Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Ministerin, ich freue mich, dass Sie sich in den von Ihnen skizzierten Schwerpunkten Ihrer künftigen Arbeit dazu bekennen, dass wir auch entwicklungspolitisch in der Arbeit neue Schwerpunkte setzen müssen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und wünsche Ihnen viel Erfolg.
Es ist richtig: „Wir brauchen […] Veränderungen in der Entwicklungspolitik, die aktuelle geopolitische und ökonomische Realitäten stärker abbilden und gestalten müssen.“ Dieser Satz aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD bringt es so ziemlich auf den Punkt: Wir wollen und wir werden die Entwicklungszusammenarbeit neu ausrichten. Die Welt hat sich verändert, und diesen veränderten Realitäten tragen wir Rechnung – nicht nur, aber eben auch im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung.
Unser Koalitionsvertrag gibt die Richtung vor: Wir werden den integrierten Ansatz unserer Außenpolitik durch eine bessere Zusammenarbeit der beteiligten Ministerien stärken. Und wir werden deren Arbeit kohärent aufeinander abstimmen und entlang unserer Interessen ausrichten.
Wir werden im Lichte unserer Interessen die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Sicherung des Zugangs zu Rohstoffen, die Fluchtursachenbekämpfung sowie die Zusammenarbeit im Energiesektor, wie vom Kollegen Jung schon angesprochen, als strategische Schwerpunkte setzen.
Dabei ist die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und damit gleichwertig das Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung in den Partnerländern nicht nur sinnvoll für Deutschland, sondern auch der ausdrückliche Wunsch der Entwicklungsländer. Denn diese Länder haben einen enormen Bedarf an Investitionen, und diesen Bedarf kann die Entwicklungszusammenarbeit allein nicht einmal ansatzweise decken. Selbst wenn alle Geberländer das sogenannte 0,7-Prozent-Ziel erfüllen würden, bliebe eine gewaltige Lücke. Daraus ergibt sich, dass wir privatwirtschaftliches Engagement in Entwicklungsländern mobilisieren müssen; sonst bleiben die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen ein ferner Traum.
Nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern ist entscheidend, um Arbeitsplätze zu schaffen und den Menschen langfristig gute Perspektiven zu bieten.
Und ein verstärkter wirtschaftlicher Austausch ist auch im Interesse Deutschlands, sei es bei neuen Produktions- und Absatzmärkten, beim Zugang zu Rohstoffen oder bei einer geordneten Fachkräftemigration.
Wir wollen dafür sorgen, dass exportorientierte und investitionsbereite Unternehmen aus Deutschland bessere Finanzierungsmöglichkeiten und Risikoabsicherungen erhalten. Darum modernisieren und erweitern wir den Garantierahmen für die Absicherung von Kreditvergaben für Investitionen in Entwicklungsländer. Und wir werden eine gemeinsame Anlaufstelle der Außenwirtschaftsförderung und der Entwicklungszusammenarbeit für die deutsche Wirtschaft etablieren. Das ist gut so, das ist sinnvoll, und das wird von Erfolg geprägt sein.
Meine Damen und Herren, ich hoffe sehr, dass es damit auch gelingt, die wirtschaftliche Zusammenarbeit des BMZ und die Außenwirtschaftsförderung des Wirtschaftsministeriums besser miteinander zu verzahnen; mehr Schlagkraft und Wirksamkeit sind auch hier nötig. Gerade in Afrika mit seinen vielfältigen Chancen müssen wir auch wirtschaftspolitisch aktiver werden.
Wir haben es im Koalitionsvertrag festgehalten: Es ist unser Ziel, dass Vergaben von staatlich finanzierten Entwicklungsprojekten überwiegend an Unternehmen aus Deutschland und der EU erfolgen. Andere Länder arbeiten hier bereits sehr zielgerichtet. Deswegen auch der Aufruf: Lassen Sie uns mit unseren Partnerländern uns abstimmen, wo diese Bedarfe sind und wo die deutsche Wirtschaft zum Zuge kommen kann! So können, müssen und werden wir Win-win-Lösungen schaffen.
Deutschland übernimmt hierbei weiter Verantwortung in der Welt, aber das ist mehr interessen- und wertegeleitet als bislang.
Unser langfristiges Ziel muss es sein, nachhaltig tragfähige Strukturen zu etablieren, damit die Menschen in diesen Ländern ein freies und selbstbestimmtes Leben führen können. Entwicklungszusammenarbeit ist kein Selbstzweck. Sie ist letztlich dann erfolgreich, wenn sie sich selbst überflüssig macht – überflüssig, weil frühere Entwicklungsländer so große Fortschritte erzielt haben, dass sie keine weitere Unterstützung benötigen. Dafür leistet Deutschland entsprechend seiner wirtschaftlichen Stärke seinen Beitrag.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich freue mich auf die zukünftige Arbeit im Ausschuss und auf alles, was da kommt.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich nun Frau Schahina Gambir das Wort erteilen.