien Wirtschaft gearbeitet.

Zurufevon der Linken

Sie wissen also nicht, was damit überhaupt angerichtet wird.

Beifallbei der AfD

Die AfD klärt Sie aber gerne über die Wirklichkeit auf, die Sie alle umzingelt. Also, gut zuhören, werte Demokraten!

Bis zu dem Mandat war ich Mechatronikingenieur, verantwortlich für eine Abteilung, die eigens dafür aufgebaut wurde, um die Ersatzteilversorgung sicherzustellen. Die Folgen Ihrer wertegeleiteten Politik erlebte ich im Arbeitsalltag. Kurz skizziert: Ein Bauteil ist nicht mehr verfügbar, das heißt, ein guter Ersatz wurde schnell gesucht, gefunden, bestellt, fertig. Seit 2023 sagt der Lieferkettenbeauftragte – eine extra Kostenstelle –: Nein, so nicht mehr. – Also mehr Arbeit für Anfragen und Dokumentation, mehr schlechtere Qualität durch begrenzteren Zuliefererkreis,

mehr Klärungsbedarf und Aufwand fürs Engineering. Die Konsequenz: Das gleiche Bauteil kostet jetzt zwei- bis dreimal so viel. Diese Zusatzkosten werden letzten Endes über den Endpreis an den Endverbraucher, an uns alle, abgewälzt. Das ist Ihre Ampelinflation, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Oijoijoi! Besser informieren vorher! Gerd Müller!

Mit der CSDDD der EU kommt ab 2026 der Bürokratie-Dreifach-Wumms, und zwar: Die Dokumentationspflicht wird ausgeweitet, das zivilrechtliche Haftungsrisiko kommt hinzu, und unsere Unternehmen müssen die Regulierung überwachen, und zwar weltweit, grenzüberschreitend. Das ist Größenwahn von Klimaimperialisten, meine Damen und Herren!

Beifallbei der AfD

Unser Standort wird gefährdet; denn die Welt endet nicht an den deutschen oder an den EU-Grenzen. Doch diese neuen Standards gelten nicht weltweit, die internationale Wirtschaft konkurriert aber preislich mit unseren so gravierend benachteiligten Unternehmen – weltweit. Diese kalkulieren bereits jetzt, in diesem Augenblick, ihre Risiken. Im Ergebnis ziehen sie den Kopf aus der Schlinge und wandern in die weite Welt ab. 65 Milliarden Euro Nettoabfluss an Direktinvestitionen aus Deutschland in 2024. Wussten Sie das? 65 Milliarden, eine elfstellige Zahl. Unsere Arbeitsplätze verschwinden; das ist die Konsequenz. Deindustrialisierung, meine Damen und Herren!

Unternehmen mit Subventionen auf Kosten der Steuerzahler hingegen zu bewerfen, hilft nicht: siehe Northvolt-Pleite, thyssenkrupp und Abbau von 20 000 Stellen bei VW. Erklären Sie vielleicht das mal Ihren Wählern!

Seien Sie also vernünftig, so wie die AfD. Helfen Sie mit, solche Gesetze abzuschaffen. Damit tun Sie den Bürgern zur Abwechslung mal etwas Gutes.

Beifallbei der AfD

Entweder das oder die AfD sitzt bald dort, wo Sie gerade sitzen. Und wir streichen diese übergriffigen Regularien dann ohnehin.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Sanae Abdi
Foto: Sanae Abdi/SPD-Fraktion
20 Vermerkeca. 725 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wieder einmal liegt uns ein Antrag der AfD vor, der mit falschen Behauptungen arbeitet und einen gefährlichen Rückschritt für unser Land bedeuten würde – ökonomisch, ökologisch und auch moralisch.

Das ist aber eine falsche Behauptung!

Dieses Mal geht es um nichts Geringeres als um die Forderung, das Lieferkettengesetz ersatzlos abzuschaffen. Doch wer den Antrag genau liest, erkennt: Hier wird nicht argumentiert, hier wird Stimmung gemacht. Ich stelle immer wieder fest, dass das größte Problem dieses Gesetzes anscheinend ist, dass es so viel Unwissen darüber gibt. So stellt die AfD das Lieferkettengesetz als bürokratisches Monster dar,

Zurufevon der AfD

als Angriff auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.

Zurufevon der AfD

– Regen Sie sich nicht so auf. – Was sie unterschlägt, ist: Dieses Gesetz ist kein Schikanewerkzeug, sondern ein Schutzinstrument für Menschenrechte, Umweltstandards und einen fairen Wettbewerb.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Denn eines ist doch klar: Ohne verbindliche Regeln sind es die Anständigen, die das Nachsehen haben. Die Unternehmen, die faire Löhne zahlen, Kinderarbeit ausschließen und auf umweltfreundliche Produktion achten, geraten unter Druck von denen, die billig um jeden Preis produzieren lassen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist kein fairer Markt. Das ist ein Wettlauf nach unten. Und ja, ich sage es in aller Deutlichkeit: Wer das abschaffen will, stellt sich gegen Grundprinzipien unserer Demokratie.

Widerspruchvon der AfD

Dass sich die AfD dafür hergibt, überrascht nicht. Wir als Bundesregierung tun das nicht, und wir werden es auch nicht tun.

Schauen wir mal!

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Wir wollen und müssen Bürokratie abbauen,

Sie bauen aber Jobs ab!

aber nicht blind mit der Kettensäge. Wir wollen durchdachte, praktikable Regeln.

Die Regel ist recht erfolgreich in Argentinien!

Denn Unternehmen brauchen keine ideologische Abrissbirne. Das, was sie wirklich brauchen, sind Planungssicherheit, Verlässlichkeit und faire Rahmenbedingungen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Dr. Sandra Detzer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und genau deshalb war und ist das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ein wichtiger Schritt. Es zwingt Unternehmen nicht in die Knie. Es hebt sie auf ein gemeinsames ethisches Fundament.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Vielmehr noch: Es zeigt Wirkung. Gewerkschaften aus Ländern wie Kenia und Indien berichten, dass das Gesetz ihnen Rückhalt gibt, dass Arbeiter/-innen ihre Rechte einfordern können, dass weniger Pestizide auf den Feldern landen, weniger Gift in den Flüssen. Das ist konkret, das ist sichtbar, und das ist wirksam.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Und ganz nebenbei: Auch Unternehmen profitieren. Viele haben längst in Nachhaltigkeit investiert. Wer das Gesetz nun kippt, bestraft genau diejenigen, die Verantwortung übernommen haben; und das können wir nicht zulassen.

– Darauf komme ich. Hören Sie mir doch mehr zu, und reden Sie weniger dazwischen; dann verstehen Sie auch mehr.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Zurufvon der AfD: Es ist nur einfach so widersprüchlich, was Sie sagen!

Wie wir im Koalitionsvertrag festgehalten haben, wird das nationale Lieferkettengesetz durch ein Gesetz über die internationale Unternehmensverantwortung im Rahmen der europäischen Richtlinie ersetzt.

So ist es!

Also abgeschafft!

Ersetzen, nicht abschaffen! Die von der Bundesregierung angestrebte Umsetzung mit einer Klimaplanerstellung durch die Unternehmen,

„Klimaplanerstellung“ hört sich gut an! Überhaupt nicht bürokratisch!

einer gestuften Verantwortung und einem spürbaren Bußgeld bei Pflichtverletzungen ist ein gelungener Kompromiss zwischen CDU/CSU und SPD. Damit können wir gut arbeiten.

Planwirtschaft!

Darüber hinaus – das will ich hier noch kurz sagen – setzen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten uns immer für die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein – in Deutschland und weltweit.

Bis es keine mehr gibt!

In diesem Sinne: Glück auf!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufevon der Linken
Porträt von Claudia Roth
Foto: Claudia Roth/ Nils Leon Brauer
22 Vermerkeca. 701 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Demokratinnen und Demokraten!

Oijoijoi!

Worum geht es? Es geht um nicht weniger als um menschenrechtliche Sorgfaltspflicht.

Es geht darum, die Würde des Menschen nicht nur hier bei uns, sondern überall auf der Welt zu achten – auch in den Produktionshallen in Südostasien, auf den Kakaoplantagen in Westafrika oder in den Textilfabriken Lateinamerikas.

Ich frage Sie: Was macht den Wert eines Produkts aus? Doch nicht nur das Material oder der Preis, sondern der Wert eines Produkts bemisst sich auch am Weg, am gesamten Weg der Produktion. Es geht also darum, dass kein T-Shirt, kein Auto, kein Smartphone mehr das Ergebnis von Kinderarbeit, von Zwangsarbeit, von Umweltzerstörung ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Es geht um staatliche Verantwortung, zum Beispiel in Handelsverträgen. Aber es geht auch um Unternehmensverantwortung, die nicht am Werktor in Deutschland endet. Die Unternehmen haben die Verpflichtung, die Menschenrechte zu respektieren

In der ganzen Welt? Haben wir nicht!

und so Risiken für Mensch und Umwelt zu minimieren – mit dem Schutz vor Kinderarbeit, mit dem Recht auf faire Löhne, mit nachhaltiger Produktion.

In der ganzen Welt?

Weil alle Menschen gleich viel wert sind!

Und deswegen sind unser Gesetz und die EU-Richtlinie ein Qualitätssprung in der Durchsetzung von Menschenrechten – genau so, wie es der von mir geschätzte Minister Gerd Müller bezeichnet hat.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Verantwortung, Glaubwürdigkeit in unserer Politik, in unserer Wirtschaft und in dem, was das Label „made in Germany“ in der Welt bedeuten muss – eine Marke der globalen Verantwortung.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die AfD will genau das zertrümmern.

Sie wollen ein Gesetz abschaffen, das Unternehmen dazu verpflichtet, nicht wegzusehen, sondern hinzuschauen.

Genau! Jawohl!

Wir wollen Arbeitsplätze in Deutschland erhalten! Das wollen wir! Sie wollen, dass deutsche Arbeitsplätze abwandern!

Sie wollen billig auf Kosten anderer produzieren; und das nennen Sie frech auch noch Bürokratieabbau.

Das Gesetz verfehlt jedes Ziel sowieso!

Im Gegenteil!

In Wahrheit ist das, was Sie wollen, die Legitimation von Ausbeutung, von Rechtsbruch, von Missachtung der ILO-Konventionen

Zurufevon der AfD

und der Charta der Menschenrechte, und das alles in neokolonialer Manier. Nicht mit uns!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken
Lachenbei der AfD

Wir sagen: Lieferkettentransparenz schützt. Sie schützt Menschen, und sie schützt die Umwelt.

Sie schützt das Klima!

Sie schützt Unternehmen vor Reputationsrisiken,

Zurufvon der AfD: Sie macht Unternehmen kaputt!

vor globalen Schocks, vor untragbaren Abhängigkeiten. Und sie unterstützt uns Verbraucher/-innen, die wissen wollen, was sie kaufen, die ihr Verhalten verändern hin zu fairen, nachhaltigen Produkten.

Viele Unternehmen sind längst auf diesem Weg. Sie stellen sich ihrer ethischen Verantwortung.

… und bauen Arbeitsplätze ab!

Genau diese Unternehmen würden wir bestrafen.

Zurufvon der AfD: Sie bestrafen sie!

Und das sage ich auch explizit der Bundesregierung und explizit Friedrich Merz: Wenn Sie jetzt unser Gesetz abschaffen wollen, aber eigentlich auch die EU-Richtlinie abschaffen oder zumindest verwässern wollen, wenn Sie zulassen würden, dass jedes EU-Land sein eigenes Süppchen kocht, dann hätten wir einen Flickenteppich,

Einen fairen Wettbewerb hätten wir dann!

einen regulatorischen Wildwuchs und einen schäbigen Wettlauf nach unten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Die Lieferketten-Richtlinie ist kein Bürokratiemonster, Frau Carstensen. Sie ist der Einsatz für ein Europa, das seine Werte ernst nimmt, den Einsatz für globale Gerechtigkeit, für die universell gültigen und unteilbaren Menschenrechte, für eine Wirtschaft,

Von der Wirtschaft wissen Sie leider gar nichts aus der Praxis! Nichts wissen Sie!

die sich nicht auf Kosten anderer bereichert.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken
Porträt von Desiree Becker
Foto: Desiree Becker/ Maurice Jelinski
12 Vermerkeca. 449 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wer das Lieferkettengesetz abschaffen, aushöhlen oder, liebe Union, ersetzen will – oder wie Sie es auch immer nennen –, greift grundlegende Prinzipien an: Menschenrechte, Arbeitnehmer/-innenrechte und internationale Solidarität. Die AfD will es mit dem Argument der Bürokratie abschaffen. In Wahrheit soll so die Verantwortung der Unternehmen für Kinderarbeit, Zwangsarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten abgewälzt werden.

Beifallbei der Linken

Das Gesetz betrifft nicht einmal 0,1 Prozent der Unternehmen direkt. Vor allem Großkonzerne wie in der Automobilindustrie wären davon betroffen. Aber wir können gar nicht mehr von „Bürokratiebelastung“ sprechen; denn die entsprechenden Strukturen wurden ja bei den Unternehmen schon eingeführt. Und die Kosten dafür sinken nachweislich, wenn man dem ifo-Institut glaubt. Wenn die deutsche Wirtschaft ein Gewissen hat, sollte sie dieses Gesetz unterstützen – auch aus Eigeninteresse.

Beifallbei der Linken

Die AfD lebt in einer anderen Realität. Zahlreiche große Unternehmen – die SPD hat es schon gesagt – befürworten das Lieferkettengesetz längst und handeln auch danach.

Ja, weil es die kleinen und mittleren kaputtmacht! Das ist gut für die großen!

Viele dieser Unternehmen fordern vor allem klare Regelungen und eine EU-weite Harmonisierung des Gesetzes.

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Wer das Gesetz abschaffen will, sagt: Was in Textilfabriken in Bangladesch oder auf Bananenplantagen in Ecuador passiert, geht uns nichts an.

Es ist einfach der falsche Weg! Es funktioniert nicht!

Aber Kleider kommen nicht von der Stange, Bananen kommen nicht aus der Kiste – genauso wenig, wie Geld arbeitet. Es sind die Menschen, die arbeiten und den Mehrwert schaffen,

Beifallbei der Linken

oft unter tödlichen, menschenverachtenden Bedingungen, vor allem im Globalen Süden.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Ricarda Lang [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das Lieferkettengesetz ist kein radikaler Schritt, sondern ein Mindeststandard. Es ist dringend nötig, dass Arbeitsrechte einklagbar werden. Doch statt das Gesetz zu verbessern, will die Bundesregierung es angesichts der EU-Richtlinie noch weiter entkernen, und der rechte Rand dieses Hauses will es ganz abschaffen.

Wir als Linke sagen:

Linker Rand!

Menschenrechte gelten global. Wer Profite im Globalen Süden macht, trägt Verantwortung und darf sich ihr nicht entziehen.

Beifallbei der Linken

Nicht die Menschen, die ausgebeutet werden, sind das Problem, sondern ein System, das das zulässt. Denn Geld leidet nicht, Menschen schon.

Beifallbei der Linken

Wir lehnen die Vorlagen der AfD entschieden ab. Wir sagen Ja zu einem Lieferkettengesetz, das die Menschen und die Umwelt wirklich schützt.

Ich danke Ihnen.

Beifallbei der Linken

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort für die nächste Rede Peter Aumer von der Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Peter Aumer
Foto: Peter Aumer/ Berli Berlinski
13 Vermerkeca. 618 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen für Verantwortung. Das ist nicht der Streitpunkt. Wir stehen für Menschenrechte. Das ist auch nicht der Streitpunkt. Wir alle – hoffentlich – wollen menschenwürdige Arbeit weltweit. Das ist auch nicht der Streitpunkt.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber wenn Verantwortung zur bürokratischen Überlast wird, müssen wir handeln.

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz war gut gemeint – beschlossen mit dem Versprechen, dass wenig Bürokratie folgt. Der damalige Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller

Guter Mann! Kommt aus Krumbach!

hat in seiner Rede hier im Deutschen Bundestag beim Beschluss des Gesetzes gesagt: Angestrebt wird eine mittelstandsfreundliche Regelung, die Unternehmen nicht überfordert. – Meine sehr geehrten Damen und Herren, leider ist genau das passiert.

Beifallbei der CDU/CSU

Frau Roth, weil Sie von „unserem Gesetz“ gesprochen haben, will ich hinzufügen: Vielleicht war das auch die Arbeit der Ampel.

Lachender Abg. Sanae Abdi [SPD]

Meine sehr geehrten Damen und Herren, leider ist das Gesetz nicht nur nicht mittelstandsfreundlich geworden, sondern es ist auch das Gegenteil davon passiert. Bei vielen meiner Unternehmensbesuche im Wahlkreis werde ich von Unternehmerinnen und Unternehmern darauf angesprochen. Jedes Jahr entstehen große Aufwendungen, Hunderte von Fragen, viele doppelt. Der Aufwand, komplexe Berichte zu erstellen, ist riesig. Die Folge: 250 zusätzliche Arbeitsstunden beim durchschnittlichen Mittelständler, bis zu 100 000 Euro Mehrkosten. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir sollten auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen in den Blick nehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Das tun wir auch verantwortungsvoll, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Weil es gerade von den Linken angesprochen worden ist, Frau Kollegin Becker: Die Last trifft nicht nur Großkonzerne, sondern sie trifft vor allem auch den deutschen Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, darf nicht der Fall sein.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich habe „direkt“ gesagt, direkt betroffen!

Wer heute einen Mittelständler fragt, was für ihn das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz bedeutet, der bekommt keine moralische Antwort, wie wir sie gerade vorher gehört haben, sondern bekommt eine Excel-Tabelle übergeben. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, muss man natürlich auch aus der Perspektive der Betroffenen sehen – da gebe ich Ihnen vollkommen recht –, aber auch aus der Perspektive der Wirtschaft. Beide Perspektiven sind wichtig, aber in Ihrer Rede hat man die zweite Perspektive der Wirtschaft total vermisst.

Beifallbei der CDU/CSU

Wirklich lächerlich!

Deswegen, meine sehr geehrten Damen und Herren: Wer Verantwortung will, muss sich der Verantwortung stellen,

Ja, machen Sie das!

muss dieses Gesetz auch umsetzbar machen. Wir machen das.

Machen Sie nicht!

Wir setzen auf die europäische Richtlinie. In das Papier, das jetzt der Koalitionsausschuss beschlossen hat, das Sofortprogramm der Bundesregierung, haben wir einen klaren Punkt aufgenommen, nämlich dass das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz abgeschafft werden soll und dass wir auf europäischer Ebene auf eine bürokratiearme Regelung und vor allem auf eine vollzugsmäßig durchsetzbare Regelung setzen.

Zurufder Abg. Desiree Becker [Die Linke]

Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist die Antwort auf die große Herausforderung, die wir in unserem Land haben. Wir müssen unsere Wirtschaft stärken. Wir haben auch viele Punkte im Bereich „Arbeit und Soziales“ besprochen, bei denen es um Arbeitsplätze in unserem Land geht.

Zurufder Abg. Desiree Becker [Die Linke]

Vielleicht sollten Sie beide Perspektiven in den Blick nehmen.

Wir, die Verantwortungskoalition für Deutschland, stehen für Bürokratieabbau, wir stehen für neues Wachstum, aber wir stehen auch für Verantwortung in der Welt.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Sehr gut, Peter!

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort dem Abgeordneten Andreas Mayer von der AfD. Das ist seine erste Rede.

Beifallbei der AfD
Porträt von Andreas Mayer
Foto: Andreas Mayer
9 Vermerkeca. 492 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Im Wahlkampf tönte die Union noch groß von der Wirtschaftswende. Doch beim Thema Lieferketten zeigt sich wieder einmal: Auf eines ist bei CDU/CSU immer Verlass: auf den Betrug am Wähler.

Beifallbei der AfD

Ein Blick in den Koalitionsvertrag lohnt sich. Da steht zwar, dass Sie das nationale Lieferkettengesetz abschaffen wollen. Aber schon im nächsten Satz kommt die EU-Lieferketten-Richtlinie, die Sie – Achtung, Realsatire! – „bürokratiearm“ in nationales Recht umsetzen wollen. Das zeigt wieder einmal: Was Sie hier betreiben, sind billige Taschenspielertricks.

Beifallbei der AfD

EU-Richtlinie und nationales Gesetz sind natürlich Zwillinge. Beide instrumentalisieren unsere Unternehmen als Erfüllungsgehilfen staatlichen Rechts. Beide mischen sich unzulässigerweise in die Souveränität fremder Staaten ein. Beide nehmen fremde Staaten völlig aus der Verantwortung bei der Wahrung von Menschenrechten. Beide übersteigen schlicht die Kapazitäten unserer Unternehmen. Beide sorgen dafür, dass bei der so wichtigen Diversifizierung unserer Handelspartner der Rückwärtsgang eingelegt wird. Und natürlich – der wichtigste Punkt – zerstört auch diese EU-Richtlinie, die Sie unbedingt umsetzen wollen, unsere deutsche Wirtschaft noch weiter.

Beifallbei der AfD

Ich frage mich, mit welchen Ländern es Ihnen überhaupt noch genehm ist, Handel zu treiben. Nach der Wahl des Kandidaten des rechten Lagers zum neuen Präsidenten Polens ist ja nun auch unser größter Nachbarstaat im Osten nach Ihrer Meinung wieder böse. Die USA unter Trump sind sowieso böse. Neuerdings – das fand ich besonders beschämend – ist für die Merz-Regierung auch Israel böse. Und die BRICS-Länder sind auch böse.

Ein paar Sonderbeauftragte abzuschaffen und ein paar unbeliebte Gesetze neu aufzusetzen, ist vieles, aber kein Bürokratieabbau. Wissen Sie, wer wirklich Bürokratieabbau betreibt? Der argentinische Präsident Milei.

Beifallbei der AfD

Das ist ein Mann mit echten Prinzipien und Ahnung von Wirtschaft – eben das Gegenteil von Friedrich Merz.

Dann wander doch aus!

Genau diesen Geist der Freiheit brauchen wir endlich auch für unsere Wirtschaft, die in der Bürokratie versinkt. Ich will gar nicht wissen, wie viele gut bezahlte Arbeitsplätze in unserem Land existieren, die nur dafür da sind, Ihren Bürokratiewahn abzuarbeiten.

Beifallbei der AfD

Und da haben wir auch schon einen Teil der Antwort auf die Fachkräftefrage: Ran mit der Kettensäge an die Bürokratie! Und schon sind Leute für produktive Tätigkeiten frei.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, wenn wir wieder Wachstum haben wollen, dann müssen wir nicht nur das nationale Lieferkettengesetz abschaffen, sondern auch die EU-Lieferketten-Richtlinie stoppen. Durch unsere beiden Drucksachen – Antrag und Gesetzentwurf – wird genau das erreicht, und wir können endlich wieder das Versprechen der guten alten Bundesrepublik einlösen und das Ziel der AfD erreichen: Wohlstand für alle.

Beifallbei der AfD

Herr Abgeordnete Mayer, das war Ihre erste Rede. Ich gratuliere Ihnen dazu. – Als Nächstes spricht für die SPD Daniel Walter.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Jetzt wieder ein bisschen Niveau hier!

Porträt von Daniel Walter
Foto: Daniel Walter/ Photothek Media Lab
9 Vermerkeca. 671 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren das Thema Lieferketten derzeit primär im Kontext des Bürokratieabbaus. Das ist nicht verwerflich; das ist in weiten Teilen auch nachvollziehbar.

Lassen Sie uns aber nicht vergessen, wo die Idee eines Lieferkettengesetzes ihren Ursprung hatte. Lassen Sie uns bitte die Bilder des tragischen Unglücks in der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch, bei dem über 1 000 Menschen – vor allem weibliche Beschäftigte – ums Leben kamen und weitere Tausende verletzt wurden, nicht vergessen.

Beifallbei der SPD

Lassen Sie uns in der Debatte um Bürokratieabbau nicht vergessen, dass Politik, Wirtschaft und auch wir als Gesellschaft Verantwortung für Menschenrechte, Umweltstandards und Arbeitnehmer/-innenschutz tragen.

Es war damals Entwicklungsminister Gerd Müller, der Menschen in Rana Plaza in seiner Bundestagsrede im Juni 2021 gedachte – wir haben es von Frau Roth schon gehört. Nach vielen Jahren gemeinsamer Anstrengungen der damals schwarz-roten Regierung wurde das Lieferkettengesetz verabschiedet – übrigens auch mit Unterstützung über die damalige Koalition hinaus. Auch die EU hat den Handlungsbedarf klar erkannt. Mit dem EU-Lieferkettengesetz folgen wir dem globalen Trend zur Verrechtlichung von Unternehmensverantwortung.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Kai Whittaker [CDU/CSU]

Es ist richtig, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass das nationale nun durch ein europäisches Lieferkettengesetz ersetzt wird. Wir leben und wirtschaften in einem gemeinsamen Binnenmarkt. Wir brauchen Rechtssicherheit für deutsche und europäische Unternehmen sowie gleiche und faire Wettbewerbsbedingungen in Europa. Wir können es nicht zulassen, dass wir 27 Einzelregelungen haben. Darauf haben wir uns im Koalitionsvertrag verständigt. Die Regelung auf europäischer Ebene ist ohne Wenn und Aber richtig.

Beifallbei der SPD

Jetzt ist die Bundesregierung in der Verantwortung, auf der europäischen Ebene einen Interessenausgleich zu erreichen – in einem Spannungsfeld, das wir alle kennen. Wir haben es von vielen Rednerinnen und Rednern schon gehört: Jeder und jede von Ihnen im Haus kennt Unternehmerinnen und Unternehmer, die unter Bürokratie, unter Nachweispflichten, unter der Schaffung von Beauftragten ächzen. Die Stimmen aus der Wirtschaft sind eindeutig: Es bedarf eines raschen und konsequenten Abbaus von Bürokratie. Viele dort haben auch die Lieferketten im Sinn.

So wie jeder und jede diese Schilderungen kennt, bin ich mir sicher, dass Sie auch den Eindruck bekommen haben, dass – anders als so mancher behauptet – diesen Unternehmerinnen und Unternehmern die Menschenrechte nicht egal sind. Diese Unternehmerinnen und Unternehmer schauen nicht gleichgültig auf Umweltstandards. Mein Eindruck ist: Die allermeisten Unternehmen in diesem Land, insbesondere die des Mittelstands, wollen einen Beitrag zur Einhaltung der Menschenrechte und Umweltstandards leisten. Sie erwarten jedoch zu Recht, dass diese Regeln praktikabel, zielorientiert und möglichst bürokratiearm umgesetzt werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir brauchen jetzt einen Interessenausgleich zwischen den Zielen, die Menschenrechte und Umweltstandards zu schützen und zugleich die Wirtschaft nicht zu überfrachten. Das muss die Bundesregierung gemeinsam mit den europäischen Partnern erreichen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich zum Ende meiner Rede grundsätzlich werden. Es wabert hier von rechts außen ein Weltbild durch das Haus, dessen Anhänger die Augen verschließen vor dem, was in der Welt passiert.

Überhaupt nicht der Fall! Überhaupt nicht!

Sie sind gleichgültig gegenüber Menschenrechten, gleichgültig gegenüber dem Klima, gleichgültig gegenüber der Umwelt – schlimmer noch: Man will, dass wir zurückkehren zu nationalen Alleingängen, zu weniger Kooperation, zu weniger gemeinsamen Regeln in Europa und in der Welt. Es ist ein Weltbild, das nur für eines steht: Wir sind uns selbst am nächsten – keine Kooperation, keine Kompromisse.

Das ist doch Quatsch!

Ah ja, deswegen wollen alle mit uns kooperieren, aber nicht mit Ihnen, weltweit! Passt schon!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, dieses Weltbild ist wirtschaftsfeindlich.

Nee, sicher nicht!

Das ist wirtschaftsfeindliche Politik. Deswegen ist der heutige Antrag der AfD abzulehnen.

Ich danke Ihnen ganz herzlich.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Leif-Erik Holm [AfD]

Vielen Dank. – Als Nächstes spricht Dr. Klaus Wiener für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Lieferkettengesetz

Das Sorgfaltspflichtengesetz!

verfolgt wichtige Anliegen – ganz klar –: die Wahrung der Menschenrechte und des Umweltschutzes. Das klang ja auch mehrfach an. Aber, Frau Conrad, Frau Roth: Wer wäre denn nicht dafür? Kommen Sie uns doch nicht immer mit dem großen moralischen Zeigefinger! Wir sind alle dafür.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Leif-Erik Holm [AfD]
Zurufder Abg. Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Gute Absichten allein führen aber nicht automatisch zu guten Gesetzen. Deshalb müssen wir bestehende Gesetze immer wieder hinterfragen, so auch das Lieferkettengesetz.

Was ist dann das Problem mit diesem Gesetz? Noch einmal: Es sind nicht die Ziele. Aber es gibt hier einen großen Zielkonflikt. Einerseits wollen und brauchen wir möglichst freien Handel. Ich muss wohl nicht erklären, dass das für uns in Deutschland sehr wichtig ist. Andererseits wollen wir natürlich, dass alle Menschen in Würde leben können. Diese Ziele kann ich aber nicht nur mit einem wirtschaftspolitischen Instrument erreichen; das funktioniert nicht. Das wissen wir aus Theorie und Praxis.

Deshalb plädiere ich dafür, diese Anliegen sauber voneinander zu trennen. Für den Freihandel haben wir die Handelspolitik, und für das Erreichen von Menschenrechtsstandards und Umweltzielen ist vor allem die Diplomatie gefordert. Hier brauchen wir internationale Kooperation und eine effektive Entwicklungspolitik. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen den Ländern im Aufholprozess die Möglichkeit geben, sich wirtschaftlich zu entwickeln, um so der Armutsfalle zu entkommen.

Beifallbei der CDU/CSU

Dafür braucht es eben kein Lieferkettengesetz, sondern gute Vereinbarungen für mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Er spricht jetzt komplett gegen!

Statt also die Ursachen anzugehen – geringe Einbindung in die Weltwirtschaft, mangelnde Bildung, fehlende Rechtsstaatlichkeit –, verlassen sich die Anhänger des Lieferkettengesetzes auf eine Papierlösung. Wir müssen Menschenrechte aber nicht auf dem Papier schützen, sondern in der Realität.

Gleichzeitig macht das Lieferkettengesetz unseren Unternehmen das Leben schwer. Das sind Unternehmen – das will ich hier mal ganz deutlich sagen –, die ganz überwiegend in großer sozialer Verantwortung geführt werden, gerade im Mittelstand. Das Unternehmensbild, das hier immer gezeichnet wird, ist nämlich für meinen Geschmack ein ziemlich schräges.

Hätten Sie mal meiner Rede zugehört!

In seiner derzeitigen Form ist das Lieferkettengesetz ein wahres Bürokratiemonster. Es erfordert ein Risikomanagementsystem, eine Regelung zur betriebsinternen Zuständigkeit, regelmäßige Risikoanalysen, die Abgabe einer Grundsatzerklärung, Präventionsmaßnahmen, Abhilfemaßnahmen, ein Beschwerdeverfahren sowie die Dokumentation all dessen. All dies belastet eben nicht nur große Firmen, sondern auch den Mittelstand. Der leidet darunter; denn die großen Firmen reichen ihre Bedingungen natürlich an die kleineren weiter – selbst dann, wenn die kleineren gar keinen Einfluss auf die Lieferkette haben.

Nicht weniger Sorge bereitet in diesem Zusammenhang, dass es mit der geplanten europäischen Regelung auch eine zivilrechtliche Haftung geben soll – ein Unding für meinen Geschmack. Die Klageindustrie reibt sich schon jetzt die Hände.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Zurufvon der AfD: Ja, richtig! Darum geht’s!

Ich glaube, die Entwicklung der letzten Jahre und Monate hat doch eines sehr deutlich gemacht: Wir als Kontinent müssen wieder wettbewerbsfähiger werden. Deshalb freue ich mich auch, dass die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine Überprüfung der europäischen Lieferketten-Richtlinie auf den Weg gebracht hat. Von hier aus kann ich nur sagen: Sie hat dabei unsere volle Unterstützung.

Beifallbei der CDU/CSU

Der Antrag der AfD zeigt einmal mehr, dass Sie sich fortlaufend unserer Ideen bedienen – wieder einmal.

Wieder einmal bedienen Sie sich bei uns. Was Sie fordern, steht bereits im Koalitionsvertrag in Zeile 1 909 ff. Gucken Sie mal rein! Wir wollen ein Gesetz, das die internationale Unternehmensverantwortung in den Blick nimmt, dabei aber sehr schlank und äußerst bürokratiearm ist. Dazu brauchen wir Ihren Antrag ganz sicher nicht.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Herzlichen Dank. – Als Nächstes erteile ich das Wort dem Abgeordneten Thomas Stephan von der AfD-Fraktion. Das ist seine erste Rede.

Beifallbei der AfD
Porträt von Thomas Stephan
Foto: Thomas Stephan/ Tobias Adam
8 Vermerkeca. 406 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Vor genau einem Monat hat die neue Koalition der zweiten Wahl den Koalitionsvertrag unterschrieben. Wie wir heute wissen, ist es vielen Mitgliedern dieser Koalition der zweiten Wahl inklusive des Bundeskanzlers vollkommen egal, was sie ihren Wählern vor der Wahl versprochen haben. Heute sind wir mal gespannt, was das Papier namens Koalitionsvertrag tatsächlich wert ist; denn da haben Sie die Abschaffung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes hineingeschrieben. Unter dem großen Begriff „Bürokratieabbau“ steht da – ich zitiere –:

„Darüber hinaus schaffen wir das nationale Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz […] ab.“

Und weiter:

„[…] wird unmittelbar abgeschafft und entfällt komplett.“

Ich wiederhole: „[…] wird unmittelbar abgeschafft […]“. Werte Mitglieder der Koalition, die von Ihnen gewünschte Überweisung des Gesetzes in den Ausschuss hat weder mit „Wir müssen ins Machen kommen“ noch mit ihrem Ziel, das Gesetz unmittelbar abzuschaffen, etwas zu tun.

Beifallbei der AfD

Da uns als AfD die deutsche Wirtschaft am Herzen liegt, fordern wir Sie auf, unserem Antrag zuzustimmen. Denn nur so können wir dieses bürokratische Monster und die damit verbundene Überlastung, die Rechtsunsicherheit und die Haftungsrisiken für unsere Wirtschaft abschaffen. Nur so können wir die Wettbewerbsnachteile für unsere deutschen Firmen einigermaßen reduzieren, und nur so können wir die nutzlose Abwälzung staatlicher Aufgaben auf unsere deutschen Unternehmen rückgängig machen.

Beifallbei der AfD

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz war vielleicht gut gemeint. Aber es schadet mehr, als es nützt. Es kostet mehr, als es bringt, und es erfüllt kein einziges seiner eigentlichen Ziele.

Und übrigens: Menschenrechte sind auch für uns wichtig.

– Hören Sie zu! Da können Sie was lernen. – Allerdings steht uns ein deutsches Familienunternehmen näher als irgendein Gewerkschaftssekretär in Bangladesch, der sich durch dieses Gesetz profilieren möchte.

Deutschland braucht Unternehmensfreiheit, Innovationskraft und weniger Bürokratie. Was Deutschland nicht braucht,

… ist die AfD!

ist zum einen dieses von Ideologie getriebene Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Zum anderen brauchen wir auch keine links-grünen Ökosozialisten,

„Sozialist/-innen“!

die unsere deutsche Wirtschaft mit unnötigen Gesetzen lahmlegen und unserem deutschen Vaterland damit Schaden zufügen.

Danke schön.

Beifallbei der AfD

Herr Abgeordneter Stephan, das war Ihre erste Rede. Ich gratuliere dazu.

Die Debatte wird beendet mit dem Redebeitrag des Abgeordneten Fabian Gramling von der Union.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Fabian Gramling
Foto: Fabian Gramling/ Lukas Muckenfuß
6 Vermerkeca. 612 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Um vielleicht einmal auf die AfD einzugehen: Wenn Sie wirklich den Mittelstand und die Wirtschaft stärken möchten, dann sollten Sie, glaube ich, einmal Ihre Haltung gegenüber dem Euro und gegenüber der Europäischen Union überdenken. Denn wenn Sie Ihre Ziele durchsetzen würden – davon bin ich überzeugt –, würde der Export nicht durch die Decke gehen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich bin am Ende dieser Debatte der letzte Redner und möchte die Debatte deswegen gerne etwas zusammenfassen: Der Grundgedanke des Lieferkettengesetzes ist absolut richtig. Es geht darum, Menschenrechte zu schützen, es geht darum, Kinderarbeit und Ausbeutung zu verhindern, und es geht darum, Umweltstandards entlang einer globalen Lieferkette zu gewährleisten. Diese Ziele teilen wir als Unionsfraktion.

Aber wir müssen bei der Diskussion auch berücksichtigen, dass wir in Deutschland mit die höchsten Standards haben. Und unsere Unternehmen haben auch den Anspruch, dass diese Standards eben nicht an der Landesgrenze haltmachen. Aber wir müssen uns eingestehen, dass „gut gemeint“ eben nicht immer auch „gut gemacht“ ist. Denn gerade in einer globalen Welt, wo die Lieferketten immer komplexer werden, ist es für Unternehmen nicht mehr machbar, und es nimmt unseren Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes die Luft zum Atmen.

Ich war vor einigen Wochen bei einem Mittelständler bei mir im Wahlkreis, und der hat es treffend so gesagt: Ich kann komplexe Greifsysteme herstellen. Hierfür habe ich die Kompetenz. Meine Mitarbeiter haben die Kompetenz hierfür. Aber ich habe weder die Kompetenz noch die Kapazität noch das notwendige Know-how, diese ganzen Berichtspflichten zu erfüllen. – Dieser Mittelständler hat rund 2 000 direkte und indirekte Zulieferer. Diese Zahl verdeutlicht, dass es de facto unmöglich ist, die vollständige Einhaltung aller Vorgaben entlang der gesamten Lieferkette zu garantieren.

Genau! Also weg damit!

Das Beispiel zeigt auch, dass wir mit diesem Gesetz viele Unternehmer überfordern, gerade auch kleinere Unternehmen, die als Zulieferer ihrem Auftraggeber rechenschaftspflichtig sind. Hinzu kommen Unsicherheiten bei der Rechtsauslegung und, gerade auch in dieser Zeit, in der es um Diversifizierung geht, die Angst vor Haftungsrisiken. Wir müssen deswegen den Fokus in unserer Wirtschaftspolitik wieder auf die Wettbewerbsfähigkeit richten. Denn Wettbewerbsfähigkeit sichert Arbeitsplätze, Wettbewerbsfähigkeit sichert Wohlstand, und Wettbewerbsfähigkeit ist am Ende auch der Grund, warum globale Standards wirklich eingehalten und eingeführt werden können.

Beifallbei der CDU/CSU

Lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen, um einmal auf die Globalisierung einzugehen. Die Globalisierung ist das größte Konjunkturprogramm gegen Armut und gerade auch gegen Kinderarmut. Denjenigen Parteien, die hier heute extrem laut geschrien haben, würde ich, wenn es um Handelsabkommen geht, einmal raten und auch empfehlen, ihre Haltung und ihre Meinung zu überdenken. Denn Handelsabkommen schaffen am Ende Wohlstand und schaffen am Ende auch Fortschritt in dieser Welt.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Schöne am Leben ist ja, dass es nicht verboten ist, klüger zu werden.

Man braucht dann aber auch die Größe, sich das einzugestehen und etwas zu ändern. Als Union haben wir dies erkannt, und wir haben auch die Stärke, dies zu tun. Deswegen ist es absolut folgerichtig, dass unsere Wirtschaftsministerin jetzt die Aufhebung des Lieferkettengesetzes auf den Weg bringen wird.

Aber uns ist auch ganz klar, dass damit die Arbeit nicht erledigt ist. Für uns als Union ist klar: Jetzt kommt es auf die richtige Umsetzung der Europäischen Lieferketten-Richtlinie an; denn diese muss praxistauglich, sie muss europäisch harmonisiert und sie muss für unsere Unternehmen auch umsetzbar sein. Daran werden wir arbeiten in dieser Regierung.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sehr guter Abschluss!

Porträt von Lars Klingbeil
Foto: SPD/ Maximilian König
8 Vermerkeca. 712 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, wir alle sind tief geprägt von den Gesprächen, die wir in den letzten Monaten in unseren Wahlkreisen geführt haben: mit Familien, mit Menschen, denen Arbeitsplatzverlust droht, die von großen Unsicherheiten in ihrem Leben geprägt sind, die sich fragen, wie sicher ihr Arbeitsplatz ist, ob sie das Einfamilienhaus weiter abbezahlen und ob sie die Ausbildung oder das Studium der Kinder weiter bezahlen können in diesen wirtschaftlich turbulenten Zeiten. Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, war es für die neue Koalition wichtig, dass wir im Koalitionsvertrag, aber auch hier im Regierungshandeln ein klares Signal senden. Das ist verbunden mit dem Wachstumsbooster, den wir gestern im Kabinett auf den Weg gebracht haben. Ich bin den Fraktionen von Union und SPD dankbar, dass wir diesen Booster heute schon in erster Lesung beraten können.

Und der Opposition!

Das klare Signal ist: Wir setzen auf die Sicherung von Arbeitsplätzen und auf wirtschaftliches Wachstum in unserem Land. Wir wollen Deutschland wieder auf Wachstumskurs bringen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Wir wollen den Standort Deutschland zu einem modernen, einem digitalen und einem klimaneutralen Standort machen. Wir werden hier die Investitionen anreizen. Wir werden Energiepreise senken, Bürokratie abbauen und über das Sondervermögen für Milliardeninvestitionen sorgen, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Stärke unseres Landes deutlich machen. Wir schaffen Planungssicherheit. Wir setzen starke Investitionsanreize. Und ich sage Ihnen sehr klar: Das ist das, worauf viele Unternehmen, viele Betriebe in diesem Land warten. Die wollen investieren; die halten sich gerade zurück. Wir schaffen die notwendigen Rahmenbedingungen dafür, dass viel mehr in unserem Land investiert wird, als es in den letzten Jahren der Fall war.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Wir erhöhen die Abschreibungen für Investitionen auf 30 Prozent für die nächsten Jahre. Das heißt: Ein Unternehmen, das für 120 000 Euro eine neue Maschine kauft, kann schon im ersten Jahr 40 000 Euro von der Steuer absetzen. Diese Superabschreibungen sind einfach, sie sind unkompliziert, sie wirken schnell, sie bringen Vorteile für alle Unternehmen, die investieren: für das Handwerk

ebenso wie für die Familienbetriebe, die Mittelständler und die Industrie.

Wir setzen ein klares Signal für die Elektromobilität, die wir fördern und ausbauen wollen. Wir führen eine degressive Abschreibung für Elektrofahrzeuge ein, die neu angeschafft werden. Wir steigen mit einem Abschreibungssatz von 75 Prozent ein. Hiervon werden alle Unternehmen, auch kleine und mittlere Unternehmen, profitieren. Ich will hier an dieser Stelle deutlich sagen: Wir haben im Koalitionsvertrag verabredet, dass wir auch Anreize für die Bürgerinnen und Bürger setzen wollen, um Elektromobilität zu fördern. Das ist ein klares Bekenntnis dieser Regierung: Wir setzen auf Elektromobilität, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir werden die Unternehmensteuern deutlich senken: ab dem Jahr 2028 und in den jeweils folgenden Jahren um 1 Prozent – also eine Schrittfolge.

Zu spät, Herr Kollege! Viel zu spät! Das Haus brennt!

Wir beginnen mit Superabschreibungen für schnelle Investitionen und kommen dann zu einem verlässlichen Steuerrahmen.

Mit dem Sondervermögen stoßen wir die größte Modernisierung unseres Landes seit Jahrzehnten an. 500 Milliarden Euro Sondervermögen! Es sind starke Investitionen, die wir im Sondervermögen und im Kernhaushalt vorsehen. Wir bringen massiv private und öffentliche Investitionen zusammen. Der Wachstumsbooster, den wir heute beraten, ist dafür entscheidend.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich noch einen Punkt zusätzlich anbringen, auch unter dem Eindruck dieser Woche. Ich war beim Zoll in Hamburg und habe die Zollbilanz vorgestellt. Ich will für die Bundesregierung sehr klar sagen: Wir werden härter gegen Kriminelle vorgehen, die sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern. Der Rechtsstaat muss durchgreifen, damit dem Staat hohe Einnahmen nicht entgehen. Fehlende Einnahmen sind auch fehlende Investitionen. Deswegen wollen wir besser werden, wenn es darum geht, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, Geldwäsche und Finanzkriminalität zu bekämpfen. Eine erste Gesetzesverschärfung werde ich dem Parlament noch vor der Sommerpause vorlegen. Das ist uns ein wichtiges Anliegen. Hier werden wir aktiv sein, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Ich freue mich auf die Beratungen.

Vielen Dank fürs Zuhören.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Herzlichen Dank, Herr Minister. – Die nächste Rede hält Christian Douglas für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Christian Douglas
Foto: Christian Douglas/ AfD Hessen
13 Vermerkeca. 874 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Wir sprechen heute über die Stärkung des Standorts Deutschland. Was so schön klingt, ist allerdings nur deshalb notwendig, weil zuvor eine massive Schwächung stattgefunden hat. Seit der glorreichen Ära Merkel wurde Deutschland systematisch auf Verschleiß gefahren und lebte von der Substanz. Immer weniger Investitionen, dafür explosionsartig steigende Ausgaben für Soziales, Auslandsprojekte und Klientelpolitik! Die Folgen sind offensichtlich: kaputte Schienen, Straßen und Brücken, marode Schulen, langsames Internet und vieles mehr. Die Ampeljahre unter Führung der SPD haben die Situation noch verschlimmert.

Anhand der weltweiten Daten kann man sehr gut erkennen, dass es sich eben nicht um eine externe Krise handelt, wie so gerne kolportiert wird. Die Fakten lauten wie folgt: China wächst dieses Jahr um 4 Prozent, Russland und die USA um 2 Prozent, die EU um 1 Prozent und Deutschland um 0 Prozent – zum dritten Mal in Folge. Nein, diese Krise ist nachweislich hausgemacht.

Beifallbei der AfD

Nun soll unter Beteiligung derselben SPD der Standort wieder nach vorne kommen. Das nennt man „den Bock zum Gärtner machen“. Und schon sehen wir einen absoluten Klassiker Ihrer Politik: große Versprechungen für die Zukunft, aber keine sofortigen Änderungen – so wie in Ihrem Punkt, Zitat, „Schrittweise Senkung des Körperschaftsteuersatzes“,

eine Position, die auch wir im Programm haben und die völlig richtig ist. Aber ihre Umsetzung soll nicht dieses Jahr erfolgen, auch nicht 2026 und auch nicht 2027. Nein, sie soll 2028 mit Minischritten starten und dann wohlgemerkt 2032 abgeschlossen sein. Liebe Regierung, das ist in sieben Jahren. Haben Sie sich mal mit Unternehmen unterhalten? Wir erleben einen massiven Abzug von Kapital, Umzüge ins Ausland, ja, auch Schließungen und Pleiten. Sie haben offenbar noch immer nicht begriffen, was die Stunde geschlagen hat.

Beifallbei der AfD

Der Soli sollte abgeschafft werden. Das ist auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben. Das sogenannte Klimageld sollte in Form der Einnahmen aus der CO2-Steuer an die Bürger ausgezahlt werden. Aber bisher ist kein einziger Euro geflossen. Das Eintreiben der Steuern klappt bestens, die Rückzahlungen und die Senkungen werden immer nur für die ferne Zukunft angekündigt. Bei der Deutschen Bahn wurde kürzlich die Einführung des sogenannten Deutschlandtaktes allen Ernstes von 2030 auf 2070 verschoben. Ich glaube, Sie haben dieselben Berater.

Sie möchten ein Konjunkturprogramm für Deutschland, aber Sie fördern nur Elektromobilität zulasten der Verbrenner. Dabei sind wir bei Verbrennern weltweit spitze, bei Elektro hingegen unbedeutend. Ich zitiere aus einem Artikel des ADAC von gestern Abend – liebe Grünenkollegen, ADAC bedeutet nicht „all cops are bastards“ –;

Heiterkeitund Beifall bei der AfD

Zitat: Die aktuellen Verkaufszahlen für Elektrofahrzeuge resultieren vor allem aus steigenden Rabatten und Steuervergünstigungen. – Zitat Ende.

Und Sie möchten weitere einseitige Vergünstigungen, weil Sie in Ihrer Planwirtschaft das Ziel von 15 Millionen Elektrofahrzeugen bis 2030 ausgegeben haben; derzeit sind es aber nur 1,6 Millionen. Aber wo kämen wir denn auch hin, wenn der Kunde frei entscheiden darf, welches Produkt er kaufen möchte?

Darf er doch!

Ihr Programm ist ganz sicher eines nicht, nämlich eine Stärkung des Standorts Deutschland, dafür aber eine ideologische Geldverbrennung mit freundlicher Unterstützung von – wie könnte es anders sein? – dem deutschen Steuerzahler.

Wenn Sie unseren Standort wirklich stärken wollen, dann orientieren Sie sich bitte an der Realität. Sorgen Sie für günstige Energie, nehmen Sie die Benachteiligung von Verbrennern aus dem Antrag, und seien Sie bei Steuern mutig. Deutschland kann sich keine weiteren verlorenen Jahre leisten.

Beifallbei der AfD

Ich komme zum Antrag der Grünen. Liebe Grüne, wenn von Ihnen etwas kommt, dann erwarte ich entweder eine Aktuelle Stunde zur Klimaapokalypse oder einen Plan, die Bürger noch mehr auszunehmen, und beim Lesen Ihres Antrags wurde ich nicht enttäuscht. Es geht tatsächlich wieder um höhere Steuereinnahmen,

Zurufder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

was ja vollkommen logisch ist; denn das heutige Thema lautet „Stärkung der Wirtschaft am Standort Deutschland“.

Wer kennt sie nicht, die Millionen Bürger, die sagen: „Ich würde so gerne in Deutschland investieren, aber die Steuerbelastung ist einfach noch nicht hoch genug“?

Heiterkeitund Beifall bei der AfD

Das ist einfach Quatsch! Sie haben den Antrag offensichtlich nicht gelesen!]

Diesen Leuten möchten die Grünen nun gerne mit einigen Maßnahmen unter die Arme greifen:

Zurufder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Immobilienbesitzer dürfen mehr Spekulationsteuer bezahlen, Fahrer von Dieselfahrzeugen dürfen mehr Energiesteuer bezahlen, Gastronomen und deren Kunden dürfen mehr Umsatzsteuer bezahlen, Erben dürfen mehr Steuern für bereits mehrfach versteuertes Vermögen bezahlen. Ich lese überall nur das Wort „Mehreinnahmen“.

Mindereinnahmen: 46 Milliarden!

Liebe Grüne, wer die wirtschaftliche Aktivität von Unternehmen und Bürgern fördern will, der muss Steuern senken.

Beifallbei der AfD

Wir als AfD möchten die CO2-Steuer und die Grundsteuer abschaffen. Wir möchten weniger Bürokratie. Wir möchten, dass die Bürger mehr von ihrem Geld behalten und selbst entscheiden, was sie damit tun.

Wenn wir die Standortbedingungen tatsächlich verbessern, dann investieren die Menschen gerne und freiwillig in Deutschland. Das Motto muss lauten „Freiheit statt Sozialismus“.

Ich bedanke mich.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort für die nächste Rede Dr. Mathias Middelberg von der Union.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Mathias Middelberg
Foto: Dr. Mathias Middelberg/Tobias Koch
7 Vermerkeca. 719 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Werter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Der Bundesfinanzminister hat es eben richtig gesagt: Wir sind in Deutschland in einer ernsten wirtschaftlichen Lage. Wir wachsen im dritten Jahr nicht mehr. Wir haben wirtschaftlichen Stillstand, und wir verlieren in jedem Monat mehrere Tausend Arbeitsplätze. Daran hängen sehr viele menschliche Schicksale, viele Familien und deren Angehörige, und deswegen müssen wir jetzt schnell handeln.

Zurufvon der AfD: Mit Steuersenkungen nach drei Jahren!

Und das Gute ist – das sage ich hier sehr lobend, an die gesamte Bundesregierung, ausdrücklich aber auch an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gerichtet –: Wir handeln jetzt sehr schnell. Vielen Dank für diese zügige Gesetzesvorlage, die formell aus den Fraktionen kommt, materiell aber aus Ihrem Haus; herzlichen Dank dafür und für dieses zügige Handeln.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Wir sind als Deutschland, als Wirtschaftsstandort, nicht mehr wettbewerbsfähig bei Themen wie Steuern, bei Energiepreisen, beim Thema Digitalisierung, bei der Bürokratie, und deswegen gehen wir diese Themen jetzt entschlossen an.

Heute gehen wir mit dem steuerlichen Investitionssofortprogramm das Thema Steuern an. Wir setzen damit schnell Impulse, Stichwort „Abschreibungsbooster“; wir setzen damit aber auch längerfristig die richtigen Signale sehr verlässlich, Stichwort „Absenkung der Körperschaftsteuer“.

Und, Herr Douglas, man mag es kritisieren, ob das ein Jahr früher oder ein Jahr später kommt. Das wird die allermeisten, die hier in Deutschland wirtschaftlich aktiv sind, aber gar nicht interessieren. Die rechnen ja längerfristig, die fragen: Was zahle ich in drei, vier, fünf Jahren hier an diesem Standort für Steuern?

Angesichts einer kräftigen Absenkung um 5 Prozentpunkte bei der Körperschaftsteuer und damit bei der Unternehmensbesteuerung insgesamt, bei der wir jetzt von 30 auf 25 Prozent runtergehen, werden viele sagen: „Da lohnt es sich jetzt wieder, am Standort Deutschland zu investieren; ich bleibe an diesem Standort, ich investiere weiter, ich erweitere“, und andere werden zusätzlich von außen kommen und sagen: „Deutschland ist wieder im Rennen.“

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die anderen Punkte sind benannt worden, der Abschreibungsbooster und auch das Thema Elektromobilität. Wir finden es richtig, dass hier auch eine kräftige Aussage getroffen wird. 75 Prozent Abschreibung im ersten Jahr ist ein ganz klarer Kaufanreiz, und zusammen mit der Anhebung des Bruttolistenpreises ist gerade die Anschaffung der Fahrzeuge begünstigt, die hier in Deutschland von deutschen Herstellern produziert werden – eine richtige Aussage in diesem Gesetz.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich will einen Punkt hinzufügen, der mir wichtig ist, weil hier in den letzten Tagen auch Kritik aufkam, und zwar nicht zu Unrecht: Auch die Länder, aber vor allen Dingen die Kommunen werden durch dieses Gesetz durchaus hart getroffen, weil das natürlich mit Steuerausfällen verbunden ist: beim Bund, bei den Ländern, aber auch bei den Kommunen.

Aber – und das sollten wir fairerweise auch dazusagen – durch das große Infrastruktursondervermögen, 500 Milliarden Euro, die wir jetzt in die Hand nehmen und die wir als Bund allein finanzieren – der Bund trägt hierfür allein die Zinslast –, werden Wachstumseffekte ausgelöst im ganzen Land, wovon am Ende alle profitieren: der Bund, die Länder, aber nach der Steueraufteilung auch die Kommunen. Von zusätzlicher Wirtschaftstätigkeit, von zusätzlichen Investitionen profitieren auch die Kommunen über die Gewerbesteuer, und 100 Milliarden Euro aus diesem Paket gehen direkt an die Länder und an die Kommunen.

Ich sage es noch mal: Die Finanzierung – die Zinslasten daraus – trägt allein der Bund, nicht die Länder und nicht die Kommunen. Länder und Kommunen sind Nettoprofiteure dieses Investitionsprogramms, und deswegen schaffen wir einen ganz gewaltigen Ausgleich zugunsten der Länder und zugunsten der Kommunen. Das sollte man bei aller Diskussion, bei aller Kritik, aber gerade bei einer sachlichen Diskussion darüber bitte im Auge behalten.

Beifallbei der CDU/CSU

Insofern ist das, was wir heute hier gesetzgeberisch auf den Weg bringen, ein gutes und wichtiges Gesetz. Es ist vor allen Dingen gut, dass es jetzt sehr schnell auf die Bahn kommt, weil damit die ersten Investitionsanreize für das zweite Halbjahr dieses Jahres jetzt schon geschaffen werden.

Jetzt kann es losgehen mit dem Investieren. Das ist ein erster und wichtiger Schritt, um die Standortprobleme in Deutschland anzugehen und zu beheben. Ihn tun wir heute gerne und mit Entschlossenheit.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Andreas Audretsch für Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Andreas Audretsch
Foto: Andreas Audretsch/Sonja Bahalwan
18 Vermerkeca. 834 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir brauchen Investitionen, wir brauchen öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, und wir brauchen Anreize für private Investitionen von Unternehmen. Das ist absolut richtig. Das Problem ist: Dieses Gesetz leistet keines von beidem.

Lieber Lars Klingbeil, dieses Gesetz entzieht Bund, Ländern und Kommunen allein bis 2029 46 Milliarden Euro. Das Defizit der Kommunen liegt jetzt schon bei 24,8 Milliarden Euro; jetzt sollen noch mal 11,5 Milliarden Euro obendrauf kommen. Dieses Gesetz würde unseren Städten und unseren Kommunen in Deutschland das Genick brechen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Selbst Gemeindevertreter aus dem wohlhabenden Bayern sprechen davon, dass man Schwimmbäder wird schließen müssen. Sie sprechen davon, dass man Jugendeinrichtungen gegebenenfalls nicht weiterführen kann. Sie sprechen davon, dass Busse weniger oft fahren. Mit diesem Gesetz, wenn es so kommt, legen Sie die Axt an die Daseinsvorsorge vor Ort, und das ist nicht zu verantworten.

Und es steht eine weitere Idee im Raum, um einzusparen. Friedrich Merz hat gestern bei seiner Rede auf dem Kommunalkongress weitere Sparvorschläge erläutert. Konkret sagt er: Gekürzt werden soll bei der Jugendhilfe und bei der Eingliederungshilfe.

Ich sage das mal auf Deutsch: Die CDU/CSU und die SPD planen, das Geld den jungen Menschen zu nehmen. Sie planen, das Geld den Menschen mit Behinderungen zu nehmen. Sie planen, das Geld den Sozialarbeitern vor Ort zu nehmen. Sie planen, das Geld zu nehmen, um dann Steuersenkungen in Milliardenhöhe zu finanzieren, die bei vielen Unternehmen noch nicht mal ankommen, die da noch nicht mal eine Wirkung entfalten. Das ist der falsche Weg; es ist zynisch, diesen Weg zu gehen, und deswegen sollten Sie an dieser Stelle diesen Weg nicht weiter verfolgen.

Es braucht einen anderen Weg, es braucht einen völlig anderen Ansatz bei der Sache, und da machen wir Ihnen in dem Antrag, der heute vorliegt, einen ganz konkreten Vorschlag. Wir haben Ihnen aufgeschrieben, wie Sie mit dem Schließen von Lücken bei der Steuergerechtigkeit sehr einfach einen zweistelligen Milliardenbetrag einnehmen können. Allein durch das Streichen von Ausnahmen bei der Immobilien- und der Erbschaftsbesteuerung könnte der Staat mindestens 15 Milliarden Euro einnehmen, und das jedes einzelne Jahr.

Das ist nicht schwierig, das kann man sehr schnell umsetzen.

Zurufder Abg. Kay Gottschalk [AfD]

Ein Beispiel aus Berlin: Der Immobilienkonzern Vonovia hat hier jüngst 113 000 Wohnungen gekauft und dank legaler Steuertricks nicht einen einzigen Cent Grunderwerbsteuer gezahlt. Nicht einen einzigen Cent! Jede Familie, die eine Wohnung kauft, um darin zu wohnen, zahlt den vollen Satz. Ein Konzern wie Vonovia kauft 113 000 Wohnungen und zahlt nicht einen einzigen Cent.

Kann gar nicht sein!

Wer hat denn die letzten dreieinhalb Jahre regiert, Herr Audretsch? Hätten Sie doch tun können!

Berlin sind 1 Milliarde Euro Steuereinnahmen entgangen,

1 Milliarde Euro, die in die Kultur, in die Sozialarbeit, in die Busse und Bahnen hätten fließen können. Hören Sie auf, zu sagen, dass man die Daseinsvorsorge kaputtmachen muss,

Ihre Klientel zu bedienen, darum geht es!

um Steuersenkungen zu finanzieren! Fangen Sie an, eine gerechte Steuerpolitik zu machen!

Aber die Katastrophe für Länder und Kommunen kommt erst richtig ab dem Jahr 2028. Sie planen, die Steuern für Kapitalgesellschaften ab 2028 um 25 Milliarden Euro zu senken, und das nicht über einen längeren Zeitraum, sondern jedes einzelne Jahr.

Nach zwei Jahren sind das dann 50 Milliarden Euro usw. Das ist ein unfassbar großer Betrag. Das Geld, das dort veranschlagt wird, kommt bei den Unternehmen gar nicht in Form von Investitionen an. Ein großer Teil davon wird direkt über Dividendenausschüttungen an die Anteilseigner gehen, weil es gar keine Verknüpfung mit Investitionen gibt. Es gibt keine Steuerung, die am Ende mehr Investitionen bewirkt.

Sie haben von Wirtschaftsgeschichte noch nichts gehört!

Zurufdes Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]

Auch dies wird dazu führen, dass wir die Kommunen vor Ort weiter kaputtmachen.

Lieber Lars Klingbeil, dieses Gesetz hätte so auch Christian Lindner vorlegen können.

Die meisten Arbeitsplätze schafft der Mittelstand!

Es gibt keinen Unterschied. Ich sehe keine Veränderung. Die vage Hoffnung, dass dadurch irgendwann mal Wachstum entstehen wird, dass dadurch irgendwann mal die Möglichkeit entstehen wird, mehr Geld einzunehmen, ist eine gefährliche Wette.

Jedes Unternehmen macht das, Herr Audretsch!

Das ist Ideologie und eine gefährliche Wette auf Kosten von Millionen Menschen in Deutschland.

Mehr Populismus geht immer!

Liebe SPD, wenn euch die Kommunen, wenn euch die Schwimmbäder, wenn euch die Kultureinrichtungen vor Ort irgendetwas wert sind, dann werdet ihr mächtig nacharbeiten müssen.

Herzlichen Dank. – Die nächste Rede hält für Die Linke Christian Görke.

Beifallbei der Linken
Porträt von Christian Görke
Foto: DiG/ Thomas Kläber
14 Vermerkeca. 776 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Klingbeil, Sie sind ja jetzt hier alles: Vizekanzler, Ermöglichungsminister, Turboinvestitionsminister. Boah, das klingt wirklich toll!

Das ist auch toll!

Aber ich sage Ihnen auch: Ein solider Finanzminister sind Sie noch nicht; denn unser Land steckt in einer Krise, und die Menschen und auch die Wirtschaft erwarten eigentlich verlässliche Rahmenbedingungen.

Dazu gehört ein Bundeshaushalt für das Jahr 2025.

Beifallbei der Linken

Durch Ihre verantwortungslose Trödelei kommt es nun dazu, dass dieser jetzt erst im Herbst beschlossen werden kann. Neun Monate vorläufige Haushaltsführung für die größte Volkswirtschaft in Europa, neun Monate keine zusätzlichen Investitionen, neun Monate Unsicherheit bei Unternehmen, Kommunen, Verbänden und Vereinen – deshalb finden wir: Dieser „Investitionsermöglichungsminister“ Klingbeil, wie er sich selbst nennt, ist mit diesem verschleppten Haushalt, Herr Middelberg, die größte Blockade für Investitionen in Deutschland.

Beifallbei der Linken

Bleiben wir doch mal bei den Aufgaben eines Finanzministers. Dazu gehört die Gegenfinanzierung dieses Gesetzes. Wenn die ersten Teile dieses Gesetzes ihre volle fiskalische Wirkung entfalten, bedeutet dies 46 Milliarden Euro Steuermindereinnahmen für Bund, Länder und Kommunen.

Zurufdes Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]

Und wenn dann die Absenkung der Körperschaftsteuer das erste Mal so richtig zuschlägt, entstehen von 2030 bis 2032 noch einmal insgesamt – für Bund, Länder, Kommunen – 61 Milliarden Euro Steuermindereinnahmen.

Diese Kosten trägt nicht der Bund bzw. nur zu einem geringen Teil. Die Hauptlast tragen die Länder und Kommunen, und denen – das hat der Kollege Audretsch gesagt – steht das Wasser bis zum Hals. Vielleicht noch mal bildlich gesprochen: Sie, Herr Bundesfinanzminister – und da setzen Sie die Politik von Christian Lindner fort –, bestellen hier ein ganz großes Konzert. Doch Sie haben nicht mal das Trinkgeld für den Stehgeiger, stattdessen legen Sie die Rechnung beim Nachbarn auf dem Tisch ab. So geht das nicht.

Beifallbei der Linken

Ihr Parteifreund Heiko Geue, der Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern, hat zu „t-online“ gesagt, die Finanzierung sei in Schieflage. Länder und Kommunen können nicht zwei Drittel der Entlastung tragen, der Bund müsse die Belastung ausgleichen. Sonst gebe der Bund Gas, und die Länder und Kommunen müssen bremsen, und zwar bei Schulen, bei Kitas und im Nahverkehr. – Ich finde, er hat recht.

Beifallbei der Linken

Deshalb, meine Damen und Herren, müssen wir die Bremsen lösen. Wir als Linke glauben, dass das mit diesen Rezepten nicht geht,

…, sondern mit Steuern!

sondern mit Rezepten wie einem echten Konjunkturprogramm, mit der Stärkung der Kaufkraft und einer Steuerentlastung für die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen in diesem Land, die natürlich auch mit einer gerechten Besteuerung dieses mittlerweile bizarren Reichtums hier in Deutschland gegenfinanziert werden.

Beifallbei der Linken

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die deutschen Unternehmen brauchen Kunden, die ihre Waren und Leistungen kaufen. Also muss man die Preise senken und die Kaufkraft stärken. Aber dazu ist in diesem Investitionsgesetz nichts zu finden. Ihre black-rote Regierung – Herr Middelberg, Sie sind ja schon ein so reifer Jahrgang wie ich – geht die Wirtschaftskrise mit Rezepten an, die oft gescheitert sind.

Das stimmt doch gar nicht!

Er sieht aber jünger aus!

Deshalb erinnere ich Sie oder uns mal an die letzten großen Steuersenkungen der Jahre 2001 und 2008. Auch damals versprach man sich eine ganz große Investitionswelle, nur gab es die nie. Die private Investitionsquote – hören Sie gut zu! – lag im Jahr 2000 bei 20 Prozent der Wirtschaftsleistung. Sie ist seitdem immer wieder gefallen und nie wieder so hoch gewesen.

Oder nehmen wir doch mal den Abschreibungsbooster. Ich erinnere mich auch noch an das Wachstumschancengesetz, liebe Grünen. Wo ist denn hier der Aufschwung geblieben, liebe Kolleginnen und Kollegen? Jetzt wurde sogar die offizielle Steuerprognose für die nächsten Jahre gesenkt. Meine Damen und Herren, das Einzige, was bei Unternehmensteuerreformen immer passiert, ist, dass gerade große Unternehmen und deren Eigentümer die Steuergeschenke mitnehmen und bunkern.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung – ich glaube, über Parteigrenzen hinweg geachtet und keine Vorfeldorganisation der Linken – und Stefan Bach haben vorgerechnet, dass 72 Prozent der Steuervorteile der letzten Jahre an das reichste 1 Prozent der deutschen Bevölkerung geflossen sind.

Zurufdes Abg. Kay Gottschalk [AfD]

Das wird – das verspreche ich Ihnen – auch diesmal so sein.

Dass ihr, liebe Sozialdemokraten, das hier so mitmacht und auch noch mit voller Inbrunst verteidigt, ist für uns und auch für viele draußen eine einzige Enttäuschung.

Beifallbei der Linken

Vielleicht solltet ihr euren Finanzminister zukünftig eher „Unternehmensminister“ nennen. Das wäre wenigstens ehrlich.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Dr. Wiebke Esdar für die Sozialdemokraten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Wiebke Esdar
Foto: Wiebke Esdar/ Pat Röhring
4 Vermerkeca. 465 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir leben in international äußerst herausfordernden Zeiten. Diese Entwicklungen wirken global, aber sie treffen auch die Menschen, die Unternehmen und die Beschäftigten in ganz Deutschland konkret. Diese Entwicklungen sorgen für Unsicherheit: in Unternehmen, bei Investitionsentscheidungen, in den Familien. Darum handeln wir, und darum handeln wir schnell. Gerade mal vier Wochen im Amt, hat der neue Finanzminister Lars Klingbeil dafür einen umfassenden Gesetzentwurf vorgelegt. Danke für dieses schnelle, umfassende und entschlossene Handeln!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Im Zentrum dieser Gesetzesinitiative steht vor allem eine Frage: Wie schaffen wir gute, sichere Arbeitsplätze hier bei uns in Deutschland? Die Antwort auf diese Frage lautet: durch Investitionen in Betriebe, in Menschen, in Maschinen, in Köpfe. Darum setzen wir jetzt gezielte Anreize, indem wir Superabschreibungen für bewegliche Wirtschaftsgüter einführen, indem wir die Förderung von Elektromobilität bei Betriebswagen ausbauen und indem wir gezielt die Innovationskraft der Wirtschaft stärken. Die Forschungszulage wird nicht nur erhöht, sondern auch um eine Gemeinkostenförderung in Höhe von 20 Prozent ergänzt. Das schafft insbesondere für den Mittelstand den Anreiz, mehr in Forschung zu investieren. So verbinden wir wirtschaftliches Wachstum mit technologischer Erneuerung. Wir bleiben das Land der Erfinderinnen und Erfinder.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, wenn wir das Leben der Menschen spürbar verbessern wollen, dann – das wissen auch wir hier im Bundestag – geht das nicht ohne die Kommunen und schon gar nicht gegen die Kommunen, sondern nur mit den Kommunen. Weil diese Maßnahmen eben auch die Finanzen der Kommunen treffen, wird das wesentlicher Bestandteil der Verhandlungen sein, die jetzt anstehen. Dabei sind drei Punkte zentral:

Erstens. Die 100 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen müssen zielgerichtet bei den Ländern, vor allem aber bei den Kommunen ankommen, also dort, wo ganz konkret investiert wird, weil das Schwimmbad bröckelt oder die Kitaplätze fehlen.

Zweitens. Wir erwarten, dass die neue Möglichkeit der Länder, zusätzlich 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu investieren, gut und verantwortungsvoll genutzt wird. Auch davon müssen die Länder und vor allem die Kommunen profitieren.

Drittens. Wir müssen vor allem langfristig absichern, dass die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen gesichert ist; denn wir wissen, wie ernst die Lage an vielen Stellen ist.

Meine Damen und Herren, die parlamentarischen Beratungen beginnen jetzt. Wir werden zügig, aber auch gründlich arbeiten. Und ich bin mir sicher: Wenn wir es schaffen, dass Bund, Länder und Kommunen gemeinsam an einem Strang ziehen, dann gelingt uns ein echter Investitionsschub. Das ist es, was wir brauchen, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern und neue Jobs zu schaffen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort dem Abgeordneten Reinhard Mixl für die AfD-Fraktion. Es ist seine erste Rede.

Beifallbei der AfD
Porträt von Reinhard Mixl
Foto: Reinhard Mixl
9 Vermerkeca. 581 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Liebe Steuerzahler! Das deutsche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt derzeit auf dem Niveau von 2018. Das Investitionssofortprogramm der Regierung soll uns nun aus der Dauerrezession herausführen.

Kommen wir zur Bewertung dieses Sofortprogramms, das erst 2028 greift. Es ist bereits vom Titel her absurd. Die Schuldenkoalition greift mit ihrem mickrigen steuerlichen Investitionssofortprogramm erneut mutlos in die Mottenkiste überholter Wirtschaftsförderung. Schon beim Wachstumschancengesetz hat das nicht funktioniert.

Weil es zu kurz war!

Und wenn ich „Booster“ höre, dann denke ich sofort an Lauterbach und nicht an den Finanzminister.

Beifallbei der AfD

Zumindest ist das Gesetz nicht tödlich; es ist aber eine klare Themaverfehlung, ein weiterer Etikettenschwindel. Kein Unternehmen investiert langfristig in Deutschland, nur weil es vorübergehend bessere Abschreibungsregeln gibt. Unternehmen brauchen zuerst finanziertes Investitionskapital oder ausreichend Eigenkapital, um überhaupt über Investitionen nachdenken zu können.

Gerade für kleine Betriebe und den Mittelstand war das in der Vergangenheit kaum möglich. Bereits 2024 lagen die Unternehmensinvestitionen deutlich unter dem Niveau von 2019, und das wird sich mit dem Sofortprogramm sicher nicht ändern. Dafür müssten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insgesamt deutlich verbessert werden. Wie soll ein Betrieb heute investieren, wenn er aktuell keine Gewinne macht und die Zukunft düster ist?

Beifallbei der AfD

Die Realität in der Wirtschaft sieht doch anders aus, als man im Berliner Politikbetrieb annimmt. Das kann ich aus der langjährigen Praxis als Berater bestätigen.

Die degressive Sonderabschreibung bewirkt, dass Unternehmen zunächst wenig Steuern zahlen und später mehr. Die gesamte Steuerlast bleibt unverändert. Es gibt nur einen Zinseffekt. Die angekündigte Steuerersparnis ist damit eine Luftnummer. Und wer genau liest, erkennt: höchstens 30 Prozent und maximal das Dreifache der linearen Abschreibungen. 30 Prozent gelten also nur bei einer Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts von bis zu zehn Jahren. Rechnen sollte man halt können.

Beifallbei der AfD

Wir haben mitunter die höchste Steuerlast in Europa: 15 Prozent Körperschaft- und circa 15 Prozent Gewerbesteuer für Kapitalgesellschaften. Nach Ausschüttung und weiterer Besteuerung bleibt von dem Gewinn nur die Hälfte übrig.

Das ist so üblich!

Die Ankündigung, den Satz ab 2028 auf 10 Prozent zu senken, wird momentan keine Wirkung entfalten. In vielen Ländern sind solche Sätze längst Realität. Sie nennen das Wachstumsimpuls. Das ist kein Impuls, das ist ein leichtes Zucken.

Beifallbei der AfD

Dann zu den Elektroautos. Der sogenannte Superbooster für Elektroautos bis 100 000 Euro ist kein Investitionsanreiz, sondern vor allem eine Subvention für die Autoindustrie, die ihre Luxusmodelle sonst nicht loswird.

Zur Forschungsförderung noch ein Satz. „Steuern mit Steuern“ klingt für Laien immer gut, bedeutet aber mehr Bürokratie, Korruption und Planwirtschaft.

Fazit. Insgesamt ist von diesen Maßnahmen kein Ende der Rezession zu erwarten. Die von der Koalition geplanten Verschlechterungen – Tariftreuegesetz, Mindestlohn, Mietpreisbremse, Emissionshandel, CO2-Abgabe usw. usf. – wirken sich dramatisch negativ auf die Wirtschaftsentwicklung aus. Fragen Sie mal draußen rum! Sie müssen in den Mittelstand gehen.

Beifallbei der AfD

Was wir jetzt brauchen, ist kein weiteres Placebo, sondern eine wirtschaftspolitische Intensivbehandlung. Unsere Vorschläge: sofortige Senkung der Körperschaftsteuer, Abschaffung des Soli, Einführung der AfD-Flatrate-Steuer, Abschaffung der Energie- und CO2-Steuer.

Eine Entlastung der Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen ist laut Koalitionsvertrag erst zur Mitte der Legislatur geplant. – Zitat zum Schluss: Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute – und die Sozis.

Danke.

Beifallbei der AfD

Herr Abgeordneter Mixl, ich gratuliere Ihnen zu Ihrer ersten Rede. – Ich erteile das Wort Fritz Güntzler für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Fritz Güntzler
Foto: Fritz Güntzler/ Tobias Koch
8 Vermerkeca. 850 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörer! Diese Koalition handelt. Nach nicht einmal einem Monat wird hier ein erstes Steuergesetz beraten, sozusagen ein Turbogesetz mit Turbowirkung. Ich finde, das ist einen Applaus wert, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Langanhaltender Applaus!

Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir die Wirtschaft wieder nach vorne bringen wollen, dass wir Deutschland wieder wettbewerbsfähig machen wollen. Da gibt es viele Maßnahmen. Ein großes Maßnahmenpaket dazu ist am vergangenen Mittwoch im Koalitionsausschuss beschlossen worden. Die Steuerpolitik ist ein wichtiger Baustein; denn Steuerpolitik ist auch immer Standortpolitik. Von daher müssen wir handeln.

Die volkswirtschaftlichen Daten sind klar. Wir haben die höchste Zahl an Insolvenzen seit zehn Jahren. Wir haben erhebliche Kapitalabflüsse ins Ausland. Über 120 Milliarden Euro werden mehr ins Ausland transferiert als vom Ausland nach Deutschland. Von daher besteht hier akuter Handlungsbedarf. Die Maßnahmen, die in diesem Gesetz vorgesehen werden, sind mehrfach beschrieben worden, interessanterweise teilweise auch kritisiert worden, obwohl nachweislich genau diese Maßnahmen unseren Standort nach vorne bringen können und werden.

Wir erreichen dies nicht nur durch die Maßnahmen, sondern auch dadurch, dass wir so schnell handeln. Das merken Sie, wenn Sie in diesen Tagen mit der Wirtschaft und mit den Leuten reden. Ich habe vergangene Woche mit einem DAX-Vorstand gesprochen. Er hat gesagt: Wir können endlich wieder in Deutschland investieren, weil wir Planungssicherheit haben, weil wir eine Aussage haben, dass wir wettbewerbsfähige Steuersätze in Deutschland bekommen. – Die Wirtschaft glaubt uns, und sie glaubt zu Recht, dass wir hier die richtigen Signale setzen. Wir werden Deutschland damit nach vorne bringen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es ist übrigens klug, mit einer Abschreibung zu beginnen; denn alle volkswirtschaftlichen Studien belegen, dass Sie die schnellsten Investitionsanreize durch eine Abschreibung haben. Und es ist klug, eine Senkung der Körperschaftsteuer draufzusetzen. Von daher sind wir mit diesen Maßnahmen – alles ist schön abgestuft – auf dem richtigen Weg. Der Koalitionsvertrag, den wir gemeinsam verhandelt haben, ist die richtige Grundlage. Wir werden, wie schon gesagt, Deutschland nach vorne bringen.

Ich will auch erwähnen, dass es die erste Steuersatzsenkung im unternehmerischen Bereich seit 20 Jahren ist, wenn wir 2028 beginnen. Die letzte war 2008, auch mit einer Großen Koalition, im Rahmen einer Unternehmensteuerreform.

Das stimmt nun wirklich nicht!

Von daher passen die Signale.

Dass das wichtig ist, zeigt der internationale Vergleich. Die durchschnittliche Belastung auf einbehaltene Gewinne in Deutschland liegt bei mindestens 30 Prozent. In manchen Kommunen, wo die Gewerbesteuer durch die Decke schießt, liegt sie bei 36 Prozent. Wir müssen hier ein Niveau wie in anderen Ländern erreichen. In der EU liegt dies bei durchschnittlich 21 Prozent, in der OECD bei durchschnittlich 23 Prozent. Durch diese Maßnahmen schaffen wir es, auf 25 Prozent zu kommen. Von daher ist auch das ein richtiges Signal.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Gerade ist die Forschungszulage kritisiert worden. Wir müssen forschen. Wir brauchen Innovationen in unserem Land, damit wir nach vorne kommen. Die Forschungszulage ist ein Booster gerade für den Mittelstand, weil sie sehr unbürokratisch ist. Hier haben wir zu Recht ein zweistufiges Verfahren gewählt. Es gibt eine Bescheinigungsstelle, wo Fachleute prüfen und nicht das Finanzamt, nicht der Betriebsprüfer prüft, ob das wirklich Forschung ist. Danach werden die Mittel sehr einfach ausgezahlt. Es ist gut, dass wir dieses Instrument unbürokratisch erweitern, indem die Gemeinkosten einbezogen werden, aber pauschaliert und nicht durch Einzelnachweis. Ich finde das vorbildlich. Hier kann das Ministerium weiterarbeiten. Wir brauchen mehr Pauschalierung. Wir brauchen mehr Typisierung. Das zeigt auch, dass wir Vertrauen in die Unternehmen haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir werden, nachdem wir dieses Gesetz für die Wirtschaft erarbeitet haben, noch ein Gesetz vorlegen. Wirtschaft umfasst ja nicht nur Unternehmen, sondern auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wir wissen, dass Steuersatzsenkungen letztendlich zu mehr Wachstum, zu mehr Beschäftigung, zu höheren Löhnen führen. Daher werden wir noch ein Gesetz vorlegen – ich hoffe, dies geschieht möglichst schnell –, bei dem wir die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Fokus haben.

Wir haben gesagt: Wir wollen bis zur Mitte der Legislaturperiode die Einkommensteuer für Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen senken. Wir wollen die Entfernungspauschale auf 38 Cent ab dem ersten Kilometer erhöhen. Wir wollen die steuerliche Situation von Alleinerziehenden verbessern. Aber wir wollen auch Arbeitsanreize setzen, indem wir die Überstundenzuschläge steuerfrei stellen. Wir werden eine Aktivrente in Höhe von 2 000 Euro pro Monat einführen.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wann?

Wir werden eine Aufstockungsprämie für Teilzeitkräfte einführen. – All das wird bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ankommen. Und wir werden dann weitermachen und das Steuerrecht, die Struktur des Unternehmensteuerrechts angehen.

Wir werden Deutschland wieder nach vorne bringen, auch über die Steuerpolitik. Ich freue mich, dass wir das gemeinsam tun. Und ich freue mich, dass wir da den Bundesfinanzminister an unserer Seite haben.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Katharina Beck für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Lieber Fritz Güntzler, vorab kurz zwei Punkte:

Erstens. Als ihr in der Opposition wart, habt ihr uns ständig belehrt, Unternehmen seien nicht nur Kapitalgesellschaften, sondern auch Personengesellschaften;

Darum machen wir für die ja auch was!

deren Anteil liegt bei 60 Prozent bis 70 Prozent. Wenn Sie sich jetzt hierhinstellen und behaupten, dass es im Bereich der Unternehmensteuer noch keine Senkungen gegeben habe, dann erinnere ich an die regelmäßigen Einkommensteuersenkungen, die wir gemacht haben und die viele Unternehmen, Einzelunternehmer oder Personengesellschaften, entlastet haben. Allein im Jahr 2023 umfassten die Entlastungen 45 Milliarden Euro. Also tun Sie nicht so, als hätte es hier in den letzten Jahren keine Steuerentlastungen gegeben.

Zweitens: die Forschungszulage. Ganz ehrlich, wir haben die so krass ausgeweitet, und Sie haben ständig kritisiert, das sei zu technisch. Das ist ein Tax Credit. Die Union war bei der Verhandlung zum Wachstumschancengesetz die ganze Zeit gegen Tax Credits und hat diese auch rausgeräumt. Also erinnern Sie sich bitte mal ein bisschen! Ich finde es ja schön, dass Sie Ihre Meinung jetzt ändern; denn Tax Credits sind etwas Gutes. Aber seien Sie da vielleicht mal ein bisschen stringenter!

Lieber Herr Klingbeil, ich habe mir den Gesetzentwurf natürlich ganz genau angeguckt.

Das ist eigentlich ganz gut!

Ich habe gedacht, vorne stünde „Christian Lindner“ drauf;

Der war nicht schlecht!

„Lars Klingbeil“ steht auch nicht drauf, aber er ist natürlich aus Ihrem Haus. Es ist aber sehr viel „Christian Lindner“ drin; denn wir haben zusammen mit Christian Lindner die degressive AfA ja schon zweimal beschlossen. Lassen Sie sich bitte nicht irreführen von so wunderschönen Begriffen wie „Investitions-Booster“!

Steuerbooster!

Es ist nur alter Wein in einem Boosterschlauch; denn es geht um die degressive Abschreibung. Unternehmen können ihre Investitionen anders abschreiben, nicht linear, sondern eben degressiv. Das führt dazu, dass man am Anfang ein bisschen mehr Geld übrighat, das man dann investieren könnte. Das haben wir als Ampel auch zweimal gemacht; denn es ist ein einfaches Instrument. Es kann manche zu Investitionen anreizen, andere nicht.

Hat es aber nicht!

Und es ist gut, dass wir zu Investitionen anreizen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber, lieber Lars Klingbeil, Sie und wir hatten die ganze Zeit etwas viel Besseres vor, die genannten Tax Credits; in Deutschland nennen sie sich Investitionsprämie. Von denen würden nämlich – das haben Sie leider gerade falsch dargelegt – alle Unternehmen in Deutschland profitieren.

Von der degressiven Abschreibung profitieren nur die Unternehmen, die heute sehr gute Gewinne machen, und die ganzen Start-ups, die noch in der Phase sind, wo sie keine Gewinne machen. Ständig wurde uns gesagt: Rezession, Rezession, Rezession! Ich werde es nicht wie Sie machen und dieses Land schlechtreden.

Rezession ist Rezession! Das ist Statistik!

Aber es gibt ganz viele Unternehmen, die nicht viele Gewinne einfahren und von der degressiven AfA eben nicht profitieren werden. Da wäre eine Investitionsprämie das viel bessere Instrument gewesen.

Das größte Problem ist aber die Gegenfinanzierung. Ich möchte wirklich einmal mit dem Mythos aufräumen, wir wollten hier Steuererhöhungen machen. Wir wollen glattziehen, wir wollen mehr Fairness im Steuersystem. Es gibt von konservativen Ökonomen kritisierte Ausnahmen in den Gesetzen, von denen vor allen Dingen große Unternehmen profitieren. Das wollen wir glattziehen.

Da geht es um Immobilienbesteuerung, Erbschaften und Schenkungen. Es gibt Ausnahmen, wonach man sich bedürftig prüfen kann, wenn man superreich ist, und dann nichts bezahlt, oder 300 Wohnungen erbt oder geschenkt bekommt und auch nichts bezahlt. Das wollen wir glattziehen. Darum geht es hier. Allein dadurch könnte man 15 Milliarden Euro einnehmen. Das ist doch wichtig zu wissen, wenn Sie den Staatshaushalt in Summe um 46 Milliarden Euro verkleinern und damit die Finanzierung von Kitas und Schulen und die Bezahlung von Erziehern und Erzieherinnen und auch Polizistinnen und Polizisten gefährden. Deswegen geht es darum, hier seriös gegenzufinanzieren.

Da, liebe SPD, hätte ich von Ihnen und auch von Ihnen, Herr Klingbeil, mehr erwartet. Sie haben aber tatsächlich die Chance, den Booster für Investitionen mit einem Booster für mehr Gerechtigkeit und mehr Daseinsvorsorge zu kombinieren. Das ist unser Vorschlag. Ich hoffe, Sie nehmen sich dessen noch an. Den Antrag dazu haben wir diesem Gesetz beigefügt.

Vielen Dank.

Vielen Dank. – Die Abgeordnete Frauke Heiligenstadt hält die nächste Rede für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Frauke Heiligenstadt
Foto: Frauke Heiligenstadt/ Photothek Media Lab
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Regierungskoalition hat die Arbeit aufgenommen und legt wichtige Impulse für unser Land vor. Wir senden mit dem „Investitions-Booster-Gesetz“, wie ich es immer nenne, wichtige Signale in die Wirtschaft und in unser Land – für Wachstum, für Innovation, für Investitionen und für unsere Zukunft. Dieses Gesetz ist nicht nur eine Antwort auf die aktuelle Wachstumsschwäche, es ist auch ein Impulsgeber für einen neuen wirtschaftlichen Aufbruch.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Denn klar ist: ohne Investitionen kein Wachstum, ohne Wachstum keine Innovation, und ohne Innovation keine Wettbewerbsfähigkeit. Daher bin ich dem Bundesfinanzminister sehr dankbar, dass er so schnell und umfassend die Initiative ergriffen hat. Außerdem ist und bleibt er auch mit diesem Gesetz der Investitionsminister; denn damit verbessern wir private Investitionen in unserem Land, in unseren Unternehmen.

Beifallbei der SPD

Mit der Erhöhung der degressiven Abschreibung, dem „Investitions-Booster“, setzen wir gezielt dort an, wo Investitionen entstehen: in den Unternehmen. Das erhöht die Rentabilität, stärkt deren Liquidität und gibt Planungssicherheit. Und diese Maßnahme wirkt sofort. Sie setzt Investitionen in Gang – in Maschinen, in Ausstattung, in Fortschritt. Und sie wirkt umfassend; denn diese Investitionen müssen tatsächlich getätigt werden, sonst könnte man sie nicht abschreiben. Das heißt: Es ist auch eine Garantie für die Sicherung von Beschäftigung, wenn Unternehmen in ihre Unternehmen investieren.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Alexander Jordan [CDU/CSU]

Aber wir denken auch langfristig. Mit der schrittweisen Senkung der Körperschaftsteuer auf 10 Prozent bis 2032 stärken wir auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes. Das ist ohne Frage eine schwierige Abwägung zwischen Mindereinnahmen des Staates und notwendigen Wachstumsimpulsen. Aber wenn diese Entlastungen breit ankommen, bei großen und bei kleinen Unternehmen, bei Familienbetrieben, und sie zu weiteren Investitionen beitragen, dann erzielen wir auch dort mehr Wachstum, und dann gibt es insgesamt mehr Steuereinnahmen bei höherem Wirtschaftswachstum.

Und wer in Forschung, Innovation und klimafreundliche Mobilität investiert, der wird belohnt. So schaffen wir ein investitionsfreundliches Klima, das nachhaltiges Wachstum ermöglicht. Auch im Ausland schaut man sehr genau darauf, welche Programme in der Bundesrepublik gerade aufgelegt werden.

Verzögerungen im Verfahren wären fatal; denn diese Investitionen dulden keinen Aufschub. Deshalb finden wir es richtig, dass man sich auch über die Einnahmeseite und die entsprechende Unterstützung der Länder und Kommunen Gedanken macht. Ich denke, das ist wichtig, um einen Konsens mit den Ländern hinzubekommen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort dem Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Jan Wenzel Schmidt
Foto: Jan Wenzel Schmidt
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Schon der Titel dieses Gesetzentwurfs sagt eigentlich alles aus: Entwurf eines Gesetzes für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Allein dafür braucht man ein Atemgerät. Wer so einen Bandwurmsatz fabriziert, der zeigt uns schon am Titel, woran es in diesem Land krankt: nicht an zu wenig Investitionen, sondern an viel zu viel Bürokratie.

Beifallbei der AfD

Der Gesetzentwurf will uns glauben machen, die Bundesregierung habe jetzt das ganz große Rad gedreht, einen „Investitions-Booster“, eine Senkung der Körperschaftsteuer, mehr Abschreibungsmöglichkeiten, vieles davon aber erst in drei Jahren, ab 2028; wir wissen gar nicht, ob Sie da noch regieren werden. Das ist ungefähr so hilfreich wie ein Fallschirm, der erst aufgeht, wenn der Springer schon unten aufgeschlagen ist.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, statt einer wirklichen Reform erleben wir hier den nächsten Bürokratieballon. Der Staat macht es wie immer: Er wirft mit Subventionen um sich, verteilt Abschreibungsgeschenke mit Verfallsdatum, aber schafft keine echten Anreize. Denn die größte Investition wäre es, endlich einmal weniger zu regulieren. Stellen Sie sich das vor: eine CDU, die ein Bürokratieabbaugesetz schreibt!

Haben wir doch schon!

Das wäre wirklich ein Wirtschaftsbooster.

Beifallbei der AfD

Aber die Realität ist: Die CDU ist seit Jahrzehnten mitverantwortlich für exakt die Bürokratiemaschine, die unsere Wirtschaft heute lähmt. Sie schafft Probleme und verkauft uns dann die Verwaltung der Probleme als Lösung. Dabei geht es nicht nur ums Prinzip; es geht um Milliarden. Allein bis 2029 kostet dieses Gesetz den Staat mehr als 46 Milliarden Euro an Einnahmen. Und was bekommt der Bürger dafür? Er bekommt keine niedrigeren Strompreise, keine Vereinfachung im Steuerrecht, keine unternehmerische Freiheit, stattdessen ein degressives Abschreibungsmodell – das klingt wie eine Aufgabe im Mathe-Abitur – und eine neue Fördergrenze für E-Autos bei der Dienstwagenbesteuerung von 100 000 Euro. Also: Während der Mittelstand um jeden Cent kämpft, darf sich der Konzernvorstand jetzt steuerbegünstigt seinen Elektrowagen auf Firmenkosten gönnen. Herzlichen Glückwunsch! Das nennt man dann wohl christsoziale Umverteilung von unten nach oben.

Beifallbei der AfD

Apropos „Investitions-Booster“: Man könnte ja fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Ein echter Booster wäre: Steuern runter, Vorschriften weg, Unternehmensgründungen erleichtern. Aber das wäre ja zu einfach. Dann könnte man keine 24 Seiten im Behördensprech schreiben. Dann bräuchte man keinen Beraterstab, keine Modellrechnung, keine Prüfvermerke, keine 17 Änderungsanträge, sondern nur Mut und politischen Willen. Was wir wirklich brauchen, sind ein einheitlicher Steuersatz von maximal 25 Prozent ohne Wenn und Aber, die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags und – Herr Bundeskanzler Merz – endlich eine simple Steuererklärung, die auch auf einen Bierdeckel passt.

Beifallbei der AfD

Wer glaubt, ein 24-seitiges Gesetz sei ein Sofortprogramm, glaubt auch, dass die Deutsche Bahn pünktlich ist. Meine Damen und Herren, dieses Gesetz ist nichts anderes als ein Beruhigungspflaster für eine kranke Wirtschaft. Es dämpft die Symptome, aber heilt nichts. Es ist ein Placebo mit Preisschild, und der Bürger zahlt dafür.

Beifallbei der AfD

Wir als AfD sagen ganz klar: Wirtschaft wächst nicht durch Förderprogramme, sondern durch Freiheit, nicht durch Milliardenpakete, sondern durch einen Staat, der sich zurücknimmt. Genau deshalb lehnen wir diesen Antrag ab – mit Überzeugung, mit Verstand und dem festen Ziel, dieses Land wieder wirtschaftlich starkzumachen. Geben Sie uns 100 Tage, und wir machen mehr für Deutschland als diese Regierung in zehn Jahren. Und das Beste: Wir brauchen dafür keinen teuren Beratervertrag mit McKinsey.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist die Abgeordnete Mechthilde Wittmann für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
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Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Kolleginnen und Kollegen! Der Herr Finanzminister hat schon in hervorragender Art und Weise dargestellt, wie wir uns vorstellen jetzt schnell etwas umsetzen zu können.

Wir haben in unserem Koalitionsvertrag versprochen, dass wir zwei Dinge sofort tun werden. Das erste war die Migrationswende – ich glaube, hier ist uns bereits ein guter Schritt gelungen –, und das zweite liegt heute auf dem Tisch. Es ist die Wende im Bereich Wirtschaft und ein Anreiz für Handwerker, Dienstleister, Mittelständler, Industrie und Handel, aufgrund der Planungssicherheit am Standort Deutschland wieder zu uns zu streben, weil wir ihnen das geben, was es am meisten braucht: Vertrauen, um hier zu investieren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir wollen Menschenfänger werden. Wir wollen im besten Sinne dieses Wortes die Unternehmer nicht nur bei uns halten; wir wollen sie einfangen, damit sie wieder bei uns investieren. Wir wollen für Fach- und Arbeitskräfte wieder ein Standort sein, der sicher, planbar, lebenswert und produktionswert ist. Wir wollen, dass sie sich bei uns wohlfühlen und so dazu beitragen, dass wir unseren Wohlstand zurückholen, halten und auch wieder ausbauen können.

Dafür – wir haben es schon gehört – wollen wir kurzfristig die degressive AfA einführen. Das ist ein Schritt, der den Unternehmen schon ab dem nächsten Monat, also in weniger als vier Wochen, zugutekommt. Sie können in den nächsten drei Jahren planbar investieren und entsprechend abschreiben. Das ist der Kickstart, den die Wirtschaft braucht, damit der stotternde Motor ins Laufen kommt. Dafür nehmen wir viel Geld in die Hand, Geld, das diejenigen, die jetzt schon hier schaffen, in unseren Staat investiert haben. Das sind allein in diesem Jahr 1,6 Milliarden Euro, im nächsten Jahr werden es 5,84 Milliarden Euro sein, und so setzt es sich fort. Wir wollen, dass die Investitionen der Unternehmer durch das dann erreichte Wachstum kompensiert werden, dass das Geld in Form von Steuereinnahmen zurückkommt, über die Einkommen- und die Gewerbesteuer.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Sonja Eichwede [SPD]

Meine sehr verehrten Damen und Herren, nach den Abschreibungsmöglichkeiten schließt sich mittelfristig an – darum war die Rechnung eben falsch –, dass wir über die Körperschaftsteuersatzsenkung zu einer geringeren Steuerlast kommen. Damit verstetigen wir für die Wirtschaft die Aussicht darauf, durch eine geringere Belastung besser bei uns hantieren zu können.

Und wir haben – das haben vor allen Dingen Sie und Ihr Haus gemacht, Herr Finanzminister – auch langfristig einen Hebel eingeführt. Wir haben uns schon im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, dass wir eine rechtsformneutrale Besteuerung wollen. Das ist möglich, indem wir das Optionsmodell nach § 1a des Körperschaftsteuergesetzes und die Thesaurierungsbegünstigung nach § 34a des Einkommensteuergesetzes verbessern. Auch das liegt heute schon vor. Wir werden den Steuersatz bis 2032 auf 25 Prozent absenken und können damit schon 2028 1 Milliarde Euro Steuern für unsere Unternehmen einsparen. Dies eine Maßnahme, die diesen Baukasten ergänzt und Anreize schaffen wird.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Schließlich haben wir ein weiteres Instrument, das bisher viel zu wenig genutzt wird: die Forschungszulage; ein Mal wurde es schon angesprochen.

Sie gilt unseren Tüftlern, Bastlern und Erfindern, den Neugierigen und den Risikofreudigen, die nicht in einem großen Unternehmen, sondern oft in vielen kleinen Betrieben im Land Forschung betreiben, etwas für sich erfinden, daran tüfteln, bis sie es haben. Sie müssen diese Zulage nutzen können. Deswegen reizen wir auch dies an. Denn wir wissen: Forschung, Entwicklung und Innovation sind in entwickelten Volkswirtschaften die entscheidenden Determinanten für die internationale Wettbewerbsfähigkeit, für die Produktivitätsentwicklung und für das Wirtschaftswachstum, kurz: Sie sind die Zukunftswährung der sozialen Marktwirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Dies tun wir ohne Nachweispflicht. Somit haben wir bei der Forschungszulage zugleich Bürokratieabbau umgesetzt. Das ist eine absolute Vereinfachung, genau so, wie Sie es wollen.

Ja, wir wollen es nicht verschweigen: Selbstverständlich treffen die hohen Lasten, die wir damit für die öffentliche Hand in Kauf nehmen, auch die Gemeinden. Aber so, wie wir die Steuern derzeit verteilt haben, sind wir zuversichtlich, dass Länder und Kommunen am meisten davon profitieren werden. Der Kollege Middelberg hat es schon angesprochen: Wir haben dafür gesorgt, dass es für die Gemeinden und Länder ein Nettoprofit sein wird, weil wir die Zins- und Tilgungslasten vom Bund tragen lassen. Damit entlasten wir die Gemeinden. Langer Rede kurzer Sinn: 1 Prozent Wirtschaftswachstum wären Steuermehreinnahmen von rund 10 Milliarden Euro. Lassen Sie uns daran arbeiten, dass es zum Wohle unseres Landes mehr wird, damit alle davon profitieren.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Sebastian Roloff für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD
Porträt von Sebastian Roloff
Foto: Susie Knoll
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Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass eines der ersten Gesetze, die die neue Bundesregierung ins Parlament einbringt, ein massives Unterstützungsprogramm für die Wirtschaft ist, zeigt den Fokus der Koalition und ist ein gutes und wichtiges Signal, dass die Regierung verstanden hat, wo die Prioritäten liegen. Mit diesem Steuerpaket entlasten wir die Unternehmen auf der einen Seite, und auf der anderen Seite werden wir dafür sorgen, dass schlicht mehr E-Autos fahren. Das legt den Grundstein für mehr Wachstum. Wir sichern nicht nur Arbeitsplätze, sondern denken den Klimaschutz immer mit. Das geht genau in die richtige Richtung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Die einzelnen Maßnahmen wurden vielfach genannt; aber ich will noch mal deutlich machen, warum gerade kleine und mittlere Unternehmen von diesem Paket profitieren: Zum Beispiel sind Förderprogramme für KMUs häufig zu komplex zu beantragen; eine Sonderabschreibung ist relativ einfach nutzbar. Der abgesenkte Steuersatz für die im Unternehmen verbleibenden Gewinne stärkt ihre Kapitalbasis. Die Absenkung der Körperschaftsteuer – ja, schrittweise, aber planbar; immerhin – entlastet gerade KMUs, die eben keine Möglichkeit haben, ihre Steuerlast kleinzurechnen. Und die verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten für E-Autos spüren natürlich zuerst die großen Hersteller und die Industrie, aber mittelbar auch die Zuliefererbetriebe und damit eben auch kleinere Betriebe. Das ist ein wichtiger erster Aufschlag in einer schwierigen wirtschaftspolitischen Situation.

Klar ist auch, dass weitere Schritte folgen müssen. Die Senkung der Energiepreise kommt direkt bei den Unternehmen an und macht das Laden billiger. Wir haben im Koalitionsvertrag auch explizit einen Kaufanreiz für Privatkunden vereinbart, über dessen Ausgestaltung wir diskutieren müssen. Wir müssen E-Mobilität bezahlbar machen. Deswegen braucht es ein Social-Leasing-Programm; auch hier ist die Regierung gefordert.

Und schließlich müssen wir auch aus der Perspektive der Haushalte kleine und mittlere Einkommen entlasten.

Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Ich glaube, der Präsident lässt Zwischenfragen nicht zu. Aber ich wäre sehr dankbar.

Erlauben Sie die Zwischenfrage der Kollegin Beck?

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Rednerwechsel

Ja, sehr gerne.

Das war ja bestellt!

Nix da bestellt; aber zwei Minuten Redezeit ist ja viel zu wenig. – Lieber Herr Kollege Roloff, Sie haben das ja gerade schön beschrieben. Ehrlicherweise möchte ich sagen, dass wir Grünen komplett für Investitionen sind; das haben wir immer gesagt, das haben wir immer vorangetrieben.

– Das wissen Sie, wenn Sie uns in den letzten drei Jahren mal zugehört haben.

Aber sehr selektiv! Immer nur die einen!

Trotzdem frage ich mich, wenn Sie beschreiben, wie einige Unternehmen gerade in der Krise leiden etc. – ich habe das ja eben in meiner Rede erläutert –: Warum gehen Sie bei dieser schlichten, degressiven AfA, von der nur Unternehmen profitieren, die Gewinne schreiben, mit? Warum haben Sie sich in den Verhandlungen nicht für eine Investitionsprämie eingesetzt oder noch härter verhandelt?

Sondervermögen von 500 Milliarden Euro!

Ich habe dazu in den Diskussionen gar nichts gehört. Sie käme ja allen Unternehmen zugute, auch Start-ups, die die neuen Jobs schaffen, die Sie ja so gerne kreieren wollen, und Unternehmen, die gerade ein bisschen in der Krise sind und auch investieren wollen. Warum haben Sie sich dafür nicht stärker eingesetzt?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die präzise Beantwortung dieser Frage ist der Abschluss Ihrer Redezeit.

Rednerwechsel

Das ist sehr streng Herr Präsident; aber ich danke trotzdem für Ihr Verständnis. – Danke für die Zwischenfrage. – Ich hätte mir auch eine Investitionsprämie vorstellen können. Ich glaube, dass wir da in der Diskussion bleiben müssen.

Ich habe ja mehrmals gesagt: Das ist jetzt nur ein erster Schritt. Wir haben damit angefangen, weil es relativ einfach geht und relativ schnell umzusetzen ist. Wir müssen aber weitere Maßnahmen diskutieren, und es muss weitergehen. Dazu hatte ich die Regierung ja gerade aufgefordert. Auch wünsche ich mir ganz dringend Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen, die sich ja auch immer auf Personengesellschaften entsprechend auswirken. Ich freue mich, wenn wir auch darüber im Gespräch bleiben, und danke Ihnen, dass Sie mir zeitlich ein bisschen unter die Arme gegriffen haben.

Das war nicht das Ziel!

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Reinhard Brandl [CDU/CSU]

Herzlichen Dank. – Da Sie ja die Möglichkeit haben, das, wie beschrieben, bilateral fortzusetzen, kommen wir zur letzten Rede in dieser Debatte, und die hält Sepp Müller für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Sepp Müller
Foto: Sepp Müller/ Tobias Koch
4 VermerkeZwischenfrageca. 651 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! „The Economist“ hat 2023 nach 1999 zum zweiten Mal getitelt, Deutschland sei der kranke Mann Europas. Dass Deutschland der kranke Mann Europas ist, war im Jahr 2023 Titel einer Zeitung, aber mittlerweile kommt der kranke Mann Europas in allen Familien in Deutschland an.

Familienväter und -mütter machen sich Sorgen. Die Taxifahrerin hier in Berlin klagt darüber, dass sie weniger Menschen transportiert, weil weniger Messen, weniger Messeteilnehmer, weniger Besucher aus dem Ausland hier in Berlin sind. Der Industriearbeiter bei thyssenkrupp, aber auch im Düngemittelwerk in Sachsen-Anhalt macht sich Sorgen, ob er in Zukunft überhaupt noch seine Familie durchbekommt, weil wöchentlich einstellige Millionenbeträge Minus erwirtschaftet werden. Und deswegen stellt sich die Frage: Sind wir uns eigentlich alle einig hier im Haus, dass wir uns in einer strukturellen Wachstumsschwäche befinden? Nehmen wir den Ernst der Lage überhaupt gemeinsam wahr?

Unser Land hat im dritten Jahr in Folge kein Wachstum. Der Mittelstand, Soloselbstständige und Konzerne sagen uns: Wir müssen raus aus der Rezession, rein in das Wirtschaftswachstum. Und deswegen haben wir als Verantwortungskoalition eine gemeinsame Kraftanstrengung auf den Weg gebracht im Vierklang von Bund, Ländern, Kommunen und den Unternehmen. Dazu herzlichen Dank auch an den Bundesfinanzminister!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wenn wir den Ernst der Lage gemeinsam sehen und wenn wir gemeinsam aus der wirtschaftlichen Schwäche herauswollen, dann werden wir einen Vierklang in vier Themen angehen. Wir werden zuerst – heute – in der Steuerpolitik vorlegen. Wir werden mit dem Sondervermögen einen Wachstumsimpuls in Deutschland setzen. Wir werden – dritter Punkt – die staatlichen Kosten für die Unternehmen und für die Bürgerinnen und Bürger reduzieren. Und wir werden – vierter Punkt – die Bürokratiefesseln abwerfen.

Die Unternehmensteuersenkung ist – das müssen wir deutlich sagen; das haben bereits die Vorredner angemerkt – die größte und einzige Unternehmensteuersenkung seit 20 Jahren; währenddessen haben andere Industriestaaten dieser Welt bereits Unternehmensteuersenkungen in mehreren Schritten vorgenommen. Diese Verantwortungskoalition wird ihrer Verantwortung gerecht: Wir werden die Steuern senken, mit diesem Gesetz und mit weiteren Gesetzen. Das ist der richtige Weg.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir werden in Deutschland einen Wachstumsimpuls nicht nur für Unternehmen setzen, sondern auch für Kommunen und Länder. Von den 500 Milliarden Euro Sondervermögen gehen 100 Milliarden Euro direkt an die Kommunen und Länder. Wenn man sich den Entwurf anschaut, wo auch das Sondervermögen des Bundes reingeht, dann sieht man, dass wir gleichzeitig eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten hinbekommen. Warum? Weil dieses Geld in die Krankenhausinfrastruktur fließen soll. Und wenn diese 25 Milliarden Euro nicht aus dem Sondervermögen kommen würden, dann würden die Lohnnebenkosten steigen. Darum senken wir mit dem Sondervermögen gleichzeitig die Lohnnebenkosten. Und das ist auch ein gutes Signal in die Wirtschaft hinein, für Arbeiterinnen und Arbeiter, für Unternehmerinnen und Unternehmer.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Herr Abgeordneter Müller, erlauben Sie eine Zwischenfrage aus der Fraktion Die Linke?

Rednerwechsel

Ich würde gern im Zusammenhang fortfahren.

Dann bitte.

Rednerwechsel

Wir werden neben den Lohnnebenkosten auch weitere Kosten senken. Herr Bundesfinanzminister, wir freuen uns auf Ihren Gesetzentwurf für die Stromsteuersenkung für alle Verbraucherinnen und Verbraucher, für alle Unternehmerinnen und Unternehmer, so wie wir das auch vereinbart haben. Und dazu gehört natürlich auch der Gesetzentwurf zur Absenkung der Gasspeicherumlage. Dieser muss schnellstmöglich kommen, damit die Industrie weiterhin wettbewerbsfähig ist.

Und ja, wir werden die Unternehmer von den Bürokratiefesseln befreien. Wir werden nicht nur das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz abschaffen, sondern wir werden auch die Zahl der Angestellten in den Bundesbehörden reduzieren. Und da freuen wir uns auf Ihren Haushaltsentwurf, Herr Bundesfinanzminister. 8 Prozent sind vereinbart. Es geht runter mit der staatlichen Bürokratie.

Und deswegen: vom kranken Mann Europas weg, hin zur Wachstumslokomotive in Europa. Wohlstand für alle: für die Taxifahrerin, für den Industriearbeiter und für unsere Unternehmer im Land.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Britta Haßelmann
Foto: Studio Kohlmeier
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Erinnern Sie sich an den 29. Januar 2025?

Der Fünf-Punkte-Plan von Friedrich Merz hier im Deutschen Bundestag.

In der Umsetzung!

Ziffer 1: Grenzkontrollenverschärfung. Ziffer 2: Zurückweisung an den Grenzen. – Eine Abstimmung mit der AfD.

Zurufevon der AfD: Oh!

Endlich hat sich mal Vernunft durchgesetzt in diesem Parlament!

Ein Tabubruch im Parlament und ein großer Schaden für unsere Demokratie.

Warum fange ich damit an?

Weil Sie nichts zu sagen haben!

Weil wir heute genau über diese Fragen wieder reden. Wir reden über die Verschärfung von Grenzkontrollen, über Zurückweisungen an den Grenzen

Genau, wir vermissen die!

und deren Rechtmäßigkeit.

In der Aussprache seinerzeit stellte Friedrich Merz uns im Parlament die Frage, was daran europarechtswidrig sei. Das Verwaltungsgericht Berlin hat am Montag eine sehr eindeutige und klare Antwort gegeben: so ziemlich alles, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Der Beschluss ist eine schallende Ohrfeige für einen nationalen Alleingang, der bei unseren Nachbarn maximale Irritation ausgelöst hat. Es ist rechtswidrig mit Ansage. Da helfen keine Banalisierung, keine Bagatellisierung vonseiten der Bundesregierung, insbesondere des Innenministers, kein völliges Abtauchen der Justizministerin, auch keine Beschwichtigungen und Einlassungen des Bundeskanzlers Friedrich Merz. Es ist rechtswidrig, und es bleibt rechtswidrig.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Das ist ein weiterer Baustein der Politik von Friedrich Merz, erst große Ankündigungen zu machen und dann spektakulär zu scheitern oder zurücknehmen zu müssen; diesmal vor Gericht gescheitert.

Und was war gleich eure Lösung?

Europäische Asylpolitik!

Es ist die Konsequenz einer Politik, die oft mit populistischen Ankündigungen übertreibt, mit dem Kopf durch die Wand will und deshalb nicht gelingen kann. Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein Zeichen von Schwäche, Herr Merz.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Nicht das erste Mal übrigens für Alexander Dobrindt. Vor vier Wochen war bereits klar: Das ist eine unerfüllbare Aufgabe. Und er kennt sich damit aus. Schon einmal hat er wider alle Warnungen versucht, ein europawidriges Projekt durchzusetzen. Die damalige Pkw-Maut, sie ist diesem Staat und seinen Bürgerinnen und Bürgern teuer zu stehen gekommen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Eigentlich müsste doch die Lehre daraus sein, Europarecht genießt Vorrang vor dem deutschen Recht –

Das stimmt ja so nicht!

Zurufvon der AfD: Nee!

wir wissen um das Europarecht –, aber nein. Dabei ist es, Alexander Dobrindt, Ihre Aufgabe, die Verfassung schützen und die Wahrung des Rechtsstaates zu garantieren. Deshalb, meine Damen und Herren: Beenden Sie die Praxis der Zurückweisung an den Grenzen! Nehmen Sie die Anordnung zurück! Stellen Sie einen rechtskonformen Zustand her!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Es ist für die betroffenen Schutzsuchenden und für die Bundespolizistinnen und Bundespolizisten in diesem Land in der Ausübung ihrer schweren Aufgabe eine Zumutung, tagtäglich seit dem Beschluss des Verwaltungsgerichtes zu hören, diese Anordnung habe weiter Bestand. Sie bringen die Polizistinnen und Polizisten in eine unverantwortliche Lage. Beenden Sie deshalb diese Zurückweisungen!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Meine Damen und Herren, eines kann ich der SPD nicht ersparen: Jeder und jede von Ihnen und auch die Öffentlichkeit weiß, Sie sind an dieser Bundesregierung beteiligt.

Allerdings!

Die Tatsache, dass Sie sich seit Tagen einfach wegducken, wird nicht darüber hinwegtäuschen, dass Lars Klingbeil seinerzeit in ebenjener Debatte im Deutschen Bundestag noch sagte:

„[…], Sie legen hier Vorschläge auf den Tisch, die rechtswidrig sind – gegen das Grundgesetz, gegen das Europarecht, gegen das Völkerrecht.“

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hört! Hört!

Ich muss Sie von der SPD fragen: Was ist heute anders als am 29. Januar?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Ist es die Tatsache, dass Sie jetzt an der Regierung beteiligt sind? Ich verlange, dass Sie diese Anordnung zurückziehen, nicht nur im Interesse der Schutzsuchenden, sondern auch im Interesse der Bundespolizistinnen und -polizisten und im Interesse Europas.

Genau! Für Polizisteninteressen setzen Sie sich ein!

Denn was sollen unsere Nachbarn denken, wenn nicht mehr das gemeinsame Europa unser Interesse ist, sondern der nationale Alleingang?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Vielen Dank. – Als Nächstes erteile ich das Wort Alexander Throm für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Alexander Throm
Foto: Alexander Throm/Tobias Koch
20 Vermerkeca. 909 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Kollegin Haßelmann, an Ihrer Stelle wäre ich bei dem Thema „Fürsorge für unsere Polizistinnen und Polizisten“ heute etwas kleinlauter gewesen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie sorgen sich nicht um die Polizei. Ihre Vorsitzende der Grünen Jugend läuft mit einem ACAB-Shirt hier durch den Bundestag, und von Ihnen – auch von Ihnen, Frau Haßelmann – kommen nur warme Worte.

Beifallbei der AfD

Wir sagen in vielen anderen Situationen: Wer unsere Polizisten angreift, der greift unseren Staat an.

Meine Position ist eindeutig! Reden Sie mit mir!

Das gilt körperlich, aber genauso auch verbal. Genau das hat Ihre Vorsitzende der Grünen Jugend getan.

Reden Sie doch erst mal mit mir!

Deswegen, Frau Haßelmann: Solange Sie, die grüne Partei, diese Dame als Mitglied in Ihrer Partei belassen,

Es geht nicht um uns, Herr Throm! Es geht um Ihre Politik!

so lange verlieren Sie jegliche Glaubwürdigkeit bei der Fürsorge um unsere Polizei.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Deutschland ist seit Jahren Hauptzielland illegaler Migration, und wir werden das beenden, ja, auch durch Grenzkontrollen und Zurückweisung. Wir müssen die Magnetwirkung Deutschlands in Europa reduzieren. Auch alle unsere Nachbarstaaten sind froh darüber, dass es endlich eine andere, eine konsequentere Haltung in der Migrationspolitik in Deutschland gibt.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir reden hier über Rechtsstaatlichkeit!

Denn so stark können und wollen wir die Sozialleistungen gar nicht reduzieren, als dass Deutschland für drei Somalier nicht mehr attraktiv sein könnte.

Wir sind jetzt beim Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin, und der wird selbstverständlich respektiert.

Da haben wir ja Glück gehabt, dass Sie ihn akzeptieren!

Die einstweilige Anordnung wird auch umgesetzt durch die Bundesrepublik Deutschland, aber eben nur so weit die Zuständigkeit und die Entscheidungskompetenz dieses Gerichtes reicht,

Wo ist die Notlage?

nämlich inter partes zwischen der Bundesrepublik Deutschland und diesen drei somalischen Staatsbürgern, aber nicht darüber hinaus.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist nicht unser Ziel, möglichst viele Menschen an der Grenze zurückzuweisen. Unser Ziel ist, dass zukünftig weniger Menschen an unsere Grenze kommen, die zurückgewiesen werden müssen. Das ist das Ziel, das wir verfolgen in dieser Regierung.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann hört auf, Waffen zu liefern!

Dreh- und Angelpunkt ist die Dublin-Verordnung. Sie ist – das ist allgemeiner Sprachgebrauch, sogar bis zu den Grünen hin – dysfunktional, weil niemand in Europa sich in den letzten zehn Jahren an diese Dublin-Verordnung gehalten hat, außer Deutschland. Die Zahlen sind eindeutig: In 2024 konnten von 75 000 Personen, für deren Asylverfahren Deutschland nicht zuständig war, genau 5 827 – das sind knapp 8 Prozent – in ein anderes EU-Land überstellt werden. Das heißt, in 92 Prozent der Fälle haben wir hier unzuständigerweise ein Asylverfahren durchgeführt, und die Menschen sind dann vielfach, sogar weit überwiegend, in Deutschland geblieben. Das war in den Jahren davor genauso, und das ist der zahlenmäßige Beweis für die Dysfunktionalität dieses Systems.

Beifallbei der CDU/CSU

Manche Länder – Griechenland, Italien – lehnen jegliche Übernahme von Flüchtlingen ab. Andere machen es eleganter. Bulgarien sagt: Wir nehmen zehn Flüchtlinge aus ganz Europa pro Woche ab, das sind 520 im Jahr. Alles bleibt ohne eine Konsequenz seitens der EU. Deswegen müssen wir die Zurückweisung, die Grenzkontrollen aufrechterhalten. Die Wahrung der öffentlichen Ordnung ist davon betroffen, und genau um die geht es in Artikel 72 AEUV.

Das haben Sie doch gar nicht hingekriegt! Lesen Sie doch den Beschluss! Dafür gibt es gar keine Grundlage! Die Sicherheit und die Ordnung!

Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir diese Grenzkontrollen aufrechterhalten,

Legen Sie doch dem Deutschen Bundestag mal die Notlage vor!

bis zum einen der Außengrenzenschutz funktioniert und zum anderen die Dublin-Verordnung und ihre Nachfolgeregelung im Rahmen von GEAS in der Europäischen Union erfüllt werden. Das heißt, unser Ziel muss es sein, auch über diese Zurückweisungen eine Veränderung, eine Nachschärfung der Asyl- und Migrationsmanagement-Verordnung im Rahmen der GEAS-Verhandlungen in Europa zu erreichen.

Also, Sie handeln rechtswidrig, um neues Recht durchzusetzen? Das ist doch eines Rechtsstaates nicht würdig!

– Frau Kollegin Haßelmann, hören Sie doch mal zu!

Bei der Modifizierung der Grenzkontrollen im September 2024 – spät, aber immerhin, nach Solingen – hatte Frau Faeser geschrieben, die Ressourcen von Bund und Ländern zur Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen stießen „an die Grenzen des Leistbaren“. Eine „Überforderung des (solidarischen) Gemeinwesens“ müsse verhindert werden.

Zurufvon der Linken

Zuletzt hätten „Vorfälle von Messer- und Gewaltkriminalität durch Geflüchtete zu einer massiven Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls und des inneren Friedens geführt“.

Herr Kollege, Sie müssen zum Ende kommen.

Frau Kollegin Haßelmann, zu diesem Zeitpunkt waren die Grünen Mitglied der Bundesregierung.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Herzlichen Dank. – Die nächste Rede hält Dr. Christian Wirth für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Christian Wirth
Foto: Dr. Christian Wirth/ Hagen Schnauss
13 Vermerkeca. 1.083 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Werte Kollegen! Wenn Grüne und Linke die Einhaltung von Gesetzen einfordern, klingt das erst einmal seriös – ist es aber nicht. Die Forderung, Grenzkontrollen abzuschaffen, ist zu dieser Zeit die Forderung nach der Aufgabe der nationalen Souveränität, der inneren Sicherheit und damit des Sozialstaates und unseres kulturellen Erbes. „No border, no nation“ – keine Grenze, keine Nation – ist die Losung. Deutschland und Europa werden zu reinen Siedlungsgebieten einer identitätslosen Masse von Menschen, denen man vorschreiben kann, wie sie leben, wie sie sprechen, wie sie denken, was sie essen und trinken.

Lachender Abg. Sonja Lemke [Die Linke]

Ein Beispiel: Die grüne Außenministerin Baerbock hat mit freundlicher Unterstützung der Innenministerin Faeser über 100 NGOs in Pakistan installiert, um Menschen nach Deutschland zu schaffen, wobei Täuschen und Betrügen über Lebenslauf und sexuelle Orientierung als staatliches Handeln an der Tagesordnung war.

Die haben für Deutschland gearbeitet! Die haben ihr Leben riskiert für Deutschland! Das würden Sie ja nicht mal machen!

Und wie immer muss man nur der Spur des Geldes folgen. Ähnlich wie bei der Klimapolitik ist der Handel mit Menschen ein riesiges Geschäft geworden.

Hören Sie auf mit Ihren Fake News!

Milliarden um Milliarden werden den Steuerzahlern entwendet und fließen in die Asyl- und Einwanderungsindustrie. Hat der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts noch Kolonialwaren gehandelt, handelt der Kolonialismus des 21. Jahrhunderts wieder mit Menschen, mit vermeintlichen Arbeitskräften.

Beifallbei der AfD

Hier haben sich die Linken und Grünen längst mit den Islamisten auf unseren Straßen draußen vereinigt.

Ich will gar nicht wissen, wer sich mit Ihnen alles vereinigt!

Zusammen pflegen sie einen Migrationsfetisch; denn Migranten dienen ihnen als Ersatzproletariat,

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

als Mittel zum Zweck der Implementierung ihrer linken Weltanschauung. Wohin das führt, hat man beispielhaft letzten Sonntag in Paris gesehen. Was ein fröhliches Fußballfest sein sollte, war eine gewalttätige Machtdemonstration des Islamismus.

Lachender Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Willkommen in Ihrem neuen Europa!

Toxische Männlichkeit!

Machen Sie sich nicht lächerlich! Sie sind doch die Kriminellen im Parlament!

Meine Damen und Herren, sowohl das europäische als auch das deutsche Asylrecht sind völlig aus der Zeit gefallen und können die Probleme unserer Zeit nicht lösen.

Beifallbei der AfD

Asylrecht ist als Individualrecht für Einzelfälle angelegt. Wir leben jedoch in einer Zeit der Bevölkerungsexplosion in Asien und Afrika, der Armutsmigration und der zunehmenden Islamisierung und der damit verbundenen hybriden Kriegsführung gegen alles, was europäisch, westlich und weiß ist.

Das Verwaltungsgericht Berlin hat in einem wenig repräsentativen Fall entschieden, dass die Zurückweisung an der polnischen Grenze rechtswidrig war. Die Notlage nach Artikel 72 AEUV sei keine Rechtsgrundlage für die Zurückweisung. Vielmehr sei im Rahmen der Dublin-Verordnung zu prüfen, welches EU-Land für die Durchführung eines Asylverfahrens zuständig ist. Wenig überraschend; denn der EuGH hat die Notlage als Rechtsgrundlage längst kassiert, und ich hatte Sie mehrfach, zuletzt in meiner Rede vom 16.05., darauf hingewiesen, dass diese Notlage ohne gute Begründung auch vor deutschen Gerichten keinen Bestand haben wird. So ist es leider geschehen. Grüne und Linke sind begeistert; die SPD feiert das Urteil wahrscheinlich heimlich. Diese Entscheidung hat sich die Union jedoch selbst zuzuschreiben.

Regierungshandeln muss juristisch nachvollziehbar sein. Die Union hat sich seit 2024 auf die Notlage nach Artikel 72 AEUV als Rechtsgrundlage für Grenzkontrollen und -schließungen versteift – eine juristische Sackgasse. Sicher befinden wir uns in einer Notlage in Fragen der Sicherheit, der Überlastung unserer Kommunen und Infrastrukturen und angesichts der Unmöglichkeit, diese Massen von Menschen aus kulturfernen Ländern zu integrieren. Aber es wäre an Merkel gewesen, diese Notlage 2015 auszurufen. Stattdessen hat sie mit der Grenzöffnung die Büchse der Pandora geöffnet.

Daher muss eine Grenzschließung auf eine juristisch saubere Grundlage gestellt werden. Rechtsgrundlage ist die im Grundgesetz festgelegte souveräne demokratische Staatlichkeit Deutschlands. Weder darf diese Eingriffen der EU zugänglich sein, noch darf unsere Souveränität vom EuGH überprüft werden. Hier gilt es auch, unserem Bundesverfassungsgericht als letzter Instanz unserer Souveränität den Rücken zu stärken. Wir müssen entscheiden dürfen, wer in unser Land kommt. Dafür steht unsere Verfassung, dafür steht § 18 Asylgesetz.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

Und hier ist keine Hilfe vom Europäischen Gerichtshof zu erwarten. Denn dem EuGH ist der EU-Vertrag als einzige gültige Rechtsgrundlage völlig egal; das hat der EuGH mehrfach bewiesen. Nicht umsonst hat der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Voßkuhle festgestellt, dass der EuGH kollusiv – für Nichtjuristen: unerlaubt zum Nachteil eines Dritten – mit den Institutionen der EU zum Nachteil der Nationalstaaten handelt. Und es ist eben die EU, die auch im Asylrecht gegen ihr eigenes Vertragsrecht, den EU-Vertrag, verstößt.

Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Papier hat richtigerweise gefordert, dass wir uns nicht an einer völlig untauglichen Dublin-Verordnung abarbeiten dürfen, sondern uns mit dem Primärrecht befassen müssen.

Das gesamte EU-Asylrecht leitet sich aus dem EU-Vertrag ab. Dort heißt es in Artikel 3 Absatz 2 – das habe ich mehrfach ausgeführt –, dass die EU im Gegenzug zu den offenen Binnengrenzen, die wir alle – ja, wir alle – wollen, unter anderem die Außengrenzen zu schützen und ein wirksames Asylsystem zu installieren hat. Das ist die rechtliche Vertragsbedingung aufseiten der EU. Und hier versagt die EU auf ganzer Linie. Solange die EU die Außengrenzen nicht schützen kann oder will und kein wirksames Asylrecht installieren kann oder will, müssen wir zwingend deutsches Recht anwenden, um unsere Grenzen zu schützen, so wie es unsere Verfassung vorsieht.

Beifallbei der AfD

Wenn die Union angesichts der aktuellen Lage eine Änderung der Rechtsprechung erreichen will, muss sie der Justiz eben auch solche klaren politischen Ansagen und Vorgaben an die Hand geben. Wenn die Union dringend notwendige Gesetzesänderungen auf den Weg bringen will, sei es in Deutschland oder der EU, geht das – das muss ich Ihnen leider sagen – nur mit der AfD. Das Votum der Wähler hierzu bei der Bundestagswahl war jedenfalls eindeutig. Da haben die Wähler wohl das letzte Mal den Wahlversprechen des Kanzlers geglaubt.

Noch haben wir die Entscheidung in der Hand, ob wir den Weg der Aufklärung, den Weg der europäischen und deutschen Kultur gehen und unsere freiheitlich-demokratischen Werte bewahren wollen oder uns fremden Kulturen unterwerfen. Die AfD jedenfalls steht ein für unsere Kinder, für unsere Enkel, für unsere Kultur, für unser Vaterland.

Glück auf!

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Sebastian Fiedler für die Fraktion der SPD.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Fiedler
Foto: Photothek Media Lab
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Mitentscheidend für den Ausgang der Bundestagswahl war unter anderem das Thema Migration. Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hat sich gewünscht, dass wir Veränderungen herbeiführen. Für die SPD war immer klar: Humanität und Ordnung gehören zusammen. Ein Teilaspekt heute ist das Thema Ordnung. Da wollten wir nachschärfen, und das machen wir auch. Nachdem die alte Bundesregierung mit Innenministerin Faeser schon viele Maßnahmen in die Wege geleitet hat, justieren wir nun nach und stehen selbstverständlich zu den Verabredungen, die wir im Koalitionsvertrag getroffen haben. Das ist auch richtig so, wenn man gemeinsam regiert.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Damit das noch ein bisschen klarer wird – der Minister hat das im Innenausschuss schon richtigerweise gesagt –: Wir diskutieren heute einen Teilaspekt von vielen anderen. Deswegen will ich die anderen der Vollständigkeit halber noch einmal ins Bild rücken; das gehört zueinander.

Wir beenden Aufnahmeprogramme, freuen uns aber darüber, dass die bereits gemachten Zusagen des Außenministers bezogen auf Afghanistan eingehalten werden.

Beifallbei der SPD

Das Thema Familiennachzug spielt eine Rolle. Wir arbeiten jetzt gerade aktuell noch daran, wie der Umgang mit Härtefällen ausgestaltet wird. Wir arbeiten selbstverständlich weiter an Migrationsabkommen; das ist außerordentlich wichtig. Die Westbalkanregelung wird begrenzt. Die Liste der sicheren Herkunftsstaaten wird erweitert; das machen wir in einem geordneten Gesetzgebungsverfahren.

In einem verfassungswidrigen!

Die GEAS-Reform werden wir umsetzen. Das ist für die SPD gerade deswegen besonders wichtig, weil – ich möchte diesen Leitsatz einmal über die Debatte stellen – Europa bzw. die Europäische Union in all diesen Fragen nicht das Problem, sondern die Lösung ist.

Beifallbei der SPD

Wir werden den Umfang der Ausweisungstatbestände erweitern – richtig so! – und eine Rückführungsoffensive durchführen. Wir werden uns mit den Leistungen für Ausreisepflichtige beschäftigen. Wir werden selbstverständlich Integration fördern. Als Beispiel sei genannt, dass die Migrationsberatungen auskömmlich ausgestattet werden müssen. Wir beschäftigen uns mit Bleiberechten und der Beschleunigung der Asylverfahren. Auch das Staatsangehörigkeitsrecht gehen wir an: Die beschleunigte Einbürgerung wird abgeschafft, auch in einem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren.

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema der Debatte, die wir hier heute führen, und da gibt es in der Tat vieles zu besprechen: Das ist das Thema der Zurückweisungen, die ja in dieser Form Mitte September letzten Jahres durch Innenministerin Faeser schon in die Wege geleitet und jetzt ausgeweitet worden sind. Ich versuche das so gut wie möglich zu erklären, damit das auch klar ist. Man muss sagen: Diejenigen, die flüchten und die Europäische Union erreicht haben, sind sicher – Gott sei Dank –, weil Europa der Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts ist. Sie können sich aber nicht aussuchen, wo das Asylverfahren durchgeführt wird; da sollten sich – hoffentlich – alle einig sein. Wir haben in Europa dazu Zuständigkeitsregeln vereinbart, und die, würde ich sagen, gelten. Denn wie ich schon sagte: Europa ist der Raum der Sicherheit, der Freiheit und des Rechts. Und das europäische Recht – das möchte ich jedenfalls für meine Fraktion klar festhalten – gilt uneingeschränkt,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

ungeachtet der Tatsache, dass sich viele nicht daran halten. Es gibt kein Recht im Unrecht, habe ich mal gehört.

Da müssen Sie zur Regierungsbank gucken, Herr Fiedler!

Das kann als Argument jedenfalls nicht ausreichen.

Ich möchte an dieser Stelle durchaus die Gelegenheit nutzen, einen Diskussionsbedarf innerhalb der Koalition deutlich zu machen; denn ich begreife mich noch immer als Sprachrohr der Polizistinnen und Polizisten. Es gibt – das darf man nicht verschweigen – gerade bei den Berufsvertretungen der Polizei etwas Unruhe. Das ist auch klar; wenn es keine Diskussion darüber geben würde, wäre das nicht so. Auch dort gibt es viele Juristinnen und Juristen, die natürlich ebenfalls die Rechtsprechung interpretieren. Unter ihnen sind viele, die Sorge haben und sich fragen: Welches Recht gilt denn jetzt? Es muss jetzt gemeinsames Ziel der Bundesregierung und auch der Koalition sein, hier für jede Polizistin und jeden Polizisten Klarheit zu schaffen. Daran darf es keinen Zweifel geben; aber das ist noch nicht der Fall.

Beifallbei der SPD

Für mich persönlich gilt – ich kann da auch für meine Fraktion sprechen –, dass ich Bauchschmerzen bekomme, wenn wir die Aussage in die Welt ausstrahlen, hier herrsche eine Notlage.

Das haben Sie aber doch längst getan mit der Anordnung! 72!

Damit habe ich in der Tat ein Problem. Nächste Woche tagt die Innenministerkonferenz. Ich habe jetzt keine Notlage wahrgenommen. Ich will nicht abstreiten, dass es in den Kommunen große Probleme gibt – ganz im Gegenteil –;

16 Innenminister müssten das erklären! Das Parlament auch!

aber mit dem Begriff sollten wir etwas zögerlich sein. Bisher jedenfalls haben die europäischen Gerichte noch niemals anerkannt, dass eine solche einschlägig ist.

Das hat das Gericht doch eindeutig gesagt!

Ich sage das auch deswegen – und das ist mir sehr wichtig –, weil das im Zusammenhang steht mit den Arbeitsbedingungen der Bundespolizei. Es ist für jede Beamtin und jeden Beamten außerordentlich wichtig, dass wir Klarheit bei den rechtlichen Regelungen schaffen – dazu müssen wir gemeinsam beitragen –, und wir müssen anerkennen, dass sie gerade unter außerordentlichen Belastungen stehen.

Ich will am Ende meiner Rede die Perspektive etwas drehen und etwas Werbung machen für diesen tollen Beruf bei der Bundespolizei. Grenzkontrollen sind ein Aufgabenpaket, das viele gerade engagiert wahrnehmen. Es gibt aber auch manche, die normalerweise andere Tätigkeiten ausüben – auch engagiert –, die sie gerade nicht ausüben könne. Deswegen will ich noch mal die Vielfalt der Tätigkeiten deutlich machen: Es gibt Bundespolizistinnen und Bundespolizisten, die an Bahnhöfen, an den Grenzen, an den Flughäfen für Sicherheit sorgen. Es gibt andere, die Ermittlungen durchführen, und noch viele andere Aufgabenbereiche. Wir haben Spezialdienststellen in einer eigenen Direktion gebündelt.

Alle, die sich für diesen Beruf interessieren, sollten wirklich weiterhin den Weg in die Bundespolizei suchen. Das sage ich aus guten Gründen; denn wir können jede und jeden gut gebrauchen, nicht nur wegen der Grenzkontrollen zurzeit, sondern auch wegen der Vielfältigkeit der Aufgaben in dieser tollen Polizeiorganisation. Wir brauchen alle. Also, schauen Sie sich das Berufsbild noch mal genauer an, schauen Sie sich die Jahresberichte der Bundespolizei an! Dann sehen Sie, was das für tolle Aufgabenpakete sind, die da bereitgehalten werden. Und seien Sie sich sicher: Die Bundesregierung und die Koalition werden alles dazu beitragen, dass Ihre Arbeitsbedingungen so gut wie möglich sind.

Vielleicht sagen Sie noch was zur Anordnung und zur Frage, ob die Bundesregierung ihre Praxis ändert! Sie stellen jetzt die Justizministerin!

Wir sehen, dass die Kolleginnen und Kollegen aktuell einer temporären Belastung ausgesetzt sind; aber wir werden mit Herzblut dafür kämpfen, dass das in geordneten Bahnen weitergeht. Das werden wir in der Koalition gemeinsam machen. Diskussionen gehören dazu; aber wir handeln zusammen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Als Nächstes erteile ich für die Fraktion Die Linke der Abgeordneten Clara Bünger das Wort.

Beifallbei der Linken
Porträt von Clara Bünger
Foto: Clara Bünger/ Karolina Sobel
36 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.829 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Dobrindt, keine vier Wochen im Amt und schon der erste Gerichtsbeschluss, der Ihre Politik für rechtswidrig erklärt! Das muss man erst mal schaffen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stefan Seidler [fraktionslos]

An Tag eins Ihrer Regierung haben Sie eine Weisung erlassen, dass nun auch Schutzsuchende an den deutschen Grenzen zurückgewiesen werden, ohne dass ihr Asylgesuch geprüft wird. Sie haben die Bevölkerung mit Ihrer erfundenen Notlage, die bis heute von Ihnen nicht belegt worden ist, angelogen.

Beifallbei der Linken

Die muss nicht belegt werden! Das ist offensichtlich!

Herr Dobrindt, allen war klar: Das ist rechtswidrig. Wenn das hier ein Wettbewerb wäre, wer am schnellsten europäisches Recht bricht, dann, Herr Dobrindt, wären Sie ganz vorne mit dabei.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Da sind Sie seit Jahren dabei!

Wenn Sie ein Minister mit Format wären, hätten Sie sich nach diesem Beschluss entschuldigt. Sie hätten die Weisung zurückgenommen und Konsequenzen gezogen. Das hätten wir am Montag von Ihnen erwartet, und das erwarten wir auch heute noch von Ihnen, Herr Dobrindt.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Stattdessen erklären Sie, das sei nur ein Einzelfall. Verzeihen Sie, aber das ist Quatsch. Sie wollen die Öffentlichkeit hier ganz klar an der Nase herumführen. Formell ging es zwar um drei einzelne Personen; aber der Fall wurde wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung der gesamten Kammer übertragen. Drei Richter/-innen haben entschieden, fast 30 Seiten juristischer Begründung – und fast ausschließlich zur Rechtslage.

Herr Throm, wenn Sie den Beschluss nicht gelesen haben,

dann helfe ich Ihnen gerne weiter. Auf Seite 9 steht: § 18 Absatz 2 Nummer 1 Asylgesetz kommt als Rechtsgrundlage nicht in Betracht.

Das ist die Auffassung des Verwaltungsgerichts Berlin!

Das, was Sie immer herangezogen haben! Auf Seite 8 steht: Zurückweisungen verstoßen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gegen geltendes Recht. – Auf Seite 16 steht:

„Es fehlt bereits an der hinreichenden Darlegung einer Gefahr für die öffentliche Ordnung oder Sicherheit im Sinne des Art. 72 AEUV […].“

Und Seite 7 lässt sich so zusammenfassen: Deutschland muss ein Dublin-Verfahren durchführen.

Was heißt das? Dass Ihre Politik eine ganz schöne Klatsche vom Gericht bekommen hat.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Stefan Seidler [fraktionslos]

Entweder kennen Sie das Gesetz nicht, Herr Dobrindt, oder es ist Ihnen egal.

Und beides disqualifiziert Sie für dieses Amt.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Was wir hier erleben, ist doch kein Versehen. Es ist ein exekutiver Ungehorsam von oben, bei dem die Regierung Urteile ignoriert, EU-Recht beugt, Grundrechte aushöhlt und sich so über den Rechtsstaat stellt. Das ist gefährlich, und das ist der Anfang vom Ende einer liberalen Demokratie. Das kennen wir bereits von Viktor Orbán aus Ungarn.

Herr Throm, ich finde es sehr bemerkenswert, dass Sie sich hier vorne hinstellen – hören Sie mir ruhig zu, Herr Throm, ich habe ein gutes Argument für Sie; Herr Throm kann nicht zuhören –

Das kann er schlecht!

und sagen, weil Bulgarien so wenige Menschen aufnehme und viele zurückweise, könne Deutschland das auch machen. Das heißt, Ihre Argumentation ist: Wenn ein anderes EU-Land Recht bricht, dann kann Deutschland das auch.

So ist es!

Das zeigt doch, dass Sie sich vom Rechtsstaat und vom europäischen Gedanken längst verabschiedet haben, und das halte ich für einen riesigen Skandal.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stefan Seidler [fraktionslos]

Und wofür das alles? 141 Zurückweisungen, wofür Sie Tausende Beamte an der Grenze zum Rechtsbruch gezwungen haben.

Frau Kollegin, ich habe jetzt kurz die Zeit angehalten. Lassen Sie eine Zwischenfrage von Herrn Throm zu?

Hat er zugehört?

Rednerwechsel

Ja, sehr gerne.

Herzlichen Dank, sehr geehrte Frau Kollegin Bünger, dass Sie die Frage zulassen. – Zunächst mal zur Korrektur: Ich habe darauf hingewiesen, dass Bulgarien lediglich zehn Personen pro Woche aus anderen EU-Ländern zurücknimmt, nicht zurückweist.

Zweitens. Sie haben auf die Argumentation „Wenn die einen das machen, dann dürfen wir das auch“ hingewiesen. Ich will Ihnen einfach noch mal erklären, wie das mit Dublin und Schengen zusammenhängt – auch rechtshistorisch.

Ich glaube, Frau Bünger kennt sich da aus!

Die Dublin-Verordnungen, die Vorgängerverordnungen und die jetzige, waren Grundlage dafür, dass man im Rahmen des Schengenabkommens auf Zurückweisungen verzichtet hat.

Da muss der Mann jetzt doch noch mal der Frau das Recht erklären!

Das haben wir auch zehn Jahre gemacht, von 2015 an beginnend.

Zurufvon der Linken: Frage!

Wenn aber festgestellt wird, dass dieses Dublin-System komplett dysfunktional ist, dass sich niemand anderes daran hält, dann können wir umgekehrt auch nicht auf einseitige Zurückweisungen verzichten.

Wir brechen Recht, damit wir neues Recht setzen!

Meine Frage ist: Sind Sie bereit, das zur Kenntnis zu nehmen?

Beifallbei der CDU/CSU
Rednerwechsel

Vielen Dank für die Frage. Das gibt mir die Gelegenheit, auch darüber zu sprechen. – In dem Gerichtsbeschluss steht ganz klar: Deutschland wird dazu verpflichtet, ein Dublin-Verfahren durchzuführen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In erster Instanz entschieden!

Und dagegen versperren Sie sich jetzt. Damit zeigen Sie doch, dass Sie selber diese Regelung nicht akzeptieren wollen.

Sie sprechen über die Dysfunktionalität der Dublin-Verordnung; das finde ich sehr wichtig. Das Ersteinreiseprinzip in der Dublin-Verordnung ist ein Riesenproblem.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Denn die Außengrenzen-Staaten sind danach für alle Asylverfahren verantwortlich. Das steht so in der Dublin-Verordnung, und das funktioniert nicht. Das wissen Sie, und das wusste zum Beispiel auch Frau Dr. Angela Merkel 2015. Sie wusste damals, dass nicht alle Menschen von Griechenland und Italien aufgenommen werden können, weil es schlicht nicht möglich ist. In Griechenland leben 12 Millionen Menschen.

Deshalb wenden wir sie nicht an!

– Jetzt rede ich, Herr Throm.

Beifallbei Abgeordneten der Linken und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Genau, das ist kein Dialog.

Rednerwechsel

Jetzt müssen Sie mir auch zuhören. – In Griechenland leben 12 Millionen Menschen. Man muss sich einmal überlegen, wie viele Menschen damals dort angekommen sind! In Deutschland wären es in Relation wahrscheinlich 8 Millionen gewesen; es sind aber nur 700 000 angekommen.

Die Dysfunktionalität des Dublin-Systems existiert. Das liegt aber daran – das müssen Sie verstehen –, dass die Außengrenzen-Staaten zu Unrecht belastet werden.

Genau! So ist es!

Die neue GEAS-Reform schafft das leider nicht ab, sondern dieses Ersteinreiseprinzip gilt weiter.

Beifallbei der Linken

Das heißt, es wird auch weiter ein Problem sein, wenn Sie nichts daran ändern.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Jetzt komme ich wieder zu meiner Rede zurück. Ich frage mich: Wofür haben Sie diesen Rechtsbruch begangen? 141 Zurückweisungen und Tausende Beamte an der Grenze, die Sie in den Rechtsbruch gezwungen haben! Herr Dobrindt, mit diesem Handeln – und das sage ich im Ernst – bringen Sie nur einen in eine Notlage, und das ist der Rechtsstaat hier in Deutschland.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Da Sie immer von Notlage sprechen, müssen wir natürlich auch über die Kommunen sprechen. Denn Ihre Kampagne, für die Sie Geflüchtete instrumentalisieren, ist wirklich schauderhaft. Ich habe mir die Zahlen mal angeschaut: Über 90 Prozent der Kommunen beklagen Geldmangel. Nur 44 Prozent der ostdeutschen Kommunen benennen überhaupt Geflüchtete; das ist weniger als die Hälfte. Die Kommunen wollen keine Abschiebungen, sie wollen Geld.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Stefan Seidler [fraktionslos]

Denn sie wissen längst: Mit Abschiebung wird keine Kita gebaut und auch kein Krankenhaus saniert. Also wenn es eine Notlage gibt, dann ist es doch eine Geldnotlage der Kommunen.

Hören Sie auf, die Schwächsten zu Sündenböcken für Probleme zu machen, die Sie selbst zu verantworten haben! Sie behaupten, Ordnung zu schaffen. Was Sie aber schaffen, ist Unrecht, Herr Dobrindt.

Beifallbei der Linken

Ich war am ersten Tag der Kontrollen in Frankfurt (Oder). Ich habe mit Betroffenen gesprochen, darunter auch mit einer verletzten Frau, die kaum gehfähig war. Auch sie wurde zurückgewiesen, obwohl sie vulnerabel war, obwohl sie Asyl beantragt hat. Ich habe wirklich kein Verständnis dafür, wie Sie über diese Menschen reden. Als kämen sie zum Spaß hierhin, als wäre das freiwillig. Herr Dobrindt, machen Sie doch mal die Augen auf an dieser Stelle! Die Mehrheit der Menschen, die nach Deutschland kommen, bekommt Schutz, und das aus guten Gründen. Die Mehrheit der Menschen, die hierherkommen und Schutz suchen, kommt hierher, weil sie einen Schutzanspruch hat.

Es gibt weltweit so viel Krieg wie noch nie.

Dutzende Länder zwischen Deutschland und dieser Welt!

Und was tun Sie? Sie bekämpfen nicht die Ursachen von Flucht, Sie bekämpfen diejenigen, die vor Krieg fliehen. Und das ist wirklich ein Riesenskandal an dieser Stelle.

Beifallbei der Linken

Wenn ich eines gelernt habe bei der jahrelangen Arbeit mit Geflüchteten: Kein Mensch flieht freiwillig. Kein Mensch riskiert sein Leben, verliert seine Angehörigen auf der Flucht, um dann hier in Deutschland im Abschiebeknast zu landen.

Wissen Sie, warum es das Asylrecht überhaupt gibt? Weil Menschen im Faschismus abgewiesen, deportiert und ermordet wurden. Nie wieder sollte ein Mensch, der Schutz sucht, an Deutschlands Grenzen zurückgewiesen werden.

Wie in der DDR, oder?

Und Sie brechen dieses historische Versprechen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wer Menschen abweist, hat aus der Geschichte nicht gelernt.

Sie haben die Menschen nicht rausgelassen bei Ihrem Sozialismus!

Frau Präsidentin, ich komme gleich zum Schluss. – Zum Glück regieren Sie ja nicht alleine, Herr Dobrindt. Aber ich frage mich an dieser Stelle wirklich, wo die SPD bleibt. Was sagt die Justizministerin? Sie können doch diesem Rechtsbruch nicht einfach tatenlos zuschauen. Und auch Sie, Herr Fiedler, haben nichts dazu gesagt.

Beifallbei Abgeordneten der Linken und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Kommen Sie zum Schluss, bitte.

Rednerwechsel

Aus unserer Sicht müssen diese Zurückweisungen beendet werden. Die Weisung muss zurückgenommen werden. Die Grenzkontrollen müssen abgebaut werden, und es muss endlich ein faires Asylverfahren innerhalb der gesamten Union geben.

Frau Kollegin, bitte kommen Sie zum Schluss!

Rednerwechsel

Und es braucht auch endlich Geld für die Kommunen.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Danke. – Als Nächstes hat das Wort der Kollege Detlef Seif für die CDU/CSU-Fraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Detlef Seif
Foto: Detlef Seif/Laurence Chaperon
23 Vermerkeca. 904 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Bereits die Titel der Anträge von Grünen und Linken belegen wieder einmal den ideologischen Ansatz der Politik der offenen Türe. Es ist davon die Rede, dass Zurückweisungen von Schutzsuchenden an der deutschen Grenze beendet werden müssen. Meine Damen und Herren, jeder, der über die Landesgrenze nach Deutschland kommt, hat mindestens – mindestens! – einen sicheren Drittstaat bereits durchreist.

Ist aber seit 2015 so! Kamen da Länder dazu?

Dort kann und muss er auch den Antrag auf Schutz stellen und nicht in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Fiedler [SPD]

Der Aufschrei sowohl von Grünen als auch von Linken, dass die Zurückweisungen an der Grenze rechtswidrig seien,

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

ist meines Erachtens an Ironie und Scheinheiligkeit nicht mehr zu übertreffen.

Haben Sie den Beschluss gelesen?

Wo war und ist der Aufschrei von Ihnen, was den hunderttausendfachen Missbrauch unseres Asylrechts angeht?

Haben Sie den Beschluss gelesen, Herr Seif? Setzen Sie sich doch damit auseinander!

Menschen bewegen sich zu uns, benötigen aber keinen Schutz, sondern erschleichen sich aufgrund unseres untauglichen Systems letztlich einen faktischen Aufenthalt. Damit muss Schluss sein!

Beifallbei der CDU/CSU

Was ist das für ein Verständnis von Menschenrechten?

Wo war denn Ihr Aufschrei, als aus dem seinerzeit grün geführten Auswärtigen Amt die Weisung kam, dem angeblichen Afghanen Mohammad G. ein Visum zu erteilen, obwohl seine Geschichte von vorne bis hinten widersprüchlich war

Zurufdes Abg. Ferat Koçak [Die Linke]

und er nachweislich einen gefälschten Ausweis vorgelegt hat?

Wo war und ist der Aufschrei von Ihnen in Bezug auf das Aufnahmeprogramm, durch das Personen mit untauglichen Passdokumenten zu uns gekommen sind,

Haben Sie schon mit Herrn Lohmann gesprochen?

mit Proxyausweisen, was zurzeit Gegenstand von Gerichtsverhandlungen ist? Wo war Ihr Aufschrei, was die Rechtswidrigkeit angeht?

Reden Sie doch mal mit den Sicherheitsbehörden darüber!

Und jetzt kommen wir zum Europarecht. Wo ist Ihre Kritik, dass wir zwar theoretisch ein Gemeinsames Europäisches Asylsystem haben, aber in der Praxis von vornherein dagegen verstoßen wurde? Das funktioniert nicht.

Auch für Sie gelten rechtsstaatliche Prinzipien!

Der Kollege Throm hat den Fachbegriff „dysfunktional“ genannt; das funktioniert vorne und hinten nicht.

Ein Großteil der Asylantragsteller wird nicht gemäß der Eurodac-Verordnung registriert. Sie werden weitergereicht, weitergeschickt. Die Antragsteller werden von den zuständigen Ländern nicht zurückgenommen – Stichwort „Dublin-Verordnung“ –; nur ein kleiner Bruchteil kann in die zuständigen Länder rücküberstellt werden.

Soll das jetzt die Legitimation sein, gegen Recht zu verstoßen?

Die hohe Zahl der Antragsteller in den letzten Jahren – natürlich in Kombination mit den 1,2 Millionen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine – hat zu einer erheblichen Überlastung unseres Landes geführt. Und, Frau Bünger, es stimmt einfach nicht, dass die Kommunen nur Geld wollen. Machen Sie die Augen auf, gehen Sie in die Institutionen –

Zurufder Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Kindergärten, Schulen, Wohnungsmarkt, medizinische Versorgung –: Überall Überlastung – Überlastung der Verwaltungen, aktuell auch der Verwaltungsgerichte, Überlastung der Integrationskurse und sozialen Dienste,

Zurufdes Abg. Ferat Koçak [Die Linke]

Selbstblockade und Überlastung bei Rückführung und Abschiebung. Das Problem ist: Wir können uns nicht ausreichend um die Menschen kümmern, die hier sind,

Zurufvon der Linken: Doch, das können wir!

mit allen negativen Folgen für das gedeihliche Zusammenleben und die innere Sicherheit in unserem Lande.

Beifallbei der CDU/CSU

In der aktuellen Situation gehören die verstärkten Kontrollen an der deutschen Grenze und auch die Zurückweisung von Asylantragstellern mit Ausnahme besonders verletzlicher Personen zu dem Gesamtkonzept der Koalition zur Asyl- und Migrationswende. Ich bin dem Bundesinnenminister außerordentlich dankbar dafür, dass er das so zügig aufgegriffen hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Warum klatscht die SPD nicht?

Dabei ist uns eines doch völlig klar – ich spreche sowohl für die Union als auch für die SPD –: Wir sind Pro-Europäer.

Lachenund Beifall des Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Wir wollen ein funktionierendes europäisches System haben.

Zurufder Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es sind vorläufige, vorübergehende Maßnahmen. Für die Union betone ich ausdrücklich, dass wir die Vollendung der europäischen Asyl- und Migrationswende anstreben. Am Ende muss ein Gemeinsames Europäisches Asylsystem stehen, das den Namen auch verdient und das funktioniert.

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

Das setzt auch voraus, dass wir ein gesamteuropäisches Belastungskontingent definieren, sonst werden wir den massenhaften Zuzug nicht verhindern und reduzieren können. Asylverfahren sind zu externalisieren. Nur so können wir das europäische Haus zukunftsfest machen.

Zurufder Abg. Corinna Rüffer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Innerhalb der Europäischen Union muss eine faire Verteilung der Verantwortlichkeiten und Lasten unter den Mitgliedstaaten erfolgen. Durch die aktuelle Besetzung der EU-Kommission und die Mehrheiten im Europäischen Parlament und im Rat sowie durch die Politik der deutschen Bundesregierung haben wir jetzt die einmalige Chance, –

Kommen Sie bitte zum Schluss Ihrer Rede.

Rednerwechsel

– die vorliegenden GEAS-Vorschriften in diesem Sinne nochmals deutlich zu verbessern und nachzuschärfen.

Schärfen, das wollen Sie! Geben Sie es doch zu!

Nutzen wir diese Chance!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Fiedler [SPD]

Das Wort hat nun für die AfD-Fraktion der Abgeordnete Jochen Haug.

Beifallbei der AfD
Porträt von Jochen Haug
Foto: AfD-Fraktion/ Nick Becker
9 Vermerkeca. 519 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ein „Ich kann nicht“ ist immer auch ein „Ich will nicht“. Diese Aussage aus der Motivationspsychologie ist auch treffend für den vorliegenden Antrag der Grünen. Die Grünen verstecken sich hinter EU-Recht und wollen uns weismachen, dass wir an unserer Grenze nicht zurückweisen können bzw. dürfen, obwohl das deutsche Recht genau das vorsieht. In Wahrheit geht es nicht darum, dass wir in bestimmten Fällen nicht zurückweisen können oder dürfen, sondern darum, dass die Grünen um keinen Preis der Welt zurückweisen wollen.

Beifallbei der AfD

Die Grünen wollen unbegrenzte Zuwanderung. Das ist Teil ihrer gegen den Nationalstaat gerichteten ideologischen DNA. Dass es den Grünen nicht wirklich um das Recht geht, lässt sich ganz leicht erkennen. Es gab in der Vergangenheit genug Anlässe, den Bruch des europäischen Rechts zu kritisieren: von der Nichtbeistandsklausel im Maastricht-Vertrag über das Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB bis zum Verschuldungsverbot der EU. Wo waren da die Grünen?

Im Tiefschlaf!

Waren Sie um die Einhaltung des europäischen Rechts besorgt? Haben Sie Anträge eingebracht mit der Aufforderung, europäisches Recht einzuhalten? Im Gegenteil! Sie haben über die Jahre alle Rechtsbrüche zumindest stillschweigend mitgetragen.

Beifallbei der AfD

Das europäische Recht ist Ihnen doch völlig egal. Ihnen geht es in Ihrem Antrag nur darum, jeden Versuch der Eindämmung illegaler Migration zu unterbinden.

Meine Damen und Herren, seit 2015 blieb deutsches Recht an der Grenze systematisch unangewendet. Horst Seehofer nannte das seinerzeit die „Herrschaft des Unrechts“. Zehn Jahre lang hunderttausendfache ungeregelte Einwanderung pro Jahr, zehn Jahre, die tiefste Spuren in Deutschland hinterlassen haben! Diese Politik der offenen Grenzen ist abgewählt. Das hat die Bundestagswahl gezeigt, das zeigen Umfragen in absoluter Deutlichkeit.

Die Deutschen wollen endlich eine Migrationswende.

Beifallbei der AfD

Aber keine geschlossenen Grenzen!

Diese Wende wird nicht auf europäischer Ebene erfolgen. Sie muss auf nationaler Ebene erfolgen. Die sogenannte europäische Lösung,

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

also eine zentrale Verfahrensbearbeitung an der EU-Außengrenze kombiniert mit einem Verteilungsmechanismus, ist und bleibt eine Illusion.

Die Wiedererlangung der Kontrolle über die deutschen Staatsgrenzen ist von zentraler Bedeutung für unser Land. Wir müssen selbst entscheiden können, wer zu uns kommt und wer nicht.

Beifallbei der AfD

Wer dies anders sieht, wer behauptet, dem stünde EU-Recht entgegen, der irrt. Denn die Anwendung des EU-Rechts findet ihre Grenze in der Eigenstaatlichkeit der Bundesrepublik Deutschland. Und zur eigenen Staatlichkeit gehört jedenfalls die effektive Kontrolle über die Staatsgrenze. Anders ausgedrückt: Die Frage, wer zu uns kommen darf, betrifft den Kernbereich der staatlichen Souveränität Deutschlands, und der ist unantastbar.

Beifallbei der AfD

Halten wir abschließend fest: Eine wirkliche Wende in der Migrationspolitik ist möglich. Man muss es nur wollen. Wir als AfD wollen zurück zu den Regelungen des Artikels 16a Grundgesetz, dazu die passenden Detailregelungen, unter anderem im Asylgesetz – alles aktuelle Rechtslage, die man nur anwenden muss. Wir werden die Regierung an ihren Taten messen.

Danke schön.

Beifallbei der AfD

Das Wort hat nun für die SPD-Fraktion die Abgeordnete Angelika Glöckner.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Angelika Glöckner
Foto: Deutscher Bundestag / Stella von Saldern
10 Vermerkeca. 781 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, wir sprechen heute über das Thema Grenzkontrollen. Und wenn wir über Grenzkontrollen sprechen, dann erinnere ich mich immer an meine frühere Jugendzeit, als es noch Schlagbäume und Grenzzäune gab.

Um was geht es eigentlich? Es geht um Sicherheit und Ordnung, ja, aber es geht auch um Verantwortung – um menschliche Verantwortung –, um Solidarität und um Europa. Was in dieser Debatte gar nicht hilft, sind populistische Sprüche, wie wir sie gerade eben wieder gehört haben; das hilft nun mal gar nicht weiter. Wir müssen Klartext reden, und wir müssen aber auch pragmatisch handeln.

Ich finde, wir müssen diese Debatte nutzen, um uns wirklich noch mal zu fragen: Was erwarten denn die Menschen konkret von uns? Was sind ihre Ängste? – Meine Erfahrung ist: Die Mehrheit der Menschen ist eben nicht gegen Migration, sie ist nicht gegen Asyl; aber sie will, dass die Dinge geordnet laufen, dass Behörden funktionieren und dass Integration gelingt. Was Menschen wirklich fürchten, ist eines: dass wir als Regierende die Kontrolle verlieren und dann die Rechtsextremen wieder zulegen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das haben wir doch gerade bei den letzten Wahlen gesehen. Deswegen, finde ich, ist ganz wichtig: Wir müssen handeln, aber eben nicht mit Symbolpolitik, sondern mit klaren und – das sage ich auch – mit rechtssicheren und menschlichen Lösungen.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Dr. Cornell-Anette Babendererde [CDU/CSU]

Vier Dinge sind für uns als SPD im Grunde genommen unabdingbar:

Erstens. Grenzschließungen und pauschale Zurückweisungen aller Asylsuchenden lehnen wir ab.

Zweitens. Das Grundrecht auf Asyl bleibt unangetastet.

Drittens. Europarecht gilt, gerade auch an unseren nationalen Grenzen.

Viertens. Nationale Alleingänge, die Europa schwächen, helfen nicht weiter.

Ja, und was machen Sie jetzt damit? Was machen Sie damit als SPD? Was sagt denn Ihre Justizministerin?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer Europa will, muss europäisch denken, und wer Europa will, muss europäisch handeln. Deswegen sagen wir ganz klar: Die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems, die Nancy Faeser noch in der letzten Wahlperiode verhandelt hat,

Darüber reden wir aber gerade gar nicht! Wir reden über den Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin zur Rechtswidrigkeit dieser Anordnung!

muss wie geplant 2026 in Kraft treten.

Gerade deshalb, Frau Bünger, will ich gerne noch mal zu dem kommen, was Sie ausgeführt haben. Ja, es ist wichtig, dass wir das Gemeinsame Europäische Asylsystem, GEAS, voranbringen und dass seine Regelungen umgesetzt werden, eben weil das Dublin-Verfahren in der bisherigen Form nicht funktioniert hat, weil die Solidarität in Europa nicht da war.

Aber dass das schiefläuft, geht jetzt weiter!

Jetzt haben wir die Chance, das viel besser umzusetzen als bisher.

Beifalldes Abg. Jens Behrens [SPD]

Ich sage auch: Grenzkontrollen sind kein Konzept. Sie können punktuell helfen – der Kollege von der Union hat ja eben ausgeführt, dass es ein temporärer Zustand ist –, aber sie dürfen kein Dauerzustand sein. Der Schengenraum, Kolleginnen und Kollegen, ist ein politisches Projekt, und er ist eine gelebte Realität für Millionen von Menschen in unserem Land. Er bedeutet eine gefühlte europäische Union. Freiheit, Mobilität und offene Grenzen: Das ist das, was Europa wirklich ausmacht.

Ich komme selbst aus der Grenzregion zu Frankreich, und ich weiß sehr genau: Unsere Betriebe sind auf Fachkräfte aus Frankreich angewiesen. Wir brauchen Menschen, die zu uns kommen. Wenn Grenzen dicht sind, stehen Bänder still. Das haben wir gerade auch in der Coronapandemie erleben müssen. Wenn Grenzen dicht sind und Menschen nicht zur Arbeit kommen, wird Produktion unmöglich. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das können wir uns gerade in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation nicht leisten. Wir brauchen Kontrolle, aber im Rahmen des Rechts und getragen von einer engen europäischen Zusammenarbeit. Nationale Alleingänge führen in die Sackgasse. Europa funktioniert nur gemeinsam.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sagen Sie das Ihrem Koalitionspartner!

Deshalb, Kolleginnen und Kollegen, gestatten Sie mir zum Schluss noch eine Bemerkung, die in dieser Debatte aus Sicht der SPD-Fraktion niemals untergehen darf: Hinter jeder Asylstatistik steht ein Mensch – ein Kind, eine Mutter, ein Mensch mit Hoffnung oder Angst.

Dann hören Sie auf damit!

Genau deshalb ist es wichtig, dass wir als Regierende miteinander nicht nachlassen, in der Debatte immer wieder darauf hinzuweisen: Humanität und Ordnung gehören zusammen,

Familiennachzug!

sie sind kein Widerspruch. Beides zusammenzubringen, das ist unsere Aufgabe, und daran werden wir weiter arbeiten.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD

Ja, und wie machen Sie das jetzt mit der rechtswidrigen Anordnung?

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun der Abgeordnete Marcel Emmerich das Wort.

Porträt von Marcel Emmerich
Foto: Marcel Emmerich / Moritz Reulein
11 Vermerkeca. 550 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Die Reden aus den Regierungsfraktionen waren, bei allem Respekt, ganz dünne Suppe. Den Beschluss haben Sie offenkundig gar nicht gelesen, und auch die Tragweite haben Sie nicht verstanden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Ihr Versuch, ihn als bloße Einzelfallentscheidung abzutun, greift nicht. Artikel 72 AEUV trägt nicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Das hat das Gericht eindeutig klargemacht.

Das Gericht sieht keine Notlage. Ja, wo denn auch? Auch wenn es eine gäbe, müsste man kritische Fragen in Richtung des Innenministers stellen. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts entzieht Ihnen Ihre zentrale Argumentation und reicht damit weit über den Einzelfall hinaus. Man muss es so deutlich sagen: Der Kaiser ist nackt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Man muss sich auch noch mal vor Augen führen, was dieses Vorgehen ganz grundsätzlich bedeutet; denn es spielt genau jenen Kräften in die Hände, die unsere Institutionen gezielt untergraben wollen, nach dem Vorbild von Trump, Orbán oder der PiS.

So viel zum Thema „dünne Suppe“!

Diese Kräfte sehen Gerichte nicht als Garanten des Rechtsstaates, sondern als Störfaktoren. Und genau deswegen ist es eine sehr grundsätzliche Frage, wie Sie es mit dem demokratischen Rechtsstaat halten, in welchem Windschatten Sie unterwegs sind und wem Sie den Boden bereiten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Clara Bünger [Die Linke]

Ihre Methode „Augen zu und durch“ ist brandgefährlich. Ich sage es in aller Klarheit: Stoppen Sie die Angriffe auf den Rechtsstaat, auf die unabhängige Gerichtsbarkeit! Stellen Sie sich hinter die Richterinnen und Richter! Und wenn Sie das nicht von mir hören wollen, dann vielleicht vom Richterbund; denn dieser will, dass Sie zu rechtsstaatlichen Prinzipien zurückkehren.

Ich will noch mal sagen – weil der Minister es in den letzten Tagen als vollkommen abwegig bezeichnet hat, dass das irgendwelche strafrechtlichen Konsequenzen für Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei haben könnte –: Es ist nicht vollkommen abwegig, es ist ein reales und ernstzunehmendes Problem. Wer die Polizei für rechtswidrige Politik vorschickt, der gefährdet Vertrauen. Deswegen: Schaffen Sie endlich Klarheit und Rechtssicherheit! Kommen Sie Ihrer verdammten Fürsorgepflicht nach!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Was Sie hier betreiben, ist keine Asylpolitik, sondern Symbolpolitik. Wer sich „christlich“ nennt, kann nicht Menschen zurückweisen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen.

Die in Sicherheit sind!

Sie gefährden so nicht nur Menschenleben, sondern auch das Vertrauen in eine gemeinsame europäische Asylpolitik und in Menschenrechte; aber dieses Vertrauen brauchen wir auch heute noch.

Und noch ein letzter Satz in Richtung des Innenministers: Es sieht so aus, als gelte Law and Order nur für alle anderen, aber nicht für Sie. Ein Bundesinnenminister muss sich an Recht und Gesetz halten, so wie Sie es auch von den Bürgerinnen und Bürgern erwarten. Fangen Sie endlich damit an!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun das Wort zu seiner ersten Rede der Kollege Florian Oest.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Florian Oest
Foto: Florian Oest/ Tobias Koch
14 Vermerkeca. 751 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer von Berlin aus fordert, die Grenzkontrollen einzustellen, verkennt die Realität an unseren Grenzen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir reden über den Rechtsstaat!

Das sage ich Ihnen als Abgeordneter aus dem Landkreis Görlitz, der an zwei Binnengrenzen – zu Polen und der Tschechischen Republik – liegt. Schon immer habe ich mich dafür eingesetzt, dass meine deutsch-polnische Heimatstadt Görlitz/Zgorzelec zusammenwächst.

Zurufdes Abg. Lukas Benner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie können mir also glauben, dass ich harte Maßnahmen wie die Kontrollen an den Grenzen nicht auf die leichte Schulter nehme. Aber wir in Görlitz, wir in Zittau, wir in Bad Muskau, wir spüren die Folgen illegaler und ungesteuerter Migration als Erste.

Wie erklären Sie sich dann, dass die Erstaufnahmeeinrichtungen halbleer sind?

Wir vor Ort wissen: Ungesteuerte illegale Migration gefährdet die Sicherheit und Ordnung unseres Landes.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Fiedler [SPD]

Viele Männer und Frauen engagieren sich haupt- und ehrenamtlich bei der Aufnahme und Integration von Asylsuchenden.

Versuchen Sie doch mal, die Notlage zu erklären!

Ich denke dabei an die Kommunalverwaltungen, an Schulen, an Kitas, an das Gesundheitswesen und auch an unseren Sozialstaat. Die Überforderungen sind an vielen Stellen sehr, sehr konkret.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, damit wir uns richtig verstehen: Deutschland ist und bleibt ein offenes Land.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir sind offen für legale Migration. Wir sind auf den Zuzug von ausländischen Fach- und Arbeitskräften angewiesen. Was aber die illegale Migration anbelangt, hat die Integrationsfähigkeit unseres Landes eine Belastungsgrenze schlichtweg erreicht. Deshalb müssen wir handeln.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Fiedler [SPD]

Mit dem Amtsantritt von Bundesminister Alexander Dobrindt ist in der Innenpolitik endlich der langersehnte gesunde Menschenverstand zurückgekehrt.

Beifallbei der CDU/CSU

Und das schätzen auch unsere europäischen Nachbarn sehr. Ja, Grenzkontrollen sind eine zusätzliche Arbeitsbelastung für unsere Polizei.

… und rechtswidrig!

Ich bin selbst mit den Polizistinnen und Polizisten aus meiner Heimat regelmäßig im Kontakt, und deshalb weiß ich: Sie sind bereit, diesen Dienst zu leisten – höchst professionell und höchst motiviert.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich hoffe, ich spreche für alle in diesem Hohen Haus, wenn ich sage: Danke allen Polizisten, die jeden Tag auch unter schwierigen Bedingungen ihren Dienst für unser aller Sicherheit leisten!

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist schon wirklich sehr bemerkenswert, wenn ausgerechnet jene, aus deren Reihen die Polizei regelmäßig unter Generalverdacht gestellt, verhöhnt oder verunglimpft wird, wenn ausgerechnet diejenigen jetzt vorgeben, sich um die Arbeitsbelastung unserer Polizei zu sorgen. Ihnen sei gesagt: Wenn wir über die Polizei sprechen, dann reden wir nicht über eine Institution oder eine Uniform, dann sprechen wir über Menschen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Polizistinnen und Polizisten sind Ehefrauen und Ehemänner, Mütter und Väter, Töchter und Söhne. In jeder Uniform steckt ein Mensch mit Familie, mit Sorgen, Hoffnungen und Träumen.

Diese Menschen leisten einen unschätzbaren Dienst für unser Land. Deshalb ist es unsere Aufgabe als Gesetzgeber, ihnen den nötigen Rückhalt zu geben – ehrlich und aufrichtig, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Taten heißt: mehr finanzielle Mittel für den Personalbestand und mehr finanzielle Mittel für die Ausstattung. Taten heißt nicht: ein Polizeibeauftragter beim Bundestag, Kontrollquittungen oder Kennzeichnungspflicht.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir alle wissen: Offene Grenzen in Europa sind ein hohes Gut; aber sie sind kein Freifahrtschein für Organisierte Kriminalität oder für illegale Migration. Schengen funktioniert nur, wenn alle Mitgliedstaaten ihren Teil der Verantwortung übernehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Temporäre und gezielte Grenzkontrollen sind kein Angriff auf Europa, sie sind ein Schutzmechanismus für Europa. Was wir brauchen, ist mehr Zusammenarbeit mit unseren Nachbarländern, eine klare Linie gegen Schleusernetzwerke, die skrupellos Menschenleben gefährden, und eine ehrliche Debatte über die Funktionsfähigkeit des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems. Was wir nicht brauchen, ist ein ideologisch geprägter Antrag, der die Realität ausblendet.

Wir sagen Nein zu diesen Anträgen. Die Menschen in Deutschland haben zur letzten Bundestagswahl eine Wende in der Migrations- und Asylpolitik gewählt. Und diesen Auftrag setzen wir mit aller Konsequenz und Entschlossenheit um.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion hat das Wort der Abgeordnete Martin Hess.

Beifallbei der AfD
Porträt von Martin Hess
Foto: Martin Hess
18 Vermerkeca. 668 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Bürger! Das, was heute in dieser Debatte abläuft, ist ein Politiktheater, das von der Realität nicht weiter entfernt sein könnte. Nur noch mal zur Erinnerung: Wir haben seit dem 8. Mai 2025 lediglich 140 Asylsuchende an der Grenze zurückgewiesen – bei zeitgleicher Einreise Tausender von Asylsuchenden.

Zurufdes Abg. Luke Hoß [Die Linke]

Und jetzt wird von den Linken und Grünen der Eindruck erweckt, es komme kein Asylsuchender mehr nach Deutschland rein. Das ist doch versuchte Volksverdummung. Hören Sie endlich auf mit diesem Quatsch!

Beifallbei der AfD

Und Gleiches gilt für die Union. Der Minister tut so, als hätte tatsächlich die Migrationswende stattgefunden. 2 Prozent der Asylsuchenden werden an der Grenze abgewiesen, 98 Prozent kommen ungehindert rein.

Abwarten!

Zurufevon der SPD

Das hat doch mit einer Asylwende überhaupt gar nichts zu tun.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

Und jetzt fliegen Sie auch noch Afghanen zu Tausenden nach Deutschland ein, von denen wir ausweislich der PKS wissen, dass sie sehr stark kriminalitätsbelastet sind. Was Sie machen, Ihre Politik, ändert rein gar nichts am Migrationsdesaster. Unsere Grenzen sind weiterhin offen wie ein Scheunentor. Schlimmer, Herr Minister, kann man ein Wahlversprechen nicht brechen.

Beifallbei der AfD

Ich möchte jetzt auch noch mit einem anderen falschen Narrativ aufräumen. Es wird immer behauptet, es handele sich um Schutzsuchende. Wer ist denn seit 2015 in unser Land gekommen? Überwiegend junge Männer, nicht die gebrechlichsten dieser Welt – sie waren in der Lage, Tausende von Kilometern zu Fuß zu laufen –,

Ekelhaft!

Zurufdes Abg. Sebastian Fiedler [SPD]

nicht die Ärmsten dieser Welt; sie hatten Zehntausende Euro für Schlepper. Das ist doch die Realität. Und das Wichtigste: Nach Erreichen eines sicheren europäischen Außenstaates,

Zurufder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

wo keine Gefahr mehr gedroht hat für Leben, für Gesundheit oder für Eigentum, sind sie doch nur aus einem einzigen Grund nach Deutschland weitergereist: weil wir die höchsten Sozialleistungen zahlen.

Widerspruchder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

Das, was hier seit 2015 stattfindet, ist illegale Armutsmigration und muss auch klar als solche benannt werden.

Und Ihre Migrationspolitik hat auch nichts mit Humanität zu tun. Die wirklich Bedürftigen dieser Welt, die in den Flüchtlingslagern bleiben,

Tun Sie doch nicht so, als würden Sie sich darum kümmern!

Tun Sie doch was dafür!

die Frauen, die Kinder, die Alten, die Gebrechlichen, die Kranken, schaffen es gar nicht, hierherzukommen.

Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

Die lassen Sie im Stich.

Tun Sie doch was dafür!

Zurufder Abg. Schahina Gambir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Mit dem Geld, mit dem wir einem Flüchtling hier helfen, könnten wir dort 20, 30 und noch mehr Menschen ein menschenwürdiges Leben bieten.

Beifallbei der AfD

Kurzum: Ihre Politik ist ein „Survival of the Fittest“. Sie lassen die wirklich Bedürftigen dieser Welt im Stich.

Widerspruchder Abg. Clara Bünger [Die Linke]

Ihre Migrationspolitik ist im Kern menschenfeindlich, und deshalb lehnen wir sie kategorisch ab.

Zurufeder Abg. Claudia Müller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Mirze Edis [Die Linke]

Ich kann nur noch an die Bürger unseres Landes appellieren: Fallen Sie nicht auf dieses Politiktheater herein! Es gibt keine Migrationswende.

Spricht der Freund Putins hier im Deutschen Bundestag!

Wenn Sie die illegale Massenmigration wirklich stoppen wollen, dann müssen Sie sich zukünftig für die einzige politische Kraft entscheiden, für die Ihre Sicherheit an der ersten Stelle steht, und das ist und bleibt die Alternative für Deutschland.

Das Wort hat nun der fraktionslose Abgeordnete Stefan Seidler.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
9 Vermerkeca. 417 WörterReaktionswert: lebhaft
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Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Moin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts war, ehrlich gesagt, nicht überraschend. Die aktuelle Kontrollpraxis an den deutschen Binnengrenzen ist mit europäischem Recht und unserem Grundgesetz nicht vereinbar.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie des Abg. Daniel Rinkert [SPD]

Die faktische Verweigerung des Asylrechts für Schutzsuchende ist ein Unding, und sie verletzt unsere grundlegenden Prinzipien. Sie ist nicht rechtsstaatlich, sie ist nicht humanitär, und sie ist auch nicht europäisch.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Dabei sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen, auch wenn es darum geht, endlich ein funktionierendes europäisches Asylsystem auf die Beine zu stellen. Denn klar ist: Das Dublin-Verfahren ist in der Praxis ineffizient und schwergängig. Aber: Es ist geltendes Recht. Und als EU-Mitgliedstaat haben wir uns an dieses Recht zu halten, gerade jetzt.

Europa braucht eine Bundesrepublik Deutschland, die sich eben nicht hinter nationalen Alleingängen versteckt, sondern sich klar zu gemeinsamen europäischen Regeln bekennt.

Beifallder Abg. Janina Böttger [Die Linke]

Und in unserem Rechtsstaat dürfen Gerichtsentscheidungen nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Statt Schutzsuchenden das Grundrecht auf Asyl de facto zu verweigern, sollten wir die Entscheidung ernst nehmen und die Kontrollpraxis umgehend anpassen. Auch im Bundeshaushalt sollten die Prioritäten künftig anders gesetzt werden: erstens in eine kluge und moderne grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Polizei und zweitens in eine bessere Ausstattung unserer Kommunen, die Geflüchtete aufnehmen und in unsere Gesellschaft integrieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Das wäre sinnvoller und ehrlicher als das, was wir gerade erleben.

Immer wieder wird die zu hohe Belastung der Kommunen angesprochen. Klar ist aber: Diese Belastung haben wir selbst herbeigeführt. Da ist nicht die Zahl der Geflüchteten, sondern die Unterfinanzierung der Kommunen das Problem. Dafür trägt der Bund auch die Verantwortung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Daniel Rinkert [SPD]

Für meine Partei, den SSW, ist klar: Wer die Kommunen nicht ausstattet, um den vielen Aufgaben gerecht zu werden, der darf sich auch über eine Überlastung nicht wundern. Und wer europäisches Recht mitträgt, der muss es auch verteidigen, gerade dann, wenn es unbequem wird.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die CDU/CSU-Fraktion spricht nun der Abgeordnete Thomas Silberhorn.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Thomas Silberhorn
Foto: Ralf Rödel
10 Vermerkeca. 807 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit den Anträgen, die Sie, Grüne und Linke, hier vorlegen, lehnen Sie nicht nur die direkte Zurückweisung an unseren Grenzen ab. Sie wollen auch alle Grenzkontrollen einstellen. Was Sie wollen, ist die unbegrenzte Zuwanderung nach Deutschland. Das sieht aber unsere Rechtsordnung nicht vor.

Sie wissen, dass das nicht stimmt, was Sie hier sagen!

Zuwanderung findet nach unseren Regeln statt, und diese Regeln werden jetzt durchgesetzt – auch durch Kontrollen und durch Zurückweisungen an unseren Grenzen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir helfen weiter Menschen in Not: in ihren Heimatländern, in den Ländern, in die sie fliehen, und auch in Deutschland, wenn sie Anspruch auf Schutz durch uns haben. Aber wer auf dem Landweg nach Deutschland kommt, der ist nicht mehr auf der Flucht. Alle unsere Nachbarstaaten sind sicher. Wer von dort kommt, ist bei uns nicht schutzbedürftig, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Das ist übrigens der Kern der Dublin-Verordnung, wonach eben für die Durchführung des Asylverfahrens der EU-Mitgliedstaat zuständig ist, in dem ein Geflüchteter zuerst registriert worden ist. Bei Zuwanderung auf dem Landweg kann das in keinem Fall Deutschland sein.

Wie kommt man denn sonst nach Deutschland?

Und trotzdem musste das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im letzten Jahr 75 000 solcher Dublin-Verfahren durchführen, um den zuständigen Mitgliedstaat zu bestimmen. Aber die Überstellung in den Staat der Erstaufnahme scheitert in der Mehrzahl der Fälle. Die Konsequenzen tragen wir: jedes Jahr Zehntausende Verfahren der Aufenthaltsbestimmung und Zehntausende Verfahren der Überstellung, die erfolglos bleiben.

Mit dieser Argumentation stellen Sie das Grundrecht auf Asyl infrage!

Dieses Dublin-Verfahren funktioniert eben nicht so, wie es vereinbart worden ist. Viele Mitgliedstaaten halten sich einfach nicht daran, das Asylverfahren selbst durchzuführen, sondern sie leiten Asylbewerber nach Deutschland weiter. Unsere Behörden müssen dann nachweisen, wo die Erstaufnahme erfolgt ist, selbst wenn bei uns keine oder gefälschte Pässe vorgelegt werden. Das ist nicht akzeptabel. Die Verpflichtungen aus dieser Dublin-Verordnung beruhen auf Gegenseitigkeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Die weiteren Folgen treffen dann unsere Kommunen. Die Kapazitäten zur Unterbringung sind an vielen Orten erschöpft. Kitas und Schulen können gar nicht schnell genug erweitert werden. Der Vorsitzende des Landkreistages Brandenburg, der parteilose Landrat Siegurd Heinze, hat die Lage gestern treffend beschrieben. Er sagte – ich zitiere –: „Wir sind in einer Dauer-Notlage angekommen.“ Meine Damen und Herren, diese Notlage in vielen Kommunen ist mit Geld allein eben nicht zu lösen.

Wir müssen die irreguläre Migration endlich konsequent unterbinden, um unsere öffentliche Ordnung aufrechterhalten zu können. Dazu gehören Grenzkontrollen, und dazu gehören Zurückweisungen direkt an den Grenzen. Genau das tut der Innenminister, und dafür hat er unsere volle Unterstützung.

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn die Bundesregierung sich auf europäisches Vertragsrecht beruft, um ihre nationalen Zuständigkeiten zur Zurückweisung an den Grenzen wahrzunehmen, dann wird ein Aspekt bislang weitgehend vernachlässigt: Die Zuwanderung über Russland und Belarus in die Europäische Union ist eine Gefährdung unserer inneren Sicherheit. Die drei Somalier, die vor dem Verwaltungsgericht Berlin geklagt haben, kamen aus Belarus. Tausende kommen auf dieser Route jedes Jahr nach Deutschland.

Wir wissen seit Jahren, dass Russland versucht, Migranten aus aller Welt über Belarus in die Europäische Union einzuschleusen. Dazu stellt Russland in vielen Ländern russische Einreisevisa aus. Ziel ist es, unsere Gesellschaft zu spalten und unsere demokratische Ordnung zu destabilisieren, meine Damen und Herren.

Irreguläre Migration ist für Russland ein Instrument hybrider Kriegsführung, das gezielt gegen die Europäische Union und gegen Deutschland eingesetzt wird. Dazu kommt, dass Russland versucht, unter diesen Migranten sogenannte Wegwerf-Agenten zu gewinnen, die mit finanziellen Versprechungen zu Sabotageakten oder Anschlägen missbraucht werden, oft ohne dass sie es selber wissen. Wir dürfen davor nicht die Augen verschließen. Die Migration über Russland und Belarus in die Europäische Union gefährdet unsere innere Sicherheit.

Beifallbei der CDU/CSU

Deswegen kann man doch keine rechtsstaatlichen Prinzipien über Bord werfen!

Deswegen bleibt der Kern der Dublin-Verordnung richtig: Wer wo auch immer in die Europäische Union kommt und Asyl beantragt, muss sein Asylverfahren im Erstaufnahmeland führen. Wir tragen mit Grenzkontrollen und auch mit direkten Zurückweisungen an den Grenzen dazu bei, dass diese Regel der Europäischen Union jetzt konsequent durchgesetzt wird.

Kein Asylbewerber wird damit übrigens einer Gefährdung ausgesetzt. Gefährdet ist nur das Geschäftsmodell von Schleusern und ihren Helfershelfern, die unsere EU-Regeln bewusst umgehen wollen, um aus der Not von Migranten ihren Profit zu schlagen. Dieses Geschäftsmodell wird jetzt beendet.

Beifallbei der CDU/CSU
Tagesordnungspunkt 292 RedenReaktionswert: hoch
Porträt von Dirk Wiese
Foto: Dirk Wiese/ Marco Urban
16 Vermerkeca. 606 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute befassen wir uns mit einer Auslegungsentscheidung zur Geschäftsordnung, die auf einem klaren Ziel beruht: die Handlungsfähigkeit des Bundestags und seiner Ausschüsse dauerhaft sicherzustellen. Der 1. Ausschuss hat entschieden:

„Eine Fraktion soll im Rahmen des Zugriffsverfahrens nicht das Wahlvorschlagsrecht für den Vorsitz und dessen Stellvertretung in demselben ständigen Ausschuss erhalten.“

Diese Regel ist kein Eingriff, sondern Ausdruck eines bewährten demokratischen Prinzips im Deutschen Bundestag.

Beifallbei der SPD
Lachenbei Abgeordneten der AfD

Denn, meine sehr verehrten Damen und Herren, es gibt eine jahrzehntelange parlamentarische Praxis in diesem Haus, nach der diese beiden Funktionen – Vorsitz und Stellvertretung – auf unterschiedliche Fraktionen verteilt werden. Das sichert Kontrolle, Transparenz und Zusammenarbeit.

Das gab’s doch früher auch problemlos! CDU!

Der hohe Stellenwert dieser Praxis zeigt sich auch daran, dass es in früheren Wahlperioden Konstellationen gab, in denen einer Fraktion rechnerisch mehr Ausschussvorsitze zugestanden hätten

Schon sehr lange her!

als allen anderen zusammen. Trotzdem wurde ein Ausgleich geschaffen, indem anderen Fraktionen mehr Stellvertretungen eingeräumt wurden, als ihnen rechnerisch zustand.

Vorletzte Wahlperiode war das! Und davor auch!

Auch das ist Ausdruck eines gelebten, verlässlichen Parlamentarismus.

Als SPD machen wir zudem deutlich: Wenn eine Fraktion sowohl Vorsitz als auch Stellvertretung für sich beansprucht, aber dann keine geeignete Kandidatin oder keinen geeigneten Kandidaten vorschlägt,

So ein Unfug!

dann droht auch Stillstand. Dann übernimmt das dienstälteste Mitglied geschäftsführend den Vorsitz per Zufall. Doch Zufall ist keine Grundlage für demokratische Verlässlichkeit und vernünftige Abläufe im Deutschen Bundestag.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufvon der AfD: Die SPD auch nicht!

Was wir brauchen, ist verantwortungsvolle Politik – nicht Blockade und auch nicht Provokation.

Was wir nicht brauchen, ist die SPD!

Die Koalitionsfraktionen aus SPD und CDU/CSU sind im Arbeitsmodus. Wir bringen Gesetze für wirtschaftliche Stabilität und soziale Gerechtigkeit in diesen Wochen bereits auf den Weg. Die Bundesregierung arbeitet engagiert für unser Land –

Was hat das mit dem Thema zu tun?

im Innern und in der Außenpolitik. Während andere tatsächlich ihre Schwerpunkte auf Räume und Posten setzen, packen wir innen- und außenpolitisch die Herausforderungen des Landes an.

Bundeskanzler Friedrich Merz ist zurzeit – ich habe es angesprochen: Außenpolitik – in den USA. Das sind die wichtigen Themen, die uns beschäftigen, ebenso dass Finanzminister Lars Klingbeil den Investitionsturbo heute hier in den Deutschen Bundestag eingebracht hat. Das zeugt von Tatkraft, Zukunftsorientierung, aber auch von Verantwortungsbewusstsein.

Herr Wels würde sich im Grabe umdrehen, wenn er das hören würde!

Räume und Posten, das ist Kindergarten à la AfD.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Dr. Christian Wirth [AfD]

Die heutige Entscheidung, über die wir hier jetzt abstimmen, steht für klare Regeln, handlungsfähige Institutionen und Verantwortung im Parlament.

Und Ausgrenzung!

Das ist das, was unsere Demokratie hier braucht. Ich danke dem 1. Ausschuss, den Kolleginnen und Kollegen für die intensive Beratung und für die wichtige und ausgewogene Entscheidung.

Das war keine intensive Beratung! Das haben Sie schnell durchgepeitscht! Ich war doch dabei! Zack, zack!

Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass dieser Bundestag stark bleibt: für die Demokratie

Geht nach Hause!

und für die Menschen in unserem Land.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Was für ein unwürdiger Zynismus!

Das Wort hat für die AfD-Fraktion der Abgeordnete Dr. Bernd Baumann.

Beifallbei der AfD
Porträt von Bernd Baumann
Foto: Dr. Bernd Baumann
12 Vermerkeca. 531 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die AfD ist die größte Oppositionspartei in diesem Haus – mit Abstand. Uns stehen deshalb in sechs Ausschüssen die Vorsitze zu, darunter Haushalt, Inneres und Finanzen. Dies fordert die Geschäftsordnung und die seit Jahrzehnten geübte Praxis; die geht zurück bis ins Jahr 1912. Aber die Union schloss sich mit SPD, Linken und Grünen zusammen und verhinderte, dass wir auch nur einen dieser Vorsitze bekamen.

Linke auch!

Sie verhinderten selbst Kandidaten wie Jochen Haug und Kay Gottschalk,

Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

von denen Sie wussten,

Es gelten für alle die gleichen Regeln!

wie gut und effizient sie zuvor schon Bundestagsausschüsse geleitet hatten.

Beifallbei der AfD

Das zeigt: Es geht Ihnen nicht um die Qualifikation einzelner Bewerber.

Es gelten für alle die gleichen Regeln!

Es geht um die prinzipielle Benachteiligung unserer Partei, die Verweigerung unserer Rechte als Parlamentarier und der Rechte von 10 Millionen Wählern.

Beifallbei der AfD

Mit Ihrer heutigen Vorlage will der Zusammenschluss von CDU mit SPD, Linken und Grünen wieder eine neue Regelung gegen die AfD beschließen,

„Zusammenschluss“!

wonach wir nicht mal mehr stellvertretende Vorsitzende in unseren sechs Ausschüssen bekommen sollen.

Warum finden denn Ihre Kandidaten keine Mehrheiten?

In der Runde der Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer hatten Sie mich gedrängt, auf diese Stellvertreterposten zu verzichten. Aber ich ließ mich nicht bedrängen. Ich verwies auf die Geschäftsordnung – die gibt das nicht her –, und ich hatte recht damit, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Und weil Sie das eingesehen haben – die Geschäftsordnung gibt das nicht her –, brachen Sie die Sitzung erst mal ab, beriefen schnell den Geschäftsordnungsausschuss ein. Und mit Ihrer Mehrheit – CDU, SPD, Linke und Grüne – schufen Sie eine ganz neue Auslegung, die es vorher so nie gegeben hat, wonach uns künftig nicht mal mehr Stellvertreterposten zukommen in unseren Ausschüssen.

Mit dem immer gleichen Zusammenschluss von CDU mit SPD, Linken und Grünen durchlöchern Sie den Grundsatz von Gleichheit und Freiheit aller Abgeordneten. Sie verweigern uns zentrale parlamentarische Rechte auf Vizepräsidenten, Alterspräsidenten, Ausschussvorsitzende, jetzt auch Stellvertreter. Sie verweigern uns die notwendigste Grundausstattung hier im Haus, selbst Säle, in denen wir parlamentarisch arbeiten können, und schanzen sich dann die größten und besten Säle selbst zu. So sieht es aus.

Beifallbei der AfD

Sie missbrauchen Ihre Mehrheit, sobald Sie die Rechte der Minderheit missachten. Sie sprechen sich in Hinterzimmern gegen uns ab und zerstören Freiheit und Gleichheit des politischen Wettbewerbs.

Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich bin ja Volkswirt. Da kennt man den wissenschaftlichen Begriff des Kartells, den strafbaren Zusammenschluss von Unternehmen, die neue Wettbewerber vom Markt drängen wollen – durch unlautere Absprachen und Missbrauch von Marktmacht. Eine gewisse Analogie zu diesem Abwehrkartell sehe ich hier im Bundestag. Nur, meine Damen und Herren: Das Wirtschaftskartell zerstört den Markt. Ihr politisches Kartell zerstört die Demokratie.

Lebhafter Beifallbei der AfD

Herr Dr. Baumann, wir hatten die Diskussion über den Begriff „Kartell“ im Ältestenrat. Ich bitte Sie, in Zukunft von dieser Begrifflichkeit abzusehen.

Tagesordnung1 RedeReaktionswert: ruhig
ca. 48 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Entschuldigen Sie die Unklarheit. Ich spreche zu Tagesordnungspunkt 12. – Ich würde gern im Namen der Koalitionsfraktionen den TOP 12 in diesem Komplex wegen Unklarheiten bezüglich der Präsidiumswahl nach der Änderung des Filmförderungsgesetzes absetzen.

Herzlichen Dank.

Porträt von Ines Schwerdtner
Foto: Olaf Kostritz
10 Vermerkeca. 806 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Kinderärztin Dr. Alaa Al-Najjar arbeitet an einem Freitag im Nasser-Krankenhaus in Chan Junis im südlichen Gazastreifen, wie jeden Tag. Nach einem Luftangriff werden neun Leichen bei ihr eingeliefert. Sie öffnet die Leichentücher und erkennt sie sofort: Es handelt sich um ihre eigenen Kinder. Nur ein Sohn von ihren zehn Kindern überlebt. Alaa Al-Najjars getötete Söhne und Töchter waren zwischen sieben Monaten und zwölf Jahre alt.

Sie alle kennen die Bilder dieses Krieges: Babys in Brutkästen ohne Strom, Eltern, die in den Trümmern nach ihren Kindern suchen, Ärztinnen und Ärzte, die mit bloßen Händen operieren. Diese Bilder brennen sich ein, und sie verlangen eine politische Antwort. Doch Sie, Herr Bundeskanzler, Herr Außenminister, Sie trauen sich nicht, eine politische Antwort zu geben; Sie machen sich mitschuldig.

Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

607 Tage sind vergangen, seit die radikal-islamistische Hamas ihren brutalen Angriff auf Israel verübt hat. Über diesen beispiellosen Angriff und die Verschleppung von 250 Geiseln wurde seither zu Recht sehr viel gesprochen. Der Krieg, der seitdem in Gaza wütet, wird in der deutschen Öffentlichkeit jedoch regelrecht ignoriert, so wie hier in diesem Haus. Und deswegen, meine Damen und Herren, haben wir als Linke heute diese Aktuelle Stunde beantragt.

607 Tage der Zerstörung, 607 Tage voller Leid, Trauma und Elend, 607 Tage voller Kriegsverbrechen durch die israelische Armee: Die Bilanz dieses Krieges ist verheerend. Seit Kriegsbeginn wurden über 53 000 Menschen getötet.

Was war denn die Ursache dafür? Kommen Sie dazu mal!

Die große Mehrheit von ihnen waren Zivilisten in Gaza. Die humanitäre Lage verschärft sich täglich. 100 Prozent der Menschen in Gaza sind von Hunger betroffen. Es fehlt an Lebensmitteln, Wasser, Strom und Medikamenten. Rund die Hälfte der Krankenhäuser ist nicht mehr funktionsfähig. Diese Zahlen machen eines unmissverständlich klar: Dieser Krieg muss sofort enden!

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Isabel Cademartori [SPD]

Doch es gibt auch Hoffnung. Tausende Reservisten der israelischen Armee sind dem Einberufungsbefehl nicht gefolgt. Tausende Menschen in Israel demonstrieren gegen die rechtsextreme Regierung Netanjahus und ihre Kriegsverbrechen. In Gaza protestieren Hunderte Menschen gegen die Herrschaft der Hamas. Weltweit gingen in den letzten Monaten Millionen von Menschen auf die Straße aus Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung und für den Frieden.

Als Linke stehen wir an der Seite aller Opfer dieses Krieges, der Deserteure, der Waisenkinder, der Krankenpflegerin im bombardierten Krankenhaus. Wir verurteilen jeden Krieg und jedes Kriegsverbrechen ohne doppelte Maßstäbe, ob in der Ukraine, im Sudan oder in Gaza. Wir trauern um alle unschuldigen Opfer, ob getötet durch die Gewehre der Hamas oder durch die Bomben der israelischen Armee.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Isabel Cademartori [SPD]

Bei aller Kritik an dem genozidalen Krieg, den Israel gegen die palästinensische Bevölkerung führt, setzen wir Israelis sowie Jüdinnen und Juden weltweit nicht gleich mit der in Teilen rechtsextremen israelischen Regierung. Der Schutz jüdischen Lebens hat für uns auch 80 Jahre nach der Befreiung vom deutschen Faschismus eine besondere Bedeutung. Dazu gehört selbstverständlich das Recht für Jüdinnen und Juden auf nationale Selbstbestimmung,

Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

genauso wie das Recht der Palästinenserinnen und Palästinenser auf nationale Selbstbestimmung. Und in diesem Zusammenhang begrüße ich Seine Exzellenz, den palästinensischen Botschafter in Deutschland, Laith Arafeh, hier im Haus.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Paul Ziemiak [CDU/CSU]

Was hier passiert, hat mit Selbstverteidigung nichts mehr zu tun, meine Damen und Herren. Und unser Kompass ist klar: Er zeigt auf das Völkerrecht. Sie von der Bundesregierung hingegen, Sie, Herr Merz und Herr Wadephul, Sie lavieren. Sie liefern weiter Waffen. Sie wollen Netanjahu, gegen den ein internationaler Haftbefehl vorliegt, in Berlin empfangen, statt ihn festnehmen zu lassen. Ihre neuerliche Sorge um Gaza ist opportun. Ihr Humanismus ist bestenfalls selektiv. Ihre Aufgabe wäre es, das Völkerrecht zu verteidigen, immer und überall. Das Völkerrecht ist nicht verhandelbar.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Doch Sie versagen.

Dabei ist klar, was jetzt zu tun ist: Erstens. Stopp aller Waffenexporte nach Israel, sofort. Zweitens. Ermöglichen Sie ungehinderten Zugang zu umfassender humanitärer Hilfe. Drittens. Erkennen Sie den Staat Palästina an. Viertens. Setzen Sie sich mit Nachdruck für Friedensverhandlungen ein, ein Ende des Krieges, die Rückkehr der Geiseln und ein Ende der Siedlungspolitik.

Beifallbei der Linken

Herr Merz, Herr Wadephul, seien Sie sich sicher: Ihre Ignoranz ist beschämend. Der Wind dreht sich in Europa und hier in Deutschland. Ein großer Teil unserer Gesellschaft trägt Ihren Kurs nicht mehr mit. Wir sagen: Schluss mit der Heuchelei und Schluss mit den doppelten Standards!

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion hat das Wort der Abgeordnete Jürgen Hardt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Jürgen Hardt
Foto: Jürgen Hardt/Tobias Koch
9 Vermerkeca. 805 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist katastrophal, und die Menschen dort leiden unermesslich. Es geht aber nicht nur um ihr Leiden, sondern auch um das Leiden der Geiseln, die seit dem 7. Oktober 2023 von der Hamas im Gazastreifen festgehalten werden, das Leiden der Angehörigen dieser Geiseln, der Angehörigen der getöteten Opfer, der getöteten Soldaten und der Menschen im Norden Israels, die nach den Hisbollah-Angriffen über viele Monate ihre Dörfer nicht bewohnen konnten, und auch dort hat es ja Todesopfer gegeben.

Es ist ein Drama, dass in dieser ganzen Region Zivilisten, unschuldige Menschen, unter dem Terrorkampf der Hamas und dem Abwehrkampf der Israelis gegen die Hamas und andere Terrororganisationen so bitter leiden, und das kann uns nicht gleichgültig lassen. Deswegen ist es gut, dass wir im Deutschen Bundestag darüber reden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich finde es auch gut, dass der palästinensische Botschafter hier ist. Er ist auch ein Gegner der Hamas, genauso wie wir. Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die für Frieden in der Region eintreten, ohne die Geißel des Terrors enger zusammenarbeiten. Nur eine Zukunft, in der eine Verständigung möglich ist, ist eine gute Zukunft für die Region und für die Menschen, die dort leben.

Beifallbei der CDU/CSU

Bei der Betrachtung der Situation müssen wir natürlich darauf achten, Ursache und Wirkung nicht zu verwechseln. Der Gazastreifen ist seit Jahrzehnten von der Terrororganisation Hamas diktatorisch regiert worden. Es hat viele Tausend palästinensische Opfer gegeben, die sich gegen die Hamasherrschaft, die Hamasdiktatur in dieser Region gestellt haben. Die Hamas hat die Jahre ihrer Herrschaft über den Gazastreifen genutzt, um ein Raketenarsenal aufzubauen und einen Bewaffnungsgrad zu erreichen, der es ihr dann ermöglicht hat, am 7. Oktober 2023 dieses grauenhafte Massaker auf dem Boden des Staates Israel durchzuführen.

Der große Traum Israels, dass man zur Not auch mit Terroristen in der Nachbarschaft leben kann, weil man eine starke Armee und einen Raketenabwehrschirm hat und weil man sich auf internationale Freunde und vielleicht auch auf diplomatische Kanäle und Staaten in der arabischen Welt verlassen kann, ist zerplatzt, als klar wurde, dass es keinen Schutz vor solchen brutalen Angriffen gibt.

Nach dem 7. Oktober 2023 war eben ein Teil des Staatsgebietes des Staates Israel nicht bewohnbar. Wenn wir für das Existenzrecht des Staates Israel eintreten, müssen wir uns doch die Frage stellen: Wann ist es gefährdet? Es ist gefährdet dadurch, dass es in der Region, angeführt von Iran, massive Kräfte gibt, die Israel zerstören wollen. Wenn es als Folge eines Terrorangriffs dazu kommt, dass ein Teil des Landes nicht bewohnbar ist, weil es dort für die Einwohner nicht sicher ist, wäre das der Anfang vom Ende der Existenz eines Staates Israel. Deswegen haben die Israelis das Recht, sich zu verteidigen, auch mit unseren Waffen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Siemtje Möller [SPD]

Im Hinblick auf die humanitäre Situation in Gaza sage ich aber auch: Wer die Macht hat, muss angesichts der humanitären Lage helfen. Das ist auch ein Grundsatz unserer internationalen Rechtsvorstellung und Wertevorstellung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das, was gegenwärtig an Hilfsgütern in den Gazastreifen hineinkommt, ist eindeutig zu wenig. Es ist mehr möglich; das haben wir im Winter gesehen. Wir können nur an unsere israelischen Freunde appellieren, die Zufuhr von humanitären Gütern in den Gazastreifen massiv zu erhöhen. Das private Modell, das seit einigen Wochen dort praktiziert wird, ist nicht überzeugend; denn die Zahl der Container, die hineinkommen, ist einfach zu gering, um die humanitäre Lage in der Region einigermaßen auf einen Stand zu bringen, den man verantworten kann. Deswegen unser dringender Appell.

Ein zweiter dringender Appell. Die israelische Regierung sollte Pläne, die darauf ausgerichtet sind, den Gazastreifen dauerhaft zu okkupieren oder zu unterwerfen, klar zurückweisen. Das ist eine Forderung von Teilen der israelischen Regierung.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Ich wünsche mir, dass alle Mitglieder der israelischen Regierung klar sagen, dass es ihnen um Sicherheit und Frieden für Israel und nicht um die Annexion eines Gebietes geht, das gemäß Völkerrecht letztlich für einen palästinensischen Staat vorbehalten ist.

Beifalldes Abg. Paul Ziemiak [CDU/CSU]

Drittens. Ich bin der Meinung, dass die Intensivierung der Siedlungspolitik im Augenblick nicht geeignet ist, die Situation zu entschärfen, sondern im Zweifel eine neue Eskalation hervorruft. Deswegen sollte die israelische Regierung meiner Meinung nach diese völkerrechtswidrige Siedlungspolitik einstellen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das werden wir dem Außenminister von Israel unter Freunden so klar sagen. Das haben wir auch in der Vergangenheit getan.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion spricht nun die Abgeordnete Beatrix von Storch.

Beifallbei der AfD
Porträt von Beatrix von Storch
Foto: Vadim Derksen
5 Vermerkeca. 670 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn wir heute über Gaza sprechen, müssen wir zuerst darauf zurückblicken, wie dieser Krieg begann; das haben Sie vollständig vergessen. Bei den Massakern am 7. Oktober wurden 1 200 Israelis abgeschlachtet, 250 Geiseln genommen und 3 000 Raketen abgeschossen. Das alles begann schon vor Jahrzehnten. Der Höhepunkt war im Mai 2021: 4 375 Raketen wurden abgeschossen.

Stellen wir uns nur kurz vor: Deutschland wird von Tausenden Raketen beschossen, und 8 000 Menschen werden an einem Tag abgeschlachtet; diese Zahl korrespondiert mit den 1 200 im viel kleineren Israel. Die Situation ist gerade dadurch entstanden, dass Israel genau das tut, was wir die ganze Zeit fordern. Vor ziemlich genau 20 Jahren, nämlich 2005, begann Israel mit dem Rückzug aus Gaza und mit der Auflösung der jüdischen Siedlungen. Das Versprechen lautete damals: Land gegen Frieden. Bei den Wahlen zum palästinensischen Legislativrat im Januar 2006 wählten die Palästinenser dann aber nicht Frieden und Demokratie, sondern den islamischen Terror. Die Hamas wurde stärkste Kraft, gewann 68 Prozent der Wahlbezirke und die absolute Mehrheit im Parlament. Israel gab Land, aber bekam keinen Frieden.

Beifallbei der AfD

Ganz im Gegenteil: In den geräumten Gebieten von Gaza errichtete die Hamas einen Terrorstaat mit einem erklärten Ziel: dem Auslöschen Israels. Die internationalen Hilfen in zweistelliger Milliardenhöhe und auch Hunderte Millionen Euro über die UNRWA direkt aus Deutschland verwendete die Hamas dann aber nicht zum Wohle der Bevölkerung, sondern sie baute Gaza zu einer Terrorfestung aus mit einem Hunderte Kilometer langen Tunnelsystem, länger als die U- und S-Bahnlinien in Berlin.

Diese Entwicklung hat für Israel ein furchtbares moralisches Dilemma geschaffen. Jeder Versuch, gegen die Hamas vorzugehen, militärisch oder auch durch Blockaden, trifft immer auch die Zivilbevölkerung. Jeder Verzicht, gegen die Hamas vorzugehen, gibt dieser die Möglichkeit, noch stärker zu werden. Was wir nun sehen, sind die grauenhaften Schrecken eines asymmetrischen Krieges gegen Terroristen, die ihre eigene Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde missbrauchen. Das ist kein Genozid – das ist eine schlimme Diffamierung –, aber es schafft sehr viel Leid.

Gegen eine Terrororganisation zu operieren, die sich in einem so dicht besiedelten Gebiet verschanzt, ist ein Albtraum für jede Armee. Was tun, wenn die Raketen aus Wohngebäuden abgeschossen werden? Was tun, wenn die Terrortunnel unter den Krankenhäusern verlaufen? Was tun, wenn die Befehlszentralen sich in einer Schule verschanzen, wenn mit Versorgungslieferungen für die Bevölkerung immer auch Waffen und Munition für die Terroristen mit ins Land kommen? Was tun? Die zivilen Opfer in Kauf nehmen oder vor dem Terrorismus kapitulieren. Ich bete zu Gott, dass wir niemals vor einer solch furchtbaren Entscheidung stehen, wie sie Israel jeden Tag treffen muss. Als gläubiger Christ weiß ich:

Scheinheilig!

Es gibt Entscheidungen, da macht man sich schuldig – egal wie man sich entscheidet – vor seinem eigenen Gewissen. Aber ich persönlich bin auch der Ansicht, dass kein Land der Welt eine solche terroristische Bedrohung seiner Bürger dauerhaft hinnehmen kann. Israel kann es nicht, und wir könnten es auch nicht.

Beifallbei der AfD

Die Reaktionen auf den Terror müssen allerdings nicht nur das humanitäre Völkerrecht beachten, sondern auch ethischen Maßstäben gerecht werden. Das zu sagen, ist richtig. Ich weiß aber auch, es ist wohlfeil. In einem asymmetrischen Krieg ist es im Einzelfall schwierig, abzuschätzen, wo die militärische Notwendigkeit und die Verhältnismäßigkeit aufhören. Sie sollten aber eines nicht vergessen: Es war die Hamas, die den Gazastreifen zur Terrorfestung ausgebaut und die Bevölkerung zu menschlichen Schutzschilden gemacht hat. Und es ist die Hamas, die die zivilen Einrichtungen und Hilfsorganisationen für ihren Terror missbraucht, sodass militärische und zivile Infrastruktur in Gaza kaum zu unterscheiden sind.

Unsere Unterstützung für das Selbstverteidigungsrecht Israels geht einher mit unserem Mitgefühl für das Leid der Menschen in Gaza. Wir beten um den Tag, an dem die Herrschaft der Hamas und das Leid der Menschen enden.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Adis Ahmetovic.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Adis Ahmetović
Foto: Adis Ahmetović/ Benush Martinez
10 Vermerkeca. 1.001 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Schuldzuweisung, Relativierung, Rechtfertigung – was in der Debatte zu diesem hochaktuellen Thema oft in den Hintergrund gerät, sind die großen Linien, die Ziele, die wir eigentlich gemeinsam – als Mehrheit dieses Hauses und als Mehrheit unseres Landes – europäisch und international verfolgen sollten.

Erstens: die sofortige Freilassung aller Geiseln. Kein Konflikt, keine Vergangenheit, kein politisches Ziel rechtfertigt die Entführung und Gefangenschaft Unschuldiger durch die Hamas. Ihre Freilassung ist ein Gebot der Menschlichkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zweitens: eine anhaltende Waffenruhe, ein Waffenstillstand sowie die Rückkehr zur Diplomatie. Die Sprache der Gewalt führt nur zu immer neuen Gräbern, zu neuer Wut, zu neuem Hass, und das über Generationen. Die Sprache der Diplomatie dagegen kann Türen öffnen, selbst da, wo heute noch Mauern sind. Deshalb, meine Damen und Herren, müssen wir zur Phase einer Waffenruhe zurückkehren. In einer solchen Phase sind bislang die meisten Geiseln freigekommen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Drittens – wir reden über gleichwertige Ziele –: Das humanitäre Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung muss ein sofortiges Ende haben. Täglich brauchen die Menschen in Palästina mindestens 500 Lkws mit Hilfsgütern, circa 100 werden im Durchschnitt hineingelassen, 400 fehlen. Das bedeutet tote Kinder, Hunger, der zur Waffe wird, fehlende Medikamente, Kinder, die ohne Narkose operiert werden, Krankenhäuser, die nicht arbeiten können. Der gesamte Norden von Gaza ist nicht mehr funktionsfähig. Es gibt keine Ordnung mehr. Aus diesem Grund sind wir auch nach dem Völkerrecht verpflichtet, dafür zu sorgen, dass dieses humanitäre Leid der Palästinenser in Gaza ein Ende hat, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Viertens. Lassen Sie mich sagen: Die Einhaltung des Völkerrechts und die Zweistaatenlösung sind zwei weitere Ziele, die entscheidend sein werden, um nachhaltig Frieden und Stabilität in dieser Region zu bekommen.

Die Zweistaatenlösung darf kein reines Lippenbekenntnis sein. Wir müssen europäische Initiativen auf dem Weg zu einer Zweistaatenlösung unterstützen. Wir wollen einen sicheren israelischen Staat neben einem freien, souveränen palästinensischen Staat ohne die Hamas. Nur so, Palästinenser und Israelis nebeneinander in Frieden, kann es dauerhaften Frieden und Stabilität im Nahen Osten geben. Das muss die Linie sein, meine Damen und Herren, die wir national, europäisch und international gemeinsam unterstützen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken und der Abg. Marlene Schönberger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Lassen Sie mich, fünftens, noch eine Sache zum humanitären Völkerrecht sagen. Das ist das Fundament unserer Politik. Die Einhaltung des Völkerrechts darf keine Frage politischer Opportunität werden. Wir können nicht glauben, dass wir damit durchkommen, wenn wir sagen: Möglicherweise wird Völkerrecht gebrochen in Gaza. – Die bewusste Verknappung von Hilfsgütern, Fakten zu schaffen in der Westbank, indem 22 neue Siedlungen nicht nur ermöglicht, sondern staatlich anerkannt werden, das ist ein Bruch des Völkerrechts, und das muss man auch so aussprechen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das muss man so aussprechen, weil wir diese lange Freundschaft und Partnerschaft mit Israel haben. Denn nicht nur die Mehrheit der Menschen in Deutschland und Europa will ein Ende des Krieges. Was noch viel wichtiger ist für uns: Über 69 Prozent der Menschen in Israel unterstützen den aktuellen Kurs der Regierung nicht, sie wollen einen Waffenstillstand, sie wollen Diplomatie, sie wollen eine Freilassung der Geiseln, sie wollen in Frieden leben, sie wollen eine Normalisierung des Verhältnisses zu ihren Nachbarn.

Lasst uns doch im Sinne des israelischen Volkes handeln und nicht danach, was eine Regierung vorgibt, obwohl wir wissen, dass es völkerrechtswidrig ist. Das ist der falsche Weg, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken und der Abg. Tijen Ataoğlu [CDU/CSU]

Ich begrüße in diesem Zusammenhang sehr die Erkenntnis unseres Bundeskanzlers Friedrich Merz, der vergangene Woche klar gesagt hat, auch ihm fehlt das Verständnis dafür, was die israelische Regierung aktuell tut. Genauso will ich auch meinen Unionskollegen Außenminister Wadephul lobend erwähnen und ihm für seinen Mut danken, dass er darauf hingewiesen hat, dass wir bei jeder Form von Waffenlieferungen, die wir tätigen, Gesetze und insbesondere Artikel 25 des Grundgesetzes zu beachten haben, der uns an das Völkerrecht bindet. Egal wem und wie viel und egal zu welchem Anlass wir Waffen liefern, wir sind verpflichtet – gesetzlich und auch verfassungsrechtlich –, zu überprüfen, ob deutsche Waffen verwendet werden, um einen Staat vor Terrorismus und Krieg zu schützen, oder ob deutsche Waffen zu einem Bruch des Völkerrechts und zur Intensivierung und zur Verschlechterung der humanitären Lage verwendet werden. Das ist eine Prüfung, die wir als SPD-Bundestagsfraktion unterstützen. Sehr geehrter Herr Wadephul, es ist gut, dass Sie das tun. Es ist dringend notwendig. Und es ist wichtig, auch im europäischen und internationalen Kontext, dass wir unsere Klarheit und vor allem unsere Glaubwürdigkeit behalten, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Zum Abschluss. Lassen Sie uns doch dafür sorgen, dass es kein Entweder-oder gibt. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass Palästinenser und Israelis, Muslime und Christen und Juden, nebeneinander friedlich zusammenleben können. Dieser Konflikt beschäftigt uns schon seit Jahrzehnten und wird uns noch weitere Jahrzehnte beschäftigen, wenn wir nicht auf Frieden, Diplomatie und Zusammenleben setzen. Wir sind weiter für einen sicheren israelischen Staat; das ist unsere historische Verantwortung. Genauso setzen wir uns für einen palästinensischen Staat ein.

Vielen Dank, meine Damen und Herren. Im Sinne des Friedens: Danke.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich möchte zu dieser Debatte noch einen Gast auf der Tribüne begrüßen: Seine Exzellenz Herrn Laith Arafeh, Botschafter der Palästinensischen Mission in Deutschland. Herzlich willkommen!

Beifall

Als Nächster hat das Wort der Abgeordnete Max Lucks für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Max Lucks
Foto: Max Lucks/ Jelle Siemer
9 Vermerkeca. 741 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Gesandter! Mich und meine Fraktion prägt das besondere deutsche Verhältnis zu Israel. Es prägt mich als Deutscher mit Blick auf die Vergangenheit. Es prägt mich vor allem aber auch als Demokrat mit Blick auf die Gegenwart. Es prägt mich mit Blick auf die Werte, die wir mit Israel teilen. Deshalb lassen Sie mich anfangs klarstellen: Für mich und meine Fraktion ist die Solidarität mit Israel auch ein praktischer Akt für die Gegenwart. Wenn die einzige Demokratie im Nahen Osten von der Hamas, von den Huthis und vom Iran angegriffen wird, dann werden wir Israel nicht alleinlassen. Bündnis 90/Die Grünen stehen zu dieser Verantwortung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Zur Wahrheit gehört, dass die rechtsextreme Regierung von Benjamin Netanjahu eine Belastung für das deutsch-israelische Bündnis ist. Diese Regierung teilt nicht die Werte, für die große Teile der israelischen Gesellschaft stehen und demonstrieren. Sie respektiert nicht das humanitäre Völkerrecht oder die Menschenrechte, die wir verteidigen müssen. Sie macht die Freilassung der 58 Geiseln, von denen 6 deutsche Staatsbürger sind, nicht zur Priorität. Stattdessen vertieft sie den Konflikt in Gaza,

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

setzt parallel auf den illegitimen Siedlungsbau im Westjordanland, und einige Minister unterstützen sogar radikale Siedler in ihrer Gewalt. Auch dorthin zu schauen, ist unsere Verantwortung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Der politische Druck muss der terroristischen Hamas gelten. Der politische Druck muss aber auch der Regierung von Benjamin Netanjahu gelten, die nicht mehr die Befreiung der Geiseln zum obersten Ziel macht, sondern ihre politische Existenz auf Kosten von Hass und Menschenleben sichert. Ich bin Außenminister Wadephul sehr dankbar, dass er am 30. Mai erklärt hat, diesen Druck auf die israelische Regierung durch eine Überprüfung der Waffenlieferungen an Israel auszubauen. Es ist mir unverständlich, warum er dafür vom CSU-Landesgruppenchef, aus den eigenen Reihen, angegriffen wurde. Herr Bundeskanzler Merz hat uns eine deutsche Außenpolitik mit einer Stimme versprochen. Aber im Angesicht der festgehaltenen Geiseln, im Angesicht der Bedrohung der Existenz Israels, im Angesicht dieser unerträglichen humanitären Katastrophe in Gaza bekommt Deutschland eine außenpolitische Stimme der CDU und eine außenpolitische Stimme der CSU. Verstehen Sie endlich, dass es kein Widerspruch ist, für die Existenz Israels zu kämpfen und dafür, dass dieser fürchterliche Krieg in Gaza ein Ende nimmt!

Ich weiß, dass dem Herrn Außenminister das Leid der Menschen in Gaza nicht gleichgültig ist, und kann den Außenminister nur ermutigen, sich gegen Scharfmacher wie Herrn Hoffmann durchzusetzen. Wenn Außenminister Wadephul Waffenlieferungen an Israel einschränken will, damit deutsche Waffen eben nicht in Gaza oder im Westjordanland eingesetzt werden können, dann hat er dafür unsere Unterstützung.

Die Menschen in Israel, in Gaza und im Westjordanland verdienen eine Zukunft in Frieden und Freiheit, in Würde und Selbstbestimmung, ohne den Terror der Hamas und in einem Staat Palästina. Sie verdienen, dass wir diese Debatte hier führen. Aber, meine Damen und Herren, ich möchte heute auch in Richtung derjenigen, die glauben, dass wir diese Debatte mit Trikots führen können, eine Sache sehr klar sagen: Hören Sie auf, so zu tun, als seien wir hier bei einem Fußballspiel! Dafür ist das Leid der Menschen zu groß, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Es ist kaum auszuhalten, dass die Menschen im Gaza hamaskritischer sind als einige Stimmen in Deutschland. Denn genau die Menschen in Gaza verdienen ein selbstbestimmtes Leben in einer Zukunft ohne den islamistischen Terror der Hamas.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte Sie alle von den demokratischen Fraktionen

Zurufevon der AfD: Och!

einladen, die Menschen zu unterstützen, die Brücken bauen, die das Band der Menschlichkeit fest in der Hand halten, wie die Demonstrierenden in Israel, die gegen den Krieg Netanjahus auf die Straße gehen, wie die palästinensischen Aktivisten, die die Hamas kritisieren, wie der palästinensische Hamaskritiker Hamza Howidy. Gerade in dieser Zeit ist es wichtiger denn je, eine Debatte der Differenziertheit zu führen und für die Universalität der Menschenrechte – für ausnahmslos alle – einzustehen.

Herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Armin Laschet.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Armin Laschet
Foto: Staatskanzlei NRW/ Laurence Chaperon
16 Vermerkeca. 923 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Es ist von jeder Fraktion die Grundposition gesagt worden, und ich will deshalb gerne auf das, was in der Debatte gesagt worden ist, eingehen.

Ich fange mit Ihnen an, Herr Lucks. Sie haben versucht, einen Gegensatz zwischen dem Kollegen Hoffmann und Außenminister Wadephul herzustellen.

Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Jetzt sage ich Ihnen mal etwas, Herr Lucks: Herr Hoffmann hat völlig recht. Die Waffenexporte werden nicht eingeschränkt. Die Bundesregierung wird bei jeder Entscheidung die völkerrechtliche Relevanz prüfen. Das tut die Bundesregierung. Das sagt inzwischen auch in dieser Klarheit der Bundesaußenminister.

Inzwischen?

Aber es wird keine Sanktionen gegen Israel geben in einer Phase, wo das Land von außen – vom Iran, von anderen Proxies – weiter bedroht wird; damit das mal klipp und klar gesagt wurde.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und des Abg. Sebastian Roloff [SPD]

Und dass wir mit unterschiedlichen Akzenten in den Fraktionen reden, ist gut so. Herr Nouripour redet Gott sei Dank anders als Sie.

– Er redet anders als Sie, und das gehört doch mit zu unseren demokratischen Parteien, dass wir in unterschiedlichen Akzenten über solche Konflikte reden. Ich rede auch anders als mancher bei uns, und das sollten wir aushalten, wenn es um diese Frage geht. – Erster Punkt.

Beifallbei der CDU/CSU

Zweiter Punkt. Sie sollten sich übrigens nicht nur an demokratische Parteien wenden.

Zurufvon der AfD: Haben Sie nicht zugehört?

Er hat alle adressiert!

Ich würde mir wünschen, dass alle das so sehen, was Sie hier vorgetragen haben. Ich würde mir auch wünschen, dass Die Linke in eine demokratische Mitte zurückkehren würde und nicht auf ihren Bundeskongressen Antisemitismus neu definiert. Ich wünsche mir, dass auch diese Leute wieder ins demokratische Spektrum zurückkommen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD
Zurufvon der Linken

Jetzt kommt die zweite Bemerkung. Das ist ein einfaches Spiel, zu sagen, diese rechtsextreme Regierung – wie Sie sie ja pauschal nennen – in Israel steht nicht für die Bevölkerung. Ich lehne die rechtsextremen Minister dort zutiefst ab. Mich schockiert auch, was sie sagen. Aber wer glaubt, dass die ganze Bevölkerung in Israel derzeit unter diesen Umständen friedensbewegt ist, irrt. Die ist weiter davon weg als in den 90er-Jahren.

Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– Herr Lucks, die Regierung zerbricht in diesen Tagen, und ich bin nicht sicher, was eine Neuwahl ergibt. – Die, die die Opfer dieses Angriffs der Hamas sind – 1 200 Ermordete –, waren die, die am meisten für den Frieden mit den Palästinensern waren,

Genau so ist es!

die sich darum bemüht haben. Und jetzt hören sie von der israelischen Regierung: Schaut mal, wie naiv ihr wart! – Die sind in Wirklichkeit ganz anders. Und leider gewinnen auch in der Bevölkerung im Moment eher harte Stimmen, radikale Stimmen und eben nicht die Stimmen in der Bevölkerung, die gegen eine vermeintlich rechtsextreme Regierung stehen. Deshalb müssen wir da genauer hinschauen, alles tun, damit möglichst die rechtsextremen Minister nicht weiter ihr Unwesen treiben,

Das hat der Außenminister gestern abgelehnt!

Zurufder Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

und möglichst Schritte gehen, die einen Frieden ermöglichen.

Solche mahnenden Stimmen „Übertreibt es nicht!“ gab es – ich erinnere mich daran – auch gegenüber der Hisbollah im Libanon. Heute erleben wir: Durch das militärische Ausschalten der Hisbollah mit den Pagern am Anfang, mit einem Krieg gegen die militärischen Stellungen, atmen plötzlich zwei Länder auf. Das eine Land ist Syrien; ich war ja mit der früheren Bundesaußenministerin dort. Die tun im Moment alles, dass die Hisbollah verschwindet, dass der Iran zurückgedrängt wird, und die alte Rebellenregierung denkt plötzlich über Beziehungen zu Israel nach und den Beitritt zu den Abraham Accords. Syrien!

Im Libanon gibt es jetzt einen neuen Ministerpräsidenten. Die Hisbollah ist geschwächt, aber nicht, weil es eine Revolution von innen gab, sondern weil Israel die militärische Führung der vom Iran finanzierten Hisbollah ausgeschaltet hat. Und auch der Libanon hat jetzt eine Perspektive.

Und diese Perspektive wünsche ich mir hier. Ich wünsche, dass die Hamas militärisch ausgeschaltet wird, dass sie die Geiseln freigibt und dass sie gleichzeitig ihre Waffen niederlegt. Und wenn das erreicht ist,

…, dann sind alle tot!

besteht eine Perspektive, mithilfe gemäßigter arabischer Regierungen den Wiederaufbau im Gazastreifen zu beginnen. Das beginnt aber nicht damit, dass wir uns täglich ausschließlich an Israel wenden und nicht die Hamas, die die eigentlichen Verantwortlichen sind, auch in unserer Argumentation nach vorne stellen.

– Über Gaza reden wir. In Gaza sitzen sie.

Zurufder Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Liebe Lamya Kaddor, wir hatten die Situation doch schon mal vor 20 Jahren: Israel Rückzug, Siedlungen geräumt, Tote umgebettet in Friedhöfe in Israel. Wenige Wochen später hat die Hamas die Macht übernommen. Diese dschihadistische Gruppe, die staatliche Funktionen hat,

Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

muss komplett zerschlagen werden, damit die Menschen in Gaza aufatmen können, damit auch die Palästinenser von dem Terror der Hamas befreit werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Ein sauberer Bruch in der Koalition!

Für die AfD-Fraktion hat das Wort der Abgeordnete Markus Frohnmaier.

Beifallbei der AfD
Porträt von Markus Frohnmaier
Foto: Jana Schneider
16 Vermerkeca. 840 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich hoffe, dass wir in der deutschen Außenpolitik bald mal wieder an den Punkt kommen, wo wir demokratisch gewählte Regierungen im Ausland, Herr Laschet, nicht pauschal als Rechtsextremisten verunglimpfen. Ich finde, das ist etwas, was im Bereich der Außenpolitik überhaupt nicht stattfinden sollte.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Jürgen Coße [SPD]

Der Krieg im Gazastreifen ist ein menschliches und politisches Drama: für die Geiseln – darunter auch deutsche Staatsbürger –, für ihre Familien, für die palästinensische Zivilbevölkerung, für die Stabilität des gesamten Nahen Ostens und nicht zuletzt auch für unsere eigene Sicherheit. Wie schon beim Ukrainekrieg gilt auch hier: Wer humanitäres Leid beklagt, darf die Vorgeschichte nicht ignorieren. Es war die islamistische Terrororganisation Hamas, die am 7. Oktober 2023 einen barbarischen Massenmord an der israelischen Zivilbevölkerung beging, eine Orgie aus Mord, Verstümmelungen, Vergewaltigungen und Entführungen. Und diese Gräueltaten verurteilen wir als AfD in aller Entschiedenheit. Die Geiseln müssen sofort freigelassen und die Hamas entwaffnet werden.

Beifallbei der AfD

Was wir auch verurteilen, ist das eklatante Versagen der jetzigen und der vorherigen Bundesregierung.

Zurufdes Abg. Jürgen Coße [SPD]

Wo waren Sie, meine Damen und Herren Minister, als die Leiche des ermordeten deutschen Babys der Familie Bibas übergeben wurde? Zwei Kinder und ihre Mutter, drei deutsche Staatsbürger, wurden verschleppt, gequält und ermordet. Was haben Sie getan, um den Hinterbliebenen zu helfen? Was haben Sie unternommen, um die deutschen Geiseln aus den Händen der Hamas zu befreien? Wo bleibt Ihr moralischer Zeigefinger, als vergewaltigte Frauen unter dem Jubel einer Menge durch die Straßen Gazas geschleift wurden?

Zurufvon der Linken

Israel hat wie jeder souveräne Staat ein Recht auf Selbstverteidigung. Doch natürlich gilt auch in diesem Krieg das ius in bello, das humanitäre Völkerrecht. Dieses verbietet es, bei Angriffen auf militärische Ziele der Zivilbevölkerung exzessive Verluste zuzufügen. Die AfD mahnt daher auch die israelische Seite zur Wahrung der Verhältnismäßigkeit. Israel steht in der Verantwortung, humanitäre Korridore zuzulassen und eine Versorgung der nicht an Kampfhandlungen beteiligten Zivilbevölkerung zu gestatten – etwas, das wir von der Hamas nicht erwarten können. Die Hamas missbraucht Zivilisten systematisch als menschliche Schutzschilde. Sie baut Tunnel unter Krankenhäuser, schießt Raketen aus Schulen und lagert Waffen in UN-Gebäuden. In Gaza herrscht keine klassische militärische Front, sondern ein asymmetrischer Krieg, in dem sich Terroristen bewusst hinter der eigenen Zivilbevölkerung verschanzen.

Und schlimm ist, dass dieser Konflikt über Jahre hinweg mit deutschem Steuergeld befeuert wurde:

Beifallbei der AfD

Dafür haben Sie keine Belege!

Zahlungen – das sagen wir an die Regierung in aller Deutlichkeit – an die UNRWA, die Schulbücher mit antisemitischem Hass druckt

Keine Belege!

und deren Mitarbeiter teils in den 7. Oktober aktiv verstrickt waren, Fördergelder für NGOs mit Verbindungen zu terroristischen Gruppen,

Keine Belege!

darunter auch die antisemitische BDS-Bewegung.

– Ich höre hier „peinlich“. Ihre Partei gehört zu den Hauptfinanziers dieser Bewegung.

Zeigen Sie nicht mit dem Finger auf mich! Sie müssen mich nicht beleidigen!

Sie haben sich da mitschuldig gemacht. Sie sollten sich schämen, diese Grünen da.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dies ist keine verantwortungsvolle Politik, das ist Terrorfinanzierung mithilfe deutscher Steuergelder. Das haben die Grünen gemacht, Herr Lucks, und daran werden wir bei jeder Gelegenheit erinnern.

Beifallbei der AfD
Widerspruchdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Darum fordern wir einen sofortigen Stopp aller Zahlungen an palästinensische Terror-NGOs und Behörden. Humanitäre Hilfe für die Unschuldigen muss es geben, aber unter der Ägide neutraler internationaler Institutionen und nicht der Hamas- und grünennahen UNRWA.

„Grünennahe UNRWA“? Was sind denn das für Wortkreationen?

Zudem braucht es eine gründliche Kontrolle, damit die Hilfe bei den Unschuldigen ankommt und nicht bei den Terroristen.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Abschluss das wichtigste deutsche Interesse in diesem Konflikt hervorheben. Ich möchte es in aller Deutlichkeit sagen: Es darf keine Umsiedlung von Palästinensern nach Deutschland geben.

Diese Gefahr besteht. Wir erleben derzeit, wie Friedrich Merz und seine CDU 2 500 Afghanen nach Deutschland einfliegen will.

Das ist eine Mischung aus Islamismus und Rechtsextremismus, Herr Frohnmaier!

Das müssen wir bei Gaza unter allen Umständen verhindern. Deshalb sind auch die arabischen Staaten in der Region gefragt, die sich im Hinblick auf die Palästinenser zwar verbal mit Solidaritätsadressen überschlagen, –

Kommen Sie bitte zum Ende Ihrer Rede.

– aber sich selber nicht um die Palästinenser kümmern.

Meine Damen und Herren, die Geiseln müssen befreit werden. Umsiedlungen sind unter jeden Umständen zu vermeiden.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion hat nun die Abgeordnete Rasha Nasr das Wort.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Rasha Nasr
Foto: Photothek Media Lab
6 Vermerkeca. 588 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werter Herr Gesandter! Ich muss zuerst zu meinem Vorredner sprechen. Denn dass Ihr größtes Problem die Angst vor einer Umsiedlung von Palästinensern nach Deutschland ist, zeigt, dass es Ihnen nicht darum geht, Frieden in diesen Konflikt zu bringen,

Wir sehen einfach, was Sie tun!

Wir kennen Sie!

sondern dass es Ihnen nur darum geht, Ihren ideologischen Müll hier von sich zu geben; und das ist schäbig.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie der Abg. Catarina dos Santos-Wintz [CDU/CSU]

Der 7. Oktober 2023 war ein Tag des Terrors. Die brutalen Angriffe der Hamas auf israelisches Gebiet, die gezielte Ermordung von Zivilistinnen und Zivilisten, das Verschleppen von Geiseln, darunter Kinder, Frauen, Alte, haben uns alle erschüttert. Dieses Massaker war ein schweres Verbrechen, und es ist aufs Schärfste zu verurteilen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Israel hat natürlich das Recht, seine Bevölkerung zu schützen, so wie jedes andere Land auch. Doch dieses Recht kennt Grenzen. Und genau hier beginnt unsere Verantwortung als Parlamentarierinnen und Parlamentarier, als Demokratinnen und Demokraten, als Menschen.

Was wir seither im Gazastreifen erleben, sprengt das Maß des Hinnehmbaren. Die militärische Antwort der israelischen Regierung hat eine menschengemachte humanitäre Katastrophe ausgelöst: Zehntausende Tote, der Großteil von ihnen Zivilistinnen und Zivilisten, darunter Tausende Kinder. Ganze Städte, ja nahezu die gesamte zivile Infrastruktur wurden dem Erdboden gleichgemacht. Hilfslieferungen werden behindert, Hunger wird zur Waffe.

Jetzt steht der Vorwurf im Raum, dass dabei gegen das Völkerrecht verstoßen wird, klar benannt von UN-Organisationen, Menschenrechtsgruppen und zuletzt auch vom Internationalen Gerichtshof. Wir dürfen und wir können diesen Verdacht nicht ignorieren – nicht als Demokratinnen und Demokraten und schon gar nicht als Mitglieder eines Parlaments, das sich den Prinzipien der Menschenwürde, des Friedens und des Rechts verpflichtet fühlt.

Ich bin in Deutschland geboren, aber meine Wurzeln liegen in Syrien, einem Land, das durch Krieg, Blockade und internationale Gleichgültigkeit fast zerrissen wurde. Vielleicht ist es genau deshalb für mich so unerträglich, zu sehen, wie in Gaza Kinder verdursten, während die Welt darum ringt, klare Worte zu finden.

Unsere historische Verantwortung gegenüber dem Staat Israel ist unantastbar. Sie darf aber nicht zur moralischen Erpressbarkeit führen. Israel ist ein demokratischer Staat, ein enger Partner, ein befreundetes Land. Und gerade unter Freunden muss es möglich sein, ehrlich zu sein.

Wir als SPD-Bundestagsfraktion stehen für eine Politik der Menschlichkeit, für eine Außenpolitik, die auf internationales Recht und Dialog setzt. Genau deshalb fordern wir eine sofortige und dauerhafte Waffenruhe, den ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe, die sofortige Freilassung aller Geiseln, die konsequente Aufklärung aller mutmaßlichen Völkerrechtsverbrechen, und wir fordern, dass langfristig an der Realisierung der Zweistaatenlösung gearbeitet wird – für einen dauerhaften, stabilen und nachhaltigen Frieden. Solidarität darf nie selektiv sein. Wir stehen an der Seite der Opfer – in Israel und in Gaza. Denn das Leben eines palästinensischen Kindes ist nicht weniger wert als das eines israelischen.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Lassen Sie uns also gemeinsam für eine Welt eintreten, in der das Recht nicht dem Stärkeren, sondern der Gerechtigkeit gehört.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun der Abgeordnete Boris Mijatović das Wort.

Porträt von Boris Mijatović
Foto: Boris Mijatović/ Rafael Michel
8 Vermerkeca. 865 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Gesandter Arafeh! Die Bilder aus Nahost haben sich tief in unser Gedächtnis eingebrannt: das brutale Massaker vom 7. Oktober und die Bilder in Gaza der letzten 20 Monate. Die Geiseln müssen aus den Händen der Hamas freikommen, die Waffen müssen schweigen. Nur so können die Menschen in Gaza vernünftig versorgt werden. Dieser Wunsch eint uns alle hier im Bundestag, in Europa und in vielen anderen Ländern auf der Welt.

Doch die Lage in Nahost verbleibt in der Eskalation. Vor wenigen Tagen wurden 27 Menschen auf dem Weg zu einer Verteilstation für Lebensmittel erschossen. Der Nothilfekoordinator der UN, Tom Fletcher, bringt es auf den Punkt – ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis, Frau Präsidentin –: Die Welt sieht Tag für Tag dabei zu, wie Palästinenser getötet werden, während sie einfach nur versuchen, zu essen.

Meine Damen und Herren, ich fasse mal zusammen, was hier eigentlich von allen Fraktionen genannt wurde: Das ist nicht nur eine Katastrophe, das Blockieren von humanitärer Hilfe ist eine fundamentale Verletzung des humanitären Völkerrechts.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Die vollständige Abriegelung von Gaza durch die israelische Regierung dauerte ab 2. März über zehn Wochen – über zehn Wochen, in denen keinerlei humanitäre Güter zur Zivilbevölkerung gelangten, keine Lebensmittel, keine medizinischen Güter und vieles mehr. Erst am 19. Mai, auf massiven internationalen Druck, wurde ein Zugang wieder geöffnet – für eine Handvoll Lkws. Meine Damen und Herren, es ist offensichtlich, dass das nicht reicht. Ich appelliere an dieser Stelle an die Regierung in Israel, die humanitäre Hilfe, die vor den Toren des Übergangs Kerem Schalom bereitsteht, freizugeben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Glauben Sie mir bitte, dass es mich persönlich schmerzt, das zu sagen, aber: Wer humanitäre Hilfe in dieser Weise blockiert, bricht mit Grundsätzen, die wir vereinbart haben. Diese Grundsätze sind wichtig; die müssen wir verteidigen.

Die Bundesregierung muss sich mit den internationalen Partnern noch stärker dafür einsetzen, dass die Hilfslieferungen durch bewährte Akteure verteilt werden. Diese stehen bereit, und wir müssen uns dafür starkmachen, dass das passiert.

Denn was wir in Gaza erleben, wirkt weit über die Region hinaus. Das System der humanitären Hilfe steht massiv unter Druck; die Vereinten Nationen stehen massiv unter Druck. UNRWA ist immer noch eine Organisation der Vereinten Nationen, meine Damen und Herren. Ihr Mandat wird alle drei Jahre in New York beschlossen. Wenn man sie nicht mehr haben will, dann muss man sich dort dafür starkmachen und nicht in Nahost.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Nahezu alles, was wir zum Völkerrecht und zur internationalen Ordnung vereinbart haben, wird aktuell infrage gestellt und massiv angegriffen. Deswegen ist es so gefährlich, dass versucht wird, diese etablierten Strukturen durch Parallelsysteme zu ersetzen.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: die Gaza Humanitarian Foundation. Meine Damen und Herren, es ist in der Szene der humanitären Hilfsorganisationen bzw. der internationalen Organisationen die einhellige Meinung, dass diese Organisation nicht unabhängig ist, dass sie unter militärischer Kontrolle arbeitet. Statt 400 Verteilzentren hat sie gerade mal 4 aufgemacht. Und es wurde gerade schon davon geredet, dass diese gestern geschlossen waren, weil sie renoviert werden mussten. Ganz ehrlich, so arbeitet man bei den Vereinten Nationen nicht. Ich fände es besser, wenn humanitäre Hilfe weiterhin durch die Vereinten Nationen geleistet wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Denn am Ende untergräbt das auch das Vertrauen der Menschen vor Ort. Die humanitäre Hilfe ist in vielen Bereichen dieser Welt der einzige Hoffnungsschimmer, den es noch gibt.

Ich gebe Ihnen noch ein Beispiel für den Angriff auf das Völkerrecht und die internationale Ordnung. Gestern Nacht ist im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution zu Gaza mit 14:1 abgelehnt worden. Die Vetomacht USA hat dagegen gestimmt. Die Äußerungen der US-Botschafterin sind bezeichnend. Meine Damen und Herren, ich zitiere wieder mit Erlaubnis der Präsidentin.

Zurufvon der SPD: Ich glaube, das brauchen wir nicht mehr zu sagen!

– Das brauchen wir nicht mehr, aber ich mache es trotzdem; es ist einfach freundlich.

Zurufvon der CDU/CSU: Das stimmt!

Die UN ist ein System, das sich überlebt hat: Meine Damen und Herren, diese Auffassung der Vereinten Nationen aus dem Munde einer US-Botschafterin, die das System der Vereinten Nationen infrage stellt, ist brandgefährlich. Ich appelliere an sie, sich daran zu erinnern, dass wir uns hier für Menschen starkmachen, die ihr Leben riskieren. Wir reden über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von UN-Organisationen, die in Gaza gestorben sind. Wir reden über 1 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des medizinischen Personals, die dort gestorben sind.

Meine Damen und Herren, die Welt guckt auf uns. Deswegen: Stehen wir zusammen! Ich appelliere an die Bundesregierung, sich nicht nur für die Menschen in Gaza einzusetzen, sondern für das internationale Recht, und dazu gehört eben auch das humanitäre Völkerrecht.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Für die Fraktion Die Linke hat nun der Abgeordnete Dr. Gregor Gysi das Wort.

Beifallbei der Linken
Porträt von Gregor Gysi
Foto: Deutscher Bundestag/ Inga Haar
12 Vermerkeca. 801 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Herr Botschafter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am 29. November 1947 beschloss die UNO nach den Verbrechen der Hitlerdiktatur gerade an Jüdinnen und Juden die Gründung von zwei Staaten im Nahen Osten – Israel und Palästina. Inzwischen ist Israel ein international anerkannter souveräner Staat. Wir alle müssen uns für ein sicheres Israel einsetzen. Antisemitismus muss in jeder Form bekämpft werden.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Ermordung von 1 200 Zivilistinnen und Zivilisten in Israel und die Verschleppung Hunderter Geiseln durch die Hamas am 7. Oktober 2023 waren der Ausgangspunkt für die Zuspitzung des Nahostkonflikts. Noch immer befinden sich Dutzende Geiseln in der Hand der Hamas. Niemand weiß, ob sie noch am Leben sind. Die Geiselnahme ist ein Verbrechen und muss unverzüglich beendet werden.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der genannte UNO-Beschluss sieht auch den Staat Palästina vor. Dieser Teil des Beschlusses blieb bis heute uneingelöst. Nur wenn es endlich eine Aussicht auf einen souveränen unabhängigen Staat Palästina gäbe, wäre man in der Lage, Terrororganisationen wie die Hamas, die Hisbollah und die Huthi zu überwinden.

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Genau dies ist eben auch die Voraussetzung für ein sicheres Israel.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Die gegenwärtige Regierung in Israel und die gegenwärtige Mehrheit in der Knesset haben einen solchen Weg für die Palästinenserinnen und Palästinenser ausgeschlossen

Die wollen es selber nicht!

und verstoßen damit gegen den UNO-Beschluss, dem Israel seine Existenz verdankt. Wenn man die Palästinenserinnen und Palästinenser vertreibt und ihnen kein Territorium zubilligt, können sie natürlich auch keinen Staat schaffen. Dies ist ebenso völkerrechtswidrig wie die Siedlungsgebiete und das Handeln der militanten Siedler im Westjordanland.

Im Gazastreifen, aus dem der Hamasterror gegen Israel organisiert und umgesetzt wurde, hat Israel das Recht auf Selbstverteidigung deshalb verloren, weil auf allen Ebenen ein Krieg geführt wird, der die Hamas dadurch vernichten will, dass sämtliche Lebensgrundlagen der gesamten Bevölkerung zerstört werden. Genau das ist zu verurteilen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Der Kampf gegen die Hamas rechtfertigt keinen Kampf gegen die Zivilbevölkerung mit Zehntausenden Toten und Verletzten. Die Zerstörung von Kranken- und Wohnhäusern, die Blockade von dringend notwendigen Hilfslieferungen sind indiskutabel. Aber wenn man diese Maßnahmen scharf kritisiert, darf man nicht sagen, dass Israel das betreibe, sondern die rechtsgerichtete Regierung unter Netanjahu.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dieser Regierung muss man sagen, dass man Kriegsverbrechen nicht durch andere Kriegsverbrechen vergelten darf. Kein palästinensisches Kind ist verantwortlich für die Verbrechen der Hamas. Nichts rechtfertigt seine Tötung.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nichts rechtfertigt, dass ein Kind hungern muss. Es gibt immer mehr Menschen, die in dem Handeln der israelischen Armee genozidale Züge erkennen. Die Bundesregierung muss über Diplomatie, aber auch öffentlich vorgehen. Sie schätzt den Internationalen Strafgerichtshof, der gegen viele Personen von der Hamas, aber auch der israelischen Regierung und auch gegen Netanjahu Haftbefehle erlassen hat. Das ist zu respektieren. Was überhaupt nicht geht, ist, einerseits bei einigen für die Durchsetzung zu sein und sie bei anderen zu ignorieren.

Palästinenserinnen und Palästinenser demonstrieren inzwischen mutig gegen die Hamas. Israelis demonstrieren gegen die Politik von Netanjahu. Das macht Hoffnung.

Beifallbei der Linken

Weil wir aufgrund unserer Geschichte auch den Palästinenserinnen und Palästinensern gegenüber in einer besonderen Verantwortung stehen, müssen wir alles tun, diesen Krieg zu beenden. Das schließt zwingend ein, die Lieferung von Waffen nach Israel sofort zu stoppen. Deutschland muss – so wie 147 andere Staaten – Palästina endlich anerkennen, um international dem Ringen um eine Zweistaatenlösung einen Schub zu geben.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Gerade wenn man sich wegen der jahrtausendealten Unterdrückung der Jüdinnen und Juden für ein sicheres Israel einsetzt, muss man sich ebenso für ein sicheres Palästina einsetzen, und zwar einerseits für die Menschen in Palästina und andererseits für die Menschen in Israel, weil Letztere kein sicheres Land bekommen, wenn es keine Zukunft für Palästina gibt.

In Anbetracht unserer historischen Verantwortung könnten wir den Raum für eine Staatenkonferenz unter UN-Führung bieten, die sich mit der Umsetzung des UNO-Beschlusses von 1947 und dem zügigen Wiederaufbau des Gazastreifens befasst.

Wir müssen endlich eine Welt erleben, in der Palästinenserinnen und Palästinenser, Jüdinnen und Juden und alle anderen Menschen gleichberechtigt und sicher auch zusammen leben können und begriffen wird, dass man selbst nicht in Sicherheit leben kann, wenn man anderen keine gewährt.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für die CDU/CSU-Fraktion erteile ich nun das Wort Norbert Maria Altenkamp.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Norbert Maria Altenkamp
Foto: Norbert Altenkamp/ Klaas Fahr
7 Vermerkeca. 731 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Die Bilder und Nachrichten, die uns täglich aus Gaza erreichen, zeigen uns eine katastrophale humanitäre Situation. In Gaza fehlt es an allem – an Nahrung, an Wasser, an Gesundheitsversorgung, an Notunterkünften.

Die Komplexität der Situation ist immens. Genau diese haben wir vor Augen. Ziel der Terrororganisation Hamas ist die Vernichtung Israels. Die eigenen Landsleute sind ihr dabei gleichgültig. Sie benutzt ihr Elend als Waffe, seit sie an der Macht ist und seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 an Jüdinnen und Juden in einem nochmals perfideren Ausmaß.

Immer noch sind Geiseln – seit nunmehr über 600 Tagen – in den Fängen der Terroristen, ihr tägliches Leid ist unermesslich – auch für ihre Familien und ihre Liebsten. Nicht einmal die Toten unter ihnen werden freigegeben. Ein realer Albtraum, der nicht endet. Die Geiseln müssen sofort freigelassen werden. Nur dann ist es möglich, eine Waffenruhe zu bekommen und umfassende humanitäre Hilfe zu leisten.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Die Sicherheit Israels ist und bleibt Teil deutscher Staatsräson. Humanitäre Hilfe in Gaza zu leisten, hat genau deshalb oberste Priorität und ist auch im Interesse Israels. Die humanitäre Hilfe ist zwar grundsätzlich seit dem 19. Mai wieder möglich, doch sie muss dringend erhöht werden. Es geht nicht mehr darum, eine drohende Hungersnot abzuwenden, sondern eine akute Hungersnot zu bekämpfen. Wie immer sind die betroffen, die besonders verletzlich sind: Kleinstkinder, werdende und stillende Mütter, Alte und Kranke.

Die Gaza Humanitarian Foundation, eine private Hilfsorganisation, die am 29. Mai ihre Arbeit aufgenommen hat, unterhält nur vier Verteilzentren im Süden Gazas und soll 7 000 Menschen pro Tag pro Verteilzentrum versorgen. Das ist völlig unzureichend.

Beifallder Abg. Siemtje Möller [SPD]

Zum Vergleich: Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat in Spitzenzeiten 600 Ausgabestellen betrieben.

Wenn man schon meint, dass man die Versorgung ohne die UN-Organisationen stemmen kann, dann muss man es auch können und diese nicht schon nach fünf Tagen wegen Reparaturarbeiten wieder schließen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Weil die Menschen hungern, ist der Ansturm riesig, und die Sicherheit und Ordnung kann auch aufgrund der Verzweiflung der Menschen bislang nicht hergestellt werden. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sind am Dienstag 27 Menschen nahe einem GHF-Verteilzentrum getötet worden, 150 wurden verletzt.

Die Hamas hat gleichzeitig zum Boykott dieses Verteilsystems aufgerufen. Die Menschen haben aber Hunger und können schon von daher einem solch absurden Aufruf nicht Folge leisten.

Wenn wir an Israel appellieren, humanitäre Hilfe in Gaza in ausreichendem Maße zu ermöglichen und einen sicheren Zugang für humanitäre Helfer zu gewähren, dann tun wir dies aus der Überzeugung, dass dies im fundamentalen Eigeninteresse Israels ist. Die Situation, wie sie sich jetzt darstellt, lässt befürchten, dass sie der Sicherheit Israels dauerhaft nicht zuträglich ist. Ein Ende des Hungers wird wieder für mehr Sicherheit und Stabilität sorgen.

Nach Angaben des WFP stehen sofort ausreichend Nahrungsmittel bereit. Deutschland zählt zu den größten humanitären Gebern in Gaza und leistet damit substanzielle Hilfe. Aber diese Hilfe muss auch angenommen und für alle zugänglich gemacht werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Israel hat eine völkerrechtliche Verpflichtung, die Menschen mit ausreichend Nahrung nach humanitären Prinzipien zu versorgen. Das bedeutet auch, dass die Hilfe zu den Menschen kommen muss, nicht die Menschen zu der Hilfe. Es kann nicht sein, dass bereits ausgehungerte, geschwächte Menschen, insbesondere Senioren, Frauen und Kinder, erst einmal weite Strecken zu und von den Ausgabestellen zurück bewältigen müssen. Genau jene vulnerablen Gruppen also, die die Hilfe am dringendsten benötigen, werden sonst vom Zugang zu den Nahrungsmitteln ausgeschlossen. Absolute Priorität für alle Beteiligten muss deshalb jetzt sein, die Menschen im Gazastreifen mit ausreichend Nahrung zu versorgen – unbürokratisch und unvoreingenommen, jetzt und sofort.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Und dabei darf es im Augenblick auch überhaupt keine Rolle spielen, wer Hilfe leistet.

Ausdrücklich will ich Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesaußenminister Dr. Johann Wadephul danken, dass sie alle Möglichkeiten nutzen, um mit der israelischen Regierung zu sprechen, und unsere Erwartung, humanitäre Hilfe im benötigten Maße leisten zu können, adressieren.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir wissen, dass Israel die Apelle eines Freundes hört.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Gute Rede!

Für die AfD-Fraktion darf ich aufrufen Herrn Jan Wenzel Schmidt.

Beifallbei der AfD
Porträt von Jan Wenzel Schmidt
Foto: Jan Wenzel Schmidt
16 Vermerkeca. 765 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Bilder aus Gaza erschüttern: zerstörte Häuser, hungernde Kinder, verzweifelte Mütter. Eine humanitäre Katastrophe? Ja, das ist es. Aber wissen Sie auch, wer sie zu verantworten hat? Es war nicht Israel, es war die Hamas. Diese Terrororganisation hat am 7. Oktober 2023 ein Massaker verübt, das an Barbarei kaum zu überbieten ist: Hunderte Zivilisten abgeschlachtet, Frauen verschleppt, Kinder entführt. Und jetzt versteckt sie sich feige hinter denselben Zivilisten, die sie angeblich vertritt, benutzt sie als menschliche Schutzschilde. Wenn das kein Zynismus ist, was dann?

Beifallbei der AfD

Zynismus ist, dass Sie hier reden!

Israel hat – und das erkennen wir als AfD ausdrücklich an – das Recht, sich zu verteidigen. Wer einem Land das Existenzrecht abspricht, Raketen auf Städte feuert und seine Bürger abschlachtet, der bekommt keine Diplomatie, der bekommt Gegenwehr. Aber wir sagen ebenso klar: Diese Gegenwehr muss verhältnismäßig bleiben. Die Menschenrechte, sie enden nicht an der Grenze von Gaza.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Gerade Israel als Demokratie, die sich selbst moralisch von autoritären Regimen unterscheidet, hat die Pflicht, bei militärischem Vorgehen den Schutz der Zivilbevölkerung zu garantieren, auch in Gaza. Wer zu Recht für sich in Anspruch nimmt, auf Werte zu bauen, darf sich diesen Werten nicht entziehen, wenn sie unbequem werden. Und es kann nicht im deutschen Interesse sein, dass die palästinensische Bevölkerung kollektiv bestraft wird. Nicht jeder ist ein Terrorist. Auch dort gibt es Mütter, Kinder, Familien, und viele von ihnen haben Verwandte, ja, auch hier in Deutschland.

Da frage ich: Was tut eigentlich unsere Bundesregierung? Sie hält Sonntagsreden über Frieden, schickt dann aber Millionen nach Gaza – direkt oder über den Umweg von vermeintlichen Hilfsorganisationen. Und jetzt raten Sie mal, wer sich über dieses Geld freut? Die Hamas, weil man dort Schulen nicht mit Tafeln ausstattet, sondern mit Sprengstoffgürteln, weil in Lehrbüchern kein Mathe steht, sondern Hass auf Juden,

Zurufdes Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]

und das, meine Damen und Herren, finanziert mit deutschem Steuergeld.

Beifallbei der AfD

Das ist ein Skandal!

Zurufder Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und das haben nicht nur SPD und Grüne zu verantworten, sondern auch die CDU-geführten Regierungen der letzten Jahrzehnte.

Die Wahrheit ist: Deutschland hat mit dieser Politik indirekt Terror gefördert.

Zurufdes Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]

Statt die Hamas zu isolieren, hat man sie hoffähig gemacht, und währenddessen importieren wir den Konflikt auch noch nach Deutschland:

Zurufvon der Linken

antisemitische Parolen auf unseren Straßen, Hamaspropaganda auf unseren Schulhöfen, linke Professoren, die Israel zum alleinigen Aggressor erklären, und Islamisten, die „Tod den Juden“ brüllen und trotzdem weiter Sozialhilfe kassieren.

Beifallbei der AfD

Eure Wähler!

Was wir brauchen, ist Klartext.

Erstens: keinen Cent mehr an umstrittene Hilfsorganisationen, solange dort Hamassympathisanten arbeiten.

Zweitens: sofortiges Verbot aller Hamas-nahen Vereine und Moscheen in Deutschland.

Zurufvon der Linken: Besteht doch schon!

Drittens: Abschiebung von Hasspredigern, Terrorhelfern und antisemitischen Gewalttätern, auch dann, wenn es ein paar Leute in Berlin-Kreuzberg traurig macht.

Beifallbei der AfD

Und viertens eine Israelpolitik, die nicht aus schlechtem Gewissen, sondern aus strategischer Vernunft handelt; das heißt: Unterstützung ja, aber nicht bedingungslos. Wer Waffen liefert, darf auch erwarten, dass diese nicht gegen unschuldige Zivilisten eingesetzt werden. Insbesondere ein demokratischer Staat muss sich daran messen lassen; denn eine vernünftige Beziehung zu allen Völkern im Nahen Osten ist deutsches Interesse. Es kann nicht im Interesse sein, sich hier vollumfänglich auf eine Seite zu schlagen. Es ist auch im deutschen Interesse, dabei zu helfen, Kriege in aller Welt, soweit es möglich ist, diplomatisch zu beenden. Unsere Solidarität endet nicht da, wo sich der Westen verteidigt.

Zum Schluss für die deutschen Bürger, die sich fragen: Was hat das mit uns zu tun?

Zurufvon der Linken

Sehr viel, denn wir zahlen die Rechnungen. Die Bundesregierung importiert die Konflikte nach Deutschland.

Zurufdes Abg. Luigi Pantisano [Die Linke]

Sie gefährden unsere innere Sicherheit, und die Bürger bekommen als Dank Antisemitismus, Messerattacken und einen Staat, der dabei zusieht.

Zurufvon der SPD: Sie sind wirklich das Letzte!
Zurufevom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der Linken

Wer seine eigene Bevölkerung schützen will, darf sich nicht länger zum Erfüllungsgehilfen fremder Interessen machen. Es wird Zeit für eine alternative Außenpolitik,

Zurufeder Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD] und Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

die sich in erster Linie für die Interessen der Deutschen einsetzt.

Beifallbei der AfD

Ich darf zum Schluss in dieser Runde für die CDU/CSU-Fraktion Herrn Tobias Winkler das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Tobias Winkler
Foto: Klaus Gruber / www.dolphinphotography.de/Klaus Gruber
12 Vermerkeca. 759 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Der 7. Oktober 2023 wird der westlichen Welt in schrecklicher Erinnerung bleiben: der größte Massenmord an Juden seit dem Holocaust, verübt durch die Hamas: die Hamas, die viele Jahre lang Hilfsgüter abgezweigt hat, die UN-Hilfsorganisation UNRWA unterwandert, mit Milliardenaufwand Terrorstrukturen aufgebaut und Waffen finanziert hat, um die israelischen Bürger in Angst zu versetzen; die Hamas, die in einer lange vorbereiteten, gezielten Aktion am 7. Oktober 1 143 Menschen, darunter viele Frauen, Mädchen und Kinder, erschoss, verbrannte, bestialisch ermordete, schändete und anschließend triumphierend durch die Straßen zog, die wahllos 251 Menschen in ihre Gewalt brachte, misshandelte, verhöhnte und teils zu Tode quälte. Bis heute, seit 608 Tagen, sind 56 Geiseln nicht zurückgekehrt. Die Mehrzahl ist längst tot. Doch selbst die Leichen werden nicht ohne Gegenleistung herausgegeben. Eine Täter-Opfer-Umkehr dürfen wir nicht zulassen.

Beifallbei der CDU/CSU

Diese Hamas hat es als Einzige in der Hand, diesen Krieg morgen zu beenden. Die Freilassung der Geiseln und das Niederlegen der Waffen könnte zu einem schnellen Ende des Leids der Zivilbevölkerung führen, der Zivilbevölkerung in Gaza, die seit vielen Jahren um ihre Freiheit betrogen wird, die um ihren Wohlstand betrogen wird, die mit ständiger Hasspropaganda aufgehetzt wird, um dann im Ernstfall als menschliche Schutzschilde missbraucht zu werden.

Ja, die humanitäre Lage in Gaza ist katastrophal, nicht erst jetzt, sondern seit vielen Jahren. Die Lage hat sich noch einmal verschlimmert, seitdem die israelische Armee verzweifelt versucht, die Geiseln zu befreien. Jeder, der ein Herz hat, sieht das. Es ist auch unsere Aufgabe, zu helfen, nicht nur in Appellen, sondern auch in Taten.

Israel ja, aber nicht der Regierung!

Frau Schwerdtner, Sie werfen dem Außenminister selektive Humanität vor.

Aber ich frage Sie: Wieso endet Ihre Empathie eigentlich bei den Palästinensern? Was ist mit den Geiseln und ihren Angehörigen? Was ist mit den israelischen Familien, deren Angehörige verletzt oder ermordet wurden?

Zurufvon der Linken

Warum empfinden so viele keine Empathie für die jungen Soldatinnen und Soldaten der IDF,

Zurufvon der Linken: Zuhören!
Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

die in einen Häuserkampf gezwungen werden und beim Versuch, ihre Landsleute zu befreien, ihr Leben riskieren,

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

die oft nicht unterscheiden können, ob sie einem Zivilisten oder einem Terroristen gegenüberstehen? Juden, Israelis, Palästinenser – sie alle sind Opfer der Hamas, sie alle sind Opfer des islamistischen Terrors, sie alle haben unsere Unterstützung und unsere Solidarität verdient.

Beifallbei der CDU/CSU

Doch was haben wir überhaupt für ein Bild von der Lage im Gazastreifen? Unser Bild ist stark geprägt von Propaganda und Desinformation.

Zurufvon der Linken

Neben dem Krieg auf dem Boden findet auch ein Krieg in den Köpfen statt. Und während Israel den Krieg auf dem Boden dominiert, hat es den Krieg in den Köpfen vermutlich längst verloren. Dieser Krieg tobt weltweit: in den Medien, im Netz, aber auch direkt vor unseren Augen.

Zurufvon der Linken: Das ist Genozid!

Wir erleben Solidaritätsaktionen auf den Straßen, bei Kulturveranstaltungen oder in Universitäten, und zwar, wie Sie es auch noch einmal dargelegt haben, Solidarität nicht mit den zivilen Opfern, sondern Solidarität mit den Tätern. Wir werden Zeugen von öffentlichen Aufrufen zur Vernichtung Israels, von Angriffen auf jüdische Einrichtungen, Herabwürdigungen, Bedrohungen oder wie vor drei Wochen von einem Attentat auf zwei Mitarbeiter der israelischen Botschaft in Washington. Der Krieg in den Köpfen richtet sich nicht gegen die israelische Regierung oder gegen das Militär. Der Krieg in den Köpfen richtet sich gegen Jüdinnen und Juden.

Zurufvon der Linken

„Nie wieder!“ heißt besonders für uns Deutsche, dass wir es nicht zulassen dürfen, dass Jüdinnen und Juden wieder verfolgt werden, dass ihre Existenz bedroht wird, dass ihr Staat ausgelöscht werden soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete 2008 in ihrer Rede vor der Knesset Deutschlands Verantwortung für die Sicherheit Israels als Teil der Staatsräson unseres Landes.

Zurufdes Abg. Max Lucks [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie fügte damals mahnend hinzu, dass „das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben“ dürfen.

Israel verteidigt sich jeden Tag gegen Angriffe der Hisbollah in Syrien und im Libanon, der Huthis im Jemen, gegen Raketen aus dem Iran und gegen den Terror der Hamas. Die Stunde der Bewährung ist längst zu einer Daueraufgabe geworden. Wir dürfen keinen Zweifel daran lassen, dass wir diese Bewährung bestehen – für den Frieden und zum Wohl aller Menschen im Nahen Osten.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Unbekannt
5 Vermerkeca. 619 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Es gibt Situationen, die kennt jeder: Man ist unterwegs, telefoniert, und plötzlich ist das Netz weg. Man ist zu Hause, will aus dem Homeoffice arbeiten oder einen Film übers Netz sehen, Dokumente hochladen, sichern, und dann: Abbruch, keine stabile Verbindung. Datengeschwindigkeit? Mangelware.

Solche Situationen erleben viele Bürgerinnen und Bürger – zu viele – jeden Tag irgendwo in Deutschland. Das ist noch immer Realität. Wir wissen, wie das die Menschen in unserem Land frustriert. Und genau das wollen wir und werden wir jetzt ändern. Netzverbindung statt Funklöcher! Glasfaser, das mehr Tempo macht! Verbindung für alle – auch auf dem Land!

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Und genau dafür machen wir jetzt einen ganz wichtigen Schritt: Wir sorgen dafür, dass wir das Netz schneller dort ausbauen können, wo die Daten fließen müssen. Denn die Datennetze sind der Blutkreislauf des modernen Lebens. Ohne Datennetze kein Fortschritt, kein Wachstum, keine Verbindung mit der Welt und weniger Lebensqualität, auf die die Menschen aber einen Anspruch haben. Daten müssen fließen! Deswegen muss der Ausbau der Datennetze höchste Priorität haben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Carolin Wagner [SPD]

Und genau darauf konnte sich die Vorgängerregierung, die Ampelkoalition, nicht verständigen. Stillstand, und das 18 Monate lang! Fragen Sie mal Unternehmen, Landräte und Bürger in unserem Land; die berichten unisono: Bevor ein Glasfaserkabel endlich verlegt werden kann, findet ein monatelanger Genehmigungsprozess statt. Bis ein Mobilfunkmast genehmigt wird, dauert es im Schnitt zwei Jahre. – Das ändern wir jetzt, und zwar schnell, indem wir den Ausbau von Mobilfunk und Glasfaser zum überragenden öffentlichen Interesse erklären –

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

eine Aufgabe im überragenden Interesse aller Menschen in diesem Land. Damit kann endlich schneller entschieden werden. Dann kann endlich schneller ausgebaut werden.

Meine Damen und Herren, das ist ein wichtiger Baustein für das digitale „Next Germany“, für das diese Koalition und mein Ministerium stehen. Das ist ein wichtiger Baustein für ein moderneres Deutschland, das die Menschen in unserem Land verdient haben. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für mehr Tempo, damit die Unternehmen schneller digital arbeiten können, damit die Menschen überall in Deutschland vernetzt, digital leben können, damit wir mehr Chancen haben, dass aus Ideen Innovationen werden, weil die Menschen über schnelle und sichere Netze mit der ganzen Welt verbunden sind. Damit werden die digitalen Netze jetzt endlich auch rechtlich so wichtig wie Verkehrsnetze, die wir jeden Tag nutzen, und wie Stromnetze, die uns jeden Tag versorgen. Das ist ein erster entscheidender Schritt. Die Anwendung muss dann vor Ort erfolgen, in den Ländern und den Kommunen, in den verantwortlichen Behörden, damit langwierige Einzelabwägungen und das Zuständigkeitswirrwarr nicht länger den Fortschritt lähmen.

Meine Damen und Herren, Deutschland muss moderner, schneller, zukunftsorientierter werden, ein Land, in dem Wachstum Zukunft schafft – für alle Menschen in den Städten und in den Regionen. Endlich schaffen wir mit dem Beschleunigungsgesetz Planungs- und Rechtssicherheit für Genehmigungsverfahren und eine stärkere Vereinheitlichung behördlicher Entscheidungen über Länder- und Verwaltungsebenen hinweg und damit eben eine erhebliche Beschleunigung bei der Genehmigung und damit für den Ausbau. Endlich unterstreichen wir die gesellschaftliche, wirtschaftliche und strategische Bedeutung digitaler Infrastruktur.

Meine Damen und Herren, ob in der Stadt oder auf dem Land: Glasfaser, 5G und digitale Netze legen heute den Grundstein für Aufbruch, Fortschritt und den Wohlstand von morgen. Bauen wir gemeinsam das moderne und digitale Deutschland, das sich die Bürgerinnen und Bürger, das wir uns alle wünschen! Dafür stellen wir heute eine ganz wichtige Weiche.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Zu seiner ersten Rede darf ich aufrufen: für die AfD-Fraktion Herrn Robin Jünger.

Beifallbei der AfD
Porträt von Robin Jünger
Foto: Robin Jünger / Pete Ruppert
5 Vermerkeca. 468 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kollegen! Liebe Zuschauer! Wer dem Gesetz zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes der Regierungskoalition zustimmt, macht erst mal alles richtig. Sie fügen dem Zweck des Gesetzes eine Prioritätsklausel an; das ist tatsächlich sehr gut. Sie ordnen Zuständigkeiten aus den Altministerien dem Digitalministerium zu; das ist folgerichtig. Wir freuen uns ja auf die neuen Aufgabengebiete.

Und dann habe ich gesucht: nach Ideen, nach Innovationen oder nach einem Budget – nach allem, was wichtig für ein klar definiertes und zu erreichendes Ziel gewesen wäre. 150 Seiten Gesetzestext mit 230 Paragrafen und nur redaktionelle Änderungen und eine inhaltsleere Willensbekundung! Es schmerzt mich schon, zu wissen, was die Wähler später von Ihnen hören werden: In den ersten Tagen unserer Regierung haben wir die Beschleunigung des Netzausbaus auf den Weg gebracht. – Ich hoffe, Ihre Wähler verstehen, dass das Unsinn ist.

Wir beschließen das doch jetzt!

Die Wahrheit ist: Sie hängen an den § 1 ein Priority-Schildchen, und in den §§ 2 bis 230 wird die Zuständigkeit angepasst. Da ist nichts für sie drin – keine einzige messbare Kennzahl.

Beifallbei der AfD

Nichts verstanden!

Es ist bemerkenswert, wie wenig Mühe Sie sich damit geben, dem Bürger zu erzählen, dass Sie hiermit irgendetwas bewegen, geschweige denn beschleunigen wollen.

Herr Minister Wildberger, ich bin sicher, Sie sind mit guten Absichten in dieses Haus eingezogen. Daher hoffe ich sehr, dass wir künftig bessere, umfänglichere Initiativen von Ihrem Ministerium vorgelegt bekommen werden. Ich möchte Sie daran erinnern, dass vor allem Sie die Chance haben, Deutschland positiv zu gestalten.

Ein früherer CDU-Minister, Christian Schwarz-Schilling, der 1981 ebenfalls frisch aus der Wirtschaft kam und sich zunächst dafür einsetzte, dass die Aufträge zum Netzausbau an die Privatwirtschaft vergeben werden konnten, erteilte diese sogleich an die Projektgesellschaft für Kabel-Kommunikation mit der berüchtigten Gesellschafterin Sonnenschein KG, der Firma seiner Frau. Im Hause Schilling rollte fortan der Rubel; denn sein Sonnenschein erhielt eine Vielzahl an Zuschlägen, das deutsche Kabelnetz mit Kupfer statt, wie von der vorherigen Regierung beschlossen, mit Glasfaser auszubauen.

Leider ist das mit den Gefälligkeiten für Firmen nach wie vor ein Thema in Ihrer CDU. Ein unschönes Beispiel ist der Einsatz für Augustus Intelligence. Das macht einen zwar nicht unbedingt moralisch erhaben, aber durchaus zum Staatssekretär.

Da ist der Amthor nicht da!

Und je höher man die Karriereleiter in der CDU jetzt klettert, desto leichter klappen die Geldtransfers – bis man für die Verschiebung von Milliardenbeträgen auf europäischer Ebene nur noch eine SMS benötigt.

Beifallbei der AfD

Jetzt zum Thema vielleicht einmal!

Das Vorhaben ist gut, liebe Kollegen. Es geht schließlich um nicht weniger als um die Zukunft unserer Netzinfrastruktur. Aber das können Sie doch besser, liebe Kollegen von der Union. Das können Sie doch wirklich besser!

Ich bedanke mich.

Beifallbei der AfD
Porträt von Johannes Schätzl
Foto: Johannes Schätzl/ Maximilian König
5 Vermerkeca. 447 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Herr Jünger, ich wäre dankbar, wenn Sie sich vor Ihrer nächsten Rede zumindest eine Stunde mit dem Thema befassen würden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Für alle, die sich mit dem Thema befassen, gibt es zu Beginn durchaus gute Nachrichten: Der Ausbau von Glasfaser, der Ausbau von Mobilfunk schreitet voran. Rund 55 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land haben eine Glasfaserleitung, zumindest bis zum Gehsteig, und wir haben eine Mobilfunkabdeckung von 90 Prozent. Noch besser sind die Zahlen, betrachtet man die aktuellen und zukünftigen Investitionen: Der Deutsche Bundestag – zusammen mit der Bundesregierung – stellt seit 2021 kumuliert rund 10 Milliarden Euro Fördermittel zur Verfügung, und private Unternehmen investieren 60 Milliarden Euro. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wenn private Unternehmen 60 Milliarden Euro in die Infrastruktur unseres Landes investieren, ist das ein sehr gutes Zeichen für dieses Haus.

Dennoch sind wir noch nicht am Ziel. Der Bundesminister hat es eingangs erläutert: Jeder von uns kennt die eine Straße, an der die Verbindung abreißt,

Die vielen Straßen!

jeder kennt aus dem Wahlkreis Bürgerinnen und Bürger, die noch nicht über eine Glasfaserverbindung verfügen, und jeder kennt die eine Bahnstrecke, auf der es besser ist, kein Videotelefonat zu führen. In Summe ist dieser Status quo natürlich verbesserungswürdig – und dies alles in einer Zeit, in der das Investitionsumfeld härter wird. Deswegen ist es der richtige Weg, dass wir uns mit dieser Gesetzesänderung befassen. Wir halten am Ziel des flächendeckenden Glasfaserausbaus, wir halten am Ziel des flächendeckenden Mobilfunkausbaus fest. Ich bin dankbar, dass sich die Bundesregierung im Erste-hundert-Tage-Programm explizit mit diesem Thema befasst.

Diese Gesetzesänderung hat eine gewisse Historie. Zur Ehrlichkeit gehört, dass wir es in den letzten dreieinhalb Jahren nicht geschafft haben, ein wichtiges Signal an den Markt zu senden. Und die Feststellung, dass der Ausbau der digitalen Infrastruktur im überragenden öffentlichen Interesse liegt, ist genau das Signal, das unsere ausbauenden Unternehmen jetzt brauchen, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Wenn Planungs- und Genehmigungsverfahren, sowohl für Glasfaser als auch für Mobilfunk, 18 bis 24 Monate dauern, dann ist das tatsächlich eine unzufriedenstellende Situation. Genau aus diesem Grund bringen wir dieses Gesetz – mit einer Befristung bis 2030 – auf den Weg. Wir brauchen aber auch in den Folgemonaten noch viele weitere Änderungen, um tatsächlich im digitalen Zeitalter anzukommen, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen. Genau zu dieser Diskussion laden wir Sie ein. Ich bitte um Unterstützung für unseren Weg.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen darf ich Frau Rebecca Lenhard aufrufen.

Porträt von Rebecca Lenhard
Foto: Grüne Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
7 Vermerkeca. 483 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Ich habe am Wochenende einen Podcast angehört, und da wurde Folgendes gesagt – Zitat –: Mein größtes Problem: kein Glasfasernetz, und das mitten in Berlin. – Die darauffolgende Schilderung ist auf der einen Seite total absurd und auf der anderen Seite bittere Realität. Der angesprochene Podcaster musste sein Videomaterial auf eine Speicherkarte ziehen und diese Speicherkarte per Taxi ins Büro schicken, weil das am Ende schneller war, als die Dateien einfach per Netz hochzuladen. Das ist Deutschland im Jahr 2025. Nein, wir stehen nicht gut da. Die Glasfaserversorgung lag 2024 nur bei rund 36 Prozent. Funklöcher, instabile Netze – das ist das Ergebnis jahrzehntelanger politischer Versäumnisse.

Und der letzten drei Jahre!

Die Wahrheit ist auch: Wer heute keinen Zugang zu schnellem Internet hat, ist für viele Jobs auf dem Markt ehrlicherweise raus. Wer heute keinen Zugang zu schnellem Internet hat, kann an moderner Bildung, an digitaler Verwaltung, aber auch an Homeoffice schlicht nicht teilnehmen. Darum reden wir heute auch über mehr als einfach nur Technik. Es geht um Teilhabe, um wirtschaftliche Entwicklung, um Daseinsvorsorge im digitalen Zeitalter.

Was brauchen wir, um uns hier wirklich zu verbessern?

Erstens: eine Erweiterung des Gigabit-Grundbuchs. Denn das ist die digitale Planungsbasis für einen effizienten und transparenten Netzausbau.

Zweitens: automatisierte Genehmigungen nach zwei Monaten. Das würde Verfahren wirklich beschleunigen.

Drittens: Genehmigungsfreiheit bei geringfügigen Baumaßnahmen. Es muss Schluss sein, dass jeder Zentimeter Kabel am Ende als eigenes Projekt behandelt wird.

All das, wissen wir, würde helfen; aber nichts von dem steht in dieser Gesetzesänderung. Hier steht nur ein einziger Satz, und zwar, der Ausbau der Telekommunikationsnetze liege im überragenden öffentlichen Interesse. Und das war’s. Mehr steht nicht drin.

Dabei gab es einmal einen tragfähigen Kompromiss: das TK-NABEG, ein Paket, das Netzausbau und Naturschutz zusammen gedacht hatte. Heute ersetzt Schwarz-Rot leider einfach Strategie durch Symbolik, riskiert den Schutz von Umwelt und Natur, ohne dabei den Netzausbau entscheidend zu beschleunigen.

Es fehlt noch mehr in diesem Entwurf: eine echte Strategie gegen Doppelausbau, ein geregelter Übergang vom Kupfer- zum Glasfasernetz, Open Access, das Zukunftsmodell für offene Infrastruktur – alles Fehlanzeige!

Und beim Thema Verbraucher/-innenschutz kein Wort zum Minderungsrecht, keine Entlastung für Mietende.

Sehr geehrte Koalition, heute geht es auch um das Versprechen, dass digitale Teilhabe in Deutschland nicht vom Wohnort abhängt. Wir brauchen eine leistungsfähige, zukunftssichere digitale Infrastruktur für ganz Deutschland. Wenn wir jetzt nicht handeln, dann werden die kommenden Generationen dafür den Preis bezahlen: ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich. Die bloße Feststellung des überragenden öffentlichen Interesses wird hierfür nicht reichen. Da erwarten wir mehr.

Vielen Dank.

Ich darf für die Fraktion Die Linke Anne-Mieke Bremer aufrufen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Anne-Mieke Bremer
Foto: Deutscher Bundestag/Inga Haar
7 Vermerkeca. 468 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Gesetzentwurf erklärt den Netzausbau zum überragenden öffentlichen Interesse. Was dieser Bundesregierung jedoch offenbar besonders am Herzen liegt, sind die überragenden Profitaussichten für Unternehmen. Minister Wildberger selbst war in Führungspositionen bei mehreren Mobilfunkkonzernen tätig. Er weiß genau, worum es geht. Wenn der privatwirtschaftlich organisierte Netzausbau kurzerhand zum überragenden öffentlichen Interesse erklärt wird, ohne dass dabei gemeinwohlorientierte Planung, soziale Standards oder ökologische Folgen eine Rolle spielen, dann wird dieser Begriff entkernt.

Überragendes öffentliches Interesse erfordert öffentliche Verantwortung, nicht den pauschalen Vorrang von Profitinteressen. Die sogenannte Mindestversorgung liegt weiterhin bei lächerlichen 15 Megabit pro Sekunde. Das mag für eine E-Mail oder eine kurze Recherche nach dem früheren Jahreseinkommen des Digitalministers reichen, nicht aber für Homeoffice, digitale Verwaltungsleistungen, Bildung oder gesellschaftliche Teilhabe im digitalen Raum.

Beifallbei der Linken

Und besonders absurd: Diese Mindestleistung muss nicht einmal in der Wohnung ankommen. Es genügt, wenn sie irgendwo außen am Haus verfügbar ist. Das ist Digitalarmut mit Ansage.

Beifallbei der Linken

Wer leidet darunter am meisten? Ältere Menschen, die auf Telemedizin angewiesen sind, Menschen mit Behinderung, die barrierefreie digitale Dienste brauchen, arme Menschen, die sich keine teuren Tarife leisten können, und Menschen im ländlichen Raum, die mangels lokaler Infrastruktur besonders auf digitale Angebote angewiesen sind und die vom Markt aus reinem Desinteresse ignoriert werden. Ein funktionierender Internetanschluss entscheidet über Bildung, Arbeit und soziale Integration.

Ich will zudem auf einen weiteren Missstand hinweisen: die oft skandalösen Zustände beim Glasfaserausbau. Löhne werden nicht gezahlt, Arbeitszeiten überschritten, Arbeiter/-innen eingeschüchtert. Das ist kein Einzelfall, das hat System: durch Subunternehmerketten, Lohndumping und fehlende Kontrollen. Eine Digitalisierung, die auf Ausbeutung basiert, ist kein Fortschritt. Wir fordern faire Löhne, verbindliche Tarifverträge und Mitbestimmungsrechte auch bei der digitalen Infrastrukturarbeit der Zukunft.

Beifallbei der Linken

Ein gerechter Netzausbau braucht mehr als beschleunigte Genehmigungen. Er braucht soziale Verantwortung, verbindliche Mindeststandards. Und für uns ist klar: Digitale Teilhabe regelt nicht der Markt; sie ist ein Grundrecht. Und gute Arbeitsbedingungen dürfen keine Option sein, sie müssen gesetzlich garantiert werden.

Beifallbei der Linken

Im Gesetzentwurf heißt es, die Bürgerinnen und Bürger seien gar nicht betroffen. Was für ein Zynismus! Wer auf dem Land auf lahmes Internet angewiesen ist, wer seine Miete nicht mehr zahlen kann, weil die Kosten für den Glasfaseranschluss aufgeschlagen werden, wer in Subunternehmen ausgebeutet wird, der ist sehr wohl betroffen. Denn auch das Unterlassen notwendiger Regelungen hat reale Folgen, und diese nimmt die Bundesregierung billigend in Kauf.

Beifallbei der Linken

Deshalb sagen wir: Dieses Gesetz muss besser werden – für die Menschen im Land, für die Beschäftigten im Ausbau, für eine digitale Zukunft, die niemanden zurücklässt.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Hansjörg Durz aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Hansjörg Durz
Foto: Hansjörg Durz/ Hendrik Steffens
6 Vermerkeca. 541 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir Menschen sind es gewohnt, Entwicklungen in gleichmäßigen, überschaubaren Schritten zu erleben. Das kennen wir aus den unterschiedlichen Lebensbereichen. Doch die Digitalisierung hält sich nicht an dieses vertraute Tempo. Ganz im Gegenteil: Sie beschleunigt, wird richtig schnell und entfaltet eine exponentielle Dynamik.

Genau diese Dynamik ist es, die Erfolgsfaktor vieler digitaler Technologien ist. Aber der Umgang mit dieser Geschwindigkeit ist eine unserer zentralen Herausforderungen. Eine Antwort darauf ist, dass wir selbst mehr Tempo aufnehmen. Und genau das tun wir mit diesem Gesetzentwurf.

Die Ampelregierung hatte auch die Idee, den Ausbau der digitalen Infrastruktur zu beschleunigen. Allerdings scheiterte sie an der Umsetzung. Nach zwei Regierungsjahren wurde im August 2023 zwar ein Referentenentwurf für das sogenannte Telekommunikations-Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz vorgelegt, doch beschleunigt wurde nur der Streit innerhalb der Ampel. Das Gesetz wurde im Kabinett monatelang diskutiert, auf die Tagesordnung gesetzt und wieder abgesetzt, und letzten Endes gab es auch im Plenum keine Mehrheit; das Gesetz kam nicht zustande.

Wir gehen das anders an. Das zeigt unsere Koalition, und das zeigt das Ministerium unter Führung von Dr. Karsten Wildberger. Obwohl das Haus gerade erst aufgebaut wird und im Provisorium arbeitet – oder um es mit den Worten des Ministers zu sagen: es herrscht eine echte Start-up-Mentalität und eine Start-up-Energie –, nimmt es Tempo auf und setzt den versprochenen Politikwechsel um.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Philipp Rottwilm [SPD]

Bereits drei Wochen nach Regierungsantritt lag ein Vorschlag für die Änderung des Telekommunikationsgesetzes vor. Zum vielbeschworenen Deutschlandtempo kommt jetzt echte, frische Start-up-Dynamik hinzu.

Zurufvon der AfD: Wow!

Und die Start-up-Dynamik zeigt Wirkung: Schon einen Monat nach Vereidigung des Ministers können wir den Gesetzentwurf im Bundestag debattieren. Er konzentriert sich – wie bei Start-ups so üblich – auf das Wesentliche, nämlich auf die Festlegung des überragenden öffentlichen Interesses, und zwar für Mobilfunk und für Glasfaser. Das beschleunigt die Verfahren, so nehmen wir Tempo auf.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist ein starkes Signal, vor allem für die ländlichen Regionen, die bisher noch nicht an hochleistungsfähige Netze angeschlossen sind. Das hat übrigens auch der Bundesrat in seiner Stellungnahme vom vergangenen Herbst so festgehalten – ich zitiere –:

„Die Ungleichgewichte in der Qualität der Versorgung stellen die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Frage, bestärken Landflucht und Ungleichgewichte in der wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen. Die Schließung derartiger Versorgungslücken liegt daher im überragenden öffentlichen Interesse.“

Wir können dem nur zustimmen und sind der festen Überzeugung: Wir brauchen die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Wir brauchen hochleistungsfähige Mobilfunk- und Glasfaserinfrastruktur in Stadt und Land, und das so schnell wie möglich.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Philipp Rottwilm [SPD]

Lassen Sie uns das Tempo und die Dynamik des Ministeriums aufnehmen, die Beratungen im Ausschuss zügig abschließen und dieses Gesetz schnellstmöglich im Bundestag verabschieden, damit die Menschen in unserem Land flächendeckend Zugang zu erstklassigen und übrigens auch nachhaltigen digitalen Infrastrukturen erhalten.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Zu seiner ersten Rede darf ich aufrufen für die AfD-Fraktion Herrn Alexander Arpaschi.

Beifallbei der AfD
Porträt von Alexander Arpaschi
Foto: Alexander Arpaschi / Nikolaus Becker
3 Vermerkeca. 426 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Herr Minister! Sehr verehrte Kollegen und Zuschauer! Als Thema für meine erste Rede in diesem Hohen Haus hätte ich mir gerne etwas Interessanteres gewünscht als die knochentrockenen Anpassungen der Zuständigkeiten und Bezeichnungen der Bundesministerien im Text des Telekommunikationsgesetzes, kurz: TKG; denn die machen 32 der 33 Änderungen aus. Lieber hätte ich Ihnen Ihre Unfähigkeit bezüglich Grenzsicherung, innerer Sicherheit und der Versorgung Deutschlands mit günstiger Energie zum Vorwurf gemacht.

Falscher Ausschuss!

Zurufevon der CDU/CSU

Denn die Menge Ihrer Versäumnisse in diesen Bereichen ist schier endlos.

Aber bleiben wir bei der trockenen Materie des Entwurfs eines „Gesetzes zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes und zur Feststellung des überragenden öffentlichen Interesses für den Ausbau von Telekommunikationsnetzen“, wie Sie es überschrieben haben. Aber so einfach die Aufgabe ist, Sie machen trotzdem Fehler. Denn der Ausbau von Telekommunikationsnetzen laut Überschrift Ihres Gesetzentwurfs ist etwas anderes als die „Verlegung und die Änderung von Telekommunikationslinien zum Ausbau von öffentlichen Telekommunikationsnetzen […]“, so wie es im Text des Gesetzentwurfs dann steht. Dies wüssten Sie, wenn Sie sich mit den Begriffsdefinitionen unter § 3 des aktuellen TKGs vertraut gemacht hätten.

Als ausgebildeter Ingenieur helfe ich Ihnen da gerne: Ein Telekommunikationsnetz ist die Gesamtheit von Übertragungssystemen, die die Übertragung von Signalen über Kabel, Funk, optische und andere elektromagnetische Einrichtungen ermöglichen, einschließlich Satellitennetzen. Eine Telekommunikationslinie ist eine unter- oder oberirdisch geführte Telekommunikationskabelanlage – das Wort ist schlimmer als das Gesetz mit seinen 230 Paragrafen –, einschließlich ihrer zugehörigen Schalt- und Verzweigungseinrichtungen, Masten und Unterstützungen, Kabelschächte und Kabelkanalrohre.

Was also wollen Sie mit dem Gesetz erreichen? Soll die Verlegung von Glasfasernetzen, also die Herstellung von Telekommunikationslinien, im überragenden öffentlichen Interesse liegen, oder wollen Sie den großen Wurf wagen und Deutschland in ein neues Zeitalter der Telekommunikation führen, indem Sie der Herstellung von Telekommunikationsnetzen das überragende öffentliche Interesse per Gesetz zuschreiben?

Ich persönlich hätte gerne das Letztere, und ich sage Ihnen auch, warum: Es gibt im Jahr 2025 immer noch jede Menge Stellen in Deutschland, an denen die Netzabdeckung im Mobilfunk mangelhaft ist. Auf der A5 von Karlsruhe nach Offenburg, die durch meinen Wahlkreis führt, bricht die Verbindung regelmäßig an den gleichen fünf Stellen ab. Solche Erlebnisse auf Autobahnen im europäischen Ausland habe ich bisher noch nicht gehabt.

Herr Minister, sorgen Sie dafür, dass Deutschland die Telekommunikationsnetze erhält, die es verdient, genauso wie funktionierende Grenzsicherung, ein hohes Maß an innerer Sicherheit und günstige Energie für Verbraucher und Unternehmen.

Danke.

Beifallbei der AfD

Ich darf für die SPD-Fraktion aufrufen Frau Dr. Carolin Wagner.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Carolin Wagner
Foto: Dr. Carolin Wagner/ Inga Haar
5 Vermerkeca. 486 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Herr Arpaschi, schlechte Nachrichten: Sie sind im falschen Ausschuss gelandet.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Korrigieren Sie das am besten; es wäre den künftigen Debatten sehr zuträglich.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir stellen für den Netzausbau ein „überragendes öffentliches Interesse“ her – drei Wörter, die Kern dieses Gesetzes sind. Die AfD ist damit überfordert. Es freut mich, dass wir als schwarz-rote Koalition hier mit einem prägnant runtergeschriebenen Gesetz eine große Wirkkraft entfalten können, werte Kolleginnen und Kollegen. Mit dem Gesetz stellen wir den Netzausbau rechtlich gleich mit dem Ausbau von Stromnetzen und erneuerbaren Energien – und auf der gleichen Dringlichkeitsstufe sind wir auch.

Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung kommt in einer Studie zu folgendem Schluss: Weniger die Höhe der Unternehmensteuerbelastung ist für die Wahl von Firmenstandorten bedeutsam, wichtiger sind Faktoren wie Forschungsmöglichkeiten, gut ausgebildete Arbeitskräfte, funktionierende Infrastruktur und gute Informations- und Kommunikationstechnologien. – Schnelle und zuverlässige Netze sind dafür die Grundlage, die Grundlage für die Digitalisierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung und damit für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.

Wir wollen im Zug überall telefonieren können. Ich will meine Zeit im Auto nutzen, um Dinge telefonisch zu besprechen. Und da hilft es nicht, wenn regelmäßig auf der A93 hinter Regenstauf das Netz zusammenbricht; Sie alle haben Beispiele aus Ihren Wahlkreisen parat.

Mit dem heutigen Gesetz führen wir die ambitionierten Schritte aus der Ampel dort fort, wo sie ins Stocken geraten sind. 2022 haben wir die TK-Mindestversorgung eingeführt und damit ein solides Sicherheitsnetz geschaffen. In der letzten Wahlperiode haben wir Rekordsummen in den Netzausbau investiert, bis es mit dem Haushalt schwierig wurde. Jetzt beschleunigen wir den Netzausbau – der sinnvolle, logische, wichtige nächste Schritt. Das Gesetz steht damit auch im Zusammenhang mit dem Bürokratieabbau – damit wir endlich schneller werden bei der Modernisierung dieses Landes.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, das Gesetz ist auch deshalb im überragenden öffentlichen Interesse, weil wir damit Schritt für Schritt die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger erhöhen, insbesondere im ländlichen Raum. Netzausbau, Telekommunikation – einfach gesagt, bedeutet das nämlich digitale Teilhabe. Homeoffice, KI-Assistenzsysteme, Streaming, digitale Bildungsangebote – das alles soll auch im ländlichen Raum möglich und erlebbar sein, und zwar gleichermaßen schnell und einfach, wie oftmals in der Stadt.

Wir erfüllen damit auch ein zentrales Versprechen unserer Wahlprogramme, sowohl wir als SPD als auch die Union. Die als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD hatte zum Breitbandausbau – raten Sie mal! – nichts Konkretes im Wahlprogramm stehen. Mit keiner Silbe werden da die Begriffe „Mobilfunk“, „Glasfaser“ und „Breitband“ erwähnt. Es hätte mich auch gewundert, wenn es anders gewesen wäre. Konkrete Lösungen für die Zukunftsfähigkeit dieses Landes gibt es bei den Feinden der Demokratie nämlich nicht.

Das ist die SPD, oder?

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Kay Gottschalk
Foto: Kay Gottschalk/ AfD
10 Vermerkeca. 1.347 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen! Liebe Steuerzahler! Liebe demokratische Rechte! Der Solidaritätszuschlag war schon mehrmals auf der Tagesordnung, und er bleibt wegen uns auch auf der Tagesordnung. In den 4 588 Zeilen des aktuellen Koalitionsvertrages – ich würde ihn als Absichtserklärung mit viel heißer Luft bezeichnen – wird dem Solidaritätszuschlag die Zeile 1 448 zugewiesen. Lapidar heißt es dort: „Der Solidaritätszuschlag bleibt unverändert bestehen.“ Dabei hieß es, verehrte Kollegen der Union, in einem Flyer zum Wahlprogramm 2025, so wie Sie, die ehemaligen Konservativen, es schon seit 2019 eigentlich immer unverändert ankündigen – ich zitiere –:

„Ohne eine starke Wirtschaft ist alles nichts. […] Wir bringen die deutsche Wirtschaft wieder nach vorne.

Wir reduzieren Steuern. […] Wir schaffen den Solidaritätszuschlag ab […].“

Peinlicher geht’s nimmer, liebe Kollegen der CDU/CSU.

Beifallbei der AfD

Gestatten Sie mir einen kleinen Exkurs; denn das ist notwendig, um das, was hier heute und auch generell auf dem Spiel steht und was in diesem Lande, vom Verfassungsgericht bis hier ins Hohe Haus, falsch läuft, zu verstehen. Von den hehren Ankündigungen des Kanzlerkandidaten ist wirklich nicht viel übrig geblieben. Wir haben das ja auch bei anderen Themen schon gesehen. Er hat sich mit seinen Ankündigungen alle anderen Optionen verbaut, sodass er – auch Sie, verehrte Kollegen der Union – mit dem Nasenring von der SPD durch die Manege geführt wird. Mithin hat der Wahlverlierer nicht nur beim Soli den vermeintlichen Sieger über den Tisch gezogen, sondern auch in allen anderen Bereichen dieser Absichtserklärung, genannt Koalitionsvertrag, meine Damen und Herren. Sie haben vor allen Dingen Ihr Rückgrat und Ihre Glaubwürdigkeit verloren. Das ist sehr, sehr traurig für die ehemaligen Konservativen.

Beifallbei der AfD

Mir wird schon ganz bange, wenn ich mir vorstelle, dass jemand, der solche strategischen Fehler macht, Deutschland im Konzert der großen Nationen vertreten soll.

Viele von Ihnen – ich schaue mich hier um – waren noch nicht auf der Welt, als der Soli das Licht der Welt erblickte. 1991 wurde das entsprechende Gesetz betitelt mit „Gesetz zur Einführung eines befristeten Solidaritätszuschlags und zur Änderung von Verbrauchsteuer- und anderen Gesetzen“. Nun kommt es eigentlich noch viel schlimmer. Das, was ich jetzt vorlese, ist keine Satire. In der Begründung des Gesetzentwurfs der damaligen Koalition heißt es dazu – ich zitiere mit Erlaubnis des Präsidenten –:

„Ein geringer, kurz befristeter Zuschlag zur Lohn-/Einkommen- und Körperschaftsteuer ist zur Lösung vorübergehender dringender Finanzprobleme besonders geeignet […].“

Jetzt sind auf der Regierungsbank wieder viele nicht da, weder der Staatssekretär noch der Finanzminister. Das ist das Desinteresse an den steuerzahlenden Leistungsträgern hier in Deutschland. – Wenn diese mehr als 30 Jahre aus Ihrer Sicht besonders kurz sind, dann kann ich mir jetzt erklären, warum Sie gar keine Schmerzen haben, wenn Sie für den Bau eines Flughafens 20 Jahre, für den Bau von Brücken in NRW 10 Jahre brauchen. Das ist ja dann schon verdammt schnell, wenn 30 Jahre ein kurzer Zeitraum sind. – So viel zur Glaubwürdigkeit der Altparteien.

Beifallbei der AfD

Doch es kam anders. Der Solidaritätszuschlag ist nunmehr seit 1995 als Ergänzungsabgabe gesetzlich verankert und wurde für alle Steuerzahler zur Dauereinrichtung. Und Sie haben sich dort bequem eingerichtet. Ich werde im Folgenden aufzeigen, dass man ihn eigentlich auch als verkappte Unternehmensteuer bezeichnen muss. Deswegen muss er weg, wenn Sie es ernst meinen mit dem Standort Deutschland, wenn Sie es ernst damit meinen, die deutsche Wirtschaft nach vorne zu bringen. Stattdessen schicken Sie, erst nachdem das Haus abgebrannt ist, die Feuerwehr und senken die Körperschaftsteuer erst zum 01.01.2028 um nur 1 Prozentpunkt. Für alle Unternehmen und Mittelständler ist das ein Schlag ins Gesicht.

Beifallbei der AfD

Kommen wir mal zu Prinzipien des Steuerrechts; einige von Ihnen werden sich an Tipke erinnern. Es wurden drei Prinzipien genannt, warum der Soli für Steuerzahler mit kleinen und mittleren Einkommen abgeschafft werden sollte:

Erstens: das Prinzip der Leistungsfähigkeit. Sie wissen schon: die starken Schultern. Jetzt wird die SPD sich wahrscheinlich wieder freuen.

Zweitens: die höhere Konsumquote bei Steuerzahlern mit kleinen und mittleren Einkommen. Deswegen ja auch die Debatte um die Mehrwertsteuer, die Sie in den letzten 15 Jahren auch schon sehr fleißig erhöht haben.

Drittens sah die Regierung nach wie vor – man halte sich fest – vereinigungsbedingte Lasten.

Alle drei Argumente sind längst von der Realität, der Wirklichkeit, widerlegt. Fangen wir doch mal mit dem Einkommensteuertarif an. Der Einkommensteuertarif stellt aus systemischer Sicht die Besteuerung nach Leistungsfähigkeit sicher. Deswegen haben wir einen progressiven Verlauf. Wir können sogar sagen: Wir haben einen Steuerbauch, gerade bei den mittleren Einkommen. Also wird dort schon – oben gibt es sogar auch noch eine Spitzensteuer – für eine faire Lastenverteilung Gewähr getragen. Es ist also absurd, hier von Gerechtigkeit zu sprechen.

Es ist ungewöhnlich – das zeigt Ihre handwerkliche Unfähigkeit – und aus ökonomischer Sicht in der Regel nicht zielführend – das lernt man im Studium im zweiten Semester –, steuersystematische, dauerhafte Regelungen für konjunkturpolitisch kurzfristige Maßnahmen zu motivieren. Das ist ein glattes Versagen Ihrerseits.

Ferner steht auch dem Verweis auf künftig bestehende finanzielle Lasten der Wiedervereinigung die Realität entgegen. Kommen Sie zu mir nach NRW. Dann werden Sie sehen, dass wir eher einen Solidarzuschlag West benötigen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Kommen wir aber mal zu denen, die nach ihrer Gesetzesänderung 2021 ungefragt weiter den Solidaritätszuschlag zahlen dürfen, jene 10 Prozent, die sich an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligen. Zum anderen wird der Solidaritätszuschlag auf die Kapitalertragsteuer übrigens unvermindert erhoben, also auch bei den Menschen, die Herr Schröder mal dazu aufgerufen hat, mehr Eigenvorsorge zu betreiben. In der Folge können Arbeitnehmer, Rentner oder Selbstständige mit Kapitalerträgen auch bei geringeren durchschnittlichen Lohneinkünften oder Rentenbezügen weiter vom Solidaritätszuschlag betroffen sein, wenn sie über dem Sparerfreibetrag liegen, meine Damen und Herren.

Zurufder Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]

Aber keine Regelung ohne Ausnahme: Rund 6,5 Prozent der Steuerzahler fallen in die sogenannte Minderungszone. Das ist auch eine nette Formulierung, die Sie da gefunden haben. Diese gilt aktuell bis zu einer Einkommensteuerschuld von 33 760 Euro. Übrigens: Darunter fallen sogar viele Menschen mit qualifiziertem Job im VW-Haustarif. – So viel zum Herz der SPD für Arbeitnehmer.

Rund 3,5 Prozent der Steuerzahler müssen den Soli noch voll bezahlen, meine Damen und Herren. Aber es sind nicht nur die sogenannten Besserverdienenden; ich habe es schon gesagt. Es gibt auch andere Betroffene, zum Beispiel Arbeitgeber, die eine pauschale Lohnsteuer abführen. Auch da: Herzlichen Glückwunsch, sofort 5,5 Prozent Soli!

Hinzu kommen die mehr als 500 000 Unternehmen – das kann man gar nicht oft genug sagen –, die den Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer in voller Höhe zahlen müssen, jene Körperschaftsteuer, die sie dann mal großzügig ab 01.01.2028 um 1 Prozentpunkt senken.

Sie sehen also, meine Damen und Herren, wenn Sie zugehört haben: Der Solidaritätszuschlag ist eine verkappte Unternehmensteuer. Wenn Sie heute der AfD endlich folgen, Kolleginnen und Kollegen der Union, dann würden Sie wirklich etwas für die deutsche Wirtschaft tun, für die Arbeitnehmer tun, meine Damen und Herren, vor allen Dingen für einen attraktiven Standort Deutschland.

Herr Kollege Gottschalk, denken Sie an die Redezeit.

Rednerwechsel

Jawohl. – Das, was Sie heute hier dargeboten haben, wird es nicht sein, meine Damen und Herren. Folgen Sie uns! Dann wird es besser in diesem Land.

Beifallbei der AfD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, werter Herr Abgeordneter Gottschalk, ich muss noch mal das Wort ergreifen; denn Sie haben mich gerade in meiner Sitzungsleitung etwas irritiert. Ich habe um 13 Uhr am Ältestenrat teilgenommen; Sie können sich gerne mit Ihrem Kollegen König darüber austauschen. Es war Ihre Fraktion, die darum gebeten hat, dass die Sitzungsleitung darauf achten soll, dass die Begrüßungsformeln nicht dauernd erweitert werden.

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hört! Hört!

Sie haben aber für mich hörbar die demokratische Rechte begrüßt. Ich würde Sie nur bitten, AfD-intern zu klären, dass wir nicht kritisiert werden, wie wir die Sitzung leiten, wenn Sie sich bezüglich Abmachungen widersprüchlich verhalten,

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich war in der Obleuterunde!

lateinisch: Venire contra factum proprium. Ich wollte es nur angemerkt haben.

Und ich darf jetzt das Wort erteilen Olav Gutting von der CDU/CSU.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Olav Gutting
Foto: Matthias Busse
8 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 811 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Einen Antrag zur Abschaffung des Restsolidaritätszuschlages bekommen wir ja regelmäßig von der rechten Seite vorgelegt – Herr Gottschalk, es ist nicht das erste Mal. Neu ist allerdings, dass Sie in der Begründung auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. März dieses Jahres aufgreifen, mit dem die Verfassungsbeschwerde gegen den Solidaritätszuschlag abgewiesen wurde.

Das Gericht in Karlsruhe sagt: Der Solidaritätszuschlag als Ergänzungsabgabe setzt einen „aufgabenbezogenen finanziellen Mehrbedarf des Bundes“ voraus, der durch den Gesetzgeber „allerdings nur in seinen Grundzügen“ zu umreißen ist. Im Fall des Solidaritätszuschlages ist dieser Mehrbedarf wiedervereinigungsbedingt.

Nun bin auch ich – wie viele andere in diesem Haus – davon ausgegangen, dass mit dem Auslaufen des Solidarpakts II im Jahr 2019 dieser Mehrbedarf eigentlich nicht mehr besteht. Aber ich musste mich vom Bundesverfassungsgericht hier belehren lassen. Nur ein evidenter Wegfall des Mehrbedarfs begründet eine Verpflichtung des Gesetzgebers, die Abgabe aufzuheben. Da ein offensichtlicher Wegfall des auf den Beitritt der damals neuen Länder zurückzuführenden Mehrbedarfs des Bundes auch heute noch nicht festgestellt werden kann, besteht keine Verpflichtung des Gesetzgebers zur Aufhebung des Restsolidaritätszuschlages. Und damit haben wir keine höchstrichterliche Vorgabe, den Solidaritätszuschlag in der aktuellen Form abzuschaffen.

Nun kann man natürlich sagen: Der Gesetzgeber als Souverän kann das Solidaritätszuschlaggesetz jederzeit ändern oder ganz abschaffen. – Aber dazu werden eben Mehrheiten in diesem Hohen Hause gebraucht. Und, liebe Kolleginnen und Kollegen auf der rechten Seite, diese Mehrheiten finden Sie hier nicht.

Wir stehen bereit!

Deswegen ist dieser aufgewärmte Antrag Ihrerseits mal wieder nur fürs Schaufenster.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Herr Abgeordneter Gutting, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Gottschalk?

Rednerwechsel

Ja.

Rednerwechsel

Vielen Dank, verehrter Kollege Gutting. – Ist Ihnen bekannt – was die Begründung angeht –, dass die Bundesregierung mit dem Solidaritätszuschlag zwischen den Jahren 1995 und 2019 rund 87 Milliarden Euro mehr eingenommen hat, als sie für die Förderung der ostdeutschen Bundesländer im Rahmen des Solidaritätspaktes ausgegeben hat? Das heißt, die Argumentation, auf die Sie sich eben gestützt haben, aber auch die des Verfassungsgerichts ist eigentlich ad absurdum geführt.

Noch mal für Sie da oben und für alle anderen hier: ein Überschuss von 87 Milliarden Euro zwischen 1995 und 2019, der nicht an die neuen Bundesländer geflossen ist. Das wäre doch ein Argument, zu sagen: „Jetzt lasst uns den mal zusammen abschaffen“, oder nicht, Herr Gutting?

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]
Rednerwechsel

Sie können die Entscheidung des höchsten deutschen Gerichtes zwar als absurd bezeichnen; aber es wurde kursorisch geprüft. Entsprechende Gutachten wurden in den Verfahren vorgelegt. Und das oberste Gericht geht davon aus, dass es nach wie vor einen wiedervereinigungsbedingten Mehrbedarf gibt. Ich muss es zur Kenntnis nehmen; denn das Bundesverfassungsgericht ist dieser Meinung.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Das heißt aber nicht, dass man hierzu nicht auch eine eigene Meinung haben kann. Und meine eigene Meinung ist, dass der jetzt erhobene Restsoli eine Sondersteuer ist, die in weiten Teilen doch die Falschen trifft. Es sind eben nicht nur die Superreichen, die mit dieser Abgabe zusätzlich belastet werden. Denn bei einer Einkommensteuerlast ab circa 18 000 Euro im Jahr ist man meines Erachtens nicht wirklich reich, aber man ist vom Soli betroffen. Auch mit Freigrenze, auch mit Milderungszone belastet der Soli zusätzlich zur progressiven Einkommensteuer bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein.

Es wurde vorhin schon angesprochen: Auch bei der Besteuerung der privaten Altersvorsorgeprodukte kommt zur Abgeltungsteuer der Soli hinzu. Es trifft also auch hier die kleinen Leute. Wenn wir die zweite Säule der Altersvorsorge tatsächlich stärken wollen, ja, stärken müssen, dann muss der Soli in der Perspektive weg.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Ich persönlich bin der Überzeugung, dass es unabhängig von den vorhin zitierten verfassungsrechtlichen Ausführungen ein Gebot der Steuergerechtigkeit, ein Gebot der Steuerwahrheit ist, auch den Restsoli in den nächsten Jahren abzuschaffen.

Ich komme darauf zurück, dass wir natürlich die Wirtschaft stärken müssen und dass das im Moment der Fokus ist; aber aktuell ziehen wir eine große Unternehmensteuerreform vor. Der erste Punkt ist der Gesetzentwurf für ein steuerliches Investitionssofortprogramm, über den heute Morgen bereits in diesem Haus debattiert wurde.

Zurufvon der SPD: Sehr richtig!

Es wird steuerliche Entlastungen für den Mittelstand geben; und trotzdem werden wir die Abschaffung des Solidaritätszuschlages nicht aus dem Blick verlieren.

Wir haben laut Bundesverfassungsgericht sogar die Aufgabe, dieses weiter zu beobachten. Es gibt eine Beobachtungsobliegenheit, die uns das Bundesverfassungsgericht mitgegeben hat. Das heißt für mich: Aufgeschoben bedeutet nicht aufgehoben. Zunächst haben aber eine Neujustierung des Einkommensteuertarifs und eine echte Reform der Unternehmensteuer mit einer Senkung der Körperschaftsteuer Priorität.

Ergo: Steuerreform und unser heute Morgen eingebrachtes steuerliches Investitionsprogramm first, die Abschaffung des Restsolidaritätszuschlages second.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich darf für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Herrn Sascha Müller aufrufen.

Porträt von Sascha Müller
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion/ Stefan Kaminski
18 Vermerkeca. 986 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Demokratinnen und Demokraten! Die AfD bringt heute erneut das Thema Solidaritätszuschlag auf die Tagesordnung – wie schon so oft in den vergangenen Jahren. Und immer wieder nutzt sie dieses Thema, um Mythen zu verbreiten und die Öffentlichkeit zu täuschen. Das ist Grund genug, die Fakten klarzustellen und mit so manchem Märchen aufzuräumen, das hier erzählt wird.

Gerade zum Beispiel!

So setze ich also diese Reihe fort. Die AfD behauptet gerne, sie mache Politik für die sogenannten einfachen Leute. Doch Ihre tatsächlichen Vorschläge sprechen eine andere Sprache. Sie verfolgen in Wahrheit eine Politik, die vor allem den Wohlhabenden in diesem Land zugutekommt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD

Wenn wir den Solidaritätszuschlag nur isoliert anschauen, dann sehen wir, dass die Fakten eindeutig sind: 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger zahlen diesen Zuschlag längst nicht mehr. Das heißt, nur noch 10 Prozent würden von einer Abschaffung profitieren. Wer genau profitiert also? Fast ausschließlich Spitzenverdiener und Unternehmen, insbesondere die mit hohen Gewinnen.

„Spitzenverdiener“ ab 18.000 Euro Steuerschuld, wie wir gerade gehört haben!

Zitieren wir die Wissenschaft, etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung: Die AfD will Steuergeschenke insbesondere für die Reichsten machen.

Beifallder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Auch das stimmt nicht, Herr Müller! Das habe ich gestern im Finanzausschuss klargestellt! Irre!

Wie sieht es bei einer normalen Mittelstandsfamilie aus? Stellen Sie sich eine Familie mit zwei Kindern vor, beide Eltern berufstätig, gemeinsames Bruttoeinkommen von 70 000 bis 90 000 Euro im Jahr. Diese Familie zahlt heute schon keinen Solidaritätszuschlag mehr. Von dessen Streichung profitiert sie also nicht.

Die großen Steuererleichterungen aus den AfD-Plänen erreichen Familien mit sehr hohen Einkommen. Während ein Paar mit zwei Kindern und 180 000 Euro Jahreseinkommen laut Studien bis zu 20 000 Euro Steuern im Jahr sparen könnte, hätte unsere Mittelschichtsfamilie kaum einen oder gar keinen Vorteil. Dazu kommt: Die AfD will Kita- und Ganztagsplätze reduzieren und das Elterngeld durch ein Betreuungsgeld ersetzen. Das trifft insbesondere die Familien, in denen beide Eltern arbeiten müssen. Für sie wird es noch schwerer, Beruf und Familie zu verbinden.

Sie verbreiten hier Mythen!

Wenn durch die AfD-Politik Milliarden Euro im Staatshaushalt fehlen, dann fehlt das Geld bei Schulen, Kitas und der Infrastruktur,

Nee, beim Klimaschutz, bei der Migration würde es fehlen!

genau das, worauf Familien mit mittleren und unteren Einkommen angewiesen sind.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Jörg Cezanne [Die Linke]

Und da entlasten wir als AfD am meisten!

Und was bedeutet das für einen Topmanager? Nehmen wir einen Topmanager, der zu den obersten 3 bis 5 Prozent der Einkommensbezieher gehört, als Beispiel. Ja, der zahlt auch heute noch den vollen Solidaritätszuschlag, was er auch ohne Weiteres leisten kann. Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5 Prozent der Einkommensteuer. Bei einem zu versteuernden Einkommen von beispielsweise 500 000 Euro liegt die Einkommensteuer bei etwa 190 000 Euro. Dazu kommen über 10 000 Euro Solidaritätszuschlag. So viel spart der Manager jährlich allein durch den Wegfall des Solis – schon einiges. Dazu kommen, wenn es nach der AfD geht, weitere Entlastungen durch Senkung des Spitzensteuersatzes und Abschaffung der Erbschaftsteuer. Das bedeutet für ihn und seine Familie zusätzliche Steuervorteile in riesengroßer Höhe. Sie entlasten vor allem diejenigen, die schon viel haben.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen gilt:

Die entlasten wir am meisten! Bleiben Sie bei der Wahrheit!

Wenn dem Staat durch solch eine Politik Milliarden fehlen, dann muss bei Infrastruktur, Sozialleistungen oder Bildung gespart werden. Die Zeche zahlen dann die, die auf einen starken Sozialstaat angewiesen sind.

Wir entlasten Geringverdiener am meisten, Herr Müller!

Die AfD behauptet, sie stehe auf der Seite der einfachen Leute.

Tun wir auch!

In Wahrheit steht sie auf der Seite derjenigen, die schon viel haben.

Ihre Politik verschärft die soziale Ungleichheit, schwächt den Sozialstaat und nimmt denjenigen Menschen die Sicherheit, die sie verdienen.

Deshalb sage ich klar: Die AfD macht eben keine Politik für die einfachen Leute. Wer wirklich für soziale Gerechtigkeit eintritt, hetzt nicht gegen die Schwächsten und nimmt ihnen nicht die Unterstützung, die sie brauchen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Stella Merendino [Die Linke]

Das ist doch keine Hetze!

Ihr Programm ist unsozial, ungerecht und gefährlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Lassen wir uns nicht täuschen: Wir brauchen eine Politik, die wirklich für die breite Mehrheit da ist, und dazu zählen selbstverständlich auch die sogenannten einfachen Leute.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Fritz Güntzler [CDU/CSU]

Werter Herr Abgeordneter Müller, auch nach Ihrer Rede sei mir gestattet, da ich schon die AfD auf ihren internen Widerspruch hinsichtlich der Grußformel aufmerksam gemacht habe, zu sagen: Unsere Bitte, die der Präsidentin und der Vizepräsidenten, ist, dass Sie die Kolleginnen und Kollegen ansprechen, die verehrten Damen und Herren, die Zuschauerinnen und Zuschauer und dass Sie nicht weitere Begriffe aneinanderreihen, weder Follower noch andere inländische, ausländische, außerirdische oder sonstige.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Sagen Sie doch einfach: Wir führen eine Debatte um der Sache willen.

Ich darf jetzt zu seiner ersten Rede Dr. Philipp Rottwilm von der SPD-Fraktion aufrufen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Philipp Rottwilm
Foto: Dr. Philipp Rottwilm/ Barbara Schneider
11 Vermerkeca. 587 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die AfD bringt heute zum dritten Mal einen Antrag zur Abschaffung des Solis ein – ein alter Vorschlag, der durch Wiederholung erstaunlicherweise nicht besser geworden ist.

Beifallbei der SPD

Wir bringen ihn auch ein viertes Mal ein!

Meine Damen und Herren von der AfD, ich würde Ihnen gerne drei Punkte mit auf den Weg geben.

Erstens. Ihr zentrales Argument ist längst vom Tisch. Sie haben ja immer wieder behauptet, der Soli sei verfassungswidrig und das Bundesverfassungsgericht würde diesen einkassieren. Das Gegenteil – wir haben es eben schon gehört – ist passiert: Karlsruhe hat die Verfassungsbeschwerde im März eindeutig zurückgewiesen. Wieder mal alles heiße Luft!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Zweitens. Sie behaupten, Sie wollten mit der Abschaffung des Solis die Wirtschaft um 7 Milliarden Euro entlasten. Wir entlasten die Wirtschaft mit unserem Wachstumsbooster, über den heute Morgen hier im Haus debattiert wurde, um 12 Milliarden Euro. Unsere Entlastungen sind also deutlich höher, und sie sind auch zielgerichteter.

Ab 01.01.2028!

So, meine sehr verehrten Damen und Herren, bringen wir unsere Wirtschaft wieder nach vorne.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Drittens. Sie sprechen von Entlastung der Bürger. Aber 90 Prozent der Steuerzahler zahlen längst keinen Soli mehr.

Zurufdes Abg. Johannes Schraps [SPD]

Das haben wir schon 2019 geändert. Nur die 10 Prozent Spitzenverdiener, also wer mehr als 89 000 Euro brutto im Jahr verdient, sind noch betroffen. Obwohl durch Ihren Antrag also wieder nur die höchsten Einkommen im Land entlastet würden, ist er Ihnen so wichtig, dass Sie damit nun schon zum dritten Mal hier stehen.

Ich finde das bemerkenswert, liebe Kolleginnen und Kollegen. Deswegen möchte ich mich einmal direkt an die Menschen, die diese Debatte verfolgen, wenden. Sie, die morgens früh aufstehen, die Schicht übernehmen, den ganzen Laden hier am Laufen halten, sich abrackern, fragen Sie sich einmal: Haben Sie mehr als 7 400 Euro im Monat? Haben Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin zusammen mehr als knapp 15 000 Euro im Monat? Wenn nicht – und das sind 90 Prozent der Menschen in diesem Land –, dann muss Ihnen eines klar sein: Für Sie arbeitet diese AfD nicht!

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Der großen Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung hilft dieser Antrag nicht!

Sehr richtig! Sehr richtig!

Die AfD behauptet zwar, die Partei des kleinen Mannes zu sein – das hören wir ja immer wieder –,

Sie sind es nicht mehr!

aber wenn es um die Interessen der hart arbeitenden Menschen in diesem Land geht, dann zeigt sie ihr wahres Gesicht: Sie ist eine radikale Lobbypartei für Spitzenverdiener.

Und Ihr Antrag passt in das Bild Ihres Programms: Erbschaftsteuer weg, Spitzensteuersatz senken, keine Anhebung des Mindestlohns, und jetzt zum dritten Mal wieder der Soli. Sie haben es sich gedacht, sehr verehrte Damen und Herren: Wir lehnen diesen Antrag ab.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Stella Merendino [Die Linke]

Ich darf für die Fraktion der Linken die Kollegin Doris Achelwilm aufrufen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Doris Achelwilm
Foto: Die Linke Bremen/ Jaroslaw Gomon
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit diesem Antrag sucht der rechte Rand wieder mal Anschluss. Als gemeinsames Projekt wird alles Mögliche angestrebt, um abgehobenen Reichtum zu schützen und gegen Armutsbetroffene zu mauern.

Mit Mauern kennen Sie sich ja aus, ne?

Mauern können Sie gut!

Die Linke wird sich diesem Projekt immer entgegenstellen.

Beifallbei der Linken

Heute soll also erneut, zum wiederholten Mal, der Solidaritätszuschlag weg. Aber jetzt reicht es auch mal! Solange hier nichts dafür getan wird, die Menschen mit den höchsten Einkommen und Vermögen angemessen an gesellschaftlichen Aufgaben zu beteiligen, so lange muss wenigstens der Solidaritätszuschlag bleiben. Wer ist davon betroffen? Niemand Falsches, die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung und Unternehmen, alle anderen nicht.

Ab 18 000 Euro Verdienst! Wir haben es von Herrn Gutting gehört! Ab 18 000 Euro im Jahr!

Zwei Drittel des Solis werden vom obersten Einkommensprozent gezahlt, und durch die Abschaffung des Solis würde man den Menschen an der absoluten Spitze der Pyramide rund 7 Milliarden Euro pro Jahr schenken. Das lassen wir doch besser sein.

Nach jetzigem Stand greift der Soli bei einer alleinstehenden Person ohne Kinder ab einem Einkommen von 89 000 Euro brutto im Jahr. Erst bei über 10 000 Euro brutto im Monat ist der volle Soli fällig. Der Steuersatz liegt dann bei maßvollen 44 Prozent. Zu Zeiten von Helmut Kohl lag dieser Satz bei 56 Prozent – plus Vermögensteuer.

Nun schwelgen wir im Gegensatz zu anderen nicht in der Vergangenheit. Aber die Vermögensteuer ist zumutbar, sie ist gerecht, und sie steht finanzpolitisch für eine bessere Zukunft, die wir erreichen wollen.

Überfällig!

Weil die Vermögensteuer nie abgeschafft, sondern nach einem Gerichtsurteil 1997 nur zur Klärung ausgesetzt wurde, weisen Steuerstatistiken des Finanzministeriums immer noch die Zeile „Vermögensteuer“ aus – leider eben mit dem Wert „0 Euro“. Diese peinliche Leerstelle wieder mit Sinn zu füllen, also mit Einnahmen, die fair und notwendig sind, das wäre hier im Bundestag ein lohnenswertes gemeinsames Projekt.

Beifallbei der Linken

Dass höchste Vermögen stattdessen wohlbehütet wachsen können, sehen wir als zentrale Gerechtigkeitsblockade in dieser Zeit.

Befassen Sie sich doch endlich mal mit Zentralbanken und Fiatgeld! Dann wissen Sie, warum die Vermögen wachsen!

Diese Blockade muss weg! Dann können wir auch darüber reden, ob der Soli noch zeitgemäß ist.

Das Bundesverfassungsgericht, das hoffentlich in absehbarer Zeit ein Verbot der AfD beschließen wird, hat den Soli erst im März für verfassungsgemäß erklärt. Rechtlich ist der Soli eine Ergänzungsabgabe, die eine besondere Begründung verlangt. Diese Begründung ist gegeben, wie auch die Benachteiligung der ostdeutschen Länder noch immer gegeben ist.

Beifallbei der Linken

Richtig ist und bleibt, etwas ganz anderes zu tun als das, was die AfD fordert. Unser Vorschlag: Der Soli sollte in den allgemeinen Steuersatz integriert werden – nicht als Ergänzungsabgabe, sondern als Teil eines progressiven Steuersystems, das Überreiche und Spitzenverdiener nicht länger bevorteilt, sondern stärker in die Pflicht nimmt.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Zu seiner ersten Rede darf ich für die Unionsfraktion aufrufen Herrn Dr. Florian Dorn.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Florian Dorn
Foto: Dr. Florian Dorn / Matthias Baumgartner
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es ist mir eine große Ehre, heute hier im Deutschen Bundestag meine erste Rede halten zu dürfen, und ich freue mich, die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes und vor allem natürlich auch meines Wahlkreises hier in diesem Hohen Haus vertreten zu dürfen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Jan Köstering [Die Linke]

Diese Aufgabe ist natürlich immer auch mit Verantwortung für unser Land verbunden. Gerade der Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage zeigt doch ganz klar: Unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit steht nach wie vor auf dem Spiel. In der Wirtschaft und bei den privaten Investitionen treten wir seit Jahren auf der Stelle. Klar ist deswegen: Wir müssen ganz dringend den Standort Deutschland stärken und wieder attraktiver machen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit dem Titel „Standort Deutschland stärken“ hat die AfD hier einen Antrag zur Abschaffung des Solis eingebracht. Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn wir den Soli in der jetzigen Form abschaffen. Das wird auch weiterhin eine zentrale Forderung der Union bleiben.

Zurufdes Abg. Tobias Ebenberger [AfD]

Doch die AfD serviert hier ihren Antrag wieder nur wie einen eiskalten Kaffee und verkennt in ihrer Schaufensterdebatte die aktuelle wirtschafts- und haushaltspolitische Realität.

Beifallbei der CDU/CSU

Die jüngste Steuerschätzung vom Mai liefert doch ein ganz klares Bild: Uns fehlen in den nächsten vier Jahren über 33 Milliarden Euro an Steuereinnahmen aufgrund des fehlenden Wirtschaftswachstums. Gerade in Zeiten knapper Kassen muss doch eine verantwortungsvolle Wirtschafts- und Finanzpolitik die Mittel zielgerichtet einsetzen und dort für Entlastung sorgen, wo es am effizientesten für spürbare Impulse sorgt und dem wirtschaftlichen Aufschwung dient.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Abschaffung des Solis ist in dieser Phase nicht der dringendste Impuls. Es würden dadurch jährlich knapp 13 Milliarden Euro an Steuereinnahmen fehlen. Über die nächsten vier Jahre wären das sogar über 50 Milliarden Euro. Das ist sogar mehr als der Umfang des steuerlichen Investitionsprogramms, das Sie heute Mittag noch sachgrundlos kritisierten.

Na, sehen Sie! Lassen Sie das Programm weg! Die Leute werden entlastet!

Von den jährlich fast 13 Milliarden Euro Entlastung würden knapp 2 Milliarden Euro auf die Körperschaftsteuer entfallen. Ja, mit knapp 30 Prozent bei der Unternehmensbesteuerung liegen wir so hoch wie in kaum einem anderen Industrieland. Natürlich müssen wir dringend die Steuerlast für die Unternehmen senken. Aber die Entlastung durch die Abschaffung des Solis würde nur knapp 1 Prozentpunkt bei der Körperschaftsbesteuerung ausmachen. Daraus folgt also: Sie ist nicht der Hebel, der in der jetzigen Phase am notwendigsten ist, um Wachstumsimpulse zu schaffen.

Meine Damen und Herren, die Koalition aus Union und SPD übernimmt Verantwortung und sorgt mit ihrem Programm dafür, dass noch in diesem Jahr unser Wirtschaftsstandort gestärkt wird – mit richtigen und wichtigen wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Philipp Rottwilm [SPD]

Wir sorgen mit einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik für günstigere Energiepreise, indem wir die Steuerlast in Bezug auf Strom reduzieren. Wir verbessern die steuerliche Forschungszulage und stärken somit die Innovationskraft unseres Mittelstands. Wir bauen Bürokratie ab und beschleunigen Deutschland an vielen entscheidenden Stellen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vor allem aber bekommen wir – ich habe es schon erwähnt – mit dem steuerlichen Investitionssofortprogramm dank der beschleunigten Abschreibungen sofort einen echten Investitionsbooster für unser Land, der unseren Standort in den nächsten Jahren stärken wird. Und in diesem Gesetz – das ist ganz wichtig, auch für die Planungssicherheit – sehen wir eine schrittweise Absenkung der Körperschaftsteuer von 15 Prozent auf 10 Prozent vor und schaffen damit einen deutlich größeren Hebel, als es die Abschaffung des Solis jetzt wäre.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Philipp Rottwilm [SPD]

Damit haben wir langfristig planbare und echte Steuerentlastungen für die Unternehmen in Deutschland und damit auch die größte Steuerreform für Unternehmen seit 2008.

Indem wir das wirtschaftliche Wachstum wieder erhöhen, schaffen wir auch Spielräume für künftige Steuerentlastungen.

Herr Dr. Dorn, auch die erste Rede neigt sich dem Ende zu.

Rednerwechsel

Herzlichen Dank. Herr Präsident, ich wollte diesen Moment nutzen, um Ihnen noch mal zu danken.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Kolleginnen und Kollegen, mit meinem letzten Satz möchte ich noch mal sagen: Wir machen verantwortungsvolle Politik für Deutschland. Mit uns bekommen Sie eine verlässliche und durchdachte Wirtschafts- und Finanzpolitik aus einem Guss. Gemeinsam bringen wir Deutschland jetzt wieder voran.

Herzlichen Dank für die Verlängerung der Redezeit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Zum abschließenden Wortbeitrag darf ich der Kollegin Frauke Heiligenstadt von der SPD-Fraktion das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Frauke Heiligenstadt
Foto: Frauke Heiligenstadt/ Photothek Media Lab
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Die AfD fordert wieder mal die vollständige Abschaffung des Solizuschlags – unter dem Deckmantel der Standortstärkung. Doch dieser Antrag ist recht durchschaubar. Es geht dieser Partei nicht um den Mittelstand, sondern es geht ihr ausschließlich um Steuererleichterungen für die Bezieher der höchsten Einkommen in diesem Land.

Seit 2021 zahlen rund 90 Prozent der Steuerpflichtigen in Deutschland – wir haben es in der Debatte mehrfach gehört – gar keinen Solidaritätszuschlag mehr. Nur die obersten Einkommensgruppen zahlen den Soli. Der volle Soli muss erst bei einem jährlichen Einkommen von circa 114 300 Euro für Einzelpersonen gezahlt werden. Für die große Mehrheit unserer Bevölkerung ist der Soli also faktisch abgeschafft.

Umso wichtiger ist es, klarzustellen, was die AfD tatsächlich will:

Zurufevon der AfD: Oh!

ein milliardenschweres Steuergeschenk für die wohlhabendsten 10 Prozent in unserem Land.

Das nenne ich „Spaltung“!

Für die fleißigsten 10 Prozent in diesem Land!

In Zeiten, in denen wir mehr denn je auf eine solide Staatsfinanzierung angewiesen sind, wäre das ein unverantwortlicher Schritt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das hat auch das Bundesverfassungsgericht so gesehen. Am 26. März hat es klargestellt: Der Solidaritätszuschlag ist verfassungsgemäß, solange ein erhöhter Finanzbedarf besteht. Und diesen Bedarf haben wir; denn nach wie vor müssen auch in den neuen Ländern Investitionen getätigt werden: in die Sicherheit, in die Infrastruktur und in den Klimaschutz.

Oh, wie konnte denn das nur passieren?

Eine vollständige Abschaffung des Solis würde fast 13 Milliarden Euro an Mindereinnahmen für den Staat bedeuten; das entspricht circa 2,6 Prozent des Gesamthaushalts. Dieses Geld fehlt dann für staatliche Aufgaben. Dieses Geld fehlt dann für Brückenbau,

Nee, für Radwege in Peru!

für sozialen Wohnungsbau, in Krankenhäusern und beim Bau von Schienen und Straßen.

Die AfD argumentiert mit angeblichen Belastungen des Mittelstands, verschweigt aber, dass viele kleine und mittlere Unternehmen ebenfalls nicht betroffen sind. Meine Damen und Herren, es gibt nach meiner Vermutung aber einen ganz anderen Grund, warum die AfD diesen Antrag zum dritten Mal stellt: Die Abgeordneten von der AfD wollen nämlich selbst keinen Solidaritätszuschlag bezahlen; denn den müssen Sie zahlen.

Lachenbei Abgeordneten der AfD
Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie wollen Ihr eigenes Portemonnaie aufhübschen.

Der Solidaritätszuschlag ist heute ein gerechtes Instrument. Er beteiligt sehr hohe Einkommen maßvoll an der Finanzierung des Gemeinwesens, ohne die breite Mitte zusätzlich zu belasten. Auch das Bundesverfassungsgericht hat das so ausgeführt.

Wir als SPD stehen für einen starken, handlungsfähigen Staat. Für soziale Gerechtigkeit. Für gezielte Entlastung, wo sie nötig ist – und für faire Beträge, wo sie möglich sind.

Und weitere Bürgerabzocke!

Deshalb lehnen wir einen solchen Antrag natürlich entschieden ab.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Frederik Bouffier
Foto: Frederik Bouffier/ Tobias Koch
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Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wie schaffen wir bestmögliche Sicherheit und gewährleisten gleichzeitig die Freiheitsrechte des Einzelnen? Das Spannungsverhältnis von Sicherheit und Freiheit beschäftigt uns immer wieder und ist auch der Grund für unsere heutige Debatte.

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung aus dem vergangenen Herbst aufgezeigt, dass es Nachbesserungen bei den §§ 18 und 45 des BKA-Gesetzes bedarf. Es hat aber auch ausdrücklich hervorgehoben – das darf hier keinesfalls unterschlagen werden –, dass der Kern der jeweiligen Vorschriften bzw. die Befugnisse an sich verfassungsgemäß sind. Und das ist eine sehr gute Nachricht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Aufgegeben hat uns das Verfassungsgericht, die Bearbeitung einzelner Aspekte der rechtlichen Ausgestaltung der §§ 18 und 45 BKA-Gesetz, also konkrete Nachjustierungen bei Datenerhebung bzw. -speicherung und Datenweiterverarbeitung, vorzunehmen.

Was machen wir konkret? § 45 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 BKA-Gesetz erlaubt dem BKA die heimliche Überwachung von Kontaktpersonen Terrorverdächtiger, beispielsweise durch den Einsatz technischer Mittel außerhalb von Wohnungen. Aufgrund des erheblichen Eingriffs fordert das Bundesverfassungsgericht für den Einsatz solcher Maßnahmen – erstens – von dem Terrorverdächtigen eine wenigstens konkretisierte Gefahr für ein hinreichend gewichtiges Rechtsgut. Dazu kommt – zweitens – eine spezifische individuelle Nähe der Kontaktperson nicht nur zur Hauptperson, sondern auch zu der aufzuklärenden Gefahr. Genau diesen Vorgaben kommt unser Gesetzesvorschlag nach, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

§ 18 BKAG erlaubt es dem BKA wiederum, bereits erhobene personenbezogene Grunddaten im polizeilichen Informationsverbund, also der gemeinsamen Datenplattform der Polizeibehörden von Bund und Ländern, zu speichern. Das Bundesverfassungsgericht beanstandet hier zum einen das Fehlen einer hinreichenden Speicherschwelle für eine vorsorgende Datenspeicherung bei Beschuldigten. Hier müssen die Voraussetzungen für die vorsorgende Speicherung enger und konkreter normiert werden. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts muss für die vorsorgende Speicherung nun sowohl für Beschuldigte als auch Tatverdächtige eine hinreichende Wahrscheinlichkeit dafür bestehen, dass sie eine strafrechtlich relevante Verbindung zu möglichen Straftaten aufweisen werden und gerade die gespeicherten Daten zu deren Verhütung und Verfolgung angemessen beitragen können. Dieser Aspekt wird durch den neuen § 30a BKA-Gesetz gelöst.

Zum Zweiten beanstandet das Verfassungsgericht die bisherige Speicherdauerregelung und fordert hierfür eine ausdifferenzierte Konzeption. Genau das greift unser Gesetzesvorschlag mit einer entsprechenden Ergänzung des § 77 BKAG auf.

Meine Damen und Herren, wenn man so will, handelt es sich im Großen betrachtet um geringfügige Gesetzesänderungen. Das bietet aber die Gelegenheit, noch einmal deutlich zu machen, warum wir solche Gesetze überhaupt erlassen. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch, aber Freiheit kann es nicht ohne Sicherheit geben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir alle sehen und spüren es. Wir alle kennen auch die Bedrohungs- und die Gefährdungslage; denken Sie nur an Mannheim, Solingen, Aschaffenburg oder München. Wir alle wissen, dass diese Anschläge durch die Attentäter auch deshalb erfolgt sind, weil sie unseren freiheitlichen Lebensstil, ja, weil sie unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung verachten. Deswegen ist es notwendig, unseren Sicherheitskräften möglichst die Mittel an die Hand zu geben, die es ihnen erlauben, Terror und andere Straftaten effektiv und gerade auch präventiv zu bekämpfen. Das ist notwendig, ja es ist, ehrlich gesagt, nicht nur notwendig, sondern auch unsere Pflicht; denn Sicherheit ist ein Grundbedürfnis der Bürger – und dafür zu sorgen eine Kernaufgabe des Staates.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir tragen mit den Gesetzentwürfen der Rechtsprechung Rechnung. Wir wahren die Freiheitsrechte des Einzelnen und geben gleichermaßen der Behörde die Befugnisse, mehr Sicherheit zu gewährleisten. Ich bitte deshalb herzlich im weiteren Verlauf um Zustimmung zu unseren Gesetzesanträgen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion darf ich das Wort Herrn Steffen Janich erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Steffen Janich
Foto: Steffen Janich
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Überschaubarkeit des hier zu beratenden Gesetzentwurfs eröffnet uns die Möglichkeit, diesen Entwurf gegenüber der Öffentlichkeit detailliert zu erläutern.

Worum geht es? Das BKA-Gesetz hat dem Bundeskriminalamt bisher die Möglichkeit eingeräumt, personen- und tatbezogene Daten von bestimmten Personen zu verarbeiten. Das galt auch dann, wenn diese Personen nur Beschuldigte in einem Ermittlungsverfahren waren. Es war nicht erforderlich, dass diese Personen wegen einer Straftat auch strafrechtlich verurteilt wurden. Das Bundesverfassungsgericht ist nun zu der Erkenntnis gelangt, dass diese Regelung im Widerspruch zu den höherrangigen Vorgaben des Grundgesetzes steht. Somit hat das Gericht entschieden, dass personenbezogene Grunddaten und Daten zu einem bestimmten strafrechtlich relevanten Verhalten von Beschuldigten nur gespeichert werden dürfen, wenn diese Datenspeicherung gesetzlichen Speicherschwellen und einer gesetzlich bestimmten Speicherdauer unterliegt. Der vorliegende Gesetzentwurf ist eine Reaktion auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

Personenbezogene Daten von Beschuldigten und Tatverdächtigen sollen demnach nur gespeichert werden, wenn aufgrund der Tat oder der Person des Beschuldigten darauf zu schließen ist, dass der Beschuldigte künftig Straftaten begehen wird und die Speicherung zur Verhütung oder Verfolgung dieser Taten beitragen kann. Die Vorgabe einer gesetzlichen Speicherschwelle ist hierdurch erfüllt. Und ich finde es richtig, dass den ermittelnden Polizeibeamten durch diesen abstrakten Tatbestand ein recht weiter Ermessensspielraum zugebilligt wird; denn die kriminalistische Erfahrung eines versierten Polizeibeamten und nicht die Gesellschaftsfantasie von Bürokraten ist am besten geeignet, um zu entscheiden, ob eine beschuldigte Person in Zukunft Straftaten begehen wird oder nicht.

Beifallbei der AfD

Die Speicherdauer für vorsorgend gespeicherte Daten im polizeilichen Informationsverbund wird für Erwachsene auf fünf Jahre bei schweren Straftaten und auf drei Jahre bei sonstigen Straftaten festgelegt. Damit wird der erforderlich gewordenen gesetzlichen Speicherdauer Rechnung getragen.

Für uns als AfD sind dabei drei Punkte wichtig:

Erstens. Als Rechtsstaatspartei steht für uns außer Frage, dass den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts durch den Bundestag entsprochen werden muss.

Sie haben gerade aus Versehen „Rechtsstaatspartei“ gesagt!

– Aber, Herr Fiedler, wer ist denn nun in einer Rechtsstaatspartei?

Ja, Sie nicht!

Das muss ich mich bei Ihnen langsam fragen. – Schon deshalb ist es wichtig, hier keine gesetzliche Regelungslücke durch Untätigkeit entstehen zu lassen.

Zweitens. Unser AfD-Grundsatzprogramm besagt: Das Recht der Bürger auf Sicherheit ist höher zu bewerten als das eines Straftäters auf informationelle Selbstbestimmung. – Ziel muss es sein, die Lebensbedingungen für die Mehrheit der Bürger zu verbessern. Und darum unterstützen wir die Möglichkeit der Datenspeicherung zu Beschuldigten, die nicht strafrechtlich verurteilt wurden.

Und drittens. Vernunft statt Ideologie! Von Anfang an haben wir gesagt, dass wir bereit sind, alle sinnvollen Gesetzesvorgaben zu unterstützen, egal von wem sie kommen. Und so ist es auch hier. Die AfD wird aus diesem Grund dem Gesetzesvorhaben der Koalition entsprechend zustimmen.

Danke.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion darf ich das Wort erteilen dem Kollegen Sebastian Fiedler.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Sebastian Fiedler
Foto: Photothek Media Lab
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Herzlichen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Bundeskriminalamt braucht schlagkräftige Instrumente im Kampf gegen Terrorismus und schwere und Organisierte Kriminalität. Dafür werden wir weiter sorgen.

Das Bundesverfassungsgericht hat über spezifische Befugnisse des BKA zur Datenerhebung und Datenverarbeitung als Zentralstelle der Polizei entschieden. Es hat festgestellt – die Botschaft ist vom Kollegen Bouffier gerade schon richtig formuliert worden –, dass das Gesetz in weiten Teilen verfassungskonform gewesen ist. Es hat mit seiner Entscheidung aber erstmals ganz spezifische Vorgaben gemacht, wie die notwendigen Befugnisse des BKA jetzt rechtssicher auszugestalten sind. Diese Befugnisse wollten wir, ehrlich gesagt, in der alten Regierung schon zeitnah umsetzen, und wenn es nicht zum Bruch gekommen wäre, wäre das schon passiert. Aber umso zügiger – das sieht man jetzt – wird die neue Regierung das jetzt entsprechend umsetzen, so schlank und so schnell wie möglich.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Weil der Kollege Bouffier eben schon sehr gut und umfangreich dargestellt hat, worum es geht, kürze ich diesen Teil meiner Rede etwas ab und erwähne nur noch einmal verdeutlichend, dass es sich unter anderem um die heimliche Überwachung von Personen, die in Kontakt mit Terrorverdächtigen stehen, geht. Hier werden wir als Gesetzgeber sicherstellen, dass solche Personen, die nur flüchtig oder zufällig mit terrorverdächtigen Personen in Kontakt stehen, von der Maßnahme nicht erfasst werden. Zum anderen geht es um Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit personenbezogene Daten eines Beschuldigten gespeichert werden können. Es ist gerade schon richtig gesagt worden: Das ist für die Polizeien von Bund und Ländern von übergeordneter und herausragender Bedeutung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich habe gerade schon das Wort „schlank“ verwendet. Schlank bedeutet: Das ist jetzt etwas, was wir dringend ganz schnell machen müssen. Deswegen machen wir das auch in einem solchen schnellen parlamentarischen Verfahren. Das bedeutet aber nicht, dass wir damit fertig sind. Vielmehr werden wir das Bundeskriminalamt insgesamt, so wie es das Vorhaben dieser Koalition ist, mit bestmöglichen Befugnissen ausstatten, die vor allen Dingen zeitgemäß sind. Dazu gehören viele Dinge, die geregelt werden müssen. Ich greife nur einen Teil heraus, sozusagen als Teaser: Es geht unter anderem um die cyberspezifische Bedrohungslage, der wir in Deutschland und Europa ausgesetzt sind. Da geht es um Gefahren des internationalen Terrorismus, die abgewehrt werden müssen; ich erinnere an staatlich motivierte Cyberangriffe. Da muss das BKA entsprechende Befugnisse bekommen – dazu werden wir noch viele Debatten führen müssen –; hier müssen wir das Bundeskriminalamt auf die Höhe der Zeit bringen. Das hat zu tun mit der Rolle, die das Bundeskriminalamt in der Sicherheitsarchitektur einnimmt. Deswegen will ich sagen: Das darf kein statischer Prozess sein. Wir müssen uns weiterhin darüber verständigen, welche Rolle das BKA im Gefüge von Bund und Ländern übernehmen soll und was die Länder tatsächlich zu leisten in der Lage sind.

Der Präsident des Bundeskriminalamtes hat dazu einen guten Begriff geprägt. Während es in der Kriminologie schon länger den Begriff „Crime-as-a-Service“ gibt – damit sind zum Beispiel professionelle Geldwäscheringe gemeint, die für andere arbeiten –, ist unser Konzept – da schließe ich mich dem Vokabular des Präsidenten des BKA, Holger Münch, an –: „Crimefighting-as-a-Service“. Das ist die Idee des Bundeskriminalamts. Damit ist gemeint: Das BKA muss weiterhin herausragende Kompetenzen entwickeln und vorhalten, die die Länder aufgrund ihrer Größe teilweise gar nicht vorhalten können. Und das hat zu tun mit Ausstattung, mit Technik, aber auch mit Befugnissen, die wir als Koalition dem BKA auf jeden Fall geben werden; dafür steht diese Koalition.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das ist auch deswegen wichtig – ich will das in Erinnerung rufen –, weil die Lage eben so ist, wie sie ist – einige Stichworte sind schon genannt worden –: Wir haben es ja nicht nur mit den schon genannten Bedrohungen durch Terrorismus zu tun. Damit meine ich sowohl den, der von rechts kommt, also sozusagen das Gedankengut in extremo, dessen Ideengebung von der rechten Seite dieses Hauses favorisiert wird und zu dem es entsprechende Beziehungen gibt.

Na, na, na!

Und Die Linke? Haben Sie die vergessen?

– Ich vergesse gar nichts.

Na, dann reden Sie doch mal darüber!

Aber ich nenne Sie zuerst, weil Sie die größte Bedrohung in unserem demokratischen Rechtsstaat sind.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist doch immer das Gleiche mit Ihnen!

Man muss die Prioritäten immer richtig setzen.

Ja, aber Sie verkennen die Realität, Herr Kollege!

Außerdem sind wir natürlich weiterhin einer Gefahr durch den islamistischen Terrorismus ausgesetzt.

Wir haben es mit anderen staatlichen Akteuren zu tun – jetzt komme ich komischerweise schon wieder zu Ihnen, weil Sie so enge Verbindungen zu Russland haben –,

Zurufvon der AfD: Ein bisschen flach, oder?

im Bereich Cyberkriminalität, aber auch in anderen Bereichen; das wissen Sie. Wir haben es mit einer ernstzunehmenden Lage im Bereich der Organisierten Kriminalität zu tun. Wir haben es auch mit einer organisierten Rauschgiftkriminalität zu tun.

Das BKA muss weiterhin so gut wie bisher in der Lage sein, im europäischen und internationalen Bereich herausragende Arbeit zu leisten. Wer dem BKA auf Whatsapp und in anderen sozialen Medien folgt, sieht: Immer dann, wenn wir europäisch und international zusammenarbeiten, haben wir herausragende Ermittlungserfolge. Das ist sozusagen die Idee dieser Koalition. Wir werden alles tun, was wir rechtsstaatlich ermöglichen können, um das BKA weiterhin mit sehr guten Befugnissen auszustatten. Darauf können sich die Kolleginnen und Kollegen dort verlassen. Wir danken ihnen herzlich für ihre herausragende Arbeit.

Vielen herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Ich darf für Bündnis 90/Die Grünen Lukas Benner das Wort erteilen. – Sie haben das Wort.

Porträt von Lukas Benner
Foto: Lukas Benner / Daniel Hofer
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es im Kapitel zur Innenpolitik – ich zitiere –:

„Das Spannungsverhältnis zwischen sicherheitspolitischen Erfordernissen und datenschutzrechtlichen Vorgaben muss […] neu austariert werden.“

Wer die Großen Koalitionen aufmerksam verfolgt hat, der weiß, dass sich hinter diesem Satz ein Frontalangriff auf Grundrechte verbirgt. Ich übersetze das einmal ganz deutlich: Was Sie immer mit „datenschutzrechtlichen Vorgaben“ umschreiben, ist das von der Verfassung verbriefte Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Deswegen ist es unsere Pflicht, sehr genau hinzuschauen, was Sie in den nächsten Jahren tun und was Sie mit diesem Gesetzentwurf vorhaben.

Das hatte die Ampel schon vor!

Ihr Entwurf bleibt hinter dem, was möglich gewesen wäre, leider deutlich zurück; denn das Bundesverfassungsgericht hat doch gesagt, dass man sich die Frage der Datenerhebung und Datenverarbeitung im BKA-Gesetz grundsätzlich anschauen muss. Das betrifft auch die Frage der Rechtsprechung zum Schutz der Intimsphäre bei V-Leuten und verdeckten Ermittlern – um ein weiteres Beispiel zu nennen. Deswegen bleibt der vorliegende Entwurf hinter dem zurück, was möglich gewesen wäre. Des Weiteren muss man die Frage stellen, ob die Gleichstellung von Tatverdächtigen und Beschuldigten verfassungsrechtlich geboten und haltbar ist.

An die Union gerichtet: Es wäre einfach gewesen, einen Entwurf vorzulegen, der sowohl dieses Urteil des Bundesverfassungsgerichts als auch die Rechtsprechung der vorherigen Jahre umsetzt. Die Ampel hatte bereits im Dezember einen Entwurf vorgelegt, der nicht nur diesen Punkt, sondern auch viele weitere Anpassungen des BKA-Gesetzes beinhaltet hat, und Frau Faeser hatte Ihnen die Hand ausgestreckt, diesen Entwurf hier gemeinsam durchs Parlament zu bringen. Ja, wir haben es schon mehrfach gehört: Eile ist geboten; die Befugnisse laufen am 31. Juli 2025 aus. Aber Ziel muss es doch sein, ein gut austariertes BKA-Gesetz, das Sicherheit und Freiheit in Einklang bringt, das evidenzbasiert und grundrechtskonform ist, auf den Weg zu bringen. Deswegen ist es so schade, dass Sie ausgeschlagen haben, mit uns gemeinsam eine größere Reform zu machen, dass Sie Fundamentalopposition gespielt haben und jetzt hier nur so eine Minimalumsetzung vorlegen, anstatt sich grundsätzlich den Befugnissen und der Datenverarbeitung im BKA-Gesetz zu widmen.

Nicht zugehört!

Wenn wir auf die Innenpolitik der Koalition in den ersten Wochen gucken, dann sehen wir: Verschärfung hier, Symbolpolitik da, Grundrechte egal. Wir nehmen uns an diesem Agieren kein Beispiel; denn wir wollen es anders machen als Sie. Wir wollen nicht wie Sie bei den Grenzkontrollen auf dem Rücken der Beamtinnen und Beamten irgendwelche Spielchen spielen. Es ist wichtig, dass die Befugnisse an dieser Stelle schnellstmöglich gewährt werden. Ich sage Ihnen zu, dass wir Ihrem Verfahren an keiner Stelle im Weg stehen. Ich bitte Sie dennoch, sich in der Kürze der Zeit noch einmal die Frage zu stellen, ob die Gleichstellung von Beschuldigtem und Tatverdächtigem an dieser Stelle geboten ist.

Vielen Dank.

Ich darf für die Fraktion Die Linke Jan Köstering das Wort geben.

Beifallbei der Linken
Porträt von Jan Köstering
Foto: DBT/ Inga Haar
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es ist längst überfällig, dass das BKA-Gesetz nachgebessert wird. An dieser Stelle sollte noch einmal betont werden, wieso wir heute überhaupt darüber reden, nämlich nicht, weil die vergangene oder die aktuelle Regierung das Thema für wichtig befunden hätten. Vielmehr sprechen wir heute darüber, weil die Gesellschaft für Freiheitsrechte gemeinsam mit betroffenen Bürgerinnen und Bürgern Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz eingelegt hatte, und das nicht erst vor Kurzem, sondern bereits 2019.

Nicht völlig überraschend haben sie vor dem Bundesverfassungsgericht in vielen Punkten recht bekommen. Die Regelungen zur weitgehenden Bevorratung von personenbezogenen Daten in der Polizeidatenbank INPOL sind teilweise verfassungswidrig. Der heimlichen Überwachung von bloßen Kontaktpersonen durch das BKA wurde ein Ende gesetzt. Beides versuchen Sie nun nachzubessern. Und wieder folgt Ihr Vorschlag dem alten Muster, immer so weit zu gehen, wie es das Bundesverfassungsgericht gerade so zulässt. Es ist immer das gleiche Spiel, meine Damen und Herren, sei es beim Thema Vorratsdatenspeicherung, sei es beim BND-Gesetz, sei es beim Bundesverfassungsschutzgesetz, bei denen ebenfalls Verfassungsbeschwerden gegen übermäßige Befugnisse zur Datenverarbeitung erfolgreich waren.

Immer wieder sehen wir, dass offensichtlich verfassungswidrige Regelungen verabschiedet werden. Diese gelten dann eine Zeit lang, bis Bürgerrechtsorganisationen und NGOs gegen sie vorgehen und Karlsruhe letztendlich Nachbesserungen fordert. Wir können froh sein – wir können wirklich froh sein –, dass die Wahrung grundlegender Bürger/-innenrechte vor Gerichten immer wieder eingefordert wird. Aber das kann doch nicht Maßstab von Sicherheitspolitik sein, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Ihr Maßstab, also immer wieder Recht zu brechen und die Grenzen der Grundrechte bis aufs Äußerste auszureizen, führt dazu, dass diese letztlich immer weiter verschoben werden.

Wir werden bei den aktuellen Anpassungen darüber zu reden haben, ob es überhaupt gelungen ist, den Anforderungen aus Karlsruhe gerecht zu werden. Als Linke werden wir da natürlich ganz genau hinschauen. Das gilt besonders mit Blick auf die Löschfristen und die Prüfung, ob auch 10 oder 15 Jahre nach einer Tat die Daten der Beschuldigten weiter gespeichert werden dürfen. Ich freue mich auf die Debatte im Ausschuss.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Ich darf für die CDU/CSU-Fraktion Stephan Mayer das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Stephan Mayer
Foto: DBT/Inga Haar
6 Vermerkeca. 800 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir legen Ihnen im Deutschen Bundestag als Regierungsfraktionen heute zwei schmale Gesetzentwürfe zur Novellierung des BKA-Gesetzes vor, die aber alles andere als unwichtig sind. Beide Gesetzentwürfe sind von essenzieller Bedeutung, weil sie dem Bundeskriminalamt im Lichte des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes vom 1. Oktober letzten Jahres wichtige Befugnisse im Bereich der Gefahrenabwehr bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus weiterhin ermöglichen. Es ist ja schon erwähnt worden: Hier besteht eine gewisse Eilbedürftigkeit, weil uns das Bundesverfassungsgericht eine Umsetzungsfrist bis zum 31. Juli gesetzt hat.

Meine Kolleginnen und Kollegen, beide Befugnisse sind von entscheidender Wichtigkeit. Warum? Nach Angabe des Bundeskriminalamtes sind allein zwischen 2017 und 2023 23 geplante Terroranschläge in Deutschland vermieden worden. Allein im Jahr 2023 waren es 6; das war die höchste Zahl seit 2015. Das zeigt eines sehr unzweifelhaft und sehr eindeutig: Deutschland steht nach wie vor im Fokus des internationalen Terrorismus. Es gilt der Satz – der zwar schon häufig zitiert wurde, aber trotzdem richtig ist –: Jederzeit kann in Deutschland ein Anschlag passieren. – Ich bin der festen Überzeugung: Eine starke, wehrhafte Demokratie darf auf keinem Auge blind sein. Wir müssen alle Gefahren, sowohl von Rechtsextremen als auch von Linksextremen, aber auch im Bereich des Islamismus, ernst nehmen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Mit diesen Gesetzentwürfen werden dem BKA wichtige Befugnisse weiter ermöglicht. Ich möchte nur einen Fall herausgreifen, den jüngsten Anschlag in Bielefeld. Wenn man sich die Genese ansieht und vor allem auch die Vita des – –

Den Anschlag hatten wir in Hamburg gehabt!

– In Bielefeld war ein Anschlag.

In Hamburg auch!

– Wenn Sie sich erinnern: Das war der Anschlag eines Islamisten, der sich in sehr kurzer Zeit radikalisiert hat. Deswegen ist es mir so wichtig, auf die Befugnisse, um die es heute geht, hinzuweisen.

Es gibt gerade bei kurzen, bei schnellen Radikalisierungsprozessen für die Gefahrenabwehrbehörden häufig kaum Möglichkeiten, der potenziellen Täter habhaft zu werden. Deshalb ist es notwendig, auch auf Kontaktpersonen zugreifen zu können, sprich: auch Kontaktpersonen des potenziellen Terroristen entsprechend überwachen zu können. Natürlich sind das keine Personen, mit denen er nur zufällig oder flüchtig zu tun hat. Aber wenn jemand dauerhaft mit der Person in Kontakt steht – beispielsweise ein Nachbar, ein Zimmerkamerad, ein Verwandter –, dann muss es dem BKA natürlich möglich sein, auch diese Kontaktperson zu überwachen. Das wird jetzt konkretisiert und auch präzisiert mit der Novellierung des BKA-Gesetzes.

Gleiches gilt für die Weiterverarbeitung von personenbezogenen Daten im Polizeilichen Informationsverbund. Wir haben einen föderalen Staat, zum Glück; das bringt sehr viele Vorteile mit sich. Im Bereich der Gefahrenabwehr bringt es bei der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden aber auch gewisse, ich sage mal, Herausforderungen mit sich. Gerade deswegen ist es wichtig, dass Informationen ohne große Brüche von einer Polizeibehörde an die nächste weitergegeben werden können. Deswegen sind auch die Speicherungen wichtig. Das Bundesverfassungsgericht hat uns aufgegeben, dies noch mal zu präzisieren. Es müssten also tatsächliche Anhaltspunkte vorliegen, dass eine hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Verdächtige bzw. der Beschuldigte in absehbarer Zeit eine Straftat oder einen Terroranschlag begeht.

Aus meiner Sicht werden wir den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes mit diesen Gesetzentwürfen gerecht.

Herr Kollege Benner, Sie haben jetzt gefragt, warum wir keine große Reform des BKA-Gesetzes machen. Wie gesagt – ich habe darauf hingewiesen –, wir stehen unter einer großen Eilbedürftigkeit. Deswegen geht es jetzt um eine sehr schmale Novellierung des BKA-Gesetzes. Aber ich kann Sie beruhigen: Wir werden mit Sicherheit sehr schnell – das Bundesinnenministerium allen voran – eine große Novelle zum BKA-Gesetz vorlegen, weil eines klar ist: Deutschland wird mit der neuen Koalition deutlich sicherer.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Leider sind in den letzten Jahren die Zahlen der extremistisch motivierten Straftaten deutlich angestiegen, allein von 2023 auf 2024 auf insgesamt über 84 000. Allein in einem Jahr war dies ein Anstieg von über 40 Prozent, bei den antisemitisch motivierten Straftaten ein Anstieg um 20,2 Prozent, bei den rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten ein Anstieg um 17 Prozent. Das ist nicht hinnehmbar. Unsere Bürgerinnen und Bürger verlangen zu Recht, dass Deutschland sicherer wird. Dafür stehen wir als Große Koalition und insbesondere als CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Es gibt sehr wohl noch viele andere Maßnahmen, die dringend erforderlich sind, zum Beispiel eine Novellierung von § 89a StGB, Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Lieber Herr Mayer, denken Sie an die Redezeit.

Auch Sympathiewerbung für terroristische Organisationen muss aus meiner Sicht wieder strafbar werden.

Jetzt geht es darum, dass wir diese Gesetzentwürfe schnell parlamentarisch behandeln. Darum bitte ich Sie.

In diesem Sinne herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Aussprache schließt ab für die AfD-Fraktion Herr Sascha Lensing.

Beifallbei der AfD
Porträt von Sascha Lensing
Foto: Sascha Lensing
2 Vermerkeca. 513 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren, Kolleginnen und Kollegen, Zuschauer auf den Tribünen! Es ist schon viel gesagt worden zu den Inhalten der Gesetzentwürfe. Deshalb kann ich ein bisschen kürzertreten.

Die vorliegenden Gesetzentwürfe von CDU/CSU und SPD zur Anpassung von Regelungen über den polizeilichen Informationsverbund im Bundeskriminalamtgesetz und zur Anpassung der Befugnis zur Datenerhebung bei Kontaktpersonen im Bundeskriminalamtgesetz wurden notwendig – wir haben es gehört –, weil durch den Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts festgestellt wurde, dass unter anderem bei der Datenweiterverarbeitung und der Kontaktpersonen-Überwachung einiges zu unbestimmt war, Verstöße gegen das Recht auf Privatsphäre bzw. auf informationelle Selbstbestimmung festgestellt wurden. Aus diesem Grund musste nachgebessert werden.

Wir als AfD-Fraktion sehen blindes Datensammeln oder, besser gesagt, die Erschaffung einer Datenkrake überaus kritisch. Aber wir machen unsere Entscheidung für die Zustimmung oder die Ablehnung eines Gesetzentwurfes nicht davon abhängig, welche Fraktion ihn einbringt – wie das offensichtlich vom Rest des Hauses hier gehandhabt wird –, sondern einzig davon, ob das Gesetz für Deutschland und seine Bürger richtig und sinnvoll ist.

Beifallbei der AfD

Aus diesem Grund haben wir eine ausgewogene Betrachtung des vorliegenden Gesetzentwurfs vorgenommen.

Der Entwurf zielt darauf ab, die Kompetenzen des Bundeskriminalamtes im Kampf gegen die zunehmende Bedrohung durch Terrorismus zu stärken. Durch die Erweiterung der Befugnisse soll das BKA in der Lage sein, schneller und effektiver auf terroristische Gefahrenlagen zu reagieren. Insbesondere die verbesserten Möglichkeiten zur Datenanalyse und -überwachung können dazu beitragen, terroristische Netzwerke frühzeitig zu erkennen und zu zerschlagen. Zudem wird die Zusammenarbeit der verschiedenen Sicherheitsbehörden gefördert und der Informationsaustausch erleichtert. – Alles positive Punkte.

Auf der anderen Seite gibt es berechtigte Bedenken hinsichtlich der möglichen Einschränkung der Grundrechte. Kritiker befürchten, dass die erweiterten Überwachungsbefugnisse zu einer massiven Ausweitung staatlicher Eingriffe in die Privatsphäre führen könnten. Es besteht die Gefahr, dass die Maßnahmen zu vage formuliert sind und missbraucht werden könnten, wenn die Person, die überwacht werden soll, zum Beispiel nur – wir haben es gerade schon gehört – ein grober Bekannter eines Terrorverdächtigen ist, man sich nur zufällig getroffen hat. Ergänzend wird argumentiert, dass eine stärkere Überwachung das Vertrauen in den Rechtsstaat untergraben und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gefährden könnte. Es ist wichtig, eine Balance zwischen Sicherheitsinteressen und den Schutzrechten der Bürgerinnen und Bürger zu wahren.

Unser Fazit – der Kollege Janich hat es schon vorweggenommen –: Der Gesetzentwurf stärkt die Fähigkeiten des BKA im Kampf gegen terroristische Bedrohungen. Diese Bedrohung sehen und spüren unsere Bürger leider mittlerweile in immer kürzeren Abständen. Es wird dringend Zeit, dem BKA gerade im Bereich der Abwehr terroristischer Bedrohungen das notwendige Werkzeug an die Hand zu geben. Das sehen auch wir als unseren Auftrag, den wir als Alternative für Deutschland ernst nehmen.

Gleichzeitig ist es unerlässlich, die damit verbundenen Risiken sorgfältig abzuwägen und sicherzustellen, dass Grundrechte gewahrt bleiben. Das ist hier aus unserer Sicht geschehen.

Herr Kollege Lensing, denken Sie an die Redezeit.

Rednerwechsel

Ich komme zum Schluss, ja. – Die Bürger unseres Landes können sich darauf verlassen, dass wir bei den Gesetzgebungsprozessen weiter genau hinschauen werden.

Wir unterstützen unsere Sicherheitskräfte. Deshalb begrüßen wir dieses Gesetz.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD
Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
6 Vermerkeca. 526 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Gesundheitssystem ist finanziell am Ende. Es braucht umgehend eine Reform. Wir als Die Linke legen heute einen Antrag dazu vor, der die finanziellen Probleme in der Gesundheitsversicherung nachhaltig und gerecht löst.

Das ist eine steile These!

Wir steigen ein in ein echtes solidarisches System, in dem alle, auch die Reicheren, ihren Anteil für eine solidarische Gesundheitsversicherung leisten.

Wie läuft es bislang? De facto gilt durch die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze: Je reicher du bist, desto weniger zahlst du prozentual in die gesetzliche Krankenversicherung ein. Außerdem: Wenn du reich bist, hast du die Möglichkeit, dich günstiger privat versichern zu lassen und gänzlich aus der Solidargemeinschaft auszusteigen. Und: Die Rentnerin muss von ihrer Rente Versicherungsabgaben leisten; der Vermieter muss von seinen Mieteinnahmen keine Abgaben leisten. Einkommen, von denen vor allem Reichere leben – Miete, Rendite –, werden zur Finanzierung der Versicherungen gar nicht erst einbezogen.

Wir, sehr geehrte Damen und Herren, halten das für völlig absurd.

Beifallbei der Linken

Es ist nicht nur ungerecht, dass Rentner/-innen und Gering- und Durchschnittsverdienende das Gesundheitssystem tragen; es ist auch ein finanzielles Desaster. Das Gesundheitssystem steht vor dem Bankrott. 800 Millionen Euro musste die neue Regierung schon zuschießen. Seit gestern ist bekannt, dass Finanzminister Klingbeil nach weiteren 16 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem sucht. Wer ist dafür verantwortlich? Die beiden Parteien, die jetzt regieren. Seit 2013 rudern Sie im Gesundheitsministerium. Und Sie haben es noch nicht einmal geschafft, sich im Koalitionsvertrag auf grundlegende Maßnahmen zu verständigen, sondern wollen eine Kommission einsetzen, die bis 2027 Ergebnisse erarbeitet.

Beifallbei der Linken

Bis 2027? Die Probleme sind bekannt. Die Lösungen sind bekannt. Wir legen sie vor. Sie können abschreiben; wir sind gar nicht sauer. Sie brauchen damit nicht bis 2027 warten, Sie dürfen auch gar nicht bis 2027 warten. Aber stellen Sie sich jetzt mal kurz Folgendes vor: Eine Rentnerin liest das erste längere Interview der neuen Gesundheitsministerin. Dort beschreibt Frau Warken zwar keine weiteren Lösungen, aber sie schließt Leistungskürzungen nicht mehr aus. Donnerwetter! Was glauben Sie denn? Sie erzählen derjenigen, deren Rente mit der Inflation nicht Schritt gehalten hat, bei der aber die Kassenbeiträge jedes Jahr weiter steigen, dass sie für mehr Geld weniger Leistung bekommt? Sie erzählen der Rentnerin, dass trotz der hohen Beiträge die letzte Klinik in ihrer Umgebung schließt? Und dann – nach Jahrzehnten Rumgesitze im Bundestag – wundern Sie sich, warum die Menschen da draußen so enttäuscht von der Politik sind? Ich sage Ihnen: Darin könnte der Grund liegen.

Ihr Problem ist: Die Menschen „da draußen“ sitzen mittlerweile hier links im Parlament. Und wir nehmen es nicht hin, dass das Solidarsystem nur die Solidarität von Menschen mit niedrigen und mittleren Lohneinkommen untereinander meint. Wir kämpfen dafür, dass Unternehmer, Immobilienhaie und Bestverdienende ihren Beitrag zahlen, bevor medizinische Leistungen gekürzt werden.

Beifallbei der Linken

Wir kämpfen darum, dass es gerechter wird, auch im Gesundheitssystem.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Ich darf für die Unionsfraktion Frau Kollegin Simone Borchardt aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Jetzt wird es wieder sachlich!

Porträt von Simone Borchardt
Foto: Simone Borchardt
6 VermerkeZwischenfrageca. 572 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Kommen wir mal wieder zur Sache. Wir alle sind gewählte Abgeordnete aus dem Volk; das möchte ich an dieser Stelle noch mal unterstreichen. Wir spalten auch nicht, sondern wir debattieren in der Sache.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es ist schön, dass Sie als Linke auch schon gemerkt haben, dass unser Gesundheitssystem auf eine Finanzkrise zusteuert; das ist nämlich längst Realität. Wir haben also kein Erkenntnisproblem. Wir werden und dürfen auch nicht länger die Reformnotwendigkeit dieses Systems infrage stellen. Es nützt nämlich nichts, immer mehr Geld in ein krankes System zu stecken; davon wird es auch nicht besser. Da nützen auch keine weiteren Umverteilungsdebatten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Legen Sie doch mal Vorschläge vor!

Was wir jetzt brauchen, sind kluge Strukturen. Wir brauchen ein Case-Management, eine gute Digitalisierung, eine sektorenübergreifende Versorgung, die medizinische, pflegerische und digitale Leistungen besser verzahnt.

…, und zwar nicht erst in drei Jahren, Frau Borchardt!

Eine konsequente Umsetzung der Ambulantisierung ist eben keine Leistungskürzung für Krankenhäuser, sondern eine stringente Weiterentwicklung des Gesundheitssystems; denn nur durch gute Steuerung heben wir Effizienzreserven und sparen dort, wo Versorgung heute am Bedarf vorbeigeht.

Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion?

Nein, danke. – Es wird gerne suggeriert, es seien Leistungskürzungen geplant. Das ist falsch. Richtig ist: Die angekündigten Maßnahmen der neuen Koalition zielen auf eine bessere Steuerung. Denn zur Wahrheit gehört auch: Wir leisten uns in Deutschland über 600 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte pro Jahr. Das ist im internationalen Vergleich ein Spitzenwert. Doch diese hohe Frequenz schlägt sich nicht in einer besseren Gesundheit nieder. Im Gegenteil: Die Lebenserwartung in Deutschland stagniert, die chronischen Erkrankungen nehmen zu. Das bedeutet: Mehr ist nicht automatisch besser.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Bei dem Stichwort „Mehr ist nicht automatisch besser“ komme ich natürlich zum Thema Beitragssatz. Wir müssen die Finanzierung natürlich stabilisieren. Wir müssen Effizienzreserven heben, nicht nur im personellen Bereich, vor allem auch im finanziellen Bereich. Damit werden wir endlich auch über das Thema „Finanzierungswahrheit und -klarheit“ reden und auch für diese sorgen. Wir werden die Versorgungsstrukturen endlich neu denken; denn solange jeder Sektor im Gesundheitswesen sein eigenes Süppchen kocht, werden wir diesen Koloss Gesundheitssystem nicht in geordnete Bahnen führen können. Wir haben jetzt schon eine große Anzahl und Vielfalt an Angeboten, welche zu groß, zu allgemein und nicht aufeinander abgestimmt sind. Das werden und wollen wir ändern.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Unser System ist zu lange auf Reparaturen getrimmt worden, auf kurzfristige Eingriffe, auf das Heilen von Symptomen. Was wir jetzt brauchen, ist ein ganzheitlicher, systemischer Ansatz, ein echter Kurswechsel, eine zielgenaue Versorgungsqualität für die Menschen in unserem Land. Das halte ich für sehr wichtig. Wir müssen zu einem System kommen, das langfristig schützt und stärkt. Und wir brauchen kein ideologisch aufgeblähtes Gerechtigkeitsvokabular; denn das schädigt dieses System nur. Damit verspielen wir das Vertrauen in unsere Gesundheitsversorgung.

Denken Sie an die Redezeit!

Wir werden die Gesundheitsversorgung auch systemisch neu aufstellen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Bevor ich ihn jetzt falsch aufrufe: Für eine Kurzintervention hat der Kollege aus der AfD-Fraktion das Wort.

Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
3 Vermerkeca. 297 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Borchardt, als gesundheitspolitische Sprecherin der Union haben Sie in Ihrer Rede gesagt, Sie wollen keine weitere Umverteilung. Das sehen wir durchaus auch so. Über 2,5 Millionen Ausländer in Deutschland beziehen Bürgergeld und nehmen die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch. Es ist ziemlich einmalig auf der Welt, dass Ausländer, die nicht arbeiten, die komplette Gesundheitsfürsorge von der Gesellschaft finanziert bekommen. Das führt einerseits zu einer massiven Beitragssteigerung; denn die 2,5 Millionen Ausländer in der gesetzlichen Krankenversicherung kosten uns jedes Jahr ungefähr 9 Milliarden Euro. Andererseits führt das aber auch zu deutlich längeren Wartezeiten, weil jede Minute, jede Stunde, die für arbeitslose Ausländer aufgewandt wird, für berufstätige Ausländer und Einheimische fehlt.

Kurzintervention!

Der jetzige Kanzler Merz hat das vor zwei Jahren gut beschrieben, als er sagte – Zitat –:

„Die werden doch wahnsinnig, die Leute, wenn die sehen, dass 300 000 Asylbewerber abgelehnt sind, nicht ausreisen, die vollen Leistungen bekommen, die volle Heilfürsorge bekommen. Die sitzen beim Arzt und lassen sich die Zähne neu machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine.“

Keine Rede, bitte!

Spontane Kurzintervention, ne? Gut abgelesen, Herr Kollege! Für Reden sollte man sich anmelden!

In anderen Ländern der EU bekommen arbeitslose Ausländer nur dann Zugang zu Standardleistungen im Gesundheitssystem, wenn sie diese vollumfänglich aus der eigenen Tasche bezahlen. In Deutschland hingegen gibt es das Rundum-sorglos-Paket auf Kosten der Beitragszahler. Meine Frage an Sie ist ganz konkret: Gedenkt die Union, gemäß der Aussage des Bundeskanzlers von vor knapp zwei Jahren dieses Thema anzugehen, und, wenn ja, wann gehen Sie dieses Thema an?

Beifallbei der AfD

Kurzinterventionen sehen anders aus!

Frau Kollegin Borchardt.

Porträt von Simone Borchardt
Foto: Simone Borchardt
2 Vermerkeca. 187 WörterReaktionswert: ruhig
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Vielen Dank für diese Frage. – Falls Sie es bemerkt haben: Wir machen beim Thema Migration schon sehr viel. Das dürfte Ihnen nicht entgangen sein. Und die Maßnahmen wirken auch relativ gut.

Zur zweiten Sache. Ich halte überhaupt nichts davon, dass Sie hier diese Spaltung vornehmen. Zum Thema Bürgergeld. Wir stellen uns dem Problem der versicherungsfremden Leistungen. Das ist wichtig, und wir haben auch thematisiert, dass das im eigentlichen Sinne keine Aufgabe der GKV ist. Wir werden das Thema gemeinsam mit dem Finanzministerium angehen. Das heißt, wir schweigen es auf keinen Fall tot. Aber Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass es das Bürgergeld in der jetzigen Form mit uns nicht mehr geben wird. Wir fordern hier das Thema Grundsicherung ein. Wir brauchen da einen systemischen Ansatz und keinen populistischen Ansatz. Deshalb werden wir das Problem richtig lösen und nicht so, wie Sie das wollen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Matthias David Mieves [SPD]

Ich darf für die AfD-Fraktion Frau Dr. Christina Baum das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD

Die haben auch Frauen unter sich?

Porträt von Christina Baum
Foto: Dr. Christina Baum/Fotodienst Bundestag
13 Vermerkeca. 517 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wie nicht anders zu erwarten, ist auch dieser Antrag der Linken geprägt von sozialistischen Einheits- und Gleichmachereigedanken, die, wie wir aus unserer eigenen Vergangenheit wissen, immer nur zu einem führen: Armut für alle und Zwang statt Freiheit.

Beifallbei der AfD

Dass eine Gesellschaft nur erblühen und damit einen hohen Lebensstandard erreichen kann, wenn Leistung nicht durch immer mehr Abgaben bestraft wird, verstehen Sie einfach nicht. Diese sogenannte Bürgerversicherung ist nicht sozial gerecht; sie ist das Gegenteil: Sie ist zutiefst ungerecht.

Lachendes Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]

Sie bestraft genau die Menschen, die dieses Land noch am Laufen halten, die Leistungsträger, die Unternehmer, die Arbeiter, die Steuerzahler. Soziale Verantwortung darf jedoch kein Freibrief für grenzenlose und schamlose Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung sein.

Beifallbei der AfD

Unser Standpunkt zur Einheitsversicherung ist ganz klar: Die Ausübung von staatlichem Zwang, die eine Pflichtversicherung letztendlich darstellt, sollte nur dann zum Tragen kommen, wenn es unbedingt notwendig ist. Bei Bürgern, deren wirtschaftliche Verhältnisse mit hinlänglicher Sicherheit für eine eigenverantwortliche Vorsorge ausreichen, ist Zwang nicht gerechtfertigt. Die Idee, Privatversicherte schrittweise in die GKV und SPV zu integrieren und somit die private Krankenversicherung abzuschaffen, bewertet die AfD zudem als massiven Eingriff in die freie Wahl des Versicherungssystems der Bürger.

Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]

Doch wie kam es überhaupt zur Finanznot im Gesundheitssystem? Wie kam es dazu, dass die Rücklagen der Krankenkassen fast vollständig aufgebraucht sind? Diese Not ist das Ergebnis jahrzehntelanger falscher Politik der Altparteien, vor deren Scherbenhaufen wir heute stehen.

Beifallbei der AfD

Sie ist das Ergebnis einer überbordenden Bürokratie, hoher Energiekosten und insbesondere der Belastungen durch die Masseneinwanderung. Allein 2024 beliefen sich die Ausgaben der Krankenkassen für sogenannte Flüchtlinge auf eine Milliardenhöhe. Hunderttausende erhalten medizinische Leistungen, ohne jemals einen Cent in das System eingezahlt zu haben. Das kann das beste Sozialsystem nicht leisten.

Beifallbei der AfD

2015 haben Sie uns erzählt, wir bräuchten die Einwanderer, um unsere Sozialsysteme zu retten. Heute sollen Rentner länger arbeiten, damit die Migration überhaupt noch finanziert werden kann.

Das stimmt doch nicht! Totaler Humbug!

Eine derartige Verhöhnung unserer hart arbeitenden Bevölkerung ist längst zur Realität in diesem Land geworden.

Beifallbei der AfD

Diese Ungerechtigkeiten werden wir beenden. Wenn Sozialpolitik tragbar sein soll, darf sie niemals grenzenlos sein. Gesundheitsversorgung bleibt für uns Daseinsvorsorge. Deshalb fordern wir ein Ende der ideologischen Umverteilung auf Kosten der eigenen Bevölkerung.

Beifallbei der AfD

Unser Sozialstaat ist zuerst für unsere Bürger da, nicht für die ganze Welt. Wir brauchen endlich wieder eine Gesundheitsversorgung, die bezahlbar, effizient und leistungsfähig ist,

Zurufdes Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]

für unsere Familien, für unsere Alten und unsere Kranken. Das ist unser Verständnis von sozialer Verantwortung.

Beifallbei der AfD

Lassen Sie gefälligst unsere Rentner in Ruhe! Sie haben nach jahrzehntelanger harter Arbeit einen würdigen Lebensabend mehr als verdient.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist von der Sozialdemokratie Dr. Christos Pantazis.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Christos Pantazis
Foto: Maximilian König
8 VermerkeZwischenfrageca. 870 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung ist kein abstraktes System. Sie ist das Rückgrat unseres gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Wer krank wird, muss sich auf eine solidarische, leistungsfähige Versorgung verlassen können, unabhängig vom Einkommen, Wohnort oder Alter.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Doch genau dieses Versprechen steht unter Druck. Zu Jahresbeginn sahen wir historisch hohe Beitragssätze. 95 Prozent der Kassen schreiben rote Zahlen. Die Rücklagen schmelzen. Die Ausgaben steigen, insbesondere für Krankenhäuser, Arzneimittel, Heil- und Pflegeleistungen.

Dabei wissen wir: Das ist erst der Anfang. Denn mit dem demografischen Wandel steigt der Versorgungsbedarf massiv: mehr ältere Menschen, mehr chronische Erkrankungen, mehr Pflegebedürftige. Bis 2030 wird jede und jeder Vierte über 65 sein. Unser Gesundheitssystem steht also vor einer strukturellen Bewährungsprobe und damit auch unser demokratisches Gemeinwesen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Für uns als SPD-Bundestagsfraktion ist dabei klar: Die Stabilisierung der GKV und SPV duldet keinen Aufschub. Sie gelingt nicht durch Symbolpolitik oder Einzelforderungen, sondern nur mit einem Gesamtpaket aus strukturellen Anpassungen und kurzfristigen Maßnahmen.

Was heißt das konkret? Wir müssen die bereits eingeleiteten Strukturreformen jetzt entschlossen fortschreiben. Halbe Schritte reichen nicht. Digitalisierung vorantreiben, Bürokratieabbau, elektronische Patientenakte, automatisierte Abrechnung, digitale Prozesse – das spart Zeit, Geld und Nerven. Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte sollen wieder für Menschen arbeiten, nicht für Aktenordner.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Die Krankenhausreform ist entschlossen voranzubringen. Wir halten Kurs auf eine qualitätsorientierte Krankenhausversorgung; denn bessere Qualität rettet Leben und spart mittel- und langfristig Kosten. Strukturreformen dürfen nicht verwässert werden, sondern müssen auf eine bedarfsgerechte und evidenzbasierte Versorgung zielen. Die Notfallversorgung gilt es zu reformieren. Ein integriertes, vernetzendes System leitet Patientinnen und Patienten dorthin, wo sie am besten versorgt werden – ambulant, stationär, schnell. Das ist effizient und entlastet Kliniken.

Primärärztliche Steuerung ist zu stärken. Die Kollegin hat es vorhin auch gesagt: Über die Hälfte der GKV-Versicherten geht direkt zum Facharzt, obwohl sie bereits beim Hausarzt waren.

Herr Kollege, erlauben Sie eine Zwischenfrage vom Kollegen Dahmen?

Nein, jetzt nicht, bitte.

Es gibt noch eine Zwischenfrage; ich muss Sie fragen. Erlauben Sie diese Zwischenfrage?

Nein, jetzt nicht.

Sie wollen gar keine Zwischenfragen?

Nein.

Dann reden Sie doch zum Antrag!

Tut er gleich!

Gut, bitte schön.

Ein gut funktionierendes Primärarztsystem, das Patientinnen und Patienten sinnvoll lenkt, spart Kosten, verkürzt Wartezeiten und erhöht die Versorgungsqualität.

Arzneimittelversorgung ist evidenzbasiert zu steuern. Das ist auch einer der Punkte. Gerade bei steigenden Ausgaben braucht es eine klare Fokussierung auf medizinischen Nutzen. Therapien müssen sich an gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren.

Und natürlich dürfen die Hausarztpraxen auf dem Land nicht zur Ausnahme werden. Wir setzen auf Zuschläge, mobile Angebote, Telemedizin und gezielte Investitionen; denn Versorgung darf keine Frage der Postleitzahl sein.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Abschließend gilt es, die Pflege finanziell abzusichern. Kurzfristig heißt das: Der Bund muss pandemiebedingte Mehrkosten ausgleichen und pflegende Angehörige entlasten, etwa bei den Rentenbeiträgen.

Beifallder Abg. Matthias David Mieves [SPD] und Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Langfristig brauchen wir eine solide Mischfinanzierung aus Beiträgen, Steuern und Bundeszuschüssen.

Was wir allerdings nicht brauchen, ist eine Debatte, die sich in Schlagworten verliert. Der Antrag der Linken erkennt zwar das Problem, wer aber einfach nur mehr Geld fordert, ohne tragfähige Konzepte zur Gegenfinanzierung vorzulegen, verkennt die Verantwortung, die wir hier gemeinsam tragen.

Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an den Abg. Ates Gürpinar [Die Linke] gewandt: Jetzt redet er zum Antrag!

Für eine nachhaltige Stabilisierung der GKV-Finanzen dürfen wir uns keine Denkverbote auferlegen. Wir müssen über alle relevanten Stellschrauben offen diskutieren, um die Beitragsspirale zu durchbrechen. Dazu gehört eine Dynamisierung des Bundeszuschusses ebenso wie die kritische Überprüfung versicherungsfremder Leistungen und der Weg hin zu einer sachgerechten Bundesbeteiligung. Auch eine Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze kann ein Beitrag zur finanziellen Entlastung der Krankenkassen sein, ohne die Versicherten über Gebühr zu belasten.

Unsere Linie bleibt daher klar: Wir denken Gesundheit vom Menschen aus, nicht vom System. Wir verteidigen die Solidarität nicht durch leere Versprechen, sondern durch konkrete Reformen, die wir jetzt auch fortsetzen wollen. Und wir wollen Belastungen gerecht verteilen, nicht einseitig auf Versicherte abwälzen. Wer nur Beitragserhöhungen fordert, verstärkt soziale Ungleichheit. Wer nur Leistungskürzungen fordert, gefährdet die Versorgung. Beides schwächt das Vertrauen. Genau dieses Vertrauen brauchen wir allerdings als Demokratinnen und Demokraten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich komme daher zu dem Schluss: Die Stabilisierung der GKV und SPV ist mehr als eine haushaltspolitische Aufgabe. Sie ist eine demokratische, lassen Sie es mich so sagen: Bewährungsprobe; denn wer sich im Ernstfall nicht auf die Solidargemeinschaft verlassen kann, verliert das Vertrauen in unser Gemeinwesen. Lassen Sie uns deshalb jetzt gemeinsam arbeiten für stabile Kassen, für eine verlässliche Pflege und für ein solidarisches Gesundheitssystem, das seinem Namen auch künftig gerecht wird!

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Bevor wir die Debatte fortsetzen, gibt es zwei Wünsche nach Kurzinterventionen, denen ich stattgeben möchte. Als Erstes bekommt das Wort dafür der Abgeordnete Ates Gürpinar von der Linksfraktion.

Porträt von Ates Gürpinar
Foto: Ates Gürpinar/ Olaf Krostitz
1 VermerkZwischenfrageWortwechselca. 234 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Lieber Kollege Pantazis, ich bin ja dankbar, dass Sie am Ende noch kurz auf den Antrag eingegangen sind, allerdings ohne die Stellen genau gelesen zu haben. Uns geht es nicht nur darum, die Geldbasis auszuweiten – das ist momentan nötig; wir mussten gerade 800 Millionen Euro zahlen, damit die Kassen nicht komplett pleite sind, und Klingbeil sucht jetzt noch 16 Milliarden Euro, um sie quasi zu finanzieren –, sondern um die Erweiterung des Kreises der Menschen, die einzahlen. Das könnte ja auch dazu führen, dass die jetzt Zahlenden – das sind die Rentnerinnen und Rentner, das ist der Durchschnittsverdienende – im Endeffekt weniger Beiträge leisten müssen. So funktionieren nämlich die Kassen. Die Kassen funktionieren so, dass insgesamt genug Geld da sein muss. Wenn wir Politikerinnen und Politiker, Beamte usw. usf. einbeziehen, kann das dazu führen, dass individuell weniger gezahlt wird.

Wenn wir das allerdings nicht machen – das ist meine konkrete Frage –, dann drohen Leistungskürzungen, weil die Kassen pleite sind. Die jetzige Regierung schließt das nicht mehr aus. Wir haben das im letzten Interview der Gesundheitsministerin Warken gelesen, und wir haben das vom Staatssekretär gestern im Ausschuss gehört.

Deswegen meine Frage an Sie und die Kolleginnen und Kollegen der SPD, einer Regierungsfraktion: Können Sie für diese Legislatur Leistungskürzungen ausschließen, oder können Sie das nicht ausschließen?

Beifallbei der Linken

Herr Dr. Pantazis, möchten Sie darauf antworten?

Sehr gerne.

Gut.

Porträt von Christos Pantazis
Foto: Maximilian König
2 Vermerkeca. 355 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege Gürpinar, mittlerweile entwickelt sich das zu einer längeren Geschichte. Nach meinen Reden gibt es regelmäßig Kurzinterventionen von Ihnen, was ganz in Ordnung ist, kein Problem; ich komme damit klar.

Vorneweg: Was die Äußerung der Ministerin betrifft, die auch Bestandteil einer Ihrer Fragen an den Staatssekretär im Ausschuss gewesen ist, darf ich daran erinnern, dass der Staatssekretär vollumfänglich dazu Stellung bezogen und das entsprechend relativiert hat. Das kann man an der Stelle erst mal festhalten.

Zweitens. Ich bin jemand, der mit Blick auf den Antrag gesagt hat: Ich will in der Frage der weiteren Stabilisierung sowohl der SPV als auch der GKV keine Denkverbote. – Das habe ich auch in meiner Rede gesagt. Das heißt: Über alles haben wir zu diskutieren, auch im Rahmen der Kommission und der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die jetzt gegründet respektive eingesetzt wird, da wir schrittweise zu einer nachhaltigen finanziellen Grundlage respektive Sicherung sowohl der GKV als auch der SPV kommen wollen. In keiner Hinsicht darf es Denkverbote geben.

Trotz alledem sage ich Ihnen ganz offen: Wer nur auf Leistungskürzungen setzt, sorgt dafür, dass unser Gemeinwesen erodiert. Und wer der Ansicht ist, dass man lediglich mehr Geld zu verlangen braucht – ohne Strukturreformen –, greift hier auch viel zu kurz.

Deswegen habe ich an dieser Stelle Ihren Antrag kritisiert, weil der sich in diesem Bereich erschöpft.

Wir müssen den Pfad, den wir übrigens schon in der letzten Wahlperiode eingeschlagen haben, weitergehen, indem wir die entsprechenden Maßnahmen, die ich eben gerade aufgezählt habe, weiterhin forciert vorantreiben – wie beispielsweise die Krankenhausreform, die wir an der Stelle natürlich weiterentwickeln und nicht verwässern wollen, weil auch sie Einsparungen bringt, und vor allen Dingen das primärärztliche System im ambulanten Bereich.

Es gibt also eine ganze Menge zu tun, und da freue ich mich auf die weiteren Ausschussberatungen.

Vielen Dank.

Vielen Dank. – Zu einer weiteren Kurzintervention erteile ich das Wort dem Abgeordneten Dahmen.

Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 266 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst an die Kollegen der Linksfraktion: Vielen Dank, dass wir die Möglichkeit haben, über dieses wichtige Thema zu reden. Ich will auch sagen, dass es keine flapsige Tradition ist, sich hier in den Debatten einzubringen. Wenn Nachfragen nicht zugelassen sind, ist es sicherlich guter Usus, per Kurzintervention noch mal auf wichtige Punkte hinzuweisen.

Insofern würde ich mich gerne an den Kollegen und gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion Pantazis mit einer Frage wenden wollen. Ich habe jetzt verstanden: Die Probleme sind groß. Es geht nicht darum, einfach nur mehr Geld zu beschaffen, sondern darum, Strukturreformen voranzubringen und jene, die bereits beschlossen sind, umzusetzen.

Jetzt ist heute im Tagesverlauf in der Branchenpresse erstens zu lesen gewesen, dass die Krankenhausreform vertagt werden soll. Die Konvergenzphase soll um ein Jahr gestreckt werden. Außerdem sollen bei der Krankenhausreform weitere Ausnahmen zugelassen werden. Ich will es mal übersetzen: Die Wirksamkeit des großen Projektes von Karl Lauterbach soll hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Qualität offensichtlich aufgeweicht werden. Das halte ich für ein großes Problem. Aber vielleicht können Sie Ihre Position dazu noch mal darlegen.

Zweitens ist zu lesen, dass die Notfall- und Rettungsdienstreform, die längst fertig war und nach Informationen des Bundesgesundheitsministeriums 3 Milliarden Euro im Jahr an Effizienzpotenzial bringt, ins zweite Halbjahr verlagert werden soll und noch unklar ist, wann sie überhaupt kommt.

Halten Sie es angesichts der Probleme für sachgerecht, wenn es nicht um mehr Geld geht, wenn es nicht um Leistungskürzungen geht, dass diese Strukturreformen aufgeweicht und verschoben werden?

Herr Dr. Pantazis, möchten Sie antworten?

Porträt von Christos Pantazis
Foto: Maximilian König
4 Vermerkeca. 362 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, herzlichen Dank für die Frage. – Ich möchte eins an der Stelle nochmals klarstellen – ich glaube, ich habe es in meiner Rede sehr deutlich zum Ausdruck gebracht –: Ich bin der Ansicht, dass wir die Krankenhausreform weiterentwickeln müssen. Und wenn ich „weiterentwickeln“ sage, dann meine ich explizit nicht „verwässern“. Es geht mir um die qualitätsorientierte Behandlung von Patientinnen und Patienten. Das war übrigens eine der Leitlinien, die wir seinerzeit in den Berichterstattergesprächen gemeinsam verfolgt haben; ich darf daran erinnern. Ich fühle mich diesem Ziel weiterhin verpflichtet, weil ich selbst als Mediziner hinsichtlich Qualität Erfahrungen im praktischen Leben, im Krankenhaus sammeln konnte.

Wir geben so viel Geld für unser Krankenhaussystem aus – über 100 Milliarden Euro –, aber leider Gottes rutschen wir, obwohl wir im internationalen Vergleich, was die Qualitätsindikatoren betrifft, spitze sind, ins Mittelfeld ab, und das darf und kann so nicht bleiben.

Beifallder Abg. Simone Borchardt [CDU/CSU]

Deswegen ist diese Reform absolut notwendig. Wir müssen uns an der Qualität orientieren, und da wird es keinen Kompromiss geben. Das ist meine Linie immer dann, wenn es um Qualität geht: Wenn es zur Schwächung der Qualitätsindikatoren kommen sollte, ist das mit mir nicht zu machen. Das ist so.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist eine Linie, die uns, glaube ich, alle hier parteiübergreifend eint: dass uns Qualität sehr, sehr wichtig ist. Es ist im Sinne der Patientinnen und Patienten, dass wir das weiterhin forcieren.

Wie gesagt: Ich bin ganz gespannt, wie die weiteren Beratungen laufen. Ich bin guter Dinge, übrigens auch, was die Kommission, die wir jetzt einrichten werden, die Schaffung einer nachhaltigen Finanzierungsgrundlage und die Sicherung der SPV und der GKV betrifft. Ich hoffe, wir kommen in machen Fragen weiter, als wir in der alten Koalition gekommen sind. Obwohl einiges im Koalitionsvertrag stand, haben wir es leider nicht umsetzen können. Vor diesem Hintergrund bin ich der festen Überzeugung: Bestimmt schaffen wir es diesmal.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Die nächste Rede hier am Pult hält Linda Heitmann für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Linda Heitmann
Foto: Linda Heitmann / Oliver Hadji
7 Vermerkeca. 330 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen und vor allem auch liebe Regierungsfraktionen! Ich glaube, man kann sagen: Die Hütte brennt; aber Sie warten jetzt erst mal lieber zwei Jahre ab und entscheiden dann, ob Sie die freiwillige oder die Berufsfeuerwehr rufen.

Das stimmt doch gar nicht!

So lässt sich die Lage umschreiben, wenn es um die Beiträge in der Krankenversicherung geht.

Der Antrag der Linken setzt hier verschiedene Impulse. Er schlägt kurzfristige Maßnahmen vor; er schlägt etwas längerfristige Maßnahmen vor. Man muss die ja nicht gut finden – wir finden auch nicht alle gut; wir finden einige davon gut –, aber man sollte doch zumindest mal eigene Vorschläge vorlegen. Es sind vernünftige dabei. Ich habe von der Union noch nichts Vernünftiges gehört; darauf warte ich tatsächlich noch.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Wenn ich mir den Antrag der Linken angucke, dann stelle ich fest: Man könnte tatsächlich relativ kurzfristig die Finanzierung der vollen Beiträge für die Bürgergeldempfänger/-innen aus Steuermitteln umsetzen.

Langfristig wollen auch wir über das sozialversicherungspflichtige Einkommen hinaus weitere Einkommensarten in die Beitragsberechnung einbeziehen. Und wir wollen die Zweigleisigkeit aus gesetzlicher und privater Versicherung überwinden, die, so wie sie gerade ist, viele Ungerechtigkeiten mit sich bringt.

Aber ich sage ganz ehrlich: Wir müssen alle an Konzepten arbeiten. Wir machen wenigstens Ansätze von Lösungsvorschlägen. Sie haben immerhin – das haben Sie gestern im Ausschuss erläutert – das Problem erkannt, aber verschieben die Lösung in eine Kommission, die 2027 erste Ergebnisse liefern soll, aber die wirken frühestens 2029/2030. Deshalb mein Appell: Versicherte und Arbeitgeber warten dringend darauf! Handeln Sie jetzt! Setzen Sie die Maßnahmen, die auf der Hand liegen, doch einfach endlich um!

Vielen Dank.

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Albert Stegemann für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
12 Vermerkeca. 737 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute nicht nur einen Antrag der Linken, sondern eben auch einen politisch sehr linken Antrag, wenn ich das an der Stelle so sagen darf.

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Sie haben ja immer wieder eingefordert, dass wir uns den Antrag und die Forderungen genau anschauen. Ich will auf einige Forderungen eingehen.

Wir erleben jetzt das dritte Jahr einer schweren Rezession. Wir haben wahnsinnige Probleme, nach vorne zu kommen. Wir haben große Wettbewerbsprobleme, auch was unsere Arbeitskosten angeht. Und die zwei wesentlichen Punkte, die Sie angesprochen haben, sind mit Blick auf die Arbeitskosten in der Bundesrepublik Deutschland ein ganz großer Angriff auf unseren Wirtschaftsstandort und unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Beifallbei der CDU/CSU

Schauen wir es uns mal an: Was heißt es denn wirklich, die Beitragsbemessungsgrenze von jetzt gut 5 500 Euro auf 15 000 Euro anzuheben? Selbstverständlich wäre das eine großartige Maßnahme, um viel mehr Geld ins System zu holen.

Das heißt, wir müssen auch zahlen!

Aber was heißt denn das für diejenigen, die es zahlen müssen? Ich will es Ihnen sagen: Wir haben bei einem durchaus guten Gehalt von 5 500 Euro – da sind wir in etwa bei der Beitragsbemessungsgrenze – Sozialabgaben, die bei etwa 42 Prozent liegen. Und weil wir uns dort auch in der Nähe des Spitzensteuersatzes befinden, werden noch mal 42 Prozent Lohnsteuer abgezogen. Das heißt an der Stelle: Wenn ein Arbeitgeber gerade in Zeiten von Inflation auf die gute Idee kommt, seinem Arbeitnehmer etwas mehr Geld zu zahlen, dann muss er, wenn der Arbeitnehmer 160 Euro netto mehr haben soll, bei Ihrem Vorschlag 1 000 Euro mehr zahlen. Das zeigt die Absurdität Ihres Vorschlages. Das ist dreist. Das ist nicht solidarisch, sondern das ist leistungsfeindlich.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Matthias David Mieves [SPD] und Dr. Christina Baum [AfD]

Dann kann ich auch gleich mit Ihrem zweiten Vorschlag weitermachen, mit der Vermögensteuer. Klar, von den Linken ist nichts anderes zu erwarten; ich glaube, die Vermögensteueridee ist so alt wie die Linke selbst.

Zurufvon der Linken

Aber wenn Sie jetzt auch noch das Beitragssystem auf Erträge aus Vermögen ausweiten wollen, dann ist das äußerst problematisch. Ich habe auf die schwierige wirtschaftliche Situation in Deutschland hingewiesen. Wir verlieren jede Woche 2 Milliarden Euro an Investitionskapital, und ich sage Ihnen: Wenn Sie noch mehr Investitionskapital für die Bundesrepublik verlieren wollen, dann müssen Sie solchen Anträgen nachgehen. Also mit uns ist das nicht zu machen.

An dieser Stelle will ich dann auch mit der Kommentierung Ihres Antrags aufhören. Das sind schon Gründe genug, um da nicht mitzumachen.

Beifallbei der CDU/CSU

Recht haben Sie natürlich mit Ihrer Analyse, dass wir ein Finanzierungsproblem in unserem Gesundheitssystem haben. Ich will aber auch noch mal betonen, dass wir nach wie vor eines der besten Gesundheitssysteme weltweit haben. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, in ein anderes Krankenhaus zu gehen als in ein deutsches Krankenhaus.

Zurufder Abg. Stella Merendino [Die Linke]

Ich will mich an dieser Stelle noch mal ganz herzlich bedanken bei allen Pflegenden, bei allen Ärzten und bei allen, die sich einbringen in dieses Gesundheitssystem.

Nichtsdestotrotz müssen wir uns einiges anschauen. Wir haben Ineffizienzen im System; das ist immer wieder angeklungen.

Machen Sie mal eine Schicht mit mir in der Notaufnahme!

Wir leisten uns ein sehr, sehr teures System, aber es ist auch sehr gut. Irgendwo scheint es Ineffizienzen zu geben. Deswegen haben wir die Kommission ins Leben gerufen. Aber wir warten nicht die zwei Jahre ab, sondern wir fangen schon früher an, zu arbeiten. Wir unterstützen zum Beispiel auch unsere Ministerin bei dem Plan, das Primärarztsystem einzuführen, um den Patienten Lotsen an die Hand zu geben, damit sie gut durch dieses komplexe System kommen. Auch die Krankenhausreform wollen wir weiterentwickeln.

Alles das wurde bereits genannt.

Von daher: Ihrem Antrag brauchen wir nicht weiter nachzugehen. Ich glaube, das ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten, was Sie hier an Leistungsfeindlichkeit an den Tag gelegt haben.

Lachenbei Abgeordneten der Linken

Deswegen können wir den Antrag nur ablehnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie haben selber auch keine Vorschläge!

Für die nächste Rede erteile ich das Wort der Abgeordneten Claudia Weiss von der AfD-Fraktion. Das ist ihre erste Rede.

Beifallbei der AfD
Porträt von Claudia Weiss
Foto: Claudia Weiss/ Nils Rauber
7 Vermerkeca. 421 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Der Antrag der Linksfraktion mit dem Titel „Leistungskürzungen und Beitragsexplosion in Gesundheit und Pflege verhindern“ ist reine Augenwischerei. Solange wir nicht bereit sind, die wahren Ursachen der finanziellen Schieflage unseres Gesundheitssystems klar zu benennen, bleibt jede Milliardenforderung ein Placebo – teuer, wirkungslos und verantwortungslos.

Beifallbei der AfD

Ich sage es in aller Deutlichkeit: Nur die AfD benennt die Ursachen. Unser Gesundheitswesen steht massiv unter Druck, nicht wegen fehlender Solidarität oder sogenannter Ökonomisierung, sondern wegen einer jahrzehntelangen politischen Feigheit, ideologischer Verblendung und einem Mangel an Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern. Der Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt warnte: „Unser Gesundheitswesen steuert ungebremst auf einen Versorgungsnotstand zu, […].“ Und was passiert? Nichts. Die Bundesregierung schaut zu. Die Linke gießt mit ihrer realitätsfernen Forderung noch Öl ins Feuer. Die Wahrheit ist: Wir haben es mit einer Mehrfachbelastung des Gesundheitssystems zu tun.

Erstens: demografischer Wandel. Immer mehr ältere Menschen benötigen medizinische Versorgung; immer weniger junge Menschen kommen als Beitragszahler nach.

Zweitens: Fehlanreize im System. Beitragsfreie Mitversicherung, pauschale Leistungen ohne Beitragsäquivalenz, das sind keine Solidaritätsinstrumente, sondern eine Einladung zum Missbrauch.

Drittens: unkontrollierte Migration in die Sozialsysteme. Menschen, die nie in unsere Systeme eingezahlt haben, erhalten medizinische Vollversorgung.

Zum Beispiel Kinder!

Über das Asylbewerberleistungsgesetz, die beitragsfreie Familienversicherung und den direkten Einstieg ins Bürgergeldsystem belasten Millionen Menschen die gesetzliche Versicherung ohne Gegenleistung. Das ist keine Solidarität, das ist eine Zumutung!

Beifallbei der AfD

Wir sagen klar: Dieses System braucht keine Pflaster, sondern eine echte Reform. Deshalb fordern wir: Die beitragsfreie Mitversicherung muss beendet werden. Der Zugang zu medizinischen Leistungen für Asylbewerber ist auf das gesetzlich vorgesehene Mindestmaß zu begrenzen. Wer dauerhaft Leistungen aus dem Sozialsystem bezieht, muss auch dauerhaft eingezahlt haben.

Beifallbei der AfD

Eine ehrliche Offenlegung der Kosten der Migrationspolitik für die Sozialkassen ist überfällig. Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung diese Zahlen systematisch verschweigt.

Das ist nicht der Fall!

Unsere Botschaft ist klar: Ein Sozialstaat kann nur überleben, wenn er innen gerecht und nach außen begrenzt ist. Solidarität ist keine Einbahnstraße, sie lebt vom Geben und Nehmen. Wer unser Gesundheitssystem retten will, braucht Mut zur Wahrheit, den Willen zur Reform und den Rückhalt der ehrlichen Beitragszahler, die dieses System überhaupt tragen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Frau Abgeordnete Weiss, das war Ihre erste Rede im Hohen Hause. Ich gratuliere dazu. – Auch zur ersten Rede erteile ich das Wort Dr. Hans Theiss von der Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken
Porträt von Hans Theiss
Foto: Prof Dr. Hans Theiss/ Wilfried Wulff
8 Vermerkeca. 427 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Mein Junge, geh in die Politik, wenn du etwas bewegen willst“, das sagte mein Vater, selbst Arzt, zu mir vor vielen Jahren. Jetzt stehe ich hier als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises München-Nord im Deutschen Bundestag. Welch eine Ehre!

Beifallbei der CDU/CSU

Ja, es gibt viel zu bewegen in der Gesundheitspolitik. Die Menschen in Deutschland haben im europäischen Vergleich eine unterdurchschnittliche Lebenserwartung, aber Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme. Aber einfach immer nur die Beitragsbemessungsgrenze nach oben schrauben zu wollen und die Abschaffung der privaten Krankenkassen zu fordern, das ist sozialistischer Populismus aus der Mottenkiste.

Beifallbei der CDU/CSU

Das ist der falsche Weg. Wir müssen durch Strukturreformen – es ist vorhin schon angeklungen – effizienter werden, aus finanziellen, aber auch aus versorgungstechnischen Gründen. Deshalb wollen wir das Primärarztsystem, eine modifizierte Krankenhausstrukturreform und eine Reform des Notfallwesens, damit jeder Patient schnell und effektiv die Behandlung bekommt, die er braucht, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir wollen echte Prävention, die bereits im Kindesalter mit mehr Bewegung und Aufklärung anfängt und sich über das Berufsleben bis ins hohe Alter fortsetzt. Und wir wollen einen massiven Digitalisierungssprung mit der Einführung der elektronischen Patientenakte, dem Einsatz von künstlicher Intelligenz bei Diagnose und Behandlung und weniger Bürokratie. All dies spart Kosten im Gesundheitswesen und verbessert letzten Endes die Behandlung der Patienten.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der Linken

Wer mehr Effektivität im System will, der muss natürlich auch den Pflegemangel bekämpfen. Allerdings helfen uns billige Showauftritte der Linkspartei kein bisschen weiter. Medizinische Arbeitskleidung am Rednerpult des Deutschen Bundestages erzeugt vielleicht bunte Bilder und einen Showeffekt, aber noch lange kein kluges Konzept.

Beifallbei der CDU/CSU

Es hilft doch nicht weiter, wenn Sie von der Linkspartei immer ideologisch Sozialneid schüren. Es hilft auch nicht weiter, wenn Sie dauernd alles schlechtreden und miesmachen. Klassenkampfideologie von links außen wird die großen Aufgaben im Gesundheitswesen bestimmt nicht lösen;

Beifallbei der CDU/CSU

im Gegenteil: Wer wie Die Linke die Wirtschaft und damit die Beitragszahlungen mit Steinzeitkommunismus zum Erliegen bringen will, der legt die Axt an die Finanzierung der Kranken- und Pflegeversicherung. Mit uns ist das sicher nicht zu machen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Vielen Dank, Herr Dr. Theiss. Das war Ihre erste Rede im Hohen Hause; auch Ihnen herzliche Gratulation. – Die letzte Rede in dieser Debatte, passend zum Thema wiederum ein Doktor, hält Frau Dr. Paula Piechotta von Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Paula Piechotta
Foto: Paula Piechotta/ Philip Knoll
13 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.047 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Ates Gürpinar, ich bin euch sehr dankbar, dass ihr jetzt in die inhaltliche Arbeit einsteigt, weil es zeigt, dass ihr Politik – anders, als das gerade manche hier gesagt haben – eben nicht darauf begrenzt, einmal pro Tag aus dem Plenum rausgetragen zu werden. Aber dazu gehört auch, dass man sich ernsthaft mit euren Anträgen auseinandersetzt.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch wenn ich die bisherige Kritik ein bisschen platt fand, muss ich zum Beispiel zur Beitragsbemessungsgrenze doch sagen – das gehört zur Ehrlichkeit dazu –: Die so hochzusetzen, würde im aktuellen System zwangsläufig dazu führen, dass viele Tausende Menschen in diesem Land in die private Krankenversicherung wechseln

und dann eben der gesetzlichen nicht mehr zur Verfügung stehen. Das funktioniert nicht, genauso wie es nicht funktioniert, einfach nur die Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel zu fordern. Das würdet ihr nicht mal mit den Landesregierungen, an denen ihr beteiligt seid, durch den Bundesrat kriegen, weil das natürlich auch Einnahmeausfälle für Bund und Länder bedeuten würde.

An der Stelle jetzt noch mal zurück zur Bundesregierung. Leider ist Frau Warken heute nicht da. Wir sind sehr nett und haben sie nicht herbeizitiert; ich glaube, das werden wir nicht jedes Mal so machen können.

Frau Warken ist ja jetzt schon relativ berühmt dafür, dass sie die GKV als „Notfallpatient“ bezeichnet hat. Jetzt möchte ich, ähnlich wie Kollege Pantazis, schon sagen, dass es mir auch als Ärztin so vorkommt, als ob sie diesen Notfallpatienten GKV zur Notaufnahmetür reinfahren lässt, ein paar Geldscheine draufschmeißt, drei Formulare ausfüllt und so lange wartet und nichts macht, bis dieser Patient auf der Intensivstation ist. Das passiert tatsächlich in manchen deutschen Notaufnahmen, und deswegen wäre die Notfallreform superwichtig.

Aber bei diesem GKV-System können wir es uns nicht leisten, dass Frau Warken jetzt noch zwei Jahre warten will, bis wirklich was passiert.

Wenn es ganz konkret darum geht, Geld für höhere Steuerzuschüsse in die Pflegeversicherung und in die GKV freizumachen, dann wäre es zum Beispiel eine Möglichkeit, jetzt Transparenz in Sachen Masken herzustellen. Wir müssen als Steuerzahler in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlich noch 3,5 Milliarden Euro für die Maskengeschäfte von Jens Spahn bezahlen, zusätzlich zu dem, was wir bislang bezahlt haben.

Frau Abgeordnete, möchten Sie eine Zwischenfrage zulassen?

Kommt darauf an, von wem.

Vom Kollegen Gürpinar, Linkspartei.

Zu Masken?

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ist das ein Ja oder ein Nein?

Das ist ein Ja.

Bitte.

Ist das niedlich! O Gott!

Weiterer Zurufvon der AfD: Ich glaube, die gehen heute Abend noch aus!
Rednerwechsel

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe bei den ersten Reden versucht, mich zurückzuhalten; ich habe es nicht ganz geschafft. Bei Ihnen, Frau Piechotta, muss ich eine kurze Anmerkung machen.

Sie haben, glaube ich, den ersten Satz unter Punkt eins gelesen, dass die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf 15 000 Euro erfolgen soll. Den zweiten Satz haben Sie leider vergessen zu lesen – und es waren nur fünf Seiten –, nämlich dass die Versicherungspflichtgrenze logischerweise dementsprechend auch angehoben werden soll und damit die Möglichkeit zum Übergang in die PKV für die betreffenden Personen wegfällt. Drittens möchte ich sagen, dass dort auch drinsteht, dass die PKV perspektivisch als solche gar nicht mehr existieren soll.

Also: Wieso haben Sie noch mal gesagt, dass wir die PKV fördern und nicht die gesetzlichen Krankenkassen? Und wären Sie dabei, die Beitragsbemessungsgrenze anzuheben, wenn alle Teil der gesetzlichen Krankenversicherung wären, wie es meines Erachtens die Grünen auch mal gefordert haben? Die letzte Frage: Wenn Sie noch bis September 2025 regiert hätten, hätten Sie und die Kolleginnen und Kollegen von den Grünen dann dafür gesorgt, dass wir in eine Reform der Krankenversicherung einsteigen, oder nicht?

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Frau Kollegin Piechotta, Sie haben nach dieser Antwort, die präzise in diese Richtung gerichtet sein sollte, noch 4,3 Sekunden.

Heiterkeitbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielen herzlichen Dank, Herr Präsident. Ich bin jetzt in der Beantwortung der Frage. – Lieber Ates Gürpinar, vielen Dank für die vier Fragen, wenn ich richtig mitgezählt habe.

Das Spannende ist ja tatsächlich – und das sind Debatten, die seit vielen, vielen Jahren geführt werden –: Wie gestaltet man die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, für die wir sind, für die die SPD ist und für die auch relevante Teile der Union sind,

Nein! Das können Sie vergessen!

die das in der letzten Wahlperiode tatsächlich auch vorgeschlagen haben, bis sie von ihren eigenen Leuten zurückgepfiffen wurden,

Da hat sie recht, das stimmt! Helge Braun zum Beispiel!

tatsächlich so, dass man an der Stelle nicht zu einer Schwächung des GKV-Systems kommt, sondern zu einer Stärkung? Sie wissen aber selber ganz genau, dass wir hinsichtlich der Beitragsbemessungsgrenze und auch hinsichtlich der Versicherungspflichtgrenze von den Gerichten starke Vorgaben dahin gehend bekommen haben, dass wir diese eben nicht bis ins Unendliche ausweiten können, weil das Versicherungsprinzip am Ende gelten muss. Deswegen sind wir da eben nicht, wie der Antrag aus meiner Sicht suggeriert, völlig frei in der Bestimmung der Höhe. Das gehört zur Wahrheit dazu.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Natürlich ist es so, dass wir als Grüne uns immer dafür einsetzen, dass wir zu einer Überwindung der Trennung in PKV und gesetzliche Krankenversicherung kommen, und dass wir seit vielen Jahren dafür werben. Wenn es in diesem Land mal dazu kommt, dass Die Linke auch auf Bundesebene tatsächlich koalitionsfähig ist, weil sie ihre Außenpolitik überdenkt,

Zurufevon der Linken

Um Gottes willen!

dann haben wir vielleicht in diesem Deutschen Bundestag auch eine Mehrheit für die Einführung der Bürgerversicherung. Ich freue mich darauf. Wir werden das gemeinsam schaffen.

An der Stelle vielen herzlichen Dank. Und bis zum nächsten Mal, Frau Warken – in Abwesenheit. Danke, Herr Kippels, dass Sie da sind!

Porträt von Ulrich Lange
Foto: Ulrich Lange/ Studio Herzig
3 Vermerkeca. 376 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über § 23 Allgemeines Eisenbahngesetz, eine Norm, die, ich würde mal sagen, in der letzten Legislatur in Angriff genommen wurde nach dem Motto „Zwar gut gemeint, aber hinsichtlich der Auswirkung dann doch nicht ganz so gut gemacht“, weshalb jetzt an dieser Stelle einige Korrekturen angebracht werden müssen. Diese wollen wir schnell vollziehen.

Denn worum geht es? Es geht darum, dass durch die verschärfte Einschränkung der Entwidmung von Eisenbahnflächen kommunale und wohnungspolitische Projekte nicht mehr umgesetzt werden können. Das heißt, einerseits müssen wir die wichtige Weiterentwicklung der Schiene, die wir brauchen, gewährleisten, andererseits dürfen wir aber kommunale Bedürfnisse nicht außer Acht lassen und kommunale Planungen wie den Wohnungsbau nicht quasi unmöglich machen. Das heißt im Ergebnis: Den Bahnbetriebszweck als überragendes öffentliches Interesse zu qualifizieren, ist zwar auf der einen Seite richtig, darf auf der anderen Seite aber nicht zulasten anderer notwendiger kommunaler und wohnungspolitischer Belange gehen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Kluge, umfassende Stadtentwicklungsprojekte und lang geplante Wohnungsbauprojekte dürfen nicht dadurch gestoppt werden, dass das Eisenbahnrecht da entgegensteht, wo der Bahnbetriebszweck nicht mehr erkennbar oder eine entsprechende Nutzung in Zukunft nicht mehr möglich sein soll oder wird. Beim Eisenbahn-Bundesamt liegen inzwischen circa 100 Anfragen von den Kommunen für solche Entwidmungsprojekte vor, und dem Eisenbahn-Bundesamt sind schlicht und ergreifend die Hände gebunden, hier überhaupt handeln zu können.

Wir wollen die kommunalen Entwicklungen nicht gegen Eisenbahninteressen ausspielen. Wir wollen sie mit der Änderung des § 23 AEG wieder zusammenführen, damit das, was irgendwie zusammengehört, auch zusammenpasst, damit wir nicht wie in Stuttgart oder in Osnabrück große Zweifel an dem haben müssen, was man vor Jahren begonnen hat und so jetzt nicht mehr machen kann, und damit die langfristige Nutzungsperspektive für die Eisenbahn genauso bewertet wird wie die kommunale Entwicklung.

Schieneninfrastruktur erhalten und ermöglichen auf der einen Seite, kommunale Stadtplanung ermöglichen auf der anderen Seite: Der neue § 23 AEG soll das wieder ins Gleichgewicht bringen. Ich freue mich auf die Beratungen.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank, Herr Staatssekretär. – Die nächste Rede hält Wolfgang Wiehle für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Wolfgang Wiehle
Foto: Wolfgang Wiehle
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Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! „Gut gemeint“ ist oft das Gegenteil von „Gut gemacht“; so ist es. Das sieht man wieder einmal beim Allgemeinen Eisenbahngesetz, AEG. Die Ampelregierung wollte mit ihrer Änderung 2023 Bahngelände davor bewahren, dass sie anderen Zwecken zugeführt werden. Heraus kam eine Blockade bei wichtigen Wohnungsbauprojekten in großen Städten, zum Beispiel in Stuttgart. Das schlecht gemachte Gesetz hat also haarsträubende Nebenwirkungen.

Die Ampel hat sogar noch mehr Chaos hinterlassen. Wir brauchen natürlich ein Reparaturgesetz. Das hat man verstanden, aber auch noch an die Wand gefahren. Nach dem Ampel-Aus haben die Grünen auf Blockade geschaltet. An ihrem neuen Gesetzentwurf, den wir heute auch auf dem Tisch haben, sieht man auch, warum. Ich komme darauf noch zurück.

Die Zauberlehrlinge aus der Ampel haben mit der Formel vom „überragenden öffentlichen Interesse“ herumgespielt. Diesen Trick hat offensichtlich die Ökolobby erfunden. Er findet sich in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, einem Gesetz zum Ausbau der Stromnetze, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz usw. Das per Gesetz festgestellte öffentliche Interesse soll die Abwägung mit anderen Belangen verhindern, in der Verwaltung und notfalls auch vor den Gerichten. Zu den anderen Belangen gehören auch Wohnen, Arbeiten und Lernen. Wenn der Tiefbahnhof Stuttgart 21 endlich tatsächlich fertig ist, wird die Stadt Stuttgart auf dem alten Hauptbahnhofgelände ein neues Stadtviertel entstehen lassen.

Märchen! Märchenstunde!

Jetzt ist das aber blockiert. Windräder oder Solarfelder könnte man dort bauen, aber keine Wohnungen oder Schulen. Es ist absurd.

Beifallbei der AfD

Eine einfache Lösung wäre ja, die deplatzierte Zauberformel vom überragenden öffentlichen Interesse aus dem Gesetz zu streichen. Genau das haben die Kollegen von der Unionsfraktion noch vor einem halben Jahr, im vergangenen Oktober, hier in den Bundestag eingebracht. Aber das, was die Koalition jetzt hier vorlegt, ist bis auf ein paar Formulierungen dasselbe wie das verhinderte Reparaturgesetz aus der rot-grünen Konkursmasse der Ampel. Das sogenannte überragende öffentliche Interesse wird für bestimmte Fälle ein wenig eingeschränkt, aber das war’s dann auch. Mag sein, dass das Stuttgarter Problem damit gelöst wird, aber Hunderte andere leider nicht.

Beifallbei der AfD

Doch, das wird es!

Das Muster ist anscheinend immer dasselbe: Aus der angekündigten Beseitigung links-grüner Politikfelder wird unter dieser unionsgeführten Regierung einfach – nichts. Gleich ob beim Grenzschutz, bei der Rettung des Verbrennungsmotors oder eben hier: Die Union beißt sich wohl am Wahlverlierer SPD die Zähne aus. Anders gesagt: Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Merz noch Dobrindt auf.

Beifallbei der AfD

Schlimmer geht immer. Das beweisen die Kollegen von der Grünenfraktion mit ihrem Gesetzentwurf. Bei Ihnen feiert die Planwirtschaft fröhliche Urständ. In § 1 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes wollen sie Planziele für 2040 schreiben: ein Anteil der Bahn von 35 Prozent am Güterverkehr und von 20 Prozent am Personenverkehr. Das wäre, grob gerechnet, jeweils in etwa eine Verdoppelung im Vergleich zu heute. Dafür müsste in vielen Bereichen dann auch die Infrastruktur der Bahn verdoppelt werden. Nur wer mit der grünen Deindustrialisierung regelrecht plant, rechnet vielleicht anders: Ohne Industrie fallen große Mengen Gütertransporte natürlich weg. Dasselbe gilt dann für Pendlerfahrten zu nicht mehr vorhandenen Arbeitsplätzen. Aber der grüne Gesetzentwurf spricht ja von Bahnlinien „möglichst flächendeckend“, also am besten bis in die Dörfer auf dem Lande. Meine Damen und Herren, alle Sonderschuldenpakete zusammen werden nicht ausreichen, um das zu bezahlen.

Beifallbei der AfD

Grüne Politik ist ja auch meistens Verbotspolitik. Mit Verboten gegen das Auto oder gegen den Verbrennungsmotor

Zurufdes Abg. Luigi Pantisano [Die Linke]

kann man natürlich Fahrten und Gütertransporte erschweren und verteuern und vielleicht auch auf die Bahn zwingen. Die schwarz-rote Version davon mit der immensen Verteuerung der Kraftstoffe läuft auf dasselbe hinaus. Das kann aber niemals der Weg sein, meine Damen und Herren. Das wird auf großen Widerstand im Volk und in der mittelständischen Wirtschaft stoßen. Und die AfD wird immer auf der Seite der Betroffenen stehen.

Beifallbei der AfD

Wir wollen die Eisenbahn dort einsetzen, wo sie wirklich gut ist. Die Bahn kann sehr gut viele Fahrgäste auf einmal transportieren, wie im Nahverkehr in Ballungsräumen. Die Bahn kann gut große Gütermengen transportieren – Container, Holz, Stahl, Baustoffe usw. Auf der Schiene kann man hohe Geschwindigkeiten sicher beherrschen, zum Beispiel mit dem ICE. Die Verkehrserschließung in der Fläche bleibt aber die Aufgabe des Autos.

Was ist mit dem Bus?

Die Verteilung der Güter bleibt die Aufgabe von Lastwagen und Transportern. Lastenfahrräder wird man auch in Zukunft vor allem in Stadtvierteln mit breitem grünen Publikum finden. Wir von der AfD werden dafür sorgen, dass auch beim Verkehr die Realität der Maßstab bleibt und nicht grüne Wunschträume.

Beifallbei der AfD

Sie müssen mal zum Eisenbahngesetz zurückkommen!

Deshalb sind wir auch dafür, die Formel vom überragenden öffentlichen Interesse aus dem Allgemeinen Eisenbahngesetz zu entfernen, so wie es die Kollegen der Union noch vor einem halben Jahr beantragt haben. Nur so ist es möglich, im Einzelfall unter Einbeziehung aller legitimen Interessen zu entscheiden, was mit einem Bahngrundstück passieren soll, das nicht mehr benutzt wird.

Der Weg der Koalition ist falsch. Das sogenannte überragende öffentliche Interesse an einer Erhaltung von Bahngrundstücken mit so und so vielen Ausnahmen zu durchlöchern, führt nicht zum Ziel. Wenn man merkt, dass ein Medikament schwere Nebenwirkungen hat, setzt man es ja auch ab, statt noch weitere Medikamente zu nehmen.

Beifallbei der AfD

Wir von der AfD-Fraktion hoffen, dass sich diese Erkenntnis bei der Beratung der Gesetzentwürfe in den Ausschüssen noch durchsetzt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, geben Sie der Realität eine Chance!

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Als Nächstes spricht Anja Troff-Schaffarzyk für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Anja Troff-Schaffarzyk
Foto: Anja Troff-Schaffarzyk/ Anna Voelske
11 Vermerkeca. 927 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wohnraum ist immer mehr als ein Dach über dem Kopf. Wohnraum ist der Grundpfeiler für Stabilität und für Lebenschancen. Und genau deshalb ist die Frage, wie wir in Deutschland Wohnraum schaffen, eine zutiefst soziale Frage. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum betrifft längst nicht mehr nur einkommensschwache Familien. Er trifft auch die Mitte der Gesellschaft – junge Familien, Alleinerziehende, Berufseinsteigerinnen, ältere Menschen. Besonders in unseren Städten, aber mittlerweile auch in vielen Gemeinden ist die Lage angespannt. Die Nachfrage steigt, doch das Angebot hält nicht Schritt. Die Folge: steigende Mieten, soziale Verdrängung, zunehmende Ungleichheit.

Deshalb ist es unsere Aufgabe als Gesetzgeber, Voraussetzungen zu schaffen, die den Wohnungsbau erleichtern, gerade dort, wo Flächenpotenziale brachliegen. Und hier setzt die geplante Änderung des § 23 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes an. Die Absicht, Betriebsanlagen der Eisenbahn in das überragende öffentliche Interesse zu stellen, war gut, schoss jedoch an einigen Stellen über das Ziel hinaus, wie uns von kommunaler Ebene deutlich gemacht wurde.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

In Deutschland gibt es ungenutzte oder nur noch infrastrukturell marginal genutzte Flächen im Besitz der Bahn. Darunter sind auch städtebauliche Sahnestückchen, die aber im Moment für die kommunale Wohnungsentwicklung nicht zugänglich sind. Die geplante Gesetzesänderung soll genau das ändern. Sie schafft rechtliche Grundlagen, diese Flächen einfacher und schneller für den Wohnungsbau nutzbar zu machen. Und das ist ein wichtiger Hebel,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

nicht nur, um den dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, sondern auch, um die Lebendigkeit unserer Innenstädte neu zu denken.

Betroffen von dieser anstehenden Änderung ist natürlich nicht zuletzt die Stuttgarter Innenstadt. Stuttgart 21 schafft Raum für zwei neue Viertel mitten in der Stadt. 100 Hektar Fläche werden für die städtebauliche Entwicklung frei.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Zurufvon der CDU/CSU: Super Projekt!

Im Rosensteinviertel sind es alleine 50 Hektar, die für Wohnen und Arbeiten geplant sind. Und wichtig: Die Flächen gehören seit zehn Jahren der Kommune. Und dort wird auch darüber entschieden, wer dort was, wie bauen wird.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Demnach kann nicht davon die Rede sein, dass es sich bei dieser Anpassung des Eisenbahngesetzes um ein Lobbygeschenk handelt.

Wenn wir also diese freiwerdenden Flächen – wie beim Stuttgarter Beispiel – nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial und ökologisch weiterentwickeln, mit Grünräumen, bezahlbarem Wohnraum, kulturellen Nutzungen, mit guter Nahversorgung und guten Mobilitätsangeboten, dann schaffen wir neue Quartiere, die dem Anspruch an ein modernes, inklusives und klimagerechtes Stadtleben gerecht werden.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Was für den Wohnraum und die soziale Frage gilt, das gilt in gleichem Maße auch für die Mobilität. Wer in diesen Tagen von Mobilität spricht, spricht über mehr als nur den Weg von A nach B. Es geht um Lebensqualität, um Klimaschutz, um Gerechtigkeit. Gerade in den ländlichen Räumen zeigt sich, wie entscheidend eine gute Anbindung ist – an Arbeit, an Bildung, an ärztliche Versorgung, an gesellschaftliches Leben. Und leider zeigt sich auch, wie oft genau das fehlt.

Mobilität ist nicht nur ein individuelles Bedürfnis, sondern auch ein öffentliches Gut, und darum ist Infrastruktur, die Mobilität ermöglicht, auch in besonderem Maße schützenswert. Wir alle wissen: Bis in die 2000er-Jahre wurden zahlreiche Bahnstrecken in Deutschland stillgelegt – unter dem Eindruck von Sparzwängen, rückläufigen Fahrgastzahlen und dem Glauben an eine autozentrierte Zukunft. Es war ein Rückzug der Schiene aus der Fläche, den viele Regionen bis heute spüren. Mit jeder entfallenen Verbindung wuchs die Abhängigkeit vom eigenen Auto – mit allen Konsequenzen für Klima, Umwelt und soziale Gerechtigkeit.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Längst hat hier ein Umdenken stattgefunden, und das ist gut so. Reaktivierungen von Bahnstrecken erleben eine neue Konjunktur – nicht als nostalgisches Retroprojekt, sondern als strategischer Baustein für eine moderne, vernetzte Mobilität. Und genau deshalb ist es richtig, dass wir mit der geplanten Änderung von § 23 AEG klarstellen, dass bestehende Gleisanlagen nicht vorschnell anderweitig überbaut werden dürfen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Denn ein stillgelegtes Gleis ist kein totes Gleis – vielleicht nicht heute betriebsbereit, aber morgen wieder wertvoll. Gerade in Zeiten von Klimazielen, Fachkräftemangel und steigenden Energiepreisen müssen wir diese Potenziale erkennen und erhalten.

Das gilt doch auch für Stuttgart!

Die Reaktivierung von Strecken ist oft ein aufwendiger Prozess. Sie braucht Planung, Geduld und Investitionen; aber sie lohnt sich.

Beifallder Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Reaktivierungen stärken den ländlichen Raum. Sie sind ein Instrument zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Und sie sind ein wichtiger Beitrag dazu, dass die Verkehrswende nicht nur in Großstädten ankommt. Deshalb ist es folgerichtig, bestehende Trassen und Gleise unter besonderen Schutz zu stellen. Die Freistellung einer Fläche, auf der ein Gleis liegt, soll künftig nur dann möglich sein, wenn ein Ersatz für die darauf befindliche Strecke geschaffen wird.

Also, die Umwidmung nicht genutzter Flächen für städtebauliche Entwicklung und der Erhalt von Gleisinfrastruktur: Der Entwurf der Koalition zur Änderung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes ermöglicht beides.

Ich freue mich besonders, dass an den Vorarbeiten zu diesem Gesetz noch in der letzten Legislaturperiode nicht nur die Union, sondern auch die Grünen beteiligt waren und wir da gemeinsam einen guten Weg gefunden haben. Es sind kleine Änderungen am Gesetz mit großer Wirkung und dem starken Signal, dass wir den Wohnungsbau und die Stärkung der Schieneninfrastruktur in Deutschland nicht nur wollen, sondern auch ermöglichen.

Danke.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Matthias Gastel für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Matthias Gastel
Foto: Matthias Gastel / Olaf Nagel
7 Vermerkeca. 638 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Über Jahrzehnte wurde in Deutschland Streckeninfrastruktur stillgelegt und mit Umgehungsstraßen oder mit Discountermärkten überbaut. Es wurden Güterflächen zu Bauland umgewidmet. Es wurden Überholgleise herausgerissen und die Flächen als Bauland verscherbelt. Es wurden Bahnsteiggleise mit Parkhäusern überbaut.

Die Folge dieser jahrzehntelangen Politik des Rückbaus von Schieneninfrastruktur spüren wir jeden Tag an unpünktlichen Zügen, unzureichenden Angeboten und viel zu vielen Gütern, die per Lkw statt mit der Bahn transportiert werden. Die Bahn bleibt mit dieser geschrumpften Infrastruktur hinter ihren Möglichkeiten, aber auch hinter den Notwendigkeiten, was Energieeffizienz und Klimaschutz angeht, zurück. Und genau damit muss Ende sein!

Der Gesetzentwurf der Ampel, den es gegeben hat, und das Gesetz, das in Kraft getreten ist, haben dazu geführt, dass das Eisenbahn-Bundesamt als zuständige Behörde dieses Gesetz so interpretiert hat, dass Entwidmungen praktisch so gut wie gar nicht mehr möglich sind. Das Ziel muss aber sein, der Bahn Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten, die kurzfristig, mittelfristig und langfristig absehbar sind, die gewollt sind, die gewünscht sind. Es muss möglich sein, dass die Bahn wachsen kann. Wenn aber all das nicht zutrifft und überhaupt keine Perspektive für eine Bahnnutzung mehr besteht, dann muss es eben auch Entwicklungsmöglichkeiten für andere Nutzungen geben.

Hier geht der Gesetzentwurf der Koalition teilweise in die richtige Richtung. Aber er springt deutlich zu kurz; denn er beschränkt sich auf den Aspekt der Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken und den Schutz dieser Flächen. Richtig ist auch das überragende öffentliche Interesse; denn damit wird eine Wertschätzung für die Schiene ausgedrückt. Bei allen Abwägungen ist das relevant.

Das alles, was in diesem Gesetzentwurf steht, reicht aber nicht. Deswegen haben wir als Grüne einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt, damit die Bahn eine wirkliche Entwicklungsperspektive bekommt. Es ist nämlich zu unkonkret, das alles nur mit dem Verweis auf Ermessensspielräume beim Eisenbahn-Bundesamt abzuladen.

Wir haben neun Kernziele definiert. Es geht um die Bahn als Daseinsvorsorge; da geht es unter anderem auch um die Reaktivierung. Es geht darum, die Bahn in der Fläche zu halten und die Bahn dort, wo sie sich zurückgezogen hat, wieder in die Fläche zu bringen. Es geht darum, Flächen zu sichern, damit mehr Güter auf die Schiene umgeschlagen werden können. Es geht darum, dass der Personen- und der Güterverkehr wachsen können und man dafür die entsprechenden Flächen hat. Und wir haben auch – das haben Sie als Koalition nicht gemacht – die Bedarfe der Landes- und der Bündnisverteidigung aufgegriffen; auch dafür braucht es Flächen, auch dafür braucht es eine starke, funktionierende Bahn.

Da Stuttgart 21 schon erwähnt wurde,

Tolles Projekt!

möchte ich noch darauf hinweisen: Weder der eine noch der andere Entwurf ist eine Lex Stuttgart 21. Es geht um Hunderte andere Fälle, überwiegend um Wohnungsbau. Die werden geregelt – ausreichend oder unzureichend, aber die werden geregelt.

Zum Beispiel Nürtingen!

Stuttgart 21 ist ein Sonderfall. Hier ist politisch dazu zu sagen, dass auch Stuttgart 21 Entwicklungspotenziale bieten muss. Es muss möglich sein, dass mehr Züge fahren, als heute und mit Stuttgart 21 möglich ist. Deswegen muss es darum gehen, dass eine ergänzende Infrastruktur geschaffen wird und die Gäubahn nicht abgehängt wird. Das sind ganz wichtige politische Dinge.

Ich möchte abschließend zusammenfassen: Die Koalition gibt viel zu viele Flächen leichtfertig frei. Genau das ist der Fehler dieses Gesetzentwurfes. Wir sind da strenger. Wir definieren, wie eine Bahn wachsen können muss, welche Flächen dafür erforderlich sind. Wir definieren, wo wir hinkommen wollen. Wir definieren, was eine starke, eine gut funktionierende Bahn ist, die von mehr Fahrgästen und von mehr Güterverkehren genutzt werden kann.

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Luigi Pantisano für die Fraktion Die Linke.

Beifallbei der Linken
Porträt von Luigi Pantisano
Foto: Luigi Pantisano / Sophie Tichonenko
12 Vermerkeca. 499 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte demokratische Kolleginnen und Kollegen! Ich hasse Staus, und ich hasse Verspätungen. Am vergangenen Wochenende war ich mit meinen Kindern von Stuttgart nach Konstanz mit dem Zug unterwegs – klimafreundlich und sozial. Statt die schöne Gäubahnstrecke zu erleben, gab es für Tausende Bahngäste ausgefallene Züge, überfüllte Züge, verspätete Züge. Kinder mussten auf dem Boden sitzen, Eltern waren völlig entnervt. Und dann sagte ein Kind beim wiederholten Warten am Bahnsteig einen Satz zu seiner Mutter, der sich mir eingeprägt hat: Mama, das nächste Mal fahren wir mit dem Auto.

Zurufvon der AfD: Das funktioniert!

Diese Aussage eines Kindes ist das Ergebnis Ihrer verfehlten Verkehrspolitik.

Beifallbei der Linken

Bei den Reden, die ich hier höre, frage ich mich, wann Sie alle hier eigentlich das letzte Mal Bahn gefahren sind.

Zurufdes Abg. Michael Donth [CDU/CSU]

Wir alle, die wir tagtäglich mit der Bahn unterwegs sind, wollen einfach nur pünktlich und stressfrei zur Arbeit oder in den Urlaub fahren. Herr Minister Schnieder und Herr Lange, es ist Ihre Aufgabe, die Aufgabe der Bundesregierung, genau dafür zu sorgen – nicht mehr und nicht weniger.

Was Sie hier mit dem Allgemeinen Eisenbahngesetz planen, ist ein Rückschritt für alle, die auf eine funktionierende Bahn angewiesen sind. Es ist ein Geschenk an zwei ganz bestimmte Gruppen: an die Autolobby und – vor allem in meinem Wahlkreis Stuttgart – an die Wohnbaumafia.

Was für ein Blödsinn!

Wie wir wissen, sind das beides Gruppen, zu denen die CDU beste Kontakte pflegt.

Das Immobilienprojekt Stuttgart 21 steht beispielhaft für das Versagen von Ihnen allen in der Bahn- und Wohnungspolitik. Die geplanten Wohnungen auf den bestehenden Gleisflächen vom Stuttgarter Bahnhof braucht es nicht.

Beifallbei der Linken

Was es aber braucht, sind oberirdische Gleisflächen für einen funktionierenden Zugverkehr.

Ganz genau!

Hören Sie also auf, bezahlbares Wohnen gegen die Zukunft der Bahn auszuspielen!

Das machen wir nicht! Sie spielen sie aus!

Sie spalten!

Für bezahlbares Wohnen müssen 2 Millionen leerstehende Wohnungen endlich wiederbelebt werden, braucht es einen bundesweiten Mietendeckel und, ja, gehören Vonovia und Co endlich enteignet.

Beifallbei der Linken

Und auch anderswo zeigt sich die Absurdität Ihres Plans. Hier in Berlin fahren nachts Geisterzüge ohne Passagiere, weil die Abstellflächen fehlen, die man über Jahrzehnte verkauft hat.

Eines muss also endlich klar sein: Bahnflächen müssen Bahnflächen bleiben. Schieneninfrastruktur gehört uns allen und darf nicht verscherbelt werden, um die Geldbeutel von Immobilienhaien zu füllen.

Beifallbei der Linken
Zurufdes Abg. Michael Donth [CDU/CSU]

Das braucht es für eine soziale, klimagerechte und zukunftsfähige Bahnpolitik. Und wie wir in Stuttgart sagen: Oben bleiben!

Beifallbei der Linken

Vielen Dank. – Ich rufe zur nächsten Rede Günter Baumgartner von der Unionsfraktion zum Pult. Es ist seine erste Rede.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Günter Baumgartner
Foto: CSU Rottal-Inn
10 Vermerkeca. 628 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Verehrter Herr Präsident! Verehrte Damen und Herren! Erlauben Sie mir zu Beginn meiner ersten Rede hier im Deutschen Bundestag eine persönliche Anmerkung: Es macht mich echt stolz, hier im Hohen Haus meine niederbayerische Heimat, meinen Wahlkreis Rottal-Inn, zu vertreten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie ist meine Erdung und zugleich mein politischer Kompass. Danke für das großartige Vertrauen!

Verehrte Kolleginnen und Kollegen, die erst Ende 2023 durch die Ampel beschlossene Änderung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes war – so muss man feststellen – eine Fehlentscheidung. Sie ist nicht umsetzbar, sie ist vor allem aber auch nicht praktikabel. Daher muss der entsprechende Paragraf geändert werden. Mit unserem Gesetzentwurf werden wir dies auch tun.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber was genau läuft falsch? Nach jetziger Gesetzeslage ist die Nutzung eines nicht mehr benötigten Bahngrundstücks – es ist schon angesprochen worden – für andere Zwecke kaum möglich. Eine Freistellung bekommt man nur für ganz wenige Ausnahmen, zum Beispiel für Landesverteidigung oder den Ausbau von erneuerbaren Energien. Für die städtebauliche Entwicklung ist eine Freistellung jedoch nicht möglich.

Für zahlreiche kommunale Projekte, die aktuell auf Eis liegen – das ist auch schon angeklungen; der Herr Staatssekretär hat es angesprochen –, ist das in Stuttgart wohl das prominenteste Beispiel. Die Stadt bekommt einen neuen Bahnhof und will mit dessen Inbetriebnahme das Gebiet des alten Bahnhofs städtebaulich entwickeln. Wir sprechen von rund 85 Hektar in der Innenstadt, wir sprechen von bis zu 5 700 Wohnungen. Und wir sprechen an diesem heutigen Tag vom Mietendeckel und von allem Pipapo.

Aber da wird städtebaulich wirklich etwas entwickelt,

und das ist wichtig.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es ist eigentlich ein Musterbeispiel für Nachverdichtung und gute Kommunalpolitik,

aber nach jetziger Gesetzeslage leider nicht möglich. Meine Damen und Herren, es kann doch nicht sein, dass auf alter Bahninfrastruktur eine Kaserne oder eine Photovoltaikanlage gebaut werden kann, aber Wohnraum für unsere Bürgerinnen und Bürger nicht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Verehrte Kolleginnen und Kollegen, ich bin auch ehrenamtlicher Bürgermeister einer kleinen ländlichen Gemeinde in Niederbayern und weiß, wie schwierig es inzwischen auch dort ist, Wohnraum zu schaffen – nicht nur in den Großstädten, nein, mittlerweile auch auf dem Land. Ich kann nur sagen: Wir müssen jetzt rasch gegensteuern. Und den Anfang machen wir – wenigstens in einem Teilbereich – mit diesem Gesetzentwurf.

Unser Entwurf wird anders als der Vorschlag der Grünen nicht auf ausufernde Planungen setzen. Wir fragen nicht, wann vielleicht mal wo etwas seitens der Bahn in ferner Zukunft, in 50 Jahren, entstehen könnte. Nein, unser Gesetzentwurf setzt darauf, dass Anträge auf Freistellung durch das Eisenbahn-Bundesamt künftig wieder vereinfacht bearbeitet werden können und dass wir für Altfälle eine Übergangsregelung schaffen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Damit können – und das ist sehr wichtig – die ganzen kommunalpolitischen Vorhaben, die aktuell auf Eis liegen, vor allem beim Thema der städtebaulichen Entwicklung, schnell und unbürokratisch umgesetzt werden.

Meine Damen und Herren, schnell, einfach und vor allem praktikabel – darum muss es doch jetzt gehen: bei diesem Antrag und bei vielem anderen, was wir zurzeit im Hohen Haus beraten.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Herr Abgeordneter Baumgartner, das war Ihre erste Rede. Ich gratuliere dazu. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit der Rede zufrieden sind, aber erst recht, dass Sie sich bis zur nächsten Rede mit den faktischen Auswirkungen einer im Minusbereich laufenden Redezeituhr beschäftigt haben.

Heiterkeitbei der CDU/CSU

Denn das hat dann eine ganz andere Relevanz.

Die nächste Rede hält Stefan Seidler, fraktionslos.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
2 Vermerkeca. 221 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Herr Präsident. – Moin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer Verkehrswege entwickeln will, der braucht die nötigen Flächen. Das wissen nicht nur große Städte wie Hamburg. Nein, Herr Baumgartner, auch auf dem Land ist das ein Thema. Bei uns in Flensburg liegt seit Jahren die Hafenbahn brach.

Seit Langem gibt es Begehrlichkeiten, die Innenstadtflächen anders zu nutzen. Möglich war dies aus vielen Gründen nicht – auch weil § 23 AEG hohe Hürden setzte. Besonders in unseren Städten sind Flächen begrenzte und wertvolle Ressourcen. Wir müssen behutsam mit ihnen umgehen.

Wir sind uns alle einig: Wir wollen eine starke Bahn. Deshalb, lieber Herr Staatssekretär Lange, sollte ein langfristiges strategisches Konzept und nicht Prognosen darüber entscheiden, welche Bahnflächen für andere, wichtige Zwecke zur Verfügung gestellt werden können.

Entscheidend ist jedoch, dass wir vonseiten des Bundes Verlässlichkeit schaffen. Unsere Kommunen brauchen für ihre Planungen klare und belastbare Standards. Häufige Gesetzesänderungen aus Berlin schüren Verwirrung und machen unsere Kommunen ganz tüdelig. Mein Appell an Sie ist daher: Lassen Sie uns an einer weitsichtigen Lösung für § 23 AEG arbeiten, die lange Bestand haben kann.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Die letzte Rede in dieser Debatte hält Michael Donth von der Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Michael Donth
Foto: Tobias Koch
7 Vermerkeca. 613 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vieles wurde heute schon zu unserem Gesetzentwurf zur Änderung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes, kurz: AEG, gesagt. Die Problematik des aktuellen § 23 AEG ist nicht nur Verkehrs-, sondern mittlerweile auch Wohnungs- und vor allem Kommunalpolitikern bekannt. Und warum? Weil Flächen – für welche Zwecke auch immer – in Deutschland, besonders in unseren Innenstädten, aber auch auf dem Land, rar sind.

Wir alle wollen weniger Flächen im Außenbereich bebauen, und in vielen Städten gibt es innerorts ehemalige, nicht mehr benötigte Flächen der Bahn. Und die darf man aktuell nicht anderweitig nutzen. Früher, vor 25 Jahren – wir haben es gehört –, kam es durchaus vor, dass stillgelegte Bahnstrecken teilweise leichtfertig entwidmet und verkauft wurden. Aber schon seit Langem achtet das Eisenbahn-Bundesamt darauf, achten die Bürger und auch wir darauf, dass dies nicht mehr so einfach passiert.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Dennoch hat die Ampelkoalition im Dezember 2023 eine Gesetzesverschärfung beschlossen, die sich schon kurz darauf als fatal herausgestellt hat. Entwidmungen von Bahnflächen sind seitdem faktisch nicht mehr zulässig.

Was das in der Praxis bedeutet, zeigte sich schnell. Schon Anfang des Jahres 2024, wenige Monate später, wandte sich mein lieber Kollege Georg Kippels mit einem Fall in Köln-Bilderstöckchen an mich, wo ein seit über 20 Jahren ungenutztes, 40 000 Quadratmeter großes Bahngrundstück in ein neues Stadtquartier mit Wohn- und Gewerbenutzung weiterentwickelt werden soll. Von der Änderung des § 23 AEG durch die Ampelregierung sind dort zwar nur 10 Prozent der Fläche betroffen. Aber es geht dabei um Schlüsselgrundstücke, deren Fehlen die Realisierung des gesamten Quartiers verunmöglicht hätte.

Ich kann noch weitere konkrete Beispiele aufzählen: das Bahngelände in der Ulmer Oststadt oder die Bahnstadt in Nürtingen, die ich mir Anfang des Jahres mit OB Fridrich, dem Kollegen Hiller und Verantwortlichen der Stadt angeschaut habe. Dort sind 200 Wohnungen geplant; Herr Gastel, in Ihrem Wahlkreis haben Sie dafür gesorgt, dass die nicht gebaut werden können.

Das machen wir mit unserem Gesetzentwurf wieder möglich!

Hört! Hört!

Und nicht zuletzt gibt es auch viele Projekte hier in Berlin, wo dringend Wohnraum gebraucht wird – alles blockiert.

Um das noch mal klar zu sagen: Hier geht es nicht um die Bahnstrecke von A nach B und deren Reaktivierung. Hier geht es überwiegend um andere Bahnflächen, die zum Teil seit 75 Jahren nicht mehr genutzt werden. Umso mehr freue ich mich, dass wir nun endlich diese kleine, aber sehr wichtige Änderung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes auf den Weg bringen und hoffentlich noch vor der Sommerpause zum Abschluss bringen können.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Damit korrigieren wir, liebe Kolleginnen und Kollegen, den Ampelfehler von 2023. Und wir stellen trotzdem sicher, dass Reaktivierungen von Bahnstrecken weiter möglich sind. Wenn diese Flächen aber entbehrlich werden, weil sie wie zum Beispiel in Stuttgart durch Neubauten an anderer Stelle ersetzt werden, dann können sie trotzdem entwidmet werden. Und die mehr als 5 500 Wohnungen im Rosensteinquartier können kommen.

Und dann stellt sich Herr Pantisano – auch noch aus Stuttgart – von den Linken hierhin und sagt: Das brauchen wir nicht.

Zurufdes Abg. Luigi Pantisano [Die Linke]

Aber heute Morgen forderte Die Linke, mehr Wohnungen zu bauen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielleicht überlegen Sie mal in der Fraktion, welche Politik Sie machen wollen. Wir jedenfalls legen eine Regelung vor, die sowohl die künftigen Bedürfnisse für die Schiene als auch die entwicklungspolitischen Vorhaben in unseren Städten und Gemeinden ausgewogen berücksichtigt, und bitten um Ihre Unterstützung.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Gerold Otten
Foto: Gerold Otten/ Studio Loske
11 Vermerkeca. 1.183 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit Erlaubnis des Präsidenten zitiere ich aus dem aktuellen Koalitionsvertrag:

„Wir entwickeln den Bundessicherheitsrat, im Rahmen des Ressortprinzips, zu einem Nationalen Sicherheitsrat im Bundeskanzleramt weiter.“

Zitat Ende. Wie dieser Rat jedoch strukturell aufgebaut sein soll, das lässt der Koalitionsvertrag allerdings offen.

Die schwarz-rote Koalition hat mit diesen Worten nämlich nur den Willen, einen Sicherheitsrat zu etablieren, zum Ausdruck gebracht. Zusätzlich möchte man auch noch einen Nationalen Krisenstab und ein Nationales Lagezentrum einrichten. Das alles ist ja zunächst durchaus erfreulich; doch ob, wann und wie dieser Wille umgesetzt wird, ist bis heute noch unklar.

Als Menetekel steht uns allen dabei noch die vergangene Legislaturperiode vor Augen. Erst gab es monatelange Verhandlungen, die letztendlich nur im Sande verliefen. Kanzler Scholz war dabei unfähig, seine Vorstellungen gegen die seiner grünen Außenministerin durchzusetzen. Das Auswärtige Amt weigerte sich konsequent, Kompetenzen abzugeben. Es beharrte aber zugleich auf einer Kopplung der steigenden Verteidigungsausgaben an die Mittel für Entwicklungshilfe und für Projekte feministischer Außenpolitik.

Ah, ich wusste, dass das kommt!

Frau Baerbocks Machtspiele, Eifersüchteleien und ideologische Verbohrtheit verhinderten einen dringend benötigten Nationalen Sicherheitsrat. Kanzler Scholz konnte sich einmal mehr gegen sie nicht durchsetzen und musste schließlich kapitulieren. Dann gab es glücklicherweise vorgezogene Bundestagswahlen, und Frau Baerbocks Zeit im Auswärtigen Amt endete abrupt.

Ganz unfeministisch und in deutlich hemdsärmeliger Art sicherte sie sich dann noch schnell die Kandidatur als Präsidentin der UN-Generalversammlung, indem sie eine bereits nominierte und hochqualifizierte deutsche Spitzendiplomatin mal eben an die Seite drückte. In UN-Kreisen spricht man daher auch von einem „real bitch move of Baerbock“.

Beifallbei Abgeordneten der AfD
Widerspruchbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken und der Abg. Catarina dos Santos-Wintz [CDU/CSU]

– Ja, meine Damen und Herren, das ist heute in New York über die Dame gesprochen worden.

Herr Kollege, haben Sie das als Zitat gekennzeichnet? Wenn nicht, dann müsste ich sie rügen.

Rednerwechsel

Es ist ein Zitat.

– Ach, meine Damen und Herren, ich zitiere doch nur.

Haben Sie nicht gesagt!

Jetzt sagen Sie doch mal, was das mit dem Nationalen Sicherheitsrat zu tun hat!

Die jetzige Situation ist also mehr als günstig. Kanzler und Außenminister gehören der CDU an; es herrscht in der Union Einigkeit, den Nationalen Sicherheitsrat im Kanzleramt anzusiedeln. Daher möchten die Handelnden die Gunst der Stunde nutzen, um einen Nationalen Sicherheitsrat zu planen. Denn keinesfalls darf es erneut dazu kommen, dass Union und SPD die Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrats auf die lange Bank schieben. Dieses Thema darf nicht erneut Opfer parteipolitischer Befindlichkeiten oder von Kompetenzgerangel werden.

Allzu lange haben Union und SPD, als sie in Regierungsverantwortung waren, die Notwendigkeit eines Sicherheitsrats ignoriert. Nichts tat man nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001; nichts, als Sicherheitsexperten die Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrats wieder und wieder anmahnten. Erst recht tat man 2015 nichts, als die Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel die Kontrolle über unsere Staatsgrenzen aufgab.

Dem Aufstieg Chinas standen die unionsgeführten Bundesregierungen ebenso strategielos gegenüber, wie sie unfähig waren, die wachsenden Gegensätze zwischen Russland und dem Westen zu analysieren und ihnen wirksam entgegenzutreten. Man trauert der monopolaren Welt nach, klammert sich an das Ideal einer regelbasierten Ordnung, spricht von deutscher Verantwortung und kann es gleichzeitig kaum erwarten, noch mehr nationale Souveränität an die EU abzutreten. Man reagiert verängstigt vor einer heraufziehenden multipolaren Welt. Man ist zugleich unfähig, sicherheitspolitisch über die Legislaturperiode hinauszudenken.

Meine Damen und Herren, es war die AfD, die erstmals die Forderung nach der Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrats in den Deutschen Bundestag eingebracht hat.

Sehr gute Forderung!

Zurufdes Abg. Thomas Erndl [CDU/CSU]

Das war bereits in der 19. Legislaturperiode – die erste Legislaturperiode mit einer starken AfD im Deutschen Bundestag.

Beifallbei der AfD

Heute geht die AfD erneut voran, indem wir die Forderung nach unverzüglicher Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrats erneuern – daher unser Antrag. Dieser zielt darauf ab, den Bundessicherheitsrat zu einem Nationalen Sicherheitsrat unter der Leitung des Bundeskanzlers umzugestalten, ihn konsequent mit den notwendigen Kompetenzen auszustatten und ihn gemäß seinen Aufgaben strukturell schlank und effizient aufzustellen.

In diesem Nationalen Sicherheitsrat müssen die Kompetenzen der betreffenden Ministerien, der Sicherheitsbehörden und der Bundesländer gebündelt werden. Alle diese Behörden und Organe sind aufgerufen, Kapazitäten bereitzustellen und grundlegende Strukturveränderungen in ihren Verantwortungsbereichen umzusetzen. In einem Bundeslagezentrum müssen alle relevanten Analysen zusammenlaufen, Empfehlungen erarbeitet und dem Nationalen Sicherheitsrat zur Verfügung gestellt werden.

Es geht dabei nicht um eine Mehrbelastung der Ministerien, sondern um eine Effizienzsteigerung. Daher muss das Personal aus den betreffenden Behörden stammen. Ein Nationaler Sicherheitsberater, vom Bundeskanzler ernannt, soll dem Nationalen Sicherheitsrat vorstehen – ihm zur Seite ein Stab, der die Abläufe im Sicherheitsrat handlungssicher umsetzt.

Parallel dazu ist ein Gremium im Bundestag einzurichten, das die demokratische Kontrolle des Sicherheitsrats gewährleistet. Zudem muss eine Pflicht zur Berichterstattung an dieses Kontrollgremium bestehen, betreffend Ausarbeitung, Umsetzung und Überwachung der Nationalen Sicherheitsstrategie. Weiterhin ist zur engeren Verzahnung der deutschen Wirtschaft mit der Außen- und Sicherheitspolitik der Nationale Sicherheitsrat durch ein Gremium für geoökonomische Fragestellungen wie Rohstoffzugänge, sichere Energieversorgung oder Lieferkettenabhängigkeiten zu unterstützen.

Das alles hat in einer jährlich durchzuführenden Erklärung des Bundeskanzlers vor dem Parlament zu gipfeln. Diese Erklärung soll der Auftakt zu einer außen- und sicherheitspolitischen Sitzungswoche des Bundestages sein.

Beifallbei der AfD

In dieser Woche widmet sich das Parlament einzig der parlamentarischen Diskussion über entsprechende sicherheitsrelevante Themen. Viel ist allerdings noch zu tun. Wenn es um Deutschlands nationale Sicherheit geht, dann muss das Ressortdenken überwunden werden.

Denn wohin das führt, haben wir schon 2023 bei der Vorstellung der Sicherheitsstrategie des Auswärtigen Amtes gesehen. Es ist eine Hochglanzbroschüre, gespickt mit nichtssagenden Versatzstücken politischer Phrasendrescherei, sinngemäß etwa so: Weil wir Werte haben, haben wir auch Interessen, und unsere Interessen spiegeln unsere Werte wider. – Qualität des Auswärtigen Amtes.

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

Am Ende stand statt einer handfesten Sicherheitsstrategie ein vollkommen unkenntlich gewordener Sicherheitsbegriff. Genau deswegen ist ein Nationaler Sicherheitsrat heute so wichtig.

Beifallbei der AfD

Erste Aufgabe und zugleich Prüfstein dieses Sicherheitsrats muss die Erarbeitung einer richtungsweisenden Sicherheitsstrategie sein – eine Sicherheitsstrategie, die die vitalen nationalen Interessen Deutschlands definiert, Bedrohungen analysiert, Maßnahmen und Strategien empfiehlt sowie Deutschlands Rolle und Ziele in Organisationen kollektiver Sicherheit und Verteidigung bestimmt.

Das alles muss Chefsache des Bundeskanzlers sein. Friedrich Merz hat ja im Wahlkampf durchaus einige richtige Dinge zu Sicherheit und Verteidigung gesagt. Nun gilt es, diese Versprechungen und Ankündigungen zügig und zielstrebig umzusetzen; aber daran hapert es bereits. Deshalb muss nun der Deutsche Bundestag vorangehen, nicht die Bundesregierung. Wir bitten deshalb darum, unserem Antrag zur Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrats zuzustimmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Der nächste Redner in der Debatte ist Roderich Kiesewetter für die Union.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Porträt von Roderich Kiesewetter
Foto: Roderich Kiesewetter/ Tobias Koch
8 Vermerkeca. 630 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lassen Sie mich die Debatte mit einem Lob beginnen, und zwar mit dem Lob, dass die Bundesregierung erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland den schweren Weg geht, einen Nationalen Sicherheitsrat aufzubauen, und trotz unterschiedlichster Interessen auch den Rat des Parlaments annimmt.

Die Bundesregierung baut einen Nationalen Sicherheitsrat auf, der bisher in der Kultur unseres Landes sehr schwer zu verwirklichen war, weil wir in 16 Bundesländern organisiert sind und wir Koalitionsregierungen haben. Aber dennoch ist der Rat des Parlaments aufgegriffen worden, nämlich in Form der Empfehlungen der Enquete-Kommission Afghanistan, an denen unter anderem die Kollegen Peter Beyer, Serap Güler und Christoph Schmid, die ich gerade hier sehe, sehr intensiv mitgewirkt haben. Eine der 72 Empfehlungen war der Aufbau eines Nationalen Sicherheitsrats.

Warum ist das nötig? Wir sind in einer Gleichzeitigkeit von Krisen, die unser Land fordern. Der Vorredner hat gerade Vorschläge gemacht, wie Deutschland dies rein national organisieren kann.

Nicht zugehört!

Wir leben aber in einer multilateralen Welt. Unser Bundeskanzler ist gerade in den USA und erlebt einen Präsidenten, der auf eine multipolare Welt setzt. Wir müssen alles dafür tun, dass die Bundesrepublik Deutschland in der Nachbarschaft gut vernetzt ist und ihre Interessen gemeinsam mit Partnern durchsetzen kann.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das zweite Lob in diesem Zusammenhang geht an die Vorgängerregierung, die auch erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eine Nationale Sicherheitsstrategie entwickelt hat. Klar, sie ist kritikwürdig; aber sie ist erarbeitet worden. Sie enthält keine Prioritäten, keine Haushaltsmittel, nichts zum Bevölkerungs- und Katastrophenschutz und zur Reserve; aber das alles ist heilbar. Und das zu leisten, ist eine der möglichen Aufgaben eines Nationalen Sicherheitsrats.

Wir lehnen den Antrag der Antragsteller ab, weil wir Deutschland nicht isoliert sehen wollen

Widerspruchdes Abg. Gerold Otten [AfD]

und weil wir den Nationalen Sicherheitsrat als Chance begreifen und nicht als Ausschuss des Kabinetts unter Führung des Kanzlers.

Wir sehen, dass es notwendig ist, die Vielfalt dieses Landes im Sinne der Bundesländer einzubringen, und dass die gesamte Sicherheitskultur, die wir haben – mit den Thinktanks, den Nachrichtendiensten und den Bundesoberbehörden für Sicherheit –, ihr Fachwissen einbringen muss.

Wenn wir wirklich wollen, dass der Nationale Sicherheitsrat erfolgreich ist, dann sollten wir uns zumindest auf zwei Dinge verständigen: die Fortschreibung der Nationalen Sicherheitsstrategie und die Schaffung eines verbindlichen Lagebildes für die gesamte Bundesregierung und die Bundesländer, und das muss natürlich im Kanzleramt eingerichtet werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Angesichts der Bedrohungslage, die wir haben, muss unser Land mit der Entscheidung, die das Kabinett letztlich trifft, koordinierende Vorbereitung für die internationalen Organisationen leisten, in denen wir unser Gewicht einbringen, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger, die nachvollziehbar, verständlich und besser informiert werden müssen über die Bedrohungen, vor denen unser Land steht: die Gefährdung der kritischen Infrastruktur, die Drohnenüberflüge über unserem Land, die von russischen Schiffen kommen, die Allianz von China, Russland, Iran und Nordkorea.

Aber alles in allem muss ein Nationaler Sicherheitsrat nicht nur Glaubwürdigkeit haben, sondern auch Einfluss. Zu dem Einfluss gehört auch, dass der Rat gehört werden muss.

Zu dem Rat gehört auch, dass man vielleicht manchmal aus Loyalität Widerspruch leisten muss und dass dieser Widerspruch von Fachleuten herausgefordert werden muss, quasi als Gegenmeinung und Gegenthese, um wirksam zu sein und die Bundesregierung bestmöglich zu beraten.

Beifallbei der CDU/CSU

In diesem Sinne, glaube ich, hat die Bundesregierung ausreichend Fingerspitzengefühl und Gestaltungswillen, dies zu tun. Wir werden dies parlamentarisch aufmerksam begleiten.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Deborah Düring für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Deborah Düring
Foto: Deborah Düring/ Ivo Hofsté
21 Vermerkeca. 698 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich musste ja schon ein bisschen schmunzeln bei Ihrem Antrag.

Erzählen Sie mal, warum!

Im Titel fordern Sie die Bundesregierung auf, eine Nationale Sicherheitsstrategie zu entwerfen.

Ja, genau!

Ich frage mich: Wo waren Sie eigentlich in der letzten Legislaturperiode? Offensichtlich nicht anwesend.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Roderich Kiesewetter [CDU/CSU]

Ach! Ihr müsst zuhören!

– Da müssen Sie selber mal Ihren Titel lesen. Das steht da nämlich drin. „Lesen hilft“,

das ist grundsätzlich ein gutes Stichwort bei Ihnen. Lesen hilft auch hier. Und Sie könnten sich die Nationale Sicherheitsstrategie ja mal durchlesen; dann würden Sie sehr viel lernen.

Wo haben Sie denn Ihr militärisches Fachwissen erworben?

Sie haben doch gerade gehört, wie schlecht das Ding ist!

– Oder Sie hören einfach zu! Das würde auch helfen.

Ihnen zuzuhören, hilft hier gar keinem!

Eine Errungenschaft dieser Strategie ist nämlich ein ganzheitlicher Sicherheitsbegriff. Sicherheit bedeutet nicht nur rein militärische Sicherheit und Stärke,

Habe ich auch nicht behauptet!

sondern die sicherheitspolitischen Herausforderungen sind vielschichtig. Und wir können nicht nur auf Abschreckung setzen, sondern wir brauchen eben auch ausreichend Mittel, beispielsweise für Krisenprävention, für humanitäre Hilfe, für die multilateralen Organisationen.

Zurufvon der AfD: Ja!

Denn all das trägt am Schluss zum Friedenserhalt bei.

Sicherheit bedeutet auch Schutz vor Pandemien, Schutz vor Cyberangriffen und Schutz vor den Auswirkungen der Klimakrise.

Die Klimakrise ist die größte Sicherheitsgefahr für uns alle,

für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen überall auf der Welt. Besonders sind Menschen in den Ländern betroffen, die gar nichts mit dem Verursachen der Klimakrise zu tun haben, oder auch Menschen hier in Deutschland, die ebenfalls nicht viel zu ihr beigetragen haben.

Doch anstatt effektiven Klimaschutz nach vorne zu stellen, steckt die neue Bundesregierung mal eben den Kopf in den Sand. Laut Klimaexpertenrat liefert der schwarz-rote Koalitionsvertrag – ich zitiere – „kein[en] nennenswerte[n] Impuls“ für die Erreichung der deutschen Klimaziele. Liebe Koalition, das bringt uns alle in Gefahr; unsere Lebensgrundlagen sind in Gefahr. Der Klimaschutz ist am Schluss realpolitisch deutsches Interesse.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Die Lösung, die Sie stattdessen präsentieren, ist der Nationale Sicherheitsrat. Und, Herr Kiesewetter, auch ich war Teil der Enquete-Kommission; ich war aber leider nicht für den Nationalen Sicherheitsrat.

Er hat allerdings im Untersuchungsausschuss gesprochen!

Wir glauben auch, dass wir statt einer außenpolitischen Machtkonzentration im Kanzleramt endlich den besseren Ausbau von existierenden Strukturen, eine engere Verzahnung der Ressorts und eine stärkere parlamentarische Kontrolle brauchen. Die internationale Klimaschutzpolitik aus dem Auswärtigen Amt herauszulösen, ist genau das Gegenteil von dem, was wir brauchen, liebe Koalition.

Liebe Koalition, um Sicherheit zu schaffen, brauchen wir Vertrauen und Partner. Der aktuelle Umgang der Bundesregierung mit den ehemaligen Ortskräften und nationalen Mitarbeitern sowie gefährdeten Akteuren

Immer noch gefährdet, nach vier Jahren! Die haben vier Jahre in Gefährdung gelebt!

aus Afghanistan ist nicht nur beschämend, sondern verantwortungslos und rechtlich fraglich.

Noch immer warten rund 2 500 Personen mit Aufnahmezusage in Pakistan auf ihre Ausreise nach Deutschland,

Die fliegt die Union schon ein!

darunter Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten,

Journalistinnen und Journalisten und auch Ortskräfte, ohne die der Einsatz der Bundeswehr und anderer Ressorts nicht möglich gewesen wäre.

Die Zuordnung haben Sie doch mit der Gießkanne getroffen!

Ich appelliere eindringlich an die Bundesregierung: Halten Sie Ihre Versprechen, und ermöglichen Sie diesen Menschen so schnell wie möglich die sichere Einreise,

nicht nur aus Anstand, sondern auch aus Respekt vor Recht und unserer Sicherheit!

Zurufvon der AfD: Oh!

Vielen Dank.

Vielen Dank. – Die nächste Rede hält Christoph Schmid für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Christoph Schmid
Foto: Christoph Schmid/ Susie Knoll
13 Vermerkeca. 927 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Nationalen Sicherheitsrat einrichten – Nationale Sicherheitsstrategie entwerfen und konsequent umsetzen – Für eine Realpolitik im deutschen Interesse“ – so lautet der Titel des AfD-Antrags.

Gefällt er Ihnen?

Nur nach dem Titel gehend könnte man sagen: „Erledigt durch Regierungshandeln“, oder: „So gut wie erledigt“.

Sie haben noch gar nicht angefangen!

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Aber wenn ich genauer hinsehe, muss ich sagen: Ich bin froh, dass Regierungshandeln sich nicht an Ihrem Antrag orientieren muss. Denn, ehrlich gesagt, Herr Otten, außer Beleidigungen, Schmähungen und Unterstellungen

Das ist ja unverschämt! Das ist doch eine Frechheit!

steckte hinter dem, was Sie hier vorgetragen haben, sehr wenig Substanz.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich bin Herrn Kiesewetter sehr dankbar, dass er die Enquete-Kommission erwähnt hat; dann muss ich selber es nicht mehr tun. Am 31.01. stand ich hier während der Debatte über den Abschlussbericht der Enquete-Kommission. Das war ein langer Sitzungstag. Und ich habe Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, gebeten, die 72 Empfehlungen unserer Kommission ernst zu nehmen und ihre Arbeit zu würdigen.

Frau Düring, an der Empfehlung, die ich jetzt vortragen werde, haben nicht nur Peter Beyer und ich, sondern auch Herr Krämer von den Grünen und Herr Sauter von der FDP mitgearbeitet. Überparteilich haben wir einen Kompromiss gefunden. Die Empfehlung 21 lautet – ich zitiere –:

„Um die ressortübergreifende strategische Planung und Umsetzung des integrierten Krisenmanagements und die Zusammenarbeit bei der Umsetzung zu verbessern, sollte (Option a) ein neuer Kabinettsausschuss für integriertes Krisenmanagement eingerichtet werden oder (Option b) die Arbeit des Sicherheitspolitischen Jour Fixe der zuständigen Staatssekretärinnen und Staatssekretäre weiter ausgeweitet und intensiviert werden.“

Wie kam es zu dieser Empfehlung und zu den anderen Empfehlungen? Es ist doch klar: Im Silodenken der Ressorts sind viele Informationen verloren gegangen. Wir haben herausgefunden, dass es natürlich eine bessere Koordinierung der Aktivitäten und Programme braucht. Wir wissen: Auch in Deutschland gab es zu wenig und manchmal auch gar keine strategische Ausrichtung der Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik.

Es ist aber auch klar geworden: Das Ressortprinzip hat Verfassungsrang. Wir leben nicht in einer Präsidialdemokratie. Unsere Realität sind Koalitionsregierungen. Wir haben zum Glück einen starken föderalen Staatsaufbau mit unterschiedlichen Zuständigkeiten bei Bund, Ländern und Kommunen.

Klar ist auch: Es hat sich schon viel verbessert. Olaf Scholz hat nicht nur den Begriff der Zeitenwende geprägt,

„Geprägt“!

sondern wir haben gemeinsam mit dem Sondervermögen für die Bundeswehr auch den klaren Fokus auf unsere Fähigkeiten zur effektiven Landes- und Bündnisverteidigung gelegt. Wir haben in der letzten Regierung Auslandseinsätze erstmals umfassend evaluiert. Wir haben eine gemeinsame Aufgabenwahrnehmung der Häuser nicht nur stattfinden lassen, sondern auch durch gemeinsame Reisen wie die von Svenja Schulze und Boris Pistorius in die Sahelregion öffentlich dokumentiert und so den Schwerpunkt gesetzt. Und wir haben – Sie haben es erwähnt – erstmals eine Nationale Sicherheitsstrategie erarbeitet und verabschiedet.

Uns allen ist aber auch klar, dass wir tatsächlich noch nicht am Ende der Bemühungen sind. Deshalb haben wir im Koalitionsvertrag formuliert, dass wir den Bundessicherheitsrat zu einem Nationalen Sicherheitsrat im Bundeskanzleramt weiterentwickeln wollen. Er soll die wesentlichen Fragen einer integrierten Sicherheitspolitik koordinieren, Strategieentwicklungen und strategische Vorausschau leisten, eine gemeinsame Lagebewertung vornehmen und somit das Gremium einer gemeinsamen politischen Willensbildung sein.

Beifallbei der SPD

Um das zu tun, brauchen wir aber keinen schlecht formulierten AfD-Antrag. Denn schon bei den Feststellungen zeigen Sie, wes Geistes Kind Sie sind, wenn Sie etwa sagen, die Regierung würde – ich zitiere – „viel zu oft an dem sicherheitspolitisch komplizierten und nicht flexiblen Multilateralismus“ festhalten.

Ja, glauben Sie denn ernsthaft, nationale Alleingänge à la Orbán oder Fico oder ein Isolationismus à la Trump sind die Lösung?

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Nein, das ist definitiv nicht der richtige Weg und nicht im deutschen Interesse.

Es geht weiter mit dem AfD-Bingo – ich darf noch mal zitieren –:

„Deutschland muss in der Lage sein, seinen weiteren Abstieg in der internationalen Gemeinschaft zu verhindern, und sollte in zentralen Bereichen nicht die Ziele anderer übernehmen müssen […].“

Ernsthaft? Welcher Abstieg? Was sehen Sie denn da? Deutschland übernimmt weltweit Verantwortung wie noch nie und wird dafür geschätzt.

Ein Beispiel dafür kann ich Ihnen mit der Übernahme der Verantwortung für die Brigade in Litauen geben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir alle, die wir beim Aufstellungsappell in Litauen dabei sein durften, haben das Gefühl bekommen, wie dankbar die Menschen dort für die deutsche Verantwortungsübernahme im Rahmen des Multilateralismus sind.

Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

Ich persönlich halte tatsächlich gar nichts davon, dass man im internationalen Kontext Auf- und Abstiegsregelungen und Rankings erstellt. Aber fragen Sie doch mal in Litauen nach, wo Deutschland in deren Ranking steht. Ich glaube, ganz weit oben.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

In Ihrem Konzept wollen Sie doch gar kein koordinierendes Gremium unter Wahrung der Ressortzuständigkeit. Sie wollen einen Bürokratieaufbau mit einem starken Mann im Kanzleramt, am liebsten natürlich in Uniform, mit einem bewusst militärischen Schwerpunkt und mit Fokus darauf, Deutschland in irgendwelchen Rankings oben zu sehen, um Ihren dumpfen Nationalstolz zu befriedigen. Das wollen wir nicht. Deshalb lehnen wir Ihren Antrag ab.

Danke schön.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Lachenbei Abgeordneten der AfD

Vielen Dank. – Ich erteile als Nächstes das Wort der Abgeordneten Gökay Akbulut von der Linken.

Beifallbei der Linken
Porträt von Gökay Akbulut
Foto: Gökay Akbulut/Thommy Mardo
11 Vermerkeca. 432 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der AfD ist alles andere als ein konstruktiver Beitrag zur außen- und sicherheitspolitischen Debatte.

Zurufdes Abg. Hannes Gnauck [AfD]

Wie so oft geht es darum, demokratische Strukturen auszuhöhlen und zentrale Machtbefugnisse in einem autoritären Sinne umzubauen. Die AfD verwendet den Begriff „Sicherheit“ als ideologisches Kampfmittel, um Macht zu zentralisieren,

Lachenbei Abgeordneten der AfD
Zurufdes Abg. Martin Reichardt [AfD]

staatliche Überwachung zu erweitern und eine nationale Homogenität durchzusetzen. Ihre sogenannte Realpolitik im deutschen Interesse ist in Wahrheit ideologische Symbolpolitik in völkischem Gewand.

Beifallbei der Linken

Die AfD will einen Nationalen Sicherheitsrat direkt im Bundeskanzleramt

Ja! SPD und Union doch auch!

und damit zentrale Entscheidungen zur Sicherheitspolitik an ein exekutives Gremium verlagern. Hier, meine Damen und Herren, geht es um Machtverschiebung – weg vom Parlament, hin zur Exekutive.

Zudem behauptet die AfD in ihrem Antrag, mit ihrer Strategie ideologiefrei agieren zu wollen. Was hier aber als ideologiefrei verkauft wird, ist in Wahrheit autoritär im Staatsverständnis und nationalistisch im Weltbild. Migration wird pauschal als sicherheitspolitisches Problem dargestellt.

Zurufdes Abg. Gerold Otten [AfD]

Die AfD führt die sogenannte gescheiterte Migrationspolitik in einer Liste von Krisen auf – neben dem Krieg in der Ukraine, der Coronapandemie und der hybriden Bedrohung. Damit betreibt sie eine gefährliche und spaltende Gleichsetzung.

Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Sie erklärt das bloße Vorhandensein von Migration zur Bedrohung der inneren und äußeren Sicherheit und nennt sie in einem Atemzug mit Terrorismus, Krieg und Katastrophen. Das ist nicht nur falsch, das ist rassistisch.

Beifallbei der Linken

Denn wer Migration pauschal als Bedrohung behandelt, erklärt Herkunft zum Risiko. Die Zeiten der Rassentheorien sind vorbei.

Beifallbei der Linken

Das ist doch völliger Schwachsinn!

Die AfD benutzt den Sicherheitsbegriff, um ihre innenpolitische Agenda hier erneut durchzusetzen – gegen Geflüchtete, gegen internationale Zusammenarbeit, gegen gesellschaftliche Vielfalt. Sicherheit wird zum Vorwand für Kontrolle, Abschottung und nationale Alleingänge, ganz nach dem Beispiel von Trumps „America First“.

Meine Damen und Herren, Die Linke vertritt ein grundsätzlich anderes Verständnis von Sicherheit. Wir sagen: Sicherheit bedeutet Schutz vor Armut, Ausgrenzung, Krieg und Klimakatastrophen.

Beifallbei der Linken

Sicherheit braucht wirksame Zusammenarbeit und multilaterale Strukturen. Deutschland braucht keinen nationalistisch aufgeladenen Sicherheitsrat, sondern eine friedensorientierte Außenpolitik, die auf Diplomatie, Abrüstung und Menschenrechten basiert.

Deshalb sagen wir Nein zu diesem Antrag. Wir brauchen keinen Nationalen Sicherheitsrat, sondern einen konsequenten Kampf gegen rechts und eine aktive Friedens- und Entspannungspolitik.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Thomas Erndl für die Union.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Thomas Erndl
Foto: CSU-Landesleitung / Christian Kaufmann
9 Vermerkeca. 454 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Immer wenn sich die AfD zu Fragen der nationalen Sicherheit äußert, dann hat das eine besondere Komik.

Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Der vorliegende Antrag ist ein Paradebeispiel dafür. Darin heißt es – ich zitiere –:

„Die Formulierung einer außen- und sicherheitspolitischen Strategie kann nur frei von der Einflussnahme anderer Staaten […] erfolgen.“

„Frei von der Einflussnahme anderer Staaten“ – aha!

Zurufdes Abg. Hannes Gnauck [AfD]

Das sind ganz schön starke Worte für eine Fraktion, deren Mitglieder auch hier an dieser Stelle immer wieder als Sprachrohr autokratischer Regime auftreten,

Zurufeder Abg. Hannes Gnauck [AfD] und Gerold Otten [AfD]

ganz schön starke Worte für eine Fraktion, deren Mitgliedern vereinzelt bedenkliche Nähe zu ausländischen Geheimdiensten nachgewiesen wurde, und ganz schön starke Worte für eine Fraktion, gegen deren aktuelle und ehemalige Mitglieder wegen Geldwäsche und Bestechlichkeit im Zusammenhang mit Geldzahlungen aus Russland und China ermittelt wird.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufeder Abg. Gerold Otten [AfD] und Martin Reichardt [AfD]

Meine Damen und Herren, wir diskutieren hier über einen Antrag, der fast wortgleich bereits in der letzten Legislatur eingebracht wurde. Als Union haben wir den Antrag damals abgelehnt, und wir werden es auch heute wieder tun, nicht nur, weil die AfD keinerlei Glaubwürdigkeit beim Thema „nationale Sicherheit“ hat, sondern weil dieser Antrag erneut unter Beweis stellt, dass der sicherheitspolitische Kompass der AfD völlig falsch gepolt ist.

Was hier im Antrag als – Zitat – „eine Realpolitik im deutschen Interesse“ getarnt ist, lässt sich bei genauerem Hinsehen rasch entlarven. Was meinen Sie denn konkret, meine Damen und Herren von der AfD, wenn Sie von einer „ideologiefreien Strategie“, einem „national definierten Sicherheitsinteresse“ oder gar dem „Ende des Multilateralismus“ sprechen? Meine Damen und Herren, ich kann Ihnen sagen, was die AfD damit meint, nämlich eine Abkehr von der Unterstützung der Ukraine und das Heranrücken an Autokraten und Despoten, eine Abkehr von unseren demokratischen und freiheitlichen Werten und der europäischen Sicherheitsordnung, eine Abkehr von NATO und EU und ein Rückfall in nationalistische Klein-Klein-Denke.

Beifallbei der CDU/CSU

Die AfD steht für eine Sicherheitspolitik, die Europa schwächen, unser Land isolieren und den Interessen unserer Feinde in die Hände spielen will.

Das sieht jeder vierte Wähler anders!

Auch wenn die AfD in diesen Tagen immer öfter staatspolitische Verantwortung heuchelt, lassen wir uns nicht täuschen. Die AfD ist ein Sicherheitsrisiko für Deutschland.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Nee, für die CDU/CSU! Für Ihre Wahlergebnisse!

Vielen Dank. – Zur letzten Rede in dieser Debatte erteile ich Kerstin Vieregge das Wort.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Kerstin Vieregge
Foto: Kerstin Vieregge/ Sören Düning
4 Vermerkeca. 344 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Wehrbeauftragter! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir leben im Zeitalter der Polykrisen. Krisen verdichten sich nicht nur zeitlich, sondern sie sind zum Dauerzustand geworden. Militärische Bedrohungen, hybride Angriffe, Terrorismus, wirtschaftliche Erpressung: All das verlangt eine handlungsfähige, strategisch koordinierte Sicherheitspolitik. Hier haben wir als deutscher Staat Nachholbedarf. Unsere staatliche Sicherheitsarchitektur ist bislang zu fragmentiert, zu langsam, zu reaktiv; die Betonung liegt allerdings auf „bislang“. Während die AfD-Fraktion mit Anträgen beschäftigt ist, wird im Bundeskanzleramt in der neuen Stabsstelle für den Nationalen Sicherheitsrat bereits konkret an der praktischen Umsetzung eines neuen sicherheitspolitischen Ansatzes gearbeitet. Die Einrichtung dieses Rates als koordinierendes und entscheidungsvorbereitendes Gremium ist im Koalitionsvertrag verankert, und sie wird auch realisiert.

Beifallbei der CDU/CSU

Das Aufgabenportfolio des Nationalen Sicherheitsrates wird breit gefächert und zentral für die Sicherheitspolitik unseres Landes sein. Er wird die entscheidenden Fragen integrierter Sicherheit koordinieren, strategische Vorausschau leisten und zur Entwicklung ressortübergreifender Strategien beitragen. Als entscheidungsvorbereitendes Gremium bewertet er kontinuierlich die Lage und stärkt so die staatliche Reaktions- und Handlungsfähigkeit. Seine Aufgabe ist es, auf mögliche Krisenszenarien vorbereitet zu sein, mit klaren Handlungsoptionen, die im Ernstfall sofort abrufbar sind.

Klar ist aber auch: Der Nationale Sicherheitsrat wird nicht alle Probleme lösen können. Er ist eben kein Allheilmittel; denn Weltpolitikfähigkeit entsteht nicht allein durch Institutionen. Sie setzt Konsens voraus: in der Regierung, im Parlament und auch in der Gesellschaft. Umso bemerkenswerter ist, was im Antrag fehlt: jegliche Erwähnung der strategisch gesteuerten Desinformationskampagnen autokratischer Regime, die unsere Gesellschaft gezielt spalten sollen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir als CDU/CSU lehnen diesen Antrag ab und fokussieren uns auf den bereits beschlossenen Aufbau des Nationalen Sicherheitsrates im Bundeskanzleramt.

Das wird doch nix!

Denn wir wollen, dass Deutschland – Dauerkrisen zum Trotz – wieder handlungsfähig wird. Sicherheit braucht Führung, und Führung braucht Struktur, und genau diese Struktur kann und wird der Nationale Sicherheitsrat liefern.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Hendrik Hoppenstedt
Foto: Dr. Hendrik Hoppenstedt/ Tobias Koch
3 Vermerkeca. 484 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Auf Antrag der Koalitionsfraktionen wollen wir einen Beschluss fassen, dass das Anpassungsverfahren gemäß § 11 Absatz 4 des Abgeordnetengesetzes auch für die 21. Wahlperiode gelten soll. Das klingt jetzt sehr technisch und beinhaltet eigentlich nur, dass wir uns über die Frage, wie es mit den Diäten weitergehen soll, Gedanken machen müssen.

Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts müssen wir Abgeordnete selber entscheiden, wie unsere Diäten ausgestaltet sein sollen; das ist auch sachgerecht. Wer sonst sollte das tun? Gleichzeitig birgt das natürlich ein hohes Verhetzungspotenzial; denn die große Mehrheit der arbeitenden Menschen in unserem Land kann nicht über ihr eigenes Gehalt entscheiden. Hinzu kommt, dass wir aus Steuermitteln finanziert werden und schon aus diesem Grunde eine besondere und manchmal auch sehr kritische Beobachtung der Menschen entsteht.

Umso wichtiger ist es, dass wir bei der Festlegung der Diätenhöhe transparent und vor allen Dingen nachvollziehbar handeln. Deswegen hat der Deutsche Bundestag eine Expertenkommission eingesetzt – bestehend übrigens aus allen gesellschaftlich relevanten Gruppen wie Wissenschaftlern, Handwerkern, Gewerkschaftern –, die dann 2013 einen Bericht vorgelegt und Vorschläge gemacht hat, wie die Höhe der Diäten und auch die Entwicklung der Diäten ausgestaltet sein sollen.

Herausgekommen sind zwei Empfehlungen. Um es in der Kurzversion vorzutragen: Zum einen sollen sich unsere Bezüge an den Besoldungsgruppen der obersten Bundesrichter orientieren. Bei aller Unterschiedlichkeit zur Tätigkeit der obersten Bundesrichter ist uns gemeinsam, dass wir unabhängig sind und dass wir Entscheidungen für das ganze Land treffen. Zum anderen gibt es die Empfehlung, dass wir die Entwicklung der Diäten an die allgemeine Entwicklung der Löhne und Gehälter in Deutschland koppeln sollen. Damit das gilt, müssen wir nach dem Abgeordnetengesetz heute diesen Beschluss fassen.

Die Kritiker werden jetzt einwerfen, dass die Diäten in den vergangenen Jahren doch die meiste Zeit gestiegen seien und dass der Lohnindex 2024 eine Erhöhung vorsieht, sodass wir am 01.07.2025 eine kräftige Diätenerhöhung bekommen werden. Das stimmt insofern, als dass wir in den letzten Jahren tatsächlich eine Gott sei Dank positive Entwicklung des Nominallohnindexes zu verzeichnen hatten. Es gab aber auch schon Minusrunden,

Zurufvon der AfD: Ein Mal!

zum Beispiel 2021. 2020, im ersten Coronajahr, in dem die Nominallohnentwicklung plus 2,6 Prozent betragen hat, haben wir freiwillig auf eine Diätenerhöhung verzichtet.

Wenn wir diesen Beschluss heute fassen, bleiben die Diäten an die durchschnittliche Entwicklung der Löhne und Gehälter der arbeitenden Menschen in Deutschland gekoppelt; sie befinden sich damit übrigens exakt auf dem Besoldungsniveau der obersten Bundesrichter. Das ist nachvollziehbar, das ist fair, und das ist im Übrigen angesichts unserer verantwortungsvollen Tätigkeit aus meiner Perspektive auch angemessen. Insoweit werbe ich um Zuspruch und bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Stephan Brandner für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
28 Vermerkeca. 1.390 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Diätenempfänger! Lieber Herr Hoppenstedt, wenn das alles so toll und transparent sein soll, dann frage ich mich: Warum machen wir das nicht öfter? In Wirklichkeit scheuen Sie diese Debatte wie der Teufel das Weihwasser oder wie die Grünen Berufsabschlüsse.

Heiterkeitund Beifall bei der AfD

Blödsinn! So ein Quatsch!

Sie wollen diese Debatte hier nicht führen.

Alle paar Jahre, immer zu Beginn einer Legislaturperiode: Hopphopp, so am späten Nachmittag, 20 Minuten Debatte, damit der Wähler draußen das Ganze ganz schnell wieder vergisst. Eine Debatte, die – zack, zack! – in einen Beschluss münden soll, der hier dann ohne Weiteres verabschiedet werden soll. Klammheimlich machen Sie das – eigentlich in der Hoffnung, dass es niemand mitbekommt.

Das stimmt doch gar nicht! Wir haben sie beantragt!

Weitere Zurufe von der SPD

Ohne die AfD würde die Debatte gar nicht stattfinden; da bin ich mir sicher. Dank AfD findet die Debatte hier überhaupt statt. Und das ist ein großes Verdienst, alleine darüber zu sprechen.

Beifallbei der AfD

Wir machen nachher eine Sofortabstimmung, entscheiden für die nächsten vier Jahre, wenn es nach Ihnen geht, und dann ist das Thema Diäten in dieser Wahlperiode ein für allemal erledigt. Dabei steht Ihnen allen – ich sehe Herrn Fechner, ich sehe Herrn Hoppenstedt – das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben.

Lachender Abg. Derya Türk-Nachbaur [SPD]

Und wenn man Sie anschaut: Wer denkt da nicht an ein Diätenerhöhungskartell?

Das ist immer dieselbe Schallplatte!

Ich weiß nicht, wer daran denkt. Ich denke daran. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber so sieht mir das aus.

Ich muss Sie kurz unterbrechen, Herr Brandner. Sie kennen die Debatte und die Absprache – wir haben sie im Ältestenrat und auch etliche Male hier geführt –, dass die Zueignung als Kartell der politischen Gegnerschaft gegenüber – seien es Parteien oder in anderen Zusammenhängen –

Widerspruchdes Abg. Dr. Rainer Rothfuß [AfD]
Zurufdes Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Rednerwechsel

Aber das habe ich nicht gemacht.

– hier nicht erwünscht ist.

Rednerwechsel

Ich habe gefragt, wer daran denkt. Wenn Sie daran denken, dann spricht das für Sie.

Ich spreche immer noch. – Ich möchte Sie dafür rügen, weil Sie trotz mehrerer Debatten und Ansagen, auch durch die Frau Präsidentin, den Kartellbegriff weiter nutzen.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Weitere und schärfere Ordnungsmaßnahmen behalte ich mir natürlich vor.

Bitte, jetzt haben Sie das Wort.

Rednerwechsel

Ich habe das in eine rhetorische Frage gekleidet. Und wenn Sie daran denken, dann fällt das eigentlich auf Sie zurück. Ich denke daran, und Sie denken daran. Offenbar ist das gar nicht so weit entfernt von dem, was die Wahrheit ist.

Beifalldes Abg. Dr. Daniel Zerbin [AfD]

Meine Damen und Herren, draußen muss jeder Arbeitnehmer jederzeit rechtfertigen,

warum er mehr Geld haben möchte: den Betrieb nach vorne gebracht, produktiver geworden. Die Gewerkschaften müssen streiken, sie müssen sich der Medien bedienen, um höhere Löhne durchzusetzen. Und Sie wollen hier nicht mal darüber reden.

Dabei geht es in den nächsten vier Jahren um etwa – plus/minus – 50 Millionen Euro mehr, die als Diäten ausgezahlt werden sollen. Man kann es nicht so genau sagen, aber es geht um ein Vielfaches von 10 Millionen Euro in den nächsten Jahren.

Zurufdes Abg. René Bochmann [AfD]

Ungefähr 60 von den hier Anwesenden haben gar keinen Beruf angegeben, sie nennen sich Politiker. Dutzende von Ihnen prahlen mit teilweise mehreren Studiengängen, Abschlüsse findet man nicht. Kein Abschluss, keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt, aber ganz vorne, wenn es um die Erhöhung von Diäten geht. Ich persönlich finde das schäbig, muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen.

Beifallbei der AfD

Wir reden hier auch nicht nur über das Bruttoeinkommen von demnächst 12 000 Euro monatlich; das ist ja eigentlich schon recht üppig.

Was hat eigentlich Ihr Vorgänger gesagt?

Es geht noch um 5 500 Euro netto monatlich als Unkostenpauschale, drei voll eingerichtete Büros in Berlin, Zuschüsse zur Krankenversicherung, 12 000 Euro im Jahr für Bürobedarf, Kaffeevollautomaten, Digitalkameras und sonstige Spielereien, die kostenlose Nutzung der Ersten Klasse der Deutschen Bahn bundesweit, den Fahrdienst in Berlin, Inlandsflüge mit der Lufthansa und knapp 26 000 Euro monatlich für Personal. Dazu kommen eine großzügige Versorgung für die Zeit nach dem Ausscheiden

Genau, genau! Sie gehen ja alles zu Fuß! Natürlich! Sie haben keine Mitarbeiter! Sie haben kein Handy! Sie gehen alles zu Fuß!

– getroffene Hunde bellen –

Beifallbei der AfD

und für jedes Jahr Bundestagszugehörigkeit 280 Euro Rentenanspruch, nach zehn Jahren Bundestag ungefähr 3 000 Euro Rente. Das steigt bis fast 7 500 Euro Rentenanspruch, wenn ich nur lange genug hier gesessen habe.

Er fährt mit dem Dreirad!

Sie müssen es ja wissen!

Das ist doch nach draußen nicht vermittelbar.

Hinzu kommen noch Übergangsgelder nach dem Ausscheiden für bis zu 18 Monate, 12 000 Euro im Monat – das muss man sich mal vorstellen –, eine üppige Hinterbliebenenversorgung und einiges mehr.

Herr Brandner geht überall zu Fuß hin! Und Sie haben keine Mitarbeiter! Wie selbstlos!

Das soll alles ganz schnell und ganz heimlich hier durchgepeitscht werden, und deshalb brüllen Sie hier auch so rum, als wären Sie gerade erst aus dem Käfig gelassen worden. Das finde ich wirklich sehr komisch.

Was wollen wir? Wir wollen keine Neiddebatte. Wir wollen keinen Automatismus,

Zurufeder Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD] und Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

sondern vor jeder Änderung der Abgeordnetenbezüge eine offene, gründliche, möglichst nicht ganz so aufgeladene, sachliche Debatte ohne Rumgebrülle aus den Syndikatsparteien, meine Damen und Herren.

Heiterkeitund Beifall bei der AfD

Wer ist denn hier so aufgeregt?

Warum und in welcher Höhe die Bezüge erhöht werden müssen, das muss nach außen ganz transparent klargemacht werden.

Da hilft es auch nicht, wenn die Linken gleich sagen: Ja, wir spenden da irgendwas an irgendwen. – Das geht dann wahrscheinlich wieder an irgendwelche Schlägertrupps der Antifa. Das nützt dem Steuerzahler letztendlich nichts. Wir wollen den Steuerzahler schützen und nicht irgendwelche Spendenaktionen für linksextremistische Modelle in die Spur bringen.

Widerspruchbei der Linken

Spendenaktionen sind genau das Thema!

Darum geht es uns. Also: Jedes Jahr – oder wann immer Sie wollen – eine transparente Debatte!

Also nicht absenken?

Und vielleicht denken wir mal über einen völlig neuen Ansatz nach, der mir sehr gut gefällt. Warum orientieren sich die Diäten nicht an dem, was man vor dem Einzug in den Bundestag verdient hat?

Beifallbei der AfD

Wie bei Herrn Frohnmaier?

Das wäre doch mal ein Lösungsansatz, oder? Jeder guckt, was er vorher hatte, und kriegt dann – das Grundgesetz spricht von „Entschädigung“ – seinen Schaden ersetzt, der dadurch entstanden ist, dass er in den Deutschen Bundestag einzieht. Ich muss Ihnen sagen: Das finde ich persönlich ganz sympathisch.

Ja, und was hat Herr Frohnmaier verdient vorher?

Diejenigen, die in ihrem Leben gearbeitet haben und Berufsabschlüsse oder Studienabschlüsse erworben haben, die wirklich Geld verdient haben, finden das auch ganz sympathisch. Denken Sie also darüber mal nach, meine Damen und Herren!

Am Ende ein Appell: Kommen Sie zurück zu den Bürgern, heben Sie nicht weiter ab! Kommen Sie zurück zu den Menschen, die draußen arbeiten!

Das machen wir! Anders als Sie!

Wir gehen gerne voran, Ihre Alternative für Deutschland und Ihr Stephan Brandner.

Danke schön.

Beifallbei der AfD

Wir hier im Sitzungsvorstand sind uns nicht sicher, welche Zwischenrufe und Redebeiträge es hier genau gab, weil die Lärmkulisse zu hoch war.

Deshalb möchte ich Ordnungsmittel in den Raum stellen, die ich vorbehaltlich der Lektüre des Protokolls möglicherweise noch ergreifen werde.

Der Nächste in der Redeliste ist Dr. Johannes Fechner von der Sozialdemokratie.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Johannes Fechner
Foto: Photothek
11 Vermerkeca. 798 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Die Höhe der Diäten und die Art und Weise, wie wir sie festsetzen, das ist in der Tat ein heikles Thema. Es hat in der Tat – so würde man in meiner Baden-Württemberger Heimat sagen – ein gewaltiges Geschmäckle, wenn wir hier jedes Jahr aufs Neue die Summe beschließen, die wir uns damit selber als Einkommen genehmigen. Und genau deshalb, weil wir das nicht wollen, haben wir 2013 eine Kommission aus unabhängigen Experten eingerichtet.

Es wird ja besser, wenn man es nur einmal in vier Jahren macht, ne?

Diese hat einen Vorschlag gemacht, den wir seit 2014 übernommen haben und den wir jetzt auch für diese Wahlperiode übernehmen wollen. Für uns gibt es demnach nur dann Diätenerhöhungen, wenn auch die Bürgerinnen und Bürger mehr Lohn in der Tasche haben. Die Diäten sinken automatisch – genauso wie zu Coronazeiten –, ohne dass wir es hier stoppen könnten, wenn die Löhne der Bürgerinnen und Bürger sinken. Das ist eine transparente Regelung, die Sie, die Kollegen von der AfD, genau nicht haben wollen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ach nee!

Wir haben dabei eine ganz klare Orientierung: die Besoldungsgruppe R 6. Das entspricht – um es etwas nahbarer zu machen – in etwa dem Einkommen eines Oberbürgermeisters einer 40 000-Einwohner-Gemeinde in Baden-Württemberg. Wenn Sie tatsächlich meinen, wir verdienten zu viel, dann müsste Ziel Ihres Antrags sein, die Grundpauschale herunterzusetzen. Aber dann sollten Sie nicht den Anpassungsmechanismus angreifen, der ganz transparent und automatisch die Diäten verändert – jedes Jahr übrigens –, entweder nach oben oder nach unten.

Niemand bekommt eine automatische Erhöhung da draußen!

Uns vorzuwerfen, dass wir uns hier Pfründe sicherten, ist natürlich verlogen. Schauen wir uns doch mal an, was die AfD etwa in Kommunalparlamenten macht. In einer Stadt namens Böhlen haben Sie beantragt, die Diäten um 20 Prozent zu erhöhen.

Das ist unanständig!

Zurufvon der AfD: Da gibt es überhaupt keine Diäten!

Im Landkreis Jerichower Land sind Sie sogar für eine Erhöhung von 70 Prozent gewesen, und Sie haben leider eine Mehrheit bekommen.

Hört! Hört!

Da geht es um Aufwandsentschädigungen von 300 Euro!

Und hier kritisieren Sie eine Erhöhung um 5 Prozent!

Das ist nicht vergleichbar, Herr Fechner!

Zugegeben, die Erhöhung ist in der Summe sehr hoch. Aber Erhöhungen um 70 Prozent zu beantragen und uns dann hier Pfründewirtschaft vorzuwerfen, das geht auf keinen Fall, Kolleginnen und Kollegen von der AfD.

Ich will ganz klar sagen: Wir haben eine Vorbildrolle. Wir müssen auch bei uns sparen. Und das haben wir getan. Ich darf daran erinnern, dass der Bundestag 103 Mitglieder weniger hat als in der letzten Wahlperiode. Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt die Ersparnis dadurch auf 500 Millionen Euro in dieser Wahlperiode. Damit zeigen wir den Bürgerinnen und Bürgern: Gerade in diesen finanziell herausfordernden Zeiten sparen auch wir hier bei uns im Bundestag, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das will ich hier ausdrücklich erwähnt haben.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Widerspruchbei der AfD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben eine sinnvolle Regelung. Wir haben sie uns nicht ausgedacht, sondern folgen dem Expertenrat. Die Diäten können nur dann steigen, wenn auch die Löhne der Bürger steigen. Die Diäten sinken, wenn die Löhne der Bürger sinken. Genau diesen Automatismus wollen wir. Wenn es in der Wahlperiode dann doch nicht passen sollte, dann sind wir jederzeit frei, gesetzlich einzugreifen und diesen Automatismus zu stoppen, wie wir es zu Coronazeiten getan haben. Dort haben wir einmal ausgesetzt; das war richtig. Genau diesen Mechanismus wollen Sie eben nicht, weil Sie Ihre Pfründe sichern wollen. Nach dem AfD-Antrag gäbe es eben kein automatisches Absinken, wenn die Bürgerinnen und Bürger weniger Lohn haben.

Eben, genau! Und auch kein Steigen!

Wir schaffen diesen Mechanismus. Jedes Jahr zum 1. Juli ändern sich die Diäten nach oben oder nach unten, je nachdem, ob die Bürger mehr oder weniger Geld in der Tasche haben.

In diesem Sinne: Lassen Sie uns diesen wichtigen Beschluss heute fassen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Als Sozialdemokraten! Mann, Mann, Mann!

Ich darf das Wort Helge Limburg von Bündnis 90/Die Grünen erteilen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Derya Türk-Nachbaur [SPD]
Porträt von Helge Limburg
Foto: Helge Limburg/ Bonnie Bartusch
6 Vermerkeca. 537 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Koalition hat einen Antrag auf eine Fortsetzung des bisherigen Mechanismus zur Ermittlung der Höhe der Abgeordnetenentschädigung vorgelegt. Der Mechanismus ermittelt diesen Wert entsprechend der durchschnittlichen Lohn- und Gehaltsentwicklung, der Entwicklung der Nominallöhne aller Menschen in diesem Land.

Er ist – darauf hat Kollege Dr. Hoppenstedt bereits hingewiesen; ich möchte es nur noch mal betonen – nicht etwa vom Parlament selbst, von Abgeordneten entwickelt worden. Vielmehr geht dieser Mechanismus zurück auf eine sehr breit besetzte Expertenkommission aus Gewerkschaftern, Arbeitgebern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und anderen Personen, die genau diesen Vorschlag vor einigen Jahren vorgelegt hat.

Sehr richtig!

Dem Vorschlag haben wir damals zugestimmt. Und ich sehe, offen gesagt, nicht, was heute an diesem Mechanismus falsch sein soll. Soweit von einer automatisierten Gehaltserhöhung gesprochen wird – das haben meine Vorredner schon erläutert –, ist das nicht korrekt. In der vergangenen Wahlperiode gab es auch einmal eine Absenkung, und das ist natürlich nach dem Mechanismus auch in Zukunft denkbar, wenn die Nominallöhne sinken. Solange die Gehälter in diesem Land im Durchschnitt steigen, steigen in der Tat auch die sogenannten Diäten. Ein Durchschnittswert bedingt natürlich, dass einige Gehälter höher steigen, andere geringer. Das ist die Wahrheit in diesem Land.

Wenn dieser Ermittlungsmechanismus argumentativ dann aber mit dem unzureichenden Mindestlohn oder den teils zu geringen Renten verknüpft wird, dann ist dazu zu sagen: Natürlich müssen wir den Mindestlohn in diesem Land erhöhen. Natürlich brauchen wir armutsfeste Renten. Nur, all das, liebe Kolleginnen und Kollegen, hat nichts mit diesem Mechanismus im Abgeordnetengesetz zu tun.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir wären durchaus offen für eine Diskussion darüber, ob es einen besseren Mechanismus, andere Werte, geben könnte. Nur, die müssten dann auch vorgelegt werden. Das aber, einen anderen Mechanismus, ein anderes Berechnungsverfahren, hat keine der Fraktionen hier heute im Hohen Haus vorgelegt; ein besserer Mechanismus liegt nicht vor.

Zurück zum alten System zu gehen, nach dem der Deutsche Bundestag quasi allein, in freier Ermessensausübung über die Höhe der Diäten bestimmt hat, das jedenfalls ist mit uns Grünen nicht zu machen.

Die Orientierung an der Entwicklung der Nominallöhne ist sachgerecht.

Klar ist aber auch – weil auch das in der öffentlichen Debatte teilweise verknüpft wurde –: Natürlich müssen wir an die Höhe der Altersentschädigung ran. Die Schere zwischen der Altersentschädigung für frühere Abgeordnete und durchschnittlichen Renten und Pensionen ist weiter auseinandergegangen. Das ist gegenwärtig ein Mechanismus, der so zu Recht keine Akzeptanz hat. Wir werden dazu konkrete Vorschläge vorlegen, und wir hoffen dann auf einen breiten Konsens der demokratischen Fraktionen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein letztes Wort noch zu dem unsäglichen Vortrag des Abgeordneten Brandner. Sie haben ja vorgeschlagen, die Abgeordnetenentschädigung quasi an dem, was man außerhalb des Parlamentes so verdient, zu orientieren. Wenn wir das wahrmachen würden, müsste ein relevanter Teil Ihrer Fraktion in Rubel bezahlt werden, und das halte ich dann in der Tat nicht für sachgerecht.

Vielen Dank.

Heiterkeitund Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Ich darf für die Fraktion Die Linke Herrn Jan van Aken aufrufen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Jan van Aken
Foto: Martin Heinlein
4 Vermerkeca. 262 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident, lieber Bodo! Meine Damen und Herren! Die Leute haben die Schnauze echt voll. Es gibt auch einen Grund, warum so viele Leute im Moment so wütend sind, warum sie das Gefühl haben, dass die Politik sich überhaupt nicht um ihre Probleme kümmert. Und jetzt wollen Sie, quasi als erste Amtshandlung, die Diäten erhöhen.

Die Mietpreisbremse einführen!

Das macht Die Linke nicht mit. Punkt!

Beifallbei der Linken

Wissen Sie, ich habe mein Gehalt beschränkt. Ich habe mein Gehalt beschränkt auf das, was in Deutschland der Durchschnittslohn ist. Den Rest spende ich, zum Beispiel an Menschen in Not. Das hat einen ganz einfachen Grund: Das, was für die große Mehrheit der Menschen hier in Deutschland ausreicht, das muss doch auch für Politiker ausreichen. Es hat doch niemand Verständnis dafür, dass, bevor die Arbeit hier im Parlament überhaupt losgegangen ist, Sie sich jetzt hier die Diäten erhöhen wollen.

Wissen Sie, auf dem Bau wird auch hart gearbeitet, in der Kita wird auch hart gearbeitet. Und es kann niemand am ersten Tag auf einer neuen Baustelle, bevor die Arbeit überhaupt angefangen hat, sagen: Ich erhöhe mir jetzt mal mein Gehalt. – Das geht im wirklichen Leben nicht. Aber Sie haben das hier vor.

Wissen Sie, ganz ehrlich, Sie müssen sich nicht wundern, wenn Sie in den nächsten Tagen mal irgendwohin kommen und gefragt werden: Was machen Sie eigentlich beruflich?

Beifallbei der Linken

Ich darf für die CDU/CSU-Fraktion Thomas Silberhorn aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Thomas Silberhorn
Foto: Ralf Rödel
8 Vermerkeca. 517 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Entschädigung der Bundestagsabgeordneten erfordert ein Bundesgesetz; so steht es ausdrücklich im Grundgesetz. Deswegen müssen wir unsere Entschädigung selber regeln.

Die Orientierungsgröße für die Abgeordnetenentschädigung bleiben die Bezüge eines einfachen Richters an einem obersten Gerichtshof des Bundes oder, wie der Kollege zu Recht ausgeführt hat, die Dienstbezüge eines Oberbürgermeisters einer mittelgroßen Stadt.

Das steht heute auch gar nicht zur Debatte. Es geht nicht um die absolute Höhe der Entschädigung, sondern es geht um die Frage, nach welchem Verfahren wir die Diäten künftig anpassen. Wie wir das machen, ist natürlich von hoher Bedeutung für die Glaubwürdigkeit unseres Hauses. Das Abgeordnetengesetz sieht dazu eine Regelung vor, die sich seit mehr als zehn Jahren bewährt hat und die wir deshalb fortsetzen möchten: eine jährliche Anpassung auf der Grundlage des Nominallohnindexes, den das Statistische Bundesamt ermittelt.

Der Gesetzentwurf, den Sie von der AfD eingereicht haben, richtet sich nur gegen die automatische jährliche Anpassung.

Zurufvon der SPD: Ganz genau!

Ganz genau! Das haben Sie richtig erkannt!

Sie richten sich nicht gegen die jährliche Anpassung. Im Gegenteil, Sie wollen gerade jedes Jahr eine Debatte – und die Show abziehen, die Sie hier gerade abgezogen haben.

Aber Sie wenden sich gar nicht gegen das Verfahren, die Diäten nach dem Nominallohnindex anzupassen, auf der Grundlage der Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes.

Doch! Klar gegen das Verfahren: kein Automatismus! Das hat er doch erzählt!

Das ergibt sich ausdrücklich aus dem Gesetzestext, den Sie hier eingereicht haben.

Kein Automatismus!

Deswegen hat die Rede, die Sie hier vorgetragen haben, mit dem, was Sie als Gesetzentwurf eingereicht haben, überhaupt nichts zu tun.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

§ 11 Absatz 4 streichen! Lesen Sie einfach in einer ruhigen Stunde § 11 Absatz 5!

Meine Damen und Herren, die gesetzliche Regelung war die Empfehlung einer unabhängigen Kommission, die den Auftrag hatte, eine angemessene und sachgerechte Grundlage für die Anpassung der Diäten zu schaffen, und das ist gelungen. Das Verfahren orientiert sich an der allgemeinen Lohnentwicklung in Deutschland und stellt damit sicher, dass die Entschädigung der Abgeordneten genau so wie die Löhne der Beschäftigten angepasst wird. Die Diäten steigen nur dann und nur in dem Umfang, in dem auch die Löhne steigen.

600 Euro im Monat!

Und wenn die Löhne sinken, sinken auch die Diäten, in gleichem Umfang. Das haben wir zuletzt auch erlebt.

Das waren 60 Euro! Jetzt wird um 600 Euro erhöht!

Dieses Verfahren ist berechenbar, es ist fair für alle, es ist in jeder Hinsicht transparent, und es ist für alle leicht nachvollziehbar. Deswegen halten wir an diesem Verfahren fest. Wir müssen es nur zu Beginn jeder Legislaturperiode in einem neuen Bundestag neu bestätigen. Dazu dient unser Antrag.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Steffi Lemke
Foto: Steffi Lemke/ Klaus Mellenthin
14 Vermerkeca. 784 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dürre ist eines der entscheidendsten Themen, die über die Zukunft in unserem Land entscheiden werden, sowohl wirtschaftlich, sozial, ökologisch als auch – Überraschung – sicherheitspolitisch. Ich frage Sie, liebe Bundesregierung und liebe Kolleginnen und Kollegen hier im Haus: Hat das Hohe Haus diese Situation in ihrer Dramatik wirklich schon verstanden und erkannt, wie ernst die Lage ist? Oder wollen Sie weiter den Kopf in den Sand stecken und gleich in Ihren Reden darauf hinweisen, dass es ja heute ein bisschen geregnet hat?

Wir reden hier nicht über ein paar trockene Wochen im Jahr – das ist nicht das Thema –, sondern wir erleben das vierte Dürrejahr seit 2018. Die Böden sind trotz des bisschen Regens vielerorts schlichtweg leer, staubtrocken. Wälder sterben ab, Flüsse führen Niedrigwasser, die Grundwasserspiegel sinken, und das alles nicht irgendwo in Ländern fern von uns, sondern hier in unserer eigenen Heimat.

Und deswegen halten Sie an der Wasserstoffstrategie fest, oder wie?

Seit dem Jahr 2000 – und jetzt hören Sie mal bitte genau hin! –

Besser nicht!

verlieren wir in Deutschland jedes Jahr 2,5 Milliarden Tonnen Wasser.

Zur Verdeutlichung: Das ist ungefähr die achtfache Menge des schönen Tegernsees.

Zurufeder Abg. Stephan Brandner [AfD] und Martin Reichardt [AfD]

Selbstverständlich geht die Welt morgen nicht unter – ich weiß nicht, was das für eine dumme Binse ist; das hat auch nie jemand behauptet, außer möglicherweise Friedrich Merz –, aber die Wirtschaft und der Wohlstand in unserem Land, die werden den Bach runtergehen, wenn wir diese Themen, diese Problematik nicht ernst nehmen.

Deshalb, lieber Herr Merz und lieber Herr Klingbeil: Nehmen Sie die Realität da draußen in der Natur, in den Wäldern und auf den Äckern ernst!

Ich erwarte schlichtweg von einer Wirtschaftsministerin, dass sie weiß, was es bedeutet, wenn die Pegel auf dem Rhein über Wochen zu niedrig sind, was das für Auswirkungen auf die Industrie, auf Chemieparks und auf die Logistik hat. Es hängt eben alles am Wasser.

Das spielt doch keine Rolle! Mit Ihrer Politik ist die Industrie eh bald weg!

Ich erwarte, dass ein Verkehrsminister weiß, dass die Schifffahrt auf der Elbe wegen Niedrigwasser am Ende ist, dass eine Gesundheitsministerin etwas über die in die Höhe schnellenden Hautkrebszahlen zu sagen hat und dass man sich auf eine Hitzewelle im Sommer vorbereitet und die Bevölkerung informiert.

Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Die Forstwirtschaft steht mit dem Rücken zur Wand. Ich erwarte von einem Heimatschutzminister, dass er gemeinsam mit den Ländern Katastrophenvorsorge betreibt und sich auf eine verschärfte Waldbrandsaison vorbereitet, die immer früher im Jahr beginnt, statt der Hubschrauberrechnungen über 1,3 Millionen Euro, die die Bundeswehr nach Sachsen-Anhalt geschickt hat, weil sie dort geholfen hat.

Viele Landwirtschaftsbetriebe haben massive Verluste durch Dürre auf der einen und Starkregen und Hagel auf der anderen Seite. Ich erwarte, dass ein Landwirtschaftsminister dazu mehr zu sagen hat als: Dann essen wir eben mehr Fleisch.

Auch Sie, liebe Union, sagen, dass Sie die Klimaziele einhalten wollen, dass Sie Wohlstand und Sicherheit in unserem Land bewahren wollen. Das freut mich sehr. Aber dann sage ich Ihnen: Ohne eine entschlossene Dürrebekämpfung und ohne dass wir mehr Wasser in der Landschaft zurückhalten, wird das nichts werden, weil unsere Böden und unsere Wälder die größten CO2-Speicher sind, die wir haben.

Und deswegen holzen Sie die ab?

Und deswegen kommen die Windenergieanlagen da rein?

Wenn sie diese Speicherfunktion verlieren, dann können Sie die Klimaschutzziele nicht einhalten.

Sie versiegeln die Fläche und klagen, dass Sie nicht genug Wasser haben!

Liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Regierungslager, was ist zu tun? Erstens. Nehmen Sie die Realität da draußen in der Natur, auf den Feldern und das aufgeheizte Weltmeer genauso ernst wie die anderen Krisen, mit denen wir zu kämpfen haben! Zweitens. Es muss darum gehen, insbesondere für vulnerable Gruppen – wie chronisch Kranke mit Erkrankungen im Herz-Kreislauf-Bereich, Menschen, die Blutdrucksenker nehmen müssen, Schwangere, kleine Kinder – Vorbereitungen zu treffen und Hitzeschutzpläne aufzulegen, statt zu warten, bis die Hitze da ist.

Liebe Kollegin Lemke, die Redezeit.

Rednerwechsel

Ich sage Ihnen: Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand! Das wird zu heiß werden.

Danke.

Wir machen den in die Regentonne, den Kopf!

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich aufrufen Kollegen Christian Moser.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Christian Moser
Foto: Christian Moser/ Birgid Allig
8 Vermerkeca. 652 WörterReaktionswert: lebhaft
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Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren Kollegen! Neben dem Klimaschutz geht es heute in dieser Debatte vor allem um Klimaanpassung. Bei der Klimaanpassung besteht, was die Problembeschreibung und die Ziele angeht, weitestgehend Einigkeit. Wir alle nehmen Extremwetterereignisse wahr, und wir alle wissen – bis auf wenige unrühmliche Ausnahmen –, woher diese kommen. Es ist Fakt, dass unsere Natur unter Trockenheit leidet und gleichzeitig zur Unzeit von Regenstürzen überschwemmt wird. Diese Entwicklung der ungleichen Niederschlagsverteilung ist eine besonders fatale Auswirkung des Klimawandels, die wir mittlerweile jedes Jahr spüren. Ich spreche mit vielen Land- und Forstwirten, die mir das aus ihrer Arbeit auf den Tag genau berichten können. Aber auch eine schlechtere Trinkwasserversorgung sowie mehr gesundheitliche Probleme bei vielen Menschen gehören zu diesen Folgeschäden. Und nicht zuletzt nehmen die Opfer und Schäden infolge von Starkregen und Hochwasserereignissen zu.

Das stimmt nicht! Keine Zunahme von Opfern!

Welchen Weg müssen wir im Bereich Klimaanpassung gehen? Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz zu verstetigen. Das Gleiche gilt für die Nationale Wasserstrategie. Wenn die Trockenjahre häufiger werden, muss der Umgang mit Wasser selbstverständlich nachhaltiger werden. Aber auch die Themen „Entsiegelung“, „Schwammstädte“ und „vernünftige Bewässerung in der Landwirtschaft“ müssen wir jetzt in der neuen Bundesregierung stärker angehen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Gerade die Landwirtschaft leidet unter Dürre und Hitze. Dürre schadet der Ernte. Die Arbeit der Landwirte wird zu einer noch größeren Herausforderung. Auch die Verbraucher werden schlechte Erträge vor allem am Preis spüren. Die Lösung kann aber nicht sein, mit immer neuen Auflagen unsere Land- und Forstwirte zur Betriebsaufgabe zu zwingen. Denn es bringt unserem Klima gar nichts, wenn Betriebe vor Ort mit im internationalen Vergleich hohen Umweltstandards aufgeben und wir stattdessen Lebensmittel und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse CO2-intensiv aus dem Ausland importieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Lösung liegt vielmehr in mehr Anreizen und in mehr Forschung.

Ein Beispiel. In meinem Wahlkreis liegt ein Großteil der Hallertau, das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Diese Sonderkultur ist weltweit bekannt und gerade wegen des daraus gewonnenen Produktes Bier auch sehr geschätzt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Jörn König [AfD]

Sie ist Wirtschaftsfaktor und identitätsstiftendes Kulturgut. Zusammen mit den Bäuerinnen und Bauern forscht in Freising und in Hüll bei Wolnzach unweit von meinem Wohnort die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft einerseits an klimaresistenten Sorten und andererseits an effizienten und sparsamen Bewässerungsmethoden. Wenn wir Förderprogramme in Bezug auf Klimaanpassung effektiv überarbeiten und zielgerichtet nutzen wollen, müssen wir eine solche Forschung ebenfalls stärken und unterstützen. Dazu passt es, dass der neue Umweltminister erst kürzlich ein Hitzeforschungsprojekt mit Erleichterungen für Kommunen vor allem bei Hitze vorgestellt hat. Statt mit Zwang und der ideologischen Brechstange wollen wir das über Freiwilligkeit und Anreize erreichen.

Wirklich effektiv wird Klimaschutz dann, wenn die Grundstückseigentümer und Bewirtschafter, Unternehmer und Verbraucher mit an Bord sind. Wir müssen es im Schulterschluss schaffen, dass die Beteiligten sagen: Ja, diese oder jene Maßnahme für mehr Klimaschutz und mehr Klimaanpassung lohnt sich, da will ich mitmachen. – Das ist die Gangart dieser Koalition: So viel Anreiz und Freiwilligkeit wie möglich und nur so viele Beschränkungen wie unbedingt nötig. Dazu gehört im Grundsatz auch die Konzeption eines CO2-Preises, wenn er einerseits nachhaltige Klimaschutzinnovationen marktwirtschaftlich sinnvoll begünstigt und andererseits niemanden überfordert.

Beifallbei der CDU/CSU

Das sehen wir an der Tankstelle!

Ich bin überzeugt, dass wir das den Bürgerinnen und Bürgern zutrauen können. Die Menschen vor Ort erkennen, dass Handeln nötig ist.

Reden Sie mal mit den Menschen vor Ort! Die sagen Ihnen was anderes!

Wenn wir sie dazu ermutigen und dabei unterstützen, funktioniert die Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen auch ohne Brechstange.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Zu seiner ersten Rede darf ich aufrufen: für die AfD-Fraktion Dr. Michael Blos.

Beifallbei der AfD
Porträt von Michael Blos
Foto: Dr. Michael Blos / Ringfoto Dockhorn
10 Vermerkeca. 654 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Wieder einmal erleben wir hier den ganz großen Klimaalarmismus. Zwei Anträge, einmal grün, einmal links, aber in beiden Fällen die gleiche Melodie: Hitzerekorde, Dürre, Klimakollaps, Weltuntergang. Und wer soll uns retten? Natürlich der Staat – mit noch mehr Milliarden, Verboten, Zentralisierung und Bevormundung. Und der vermeintliche Beweis? Wetter. Wetter, meine Damen und Herren! Ein trockener Frühling, und sofort folgt das bekannte Ritual der Panikmache.

Werte Kollegen der Grünen, die Prognose weiter steigender Bierpreise mag natürlich bei dem einen oder anderen Panik verursachen und den angestrebten Handlungsdruck erzeugen; aber was Sie hier betreiben, ist eine Verdrehung von Ursache und Wirkung. Es sind doch gerade die CO2-Bepreisung und andere sogenannte Klimaschutzmaßnahmen, die die Preise bereits hochgetrieben haben, was Sie dann als dramatischen Beleg für Ihre Klimathese verkaufen. In Ihrem Antrag wollen Sie die Wasserpreise senken, indem Sie Wasser zusätzlich mit einem sogenannten Wassercent belegen und Mindestpreise für die Grundwasserentnahme festlegen,

Zurufder Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Erste Rede!

also Wasser günstiger machen, indem man es teurer macht. Respekt für den Mut, so etwas in einem offiziellen Dokument zu schreiben!

Beifallbei der AfD

Sie schreiben zudem, der Boden sei „so ausgetrocknet wie noch nie seit Beginn der Messungen vor […] 100 Jahren“. 100 Jahre, das ist klimatisch gesehen ein Wimpernschlag. In der großen europäischen Megadürre von 1540 fiel fast ein ganzes Jahr lang kaum Regen. Keine Industrialisierung, kein CO2-Ausstoß, und doch: Es war heiß, Ernteausfall. Selbst das IPCC, der sogenannte Weltklimarat, räumt ein: Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass Extremwetterereignisse wie Dürre oder Brände global häufiger oder intensiver werden.

Zurufvon der AfD: Hört! Hört!

Und für Deutschland? Da zeigt der Deutsche Wetterdienst: kein eindeutiger Trend bei Sommerniederschlägen trotz schwankender Jahre.

Was also ist die Grundlage dieser Panikmache? Ideologie und politische Interessen.

Beifallbei der AfD

Genau deshalb fordern die Grünen jetzt wieder alles, was auf ihrer klimapolitischen Wunschliste steht, beispielsweise die Wiedervernässung großer Landstriche oder den Rückbau von Infrastruktur an Flüssen und natürlich 100 Milliarden Euro, damit sie ihre grünen Lobbyprojekte endlich mit der großen Gießkanne finanziert bekommen. Dafür soll es Extraschulden und Steuererhöhungen geben.

Beifallbei der AfD

Wie so oft bei den Grünen ist das Ganze also nur ein Trojanisches Pferd. Man schafft Probleme und bietet dann die eigene Ideologie als angebliche Lösung an.

Zurufvon der Linken: Das kennen wir nur von Ihnen!

Und nun zu den Linken. Es gibt laut PIK keinen Beleg für einen Anstieg von Waldbränden, eher einen gegenteiligen Trend in der Statistik seit 1970 für Gesamtdeutschland. Waldbrand- und Vegetationsbrandbekämpfung sind aber selbstverständlich wichtig. In einigen Regionen unseres Landes gibt es eine hohe Waldbrandgefahr, und es sind die entsprechenden Brandbekämpfungskapazitäten sicherzustellen. Aber, liebe Kollegen von der anderen Seite des Plenums, Sie wollen Löschflugzeuge in Bundeshand, eine luftverlegbare Brandbekämpfungseinheit und dass der Steuerzahler auch noch die Einsatzkosten für Bundeswehrhubschrauber übernimmt. Dabei steht im Grundgesetz klipp und klar: Katastrophenschutz ist Ländersache. Aber wenn es ums Geldausgeben geht, dann interessiert Die Linke das Grundgesetz nicht. Da wird der Katastrophenschutz zur Vorstufe der Planwirtschaft.

Beifallbei der AfD

Wer Waldbrände verhindern will, darf nicht in Brüssel oder Berlin Tagträume träumen; er muss vor Ort für gesunde Wälder, Brandschutzschneisen und leicht erreichbare Forstwege sorgen. Wer dem Wassermangel begegnen will, der muss in Deutschland beispielsweise aufhören, intakte Infrastruktur wie Talsperren und Drainagen verfallen zu lassen, aufhören, Wasser durch jahrzehntelange falsche Altparteienpolitik zu verschwenden.

Aber was tut Links-Grün stattdessen? Sie bekämpfen nicht die Ursachen, sondern unsere Lebensweise. Sie wollen unser Land deindustrialisieren und unseren Alltag verteuern – alles im Namen der Bekämpfung einer angeblichen menschengemachten Klimakatastrophe.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, wir lehnen diese Anträge ab, weil sie nicht Lösungen bieten, sondern Kontrolle, nicht Schutz, sondern Ideologie.

Beifallbei der AfD

Ich darf für die SPD-Fraktion Kollegin Dunja Kreiser aufrufen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
8 VermerkeZwischenfrageca. 627 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Dass die AfD den Klimawandel leugnet, ist nichts Neues, verehrte Damen und Herren.

Abg. Karsten Hilse [AfD] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Das erleben wir eigentlich regelmäßig hier im Plenum und auch in den Landtagen.

Der Sommer hat am 01.06. begonnen, und er begann nass. Heute, am 5. Juni, dem Tag der Umwelt, können wir uns zwar über Regen freuen; doch hinter uns liegt eine Durststrecke. Deutschland leidet unter Trockenheit. Ich erkläre es auch ganz gerne noch mal für die rechte Seite: Dieses Frühjahr endet mit historisch schwachen Niederschlagsmengen, und leider lassen uns die Prognosen für diesen Sommer fürchten –

Frau Kollegin, würden Sie eine Zwischenfrage zulassen?

Rednerwechsel

– nein –, dass er in Sachen Trockenheit und Dürre noch eine Schippe drauflegen könnte. Für diesen Juni werden plus 1,9 Grad Celsius über dem Durchschnitt erwartet bei 60 Millimeter weniger Regen, im Juli sind es plus 4,4 Grad mit 72 Millimeter weniger Regen und im August plus 5,9 Grad mit 68 Millimeter weniger Regen. Das zeigt das Ausmaß. Frau Lemke, Sie haben das ja auch schon eindringlich erklärt.

Von meinem Wohnzimmerfenster aus schaue ich auf den Harz. In diesem Jahr und in den Jahren zuvor hatte es auf dem Brocken und in anderen Gebieten gebrannt, und diese Brände nehmen zu. Das kann man auch ganz klar sehen.

Auf dem Brocken stehen keine Bäume! Da kann es nicht brennen! Das ist über der Baumgrenze!

– Der Brocken ist ein Nationalpark, und in diesem Nationalpark wächst der Wald von unten wieder hoch. Auch das sind Naturereignisse. Da kennen Sie sich anscheinend nicht aus.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Doch! Ich kenne mich da gut aus! Der Brocken ist über der Baumgrenze! Da wachsen keine Bäume!

Unsere Wälder, Böschungen, Moore und Wiesen gehen vielfach in Flammen auf; das ist wirklich dramatisch. Wir statten vor allen Dingen auch unsere Feuerwehren mittlerweile mit Geräten aus, um diesem Ereignis des menschengemachten Klimawandels etwas entgegenzusetzen. In diesem Zusammenhang auch noch mal einen herzlichen Dank an unsere Einsatzkräfte! Kommt vor allem gesund von euren Einsätzen wieder!

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Steffi Lemke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Füllstände der Talsperren im Harz waren nach drei heißen Jahren hintereinander auf einem Minimum. Mit dem Hochwasserereignis 2023/24 sind die Talsperren endlich wieder voll gewesen, aber dieses Jahr von 100 auf 46 Prozent schon wieder gesunken. Wenn Hitze und Wasserbedarf steigen, sieht es im Sommer dementsprechend schlecht aus.

Aber wir reagieren natürlich darauf. Wir setzen die Nationale Wasserstrategie um, und das ist wichtig. Wir wollen vor allen Dingen einen flächendeckenden Ausbau von Wasserspeichern. Dazu gehören zum Beispiel die Zisternen in Baugebieten; in meinem Baugebiet wird das gemacht. Wir müssen sensibilisieren, damit Verbraucherinnen und Verbraucher, Nutzer von Wasser ressourcenschonend damit umgehen und vor allem auch Grauwasser eventuell nutzen. Wir renaturieren Flussgebiete, die Moore.

Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Wasserwiederverwendung wird natürlich auch ein großes Thema sein.

Das heißt, wir müssen uns darauf einstellen. Wir müssen aber auch die Wälder dementsprechend umstellen; sie müssen klimaresilient werden. Von Nationalparks kann es gerne noch ein bisschen mehr geben. Kleine Flächen zu entsiegeln, bringt eine ganze Menge. Das ist wichtig; dafür gibt es schon Programme, die angewendet werden. All dies wollen wir anpacken.

Lassen Sie lieber die Finger davon! Das, was Sie anpacken, geht sowieso schief!

Und vor allen Dingen ist es wichtig, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Denn Wasser ist eine unserer wichtigsten Ressourcen, und die muss geschützt werden.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Zu einer Kurzintervention darf ich das Wort erteilen dem Abgeordneten Hilse, AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Karsten Hilse
Foto: Karsten Hilse/ Hagen Schnauss
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Vielen Dank, Herr Präsident, dass Sie die Kurzintervention zulassen. – Frau Kollegin, fast bei jeder Rede von einer Ihrer Parteien wird uns hier vorgeworfen, dass wir den Klimawandel leugnen.

Das stimmt doch!

Zurufevon der Linken

Den Klimawandel gibt es seit Hunderten Millionen von Jahren. Wer das leugnen würde, wäre dumm.

Beifallbei der AfD

Sie machen das bei jeder Rede!

Was Sie allerdings machen, ist, dass Sie den natürlichen Klimawandel – ich will nicht „leugnen“ sagen – sozusagen aus dem Blick verlieren, dass Sie alles quasi auf das menschengemachte CO2 kaprizieren. Und es gibt – noch mal – keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis, dass die menschengemachten CO2-Emissionen einen Einfluss haben. Keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis!

Es sind alles Computermodelle. Und wenn Sie eines dieser Computermodelle in die Vergangenheit legen, wo wir schon wissen, was passiert ist, dann funktionieren diese Modelle nicht. Erzählen Sie mir, warum es vor 11 000 Jahren ohne zusätzliche menschengemachte CO2-Emissionen eine Temperatursteigerung von circa 5 bis 6 Grad gab! Was war der Grund, und warum ist der Grund, der damals zu dieser Erwärmung führte, heute nicht mehr prägnant?

Noch mal: Wir leugnen nicht den Klimawandel, sondern einfach nur, dass die menschengemachten CO2-Emissionen daran einen maßgeblichen Einfluss haben.

Beifallbei der AfD

Es antwortet die Kollegin Dunja Kreiser, SPD.

Porträt von Dunja Kreiser
Foto: Dunja Kreiser/Photothek Media
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Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Kollege der AfD-Fraktion, Sie leugnen den menschengemachten Klimawandel.

Genau! Das ist aber ein Riesenunterschied!

Das haben wir auch gerade bei der Rede Ihres Kollegen ganz eindeutig gehört. Dass es natürlichen Klimawandel gibt, ist selbstverständlich; das ist die Geschichte der Erde. Es gab Eiszeiten, es gab Hitzeperioden, es gab Meteoriteneinschläge, es gab Vulkanausbrüche. Es gab viele Zeiten. Die Erde hat sich entwickelt.

Sie wird sich auch weiterentwickeln!

Aber eins ist klar: Seit der Industrialisierung gibt es eine Eishockeyschlägerkurve; so nennt man das aus der Physik heraus.

Die gibt es eben nicht! Die ist widerlegt!

Das heißt, es fängt unten kurz an und geht dann schlagartig nach oben.

Die ist widerlegt!

– Sie müssen mir zuhören, wenn ich Ihnen antworte.

Ist widerlegt!

– Hören Sie mir zu?

Es liegt eine Eishockeyschlägerkurve vor. Die fängt klein an und geht steil nach oben.

Sie meinen unsere Wahlergebniskurve!

Weitere Zurufe von der AfD

Mit dieser Eishockeyschlägerkurve ist wissenschaftlich ganz eindeutig belegt, dass wir einen menschengemachten Klimawandel haben.

Vielleicht können Sie sich noch an die Ozonlöcher erinnern.

Die haben wir ja nicht mehr!

Diese sind, seitdem wir den Treibhausgasausstoß minimiert haben, zurückgegangen. Das heißt, die Regierungen haben darauf reagiert; sie haben letztendlich Maßnahmen getroffen. Das hat unsere Umwelt geschont.

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen wir zum Beispiel sauren Regen hatten; den haben wir heute manchmal auch noch. Darauf hat man reagiert: Wir haben Filtertechnik in Kraftwerken eingesetzt.

Das sind alles Auswirkungen von langer Arbeit von Regierungen, die sich mit der Umweltverschmutzung auseinandergesetzt haben, auch dank der Grünen, die sich für den Umweltschutz eingesetzt haben und auch entsprechend in Bundesregierungen eingebracht haben. Das ist ein großer Gewinn und vor allem eine demokratische Leistung, sich für Umweltschutz einzusetzen.

Aber ständig zu sagen: „Es ist wissenschaftlich widerlegt!“, geht nicht an. Wissenschaft ist eben Wissenschaft. Da gibt es unterschiedliche Meinungen.

Aha! Hört! Hört!

Aber es gibt so viele wissenschaftliche Beweise für den menschengemachten Klimawandel, dass Sie den nicht leugnen können.

Nächste Woche findet in Nizza die internationale Meereskonferenz statt. Der Meeresspiegel steigt zum Beispiel auch.

Um 2 Millimeter pro Jahr!

Weitere Zurufe von der AfD!

Das ist eine der größten Bedrohungen. Wir haben Verschmutzungen in den Meeren. Es gehört alles zusammen. Da können Sie leugnen, wie Sie wollen: Es ist alles nachgewiesen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Für die Fraktion Die Linke darf ich Jan Köstering aufrufen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Jan Köstering
Foto: DBT/ Inga Haar
7 Vermerkeca. 501 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

„In Zeiten des voranschreitenden Klimawandels ist die Wahrscheinlichkeit […] relativ hoch, dass der Sommer 2025 gegenüber dem langjährigen Klimamittel zu warm ausfallen wird.“

Diese nüchterne Feststellung macht der Deutsche Wetterdienst. Leider ist derzeit nicht erkennbar, dass die Bundesregierung dieser Erkenntnislage mit mehr Vorsorge Rechnung tragen will.

Mehr Hitze bedeutet größere Belastungen für Feuerwehren, zivile Hilfsorganisationen und Katastrophenschutzdienste der Länder, die zum Beispiel mit Kältezelten oder mit zusätzlichen Rettungseinsätzen belastet werden. Sinkende Wasserstände in Gewässern bedeuten absehbar Mehraufwand, wenn mit klassischen Löschmitteln gegen Brände in Wäldern vorgegangen werden soll.

Immer wieder fordern schon jetzt die eigentlich für den Katastrophenschutz zuständigen Bundesländer Amtshilfe beim Bund an. Zuletzt flatterte dem Land Sachsen-Anhalt für das Jahr 2024 eine hohe Rechnung für eingesetzte Bundeswehrhubschrauber ins Haus: 1,35 Millionen Euro für den Löscheinsatz am Brocken.

Das ist bei unseren Sondervermögen doch gar nicht relevant!

Ist das Verteidigungsministerium so knapp bei Kasse, dass die Rechnung unbedingt sein musste?

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Kommunen und Länder, bei denen die Aufgaben ohnehin ständig wachsen, scheuen aus nachvollziehbaren Gründen derartig hohe Kosten. Dass aber geeignete und effektive Löschmittel nicht angefordert werden, nur weil die finanziellen Kosten gescheut werden, kostet im schlimmsten Falle Menschenleben. Katastrophenschutz nach Kassenlage? Das lehnen wir als Linke ab!

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, Wählerinnen und Wählern sind solche Rechnungen für Amtshilfe nicht vermittelbar. Während die Bundesregierung einerseits dafür wirbt, Bürokratie abzubauen, sorgt sie hier für einen erheblichen und vermeidbaren Mehraufwand – und das völlig am staatlichen Schutzauftrag vorbei.

Gänzlich fehlt es zudem an einem Überblick, welche Kapazitäten für das Löschen aus der Luft überhaupt vorhanden sind. Laut Bundesministerium des Innern gibt es keine Meldeverpflichtungen von Löschflugzeugkapazitäten an den Bund oder das BBK. Selbst das mühsam aufgebaute Gemeinsame Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz hat keinen Überblick. Man beruhigt sich offenbar mit den Kapazitäten auf der EU-Ebene im Rahmen der europäischen Notfallbevorratung und hat trotzdem ein Erprobungsprojekt in Niedersachsen direkt nach zwei Jahren wieder gestoppt.

Sollen Hubschrauber zum Löscheinsatz genutzt werden, fehlt es auch hier an Überblick. Die Anzahl der Hubschrauber der Bundespolizei, die zur Brandbekämpfung eingesetzt werden können, sei – ich zitiere – „abhängig von der Bindung dieser Hubschrauber für die originäre Aufgabenwahrnehmung“. Auch die 18 Hubschrauber des Zivilschutzes des Bundes haben oft andere Aufgaben oder sind technisch gar nicht geeignet.

Also: Was tun, wenn es brennt? Diese Frage beantwortet das Bundesinnenministerium auch unter Herrn Dobrindt offensichtlich mit einem: Ja, schauen wir mal, wenn es passiert.

Beifallbei der Linken

Weder für meine Fraktion noch für mich als aktives Mitglied in der freiwilligen Feuerwehr ist das hinnehmbar. Für uns ist klar, was zu tun ist: Lesen Sie unseren Antrag, schaffen Sie die Amtshilferechnungen für Katastrophenschutzeinsätze grundsätzlich ab und Löschkapazitäten auf Bundesebene an! Sorgen Sie endlich für den Ernstfall vor!

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Ich darf für die CDU/CSU-Fraktion Volker Mayer-Lay aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Volker Mayer-Lay
Foto: Volker Mayer-Lay/Tobias Koch
9 Vermerkeca. 587 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Grünen fordern heute, Dürre, Hitze und die Folgen des Klimawandels ernst zu nehmen. Da kann ich Ihnen nur sagen: Genau das tun wir, und das steht auch schwarz auf weiß im Koalitionsvertrag, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sie, liebe Grüne, waren gerade knapp vier Jahre lang Teil der Bundesregierung mit einem eigenen Ministerium für Umwelt und einem weiteren für Wirtschaft und Klimaschutz. Wenn Sie heute solche Anträge stellen, dann muss ich sagen: Es tut mir wirklich sehr leid, dass Sie die von Ihnen beabsichtigten Vorhaben so wenig umsetzen konnten und somit wohl auch die eigenen Ziele nicht erreichen konnten.

Die Grünen hatten in der letzten Legislatur Verantwortung, aber beim Klimaanpassungsgesetz kam außer der Überschrift wenig Verbindliches.

Lesen Sie noch mal nach!

Die Kommunen blieben mit den Aufgaben allein. Und das Heizungsgesetz war ein Musterbeispiel, wie man bei klimapolitischen Maßnahmen Vertrauen verspielt. Gut gemeint, schlecht gemacht!

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Das sehen die Kommunen aber anders!

Wir, CDU/CSU und SPD, haben im Koalitionsvertrag klare Maßnahmen zur Klimaanpassung festgelegt: zielgerichtete Förderprogramme zur Umsetzung der Klimaanpassungsstrategie, Unterstützung der Kommunen bei Hitze- und Wassermanagement und nicht zuletzt der Ausbau des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz – langfristig, mit Augenmaß, mit Wirkung.

Wie viel Geld stecken Sie denn da rein?

Und ganz wesentlich: Wir setzen auf Zusammenarbeit statt auf Vorschriften, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir wollen Landwirte, Kommunen und Naturschützer ins Boot holen, und zwar nicht mit immer neuen Verboten, so wie wir das von Ihnen nur zu gut kennen. Nicht jeder Sommer braucht gleich ein neues Gesetz, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Wir setzen auf Anreize und die Honorierung von Ökosystemleistungen. Gemeinsam statt gegeneinander. Denn wer Akzeptanz für Klimaschutz erreichen will, der muss ihn ermöglichen, nicht verordnen, meine Damen und Herren.

Das gilt übrigens auch beim Hitzeschutz. Es hilft niemandem, wenn hier in Berlin ein Bürokrat für ganz Deutschland vorschreibt, wie lange ein Gärtner im Hochsommer Pause machen muss. Wir unterstützen kommunale Hitzepläne und denken durch praxisnahe Pläne den Arbeitsschutz mit. In Deutschland gibt es pro Jahr 3 000 bis 5 000 hitzebedingte Todesfälle. Die Kommunen werden mit ihrer Verantwortung aber meist allein gelassen. Deshalb braucht es klare Rahmenbedingungen und gezielte Förderprogramme, um vulnerable Gruppen wie Ältere, Pflegebedürftige und Beschäftigte im Freien besser zu schützen, meine Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Dunja Kreiser [SPD]

Nun zur großen Überschrift „Pariser Klimaziele“. Ja, die nehmen wir ernst. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass der menschengemachte Anteil an der Klimaerwärmung eingedämmt werden kann. Unser Weg: technologieoffen statt ideologisch, innovationsfreundlich statt verbotsfreudig, wirtschaftlich vernünftig statt ordnungspolitisch überhitzt.

Deshalb mein Fazit: Die Zielrichtung Ihres Antrags ist im Kern ja völlig richtig, aber nicht neu; deshalb ist der Antrag auch nicht notwendig. Wir setzen das um, und wir tun das verlässlich – ohne grüne Schaufensteranträge, dafür mit klaren politischen Prioritäten. Wenn Sie selbst jetzt sagen, wie dringend das alles auf einmal sei,

frage ich mich schon: Warum ist davon eigentlich nichts in die Wege geleitet worden, als Sie noch mitregiert haben?

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich darf zu ihrer ersten Rede aufrufen: für die AfD-Fraktion Frau Martina Uhr.

Beifallbei der AfD
Porträt von Martina Uhr
Foto: Martina Uhr/ Deine Fotowelt, Nordhorn
10 Vermerkeca. 469 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Bürger! Die Grünen schreien mal wieder: Die Klimakrise spitzt sich zu! – Ganz ehrlich: Das glaubt doch kein Mensch mehr; denn vor drei Monaten noch wurde ein „historischer Verhandlungserfolg“ für den Klimaschutz gefeiert. Dieser Durchbruch scheint inzwischen implodiert zu sein. Stattdessen kommt die Angstpropaganda zurück. Doch damit nicht genug: Auch Die Linke stimmt mit in dieses Panikkonzert ein. Angeblich drohen Hitze- und Trockenperioden. Deshalb müssten sofort Löschflugzeuge herbei. – Alles hektischer Aktionismus.

Beifallbei der AfD

Wir, die AfD, lösen die Probleme dagegen mit Vernunft und Pragmatismus für Mensch, für Natur und für die Wirtschaft.

Mit welchen Maßnahmen?

Zurufvon der SPD: Wie denn?

Ja, in Teilen unseres Landes gibt es immer mal Frühjahrsdürren, trockene Böden, zu wenig Wasser, erhöhte Waldbrandgefahr.

Aber dagegen hilft nicht noch mehr unsinniger Klimaschutz und schon gar kein 100-Milliarden-Euro-Klimafonds.

Zurufvon der Linken: Was ist denn Ihr Vorschlag?
Zurufdes Abg. Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Selbst Herr Habeck wusste schon, dass nicht das Klima, sondern die Menschen und die Natur geschützt werden müssen. Dafür braucht es aber den Pragmatismus der AfD.

Beifallbei der AfD

Denn diese grüne Politik hat kein Problem gelöst, sondern vielmehr noch verschärft.

Die sogenannte Energiewende treibt die Preise hoch, während die Bürokratie alles nach unten ausbremst. Sogenannte Klimaziele gefährden Betriebe und Jobs. Wir setzen darum auf Eigenverantwortung und Innovation. Wir unterstützen den Einsatz von Löschflugzeugen und Hubschraubern – gar keine Frage, selbstverständlich –, aber pragmatisch. Zum Beispiel: Agrarflugzeuge umrüsten und vorhandene EU-Maschinen im Sharing nutzen. Dann brauchen wir keine neuen zu bauen und auch keine neuen zu kaufen.

Statt teurer Großprojekte gegen Trockenheit wollen wir dezentrale Lösungen. Kommunen und Landwirte sollen Regenwasser speichern mit Rückhaltebecken, ganz unbürokratisch. Unternehmen, die dafür die Technik liefern, müssen gestärkt werden, wie etwa die Wavin GmbH in meinem Wahlkreis. Sie und andere Unternehmen dürfen nicht durch hohe Energiepreise ins Ausland getrieben werden.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der CDU/CSU

Nehmen wir dafür die 100 Milliarden Euro aus dem Klimafonds! Setzen wir das Geld einfach mal vernünftig ein für echte Hilfe vor Ort, nicht für ideologische Projekte! Mensch, Natur, Wissenschaft, Wirtschaft – sie dürfen alle nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Fazit ist: Die Grünen schaffen die Krisen, die AfD löst die Krisen.

Beifallbei der AfD

Die AfD will Lösungen, die die Menschen mitnehmen, –

Frau Abgeordnete.

Rednerwechsel

– und keine Panikmache, keinen Aktionismus. Schützen wir unsere Wälder, unsere Böden und unsere Arbeitsplätze – mit Vernunft, mit Herz und Pragmatismus.

Aber ohne Inhalt!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Zum Abschluss der Aussprache darf ich das Wort erteilen Esra Limbacher von der SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Esra Limbacher
Foto: Esra Limbacher/Dominik Butzmann
17 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 826 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In einigen Regionen in unserem Land – in zu vielen – hat es seit Februar praktisch kaum mehr geregnet. Wir erleben eines der trockensten Frühjahre seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen – mit dramatischen Folgen.

Wann haben Sie denn die Rede geschrieben?

Der Deutsche Wetterdienst, auf den Sie sich, Herr Kollege von der AfD, immer beziehen, hat folgende Zahlen festgehalten: Zwischen Anfang Februar und Mitte April

Jetzt haben wir Mai!

war es in Deutschland seit 1931 nie so trocken wie im Jahr 2025. Nie!

Wir sind aber im Juni!

Weiterer Zurufvon der AfD: 1931! In 25 000 Jahren vielleicht!

Die Prognosen sagen: Der Sommer wird heiß. Wieder einmal wird er heiß. Diese Frühjahrsdürre, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist kein einmaliges Ereignis mehr, sie ist Teil eines sich verstetigenden Trends, ein weiteres Puzzlestück der Realität.

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion?

Rednerwechsel

Bitte, Herr Kollege. – Ich hoffe, das war jetzt nicht zu überraschend.

Rednerwechsel

In gewisser Weise schon. Daher danke, dass Sie die Frage annehmen. Mal schauen, ob Sie das in Zukunft auch noch machen werden.

Im vergangenen Jahr, in 2024, betrug die Jahresdurchschnittsmenge in Deutschland 903 Liter Regen pro Quadratmeter. Das ist ein rein rechnerischer Mittelwert und als solcher komplett unbrauchbar. Die Jahresniederschlagsmenge im Saarland war mehr als zweieinhalbmal so hoch wie die in Berlin und Brandenburg. Können Sie mir sagen, ob die Steigerung der Niederschläge im Saarland auf eine hervorragende Klimapolitik im Saarland zurückzuführen ist?

Mein Gott!
Rednerwechsel

Ich kann Ihnen sagen, Herr Kollege, dass das Saarland – und ich hoffe nicht, dass Sie sich darüber noch mal lustig machen, nachdem Sie das in der letzten Sitzungswoche schon mal getan haben – im letzten Jahr von einem der schlimmsten Hochwasser betroffen war, die wir seit langer, langer Zeit erlebt haben. Und das Problem ist, dass Deutschland, dass Europa in letzter Zeit nicht nur einmal von solchen Hochwassern bedroht war, sondern viele Male.

Zurufvon der AfD: Seit Jahrhunderten!

Das Problem, liebe Kolleginnen und Kollegen, liegt darin, dass solche Jahrhunderthochwasser nicht mehr alle Jahrhunderte in unserem Land vorkommen, sondern inzwischen jedes Jahr. Genau das ist das Problem, auf das wir hier hinweisen wollen,

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Nein, nein! Das Thema war „Dürre“!

dass nämlich diese Extremwetterereignisse in letzter Zeit keine einmaligen Ereignisse mehr sind, sondern Ausdruck eines Klimawandels in unserem Land, den wir endlich ernst nehmen wollen.

„Jahrhundertereignis“ wurde es von Ihnen genannt! Es war völlig normal, alle zehn Jahre Hochwasser zu haben!

Ich will Ihnen noch etwas sagen, weil Sie immer so dazwischenrufen. Sie tragen viel Verantwortung als größte Oppositionspartei in unserem Land. Ja, Sie haben hohe Wahlzustimmung erhalten, zum Beispiel in Bundesländern wie in Thüringen.

Das tut weh! Das tut weh!

– Das tut weh, aber vor allen Dingen ist es schmerzhaft für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger vor Ort,

Nein, für die SPD!

weil Sie nicht die Maßnahmen ergreifen wollen, die wirklich dringend notwendig sind.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Ich will Ihnen mal sagen, was in Thüringen passiert ist: Allein im letzten Jahr gab es dort eine Waldbrandfläche von der Größe eines 30-Jahres-Hochs. Allein in Thüringen, wo Sie Rekordzustimmung erhalten.

Wir regieren doch gar nicht in Thüringen!

Nehmen Sie doch endlich mal Ihre verdammte Verantwortung wahr in diesem Bundesland, anstatt hier reinzublöken! Machen Sie das mal!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Zurufvon der AfD: Wenn Sie demokratisch wären, täten wir das schon lange!

Diese Bundesregierung wird weiter für einen effektiven und effizienten Klimaschutz eintreten, nicht im Streit, nicht gegeneinander, sondern gemeinsam und entschlossen.

Zurufvon der AfD: Unsere Lösungen wollen Sie ja nicht!

Wir setzen auf Innovation, auf Investition in klimaresiliente Infrastrukturen, auf den Schulterschluss mit Wirtschaft und Gesellschaft. Wir wollen überzeugen, nicht belehren. Wir wollen Klimaschutz, der für alle bezahlbar ist, keinen Klimaschutz mit der Brechstange, keine Überforderung, keine neuen gesellschaftlichen Gräben, keine Stärkung von Verschwörungstheorien und extremistischen Strömungen, wie wir sie hier in unserem Hause leider ertragen müssen.

Reine Unterstellung, Herr Limbacher!

Wir setzen auf eine pragmatische Lösung, die unser Land starkhält, liebe Kolleginnen und Kollegen. Darum geht es.

Und ich setze darauf, dass auch die Kollegen von den Grünen, nachdem sie diesen Antrag heute hier vorgelegt haben, die notwendigen Maßnahmen, die wir ergreifen wollen, unterstützen werden.

Wenn Sie das machen, tun wir das selbstverständlich!

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

War das ein Koalitionsversuch?

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
10 Vermerkeca. 825 WörterReaktionswert: hoch
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Hallo Bodo!

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

Jetzt wird es wieder ernst. – Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die intellektuelle Frühjahrsdürre an diesem Rednerpult ist vorbei.

Sie reden doch noch!

Wir beschäftigen uns mit einem wichtigen Thema: der Haftung von Bundesministern. Wer anderen schuldhaft einen Schaden zufügt, hat den Schaden zu ersetzen. Das ist ein Grundsatz im deutschen Recht. Leider gilt aber auch häufig: Die Kleinen hängt man, und die Großen lässt man laufen. – Genauso ist das bei der Haftung von Bundesministern. Das wollen wir mit unserem Gesetzentwurf ändern. Es wird dringend Zeit, das Thema anzugehen.

Beifallbei der AfD

Für Beamte ist die Haftung klar geregelt: in § 839 BGB, § 75 Bundesbeamtengesetz und Artikel 34 Grundgesetz. Danach haften die Beamten – übrigens auch jeder Helfer bei der freiwilligen Feuerwehr –, wenn er Fehler macht. Aber bei Bundesministern ist da Fehlanzeige. Es gibt keine Grundlage dafür, diese bei vorsätzlichem oder grob fahrlässigem Handeln zur Rechenschaft zu ziehen – ein sich selbst schützendes System; denn die Regierenden in Deutschland sind faktisch eine Kaste der Unantastbaren. Politische Konsequenzen? Heutzutage Fehlanzeige. Finanzielle Verantwortung? Ausgeschlossen. Strafrechtliche Aufarbeitung findet im besten Deutschland aller Zeiten nicht statt. Willkommen in der Parallelwelt der Syndikatparteien, meine Damen und Herren!

Beifallbei der AfD

Dieses Unrecht zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Ein paar aktuelle Fälle: Andi Scheuer, CSU, ehemals Verkehrsminister – Stichwort: Pkw-Maut –, hat Warnungen ignoriert, Verträge vorschnell unterschrieben. Die Bilanz: Hunderte Millionen Euro Schaden für den Steuerzahler, darunter 30 Millionen Euro allein für Gerichtsverfahren, Gutachter, Anwaltskanzleien. Konsequenzen? Keine, außer dass Scheuer nun seine Erfahrungen – man glaubt es kaum – in die Privatwirtschaft einbringt. Prost Mahlzeit, Herr Scheuer!

Oder die Northvolt-Pleite in Schleswig-Holstein. Schaden noch nicht abschließend abschätzbar; 1 Milliarde Euro, sagt man schon so. Verantwortlich: Habeck, Grüne, und der dortige Ministerpräsident Günther, CDU. Was passiert? Nichts, außer dass Habeck nun die Wirtschaftspolitik verlassen hat und im Auswärtigen Ausschuss aktiv ist, habe ich mir sagen lassen. Und im Auswärtigen Ausschuss – ich weiß nicht, wer von uns da ist – scheinen sich inzwischen wirklich einige oder sehr viele gescheiterte Ampelmännchen und Ampelweibchen aufzuhalten. Ist das richtig? Wurde mir das richtig zugetragen? – Ja, so ist es.

Beifallbei der AfD

Noch drastischer: die Reihe von vorsätzlich verursachten Verschwendungen und persönlichen Bereicherungen während der sogenannten Coronapandemie.

Was machen Sie jetzt gegen Herrn Krah?

Verschwundene Intensivbetten, Abrechnungsbetrug in Testzentren, kriminelle Maskendeals, gänzlich überflüssige Beschaffung von Medikamenten wie Paxlovid, uferlose Bestellungen von Impfstoffen, die überwiegend nie genutzt, sondern vernichtet wurden. Insgesamt Schäden mindestens im zweistelligen Milliardenbereich. Konsequenzen? Keine. Die verantwortlichen Minister Lauterbach und Spahn sitzen hier und heute zwar nicht, aber grundsätzlich noch bei uns herum. Spahn wurde sogar befördert und ist Fraktionsvorsitzender. Wobei sogar inzwischen die grüne Gesundheitspolitikerin Piechotta – ich habe Sie auch noch nie zitiert, oder? – meint, man müsse befürchten, „dass in diesen Krisenwochen“ – bei Spahn – „der Eindruck entstand, ‚jetzt oder nie‘, um ungestraft Milliarden an Steuergeldern auf die Konten von Freunden und Bekannten umzuleiten“. Das sagt eine Grüne. Allerhand! Respekt! Wer denkt da nicht gleich an die Spahn’sche Luxusvilla, die er zu Coronazeiten erworben hat.

Meine Damen und Herren, für uns ist klar: Verantwortung darf vor den obersten Entscheidungsträgern und auch vor Profiteuren nicht haltmachen. Was für den einfachen Beamten, für den einfachen Feuerwehrmann gilt, muss auch für Minister gelten. Sogar VW-Manager werden inzwischen für ihre Fehler, für Betrugshandlungen zur Verantwortung gezogen. Bundesminister haben nach wie vor Narrenfreiheit. Trotz verursachter Milliardenschäden und Spezlwirtschaft haben sie fette Pensionen und Übergangsgelder. Die strafrechtliche Verfolgung scheitert an weisungsgebundenen Staatsanwaltschaften, die zivilrechtliche Haftung scheitert an fehlender Rechtsgrundlage. Daher nun – Ihnen schon ein bisschen nähergebracht – unser Gesetzentwurf. Der ist dringend erforderlich und überfällig.

Beifallbei der AfD

Jetzt antizipiert man ja immer so ein bisschen: Was könnten die anderen so einwenden gegen den Gesetzentwurf? Da kommt jetzt wahrscheinlich: Mensch, wenn der AfD-Gesetzentwurf Wirklichkeit wird, dann finden wir gar keine Minister mehr. Keiner würde mehr Minister werden wollen. – Aber ich kann Ihnen da zwei Lösungsmöglichkeiten anbieten. Zum einen: Wir von der AfD füllen die Lücken gerne. Ich denke mal, wir würden die Lücken sehr gut füllen, die sich dann auftun würden. Und zum anderen: Lenken wir mal den Blick ins Bayernland! In Bayern ist genau das, was wir heute hier mit unserem Gesetzentwurf beantragen, seit vielen, vielen Jahren Recht bzw. als Gesetz verabschiedet. Mir wurde noch nicht zugetragen – ich weiß nicht, haben wir hier Bayern unter uns? –, dass es in Bayern Ministermangel gibt. Gibt es den?

– Nee, ne? – Also: In Bayern gibt es keinen Ministermangel. Auch da findet man noch Minister, die was werden wollen und werden können.

Ich persönlich freue mich auf die Ausschussberatung und empfehle uns allen, Sachverständige dazu einzuladen, ganz zuvörderst Herrn Scheuer, Herrn Lauterbach, Herrn Spahn und Herrn Habeck.

Heiterkeitbei der AfD

Ich freue mich darauf.

Lieber Herr Ramelow, bis demnächst!

Beifallbei der AfD
Porträt von Josef Oster
Foto: Josef Oster/ Laurence Chaperon
9 Vermerkeca. 564 WörterReaktionswert: lebhaft
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Verehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die persönliche Haftung bei Fehlentscheidungen von Bundesministern ist ein Thema, das zum Populismus geradezu einlädt, und das haben wir gerade mal wieder in seiner schlimmsten Form hier am Rednerpult erleben müssen, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Ich fand es ganz gut!

Dabei ist das ein Thema,

…, das in Bayern selbstverständlich ist!

das durchaus diskussionswürdig ist,

Zurufvon der AfD: Eben!

wenn man sich denn die Mühe macht, es auch von allen Seiten ausgewogen zu betrachten. Das ist eben bei diesem Gesetzentwurf der AfD mal wieder nicht der Fall.

Konkreter Auslöser – das haben wir gerade gehört – dürfte der Fall Northvolt und die damit verbundene Verantwortung des ehemaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck gewesen sein. Das Projekt ist grandios gescheitert – daran gibt es gar keinen Zweifel –, und selbstverständlich muss das auch hier in diesem Hause politisch noch umfassend aufgearbeitet werden. Aber selbst bei einem so bemerkenswert erfolglosen Wirtschaftsminister, wie Robert Habeck es war, sollten wir sauber trennen zwischen politischer Verantwortung und persönlicher Haftung, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifalldes Abg. Lukas Benner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Da klatscht keiner! Hat keiner verstanden!

Ich möchte nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass ein Bundesminister vor jeder Entscheidung erst mal fünf Rechtsgutachten einholt; denn das wäre doch die logische Folge. Minister müssen auch in der Lage sein, mal mutige Entscheidungen zu treffen, wenn das für unser Land notwendig ist.

Aus Angst vor persönlicher Haftung Entscheidungen nicht zu treffen, kann eben auch große Schäden verursachen.

Hinterher – das haben wir gerade mal wieder gehört – ist es natürlich immer einfach, zu urteilen. Aber gerade in Krisenzeiten, in unklaren Situationen wie Wirtschaftskrisen, einer Bankenkrise, einer Pandemie, muss eine Regierung Handlungsspielraum haben, und es muss auch möglich sein, unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen. Deshalb lehnen wir diesen Vorschlag ab, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Diese Debatte bedient aber eine Mentalität, verehrte Kolleginnen und Kollegen, die mir auch unabhängig von der Ministerebene große Sorgen bereitet. Auch in unseren Verwaltungen haben wir zunehmend eine Mentalität der maximalen Absicherung, weil man Angst vor Fehlentscheidungen hat. Wir müssen wieder dazu kommen, auf allen Ebenen unseres Staates eine Fehlerkultur zu etablieren, ansonsten werden wir immer länger brauchen, um Entscheidungen zu treffen. Aber wir müssen in unserem Land schneller werden, wir dürfen nicht noch langsamer werden, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU

Es wäre einfacher, wenn die Entscheider Fachleute wären!

Genau deshalb ist das Wegkommen von der Mentalität der maximalen Absicherung auch ein Baustein des Bürokratieabbaus. Für mich ist es ein wichtiges Thema, zu einer neuen Fehlerkultur zu kommen.

Herr Kollege, denken Sie an die Redezeit.

Rednerwechsel

Ja, vielen Dank für den Hinweis, Herr Präsident.

Ich komme zum Ende. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, vor diesem Hintergrund ist der Gesetzentwurf das vollkommen falsche Signal. Wir wollen schneller werden und nicht langsamer. Deshalb werden wir den Gesetzentwurf ablehnen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich jetzt Lukas Benner das Wort erteilen.

Porträt von Lukas Benner
Foto: Lukas Benner / Daniel Hofer
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Vielen Dank, Herr Präsident! Ich habe den Antrag der AfD tatsächlich gelesen, und unter „C. Alternativen“ steht ein spannender Satz:

„Die in der Literatur vorgebrachte Forderung nach der Etablierung einer politischen Fehlerkultur kann als Alternative in Zeiten massiv belasteter Haushalte nicht ernst genommen werden.“

Toll vorgelesen!

Die Bundestagsfraktion einer laut Verfassungsschutz gesichert rechtsextremen Partei spricht über Fehlerkultur,

Ganz vorsichtig! Ganz dünnes Eis!

eine Partei, deren Vertreter auf Demonstrationen sprechen, bei denen Puppen von Regierungsmitgliedern am Galgen hängen, eine Partei, zu deren Vokabular „Volksverräter“, „Kartell“, „Lügenpresse“, „Syndikat“ neuerdings zum Standardrepertoire gehören,

Wie wäre es mit einer Rede zum Thema?

eine Bundestagsfraktion, die einen Abgeordneten in ihren Reihen hat, der folgende Bilanz aus seinem Büro in Brüssel mitbringt: drei Anklagen wegen Spionage für Russland oder China, eine wegen Bestechung aus Russland und mindestens drei Ermittlungsverfahren wegen Bestechung aus Russland oder China. Sie sprechen also über Fehlerkultur.

Können Sie mal bitte zum Thema reden?

Schauen wir uns den Antrag dieser Bundestagsfraktion, die jetzt schärfere Regeln für die Haftung von Bundesministern fordert, einmal an. Sie fordern also, dass Bundesminister künftig nach dem Vorbild des Bayerischen Ministergesetzes für Pflichtverletzung im Amt, die vorsätzlich oder grob fahrlässig waren, haften.

Zu Ihrem Entwurf: Sie täuschen hier eine Narrenfreiheit für Ministerinnen und Minister vor, die es in dieser Form nicht gibt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Herr Brandner, ich weiß nicht, ob Sie mal vom Deliktsrecht gehört haben. Aber wer als Minister vorsätzlich gegen dieses Land arbeitet, wer deliktisch handelt, ist schon jetzt haftbar zu machen.

Wann denn in den letzten 20 Jahren? Zwei Beispiele! Nennen Sie mal zwei Beispiele!

Sie fordern die Abschaffung der Haftungsbeschränkung und eine persönliche Haftung. Aber wir müssen doch ehrlich sagen: Es gibt zu Recht hohe Hürden bei der Ministerhaftung; denn wir wollen doch von unseren Ministerinnen und Ministern, dass sie in Krisenzeiten unter hohem politischen Druck Entscheidungen treffen und sich nicht erst 24-fach mit Blick auf eine etwaige Haftung absichern müssen.

Es wäre schön, wenn Sie darüber nachdenken!

Sie schreiben über das Mautdebakel der CSU. Und ja, da kann man viele Vorwürfe äußern. Das haben wir als Grüne auch immer wieder gemacht. Der Ex-Kollege Scheuer war kein guter Verkehrsminister.

Habeck war kein guter Wirtschaftsminister!

Aber das, was Sie hier unterstellen, er habe vorsätzlich gegen die Interessen dieses Landes gehandelt hat, weise ich entschieden zurück. Das unterstellen Sie allen, deren Namen Sie in diesem Antrag nennen. Und das ist in der Sache falsch.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Das eigentliche Anliegen Ihres Entwurfes ist doch wieder, Ressentiments zu schüren, billige Effekthascherei und Politikerinnen und Politiker zu diskreditieren.

Ach Mensch! Jetzt hören Sie mal auf mit den Sprachbausteinen!

Sie tun so, als könnte hier jeder machen, was er will, und als gäbe es keinerlei Verantwortung.

Bei den Altparteien ist das so!

Das ist ein Griff in die unterste Schublade des Populismus, Herr Brandner. Sie können ja nicht mal mehr eine Rede halten, ohne einen Ordnungsruf zu bekommen und ohne die Kolleginnen und Kollegen zu beleidigen.

Jetzt hören Sie mal auf, Phrasen zu dreschen! Und reden Sie mal vernünftig zum Thema!

Das Thema „Haftung von Ministerinnen und Ministern“ ist in der Sache tatsächlich spannend. Darüber könnten wir uns mal in Ruhe austauschen, aber nicht mit Populismus, wie Sie das hier tun. Deswegen: Lassen Sie sich was Neues einfallen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Für die SPD-Fraktion hat der Kollege Hakan Demir seine Rede zu Protokoll gegeben.1Anlage 3

Ich darf für die Fraktion Die Linke den Kollegen Aaron Valent aufrufen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Aaron Valent
Foto: Aaron Valent/ Karl-Ludwig Reuter
8 Vermerkeca. 380 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Die AfD will, dass Ministerinnen und Minister persönlich für politische Fehlentscheidungen haften.

Nee! Nicht für politische! Müssen Sie mal genau angucken!

Klingt erst mal nach Gerechtigkeit, ist aber in Wahrheit ein billiger Trick. Dieser Trick dient nicht der Stärkung des Rechtsstaates, sondern seiner Demontage.

Sie haben nicht mal im Ansatz verstanden, worum es geht!

Wer Demokratie will, setzt auf Kontrolle, wer sie zerstören will, auf Einschüchterung.

Beifallbei der Linken

Die AfD tut so, als wolle sie die Regierung zur Rechtschaffenheit erziehen. Dabei will sie vor allem eins: das Vertrauen in den Staat untergraben. Denn wer keine Antworten hat, schreit halt nach Schuldigen. Und wer keine Lösung will, konstruiert Skandale.

Natürlich gab es in der Vergangenheit schwerwiegende Fehler: die Maut, die Maskenanschaffung, Wirecard, Cum-Ex. Und meine Fraktion hat diese Fehler immer zur Sprache gebracht. Wer also politische Verantwortung ernst meint, stärkt das Parlament und nicht die Klagewelle.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Verantwortung wird hier im Bundestag eingefordert und nicht in Zivilgerichten erpresst.

Unser Grundgesetz ist hier auch eindeutig. Artikel 34 sagt: Nicht Einzelpersonen haften für Amtspflichtverletzungen, sondern der Staat.

Lesen Sie mal weiter!

Und warum? Weil Demokratie heißt, kollektiv zu entscheiden, nicht individuell zu bestrafen. Wer politische Entscheidungen privatisiert, zerstört den Mut, sie erst zu fällen. Politik muss verantwortungsvoll handeln, aber sie darf nicht gelähmt werden durch Angst vor zivilrechtlichen Schadensersatzklagen. Wer handeln soll, darf nicht aus Angst vor Klagen schweigen. Dieser Gesetzentwurf ist somit kein Vorschlag, er ist ein Angriff. Er ist kein Schutz vor Missbrauch, sondern die Einladung dazu.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wer derartigen Populismus betreibt, kann auch keine Verantwortung fordern. Deswegen sagen wir als Linke ganz klar Nein zu juristischer Einschüchterung, Nein zur AfD-Strategie, stattdessen Ja zur stärkeren Kontrolle durch das Parlament, Ja zu mehr Demokratie, Ja zu mehr Verantwortung, aber nicht auf dem Rücken des Rechtsstaates.

Danke.

Beifallbei der Linken

Viel Meinung! Wenig Ahnung!

Ich darf zum letzten Wortbeitrag zu diesem Tagesordnungspunkt dem Kollegen Dr. Konrad Körner von der CDU/CSU-Fraktion das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Konrad Körner
Foto: Dr. Konrad Körner/ Julia Durmann
10 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 912 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wissen Sie, warum ich zuerst in die Anwaltschaft und dann in die Politik gegangen bin statt in die Justiz? Weil ich – so schön unabhängig der Richterberuf ist – nicht nur im Nachhinein feststellen wollte, wie man es hätte besser machen können, sondern ich wollte selbst daran mitwirken, Entscheidungen so gut wie möglich, mit notwendigen Kompromissen und unter Berücksichtigung aller Unwägbarkeiten zu treffen. Denn auch das Nichtstun hat immer Konsequenzen.

Aber jetzt kommen Sie, die Partei der chronisch schlechten Laune, um die Ecke und fordern: haften, bestrafen.

Von bestrafen steht da überhaupt nichts drin, Herr Körner!

Natürlich hört sich so ein Gesetzentwurf erst mal gut an: Lassen wir doch auch die haften, sie sollen für ihre Entscheidungen zahlen. – Das klingt populär, ist aber doch populistisch, denn: Wer ist eigentlich verantwortlich, die jeweilige Regierung zu kontrollieren, wenn zu befürchten steht, dass jemand seine Pflichten verletzt? Doch die Opposition. Sie können Tagesordnungspunkte aufsetzen, Gutachten beauftragen, Sie wirken im Haushalts- und Rechnungsprüfungsausschuss mit, Sie können Minister herbeizitieren und Untersuchungsausschüsse einsetzen.

Was ist das jetzt also? Vielleicht ein Gesetz zur Behebung eigener Unzulänglichkeiten?

Beifallbei der CDU/CSU

Wenn man Ihren Gesetzentwurf zusammen mit der Begründung liest, kommt es einem fast so vor. Denn die Fälle, die Sie in Ihrer Begründung nennen, werden allesamt von Ihrem Gesetzentwurf nicht umfasst.

Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Brandner zu?

Solange er mich nicht fragt, ob ich ihn sympathisch finde, ja.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

Ich werte das mal als Ja.

Ja.

Rednerwechsel

Also ich persönlich, Herr Körner, finde Sie total sympathisch.

Heiterkeitbei der AfD

Das ist gar keine Frage für mich. Das ist eine Feststellung.

Ich habe jetzt mal nachgeschaut und lese: Sie kommen aus Bayern.

Das ist korrekt.

Rednerwechsel

Am Ende meiner Rede – ich weiß nicht, ob Sie anwesend waren – habe ich ja darauf hingewiesen, dass das, was wir jetzt hier im Deutschen Bundestag fordern, in Bayern seit vielen, vielen Jahren geltendes Recht ist.

Das stimmt.

Rednerwechsel

Sie werfen uns hier alles Mögliche vor. Was unterscheidet denn, ich sage mal, die tägliche Wirklichkeit dieses Gesetzes in Bayern von unserem Gesetzentwurf für den Bund? Unseren Vorschlag zerlegen Sie, in Bayern aber wird das Gesetz von Ihrer Partei problemlos umgesetzt.

Ich habe ja noch gar nichts konkret zu Ihrem Gesetzentwurf gesagt.

Wissen Sie eigentlich, wie oft diese Regelung in Bayern schon zur Anwendung kam? Null Mal. Das kann natürlich an den überragenden Staatsregierungen in Bayern liegen; das sei gesagt.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber es stellt sich natürlich schon die Frage, ob man ein Gesetz macht, das nicht zur Anwendung kommt. Sie kennen ja vielleicht die Rechtslage. Dass es noch andere Rechtsgrundlagen gibt, ist umstritten. Das mag alles sein. Aber der Punkt ist: Warum führe ich ein Gesetz ein, das noch nie einen Anwendungsfall hatte und für das man außer Zustimmung zum schönen Schaufensterantrag nichts bekommt?

Gesetze müssen doch abschreckende Wirkung haben!

Warum macht man sie überhaupt? Sie müssen doch irgendwann mal gemacht werden, bevor sie zur Anwendung kommen!

– Glauben Sie, dass die Gesetze in der jetzigen Lage keine abschreckende Wirkung hätten?

Nee, haben sie nicht!

– Gut, Sie haben noch nie Verantwortung in der Politik übernehmen müssen. Aber man muss natürlich schon sagen, dass jeder Politiker durchaus in der Öffentlichkeit steht

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

und für all das haftet, was er tut.

Ich würde bitten, dass wir jetzt nicht in mehrfache Zwiegespräche kommen.

Danke, Herr Präsident.

Und ich würde den Redner bitten, mit seiner Rede fortzusetzen.

Also, lassen Sie mich noch mal feststellen: Die Fälle, die Sie aufführen, wären von Ihrem Gesetzentwurf nicht umfasst. Die grobe Fahrlässigkeit stünde nach den Gutachten und nach der Rechtswissenschaft auch gar nicht im Raum. Der Gesetzentwurf beschränkt sich also auf Symbolpolitik.

Und lassen Sie mich zu Ihrem Symbol noch was sagen. Wir leben bereits in einem Land, in dem bei vielen Beamten und Mitarbeitern der öffentlichen Hand eine diffuse Angst herrscht, für Fehlentscheidungen in Haftung genommen zu werden. Zurückhaltung, Entscheidungsunfreudigkeit und Verantwortungsdiffusion sind die Folge. Sie befeuern mit solchen Anträgen diese Ängste. Dabei sind solche Ängste unbegründet; denn obwohl es diese Regelungen im Staatshaftungsrecht an anderer Stelle gibt, ist die Zahl der Fälle, in denen es tatsächlich zu einem Regress kommt, verschwindend gering und auf krasse – meistens übrigens strafrechtliche – Ausnahmefälle beschränkt, die es ja auch hier geben könnte. Fast nie sind Entscheidungen dem Einzelnen zurechenbar oder erreichen die Schwelle der groben Fahrlässigkeit.

Ich will nicht, dass wir immer weniger Menschen haben, die Verantwortung übernehmen wollen – ob in Beamtenschaft, bei Bürgermeistern, Landräten oder in Regierungen. Ich will, dass wir Menschen haben, die bereit sind, Entscheidungen zu treffen, auch wenn der Ausgang dieser Entscheidungen nicht immer gewiss ist. Diese Koalition tritt an, ein Land zu schaffen, in dem nicht die Angst, etwas falsch zu machen, sondern die Freude am Tun wieder im Vordergrund steht.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Also schaffen Sie das Gesetz in Bayern wieder ab!

Porträt von Götz Frömming
Foto: Götz Frömming/ Olga Grenner
15 Vermerkeca. 854 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute! Erinnern Sie sich noch an den Sommer 2006? Einige sind ja etwas jüngeren Datums. Ich kann Ihnen sagen: Das war ein Fest. Ich habe dieses Sommermärchen, die Fußball-WM, im Prenzlauer Berg erlebt, und selbst da war Schwarz-Rot-Gold die vorherrschende Farbe, vor und hinter der sich alle versammelt haben. Es war ein rauschendes Fest, es war ein fröhliches Fest. Wir waren Gastgeber für die ganze Welt. Ich habe mir diese Bilder in Vorbereitung auf diese Rede noch mal angesehen, und mir sind fast die Tränen gekommen; denn seitdem haben wir solche Feste nur noch selten erlebt.

Was hatten wir 2006, was heute leider allzu oft fehlt? Wir hatten das Gefühl, zusammenzugehören als ein Volk und als eine Nation. Und, meine Damen und Herren, das ging nur mit Schwarz-Rot-Gold. Das wäre nicht mit irgendeiner Regenbogenfahne, auch nicht mit der Flagge der EU gegangen. Nur unsere Nationalflagge war dafür geeignet.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Daniel Rinkert [SPD]

Wenn Sie den Antrag gelesen haben, werden Sie nachher wahrscheinlich sagen: Typisch AfD; das ist ein homophober Antrag; die wenden sich gegen die Regenbogenflagge hier auf dem Reichstagsgebäude.

Zurufdes Abg. Daniel Rinkert [SPD]

Ich muss Sie enttäuschen: Nichts dergleichen. Wahrscheinlich haben wir in unseren Reihen genauso viele Homosexuelle wie Sie in Ihren Fraktionen oder sonst in der Bevölkerung. Aber es gibt doch einen Unterschied zwischen uns und Ihnen:

Wir machen daraus keinen Kult. Wenn wir unsere Listen für irgendeine Wahl aufstellen – sei es für den Bundestag oder für einen Landtag –,

Was hat das mit der Fahne zu tun?

Zurufdes Abg. Daniel Rinkert [SPD]

dann interessiert es uns nicht, ob jemand Mann oder Frau ist, wen er wie liebt oder was er zu Hause im Bett macht. Uns interessiert allein die Kompetenz und die Liebe zu diesem Land, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Genau so ist es!

Deshalb brauchen wir auch keine Regenbogenfahne auf diesem Reichstag. Schwarz-Rot-Gold steht für alle Menschen, egal wen sie lieben oder wie sie leben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der SPD

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog hat 1998 in einer Rede zur deutschen Einheit am 3. Oktober – ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis, Herr Präsident – Folgendes gesagt: „Schwarz-Rot-Gold, das sind ehrenhafte Farben, die keiner verstecken muß.“ Soweit Roman Herzog, CDU. Wie hellsichtig und wie weitsichtig er war! Denn 15 Jahre später – also im Jahre 2013 – hat die damalige Kanzlerin Frau Merkel – auch von der CDU – genau diese Farben bei einer öffentlichen Wahlveranstaltung sozusagen auf offener Bühne entsorgt. Das Video finden Sie immer noch im Netz. Ich finde, das war ein Tiefpunkt in der Geschichte der CDU. – Sie schütteln mit dem Kopf. Sie können uns ja gleich erklären, wie das gemeint war.

Beifallbei der AfD

Weil Sie die Unwahrheit sagen, schüttele ich mit dem Kopf!

Meine Damen und Herren, Schwarz-Rot-Gold, das steht für eine unserer besten Traditionen. Es steht für Einigkeit und Recht und Freiheit, wie es auch in unserer Hymne heißt.

Zurufdes Abg. Daniel Rinkert [SPD]

Es steht für die deutsche Einheits- und Demokratiebewegung, die bei der Burschenschaft im frühen 19. Jahrhundert ihren Anfang findet und über das Wartburgfest und das Hambacher Fest bis hin zur Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche reicht. Deshalb haben wir übrigens unseren Fraktionssaal auch so genannt. Bis dahin können Sie diese Farben verfolgen. Sie tauchen dann in der Weimarer Republik auf,

Was wollen Sie uns sagen?

dann wiederum 1949 und natürlich auch bei der Wiedervereinigung 1990. Das ist eine gute Tradition, und das ist eine Tradition, die alle miteinschließt. Wir können und müssen gemeinsam stolz auf sie sein, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Wer stellt das infrage?

Deshalb ersuchen wir auch die Bundestagspräsidentin, zur geübten Praxis zurückzukehren. Es war eine Bundestagspräsidentin der SPD, die erstmals mit der Tradition gebrochen hat. Im Jahre 2022 hat Frau Bas erstmals verfügt, dass die Regenbogenfahne hier auf den Reichstag gesetzt werden sollte.

Ja, sehr gut! Gute Entscheidung!

Leider hat die Bundestagspräsidentin von der CDU nicht die Kraft gehabt, hier zur geübten Praxis zurückzukehren.

Meine Damen und Herren, wir haben nichts gegen die Regenbogenflagge.

Lachendes Abg. Dr. Johannes Fechner [SPD]

Sie kann jeder gerne zu Hause bei sich im Schlafzimmer aufhängen, oder sie kann vor den diversen Etablissements hängen, wo auch immer. Aber sie gehört nicht auf den Reichstag, der selbst ein Symbol unserer Nation ist. Dort gehören keine Fantasiefahnen hin.

Beifallbei der AfD

Unserer Meinung nach übrigens auch keine Fahnen anderer Staaten. Die können gerne an anderer Stelle gehisst werden.

Meine Damen und Herren, ich schließe mit den Worten: Schwarz-Rot-Gold ist bunt genug.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Ich darf für die CDU/CSU Frau Dr. Cornell-Anette Babendererde – ich hoffe, ich habe es jetzt richtig gesagt – aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Cornell-Anette Babendererde
Foto: Dr. Cornell Babendererde/ Alexander Barwich
14 Vermerkeca. 620 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Winsen, Niedersachsen, Deutschland – das ist meine Heimat, und darauf bin ich stolz. Stolz und dankbar; denn Deutsche und damit automatisch EU-Bürgerin zu sein, ist mit vielen Privilegien verbunden.

Stolz bin ich auch auf unser Grundgesetz; denn es garantiert uns allen ein Leben in Recht, Freiheit und Ordnung – ein Recht, eine Freiheit und eine Ordnung, die Sie, Vertreterinnen und Vertreter der AfD, sich zum Ziel gemacht haben zu stören und zu zerstören.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken
Widerspruchbei der AfD

Deshalb ist auch der Titel des heute hier vorliegenden Antrags schon so absurd. Denn was symbolisieren für uns die Farben Schwarz-Rot-Gold? Es ist die Sehnsucht der Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts nach nationaler Einheit, Freiheit des deutschen Volkes,

Streben nach Recht und Ordnung.

Die Farben symbolisieren einen humanen Patriotismus, also genau das, was die AfD beseitigen will.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Einheit und Freiheit – das geht doch komplett gegen die DNA Ihrer Partei.

So ein Quatsch! Das wissen Sie auch, dass Sie da Unsinn erzählen!

Der Austritt aus der Europäischen Union und die Beseitigung von Minderheitenrechten stehen ganz oben auf Ihrer Agenda.

Sie praktizieren Beseitigung von Minderheitenrechten! Wir haben keinen Ausschussvorsitzenden, keinen Vizepräsidenten! Sie praktizieren es! Sie tun es!

Und genau das zeigt auch der hier vorliegende Antrag.

Sie wollen keine EU- und keine Regenbogenflagge mehr auf dem Reichstagsgebäude sehen. Damit werde – so Ihre Worte – „die herausgehobene Stellung der Bundesflagge relativiert“.

Ist so!

Ist ja auch so!

Meine Damen und Herren, selbstbewusster Patriotismus, so wie ich ihn verstehe, ist nicht von solch erbärmlicher Kleingeistigkeit geprägt.

Kleingeistigkeit und Menschenverachtung – diese Haltung der AfD wird mit dem aktuellen Post Ihrer kirchenpolitischen Sprecherin nur allzu deutlich. Ich zitiere, spreche aber vorher eine Ekelwarnung aus. Da schreibt Frau Höchst:

„AN ALLE MOSLEMS IN DEUTSCHLAND:

Was immer du auch isst […]

Es ist mit Schweinescheiße gedüngt […]“

Was hat das denn mit dem Antrag zu tun?

Bitte entschuldigen Sie, aber das hat Frau Höchst so geschrieben. Übrigens, ich glaube nicht, dass irgendein Muslim einer Frau Höchst erlauben würde, ihn mal einfach so zu duzen. In Deutschland siezt man sich erst mal.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

An dieser Stelle wird die islamophobe Prägung Ihrer Partei mit jeder einzelnen Silbe deutlich.

Herr Dr. Frömming, Sie schwärmen in Ihrer Rede vom Sommermärchen 2006.

Mit diesem Geist der AfD, den wir hier immer wieder erleben dürfen, wäre das Sommermärchen 2006, als wir die Welt zu Gast hatten, gar nicht möglich gewesen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, zwischen der linksradikalen Parole „Deutschland, halt’s Maul!“ und dem geschichtsvergessenen, berühmt-berüchtigten „Vogelschiss“ der AfD –

Ich darf Sie auf die Redezeit aufmerksam machen.

– jawohl –, zwischen diesen beiden Polen ist ganz viel Raum für eine Politik, die unser demokratisches Banner Schwarz-Rot-Gold würdig vertritt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich darf für Bündnis 90/Die Grünen Marlene Schönberger aufrufen.

Porträt von Marlene Schönberger
Foto: Marlene Schönberger/Elias Keilhauer
17 Vermerkeca. 593 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Schon wieder erleben wir eine AfD-Scheindebatte über ein nicht existentes Problem. Denn auch die Fraktion ganz rechts hier im Saal weiß doch ganz genau: Selbstverständlich hängt die Flagge in Schwarz-Rot-Gold vollkommen etabliert und gut sichtbar an öffentlichen Gebäuden.

An vielen nicht!

Und niemand, absolut niemand, zieht das in Zweifel. Diese Behauptung ist absolut absurd.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Der AfD geht es in Wirklichkeit um etwas ganz anderes:

Erstens: Ablenkung. Es geht ihr um Ablenkung von ihren verfassungsfeindlichen Positionen

Nennen Sie doch mal eine verfassungsfeindliche Position!

und ihrer Verstrickung in rechtsextreme Netzwerke. Es geht ihr um Ablenkung davon, dass sich AfD-Abgeordnete als Patrioten feiern,

Zurufvon der AfD

währenddessen aber Putin die Stiefel küssen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Wir respektieren die Polizei!

Es geht ihr um Ablenkung von der Schande, die die AfD für dieses Land ist.

Zweitens: Spaltung. Es geht ihr um die Spaltung der Gesellschaft durch völkische Identitätspolitik. Das steckt nämlich dahinter, wenn die AfD wie im Titel des Antrags „identitätsstiftend“ sagt. Denn auch ohne das Gutachten des Verfassungsschutzes wissen wir: Die AfD-Vorstellung von Gesellschaft basiert auf den rassistischen Ideen von kultureller Homogenität und Abstammung,

Das glauben Sie doch jetzt alles selber nicht, oder?

Wo haben Sie das denn abgeschrieben?

ganz im Sinne völkischer Nationalisten, autoritärer Demokratieverächter und der Feinde der liberalen Ordnung. Denn in dieser Tradition steht die AfD.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken
Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Drittens geht es der AfD natürlich auch um Queerfeindlichkeit. Die extreme Rechte will queere Menschen nicht nur unsichtbar machen; sie will uns auch unsere hart erkämpften Grundrechte wieder wegnehmen.

Zurufevon der AfD: Falsch!

Jeder hat Grundrechte!

Natürlich macht das Hissen der Pride Flag Unrecht nicht ungeschehen. Es beseitigt auch nicht die Diskriminierung, die queere Menschen tagtäglich erleben. Es ist nur ein Symbol – aber ein Signal, das zeigt: Queere Menschen sind selbstverständlich Teil dieser Gesellschaft, und das darf in einer liberalen Demokratie nicht zur Debatte stehen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Steht es ja auch nicht!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, während Angriffe auf queere Menschen auf einem Höchststand sind,

Von wem kommen denn die Angriffe?

hat die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner verfügt,

Sie diskriminieren mit dieser Fahne!

dass auf dem Dach des Bundestags am Christopher Street Day keine Regenbogenflagge mehr wehen wird. Das ist eine fatale Entscheidung.

Ein guter Anfang!

Und wem man damit einen Gefallen tut, das haben wir heute gesehen.

Beifallder Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Lorenz Gösta Beutin [Die Linke]

Deshalb: Liebe Frau Klöckner, bitte entscheiden sie sich um. Bitte zeigen Sie Solidarität.

Kann man auch anders zeigen!

Stehen Sie an unserer Seite. Es geht hier nicht um Sonderrechte,

Das sind Sonderrechte!

sondern um Menschrechte, Gleichstellung und Sicherheit sowie Sichtbarkeit für alle.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken

Dann nehmen Sie Schwarz-Rot-Gold! Dann haben Sie alle abgebildet, auch die Heteros!

Ich darf für die SPD-Fraktion Helge Lindh aufrufen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
11 Vermerkeca. 493 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auf Basis von – Achtung! – Vorstellungskraft, Ironie, deutscher Sprache und gesundem Menschenverstand präsentiere ich zum Antrag zur Beflaggungsfrage „Die Angst der AfD – ein Seelenporträt“:

Weht auf dem Reichstag gar der Regenbogen, wird der deutsche Mann aus mir rausgesogen, werde ich da plötzlich queer, trink dann nicht mehr deutsches Bier

Heiterkeitbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Brave Frauen früher waren irgendwie netter Back in the days just all was better Sorry, hier wird ja Deutsch gesprochen Und bloß nicht zu viel Europas Duft gerochen

Zurufvon der AfD: Das war doch ChatGPT!

Die Europa kann von mir aus Zeus gern noch mal entführen Auf dem Bundestagsturm aber will ich sie nur nicht mehr spüren

Lachenbei der AfD

Schrumpft sie doch krass mein nationales Ego Bau mir lieber Grenzen mit Hass als Lego

Hört mir auf mit all dem Wir Das, was zählt, ist: Ich bin hier Was deutsch ist, das bestimme ich Die Wirklichkeit, die will ich nich’

Zurufdes Abg. Dr. Paul Schmidt [AfD]

Schwarz-Rot-Gold, das find ich klasse als Slogan für die Wählermasse Einigkeit und Recht und Freiheit kenn ich nur in meiner Freizeit

Die Nationalmannschaft wünsch ich mir germanisch rein Und soll sie ruhig ganz und gar erfolglos sein Denn meines Landes Wohl bleibt mir egal Mein Patriotismus ist halt hohl und schal

Heiterkeitbei Abgeordneten der Linken

Vielfalt ertrag ich nimmermehr Ja, es gilt: Ich bin wieder wer, obwohl ich niemals jemand war

Doch! Leute mit Berufsabschlüssen waren wir!

außer einer Demokratiegefahr

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Aber ist denn Schwarz-Rot-Gold nicht auch recht bunt? Allzu kluge Fragen sind nur ungesund Schwarz-Weiß ist meine Lieblingsmär Da ist kein Platz für „nonbinär“

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Pride Month, oh nee, ich bin dagegen Stolzmonat ist der einz’ge Segen Mit meinem Stolz wird streng ausgeschlossen, Logik und Verstand im Ausschluss eingeschlossen

Ich schütze die Kinder vor LGBTQIA+

Das ist aber schon eine Merkleistung!

und ertränke sie dann lieber im Rassismusfass

„Völkisch statt queer“, so lautet die Devise, mit der ich meinen inner’n Leerstand fliese

Heiterkeitbei Abgeordneten der SPD und der Linken

Schwul, lesbisch, bi und a und trans Das passt doch nicht zum deutschen Hans Dass Hans im Leben doch auch ganz gern Männer liebt, meint, dass die Welt für mein Weltbild nur Stress ergibt

So wie Schwarz-Rot-Gold mit Regenbogen und EU uns befreit, werte ich, ach, als gar feigen Anschlag auf meine Dummheit So flüchte ich mich final in Identität Für Einsicht ist es eh zu spät

Schönen Abend.

Porträt von David Schliesing
Foto: Nancy Glor
7 Vermerkeca. 397 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist die Aufgabe der Demokratie, die Rechte aller Menschen zu stärken, und nicht, sie zu schwächen. Der vorliegende Antrag verfolgt aber Letzteres! Eines kann ich Ihnen hier aber sicher sagen: Der Marginalisierung und Diskriminierung von queeren Menschen und der Gewalt gegen sie treten wir mit aller Entschiedenheit entgegen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Faschismus ist eine verbrecherische Weltanschauung; deshalb sind seine Kennzeichen verboten. Queersein, wie die Antragstellerin behauptet, ist hingegen keine Weltanschauung. Es ist ein Menschenrecht und grundgesetzlich geschützt!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD: Darum geht’s ja gar nicht!

Diese Rechte sind weltweit bedroht. Selbst in unserem vergleichsweise fortschrittlichen Land sind sie eben keine Selbstverständlichkeit. Die Zahl der rechten Straftaten im Bereich „Sexuelle Orientierung“ ist laut BKA von 2023 auf 2024 um erschreckende 57,8 Prozent angestiegen. Ich frage Sie: Wie wollen Sie queere Menschen vor Angriffen, die ja vornehmlich aus dem rechtsextremen Milieu kommen, schützen?

Das ist ja Quatsch! Die kommen aus einem anderen Milieu!

Nee, nee! Die kommen von einem anderen Milieu! Reine Realitätsverweigerung!

Was ist Ihre Angst vor queeren Menschen im Gegensatz zu dem Mut derjenigen, die sich der gegen sie gerichteten Gewalt in Wort und Tat unermüdlich entgegenstellen? Ein Fliegenschiss!

Beifallbei der Linken

Sie sind die größte Gefahr für diese Menschen! Wer hat denn das schwule Pärchen erstochen?

Sehr geehrte Damen und Herren, Bundestagspräsidentin Klöckner hat den richtigen Beschluss ihrer Vorgängerin Bärbel Bas, die Regenbogenflagge am Bundestag während des Pride Month als Symbol der Solidarität zu hissen, aufgehoben. Im Lichte der zunehmenden Angriffe auf queere Menschen fordere ich das Bundestagspräsidium auf, dies noch einmal zu überdenken; denn der vorliegende Antrag ist die logische Folge dieser Kehrtwende. Der rechtsextreme Soundtrack darf keine Verstärkung durch Konservative finden!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Insofern ist momentan die einzige Flagge, für die es sich für mich zu kämpfen lohnt, die Regenbogenflagge.

Vielen Dank.

Ich darf für die CDU/CSU-Fraktion aufrufen: Frau Mechthilde Wittmann.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
11 Vermerkeca. 584 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Lindh, erlauben Sie mir, Ihnen meinen allertiefsten Respekt auszudrücken.

Beifallbei Abgeordneten der SPD
Zurufvon der AfD: Die CSU verbeugt sich vor den Linken!

– Ich verbeuge mich vor einem aufrichtigen Menschen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Farben der Bundesflagge sind bei uns in Artikel 22 Absatz 2 des Grundgesetzes normiert. Dies haben die Mütter und Väter des Grundgesetzes schon 1949 so festgelegt. Ein Redner im Parlamentarischen Rat fasste dies damals so zusammen – Herr Präsident, ich darf zitieren –:

„Die Tradition von schwarz-rot-gold ist […]: Einheit in der Freiheit. Diese Flagge soll uns als Symbol dafür gelten, dass die Freiheitsidee, die Idee der persönlichen Freiheit eine der Grundlagen unseres zukünftigen Staates sein soll.“

Zitat Ende.

Und genauso wollen wir es mit unserer Flagge halten. Unsere Bundesflagge hat Verfassungsrang. Sie ist ein wichtiges Staatssymbol und Element gesamtstaatlicher Repräsentation. Sie steht für Einheitlichkeit und Kontinuität staatlichen Handelns und dient insbesondere der Identifikation der Bürger mit dem Staat. „Um die Akzeptanz staatlicher Symbole in der Bevölkerung zu erhalten,“ – dieser Satz stammt von Nancy Faeser – „ist die Wahrung staatlicher Neutralität zwingend erforderlich.“ Und deswegen ist der Beschluss von Frau Bundestagspräsidentin Klöckner genau richtig, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD

Die Idee der Einheit in Freiheit wird durch die Europäische Union und insbesondere durch die gefundene Freiheit und Freizügigkeit im Schengenraum garantiert. Sie wird so gelebt. Wir sind auf diesem Kontinent zusammengewachsen, und das symbolisieren wir eben auch durch die Beflaggung unseres Hauses mit der Europaflagge auf einem der Türme und hier im Saal.

Ganz genau!

Wir als größtes Mitgliedsland der Europäischen Union haben der EU viel zu verdanken. Und deswegen lassen sich Deutschland und Europa nicht gegeneinander ausspielen. Sie gehören zusammen, und das wollen wir auch mit der Beflaggung zeigen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Liebe AfD, ich darf zitieren. Björn Höcke: „Diese EU muss sterben […].“ Aus Ihrem Europawahlprogramm: Wir halten „einen Austritt Deutschlands [aus] der Europäischen Union […] für notwendig.“

Nee, das steht da nicht!

Zurufdes Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]

Sie wollen mit Ihrem heutigen Antrag hier einen Schritt gehen. Wir werden das nicht tun – keinen Millimeter. Wir stehen zur Europäischen Union. Sie ist das, was wir für unser Land brauchen. Hier leben wir in Sicherheit und Freiheit. Das, was Sie als AfD vertreten, ist zutiefst europafeindlich.

Nein, bloß CDU-feindlich!

Das ist nicht wahr!

Sie haben Mitarbeiter, die vom Generalbundesanwalt der Spionage verdächtigt werden, in Ihrer Fraktion im Europaparlament beschäftigt.

Zurufdes Abg. Jörn König [AfD]

Der Abgeordnete, der dies getan hat, Herr Krah, sitzt jetzt hier in Ihrer Bundestagsfraktion. Deswegen brauchen wir von Ihnen keinerlei Lehrstunde darüber, wie die Symbolik ist, mit der wir unseren Staat, unsere Freiheit, unsere Einigkeit und unser Zusammenhalten in Europa definieren und zeigen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ohne uns rücken Sie noch weiter nach links!

Wir stehen zu unserer Flagge, und wir stehen zur einzelfallbezogenen Ergänzung der Beflaggung an besonderen Tagen wie beispielsweise beim G7-Treffen. Deswegen stehen wir auch zur Hinzufügung der europäischen zur deutschen Flagge; denn sie symbolisiert unsere Zukunft.

Und diese andere?

Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen einen schönen Abend.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD